Abschuss eines Bombenflugzeuges am 10.04.1945

Einsatz der Halifax NA-240 am 10. April 1945

Kurz vor dem Start wurde der Crew der NA-240 das Einsatzziel mitgeteilt und notwendige Unterlagen wie Karten, Flugkoordinaten und Zeitpläne übergeben. Für den 10. April 1945 hatte die Crew der Halifax NA-240 zusammen mit einer zweiten Halifax mit der Seriennummer PN-426 unter Captain Frazer einen Spezialauftrag erhalten. Sie sollten eine sogenannte "Protective Patrol" (Schutzpatrouille) für den Hauptbomber-Verband der 5. Bomber-Gruppe fliegen. Seit 1943 galt die 5. Bomber-Gruppe als Eliteverband der RAF. In dieser Nacht hatte sie den Auftrag, den Verschiebebahnhof und die Gleise in Leipzig-Wahren zu bombardieren. Da die Bomber generell gegen angreifende Jagdflugzeuge nur geringe Überlebenschancen hatten, wurden sie ständig durch Flugzeuge aus der 100. Bomber-Gruppe begleitet und geschützt. Die 100. Bomber-Gruppe trug die Zusatzbezeichnung "Special Duties" (Sonderaufgaben). Da diese Bomber-Gruppe hauptsächlich "Windows" zur Täuschung einsetzte, bekam sie den Spitznamen "Special Window Force".

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Abbildung 8: Eine Halifax der 462. Squadron während des Fluges (Foto AWM)

Zur Verwirrung bei der Aufklärung des Schicksals der NA-240 trug bei, dass am 10./11. April 1945 zeitgleich mehrere Bombenangriffe geflogen wurden. So fand am 10. April ein Tagesangriff auf die Bahnhöfe Mockau und Engelsdorf statt. 230 Flugzeuge - 134 Bomber vom Typ Lancaster, 90 vom Typ Halifax und sechs Mosquitos – waren für diesen Angriff auf Leipzig vorgesehen. Hierbei gingen eine Lancaster und eine Halifax verloren. Die restlichen Maschinen kehrten noch vor Mitternacht auf ihre englischen Flughäfen zurück. In der Nacht vom 10. zum 11. April 1945 starteten zwischen 18:00 Uhr und 19:30 Uhr englische Bomber zu Angriffen auf Berlin, Plauen und Leipzig-Wahren. Insgesamt 594 Flugzeuge waren am 10. und 11. April an den Angriffen beteiligt. Sieben Lancaster, eine Mosquito und eine Halifax wurden vernichtet. Die restlichen Flugzeuge kehrten am 11. April zwischen 02:00 Uhr und 03:00 Uhr zurück. Die 462. Squadron entsandte zehn Flugzeuge zu diesen Nachtangriffen. Acht Halifax begleiteten den Angriff auf Plauen, zwei wurden mit besonderen Aufgaben nach Leipzig-Wahren geschickt. Diese beiden Maschinen, die NA-240 und die PN-426, sollten an der Spitze dieses Kampfverbandes der 5. Bomber-Gruppe fliegen und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den Angriff absichern. Im Logbuch der RAF wurden sie als "RCM" geführt, der Abkürzung für "Radio Counter Measures" (elektronische Gegenmaßnahmen). Es nahmen also tatsächlich 97 Flugzeuge statt der bisher in der Literatur angegebenen 95 an dem Angriff auf Leipzig teil (76 Lancaster, 19 Mosquitos und zwei RCM-Halifax).