Delitzscher Internierte in sowjetischen Speziallagern

8. Begriffserklärungen/Abkürzungen

0, 00: 0 vor einer Befehlsnummer bedeutet "geheim"; 00 steht für "streng geheim".

Blockleiter: Der Blockleiter stand am unteren Ende der Hierarchie der NSDAP; er war für 40 bis 60 Haushalte ("Wohngemeinschaften einschließlich Untermieter") mit durchschnittlich rund 170 Personen zuständig.

Dystrophie: Entwicklungsstörungen des Organismus, besonders häufig durch einen Mangel an Nährstoffen aufgrund von Mangel- oder Fehlernährung hervorgerufen.

Enterokolitis: Schwere Entzündung des Dünn- und Dickdarms; Ursachen sind hier falsche oder fehlende Ernährung; führt bei Nichtbehandlung zum Tod.

GPU: Gossudarstwennoje Politscheskoje Uprawlenije = "Staatliche politische Verwaltung"; sowjetische politische Polizei zwischen 1922 und 1934.

GULAG: Glawnoje Uprawlenije Isprawitelno-trudowych Lagerej) – auch GULag – ist das Akronym für Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager und gleichzeitig das Synonym für ein umfassendes Repressionssystem in der Sowjetunion, bestehend aus Zwangsarbeitslagern, Straflagern, Gefängnissen und Verbannungsorten.

GUPWI: russische Abkürzung für die Verwaltung der Kriegsgefangen- und Internierungslager in der Sowjetunion.

KGB: Komitee für Staatssicherheit; 1941 vom NKWD abgetrennte Dienststelle; 1943 NKGB (Volkskommissariat); seit 1946 Ministerium für Staatssicherheit (MGB); 1953 KGB.

MGB: Neben dem Innenministerium (NKWD/MWD) bestand seit 1917 auch ein Staatssicherheitsdienst, der öfters umbenannt wurde: GPU, OGPU, GUGB, NKGB, MGB, KGB.

NKGB: siehe KGB und MGB.

NKWD/MWD: Narodny Komissariat Wnutrennich Del = Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten [1934 aus der GPU hervorgegangen]; 1946 wurde aus dem Volkskommisariat ein Ministerium, das MWD (Ministerium für innere Angelegenheiten). In die Zuständigkeit des NKWD (ab 1946 MWD) gehörten während und nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Speziallager und Kriegsgefangenenlager. Dafür war im NKWD die Hauptverwaltung für Angelegenheiten der Kriegsgefangenen und Internierten - kurz GUPWI – eingerichtet. Das NKWD – später das MWD – bestimmten über Standorte und Einrichtung der Lager, über Behandlung und Einsatz der Kriegsgefangenen und Internierten.

MWD: Ministerium für Innere Angelegenheiten der UdSSR; siehe NKWD.

NSDAP: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Ortsgruppenleiter: er stand einer Ortsgruppe der NSDAP vor. Er gehörte dem "Korps der Politischen Leiter" an und war nebenberuflicher "Amtswalter" der Partei. Dem Ortsgruppenleiter unterstanden nicht nur die NSDAP-Parteimitglieder (mindestens 50 und höchstens 500), sondern alle Haushalte (mindestens 150 und höchstens 1.500) in der Ortsgruppe. Auch waren dem Ortsgruppenführer die Zellen- und Blockleiter unterstellt.

RSFSR: Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik.

SBZ: Sowjetisch Besetzte Zone - war eine der vier Zonen, in welche Deutschland nach dem Potsdamer Abkommen aufgeteilt wurde. Zur SBZ gehörte das Gebiet des damaligen Mitteldeutschland sowie ein großer Teil der Mark Brandenburg, von Mecklenburg und Vorpommerns. 1949 wurde die SBZ das Staatsgebiet der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Republik.

SMAD: Sowjetische Militäradministration in Deutschland - war oberste Besatzungsbehörde und somit De-facto-Regierung in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) von Juni 1945 bis zur Übertragung der Verwaltungshoheit an die Regierung der DDR am 11. November 1949.

SMERSCH: russische Abkürzung für "Tod den Spionen"; Spionageabwehr des NKWD, ab März 1947 dem MGB unterstellt.

SMT: Sowjetisches Militärtribunal.

Stalag: Stammlager; Kriegsgefangenenlager der deutschen Wehrmacht.

Strafgesetzbuch (StGB) der RSFSR: Sowjetischerseits wurden bei der Verfolgung von NS- und Kriegsverbrechen sowohl alliierte Rechtsgrundlagen als auch eigene Rechtsbestimmungen durch das SMT (hauptsächlich die Artikel 56-58 StGB der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik – RSFSR von 1926) herangezogen, aber im Gegensatz zum Nürnberger Verfahren Kernelemente der Rechtsstaatlichkeit ausgespart. In der Regel standen den Angeklagten weder ein Verteidiger noch entlastende Zeugen oder andere Beweismittel zur Verfügung. Diese Praxis traf im Übrigen auf fast alle Verfahren gegen angeklagte deutsche Zivilisten zu. Gegen die als NS- und Kriegsverbrecher angeklagten Personen gingen SMT auch häufig ohne konkrete Beweisführung vor.

Werwolf: In der NS-Propaganda die Idee einer Untergrundarmee, die den Widerstand im militärisch besetzten Deutschland fortsetzen sollte, ging nicht über vereinzelte Terrorakte hinaus.

Zellenleiter: Der Zellenleiter stand an sechster Stelle in der NSDAP-Hierarchie. Er musste sich um die Verwaltung von etwa vier bis acht Blocks kümmern. Ein Block war für etwa 40 bis 60 Haushalte zuständig.