Delitzscher als Opfer von Krieg und Gewalt 1864 bis 1955

3. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871

Im Deutsch-Französischen Krieg vom 15.07.1870 bis zum 10.05.1871besiegte Preußen schließlich Frankreich. Bereits am 18.01.1871 wurde noch während des Krieges in Versailles das Deutsche Reich gegründet und Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Die Kriegserklärung Frankreichs löst, ebenso wie in ganz Deutschland, auch in Delitzsch eine große Kriegsbegeisterung und antifranzösische Stimmung aus. Sofort bildete sich wieder ein Hilfsverein zur Unterstützung verwundeter Krieger, der sich diesmal aber nicht nur auf die Stadt beschränkte, sondern vielmehr den ganzen Kreis umfasste. Auch erging durch ein Zeitungsinserat an alle Bewohner von Stadt und Land die Aufforderung zu einer Sammlung für die von den Reserve- und Landwehrleuten zurückgelassenen Frauen und sonstigen Angehörigen. In der Chronik wurde angegeben, dass lediglich zwei Delitzscher Bürger während des Krieges gefallen seien. Bei der Durchsicht der fast täglich erschienenen Verlustlisten der preußischen Armee fällt aber auf, dass eine große Anzahl von Vermissten aufgeführt wurde, deren Schicksal nicht mehr geklärt werden konnte. Außerdem wurden hier viele Soldaten aufgeführt, die schwer verwundet waren.

Abbildung 4 - Preuische Batterie vor Metz Bild Bestand Museum Delitzsch
Abb. 3: Preußische Batterie vor Metz (Museum Delitzsch)

Beim Stand der damaligen medizinischen Möglichkeiten kann aber davon ausgegangen werden, dass ein hoher Prozentsatz diesen Verwundungen später erlag. Bisher konnten eindeutig 16 Delitzscher identifiziert werden, die im Krieg umkamen. Davon fielen sechs Soldaten im Gefecht, ebenso viele starben durch Erkrankungen wie Typhus, drei erlagen ihren schweren Verletzungen im Lazarett und einer wurde zunächst vermisst, bis sich sein Tod danach bestätigte. Es handelte sich dabei unter anderem um den Füsilier Carl Friedrich Bauer, der im Gefecht bei Chautraine (Frankreich) am 18.08.1870 durch Kopfschuss schwer verwundet wurde und den Verletzungen erlag; den Füsilier Ernst Huth, der bei dem Gefecht bei St. Privat la Montagne (Frankreich) tödlich verwundet wurde; den Musketier Friedrich Wilhelm Köth, der im Gefecht bei Beaumont (Frankreich) durch Kopfschuss tödlich verwundet wurde; den General-Feldzeugmeister Hermann Krahnefeld, der am 16.08.1870 bei Vionville (Frankreich) durch Granattreffer in den Unterleib tödlich verwundet wurde; den Musketier Christian Lattermann, der am 1. September 1870 bei Sedan (Frankreich) durch Schüsse in Brust und Hals tödlich verwundet wurde; den Füsilier Friedrich Wilhelm Louis Mühlpfort aus Spröda, der am 18. August 1870 bei Vionville (Frankreich) durch Granattreffer in den Unterleib tödlich verwundet wurde sowie die Füsiliere Friedrich Hermann Horn und Friedrich Louis Knopf, Karl Hermann Meissner, Hermann Richter aus Schenkenberg, Friedrich Hugo Sander, Rekrut Karl Friedrich Sonnenberger, Ferdinand Sparmann, Carl Friedrich Hermann Roehring und Wilhelm Schmidt. Am 1. September 1895 wurde in Delitzsch auf dem Marktplatz ein acht Meter hohes Siegerdenkmal eingeweiht, dass dem 25. Jahrestag des Sieges gegen Frankreich gewidmet war.

Abbildung 5 - Siegeseinzug der Truppen in Berlin am 16. Juli 1871 Bild Bestand Museum Delitzsch
Abb. 4: Siegeseinzug der Truppen in Berlin am 16. Juli 1871


Quellen für die folgende Datenbank: Deutsch-französischer Krieg, 1870-71, Verlust-Liste. Hrsg.: Königliche Geheime Oberhofbuchdruckerei, Berlin. Gebundene Zusammenfassung der fast täglich während des Krieges herausgegebenen Verlustlisten. Kirchenbuch Delitzsch, Beerdigungen 1870/1871. Verlust-Listen der Königlich Preussischen Armee und der Grossherzoglich Badischen Division aus dem Feldzuge 1870 – 1871, Berlin : [v. Decker], 1871, Online-Ausgabe Düsseldorf : Universitäts- und Landesbibliothek, 2011.Verlustlisten, veröffentlicht im Delitzscher Kreisblatt zwischen dem 23.07.1871 bis 07.03.1871

Datenbank der Todesopfer