Delitzscher Stadtchronik 1207-1990

Delitzscher Stadtchronik -1451-1499

(Quelle: Delitzscher Stadtchronik von Johann Gottlieb Lehmann; ausgewählt durch Hans-Jürgen Moltrecht, Teil II, 1451-1499, hrsg. vom Kreismuseum Delitzsch, 2. Auflage 1991)

Einführung

Der vorliegende Teilabdruck aus der Lehmannschen Chronik belegt die Jahrzehnte vor 1500. Es ist die Zeit zunehmender Widersprüche zwischen dem wirtschaftlich aufblühenden Städtebürgertum und dem historisch überlebten Feudaladel. Alle politischen. wirtschaftlichen sozialen und ideologischen Faktoren werden noch einmal deutlich, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Deutschland zur ersten frühbürgerlichen Revolution Europas führten. Noch erweitern die Städte um Leipzig ihre Märkte, sichert sich Delitzsch durch Verstärkung der Wehranlage gegen militärische Übergriffe und beendet Bau und Ausbau der repräsentativsten Gebäude -Rathaus 1497 und Stadtkirche 1499. Daneben sind die Städte weiter verpflichtet, an fürstlichen Heerfahrten teilzunehmen und Hofgelage in Leipzig oder anderen Orten mit Nahrungsmitteln und Betten zu unterstützen. Der Delitzscher Rat hat laufende Steuern und Sondersteuern für die sächsischen Fürsten pünktlich abzuliefern. In vielen Fällen kann er die Summen nur unter Schwierigkeiten aufbringen und als einzige Möglichkeit bleibt ihm dann, wohlhabende Bürger um Hilfe zu bitten. Auch die Kirche oder einzelne Geistliche treten als Kapitalverleiher hervor. Andererseits fließen Unsummen als Erlös aus dem Ablaßhandel nach Rom. Ablaßverkauf und Heiligenverehrung nehmen im religiösen Leben einen großen Raum ein und es fehlt, wie am Beispiel des "Wunders der blutenden Hostie" von Wilsnack 1484 nicht an vernünftigen Stimmen aus den Universitäten, die den Betrug am gläubigen Volke entlarven. Betfahrten sollen gegen Hungersnöte und Epidemien helfen, doch die Zusammenballung des Volkes bewirkt eine weitere Übertragung und Ausbreitung der Krankheit. Ein Drittel Bevölkerungsverlust in den Städten sind keine Seltenheit.

Unter den chronistischen Angaben finden wir in diesem Teil immer häufiger Hinweise auf den An- oder Verkauf einzelner Gebäude oder Grundstücke. Die Interessen des hiesigen Rates konzentrieren sich neben dem Ausbau der Wehranlage, Brücken und Straßen stärker auf die Nutzung und Verbesserung örtlicher Mühlen. Die Vorteile frühkapitalistischer Wirtschaftsmethoden sind den Ratsmitgliedern bekannt und es spricht für ihren Weitblick, wenn sie Schneeberger Berganteile erwerben und die Zinsen für städtische Unternehmen nutzen. Unter den Bevölkerungsschichten tritt eine weitere Differenzierung ein. Die Besitzlosen sind besonders unter den Vorstädtern verbreitet und arme Ratsherren werden mehrmals erwähnt. Die Einwohner der Vorstädte sind wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Ihr Bemühen um gleiche Rechte wird 1465 von fürstlicher Seite für immer abgewiesen. Auch die Kämpfe der Handwerker um verbesserte Innungsartikel stoßen auf größeren Widerstand der Feudalklasse und so werden in dieser Zeit bereits die Keime zur Erstarrung und damit rückläufigen Tendenz der Innungen gelegt. Aufschlußreich sind die hier beschriebenen baulichen Veränderungen in der Stadt. Die Lebensgewohnheiten der Bürger und ihre Bedürfnisse lassen sich selbst aus kurzen Notizen entnehmen. In den vom Chronisten benutzten Quellen, wie Kämmerei-, Rats- und Kirchenrechnungen, Schuld- und Fürstenbriefen, Brand- und Gebäudekataster treten allerdings diese Fragen zugunsten der wirtschaftlichen und politischen zurück.

1451
208 Schock 20 Gr. Steuer musste für den Kurfürsten und 309 Schock 39 Gr. 1 Pf. zu den Büchsen, Geschoß und Notgeschoß ausgebracht werden, wozu auch das Gesinde 7 Schock 10 Gr. beitrug. Die Büchsen allein kosteten 120 Schock 14 Gr. 8 Pf. Zu besserer Sicherung der Stadt baute man ein krummes Tor (das damals Eilenburgische, nach einer späteren Benennung breite Tor, welches vorher eine gleiche Richtung dem Steinwege zu hatte), versah es auf beiden Seiten des Weges mit starken Seitenmauern und diese mit Öffnungen für das Geschütz, führte auch nach beiden Seiten neue Mauern am Graben mit Türmen oder Basteien auf und nahm dabei das krumme Tor in Naumburg zum Muster, welches vorher von Bauverständigen besichtiget ward. Der Maurer Burkhard erhielt für die Rute 1 Schock 30 Gr. und wendete man in diesem Jahre 100 Schocke darauf. Dieser Bau gab Gelegenheit zu Anstellung eines Bauherrn (später: Bauverwalter) und war der erste Caspar Gottschalk, welcher jährlich 2 Schocke erhielt. Der Rat in Bitterfeld verweigerte die Zinsbeiträge zu der Fürstenanleihe der tausend Gülden vorigen Jahres und ward deshalb beim Kurfürsten verklagt. Am 7. März mußten von hier viel Betten nach Leipzig geschafft werden wegen der Zusammenkunft beider fürstlicher Brüder in Leipzig, und des Kurfürsten Gemahlin ward von da mit der Stadt Gespann nach Rochlitz gebracht. Am 5. Juni hatte man eine Reise nach Regau und Grunau zu den Füsten wegen Apel Vitzthum. Der Stadtschreiber Ortrand erkrankte, der Rat ließ zweimal den Dr. Murer aus Leipzig holen, zahlte ihm 4 Gülden für die ärztliche Besorgung und gab ihm den Ehrenwein. Ortrand vermachte der Kirche sein Haus und den Minoriten in Leipzig zwei Bücher geistlichen Rechts, Decretales und Sext., weswegen sie der Familie in einer Schrift die Abhaltung zweier Gedächtnisse Michaelis des Jahres zusicherten. Er starb in der Nacht von Exaudi zu Pfingsten, schrieb eine gute Hand und seine Aufsätze, kräftig stilisiert, bezeugen seine Tüchtigkeit. Unter den Waffen werden zum ersten Male die Pafeusen, Pfaffowsen, erwähnt, kurze Stoßdegen, die man in der Scheide trug und das Stück mit ungefähr 10 Gr. bezahlte. Nicolaus Thomae, bis 1449 Pfarrer in Gerltitz, erhielt den Altar Catharinae, den von 1423 bis 1450 Nicolaus Ohm gehabt hatte, mit einem jährlichen Einkommen von 16 Gülden, und behielt ihn bis zu seinem Tode 1467, in welchem Jahre er als Altarist in Gräfenhainichen starb, wohin er von hier schon 1453 gezogen war. Albrecht Profyn war der Stadthauptmann. Es gab auch in diesem Jahre Herrfahrten, die erste mit 6 Trabanten gegen Sadow und Brüx, die zweite mit 30 Trabanten nach Naumburg, die dritte mit 30 Trabanten nach Dornburg mit 32 Schocken Aufwand - die beiden letzteren gegen Apel von Vitzthum. Den Schützen gab man zum ersten Male den Schützenbraten am Trinitatisfeste - kostete 1 Schock 25 Gr. - und an 12 Sonntagen nach diesem Feste, wo sie Übungen im Schießen hatten, 36 Gr., jeden Sonntag 3 Gr., an deren Stelle in neuerer Zeit der Rat als ersten Gewinn einen zinnernen Teller gibt. Zur Ausbringung der fürstlichen Steuer borgte man 120 Gulden von den Altarleuten - Vorstehern hiesiger Kirche, 250 Gulden von Heinrich Wilde, Pfarrer in Magdeburg, 70 Gulden von Dr. Stephan Hüfner, in Leipzig.

1452
Zwei Legaten (die vom Papst den Auftrag hatten, gegen die Türken aufzurufen), waren in hiesiger Gegend tätig. Johannes Capistranus, ein Mönch Italiens, Barfüßerordens, hielt in italienischer und lateinischer Sprache öffentliche Reden, die ein Dolmetscher sogleich deutsch wiedergab mit ungemeiner Wirkung. Karten, Würfel, Brettspiele warf man in seiner Gegenwart ins Feuer und selbst die Frauen verbrannten ihren üppigen Putz. In Leipzig blieb er dreißig Tage und wahrscheinlich war er auch hier, denn es sind in der Ratsrechnung 58 Gr. 3 Pf., pro consumtu dem würdigen Vater, verausgabt und so nannte man ihn. Der zweite, Kardinal Nicolaus de Cusa, beabsichtigte auf seinen Reisen hauptsächlich eine Sittlichkeit und Amtstätigkeit fördernde Reformation der Geistlichen, und eine günstige Stimmung des Volkes zu Beiträgen für die allgemeine Bewaffnung gegen den "Feind des Christentums", zu welchem Zwecke denn auch die Gnade gepredigt ward. Leider gingen die gutgemeinten Reformen nicht tief und die bedeutenden Summen, die der Ablaß aus Deutschland zog, meistens in unrechte Hand. Den 21. April zog man mit etlichen Trabanten nach Künsberg und Liegnitz. Die Arbeiten am krummen Tore wurden fortgesetzt und borgte der Rat teils zu diesem Baue, teils zu anderen Bedürfnissen 200 Gulden vom Bischofe in Merseburg und Johann Hanstein, 100 Gulden von Johann Vogelin von Wolffhain und 25 Gulden von Agnese Bercht. 208 Schock betrug die diesjährige Steuer für den Kurfürsten und ward in Terminen an Hugo von Stinitz abgeliefert. Am 1. Juli war zwischen dem Erzbischofe zu Magdeburg und Kurfürsten ein Tag in Merseburg, wo man hauptsächlich auf des Landgrafen Wilhelm Bemühungen übereinkam, daß die kurfürstlichen Untertanen in weltlichen Sachen nicht mehr vor das geistliche Gericht nach Magdeburg gezogen, sondern die Kläger an die ordentliche Obrigkeit des zu Verklagenden gewiesen werden sollten. Ein Vertrag, der vielfältig umgangen und erst im folgenden Jahrhunderte wirksam ward. Am 17. Juli und 10. August war der Herzog und Landgraf Wilhelm mit starker Begleitung, Trommlern und Pfeifern in hiesiger Stadt. Der Jahrmarkt Sonntag nach Maria Himmelfahrt, brachte 2 Schock 12 Gr. Stättegeld. Die Schützen zogen nach Weißenfels - nach dem Kleinod zu schießen - (zu einem Schützenhofe oder Feste). Ein solches Fest ward dem Orte durch Überreichung des bei dem letzten Feste getragenen Schützenkran-zes bestimmt. Der Rat gab ihnen dieses Mal 2 Schock, 7 Gr. 6 Pf. Auslösung, auch erhielten sie 13 Sonntage, jeden Sonntag 3 Gr. zu dem Schützenbraten. Die Gesellschaft der hiesigen Dreifaltigkeit, des heiligen Leichnams und unserer lieben Frauen, derJungfrau Maria, in der Kirche Petri Pauli, wurde von Heinrich Czschaes, Pfarrer in Zörbig, mit einer Rente von 1S Scheffeln Getreide, halb Roggen, halb Hafer auf Robitzmark, die Claus Czolke (auch Czolkow) aus Delitzsch der Gesellschaft schenkte, beliehen. Die Urkunde vom 12. März dieses Jahres. Vorsteher der Gesellschaft waren damals: Martin Koerner und Hans Schade; Mitglieder unter anderen der Pfarrer Herman Westphal, Konrad Heyse, Nicolaus Kramer, Michael Kupstal. Der Pfarrer Czschaes verliehe sie mit seinem Bruder Hans und unmündigen Vettern. Eltern des Czschaes waren Conrad und Margarethe. Auch schenkte in diesem Jahre der Ratsherr Hans Hallis zu der Krone und zur Messe dieser Gesellschaft 50 Gulden. Ferner 50 Rh. Gulden zu der Lesemesse. Beide Kapitale trugen 7 Rh. Gulden Zinsen, davon gehörten jedoch 5 Rh. Gulden dem Sohne George nachherigem Pfarrer in Glesien und fielen erst nach dessen Tode 1495 den beiden Altären zu. Hans Hallis war ein wohlhabender Tuchhändler (Pannicida), vorl 1417 - 53 Ratsherr und von 1427 an Bürgermeister, welcher auch dem Filrsten Gelder lieh. Der Rat schuldete dem Magister Claus von Gotha nach einer Verschreibung 100 alte Schocke mit allen Gütern verhaftlich. Seit einigen Jahren gab man Ehrenbäder, die Ratsherren erhielten jährlich viermal Geld zum Bade, auch Maurer und Zimmerleute, als Trinkgeld ein Bad, welches sie sich zuweilen begangen.

1453
Am 22. Februar war der Kurfürst mit Hofstaate hier und am 22. April der Graf George von Anhalt. Der neue Stadtschreiber Johann Rainicke ward bestätiget und von Leipzig geholt-der Bau am krummen Tore und Zwinge' miteinem Aufwande von 38 Schocken fortgesetzt. Eine Heerfahrt nach Slethe mit 11 Wagen und 100 Trabanten kostete über 30 Schock, auch hatte man eine Folge mit Wagen und Trabanten nach Tiefensee.

1454
Der Bau des krummen Tores ward vollendet und unter anderen auch von dem Bürgermeister aus Torgau besichtiget. Sechs gekaufte Häuser der Vorstadt brach man ab, es waren die Häuser des Nicolaus Kramer, Matthäus Smed, der Czellyne, des Nicolaus Berger, Johann Omigke, Christian Stapfewitz, um den freien Platz vor dem Tore zu gewinnen, der noch Ibesteht. Man erweiterte den Stadtgraben und erbot sich, da das Schloß nur mit einer Mauer und schmalen Gräbchen versehen und die Stadt von dieser Seite noch gefährdet war, auch diesen Teil durch einen breiten Graben zu sichern, was anfänglich wegen einer kleinen, am Hospitale liegenden Mühle, welche dem Amte jährlich 20 Scheffel Korn abzugeben hatte, und in der Abneigung gegen die Befestigung der Städte Schwierigkeitenfand. Die Erlaubnis ward jedoch, als die Stadt auf dem Tage in Leipzig, den 24. Februar, wo Herzog Wilhelm zur Besoldung der abgedankten Böhmen einen Beistand verlangte, und eine Steuer von 2 Groschen auf das Haupt in Vorschlag kam, sich vor den meisten Städten gefällig bewies und am 6. März schon die Hälfte der Steuer zahlte, an diesem Tage gegeben, die Mühle von dem Gräbchen getrieben, der Stadt überlassen und der Bau des Grabens sofort ausgeführt. Zur Erleichterung des Baues befahl der Kurfürst noch tags darauf dem hiesigen Vogte und Geleitsmanne dem Rate zwei Schüttkarren zu halten und das frönende Landvolk der Pflegen Delitzsch, Bitterfeld und Zörbig gegen des Rates Kost und so, daß jeder, mit Ausschluß der Samenzeit drei Tage arbeiten sollte, zu verstatten in (einer besonderen) Zuschrift. Die Mühle, welche der Kurfürst zum besten der Sicherung des Schlosses und der Stadt aufgab, heißt in der Rechnung die Spitelmüh1e (spittelmole), Mühle bei dem Spitale, der Rat brach sie und verkaufte Mühlhaus und Rad für 1 Schock 50 Gr., ein Beweis ihrer geringen Beschaffenheit. Mit Rücksicht auf diesen kostspieligen Grabenbau verschonte man die Bürger mit Heerfahrten und Folgen, es gingen aber doch am 29. März und 21. Mai 6 Trabanten nach Brüx, am 19. Juli 6 dergleichen nach Pirna mit einem Aufwande von 50 Schocke gegen die Böhmen, die einen billigen Vergleich nicht annehmen wollten und das Oberland mit Einfällen bedrohte. Der Geleitsman des Schlosses Conrad Rost starb in diesem Jahre und der Rat erhielt zu Ordnung dessen Nachlasses kurfürstlichen Auftrag. In den Rechnungen des Rates kommen nun zwei Märkte, an denen man Stättegeld erhob, vor, der Ablaß (Petri Pauli) und der Jahrmarkt (Sonntag nach Mariae Himmelfahrt). Die Stadtpferde führten für den Kurfürsten 250 Scheffel Hafer nach Torgau - nach Leipzig aber Kupfer zu Umgießung 14 Stück kleineren Geschützes der Stadt. Das Aufgeld auf die Steuer (Kopfsteuer), die man dem Kurfürsten geben mußte, auf den Gulden 10 alte Groschen, betrug 59 Schock 26 Gr. 6 Pf. Die Erlaubnis, goldene Münzen zu prägen, gab der Kaiser dem Kurfürsten am 12. November dieses Jahres.

1455
Am 25. Februar nahm der Rat an einer Städteversammlung in Oschatz teil, wo man des Landes Bestes gegen die böhmischen Ansprüche und Drohungen beriet. Der Kurfürst war am 14. April bei dem Grafen Georg von Dessau zum Kindtaufen. Hiesige Ratsherren begleiteten ihn zu Pferde dahin und von da nach Wittenberg. Am 8. Juli geschah der Prinzenraub durch Cunz von Kaufungen und seine Gehülfen in Altenburg, und hier ein starkes Aufgebot zu ihrer Verfolgung, das aber nicht tätig ward. Amt - und Hauptmann war Albrecht Profyn, Proffen, zugleich auch in Leipzig. Bei Jacob Witich brach Feuer aus und gab man der löschenden Mannschaft Geld, ein Faß Torgauer und ein Faß Delitzscher Bier. Auch war die Stadt im Banne, dessen Ursache nicht angegeben ist. Ferner hatte sie einen Streit mit Sixtus Schoenberger in Halle, wegen seines Weibes Sophie, den am 9. Oktober der Bischof Johannes zu Merseburg, auf den sich die Parteien beriefen, freundschaftlich entschied.

1456
Am 2. Osterfeiertage ging der Rat zu einer ständischen Versammlung nach Leisnig. Man folgte dem Hauptmanne, dem Siegfried von Schoenfeld Pferde genommen hatte. Auch fiel man auf des Kurfürsten mündlichen Befehl in Sausedlitz ein, des Landes Feind zu schwächen, dabei ward ein Kasten des Bernhard Rochlitz aufgeschlagen, welcher 3 Schock an Gelde und Geräte verloren haben wollte und entschädigte man ihn auf den Anspruch der Tedingsleute, des Otto Spigel und Haupt- und Geleitsmannes mit 1 Schock 40 Groschen auf Rechnung der Kämmerei. Das Rathaus, wie es im Jahre 1474 neu gebaut ward, und in seinen Umfassungsmauern, Gewölben und Kellern bis in die neueste Zeit unverändert blieb, entstand aus 3 Gebäuden, dem dritten, vierten und fünften des zweiten Viertels, die man nach und nach ankaufte, und in genanntem Jahre zu einem Gebäude verband. Die erse Aneignung war das Kaufhaus, 1376, das fünfte Haus des zweiten Viertels, wo Tuchhändler (Gewandschneider), Fleischer und Bäcker feil hielten, später und im neuen Gebäude die Bänke genannt. Man richtete die obere Etage zur Gerichtsstube (theatrum praetori um) ein und der Rat war bald hier, bald in der oberen Etage des Weinhauses versammelt, ein Stadtgebäude des dritten Viertels, später als Garküche ausgetan. Für die Versammlungen der Bürger hatte man noch keinen Raum, man verhandelte mit ihnen auf ein Zeichen, welches der Küster mit der großen Glocke gab, in der Kirche, hielt aber, den Ort wohl beachtend auf strenge Ordnung und bestrafte unziemliche Reden härter, Ungebührnisse sogar mit dem Verluste des Bürgerrechts. Um nun nach und nach auch für diese Zusammenkünfte der Bürgerschaft, für Ratssitzungen und Wirtschaft ein gemeinschaftliches Gebäude zu gewinnen, kaufte er in diesem Jahre von Jacob von Diskau und seinem Weibe die dritte Hofstätte des zweiten Viertels für 66 Schock, legte den Weinkeller des dritten Viertels hierher, vereinte Rats- und Gerichtsstube in der oberen Etage, benutzte hierzu das Kaufhaus, welches noch durch das Privatgebäude, das vierte getrennt blieb und verkaufe das bisherige Weinhaus an den Bürger Hans Schokkelt, der es jedoch 1459 wieder abtrat, worauf es denn Garküche, und unter anderen 1480 einem Valentin Buff mit der Bedingung, daß er von Ostern bis Martini gar mache und als Koch mit in die Heerfahrt ziehe, pachtweise überlassen ward.

Zu diesem Ankaufe und Neubau borgte man von dem Kämmerer auf dem Petersberge, Heinrich Wilde 100 Rh. Gulden 33 Schock 20 Gr. von dem Bürger Zander in Schmiedeberg und 13 Schock 20 Gr. von dem Priester Er. Dietrich Sefeld und seiner Dienerin Catherine Murer auf Leibzins, der Bauholz aber nahm man von Heinrich Spiegel (dem Schelmgrund) für 12 und das Hölzchen hinter der Mühle zu Dörfchen von Thime von Schenkinberg (da selbst gesessen) für 3 Schock 10 Gr. und der Bedingung, daß es bis Walpurgis künftigen Jahres abgeführt sei. Das zwischen liegende Privatgebäude (Magerkopps) erlangte man erst im Jahr 1474 und nun entstand aus den 3 Besitzungen, wie vorher bemerkt, vereint das neue Haus zwar nicht in der Form, doch in der Hauptanlage dem jetzigen gleich. Die Schützen gingen zu einem Schützenhofe nach Borna. Der Rat ließ ihnen vom Goldschmiede das Kleinod (Abzeichen des Königs) bessern und gab ihnen l Schock 40 Gr. Auslösung. Trabanten gingen nach Dippoldiswalde und verwendete man 11 Schock 17 Gr. auf diesen Zug. Am 22. Oktober war der Stadtschreiber mit zweien aus den Räten auf einem Tage in Leipzig auch in Halle in Angelegenheit des Bischofs zu Merseburg. Der Papst Calixtus verordnete das Mittagslauten, eine Aufmunterung zum Gebet um Sieg gegen die vordringenden Türken und Frieden. Einige hiesiger Stadt und Gegend, vielleicht durch Cusa und Capistranus Reden angeregt, nahmen freiwillig an dem Zuge gegen die Türken teil, über die man in diesem Jahre bei Griechisch-Weissenburg einen vollständigen Sieg errang - nicht durch Deutschlands Fürsten, sondern durch das Volk, wie der Chronikant bitter bemerkt und noch hinzufügt: "Schande den Edlen und Fürsten, die sich dem für den 'heiligen Krieg begeisterten Volke' entziehn und die ehrenwürdigen Taten ihrer Ahnen' nachzuahmen verschmähen - Löwen im Bett und Hirschen im Felde gleich. Weibischer Sinn entehrt ihr männliches Gesicht. Unkriegerisch sind sie nur fertig zu nächtlicher Lust und Schwelgerei, Wild zu hetzen, die Armen stolz und grausam zu beherrschen und von ihrem Schweiße Schlösser zu türmen - nicht für den Sieg, nur für die Flucht - Schlösser sind Weiberlehn! - Fromme, so sagt man mit Recht, setzen ihr Vertrauen auf Gott, Staatsmänner auf ihre Wissenschaft, tapfere Kämpfer auf Waffen, Feiglinge und Unfähige auf Schlösser und Mauern - und von dieser Art sind Fürsten und Edle dieser Zeit." Die Leineweber erhielten ihren Innungsbrief.

1457
In diesem Jahre erschien das Wart Kurfürst (kurfurste) zuerst im Titel, vorher nur Erzmarschalk, jetzt Erzmarschalk Kurfürst. Auch auf den Münzen sah man nun die Kurschwerter und nannte die mit diesem Zeichen neu geprägten Groschen deshalb Schwertgroschen. Beide fürstliche Brüder hatten sich über Verbesserung der Münze vereiniget und bedrohete, die Einschwärzer fremder, geringerer Sorten mit harter Strafe, hielten auch darauf, daß in Geschäften das auf die bisherigen Groschen zu legende Aufgeld richtig gegeben ward. Die neue Münze war nämlich silberhaltiger und verhielt sich zu der älteren wie drei gegen vier. so daß man beim Abschluß eines Handels um 1 Schock, wenn man in alter Münze zahlten wollte, 80 Groschen, für einen Groschen 16 alte Pfennige zu erlegen hatte. Die Familie der Spiegel hatte in hiesiger Stadtkirche den Altar Jacobi, ihrer Stiftung, dessen Stand an der Mitternachtsseite der Mauer des Schiffes durch das in Stein gehauene Wappen dieser Familie bezeichnet wird, und verhandelte in diesem Jahre mit dem Rate über die Abgabenfreiheit eines Hauses, daß man für den Vikar oder Altaristen erkaufet hatte. Der Rat gab es frei, es lag zwischen den Häusern des Lehns Trinitatis und Catharinae auf dem Mühlgraben, kam nach dem Tode des letzten Altaristen Conrad Nepfel (starb am 6. April 1567) der es, weil er auch Pfarrer in Zschortau war, nicht bewohnte als ein altes verfallenes Häuschen an den Gotteskasten, welcher es 1570 an den Rat verkaufte, worauf es mit dem zum Lehn Trinitatis gehörigen niedergerissen, der Platz aber mit drei neuen Häusern, den Nummern 187, 188 und 189 besetzt und an Bürger vererbt ward. Am 23. Juni mußten für den Kurfürsten Betten nach Leipzig gebracht werden - welches jedesmal geschah, wenn eine Zusammenkunft mehrerer Fürsten zu einer Festlichkeit des Fürstenhauses oder gemeinschaftlicher Beratung stattfand. Einem Dominikaner Mönche aus Leipzig, der an Stelle eines abgegangenen Bruders die hiesige Terminei bezog, gab man ein Gewand, am Werte 4 Groschen. Peter Kalb beschied der Kirche 10 Schock. Der Galgen wurde neu gebauet und erhielten die Handwerker, welche dabei tätig waren (bekanntlich aber mußten nach Handwerksgebrauch alle vom obersten Meister bis jüngsten Lehrjungen teilnehmen) außerordentliche Löhne, die sie gewöhnlich in Gemeinschaft verzehrten, die Schmiede bei Fertigung der Kette diesesmal 1 Schock 10 Gr., die Zimmerleute bei Legung der Balken 1 Schock 15 Gr. und ebensoviel ward auch den Maurern zuteil. Die von Freybergische Familie besaß seit längerer Zeit in der Rittergasse, hinter dem Rathause einen freien Hof, der aber wüst lag. Diesen verkaufte in diesem Jahre Dietrich von Freyberg zu Gertitz (mit dem man auch über Gertitz selbst handelte) an den Rat. und der Kurfürst verlieht ihm am 7. Juli als Stadtgut zu besitzen, zu genießen, Stadtrecht daran zu nehmen, und damit zu halten, wie es bei solchen Gebäuden üblich ist. Zeugen der Beleihung sind nach der Urkunde, die würdigen gestrengen Räte und lieben Getreue Er Hildebrant von Einsidel, Ritter, Obermarschalg, Er Georgius von Hugowicz, Techand zu Missen, pp Canczler, Er Hanns von Maltitz, Er Ihan von Slinitz, Ritter pp. Man baute die neue Ratsstube in dem voriges Jahr von dem von Diskau erkauften Gebäude - (die neue Dorncze). Der Rat bemühte sich, für den Kurfürsten eine bedeutende Summe aufzubringen  auch gab man ihm zu dem Damme bei Radegast 6 Schock Beistand. Die Schuhmacher erhielten am 10. Dezember ihren Innungsbrief.

1458
Johannes Bulkenhayn, Probst zu Kemrig (Kernberg) war der Kurfürsten Oberschreiber, hatte eine Schuldforderung an den hiesigen Bürger Cunze Bock und befahl der Kurfürst am 1. März von Leipzig aus, wo tags vorher die Ehestiftung zwischen Markgraf Albrecht von Brandenburg und der kurfürstlichen Tochter Anna geschlossen worden war, dem Bulkenhayn, an dessen Stelle der hiesige Gleitsmann zu handeln beauftragt sei, zu schleuniger Zahlung zu verhelfen. Dieser Cunze Bock hatte von Dietrich von Freyberg Gertitz gekauft, der Kauf ward aber rückgängig und trat der Rat in den Kauf. War Ratsherr von 1444-50. Der Rat zahlte 1462 (von bogs wegen) 12 Schock 50 Gr. an ihn, wo er Johann Buckinhain genannt wird, ebensoviel 1463. In der Pfingstwoche zogen die Söldner von hier in die Heerfahrt nach Zwickau mit einem Aufwande von 7 Schocken. Auch waren in dieser Woche sechs aus dem Rate in Grimma, wo in einer Ständeversammlung dem Kurfürsten eine Steuer und Schutzgeld zugesagt und von hiesiger Stadt mit 208 Schocken 20 Gr. nach Leipzig, an die Eilffer, die darüber gesetzt waren, abgeliefert ward. Der Rat kaufte den Sadelhof und das Vorwerk Gertitz von Dietrich von Freyberg auf Luppene gesessen, mit neun Hufen, vierzehn Äckern Wiese, einer Breite von Gertitz, drei freien Hufen (Freimannslehen), zwei am Steinwege vor Delitzsch und eine in Gertitz Mark gelegen, die Lehen über den Spitalhof, das Dorf Gertitz, Gericht über Hals und Hand im Dorfe und Felde mit Zinsen, zwei Hufen auf Weißig Mark, mehrere zinsbare Höfe mit Freiheit, die Mühle zu Benndorf mit 72 Scheffeln jährlichem Zins, zehen Acker Holz (Benndorfer Busch) und eine freie Lehnwiese - für 2200 Rheinische Gulden in Golde, am 28. August, der fürstliche Lehnbrief darüber war aber schon am 17. dieses Monats in Altenburg ausgestellt und die Lehnspflichtigkeit des erkauften Gutes aufgehoben. An demselben Tage des Kaufes gab der Verkäufer, Dietrich von Freyberg, dem Rate 200 Rheinische Gulden, deren jährliche Zinsen fürkirchliche Zwecke verwendet werden sollten. Um das Schutzgeld und Kaufgeld für Gertitz zu bestreiten, borgte der Rat 600 Rh. Gulden von dem Bürger Nicolaus Zimmermann in Freiberg, 800 Rh. Gulden von Otto Spigel auf Gruna und dessen Söhnen Hans, Heinrich, George, Otto, Dietrich, Conrad Hans und Balthasar Spigel, 200 Rh. Gulden von hiesigen Bürgern Claus Nosk und Andreas Nosk, 100 Rh. Gulden von Meister (Magister) Walter Voit von Helmstede, jetz und Student in Leipzig, 60 Rh. Gulden von den Dominikanern daselbst, 123 Schock 20 Gr. und 60 Reichstaler von Albrecht von Oberwymer und Anna seinem Weibe, 100 Schocke von dem Bürger Nicolaus Kramer und Barbara seinem Weibe aus Leipzig, auf Leibzins, verkaufte eine Hufe auf Gertitz an Andreas Nosk für 100 Rh. Gulden und 20 Gr. Zins zu Martini und eine halbe Hufe an Jacob Zschortow für 23 Schock, sondern belegte auch jedes Gebräude Bier mit einer Steuer von 10 Gr., welche in diesem Jahre 58 Schock 50 Gr. eintrug. An der Kapelle in Rubach arbeitete der Glaser (Spetener), auch lohnte man den Maurer Dietrich Wiltstier von Torgau, für Maurerarbeit am Turme der Kirche 133 Schock 20 Gr. Zu diesem Baue schenkte der Bürgermeister Nicolaus Kramer 5 Schock 50 Gr. Bei einem Feuer gab man 56 Gr. Geld und für 1 Schock 16 Gr. Bier den Löschern und Feuerwächtern. Anton Pruss vergönnte der Rat gegen 4 Schock eine der Gertitzer Freimannlehnhufen an den Bürgermeister Nicolaus Kramer verkaufen zu dürfen, und dieser gab 3 Schock 20 Gr. Lehngeld, daß man sie ihm liehe, als Lehnguts Recht ist.

1459
Am Sonntage Misericordias Domini kam durch Bemühung des Markgrafen Albrecht von Brandenburg zu Eger zwischen dem Könige von Böhmen (George Podiebrad), welches Land eine große Zahl Schlösser und Städte Sachsens seit einigen Jahren in Anspruch nahm, und mit Feindseligkeiten drohte, und den Herzogen von Sachsen ein Verein zustande, nach welchem Böhmen auf 54 Schlösser und Städte diesseits der Böhmischen Waldung in dem Sächsischen gelegen, verzichtete, und dagegen Brüx, Stadt und Schloß, Besinburg, und was sonst jenseits des Waldes von sächsischer Seite beansprucht ward, abgetreten erhielt. Diese Vereinigung sicherte man zum Glück der beiderseitigen, bisher hart bedrückten Länder noch durch Ehestiftungen, indem sich der Sohn des Königs mit der jüngsten Tochter des Herzoges und Landgrafen Wilhelm, Catharina, des Kurfürsten jüngerer Sohn Albrecht aber mit des Königs Tochter Zedena, am 11. November in Eger vermählte, welcher man hiesige Stadt mit Schloß und Amt zu Leibgedinge verschrieb. Die vermählte Königstochter kam zwar sogleich an den kurfürstlichen Hof, die Vollziehung der Ehe blieb aber, weil sie erst neun Jahre alt war, bis 1464 ausgesetzt. In Leipzig gab es bei ihrer Ankunft im November ein großes Fest und brachte man von hier viele Betten dahin. Im Januar war die Kurfürstin mit ihrem ganzen Hofstaate hier und der Rat begleitete sie nach Quedlinburg, fuhr auch auf fürstliche Anweisung mit einem starken vierspännigen Wagen Vorrat dahin. Der Rat kaufte vom Bürgermeister Hans Turekorn (Besitzer des Hauses Nr. 5 des ersten Viertels in der Breiten Gasse) eine Hofstätte (Nebengebäude) für 13 Schock und legte das noch (zwischen Nr. 4 und 5) bestehende Gäßchen nach der Zscherne an. Durch Anlegung neuer Krüge (Schenken) in den Dörfern der Ritterschaft beschwerte man die Stadt und ihren Freiheitsbrief, weshalb sie sich verschiedentlich an den Kurfürsten zu wenden genötigt fand. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg geriet mit dem Herzoge Ludwig von Baiern in Fehde, und zogen von hier dem Markgrafen zu Hilfe Trabanten mit 15 Schocken Aufwand in die Heerfahrt nach Franken. Auch suchte man auf kurfürstlichen Befehl Landesbeschädiger in Sausedlitz. Die Stadt war abermals im geistlichen Banne (die Ursache ersieht man nicht) und reiste der Bürgermeister Schade zu dem Offiziale in Halle. Die Schützen zogen zu einem Schützenhofe nach Mitweida und erhielten vom Rate Auslösung. Gyseler von Diskow schenkte dem Rate zwei junge Schwäne. Johann von Stolpen empfing als Vikar des Altares der neuen Brüder, Trinitatis, die von Dietrich von Freyberg vorigen Jahres gestifteten 5 Gulden. Der Rat borgte teils zur Abtragung älterer Schulden für den Fürsten und die Stadt, teils zu den neuen Ankaufungen und Bauen 100 Rh. Gulden von Meister (Magister) Werner Wyke von Onsshausen in Leipzig, zu Johannis, (erbarer grossverstendiger ietzund Student zu Lipzk) auf Leibzins. 300 Rh. Gulden von Mr. Johann George von Wolkenstein, Michaelis, mit Sicherheit auf Rubach, darunter 34 Gulden auf Leibzins. 600 Rh. Gulden von Dietrich von Freyberg, dienstags nach Mariae Heimsuchung, und zahlte 300 Rh. Gulden an den Altar zu St. Georgen in Leipzig von Martin Schindel herrührend und 600 Gulden - an Zimmermann in Freiberg, auch 25 Schock an Matthaeus Sommerfeld und dessen eheliche Wirtin in Leipzig, von Finis herrührend, wieder ab. Haus und Hof in Gertitz verkaufte er an Johann Kalb für 13 und die Breite an Martin Schmidt für 25 Schock. Auch bezog er noch die Biersteuer, 10 Gr. vom Gebräude, welche von 326 Gebräuden (ganzen, nicht halben, wie man sie in späterer Zeit brauete) 54 Schock 20 Gr. betrug. Man sieht hieraus, wie stark und einträglich dieser Zeit die Braunahrung war und begreift, warum man sich seiten der Ritterschaft zu Schmälerungen alle Mühe gab. Die Städte waren aber auch der Fürsten bester Schatz, die für ihre Rechte gern alles hingaben und auf das Dargeliehene oft verzichten mußten.
Hans Czogkolt (auch Schokolt), welcher 1456 den alten Weinkeller (Weinhaus) der Stadt gekauft hatte, trat dieses Gebäude wieder ab und erhielt 17 Schock. Es ward Garküche und blieb ein Komungebäude , das man später vermietete, 1569 und 1735 neu baute, in demselben Jahre einem Wirte oder Traiteur Menzel pachtweise, 1798 aber dem Maurermeister Krippene für 250 Taler - erblich überließ. Die Kirche erhielt von einem Unbekannten (unus bonus homo) 4 Schock Geschenk, ein Crucifix, Teppich und Tuch um den Altar- einen neuen Stuhl und Pult in den Chor - die Schule aber einen neuen Lehrstuhl. Der Turmbau ward durch den Maurer Dietrich Wiltstier fortgesetzt für 16 Schock und 4 Gr. Lohn. Für Abhaltung der feierlichen Gesänge des Salue und Tenebrae zahlte man aus dem Kirchenvermögen vier Schock 20 Gr. an die Geistlichen, Sänger und den Küster, und der Organist empfing 2 Schock, halb zu Ostern, halb zu Michaelis jährlichen Lohn. Otto Spigel (auf dem Neuenhause, Paupitzsch) hier in der Stadt wohnend, wies Zinsen von ihm lehnenden Grundstücken, 30 Gr. von Barthol. Magirkop und 20 Gr. von Hans Fischer an den Rat zur Unterhaltung der Communicanten. Communicanten waren vier Knaben, welche den Geistlichen bei Krankenbesuchen, wenn er das Sacrament trug, mit zwei Lichtern und zwei Fahnen vorangingen und bezügliche Gesänge sangen. Der Sohn des Stifters Dr. Otto Spiegel, auf Neuhaus, wollte diese Stiftung rückgängig machen, sie ward aber erhalten und das Geld bei der Reformation dem Gotteskasten zugeschlagen, daher es heute noch von zwei Besitzern der Grundstücke in Lohnsdorf, von jedem mit 15 Gr. und 20 Gr. von ihrer Besitzung des Werner in Broda an die Kirche entrichtet wird.

1460
Otto von Schidingen (Scheiding) war hier Hauptmann und unterstützte die Stadt gegen Eingriffe der Rittergüter in der Biermei1e. Auf seine Bitte vererbte der Rat zwei freie (Gertitzer) Hufen am Steinwege an Martin Kirchhof, dessen Vater, Peter K., der Stadt fleißige Dienste erwiesen hatte, gegen 40 Gr. Martini fälligen jährlichen Zins. 7 1/2 Hufe auf Gertitz (besser: siebenthalb, die 7. Hufe war nur halb ist gleich 6 1/2 Hufe) wurde ausgetan (verpachtet) die Hufe zu 2 Schock, desgleichen die ebenfalls zu Gertitz gehörige Pfingstwiese, in 14Vierteln das Viertel zu 15 Gr. summarisch für 3 1/3 Schock. Am 20. April zogen wieder nach Franken 10 Trabanten auf 12 Wochen dem Markgrafen Albrecht zu Hilfe und machten 25 Schock Aufwand, am 21. Juni aber die rückständigen (von zwei Häusern mußte ein gerüsteter Mann erscheinen) auf drei Wochen und kostete diese zweite Heerfahrt dem Rate an bereitem Gelde, Brot, Bier, Speck, Fleisch, grün und gesalzen, Stockfisch, trocknen Rüben ... 60 Schock, wozu die Alten, Gebrechlichen und Witwen, welche nicht teilnahmen, 2 Schock 45 Gr. beitrugen. Zu dem Baue der Burgen in Bitterfeld und Zoerbig lieferte die hiesige Ziegelscheune des Rates einige Jahre viele Steine. Die häufigen Besuche der Fürsten in den mittleren und kleineren Städten des Landes beschränkten sich von jetzt nur auf dringende Fälle und nahmen sie für den Sommer in Leipzig, für den Winter in Torgau in der Regel ihren längeren Aufenthalt, bis sich derselbe später in Dresden befestigte, für die Albertinische Linie bleibende Residenz. Am 10. Juni wurden die Betten zu dem fürstlichen Sommerlager nach Leipzig gebracht, dahin brachte man sie auch am 4. November zu der Hochzeit des Herzoges Ernst (nachmaligen Kurfürsten) mit Elisabeth, Herzogs Albrecht III. in Bayern Tochter. An den Betten und Bettüchern ging viel verloren, was der Rat vergüten mußte. Die Betten wurden nämlich von Familien ausgebracht. Am 9. August war der Kurfürst mit ganzem Hofstaate hier und am 31. dieses Monats nahmen die hiesigen Schützen an einem Schützenhofe in Leipzig teil. Der Kaland kaufte die Dörfchenmühle auf Wiederkauf. Der Auflage von den Gebräuden (zu 10 Gr.) brachte auch in diesem Jahre 51 Schock. Des vormaligen Gleitsmannes Conrad Rost Hufe ward an Caspar Gottschalk für 20 Schock und 20 Gr. jährlichen Zins als Erbgut ausgetan. Durch unbekannte Wohltäter erhielt die Kirche 34 1/2 Schock, womit man die diesjährige Maurerarbeit am Turme bezahlte. Der Ehebruch wurde mit 5 Schocke Strafe belegt.

1461
Des Herzogs von Bayern Lautenschlägern gab man zum Neuenjahre 5 Gr. und dem Rate des Königs von Böhmen Jost, dessen Ankunft man sogleich dem Kurfürsten nach Leipzig berichtete, den Ehrenwein. Am 1. Juli gingen 15 Trabanten mit Wagen und vier Pferden in die Heerfahrt nach Hessen und am 30. August zog eine noch stärkere Zahl dahin. Drei Bürgerbesitzungen mußten einen Mann stellen, rüsten und besolden. - Dem Rate aber kostete dieser Zug 33 Schock. Die an dem Zuge nicht teilnehmen konnten, zahlten 6 1/2 Schock. Durch diese Fehden, in welchen mehrere süddeutsche Länder verwickelt waren, geriet das im Jahre 1457 so gut eingerichtet Münzwesen in Unordnung und Abgang. Nicht nur die in diesem Jahre geprägten Groschen, sondern auch die geringhaltigeren, 1444 geschlagenen, Judenköpfe wurden aufgesucht, und nach schlechterem Gehalte in Umlauf gebracht, so, daß ihr Wert von 60 auf 50 Groschen sank. Wegen der Eingriffe in die Berechtigungen der Biermeile war man bei dem Kurfürsten in Torgau und Schellenberg - brachte auch dem hiesigen Schützenmeister Renstein zum Dienste des Fürsten bei dieser Gelegenheit dahin, dem man jedoch auf die Zeit seiner Abwesenheit von hier Besoldung gab. Man zahlte dem ehrwürdigen und andächtigen Ern. Gerhard, Probist, Ein. Heinrich Wilden die früher geliehenen 350 Rh. Gulden wieder ab. Auch gab man dem von Freyberg 300 Rh. Gulden an Ern. Dietrich Leymbach 200 Rh. Gulden zurück, borgte aber von neuem 400 Rh. Gulden (den Gulden zu 30 Groschen angeschlagen) vom Bürger Polycarp Sturm in Leipzig, 200 Rh. Gulden von Elisabeth, Peter Heiners Witwe und 100 Rh. Gulden von Mr. Werner Wyken (von Onshausen) daselbst, auf Leibzins, 100 Rh. Gulden von dem hiesigen Bürger Andreas Nosk (Nossig) auf Wiederkauf und noch 137 Rh. Gulden von Anton Kaderin auf Leibzins. Von dem Gebräude gab man in diesem Jahre nur 6 Groschen und betrug die Einnahme 30 Schock. Den Garten, welchen die Witwe des Gleitsmannes Conrad Rost auf dem Damme besessen hatte, verkaufte der Rat für 3 1/3 Schock an George Wirth. Eine Hakenbüchse wog 16 bis 32 Pfund. Der Bau am neuen Ratskellerkostete in diesemJahre 7'/3 Schock und nahm man von Gertitzer Gebäuden brauchbare Steine dazu. Nicolaus Kramer, Bürgermeister, schenkte der Kirche abermals 10 Schocke, die man auf den Turmbau verwendete. Gleitsmann war Johannes Lobda.

1462
Der Rat verkaufte eine kleine Scheune, eine Wohnung und den Wall des Sadelhofes in Gertitz. Das Kirchengebäude zu vollenden, erlaubte der Kurfürst in einem Gunstbriefe vom 27. April eine Almosensammlung auf sechs Jahr in den kurfürstlichen und bischöflichen Landen, deren Schutzherr er war. Die Sammler, Hans Große und Nicolaus Wyde, Bürger der Stadt, übernahmen das mühsame Geschäft um Gotteswillen, ohne Entschädigung oder Lohn und führten außer dem Fürstenbriefe noch eine Bittschrift des Rates, der eine beglaubte Abschrift der Bulle des Papstes Eugenius, in welcher er den Wohltätern der neuen Kirche Ablaß zusagte, beilag, nebst anderen Empfehlungsschreiben der Bischöfe zu Magdeburg, Merseburg und Naumburg, zu Förderung ihres Vorhabens mit sich. Am 12. Mai hatte man wieder eine Heerfahrt nach Franken mit 20 Trabanten und blieb ein Teil 4, ein Teil 7, ein Teil 11 Wochen aus, was der Gemeinkasse eine Ausgabe von 21 Schocken verursachte. Ein neues Zelt, das man fertigen ließ, kostete außerdem 7 Schock 35 Gr., auch gab man den Zurückkommenden ein Bad. Der Kurfürst war hier und am 31. Oktober in Bitterfeld, wohin man Betten lieferte. Auch wurden Betten in das kurfürstliche Winterlager nach Torgau gebracht. Man borgte, um Dietrich von Freyberg 300 Gulden zahlen zu können, 200 Rh. Gulden von Martin Hall und 100 Rh. Gulden von Claus Nosske, hiesigen Bürgern, wobei der Gulden zu 36 Gr. gerechnet ward. Auch verkaufte man ein Haus in der Rittergasse bei Zeisig an Nicolaus Wagner für 40 und eins in der Neustadt an Matth. Gera für 6 2/3 Schock, Häuser, die der Rat für Schuld angenommen hatte. Auf gleiche Weise erhaltene bauete man gleichfalls zum Verkauf. Man darf daher, wenn von Stadthäusern die Rede ist, nicht gleich auf Häuser zum öffentlichen Gebrauch der Stadt schließen. Bartholomäus Rubach, Ratsherr von 1440 bis 1461, beschied dem Rate 10 Schock, welche sein Sohn Jacob zahlte. Almosen gab man -einem getauften Juden 2 Gr. -einem Priester (propter deum) 5 Gr. und den Zigeunern (Czeganen) 40 Gr.

1463
Mehrere starben an einer gefährlichen Krankheit, die Ratsherren Johann Kalb, Martin Koerner und der Stadtschreiber Johann Raynecke, an dessen Stelle Anton Kropheuser angenommen und aus Leipzig geholet ward. Auch der Ratsherr Martin Halle (seit 1458), welcher der Stadtkirche sein Brauhaus hinter Herman Smorode (in der Schloßgasse) letztwillig beschied und dessen Witwe Walpurgis, die sich wieder mit dem Gleitsmann Conrad Herold verehelichte, 1464 der Kirche mit Bedingung einer Memoris für den Abgeschiedenen übergab. Lorenz von Erfurt sprang einem Karrenknechte auf den Wagen, darüber gingen die scheu gewordenen Pferde durch, Lorenz fiel durch den Karren, der Knecht aber von dem Pferde und blieb auf der Stelle tot. Er vereinigte sich mit dem Stadtgerichte, daß ihn in Acht nahm, blieb aber für den Fall, daß er von des Verstorbenen Freundin in Anspruch genommen werden sollte, verhaftlich. Die Betten wurden von Torgau wieder abgeholt und der Kurfürstin Kammerwagen von da nach Meissen geführt. An Bettüchern gingen für 41 Gr. verloren. Die Schützen waren auf einem Schützenhofe in Leissnig und empfingen vom Rate die gewöhnliche Auslösung. Der Kirchhof von Rubach war für 10 Gr. Zins an Jacob Roczsch ausgetan und kamen zum Gebäude der Kirche 20 Mark 14 Lot, oder 87 Schock 30 Gr. in die Kasse, die man auf eine neue Orgel, welche Meister Hans der Orgelbauer von Altenburg baute und außer mancherleit Zutaten und Löhnen 23 Schock kostete; einen neuen Kelch, welchen der Goldarbeiter für 5'/2 Schock fertigte und 2 Fahnen zu 3 1/3 Schock verwendete. auch den Maler Eisenberg aus Leipzig verlohnte, welcher die Deckgewölbe des Chores und der Kreuzkapelle mit Heiligenbildern versah, von denen, obschon später überweißet, dennoch Spuren sichtbar sind. Derselbe schrieb an die Wand des Chores die kurze Nachricht vom Baue der Kirche, wie sie wörtlich, nur in der Schreibart verändert, in der Tafel, welche die Herzogin im Chore aufhängen ließ, enthalten ist. Auch der Ölberg wurde auf Anlaß der neuen Kirchenvorsteher Burkhard Jungermann und Pancratius Schebe für 33 Gr. von dem Maurer George Amme gewölbt und den Pulsanten (Glockenziehern) für das Lauten gegen die Wetter ein Lohn aus der Ratskasse auszahlt.

1464
Der Vorsteher des Hospitales, Gottschalk, kaufte am 2. Juni eine halbe Hufe auf Gertitzmark für 31 Schock 40 Gr. dem Hospitale, die aber im Jahre 1558 vererbt ward. Die Spigelsche Schuld der 700 Rh. Gulden abzuzahlen, borgte der Rat abermals von Mr. Werner Wyke in Leipzig 100 Rh. Gulden auf Leibzins, 100 Rh. Gulden von Peter Blossk, und 100 Rh. Gulden von Friedrich von Rathmarsdorf und seiner Wirtin Barbara auf Gollm gesessen. Der Kurfürst befahl am 19. Juni dem Rate, nach und nach und wenn er Torgauer Bier holete, 1000 Scheffel Hafer (Torgauer Maß) zum Bedürfnis des Winterlagers nach Torgau zu führen. Auf Vermahnung und Bitte - lieh man dem Kurfürsten 40 Rh. Goldgulden zu einer Reise nach Dänemark (in die Thennemark), auch mietete man ihm vier Pferde dahin um 6 Schock 48 Gr. Lohn. Der Papst Pius II. erließ eine Bulle (für eine Heerfahrt gegen die Türken). An diesem Zuge nahmen hiesige Bürger teil - leisteten dem Rat den Eid - und erhielten Pferde, Zehrung und ein Pannier - mit einem Aufwande von 15 Schocken. Der im vorigen Jahre gestorbene Stadtschreiber Rainecke hatte der Kirche eine Hufe Feld beschieden, welche Johann Kribenstein kaufte und davon Zins 20 Gr. an das Kloster des Petersberges abzugeben hatte. Auch erhielt die Kirche in diesem Jahre manches wertvolle Geschenk, auch drei Schock zu einer nötigen Reparatur der Frauenkirche. Die Stadtkirche ward für 7 Schock 22 Gr. geweißet. - Der Maler Peter aus Leipzig malte das Äußere der Orgel, das lange Tuch vor dem Sakramente und die Juden für 9 1/2 Schock. - Sie erhielt eine Mauer um den Kirchhof und ein Geschränk um den Ölberg, auch eine neue Porkirche. Der Rat überließ ihr in diesem Jahre, wie schon 1376 bemerkt ist, den a1ten F1eischscharren, welcher ihr zu Bewahrung der Gerätschaften während ihres Neubaues unentgeltlich eingeräumt worden war, für 1 Schock 5 Gr. Kaufgeldeigentümlich, Sie benutzte das Gebäude durch Vermietung an Höken, die mit ihren gewöhnlichen Waren: Heringen (daher das Gäßchen den Namen Heringsgäßchen führte), Grütze  u.s.w. bis in das 18. Jahrhundert darin feilhielten, verkaufte es aber durch veränderte Marktordnung die Vermietung an Höken aufhörte und zu kostspieligen Einrichtungen von Mietwohnungen Vermögen nicht vorhanden war, 1749 an den Bürger und Ratsherren Johann David Felgner für 300 Gulden als eine baufällige, den Kirchhof verunzierende Bude, der sie niederriß und die Stelle mit einem Wohnhause bebaute, welches durch Verordnung vom 30. März 1786 mit acht Schocken zur Steuer gezogen ward. Den Mönchen (hiesiger Termineien), welche die vier Bücher der Kirche banden, gab man ein Faß Bier, am Werte 50 Gr. Der Rat baute ein neues Torhaus und einen Wagenschuppen, auch ließ er auf dem Frauen Kirchhofe gegen den Graben dämmen, der bei großem Gewässer beschädigend eingriff. Vom Bierschanke hatte er in diesem Jahre 150 Schocke Gewinn. Nicolaus, der alte Küster, kaufte von der Kirche das Haus der alten Blixin, bei der alten Küsterei, für 13'/Z Schock - ein brauberechtigtes Haus und von 1567 an die Jungfrauen-Schule bis in die neueste Zeit. Organist war Paul von Guben.

1465
Die Münze ward im Verein der Fürsten Ernst, Albert und Wilhelm, des Onkels, abermals verändert und gebessert. Die gemeinschaftlich in Freiberg geschlagenen Groschen hatten auf der einen Seite das sächsische Schild des Rautenkranzes, auf der anderen das Thüringische Wappen und 20 Stück derselben den Wert eines Rheinischen Gulden. Wegen der hohen, gekrümmten Helmaufsätze beider Schilde nannte man sie Horngroschen, wegen beider Schilde -zweischildigte, wegen ihrer Güte - hohe oder hoher Währ - und wegen ihrer Anwendung bei Entrichtung der Abgaben - Zinsgroschen, sonst auch Freiberger und später Schneeberger, nach ihrer Herkunft und Prägung. Vom l. September an galten alle Verschreibungen nach dieser neuen Währ und wurden rechtlich darauf zurückgebracht, ungeachtet die neue Münze erst in den letzten Monaten des Jahres in den Umlauf kam. Daher bekam der hiesige Rat, welcher an Hans Spigel, auf Neuhaus oder Paupitzsch, ein Kapital zu verzinsen hatte, am 19. November die fürstliche Weisung (in dieser neuen Währ zu zahlen). Die Stadt erhielt am 2. Dezember von den hier anwesenden Fürsten die Bestätigung ihrer Privilegien, Rechte, Freiheiten, alten, herkömmlichen Gewohnheiten, Begnadigungen und fürstlichen Verschreibungen - als Folge der Huldigung - und zahlte man für den Gunstbrief, 6 Gulden an die Kanzlei. Seit dem Jahre 1451 hatte man jährlich 36 Gulden in Golde, halb zu Johannis und halb zu Weihnachten an den Dr. Ditterich von Buckinstorff... in Leipzig Zinsen zu zahlen. In der vorjährigen Rechnung des Rates wird er noch Doctor genannt, in der diesjährigen aber als Bischof von Naumburg aufgeführt. Die Bewohner der Neustadt (Vorstadt), welche wie alle Vorstädter in Privilegien und Freiheiten den Einwohnern innerhalb der Mauer nachstanden und daher das Recht des Bierbrauens nicht hatten, suchten es bei den Fürsten auf dem Wege der Beschwerde, veranlaßten deshalb mehrere Reisen zu den Fürsten, wurden aber für immer abgewiesen. Die Herren des heiligen Nicolaus (Vorsteher der Kasse zur Wegebesserung) pflasterten die Gasse hinter der Schule und erhielten vom Rat ein Schock Zuschuß. Einer, namens Boettcher, der den Bürgermeister Kupstal durch ekelhafte Beschmutzung der Türe beschimpfte, mußte (vmb den Hoen und schmahett) eine Rute Steine in Landsberg auf seine Kosten brechen lassen und anfahren - ein anderer, Georg Lindner, der verdorbene Fische (boese) verkaufte, 40 Gr. Strafe geben - die Fische verbrannte man - und Matth. Krüger, der seine Magd schwängerte, verbüßte es mit 30 Scheffeln Hafer - am Werte 1 Schock. Der Gassenlärm, unnütze Hülferuf - Zetergeschrei ward mit 12 Gr. bestraft. Die Schützen hatten einen Schützenhof in Borna und empfingen die gewöhnliche Auslösung. Conrad Heller, der Gleitsmann, der ein Haus in Lehen nahm, empfing das Bürgerrecht umsonst. Der Bürgermeister Johann Schade, (Ratsherr von 1447-60 und von da Bürgermeister) starb und beschied der Kirche letztwillig eine Hufe Feld auf Elberitz, nach seines Weibes Tode. Die Kirche verkaufte sie 1497 für 24 Gulden oder 4 Schock 20 Gr. an Bastian Schuster. Die Kirche erhielt auch noch andere Vermächtnisse an Geld - und zahlte an den Maurer Dietrich Wiltstier, der in diesem Jahre das Gewölbe am Turme, die Kapelle der Kalandherren (jetzt zum Teil Bibliothek) vollendete, 12 Schock an Lohn, erhöhete auch jährlich um 40 Gr. des Organisten Paulus Sold. Die Kirchenstühle wurden zum ersten Male verlöset, und gab die Mildike 12, die Schlegelin 20, die Kribenstein 11, die Weinbörner 5 und ebensoviel Groschen die Kruppin für ihren Sitz. Der Rat borgte von Hans Schmolle und seiner Ehefrau Margarethe in Halle 112 Schock. Ein harter Winter 1465/1466 - daher man zu verschiedenen Malen den Graben aufeisen ließ.

1466
Anfangs des Februars eine Heerfahrt nach Plauen gegen den Geächteten Heinrich (II.) Reuß - Voigt zu Plauen, welcher die Nachbarn befehdete, die Untertanen drückte und öfteren Warnungen kein Gehör gab. Drei Hausbesitzer der Stadt und vier der Neustadt stellten gemeinschaftlich einen Mann, und war die Mannschaft drei Wochen abwesend, der Aufwand der Gemeindekasse 26 Schock. Auch erhielten die Zurückkommenden 1 Faß Torgauisches Bier. Vom Schlosse fuhren am 5. und 7. Februar Salz, Speck, Butter, Käse, Erbsen dahin und am B. ritten die "erbam Mannen" mit 40 Pferden zu Diensten in das Heer. Am 17. desselben Monats traf der Landvogt Albrecht Profen, der ebenfalls mit 42 Pferden, Reisigen und Wagenpferden nach Plauen zog, auf hiesigem Schloße ein. Des Besiegten Reuss Städte Oelsnitz, Plauen, Adorf, Voigtsberg nahmen die Sieger in Besitz und behielten sie für gehabten Kriegsaufwand, den sie in Rechnung brachten und das Übrige dem nach Böhmen ausgetretenen herausgaben. Die Städte waren in Leipzig und Oschatz wegen Aufbringung der Kosten dieser Heerfahrt, und brachte Delitzsch 1000 Rheinische Gulden, teils durch Auflagen in der Stadt, teils durch Darlehne für die Fürsten auf, 536 Rh. Gulden gab die Bürgerschaft und ward die ganze Summe zu Ostern abgeführt. Zur Erleichterung zahlte das Kloster Pegau auf Anweisung der Fürsten 30 Rh. Gulden hierher, auch ward ein Abzug auf die diesjährige Steuer bewilliget. Doch verzinset die Stadt 100 Rh. Gulden, die sie von dem Kalande borgte und von diesem zur Zeit der Reformation an den Gotteskasten übergingen, der Kirche heute noch. Der Küster Benedict zog weg und kam Caspar an seine Stelle, als Organist aber kommt nun ein Baccalaureus de Elbogen vor.

1467
Gegen den König von Böhmen entschied man einen Reichskrieg, der aber, weil die sächsischen Fürsten, teils wegen früherer großen Verluste in den Böhmischen Kriegen, teils wegen naher Verwandtschaft, die Teilnahme ablehnten, der Kaiser auch nichts weniger als kriegerisch gesinnt war, nicht zustande kam. Indessen zog man hier Mannschaften zusammen und unterhielt Delitzsch 25 Trabanten; diesmal aber nicht hiesige Bürger und Einwohner, sondern vom Fürsten angenommene Söldner, für die man im November 36 Schock 40 Gr. zahlen und nach Meißen abliefern mußte. Ein Trabant erhielt wöchentlich 11 Gr. Einige Handbüchsen wurden angekauft. Der Pfarrer, welcher den Kirchenvorstehern in beiden Kirchen an Sonn- und Festtagen Umzüge verstatte, erhielt zur Erstattung (Restaur) 1 Schock auch zum ersten Male zu Petri Pauli ein Viertel Bier zum Geschenk. Dem Stadtschreiber aber gab man vom Kirchenvermögen 10 Gr. für eine Abschrift der erzbischöflichen Erlaubnis zum Kirchenbau und angefügter Bulle. Der Rat borgte vom Pfarrer in Hohenleim (Hohenlynaw), Nicolaus Gentzsch, 100 Gulden - welche man zum Teil auf den Bau eines Kellers verwendete. Da man die Gemeindekasse in der Sakristei hatte, so gab man dem Küster für jedesmalige Öffnung derselben 3 Pfennige.

1468
Anhaltende Regengüsse, Kälte und großes Gewässer schadeten dem Getreide, das auf dem Halme auswuchs, so, daß nur ein kleiner Teil eingebracht werden konnte und auch von diesem zu Samen nur weniges tauglich war. Es entstand daher schon in diesem Jahre Teuerung; das Getreide hatte den dreifachen Wert voriger Jahre und schwer zu erlangen. Der Rat kaufte zu Unterstützung der Bürger um hohe Preise 25 Scheffel Weizen und 89 Scheffel Korn, die er den ärmeren um geringere (Preise) überließ. Damit man auch richtiges Maß erlange, ward ein steinernes Scheffel- und Viertelmaß öffentlich unter dem Rathause aufgestellt. Die Gerber änderten heimlich an ihrem Innungsbriefe und büßeten es mit 2 1/2 alten Schocken Strafe, auch die Schmiede wurde deshalb mit einem Schocke Strafe belegt. Der Rat borgte mit fürstlicher Erlaubnis 650 Rh. Gulden - von Hans von Waltheim und seiner ehelichen Hausfrau zu Halle gegen 32 1/2, Gulden jährlichen Zins und zahlte damit ältere Schulden ab. Die Stadt erhielt fürstliche Anweisung, von Bürgern mit zwei Wagen und acht Pferden Wein ab und nach Leipzig zu fahren - gegen Ausrichtung durch den Schenken. Die Kohlin beschied der Stadtkirche 50 Schock Schwertgroschen, welche der Stadtschreiber jährlich mit 10 Schocken abzuzahlen hatte. Vikar des Altars Catharinae ward Bartholomaeus Schoenbrod, ein Sohn des hiesigen Bürgers Hans S. und blieb es bis 1480. Organist war Nicolaus.

1469
Die fürstlichen Brüder mit dem neuen Kanzler Dr. Schybe und ganzem Hofstaate - Trompetern und Pfeifern - waren zum neuen Jahre hier. Die 7 Hufen in Gertitz, welche man 1460 verpachtet (ausgetan) hatte, wurden ausgemessen und für 173 Schocke neuer Währ oder Münze verkauft. Die ersten Besitzer waren: Tobias Boettcher'/2 Hufe, Lorenz Wagner 1/2 Hufe, Andreas Müller 1/2 Hufe, der Bürgermeister Schebe 1 Hufe, Nicolaus Knopp '/2 Hufe, Hans Schaefer 1/2 Hufe, der Stadtrichter George Werdt 1/2 Hufe, Sander Iban 1/2 Hufe, Jacob Feris 1/2 Hufe, Martin Meley '/2 Hufe, der Stadtschreiber Kropheuser 1/2 Hufe, Wenceslaus Winkler 1/2 Hufe. Thomas Reisser, der seine Magd schwängerte, verbüßte es mit 2 Schock Scheffeln Hafer, man gab ihm aber 2 1/2 Schock Schwertgroschen zurück. Die Herren des Rates, welche bisher bei ihren Sitzungen wenige Groschen verzehrten, erhielten nun bei Einsammlung des Schosses und Wächtergeldes 12 Groschen, jährlich in Summe ohngefähr 4 Schocke. Außerdem hatten sie zu ihrer Ergötzlichkeit, denn von einem Solde findet sich nichts, das Herrenessen, in der Regel Pantaleonis (den 27. Juli) dessen Aufwand nach und nach bis 12 Schock gestiegen war, jetzt aber um etwas gekürzt ward. Bei diesem Schmause ließ man es, wie die Ausgabezettel, die sich erhielten, beweisen, an nichts fehlen. Man hatte Reh-, Hasen-, Schweinsbraten, Rind- und Kalbfleisch, Kaphähne, Fische, Reis, Semmeln, Butter, Böhmischen Käse, Apfe, Nüsse, Wein und Bier, brauchte außer Speck, Salz, Essig, Honig, Eiern, Mehl, Meerrettich, an Gewürz 1 Pfd. Pfeffer,'/2 Pfd. Ingwer, 2 Lot Safran, Nelken, 1 Pfd. Rosinen, 1 Pfd. Mandeln, Konfekt - nahm später ein Bad und hörte während des Essens die Gesänge der Schüler, denen man 4 Groschen gab. Die 104 Rh. Gulden, welche der im Jahre 1467 verstorbene Pfarrer in Zaasch Nicolaus Grünenberg, der hiesigen Stadtkirche beschieden hatte, wurden in diesem Jahre eingezahlt. Die neuen Kirchvorsteher, Pacratius Schebe und Caspar Bornack, besorgten dafür einen neuen Predigtstuhl, neue Stühle und eine Porkirche (die alte) welche ein Tischler in Leipzig, Nicolaus für 27 Schock fertigte. Man hatte beim Schlusse der diesjährigen Kirchenrechnung 157 Schocke, Schwertmünze im Vorrat und bemerkte der Rechnungsführer, daß diese Summe 50 Schocken 28 Gr. 3 Pf. 1 Hl. neuer Münze, 2 für eins gerechnet, gleiche. Der neue Kirchenseiger, den ein Leipziger Künstler machte, kostete 8 Schock, 45 Gr., und sind die vergoldeten Buchstaben (Zahlen) des Zifferblattes von einem Goldschmied in Leipzig für 3 Schock und 10 Gr. Trinkgeld gefertiget, die heutigen noch. Die Besorgung des Seigers, welche bisher der Küster für 15 Gr. jährlich gehabt hatte, ward nun einem Kleinschmiede (Schlösser) übertragen. Von Ihan von Schoenfeld, auf Loebnitz, kaufte man 10 Stämme Holz, auch zwei Büchsen, eine Wall- (Taraß) und eine Steinbüchse für 171/2 Gulden, den Zentner für 5 Gulden. Man sieht, daß sich auch dieser Rittersitz mit Geschütz versehen hatte, nun aber bei friedlicher Zeit dasselbe für entbehrlich hielt. Zwei Hakenbüchsen, die man vom Bürgermeister Kramer kaufte, kosteten 3 Schwertgroschen, in neuerer Münze ohngefähr 1/2 Schock. Er Stephan Tuerkom, Sohn des Bürgermeisters Hans Tuerkorn (Ratsherr 143158) hielt seine erste Messe und gab ihm der Rat ein Faß Torgauisches Bier um einen geringeren Preis. Der Minorit Jacob (Bruder Jacob der graue Mönch) hielt die Fastenpredigten und bezahlte man für ihn 32 Mahlzeiten mit 32 Groschen und 35 Gr. für Bier und Wein. Er ward von Leipzig geholt und dahin zurückgebracht. Der Bürgermeister Truppitz aus Leipzig war hier und erhielt den Ehrenwein. Einem Gauckler (Geukeler) gab man 3 Gr. Trinkgeld. Die Edeln (erbaren) hatten am 13. Dezember ihren Hof und schenkte ihnen der Rat Torgauer Bier. Auch zahlte der Rat die von Buckinstorff an das Kapital zu Zeitz gekommenen 250 Rh. Gulden wieder ab.

1470
In diesem Jahre nahm die Steuer vom Weine und Biere, die man schon im vorigen Jahre zu Tilgung der fürstlichen Schulden in Vorschlag gebracht hatte, ihren Anfang. Sie ward auf diesjährigem Landtage zu Dresden als Ungeld, unpflichtige Abgabe und Auflage (nicht Ohmgeld, denn dieses Maß kam hier nicht vor) mit 5 Gr. vom Fasse und 2 1/2 Gr. vom Viertel bewilliget. Dieser Steuer waren alle Bräuende, Geistliche, Ritter und Städte unterworfen, und Rat und Amtmann angewiesen, Zeichen zu geben, und vor Entrichtung der Steuer auch die geringste Anstalt zum Brauen, bei fürstlicher Ungnade, nicht zu gestatten. Da man den Städten den vierten Pfennig, oder ein Viertel der Einnahme überließ, einigen die Bierzwangsmeile verlieh, anderen die alten, derartigen Privilegien erweiterte, so fand man von dieser Seite keinen hartnäckigen Widerstand. Auch hiesige Stadt empfing von den Fürsten, welche in der Mitte des Januar mit ihrem Hofstaate hier eintrafen, am 18. des Monats einen Gunstbrief, durch welchen ihr Privilegium der Biermeile von 1390 merklich erweitert ward. Er kostete in der Kanzlei 10 Schock und 1 Schock für die Besiegelung. Man verehrte (den Fürsten) einen Lägel Rheinfall am Werte 2 Schock 48 Gr. Man suchte nun auch die Brauerei der Stadt möglichst zu heben, hielt streng auf tüchtige Malze und versuchte sogar das Gertitzer Quellwasser, doch mit geringem Erfolg. Nützlicher war die Tätigkeit des befreundeten Amtsmannes Otto von Schidingen, derdie Krüge der Pflege fleißig bezog und keinen Eingriff in die Rechte der Stadt ungeahndet ließ. In Beziehung auf die Tranksteuer erhielt Gleitsmann und Rat hiesiger Stadt am 19. Oktober (vom Kurfürsten einen besonderen) Befehl. Martin Ropptzsch kommt in den Jahren 1470 bis 77 als Kapellan und Prediger vor. Der Rat borgte von Mr. Johann Murmann aus Regensburg, Lehrer der heiligen Schrift und Collegiat des großen Kurfürstenkollegium in Leipzig, 300 Rh. Gulden am 6. Oktober auf Leibzins, zahlte aber 250 Rh. Gulden an das Kapitel zu Naumburg, 300 Rh. Gulden an Andreas Nosk und 37 Rh. Gulden 30 Gr. an Ursula, Martin Hallis Tochter, wieder ab. Der Bau der Stadtmühle ward an den Müllerin Löbnitz, Meister Christoph verdingt- die Grundrinne mit drei Ständern - man gelobt ihm 16 Schock neue Münze, 1 Faß Delitzscher Bier und 20 Scheffel Korn und hielt ihm Handarbeiter zum Räumen und Füllen (der Bau 1472). Auch bauete man am Koh1tore ein neues Torhaus. 20 Trabanten, die man in Hessen unterhielt, kosteten auf 11 Tage 19 1/2 Schock. Der neue Kirchenschmuck kostete 62 Rh. Gulden oder 28 Schock 48 Gr. und ward mit anderem Kirchengeräte in Giebichenstein geweihet. Die Schwester des Lucas Nossig (Ratsherr 1478-1495) und Tochter des Andreas Nossig (Ratsherr von 1443-67), hatte Hochzeit, wozu der Rat geladen war, welcher Torgauer Bier schenkte und den Pfeifern aus Halle ein Trinkgeld gab. Auch zu der Hochzeit der Tochter des Bürgermeisters Nicolaus Cramer schenkte er ein Faß Torgauer Bier, man verbrauchte aber daneben noch vier Faß, die man käuflich aus des Rates Keller nahm. Ein Ritter, Thomas Grag, aus dem Velseneck, aus Kaerther, der von den Böhmen gefangen gewesen und große Förderung vom Kaiserhatte, gab man ein Abendessen für 20 Gr. - und etlichen, die von Jerusalem kamen, 11 Gr. Almosen. Für 111 Scheffel Korn, die der Rat aus seinen Vorräten verkaufte, erhielt er 6 Schock 46 Gr. und für 30 Scheffel desgleichen ein Schock 45 Gr. Johann Lobda, jetzt Gleitsmann in Leipzig, lösete von seinem Hofe in hiesiger Neustadt 12 Gr. jährlichen Zins ab und gab dem Rate dafür 7 alte Schocke hoher Währung. Der Rat empfing 12 Schock 18 Gr. neuer Münze (von dem ungelde uff der Stadt geborlichkeit den vierden teyl von der ersten rechnunge), 8 Schock 28 Gr. 3 Pf. auf Galli von den neuen und alten Gebräuden und 17 Schock 19 Gr. 4 Pf. 1 Hl. von 126 Gebräuden, in Summe also 38 Schocke 1 Gr. 7 Pf. 1 Hl. vom Ungelde dieses Jahres zu seinem Anteile.

1471
Die Fürsten verlangten am 26. März zu dem Lande, Schlosse, Städten des Elbogen (in Böhmen) eine Summe in Gold, welches verzinset und im Herbst wieder gezahlet werden sollte und der Rat schickte am 9. April 800 Rh. Guldenin Golde ab. Sie wurden nach und nach vom Ungelde, oder der Tranksteuer durch Zurechnung erstattet - zuletzt 1477. Herzog Albrecht zog gegen Elnbogen, wo Matthias Schlick, Herr der Stadt und Umgegend, von den aufrührerischen Untertanen bedrängt wurde und eroberte diese Stadt, deren Bürger sich unterwarfen. 120 Trabanten stellte Delitzsch am 26. März zu diesem Heereszuge auf 14 Tage mit einem Aufwande von 30 Schocken. Zu dem Heere desselben Herzogs, den die Böhmen nach George Podiebrads Tode, um ihn gegen den König Matthias in Ungarn zu brauchen, Hoffnung zur Krone Böhmens machten, die sie jedoch schon dem Sohne des Königs in Polen. Ulagislaus, zugedacht hatten, gingen als er bei Prag stand, am 17. Mai von hier 120 Trabanten und Reitende mit einer Steinbüchse, 7 Wagen, Pannieren, und 10 Wagenfähnlein, auf sechs Wochen und kosteten 100 Schock. Da der Herzog, von mehreren Seiten gewarnet, gegen ihre Anforderungen sich vorsichtig nahm, und sie merkten, daß man sie durchschaue, hielten sie auf ihn, er entging ihnen aber mit einem geringen Verluste, den er in den Bergen durch das erregte Bergvolk erlitt, und kam glücklich nach Meißen zurück. Der Aufwand dieser Heereszüge und die Aufbringung einer so bedeutenden Summe für die Fürsten nötigte den Rat, neue Darlehne aufzunehmen und er borgte 100 Rh. Gulden von der Kirche, Vermächtnis des Klaus Nosk, 500 Rh. Gulden von dem hiesigen Altare zum heiligen Kreuze, 400 Rh. Gulden vorn Kapitel zu Naumburg und 400 Rh. Gulden von dem Bürger Johann und Nicolaus Schlautitz, in Leipzig, auf Leibzins. Es waren außer der Stadtmühle, die man zu bauen im Begriffe war, noch zwei Mühlen in der Nähe, die den Loberbach, welcher das Werk trieb, schwächten - die Haus- und die Schademühle. Die Hausmühle hatte ihren Namen vom Hause (Schlosse), daher die in der Rechnung 1420/21 molendinum castri genennet wird, in einer Urkunde d. J. 1367 aber die moel czu Delcze dy ondir deine Hucze (unter dem Hause) gelegen. Sie gehört aber nicht dem Schlosse oder Amte, sondern hatte die Pake auf Doebernitz zu Lehn- und Gerichtsherren und war vererbt. Bis zum Jahre 1367 hatte Botho von Thorgow Herre zcu Besekow ein Schock jährlich von dieser Mühle, er trat es aber in diesem Jahre an hiesige Frauenkirche ab und der Schenkungsbrief desselben ist es, der von ihr die erste Nachricht gibt. Sie lag zwischen dem Viehtore und der Stadtmühle am Stadtgraben, da, wo sich jetzt das Parreidtische Gartengrundstück Nr. 360 des alten Brandkatasters (Wallgraben Nr. 8) findet und entzog also, wiewohl sie nicht im besten Stande war, doch einiges Wasser der Mühle der Stadt. Die Schademühle befand sich unter Amtsgerichtbarkeit im Rosentale, jetzt das dem Kaufmann Kühne, vorher Dr. Languth (Rosental Nr. 25) gehörige der Schafbrücke gegenüberliegende Gartengrundstück, hatte, wiewohl sie derzeit wüste war, doch vom Lober und Gertitzer (oder Rubacher) Bache Zugang und konnte zum Nachteil der Stadt benutzt werden; der Rat suchte daher hauptsächlich mit Vergünstigung des Amt- und Hauptmannes Otto von Schidingen diese Mühlen mit ihren Berechtigungen sich anzueignen. Zuvörderst kaufte er in diesem Jahre, am 21. Dezember von Otto Pake die Lehn- und Gerichtsherrlichkeit über die Hausmühle für 24 Schock und erhielt sie von den Fürsten zu Stadtrecht in Lehn. Der Handel mit den Besitzern der Mühlen kam aber erst in den Jahren 1474 und 1475 zustande, so, daß von da an die Stadtmühle das ganze Wasser beider Bäche empfing und ausschließlich zu nutzen berechtiget ward.

Auch kaufte der Rat von dem Bürgermeister Nicolaus Cramer für 60 Schock neuer Münze eine freie Hufe vor dem Hallischen Tore, eine große Scheune mit Hof, ein Häuschen mit Garten und den Kae1bersta11. Er verkaufte aber diese Grundstücke wieder, die freie Hufe an den Kämmerer Nicolaus Gorius für 40 Schock als Zinsgut mit 20 Gr., den großen Hof mit Scheune an den Bürgermeister Pancratius Schebe für 20 Schock mit 12 Gr., das Häuschen mit Garten für 3 Schock und 10 Gr., den Kaelberstall aber an den Amt- und Hauptmann Otto von Schidingen für 8 Schock und 4 Gr. jährlichen Zins, diesen jedoch, weil er sich zum Vorratshause, an dem es der Stadt gebrach, eignete, mit der Bedingung des Vorkaufes, den er auch im Jahre 1491, als ihn Leonhard von Schidingen veräußern wollte, geltend machte und das Grundstück für 20 Rh. Gulden käuflich zurück erhielt. Er lag in der Kohlgasse, am Stadtgraben da, wo jetzt die Häuser der Nummern 269 ... des Brandkatasters stehen, ward bis 1532, wo ihn ein gegenüber ausgebrochenes Feuer mit dem größten Teile der Kohlgasse zerstörte, als Kornhaus benutzt, blieb aber, weil er durch den Ankauf der Terminei in der Stadt und später durch die zum Schütthause überlassene Frauenkirche entbehrlich schien, nach Wegschaffung der Grundsteine (1535) ein freier Platz, den man zwar nach einiger Zeit zum Anbau wieder vererbte, auch bebaute, der 30jährige Krieg aber von neuem in den vorigen wüsten Stand versetzte, dem er erst im Anfange des 19. Jahrhunderts durch den Anbau der bemerkten Häuser entzogen ward. Die Sch1össer und Städte Zoerbig, Bitterfeld und Graefenhainichen wurden von den Fürsten Ernst und Albrecht an den Grafen Gebhard zu Mansfeld für 14000 Gülden wiederkäuflich verkauft (verpfändet). Die Töpferei i n der Vorstadt vermietete der Rat für jährlich 40 Gr., auch ließ er die Gertitzer Quelle räumen und braute ein Bier vom Gertitzer Bache von einem Schock Scheffel Gerste (am Werte 2 Schock 53 Gr. 6 Pf.) an 8 Faß - mit einem Aufwand von 7 1/2 Schock. Drei wurden mit dem Rade vom Leben zum Tode gebracht durch den Scharfrichter, Züchtiger, Hans Faber- und kommt diese Strafe zum ersten Male vor - das Verbrechen aber wird nicht angegeben. Der vierte Teil des Ungeldes, den der Rat empfing, betrug 28 Schock 36 Gr. Beide Orgeln der Kirche besserte der Orgelbauer Nicolaus mit dem Barte und erhielt (außer den Zutaten und der Tischlerarbeit) 4 Schock 48 Gr. Lohn. Durch ein Vermächtnis des Bürgers Georg Müller kamen 6 Gülden an die Kirche der Stadt und 4 Gulden an die Frauenkirche. Die Gerber erhielten am Tage Thomä ihren Innungsbrief. In Leipzig hatten die Schusterknechte mit den Studierenden Händel. Sechs dieser Schusterknechte, die Brüder Lorenz, Peter und Stephan Stock, Peter Thyle, Matthäus und Valentin Smydt, schlugen Fehdebriefe an die Collegien, erhielten einen Anhang von lockeren Edelleuten und müßigem Gesindel, und übten gegen die Studenten und Universitäts-Verwandten offene Feindseligkeit. Die Fürsten befahlen daher ihre Verhaftung, der Official zu Merseburg aber, Johannes Vestual, erließ unter anderen auch an den hiesigen Klerus Requisitorialien, die Schusterknechte und ihre Anhänger bei Androhung des Bannes vor das geistliche, bischöfliche Gericht zu Merseburg zu laden und machte später, als sie nicht erschienen, demselben Klerus das Urteil, in welchem man sie, bis sie der Sache genug getan, für ehrlose Ächter, der geistlichen Lehen verlustig, der Zusammenkünfte des Adels und bürgerlichen Umganges unwürdig erklärte, am 27. März zur Veröffentlichung bekannt. - Man hatte wahrscheinlich von beiden Seiten gefehlt, der Handel, ein leichtsinniger Jugendstreich, ward vor dem weltlichen Gericht mit Sühnen und Gefängnisstrafen abgemacht und an dem Orte, auf den er sich beschränkte, bald vergessen.

1472
Die Frauenkirche ward im Inneren und Äußeren gebessert und 100 Schock darauf verwendet, auch erhielt sie durch den Künstler Nicolaus mit dem Barte ein neues Orgelwerk. Der Erzbischof von Magdeburg weihete sie in eigener Person, firmte auch in der Stadtkirche (zu St. Peter) und verwendete man aus der Kirche gegen 10 Schock für Essen, der Rat aber gab für 4 2/3 Schock Torgauer, Zerbster und einbeckisches Bier und überdies den Kirchenvätern zur Aushilfe 13 Schock. Zugegen war dabei der Graf Gebhard von Mansfeld und erhielt den Ehrenwein. Der Bau der Stadtmühle begann und kostete in diesem Jahre gegen 100 Schock. Zwei Mühlbau-Verständige untersuchten das Wasser und ein Meister aus Halle wog es ab, der Müller Christoph aus Löbnitz, dem der Bau verdungen war, führte ihn aus und vollendete ihn im künftigen Jahre, wo man ihm bei seinem Abschiede leidensches Tuch zu einem Kleide (2 Schock am Werte) als Verehrung gab. In der Mitte des Juli schickte die Stadt 10 Trabanten mit einem Wagen und Aufwande von 5 Schocken nach Hessen. Der Ungeldanteil des Rates betrug in diesem Jahre 63 Schock. Die Hochzeit der Tochter des Otto Pake ward hier in der Stadt gefeiert und schenkte der Rat ein Faß Torgauisches Bier. Dreißig lederne Feuereimer wurden für vier Schock angekauft.

1473
Im Monat März waren die Fürsten mit ganzem Hofstaate hier (Sprenger, Pfeifern, Trompetern, Trommlern) und gingen nach Halle, wo auch der Landgraf Wilhelm, der Markgraf Albrecht von Brandenburg u. a. zu einer Beratung gegenwärtig waren. Am B. Mai bei Sonnenuntergang, ging Bitterfeld in Feuer auf, welches Hans, ein Leineweber angelegt hatte, und schickte der Rat von hier Tages darauf Wagen mit Brot dahin, später auch Steine zum Ausbaue als Geschenk. Man hatte auch hier verzweigte Mordbrenner im Verdachte und deshalb mit dem Rate in Naumburg Konferenz. Die Mulde stieg am 15. August bei Bitterfeld zu einer furchtbaren Höhe, brach unter Pouch durch, nahm einen anderen Lauf und riß 60 Acker der Stadt Bitterfeld gehöriges Flemingsholz (jetzt die beiden Friedersdorfischen Werder) nach der entgegengesetzten Seite hin. Die Fürsten gaben ein großes Schützenfest in Leipzig, welches acht Tage dauerte und gingen nach der Fürsten Willen und Wohlgefallen auch von hier acht Schützen dahin, denen der Rat 5 Schocke Zubuße gab. Man lieferte 50 Stück Betten dahin und des Rates Knecht und Wagen führten das fürstliche Stechgerät nach Dresden zurück. Das Mühlgebäude kostete in diesem Jahre noch 17 1/2 Schock, die Aufsicht dabei führte Martin Kirchhof und brachte das in den letzten Monaten gangbare Werk eine Einnahme von 26 1/2 Schock. Den Ratsherren, deren Geschäfte sich mit jedem Jahre mehrten, hatte man schon 1469 für ihre Versäumnis eine Entschädigung von summarisch 4 Schocken bewilligt, jetzt aber ward 2 Schock für den Bürgermeister, ein Schock für jeden Beisitzer, überdies aber ein Schock in die Küche der Bürgermeisterin und 5 Gr. für die Köchin derselben, wegen des Richteressens, für den Stadtschreiber aber 4 Schocke Sold, 4 Schock für die Kost, 2 Schock für die Kleidung und ein Schock für die Rechnung festgesetzt. Überdies hatte er freie Wohnung, den Bedarf an Schreibmaterialien und bei jeder Gerichtssitzung eine Kleinigkeit. Zwölf Trabanten nach Hildesheim auf 2 Monate kosteten 48 Schocke und hierzu und zum Baue der Mühle borgte der Rat Rh. Gulden vom Hospitale. Wegen Verbrechern, die man auf dem Gottesacker festhielt, reiste Bürgermeister und Notar mit 4 Pferden nach Calbe zum Erzbischof. Hans Peterwitz vermachte beiden Kirchen 6 Schock und Hans Grosse ein Haus in der Grünstraße, einen Garten am Kohltore und die Frucht in der Glesienin Garten. Küster war Kilian und Paul Organist, dem man außerdem Solde auch ein Fuder Holz gab. Die Schützen hatten einen Schützenhof in Grimma. Valentin Schocke, der Stempels Tochter schwängert, büßte 2 Schock neuer Münze. Vom Ungelde kamen in des Rats Kasse 45 Schock 47 1/2 Gr.

1474
Hans Tuschewein aus Kotzschen ließ sich in Stempels Hause mit Schwefel und leinenem alten Tuche ergreifen und gab vor, daß er von Cleman Melssen und Martin Fuhrmann in Merseburg angestiftet und ausgesendet sei, Delitzsch zu brennen, welches sich in der Wahrheit nicht befand. Er ward mit Gefängnis bestrafet und der Stadt vier Meilen Weges verwiesen. Der Rat kaufte das zwischen dem Rat- und Kaufhause noch liegende Privathaus des Bürgers Magerkopp (damals Nr. 4 des zweiten Viertels), zu Gute der Gemein und Erlengung des Rathauses für 32 Schock, und vereinigte nun die drei Gebäude durch einen Neubau, der von Grund aus geführet und in der Hauptanlage als Rathaus bis in die neueste Zeit nicht verändert ward. Der Bau wurde dem Maurer Dietrich Wiltstier von Torgau übertragen, er fing auch die Arbeit am 9. Mai dieses Jahres an, hielt aber untüchtige Leute, daher man ihn gehen ließ und am 19. Juni den Meister George Amme aus Leipzig ins Gedinge nahm. Den Sandstein bearbeitete der Steinnmetz Bernhard, welcher in diesem Jahre mit seinen Leuten 17 Schock, Wiltstier 11, Amme 25 an Lohne empfing. Die Gründung der Keller und Trinkstube waren im Spätsommer ausgeführt. Auch kaufte der Rat mit Vergünstigung des Amt- und Hauptmannes Otto von Schidingen vom Müller Benedict für 100 alte Schocke das Wasser, welches auf seine Mühle, die Schademühle genannt, lief, bis an die Wohnung mit dem Rechte, dieses Wasser auf seine Mühle (die Stadtmühle) zu leiten - und so, daß nie eine Mühle daselbst oder oberwärts zum Schaden der Stadt wieder angelegt werden könne - für ewige Zeiten. Das Schock, welches der Rat jährlich von der Mühle zu empfangen hatte, übernahm der Rat und gibt es heute noch. Belieben ward es von den Fürsten am 12. August künftigen Jahres. Wegen Bestätigung der Lehn über die Altäre reiseten der Bürgermeister, zwei Ratsherren und der Stadtschreiber nach Giebichenstein zu dem Erzbischofe, der den Rat in einer Schrift erinnert hatte. In der Cossunge Czorbegk, Hainichen und Bitterfeld wurden dem Rentmeister Betten geliehen, und also diese drei Städte vom Grafen Gebhardt zu Mansfeld wieder eingelöset. Im August gingen auch auf Begehren der Fürsten mit dem Hauptmann Otto von Schidingen 7 Wagen, 3 Reuter und 80 Bürger zu Fuß zu dem Grafen Woldemar nach Coethen, doch nur auf zwei Tage; am 14. November aber 20 Trabanten mit einer Steinbüchse nach Neuss an den Rhein gegen den Herzog Carl von Burgund, kamen jedoch, weil der reisige Zeug (Reiterei) vollzog, in einigen Tagen zurück. Der Sammelplatz des Heeres war in Leipzig auf der Kuhweide. Veit Priorau erschlug den Richter Balthasar Heyner in Gertitz, gab 2 Schock Wandel an das Gericht, sechs Schock den Erben des Erschlagenen, mußte die Hand mit 10 Personen bestätigen, 1 steinernes Kreuz 2 Ellen hoch setzen, 30 Vigilien und Seelmessen halten lassen, eine Achfahrt tun und das Dorf räumen. Der Schindersknecht von den Leibzeichen des Richters in Gertitz abzulösen, erhielt aus der Ratskasse fünf Gr. Friedrich Rathmersdorf vermachte der Kirche 5 Gulden und eine sammete Joupe, am Werte 2 Rh. Gulden 15. Gr. Thomas war Cantor und Organist, versah beide Stellen, weil der Cantor gestorben war. Der Rat empfing von den Malzen aus der Mühle 15 Schock 44 Gr. und borgte zu den neuen Bauen 100 Rh. Gulden vom Kloster der Marienknechte zu Halle, 200 Rh. Gulden von dem Bürger Augustin Schulze zu Leipzig, 100 Rh. Gulden von Margarethe Heyse. Vom Ungelde kam in der Kasse 43 Schock 5 Gr.11 Pfg. 1 Hl. - der Roggen galt 3 1/4 der Hafer gegen 3 Gr. In der Vorstadt war ein Feuer und gab man den Löschern Bier und Wurst. Dem Hauptmanne gab man an den Quartalen Wein und Bier, den Ratsherren und Dienern ein Badegeld, den Herren ein Gr., den Dienern 6 Pfg.

1475
Die Ergiebigkeit der Schneeberger Bergwerke (seit 1471) veranlaßte die Fürsten, Ernst, Albrecht und den Landgrafen Wilhelm, ihren Oheim, kleinere, aber silberreichere (15-16 lötige) Groschen von diesem Jahre an auszuprägen. Die neue Münze kommt hier unter dem Namen silberne Münze vor, und verhielt sich zu der bisherigen, die man mittlere nannte, wie 6 zu 7. Wegen der aus drei Bogen und drei Spitzen bestehenden Umgebung des Landsberger Schildes der einen Seite nannte man sie auch Spitzgroschen. Nach der fürstlichen Verordnung sollten 20 einem Rh. Gulden gleich sein und einer 9 Pfg. gelten, sie stiegen aber in einigen Gegenden bald auf 15 und 18 Pfennige. Am 26. April kaufte der Rat das Wasser der Hausmühle von dem Müller Sebastian für 100 alte Schocke. Hierunter war auch der Hof, ein Viertel Landes hinter diesem und weiter nach dem heiligen Brunnen zu, eine Wiese begriffen. Man versprach ihm aber Hof und Viertel Landes abzumessen und gegen 15 Gr. jährlichen Zins zu vererben, die Wiese jedoch nur als der Stadt-Zins-Laßgut für 40 Gr. jährlich, wenn er es nicht etwa erblich abkaufte, zu überlassen. Am 13. September ward ihm Hof und Viertel Landes abgemessen und versteckt, angewiesen mit der Bedingung des Vorkaufes und sollte es der Stadt frei stehen, wenn sie es in Nachgezeiten nötig fände, den durch das vererbte Grundstück führenden Wasserlauf oder Gestrenge zu räumen, den Schlamm auf das Grundstück zu werfen und der Besitzter bei der Räumung helfen. Das an die Kirche zu gebende Schock zahlte von nun an der Rat. Heinrich Spigel auf Zschortau, erhielt jährlich vom Zolle 30 Gr. (von den Paken stammend), diese Abgabe kaufte ihm der Rat am 25. Mai für 30 Rh. Gulden ab. Auch kaufte er von Stephan Mewes eine Hufe Landes auf Gertitzer Mark für 22 Schock 20 Gr. Sie war Frei-Mannlehn. Der Blitz schlug in den auf der Mitte des Daches stehenden Turm der Stadtkirche, zerstörte die Spille der Spitze, beschädigte auf seinem Gang das mitternächtliche Dach des Schiffes, und fuhr an dem Fenster der mitternächtlichen Seite, wo der Altar Jakobi stand, zwischen der Kreuz-Kapelle und dem Eingange in das Schiff nieder, ohne Entzündung. Die Nachricht hiervon erhielt sich in den Rechnungen durch den veranlaßten Aufwand. In der Rechnung des Rates: "Den Pulsanten (Läutern) vor bier do was weiter in die Kirchenn slugk VIII gr." Die Kirche aber verrechnete an Ausbesserung: 6 1/2 Gr. zu einer Säule in die Spitze auf der Kirche - Arbeitslohn dem Zimmerer Georg die Spitze zu kleiden, den Sparren und eine Säule einzuziehen - dem Schieferdecker, Spitze und Dach zu decken 2 ½ Schock - dem Fenstermacher Matthiae von dem Fenster über dem Altare Jakobi 1 Schock. Der fürstliche Lehnbrief über die Schademühle ist vom 11. August (Lipczk am Freitage nach Sent Laurencii) und berechtiget die Stadt, das Wasser bis an die Wohnung des Müllers, und des Orts, wo die Mühle gestanden, nach Belieben zu nützen, einen Grundschutz zu ziehen, oder zu Erledigung ihres Wassers im Stadtgraben einen Abgang zu halten. Niemand soll sie zu ewigen Zeiten daran hindern, ihnen das Wasser abgraben, hier oder an einem anderen Orts obinwendig (aufwärts) ihrer Mühle (der Stadtmühle) eine Mühle anlegen, wodurch die ihrige geschwächt würde. Dieser Lehnbrief kostete in der Kanzlei 4 Rh. Gulden und 6 Silbergroschen für Wachs.

Am 7. September starb der PfarrerHerman Westfal, auch Westual, ein geborner Westphale, aus dem Paderbornischen und in Paderborn zum geistlichen Stande gebildet. Er war schon 1409 Vikar und Kalandherr hiesiger Stadt, versiegelte 1423 im Auftrage den Nachlaß des Pfarrers Stellmecher, hatte 1428 die Pfarre in Zschortau und besorgte das hiesige Pfarramt für den fürstlichen Kanzler Georg von Hugewicz, der ihm durch seinen Einfluß zu dem Amte selbst, das er selbst seiner übrigen Geschäfte und daher sich steigenden Einkünfte wegen aufgab, 1437 behilflich war. Im Jahre 1446 erteilte ihm auf fürstliches Gesuch der Erzbischof Friedrich zu Magdeburg das Commissariat für hiesige Lande, Magdeburgischer Diözes, und machte er sich durch Auswirkung fürstlicher und bischöflicher Gunstbriefe zu milder Förderung des Kirchenbaues, und durch das Vermächtnis seiner Bücher um die Kirche wohl verdient. Am Rathause ward die Lauke, ein unterirdisches Gefängnis für gefährliche Verbrecher, der hinterste Grund gegen den Hof mit dem Vorende über der Lauke, unter des Ratsherren und Bauvorstehers Martin Kirchhof, Aufsicht durch den Maurer Amme ausgeführt, welcher gegen 20 Schock Lohn erhielt. Zu diesem Baue und neuen Ankäufen borgte der 50 Rh. Gulden vom Hospitale, 200 Rh. Gulden vom Bürger Augustin Schulze in Leipzig und 200 Rh. Gulden von Dr. Johannes Euderitsch daselbst, diese zu 10 Rh. Gulden jährlicher Verzinsung. Die Schuldverschreibung gegen diese ist vom 4. Oktober. In den über die Zinsen gestellten Quittungen schrieb er sich Johes (Johannes) Ewderitsch von Lipczk, war aus Euderitsch bei Leipzig gebürtig und sein eigentlicher Name Meise. Er lehrte in Leipzig , wo er studiert hatte, als Magister Philosophie, ward 1461 Rektor der Universität, 1466 Collegiat des großen Collegium, Lehrer der Theologie, starb am 12. Februar 1491 und fand in der Nicolaikirche seinen Ruheplatz. Der Rat borgte 1487 noch 280 Rh. Gulden zu 14 Rh. Gulden Zins von ihm, und wird bei diesem Jahre gesagt werden, an wen nach seinem Tode infolge von Stiftungen die Zinsen bezahlt worden sind. Aus dem Nachlasse des Kantors erhielt die Kirche Mantel und Kogel (cucullum), vom Prediger Paul ein Buch: Scholasticam historiam, vom Pfarrer Westual aber sämtliche Bücher als Vermächtnis. Im Frauenhause (Bordelle) brach Feuer aus, ward aber sogleich gelöscht. Dem unvermögenden Rats-Kämmerer Dietrich Naumann verehrte man ein Kleid. Einer, der zwei graue Tuche gestohlen hatte, war mit dem Strange hingerichtet, abgeschnitten und begraben. Auf die 1466 den Fürsten geliehene Hauptsumme erhielt die Stadt in diesem Jahre 516 Rh. Gulden zurück, vom Ungelde aber kam in die Kasse 41 Schock 52 Gr. 5 Pfg.

1476
Der Amt- und Hauptmann Otto von Schidingen (er war es zugleich in Zoerbig und Bitterfeld, früher, 1456 in Wittenberg) verglich am 31. Januar die Kupsalischen Erben, ging dann mit dem Landvoigte Bernd (Bernhard) von Schoenberg von hier nach Dresden und von da am 5. März mit dem Herzoge Albrecht und Begleitern, 119 an der Zahl, in das heilige Land. Auf dem Rückwege, und kurz nach der Abfahrt von Joppe starb er am 11. August und sein Leichnam mußte wegen großer Hitze und drohender Gefahr der See überlassen werden. Er war ein Sohn des Christoph von Schidingen, als Mensch und Krieger ausgezeichnet, Liebling des Herzogs und wahrer tätiger Freund dieser Stadt, deren neuer Bruderschaft er noch ein Vermächtnis von 50 Rh. Gulden hinterließ. Stadt und Angehörige (Gattin: Anna von Einsiedel, Kinder: Hans, Otto, Lucia, Elisabeth, Anna und Martha) vorzüglich der Sohn Hans, nach ihm hiesiger Hauptmann, setzten ihm daher das an der Stadtkirche neben dem Eingange in die mittägige Kapelle noch bestehende steinerne Denkmal (Cenotaphium) mit ganzem Bilde im Harnisch, doch unbehelmt. Der von Plauen hatte Mordbrenner ausgesendet und warnten die Fürsten gegen folgende Personen: Georg Gelhoer ist gefangen, Schauwenflegel ist ihr Hauptmann, geht mit einem Krame und bettelt mit; Matthaeus Wallenlanden ist ein fahrender Schüler; Caspar Trappe trägt sich mit einem Krame und bettelt mit; Hans Franke geht auch mit einem Krame, Georg von Dautsch geht in langen Kleidern als ein Schreiber, Cunz Spangenberger trägt sich mit einem Netze als ein fahrender Schüler und ist von Spangenberg aus Hessen, Georg Papelbier ist auch der Gesellen einer; Georg von Schmalkau trägt sich mit einem Krame am Halse; Friedrich Holandt desgleichen, Gürtel und Messer; Hans Hesse ist ein Junggeselle und geht betteln. Am 16. August lieferte die Stadt viel Betten nach Leipzig auf das Schloß, wo der Landgraf Wilhelm, seine Tochter Margarethe und viele thüringischen Vasallen mit den Landesfürsten und Freunden zusammentrafen, um zur Hochzeitsfeier nach Berlin abzugeben. Der D. Johannes Morman in Leipzig, hatte sich 1470, als er dem Rate 300 Rh. Gulden auf Leibzins lieh, bedungen, daß man ihm ein Begängnis halten sollte, wenn bei seinem Tode das Kapital nicht völlig ausgegeben sei, und veranstaltete der Rat die Gedächtnisfeier in diesem Jahre, wo er in der zweiten Hälftegestorben sein muß. Der Rat brauchte ihn früher in der Stadt Angelegenheiten und er kommt gewöhnlich unter dem Namen D. de Ratisbona (wie 1460) in den Rechnungen vor. Er war von Regensburg, in Leipzig zum Gelehrten gebildet, Magister, Lehrer der Philosophie und Theologie. des geistlichen Rechts, 1450 der Universität Rektor und eine Zeitlang fürstlicher Rat -einer der ausgezeichnetsten Theologen und Redner seiner Zeit, von dem die Leipziger UniversitätsBibliothek noch Schriften hat. 40 Trabanten nach Radegast und Folge nach Bernburg. Wegen des Zolles in Rydeburg war man in Leipzig und Giebichenstein. Die im vorigen Jahre von Stephan Mebes erkaufte Freihufe vererbte der Rat für 98 Rh. Gulden und einem jährlichen Erbzins von 20 Gr. an den Bürgermeister Pancratius Schebe. Die lockende Ausbeute der Schneeberger Bergwerke bewog auch den Rat mit den Bürgermeistern Schebe, Werdt und dem Stadtschreiber für 600 Gulden Bergteile anzukaufen, von welchen die Stadt die Hälfte behielt. Mehrere alte Kapitale wurden abgezahlt, dagegen 1550 Gulden, als 50 Gulden von Wenceslaus Finis einem Delitzscher, 500 Gulden von der Sonnewaldin in Torgau, 1000 Gulden von dem Bürger Michael Ropptsch allda, von neuem erborget, und meistens zu dem Baue des Rathauses bestimmt. Einer entführte Matthaeus Krügers Mädchen, ein Kind von 12 Jahren und gab 6 Gulden Strafe. Andreas Winter von Grassow, eine Meile von Herzberg (ein Wende) ward mit einer falschen, zwei Daumen breit kürzeren Elle begriffen und mußte ebenfalls 6 Gulden zu Wandel und Buße erlegen. Auch die Schuh- und Ackerknechte verbüßten unerlaubtes Spiel mit 1 Schocke, für welches man zwei hochfüßige Schenkkannen anschaffte. Der D. Werner Wyke in Leipzig erließ der Stadt von seinen jährlichen Leibzinsen 5 Gulden zum Besten der Armen, und der Rat kaufte dafür unter andern auch Ern Heinrich dem Barfüßer (aus hiesiger Barfüßer-Terminei in der Badergasse) eine Bekleidung (Kappe) für 48 Gr. Paul Tyle von der Sprotte legte 14 Rh. Gulden bei der Kirche nieder und gab sie ihr auf den Todesfall, desgleichen die Kurenackin 10 Rh. Gulden. An die Stelle des verstorbenen Caspar Gottschalk wurden zwei, Clemens Becker und Nicolaus Wagenknecht zu Vorstehern des Hospitals erwählt.

1477
Die Räte des Herzoges und Landgrafen Wilhelm waren hier. Quedlinburg, welches sich gegen die Äbtissin. Schwester des Kurfürsten, auflehnte, ward vom Kurfürsten belagert, erobert und zum Gehorsam gebracht. Hiesiger Stadt kostete die Heerfahrt dafür 75 1/2 Schock. Der Maurer Georg Amme mauerte 24 Ruten am Rathause über der Erde und erhielt für die Rute 1 Schock zum Lohn, 9 1/2 Schock für das Gewölbe unter der Brücke am hohen Turme. auch besserte er den Turm am Viehtore und die Galgenbrücke. Der Adel (die erbaren) hatte in Fastnachten seinen Hof und nahmen Torgauer Bier. Martin Koerbitz, einjunger Mensch, brach zum Scherz in einen Kramladen des Leginlichtischen Hauses, nahm einen Korb Feigen und einen brauen Rock ... und trug das an anderswohin, ward darüber ergriffen, aber auf Vorbitte der Geistlichen, des Gieitsmannes und anderer des Gefängnisses (wegen seiner Unwissenheit, Torheit und Kindheit) entlassen und sollte die Stadt meiden, es wäre denn, daß er zu Priesterschaft geordnet würde. Der Rat verkaufte das Mühlhaus, welches früher Peter Sachse hatte, bis an den Unterschied an den Zimmermann George Müller für 17 Rh. Gulden. Das Mühlhaus hatte, seitdem die Stadtmühle außerhalb der Stadt angelegt worden war, nur den Namen behalten, war aber längst vererbt, und kaufte es der Rat 1473 von dem damaligen Besitzer Peter Sachse zurück. Es macht den Anfang des vierten Viertels, denn hier stand die alte Stadtmühle, und die nach dem Pakischen Freihofe, oder der Doktorei führenden Gasse hatte derzeit den Namen Mühlgasse von ihr. Die Kriebenstein, Ehefrau des Ratsherren Johann Kriebenstein vermachte der Kirche 6 Rh. Gulden und die Caspar Bornack schenkte 40 Gr. dahin. Der Ritter Thomas Gray kam aus Ungarn, wo er "sich aus türkischer Gefangenschaft gelöset hatte" und erhielt den Ehrenwein. Der Scheffel Weizen (hiesigen Maßes) galt 3, der Scheffel Roggen und Hafer 2 Groschen. Vom Ungelde kam in die Kasse 40 Schock 47 Gr. 4 Pfg.

1478
Martin Nussmann, der mit der Buderneckin Ehebruch getrieben, mußte 2 Rh. Gulden büßen, seine Güter verkaufen und wegziehen. Auch Lucas Schmidt, der seines Bruders Tochter beschlief, auf Vorbitte des Fürsten aus dem Gefängnis kam, mußte seine Güter verkaufen und die Stadt meiden, nachdem er dem Rate als Strafe 2 Schock hallische Scheffel ungelöschten Kalkes gegeben und frei angefahren hatte. Man versuchte an der Stadtmühle auch eine Walkmühle anzubringen, besah mit den Gewerken die Walkmühle in Leipzig, ließ auch den Bau durch den Zimmermann Martin Müller anfangen, man findet aber nicht, daß das Werk fortgesetzt worden sei. Sechs Schützen mit dem Zieler, vier Pferden und zwei Knechten gingen sonntags nach Bartholomä zu einem Schützenhofe nach Geiten und blieben vier Tage weg. Es ward eine Brauordnung festgesetzt, aus der einiges in die späteren Ordnungen übergegangen ist. Der Bau am Rathause beschränkte sich in diesem Jahre auf die Bänke, und sorgte der Rat zu Absetzung älterer Schulden und fortgesetztem Baue 600 Rh. Gulden von Brigitte Sonnenwaldin in Torgau, welches Kapital zu einer geistlichen Stiftung von der Gläubigerin bestimmt, 1532 an die Vikarien in Torgau wieder abgezahlt ward. Der Markgraf Albrecht war Petri Pauli hier und zog mit hiesigem Zeuge und Trabanten in die Mark, der Rat verehrte ihm Torgauisches Bier. Auch erhielten der Doktor Otto Spigel, Kanzler, dessen Bruder Dietrich und die Mutter in Granau gesessen, als sie hier eintrafen, einen Lägel Rheinfall zum Geschenk. Ähnliche Verehrungen wurden dem Bischofe von Merseburg, dem von Schwarzburg Hohenstein, dem Hauptmanne von Leipzig Nicolaus Pflug, Heinrich Laser und dem hiesigen Gleitmanne Albrecht Preyting zuteil. Die Hurenwirtin (Aufseherin des Frauenhauses, Bordells) wurde vom Scharfrichter Thomas verhört - der Tortur unterworfen. Die Kirche kaufte Jacob Finis Brauhaus mit aller Gerechtigkeit, ohne Zins, für 50 Rh. Gulden in Golde. Der Born soll dem Verkäufer zum Gebrauche gegen Unterhaltung des Schwengels, der Säule und des Geschränkes überlassen sein. Die Schule war noch mit Schindeln gedeckt. Der Zimmermann Martin fertigte für die Kirche die Krone (Kronleuchter), da man die Lichter aufsteckt in dem Advent. Der neue Küster Peter Volle ward mit seinem Geräte von Halle abgeholt. Des Rates Anteil vom Ungelde betrug 49 Schock.

1479
Der Hauptmann Hans von Schidingen zahlte das von seinem Vater Otto von Schidingen der Fraternität der Neuen Brüder ansgesetzte Legat von 50 Rh. Gulden und der Rat vermehrte es bis 100 Rh. Gulden, welche er an Conrad Heiler zum besten der Gesellschaft auf Zinsen auslieh. Die Kirchrechnungen von 1472 bis 79 wurden abgenommen geistlicherseits von dem Stellvertreter des Pfarrers Daniel Porgk, Urbanus (Ludicke) Pfarrer in Zschortau und hiesigen Altaristen, mit dem man als Courentor nicht zufrieden war. Fünf Gesellen von hier arbeiteten in Wittenberg (wahrscheinlich an der Brücke oder Befestigung) und erhielten vom hiesigen Rate ihren Lohn. In Bendorf wurde die neue Glocke geweihet und gab der Rat ein Faß Torgauisches Bier. Am Rathause arbeitete meistens der Steinmetz Johannes -den Grund unter der Säule ziehen, Unterzüge - die Versetzung der Anfänge - Kragsteine, Bilder - vom Zimmermeister Martin aber ward die Säule unter dem Unterzuge gefertiget, mit Schnitzwerk und Wappen, an welche man die öffentlichen Bekanntmachungen hing. Ein neuer Wagebalken mit allem Zubehör, den man aus Nürnberg kommen ließ, kostete 8 Gulden. Nicolaus der Mahler (Bildhauer) fertigte zwei Taufbecken, die der Stadtkirche mit gesprenge und Ölfarben - vergoldet auf das schönste - (allirschonste). Der Buchdrucker Lucas Brant, auch Brand und Brandt, ein geborener Delitzscher, welcher von 1465 an in Leipzig studierte, später daselbst und in Merseburg druckte, verkaufte der Kirche ein Missal auf Pergament für 14 Rh. Gulden (soll eingebunden sein, beschlagen und mit einem Crucifixe illuminieret). Derselbe überlieferte auch ein papiernes Missal für 6 Rh. Gulden und war in Pfingsten persönlich hier. Ein Unbekannter schenkte der Stadtkirche 7 Schock 50 Gr. Urban war Ostern, Ambrosius Miachaelis Organist. Der Küster Thomas an der Frauenkirche starb und der Klerus ward von Wittenberg geholt. Ein Moritz Reichinstein hatte sich bei den Fürsten beschweret, daß er vom hiesigen Gleitsmanne (des Schlosses) und anderen gedrängt worden sei, und um Abhörung von Zeugen gebeten und erging deshalb an den Rat den 18. März eine fürstliche Zuschrift. Der Scheffel Korn galt 2 Gr., Hafer 1 Gr. 10 Pfg. Der Graf Woldemar von Anhalt war mit den Fürsten hier, kam aus Ungarn, desgleichen der Hauptmann Hans von Schidingen und erhielten Verehrung an Wein. Desgleichen der Bischof von Meißen bei zweimaliger Anwesenheit. Der Dechant zu Halberstadt Johann von Querfurt, Nicolaus Pflug und der Fürsten Mutter von Altenburg.

1480
Die Garküche (Gasbude) an der Ecke des Marktes bei dem Brauhause, ward für 5 Gulden jährlich an Valentin Puff ausgetan. Er sollte garmachen von Ostern bis Martini und in des Rates Solde als Koch mit in die Heerfahrt ziehen. Hans von Schidingen und Dippolt von Schoenfeld waren in diesem Jahre Vorsteher des adligen Hofes, veranstalteten ein Stechen auf dem hiesigen Markte zu Fastnachten und baten den Rat in einem Schreiben um günstigen Beistand. Der Rat sorgte für mögliche Bequemlichkeit und verehrte ein Faß Naumburger Bier. Auch schenkte er den Barfüßer Mönchen zu ihrer Convocation, als sie einen neuen Minister wählten, einen Ochsen, 5 Gulden oder 1 Schock 45 Gr. am Wert. Vom neuen Jahre bis Lätare, wo das Brauen aufhörte, wurden 128 Gebräude, das Gebräude zu 60 Scheffeln Delitzscher Maßes, gebrauet, davon 33 Gr. - machen 70 Schock 24 Gr. Ungeld. Der Einbringung fremden Bieres wegen durch die Krüger, Schenkwirte, der Pflege war man zu zwei verschiedenen Malen bei dem Herzoge Albrecht, und am 9. Juni wurden von zwei Knechten des Hauptmannes, vom Knechte des Gleitsmannes, vom Landsknechte und 12 Trabanten die Krüge untersucht. Auf Zuschrift der Fürsten mußten am 1. Juli dreißig Fußknechte, zwei Reitende und zwei Heerfahrtswagen ausgerüstet werden und stellten je vier Hausbesitzer einen Mann. Zu welchem Zwecke, ist nicht angegeben. Man schaffte dazu eine neue Heerfahne (panir) von 9 1/4 Elle Zindel roten Parchan und seidenen Borten, und versah einen Fußknecht Georg Günther, der mitziehen sollte, mit Rocke, Hosen und Streiflingen. Bisher hatten die Stadtwagen Bedürfnisse aller Art von bezeichneten, oft entlegenen Orten abfahren und dem fürstlichen Hoflager zuführen müssen, mit dem seit einigen Jahren sich befestigenden, bleibenden Aufenthalte der Fürsten in Dresden aber traf man die Einrichtung, daß man zu Anführung der Bedürfnisse des Hofes die Städte bestimmte, denen sie nahe waren, daher hiesige Stadt von nun an in der Regel nur zu Anfuhr des Salzes von Halle gebraucht ward. Der Küster, welcher bei Eidesleistungen das Kästchen mit den Hei1igen (Reliquien) brachte (auf das beim Schwur die drei Finger der rechten Hand legte), erhielt jedesmal 3 Pfennige. Otto Pak vermachte den Kirchen der Stadt 6 Rh. Gulden und sein Grab ward auf Kosten der Kirche geordnet. Sein Sohn Heinrich v. Pak (Hauptmann hiesiger Stadt 1486-1505), nahm auf seines Vaters Begängnis vom Rat ein Faß Torgauisches Bier. Ein unbekannter Wohltäter (eyn gut mensche) gab beiden Kirchen 131 Rheinische und 4 Ungarische Gulden, ein anderer 23 Schock große Groschen, Judenköpfe und Groschen mit den großen Schilden, auch 2 Schock zweischildige Groschen, die Tapertin aber Haus und Hof, und was darinnen gewesen, Korn, Weizen, Hafer, Bier, drei Tische, Kühlfässer, halbfuderige Fässer usw. Auch muß sich die Ehefrau des Michael Kurznack wohltätig gegen die Kirche erwiesen haben, weil man aus dem Kirchenvermögen 3 Schock 5 Gr. 7 Pfg. den Priestern, Schulmeister, Küstern - für Brot, Bier, Fische bei dem Begräbnisse, 2 Schock 30 Gr. 3 Pfg. Präsenz, Brot, Bier, Fleisch und was dazu gehört auf die vier Wochen ausgegeben hat. Auf dem Rathause ward die neue Stube (dornze) mit vier Fenstern , die man wegen der eichenen Bohlen auch Bohlstube nannte, zustande gebracht und der Meister gelohnt. Die Schuhmacher erhielten ihren lnnungsbrief. George Boettcher, der ohne ein Zeichen zu haben, also ohne Erlaubnis, Feuer zum Brauen angezündet hatte, mußte 10 Scheffel Hafer Strafe geben, und der Knecht eines Schweineschneiders, Nicolaus aus Lommatzsch, ward mit dem Strange hingerichtet, weil er der Poritzsch eine Tiare, einen Schleier und eine Badekappe entwendet hatte. Der Scheffel galt 3 Gr., Korn 2 Gr. 1 Pfg., Hafer 1 Gr. 7 Pfg.

1481
Auf Schrift der Fürsten besuchte der Ratsmann Johannes Lobda mit dem Stadtschreiber den Landtag in Dresden auf acht Tage, auf welchem Landtage Hilfe wider die Türken beschlossen ward. Auch war in der Woche vor Judica ein Städtetag in Leipzig - wegen der Münze - auf welchem der Bürgermeister Pancratius Schebe, Lobda und der Stadtschreiber teilnahm. In einem Hintergebäude der Breiten Gasse brach Feuer aus, welches einen Teil der Breiten Gasse und die ganze Hintergasse mit Anhang zerstörte. Man hatte Verdacht, daß es angelegt sei, brachte auch einen Fremden in Untersuchung, die aber ohne Erfolg blieb. Die Gertitzer waren beim Löschen vorzüglich tätig und erhielten die Löscher Brot, Heringe, Wurst und Bier. Den Verunglückten verschaffte man durch eine Reise zu den Fürsten Abgaben-Erleichterung und Holz, auch sammelte man für sie das Almosen. Man hielt auch wegen des Feuers mehrere Wochen einen Wächter auf der Kirche, auf den Türmen und mehrere Zirkelwächter. Vor der Hausmühle ein neuer Schutz - in der Hallischen Gasse (bei Nummer 49) ein neuer Brunnen - und vor dem Hallischen Tore (zwischen dem Hospitale und dem Stadtgraben) für die Armbrustschützen eine neue Zielstätte. Wegen Besetzung des Altars Catharinä war der Rat mit dem Pfarrer bei dem Ordinarius, welcher über das Recht der Vorbete zwischen beiden entscheiden sollte. Der Rat verlangte sie mit Recht für sich, der Pfarrer aber behauptete, sie gehöre dem Bischofe und wollte daher den Rat von der Besetzung ausschließen. Der Streit ward jedoch nicht diesmal, sondern erst 1521 durch herzogliche und erzbischöfliche Räte günstig fürden Rat entschieden. Den Altar erhielt jetzt der Pfarrer Urban Ludicke und aus der Ratskasse jährlich 16 Gulden. Kommissarius des geistlichen Gerichts war Johannes Hun, welcher auf Ansuchen des Schützmeisters Friedrich den Kapellan des gestrengen Helfferich von Meken (Mekow) wegen eines Vermächtnisses als Zeugen abhörte. Dieser Helfferich von Meckow nahm in diesem Jahre auf sein Heimbringen 1 Faß Torgauisches Bier vom Rate. Auch Otto von Dieskau, auf Dieskau richtete hier seine Hochzeit aus. In der ersten Hälfte des Jahres war Ambrosius, in der zweiten Urban Organist. Ambrosius, der alte Küster, beschäftigte sich mit Vergoldung der Kerzen und Bilder. Die Bäcker wurden dreimals wegen mangels an Brot bestraft. Der Doktor Valentin Schmiedeberg (Arzt) in Leipzig, Doktor Otto Spigel, Hauptmann Nicolaus Pflug und Otto von Dieskau, auf Dieskau erhielten den Ehrenwein. Ein armer Gesell hatte einen Mantel in Loeberitz gestohlen und ward von Hans Oesterreicher, dem neuen Scharfrichter, in Leipzig gehenkt.  Der Probst und Hausvogt vom Petersberge besaßen eine Scheune in der Vorstadt, traten sie aber wegen Steinschuld an den Rat ab. Der Papst Sixtus (IV.) erneuerte das von seinen Vorfahren den Markgrafen von Meißen und sächsichen Fürsten gegebene Privilegium, daß ihre Untertanen ihren eigentlichen Richter nicht durch frevele Eingriffe auswärtiger Gerichte, namentlich nicht der geistlichen Richter, wenn sie nicht für den speziellen Fall vom geistlichen Stuhle Auftrag erhielten, entzogen werden sollten. Es galt diese päpstliche Verordnung hauptsächlich auch den Femgerichten, die aber nichts desto weniger ihr angemaßtes Recht zu behaupten suchten, oft mit den geistlichen Behörden gemeinschaftliche Sache machten, und bis zur Reformation beiderseits durch Achtsandrohungen und Interdikte der Rechtspflege hinderlich und dem Beutel der Untertanen sehr bescherlich waren. Die Äbte zu Chemnitz und Saalfeld und der Probst des Thomasklosters in Leipzig erhielten in dieser Verordnung Gewalt, auf Ansuchen gegen die, die sich auflehnten, mit dem geistlichen Banne ohne Berücksichtigung der Applation zu verfahren.

1482
Die bisherigen Landtagsbeschwerden über den unsicheren Wert der verschiedenen, der Gangbarkeit nicht ganz zu entziehenden Münzen, über zur Ungebühr gesteigerte Arbeits- und Gesindelöhne, über unmäßige Beköstigung des Gesindes, überhandnehmenden Luxus in Kleidung und Schmauserein, Beeinträchtigung der Städte durch ländliche Brauereien und Handwerker, veranlaßten am 15. April die Veröffentlichung einer der tüchtigsten Polizeiordnungen ihrer Zeit, die sich unter dem Namen: Landes- und Polizeiordnung lange im Werte hielt. Hinsichtlich der Münze setzte sie die seit 1475 geschlagenen silbernen Groschen als Hauptwehrschaft, den Groschen zu 12 Pfennigen, den Rheinischen Gulden zu 20 Groschen, zur Entscheidung (Scheidemünze) aber die kleinere geprägte Münze zur Hälfte dieses Wertes fest, erlaubte jedoch, wegen des Verkehres mit den Nachbarländern, auch die Annahme der Böhmischen, Mittel- und Schwertgroschen, deren Wert nach dem Verhältnisse ihres Gehaltes zu der neuen Münze, der Böhmischen - und Mittelgroschen zu 11 Pfg., der Schwertgroschen zu 5'/, Pfg. (neuer Münze) bestimmt ward. Von der Unmäßigkeit der Arbeitslöhne wird man sich einen Begriff machen, wenn man in dieser Ordnung

3 Schock 20 Gr. für den Großknecht,
1 Schock 40 Gr. für eine große Magd,
1 Schock 20 Gr. für eine gewöhnliche Magd außer der Kost jährlichen Lohn;
27 Gr. für einen Polirer,
23 Gr. für einen Gesellen,
16 Gr. für einen Handlanger

Wochenlohn ausgesetzt sieht und den Wert des Roggens in Betrachtung zieht, von dem der Scheffel nach hiesigem, steinernen (dem neuesten, halben Dresdener Scheffel gleichenden) Maße durchschnittlich nie über 23/4 Gr. galt. Auch wundert man sich nicht wenig, wenn die bisher gewöhnliche Kost der Hilfsarbeiter, des Gesindes (mittags und abends), auf vier Essen, an Fleischtagen auf Suppe, zweierlei Fleisch, zwei Gemüse; an Festtagen auf Suppe zweierlei Fische, grüne und dürre, zwei Gemüse, das Zwischenessen aber, Frühstück- und Vesperbrot, auf Brot und Käse herabgesetzt wird, und der Kirmesvater nur fünfzehn Gäste haben und diese nur mit fünf Gerichten mittags, und vieren abends vergnügen soll. Ebenso befremdend ist es, wenn das Gesetz adeligen Jungfrauen Kleider mit zweielligen Schleppen versagt, andere zu anderthalbhundert Gülden aber gestattet, Rittern und Bürgern Kleider zu 40 und 30 Gülden, den bürgerlichen Frauen und Jungfrauen einen Hauptschmuck von dreißig Gülden zu tragen Erlaubnis gibt. In Wahrheit ein alle Grenzen übersteigender Luxus, der nur zum Teil durch den reichen Ertrag der Bergwerke und durch Anhäufung des baren Geldes erklärlich wird. Die Ritterschaft der Umgegend beschwerte sich gegen die Stadt und ihr Privilegium der Biermeile, hauptsächlich gegen die amtliche Aufsuchung des fremden Bieres, eigentlich also gegen das neue Polizeigesetz; die Beschwerde verursachte Reisen zu dem Fürsten, hatte aber sonst, wie Recht, keinen Erfolg. In Gerltitz (Görlitz) ward die Hofstätte geräumt und zu Acker gemacht, viele und gute Steine, die man fand, schaffte man in die Stadt. Man brachte 27 Gülden zu einer Heerfahrt nach Sagen aus und 5 1/2 Gulden Beitrag der Abgebrannten ward erlassen. Diese erhielten auch von Kurfürsten 30 Stämme, halb eichenes, halb aspenes Holz. In der Vorstadt geschah ein Mord an einem Leineweber, auch brach bei der Schäferei daselbst Feuer aus, welches nicht um sich griff, und erhielt der Knecht des Bürgermeisters Schebe, welcher das erste Wasserfaß brachte, acht Groschen. Die Stadt traf ein starkes Hagelwetter, welches unter anderem auch die Kirchenfenster hart beschädigte, und für Ausbesserung durch den Meister Matthaeus den Spetener (Glaser) eine Ausgabe von mehreren Schocken verursachte. Wahrscheinlich gingen damals die Schilde und Bilder von gemaltem Glase, die in den Fenstern des Chores angebracht waren, und viel gekostet hatten, verloren. Der hiesige Goldschmidt Michael Bonichen fertigte und vergoldete zwei silberne Kelche mit den Patenen, auch ein Pacificale (osculatorium ein mit einem Griffe versehenes Rundtäfelchen von Silber mit angeheftetem, vergoldeten Kruzifix, das nach der Kommunion zum Kusse des Friedens, gemeinschaftlicher Liebe, dargereicht und von allen geküßt wurde, da man das früher übliche gegenseitige Küssen nicht mehr ratsam fand). Der Markgraf Johannes (Hans) war Lätare hier auf dem Schlosse, erhielt Ehrenwein und brachte man in der Stadt die nötigen Betten aus. Benedictus Hartmann, der Sohn des hiesigen Bürgers Martin Hartmann, ein angehender Geistlicher, später Kapellan des Dietrich Spigel auf Grunau, Altarist auf hiesigem Schlosse, Vikar des Altares Barbaras und Kalandherr, hielt seine erste Messe, und schenkte ihm den Rat ein Viertel Torgauisches Bier. Er starb 1513 mit dem Lobe erfüllter Dienstpflicht. Der Rathmarsdorfin, Mutter des Ritters Hans Schiek, einer Wohltäterin der Kirche und Gläubigerin der Stadt, welche am l. August hier starb, ward ein feierliches Begängnis gehalten. Herzog Wilhelm (Landgraf in Thüringen) starb am 17. September und fiel sein Land den Neffen, Kurfürsten Ernst und Herzogen Albrecht zu. Um die nach des Herzogs Wilhelm Tode zu fürchtende Teilung der Länder zu hindern, ward der 1480 festgesetzte Jahresgehalt des Herzogs um 3000 Rh. Gulden erhöhet und dazu auch die Stadt Delitzsch mit ihren Einkünften am 5. September an ihn überwiesen. Der Herzog Albrecht verlangte nun auch in einer Schrift, am 10. November von dem Rate die Ablieferung der Steuern.

1483
Im Mai und Juni war große Hitze ohne Regen, in vielen Gegenden verdarb das Getreide gänzlich und es entstand drückende Teuerung. Überall bat man auf das flehentlichste in den Kirchen um Regen, stellte Betfahrten an und auch hierher kamen am 20. Juni Frauen und Jungfrauen von Eilenburg und dem ganzen Stuhle Golm barfuß, mit aufgelösten Haaren und geringer Kleidung. welche nicht nur unter Vortragung von Kreuzen, Kerzen. Fahnen und Bildern der Heiligen öffentlich um Abwendung göttlichen Zornes und Gewährung gnädigen Regens laut beteten und sonderliche Lieder absangen, sondern auch mit dem begleitenden Volke in die Kirchen zogen und an den daselbst durch die Geistlichen angestellten Bußfeierlichkeiten teilnahmen. Nach Endigung derselben wurden sie vom Rate mit Wein und Bier beschenkt und von den Bürgern freundlichst bewirtet. Die Not war vorzüglich groß in dem niederen Deutschland und Böhmen, wo die vorjährige Ernte schon kärglich gewesen war, und es wurden daher 4000 Scheffel Roggen aufgekauft und teil nach Hamburg abgeführt. Der Preis des Getreides stieg über das Doppelte. Die Kurfürstin kam von Giebichenstein, wo sie ihren Sohn, den Erzbischof Ernst besucht hatte, hierher. Ein Wächter auf dem Kirchturme mußte ihre Ankunft melden, man ging ihr entgegen und bewirtete sie. Am 22. September war auch der Erzbischof Ernst mit seinem Bruder Herzog Johann hier, und am 25. der Erzbischof allein mit Gefolge. Man fand in der Kirche ein Kind, welches nach Leipzig gebracht wurde. Die Schwester des Otto Spigel, Margarete, hielt in Leipzig Hochzeit, der Rat wurde dazu geladen, nahm teil und verehrte einen Lägel Malvasier und zwei Faß Torgauisches Bier - am Werte 8 Rh. Gulden 12 Gr. Bisher hatte man in der Ziegelei nur Mauersteine gebrannt, jetzt wollte man auch die Fertigung von Dachsteinen versuchen, änderte den Ziegelofen, nahm einen neuen, in der Dachsteinbereitung versuchten Ziegler an, und borgte zu dieser Umänderung und Deckung der Rathausdörnze durch den Maurer Martin von Leipzig 100 Rh. Gulden vom Richter Caspar Bornack. Die Kirchen erhielten auch in diesem Jahre einige Vermächtnisse, zwei Rh. Gulden von der Elisabeth Pake, 6 Rh. Gulden von der Otto Pake, 3 Rh. Gulden 29 Gr. und einen gebrochenen Nobel zu einem Meßgeräte aus dem Testamente der Peter Teuerkornin. Die Orgeln der beiden Kirchen besserte Hans der Orgelbauer von Merseburg. auch ward der große zinnerne Leuchter der Stadtkirche mit 12 Pfund Zinn (am Werte 36 Gr.) Zusatz umgegossen - Arbeitslohn 1 Schock. Die Minoriten gaben aus der Ablaßkiste 21 Böhmische Groschen an die Kirche.

1484
Im Monat März amtierte hier der Weihbischof von Magdeburg. Die von der Mißernte des vorigen Jahres erzeugte Hungersnot begleitete eine gefährliche ansteckende Krankheit, die in Bayern, Schwaben und Österreich schon Ende vorigen Jahres um sich griff, in diesem Jahre aber durch Flüchtige und Kaufleute nach Leipzig gebracht wurde, von da aus sie sich im ganzen Lande verbreitete und so wütete, daß mancher Ort fast ein Drittel seiner Bevölkerung verlor. Der Anfang eines Briefes des Magister Nicolaus Lobda, Kollegiaten des großen Kollegiums in Leipzig an hiesigen Rat berührt die schreckliche Lage der Stadt Leipzig. Auch hier fand sich die Krankheit im Spätsommer ein und es starben daran der Bürgermeister Pancratius Schebe, dessen Sohn, der Vikar Johann Schebe, der Pleban Magister Lampertus, Er. Matthaeus Stoye, die Ratsherren Clemens Becker, Johann Lobda und seine Gattin, Werner Tyme, Martin Kirchhof, Paul Weinschenke und Mauritius Brolaff, Nicolaus Borer, Burkhard Doering und der Küster Kilian Heidik, kaiserlicher Notar. Man darf sich nicht verwundern, wenn der große Haufe in so verzweifungsvoller Lage alles ergriff, was ihm zur Rettung dienlich schien, und namentlich die Kirche bot. Man machte daher nicht nur in der Nähe Kreuz- und Betfahrten zu wundertätigen heiligen Bildern, wie von Gollm und Landsberg eine hierdurch nach der Eiche zog, sondern besuchte auch in Masse von Tausenden das entferntere, der Beschwerlichkeit wegen für heilsamer gehaltene Heiligtum, namentlich die blutende Hostie oder das Wunderblut in Wilsnack, einer Stadt in der Priegnitzmark. Da in diesem Jahre selbst der Kurfürst Ernst mit seinem Sohne Friedrich am 11. Mai von hier aus dahin ritt, wie in der Kämmereirechnung bemerkt ist, so dürfte eine kurze Nachricht von diesem Heiligtume nicht überflüssig sein. Im Jahre 1383 überfielen Räuber das Dorf Wilsnack, in der Priegnitzmark, plünderten und brannten es nieder. Der Pfarrer Johannes fand mit Staunen in den Mauern der ausgebrannten Kirche nicht nur die Wachskerzen des Altars und die Bücher unversehrt, sondern auch drei blutschwitzende Hostien zusammengeklebt, machte dieses Wunder bekannt und man glaubte es. Bischof und Papst bestätigten das Wunder, das Volk ward zu Wallfahrten dahin angeregt und erhielt für jede Meile Weges vierzehntägigen Ablaß, für jeden Gang um die Kirche des Fegefeuers vierzigtägige Minderung. Der Zulauf war ungemein, kein Stand, selbst der fürstliche nicht, ward vermißt, Tausende kamen auf einmal und bereicherten das Dorf, welches sich bald zu Stadt erhob. Die höhere Geistlichkeit, welche davon Nutzen zog, schwieg zu den unsinnigsten Wundererdichtungen der niederen und ihre Unverschämtheit, die endlich die dargebrachten Geschenke auf Waagen wog und die Sündenvergebung nach dem Gewichte bestimmte. Nicht die schmähliche Unzucht, die sich dort und auf der Reise offenbarte, nicht der Ausspruch der Universitäten, über die Nichtigkeit des Wunders, auch die Einwirkung des Papstes nicht, der auf Anregung der anderwärts beteiligten Geistlichkeit, durch Legaten die Sache für bedenklich darstellen ließ, vermochte dem Zulaufe Abbruch zu tun, er vermehrte sich nur, stieg 1475, 1484 und 1487 bis zum Unsinn, erhielt sich selbst zur Zeit der Reformation bis endlich 1552 der Pfarrer in Wilsnack, Joachim Ellefeld, mit größter Gefahr das sinnenverwirrende Heiligtum ins Feuer warf. Leuinus Finis, ein Sohn des Bürgers Leuinus Finis, Oeischläger und Händler und deshalb auch Leuinus Oelschläger genannt, der von 1477 in Leipzig studiert hatte, hielt seine erste Messe und ward vom Rate mit einem Fasse Bier beschenkt. Mr. Nicolaus Lobda ward Vormund der von seinem Bruder, dem Gleitsmanne Johann Lobda hinterlassenen Kinder. Der neue Probst vom Petersberge, Er. Gisselberg, war hier. Eine neue Chorkappe (Meßgewand), die man für die Kirche anschaffte, von Sammet mit Leisten (goldenen Tressen), Schilde und Knauf, kostete 51 Rh. Gulden, 17 Gr. 7 Pfg.; auch erhielt sie zwei leinene Alben, ein Rauchfaß, einen Taufkessel und einen langen Kasten zur Aufbewahrung des Schmucks. Einer aus Creuma erschlug Bastian Schusters Vater und ward zu Elberitz hingerichtet. Vier Schock 51 Gr. erhielten die Abgebrannten von der Jahrrente Vergütung. Der Küster "Unserer lieben Frauen" empfing 8 Gr. von der Betegocke. Ein Scheffel Roggen galt 7 bis 8 Gr., Hafer 5 Gr. Der im Laufe dieses Jahres gestorbene Bürgermeister Pancratius Schebe hatte der Stadtkirche eine halbe Hufe auf Robitzmark letztwillig beschieden, welche 1486 an Hans Meissner verkauft wurde.

1485
Am 26. August kam Delitzsch bei der Länderteilung in Leipzig, die nicht sowohl durch eine Gemütsverstimmung der fürstlichen Brüder, als durch Bedürfnis des Herzogs Albrecht, der einen glänzenden kriegerischen Apparat liebte, eine Tochter auszustatten und für heranwachsende Söhne zu sorgen hatte, herbeigeführt ward, an den Herzog Albrecht. Nach dem Rechte teile der Kurfürst, der Herzog aber wählte. Die Markgrafenschaft Meißen war Hauptbestandteil der einen, Thüringen der anderen Hälfte. Vom Osterlande glich man beide, gegen teilweise Übernahme gemeinschaftlicher Schulden, aus; auch legte man, um das Getrennte einigermaßen wieder zu binden, einige thüringische Städte mit ihren Pflegen der meißnischen, und von dieser Besitzungen der thüringischen Hälfte zu. Der Kurfürst wünschte freilich, das mit dem Kurkreise so eng verbundene Meißen und man legte daher, um dem wählenden Herzoge die thüringsche Hälfte annehmlicher zu machen, dieser noch 100 000 Rh. Gulden von dem Besitzer der meißnischen zu. Zum Verdrusse des Kurfürsten wählte jedoch dieser Meißen und dieser Verdruß ward zwar gemildert durch die Zeit, doch nie ganz unterdrückt. Auch Herzog Albrecht war unwillig, als man die nach seiner Meinung teilpflichtige Pfalz Sachsen mit dem Burggrafentum Magdeburg dem Herzogtum Sachsen zusprach und der Teilung entzog.

1486
Das Haus auf der Pfeffermühle kaufte vom Rate Hans Stift von Gertitz. Der Bürger Fiedler ward vor das heimliche Gericht geladen und ginge deshalb der Notar (Stadtschreiber) und viere des Rates nach Halle. In diesem Jahre verwaltete Simon Vater das Pfarramt. Er war hier geboren und sein Vater Andreas Bürgermeister. Vom Jahre 1444 an studierte er in Leipzig und hielt 1447 hier seine erste Messe, dann erhielt er das Pfarramt in Benndorf und kam Ende vorigen Jahres als Pfarrer hierher, wo er in diesem Jahre starb. Georg Kropheuser, ein Bruder des Stadtschreibers Anton Kropheuser, war Rektor und bezog zwar in diesem Jahre die Einkünfte des Altars Catharinae, hielt aber erst 1487 seine erste Messe und beschenkte ihn der Rat mit einem Fasse Torgauisches Bier. Ein Unbekannter gab zu einer grünen Casel 15 Rh. Gulden, die Kirche legte 11 Rh. Gulden zu, schaffte sie an und ließ sie weihen in Merseburg. Auch bekam sie an Vermächtnissen 6 Rh. Gulden und eine Kuh von der ehelichen Wirtin des Simon Poyde, 2 Rh. Gulden von Simon Bader. Der Wein hatte durch späte Fröste sehr gelitten, daher man dem Pachter des Weinberges der Frauenkirche am Pachtgelde erließ. Der Scheffel Roggen hiesigen Maßes galt 2 1/2 Gr., Hafer 1 5/6 Gr. Der Stadtschreiber Anton Kropheuser ward Ratsherr. Am 15. Dezember verlangte der Herzog Albrecht durch George von Stinitz, Dietrich von Schoenberg und Hans von Mynkewitz, Ritter, daß das zum neuen Jahr fällige Ungeld nach Leipzig gebracht und neben Hans Gunterode an sie gegen Quittung abgeliefert werden solle. Am 29. Juli gingen vier Ratsherren auf Schrift des Herzoges zu dem Landtage in Leipzig, in demselben Monate ebenfalls auf Schrift des Herzogs 10 Trabanten nach Halberstadt, welche 14 Tage ausblieben und einen Aufwand von 6 Schocke 13 Gr. 4 Pfg. verursachten. Man schickte dem Erzbischofe Ernst zu Magdeburg Hilfe, gegen den sich diese Stadt ungehorsam erwies. Die Brücken am Vieh- und Galgentore wurden neu gebauet, die alte Ratsstube ohne das Oberhaus an das Hospital für 12/3 Schock verkauf. Die Bürgermeister waren in Grimma auf einem Tage gegen den Vogt in Celle. Am 29. Oktober begrub man die toten Gebeine, d. h. man leerte das an der Frauenkirche befindliche Beinhaus, in welchem zugleich ein neues Kruzifix aufgestellt wurde. Man verrichtete hier Gebete für die Verstorbenen. Zu derselbenZeitwardauchderneue Turm auf der Frauenkirche fertig mit Glockenstuhl. Der Herzog verordnete, daß die Jahrrente in zwei Terminen, donnerstags in der Leipziger Oster- und Michaelismesse ohne weitere Aufforderung gezahlt werden sollte, und verbot am 2. November bei Strafe den Verkehr mit fremder Münze. Der bisherige Amt- und Hauptmann Hans von Schidingen kam als solcher nach Quedlinburg und Heinrich von Pak hier an dessen Stelle. Georg Winters Eheweib, die aus Unvernunft unzüchtige Worte von der tugendsamen ehrbaren Frau, der Haushofmeisterin auf dem Schlosse geredet hatte, gab 20 Scheffel Hafer und der Müller Hans von Neuendorf, der an dem Bürgermeister in seinem Hause frevelte, 30 Scheffel Hafer Strafe. Der Scheffel Roggen galt 2 Gr. 6 Pfg., Hafer 2 Gr. Heinrich Wolfram Baccalaureus, neuer Stadtschreiber. Er war in Delitzsch geboren und sein Vater, der Notar und Ratsherr Laurentius Wolfram. Er trat 1496 in den Rat, ward 1501 Bürgermeister und starb 1519 kinderlos.

1487
In diesem Jahre findet sich die erste Spur vom Fastenmarkte (Jahrmarkte ) sonnabens vor Invokavit und trugen 34 Gr. Stättegeld. Fastenmärkte (Märkte, an denen Fastenspeisen, hauptsächlich grüner trockener Fische und Heringe, feilgehalten wurden) gab es von jeher durch die ganze Fastenzeit, und war der sonnabens von Invokavit immer der besuchteste. Von nun an aber nehmen nicht nur fremde Fischkrämer teil, sondern man bot auch andere Waren wie an den übrigen Jahrmärkten feil, und überstieg die Einnahme vom Stättegelde, wenn die Witterung günstig war, nicht selten die des Spätsommermarktes, der in diesem Jahre nur 9 Gr. Stättegeld einbrachte. Wirklicher Jahrmarkt ward er 1550. Der Bürgermeister Nicolaus Cramer und der Ratsschreiber huldeten als Bevollmächtigte des Rates , den Räten der Landgrafen von Hessen, Wilhelm des Älteren, Wilhelm des Mittleren, Gebrüder, und Wilhelm des Jüngsten, ihren Vettern in Leipzig - auf die lange, hergebrachte Erbverbrüderung - zugleich mit den übrigen Städten des Osterlandes, Leipzig, Zörbig, Weißenfels, Freiburg, Mügeln, Pegau, Groitzsch u. a. und erhielten von den hessischen Räten einen Brief ihrer Fürsten, worinnen sie die Privilegien und Freiheiten der huldigenden Städte bestätigten, der im Originale bei dem Rate in Leipzig blieb, von diesem aber in beglaubten Abschriften den übrigen mitgeteilt ward. Der. Dr. Werner Wyke schenkte von seinen Leibzinsen der Stadt 30 Rh. Gulden. Der Rat sollte sie jährlich mit 1'/, Rh. Gulden verzinsen und 1 Gulden dem Prediger, 1/2 Gulden hausarmen Leuten geben. Der Herzog Albrecht, abwesend im Kriegsdienste für den Kaiser Friedrich und dessen Sohn Maximilian gegen die Ungarn, die Österreich bedrängten, und die Niederländer, welche sich auflehnten, sollte auf Verlangen des Kurfürsten Friedrich und seines Bruders Johannes die von der Teilung her schuldigen 50 000 Rh. Gulden (denn soweit war die eigentliche Schuldt von 100 000 Rh. Gulden durch Abtretung der Stadt und Pflege Jena herabgekommen) zahlen, und war genötigt, die Summe durch Darlehen zu decken. Der Bischof Johannes von Meißen und Bruno von Querfurt waren beauftragt, das Geld aufzubringen, und kam der Bischof in dieser Angelegenheit auch hierher, wo sich der Rat nach langer Weigerung zu einem Beitrage von 1000 Rh. Gulden verstehen mußte. Er borgte dazu 650 Rh. Gulden vom Nonnenkloster St. Georg in Leipzig (nämlich 400 Rh. Gulden von Clara Scudes, Äbtissin, Elisabeth von Dieskau, Priorin, Anna Ochlitz, Unterpriorin, Christina Melwitz, Kämmerin, Cisterzienser -. Ordens, 100 Rh. Gulden von Anna Schebin, Tochter des Bürgermeisters Schebe von hier; 50 Rh. Gulden von Anna Tannenberger, Kämmerin, und 100 Rh. Gulden von Margarethe von Koenneritz, Küsterin); 100 Rh. Gulden von Lucas Nossig und 280 Rh. Gulden von Dr. Johannes Ewderitzsch in Leipzig. Er sollte zwar die Zinsen der 1000 Rh. Gulden jährlich von der Jahrrente in Abzug bringen, es geschah aber nur kurze Zeit, die Jahrrente ward zu Bedürfnissen voll verlangt und mußte die Stadt die Zinsen tragen. Der. Dr. Ewderitzsch hatte schon 1475 der Stadt 200 Rh. Gulden geliehen, die Zinsen an ihn betrugen nunjährlich 24 Rh. Gulden und wurden bis 12. Februar 1491 (an welchem Tage er starb) an ihn, von da an aber infolge seiner letztwilligen Verfügungen an die Altaristen der Nicolaikirche in Leipzig bezahlt, die davon, besage ihrer Zuschriften an den Rat, 4 Rh. Gulden zu einem Stipendium für ein Stadtkind aus Hayna, welches in Leipzig studierte, abzugeben hatten. Die Altaristen der Nicolaikirche empfingen also 10 Rh. Gulden von dem ersten Kapitale der 200 Rh. Gulden, die in der Urkunde schon für sie verschrieben waren. Von dem letzten der 280 Rh. Gulden, aber nur 10 Rh. Gulden und gaben die übrigen vier Rh. Gulden an den Stipendiaten aus Hayna ab. Der Müller Benedict hatte einen Fischkasten im Stadtgraben und gab davon jährlich 20 Gr. an den Rat. Auf Schrift der Bischöfe zu Meißen und Merseburg mußten in des Herzogs Abwesenheit 2 Trabanten nach Sagan und ein reitender Knecht mit Dr. Pake dahingeschickt werden, ein neues Zelt, das man bei dieser Gelegenheit anschaffte, kostete 9 Schocke. Die Schützen erhielten (außer den 39 Groschen, die man ihnen an 13 Sonntagen von Trinitatis zu ihren Übungen aus der Ratskasse gab) auch noch 10 Gr. zum Vogel. Der Kurfürst Friedrich und sein Bruder Johannes waren hier und verehrte ihnen der Rat Fische und ein Faß Torgauisches Bier- auch gab es ein Stechen auf dem Markte. Von nun an kommt auch statt der bisherigen Benennung Herzog die richtiger bezeichnende Kurfürst in den Rechnungen vor. Michael von Luckowehna besuchte an einem Heiligentage, am Tage Elisabeth, das freie Haus (Bordell) und mußte mit 30 Scheffeln Hafer verbüßen. Der Rat mußte das Haus des Gleitsmannes Conrad Heller für 100 Rh. Gulden Schuld annehmen, und die Kirche verkaufte Hans Probstes Haus (Nr. 50 des zweiten Viertels), Hof, Brauhaus mit allem Gefäße, für 23 Schocke, zahlte auch den Vorstehern der Enelenden (fremder Kranken) 3 Schocke, die für sie aus der erkauften Besitzung hafteten. Im Rosentale legte der Rat einen neuen Steg, die jetzige Schafbrücke. Mit der Müller Martin rechtete man um die Pfeffermühle und hatte dieser den Dr. Spigel zu seinem Vorsprecher. Dem armen Ratsherren Kuno Keule gab man aus der Strafe ein Kleid zu Ehren von 6 Ellen - kostete 28 Gr. Die Ratsherren verzehrten bei außerordentlichen Sitzungen etwas an Wein und Bier. welches früher in der Kämmereirechnung verrechnet, seit einiger Zeit aber vom Vorsteherdes Kellers vom Gewinn an Getränk in Abzug, der Gewinn aber überhaupt in der Kämmereirechnung angegeben und mit der Kellerrechnung belegt ward. Auf Anordnung erschien jedoch diese Ausgabe, welche in diesem Jahre 4 Schock 14 Gr. 7 Pfg. betrug. Am 2. Februar war ein Landtag vor dem Herzoge in Leipzig, woran zwei Bürgermeister und der Stadtschreiber teilnahmen, und ein zweiter in Naumburg, wo die Bürgermeister Nicolaus Cramer und Anton Kropheuser zugegen waren. Valentin Huske ward Bürger und brachte drei unversprochene (denen niemand widersprochen hatte) Männer, die bei ihrem Eide versicherten, daß er recht und ehelich geboren sei. Der Scheffel Roggen galt 2 Gr. 10 Pfg., Hafer 2 Gr. 6 Pfg- 1 Schock Stroh 5 Gr.

1488
Die Becker ließen es am Aschermittwochstage an Brot, Semmeln, Brezeln und Homaffen fehlen (durch ihren eigene Mutwillen). gaben zwar diese Mal noch die alte Strafe nach ihrem Innungsbriefe, sollten aber bei Wiederholungen härter bestraft werden. Die vier Landstände waren in Dresden versammelt, auch in Weißenfels, die Städte besonders in Leipzig wegen der neuen Steuer, die der Herzog verlangte. Es war eine Vermögenssteuer, die in den Städten eins vom Hundert der Abschätzung (nach Schocken) betrug. Die Ritterschaft mußte zwei Teile der Zinsen aufbringen, die Städte einen nach Erkenntnis derherzoglichen Räte. Der Rat mußte daher von zwei Schocken Zoll, die er den Paken zu geben hatte, zwei Teile zur Steuer mithin 1 Schock 20 Gr. geben. Peter von Krostewitz zu Lemsau (Lemsel) borgte von dem Rat zu seiner Notdurft 20 Rh. Gulden am Montage nach Petri Paul (dem 30. Juni) des Jahres und trat ihm statt der Zinsen von den Freiheiten seines Rittergutes den Salz- und Topfzoll, den er in der Stadt hatte, bis zur Rückzahlung des Kapitals in einer Verschreibung von genanntem Tage ab. Dieser Zoll war ein Stättegeld an Markttagen von irdenem Geschirr aller Art und vom Salzverkauf, und gab der Topfverkäufer an jedem Markttage einen alten Pfennig, der Salzhändler aber einen Jahrzins von 1 1/2 Schock Eiern, Fastnachten, Johannis und Michaelis zu gleicher Anzahl fällig. Wer nicht um den Jahreszins verkaufte, gab ein Maß Salz, vier alte Pfennige am Wert. Man hielt auch in diesem Jahre ein Stechen auf dem Markte und ein Handarbeiter, welcher den Sand wieder zusammenkrickete. erhielt 8 Gr. Der vormalige Stadtschreiber, jetzt Mitglied des Rates und Bürgermeister, Anton Krophheuser, erkrankte. ward von einem Arzte aus Leipzig auf Kosten des Rates besorgt, starb aber und beschied der Kirche 2 Schock. Sein Bruder Georg Kropheuser nahm eine Hufe auf Weißig in Lehen und die Witwe kaufte von dem Rate das Heergewette mit Pferde für 3 Schocke zurück. Der Prozeß mit dem Müller Martin um die Pfeffermühle ward fortgeführt und diente dem Rate der Rechtsgelehrte Johann Eilberg aus Leipzig. Die Zinsen von dem Kapitale der 1000 Rh. Gulden, die man im vorigen Jahre für den Herzog ausbringen mußte, konnten nur auf einen Termin von der Jahrrente in Abzug gebracht werden, der Rat mußte die Verzinsung übernehmen und dem Herzog quittieren. Zu dem Kapitale aber mußte er noch 600 Rh. Gulden aufnehmen und an den Rentmeister (auch Zehentner) Jacob Blasbalk in Leipzig abliefern, zur Unterstützung jedoch die Steuer anziehen, soviel sie auszurichten vermögend war. Die Witwe des Conrad Heller trat dem Rate für Schuld ihr Brauhaus in der Judengasse hinter dem Rathause ab, und dieser nahm von jedem Gebräude 6 Gr. Brauzins. Der Dr. Werner Wyke schenkte auch in diesem Jahre 15 Rh. Gulden seiner Leibzinsen zu den 30 Rh. Gulden vorigen Jahres fürden Prediger und die Armen der Stadt. Die Stadtmühle ward mit einem neuen Gewölbe und Gerinne versehen und gab man dem Bauaufseher für viele Mühe und Versäumnis dabei ein besonderes Geschenk. Hans Strentzsch, ein Bürger der Hallischen Gasse, schwängerte seine Magd und mißbrauchte sie während der Schwangerschaft wider ihren Willen so unmenschlich, daß sie mit dem Kinde in der Geburt starb, flüchtete und ward verwiesen. Die Herren des Rates erhielten aus der Ratskasse an hohen Festen Kränze und verzehrten in einer Collation für 10 Pfg. Kirschen. Der Scheffel Roggen galt 2 bis 2 1/2 Gr., Hafer 1 Gr. 4 Pfg., eine Mandel Stroh 1 Gr.

1489
Am 17. Februar war der Erzbischof Ernst zu Magdeburg hier und erhielt ein Faß Torgauisches Bier Verehrung. Man hatte von ihm die Bestätigung der Lesemesse für die schon längere Zeit Stiftungen an Geld vorrätig lagen, und Ablaßbriefe für die Förderer dieses Altares erbeten, und er erteilte sie. Man zahlte für den Bestätigungsbrief (Bulle) 2 Rh. Gulden in die erzbischöfliche Kammer, der Aufwand im ganzen aber betrug 21 Schock 42 Gr. - und erhielt die Kirche dazu von den Handwerken und anderen wohltätigen Personen 5 Schocke 29 Gr. Vom 1. März bis 17. Mai hielt man 20 Trabanten in Senftenberg. Jeder empfing wöchentlich 14 Gr. Die Bürger gaben zu Unterhaltung derselben 42 Schock 20 Gr. und 2 Schock 40 Gr. legte der Rat hinzu. Auch bekamen sie bei ihrer Rückkunft aus des Rats Keller ein viertel Bier. Der Rat gewann den Prozeß gegen den Müller Martin wegen der Pfeffermühle, zahlte aber 1 Schock zu den Kosten auf Vorbitte des Hauptmannes, welches Dr. Spigel für den Müller in Empfang nahm. Die ehrbare Mannschaft (der Adel) hatte auch in diesem Jahre eine festliche Zusammenkunft (Hof) in der Stadt und ein Stechen auf dem Markte, der deshalb mit Sand bedeckt ward. Der Dr. Werner Wyke erließ wieder von seinen diesjährigen Leibzinsen 20 Rh. Gulden zu Unterstützung der Armen und des Predigtamts. Die Schützen erhielten zu ihrem Vogelschießen am 1. Sonntage nach Trinitatis 21 Gr. aus der Ratskasse und 30 Gr. von Trinitatis bis Bartholomaei, an jedem Sonntage 3 Gr. zu ihren Übungen in dem Schützengraben. Oswald Knopp frevelte und heischte Carl Spigeln sich mit ihm zu schlagen, welches bei Verlust des Bürgerrechts verboten war. Er schlug dazu das Bürgerrecht aus und gab 5 Schock Strafe. Von einer andächtigen Person (die unbekannt bleiben wollte) kamen 10 Rh. Gulden an die Kirche und durch die letztwillige Verordnung der Mildin 2 Schock. Der Scheffel Roggen galt 3 1/4 Gr., der Scheffel Hafer 2 Gr.

1490
In diesem Jahre ward der seit längerer Zeit unterbrochene Bau am Turm der Stadtkirche fortgesetzt und 18 Schock auf Maurerarbeit verwendet. Das Rats Ziegelscheune lieferte dazu 10 500 Stück Mauerziegel. Für eine große Laterne, die man dem Sakramente vorträgt, gab man 5 Gr. Zwischen dem Rate und Stadtrichter Matthias Gerlach war Zwietracht, man holte deshalb den fürstlichen Hofmeister aus Leipzig, der die Sache gütlich beilegte. Die Peutnerin besaß auf Gerltitz (Görlitz) ein Stück Holz, Acker und Wiese, welches ihr der Rat für 54 Rh. Gulden an Golde 22 Schock 24 Gr. abkaufte und diese Besitzung zu der Spröde zog. In dieser wurden 3'/, Schock Ruten Graben gehoben und für die Rute 1 Gr. bezahlt. Zu gleicher Zeit räumte man auch den Gertitzer Bach, vom Tonnenborne an (der Hauptquelle) bis zum Einflusse in den Stadtgraben. Die Edelleute hielten abermals einen Hof und Stechen und nahmen vom Rat Torgauisches Bier. Im Spätjahre ward auch in hiesiger Stadtkirche das Kreuz des Jubel- Gnaden- und Ablaßjahres bei zahlreicher Versammlung des städtischen ländlichen Klerus, der Ritterschaft und Ortsbehörden, auch großem Andrange des Volkes durch den Kommissarius Liborius Lesche aufgerichtet. Dieser (von 1506-30 Pleban in Wurzen) erhielt während seiner Anwesenheit Geschenke an Wein, und gab aus dem Ablaßkasten bei seinem Abgange der Kirche 1 Rh. Gulden zum Turmbaue. Die Kirche schaffte zu Prozessionen eine neue Fahne von rotem seidenen Damastgewebe mit seidenen Locken, Borten, auch silbernem und vergoldeten Sterne an, welcher ihr gegen 11 Schock zu stehen kam. Sebastian Erich, ein Böttcher, brachte den Martin Kotzkau um und verglich sich mit dem Bruderdes Ermordeten Thomas Kotzkau vor Gericht. Er versprach 100 Vigilien und 100 Seelenmessen, eine Achfahrt mit seines selber Leibe (in eigener Person), einen Stein Wachs zur Ehre Gottes (in die Kirche), Setzung eines steinernen Kreuzes, drei oder vier Ellen hoch, und das Leibzeichen zu bestätigen nach 12 Priestern und 12 Gesellen, jeglichem Gesell eine Kerze von einem halben Pfund Wachs, eine Romfahrt zu lösen, jetzt dieweile das goldene Jahr hier zu Delitzsch stehet. - Übrigens 10 silberne Schocke zu Kirchen und Gotteshäusern nach Anweisung Thomas Kotzkau oder seiner Freundschaft. Die Kirche erhielt aber 13 Schock nach der Anweisung und 1497 die ersten vier Schock. Die Witwe des Nicolaus Borer vermachte der Kirche eine halbe Hufe auf Rubacher Mark, am Lissaer Fahrwege, und Susanna, die Witwe des Bürgermeisters Pancratius Schebe beiden Kirchen 10 Rh. Gulden. Der Scheffel Roggen galt 2 1/2 , der Hafer 2 Gr.

1491
Der Rat kaufte von Leonhard von Schidingen den Kä1bersta11 in der Kohlgasse, welchen er dem Hauptmanne Otto von Schidingen 1471 mit der Bedingung des Vorkaufs abgelassen hatte, für 20 Rh. Gulden zurück. Die Städte hatten wegen häufiger Eingriffe in die Biermeile durch Einbringung fremden Bieres neue Beschwerden, die sie auf einem Städtetage in Leipzig zur Sprache brachten. Hiesige Stadt verklagte sogar den Hauptmann Dr. Pak, welcher in Untersuchung des Kruges in Zwochau, wo die meisten gesetzwidrigen Einschleifungen fremder Biere vorfielen, säumig war, und eine Trift zum Nachteile der Stadt begünstigte, und dadurch eine Reise zu dem Herzoge Georg um nochmalige Bestätigung des Privilegium veranlaßte, mit dem glücklichsten Erfolge, wiewohl ihm die Ritterschaft mit vereinten Kräften entgegentrat. Der Rathausbau ward wieder lebhaft betrieben. Der Mauerer Meister Andreas von Rochlitz fertigte die Ratsstube mit dem Gewölbe, brachte die Fensterstöcke (von Rochlitzer Stein), die er in Rochlitz zubereitet hatte, hierher und erhielt für diese 26 ½ Gulden, für die Maurerarbeit an Ort und Stelle aber, mit 14 Schocken im Gedinge, weil er dafür nicht bauen konnte, 21 silberne Schocken, überdies aber für sich und seine Gehilfen ein Trinkgeld und wegen seines Fleisses und tüchtiger Arbeit 7 Ellen rotes Tuch, die Elle 6 Gr. am Wert. Am Turme der Stadtkirche aber ward die oberste Etage durch die Zimmermeister Wenzel und Hans Moller und den Maurer George Amme vollendet, und die südliche und nördliche Mauer einstweilen mit Aufschieblingen gedeckt. Die eisernen Anker in der Mauer kosteten 4 Schock. Der Rat lieferte hierzu 8400 Stück Mauerziegel ohne Entgelt. Auch ließ die Kirche ein neues großes Kreuz zur Aufstellung in der Mitte der Kirche von einem Leipziger Künstler für 16 Gulden in Golde fertigen, und der Weihbischof und Kapellan weiheten es mit einem geringen Aufwande von 12 12 Groschen. Es ist noch vorhanden und jetzt hinter des Rats Betstube aufgehängt. Andächtige Personen gaben zu diesem Kreuze 3 1/2 Schock. Überdies empfingen die Kirchen an Vermächtnissen: 1 Schock die Stadt- und 20 Gr. die Frauenkirche von der George W irtin; 40 Gr. die Stadt- und ebensoviel die Frauenkirche von Lucas Richter; ebensoviel gab der Kleinschmidt Valentin Groeschner, und Anna, die Gattin des Bürgermeisters Caspar Bornack setzte jener 6 dieser 2 Schock in ihrem Testamente aus. Man verdingte auch in diesem Jahre eine neue Tafel (Bilderaufsatz) auf dem Lesemeßaltar. Am Tage Viti (15. Juni) früh gegen vier Uhr brach in Dresden bei einem Bäcker in der großen Webergasse Feuer aus, welches die Hälfte der Stadt mit der Kreuzkirche und allen Glocken gänzlich zerstörte. Dasselbe Unglück traf tags darauf die Pirnaische Gasse der Vorstadt. Bürger von da erbaten hier das Almosen für die Kirche und es ward ihnen reichlich gewähret, der Rat aber legte einen Rheinischen Gulden aus der gemeinen Kasse zu. Den Schützen, welche nach Torgau zu einem Schützenhofe zogen, gab der Rat 1 Schock Reisegeld. Dem Marschalle Hans von Münkwitz, welcher die Stadt in Beziehung auf ihr Recht der Biermeile begünstigte, verehrte man, als er hier war, Fische, roten und blanken Wein - Rheinfall. Auch in diesem Jahre erließ der Dr. Werner Wieke 30 Rh. Gulden Leibzinsen zum Besten der Armen und des Predigtamts. Die Stadt war mit dem Interdikt belegt, die Ursache ist unbekannt, und reisten deshalb Herren des Rates zu dem Erzbischofe nach Giebichenstein. Der Bürgermeister Caspar Bornack (er starb als amtierender Bürgermeister künftigen Jahres) legte 100 Rh. Gulden auf dem Rathause nieder, und bestimmte, daß bis zur Ausleihung jährlich 1 Schock an die Vorsteher der Lesemesse gegeben werden sollte zu Veranstaltung einer Messe wöchentlich durch den Altaristen ihres Altares. Eine Tonne schlechter, der Gesundheit nachteiliger Heringe des Michael Homuth ward öffentlich auf dem Markte verbrannt, der Besitzer des Viehes, welches ohne Aufsicht umherging, mit 15 Gr. bestraft. Der Gutsbsitzer Winter in Kyhna, welcher den Ratsherren Kune (Conrad) Keul, in seinem eigenen Hause schlug, gab 20 Scheffel Hafer, auf so viel ihm die Strafe auf Vorbitte des Hauptmannes ermäßigt ward. An der Hausmühle ward ein neuer Damm aufgeführt. Der Hundehitzler (Hundeschläger) erhielt 7 1/2 Gr. in der Fastenzeit, wo er in der Regel tätig war. Den Ziganen (Zigeunern), die lange nicht hier gewesen, gab man, daß sie wegzogen, 10 Gr. Küster war Urbanus. Ein Scheffel Roggen galt 2 1/2 Hafer 2 Gr.

1492
Claus Wieprecht, ein Verlobter wie es scheint, schwängerte ein Mädchen, die Hynnin genannt und verbüßte es nach der Willkür mit 5 silbernen Schocken, wiederholte das Verbrechen als Ehemann (1496) und gab 8 Schock Strafe. Ostern spielte der Stadtschreiber mit den Seinen die Passion, und schenkte ihnen der Rat ein Faß Delitzscher Bier. Der Zulauf war so groß, daß man 2 Tage in den Toren besondere Wächter anstellen mußte. In der Rechnung der Enelenden (Siechen) wird des Sterbens erwähnt, die Art der Krankheit aber nicht angegeben. Die Witwe des gewesenen Bürgermeisters Anton Kropheuser, Gertrud, schenkte zu einer neuen Tafel (einen Bilderaufsatz) auf den Hochmeßaltar 170 Rh. Gulden. Für dieses Geld fertigte sie Johannis ein Maler in Leipzig, dem man noch bei Ablieferung und Aufstellung 2 Rh. Gulden in Golde und seinen Gehilfen 1 Rh. Gulden in Golde Trinkgeld gab. Sie ward im folgenden Jahre durch den Suffragen geweiht und aufgestellt. Jetzt befindet sich auf der Emporkirche hinter des Rates Betstube, wohin sie bei Errichtung des neuen, durch die Herzoginwitwe Christiane 1693 beschafften Altares gebracht worden ist. Der Rat zahlte 500 Rh. Gulden Kapital an Michael Ropptsch in Torgau zurück. An Vermächtnissen erhielten die Kirchen von Conrad Heller 1 Schock die Stadt - und 1 Schock die Frauenkirche, von Caspar Bornack (der als amtierender Bürgermeister in diesem Jahre starb) ebensoviel, von Nicolaus Goere I Schock die Stadt- und 10 Gr. die Frauenkirche, überdies aber noch eine Hufe Feld vor dem Hallischen Tore, die nach seines Sohnes George Tode der Stadtkirche zufallen sollte. Die Kirchenvorsteher kauften jedoch dieses Leibgedinge dem Sohne für 30 Rh. Goldgulden im folgenden Jahre ab, und nutzte sie als unbeschränktes Eigentum. Wegen des Altares des Heiligen Kreuzes war man bei Dietrich Spiegel in Gruna. Der Scheffel Roggen galt 3 1/4 bis 4, der Scheffel Hafer 3 Gr.

1493
Der Rat vererbte eine wüste Stätte hinter dem Hirtenhause, die vorzeiten dem Hospitale geschenkt sein sollte, damit sie nutzbar würde an Schake gegen Übernahme von Abgaben - 4 Gr. an das Hospital, 2 Gr. an den Rat und 2 Gr. Wächtergeld - und unter der Bedingung, daß ein freier Gang hinter der Scheune gelassen werde. An dem Markte in den Gehöften Caspar Spigels und Caspar Buns, Nr. 68 und 70, brach Feuer aus und erhielten die, die das erste Löschgerät brachten, 9 Gr., die fremden Löschenden aber ein Viertel Bier. Dem Schützenmeister gab man 7 Ellen rotes Gewand am Werte 28 Gr. Der Dr. Werner Wicke erließ auch in diesem Jahre zum besten der Armen 30 Rh. Gulden von seinen Leibzinsen. Lorenz Wolfram beschied letztwillig jeder Kirche 20 Gr. Der Scheffel Roggen galt 3 1/4, der Hafer 3 Gr.

1494
Der Gattin des Hauptmannes Heinrich von Pak schenkte man im Wochenbette ein Viertel Torgauisches Bier, ihm selbst aber ein Stübchen süßen Weines, weil er sich um den Streit mit Schenkenberg wegen des Kossebruchs zum Vorteile der Stadt zu enden, viel Mühe gab. Da während eines Interdikts Gestorbene die Gottesäcker entweiheten, so mußten sie nach Aufhebung desselben wieder geweihet oder reconciiert werden, und dieses geschah dieses Mal hier mit Vergünstigung des Erzbischofes durch den Suffragen oder Weihbischof aus Merseburg, welchem man 38 Gr. Verehrung gab. Der Rat, welcher 1474 dem Müller Benedict das Wasser, welches seiner Mühle (der Schademühle) zufloß, mit der Mühlgerechtigkeit mit Genehmigung des Fürsten abgekauft hatte, kaufte nun auch für 5 silberne Schocke 20 Gr. dessen Hofstätte mit Garten, den Wassergang mit Weiden in dessen Bereich, und das Gras eines Fahrweges breit, das auf der Schloßwiese stehet, und scheidet die Länge auf der Wiese von Peter Bauers Garten bis an die Schademüh1e, wobei er die jährliche Angabe an das Schloß, 30 Gr. und zwei Kapphähne mit übernahm. Er verpachtete aber dieses Grundstück sogleich an Balthasar Berndt für jährlich 40 Gr. Von dieser Besitzung siehe 1507. Der Ilgin hatte dem Rate und dem Gotteshause ihr Haus (Nr. 140) letztwillig beschieden, und verkaufte es dem Rat für 4 Rh. Gulden zu gemeinschaftlicher Teilung. Von hier aus ging eine Kreuzfahrt, an der auch die umliegenden Dörfer teilnahmen, nach Landsberg, und gab der Rat hierzu für 2 Schocke Brot, 2 ½ Schock Eier und 2 Fässer Bier. Krankheiten und Teuerung, denn der Scheffel Roggen galt 8 auch 8 1/4 Gr., Hafer 3 Gr. (eine Folge vorjähriger Dürre) mochten wohl die Veranlassung sein. Der Schützenmeister Johannes von Leipzig besorgte die hiesige Rüstung und kam einen Sonntag um den anderen hier an, erhielt außer dem Lohne noch 8 Ellen Hofgewand am Werte 32 Gr. Ambrosius Koch aus Neustadt wurde mit dem Strange hingerichtet, George Reif beging mit der Kribenstein Ehebruch, trat aus und weil er sich der Bürgschaft des Jacob Feris und Anton Schebe ungeachtet binnen 14 Tagen nicht stellte, fiel er in die Strafe des Ungehorsams an drei Rh. Gulden ausschließlich der Strafe des Ehebruchs. In einer Verhandlung v. J. 1496 wird die Kribenstein als Hausfrau des Reif aufgeführt, und scheint die Sache in diesem Jahre durch Vertrag beendet zu sein. Der Küster, welcher mit der Glocke abends das Zeichen zur Besetzung der Tore durch Wächter und zum Torschluß gab, erhielt dafür jährlich einen Lohn, früher mit der Bemerkung für die Wächter-Glocke, jetzt für die Abendglocke. Wencelaus Zcolke ward Vikar des Altares der Heiligen Dreieinigkeit oder der Neuen Brüder. Er war der Sohn eines hiesigen Schuhmachers Johann Zcolke und gab 1500 sechzig Gulden zu diesem Altare und zu einer Messe de Sancta Anna, welche der Kapellan dienstags für die Zinsen halten sollte.

1495
Zu dem Ratshausbaue borgte der Rat 1200. Rh. Gulden von dem Pfarrer in Werbelin, Berthold Smogell, seiner Freundin (Köchin) Margarethe und Annen dem Maidichen (ihrer Tochter), Zinsen zu 4 von 100 Walpurgis zahlbar. Herzog Georg bestätigte die Verschreibung 1498. 2100 Rh. Gulden vom Altare Catharinae; 200 Rh. Gulden nahm er von Peter Stoie für den Hofmeister Dietrich von Schoenberg, welcher sie im künftigen Jahre wieder zahlen sollte. In Leipzig ward vom Meister Herbart ein neues Ratssiegel von Silber gefertigt für 4 Rh. Gulden und die Schuldverschreibung für den Altar Cathrinä zuerst damit gesiegelt (siehe 1526). Der Maurer Meister Andreas von Rochlitz änderte die Stube des Rathauses, brachte die Mauer mit den Fenstern unter das Dach und belegte alles mit Brettern und Ziegeln. Er arbeitet daran mit seinen Leuten 16 Wochen und erhielt 40 silberne Schock 34 Gr. 6 Pfg. 1 Hl. Lohn. Wöchentlich gab man im Gedinge dem Meister einen Gulden, dem Polirer 16 Gr., dem Gesellen 14 Gr., dem Handreicher 11 Gr. und dem Helfersknechte 9 Gr. 3 Pfg. Die Türe an das Gewölbe, die Laden an die Fenster desselben, Schloß, Schlüssel und Haken fertigte der Kleinschmidt Balthasar Kleber für 5 Schock 30 Gr. Die Ratsherren erhielten an Festen Kränze von Blumen, die Bürgermeisterin besorgte sie und bekam dafür 8 1/4 Gr. Auch ist in diesem Jahre für sie 1 Schock 6 Gr. 6 Pfg. Badegeld an den vier hohen Festen (Ostern, Pfingsten, Fronleichnam und Weihnachten) in Ausgabe gebracht, dagegen Opfergeld nicht angesetzt. Der Pfarrer in Glesien, George Hallis, welcher von 100 Rh. Gulden, die sein Vater, der hiesige Bürgermeister Hans Hallis 1452 mit 7 Rh. Guldenjährlichen Zinsen halb zu der Lesemesse halb den neuen Brüdern geschenkt hatte, 5 Rh. Gulden auf seine Lebenszeit bezog, starb in diesem Jahre und fielen daher diese 5 Rh. Gulden den beiden Altären zu. Er studierte von 1454 an in Leipzig und war schon 1467 im Amte zu Glesien. Der Rat kaufte Getreide, welches noch in hohem Preise stand, der Scheffel Roggen galt 6 Gr. und verkaufte es wohlfeiler der Armut (dem ermut). Die Edeln hielten einen Hof mit Stechen und ihr Vorsteher, Dr. Pak nahm aus des Rates Keller Torgauisches Bier. Der Bürgermeister Lucas Nossig starb und vermachte der Stadtkirche 2, der Frauenkirche 1 Schock, auch erhielt die Stadtkirche aus Augustin Fielsteins Testamente 10 Gr. Überdies aber gelangte sie zum Besitz einer halben Hufe Feld auf Werbener Mark, die er ihr auf den Todesfall geschenkt hatte. Er war ein geborener Delitzscher, hier ansässig und Schösser in Schweinitz, von daher er 1478 zu Verkaufung eines Hauses hinter der Schule (Nr. 193) und Beleihung an den Käufer Vollmacht gab. Die Vorsteher der Kirche verkauften diese halbe Hufe an Sternberg 1504. Der Weihebischof weihete die neue Altartafel der Kropheuserin und den Kirchhof mit 1 Schock 7'/Z Gr. Aufwand; bei welcher Gelegenheit die Gräber geebnet, Lucas Nossigs und Heinrich Spigels Gräber aber, welche nachgeschossen waren, wieder gefüllet wurden. Der Pleban Johannes war Vorsteher des Kalandes, und Jost oder Jodocus Houener neuer Altarist des Altares zum Heiligen Kreuz. Er stiftete im Jahre 1500 die Freitagsmesse vom Sterben Christi mit 100 Gulden, die der Rat borgte, und starb 1508.

1496
Am 14. April überließ der Rat die Nutzung der Gertitzer Teiche, an Fischen, Zäunen, Bäumen dem Ratsmitgliede Caspar Bun und seiner ehelichen Hauswirtin für einen jährlichen Zins von 10 Gr. auf ihre Lebenszeit. Christoph von Haugwitz (auch Christophorus de Hubicz) ward Pfarrer hiesiger Stadt, der erste seit Hermann Westphal, der das Amt selbst versah, hier starb (1514) und in der Stadtkirche, wo ein Denkstein sein Grab deckt, seine Ruhestätte fand. Da er den erledigten Altar Catharinä ohne den Rat zu fragen, welcher das Recht der Bete hatte, mit seinem Bruder Erasmus besetzen wollte, so geriet er mit diesem gleich anfänglich in Streit, welcher eine Reise zu dem Probste des Neuen Werkes in Halle nötig machte, dort aber, weil der Rat sein Recht bewies, verglichen, und dem Rate das von neuem zugestanden ward. Am Rathause hatte man einen starken Bau. Der Meister Hans Beyer aus Leipzig fertigte die getäfelte Decke der Rathausstube für 4 1/2 Schock. Über dieser Stube und dem Gewölbe ward gefüllt - der Zimmermeister Hieronymus vollendete das Sparrwerk mit 2 Säulen und Unterzügen und richtete - für 39 Schock bar und 30 Scheffel Korn Lohn, das Korn zu 2 ½ Schock gerechnet. Das Dach wurde, soweit möglich, mit Ziegeln behängt und lieferte Bitterfeld 12 824 Stück Dachziegel, das Tausend zu 50 Gr. Auch nahm man in Friedersdorf 2000 Stück und zahlte dafür 2 Schock. Der Rat in Bitterfeld erließ, wahrscheinlich aus Dankbarkeit für die Unterstützung, die man der Stadt Bitterfeld bei ihrem letzten Brandunglücke von hier aus reichlich zufließen lassen, viel, half auch zur Anfuhr der Steine mit 26 Wagen und nahm nichts als die Mahlzeit der Knechte, 1 Gr. für den Mann. Man bezahlte überhaupt nur ein Fuhre an Bastian Schuster mit 10 Gr., die übrigen taten die Bürger, auf Bitte oder das Ratsgeschirr. Der Maurermeister Andreas von Rochlitz erhielt für den Sims um das Rathaus und die Verblendung der Mauerlatten 5 Schock. Der Glaser Matthaeus aber für die Fenster im Gewölbe und auf der Auslobe vorn gegen den Markt 1 1/3 Schock; auch schaffte man in das Gewölbe ein Tischchen mit Schloß für 44 Gr. an. Zu diesem Baue borgte der Rat 100 Rhgl. vom Bürgermeister Martin Miley und seiner ehelichen Wirtin auf Leibzins. Die Kirche nahm aus der Ziegelscheune des Rates 10 000 Stück Mauersteine, bauete die Abside an dem Glockenturme und das Gewölbe und zahlte dem Maurer Andreas 5 1/3 Schock Arbeitslohn. Am 21. November vermählte sich Herzog Georg mit des Königs Casimir in Polen Tochter, Barbara, in Leipzig, weil Dresden mit einer ansteckenden Krankheit beschweret und wegen erlittenen Brandunglücks zur Aufnahme vieler Gäste nicht geignet war. An diesem Hochzeitsfeste, welches einige Tage dauerte, nahmen, außer den fürstlichen Personen und Stadträten, über 6000 polnische und deutsche Ritter teil und wurden 99 Längel süßen Weines, 1300 Eimer anderer Wein und 444 Faß Bier, meistens Torgauisches ausgetrunken, der Aufwand an Speisen aber, die man in Unmasse aus der Nähe und Ferne verschrieb, oder geschenkt bekam, und Fütterung weiter nicht namhaft gemacht. Auch der hiesige Rat war geladen, den 30. November zu erscheinen. Es gingen hin der amtierende Bürgermeister, drei Ratsherren und der Stadtschreiber auf vier Tage, und überreichte die Stadt durch sie einen silbernen vergoldeten Becher am Werte 32 Rhgl. als Brautgeschenk, in die herzogliche Küche aber einen Zentner Hechte und 8 Faß Torgauisches Bier, ebenfalls eine Verehrung der Stadt. Von den Betten, die hiesige Bürger zu dieser Festlichkeit wie gewöhnlich ausbrachten und einlieferten, ging manches verloren, was der Rat aus der gemeinen Kasse ersetzte. Der Leineweber, welche in ihren Zusammenkünften der Weiber wegen, die teils nicht frei geboren, teils wegen Ehebruchs und anderer Übertretung berüchtigt waren, in Streit gerieten und die Männer solcher Weiber im Handwerke nicht dulden wollten, wurden vom Rate verglichen, gegenseitig aufzuheben, alle ungehindert in ihre Aftersprache gehen zu lassen, von nun an aber sich zu hüten, jemanden in ihre Innung zu keisen, der nicht guter Geburt oder Geschlechts ist, und so ihre Innung, wei Recht und Gewohnheit ist, unsträflich zu halten, welchen Vergleich sie auch angenommen.  Den Bäckern aber, welche baten, daß man an der alten Strafe von 6 Pfennigen bei Mangel an Gebäck nichts ändern möchte, gab man diesen Bescheid: Man wolle es zwar bei der alten Strafe bewenden lassen, sie möchten aber streng darauf sehen, daß kein Mangel eintrete, immer ein Vorrat von harten und weichen Semmeln vorhanden sei. Semmeln unter dem Gewichte sollen drei für einen Pfennig, aber nicht im Hause, mit der Arme nicht betrogen noch männiglich verletzet werde, sondern vor der Fisch- oder Brotbank verkauft, im Widersetzungsfalle weggenommen und dem Hospitale oder der Schule überlassen werden. Auch verordnete man: Es sollen alle Zeit ihrer zwei Semmeln haben und einer Brot täglich, der, der brüchlich wird, es mit 10 Gr. büßen, die Meister aber sollen 5 Gr. geben so oft und dick das geschieht. Den Schülern gab man am 6. Februar 2 Gr. Bei dem Gerber Blasius Glewitz in der Neustadt brach Feuer aus, doch ohne weiter um sich zu greifen. Hansen von Dieskau auf Dieskau, der hier Hochzeit hielt, schenkte der Rat 1 Faß Torgauisches Bier. Die Baderei der Kirche, von welcher seit längerer Zeit nichts eingekommen war, brachte in diesem Jahre wöchentlich 3 und 4 Gr. Hans Augustin in Gertitz, beschied den Kirchen 14 Gulden an Golde, und Heinrich Nisius ein kleines Haus, welches die Vorsteher für 2 Schock verkauften. Die ausgeglichenen Gräber wurden mit Sand bedeckt, den die Kirche anfahren und breiten ließ. Der Scheffel Weizen galt 4 1/2, der Roggen 2 2/3 Groschen.

1497
Großes Wasser, das die Dämme im Rosentale, vor dem Hallischen Tore hart beschädigte, und für Ausbesserung einen Aufwand von 5 Schocken verursachte. Der Rat mußte 3000 Rhgl. für den Herzog ausbringen. Er hatte in dieser Angelegenheit kostspielige Reisen nach Meißen und Halberstadt und erhielt1000 Rhgl. von George Pusch in Meißen, und 2000 Rhgl. vom Domkapitel in Halberstadt gegen fünfprozentliche Verzinsung und Verpfändung der Güter und einkünfte der Stadt. Die Schuldbriefe sind vom 1. Februar gestellt und verschrieb sich Herzog Georg, im Namen seines Vaters Albrecht, der Stadt zu Schadloshaltung der Zinsen am 22. August d. J. Hans von Minckewitz, Ritter, Obermarschall, Dietrich von Steynitz Hofmeister, Ritter, Stadthalter und Anwalt zu Dresden, verlangten vier starke Pferde und Wagen, Fastenspeise nach Dresden von Leipzig zu fahren. Der Rat kaufte nun auch von dem Sohne des ehemaligen Hausmüllers Sebastian, namens Urban, die wüste Hofstätte, die der Hausmühle (s. 1475) mit Gärtchen für 2 silberne Schocke und verkaufte sie wieder an Hans Schmidt auf Vor- und Wiederkauf um denselben Preis. Den Garten auf dem Anger an dieser Mühle, welchen der Rat dem ehemaligen Stadtschreiber, nachher Bürgermeister Anton Krupheuser zur Nutzung gelassen hatte, verkaufte er für 2 Schock und 6 Gr. jährlichen Zins an Thomas Kotzsche zu gleicher Zeit. Der Rathausbau ward im Sommer dieses Jahres bis auf den Turm (die Spitze), welcher zwar zugerichtet, aber wegen seiner Schwere nicht brauchbar war, vollendet. Auf die Schwierigkeit, ihn zu brauchen, machte der Maurermeister Balthasar Jost von Leipzig aufmerksam, dem man die Bedachung, die Fertigung der Giebel mit Blinden, Fenstern, Zinnen und dreier Erker im Dache mit Zinnen für 30 silberne Schocke im Gedinge übertrug. Er glaubte, daß das Mauerwerk nicht stark genug sei und er ward beigelegt. Zu der Bedachung kaufte man noch 120 Preßziegel, 3 000 Mauerziegel und Hängesteine (das Tausend zu 50 Gr.), 82 Stück Kehlsteine, das Stück für 1 Gr. in Bitterfeld. Der dasige Rat erließ nicht nur wieder viel, sondern fuhr auch unentgeltlich mit 23 Wagen Ziegel an, so daß man hier den Wagenführern nur Bier und eine Mahlzeit gab. Da des Meisters Jost Arbeit vorzüglich in den Zinnen, die man mit vergoldeten Knöpfen versah, sich auszeichnete, und der Sims des vorigen Meisters dagegen abstach, so ließ man auch diesen von ihm fertigen und zahlte 2 silberne Schocke Arbeitslohn. Zu diesem Baue borgte der Rat 100 Rhgl. zu fünfprozentlicher Verzinsung von den Schuhknechten, am 25. Juli zinsfällig. An dem diesjährigen Ratsessen (Pantaleonius) nahmen außer den drei Räten auch der Hauptmann Heinrich von Pak, dessen Bruder, Dr. Pak, der Gleitsmann und die Ratherren von Bitterfeld teil, mit denen man an diesem Tage zugleich die Steigerung schloß und durch Zahlung berichtigte. Auch schenkte man dem Hauptmanne und Dr. Pake 2 Faß Bier, weil sie sich für Aufrechthaltung der Biermeilen-Gerechtigkeit besondere Mühe gaben. Eine neue Altartafel in die Frauenkirche lieferte der Maler Herman Stein für 18 Gulden. Ein Kirchenfenster gegen den Markt kostete 9 Gulden und gaben die Fleischer hierzu 2 Gulden 3 Gr., für ein anderes über der Porkirche bei dem Leichhause zahlte man dem Spetener Matthias 3 Schock 9 Gr., und für zwei kleinere auf dem kleinen Gewölbe oder liberia (wo man die Bücher verwahrte) 1 Schock 45 Gr. Franz, der Bader, hatte von Stephan Nossig die Badestube, bei Dr. Pak gelegen (auf der Doktorei) für 80 Gulden gekauft, aber nichts gezahlt. Die Kirche übernahm sie und zahlte das Kaufgeld der 80 Gulden in Terminen zu zehn Gulden, bauete sie und verwendete in diesem Jahre 14 2/3 Schock darauf. Von dieser Stube erhielt der Pfarrer jährlich 1 Schock Zins. Sie hieß bis 1430 die alte Badstube zum Unterschiede von einer zweiten, die in der Nähe der Barfüßer Terminei da lag, wo sie sich als Bürgerhaus unter dem beibehaltenen Namen noch findet, damals die neue genannt wurde, und der Gasse, in der sie sich befand, den Namen gab. Nachdem sie eine zeitlang wüste gelegen, ward sie bei ihrer Hestellung die neue, jene die alte ganannt, doch auch diese Erneuerung hatte keinen langen Bestand, so ward wüste, und der Amtmann Johann von Pake zog sie als Wüstung, die er am 21. Juni 1527 mit Bewilligung des Erzbischofes von der Kirche kaufte, zu dem ihm gehörigen Sedelhofe, von dem früheren Besitzer Dr. Pake die Doktorei genannt. Mit diesem kam sie 1544 durch Kauf an den Rat und ward ein Bürgerhaus. Der Rat verkaufte Getreide, welches auf dem Kälberstalle lag, den Scheffel Roggen zu 3 Gr. 2 Pfg. Der Stadtschreiber erhielt 2 Faß Bier aus dem Ratskeller um einen billigeren Preis auf Er. Matthias seines Lokaten erste Messe.

1498
Stephan Gruntzscher brauete ohne Zeichen vom Gleitsmann (des Rates) und mußte ein Paar Steifeln, darinnen die Herren (des Rates) reiten, zur Strafe geben. George Petzsch hielt in diesem Jahre die durch den Dr. Werner Wyke gestifteten sieben Fastenpredigten für 21 Gr. Es stand die Wahl des Predigers bei dem Rate und man übertrug sie gewöhnlich einem Leipziger Predigermönche. Am 15. Mai kam eine Kreuzfahrt von Landsberg und naheliegenden Dörfern dieser Stadt und ging nach Scholis. Der Rat gab ihnen bei ihrer Ankunft für 42. Gr. ein Faß Bier. Der Bürgermeister George Werdt und der Stadtschreiber waren am 9. Juli auf dem Landtage in Naumburg wegen der Münze und neuen Reformation. Die Refomation betraf hauptsächlich die Wertbestimmung der von den Fürsten beider Linien neu geprägter Schneeberger Groschen gegen die früheren ZinsSchwert-Spitzgroschen. Die Otto Pak hatte der Kirche einen Ornat gefertigt, welcher in Merseburg geweihet ward. Von der Moritz Gerberin bekam als Vermächtnis die Stadtkirche 3 RhGl. und 1 RhGl. die Frauenkirche; von Er. Nicolaus Turekorn 31 Gr. und von Ein. Caspars Mutter in Bendorf 20 Gr. Aus einer Mark vorrätigen Silbers ließ man ein großes silbernes Kreuz in Leipzig machen und gab 7 alte Groschen für 1 Elle Seide zu dem Heiligtume in das große Kreuz. Derselbe Künstler besserte auch drei Pacificalia und vergoldete für 5 Ungarische Gulden die Monstranz. - Der Meister Herman von Leipzig aber malte den Ölberg für 8 RhGr. Der Rat mußte auch in diesem Jahre für den Fürsten 1000 RliGl. aufbringen, und borgte 500 RhGl. von dem Bürger Nicolaus Schiltpergk, in Halle, als einen Stifter und Aufrichter der neuen Kapelle zu St. Marien Magdalenen vor dem Claustore zu Halle und den Vorstehern und Verwesern nach ihm, und 400 RhGl. von Paul Clemen, Bürger in Leipzig, zu Ablösung der Sachsenburg und Abfindung Herzogs Friedrich in Preußen. Beide Schuldverschreibungen sind vom 24. August und die Genehmigung des Herzogs Georg in Vollmacht seins Vaters, der Gunstbrief vom 26. desselben Monats ausgestellt. Der Scheffel Weizen galt 7 der Roggen, Hafer 3 ½ Gr.

1499
Der Rat verkaufte die Hufe Feld auf Rubach, die er vom Bürgermeister Nicolaus Cramer für 100 RliGl. versessenen Schoß und Zins annehmen müssen für 95 Gulden und 1 Schock Lehngeld an Urban Sachse und Matthaeus Gotzschwitz, derselbe Gotzschwitz kaufte auch des Rats alte Scheune, in der Vorstadt bei Caspar Bun gelegen für 5 silberne Sock. Eine halbe Hufe auf Werbener Mark, die von Sedermann auf Peter Preuss überging, mit 18 Gr. jährlichen Zins, ward nur mit der Bedingung, daß er sie vordre niemanden dann des Rates Leuten verkaufte, verliehen. Meister Erhards Ehefrau, die Wendische (eine Wendin), wurde des Ehebruchs verdächtigt, deshalb vom Rate und Commissarius gefordert und gewarnet. Sie fiel, da der Kornschreiber Johannes öffentlich und am Tage bei ihr aus- und einging, in die Buße von 1 Schock Scheffel Hafer, und ging endlich mit diesem und ihres Mannes Geräte, Kleidung, Harnisch, acht Groschen baren Gelde, des Nachts davon. Am B. April war ein Landtag in Leipzig von fünftägiger Dauer, auf welchem dem Herzoge zu Abteilung Herzog Heynrichen in Friesland eine Steuer, 1 Gulden von 200 Gulden Abschätzung des Vermögens, 1/2 Gulden von 100, 1 Ort von 50, und'/, Ort von 25, verwilliget werden mußte. Es war eine reiche Ernte, und wurden zur Sicherung der Stadtfluren gegen Schäfer und Mägde die Flurschützen (versehen mit Pochbolzen) eingeführt. Der Maurermeister Balthasar Jost, aus Leipzig, deckte die Basteien, erneuerte die gewölbte Brücke am krummen (breiten ) Tore, besserte den Henkersturm (ein Turm zwischen dem Breiten Turme und dem jetzigen Malzhause zur Tortur gebraucht) und die Rinne auf dem Graben hinter Dr. Pak (die große, gewölbte Schleuse, durch welche das Wasser des Vorstädter Grabens in den eigentlichen Stadtgraben einströmte, in der Gegend des Pakischen Sadelhofes, die Doktorei genannt). Der Kaland kaufte vom Amtmanne Heinrich Pak, auf Doebernitz, 3 gute Rheinische Gulden, an Golde, Zinsen und Lucowehnaer Gütern, für 60 RhGl. am 9. Januar und am 22. Juli d. J. dergleichen zum Altare Barbarä für 12 RhGl. in Golde, von Burkhard von Schenkenberg auf Schenkenberg. Er. Liborius Lesche zahlte als Testamentsverweser des Pfarrers Berthold Smogel, in Werbelin, 5 Gulden als Vermächtnis an die Kirche, und 40 Gr. an beide Kirchen Peter Stoye aus dem Nachlasse seiner Ehefrau. Die SchülerEmporkirche (jetzt die unterste an der Mitternachtsseite) wurde erneuert und das Fenster daselbst mit zwei gemalten Feldern versehen. Der Küster der Frauenkirche, Stephan, hatte den Weingarten dieser Kirche für 20 Gr. im Pachte. Der Scheffel Roggen galt 5, der Scheffel Hafer 4 und 1 Schock Stroh 6 Gr. Für ein Ries Papier zu den Steuer-Registern (Großformat) wurde 20 Gr. bezahlt.