Delitzscher Stadtchronik 1207-1990

Die Stadt Delitzsch verfügt über eine ausführliche Chronik der Geschichte der Stadt, die bereits in gedruckter Form für den Zeitraum von 1207 bis 1990 vorliegt. Diese Chronik besteht aus insgesamt zehn Bänden, die an dieser Stelle veröffentlicht werden. An der Weiterführung der Chronik wird ständig gearbeitet. Das Menü auf der rechten Seite soll den Zugang zu den verschiedenen Bänden erleichtern.


Delitzscher Stadtchronik  1207-1450

(Quelle: Delitzscher Stadtchronik von Johann Gottlieb Lehmann, ausgewählt durch Hans-Jürgen Moltrecht; Teil I, 1207-1450; hrsg. vom Kreismuseum Delitzsch, 2. Auflage 1991.)

Vorwort

Aus Anlaß der 110. Wiederkehr des Todestages von Johann Gottlieb Lehmann im Jahre 1962 wurde auf dem ehemaligen Marienfriedhof in Delitzsch seine Grabstätte neu gestaltet. Sie bewahrt die leibliche Hülle des ersten Historikers, der sich der Delitzscher Stadtgeschichte verschrieben hatte. Die Ergebnisse seiner Forschungen sind uns als Stadtchronik erhalten geblieben.

Bereits im Jahre 1852 erschien aus der Chronik ein zweiteiliger Auszug in einer kleinen Auflage von Hermann Schulze. Nur noch wenige Exemplare sind heute davon erhalten geblieben. Leider blieben dabei wichtige heimatgeschichtliche Ereignisse aus der Originalchronik unberücksichtigt. Das Kreismuseum in Delitzsch sieht seine Aufgabe darin, die Lehmann'sche Chronik der Bevölkerung wieder zugänglich zu machen. Sechs Hefte der Museumsveröffentlichung sind dafür vorgesehen. Im vorliegenden Heft konnten gegenüber dem Druck von 1852 entscheidende örtliche Daten aus der handschriftlichen Chronik aufgenommen werden. Geschehnisse, die unseren Kreis und seine Bewohner nicht betreffen, blieben dagegen unberücksich­tigt. Es handelt sich hierbei um ausführliche Erläuterungen zur landesherrlichen Territorial- und Familiengeschichte, die den Rahmen dieser Veröffentlichung spren­gen würden.

Mit dem Erschließen dieser für die Kenntnis der feudalistischen Verhältnisse wich­tigen Geschichtsquelle hoffen wir, das Interesse für die Heimatgeschichte bei vielen Menschen wecken zu können.

Johann Gottlieb Lehmann - der Chronist unserer Stadt

Am 4. Januar 1962 gedachten wir des Chronisten Johann Gottlieb Lehmann, der vor 110 Jahren kurz vor Vollendung seines 74. Lebensjahres völlig verarmt in den Mauern seiner Vaterstadt starb.

Er hinterließ uns nach aufopferungsvoller Arbeit eines ganzen Lebens die Chronik der Stadt Delitzsch. In drei sorgfältig geschriebenen Bänden faßte er sein Wissen über Delitzsch zusammen, nachdem er in langjährigem Studium Urkunden und Literatur in Archiven und Bibliotheken ausgewertet hatte.

Johann Gottlieb Lehmann wurde am 30,. Januar 1778 als Sohn eines armen Tuchma­chers in der Milchgasse in Delilzsch geboren. Durch Unterstützung einiger Bürger erhielt er 1791 eine Ratsdiskantistenstelle in Leipzig und dadurch gleichzeitig eine Freistelle an der Thomasschule Er studierte nach beendeter Ausbildung an der Leipziger Universität Theologie und Philologie, wandte sich jedoch später dem Studium der Geschichte und Rechtswissenschaft zu. Im Jahre 1813 kehrte er nach Delitzsch zurück und führte als Gerichtsaktuar bei "unwürdiger Besoldung" bis zu seinem 'rode ein dürftiges Dasein. Seine Mutter starb im Armenhaus. Bereits der 42jährige nennt sich in einem Bittschreiben an den Rat der Stadt "einen schuldlos Verarmten". Der preußische Staat war nicht in der Lage, diesem wissenschaftlich gebildeten Menschen eine angemessen Bezahlung zu gewähren. 

Leider wissen wir über seine Einstellung zu den geschichtlichen Höhepunkten zwischen 1789 und 1848 sehr wenig. Aufschluß werden seine noch unerforschten literarischen Arbeiten geben. Allein seine Verbindung zu Johann Gottfried Seume (1763 - 1810), der eine große Sympathie für die französische Revolution hegte und sich nicht scheute, die deutsche Fürstendespotie scharf zu kritisieren, läßt ahnen, daß sich auch Lehmann mit diesen Problemen auseinandersetzt. Seume war es, der über die Zustände in Deutschland die bezeichnenden Worte schrieb: "... bei uns wird die Schätzung (eines Menschen - d. V.) genommen nach dem, was das Kirchenbuch spricht, der Geldsack des Vaters wiegt oder das Hofmarschallamt vorschreibt." - Es wundert uns heute nicht mehr, daß auch der Chronist Lehmann in seiner Vaterstadt so dahin vegetieren mußte. Sein Grabstein stand auf dem Marienkirchhof. Behalten wir den Delitzscher Chronisten Johann Gottlieb Lehmann als einen der besten Bürger unserer Stadt in ehrendem Andenken!

Einführung

Vor den acht Jahrhunderten Delitzscher Geschichte nimmt die Etappe des Feudalismus mit über 600 Jahren den größten Zeitraum ein. Dafür bietet uns das durch J. G. Lehmann erforschte und chronologisch geordnete Material von 1207 - 1701 eine lebendige Widerspiegelung der verschiedenen Seiten mittelalterlicher Stadtge­schichte.

 Im Hoch- und Spätmittelalter war das Entstehen und der Ausbau der Städte zwischen Elbe und Saale entscheidend. Sie bildeten mit ihrer städtischen Gesellschaftsordnung neue fortschrittliche Elemente im Feudalsystem. Dem gegenüber standen leibeigene Bauern, die dem Feudalherren Frondienste leisten mußten und selbst keinen Boden besaßen. Naturalabgaben, bäuerliche Kleinwirtschaft und niedriges technisches Niveau bestimmten den Charakter dieser Agrarverhältnisse. Mit fortschreitender wirtschaftlicher Entwicklung wurde die feudale Gesellschaftsform zu einem Hemmnis für das junge Bürgertum und zu einer drückenden Last für die abhängigen Bauern. Der Klassenkampf der Bürger und Bauern gegen den Adel wuchs zur frühbürgerlichen Revolution - zum Großen Deutschen Bauernkrieg.

Vom 13. bis 15. Jahrhundert können wir in Delitzsch die ständigen Auseinanderset­zungen zwischen dem Adel und der Bürgerschaft belegen. Einen großen Teil hiesigen Reichtums eigneten sich die geistlichen und weltlichen Feudalherren an, so daß die Gemeinde mehrmals vor dem finanziellen Ruin stand. Städtische Rechte wurden vom Adel eingeschränkt und übertreten. Ständig erhob der Landesherr neue und höhere Steuern und verpflichtete die Stadt zu Schuldverschreibungen. Mit Menschen, Geld und Material mußten die Kriegszüge der Fürsten ausgerüstet werden, Fehden zwi­schen den Adligen führten im Land zu einer feudalen Anarchie. Da der Adel auf die Erzeugnisse der Handwerker angewiesen war, gelang es dem Bürgertum, seine politische und wirtschaftliche Selbständigkeit trotz vieler Rückschläge lange Zeit zu behaupten. Auch zwischen den einzelnen Schichten der Bürger kam es zu ständigen Auseinandersetzungen. So ist uns aus dem Jahre 1402 ein Aufstand der Schuh- und Gerberknechte gegen die im Rat herrschenden Bürgergeschlechter überliefert. Sie hatten sich als erste handwerkliche Gruppe bereits 1397 zu einer Innung zusammen-geschlossen, eigene Artikel aufgestellt und diese 1421 gegen den Willen der Ratsherren erweitert.

Über die Stadt Delitzsch selbst wissen wir, daß Sie im Jahre 1166 zum ersten Male urkundlich erwähnt wurde. Der Name Delitzsch stammt aus dem Slawischen delce und bedeutet Hügel. Sie erhielt diese Bezeichnung nach dem auf dem westlichen Schloßgelände liegenden Spitzberg, der im 17. Jahrhundert abgetragen wurde. Auf ihm befand sich die erste Burganlage. Im Vorgelände dieser Burg - in der Halleschen Straße, Ritterstraße und Badergasse - siedelten Kaufleute und Handwerker. Sie befreiten sich vom Landesherren durch den Kauf städtischer Rechte, ummauerten das Gelände der heutigen Altstadt zwischen den beiden Stadttürmen und errichteten ein Rathaus am Markt. Hier regierten einige bevorrechtete Adels- und Kaufmannsge­schlechter das städtischen Gemeinwesen. Später gelangten auch Handwerker in den Rat und wurden zu Viertelsherren bestimmt, so daß man nach und nach den Einfluß des Adels in der Stadt zurückdrängen konnte. Neben der Altstadt entstand die Neu­und Vorstadt (vom Roßplatz - Eilenburger Straße bis zur Töpfergasse und Marien­straße), die von 1404 bis 1410 einen Graben und eine Hecke als Schutzanlage erhielt. In ihr wohnten die ärmeren Schichten der Bevölkerung.

Die Chronik bietet so reichhaltiges Material, daß beispielsweise über die ständigen Kriegszüge und vollzogenen Gerichtsurteile nachgelesen werden kann. Auch die Handwerksmeister sind alle namentlich erwähnt. Besonders gut lassen sich die verschiedenen Bauetappen der Stadt verfolgen.

Delitzsch wuchs nur an wenigen Stellen über die Grenzen seines Mauerringes hinaus. So wurden im 15. Jahrhundert die Scheunen aus der Altstadt an den Steinweg vor dem Halleschen Tor verlegt, gleichzeitig bestand eine Ziegelei - genannt Ziegelscheune - auf dem heutigen Gelände der Friedensschule und 1411) brachte man die alte Stadtmühle vom Pfortenplatz nach ihrem gegenwärtigen Standort. Im 16. Jahrhundert entstand eine Siedlung der Gerber - der Gerberplan. Die Bewohner der Grünstraße, des Rosentales und des Steinweges vor den) Halleschen Tor gehörten bis 1862 zum Amt Delitzsch. Sie unterstanden damit direkt dem Landesherren und nicht dem städtischen Rat , Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts konnte sich die Stadt durch die dauernden Kriege räumlich nicht vergrößern. Erst die Industrialisierung brachte hierin einen Wandel.

 Für die Geschichtsforscher ist es von besonderem Wert, daß Lehmanns chronistische Angaben nicht nur das Leben und die Geschichte bestimmter Bevölkerungsgruppen widerspiegeln, sondern daß er die ganze Skala der Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Schichten und Innungen der feudalistischen Gesellschaft in seinen Aufzeichnungen lebendig werden läßt und nur selten Gedankengänge höfischer Geschichtsschreiber einfließen.

1207
Im Juni des Jahres hielt Markgraf Konrad, Sohn des Dedu und Bruder des Dietrich, hier einen Gerichts- und Lehnstag ab.

1222
Landgraf Ludwig in Thüringen, Vormund des Markgrafen Heinrich und Administrator des Landes während dessen Minderjährigkeit, hielt am 6. Juni des Jahres ebenfalls hier einen allgemeinen Gerichtstag ab.

1291
Der Landgraf von Thüringen, Albert, nahm nach dem Tode des Markgrafen von Meißen zu Landsberg, Friedrich Tutta, dessen Lande als nächster Lehn­serbe in Anspruch und verkaufte Landsberg, Delitzsch und andere Städte und Ortschaften an die Markgrafen von Brandenburg, Otto mit dem Pfeile und Konrad, die das erkaufte Land als Markgrafschaft Landsberg in ihre Titel nahmen.

1325
Schenkte Anges (die Witwe des Markgrafen Heinrich von Brandenburg) dem St..- Klaren-Kloster bei Weißenfels, wo ihre Tochter Margarethe Äbtistin war, das hiesige Pfarrlehn.

1333
Ward der Herzog Magnus erblich mit der Mark Landesberg beliehen und schenkte der in diesem Jahre hier entstandenen Ka1ands - Gesel1schaft.am 3. Mai eine freie Hufe auf Wiedemark-Mark, die der hiesigen Stadtkirche noch zinst.

1334
Am 5. Mai erteilte der Offizial zu Halle erzbischöfliche Erlaubnis zum Gebrauch der Kirche für die Feierlichkeiten des Kalands.

1336
In der Pfingstwoche gab der Erzbischof Otto von Magdeburg die Erlaubnis zur Fundation des Kaland – Altars in einer der Kirchen zu Delitzsch. Es war der Altar Barbarä in der Stadt- oder wir es in der Urkunde heißt Peters -Kirche.

1344
Am 29. Juni schenkte der Herzog Magnus, Markgraf zu Landeberg, dem Kaland zu diesem Altare 2 Hufen, 2 Höfe und eine Wiese auf dem Felde in Kyhna, der Kirche noch heute zinsbar.

1347
Dem Herzog Magnus, welcher mit dem Erzbischofe zu Magdeburg, Otto, wegen einiger Städte und Schlösser der Mark Landsberg in Fehde geriet, verkaufte, als der Versuch, den Streit durch Schiedsrichter zu schlichten, erfolglos blieb, am 5. Juni die Mark Landsberg mit den Festen Landsberg, Delitzsch, Reideburg und den Altenhof für 8000 Schock Groschen an den Land- und Markgrafen Friedrich den Ernsten und dessen Sohn. So kam dieser Landesteil wieder an Meißen.

1348
In diesem Jahre brach die Pest aus, die schrecklichste der neueren Geschichte, welche drei Jahre anhielt und Deutschland über die Hälfte seiner Bewohner entrissen haben soll. In dieser Verzweiflung glaubte man, daß die Juden die Brunnen vergifteten, sie wurden daher auf fürstliche Befehle ausge­trieben, ihrer Güter beraubt und verließen auch hiesige Stadt, wo sie bisher in der nach ihnen genannten Jüdengasse, jetzt Holzgasse, gewohnt hatten. Auch suchte man gegen diese fürchterliche Krankheit in den Betfahr­ten, und Flagellanten oder Geißler, die mit Kreuzen, geweihten Kerzen von Ort zu Ort zogen und durch Absingung eines Bußgesanges und zur Geißelung ihres entblößten Rückens das Erbarmen der Gottheit bewegen wollten, fanden großen Beifall, bis sie durch reichliche Unterstützungen ausarteten, Der Klerisei mißfällig wurden und mit der Abnahme der Krankheit sich verloren.

1363
In diesem Jahr ist die Glocke der Stadtkirche gegossen.

1364
War die Stadt mit denen von Gluch auf.Rubach über einen Weg auf Rubach streitig, der am 10. August von dem Unterhauptmanne zu Leipzig und Delitzsch, Hans Porczik, Günther von Bünau d. Ält. und Heynich von der Gossow gütlich dahin entschieden wurde, daß die von Gluch ein Ende ihres Holzes den Bürgern zu ihrem eigenen Wege gaben, die Bürger ihnen dafür gönnten, mit ihrem Vieh durch die Delitzscher Mark und Stadt zu treiben, vorbehältlich der Pfändung und Ersatzes bei Beschädigungen. Zeugen waren dabei Hans von Pak und Wyprecht von Schenkenberg.

1366
Bering von Lichtenhagen war Amtmann in Delitzsch.

1367
Am 11. Oktober war der Markgraf Wilhelm hier und ward unter anderem Elisabeth, des gestrengen Hans von Gluck eheliche Wirtin, mit dem dritten Teile des Sadelhofes Rubach zu rechtem Leibegedinge beliehen. Gegeben ward ihr darüber zu Vormund ihr Bruder Haynitz von Freiberg.

1376
Von diesem Jahre ist das älteste Gerichtshandelsbuch der Stadt. Der Rat, geteilt in drei wechselnde Räte, hatte die Gerichtsbarkeit für jährlich 12 Schock in Pacht und wechselte Allerheiligen. Bürgermeister war Hans Vormann. Dem Markgrafen wurden 100 Schock Bete ausgebracht, und liehen der Stadt hierzu Konrad von Ysleben und Konrad von Bitterfeld 30 Schock, aber auf Leibzins. Auch kaufte die Stadt von Tamme Pflug das Kaufhaus mit allen Zubehörungen, Stützungen, Rechten, Gewohnheiten (ein Teil des jetzigen Rathauses gegen Abend) und ward vom Land- und Markgrafen Wilhelm, für sich und seine Brüder Friedrich und Balthasar, am 25. April beliehen. Das Rathaus war das Eckhaus am Markte neben dem Brauhause, die Etage zu Sitzungen des Rates, der Keller zum öffentlichen Weinschanke in Gebrauch (Ratsweinkeller). Bürgerversammlungen hielt man wegen Mangels an Raume in der Kirche, zu welchen der Küster finit der großen Glocke ein Zeichen gab. Das im Gäßchen anstoßende, zu dem Rathausc gehörige Gebäude, Scharren, diente den Fleischhauern an Wochenmärkten gegen eine jährliche Abgabe zu ihrem Warenverkauf. Die pachtweise erhaltene Gerichtsbarkeit verlangte nun aber eine größere Räumlichkeit und diese fand sich in der erkauften Pflug'schen Besitzung, wohin denn auch sogleich der Fleischverkauf gewiesen, und der Scharren an den Bürger Brunge für 2 Schock verkauft, das Kaufhaus aber im Jahre 1400 und 1401 mit einem Aufwande von 37 Schock umgebaut, 1401 als neue s Rathaus bezogen ward. Das alte mit Ausschluß des Kellers und den von Brunge wieder gekauften Scharren vermietete man 1401 an Hermann Pharner für 3 Firdung ('/4 Schock) jährlichen Zinses, veräußerte aber beides mit Rückhalt des Weinkellers 1404 an Klaus Keller, vondessen Erben es 1413 an den Brunge und von diesem 1419 an den Zolleinneh­mer Nickel Apitz eigentümlich überging. Indessen nötigte die sich täglich er­weiternde Schenkwirtschaft schon im folgenden Jahre zum Rücklaufe, worauf denn die Etage 1 und 2 zu größerer Bequemlichkeit der Weingäste eingerichtet, der Scharren aber der Kirche zur Aufbewahrung der Baugerätschaften während ihres Neubaues unentgeldlich überlassen und 1464 für ein Schock 5 Groschen käuflich abgetreten ward.

1379
Hans Vormann war Bürgermeister und lieh der Rat von Meister Hennyngus von Bosch, Schulmeister zu Czernest, 21 Schock auf Leibzins.

1380
War Hans Cluys Bürgermeister und lieh der Rat von dem Pfarrer Nicolaus zu dem Hagin (Hain, Gräfenhainichen) 21 Schock.

1381
War Peter Gnys Bürgermeister und lieh der Rat vom Pfarrer Jacob zu Bitterfeld 15 Schock oder 2 Mark und von dem hiesigen Prediger Nicolaus von Dybin (Düben) 1 Mark.

1382
War Hans Vormann Bürgermeister und borgte der Rat von Albrecht Walwitz von Burg 4 Mark und von denen von Freiberg ein Kapital, jährlich zu 1 Mark Leibzins, für Bruder Eberhard von Freiberg. Eine Hufe in der Benndorfer Flur sollte der Stadt jährlich einen Firdung (den vierten Teil eines Schockes, 15 Groschen) zinsen. Durch den im vorigen Jahre erfolgten Tod Friedrich des Strengen ward die wirkliche Teilung der Länder Friedrich des Ernsten herbei­geführt und kam Delitzsch mit an den Land- und Markgrafen Wilhelm I.

1384
War Hans Cluys Bürgermeister und verlieh der Rat an den Claus von Acken 2 Schock Groschen auf einen Firdung jährlichen Zinses. Dagegen borgte die Stadt von dem hiesigen Prediger Nicolaus von Düben 8 Schock Meißnische Groschen auf Leibzins. Am 1. April schenkte der Markgraf Wilhelm zu Meißen zwei Gärten in einer Breite hinter dem Kirchhofe Unserer lieben Frauen gelegen, die früher der von Crostewitz und die von Trossin von Gebhard von Zcorbecke zu Lehen hatten, nach dem dieser die Lehen aufgegeben, an die Kirchen Unserer lieben Frauen und St. Peter zu einem ewigen Geleuchte. Am 13. November verordnete der Markgraf in einer hier ausgestellten Urkun­de, daß der Nachlaß der belehnten Geistlichen in der Stadt und Pflege Delitzsch dem Lehnfolger anfallen und weder von den Amtsleuten noch geistlichen Behörden, es sei Bischof, Archidiakon oder Lehnherr, in Anspruch genommen werden sollte und sollen dafür die belehnten Geistlichen zweimal des Jahres Vigilien und Seelenmessen in der Stadt Delitzsch singen und lesen, des Markgrafen Eltern und des Markgrafen Nachkommen Seelen zur Seligkeit und Troste. Unter den Zeugen ist: Er, Hans von Poczke, Schulmeister zu Naumburg, des Markgrafen Schreiber.

1385
Peter Gnyz, Bürgermeister, und Ratleute Jan Brant, Hensel Clus, Heinr. Tronicker, Peter Dideke, Joh. Kelb liehen dem von Ratmersdorf 8 Schock Groschen auf 1 Schock jährlichen Zinses und Hans und Erich Schillinge 16 Schock auf 2 Schock Zins zu Michaelis.

1386
Am 2. August belieh der Markgraf Wilhelm, welcher hier anwesend war, den hiesigen Kaland mit einem Hofe in der Badergasse, welchen der damalige Dechant des Kalandes, der Pfarrer zu Czchochow (Zwochau) für den Kaland gekauft hatte. Am 29. August zog der Bischof von Merseburg, Heinrich von Stalberg, mit seinen Mannen hier durch nach Eilenburg, überfiel daselbst des Nachts den Andreas von Duba, welcher diese Stadt inne hatte und das bischöfliche Gebiet durch öftere Einfälle verwüstete, gewann diese Stadt, plünderte und brannte sie nieder.

1387
Schenkte der hier gegenwärtige Markgraf Wilhelm dem hiesigen Hospitale eine Hufe auf Tupadel-Mark am 2. Juli mit 40 Groschen jährlichen Zinses, die aber 1575 vererbt worden ist.

1388
War Heinrich von Tronig Bürgermeister, Paul Welchow ein Ratsmitglied und wird in dem Gerichtsbuche bemerkt, daß Otto und Conrad Steyben 4 1/4 Schock in der Stadt schulde auf St Galli Jahrmarkt, wofür bürgen Hermann von Welchow und Ywan von Schenkenberg.

1389
Am 26. März war der Kaland-Altar durch den Erzbischof Albert zu Magdeburg von neuem bestätigt und denen, die ihn und durch ihn die Armen unterstützten, ein 40tägiger Ablaß und Fastenerlaß zugesagt.

1390
Hans Clus Bürgermeister, Ratsleute Tize Snider, Matth. Gruwel, Paul Snin, Dietr. Koppe, Paul Welchow, Hans Glewitz. Statt der bisher gangbaren Groschen von Silber, deren 60 auf eine Mark gingen, wurde auf Befehl des Markgrafen in Freiberg neue, 80 auf eine Mark, ausge­münzt. Am 11. März gab der Markgraf Wilhelm der Stadt den Gunstbrief über die B i e r m e i l e, daß eine Meile Weges um die Stadt kein Kretzschmar und Handwerksmann (Hufschmiede ausgenommen) wohnen soll, der nicht vorher dagewesen und zugleich Befehl an die Mannen, Ritter und Knechte in der Pflege Delitzsch, Kretzschmar und Handwerker, wo sie vor alters nicht gewesen, abzutun, an den Vogt aber, die Bürger gegen Eingriffe zu schützen.

1391
Schenkte er (der Markgraf) dem Hospitale eine Hofstätte zu Aufbauung und Stiftung des neuen Hospitals (das alte war am Gottesacker) mit 4 Hufen auf dem Sande, am B. Mai. Diese 4 Hufen vererbte man 1546.

1392
In diesem Jahre war im Rate Schindel Bürgermeister, Schoenebrot, Peter Dideke, Kirchhof, Stimer, Claus von Aken, Koppe Lelitz, und ward das neue Hospital (Zum heiligen Geiste) mit Kapelle (St. Fabian und Sebastian) meistens mit gesammelten Almosen notdürftig erbaut. Der Markgraf Wilhelm war hier im Monate März und eignete am 12. dieses Monats der Pfarrkirche zu Schenkenberg 1/2 Hufe Landes auf der Mark Groß-Kyhna zu einer Lampe, die in dieser Kirche ewig brennen soll.

1393
Zu dieser neuen Kapelle und dem Altar darinnen schenkte der Markgraf Wilhelm ferner am 22. Februar Zehnten und Zinsen von Landsberg und den Dörfern Gollme, Schwoitzsch, Reinsdorf, Sietzsch, Klitschmar, Doberstau, Kyna usw. und der Erzbischof Albert in Magdeburg bestätigte die Errichtung des Hospitals mit Kapelle, gab ihr als geistliche Stiftung kirchliche Freiheit, das Patronatsrecht dem Landesherren vorbehalten. Zu diesen Zinsen hatte jedoch auch Osse von Slywen, die von Freiberg und andere gegeben, und sollte davon jährlich ein Schock der Pfarrer zu Wiedererstattung im voraus nehmen, von den übrigen aber zwei Kaplane, geweihte Priester, die in der Stiftung wohnen und täglich in der Kapelle Messe halten sollten, besoldet werden. Nur mit des Fürsten Genehmigung und bei ehrhafter Not konnte der Aufenthalt außer der Stiftung gestattet werden. Die ersten Kaplane waren Urhard von Freyberg und Peter Sparnow, die letzten Hermann Hammer, Domherr in Wurzen, früher hier Pfarrer und Georg Lyssenius, Prediger zu St. Johannes in Leipzig, nach deren Tode durch Verordnung der Visitatoren die ganze Einnahme an die Stadtkirche kam. Am 14. Juli überließen Thime, Hermann und Hans, die Pake, ihren freien Hof, in der Holzgasse, den Brüdern (des) Prediger-Ordens von Leipzig - Do­minikaner, Paulaner - die ihn schon seit langer Zeit bewohnt hatten, und wurden ihnen von dem hier gegenwärtigen Markgrafen Wilhelm an genanntem Tage mit den Worten: daß ein Terminirer ihres Ordens in denselben Hofe frei und ledig ohne alles Stadtrecht wohnen und sitzen soll, der Lehnbrief ausgestellt. Am 30. September lieh der Rat an Otto und Hans von Gotwitz 20 Schock Freibergischer Münzen, zu 2 Mark jährlicher Verzinsung, die Zinsen von der Schuldner Vorwerk zu Gotewicz und bürgten dafür Herman Pake, Erich Kessil von Glesien, Hans von Dyskaw, gesessen zu Glesien und Otto von Dyskaw, gesessen zu Czernz, Sachwaltige.

1394
War Schindel Bürgermeister und findet sich in dem Gerichtsbuche die älteste, scheinbar aber nicht vollständige lateinische Rats- und Kämmerei-Rechnung. Der Rat erhob nach dieser den Zins von Wohnungen in der Stadt, Zinsen von ausgeliehenen Kapitalen, Zins von denen, die in und an dem Rathause feil hielten, Zins von den Kohlgärten über dem Lober, von den KohIgärten im Hain (von dem von Trossin erkauft), Zins von den Bewohnern der Neu- oder Vorstadt. Von den Ausgaben aber ist nur die vom Zoll da. Davon erhielt: 1 Schock der Pfarrer, ½ Schock Hans Pak, ½ Schock Kunen Pakes Witwe, 1 ½ Schock Heinrich und Hermann Pake, Brüder, und 10 Groschen Dietrich de Brode. Am 23. November schenkte der Markgraf Wilhelm dem Hospitale 2 ½ Hufe in der Flur zu Zörbig, die Peter Gast hatte und auf Lebzeiten behalten sollte, davon aber den Siechen i m Hospitale alle Sonntage, Dienstage und Donnerstage zu einem Essen Speck und Erbsen, montags, mittwochs, freitags und sonnabends aber Grütze und Butter geben mußte. Nach seinem Tode sollten die Spitalmeister die Hufe besorgen und das den Siechen Gesetzte geben, mit dem übrigen aber der armen Siechen Pfründe täglich bessern. Auch sollte alles, was Gast verließe, den Siechen folgen - zur Besserung. Dieses Feld lag auf Steter-Mark bei Zörbig und ward 1543 vererbt, gibt die ½ Hufe 20 Groschen jährlichen Zins. In diesem und zwei folgenden Jahren ward auch der Hallische Turm durch den Maurer Eberlin und Zimmerer Nicolaus dem Grunde aus neu erbaut.

1395
Am 13. November ritt der Bürgermeister mit den Seinen (Mitgliedern des Rates) und der Vogt mit einigen Vasallen nach Leipzig, einen Dieb daselbst hinrichten zu lassen.

1396
Am 23. Februar ritten die Ratsherren nach Eilenburg zu dem Markgrafen. Wert verschiedener Dinge: 1 Paar Winterschuhe 7 Groschen, 1 Paar gewöhnliche Schuhe 3 und 4 Groschen, 1 Elle Leinewand 1 Groschen, 1 Pferd 6 Schock, auch 8, 1 Elle geringes Tuch 7 Groschen, 1 Armbrust 40 Groschen, 1 Spaten 3 Groschen, 1 Schippe 3 Groschen. Schuhe erhielten übrigens vom Rate die beiden Diener und der Badeknecht. Der Rat kaufte am 5. April 2 Schock weniger 7 ½ Groschen Zins auf den Koh1gärten bei der Mühle zu Gertitz und vor der Stadt zu Delitzsch, vor dem Hallischen Tore an dem Damme von Hans Trossin, Vater und Sohn, für 21 Schock guter Groschen auf Wiederkauf; sie blieben aber der Stadt, da die Trossine von hier gingen und den Wiederkauf nicht bewirken konnten. Der Bau des neuen Hallischen Turmes wurde mit Aufsetzung der Spitze vollendet und erhielt der Maurer Eberlin 11, der Zimmermeister Nicolaus 5 Schock Arbeitslohn. Das Torhaus und Tor des Eilenburger (Breiten) Tores verbrannte und ward hergestellt, auch kam bei Friedrich Behr durch Unvorsichtigkeit Feuer aus, welcher 1 Schock Strafe erlegen mußte. Drei neue Hofstätte wurden in der Vorstadt ausgetan und der Kirchenseiger aus der Ratsgasse durch den Meister David aus Leipzig gebessert. Fünf wurden mit dem Strange hingerichtet und der Henker von Leipzig geholt. Das neue Gerichtsbuch, Verhandlungen von 1396 - 1486 enthaltend, von Pergament, besorgte der Diakon Nicolaus von Düben und kostete 1 Schock 14 Groschen. Auch kaufte man vier Büchsen von dem Büchsenmeister Veit in Grimma. Die Stadtwagen führte Fische nach Grimma, Fastenspeise nach Magdeburg für den Markgrafen. Der Rat verborgte 20 Schock an Georg von Welchow, 10 Schock an Ebel Goczlitz, 5 Schock an Grupczik und 5 Schock an Albert Profin.

1397
Der Markgraf kam und blieb 5 Tage hier. Die Stadt verehrte ihm Wein, einen Lachs im Werte von 1 Schock 20 Groschen und die Ratsherren begleiteten ihn zu Pferde nach Rochlitz. Während seines Hierseins ward ein Dieb von Zörbig ergriffen und von dem Henker aus Leipzig mit dem Strange hingerichtet. Auch im Januar ward ein Dieb auf diese Weise bestraft. In den Bänken hielten 24 Tuchmacher oder Gewandschneider, 8 Bäcker, 20 Schuhmacher und 11 Fleischer feil und gaben jährlich der Kommun einen Bankzins. Auch wurde wöchentlich von dem Frauenhause in der Holzgasse, dem eine Wirtin vorstand, 2 Groschen erhoben. Ein neues Bollwerk - Turm- und Torhaus, ward mit einem Aufwande von mehr als 40 Schocken angelegt. Auch der Hallische neue Turm mit einer Wendeltreppe und Stube versehen, die Ratsstube geändert. Die Schuh- und Gerberknechte erhielten ihren Innungsbrief -der älteste der Stadt. Bewaffnete Bürger ritten mit den Vögten in das Lager vor Luppene, hatten Pfeifer bei sich und verloren ein Zugpferd. Hierzu wurden drei Büchsen und die Armbrüste gebessert, Blei und Schwefel zu Pulver angekauft. Der Markgraf befahl ein neues gleichmäßiges Scheffelmaß einzuführen und kostete der von Meißen gebrachte Scheffel 6 Groschen. Die Bete dieses Jahres betrug 100 Schock, 40 Schock in der Leipziger Ostermesse und 60 Schock freitags nach Allerheiligen in Torgau zahlbar, wohin der alte und neue Bürgermeister, Richter und Diener ritten. Der Küster Michael Dessow, welcher die Kirchenuhr besorgte und mit der großen Glocke zu Beziehung der Wachen und Bürgerversammlungen ein Zeichen gab, erhielt dafür aus der Ratskasse Lohn. Der Schreiber Hermann (Stadtschreiber) ritt mit dem Bürgermeister nach Doebeln zu dem Markgrafen und behielt dieser den Schreiber, die Briefe der Stadt zu schreiben.

1398
Das Bollwerk in der (Vor- oder) Neustadt wurde vollendet und gedeckt, eine neue Treppe und Tür im Rathause gefertigt und eine neue Fischbank angelegt - die Hospitalbrücke gebessert und der Graben daselbst geräumt. Am 10. April war der Markgraf hier mit den jungen Herren, Söhnen Friedrich des Strengen und ihrem Hofstaate. Sie erhielten Lachs, Wein... und wurden Betten für die Bedienung ausgebracht. Bei Anwesenheit des Markgrafen am 25. Oktober schrieb der Protonotar die Bestätigungsurkunde des neuen (am 1. November eintretenden) Rates, welche ½ Schock kostete. Man hielt ein Turnier auf dem Markte und dieser ward am 26. April wieder in Ordnung gebracht. Am 29. April kaufte der Rat von Hans Trossin in Friedersdorf 2 Hufen und Zinsen auf Höfen und Gärten gelegen vor dem Hallischen Tore für 3 Schock Groschen. Am 28. August war ein bedeutendes Feuer in der Stadt. Der Stadtwagen fuhr den 9. September begleitet von 2 Schützen Geld für den Markgrafen von Freyberg, Aufwand 1 Schock 20 Groschen. Ein Dieb ward am 21. Dezember mit dem Strange hingerichtet. Die Hinrichtun­gen geschahen durch den Henker aus Leipzig und den Scharfrichter daselbst. Sie erhielten, außer dem, was bei einzelnen Hinrichtungen gegeben ward, einen jährlichen Lohn. Von dem Schützenmeister kaufte man für 40 Groschen eine neue Armbrust und von dem Gürtler Johannes eine Büchse 1 Schock 16 Groschen. Johann Glywicz und Berthold Smed waren Kirchenvorsteher (für die Marien- und St. Peterskir­che). Vom 27. November an trat Brathering an Smeds Stelle. Pfarrvikar war Dietrich, Nicolaus von Düben und Pezold Kaplane und bestand das Kirchenver­mögen in 39 Schock 24 Groschen, reines Silber zu einer Monstranz bestimmt und 3000 Steine zum Turmbau. Der Weihbischof (Magdeburger Diözös) ließ die Kirchenvorsteher fordern und beschwerte sich, daß sie Kelche, Kaseln, Alben von Weihbischöfen anderer Diözösen weihen ließen. (Man bediente sich nämlich der Kürze und Wohlfeilheit wegen der merseburgischen.) Die Orgel der Stadtkirche ward gebessert, auch das Dach mit Schindeln gedeckt und schenkte der Probst zu Brehna zu dieser Besserung 1 Schock Latten aus der Goitzsche. Die Stadtkirche erhielt ein neues Meßbuch, welches gegen 17 Schock kostete. Es bestand aus 40 Quinternen und brauchte man dazu 100 Häute Pergamentes, jede Haut zu vier Blättern. Dem Schreiber gab man vom Blatte 9 Pfennige und für Lasur zur Illumination besonders. Zu diesem Buche gab die Kirche 4 Schock 2 Groschen und 1 ½ Schock Johannes Stuhlschreiber, das übrige der Kaplan Nicolaus von Düben. Dieses als schön gerühmte Meßbuch ward auf Verord­nung des Erzbischofes Albert nach Halle gebracht, wo es geblieben ist. Nach den Rechnungen dieses Jahres und anderer hatte der Stadtschreiber ungefähr eine jährliche Einnahme von 4 Schocken, erhielt Opfergeld, das Papier vergütet und von jeder Rats- und Gerichtssitzung 1 Groschen, dabei war er Rektor Scholarum mit freier Wohnung und Kost.

1399
Der Rat kaufte von George von Welchow und seinen Brüdern Tilemann, Petrus und Johannes den Brauzins, welcher von jedem Brauberechtigten bei seinem ersten Brauen zu erlegen ist und 1 Schock oder 60 Groschen beträgt, und ward an diesem Tage vom Markgrafen, der hier war und die Urkunde hier ausstellte, damit beliehen. Die Abside der Kirche ward mit Ziegeln gedeckt. Der Markgraf war hier und verehrte man ihm unter anderem einen Malder Könnerische Käse. Weil man die Wiederweihung des Gottesackers der Frauenkirche vernachläs­sigt hatte, ward die Stadt mit Interdikt belegt.

1400
In der ersten Woche des Jahres war der Markgraf mit seinem Hofstaate hier und verehrte der Rat dem Fürsten einen Läger wällischen Weins, 5 Schock am Werte, dem Pfarrer und Geleitsmann den Ehrenwein. Am 17. Januar ward Sander Kort mit dem Strange hingerichtet. Der gewesene Ratsherr und Bürgermeister Peter Gniess vermachte dem Hospitale 1 und Hufe Feld, die im Jahre 1546 vererbt wurde. Man fuhr die Fastenspeise des Markgrafen nach Magdeburg. Am 5. Mai brachte man dem Markgrafen 100 Schock Bete zu Petri Pauli nach Freyberg. Hans von Freyberg schenkte dem Hospitale den a1ten Ziegelhof, eine Wiese zwischen den Dörfern Selben und Brodau, auch kam dazu ein Garten vor Delitzsch nach dem Hei1igen Brunnen, bei des Pfarrers Wiese gelegen, und ward das Hospital vom Markgrafen am 15. August damit beliehen. Der Ziegelhof lag hinter dem Hirtenhause, ward später mit 2 Scheunen bebaut und diese 1546 vererbt. Auf eine vorhabende Fehde ward viel verwendet und gingen die Bürger unter Anführung des hiesigen und Zörbiger Hauptmannes nach Bernburg.

Der neue Küster Johannes hielt seine erste Messe und erhielt vom Rate ein neues Schock Geschenk. Auch ward die Küsterwohnung hergestellt und statt des Strohdaches mit Schindeln gedeckt. Das im vorigen Jahre erwähnte Interdikt (vom Offiziale zu Magdeburg) wegen Unterlassung der Gottesackerweihe, die man für beschwerlich hielt, verursachte Reisen zu dem Erzbischofe und Markgrafen, und erhielt man zwar dessen Aufhebung, der Suffragan kam aber zur Einweihung hierher am 20. Juli, mit 4 Pferden, blieb eine Nacht, reiste aber wieder ab, und vollzog die Weihe erst am 30. August, wo er vier Nächte blieb. Diese Weihe kostete der Kirche gegen 10 Schock und erhielt er für sich 4 Schock, sein Kaplan 30 Groschen, der Diener 6 Groschen, die Seinen 2 Schock 58 Groschen. Der neue Hauptmann von Lynenaw kam am 30. November an. Die Kirche erhielt von des Ratsherren Quentin Seelgeräte, der in diesem Jahre starb, einen Rock von Barchent, am Werte 24 Groschen. Das Spielen ward hart bestraft und gingen in diesem Jahre 13 Schock 13 Groschen Strafgelder ein. Wie besucht aber der Jahrmarkt Petri Pauli war, sieht man an dem für den einzelnen gering und nach Pfennigen angesetzten Standgelde, welches dennoch 6 Schock betrug. Man vollendete in diesem Jahre eine neue Brücke und verwendete viel auf den Straßenbau.

1401
Der Markgraf erhielt in der Osterwoche 100 Schock Bete. Der Adel hätte auch in diesem Jahre ein Stechen in der Stadt. Es war ein nasser rauer Frühling und Sommer, der Roggen litt durch die Nässe und Maifröste, das Sommergetreide gab zwar langes, aber leeres Stroh, daher das Getreide zu einem hohen Preise stieg. Diese Teuerung veranlaßte eine Kreuz- oder Betfahrt nach Welmen, welche der Erzbischof anbefahl. Die Herren des Rates, Bürger und Schüler zogen dahin mit Kreuzen und zwei Kerzen, deren Fertigung 37 Groschen kostete. Der Markgraf zog in einer Heerfahrt gegen den Kaiser Wenzel nach Böhmen, an der auch hiesige Bürger teilnahmen, verursachte der Stadt an Waffen, Rüstung des Heerwagens und sonst einen Aufwand von 150 Schock 27 Groschen. Auch ward mit Hinsicht auf diesen Krieg beschlossen, die Vorstadt durch einen Graben zu sichern, und in diesem Jahre 69 Schock 53 ½ Groschen darauf verwendet. Der Grabenmeister hieß Rumpold.
Der Bürgermeister Conrad von Grebene gab 10 Schock zu der Frühmesse­ Stiftung.
Das neue Rathaus ward gebaut und darauf in diesem Jahre 37 Schock verwendet.

1402
Der Bau des neuen Grabens um die Vorstadt ward fortgesetzt, kostete 14 Schock, auch setzte man vor die Tore neue Schläge. Der Markgraf Wilhelm erhielt von der Stadt zur Vermählung 20 Schock und einen silbernen, hier verfertigten Becher, 20 Schock 12 Groschen am Werte zum Geschenke. Man dachte auch auf den Neubau der Stadtkirche und richtete die Marienkirche ein auf diesen Fall. Das Marienbild, welches vor dem Frauen­kirchhofe in einem Gehäuse stand, ward mit dem Gehäuse und Stocke erneuert, St. Peters-Bild dahingebracht, die Altartafel im Innern verschönert, ein neuer Taufstein mit Kessel und Deckel angeschafft, auch zu einer neuen Monstranz gebeten, wozu man 1 ½ Schock erhielt. In Heerfahrten nach Dohna und Aussig zogen von hier 6 Bürger und verursach­ten einen Aufwand von 22 Schocken. Der Rat kaufte von Heinrich und Hans von Ende den Sadelhof Bennendorf mit 16 halben Hufen, 10 Höfen, Zinsen und Wiesen und den Zehnten auf allen Hufen daselbst für 60 Schock guter Groschen, Freibergischer Münze am 17. September. Die Schuhmacher und Gerber erregten einen Aufstand und wurden mit einer Strafe von 6 Schocken belegt. Bei Lorenz Altbusser und Hans Günther kam Feueraus, ohne Schaden. Aber am 2. November brannte es im Schloß und dasiger Kapelle, welches durch die Tätigkeit der Ratsdiener Huth und Matthaeus gelöscht wurde, die deshalb vom Rate ein Geschenk von 11 Groschen erhielten. Man nahm einen des Anlegens verdächtigen Umschweifer fest, konnte aber nichts aus ihm bringen. Die Werlitzin wurde mit dem Strange hingerichtet. Auch zogen die Bürger auf das Geheiß des Hauptmannes nach Landsberg.

1403
Der neue Graben wurde weitergeführt, auch baute man an der Schule und an einem Turne der Vorstadt. Der Bürgermeister und 15 Bürger ritten am 15. März zu dem Markgrafen nach Grimma. Am 24. April kam der neue Hauptmann, Albert de Geusen, an. Mit diesem waren die Bürger in einem Halte bei Landsberg, dessen Veranlassung nicht angegeben wird. Der Markgraf war am 3. Oktober mit seinem Hofstaat hier und ging am 1. November durch nach Nordhausen. Die Kirchrechnung ward in Gegenwart des Pfarrers Conrad de Wolfhain und Kaplans Johann de Dessaw abgenommen. Man bat um Unterstützung zu dem Neubau der Kirche und kam in diesem Jahre zum Chore und der Kreuzkapelle 30 Schock 45 Groschen ein. Zu der Gerbekammer aber (dem Gewölbe über der Sakristei) gab der Diakon Nicolaus de Dubin 1 Schock.

1404
Der Grabenbau um die Vorstadt kostete 80 Schock. Ein Rechtshandel mit Heinrich Spiegel, der vor das geistliche Gericht gezogen wurde, verursachte eine Exkommunikation, und diese mehrere kostspielige Reisen. Als Notar diente der Stadt der Pfarrer in Sausedlitz, Porphyrius Hellekrug und ward dessen Appellationsschreiben in Aken zugestellt. Am 11. Juni ward die Wirtin des Frauenhauses, Ossemunde, mit dem Strange hingerichtet und wird bemerkt, daß deswegen 14 Tage lang aus dem Frauenhau­se nichts eingekommen sei. Der Rat kaufte von den Brüdern Friedrich, Reinhard und Balthasar von Maschwitz das wüste Dorf Gerltitz mit dem Kirchlehn (die Kirche stand noch) für 200 Schocke guter Freibergischer Groschen. Im Herbste und angehenden Winter starben viele an der Pest. Im November baute man die Hospitalbrücke, zu welchem Baue der Markgraf Holz von Reibitz schenkte. Auch ward das Hospital umzäunt, mit einem Hag oder Gehege umgeben und ein Wächter auf dem neuen Hallischen Turme auf einige Zeit angestellt, der Damm gebessert und eine neue Büchse angeschafft, wozu wahrscheinlich die Unruhen in Magdeburg Anlaß gaben. Der Kaplan und Prediger an der Frauenkirche, Nicolaus de Dybin, welcher in diesem Jahre starb, vermachte der Stadtkirche seine Bücher und legte dadurch den Grund zu der Kirchenbibliothek. Auch begann in diesem Jahr der Neubau der Stadtkirche. Man erhielt die Erlaubnis des Erzbischofes, den Chor zu brechen, und dessen Gunstbrief zum Bau. Der Maurer Martin besah sich zweimal den Chor, wahrscheinlich (den) der Dominikaner in Leipzig und baute danach. Der Chor, die Sakristei mit Gerbekammer (das Gewölbe über der Sakristei) ward gegründet und kostete das Gebäu bis dahin 312 Schock 10 Groschen 2 Pf. Der Maurer erhielt für Abbrechung des Eisentores 3 1/2 Schock, für Legung des Füllmundes zu dem neuen 14 Schocke, am Wochenlohn 26 Groschen und 30 - 50 Groschen seine Hilfsknechte. Die Bruchsteine nahm man von Landsberg, die Mauersteine brannte die Kirche auf ihre Kosten in des Rates Ziegelscheune und nahm das Holz teils von den Paken (Spröde), teils von dem Frauenkirchhofe und aus dem Hain.

1405
Die Bürger waren bewaffnet bei Landsberg, in Halle und die Türme der Stadt und Vorstadt mit 5 Wächtern besetzt. Man kaufte Armbrüste und Pfeile und der Bürgermeister erhielt 5 Schock an Lohn. Dem Markgrafen brachte man 100 Schock Böhmischer Groschen Bete und setzte man diese 253 Schock 20 Groschen Meißnischen gleich. Der Böhmische Groschen hielt also 2 8/15 Groschen Meißnisch. Das neue Rathaus wurde mit Schindeln gedeckt. Zu dem Steinwege der Stadt ließ man Steine graben in Brinnis und Benndorf. Am 19. November brachte der Bürgermeister die neue Willkür der Stadt aus Leipzig. Es starben auch in diesem Jahre mehrere an der Pest, die Einnahme vom Frauenhause blieb daher zurück, betrug nur 4 Groschen. Zwei, wahrscheinlich Meineidige, wurden mit Abhauung der Hand bestraft.

1406
Die Stadt kam abermals in den geistlichen Bann, welcher mehrere Reisen zu den Markgrafen veranlaßte. Der Erzbischof Günther zu Magdeburg und die Grafen von Anhalt gerieten in offene Fehde und beide Teile streiften in hiesiger Gegend. Daher wurde das Land gewarnt in der Fasten, und setzte man zur Sicherung der Stadt alles in den Stand, Graben, Dämme, Brücken, eine neue Zugbrücke bei dem Hallischen Turm. Die Schützen, welchen der Rat ein Mahl gab, begleiteten die Räte des Markgrafen auf den Petersberg, der Hauptmann mit den Schützen die Polen nach Halle. Sechs Schützen zogen in die Hut nach Landsberg, Zörbig und zwei Reitende gingen nach Salzfurt, als denen von Erfurt Schweine geraulit wurden, der Rat besichtigte mit dem Hauptmann die Landwehr, die Vasallen kamen in Düben zusammen und war es so unsicher, daß der anzufahrende Kalk von Bewaffneten begleitet werden mußte. Am 11. Oktober geschah ein Einfall nach Zörbig und wurde Rind- und Schafvieh geraubt, daher lag der Hauptmann mit den Schützen vier Wochen in Zörbig. Der Graf von Anhalt war in der Fasten hier, der Markgraf Jubilate und im Juni mit ganzem Hofstaate. Die Bedienten erhielten Geschenke und an Betten, die für sie ausgebracht werden mußten, ging manches verloren. Der Rat kaufte von Osse von Sliwin eine Wiese am heiligen Brunnen und der Sakristei) ward gegründet und derViehweide (Schießplatz) für 60 Schock Groschen und von Johann Keller einen Garten (wird auch Wiese genannt) für 26 Schocke. Es war ein Städtetag in Torgau, Otto Kalb und Friedrich Braucher, Mitglieder des Rates, gingen dahin: zu tun die Gelübde meines Herrn Städten von Sachsen - Worte des Stadtschreibers. Die Fleischer erhielten ihren Innungsbrief.  Die Pest wird noch erwähnt.

1407
Der Markgraf Wilhelm schenkte der Stadt Holz zur Befestigung, es ward eine neue Büchse in Grimma gekauft und am 10. Februar bis in den August lagen die Schützen mit allem Geschütz im Hain (Gräfenhainichen), wo Wagen geraubt worden waren. Am 6. Dezemberverfolgten die Schützen die Pferderäuber bis Dessau. Es ward viel an den Mauern und Befestigungen gebaut, der Aufwand an Kalk allein betrug 52 Schock, der Zimmermeister erhielt 27 Schock und der Maurer mit Handarbeitern 40. M. Peter de Oschatz ward Rektor und Stadtschreiber. Der Rat war am 10. Februar in Grimma und an diesem Tage starb der Markgraf Wilhelm. Der Rat, welcher bisher die Gerichte gepachtet hatte, suchte sie bei den neuen Fürsten Friedrich und Wilhelm käuflich und reiste deswegen nach Leipzig. Die Zimmerleute erhielten eine Tonne Bier, als sie die Gefängnisstöcke arbeiteten. Die Bürger der Neustadt hatten einen Rechtsstreit mit Lelitz, der viel Reisen und Geld kostete und 1412 entschieden ward. Ende Oktober waren zwei aus dem Rate in Meißen bei den Räten der Markgrafen wegen der Einkünfte der Stadt. Der alte Schu1meister - Rektor und Stadtschreiber Henricus Byseme und Margarethe sein eheliches Weib - borgten von der Stadt 10 Mark feines Silber Magdeburgischen Gewichts zu einer Mark jährlicher Verzinsung. Am 11. Dezember waren die Schützen in Dessau, als sie die verfolgten, welche dem Otto Kalb und Oswald (Büchsenmeister) die Pferde geraubt hatten.

1408
Ein harter Winter 1407/08 mit Verlust an der Winterfrucht. Hauptmann war Tile Schenk. Ein Riprecht (in Alsleben) schickte der Stadt einen Entsagebrief, mit dem der Stadtdiener zu Heinrich von Bünau ritt, ein anderer nach Leipzig in Landwar­nung, als das Vieh bei Hainichen (Gräfenhainichen) genommen ward. Die Schützen hielten mit dem Hauptmanne bei Sausedlitz, mit Otto von Crostewitz auf der Saale, in der Kreuzwoche zu Schafstädt, mehrere Tage zu Landsberg, Gollm, Zörbig, um Michaelis 23 Wochen in Trebin im Walde, auch machten die Bürger einen Ritt in den Harz, als man bei Frickleben Vieh geraubt hatte. Bewehrt waren sie mit Tartschen, Setztartschen, Handbüchsen und Armbrüsten. erweckte Gegenliebe und es kam zu völliger Aussöhnung, zu unaussprechlicher Freude des in jeder Beziehung aufs Äußerste gebrachten Volkes. Auch hiesige Stadt, wiewohl sie von feindlichen Anfällen verschont blieb, hatte ungemein Verluste durch Rüstung, Sicherungsanstalten, Heerfahrten, Notsteuern und Vorschüsse an den Fürsten. Die Einrichtung des Geschützes allein kostete gegen 60 Schock.

Im Septemberund Anfang Oktober, wo die haufenweise das Land durchziehen­den Böhmen die Umgegend bedrohten, und die Stadt von Leipzig aus Warnung erhielt, suchte man Rettung bei dem Kurfürsten in Meißen, Hilfe durch Mannschaft, weil ein großer Teil der Bürger abwesend im Heere war, in gleicher Absicht ging man nach Halle (wegen der Mordbrenner), wiewohl vergebens, doch fand man einige Unterstützung durch die Landbewohner und Bürger der kleineren offenen Städte, die sich mit ihrer besten Habe hierher flüchteten und an der Befestigung gegen Kost arbeiteten. Ein Baumeister aus Altenburg leitete den Bau und Maurer aus Leipzig förderten ihn. Man erhöhte die Mauern, den Damm am Hallischen Tore, versah den Schützengraben mit einem neuen festen Tore, bohlte den Graben um die Vorstadt aus und glättete ihn. Von Zwickau holte man Waffen und Pfeile und drei Tarrasbüchsen (Schirmbüchsen, Wallgeschütz) wurden in Leipzig gekauft. Den Zwinger richtete man nach dem Wittenberger ein, den man besichtigen ließ. Auf den Türmen und der Kirche, auch außerhalb der Stadt hielt man starke Wachen (wegen der Feuerschösse) und diese brachten zwei gefangene Thüringer ein. In die Heerfahrt zogen siebzig Trabanten am 15. Juni nach Thüringen, dreiund­dreißig am 29. desselben Monats nach Belzig mit einem Aufwande von 80 Schocke. Der Zug dieser Trabanten mit dem Kurfürsten von Wittenberg nach Leipzig und von da nach Thüringen kostete der Stadt 155 Schock, der von vierunddreißig Trabanten in der Mitte des Juli auf Gera 15'/2 Schock, und weit mehr noch die Heerfahrten am 16. Oktober nach Rochlitz und am 22. desselben Monats nach Pegau. Übrigens gab es auch mit dem Hauptmann Folgen nach Zörbig, und man brachte daher am 28. Oktober eine Notsteuer und Notgeschoß von 274 Schocken 16 Groschen aus. Dem Kurfürsten mußte man 1000 Gulden ausrichten und diese nach Anweisung der Kurfürstin und kurfürstlichen Räten in Altenburg abliefern. Sie wurden mit Mühe erborgt und wies zwar der Kurfürst am 23. Juni der Stadt 15 Schock von Zörbig, 11 Schock von Bitterfeld und 2 Schock von Brehna zur Verzinsung an, sie gingen aber, ungeachtet sich der Bürgermeister Erasmus von Zörbig und Conrad von Bitterfeld verbindlich erklärten, nicht richtig ein und Delitzsch trug die Last, für die es allein verbindlich war. Zörbig zahlte richtig, Brehna aber blieb aus und für Bitterfeld trat später Dommitzsch ein. Auch mußte der Rat für 3000 Gulden, welche der Kurfürst vom Bischof Johannes in Merseburg borgte, Bürgschaft leisten und die Schuldurkunde besiegeln.

Am 4. Mai war der Kurfürst mit seinem Hofstaate und im Juni der Bischof von Merseburg in hiesiger Stadt, auch erhielt Crunz von Kaufungen am 4. Oktober den Ehrenwein. Nicolaus Rochlitz, alter Prediger der Stadt, gab dem Rate 100 Schock alter Groschen, und dieser bestimmte sie nach dessen Willen der Lesemesse, und gab jährlich 7 Schock alter Groschen Zinsen dahin. Rochlitz starb in diesem Jahre. Die Reichen, welche an den Heereszügen nicht teilhehmen konnten, und die. die nicht 12 Wochen außen waren, mußten Geld geben, womit man die Vorstädter und armen Handwerksleute, die ihre Zeit aushielten, unterstützte. Der Rat hatte mehrere Reisen nach Leipzig zu dem Markgrafen wegen heimlicher Geschäfte. Der Bergfried in der Neustadt wurde neu gebaut. Eine Straße durch die Wegemeister gepflastert, denen der Rat ein Schock zu Hilfe gab. Am 10. Dezember ritten die Schützen, 18 Pferde stark, mit dem Hauptmann nach Landsberg.

1409
Der Rat suchte wieder um käufliche Überlassung der Gerichte bei dem Markgrafen nach. Am 11. März kaufte der Rat von den Brüdern Hans und Erhard von Gluch eine Hofstätte bei der neuen Badestube für 16 Schock neuer schildigter Groschen und den 6. Dezember 2 Hufen Lehngut vor dem Hallischen Tor und die Zinsen von den Kohlgärten von Hans Trossin für 29 Schock guter Freibergischer Groschen. In der ersten Hälfte des Jahres war Heinrich von Bünau, in der zweiten Nicolaus Draschwitz Hauptmann. Man rüstete sich stark zu einer Heerfahrt, baute viel an den Befestigungen und Gräben, wendete auf Brücken und Mauern 36 Schock, kaufte 3 neue Büchsen für 9 Schock und gab für Brot, Bier, Speck, Fleisch, Butter, Käse, Salz und sonstigen Vorrat gegen 10 Schock. Am 20. Mai lagen die Schützen in Trebin und am 3. November hielten die Bürger in Landsberg, wo aus den Dörfern Vieh geraubt worden war. Am 2. Mai ward Jacob, der Gürtler, mit dem Schwerte hingerichtet. Nicolaus Grimmer neuer Stadtschreiber. Der alte Hoppe gab zu dem steinernen Bilde der Kirche 1 Schock 5 Groschen, zum Bau der Kirche aber 2 Mark ½ Lot Silber, machte an Geld 4 Schock und galt die Mark 2 Schocke weniger 1 ½ Groschen. Die neu errichtete Universität Leipzig bezogen von hier: Tilemann, Johann, Paulus, Conradus. Vom Zoll kam ein 109 Schock 7 Groschen. 30 Rheinische Gülden oder 10 Schock gab der Rat Herrn Nicolaus Pfluge für die Lehn von des alten Meisters Wiese, die zu Erhaltung der Frühmesse bestimmt war.

1410
Am 4. Januar ließ Hans Trossin die Lehen und Hufen und 1 Schock 36 Groschen Zinsen, vor Delitzsch gelegen, aus und bat den Lehnherrm, Herrn Hans von Torgow zcu der Czosse, daß er die Bürger von Delitzsch damit beleihen möchte. Am 23. Januar ein heftiger Sturm, der an Häusern und in den Wäldern großen Schaden tat. In der Fastnachtswoche gab man dem Hauptmanne und seinem Sohn, dem Schloßkaplan und anderen ehrbaren Leuten eine Verehrung an Wein. Der Bürgermeister Claus von Aken starb am B. August und trat Bothmann an seine Stelle. Der Tod ward dem Markgrafen in Leipzig durch zwei Ratsmitglieder gemeldet. Die Mauer in der Nähe des Breiten und Hallischen Tores ward neu aufgeführt durch den Maurer Martin, das neue Torhaus gedeckt, die Neustadt umzäunt, das Bergfried auf dem Frauenkirchhofe und das Haus dabei gebaut, auch der Schützen Pforte hergestellt. Martin, der Bader, gab 45 Groschen Zins von der Badstube an die Kirche. Die Sandsteine zum Kirchenbaue kamen von Weißenfels, Meister Hans (ein Maler), Bildhauer in Leipzig, fertigte die Tabernakel und Bilder an den äußeren Pfeilern des Chores und den Ölberg. Der Ölberg ward am 4. Mai hierher gebracht und aufgesetzt. Der Künstler erhielt für die Bilder des Ölberges 7 Schock, 18 Groschen Zehrung bei Aufstellung und 36 Groschen Fuhrlohn. Das Meßbuch zu Gerltitz (Gerlitz) wurde gebunden und finden sich 13 Groschen, der Kirche St. Nicolai zu Gerltitz gehörig in hiesiger Kirchrechnung, weil das Vermögen der Stadtkirche, der Frauenkirche und dieser in einer Rechnung begriffen war.

1411
Die Müh1e der Stadt, welche innerhalb der Stadt an der Pforte stand, war mit Bewilligung der Fürsten nach des Rates Anweisung außerhalb und da angelegt, wo sie sich noch befindet. Der Müller Hans (Hans Molner) erhielt für Abbrechung der alten und Anlegung der neuen 3 Schock Beisteuer vom Rate und Hilfe mit 15 Wagen, er hielt sich aber mit dem Raume der neuen Hofstätte verkürzt, daher er sich an den Markgrafen wendete und sich das Fleckchen erbat, welches jetzt das Gärtchen bildet. Die Witwe des Trossin verklagte den Rat bei dem geistlichen Gericht, wahrscheinlich weil dieser vom Kaufgelde der jüngst von Trossin erhaltenen Besitzungen wegen zögernder Belebung inne behielt. Der Pfarrer in Lindenhayn und Magister Heinerich Czerstede in Magdeburg arbeitete in dieser Sache für den Rat, die jedoch an das weltliche Gericht kam und durch Schiedsmänner, den Schenken von Tutenberg, Diecze Krakow, Dietrich von Freiberg, Erich Kessel, Conrad Czas usw., beigelegt wurde. Durch Anlegung des Grabens um die Vorstadt, welchem der Rat Anfang des Jahres noch in Stück Garten bei der Hausmühle von Tile von Selben für 3 Schock kaufe, mußte das Galgtor eingerückt und der in dessen Nähe zu der Kirche führende Weg verlegt werden. Der Rat baute daher ein neues Torhaus und kaufte zu Anlegung eines neuen Weges (des jetzigen) den Hof Wissigs für 4 ½ Schock, auf welchem 7 ½ Groschen für den Pfarrer haftete, welche Abgabe er übernahm und bis heute an die Kirche, wohin man sie bei der Reformation wies, unter dem Titel den Weg zu Unserer lieben Frauen zahlt. Auch wurde der Graben nach innen, so weit er fertig war, umzäunt oder mit einem Heck versehen. Hauptmann war Conrad Lymare und hielt man am 29. Juni zu Landsberg.

1412
Der neue Hauptmann Hermann Egeler kam von Wischwitz und ward dessen Gerät mit dem Stadtwagen abgeholt. Man verehrte ihm bei seiner Ankunft Alantwein und einen Lachs. Neben ihm wird auch der Vogt und außer dem gewöhnlichen Geleitsmann noch ein zweiter genannt. Czaslow von Schoenfeld auf Löbnitz hielt Hochzeit in der Stadt und ward ihm vom Rate Wein verehrt. Er ward aber auch vom Grafen Bernhard zu Anhalt angegriffen und folgten deshalb die Bürger nach Köthen. Auch lagen 3 Schützen 14 Tage in Düben und als in einer Nacht Lärm ward, lief alles nach dem Furt in Schenkenberg. Es war eine Bete von 250 Schocken ausgebracht und 8 Schock davon dem Dietrich von Pake. der im Dienst ein Pferd verloren, angewiesen. Auch gab es einen Handel mit Spiegel, in welchem die Bürger zeugen mußten und war deshalb hier der Hauptmann zu Torgau, der Stadtschreiber zu Leipzig, der Bürgermeister mit Ratsherren von Bitterfeld und der Probst zu Brehna.

1413
Man folgte dem neuen Hauptmann Hans von Sparrenberg und Vogte nach Zschernitz, Zörbig, Landsberg und verfolgte die, die Fynis und andere beraubt hatten. Ein heißer Sommer und am 22. Juli starkes Schloßenwetter. Die Erker des Breiten Turmes wurden neu gemauert und mit Schiefer gedeckt mit einem Aufwande von 22 Schocken 29 Groschen durch den Maurer Martin und Schieferdecker Lorenz. Auch baute man eine neue Brücke. Ein begangener Mord veranlaßte, daß der Bürgermeister mit anderen nach Zörbig zum Hauptmann ritt. Sonnabends nach Weihnachten ward Hans Schildknecht mit dem Strange hingerichtete, auch brach nach Weihnachten bei großen Wasser der Damm bei der alten Mühle. Die Jahrrente - eine neue Steuer außer der alten Bete - ward eingeführt (für den Markgrafen Friedrich) und betrug 36 Schock.

1414
In der zweiten Fastenwoche untersuchte man die Bierkeller und ward beschlossen, daß mit dem Palmentage das Brauen aufhören sollte. Man fand 900 Faß Bier vorrätig und viel Kofent. Die Jahrrente stieg bis 40 Schock, wobei es blieb und ward in zwei Terminen, Walpurgis und Michaelis, abgeführt. Die Schützen und Bürger wurden zu wiederholten Malen in Tätigkeit gesetzt. Man ritt nach Roßlau, der Ratsherr Nicolaus Blude mit 19 Pferden nach Hainichen (Gräfenhainichen), derselbe mit 19 Pferden am 1. Mai nach Landsberg; einige mit dem Vogt nach Köthen und Dessau, der Ratsherr Claus Eldiste mit 3 Schützen, als Hermann Egeler Zoerbig einnahm. Auch hatte man einen Ritt nach Schnettlingen, der einen Aufwand von 6'/z Schock verursachte und lag vor Pirne in der Heerfahrt. Ihrer sieben nach Zaasch. Vor und um Martine mit 12 Pferden zu Zaasch, Zörbig, Poplitz, als das Land gewarnt ward. In Zörbig sammelte man im Juni 30 Groschen 9 Pfenning für den Bau hiesiger Kirche. Man traf Anstalt zum Bau des Kirchhauses und verdingte die neue Orgel an den Orgelbaumeister Schabinkese, dem der Rat eine Verehrung gab. In der Frauenkirche hängte man die Glocken um.

1415
Der Rat kaufte am 12. Marz 21 Acker Holz in der Smorode (Spröde) von Dietrich, Johann und Heinrich Gebrüder Pak für 200 Rheinische Gülden und ward die Stadt am B. April vom Markgrafen Friedrich beliehen. Nicolaus Ohm ward Stadtschreiber. Der Markgraf war in den Pfingstfeiern mit dem Hofstaate hier und ward nach Pfingsten von Gewappneten und Schützen nach Dommitzsch geleitet. Die 40 Schock Jahrrente schildigter Groschen wies der Fürst bis auf 12 Schock an den Hauptmann Hermann Egeler. Die Orgel vollendete der Meister Schabinkese und der Bischof weihte sie. Wegen der Kapelle in Rabach, deren Altarist in der Stadt lebte, verhandelte man mit Heinrich Spiegel vor dem geistlichen Gericht in Halle und betrieb es der alte Stadtschreiber Magister Heinrich Bysem. Man beabsichtigte wohl eine Auf­nahme dieser Kapelle in die neue Stadtkirche, welcher aber erst später gelang. Man baute ein neues Torhaus am Hallischen Tore mit Schieferdach und blechernen Knöpfen. Der Markgraf schenkte zu diesem Baue und verschiede­nen anderen 20 Baustämme. Die Stadt verbürgte sich für 600 Gülden, die der Markgraf geliehen hatte. Am 18. September hielten 11 Bürger mit dem Vogte am Petersberge - Heerfahrt gegen Herzog Erich - und im November hielt der Ratsherr Andreas Vater mit mehreren bewaffneten Bürgern und dem Vogte bei Landsberg. Der Pfarrer Druskow und Quentin verloren ihre Pferde und verfolgte man die Feinde - der Vogt nach Bernburg. Auf Anweisung des Markgrafen Friedrich lieh die Stadt dem Grafen Woldemar von Anhalt (Oheim des Fürsten) 300 Gülden oder 100 Schock. Der Rat kaufte von Michael Glocke ein Stück Land zu einem Wege des Müllers (Hausmüllers) in seinen Garten und auf das Feld, weil der alte zu dem Graben um die Vorstadt kam.

1416
Am 20. Januar waren auf Gesuch des Rates die Loberherren (Gerichtsherren am Loberbach) hier versammelt. 1415/16 ein harter Winter mit großem Gewässer. Der Rat kaufte vom Schneider Czortow ein Stück Land bei der Windmühle für den Lehmbedarf der Ziegelei. Am 15. Juli war Andreas Vater mit 4 Bürgern und dem Vogte in Kalbe, als man die Straßenräuber förderte (hinrichtete) und am 16. August daselbst bei einer anderen Hinrichtung. Am 4. Dezember verfolgten 15 hiesige Schützen die Feinde, die vor Leipzig gewesen waren. Es war die Fehde Grafen Bernhards zu Anhalt Bernburg und Grafen Bernhard zu Regenstein (Reinstein) mit dem Bischofe zu Merseburge in diesem und künftigen Jahren. Der Zimmermeister Lorenz machte das Gestelle zu dem Bogen der Kirche, Martin, der Maurer, erhielt 21 Schock 58 Groschen Maurerlohn vom Kirchenbau und Dictus (Benedict), der Steinsetzer, war beschäftigt mit der Kirche Flur. 2 Tagelöhner glichen die Gräber auf dem Gottesacker der Frauenkirche für 4 ½ Groschen Lohn.

1417
Am 3. Januar war der Rat bei dem Markgrafen in Grimma, auch am 1. November in Leipzig wegen Bezahlung der Bierlieferung nach Zörbig. Es mußte nämlich auf Befehl des Markgrafen wegen der Anhaltischen Fehde gegen das Stift Merseburg für 72 Schock 36 Groschen hiesiges Bier nach Zörbig geliefert werden. Diese Fehde des Grafen Bernhard zu Anhalt und Grafen Regenstein gegen Merseburg, dessen sich der Markgraf in Abwesenheit des Bischofs als Schirm­vogt annahm, verursachte hier vielen Aufwand. 100 Schock Groschen mußten dem Markgrafen als Darlehn ausgebracht und alle Bedürfnis der Mannschaft von hier nach Zörbig geschafft werden. Es waren viele Hauptleute hier, der hiesige Vogt Bode Kather, Egeler, Erich Haselbach. Die Schützen hielten in Zörbig vor Rosenburg, im Spiesholze, in Landsberg, bei Paupitzsch ... und 31 berittene Bürger waren dabei, als man am 21. Oktober den Feind vor Könnern warf, den Grafen Regenstein gefangen nahm und mehrere Waffen und Pferde erbeutete. Der Rat kaufte Lorenz Schwertfegers und Martin Keferles Haus. Hans von Pak der Altere verkaufte Hans von Pak dem Jüngeren die Güter im Dorfe Elberitz für 200 Schock schildigter Groschen am 12. März. Hans von Pak gab diese Güter seiner Ehefrau zum Leibgedinge, und sie ward mit dem Vorwerke Elberitz, als Leibgedinges Recht ist, beliehen.

1418
Am 19. Mai waren Ratsmitglieder in Leipzig der Heerfahrt wegen. Eine starke Folge nach Zörbig, Köthen, als man Vieh geraubt hatte, mit 11 Wagen Schützen. Auch hielt man stark bei Roitzsch, Golm, Landsberg und Zörbig. Diese Folge kostete 40 Schock und über 50 Schock das Bier, welches auf Verordnung des Landgrafen wieder nach Zörbig gebracht werden mußte. Busse von Querfurt ward hier Hauptmann und dessen Gerät auf Kosten der Kommun von Querfurt über Halle hierher gebracht. 4 Bewaffnete gingen am 1. September nach Mönchennienburg. Das Gewölbe über der Sakristei der Stadtkirche ward fertig und vorläufig mit Schindeln gedeckt.

1419
Am 11. Juni war der Markgraf hier und schloß mit dem Erzbischof Günther zu Magdeburg einen Vertrag, daß sie einander nicht befehden wollten, Differen­zen sollten durch Schiedsrichter abgetan werden, keiner des anderen Feinde hausen  Aufruhr der.Hussiten in Prag nach Wenceslaus Tod den 16. August. Auf Verordnung des Markgrafen mußte auch in diesem Jahre für 131 Schock 35 Groschen Bier nach Zörbig geschafft werden. Der Rat kaufte Gruwels Haus zu einer Torwärterwohnung. Weckerle und Kühragel wurden mit dem Strange hingerichtet. Man lagerte in Landsberg, Zörbig, Kyhna, Güsten am Petersberge, in Spoeren, Gollm, nach dem Brande, nach dem Raub bei Düben, in Lissa, Burgstaetel. Auch führte Silbertasche die Schützen nach Eilenburg, wo sich die Mannschaf­ten verschiedener Städte sammelten. Die Badestube der Kirche ward neu gebaut für 30 Schock 20 Groschen 9 Pfennig. Der Bader Lorenz, welcher sie inne hatte, gab Michaelis 1 Schock an die Kirche und Prus, der den Bader schlug, 1 Pfund Wachs Strafe an die Kirche.

1420
Am 30. Januar kaufte der Rat von Hans Pak auf Elberitz 3/4 Landes weniger 4 Ruten bei der Ziegelscheune und auch ein Ende des Landes gegen die Gemeine bei der Windmühle. Er kaufte auch das Haus des Zolleinnehmers Nic. Apitz für 16 Schock 40 Groschen - Holz zum neuen Gebäude - zu den Fischbänken, Fleischbuden - auch ward der Markt mit einem Aufwande von 14 Schock neu gepflastert. Es war ein warmer Winter. Im April blühten die Rosen, Kirschen und Erdbeeren reiften im Mai; reife Weinbeeren brachte der Juni, die aber ein Reif im Juli verdarben. Mehrere Folgen mit Aufwand, unter anderen nach Sausedlitz, wo man geraubt hatte. In der zweiten Hälfte des Jahres war Hans Heuwer Vogt. 47 Faß Bier für 53 Schock 27 Groschen mußten auch in diesem Jahre nach Zörbig geschafft werden.

1421
Es geschahen immernoch Einfälle von Anhalt aus. Am 13. Mai fing man 11 Räuber, die man nach Snawtitz brachte, der Markgraf war damals in Leisnig und am 21. Mai war man der Gefangenen wegen bei ihm in Leipzig - den 26. Mai in Torgau wegen der Heerfahrt gegen die Hussiten und am 1. September in Freiberg, um zwei Heerwagen abzuwenden. Am 18. Juni raubte man Vieh in Löbnitz und man verfolgte die Räuber bis Jeßnitz. Großer Aufwand für den Heereszug gegen die Hussiten. Am 15. Mai zogen 10 Schützen von hier nach Brüx, vier Heerfahrten dahin kosteten 34 Schock nur an Viktualien - eine gegen Prag 8 Schock,an Wagen, Wagenführern, reitenden Schützen 37 1/2 Schock - Aufwand der Schützen zu Fuß in Brüx 16 ½ Schock - an verlorenen Waffen 6 Schock. Viel Getreide mußte nach Leipzig geschafft werden-dahin auch die Bete an 100 Schock schildigter Groschen, von der jedoch der Markgraf unterm 6. Oktober 30 Schock an Nicolaus von Ertmannsdorf, wegen des Verlustes an Pferden, den er in Prag und in anderen Diensten erlitten hatte, überwies. Am 5. August wurden die Hussiten bei Brüx vom Markgrafen und Herzoge Wilhelm von Braunschweig gänzlich geschlagen und hätte man sie unterdrücken können, wenn es nicht Ehrsucht und Geiz, hauptsächlich der geistlichen Fürsten und die Untätigkeit des Kaisers, der die Fortschritte der Meißner und Thüringer ungern sah und die Böhmen friedlich zu gewinnen glaubte, gehindert hätte. Die Schuhmacher, welche ihrem Innungsbriefe ohne Vorwissen des Rates neue Artikel zugesetzt hatten, bestrafte man mit 40 Groschen. Fortsetzung des Rathausbaues und Einrichtung der Bänke - der Galgen (wurde) hergestellt.

1422
Die diesjährige Bete betrug 150 Schock, von denen 30 an den von Erdmannsdorf, 120 aber an den Kammermeister und Amtmann in Grimma abgegeben wurden. Fortgesetzter Bau am Rathaus und Bänken, die man mit Schindeln deckte. Ausbesserung des Alten Rathauses am Markt und Umpflasterung eines Teiles des Marktes mit Aufwande von 7 ½ Schock. Das Torhaus am Breiten Tor ward abgebrochen. Von Nicolaus Rekewitz erhielt man ein Rechtsbuch für 1 Schock 20 Groschen. Der Rat gab ein Schützenessen - es kostete 43 Groschen 3 Pfennig. Eine Folge nach Zörbig, als Vieh geraubt wurde und eine Heerfahrt nach Karlstein mit einem Aufwande von 15 Schock.

1423
Strenger Winter mit Verlust an Wintergetreide und daher Teuerung. Am 16. Mai war der Markgraf hier und am 17. Mai kaufte der Rat von Hans Pak, Vogt zu Wurzen, und Hans Pak zu Elberitz, Vettern, Elberitz und Werben mit allem Zubehör in Feldern, Dörfern, Zinsen, die Fischerei über und unter Elberitz, besonders in dem Stadtgraben (Graben um die Vorstadt) mit Gerichte über Hals und Hand, auch den Teil der Spröde, den beide hatten. Der Kaufpreis war 277 Schock und bekam der ältere Hans Pak für seinen Teil 62, der jüngere 215 Schock. Der Rat verkaufte in diesem Jahr noch 9 Hufen für 88 Schock an Bürger und anderes Land ward ausgemessen und bepflanzt. Am 5. August eine Folge nach Bitterfeld und Zörbig, wo Pferde geraubt wurden. Außerdem starker Halt in Landsberg und eine Heerfahrt nach Böhmen. Am Jahrmarkt Petri Pauli ward eine Trinklaube vor dem Rathause errichtet. Den 4 .September war der Rat mit der Obergerichtsbarkeit, die er für 550 Rheinische Gülden an Golde oder 183 Schock 20 Groschen gekauft hatte, beliehen. Die Gerichtsbarkeit, soweit die Stadtgraben reichen und in der Weite, als sie die von dem Markgrafen zu Meißen vor Zeiten gemietet haben, oberste und niederste, über Hals und Hand, Vording und Gericht über alle Schuld, mit allen Bußen, Wetten, Genüssen, Zugehörungen, Zinsen, Renten ... auf Wiederkauf. Der Lehnbrief kostete 5 1/2 Schock. Am 18. August ward der Altar Katharina gestiftet. Der Rat borgte von den Priestern Peter, Pfarrer zu Wysk (Weißig), und Johann Dessow, Altarist des Kalandaltars, 220 Rheinische Gulden, die man zum Kaufe von Elberitz und Werben verwendete für 11 Gulden Zins jährlich zu Michaelis zahlbar. Zu dem Kaufe von Elberitz borgte der Rat auch noch vom Pfarrer in Koelsse, Nicolaus Czey, 100 Gulden. Man hielt einen Hundeschläger. Die Kreuzkapelle in diesem und folgenden Jahre beendet. Der Rat hatte, solange die Bierlieferung nach Zörbig gedauert, die Jahrrente in Rückstande gelassen, man berechnete sie in diesem Jahre und ward die rückständige Jahrrente in einem Fürstenbriefe erlassen.

1424
Am 5. Mai kaufte Hans Pak der Jüngere für 31 ½ Schock 9 Acker Holz in der Spröde. Am 2. Juni erhielten die Schneider ihre Innungs-Artikel. Am 25. Juni waren die Schützen zu einem Schützenfeste in Oschatz. Kurz vor der Ernte großes Wasser und Schäden am Getreide. Im Sommer Bau der neuen Schule. Elberitzer Kohlland ward zu halben und Viertels-Acker für 17 Schock an Bürger verkauft. Der Hauptmann Czaslow von Schoenfeld auf Löbnitz hielt in der Stadt Hochzeit und schenkte ihm der Rat ein Faß Wittenberger Bier, er aber dem Rate ein Reh. Folgen in Landsberg, Brehna und Vorbereitung zu zwei Heerfahrten nach Böhmen. Die Ratswahl wurde vom 1. November auf den 6. Januar gelegt, wo sie auch bis in die neuesten Zeiten geblieben ist. Der diesjährige Rat war daher 14 Monate im Amt. Hermknechts Weib und ein Bauer wurden mit dem Strange hingerichtet. Ein Antiphonarium kostete 2 Schock 50 Groschen. Die Kreuzkapelle (Kapelle der Stadtkirche) nach der Mädchenschule ward fertig gemauert, bedacht und mit einem Turme versehen. Der Schiefer zur Bedachung kam von Blankenburg. Der Maurer Martin und sein Sohn Johannes erhielten für die letzte Maurerarbeit 5 Schock, der Schieferdecker Zorbig mit den Zimmerleuten 9 Schock 13 Groschen 3 Pfennig. Den Turm baute man nach einem Leipziger Muster, daß man vom Zimmermann und Schieferdecker besichtigen ließ. Der Schieferdecker Hans Zcorbig erhielt für Schiefer und Arbeit an der Kreuzkapelle und Spitze (Turm) mit Kost und Trankgeld für ihn und seine Jungen 17 Schock 31 Groschen 4 Pfennig. Das Fuhrlohn für Beischaffung des Schiefers von Blankenburg 7 Schock 5 Groschen 4 Pfennig.

1425
Der Rat kaufte von Friedrich Trossin am 21. September Haus und Hof mit allem Zubehör, gelegen bei Unserer lieben Frauenkirche in der Vorstadt, und gab der Verkäufer dabei alle Ansprüche auf an den zwei Hufen Landes vor dem Hallischen Tore, auf dem Hofe des Stephan Krone und anderen dazugehörigen Gärten und Höfen, die Hans von Trossin, sein Vetter, früher an die Stadt verkauft hatten. Der Kaufwert für Haus und Hof 9 Schock alter Groschen. Am 16. Oktober borgte der Rat vom Kalande 100 Schock. Thomas Gruwel vermachte 2 Gülden der Kirche und aus dem Weingarten der Frauenkirche löste man 2 Schock 2 Groschen für Wein. Die neue Schule ward mit Fenstern, Türen und Treppen versehen. Ein Bildhauer in Leipzig fertigte das große Kreuz in der Kirche und besserte die Bilder der Maria und des Johannes für 2 Schock 22 Groschen. 12 Fuhren Schiefer, jede zu 18 Zentner, kosteten 22 Schock 52 Groschen.

1426
Außer der Jahrrente an 40 Schock wurden auch 160 Schock 40 Groschen Bete ausgebracht und erhielt von der Jahrrente auf Anweisung des Fürsten Erich Siedersdorf zu Brostendorf 8, Erich Schilling auf Löberitz 12 Schock. Johann Ortrand war Stadtschreiber. Am 26. Mai hatten die Schützen ein Schützenfest und gab der Rat zum Kleinode 1 Schock 38 Groschen, auch ein Schützenessen. Die Heerfahrt nach Böhmen kostete der Stadt gegen 150 Schock (außer dem Getreide, was nach Brüx geschafft werden mußte) und ging in dem unglückli­chen Treffen bei Aussig, den 15. Juni, an welchem auch die hiesigen Bürger und der Hauptmann mit 15 Pferden teilnahm, 48 Schock an Waffen und 42 Schock an Wagen und Pferden verloren. Am 2. Juli war die Herzogin (Kurfürstin) hier, man schenkte ihr für 11 Schock 3 Groschen 3 Pfennig Wällischen Wein, ihrem Hofmeister I Schock, daß er der Stadt Bestes bedächte - auch erhielt der Schreiber Nicolaus ein Ehrengeschenk. Von Anhalt aus war wieder ein Einfall und hatte man 4 Pferde geraubt, daher Schützen mit Prozce von Querfurt und Otto von Crostewitz, Hauptmann in Bitterfeld, nach Bernburg. Der Schloßgraben wurde geräumt,am alten Kaufhaus gebaut, die neue Schule gerichtet und die alte gebrochen. Die Untersuchung gegen einen Dieb, Peter, der sich wahrscheinlich an einen geweihten Ort gerettet oder Kirchgut angegriffen hatte, verursachte Reisen zu dem Herzog in Altenburg und Erzbischof zu Magdeburg, wohin der Verbrecher auch abgeführt ward. Man hatte einen Rechtsstreit mit Spigel über den Rubacher Weg, der durch Schiedsmänner abgetan ward.

1427
Eine abermalige Heerfahrt gegen Böhmen nach Brüx, die der Stadt mehr als 50 Schock an Apparat und weit mehr an Verlust kostete. Es mußte dem Herzog ein Verzeichnis der angemessenen waffenfähigen Bürgerin Meißen überliefert werden und die Bitte bei der Herzogin in Rochlitz am B. Mai um Minderung der verlangten Schützen hatte keine Wirkung. Der Herzog (Kurfürst) war schon im Juni in Böhmen und legte sich vor Mieg, als aber die übrigen Hilfsvölker entwichen, so mußte auch er abziehen. Der Verlußt bestand größtenteils in der Bagage, die in der Dachauer Waldung Brandenburg zu decken hatte. Während dieses Feldzuges fiel der Graf Georg von Anhalt den 5. August in das Land und nahm vor Wurzen Vieh. Er wurde daher von hiesigen und Bitterfelder Bürgern verfolgt und verursachten die Halten bei Brehna und auf dem Steinfurt einen Aufwand von 10 Schock. Die Stadtmauer wurde gebessert und die Hecken um die Vorstadt, das Kaufhaus erhielt neue Bänke - die neue Schule ausgebaut und vorläufig mit Schindeln gedeckt. Der Maurer Martin hieb Steine zu den Kirchenpfeilern und der Steinmetz Donat von Weißenfels Formen. Der Schreiber Heinrich aber schrieb für die Kirche ein neues Antiphonarium - das Pergament hierzu kostete 48 Groschen, das Schreiberlohn 41 Groschen und 1 Schock erhielt der Rektor der Schule für das Notieren. Dem Herzog (Kurfürst) schenkte man ein Buch, welches der Stadtschreiber Johann Ortrand geschrieben hatte - die Matthiae. Die Kirche verborgte 100 Rheinische Gulden an Nicolaus von Erdmannsdorf zu 10 Prozent, und schrieb das Dokument der Schreiber Johannes auf dem Schlosse für 14 Groschen. Dem neuen Hauptmann Hans von Hoym und seinem Bruder Friedrich von Hoym mit ihren Freunden gab man ein Essen. Bei Busse kam Feuer aus, gab 15 Groschen Strafe. Anton Trige ward mit dem Strange hingerichtet. Der Hundeschläger tötete 3 Hunde und vergrub sie. Im Herbst blühten Blumen und Bäume, der Winter ohne Frost. Pak in Döbemitz starb und erhielt die Kirche für das Läuten 1 Rheinischen Gulden.

1428
Am 2. Februar wurden die Schützen nach Freiberg und Brüx ausgerüstet, der Feldzug unterblieb aber. Man war bei der Herzogin (Kurfürstin) in Altenburg, um von der Zahl der geforderten Schützen etwas abzudingen. Auch war man in Leipzig (Rat und Stadtschreiber), wo Ritterschaft und Städte versammelt, um das Land mit Ratgeben zu bestellen. Man besah daselbst die Wagenburg. Auch mußte der Herzogin ein Verzeichnis der waffenfähigen Bürger nach Altenburg geliefert werden. Zu derselben Zeit eine Folge nach Bitterfeld, wo Eilenburg warnte wegen Mordbrennerei. Die Schützen zogen nach Schkeuditz, Merseburg, Brehna, Halle, wo Hans Braune ein Pferd verlor.  Am 10. Februar sammelte man des Papstes Geld - die 3 Räte gemeinschaftlich - und ward nach Leipzig gebracht. Der Rat kaufte Rubach von Hans, Otto und Heinrich Gevetter Spiegel, Dorf und Vorwerk, mit Ober- und Niedergericht, im Dorfe und Felde, Zinsen und allem Zubehör - unter anderem auch den Weberzins - mit Ausnahme des Kirchlehns, es wäre denn, daß die Kapelle verwandelt, aufgenommen und mit ihren Zinsen und Rechten in die Pfarrkirche zu Delitzsch verlegt würde. Auf diesen Fall sollte die Stätte, auf welcher die Kapelle steht, und der Pfarrhof mit seiner Hofstätte dem Käufer sein und der Stadt Delitzsch folgen, wenn es von Rechts wegen sein kann. Überdies die Lehn über zwei Höfe, gelegen an dem Stiege, als man gehet nach Gertitz und drei Hufen dazu auf Weißig. Das Hölzchen, gelegen bei dem Garten zwischen der Mühle und Rubach mit dem Wiesenfleckchen, das Otto Cluge zu Lehn hat. Das Kaufgeld ist in dem Kaufbriefe vom 13. April nicht genannt, die Spigel erhielten aber nach den Rechnungen 400 Schock in diesem und 300 Schock in dem folgenden (Jahre). Das Lehngeld betrug 50 Schock, der Lehnbrief aber kostete in der Kanzlei 4 Schock 20 Groschen oder 13 Rheinische Gulden.

Den Weberzins gaben die Weber wahrscheinlich von der Bleiche zwischen dem Altdorfe und dem Lober zu Petri Pauli - er betrug 6 Pfennig von einer ganzen und 2 Pfennig von einer halben Webe. Das Land wurde ausgemessen und verkauft, die Gebäude gebrochen und ebenfalls verkauft. - Man brach über eine Kemnate, ein Bergfried und ein Torhaus, einkleines Haus, ein ungedecktes Haus, zwei Häuschen, zwei Scheunen und ein Scheunchen. Zu dem Kaufe borgte man 300 Gulden von Otto Kalb, 300 Gulden von Johann Hallis. Der Lehnbrief ist vom 15. April mithin früher datiert als der Kaufbrief. Der Hauptmann von Hoym gab am Himmelfahrtstage ein Stechen, dabei waren auch Bürger von Magdeburg und Halle. Der Rat verehrte ihm ein Faß Torgauisches Bier. Freitags nach Himmelfahrt war Kirchrechnung. Das Kirchvermögen betrug 30 Schock 17 Groschen 6 Pfennig. Das Ziegeldach über dem Chore ward abgetragen und der Chor mit neuem Sparrwerk versehen. Chorund Sakristei wurden erst 1432 mit Schiefer gedeckt, erhielten einstweilen ein Schindeldach. - In die Schule ein Wergaden (Bücherschrank). Der Weihbischof weihte 2 Kelche in der Frauenkirche und den großen Kelch der Stadtkirche - Korporale und Altartücher - erhielt 48 Groschen. Man erhielt auch einen Brief über den Jahrmarkt, vermutlich Bestätigung durch den neuen Fürsten. Er fiel Sonntag nach Himmelfahrt Mariä, ward aber 1520, weil man zu Himmelfahrt Mariä noch erntete, auf den Sonntag nach Allerheiligen verlegt. Die Stadt mußte sich für ein Darlehn des Herzogs Friedrich und seiner Brüder von 200 neuen Schocken an den Schutzjuden Abraham in Leipzig verbürgen und der Schuldurkunde das Stadtsiegel anhängen.

1429
Am 20. Januar war der Rat drei Tage in Leipzig um der Fürsten und der Lande Bestellung, auch war man der Lande Bestellung wegen in Weißenfels. Am 14. Februar ward die Stadt vom Fürsten für 250 Rheinische Gulden an Magdeburg verpfändet. Zu dem Heereszug gegen die Ketzer (Hussiten) eine doppelte Auflage, die 201 Schock 58 Groschen betrug. Am Trinitatisfeste gingen 10 Schützen nach Brüx, 10 Reisige gegen Freyberg. Eine Heerfahrt nach Siebenlehn, Meißen, Colditz und Leipzig mit einem Aufwand von 221 Schock 48 Groschen. Zu 9 Büchsen (großen Stück) kaufte man im Januar eine zehnte für 20 Schock, mehrere Handbüchsen und kleinere Handbüchsen, Pulver ward teils hier gefer­tigt, teils in Leipzig gekauft. Der Maurer Martin hieb Büchsensteine, auch verbrauchte man viel Blei zu Kugeln. Die Bauern von Werben und anderen Dörfern, welche in die Stadt geflüchtet waren, schanzten, arbeiteten an den Dämmen, Mauergerüsten und Bollwerk. Das nötige Holz nahm man aus dem Haine. Die Graben wurden gereinigt. Auch lagen 5 Söldner vor Halle in der Stadt zu Verstärkung der Turm- und Torwachen. Die Waffen­kammer befand sich auf dem Rathaus. Als die Ketzer nahe waren, brachte man alle Briefe der Stadt nach Halle. Indessen kamen sie nicht an die Stadt und die gewöhnliche Nachricht, daß sie die Stadt erobert, geplündert und größtenteils niedergebrannt hätten, ist ganz falsch. In den vollständig erhaltenen Rechnun­gen, Heberegistern dieser Zeit findet sich keine Spur des Abganges auch nur eines Hauses oder eines Aufwandes auf Wiederherstellung zerstörter Gebäude, vielmehr ging der Bau an der Kirche und anderen öffentlichen Neubauten ruhig fort. Als die Ketzer bei Wurzen waren, lagen die kurfürstlichen Hofleute hier. Außer dem Hussitischen Heereszuge gab es aber auch in der Nähe Fehden. Man folgte, als zu Püchau Pferde geraubt wurden, hielt zu Queetz und Brehna und war in der Warte zu Landsberg. Zwei nahm man bei Kyhna gefangen.

Den Ackerknechten schenkte man eine Tonne Bier am Fronleichnahmsfeste. Durch den Ankauf der nahen Sadelhöfe und Vorwerke Elberitz, Rubach und Überlassung deren Äcker an die Bürger entstand zuerst hier Feldwirtschaft und zu besserer Betreibung derselben traten diese ackerbesitzenden Bürger mit anderen Ackerwirten in der Nähe in Verbindung, bildeten eine Gesellschaft - Brüderschaft - nach eigener bestätigter Ordnung und nannten sich die Gesellschaft der Ackerknechte, dies ich in Feuersgefahr und bei öffentlichen Bauten in der Regel durch Tätigkeit auszeichnete und daher vom Rate oft Geschenke erhielt. Die Pake versuchten abermals in dem neuen Graben um die Vorstadt zu fischen, wurden aber verklagt und behielten durch schiedsrichterliche Entscheidung Unrecht. Der Jahrmarkt gab 7 Schock Stättegeld. Der Kirchenvorsteher und Ratsherr Friedrich Brauer (ein Schnitthändler und Ratsherr von 1397 -1429) starb in diesem Jahr und vermachte der Kirche 10 Schock zum Bau. Die Kirche kaufte das Brauhaus des Leuttich und erhielt zum ersten Male die Ketzer und besetzte stark Türme, Tore und Basteien.einen Brauzins von 1 Schock 35 Groschen. Viel Holz und Steine zur Kirche - 13 000 Stück gab hiesige Ziegelscheune.

1430
Man baute stark an der Befestigung, an den Bollwerken, Graben, Wällen, Terrassen, hauptsächlich suchte man die Vorstadt zu sichern. Im Haine und Aldinhofe ward Holz geschlagen, auch bezog man viel Bauholz aus der Torgauer Heide. Den Bau leitete Erich Schilling. Auch versah man sich mit Gewehren. Der Büchsenmeister Berthold goß 2 neue Tarrasbüchsen - man kaufte große und kleine Handbüchsen, viel Pulver und Stoff zu dessen Bereitung, Salpeter usw., 20 Schock Pfeile und 11 1/2 Wage Pech zu einem Brei gegen die Ketzer und besetzte stark Türme, Tore und Basteien. Dieser Bau, ohne vorherige Erlaubnis, mußte bei dem Fürsten durch den Marschall versöhnt werden und hatte man deshalb doppelte Reise nach Weißenfels. Die Hussiten zogen von Plauen, welches sie am 25. Januar genommen hatten, durch Meißen und verheerten Städte und Dörfer - kamen aber nur bis Oschatz und wendeten sich nach Bayreuth. Eine Heerfahrt nach Hoyerswerda ward abgewendet - man zog aber nach Meißen, wo der herzogliche Koch den Nachbarn gütlich tat mit Speise. Auch hatte man Folgen nach Glebitzsch, mit dem Kurfürsten auf den Abt von Dobrilug, nach Hainichen und als den Oschatzem Pferde genommen wurden. Man zahlte für den Fürsten 83 Schock 20 Groschen an die Stadt Magdeburg auf Anweisung. Auch mußte sich die Stadt gegen Hans, Heinrich und Otto Spiegel für 1500 Gulden für den Fürsten verbürgen. Zur Bestreitung der vielen Ausgaben borgte man 45 Rhein. Gulden vom Kaland, 10 Schock vom Spitalmeister, 63 Schock 20 Groschen von der Kirche und 100 Rhein. Gulden vom Altar Katharina und wurden die Zinsen (aus Freundschaft) auf die ersten 3 Jahre erlassen. Man verkaufte an den Stadthof bei dem grauen Mönche, ein Haus der Kommun in der Badergasse, wo die Minoriten in Leipzig ihr Termineihaus hatten, und die zwei Gerltitzer Glocken, die größere für 5 Schock, an die Kirche in Schenkenberg, die kleinere für 1 Schock 30 Groschen an die hiesige Kirche.Franze, der in diesem Jahre starb, vermachte der Kirche 8 Schock zu einem Fenster. Die Badestube der Kirche kaufte Hans Schindfessel für 22 Schock. Das Bild der Jungfrau mit dem Pfeil (die Flucht nach Ägypten vorstellend) ward nach Leipzig zur Ausbesserung gefahren. Die Kirche nahm wieder vom Rate einen Ofen Ziegel - 25 000 Stück.

1431
Am 6. Februar ward einer mit dem Strange hingerichtet, einer verbrannt, wozu der Rat 3 Schock Gerten gab. Bei Hans Gerber und der Gassyn Feuer beläutet, doch ohne großen Schaden - jedes 1 Schock Strafe. Man arbeitete auch in diesem Jahre stark an der Befestigung - bat bei dem Herzoge in Leipzig um Holz zum Zwinger - kaufte dazu für 23 Schock. Zimmerleute und Maurer erhielten gegen 100 Schock. Eine neue Steinbüchse von 3 1/4 Zentner wurde gegossen - überdies für Pulver, Blei, Schwefel, Salpeter 41 Schock ausgegeben. Zu den Büchsen brachte man 15 Schock 48 Groschen aus und gaben Geistliche und Bader zu dem Bau 5 ½ Schock freiwilligen Beitrag. Die Heerfahrt nach Bautzen zum neuen Jahre kostete 58 Schock, die zu Petri Pauli nach Böhmen 56 Schock. Eine nach Torgau zu Mittfasten und eine in der Fronleichnahmswoche ging nicht vor sich. Überdies hatte man Nachfolgen zu Lichtmeß auf Zörbig, Bonifacii auf Ostrau und Wettin mit einem Verlust von 13 Schocken an Pferden. Auch hielt man auf der Straße auf die Briefträger. Um den Aufwand, den man durch allgemeine Beiträge nicht bestreiten konnte, zu decken, borgte man 110 Rhein. Gulden von den Dominikanern in Leipzig und 60 Schock von Bethmann, Hermann Westfal, Peter und Margarethe Koethener. Zu dem Ratsessen (jährlich jedesmal am 27. Juni) bat man die umgesessenen Edelleute, Hofleute, Räte, auch den Haupt- und Gleitsmann. Am 7. November huldigten zwei aus dem Rate und vier aus der Gemeinde dem Landgrafen Ludwig von Hessen zu Leipzig. Das Konzept des Huldbriefes des Rates und des Landgrafen Bestätigung der Stadtprivilegien ist von diesem Tage gestellt. Vater (Ratsherr) war in Giebichenstein bei dem Erzbischof um eine Glocke und in anderen Geschäften.

1432
Am 22. Januar eine Bete und Steuer von 166 Schock 40 Groschen nach Altenburg. In diesem Jahre und den beiden folgenden waren lange harte Winter, die Frühlinge und Sommer aber naß, wodurch Bäume, Gras und Getreide verdarben und große Teuerung entstand. Durch stete Regen und Wolkenbrüche ergossen sich die Flüsse und zerstörten Brücken und Ortschaften in großer Zahl. Der Ratsherr Conrad Root, welcher zu dem Kurfürsten nach Altenburg wollte, blieb wegen großen Wassers längere Zeit in Leipzig und Ratsherren, die mit Bestätigungsbriefen des neuen Rates von da kamen, mußten aus derselben Ursache sechs Tage in Lindenau liegen bleiben. Man arbeitete auch in diesem Jahre noch stark an der Befestigung und kaufte viel Holz in der Torgauer Heide, in Löbnitz, Schnaditz und Wellaune, welches man auf dem Markte zurichtete und meistens an dem Zwinger verbrauchte. Drei Steinbüchsen, zwei Wall- oder Tarrasbüchsen (diese beiden am Gewicht von 4 Zentner 3 Stein 3 Pfund, am Wert 16 Schock 58 Groschen, das Pfund Metall zu 2 Groschen gerechnet) wurden gegossen und sonst für Pulver, Blei, Stein- und Eisenkugeln, auch anderes Gewehr bedeutende Ausga­ben gemacht. Diese Waffen gehörten auch der Kommun - die brauberechtigten Bürger mußten sich auf ihre Kosten bewaffnen. Die Vorbereitung zu einem Heereszug nach Wittenberg, der aber unterblieb, kostete 8 ½ Schock. Den Schützen (meist allen brauberechtigten Bürgern) gab man im Juni ein Essen. Die Adligen der Stadt und Umgebung hatten hier einen Hof und schenkte ihnen der Rat zu diesem Feste ein Faß Bier. Man erhielt einen Findling 14 Tage auf öffentliche Kosten. Die Wollenweber erhielten am 6. Dezember Bestätigung ihrer Innung und Gebräuche für 11 Schock. Am Weinschank hatte man in diesem Jahr 26 Schock 54 Groschen 8 Pfennig Gewinn und gaben die, denen man zum Weinschenken Erlaubnis gab, vom Faß 3 Groschen. Für den Chor der Kirche arbeitete in diesem Jahr der Zimmermann Henze Hunger das Gehölz zum Dache und Turme. Es wurden Formen zu den Fenstern gehauen, Fenster gemacht, wozu Glas und Bilder von Halle und Leipzig kamen. Die Fenster waren mit Schilden und Bildern versehen und kostete ein Fenster 10 Schock. Sperling in Leipzig erhielt allein für zwei Bilder 3 Schock 20 Groschen. Die Formen hieb Johannes, der Maurer, Sohn des Martin. Auch wurde die Orgel durch Albert de Kemnitz gebessert. Zu diesem Bau schenkte Jacob Ohme, ein Bruder des Ratsherrn Paul Ohme, 6 Schock 20 Groschen. Claus Lemann war Spitalmeister - Peter Kirchhof und Bastian Spetener Vorsteher der Kirche zu Gerltitz und Hans Wolkow Vorsteher der Elenden. Sie legten ihre Rechnungen den Räten ab.

1433
Die Fürsten waren am 3. März hier- Friedrich und Sigmund und am 26. d. Mon. verschrieben sie die Stadt an Friedrich und Hans von Hoym, Gebrüder, mit anderen für 1500 Schock in Golde. Die Stadt mußte sich als Selbstschuldnerin verbürgen und der Stadt Siegel an den Schuldschein hängen. Sie versprachen aber, die Stadt der Bürgschaft ohne Schaden zu entledigen. Eine gleiche Verpfändung der Stadt geschah am 18. April an den gestrengen Fritzsche und Caspar von Bendeleubin, alten Kristan (Christian) von Wiczeleubin und Hanse Rabyle zu Pouch für 950 Rhein. Gulden. Die Stadt konnte aber die Walpurgis fällige Jahrrente zu den Zinsen in Abzug bringen. Die Bete und Steuer aber zu Walpurgis an Betrage 166 Schock 14 Groschen - mußte eingeliefert oder auf Anweisung ausgezahlt werden. Am 22., 23. und 24. Juni regnete es unaufhörlich und so stark, daß die angeschwollenen Flüsse großen Schaden anrichteten. Seit Menschengedenken waren so heftige Regengüsse nicht gefallen. Der neue Hauptmann Hans Gorlicz kam an, der bisherige Stadtschreiber aber, Johann Ortrand, ward als solcher nach Borna verschrieben, man wünschte ihn jedoch zu behalten und hatte deshalb mit dem Rate zu Borna, auch vor dem Fürsten, Verhandlungen. Ende August geschahen wieder feindliche Einfälle, wie es schien von Anhalt aus. Hans von der Heyde und andere gaben Warnung, auch meldete der Schäfer die Feinde. Die Bürger folgten am 1. September nach Zörbig, Greppin, Gatersleben, auch zogen vier Schützen nach Dippoldiswalde, den Schützen gab man Essen am 23. Oktober. Die Schwester des Fürsten hielt Hochzeit, wahrscheinlich in Leipzig und mußten die Betten von hier dahin abgefahren werden.

Der Ratsherr Paul Ohme (von 1423 an) starb in diesem Jahre und vermachte der Kirche 5 Schock 40 Groschen - Martin Ackermann 3 Schock, desgleichen Friedrich Raspe 10 Schock Böhmischer Groschen. Der Kirche gab auch der Paul Ohme ein Seelbad, eine Tonne Heringe und ein halbes Fuder Brot für 1 Schock 13 Groschen. Der Chor der Kirche ward gerichtet und durch den Schieferdecker Michael in Halle mit 43 Zentner Schiefer belegt. Er erhielt für seine Arbeit von Oculi bis Miseric. Domini gegen 10 Schock Arbeitslohn. Das Türmchen auf dem Chor, in welchem die Meßglocke hing, erhielt einen vergoldeten, mit Stacheln versehenen Knopf. Das Holz der Bedachung kostete 19 Schock. Die Fenster bestanden aus weißem, gefärbtem und Bilderglas, 920 Scheiben koste­ten 2 Schock 55 Groschen und die Glaser Berthold und Christoph erhielten für ein Fenster mit vier Bildern und vier Schilden 10 Schock ohne die Windeisen. Ein Bildhauer in Leipzig versah das Häuschen mit Kreuz und Bildern für 6 Schock 10 Groschen. Die Speise zu einer Glocke ward nach Jena gebracht. Die alte Wehemutter erhielt Petri Pauli Bier. Das Bergfried in Rubach kauften die Altarleute (Kirchräte) zu Zwochau für 3 Schock 40 Groschen - der Galgen daselbst ward erneuert. Nicolas Pruczschkenhain und Hans Duerkorn waren Wegemeister (hatten die Aufsicht über die Straßen und besorgten die Besserung mit Hilfe des Zolles) legten ihre Rechnung vor dem Rate und behielten in diesem Jahre 17 Schock 27 Groschen 3 Pfennig und l'/2 Mark Silber Vorrat. Der Scheffel Korn hiesigen Maßes galt 10, der Scheffel Hafer 5 Groschen, 1 Schock Stroh 7 Groschen. Man findet in diesem Jahr zum ersten Mal die Ausgabe an die Zigeuner - Cziganen - mit 12 Groschen.

1434
Der Erzbischof zu Magdeburg geriet mit der Stadt Magdeburg wegen eines Turmes, den die Stadt im Jahre 1429 gegen die Hussiten auf des Domkapitels Freiheit, wo die Stadt unverwahrt war. baute, in Fehde. Die Stadt Halle half den Magdeburgern und mehrere Fürsten bemühten sich vergebens, diesen verderblichen Zwist zu schlichten. Der Erzbischof verband sich endlich mit dem Kurfürsten zu Sachsen wider die Stadt Halle, und überließ diesem das Schloß Giebichenstein für 30 100 Gulden, welches der Kurfürst mit 300 Pferden besetzte und darauf Halle zur Unterwer­fung aufforderte. Sie unterwarf sich aber nicht, daher im künftigen Jahre ein Feldzug des Kurfürsten gegen sie. Man baute viel an dem Zwinger und Damm in der Nähe des Hospitals, auch ward der Breite (Eilenburgische) Turm mit Schiefer gedeckt und mit Knöpfen versehen - ein Kahn auf den Graben angeschafft und in Rubach Baustätte Wall und Graben ausgeglichen. Der Stadtschreiber Ortrand brachte Briefe und Privilegien der Stadt in ein Verzeichnis, übergab sie und ging nach Borna den 14. Februar mit dem Solde bis Ostern. Während seiner Abwesenheit versahen Nicolaus Grymer und der Diakon Kottebas (Job.) das Amt. Man hatte um Ortrands willen mit dem Rate zu Borna einen Tag vor dem Fürsten. Um Petri Pauli zogen die Herzöge, der Kurfürst Friedrich und dessen Bruder Sigmund zu dem Kaiser nach Ulm und gab Delitzsch 10 Schock zu den Reisepferden nach Leipzig. Vom 15. Juli an regnete es fünf Tage und fünf Nächte und vom 26. Juli wieder vier Tage und drei Nächte. Elbe, Mulde und Saale stiegen zu einer ungewöhn­lichen Höhe und in Eilenburg stand am 27. das Wasser in der Kirche bis an den hohen Altar. Die Schuhmacher ließen ein Kirchenfenster machen für 20 Gulden. Im Oktober Anstalt zu der Heerfahrt nach Halle - Aufwand 5'/, Schock. Wegen der Teuerung kaufte der Rat Korn und ließ es den Armen um den billigsten Preis. Es galt aber der Scheffel Roggen Delitzscher Maßes 12, der Scheffel Hafer 6 Groschen - die Scheffel wurden untersucht und ausgeglichen. Am 10. Oktober erhielten die Bäcker ihren Innungsbrief. Am 18. November ward die Stadt von den Fürsten für 3000 Gulden an Friedrich und Hans von Hoym verpfändet und für 600 Gulden an Abraham - Jude in Leipzig. Einer, namens Punzel, ward versucht (gemartert), Georgen von Liebenwerde die Hand abgehauen und George Hans wegen Diebstahls mit dem Strang bestraft. Am Torgauer, Delitzscher und Zerbster Bierschanke im Ratskeller gewann man in diesem Jahre 88 Schock 26 Groschen 5 Pfennig.

1435
Am 1. Mai rückten die Delitzscher Bürger aus und stießen zu dem Heere bei der Wartenburg neben dem Giebichenstein. Sie brachen eine Mühle und waren bei der Beschießung von Halle. Am 4. Mai kam es jedoch zur Sühne zwischen dem Erzbischof und den Städten Magdeburg und Halle, hauptsäch­lich durch des Markgrafen von Brandenburg und Bischofs von Merseburg Be­mühung. Zu diesem Heereszug, der viel Aufwand verursachte, ward auch eine große Steinbüchse für 14 Schock gegossen, man führte mehrere große Büchsen - auch den Büchsenmeister Lucas Polner, einen Barbier und Koch mit sich. Überdies hatte man Folgen nach Zwochau, als die Pferde vor Baldisdorf geraubt wurden, nach Zörbig, Alsleben und Dornburg. Der Stadtschreiber Ortrand kam zurück von Borna und trat sein Amt mit einer Zulage von 2 Schocken jährlich wieder an. Die Koeppin ließ dem Rate ihren Hof bei dem Heiligbrunnen auf - sie übergab ihn durch Lehnsauflassung. Das Land zu Rubach wurde vermessen - der Hauptmann von Krosigk geholt. Aus Grumpolds Testament empfing die Kirche 5 Schock 20 Groschen. Die Wand bei dem Bergfried an dem Weingarten der Frauenkirche ward hergestellt - eine Ausgleichung der Gräber vorgenommen. Der Organist erhielt von nun an jährlich 40 Groschen, der Küster 30 Groschen Lohn. Am 13. Dezember ward die Stadt von den Fürsten Friedrich und Sigmund für 2500 Gulden an Hans und Otto Spiegel verpfändet. Waldhof sprach böse Worte vor den Frauen und Jungfrauen im Tanzhause, verbüßte es mit 8 Groschen. Des Herzogs von Braunschweig Harfner gab man 3 Groschen - dem Rat zu Leipzig 10 Schock auf den Sold gegen Böhmen.

1436
Eine Heerfahrt den 10. Februar kostete 53 Schock (gegen die Böhmen) eine andere nach Dohna, wohin man mit 20 Trabanten (Söldner, welche in diesem Jahre zum ersten Male vorkommen) ging, nur an verlorenen Wagen und Pferden 32 Schock. Es hielten sechs Schützen von hier den 18. März in Dresden, sechs zu Schoenebach 4 Wochen, sechs Trabanten den 16. Oktober in Pirna, kosteten in zwei Wochen 5'/Z Schock. Übrigens hatte man auch Folgen in der Nähe nach Landsberg und Halle. Sigfried von Schoenfeld auf Löbnitz richtete hier seiner Schwester Hochzeit aus, wozu der Rat gebeten war und Bier verehrte. Lininus Oelsleger und andere Bürger waren bei einem Stechen in Brandis, hatten Pfeifer bei sich, die der Rat mit 1 Schock bezahlte. Albrecht von Lindenau, welcher diese Bürger dort sehr gut aufgenommen und bewirtet hatte, erhielt daher, als er hier her kam, wällischen Wein zur Verehrung. Ein Schock 40 Groschen gab der Maurer Martin Pacht für den Weingarten der Frauenkirche. Philipp Feind schenkte 21 Schock 20 Groschen zu der mitternächtlichen Mauer des Schiffes der Kirche und Martin und Johannes, sein Sohn, erhielten sie meistens zu Lohn. Auch im folgenden Jahr machte er der Kirche mit 6 Schocken ein Geschenk. Das Vorwerk zu Rubach. vier Acker haltend, ward zu halben und Viertels - Ackern ausgegeben, der Acker zu 40 Groschen. Den Baumgarten daselbst erhielt Caspar Gottschalk für 40 Groschen. Der Rat kaufte auch von Hans Raspe den Hof für 12 Schock.

1437
Am 10. Januar gingen 10 Wappner nach Brehna. Dietrich von Miltitz war Hauptmann in Delitzsch. Leipziger Wappner zogen am Lätare-Sonntag nach Landsberg, vier Schützen von hier zu Pfingsten dahin und zu Johannis gingen hiesige Wappner mit 10 Wagen an diesen Ort. Am 12. Mai ein Fürstengebot (Aufgebot) in Leipzig. Trinitatis war der hiesige Rat zu Landsberg in dem Thedinge des Fürsten gegen die Stadt Halle und Magdeburg. Es gab eine Heerfahrt nach Saalfeld und eine nach Weida mit einem Aufwande 30 Schock - auch zahlte man 76 Schock für den Fürsten, die man vom Juden Abraham aufnahm. Der Glaser Christoph fertigte 2 Kirchenfenster für 12 Schock. 2 Schock 20 Groschen kosteten die Bilder eines Fensters, 700 Stück Scheiben 2 Schock 20 Groschen. Altar und Kirche wurden vom Suffragan geweiht, welcher 4 Schock 30 Groschen erhielt. Derselbe weihte den Kirchhof und erhielt für die Briefe darüber und Indulgenz 20 Groschen. Der Pfarrer Nicolaus Czye in Kölsa starb und gab man für graues Tuch zur Verteilung an die Armen (Seelgerät) 1 Schock 45 Groschen. Der Bürgermeister Conrad Welchow machte sich ansässig und erhielt das Bürgerrecht unentgeltlich. Den Schützen gab der Rat ein Essen den 5. Juni, auch ließ er eine neue Zielstätte machen und waren die Pfeifer des Bischofs von Halberstadt und des Herzogs Wilhelm bei dem Schützenfest. Caesarius, Pfarrer in Hohenleina, hier geboren und ein Stiefsohn des Matthaeus Marschalk, verkaufte die von seiner Mutter Katharina angefallenen zwei Erben mit Garten in der Burgstraße an den Rat.

1438
Die Bürger nahmen teil an der Heerfahrt nach Plauen im März nach Frauenstein den 15. Juni und in das Land Böhmen den 22. Juli. Diese 3 Heerfahrten kosteten der Stadt 124 Schock und suchte man bei dem Landvogt vergebens Milderung. Außerdem hatte man Folgen mit dem Hauptmann nach Landsberg, Zörbig und Alsleben mit einem Aufwande von 12 Schocken. Der Kaiser ging mit einem Heer nach Böhmen und besetzte Täbor, gewann aber nicht viel. Bei dem Rückzug des Herzogs (Kurfürsten) nach Meißen überfielen ihn und den Herzog von Braunschweig die Böhmen, sie wurden aber am 23. September bei Sulmitz geschlagen, ließen 3000 Tote auf dem Platz und 2000 Gefangene wurden in die meißnischen Städte verteilt, von welchen auch hiesige Stadt einige zur Verwahrung erhielt. Ihr Anführer Wilhelm von Sternberg geriet ebenfalls in Gefangenschaft. Albrecht besetzte hierauf Prag und die ihm treu gebliebenen Städte und begab sich nach Schlesien. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg ward Anführer des kaiserlichen Heeres, ging nach Polen und verheerte es. Zu diesem Zuge nach Böhmen befahl der Kurfürst am 18. Juni dem Rate, auf den Ruf bereit zu sein mit 40 gewappneten Schützen, versehen mit Handbüch­sen, Armbrüsten und anderen guten streitbaren Wehren, guten Streitwagen mit starken Pferden, 2 Steinbüchsen mit Büchsenmeister, Steinen, Pulver und anderen Bedürfnissen auf 2 Monate, Stätte und Futter sollte ihnen gelegt und angewiesen werden. Einführungder Czyse, eine Abgabe vom Warenverkaufe, nicht wie einige wollen, eine Personensteuer. Man war deshalb in Leipzig und Altenburg. Ein neuer Kirchenseiger kostete 9 Schock 28 Groschen.

1439
In diesem Jahr war ein großes Sterben, die Teuerung aber hörte auf. Das Sterben fing in der Ernte an und dauerte bis Ende des Jahres. Die Kranken fielen in einen dreitägigen Schlaf und kämpften, wenn sie erwachten, mit dem Tode. Der Kurfürst Friedrich geriet mit dem Bischof Burkhard von Halberstadt in Fehde, berannte Heckstaedt und erstürmte es am 22. Juli. Die Stadt wurde geplündert, die Bürger gefangen und Graf Volrad von Mansfeld am 25. damit beliehen (gegen 5000 Gulden). Von da zog man nach Aschersleben, es kam aber zur Sühne und mußte der Bischof 33 000 Gulden in Terminen geben und dafür die Städte Halberstadt, Quedlinburg und Aschersleben verpfänden. Die hiesigen Bürger, welche am 18. Juni ausrückten, waren bei der Erstürmung von Heckstaedt und kostete diese Heerfahrt der Stadt 37 Schock. Die Kirche verkaufte ihnen den Sprengkessel zur Heerfahrt für 12 Groschen 3 Pfennig. Dabei gab es noch Folgen nach Landsberg und Brehna. Der Küster Petrus hatte den Weinberg der Frauenkirche für 1 ½ Schock in Pacht. Philipp Feind gab 78 Rheinische Gulden zum Kirchenbau, desgleichen Peter Snydewind 60 Rheinische Gulden um sein eigenes Gedächtnis. Man borgte auch zum Kirchenbau 114 Rheinische Gulden von den Domini­kanern in Leipzig und 50 Rheinische Gulden von der Margarethe Krügerin. Henze Hunger, der Zimmermann, und Nicolaus Tischer erhielten für Zuberei­tung des Dachholzes der Kirche 59 Schock 27 Groschen 3 Pfennig. Das Holz kostete 15 Schock 2 Groschen und der Schiefer, welcher zur Bedeckung angeführt wurde, 1230 Zentner, 88 Schock 40 Groschen. Delitzsch erhielt einen neuen Hauptmann. 16 Schock der Jahrrente, die an Andreas Brambalg, Claus Bulen und Wilken Houbpen in Wittenberg bisher bezahlt wurden, wies der Fürst am 3. Mai an Berndt vom Rode (Schenken) und Hans Hallis, Bürger in Delitzsch, mit deren Darlehn man die Wittenberger auszahlte.

1440
In diesem Jahr ward das Kirchengebäude vollendet und am 12. Juni das Kirchendach gehoben und gerichtet, worüber man 2 Wochen zu­brachte. Das Dach erhielt einen Turm (Spitze) mit Knopf und Busch. Die Ackerknechte (Acker habende Bürger) fuhren die zugerichteten Eichen aus der Goitzsche unentgeltlich an - 18 Mann brachten in einer Woche Holz und Schiefer auf die Kirche. - Zum Dach brauchte man außer den im vorigen Jahre erkauften 1230 Zentner Schiefer noch 63 1/2 Zentner für 4 Schock 35 Groschen. Hans Zoerbig, der Schieferdecker, erhielt für Deckung des Daches und des Turmes, für Bekleidung des Giebels und der Pfeiler, auch Ausbesserung der übrigen Dächer, 40 Schock schildigter Groschen und 54 Groschen Trinkgeld, für Deckung der Kapelle 1 Schock 7 Groschen 3 Pfennig. Der Maurer Johannes aber, welcher noch 10 Ruten am Giebel gemauert hatte, 15 Schock. Alben, Humerale, Altartücher, Korporale und anderes wurden in Merseburg geweiht. Zwei rote Fahnen von Seide und vergoldetem Silber kosteten 16 Schock 15 Groschen. Das Positiv wurde in die Orgel gebracht. Die Monstranz für 4 Schock 55 Groschen umgearbeitet. Eine Agende 1 Schock. Der Maler erhielt für Erneuerung eines Kruzifixes und für das Anstreichen der Fahnenstä­be 1 Schock 4 Groschen. Die Altarleiste aber kostete 22 Schock 32 Groschen an Silber, Gold und Arbeit. Am 25. Juli war der Kurfürst hier und am 26. geschah die Ankündigung der Heerfahrt nach Magdeburg. Die Magdeburger fanden den Vertrag von 1435 lästig, suchten Änderung, die man ihnen nicht zugestehen konnte und kamen dabei in Verdacht heimlicher gegen Meißen gerichteter Unterhandlungen mit den Böhmen. Die Sache ward aber durch die Tätigkeit mehrerer fürstlicher und geistlicher Personen am 1. August in Eisleben gütlich beigelegt. Auch am 29. November ward eine Heerfahrt nach Wittenberg vorbereitet und verursachte die Magdeburger, und diese der Stadt einen Aufwand von 50 Schock. Dabei unterhielt man noch Trabanten in Dresden und zahlte 8 Schock 17 Groschen 3 Pfennig für sie. Die Schuhmacher erhielten einen Nachtrag zu ihrem Innungsbrief. Der Rat hatte auch vor dem freien Stuhle zu tun, wahrscheinlich in einer Geldangelegenheit mit Küdorf, die in folgendem Jahre entschieden ward und ein Mord, den des Hauptmanns Knecht Hermann beging, verursachte Reisen nach verschiedenen Orten auf Kosten der Stadt.

1441
Am 26. März erhielten die Schmiede ihren Innungsbrief, kostete 20 Groschen. Der Bischof in Merseburg und Marschall Hans von Maltitz bemühten sich, die streitige Sache der Stadt mit dem Bürger Küdorf in Halle, welche von diesem vor das geistliche Gericht und freien Stuhl gezogen worden war, der Stadt bedeutende Kosten und den Bann zugezogen hatte, hier zu enden, und gab man ihnen 10 Rheinische Gulden Verehrung. Der Offizial in Halle gab den Endbescheid und brachte die Stadt aus dem Bann, Johann Molitor gab das Geld für Küdorf, welches wahrscheinlich zu Aufbringung der fürstlichen kriegerischen Bedürfnisse erborgt worden war. Am 2. April ward der Rat nach Leipzig, wegen der Heerfahrt gegen den Markgrafen zu Brandenburg, geboten. Am 1.November war eine Städteversammlung in Leipzigwegen der Placker (Raubschlösser) und anderen Sachen, woran auch Abgeordnete des hiesigen Rates teilnahmen. Auch waren zwei Abgeordnete in Torgau wegen der Artikel vom Gesinde und den Handwerkern (hohen Gesindelohnes und der Handwerker auf den Dörfern). Die Herzöge Friedrich und Wilhelm borgten von Hans und Ludwig Waltheim, Gebrüder, ihrer Mutter Ilse und Schwester Catharina 650 Rheinische Gulden mit jährlichen 40 Rheinischen Gulden Verzinsung, und die hiesige Stadt mußte sich dafür verschreiben. Die Zinsen sollte sie von der Jahrrente nehmen, den Zuschuß aber der fürstliche Geleitsmann im Amt vom Geleite wiedererstatten. Die drei Trabanten in Dresden kosteten auf ein halbes Jahr 15 ½ Schock. Otto Spiegel, auf Badrina, hielt in der Stadt seine Hochzeit und verehrte ihm der Rat 2 Faß Torgauer Bieres. Man hatte auch eine Folge auf Brehna mit einem Aufwande von 2 Schocken.

1442
Die zwei Trabanten, die man durch das ganze Jahr in Dresden unterhielt, kosteten 21 Schock 38 Groschen. Um den Jahrmarkt, der in der Mitte des Augusts gehalten wurde, zu verlegen, war Berthold Schenke und Schoene Simon zweimal bei dem Herzog. Das Kapital des Kalandes und der Dominikaner in Leipzig ward abgezahlt.

1443
Hans Dorn, bei dem Feuer ausbrach, ward mit 18 Groschen bestraft. Die Heerfahrt nach Lützelburg kostete der Stadt 14 ½ Schock. Die Kirchenvorsteher Nicolaus Kramer und Martin Koerner berechneten und behielten 134 Schock 23 Groschen 7 Pfennig Vorrat. Der Ratsherr Andreas Vater erhielt für den Verlust, den er in den Heerfahrten an Pferden und Waffen erlitten hatte, auch für seine Dienste 22 ½ Schock Vergütung und Lohn. Andreas Arndt wurde geköpft. Der Henker erhielt 15 Groschen und für das Schwert (Mordwehr) 4 Groschen - auch wurde dem Schäfer vom Henkersknechte die Hand abgehauen. In Bitterfeld war ein großes Feuer und gab man aus der Ratskasse 2 ½ Schock (zu Brot) den Verunglückten.

1444
Bei Sander Prus und Haeppner kam Feuer aus und lohnte und verzehrte der Rat 2 Schock 16 Groschen 1 Pfennig. In der Neustadt ward ein neuer Brunnen angelegt. Wegen der neuen Münze war man in Leipzig und erhielt die neuen Satzungen. Es wurden alle fremden Münzen, die Böhmischen Groschen ausgenommen, verboten, und neue Groschen, große und kleine Pfennige, auch Heller geschlagen, sämtlich mit dem Landsbergischen Schilde bezeichnet. Die Groschen mit dem Meißnischen Helmaufsatz, daher man sie "Judenköpfe" nannte. Gegen die vorige Münze standen sie wie 6 gegen 5 -denn ein Schock schildigter Groschen glich nach der Rechnung 50 "Judenköpfen". Zwei Kruzifixe kamen über die Stadttore in die Gehäuse. Klitschmar kaufte vom Rat Raspens Hof, bei dem grauen Mönche (bei dem Termineihause der Minoriten in der Badergasse) für 14 Schock. Man hatte auch Theding mit Hermann Pak, welcher den Rubacher Weg beeinträchtigte.

1445
Der Stadtschreiber Ortrand hatte Hochzeit und verehrte ihm der Rat ein Faß Torgauer Bieres. Wegen der Teilung (des Kurfürstentums) waren Ritterschaft und Städte vom 27. August an in Altenburg und Leipzig tätig - zwei Ratsmitglieder hiesiger Stadt waren am 30. November 13 Tage auf dem Fürstentage in Halle - und bei ihrer Rückkunft las man den drei Räten und Innungen die Fürstenbriefe vor. Am 28. Dezember huldigten vier Ratsherren und vier Bürger dem Kurfürsten Friedrich, an den die Stadt in der Teilung gekommen war. Wegen des Gerichtes in Elberitz hatte man einen D i n g t a g mit dem Paken, in gleichen einen Theding mit denselben Paken und hiesigem Pfarrer um den Sichelzoll. Der Stadtschreiber und mehrere Mitglieder des Rates zu Leipzig waren für die Stadt an diesem Dingtage hier, der Rat löste sie mit 1 Schock 40 Groschen aus der Herberge und verehrte ihnen einiges Wildbret - welches durch den Leipziger Rat mit einem Gegengeschenk an Elsasser Wein ausgeglichen wurde. Einem Mönche, den man nicht betteln ließ, gab man 4 Groschen. Der Rat kaufte das Häuschen der Bürgerin, am Kirchhofe, für 3 Schock 42 Groschen und bestimmte es zur Wohnung des Lesemesslers.

1446
Am 12. April erhielt der Pfarrer in Delitzsch, Herman Westfal, vom Erzbischofe Friedrich zu Magdeburg Auftrag, als erzbischöflicher Kommissar in den unter magdeburgischer Diözese gelegenen meißnischen Landesteilen gerichtliche Sachen in erster Instanz zu verhandeln. Der Kurfürst hatte zu Erleichte­rung der Untertanen darum nachgesucht. Die Stadt sollte 1000 Gulden Steuer geben und waren deshalb drei aus dem Rate und vier aus der Gemeinde in Torgau. Die fürstlichen Briefe des Herzogs Wilhelm an hiesigen Rat überreichten Abgeordnete des Rates dem Kurfürsten in Leipzig. Der Kurfürst bestätigte auf geschehene Huldigung in einem Briefe die Freiheiten und Rechte der Stadt. Am 14. August war der Kurfürst im Kloster zu Neuen Werke in Halle, wo er wegen der Huldigung des Erzbischofes zu Magdeburg und der Stadt Halle als Burggraf verhandelte und sühnte am 29. Dezember aber mit dem ganzen Hofstaate in hiesiger Stadt. Es gab eine Heerfahrt nach Pasewalk mit 42 Schock, eine nach Thüringen mit 54 1/2, Schock Aufwand. Auch zogen Schützen nach Merseburg, kehrten aber bald zurück. Die große Büchse des Kurfürsten wurde mit sechs hiesigen Pferden von Wittenberg nach Leipzig gefahren. Man hatte daneben Folgen, in deren einer der Bürger, Nicolaus Becker, blieb. Der neue Hauptmann war Strohbart. Alte und Kranke, die an den Heerfahrten nicht teilnehmen konnten, gaben Geldbeiträge gegen 7 Schock. Das Lauten der Glocken gegen Wetter kommt in diesem Jahre zum ersten Male vor und wurden die Lauter aus der Kasse des Rates bezahlt. Auch bildete sich in diesem Jahre oder kurz vorher eine neue Brüderschaft, aus Gelehrten bestehend, für den Gesang der Kirche. Sie kommen in diesem Jahr unter den Namen Korales, Korsenger vor, nennen sich aber einige Jahre später: "Die neuen Brüder" - "Die Gesellschaft der gelartin Burger, der heiligen Dreifaltig­keit, des heiligen Leichnams und unserer lieben Frauen - innige neue Gesellschaft des wahren Leichnams Jesu Christi und der hochgelobten Jungfrau Maria" und noch später "Stabulisten", "Constabeln". Ihnen gehörte der ziem­lich gut dotierte Altar Trinitatis - der aber im Jahre 1527 in eine Kommende überging, welche der Rat verwaltete und die Einkünfte zu Besserung des Predigtamtes, zu Stipendien für Studierende der Stadt und Armenunterstützung verwendete.

1447
Um Minderung der im vorigen Jahre verlangten 1000 Gulden Steuer machte man viele vergebene Reisen und lieferte sie in Terminen, vom 2. Februar ab, an den fürstlichen Kammermeister Balthasar von Arras unverkürzt. Man borgte hierzu und den Kriegsbedürfnissen 120 Gulden vom Stadtschreiber Ortrand und seiner Wirtin Margarethe auf Leibzins, 300 Gulden von Johann Hallis, 300 Gulden von Otto Kalb, 300 Gulden vom Geleitsmanne Conrad Rost und 300 Rheinische Gulden vom Altare der neuen Brüderschaft (Trinitatis), worüber aber die Urkunde erst 1463 ausgestellt ward. Die hiesige Stadt hatte eine Heerfahrt nach Altenburg - am 6. Januar einen Zug von 33 Schützen nach Leipzig, am 6. Februar einen gleichen von 20 Schützen nach Lützen und am 2. Mai nach Pegau - mit einem Aufwande von 66 Schocken. Der Schützenmeister kam von Borna. Durch den Hauptmann Strobart erhielt man einige Erleichterung und verehrte ihm deshalb 2 Faß Torgauer Bieres. Den 16. April waren die Städte in Meißen versammelt. Die Scharren (Fleischbänke) wurden mit Schindeln gedeckt - und Wassergefäße an den Brunnen, auch lederne Eimer angeschafft. Matthaeus Oelsleger gab 1 Schock Strafe wegen Ehebruchs. Wegen der Lesemesse war man bei dem Erzbischof zu Magdeburg, und in Halle und Leipzig wegen der Acht. Die Lesemesse unterhielten die Ackerknechte, und der Geistliche, der sie versah (Lesemessler), hatte zur Wohnung ein Häuschen auf dem Kirchhofe, die nachherige Wohnung des dritten Schullehrers.

1448
Der Ratsherr Martin Koerner und der Bürger Caspar Lenz waren den 24. März in Grimma wegen des Aufsatzes der Vormundschaft und am 5. Juni wegen Heischung der Landwehr in Meißen. Am Himmelfahrtsfeste, den 2. Mai, versammelte sich die Gemeinde in der Kirche wegen der neuen Steuer von 2000 Gulden, die für den Kurfürsten ausgebracht werden sollte. Man suchte Geld in Halle, Leipzig, Wurzen, versetzte die Monstranz und erhielt endlich 320 Gulden von D. Stephan Hüfenerin Leipzig, aus Prettin gebürtig, 130 von den Dominikanern in Leipzig, 120 vom Nonnenkloster daselbst, 300 von Martin Schindel, 60 vom hiesigen Ratsherren Moritz Becker auf Leibzins, 300 von Hans Porsdorf. Trotz des vorjährigen Vertrages entspann sich zwischen den fürstlichen Brüdern neuer Zwist, man rüstete sich von beiden Seiten - sechs Schützen gingen von hier im Juni nach Altenburg - das vierte Viertel der Stadt und die Neustadt am 22. Juli nach Hoyerswerda. - Drei Viertel am 24. August nach Diedendorf und am 22. September ward die Bürgerschaft abermals mit der Glocke wegen der Heerfahrt gerufen. Diese Heerfahrten kosteten der Stadt über 100 Schock und waren überdies außerhalb der Stadt Wachen aufgestellt und alles gegen einen Überfall vorbereitet. Das Stadtschreiber- und Schulmeisteramt war getrennt und hielt der neue Schulmeister (Rektor) Nicolaus (Arnoldi aus Grünenberg), der vorher Rektor in Grimma war, seine erste Messe. Er war für seine Zeit ein gelehrter Mann, Mitglied des Kalandes und später Pfarrer in Zaasch. Die Diäta der Kirchenbibliothek ist von ihm geschrieben, er gab sie im Jahre 1467, seinem Todesjahre, mit 104 Rheinischen Gulden als Vermächtnis hiesiger Petri Pauli Kirche und der Kaland beging sein Gedächtnis in der Fastenzeit. Das Hospital kaufte einen Garten und zwei Wiesen, an der Gemeinde Kertitz gelegen, von Hans Lichtenberg für 10 Schock schildigter Groschen und brauchte sie bis 1546, wo sie vererbt wurden. Auch in diesem unruhigen Jahre errichtete man im Jahrmarkte Petri Pauli die gewöhnliche Birkenlaube vor dem Weinhause - der Schenkstube des Rathauses.

1449
Durch die Grafen von Schwarzburg, die sich bei Teilung vererbter Güter veruneinigten und befehdeten, gerieten auch die fürstlichen Brüder, wie sie von dem einen oder anderen Teile um Hilfe angesprochen wurden, in neue Kämpfe. Den Landgrafen Wilhelm unterstützte dieses Mal der Markgraf Albrecht von Brandenburg mit starker Mannschft, die Besitzungen des Stifts Naumburg und Zeitz, die Gegend um Altenburg, Rochlitz, Torgau, Chemnitz wurde verheert, Frankenberg und Lichtenwalde angesteckt, auch Freiberg (mit Ausnahme des Schlosses) besetzt und die Bergmannschaft aufgewiegelt, es gelang jedoch dem Kurfürsten, die Brandenburger mit einem Schlage wehrlos zu machen, und Herzog Wilhelm, allein zu schwach, zog sich nach Thüringen zurück. Die Annäherung der im südlichen Deutschland furchtbar gewordenen Pest erlaubte keinen neuen Angriff, doch blieb man gegenseitig in völliger Rüstung. Zu diesem Heereszuge stellte die Stadt am 5. März eine Woche lang acht Trabanten, am 18. Juni zehn Trabanten, am 1. August sechs Trabanten, am 14. September auf zwei Tage acht Schützen und am 10. Oktober auf fünf Wochen acht Trabanten mit einem Aufwande von 60 Schocken nach Nebra. Sechzig Wappner, die nach Borna aufgeboten waren und am 11. November aufbrachen, kamen jedoch bald zurück. - Dagegen zogen am 6. September zwanzig Trabanten und neunzig Ende dieses Monats auf 3 1/2 Wochen nach Wittenberg. Auch führten die Knechte des Rates acht Tage lang Holz aus der Lochauischen Heide zu der Brücke bei Wittenberg. Bei Augustin Steinberg und Peter Pfeil kam Feuer aus, beide wurden bestraft und einer, der sich beim Löschen verbrannt hatte, ward auf öffentliche Kosten geheilt. Am 29. März entließ der Erzbischof den Pfarrer in Gerltitz (Gerlitz), Nicolaus Thomae, seines Amtes, weil der Ort ganz wüst war - und diente er als Vikar in der Stadt. Man hielt eine Prozession gegen die Pest und gab den Mönchen 8 Groschen Opfergeld. Die Herren von Gera, Heinrich Reuss und Griffogel, Landvogt zu Sachsen, waren hier und erhielten den Ehrenwein.

1450
Die fürstlichen Brüder gerieten abermals aneinander und da der Landgraf Wilhelm von den Brandenburgern und Böhmen unterstützt wurde, die des Kurfürsten Länder von zwei Seiten angriffen und unmenschlich hausten, des Kurfürsten Kriegsobersten in Thüringen Rache suchten, Gleiches mit Glei­chem vergalten, so trat für die Untertanen beider ein Zustand ein, dessen Schrecklichkeit in der Geschichte Sachsens kein Beispiel hat. Sechzig Dörfer Thüringens brannten im Juli an einem Tage nieder und in Gera, welches am 16. Oktober von den Böhmen erstürmt wurde, brachte man weit über tausend Einwohner und Fremde in der Kirche, wohin sie sich geflüchtet hatten, selbst auf den Stufen des Altars um. Diese schändliche Tat empörte allgemein und der Kaiser, vom Kurfürsten von Mainz angeregt, befahl den Brüdern sogleich, bei Strafe der Reichsacht, Friede zu halten und ihre gegenseitigen Ansprüche der Entscheidung der schon zwei Mal in der Sache tätig gewesenen Fürsten zu unterwerfen. Dieses wirkte, man unterwarf sich den Schiedsmännern, Äuße­rungen unverkennbarer Bruderliebe des Kurfürsten aus der Zeit der heftigsten Erbitterung, dem Landgrafen Wilhelm von redlichen Männern vorgetragen, erweckte Gegenliebe und es kam zu völliger Aussöhnung, zu unaussprechlicher Freude des in jeder Beziehung aufs Äußerste gebrachten Volkes. Auch hiesige Stadt, wiewohl sie von feindlichen Anfällen verschont blieb, hatte ungemein Verluste durch Rüstung, Sicherungsanstalten, Heerfahrten, Notsteuern und Vorschüsse an den Fürsten. Die Einrichtung des Geschützes allein kostete gegen 60 Schock.

Im Septemberund Anfang Oktober, wo die haufenweise das Land durchziehen­den Böhmen die Umgegend bedrohten, und die Stadt von Leipzig aus Warnung erhielt, suchte man Rettung bei dem Kurfürsten in Meißen, Hilfe durch Mannschaft, weil ein großer Teil der Bürger abwesend im Heere war, in gleicher Absicht ging man nach Halle (wegen der Mordbrenner), wiewohl vergebens, doch fand man einige Unterstützung durch die Landbewohner und Bürger der kleineren offenen Städte, die sich mit ihrer besten Habe hierher flüchteten und an der Befestigung gegen Kost arbeiteten. Ein Baumeister aus Altenburg leitete den Bau und Maurer aus Leipzig förderten ihn. Man erhöhte die Mauern, den Damm am Hallischen Tore, versah den Schützengraben mit einem neuen festen Tore, bohlte den Graben um die Vorstadt aus und glättete ihn. Von Zwickau holte man Waffen und Pfeile und drei Tarrasbüchsen (Schirmbüchsen, Wallgeschütz) wurden in Leipzig gekauft. Den Zwinger richtete man nach dem Wittenberger ein, den man besichtigen ließ. Auf den Türmen und der Kirche, auch außerhalb der Stadt hielt man starke Wachen (wegen der Feuerschösse) und diese brachten zwei gefangene Thüringer ein. In die Heerfahrt zogen siebzig Trabanten am 15. Juni nach Thüringen, dreiund­dreißig am 29. desselben Monats nach Belzig mit einem Aufwande von 80 Schocke. Der Zug dieser Trabanten mit dem Kurfürsten von Wittenberg nach Leipzig und von da nach Thüringen kostete der Stadt 155 Schock, der von vierunddreißig Trabanten in der Mitte des Juli auf Gera 15'/2 Schock, und weit mehr noch die Heerfahrten am 16. Oktober nach Rochlitz und am 22. desselben Monats nach Pegau. Übrigens gab es auch mit dem Hauptmann Folgen nach Zörbig, und man brachte daher am 28. Oktober eine Notsteuer und Notgeschoß von 274 Schocken 16 Groschen aus. Dem Kurfürsten mußte man 1000 Gulden ausrichten und diese nach Anweisung der Kurfürstin und kurfürstlichen Räten in Altenburg abliefern. Sie wurden mit Mühe erborgt und wies zwar der Kurfürst am 23. Juni der Stadt 15 Schock von Zörbig, 11 Schock von Bitterfeld und 2 Schock von Brehna zur Verzinsung an, sie gingen aber, ungeachtet sich der Bürgermeister Erasmus von Zörbig und Conrad von Bitterfeld verbindlich erklärten, nicht richtig ein und Delitzsch trug die Last, für die es allein verbindlich war. Zörbig zahlte richtig, Brehna aber blieb aus und für Bitterfeld trat später Dommitzsch ein. Auch mußte der Rat für 3000 Gulden, welche der Kurfürst vom Bischof Johannes in Merseburg borgte, Bürgschaft leisten und die Schuldurkunde besiegeln. Am 4. Mai war der Kurfürst mit seinem Hofstaate und im Juni der Bischof von Merseburg in hiesiger Stadt, auch erhielt Crunz von Kaufungen am 4. Oktober den Ehrenwein. Nicolaus Rochlitz, alter Prediger der Stadt, gab dem Rate 100 Schock alter Groschen, und dieser bestimmte sie nach dessen Willen der Lesemesse, und gab jährlich 7 Schock alter Groschen Zinsen dahin. Rochlitz starb in diesem Jahre. Die Reichen, welche an den Heereszügen nicht teilhehmen konnten, und die. die nicht 12 Wochen außen waren, mußten Geld geben, womit man die Vorstädter und armen Handwerksleute, die ihre Zeit aushielten, unterstützte.
 


Delitzscher Stadtchronik -1451-1499

(Quelle: Delitzscher Stadtchronik von Johann Gottlieb Lehmann; ausgewählt durch Hans-Jürgen Moltrecht, Teil II, 1451-1499, hrsg. vom Kreismuseum Delitzsch, 2. Auflage 1991)

Einführung

Der vorliegende Teilabdruck aus der Lehmannschen Chronik belegt die Jahrzehnte vor 1500. Es ist die Zeit zunehmender Widersprüche zwischen dem wirtschaftlich aufblühenden Städtebürgertum und dem historisch überlebten Feudaladel. Alle politischen. wirtschaftlichen sozialen und ideologischen Faktoren werden noch einmal deutlich, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Deutschland zur ersten frühbürgerlichen Revolution Europas führten. Noch erweitern die Städte um Leipzig ihre Märkte, sichert sich Delitzsch durch Verstärkung der Wehranlage gegen militärische Übergriffe und beendet Bau und Ausbau der repräsentativsten Gebäude -Rathaus 1497 und Stadtkirche 1499. Daneben sind die Städte weiter verpflichtet, an fürstlichen Heerfahrten teilzunehmen und Hofgelage in Leipzig oder anderen Orten mit Nahrungsmitteln und Betten zu unterstützen. Der Delitzscher Rat hat laufende Steuern und Sondersteuern für die sächsischen Fürsten pünktlich abzuliefern. In vielen Fällen kann er die Summen nur unter Schwierigkeiten aufbringen und als einzige Möglichkeit bleibt ihm dann, wohlhabende Bürger um Hilfe zu bitten. Auch die Kirche oder einzelne Geistliche treten als Kapitalverleiher hervor. Andererseits fließen Unsummen als Erlös aus dem Ablaßhandel nach Rom. Ablaßverkauf und Heiligenverehrung nehmen im religiösen Leben einen großen Raum ein und es fehlt, wie am Beispiel des "Wunders der blutenden Hostie" von Wilsnack 1484 nicht an vernünftigen Stimmen aus den Universitäten, die den Betrug am gläubigen Volke entlarven. Betfahrten sollen gegen Hungersnöte und Epidemien helfen, doch die Zusammenballung des Volkes bewirkt eine weitere Übertragung und Ausbreitung der Krankheit. Ein Drittel Bevölkerungsverlust in den Städten sind keine Seltenheit.

Unter den chronistischen Angaben finden wir in diesem Teil immer häufiger Hinweise auf den An- oder Verkauf einzelner Gebäude oder Grundstücke. Die Interessen des hiesigen Rates konzentrieren sich neben dem Ausbau der Wehranlage, Brücken und Straßen stärker auf die Nutzung und Verbesserung örtlicher Mühlen. Die Vorteile frühkapitalistischer Wirtschaftsmethoden sind den Ratsmitgliedern bekannt und es spricht für ihren Weitblick, wenn sie Schneeberger Berganteile erwerben und die Zinsen für städtische Unternehmen nutzen. Unter den Bevölkerungsschichten tritt eine weitere Differenzierung ein. Die Besitzlosen sind besonders unter den Vorstädtern verbreitet und arme Ratsherren werden mehrmals erwähnt. Die Einwohner der Vorstädte sind wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Ihr Bemühen um gleiche Rechte wird 1465 von fürstlicher Seite für immer abgewiesen. Auch die Kämpfe der Handwerker um verbesserte Innungsartikel stoßen auf größeren Widerstand der Feudalklasse und so werden in dieser Zeit bereits die Keime zur Erstarrung und damit rückläufigen Tendenz der Innungen gelegt. Aufschlußreich sind die hier beschriebenen baulichen Veränderungen in der Stadt. Die Lebensgewohnheiten der Bürger und ihre Bedürfnisse lassen sich selbst aus kurzen Notizen entnehmen. In den vom Chronisten benutzten Quellen, wie Kämmerei-, Rats- und Kirchenrechnungen, Schuld- und Fürstenbriefen, Brand- und Gebäudekataster treten allerdings diese Fragen zugunsten der wirtschaftlichen und politischen zurück.

1451
208 Schock 20 Gr. Steuer musste für den Kurfürsten und 309 Schock 39 Gr. 1 Pf. zu den Büchsen, Geschoß und Notgeschoß ausgebracht werden, wozu auch das Gesinde 7 Schock 10 Gr. beitrug. Die Büchsen allein kosteten 120 Schock 14 Gr. 8 Pf. Zu besserer Sicherung der Stadt baute man ein krummes Tor (das damals Eilenburgische, nach einer späteren Benennung breite Tor, welches vorher eine gleiche Richtung dem Steinwege zu hatte), versah es auf beiden Seiten des Weges mit starken Seitenmauern und diese mit Öffnungen für das Geschütz, führte auch nach beiden Seiten neue Mauern am Graben mit Türmen oder Basteien auf und nahm dabei das krumme Tor in Naumburg zum Muster, welches vorher von Bauverständigen besichtiget ward. Der Maurer Burkhard erhielt für die Rute 1 Schock 30 Gr. und wendete man in diesem Jahre 100 Schocke darauf. Dieser Bau gab Gelegenheit zu Anstellung eines Bauherrn (später: Bauverwalter) und war der erste Caspar Gottschalk, welcher jährlich 2 Schocke erhielt. Der Rat in Bitterfeld verweigerte die Zinsbeiträge zu der Fürstenanleihe der tausend Gülden vorigen Jahres und ward deshalb beim Kurfürsten verklagt. Am 7. März mußten von hier viel Betten nach Leipzig geschafft werden wegen der Zusammenkunft beider fürstlicher Brüder in Leipzig, und des Kurfürsten Gemahlin ward von da mit der Stadt Gespann nach Rochlitz gebracht. Am 5. Juni hatte man eine Reise nach Regau und Grunau zu den Füsten wegen Apel Vitzthum. Der Stadtschreiber Ortrand erkrankte, der Rat ließ zweimal den Dr. Murer aus Leipzig holen, zahlte ihm 4 Gülden für die ärztliche Besorgung und gab ihm den Ehrenwein. Ortrand vermachte der Kirche sein Haus und den Minoriten in Leipzig zwei Bücher geistlichen Rechts, Decretales und Sext., weswegen sie der Familie in einer Schrift die Abhaltung zweier Gedächtnisse Michaelis des Jahres zusicherten. Er starb in der Nacht von Exaudi zu Pfingsten, schrieb eine gute Hand und seine Aufsätze, kräftig stilisiert, bezeugen seine Tüchtigkeit. Unter den Waffen werden zum ersten Male die Pafeusen, Pfaffowsen, erwähnt, kurze Stoßdegen, die man in der Scheide trug und das Stück mit ungefähr 10 Gr. bezahlte. Nicolaus Thomae, bis 1449 Pfarrer in Gerltitz, erhielt den Altar Catharinae, den von 1423 bis 1450 Nicolaus Ohm gehabt hatte, mit einem jährlichen Einkommen von 16 Gülden, und behielt ihn bis zu seinem Tode 1467, in welchem Jahre er als Altarist in Gräfenhainichen starb, wohin er von hier schon 1453 gezogen war. Albrecht Profyn war der Stadthauptmann. Es gab auch in diesem Jahre Herrfahrten, die erste mit 6 Trabanten gegen Sadow und Brüx, die zweite mit 30 Trabanten nach Naumburg, die dritte mit 30 Trabanten nach Dornburg mit 32 Schocken Aufwand - die beiden letzteren gegen Apel von Vitzthum. Den Schützen gab man zum ersten Male den Schützenbraten am Trinitatisfeste - kostete 1 Schock 25 Gr. - und an 12 Sonntagen nach diesem Feste, wo sie Übungen im Schießen hatten, 36 Gr., jeden Sonntag 3 Gr., an deren Stelle in neuerer Zeit der Rat als ersten Gewinn einen zinnernen Teller gibt. Zur Ausbringung der fürstlichen Steuer borgte man 120 Gulden von den Altarleuten - Vorstehern hiesiger Kirche, 250 Gulden von Heinrich Wilde, Pfarrer in Magdeburg, 70 Gulden von Dr. Stephan Hüfner, in Leipzig.

1452
Zwei Legaten (die vom Papst den Auftrag hatten, gegen die Türken aufzurufen), waren in hiesiger Gegend tätig. Johannes Capistranus, ein Mönch Italiens, Barfüßerordens, hielt in italienischer und lateinischer Sprache öffentliche Reden, die ein Dolmetscher sogleich deutsch wiedergab mit ungemeiner Wirkung. Karten, Würfel, Brettspiele warf man in seiner Gegenwart ins Feuer und selbst die Frauen verbrannten ihren üppigen Putz. In Leipzig blieb er dreißig Tage und wahrscheinlich war er auch hier, denn es sind in der Ratsrechnung 58 Gr. 3 Pf., pro consumtu dem würdigen Vater, verausgabt und so nannte man ihn. Der zweite, Kardinal Nicolaus de Cusa, beabsichtigte auf seinen Reisen hauptsächlich eine Sittlichkeit und Amtstätigkeit fördernde Reformation der Geistlichen, und eine günstige Stimmung des Volkes zu Beiträgen für die allgemeine Bewaffnung gegen den "Feind des Christentums", zu welchem Zwecke denn auch die Gnade gepredigt ward. Leider gingen die gutgemeinten Reformen nicht tief und die bedeutenden Summen, die der Ablaß aus Deutschland zog, meistens in unrechte Hand. Den 21. April zog man mit etlichen Trabanten nach Künsberg und Liegnitz. Die Arbeiten am krummen Tore wurden fortgesetzt und borgte der Rat teils zu diesem Baue, teils zu anderen Bedürfnissen 200 Gulden vom Bischofe in Merseburg und Johann Hanstein, 100 Gulden von Johann Vogelin von Wolffhain und 25 Gulden von Agnese Bercht. 208 Schock betrug die diesjährige Steuer für den Kurfürsten und ward in Terminen an Hugo von Stinitz abgeliefert. Am 1. Juli war zwischen dem Erzbischofe zu Magdeburg und Kurfürsten ein Tag in Merseburg, wo man hauptsächlich auf des Landgrafen Wilhelm Bemühungen übereinkam, daß die kurfürstlichen Untertanen in weltlichen Sachen nicht mehr vor das geistliche Gericht nach Magdeburg gezogen, sondern die Kläger an die ordentliche Obrigkeit des zu Verklagenden gewiesen werden sollten. Ein Vertrag, der vielfältig umgangen und erst im folgenden Jahrhunderte wirksam ward. Am 17. Juli und 10. August war der Herzog und Landgraf Wilhelm mit starker Begleitung, Trommlern und Pfeifern in hiesiger Stadt. Der Jahrmarkt Sonntag nach Maria Himmelfahrt, brachte 2 Schock 12 Gr. Stättegeld. Die Schützen zogen nach Weißenfels - nach dem Kleinod zu schießen - (zu einem Schützenhofe oder Feste). Ein solches Fest ward dem Orte durch Überreichung des bei dem letzten Feste getragenen Schützenkran-zes bestimmt. Der Rat gab ihnen dieses Mal 2 Schock, 7 Gr. 6 Pf. Auslösung, auch erhielten sie 13 Sonntage, jeden Sonntag 3 Gr. zu dem Schützenbraten. Die Gesellschaft der hiesigen Dreifaltigkeit, des heiligen Leichnams und unserer lieben Frauen, derJungfrau Maria, in der Kirche Petri Pauli, wurde von Heinrich Czschaes, Pfarrer in Zörbig, mit einer Rente von 1S Scheffeln Getreide, halb Roggen, halb Hafer auf Robitzmark, die Claus Czolke (auch Czolkow) aus Delitzsch der Gesellschaft schenkte, beliehen. Die Urkunde vom 12. März dieses Jahres. Vorsteher der Gesellschaft waren damals: Martin Koerner und Hans Schade; Mitglieder unter anderen der Pfarrer Herman Westphal, Konrad Heyse, Nicolaus Kramer, Michael Kupstal. Der Pfarrer Czschaes verliehe sie mit seinem Bruder Hans und unmündigen Vettern. Eltern des Czschaes waren Conrad und Margarethe. Auch schenkte in diesem Jahre der Ratsherr Hans Hallis zu der Krone und zur Messe dieser Gesellschaft 50 Gulden. Ferner 50 Rh. Gulden zu der Lesemesse. Beide Kapitale trugen 7 Rh. Gulden Zinsen, davon gehörten jedoch 5 Rh. Gulden dem Sohne George nachherigem Pfarrer in Glesien und fielen erst nach dessen Tode 1495 den beiden Altären zu. Hans Hallis war ein wohlhabender Tuchhändler (Pannicida), vorl 1417 - 53 Ratsherr und von 1427 an Bürgermeister, welcher auch dem Filrsten Gelder lieh. Der Rat schuldete dem Magister Claus von Gotha nach einer Verschreibung 100 alte Schocke mit allen Gütern verhaftlich. Seit einigen Jahren gab man Ehrenbäder, die Ratsherren erhielten jährlich viermal Geld zum Bade, auch Maurer und Zimmerleute, als Trinkgeld ein Bad, welches sie sich zuweilen begangen.

1453
Am 22. Februar war der Kurfürst mit Hofstaate hier und am 22. April der Graf George von Anhalt. Der neue Stadtschreiber Johann Rainicke ward bestätiget und von Leipzig geholt-der Bau am krummen Tore und Zwinge' miteinem Aufwande von 38 Schocken fortgesetzt. Eine Heerfahrt nach Slethe mit 11 Wagen und 100 Trabanten kostete über 30 Schock, auch hatte man eine Folge mit Wagen und Trabanten nach Tiefensee.

1454
Der Bau des krummen Tores ward vollendet und unter anderen auch von dem Bürgermeister aus Torgau besichtiget. Sechs gekaufte Häuser der Vorstadt brach man ab, es waren die Häuser des Nicolaus Kramer, Matthäus Smed, der Czellyne, des Nicolaus Berger, Johann Omigke, Christian Stapfewitz, um den freien Platz vor dem Tore zu gewinnen, der noch Ibesteht. Man erweiterte den Stadtgraben und erbot sich, da das Schloß nur mit einer Mauer und schmalen Gräbchen versehen und die Stadt von dieser Seite noch gefährdet war, auch diesen Teil durch einen breiten Graben zu sichern, was anfänglich wegen einer kleinen, am Hospitale liegenden Mühle, welche dem Amte jährlich 20 Scheffel Korn abzugeben hatte, und in der Abneigung gegen die Befestigung der Städte Schwierigkeitenfand. Die Erlaubnis ward jedoch, als die Stadt auf dem Tage in Leipzig, den 24. Februar, wo Herzog Wilhelm zur Besoldung der abgedankten Böhmen einen Beistand verlangte, und eine Steuer von 2 Groschen auf das Haupt in Vorschlag kam, sich vor den meisten Städten gefällig bewies und am 6. März schon die Hälfte der Steuer zahlte, an diesem Tage gegeben, die Mühle von dem Gräbchen getrieben, der Stadt überlassen und der Bau des Grabens sofort ausgeführt. Zur Erleichterung des Baues befahl der Kurfürst noch tags darauf dem hiesigen Vogte und Geleitsmanne dem Rate zwei Schüttkarren zu halten und das frönende Landvolk der Pflegen Delitzsch, Bitterfeld und Zörbig gegen des Rates Kost und so, daß jeder, mit Ausschluß der Samenzeit drei Tage arbeiten sollte, zu verstatten in (einer besonderen) Zuschrift. Die Mühle, welche der Kurfürst zum besten der Sicherung des Schlosses und der Stadt aufgab, heißt in der Rechnung die Spitelmüh1e (spittelmole), Mühle bei dem Spitale, der Rat brach sie und verkaufte Mühlhaus und Rad für 1 Schock 50 Gr., ein Beweis ihrer geringen Beschaffenheit. Mit Rücksicht auf diesen kostspieligen Grabenbau verschonte man die Bürger mit Heerfahrten und Folgen, es gingen aber doch am 29. März und 21. Mai 6 Trabanten nach Brüx, am 19. Juli 6 dergleichen nach Pirna mit einem Aufwande von 50 Schocke gegen die Böhmen, die einen billigen Vergleich nicht annehmen wollten und das Oberland mit Einfällen bedrohte. Der Geleitsman des Schlosses Conrad Rost starb in diesem Jahre und der Rat erhielt zu Ordnung dessen Nachlasses kurfürstlichen Auftrag. In den Rechnungen des Rates kommen nun zwei Märkte, an denen man Stättegeld erhob, vor, der Ablaß (Petri Pauli) und der Jahrmarkt (Sonntag nach Mariae Himmelfahrt). Die Stadtpferde führten für den Kurfürsten 250 Scheffel Hafer nach Torgau - nach Leipzig aber Kupfer zu Umgießung 14 Stück kleineren Geschützes der Stadt. Das Aufgeld auf die Steuer (Kopfsteuer), die man dem Kurfürsten geben mußte, auf den Gulden 10 alte Groschen, betrug 59 Schock 26 Gr. 6 Pf. Die Erlaubnis, goldene Münzen zu prägen, gab der Kaiser dem Kurfürsten am 12. November dieses Jahres.

1455
Am 25. Februar nahm der Rat an einer Städteversammlung in Oschatz teil, wo man des Landes Bestes gegen die böhmischen Ansprüche und Drohungen beriet. Der Kurfürst war am 14. April bei dem Grafen Georg von Dessau zum Kindtaufen. Hiesige Ratsherren begleiteten ihn zu Pferde dahin und von da nach Wittenberg. Am 8. Juli geschah der Prinzenraub durch Cunz von Kaufungen und seine Gehülfen in Altenburg, und hier ein starkes Aufgebot zu ihrer Verfolgung, das aber nicht tätig ward. Amt - und Hauptmann war Albrecht Profyn, Proffen, zugleich auch in Leipzig. Bei Jacob Witich brach Feuer aus und gab man der löschenden Mannschaft Geld, ein Faß Torgauer und ein Faß Delitzscher Bier. Auch war die Stadt im Banne, dessen Ursache nicht angegeben ist. Ferner hatte sie einen Streit mit Sixtus Schoenberger in Halle, wegen seines Weibes Sophie, den am 9. Oktober der Bischof Johannes zu Merseburg, auf den sich die Parteien beriefen, freundschaftlich entschied.

1456
Am 2. Osterfeiertage ging der Rat zu einer ständischen Versammlung nach Leisnig. Man folgte dem Hauptmanne, dem Siegfried von Schoenfeld Pferde genommen hatte. Auch fiel man auf des Kurfürsten mündlichen Befehl in Sausedlitz ein, des Landes Feind zu schwächen, dabei ward ein Kasten des Bernhard Rochlitz aufgeschlagen, welcher 3 Schock an Gelde und Geräte verloren haben wollte und entschädigte man ihn auf den Anspruch der Tedingsleute, des Otto Spigel und Haupt- und Geleitsmannes mit 1 Schock 40 Groschen auf Rechnung der Kämmerei. Das Rathaus, wie es im Jahre 1474 neu gebaut ward, und in seinen Umfassungsmauern, Gewölben und Kellern bis in die neueste Zeit unverändert blieb, entstand aus 3 Gebäuden, dem dritten, vierten und fünften des zweiten Viertels, die man nach und nach ankaufte, und in genanntem Jahre zu einem Gebäude verband. Die erse Aneignung war das Kaufhaus, 1376, das fünfte Haus des zweiten Viertels, wo Tuchhändler (Gewandschneider), Fleischer und Bäcker feil hielten, später und im neuen Gebäude die Bänke genannt. Man richtete die obere Etage zur Gerichtsstube (theatrum praetori um) ein und der Rat war bald hier, bald in der oberen Etage des Weinhauses versammelt, ein Stadtgebäude des dritten Viertels, später als Garküche ausgetan. Für die Versammlungen der Bürger hatte man noch keinen Raum, man verhandelte mit ihnen auf ein Zeichen, welches der Küster mit der großen Glocke gab, in der Kirche, hielt aber, den Ort wohl beachtend auf strenge Ordnung und bestrafte unziemliche Reden härter, Ungebührnisse sogar mit dem Verluste des Bürgerrechts. Um nun nach und nach auch für diese Zusammenkünfte der Bürgerschaft, für Ratssitzungen und Wirtschaft ein gemeinschaftliches Gebäude zu gewinnen, kaufte er in diesem Jahre von Jacob von Diskau und seinem Weibe die dritte Hofstätte des zweiten Viertels für 66 Schock, legte den Weinkeller des dritten Viertels hierher, vereinte Rats- und Gerichtsstube in der oberen Etage, benutzte hierzu das Kaufhaus, welches noch durch das Privatgebäude, das vierte getrennt blieb und verkaufe das bisherige Weinhaus an den Bürger Hans Schokkelt, der es jedoch 1459 wieder abtrat, worauf es denn Garküche, und unter anderen 1480 einem Valentin Buff mit der Bedingung, daß er von Ostern bis Martini gar mache und als Koch mit in die Heerfahrt ziehe, pachtweise überlassen ward.

Zu diesem Ankaufe und Neubau borgte man von dem Kämmerer auf dem Petersberge, Heinrich Wilde 100 Rh. Gulden 33 Schock 20 Gr. von dem Bürger Zander in Schmiedeberg und 13 Schock 20 Gr. von dem Priester Er. Dietrich Sefeld und seiner Dienerin Catherine Murer auf Leibzins, der Bauholz aber nahm man von Heinrich Spiegel (dem Schelmgrund) für 12 und das Hölzchen hinter der Mühle zu Dörfchen von Thime von Schenkinberg (da selbst gesessen) für 3 Schock 10 Gr. und der Bedingung, daß es bis Walpurgis künftigen Jahres abgeführt sei. Das zwischen liegende Privatgebäude (Magerkopps) erlangte man erst im Jahr 1474 und nun entstand aus den 3 Besitzungen, wie vorher bemerkt, vereint das neue Haus zwar nicht in der Form, doch in der Hauptanlage dem jetzigen gleich. Die Schützen gingen zu einem Schützenhofe nach Borna. Der Rat ließ ihnen vom Goldschmiede das Kleinod (Abzeichen des Königs) bessern und gab ihnen l Schock 40 Gr. Auslösung. Trabanten gingen nach Dippoldiswalde und verwendete man 11 Schock 17 Gr. auf diesen Zug. Am 22. Oktober war der Stadtschreiber mit zweien aus den Räten auf einem Tage in Leipzig auch in Halle in Angelegenheit des Bischofs zu Merseburg. Der Papst Calixtus verordnete das Mittagslauten, eine Aufmunterung zum Gebet um Sieg gegen die vordringenden Türken und Frieden. Einige hiesiger Stadt und Gegend, vielleicht durch Cusa und Capistranus Reden angeregt, nahmen freiwillig an dem Zuge gegen die Türken teil, über die man in diesem Jahre bei Griechisch-Weissenburg einen vollständigen Sieg errang - nicht durch Deutschlands Fürsten, sondern durch das Volk, wie der Chronikant bitter bemerkt und noch hinzufügt: "Schande den Edlen und Fürsten, die sich dem für den 'heiligen Krieg begeisterten Volke' entziehn und die ehrenwürdigen Taten ihrer Ahnen' nachzuahmen verschmähen - Löwen im Bett und Hirschen im Felde gleich. Weibischer Sinn entehrt ihr männliches Gesicht. Unkriegerisch sind sie nur fertig zu nächtlicher Lust und Schwelgerei, Wild zu hetzen, die Armen stolz und grausam zu beherrschen und von ihrem Schweiße Schlösser zu türmen - nicht für den Sieg, nur für die Flucht - Schlösser sind Weiberlehn! - Fromme, so sagt man mit Recht, setzen ihr Vertrauen auf Gott, Staatsmänner auf ihre Wissenschaft, tapfere Kämpfer auf Waffen, Feiglinge und Unfähige auf Schlösser und Mauern - und von dieser Art sind Fürsten und Edle dieser Zeit." Die Leineweber erhielten ihren Innungsbrief.

1457
In diesem Jahre erschien das Wart Kurfürst (kurfurste) zuerst im Titel, vorher nur Erzmarschalk, jetzt Erzmarschalk Kurfürst. Auch auf den Münzen sah man nun die Kurschwerter und nannte die mit diesem Zeichen neu geprägten Groschen deshalb Schwertgroschen. Beide fürstliche Brüder hatten sich über Verbesserung der Münze vereiniget und bedrohete, die Einschwärzer fremder, geringerer Sorten mit harter Strafe, hielten auch darauf, daß in Geschäften das auf die bisherigen Groschen zu legende Aufgeld richtig gegeben ward. Die neue Münze war nämlich silberhaltiger und verhielt sich zu der älteren wie drei gegen vier. so daß man beim Abschluß eines Handels um 1 Schock, wenn man in alter Münze zahlten wollte, 80 Groschen, für einen Groschen 16 alte Pfennige zu erlegen hatte. Die Familie der Spiegel hatte in hiesiger Stadtkirche den Altar Jacobi, ihrer Stiftung, dessen Stand an der Mitternachtsseite der Mauer des Schiffes durch das in Stein gehauene Wappen dieser Familie bezeichnet wird, und verhandelte in diesem Jahre mit dem Rate über die Abgabenfreiheit eines Hauses, daß man für den Vikar oder Altaristen erkaufet hatte. Der Rat gab es frei, es lag zwischen den Häusern des Lehns Trinitatis und Catharinae auf dem Mühlgraben, kam nach dem Tode des letzten Altaristen Conrad Nepfel (starb am 6. April 1567) der es, weil er auch Pfarrer in Zschortau war, nicht bewohnte als ein altes verfallenes Häuschen an den Gotteskasten, welcher es 1570 an den Rat verkaufte, worauf es mit dem zum Lehn Trinitatis gehörigen niedergerissen, der Platz aber mit drei neuen Häusern, den Nummern 187, 188 und 189 besetzt und an Bürger vererbt ward. Am 23. Juni mußten für den Kurfürsten Betten nach Leipzig gebracht werden - welches jedesmal geschah, wenn eine Zusammenkunft mehrerer Fürsten zu einer Festlichkeit des Fürstenhauses oder gemeinschaftlicher Beratung stattfand. Einem Dominikaner Mönche aus Leipzig, der an Stelle eines abgegangenen Bruders die hiesige Terminei bezog, gab man ein Gewand, am Werte 4 Groschen. Peter Kalb beschied der Kirche 10 Schock. Der Galgen wurde neu gebauet und erhielten die Handwerker, welche dabei tätig waren (bekanntlich aber mußten nach Handwerksgebrauch alle vom obersten Meister bis jüngsten Lehrjungen teilnehmen) außerordentliche Löhne, die sie gewöhnlich in Gemeinschaft verzehrten, die Schmiede bei Fertigung der Kette diesesmal 1 Schock 10 Gr., die Zimmerleute bei Legung der Balken 1 Schock 15 Gr. und ebensoviel ward auch den Maurern zuteil. Die von Freybergische Familie besaß seit längerer Zeit in der Rittergasse, hinter dem Rathause einen freien Hof, der aber wüst lag. Diesen verkaufte in diesem Jahre Dietrich von Freyberg zu Gertitz (mit dem man auch über Gertitz selbst handelte) an den Rat. und der Kurfürst verlieht ihm am 7. Juli als Stadtgut zu besitzen, zu genießen, Stadtrecht daran zu nehmen, und damit zu halten, wie es bei solchen Gebäuden üblich ist. Zeugen der Beleihung sind nach der Urkunde, die würdigen gestrengen Räte und lieben Getreue Er Hildebrant von Einsidel, Ritter, Obermarschalg, Er Georgius von Hugowicz, Techand zu Missen, pp Canczler, Er Hanns von Maltitz, Er Ihan von Slinitz, Ritter pp. Man baute die neue Ratsstube in dem voriges Jahr von dem von Diskau erkauften Gebäude - (die neue Dorncze). Der Rat bemühte sich, für den Kurfürsten eine bedeutende Summe aufzubringen  auch gab man ihm zu dem Damme bei Radegast 6 Schock Beistand. Die Schuhmacher erhielten am 10. Dezember ihren Innungsbrief.

1458
Johannes Bulkenhayn, Probst zu Kemrig (Kernberg) war der Kurfürsten Oberschreiber, hatte eine Schuldforderung an den hiesigen Bürger Cunze Bock und befahl der Kurfürst am 1. März von Leipzig aus, wo tags vorher die Ehestiftung zwischen Markgraf Albrecht von Brandenburg und der kurfürstlichen Tochter Anna geschlossen worden war, dem Bulkenhayn, an dessen Stelle der hiesige Gleitsmann zu handeln beauftragt sei, zu schleuniger Zahlung zu verhelfen. Dieser Cunze Bock hatte von Dietrich von Freyberg Gertitz gekauft, der Kauf ward aber rückgängig und trat der Rat in den Kauf. War Ratsherr von 1444-50. Der Rat zahlte 1462 (von bogs wegen) 12 Schock 50 Gr. an ihn, wo er Johann Buckinhain genannt wird, ebensoviel 1463. In der Pfingstwoche zogen die Söldner von hier in die Heerfahrt nach Zwickau mit einem Aufwande von 7 Schocken. Auch waren in dieser Woche sechs aus dem Rate in Grimma, wo in einer Ständeversammlung dem Kurfürsten eine Steuer und Schutzgeld zugesagt und von hiesiger Stadt mit 208 Schocken 20 Gr. nach Leipzig, an die Eilffer, die darüber gesetzt waren, abgeliefert ward. Der Rat kaufte den Sadelhof und das Vorwerk Gertitz von Dietrich von Freyberg auf Luppene gesessen, mit neun Hufen, vierzehn Äckern Wiese, einer Breite von Gertitz, drei freien Hufen (Freimannslehen), zwei am Steinwege vor Delitzsch und eine in Gertitz Mark gelegen, die Lehen über den Spitalhof, das Dorf Gertitz, Gericht über Hals und Hand im Dorfe und Felde mit Zinsen, zwei Hufen auf Weißig Mark, mehrere zinsbare Höfe mit Freiheit, die Mühle zu Benndorf mit 72 Scheffeln jährlichem Zins, zehen Acker Holz (Benndorfer Busch) und eine freie Lehnwiese - für 2200 Rheinische Gulden in Golde, am 28. August, der fürstliche Lehnbrief darüber war aber schon am 17. dieses Monats in Altenburg ausgestellt und die Lehnspflichtigkeit des erkauften Gutes aufgehoben. An demselben Tage des Kaufes gab der Verkäufer, Dietrich von Freyberg, dem Rate 200 Rheinische Gulden, deren jährliche Zinsen fürkirchliche Zwecke verwendet werden sollten. Um das Schutzgeld und Kaufgeld für Gertitz zu bestreiten, borgte der Rat 600 Rh. Gulden von dem Bürger Nicolaus Zimmermann in Freiberg, 800 Rh. Gulden von Otto Spigel auf Gruna und dessen Söhnen Hans, Heinrich, George, Otto, Dietrich, Conrad Hans und Balthasar Spigel, 200 Rh. Gulden von hiesigen Bürgern Claus Nosk und Andreas Nosk, 100 Rh. Gulden von Meister (Magister) Walter Voit von Helmstede, jetz und Student in Leipzig, 60 Rh. Gulden von den Dominikanern daselbst, 123 Schock 20 Gr. und 60 Reichstaler von Albrecht von Oberwymer und Anna seinem Weibe, 100 Schocke von dem Bürger Nicolaus Kramer und Barbara seinem Weibe aus Leipzig, auf Leibzins, verkaufte eine Hufe auf Gertitz an Andreas Nosk für 100 Rh. Gulden und 20 Gr. Zins zu Martini und eine halbe Hufe an Jacob Zschortow für 23 Schock, sondern belegte auch jedes Gebräude Bier mit einer Steuer von 10 Gr., welche in diesem Jahre 58 Schock 50 Gr. eintrug. An der Kapelle in Rubach arbeitete der Glaser (Spetener), auch lohnte man den Maurer Dietrich Wiltstier von Torgau, für Maurerarbeit am Turme der Kirche 133 Schock 20 Gr. Zu diesem Baue schenkte der Bürgermeister Nicolaus Kramer 5 Schock 50 Gr. Bei einem Feuer gab man 56 Gr. Geld und für 1 Schock 16 Gr. Bier den Löschern und Feuerwächtern. Anton Pruss vergönnte der Rat gegen 4 Schock eine der Gertitzer Freimannlehnhufen an den Bürgermeister Nicolaus Kramer verkaufen zu dürfen, und dieser gab 3 Schock 20 Gr. Lehngeld, daß man sie ihm liehe, als Lehnguts Recht ist.

1459
Am Sonntage Misericordias Domini kam durch Bemühung des Markgrafen Albrecht von Brandenburg zu Eger zwischen dem Könige von Böhmen (George Podiebrad), welches Land eine große Zahl Schlösser und Städte Sachsens seit einigen Jahren in Anspruch nahm, und mit Feindseligkeiten drohte, und den Herzogen von Sachsen ein Verein zustande, nach welchem Böhmen auf 54 Schlösser und Städte diesseits der Böhmischen Waldung in dem Sächsischen gelegen, verzichtete, und dagegen Brüx, Stadt und Schloß, Besinburg, und was sonst jenseits des Waldes von sächsischer Seite beansprucht ward, abgetreten erhielt. Diese Vereinigung sicherte man zum Glück der beiderseitigen, bisher hart bedrückten Länder noch durch Ehestiftungen, indem sich der Sohn des Königs mit der jüngsten Tochter des Herzoges und Landgrafen Wilhelm, Catharina, des Kurfürsten jüngerer Sohn Albrecht aber mit des Königs Tochter Zedena, am 11. November in Eger vermählte, welcher man hiesige Stadt mit Schloß und Amt zu Leibgedinge verschrieb. Die vermählte Königstochter kam zwar sogleich an den kurfürstlichen Hof, die Vollziehung der Ehe blieb aber, weil sie erst neun Jahre alt war, bis 1464 ausgesetzt. In Leipzig gab es bei ihrer Ankunft im November ein großes Fest und brachte man von hier viele Betten dahin. Im Januar war die Kurfürstin mit ihrem ganzen Hofstaate hier und der Rat begleitete sie nach Quedlinburg, fuhr auch auf fürstliche Anweisung mit einem starken vierspännigen Wagen Vorrat dahin. Der Rat kaufte vom Bürgermeister Hans Turekorn (Besitzer des Hauses Nr. 5 des ersten Viertels in der Breiten Gasse) eine Hofstätte (Nebengebäude) für 13 Schock und legte das noch (zwischen Nr. 4 und 5) bestehende Gäßchen nach der Zscherne an. Durch Anlegung neuer Krüge (Schenken) in den Dörfern der Ritterschaft beschwerte man die Stadt und ihren Freiheitsbrief, weshalb sie sich verschiedentlich an den Kurfürsten zu wenden genötigt fand. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg geriet mit dem Herzoge Ludwig von Baiern in Fehde, und zogen von hier dem Markgrafen zu Hilfe Trabanten mit 15 Schocken Aufwand in die Heerfahrt nach Franken. Auch suchte man auf kurfürstlichen Befehl Landesbeschädiger in Sausedlitz. Die Stadt war abermals im geistlichen Banne (die Ursache ersieht man nicht) und reiste der Bürgermeister Schade zu dem Offiziale in Halle. Die Schützen zogen zu einem Schützenhofe nach Mitweida und erhielten vom Rate Auslösung. Gyseler von Diskow schenkte dem Rate zwei junge Schwäne. Johann von Stolpen empfing als Vikar des Altares der neuen Brüder, Trinitatis, die von Dietrich von Freyberg vorigen Jahres gestifteten 5 Gulden. Der Rat borgte teils zur Abtragung älterer Schulden für den Fürsten und die Stadt, teils zu den neuen Ankaufungen und Bauen 100 Rh. Gulden von Meister (Magister) Werner Wyke von Onsshausen in Leipzig, zu Johannis, (erbarer grossverstendiger ietzund Student zu Lipzk) auf Leibzins. 300 Rh. Gulden von Mr. Johann George von Wolkenstein, Michaelis, mit Sicherheit auf Rubach, darunter 34 Gulden auf Leibzins. 600 Rh. Gulden von Dietrich von Freyberg, dienstags nach Mariae Heimsuchung, und zahlte 300 Rh. Gulden an den Altar zu St. Georgen in Leipzig von Martin Schindel herrührend und 600 Gulden - an Zimmermann in Freiberg, auch 25 Schock an Matthaeus Sommerfeld und dessen eheliche Wirtin in Leipzig, von Finis herrührend, wieder ab. Haus und Hof in Gertitz verkaufte er an Johann Kalb für 13 und die Breite an Martin Schmidt für 25 Schock. Auch bezog er noch die Biersteuer, 10 Gr. vom Gebräude, welche von 326 Gebräuden (ganzen, nicht halben, wie man sie in späterer Zeit brauete) 54 Schock 20 Gr. betrug. Man sieht hieraus, wie stark und einträglich dieser Zeit die Braunahrung war und begreift, warum man sich seiten der Ritterschaft zu Schmälerungen alle Mühe gab. Die Städte waren aber auch der Fürsten bester Schatz, die für ihre Rechte gern alles hingaben und auf das Dargeliehene oft verzichten mußten.
Hans Czogkolt (auch Schokolt), welcher 1456 den alten Weinkeller (Weinhaus) der Stadt gekauft hatte, trat dieses Gebäude wieder ab und erhielt 17 Schock. Es ward Garküche und blieb ein Komungebäude , das man später vermietete, 1569 und 1735 neu baute, in demselben Jahre einem Wirte oder Traiteur Menzel pachtweise, 1798 aber dem Maurermeister Krippene für 250 Taler - erblich überließ. Die Kirche erhielt von einem Unbekannten (unus bonus homo) 4 Schock Geschenk, ein Crucifix, Teppich und Tuch um den Altar- einen neuen Stuhl und Pult in den Chor - die Schule aber einen neuen Lehrstuhl. Der Turmbau ward durch den Maurer Dietrich Wiltstier fortgesetzt für 16 Schock und 4 Gr. Lohn. Für Abhaltung der feierlichen Gesänge des Salue und Tenebrae zahlte man aus dem Kirchenvermögen vier Schock 20 Gr. an die Geistlichen, Sänger und den Küster, und der Organist empfing 2 Schock, halb zu Ostern, halb zu Michaelis jährlichen Lohn. Otto Spigel (auf dem Neuenhause, Paupitzsch) hier in der Stadt wohnend, wies Zinsen von ihm lehnenden Grundstücken, 30 Gr. von Barthol. Magirkop und 20 Gr. von Hans Fischer an den Rat zur Unterhaltung der Communicanten. Communicanten waren vier Knaben, welche den Geistlichen bei Krankenbesuchen, wenn er das Sacrament trug, mit zwei Lichtern und zwei Fahnen vorangingen und bezügliche Gesänge sangen. Der Sohn des Stifters Dr. Otto Spiegel, auf Neuhaus, wollte diese Stiftung rückgängig machen, sie ward aber erhalten und das Geld bei der Reformation dem Gotteskasten zugeschlagen, daher es heute noch von zwei Besitzern der Grundstücke in Lohnsdorf, von jedem mit 15 Gr. und 20 Gr. von ihrer Besitzung des Werner in Broda an die Kirche entrichtet wird.

1460
Otto von Schidingen (Scheiding) war hier Hauptmann und unterstützte die Stadt gegen Eingriffe der Rittergüter in der Biermei1e. Auf seine Bitte vererbte der Rat zwei freie (Gertitzer) Hufen am Steinwege an Martin Kirchhof, dessen Vater, Peter K., der Stadt fleißige Dienste erwiesen hatte, gegen 40 Gr. Martini fälligen jährlichen Zins. 7 1/2 Hufe auf Gertitz (besser: siebenthalb, die 7. Hufe war nur halb ist gleich 6 1/2 Hufe) wurde ausgetan (verpachtet) die Hufe zu 2 Schock, desgleichen die ebenfalls zu Gertitz gehörige Pfingstwiese, in 14Vierteln das Viertel zu 15 Gr. summarisch für 3 1/3 Schock. Am 20. April zogen wieder nach Franken 10 Trabanten auf 12 Wochen dem Markgrafen Albrecht zu Hilfe und machten 25 Schock Aufwand, am 21. Juni aber die rückständigen (von zwei Häusern mußte ein gerüsteter Mann erscheinen) auf drei Wochen und kostete diese zweite Heerfahrt dem Rate an bereitem Gelde, Brot, Bier, Speck, Fleisch, grün und gesalzen, Stockfisch, trocknen Rüben ... 60 Schock, wozu die Alten, Gebrechlichen und Witwen, welche nicht teilnahmen, 2 Schock 45 Gr. beitrugen. Zu dem Baue der Burgen in Bitterfeld und Zoerbig lieferte die hiesige Ziegelscheune des Rates einige Jahre viele Steine. Die häufigen Besuche der Fürsten in den mittleren und kleineren Städten des Landes beschränkten sich von jetzt nur auf dringende Fälle und nahmen sie für den Sommer in Leipzig, für den Winter in Torgau in der Regel ihren längeren Aufenthalt, bis sich derselbe später in Dresden befestigte, für die Albertinische Linie bleibende Residenz. Am 10. Juni wurden die Betten zu dem fürstlichen Sommerlager nach Leipzig gebracht, dahin brachte man sie auch am 4. November zu der Hochzeit des Herzoges Ernst (nachmaligen Kurfürsten) mit Elisabeth, Herzogs Albrecht III. in Bayern Tochter. An den Betten und Bettüchern ging viel verloren, was der Rat vergüten mußte. Die Betten wurden nämlich von Familien ausgebracht. Am 9. August war der Kurfürst mit ganzem Hofstaate hier und am 31. dieses Monats nahmen die hiesigen Schützen an einem Schützenhofe in Leipzig teil. Der Kaland kaufte die Dörfchenmühle auf Wiederkauf. Der Auflage von den Gebräuden (zu 10 Gr.) brachte auch in diesem Jahre 51 Schock. Des vormaligen Gleitsmannes Conrad Rost Hufe ward an Caspar Gottschalk für 20 Schock und 20 Gr. jährlichen Zins als Erbgut ausgetan. Durch unbekannte Wohltäter erhielt die Kirche 34 1/2 Schock, womit man die diesjährige Maurerarbeit am Turme bezahlte. Der Ehebruch wurde mit 5 Schocke Strafe belegt.

1461
Des Herzogs von Bayern Lautenschlägern gab man zum Neuenjahre 5 Gr. und dem Rate des Königs von Böhmen Jost, dessen Ankunft man sogleich dem Kurfürsten nach Leipzig berichtete, den Ehrenwein. Am 1. Juli gingen 15 Trabanten mit Wagen und vier Pferden in die Heerfahrt nach Hessen und am 30. August zog eine noch stärkere Zahl dahin. Drei Bürgerbesitzungen mußten einen Mann stellen, rüsten und besolden. - Dem Rate aber kostete dieser Zug 33 Schock. Die an dem Zuge nicht teilnehmen konnten, zahlten 6 1/2 Schock. Durch diese Fehden, in welchen mehrere süddeutsche Länder verwickelt waren, geriet das im Jahre 1457 so gut eingerichtet Münzwesen in Unordnung und Abgang. Nicht nur die in diesem Jahre geprägten Groschen, sondern auch die geringhaltigeren, 1444 geschlagenen, Judenköpfe wurden aufgesucht, und nach schlechterem Gehalte in Umlauf gebracht, so, daß ihr Wert von 60 auf 50 Groschen sank. Wegen der Eingriffe in die Berechtigungen der Biermeile war man bei dem Kurfürsten in Torgau und Schellenberg - brachte auch dem hiesigen Schützenmeister Renstein zum Dienste des Fürsten bei dieser Gelegenheit dahin, dem man jedoch auf die Zeit seiner Abwesenheit von hier Besoldung gab. Man zahlte dem ehrwürdigen und andächtigen Ern. Gerhard, Probist, Ein. Heinrich Wilden die früher geliehenen 350 Rh. Gulden wieder ab. Auch gab man dem von Freyberg 300 Rh. Gulden an Ern. Dietrich Leymbach 200 Rh. Gulden zurück, borgte aber von neuem 400 Rh. Gulden (den Gulden zu 30 Groschen angeschlagen) vom Bürger Polycarp Sturm in Leipzig, 200 Rh. Gulden von Elisabeth, Peter Heiners Witwe und 100 Rh. Gulden von Mr. Werner Wyken (von Onshausen) daselbst, auf Leibzins, 100 Rh. Gulden von dem hiesigen Bürger Andreas Nosk (Nossig) auf Wiederkauf und noch 137 Rh. Gulden von Anton Kaderin auf Leibzins. Von dem Gebräude gab man in diesem Jahre nur 6 Groschen und betrug die Einnahme 30 Schock. Den Garten, welchen die Witwe des Gleitsmannes Conrad Rost auf dem Damme besessen hatte, verkaufte der Rat für 3 1/3 Schock an George Wirth. Eine Hakenbüchse wog 16 bis 32 Pfund. Der Bau am neuen Ratskellerkostete in diesemJahre 7'/3 Schock und nahm man von Gertitzer Gebäuden brauchbare Steine dazu. Nicolaus Kramer, Bürgermeister, schenkte der Kirche abermals 10 Schocke, die man auf den Turmbau verwendete. Gleitsmann war Johannes Lobda.

1462
Der Rat verkaufte eine kleine Scheune, eine Wohnung und den Wall des Sadelhofes in Gertitz. Das Kirchengebäude zu vollenden, erlaubte der Kurfürst in einem Gunstbriefe vom 27. April eine Almosensammlung auf sechs Jahr in den kurfürstlichen und bischöflichen Landen, deren Schutzherr er war. Die Sammler, Hans Große und Nicolaus Wyde, Bürger der Stadt, übernahmen das mühsame Geschäft um Gotteswillen, ohne Entschädigung oder Lohn und führten außer dem Fürstenbriefe noch eine Bittschrift des Rates, der eine beglaubte Abschrift der Bulle des Papstes Eugenius, in welcher er den Wohltätern der neuen Kirche Ablaß zusagte, beilag, nebst anderen Empfehlungsschreiben der Bischöfe zu Magdeburg, Merseburg und Naumburg, zu Förderung ihres Vorhabens mit sich. Am 12. Mai hatte man wieder eine Heerfahrt nach Franken mit 20 Trabanten und blieb ein Teil 4, ein Teil 7, ein Teil 11 Wochen aus, was der Gemeinkasse eine Ausgabe von 21 Schocken verursachte. Ein neues Zelt, das man fertigen ließ, kostete außerdem 7 Schock 35 Gr., auch gab man den Zurückkommenden ein Bad. Der Kurfürst war hier und am 31. Oktober in Bitterfeld, wohin man Betten lieferte. Auch wurden Betten in das kurfürstliche Winterlager nach Torgau gebracht. Man borgte, um Dietrich von Freyberg 300 Gulden zahlen zu können, 200 Rh. Gulden von Martin Hall und 100 Rh. Gulden von Claus Nosske, hiesigen Bürgern, wobei der Gulden zu 36 Gr. gerechnet ward. Auch verkaufte man ein Haus in der Rittergasse bei Zeisig an Nicolaus Wagner für 40 und eins in der Neustadt an Matth. Gera für 6 2/3 Schock, Häuser, die der Rat für Schuld angenommen hatte. Auf gleiche Weise erhaltene bauete man gleichfalls zum Verkauf. Man darf daher, wenn von Stadthäusern die Rede ist, nicht gleich auf Häuser zum öffentlichen Gebrauch der Stadt schließen. Bartholomäus Rubach, Ratsherr von 1440 bis 1461, beschied dem Rate 10 Schock, welche sein Sohn Jacob zahlte. Almosen gab man -einem getauften Juden 2 Gr. -einem Priester (propter deum) 5 Gr. und den Zigeunern (Czeganen) 40 Gr.

1463
Mehrere starben an einer gefährlichen Krankheit, die Ratsherren Johann Kalb, Martin Koerner und der Stadtschreiber Johann Raynecke, an dessen Stelle Anton Kropheuser angenommen und aus Leipzig geholet ward. Auch der Ratsherr Martin Halle (seit 1458), welcher der Stadtkirche sein Brauhaus hinter Herman Smorode (in der Schloßgasse) letztwillig beschied und dessen Witwe Walpurgis, die sich wieder mit dem Gleitsmann Conrad Herold verehelichte, 1464 der Kirche mit Bedingung einer Memoris für den Abgeschiedenen übergab. Lorenz von Erfurt sprang einem Karrenknechte auf den Wagen, darüber gingen die scheu gewordenen Pferde durch, Lorenz fiel durch den Karren, der Knecht aber von dem Pferde und blieb auf der Stelle tot. Er vereinigte sich mit dem Stadtgerichte, daß ihn in Acht nahm, blieb aber für den Fall, daß er von des Verstorbenen Freundin in Anspruch genommen werden sollte, verhaftlich. Die Betten wurden von Torgau wieder abgeholt und der Kurfürstin Kammerwagen von da nach Meissen geführt. An Bettüchern gingen für 41 Gr. verloren. Die Schützen waren auf einem Schützenhofe in Leissnig und empfingen vom Rate die gewöhnliche Auslösung. Der Kirchhof von Rubach war für 10 Gr. Zins an Jacob Roczsch ausgetan und kamen zum Gebäude der Kirche 20 Mark 14 Lot, oder 87 Schock 30 Gr. in die Kasse, die man auf eine neue Orgel, welche Meister Hans der Orgelbauer von Altenburg baute und außer mancherleit Zutaten und Löhnen 23 Schock kostete; einen neuen Kelch, welchen der Goldarbeiter für 5'/2 Schock fertigte und 2 Fahnen zu 3 1/3 Schock verwendete. auch den Maler Eisenberg aus Leipzig verlohnte, welcher die Deckgewölbe des Chores und der Kreuzkapelle mit Heiligenbildern versah, von denen, obschon später überweißet, dennoch Spuren sichtbar sind. Derselbe schrieb an die Wand des Chores die kurze Nachricht vom Baue der Kirche, wie sie wörtlich, nur in der Schreibart verändert, in der Tafel, welche die Herzogin im Chore aufhängen ließ, enthalten ist. Auch der Ölberg wurde auf Anlaß der neuen Kirchenvorsteher Burkhard Jungermann und Pancratius Schebe für 33 Gr. von dem Maurer George Amme gewölbt und den Pulsanten (Glockenziehern) für das Lauten gegen die Wetter ein Lohn aus der Ratskasse auszahlt.

1464
Der Vorsteher des Hospitales, Gottschalk, kaufte am 2. Juni eine halbe Hufe auf Gertitzmark für 31 Schock 40 Gr. dem Hospitale, die aber im Jahre 1558 vererbt ward. Die Spigelsche Schuld der 700 Rh. Gulden abzuzahlen, borgte der Rat abermals von Mr. Werner Wyke in Leipzig 100 Rh. Gulden auf Leibzins, 100 Rh. Gulden von Peter Blossk, und 100 Rh. Gulden von Friedrich von Rathmarsdorf und seiner Wirtin Barbara auf Gollm gesessen. Der Kurfürst befahl am 19. Juni dem Rate, nach und nach und wenn er Torgauer Bier holete, 1000 Scheffel Hafer (Torgauer Maß) zum Bedürfnis des Winterlagers nach Torgau zu führen. Auf Vermahnung und Bitte - lieh man dem Kurfürsten 40 Rh. Goldgulden zu einer Reise nach Dänemark (in die Thennemark), auch mietete man ihm vier Pferde dahin um 6 Schock 48 Gr. Lohn. Der Papst Pius II. erließ eine Bulle (für eine Heerfahrt gegen die Türken). An diesem Zuge nahmen hiesige Bürger teil - leisteten dem Rat den Eid - und erhielten Pferde, Zehrung und ein Pannier - mit einem Aufwande von 15 Schocken. Der im vorigen Jahre gestorbene Stadtschreiber Rainecke hatte der Kirche eine Hufe Feld beschieden, welche Johann Kribenstein kaufte und davon Zins 20 Gr. an das Kloster des Petersberges abzugeben hatte. Auch erhielt die Kirche in diesem Jahre manches wertvolle Geschenk, auch drei Schock zu einer nötigen Reparatur der Frauenkirche. Die Stadtkirche ward für 7 Schock 22 Gr. geweißet. - Der Maler Peter aus Leipzig malte das Äußere der Orgel, das lange Tuch vor dem Sakramente und die Juden für 9 1/2 Schock. - Sie erhielt eine Mauer um den Kirchhof und ein Geschränk um den Ölberg, auch eine neue Porkirche. Der Rat überließ ihr in diesem Jahre, wie schon 1376 bemerkt ist, den a1ten F1eischscharren, welcher ihr zu Bewahrung der Gerätschaften während ihres Neubaues unentgeltlich eingeräumt worden war, für 1 Schock 5 Gr. Kaufgeldeigentümlich, Sie benutzte das Gebäude durch Vermietung an Höken, die mit ihren gewöhnlichen Waren: Heringen (daher das Gäßchen den Namen Heringsgäßchen führte), Grütze  u.s.w. bis in das 18. Jahrhundert darin feilhielten, verkaufte es aber durch veränderte Marktordnung die Vermietung an Höken aufhörte und zu kostspieligen Einrichtungen von Mietwohnungen Vermögen nicht vorhanden war, 1749 an den Bürger und Ratsherren Johann David Felgner für 300 Gulden als eine baufällige, den Kirchhof verunzierende Bude, der sie niederriß und die Stelle mit einem Wohnhause bebaute, welches durch Verordnung vom 30. März 1786 mit acht Schocken zur Steuer gezogen ward. Den Mönchen (hiesiger Termineien), welche die vier Bücher der Kirche banden, gab man ein Faß Bier, am Werte 50 Gr. Der Rat baute ein neues Torhaus und einen Wagenschuppen, auch ließ er auf dem Frauen Kirchhofe gegen den Graben dämmen, der bei großem Gewässer beschädigend eingriff. Vom Bierschanke hatte er in diesem Jahre 150 Schocke Gewinn. Nicolaus, der alte Küster, kaufte von der Kirche das Haus der alten Blixin, bei der alten Küsterei, für 13'/Z Schock - ein brauberechtigtes Haus und von 1567 an die Jungfrauen-Schule bis in die neueste Zeit. Organist war Paul von Guben.

1465
Die Münze ward im Verein der Fürsten Ernst, Albert und Wilhelm, des Onkels, abermals verändert und gebessert. Die gemeinschaftlich in Freiberg geschlagenen Groschen hatten auf der einen Seite das sächsische Schild des Rautenkranzes, auf der anderen das Thüringische Wappen und 20 Stück derselben den Wert eines Rheinischen Gulden. Wegen der hohen, gekrümmten Helmaufsätze beider Schilde nannte man sie Horngroschen, wegen beider Schilde -zweischildigte, wegen ihrer Güte - hohe oder hoher Währ - und wegen ihrer Anwendung bei Entrichtung der Abgaben - Zinsgroschen, sonst auch Freiberger und später Schneeberger, nach ihrer Herkunft und Prägung. Vom l. September an galten alle Verschreibungen nach dieser neuen Währ und wurden rechtlich darauf zurückgebracht, ungeachtet die neue Münze erst in den letzten Monaten des Jahres in den Umlauf kam. Daher bekam der hiesige Rat, welcher an Hans Spigel, auf Neuhaus oder Paupitzsch, ein Kapital zu verzinsen hatte, am 19. November die fürstliche Weisung (in dieser neuen Währ zu zahlen). Die Stadt erhielt am 2. Dezember von den hier anwesenden Fürsten die Bestätigung ihrer Privilegien, Rechte, Freiheiten, alten, herkömmlichen Gewohnheiten, Begnadigungen und fürstlichen Verschreibungen - als Folge der Huldigung - und zahlte man für den Gunstbrief, 6 Gulden an die Kanzlei. Seit dem Jahre 1451 hatte man jährlich 36 Gulden in Golde, halb zu Johannis und halb zu Weihnachten an den Dr. Ditterich von Buckinstorff... in Leipzig Zinsen zu zahlen. In der vorjährigen Rechnung des Rates wird er noch Doctor genannt, in der diesjährigen aber als Bischof von Naumburg aufgeführt. Die Bewohner der Neustadt (Vorstadt), welche wie alle Vorstädter in Privilegien und Freiheiten den Einwohnern innerhalb der Mauer nachstanden und daher das Recht des Bierbrauens nicht hatten, suchten es bei den Fürsten auf dem Wege der Beschwerde, veranlaßten deshalb mehrere Reisen zu den Fürsten, wurden aber für immer abgewiesen. Die Herren des heiligen Nicolaus (Vorsteher der Kasse zur Wegebesserung) pflasterten die Gasse hinter der Schule und erhielten vom Rat ein Schock Zuschuß. Einer, namens Boettcher, der den Bürgermeister Kupstal durch ekelhafte Beschmutzung der Türe beschimpfte, mußte (vmb den Hoen und schmahett) eine Rute Steine in Landsberg auf seine Kosten brechen lassen und anfahren - ein anderer, Georg Lindner, der verdorbene Fische (boese) verkaufte, 40 Gr. Strafe geben - die Fische verbrannte man - und Matth. Krüger, der seine Magd schwängerte, verbüßte es mit 30 Scheffeln Hafer - am Werte 1 Schock. Der Gassenlärm, unnütze Hülferuf - Zetergeschrei ward mit 12 Gr. bestraft. Die Schützen hatten einen Schützenhof in Borna und empfingen die gewöhnliche Auslösung. Conrad Heller, der Gleitsmann, der ein Haus in Lehen nahm, empfing das Bürgerrecht umsonst. Der Bürgermeister Johann Schade, (Ratsherr von 1447-60 und von da Bürgermeister) starb und beschied der Kirche letztwillig eine Hufe Feld auf Elberitz, nach seines Weibes Tode. Die Kirche verkaufte sie 1497 für 24 Gulden oder 4 Schock 20 Gr. an Bastian Schuster. Die Kirche erhielt auch noch andere Vermächtnisse an Geld - und zahlte an den Maurer Dietrich Wiltstier, der in diesem Jahre das Gewölbe am Turme, die Kapelle der Kalandherren (jetzt zum Teil Bibliothek) vollendete, 12 Schock an Lohn, erhöhete auch jährlich um 40 Gr. des Organisten Paulus Sold. Die Kirchenstühle wurden zum ersten Male verlöset, und gab die Mildike 12, die Schlegelin 20, die Kribenstein 11, die Weinbörner 5 und ebensoviel Groschen die Kruppin für ihren Sitz. Der Rat borgte von Hans Schmolle und seiner Ehefrau Margarethe in Halle 112 Schock. Ein harter Winter 1465/1466 - daher man zu verschiedenen Malen den Graben aufeisen ließ.

1466
Anfangs des Februars eine Heerfahrt nach Plauen gegen den Geächteten Heinrich (II.) Reuß - Voigt zu Plauen, welcher die Nachbarn befehdete, die Untertanen drückte und öfteren Warnungen kein Gehör gab. Drei Hausbesitzer der Stadt und vier der Neustadt stellten gemeinschaftlich einen Mann, und war die Mannschaft drei Wochen abwesend, der Aufwand der Gemeindekasse 26 Schock. Auch erhielten die Zurückkommenden 1 Faß Torgauisches Bier. Vom Schlosse fuhren am 5. und 7. Februar Salz, Speck, Butter, Käse, Erbsen dahin und am B. ritten die "erbam Mannen" mit 40 Pferden zu Diensten in das Heer. Am 17. desselben Monats traf der Landvogt Albrecht Profen, der ebenfalls mit 42 Pferden, Reisigen und Wagenpferden nach Plauen zog, auf hiesigem Schloße ein. Des Besiegten Reuss Städte Oelsnitz, Plauen, Adorf, Voigtsberg nahmen die Sieger in Besitz und behielten sie für gehabten Kriegsaufwand, den sie in Rechnung brachten und das Übrige dem nach Böhmen ausgetretenen herausgaben. Die Städte waren in Leipzig und Oschatz wegen Aufbringung der Kosten dieser Heerfahrt, und brachte Delitzsch 1000 Rheinische Gulden, teils durch Auflagen in der Stadt, teils durch Darlehne für die Fürsten auf, 536 Rh. Gulden gab die Bürgerschaft und ward die ganze Summe zu Ostern abgeführt. Zur Erleichterung zahlte das Kloster Pegau auf Anweisung der Fürsten 30 Rh. Gulden hierher, auch ward ein Abzug auf die diesjährige Steuer bewilliget. Doch verzinset die Stadt 100 Rh. Gulden, die sie von dem Kalande borgte und von diesem zur Zeit der Reformation an den Gotteskasten übergingen, der Kirche heute noch. Der Küster Benedict zog weg und kam Caspar an seine Stelle, als Organist aber kommt nun ein Baccalaureus de Elbogen vor.

1467
Gegen den König von Böhmen entschied man einen Reichskrieg, der aber, weil die sächsischen Fürsten, teils wegen früherer großen Verluste in den Böhmischen Kriegen, teils wegen naher Verwandtschaft, die Teilnahme ablehnten, der Kaiser auch nichts weniger als kriegerisch gesinnt war, nicht zustande kam. Indessen zog man hier Mannschaften zusammen und unterhielt Delitzsch 25 Trabanten; diesmal aber nicht hiesige Bürger und Einwohner, sondern vom Fürsten angenommene Söldner, für die man im November 36 Schock 40 Gr. zahlen und nach Meißen abliefern mußte. Ein Trabant erhielt wöchentlich 11 Gr. Einige Handbüchsen wurden angekauft. Der Pfarrer, welcher den Kirchenvorstehern in beiden Kirchen an Sonn- und Festtagen Umzüge verstatte, erhielt zur Erstattung (Restaur) 1 Schock auch zum ersten Male zu Petri Pauli ein Viertel Bier zum Geschenk. Dem Stadtschreiber aber gab man vom Kirchenvermögen 10 Gr. für eine Abschrift der erzbischöflichen Erlaubnis zum Kirchenbau und angefügter Bulle. Der Rat borgte vom Pfarrer in Hohenleim (Hohenlynaw), Nicolaus Gentzsch, 100 Gulden - welche man zum Teil auf den Bau eines Kellers verwendete. Da man die Gemeindekasse in der Sakristei hatte, so gab man dem Küster für jedesmalige Öffnung derselben 3 Pfennige.

1468
Anhaltende Regengüsse, Kälte und großes Gewässer schadeten dem Getreide, das auf dem Halme auswuchs, so, daß nur ein kleiner Teil eingebracht werden konnte und auch von diesem zu Samen nur weniges tauglich war. Es entstand daher schon in diesem Jahre Teuerung; das Getreide hatte den dreifachen Wert voriger Jahre und schwer zu erlangen. Der Rat kaufte zu Unterstützung der Bürger um hohe Preise 25 Scheffel Weizen und 89 Scheffel Korn, die er den ärmeren um geringere (Preise) überließ. Damit man auch richtiges Maß erlange, ward ein steinernes Scheffel- und Viertelmaß öffentlich unter dem Rathause aufgestellt. Die Gerber änderten heimlich an ihrem Innungsbriefe und büßeten es mit 2 1/2 alten Schocken Strafe, auch die Schmiede wurde deshalb mit einem Schocke Strafe belegt. Der Rat borgte mit fürstlicher Erlaubnis 650 Rh. Gulden - von Hans von Waltheim und seiner ehelichen Hausfrau zu Halle gegen 32 1/2, Gulden jährlichen Zins und zahlte damit ältere Schulden ab. Die Stadt erhielt fürstliche Anweisung, von Bürgern mit zwei Wagen und acht Pferden Wein ab und nach Leipzig zu fahren - gegen Ausrichtung durch den Schenken. Die Kohlin beschied der Stadtkirche 50 Schock Schwertgroschen, welche der Stadtschreiber jährlich mit 10 Schocken abzuzahlen hatte. Vikar des Altars Catharinae ward Bartholomaeus Schoenbrod, ein Sohn des hiesigen Bürgers Hans S. und blieb es bis 1480. Organist war Nicolaus.

1469
Die fürstlichen Brüder mit dem neuen Kanzler Dr. Schybe und ganzem Hofstaate - Trompetern und Pfeifern - waren zum neuen Jahre hier. Die 7 Hufen in Gertitz, welche man 1460 verpachtet (ausgetan) hatte, wurden ausgemessen und für 173 Schocke neuer Währ oder Münze verkauft. Die ersten Besitzer waren: Tobias Boettcher'/2 Hufe, Lorenz Wagner 1/2 Hufe, Andreas Müller 1/2 Hufe, der Bürgermeister Schebe 1 Hufe, Nicolaus Knopp '/2 Hufe, Hans Schaefer 1/2 Hufe, der Stadtrichter George Werdt 1/2 Hufe, Sander Iban 1/2 Hufe, Jacob Feris 1/2 Hufe, Martin Meley '/2 Hufe, der Stadtschreiber Kropheuser 1/2 Hufe, Wenceslaus Winkler 1/2 Hufe. Thomas Reisser, der seine Magd schwängerte, verbüßte es mit 2 Schock Scheffeln Hafer, man gab ihm aber 2 1/2 Schock Schwertgroschen zurück. Die Herren des Rates, welche bisher bei ihren Sitzungen wenige Groschen verzehrten, erhielten nun bei Einsammlung des Schosses und Wächtergeldes 12 Groschen, jährlich in Summe ohngefähr 4 Schocke. Außerdem hatten sie zu ihrer Ergötzlichkeit, denn von einem Solde findet sich nichts, das Herrenessen, in der Regel Pantaleonis (den 27. Juli) dessen Aufwand nach und nach bis 12 Schock gestiegen war, jetzt aber um etwas gekürzt ward. Bei diesem Schmause ließ man es, wie die Ausgabezettel, die sich erhielten, beweisen, an nichts fehlen. Man hatte Reh-, Hasen-, Schweinsbraten, Rind- und Kalbfleisch, Kaphähne, Fische, Reis, Semmeln, Butter, Böhmischen Käse, Apfe, Nüsse, Wein und Bier, brauchte außer Speck, Salz, Essig, Honig, Eiern, Mehl, Meerrettich, an Gewürz 1 Pfd. Pfeffer,'/2 Pfd. Ingwer, 2 Lot Safran, Nelken, 1 Pfd. Rosinen, 1 Pfd. Mandeln, Konfekt - nahm später ein Bad und hörte während des Essens die Gesänge der Schüler, denen man 4 Groschen gab. Die 104 Rh. Gulden, welche der im Jahre 1467 verstorbene Pfarrer in Zaasch Nicolaus Grünenberg, der hiesigen Stadtkirche beschieden hatte, wurden in diesem Jahre eingezahlt. Die neuen Kirchvorsteher, Pacratius Schebe und Caspar Bornack, besorgten dafür einen neuen Predigtstuhl, neue Stühle und eine Porkirche (die alte) welche ein Tischler in Leipzig, Nicolaus für 27 Schock fertigte. Man hatte beim Schlusse der diesjährigen Kirchenrechnung 157 Schocke, Schwertmünze im Vorrat und bemerkte der Rechnungsführer, daß diese Summe 50 Schocken 28 Gr. 3 Pf. 1 Hl. neuer Münze, 2 für eins gerechnet, gleiche. Der neue Kirchenseiger, den ein Leipziger Künstler machte, kostete 8 Schock, 45 Gr., und sind die vergoldeten Buchstaben (Zahlen) des Zifferblattes von einem Goldschmied in Leipzig für 3 Schock und 10 Gr. Trinkgeld gefertiget, die heutigen noch. Die Besorgung des Seigers, welche bisher der Küster für 15 Gr. jährlich gehabt hatte, ward nun einem Kleinschmiede (Schlösser) übertragen. Von Ihan von Schoenfeld, auf Loebnitz, kaufte man 10 Stämme Holz, auch zwei Büchsen, eine Wall- (Taraß) und eine Steinbüchse für 171/2 Gulden, den Zentner für 5 Gulden. Man sieht, daß sich auch dieser Rittersitz mit Geschütz versehen hatte, nun aber bei friedlicher Zeit dasselbe für entbehrlich hielt. Zwei Hakenbüchsen, die man vom Bürgermeister Kramer kaufte, kosteten 3 Schwertgroschen, in neuerer Münze ohngefähr 1/2 Schock. Er Stephan Tuerkom, Sohn des Bürgermeisters Hans Tuerkorn (Ratsherr 143158) hielt seine erste Messe und gab ihm der Rat ein Faß Torgauisches Bier um einen geringeren Preis. Der Minorit Jacob (Bruder Jacob der graue Mönch) hielt die Fastenpredigten und bezahlte man für ihn 32 Mahlzeiten mit 32 Groschen und 35 Gr. für Bier und Wein. Er ward von Leipzig geholt und dahin zurückgebracht. Der Bürgermeister Truppitz aus Leipzig war hier und erhielt den Ehrenwein. Einem Gauckler (Geukeler) gab man 3 Gr. Trinkgeld. Die Edeln (erbaren) hatten am 13. Dezember ihren Hof und schenkte ihnen der Rat Torgauer Bier. Auch zahlte der Rat die von Buckinstorff an das Kapital zu Zeitz gekommenen 250 Rh. Gulden wieder ab.

1470
In diesem Jahre nahm die Steuer vom Weine und Biere, die man schon im vorigen Jahre zu Tilgung der fürstlichen Schulden in Vorschlag gebracht hatte, ihren Anfang. Sie ward auf diesjährigem Landtage zu Dresden als Ungeld, unpflichtige Abgabe und Auflage (nicht Ohmgeld, denn dieses Maß kam hier nicht vor) mit 5 Gr. vom Fasse und 2 1/2 Gr. vom Viertel bewilliget. Dieser Steuer waren alle Bräuende, Geistliche, Ritter und Städte unterworfen, und Rat und Amtmann angewiesen, Zeichen zu geben, und vor Entrichtung der Steuer auch die geringste Anstalt zum Brauen, bei fürstlicher Ungnade, nicht zu gestatten. Da man den Städten den vierten Pfennig, oder ein Viertel der Einnahme überließ, einigen die Bierzwangsmeile verlieh, anderen die alten, derartigen Privilegien erweiterte, so fand man von dieser Seite keinen hartnäckigen Widerstand. Auch hiesige Stadt empfing von den Fürsten, welche in der Mitte des Januar mit ihrem Hofstaate hier eintrafen, am 18. des Monats einen Gunstbrief, durch welchen ihr Privilegium der Biermeile von 1390 merklich erweitert ward. Er kostete in der Kanzlei 10 Schock und 1 Schock für die Besiegelung. Man verehrte (den Fürsten) einen Lägel Rheinfall am Werte 2 Schock 48 Gr. Man suchte nun auch die Brauerei der Stadt möglichst zu heben, hielt streng auf tüchtige Malze und versuchte sogar das Gertitzer Quellwasser, doch mit geringem Erfolg. Nützlicher war die Tätigkeit des befreundeten Amtsmannes Otto von Schidingen, derdie Krüge der Pflege fleißig bezog und keinen Eingriff in die Rechte der Stadt ungeahndet ließ. In Beziehung auf die Tranksteuer erhielt Gleitsmann und Rat hiesiger Stadt am 19. Oktober (vom Kurfürsten einen besonderen) Befehl. Martin Ropptzsch kommt in den Jahren 1470 bis 77 als Kapellan und Prediger vor. Der Rat borgte von Mr. Johann Murmann aus Regensburg, Lehrer der heiligen Schrift und Collegiat des großen Kurfürstenkollegium in Leipzig, 300 Rh. Gulden am 6. Oktober auf Leibzins, zahlte aber 250 Rh. Gulden an das Kapitel zu Naumburg, 300 Rh. Gulden an Andreas Nosk und 37 Rh. Gulden 30 Gr. an Ursula, Martin Hallis Tochter, wieder ab. Der Bau der Stadtmühle ward an den Müllerin Löbnitz, Meister Christoph verdingt- die Grundrinne mit drei Ständern - man gelobt ihm 16 Schock neue Münze, 1 Faß Delitzscher Bier und 20 Scheffel Korn und hielt ihm Handarbeiter zum Räumen und Füllen (der Bau 1472). Auch bauete man am Koh1tore ein neues Torhaus. 20 Trabanten, die man in Hessen unterhielt, kosteten auf 11 Tage 19 1/2 Schock. Der neue Kirchenschmuck kostete 62 Rh. Gulden oder 28 Schock 48 Gr. und ward mit anderem Kirchengeräte in Giebichenstein geweihet. Die Schwester des Lucas Nossig (Ratsherr 1478-1495) und Tochter des Andreas Nossig (Ratsherr von 1443-67), hatte Hochzeit, wozu der Rat geladen war, welcher Torgauer Bier schenkte und den Pfeifern aus Halle ein Trinkgeld gab. Auch zu der Hochzeit der Tochter des Bürgermeisters Nicolaus Cramer schenkte er ein Faß Torgauer Bier, man verbrauchte aber daneben noch vier Faß, die man käuflich aus des Rates Keller nahm. Ein Ritter, Thomas Grag, aus dem Velseneck, aus Kaerther, der von den Böhmen gefangen gewesen und große Förderung vom Kaiserhatte, gab man ein Abendessen für 20 Gr. - und etlichen, die von Jerusalem kamen, 11 Gr. Almosen. Für 111 Scheffel Korn, die der Rat aus seinen Vorräten verkaufte, erhielt er 6 Schock 46 Gr. und für 30 Scheffel desgleichen ein Schock 45 Gr. Johann Lobda, jetzt Gleitsmann in Leipzig, lösete von seinem Hofe in hiesiger Neustadt 12 Gr. jährlichen Zins ab und gab dem Rate dafür 7 alte Schocke hoher Währung. Der Rat empfing 12 Schock 18 Gr. neuer Münze (von dem ungelde uff der Stadt geborlichkeit den vierden teyl von der ersten rechnunge), 8 Schock 28 Gr. 3 Pf. auf Galli von den neuen und alten Gebräuden und 17 Schock 19 Gr. 4 Pf. 1 Hl. von 126 Gebräuden, in Summe also 38 Schocke 1 Gr. 7 Pf. 1 Hl. vom Ungelde dieses Jahres zu seinem Anteile.

1471
Die Fürsten verlangten am 26. März zu dem Lande, Schlosse, Städten des Elbogen (in Böhmen) eine Summe in Gold, welches verzinset und im Herbst wieder gezahlet werden sollte und der Rat schickte am 9. April 800 Rh. Guldenin Golde ab. Sie wurden nach und nach vom Ungelde, oder der Tranksteuer durch Zurechnung erstattet - zuletzt 1477. Herzog Albrecht zog gegen Elnbogen, wo Matthias Schlick, Herr der Stadt und Umgegend, von den aufrührerischen Untertanen bedrängt wurde und eroberte diese Stadt, deren Bürger sich unterwarfen. 120 Trabanten stellte Delitzsch am 26. März zu diesem Heereszuge auf 14 Tage mit einem Aufwande von 30 Schocken. Zu dem Heere desselben Herzogs, den die Böhmen nach George Podiebrads Tode, um ihn gegen den König Matthias in Ungarn zu brauchen, Hoffnung zur Krone Böhmens machten, die sie jedoch schon dem Sohne des Königs in Polen. Ulagislaus, zugedacht hatten, gingen als er bei Prag stand, am 17. Mai von hier 120 Trabanten und Reitende mit einer Steinbüchse, 7 Wagen, Pannieren, und 10 Wagenfähnlein, auf sechs Wochen und kosteten 100 Schock. Da der Herzog, von mehreren Seiten gewarnet, gegen ihre Anforderungen sich vorsichtig nahm, und sie merkten, daß man sie durchschaue, hielten sie auf ihn, er entging ihnen aber mit einem geringen Verluste, den er in den Bergen durch das erregte Bergvolk erlitt, und kam glücklich nach Meißen zurück. Der Aufwand dieser Heereszüge und die Aufbringung einer so bedeutenden Summe für die Fürsten nötigte den Rat, neue Darlehne aufzunehmen und er borgte 100 Rh. Gulden von der Kirche, Vermächtnis des Klaus Nosk, 500 Rh. Gulden von dem hiesigen Altare zum heiligen Kreuze, 400 Rh. Gulden vorn Kapitel zu Naumburg und 400 Rh. Gulden von dem Bürger Johann und Nicolaus Schlautitz, in Leipzig, auf Leibzins. Es waren außer der Stadtmühle, die man zu bauen im Begriffe war, noch zwei Mühlen in der Nähe, die den Loberbach, welcher das Werk trieb, schwächten - die Haus- und die Schademühle. Die Hausmühle hatte ihren Namen vom Hause (Schlosse), daher die in der Rechnung 1420/21 molendinum castri genennet wird, in einer Urkunde d. J. 1367 aber die moel czu Delcze dy ondir deine Hucze (unter dem Hause) gelegen. Sie gehört aber nicht dem Schlosse oder Amte, sondern hatte die Pake auf Doebernitz zu Lehn- und Gerichtsherren und war vererbt. Bis zum Jahre 1367 hatte Botho von Thorgow Herre zcu Besekow ein Schock jährlich von dieser Mühle, er trat es aber in diesem Jahre an hiesige Frauenkirche ab und der Schenkungsbrief desselben ist es, der von ihr die erste Nachricht gibt. Sie lag zwischen dem Viehtore und der Stadtmühle am Stadtgraben, da, wo sich jetzt das Parreidtische Gartengrundstück Nr. 360 des alten Brandkatasters (Wallgraben Nr. 8) findet und entzog also, wiewohl sie nicht im besten Stande war, doch einiges Wasser der Mühle der Stadt. Die Schademühle befand sich unter Amtsgerichtbarkeit im Rosentale, jetzt das dem Kaufmann Kühne, vorher Dr. Languth (Rosental Nr. 25) gehörige der Schafbrücke gegenüberliegende Gartengrundstück, hatte, wiewohl sie derzeit wüste war, doch vom Lober und Gertitzer (oder Rubacher) Bache Zugang und konnte zum Nachteil der Stadt benutzt werden; der Rat suchte daher hauptsächlich mit Vergünstigung des Amt- und Hauptmannes Otto von Schidingen diese Mühlen mit ihren Berechtigungen sich anzueignen. Zuvörderst kaufte er in diesem Jahre, am 21. Dezember von Otto Pake die Lehn- und Gerichtsherrlichkeit über die Hausmühle für 24 Schock und erhielt sie von den Fürsten zu Stadtrecht in Lehn. Der Handel mit den Besitzern der Mühlen kam aber erst in den Jahren 1474 und 1475 zustande, so, daß von da an die Stadtmühle das ganze Wasser beider Bäche empfing und ausschließlich zu nutzen berechtiget ward.

Auch kaufte der Rat von dem Bürgermeister Nicolaus Cramer für 60 Schock neuer Münze eine freie Hufe vor dem Hallischen Tore, eine große Scheune mit Hof, ein Häuschen mit Garten und den Kae1bersta11. Er verkaufte aber diese Grundstücke wieder, die freie Hufe an den Kämmerer Nicolaus Gorius für 40 Schock als Zinsgut mit 20 Gr., den großen Hof mit Scheune an den Bürgermeister Pancratius Schebe für 20 Schock mit 12 Gr., das Häuschen mit Garten für 3 Schock und 10 Gr., den Kaelberstall aber an den Amt- und Hauptmann Otto von Schidingen für 8 Schock und 4 Gr. jährlichen Zins, diesen jedoch, weil er sich zum Vorratshause, an dem es der Stadt gebrach, eignete, mit der Bedingung des Vorkaufes, den er auch im Jahre 1491, als ihn Leonhard von Schidingen veräußern wollte, geltend machte und das Grundstück für 20 Rh. Gulden käuflich zurück erhielt. Er lag in der Kohlgasse, am Stadtgraben da, wo jetzt die Häuser der Nummern 269 ... des Brandkatasters stehen, ward bis 1532, wo ihn ein gegenüber ausgebrochenes Feuer mit dem größten Teile der Kohlgasse zerstörte, als Kornhaus benutzt, blieb aber, weil er durch den Ankauf der Terminei in der Stadt und später durch die zum Schütthause überlassene Frauenkirche entbehrlich schien, nach Wegschaffung der Grundsteine (1535) ein freier Platz, den man zwar nach einiger Zeit zum Anbau wieder vererbte, auch bebaute, der 30jährige Krieg aber von neuem in den vorigen wüsten Stand versetzte, dem er erst im Anfange des 19. Jahrhunderts durch den Anbau der bemerkten Häuser entzogen ward. Die Sch1össer und Städte Zoerbig, Bitterfeld und Graefenhainichen wurden von den Fürsten Ernst und Albrecht an den Grafen Gebhard zu Mansfeld für 14000 Gülden wiederkäuflich verkauft (verpfändet). Die Töpferei i n der Vorstadt vermietete der Rat für jährlich 40 Gr., auch ließ er die Gertitzer Quelle räumen und braute ein Bier vom Gertitzer Bache von einem Schock Scheffel Gerste (am Werte 2 Schock 53 Gr. 6 Pf.) an 8 Faß - mit einem Aufwand von 7 1/2 Schock. Drei wurden mit dem Rade vom Leben zum Tode gebracht durch den Scharfrichter, Züchtiger, Hans Faber- und kommt diese Strafe zum ersten Male vor - das Verbrechen aber wird nicht angegeben. Der vierte Teil des Ungeldes, den der Rat empfing, betrug 28 Schock 36 Gr. Beide Orgeln der Kirche besserte der Orgelbauer Nicolaus mit dem Barte und erhielt (außer den Zutaten und der Tischlerarbeit) 4 Schock 48 Gr. Lohn. Durch ein Vermächtnis des Bürgers Georg Müller kamen 6 Gülden an die Kirche der Stadt und 4 Gulden an die Frauenkirche. Die Gerber erhielten am Tage Thomä ihren Innungsbrief. In Leipzig hatten die Schusterknechte mit den Studierenden Händel. Sechs dieser Schusterknechte, die Brüder Lorenz, Peter und Stephan Stock, Peter Thyle, Matthäus und Valentin Smydt, schlugen Fehdebriefe an die Collegien, erhielten einen Anhang von lockeren Edelleuten und müßigem Gesindel, und übten gegen die Studenten und Universitäts-Verwandten offene Feindseligkeit. Die Fürsten befahlen daher ihre Verhaftung, der Official zu Merseburg aber, Johannes Vestual, erließ unter anderen auch an den hiesigen Klerus Requisitorialien, die Schusterknechte und ihre Anhänger bei Androhung des Bannes vor das geistliche, bischöfliche Gericht zu Merseburg zu laden und machte später, als sie nicht erschienen, demselben Klerus das Urteil, in welchem man sie, bis sie der Sache genug getan, für ehrlose Ächter, der geistlichen Lehen verlustig, der Zusammenkünfte des Adels und bürgerlichen Umganges unwürdig erklärte, am 27. März zur Veröffentlichung bekannt. - Man hatte wahrscheinlich von beiden Seiten gefehlt, der Handel, ein leichtsinniger Jugendstreich, ward vor dem weltlichen Gericht mit Sühnen und Gefängnisstrafen abgemacht und an dem Orte, auf den er sich beschränkte, bald vergessen.

1472
Die Frauenkirche ward im Inneren und Äußeren gebessert und 100 Schock darauf verwendet, auch erhielt sie durch den Künstler Nicolaus mit dem Barte ein neues Orgelwerk. Der Erzbischof von Magdeburg weihete sie in eigener Person, firmte auch in der Stadtkirche (zu St. Peter) und verwendete man aus der Kirche gegen 10 Schock für Essen, der Rat aber gab für 4 2/3 Schock Torgauer, Zerbster und einbeckisches Bier und überdies den Kirchenvätern zur Aushilfe 13 Schock. Zugegen war dabei der Graf Gebhard von Mansfeld und erhielt den Ehrenwein. Der Bau der Stadtmühle begann und kostete in diesem Jahre gegen 100 Schock. Zwei Mühlbau-Verständige untersuchten das Wasser und ein Meister aus Halle wog es ab, der Müller Christoph aus Löbnitz, dem der Bau verdungen war, führte ihn aus und vollendete ihn im künftigen Jahre, wo man ihm bei seinem Abschiede leidensches Tuch zu einem Kleide (2 Schock am Werte) als Verehrung gab. In der Mitte des Juli schickte die Stadt 10 Trabanten mit einem Wagen und Aufwande von 5 Schocken nach Hessen. Der Ungeldanteil des Rates betrug in diesem Jahre 63 Schock. Die Hochzeit der Tochter des Otto Pake ward hier in der Stadt gefeiert und schenkte der Rat ein Faß Torgauisches Bier. Dreißig lederne Feuereimer wurden für vier Schock angekauft.

1473
Im Monat März waren die Fürsten mit ganzem Hofstaate hier (Sprenger, Pfeifern, Trompetern, Trommlern) und gingen nach Halle, wo auch der Landgraf Wilhelm, der Markgraf Albrecht von Brandenburg u. a. zu einer Beratung gegenwärtig waren. Am B. Mai bei Sonnenuntergang, ging Bitterfeld in Feuer auf, welches Hans, ein Leineweber angelegt hatte, und schickte der Rat von hier Tages darauf Wagen mit Brot dahin, später auch Steine zum Ausbaue als Geschenk. Man hatte auch hier verzweigte Mordbrenner im Verdachte und deshalb mit dem Rate in Naumburg Konferenz. Die Mulde stieg am 15. August bei Bitterfeld zu einer furchtbaren Höhe, brach unter Pouch durch, nahm einen anderen Lauf und riß 60 Acker der Stadt Bitterfeld gehöriges Flemingsholz (jetzt die beiden Friedersdorfischen Werder) nach der entgegengesetzten Seite hin. Die Fürsten gaben ein großes Schützenfest in Leipzig, welches acht Tage dauerte und gingen nach der Fürsten Willen und Wohlgefallen auch von hier acht Schützen dahin, denen der Rat 5 Schocke Zubuße gab. Man lieferte 50 Stück Betten dahin und des Rates Knecht und Wagen führten das fürstliche Stechgerät nach Dresden zurück. Das Mühlgebäude kostete in diesem Jahre noch 17 1/2 Schock, die Aufsicht dabei führte Martin Kirchhof und brachte das in den letzten Monaten gangbare Werk eine Einnahme von 26 1/2 Schock. Den Ratsherren, deren Geschäfte sich mit jedem Jahre mehrten, hatte man schon 1469 für ihre Versäumnis eine Entschädigung von summarisch 4 Schocken bewilligt, jetzt aber ward 2 Schock für den Bürgermeister, ein Schock für jeden Beisitzer, überdies aber ein Schock in die Küche der Bürgermeisterin und 5 Gr. für die Köchin derselben, wegen des Richteressens, für den Stadtschreiber aber 4 Schocke Sold, 4 Schock für die Kost, 2 Schock für die Kleidung und ein Schock für die Rechnung festgesetzt. Überdies hatte er freie Wohnung, den Bedarf an Schreibmaterialien und bei jeder Gerichtssitzung eine Kleinigkeit. Zwölf Trabanten nach Hildesheim auf 2 Monate kosteten 48 Schocke und hierzu und zum Baue der Mühle borgte der Rat Rh. Gulden vom Hospitale. Wegen Verbrechern, die man auf dem Gottesacker festhielt, reiste Bürgermeister und Notar mit 4 Pferden nach Calbe zum Erzbischof. Hans Peterwitz vermachte beiden Kirchen 6 Schock und Hans Grosse ein Haus in der Grünstraße, einen Garten am Kohltore und die Frucht in der Glesienin Garten. Küster war Kilian und Paul Organist, dem man außerdem Solde auch ein Fuder Holz gab. Die Schützen hatten einen Schützenhof in Grimma. Valentin Schocke, der Stempels Tochter schwängert, büßte 2 Schock neuer Münze. Vom Ungelde kamen in des Rats Kasse 45 Schock 47 1/2 Gr.

1474
Hans Tuschewein aus Kotzschen ließ sich in Stempels Hause mit Schwefel und leinenem alten Tuche ergreifen und gab vor, daß er von Cleman Melssen und Martin Fuhrmann in Merseburg angestiftet und ausgesendet sei, Delitzsch zu brennen, welches sich in der Wahrheit nicht befand. Er ward mit Gefängnis bestrafet und der Stadt vier Meilen Weges verwiesen. Der Rat kaufte das zwischen dem Rat- und Kaufhause noch liegende Privathaus des Bürgers Magerkopp (damals Nr. 4 des zweiten Viertels), zu Gute der Gemein und Erlengung des Rathauses für 32 Schock, und vereinigte nun die drei Gebäude durch einen Neubau, der von Grund aus geführet und in der Hauptanlage als Rathaus bis in die neueste Zeit nicht verändert ward. Der Bau wurde dem Maurer Dietrich Wiltstier von Torgau übertragen, er fing auch die Arbeit am 9. Mai dieses Jahres an, hielt aber untüchtige Leute, daher man ihn gehen ließ und am 19. Juni den Meister George Amme aus Leipzig ins Gedinge nahm. Den Sandstein bearbeitete der Steinnmetz Bernhard, welcher in diesem Jahre mit seinen Leuten 17 Schock, Wiltstier 11, Amme 25 an Lohne empfing. Die Gründung der Keller und Trinkstube waren im Spätsommer ausgeführt. Auch kaufte der Rat mit Vergünstigung des Amt- und Hauptmannes Otto von Schidingen vom Müller Benedict für 100 alte Schocke das Wasser, welches auf seine Mühle, die Schademühle genannt, lief, bis an die Wohnung mit dem Rechte, dieses Wasser auf seine Mühle (die Stadtmühle) zu leiten - und so, daß nie eine Mühle daselbst oder oberwärts zum Schaden der Stadt wieder angelegt werden könne - für ewige Zeiten. Das Schock, welches der Rat jährlich von der Mühle zu empfangen hatte, übernahm der Rat und gibt es heute noch. Belieben ward es von den Fürsten am 12. August künftigen Jahres. Wegen Bestätigung der Lehn über die Altäre reiseten der Bürgermeister, zwei Ratsherren und der Stadtschreiber nach Giebichenstein zu dem Erzbischofe, der den Rat in einer Schrift erinnert hatte. In der Cossunge Czorbegk, Hainichen und Bitterfeld wurden dem Rentmeister Betten geliehen, und also diese drei Städte vom Grafen Gebhardt zu Mansfeld wieder eingelöset. Im August gingen auch auf Begehren der Fürsten mit dem Hauptmann Otto von Schidingen 7 Wagen, 3 Reuter und 80 Bürger zu Fuß zu dem Grafen Woldemar nach Coethen, doch nur auf zwei Tage; am 14. November aber 20 Trabanten mit einer Steinbüchse nach Neuss an den Rhein gegen den Herzog Carl von Burgund, kamen jedoch, weil der reisige Zeug (Reiterei) vollzog, in einigen Tagen zurück. Der Sammelplatz des Heeres war in Leipzig auf der Kuhweide. Veit Priorau erschlug den Richter Balthasar Heyner in Gertitz, gab 2 Schock Wandel an das Gericht, sechs Schock den Erben des Erschlagenen, mußte die Hand mit 10 Personen bestätigen, 1 steinernes Kreuz 2 Ellen hoch setzen, 30 Vigilien und Seelmessen halten lassen, eine Achfahrt tun und das Dorf räumen. Der Schindersknecht von den Leibzeichen des Richters in Gertitz abzulösen, erhielt aus der Ratskasse fünf Gr. Friedrich Rathmersdorf vermachte der Kirche 5 Gulden und eine sammete Joupe, am Werte 2 Rh. Gulden 15. Gr. Thomas war Cantor und Organist, versah beide Stellen, weil der Cantor gestorben war. Der Rat empfing von den Malzen aus der Mühle 15 Schock 44 Gr. und borgte zu den neuen Bauen 100 Rh. Gulden vom Kloster der Marienknechte zu Halle, 200 Rh. Gulden von dem Bürger Augustin Schulze zu Leipzig, 100 Rh. Gulden von Margarethe Heyse. Vom Ungelde kam in der Kasse 43 Schock 5 Gr.11 Pfg. 1 Hl. - der Roggen galt 3 1/4 der Hafer gegen 3 Gr. In der Vorstadt war ein Feuer und gab man den Löschern Bier und Wurst. Dem Hauptmanne gab man an den Quartalen Wein und Bier, den Ratsherren und Dienern ein Badegeld, den Herren ein Gr., den Dienern 6 Pfg.

1475
Die Ergiebigkeit der Schneeberger Bergwerke (seit 1471) veranlaßte die Fürsten, Ernst, Albrecht und den Landgrafen Wilhelm, ihren Oheim, kleinere, aber silberreichere (15-16 lötige) Groschen von diesem Jahre an auszuprägen. Die neue Münze kommt hier unter dem Namen silberne Münze vor, und verhielt sich zu der bisherigen, die man mittlere nannte, wie 6 zu 7. Wegen der aus drei Bogen und drei Spitzen bestehenden Umgebung des Landsberger Schildes der einen Seite nannte man sie auch Spitzgroschen. Nach der fürstlichen Verordnung sollten 20 einem Rh. Gulden gleich sein und einer 9 Pfg. gelten, sie stiegen aber in einigen Gegenden bald auf 15 und 18 Pfennige. Am 26. April kaufte der Rat das Wasser der Hausmühle von dem Müller Sebastian für 100 alte Schocke. Hierunter war auch der Hof, ein Viertel Landes hinter diesem und weiter nach dem heiligen Brunnen zu, eine Wiese begriffen. Man versprach ihm aber Hof und Viertel Landes abzumessen und gegen 15 Gr. jährlichen Zins zu vererben, die Wiese jedoch nur als der Stadt-Zins-Laßgut für 40 Gr. jährlich, wenn er es nicht etwa erblich abkaufte, zu überlassen. Am 13. September ward ihm Hof und Viertel Landes abgemessen und versteckt, angewiesen mit der Bedingung des Vorkaufes und sollte es der Stadt frei stehen, wenn sie es in Nachgezeiten nötig fände, den durch das vererbte Grundstück führenden Wasserlauf oder Gestrenge zu räumen, den Schlamm auf das Grundstück zu werfen und der Besitzter bei der Räumung helfen. Das an die Kirche zu gebende Schock zahlte von nun an der Rat. Heinrich Spigel auf Zschortau, erhielt jährlich vom Zolle 30 Gr. (von den Paken stammend), diese Abgabe kaufte ihm der Rat am 25. Mai für 30 Rh. Gulden ab. Auch kaufte er von Stephan Mewes eine Hufe Landes auf Gertitzer Mark für 22 Schock 20 Gr. Sie war Frei-Mannlehn. Der Blitz schlug in den auf der Mitte des Daches stehenden Turm der Stadtkirche, zerstörte die Spille der Spitze, beschädigte auf seinem Gang das mitternächtliche Dach des Schiffes, und fuhr an dem Fenster der mitternächtlichen Seite, wo der Altar Jakobi stand, zwischen der Kreuz-Kapelle und dem Eingange in das Schiff nieder, ohne Entzündung. Die Nachricht hiervon erhielt sich in den Rechnungen durch den veranlaßten Aufwand. In der Rechnung des Rates: "Den Pulsanten (Läutern) vor bier do was weiter in die Kirchenn slugk VIII gr." Die Kirche aber verrechnete an Ausbesserung: 6 1/2 Gr. zu einer Säule in die Spitze auf der Kirche - Arbeitslohn dem Zimmerer Georg die Spitze zu kleiden, den Sparren und eine Säule einzuziehen - dem Schieferdecker, Spitze und Dach zu decken 2 ½ Schock - dem Fenstermacher Matthiae von dem Fenster über dem Altare Jakobi 1 Schock. Der fürstliche Lehnbrief über die Schademühle ist vom 11. August (Lipczk am Freitage nach Sent Laurencii) und berechtiget die Stadt, das Wasser bis an die Wohnung des Müllers, und des Orts, wo die Mühle gestanden, nach Belieben zu nützen, einen Grundschutz zu ziehen, oder zu Erledigung ihres Wassers im Stadtgraben einen Abgang zu halten. Niemand soll sie zu ewigen Zeiten daran hindern, ihnen das Wasser abgraben, hier oder an einem anderen Orts obinwendig (aufwärts) ihrer Mühle (der Stadtmühle) eine Mühle anlegen, wodurch die ihrige geschwächt würde. Dieser Lehnbrief kostete in der Kanzlei 4 Rh. Gulden und 6 Silbergroschen für Wachs.

Am 7. September starb der PfarrerHerman Westfal, auch Westual, ein geborner Westphale, aus dem Paderbornischen und in Paderborn zum geistlichen Stande gebildet. Er war schon 1409 Vikar und Kalandherr hiesiger Stadt, versiegelte 1423 im Auftrage den Nachlaß des Pfarrers Stellmecher, hatte 1428 die Pfarre in Zschortau und besorgte das hiesige Pfarramt für den fürstlichen Kanzler Georg von Hugewicz, der ihm durch seinen Einfluß zu dem Amte selbst, das er selbst seiner übrigen Geschäfte und daher sich steigenden Einkünfte wegen aufgab, 1437 behilflich war. Im Jahre 1446 erteilte ihm auf fürstliches Gesuch der Erzbischof Friedrich zu Magdeburg das Commissariat für hiesige Lande, Magdeburgischer Diözes, und machte er sich durch Auswirkung fürstlicher und bischöflicher Gunstbriefe zu milder Förderung des Kirchenbaues, und durch das Vermächtnis seiner Bücher um die Kirche wohl verdient. Am Rathause ward die Lauke, ein unterirdisches Gefängnis für gefährliche Verbrecher, der hinterste Grund gegen den Hof mit dem Vorende über der Lauke, unter des Ratsherren und Bauvorstehers Martin Kirchhof, Aufsicht durch den Maurer Amme ausgeführt, welcher gegen 20 Schock Lohn erhielt. Zu diesem Baue und neuen Ankäufen borgte der 50 Rh. Gulden vom Hospitale, 200 Rh. Gulden vom Bürger Augustin Schulze in Leipzig und 200 Rh. Gulden von Dr. Johannes Euderitsch daselbst, diese zu 10 Rh. Gulden jährlicher Verzinsung. Die Schuldverschreibung gegen diese ist vom 4. Oktober. In den über die Zinsen gestellten Quittungen schrieb er sich Johes (Johannes) Ewderitsch von Lipczk, war aus Euderitsch bei Leipzig gebürtig und sein eigentlicher Name Meise. Er lehrte in Leipzig , wo er studiert hatte, als Magister Philosophie, ward 1461 Rektor der Universität, 1466 Collegiat des großen Collegium, Lehrer der Theologie, starb am 12. Februar 1491 und fand in der Nicolaikirche seinen Ruheplatz. Der Rat borgte 1487 noch 280 Rh. Gulden zu 14 Rh. Gulden Zins von ihm, und wird bei diesem Jahre gesagt werden, an wen nach seinem Tode infolge von Stiftungen die Zinsen bezahlt worden sind. Aus dem Nachlasse des Kantors erhielt die Kirche Mantel und Kogel (cucullum), vom Prediger Paul ein Buch: Scholasticam historiam, vom Pfarrer Westual aber sämtliche Bücher als Vermächtnis. Im Frauenhause (Bordelle) brach Feuer aus, ward aber sogleich gelöscht. Dem unvermögenden Rats-Kämmerer Dietrich Naumann verehrte man ein Kleid. Einer, der zwei graue Tuche gestohlen hatte, war mit dem Strange hingerichtet, abgeschnitten und begraben. Auf die 1466 den Fürsten geliehene Hauptsumme erhielt die Stadt in diesem Jahre 516 Rh. Gulden zurück, vom Ungelde aber kam in die Kasse 41 Schock 52 Gr. 5 Pfg.

1476
Der Amt- und Hauptmann Otto von Schidingen (er war es zugleich in Zoerbig und Bitterfeld, früher, 1456 in Wittenberg) verglich am 31. Januar die Kupsalischen Erben, ging dann mit dem Landvoigte Bernd (Bernhard) von Schoenberg von hier nach Dresden und von da am 5. März mit dem Herzoge Albrecht und Begleitern, 119 an der Zahl, in das heilige Land. Auf dem Rückwege, und kurz nach der Abfahrt von Joppe starb er am 11. August und sein Leichnam mußte wegen großer Hitze und drohender Gefahr der See überlassen werden. Er war ein Sohn des Christoph von Schidingen, als Mensch und Krieger ausgezeichnet, Liebling des Herzogs und wahrer tätiger Freund dieser Stadt, deren neuer Bruderschaft er noch ein Vermächtnis von 50 Rh. Gulden hinterließ. Stadt und Angehörige (Gattin: Anna von Einsiedel, Kinder: Hans, Otto, Lucia, Elisabeth, Anna und Martha) vorzüglich der Sohn Hans, nach ihm hiesiger Hauptmann, setzten ihm daher das an der Stadtkirche neben dem Eingange in die mittägige Kapelle noch bestehende steinerne Denkmal (Cenotaphium) mit ganzem Bilde im Harnisch, doch unbehelmt. Der von Plauen hatte Mordbrenner ausgesendet und warnten die Fürsten gegen folgende Personen: Georg Gelhoer ist gefangen, Schauwenflegel ist ihr Hauptmann, geht mit einem Krame und bettelt mit; Matthaeus Wallenlanden ist ein fahrender Schüler; Caspar Trappe trägt sich mit einem Krame und bettelt mit; Hans Franke geht auch mit einem Krame, Georg von Dautsch geht in langen Kleidern als ein Schreiber, Cunz Spangenberger trägt sich mit einem Netze als ein fahrender Schüler und ist von Spangenberg aus Hessen, Georg Papelbier ist auch der Gesellen einer; Georg von Schmalkau trägt sich mit einem Krame am Halse; Friedrich Holandt desgleichen, Gürtel und Messer; Hans Hesse ist ein Junggeselle und geht betteln. Am 16. August lieferte die Stadt viel Betten nach Leipzig auf das Schloß, wo der Landgraf Wilhelm, seine Tochter Margarethe und viele thüringischen Vasallen mit den Landesfürsten und Freunden zusammentrafen, um zur Hochzeitsfeier nach Berlin abzugeben. Der D. Johannes Morman in Leipzig, hatte sich 1470, als er dem Rate 300 Rh. Gulden auf Leibzins lieh, bedungen, daß man ihm ein Begängnis halten sollte, wenn bei seinem Tode das Kapital nicht völlig ausgegeben sei, und veranstaltete der Rat die Gedächtnisfeier in diesem Jahre, wo er in der zweiten Hälftegestorben sein muß. Der Rat brauchte ihn früher in der Stadt Angelegenheiten und er kommt gewöhnlich unter dem Namen D. de Ratisbona (wie 1460) in den Rechnungen vor. Er war von Regensburg, in Leipzig zum Gelehrten gebildet, Magister, Lehrer der Philosophie und Theologie. des geistlichen Rechts, 1450 der Universität Rektor und eine Zeitlang fürstlicher Rat -einer der ausgezeichnetsten Theologen und Redner seiner Zeit, von dem die Leipziger UniversitätsBibliothek noch Schriften hat. 40 Trabanten nach Radegast und Folge nach Bernburg. Wegen des Zolles in Rydeburg war man in Leipzig und Giebichenstein. Die im vorigen Jahre von Stephan Mebes erkaufte Freihufe vererbte der Rat für 98 Rh. Gulden und einem jährlichen Erbzins von 20 Gr. an den Bürgermeister Pancratius Schebe. Die lockende Ausbeute der Schneeberger Bergwerke bewog auch den Rat mit den Bürgermeistern Schebe, Werdt und dem Stadtschreiber für 600 Gulden Bergteile anzukaufen, von welchen die Stadt die Hälfte behielt. Mehrere alte Kapitale wurden abgezahlt, dagegen 1550 Gulden, als 50 Gulden von Wenceslaus Finis einem Delitzscher, 500 Gulden von der Sonnewaldin in Torgau, 1000 Gulden von dem Bürger Michael Ropptsch allda, von neuem erborget, und meistens zu dem Baue des Rathauses bestimmt. Einer entführte Matthaeus Krügers Mädchen, ein Kind von 12 Jahren und gab 6 Gulden Strafe. Andreas Winter von Grassow, eine Meile von Herzberg (ein Wende) ward mit einer falschen, zwei Daumen breit kürzeren Elle begriffen und mußte ebenfalls 6 Gulden zu Wandel und Buße erlegen. Auch die Schuh- und Ackerknechte verbüßten unerlaubtes Spiel mit 1 Schocke, für welches man zwei hochfüßige Schenkkannen anschaffte. Der D. Werner Wyke in Leipzig erließ der Stadt von seinen jährlichen Leibzinsen 5 Gulden zum Besten der Armen, und der Rat kaufte dafür unter andern auch Ern Heinrich dem Barfüßer (aus hiesiger Barfüßer-Terminei in der Badergasse) eine Bekleidung (Kappe) für 48 Gr. Paul Tyle von der Sprotte legte 14 Rh. Gulden bei der Kirche nieder und gab sie ihr auf den Todesfall, desgleichen die Kurenackin 10 Rh. Gulden. An die Stelle des verstorbenen Caspar Gottschalk wurden zwei, Clemens Becker und Nicolaus Wagenknecht zu Vorstehern des Hospitals erwählt.

1477
Die Räte des Herzoges und Landgrafen Wilhelm waren hier. Quedlinburg, welches sich gegen die Äbtissin. Schwester des Kurfürsten, auflehnte, ward vom Kurfürsten belagert, erobert und zum Gehorsam gebracht. Hiesiger Stadt kostete die Heerfahrt dafür 75 1/2 Schock. Der Maurer Georg Amme mauerte 24 Ruten am Rathause über der Erde und erhielt für die Rute 1 Schock zum Lohn, 9 1/2 Schock für das Gewölbe unter der Brücke am hohen Turme. auch besserte er den Turm am Viehtore und die Galgenbrücke. Der Adel (die erbaren) hatte in Fastnachten seinen Hof und nahmen Torgauer Bier. Martin Koerbitz, einjunger Mensch, brach zum Scherz in einen Kramladen des Leginlichtischen Hauses, nahm einen Korb Feigen und einen brauen Rock ... und trug das an anderswohin, ward darüber ergriffen, aber auf Vorbitte der Geistlichen, des Gieitsmannes und anderer des Gefängnisses (wegen seiner Unwissenheit, Torheit und Kindheit) entlassen und sollte die Stadt meiden, es wäre denn, daß er zu Priesterschaft geordnet würde. Der Rat verkaufte das Mühlhaus, welches früher Peter Sachse hatte, bis an den Unterschied an den Zimmermann George Müller für 17 Rh. Gulden. Das Mühlhaus hatte, seitdem die Stadtmühle außerhalb der Stadt angelegt worden war, nur den Namen behalten, war aber längst vererbt, und kaufte es der Rat 1473 von dem damaligen Besitzer Peter Sachse zurück. Es macht den Anfang des vierten Viertels, denn hier stand die alte Stadtmühle, und die nach dem Pakischen Freihofe, oder der Doktorei führenden Gasse hatte derzeit den Namen Mühlgasse von ihr. Die Kriebenstein, Ehefrau des Ratsherren Johann Kriebenstein vermachte der Kirche 6 Rh. Gulden und die Caspar Bornack schenkte 40 Gr. dahin. Der Ritter Thomas Gray kam aus Ungarn, wo er "sich aus türkischer Gefangenschaft gelöset hatte" und erhielt den Ehrenwein. Der Scheffel Weizen (hiesigen Maßes) galt 3, der Scheffel Roggen und Hafer 2 Groschen. Vom Ungelde kam in die Kasse 40 Schock 47 Gr. 4 Pfg.

1478
Martin Nussmann, der mit der Buderneckin Ehebruch getrieben, mußte 2 Rh. Gulden büßen, seine Güter verkaufen und wegziehen. Auch Lucas Schmidt, der seines Bruders Tochter beschlief, auf Vorbitte des Fürsten aus dem Gefängnis kam, mußte seine Güter verkaufen und die Stadt meiden, nachdem er dem Rate als Strafe 2 Schock hallische Scheffel ungelöschten Kalkes gegeben und frei angefahren hatte. Man versuchte an der Stadtmühle auch eine Walkmühle anzubringen, besah mit den Gewerken die Walkmühle in Leipzig, ließ auch den Bau durch den Zimmermann Martin Müller anfangen, man findet aber nicht, daß das Werk fortgesetzt worden sei. Sechs Schützen mit dem Zieler, vier Pferden und zwei Knechten gingen sonntags nach Bartholomä zu einem Schützenhofe nach Geiten und blieben vier Tage weg. Es ward eine Brauordnung festgesetzt, aus der einiges in die späteren Ordnungen übergegangen ist. Der Bau am Rathause beschränkte sich in diesem Jahre auf die Bänke, und sorgte der Rat zu Absetzung älterer Schulden und fortgesetztem Baue 600 Rh. Gulden von Brigitte Sonnenwaldin in Torgau, welches Kapital zu einer geistlichen Stiftung von der Gläubigerin bestimmt, 1532 an die Vikarien in Torgau wieder abgezahlt ward. Der Markgraf Albrecht war Petri Pauli hier und zog mit hiesigem Zeuge und Trabanten in die Mark, der Rat verehrte ihm Torgauisches Bier. Auch erhielten der Doktor Otto Spigel, Kanzler, dessen Bruder Dietrich und die Mutter in Granau gesessen, als sie hier eintrafen, einen Lägel Rheinfall zum Geschenk. Ähnliche Verehrungen wurden dem Bischofe von Merseburg, dem von Schwarzburg Hohenstein, dem Hauptmanne von Leipzig Nicolaus Pflug, Heinrich Laser und dem hiesigen Gleitmanne Albrecht Preyting zuteil. Die Hurenwirtin (Aufseherin des Frauenhauses, Bordells) wurde vom Scharfrichter Thomas verhört - der Tortur unterworfen. Die Kirche kaufte Jacob Finis Brauhaus mit aller Gerechtigkeit, ohne Zins, für 50 Rh. Gulden in Golde. Der Born soll dem Verkäufer zum Gebrauche gegen Unterhaltung des Schwengels, der Säule und des Geschränkes überlassen sein. Die Schule war noch mit Schindeln gedeckt. Der Zimmermann Martin fertigte für die Kirche die Krone (Kronleuchter), da man die Lichter aufsteckt in dem Advent. Der neue Küster Peter Volle ward mit seinem Geräte von Halle abgeholt. Des Rates Anteil vom Ungelde betrug 49 Schock.

1479
Der Hauptmann Hans von Schidingen zahlte das von seinem Vater Otto von Schidingen der Fraternität der Neuen Brüder ansgesetzte Legat von 50 Rh. Gulden und der Rat vermehrte es bis 100 Rh. Gulden, welche er an Conrad Heiler zum besten der Gesellschaft auf Zinsen auslieh. Die Kirchrechnungen von 1472 bis 79 wurden abgenommen geistlicherseits von dem Stellvertreter des Pfarrers Daniel Porgk, Urbanus (Ludicke) Pfarrer in Zschortau und hiesigen Altaristen, mit dem man als Courentor nicht zufrieden war. Fünf Gesellen von hier arbeiteten in Wittenberg (wahrscheinlich an der Brücke oder Befestigung) und erhielten vom hiesigen Rate ihren Lohn. In Bendorf wurde die neue Glocke geweihet und gab der Rat ein Faß Torgauisches Bier. Am Rathause arbeitete meistens der Steinmetz Johannes -den Grund unter der Säule ziehen, Unterzüge - die Versetzung der Anfänge - Kragsteine, Bilder - vom Zimmermeister Martin aber ward die Säule unter dem Unterzuge gefertiget, mit Schnitzwerk und Wappen, an welche man die öffentlichen Bekanntmachungen hing. Ein neuer Wagebalken mit allem Zubehör, den man aus Nürnberg kommen ließ, kostete 8 Gulden. Nicolaus der Mahler (Bildhauer) fertigte zwei Taufbecken, die der Stadtkirche mit gesprenge und Ölfarben - vergoldet auf das schönste - (allirschonste). Der Buchdrucker Lucas Brant, auch Brand und Brandt, ein geborener Delitzscher, welcher von 1465 an in Leipzig studierte, später daselbst und in Merseburg druckte, verkaufte der Kirche ein Missal auf Pergament für 14 Rh. Gulden (soll eingebunden sein, beschlagen und mit einem Crucifixe illuminieret). Derselbe überlieferte auch ein papiernes Missal für 6 Rh. Gulden und war in Pfingsten persönlich hier. Ein Unbekannter schenkte der Stadtkirche 7 Schock 50 Gr. Urban war Ostern, Ambrosius Miachaelis Organist. Der Küster Thomas an der Frauenkirche starb und der Klerus ward von Wittenberg geholt. Ein Moritz Reichinstein hatte sich bei den Fürsten beschweret, daß er vom hiesigen Gleitsmanne (des Schlosses) und anderen gedrängt worden sei, und um Abhörung von Zeugen gebeten und erging deshalb an den Rat den 18. März eine fürstliche Zuschrift. Der Scheffel Korn galt 2 Gr., Hafer 1 Gr. 10 Pfg. Der Graf Woldemar von Anhalt war mit den Fürsten hier, kam aus Ungarn, desgleichen der Hauptmann Hans von Schidingen und erhielten Verehrung an Wein. Desgleichen der Bischof von Meißen bei zweimaliger Anwesenheit. Der Dechant zu Halberstadt Johann von Querfurt, Nicolaus Pflug und der Fürsten Mutter von Altenburg.

1480
Die Garküche (Gasbude) an der Ecke des Marktes bei dem Brauhause, ward für 5 Gulden jährlich an Valentin Puff ausgetan. Er sollte garmachen von Ostern bis Martini und in des Rates Solde als Koch mit in die Heerfahrt ziehen. Hans von Schidingen und Dippolt von Schoenfeld waren in diesem Jahre Vorsteher des adligen Hofes, veranstalteten ein Stechen auf dem hiesigen Markte zu Fastnachten und baten den Rat in einem Schreiben um günstigen Beistand. Der Rat sorgte für mögliche Bequemlichkeit und verehrte ein Faß Naumburger Bier. Auch schenkte er den Barfüßer Mönchen zu ihrer Convocation, als sie einen neuen Minister wählten, einen Ochsen, 5 Gulden oder 1 Schock 45 Gr. am Wert. Vom neuen Jahre bis Lätare, wo das Brauen aufhörte, wurden 128 Gebräude, das Gebräude zu 60 Scheffeln Delitzscher Maßes, gebrauet, davon 33 Gr. - machen 70 Schock 24 Gr. Ungeld. Der Einbringung fremden Bieres wegen durch die Krüger, Schenkwirte, der Pflege war man zu zwei verschiedenen Malen bei dem Herzoge Albrecht, und am 9. Juni wurden von zwei Knechten des Hauptmannes, vom Knechte des Gleitsmannes, vom Landsknechte und 12 Trabanten die Krüge untersucht. Auf Zuschrift der Fürsten mußten am 1. Juli dreißig Fußknechte, zwei Reitende und zwei Heerfahrtswagen ausgerüstet werden und stellten je vier Hausbesitzer einen Mann. Zu welchem Zwecke, ist nicht angegeben. Man schaffte dazu eine neue Heerfahne (panir) von 9 1/4 Elle Zindel roten Parchan und seidenen Borten, und versah einen Fußknecht Georg Günther, der mitziehen sollte, mit Rocke, Hosen und Streiflingen. Bisher hatten die Stadtwagen Bedürfnisse aller Art von bezeichneten, oft entlegenen Orten abfahren und dem fürstlichen Hoflager zuführen müssen, mit dem seit einigen Jahren sich befestigenden, bleibenden Aufenthalte der Fürsten in Dresden aber traf man die Einrichtung, daß man zu Anführung der Bedürfnisse des Hofes die Städte bestimmte, denen sie nahe waren, daher hiesige Stadt von nun an in der Regel nur zu Anfuhr des Salzes von Halle gebraucht ward. Der Küster, welcher bei Eidesleistungen das Kästchen mit den Hei1igen (Reliquien) brachte (auf das beim Schwur die drei Finger der rechten Hand legte), erhielt jedesmal 3 Pfennige. Otto Pak vermachte den Kirchen der Stadt 6 Rh. Gulden und sein Grab ward auf Kosten der Kirche geordnet. Sein Sohn Heinrich v. Pak (Hauptmann hiesiger Stadt 1486-1505), nahm auf seines Vaters Begängnis vom Rat ein Faß Torgauisches Bier. Ein unbekannter Wohltäter (eyn gut mensche) gab beiden Kirchen 131 Rheinische und 4 Ungarische Gulden, ein anderer 23 Schock große Groschen, Judenköpfe und Groschen mit den großen Schilden, auch 2 Schock zweischildige Groschen, die Tapertin aber Haus und Hof, und was darinnen gewesen, Korn, Weizen, Hafer, Bier, drei Tische, Kühlfässer, halbfuderige Fässer usw. Auch muß sich die Ehefrau des Michael Kurznack wohltätig gegen die Kirche erwiesen haben, weil man aus dem Kirchenvermögen 3 Schock 5 Gr. 7 Pfg. den Priestern, Schulmeister, Küstern - für Brot, Bier, Fische bei dem Begräbnisse, 2 Schock 30 Gr. 3 Pfg. Präsenz, Brot, Bier, Fleisch und was dazu gehört auf die vier Wochen ausgegeben hat. Auf dem Rathause ward die neue Stube (dornze) mit vier Fenstern , die man wegen der eichenen Bohlen auch Bohlstube nannte, zustande gebracht und der Meister gelohnt. Die Schuhmacher erhielten ihren lnnungsbrief. George Boettcher, der ohne ein Zeichen zu haben, also ohne Erlaubnis, Feuer zum Brauen angezündet hatte, mußte 10 Scheffel Hafer Strafe geben, und der Knecht eines Schweineschneiders, Nicolaus aus Lommatzsch, ward mit dem Strange hingerichtet, weil er der Poritzsch eine Tiare, einen Schleier und eine Badekappe entwendet hatte. Der Scheffel galt 3 Gr., Korn 2 Gr. 1 Pfg., Hafer 1 Gr. 7 Pfg.

1481
Auf Schrift der Fürsten besuchte der Ratsmann Johannes Lobda mit dem Stadtschreiber den Landtag in Dresden auf acht Tage, auf welchem Landtage Hilfe wider die Türken beschlossen ward. Auch war in der Woche vor Judica ein Städtetag in Leipzig - wegen der Münze - auf welchem der Bürgermeister Pancratius Schebe, Lobda und der Stadtschreiber teilnahm. In einem Hintergebäude der Breiten Gasse brach Feuer aus, welches einen Teil der Breiten Gasse und die ganze Hintergasse mit Anhang zerstörte. Man hatte Verdacht, daß es angelegt sei, brachte auch einen Fremden in Untersuchung, die aber ohne Erfolg blieb. Die Gertitzer waren beim Löschen vorzüglich tätig und erhielten die Löscher Brot, Heringe, Wurst und Bier. Den Verunglückten verschaffte man durch eine Reise zu den Fürsten Abgaben-Erleichterung und Holz, auch sammelte man für sie das Almosen. Man hielt auch wegen des Feuers mehrere Wochen einen Wächter auf der Kirche, auf den Türmen und mehrere Zirkelwächter. Vor der Hausmühle ein neuer Schutz - in der Hallischen Gasse (bei Nummer 49) ein neuer Brunnen - und vor dem Hallischen Tore (zwischen dem Hospitale und dem Stadtgraben) für die Armbrustschützen eine neue Zielstätte. Wegen Besetzung des Altars Catharinä war der Rat mit dem Pfarrer bei dem Ordinarius, welcher über das Recht der Vorbete zwischen beiden entscheiden sollte. Der Rat verlangte sie mit Recht für sich, der Pfarrer aber behauptete, sie gehöre dem Bischofe und wollte daher den Rat von der Besetzung ausschließen. Der Streit ward jedoch nicht diesmal, sondern erst 1521 durch herzogliche und erzbischöfliche Räte günstig fürden Rat entschieden. Den Altar erhielt jetzt der Pfarrer Urban Ludicke und aus der Ratskasse jährlich 16 Gulden. Kommissarius des geistlichen Gerichts war Johannes Hun, welcher auf Ansuchen des Schützmeisters Friedrich den Kapellan des gestrengen Helfferich von Meken (Mekow) wegen eines Vermächtnisses als Zeugen abhörte. Dieser Helfferich von Meckow nahm in diesem Jahre auf sein Heimbringen 1 Faß Torgauisches Bier vom Rate. Auch Otto von Dieskau, auf Dieskau richtete hier seine Hochzeit aus. In der ersten Hälfte des Jahres war Ambrosius, in der zweiten Urban Organist. Ambrosius, der alte Küster, beschäftigte sich mit Vergoldung der Kerzen und Bilder. Die Bäcker wurden dreimals wegen mangels an Brot bestraft. Der Doktor Valentin Schmiedeberg (Arzt) in Leipzig, Doktor Otto Spigel, Hauptmann Nicolaus Pflug und Otto von Dieskau, auf Dieskau erhielten den Ehrenwein. Ein armer Gesell hatte einen Mantel in Loeberitz gestohlen und ward von Hans Oesterreicher, dem neuen Scharfrichter, in Leipzig gehenkt.  Der Probst und Hausvogt vom Petersberge besaßen eine Scheune in der Vorstadt, traten sie aber wegen Steinschuld an den Rat ab. Der Papst Sixtus (IV.) erneuerte das von seinen Vorfahren den Markgrafen von Meißen und sächsichen Fürsten gegebene Privilegium, daß ihre Untertanen ihren eigentlichen Richter nicht durch frevele Eingriffe auswärtiger Gerichte, namentlich nicht der geistlichen Richter, wenn sie nicht für den speziellen Fall vom geistlichen Stuhle Auftrag erhielten, entzogen werden sollten. Es galt diese päpstliche Verordnung hauptsächlich auch den Femgerichten, die aber nichts desto weniger ihr angemaßtes Recht zu behaupten suchten, oft mit den geistlichen Behörden gemeinschaftliche Sache machten, und bis zur Reformation beiderseits durch Achtsandrohungen und Interdikte der Rechtspflege hinderlich und dem Beutel der Untertanen sehr bescherlich waren. Die Äbte zu Chemnitz und Saalfeld und der Probst des Thomasklosters in Leipzig erhielten in dieser Verordnung Gewalt, auf Ansuchen gegen die, die sich auflehnten, mit dem geistlichen Banne ohne Berücksichtigung der Applation zu verfahren.

1482
Die bisherigen Landtagsbeschwerden über den unsicheren Wert der verschiedenen, der Gangbarkeit nicht ganz zu entziehenden Münzen, über zur Ungebühr gesteigerte Arbeits- und Gesindelöhne, über unmäßige Beköstigung des Gesindes, überhandnehmenden Luxus in Kleidung und Schmauserein, Beeinträchtigung der Städte durch ländliche Brauereien und Handwerker, veranlaßten am 15. April die Veröffentlichung einer der tüchtigsten Polizeiordnungen ihrer Zeit, die sich unter dem Namen: Landes- und Polizeiordnung lange im Werte hielt. Hinsichtlich der Münze setzte sie die seit 1475 geschlagenen silbernen Groschen als Hauptwehrschaft, den Groschen zu 12 Pfennigen, den Rheinischen Gulden zu 20 Groschen, zur Entscheidung (Scheidemünze) aber die kleinere geprägte Münze zur Hälfte dieses Wertes fest, erlaubte jedoch, wegen des Verkehres mit den Nachbarländern, auch die Annahme der Böhmischen, Mittel- und Schwertgroschen, deren Wert nach dem Verhältnisse ihres Gehaltes zu der neuen Münze, der Böhmischen - und Mittelgroschen zu 11 Pfg., der Schwertgroschen zu 5'/, Pfg. (neuer Münze) bestimmt ward. Von der Unmäßigkeit der Arbeitslöhne wird man sich einen Begriff machen, wenn man in dieser Ordnung

3 Schock 20 Gr. für den Großknecht,
1 Schock 40 Gr. für eine große Magd,
1 Schock 20 Gr. für eine gewöhnliche Magd außer der Kost jährlichen Lohn;
27 Gr. für einen Polirer,
23 Gr. für einen Gesellen,
16 Gr. für einen Handlanger

Wochenlohn ausgesetzt sieht und den Wert des Roggens in Betrachtung zieht, von dem der Scheffel nach hiesigem, steinernen (dem neuesten, halben Dresdener Scheffel gleichenden) Maße durchschnittlich nie über 23/4 Gr. galt. Auch wundert man sich nicht wenig, wenn die bisher gewöhnliche Kost der Hilfsarbeiter, des Gesindes (mittags und abends), auf vier Essen, an Fleischtagen auf Suppe, zweierlei Fleisch, zwei Gemüse; an Festtagen auf Suppe zweierlei Fische, grüne und dürre, zwei Gemüse, das Zwischenessen aber, Frühstück- und Vesperbrot, auf Brot und Käse herabgesetzt wird, und der Kirmesvater nur fünfzehn Gäste haben und diese nur mit fünf Gerichten mittags, und vieren abends vergnügen soll. Ebenso befremdend ist es, wenn das Gesetz adeligen Jungfrauen Kleider mit zweielligen Schleppen versagt, andere zu anderthalbhundert Gülden aber gestattet, Rittern und Bürgern Kleider zu 40 und 30 Gülden, den bürgerlichen Frauen und Jungfrauen einen Hauptschmuck von dreißig Gülden zu tragen Erlaubnis gibt. In Wahrheit ein alle Grenzen übersteigender Luxus, der nur zum Teil durch den reichen Ertrag der Bergwerke und durch Anhäufung des baren Geldes erklärlich wird. Die Ritterschaft der Umgegend beschwerte sich gegen die Stadt und ihr Privilegium der Biermeile, hauptsächlich gegen die amtliche Aufsuchung des fremden Bieres, eigentlich also gegen das neue Polizeigesetz; die Beschwerde verursachte Reisen zu dem Fürsten, hatte aber sonst, wie Recht, keinen Erfolg. In Gerltitz (Görlitz) ward die Hofstätte geräumt und zu Acker gemacht, viele und gute Steine, die man fand, schaffte man in die Stadt. Man brachte 27 Gülden zu einer Heerfahrt nach Sagen aus und 5 1/2 Gulden Beitrag der Abgebrannten ward erlassen. Diese erhielten auch von Kurfürsten 30 Stämme, halb eichenes, halb aspenes Holz. In der Vorstadt geschah ein Mord an einem Leineweber, auch brach bei der Schäferei daselbst Feuer aus, welches nicht um sich griff, und erhielt der Knecht des Bürgermeisters Schebe, welcher das erste Wasserfaß brachte, acht Groschen. Die Stadt traf ein starkes Hagelwetter, welches unter anderem auch die Kirchenfenster hart beschädigte, und für Ausbesserung durch den Meister Matthaeus den Spetener (Glaser) eine Ausgabe von mehreren Schocken verursachte. Wahrscheinlich gingen damals die Schilde und Bilder von gemaltem Glase, die in den Fenstern des Chores angebracht waren, und viel gekostet hatten, verloren. Der hiesige Goldschmidt Michael Bonichen fertigte und vergoldete zwei silberne Kelche mit den Patenen, auch ein Pacificale (osculatorium ein mit einem Griffe versehenes Rundtäfelchen von Silber mit angeheftetem, vergoldeten Kruzifix, das nach der Kommunion zum Kusse des Friedens, gemeinschaftlicher Liebe, dargereicht und von allen geküßt wurde, da man das früher übliche gegenseitige Küssen nicht mehr ratsam fand). Der Markgraf Johannes (Hans) war Lätare hier auf dem Schlosse, erhielt Ehrenwein und brachte man in der Stadt die nötigen Betten aus. Benedictus Hartmann, der Sohn des hiesigen Bürgers Martin Hartmann, ein angehender Geistlicher, später Kapellan des Dietrich Spigel auf Grunau, Altarist auf hiesigem Schlosse, Vikar des Altares Barbaras und Kalandherr, hielt seine erste Messe, und schenkte ihm den Rat ein Viertel Torgauisches Bier. Er starb 1513 mit dem Lobe erfüllter Dienstpflicht. Der Rathmarsdorfin, Mutter des Ritters Hans Schiek, einer Wohltäterin der Kirche und Gläubigerin der Stadt, welche am l. August hier starb, ward ein feierliches Begängnis gehalten. Herzog Wilhelm (Landgraf in Thüringen) starb am 17. September und fiel sein Land den Neffen, Kurfürsten Ernst und Herzogen Albrecht zu. Um die nach des Herzogs Wilhelm Tode zu fürchtende Teilung der Länder zu hindern, ward der 1480 festgesetzte Jahresgehalt des Herzogs um 3000 Rh. Gulden erhöhet und dazu auch die Stadt Delitzsch mit ihren Einkünften am 5. September an ihn überwiesen. Der Herzog Albrecht verlangte nun auch in einer Schrift, am 10. November von dem Rate die Ablieferung der Steuern.

1483
Im Mai und Juni war große Hitze ohne Regen, in vielen Gegenden verdarb das Getreide gänzlich und es entstand drückende Teuerung. Überall bat man auf das flehentlichste in den Kirchen um Regen, stellte Betfahrten an und auch hierher kamen am 20. Juni Frauen und Jungfrauen von Eilenburg und dem ganzen Stuhle Golm barfuß, mit aufgelösten Haaren und geringer Kleidung. welche nicht nur unter Vortragung von Kreuzen, Kerzen. Fahnen und Bildern der Heiligen öffentlich um Abwendung göttlichen Zornes und Gewährung gnädigen Regens laut beteten und sonderliche Lieder absangen, sondern auch mit dem begleitenden Volke in die Kirchen zogen und an den daselbst durch die Geistlichen angestellten Bußfeierlichkeiten teilnahmen. Nach Endigung derselben wurden sie vom Rate mit Wein und Bier beschenkt und von den Bürgern freundlichst bewirtet. Die Not war vorzüglich groß in dem niederen Deutschland und Böhmen, wo die vorjährige Ernte schon kärglich gewesen war, und es wurden daher 4000 Scheffel Roggen aufgekauft und teil nach Hamburg abgeführt. Der Preis des Getreides stieg über das Doppelte. Die Kurfürstin kam von Giebichenstein, wo sie ihren Sohn, den Erzbischof Ernst besucht hatte, hierher. Ein Wächter auf dem Kirchturme mußte ihre Ankunft melden, man ging ihr entgegen und bewirtete sie. Am 22. September war auch der Erzbischof Ernst mit seinem Bruder Herzog Johann hier, und am 25. der Erzbischof allein mit Gefolge. Man fand in der Kirche ein Kind, welches nach Leipzig gebracht wurde. Die Schwester des Otto Spigel, Margarete, hielt in Leipzig Hochzeit, der Rat wurde dazu geladen, nahm teil und verehrte einen Lägel Malvasier und zwei Faß Torgauisches Bier - am Werte 8 Rh. Gulden 12 Gr. Bisher hatte man in der Ziegelei nur Mauersteine gebrannt, jetzt wollte man auch die Fertigung von Dachsteinen versuchen, änderte den Ziegelofen, nahm einen neuen, in der Dachsteinbereitung versuchten Ziegler an, und borgte zu dieser Umänderung und Deckung der Rathausdörnze durch den Maurer Martin von Leipzig 100 Rh. Gulden vom Richter Caspar Bornack. Die Kirchen erhielten auch in diesem Jahre einige Vermächtnisse, zwei Rh. Gulden von der Elisabeth Pake, 6 Rh. Gulden von der Otto Pake, 3 Rh. Gulden 29 Gr. und einen gebrochenen Nobel zu einem Meßgeräte aus dem Testamente der Peter Teuerkornin. Die Orgeln der beiden Kirchen besserte Hans der Orgelbauer von Merseburg. auch ward der große zinnerne Leuchter der Stadtkirche mit 12 Pfund Zinn (am Werte 36 Gr.) Zusatz umgegossen - Arbeitslohn 1 Schock. Die Minoriten gaben aus der Ablaßkiste 21 Böhmische Groschen an die Kirche.

1484
Im Monat März amtierte hier der Weihbischof von Magdeburg. Die von der Mißernte des vorigen Jahres erzeugte Hungersnot begleitete eine gefährliche ansteckende Krankheit, die in Bayern, Schwaben und Österreich schon Ende vorigen Jahres um sich griff, in diesem Jahre aber durch Flüchtige und Kaufleute nach Leipzig gebracht wurde, von da aus sie sich im ganzen Lande verbreitete und so wütete, daß mancher Ort fast ein Drittel seiner Bevölkerung verlor. Der Anfang eines Briefes des Magister Nicolaus Lobda, Kollegiaten des großen Kollegiums in Leipzig an hiesigen Rat berührt die schreckliche Lage der Stadt Leipzig. Auch hier fand sich die Krankheit im Spätsommer ein und es starben daran der Bürgermeister Pancratius Schebe, dessen Sohn, der Vikar Johann Schebe, der Pleban Magister Lampertus, Er. Matthaeus Stoye, die Ratsherren Clemens Becker, Johann Lobda und seine Gattin, Werner Tyme, Martin Kirchhof, Paul Weinschenke und Mauritius Brolaff, Nicolaus Borer, Burkhard Doering und der Küster Kilian Heidik, kaiserlicher Notar. Man darf sich nicht verwundern, wenn der große Haufe in so verzweifungsvoller Lage alles ergriff, was ihm zur Rettung dienlich schien, und namentlich die Kirche bot. Man machte daher nicht nur in der Nähe Kreuz- und Betfahrten zu wundertätigen heiligen Bildern, wie von Gollm und Landsberg eine hierdurch nach der Eiche zog, sondern besuchte auch in Masse von Tausenden das entferntere, der Beschwerlichkeit wegen für heilsamer gehaltene Heiligtum, namentlich die blutende Hostie oder das Wunderblut in Wilsnack, einer Stadt in der Priegnitzmark. Da in diesem Jahre selbst der Kurfürst Ernst mit seinem Sohne Friedrich am 11. Mai von hier aus dahin ritt, wie in der Kämmereirechnung bemerkt ist, so dürfte eine kurze Nachricht von diesem Heiligtume nicht überflüssig sein. Im Jahre 1383 überfielen Räuber das Dorf Wilsnack, in der Priegnitzmark, plünderten und brannten es nieder. Der Pfarrer Johannes fand mit Staunen in den Mauern der ausgebrannten Kirche nicht nur die Wachskerzen des Altars und die Bücher unversehrt, sondern auch drei blutschwitzende Hostien zusammengeklebt, machte dieses Wunder bekannt und man glaubte es. Bischof und Papst bestätigten das Wunder, das Volk ward zu Wallfahrten dahin angeregt und erhielt für jede Meile Weges vierzehntägigen Ablaß, für jeden Gang um die Kirche des Fegefeuers vierzigtägige Minderung. Der Zulauf war ungemein, kein Stand, selbst der fürstliche nicht, ward vermißt, Tausende kamen auf einmal und bereicherten das Dorf, welches sich bald zu Stadt erhob. Die höhere Geistlichkeit, welche davon Nutzen zog, schwieg zu den unsinnigsten Wundererdichtungen der niederen und ihre Unverschämtheit, die endlich die dargebrachten Geschenke auf Waagen wog und die Sündenvergebung nach dem Gewichte bestimmte. Nicht die schmähliche Unzucht, die sich dort und auf der Reise offenbarte, nicht der Ausspruch der Universitäten, über die Nichtigkeit des Wunders, auch die Einwirkung des Papstes nicht, der auf Anregung der anderwärts beteiligten Geistlichkeit, durch Legaten die Sache für bedenklich darstellen ließ, vermochte dem Zulaufe Abbruch zu tun, er vermehrte sich nur, stieg 1475, 1484 und 1487 bis zum Unsinn, erhielt sich selbst zur Zeit der Reformation bis endlich 1552 der Pfarrer in Wilsnack, Joachim Ellefeld, mit größter Gefahr das sinnenverwirrende Heiligtum ins Feuer warf. Leuinus Finis, ein Sohn des Bürgers Leuinus Finis, Oeischläger und Händler und deshalb auch Leuinus Oelschläger genannt, der von 1477 in Leipzig studiert hatte, hielt seine erste Messe und ward vom Rate mit einem Fasse Bier beschenkt. Mr. Nicolaus Lobda ward Vormund der von seinem Bruder, dem Gleitsmanne Johann Lobda hinterlassenen Kinder. Der neue Probst vom Petersberge, Er. Gisselberg, war hier. Eine neue Chorkappe (Meßgewand), die man für die Kirche anschaffte, von Sammet mit Leisten (goldenen Tressen), Schilde und Knauf, kostete 51 Rh. Gulden, 17 Gr. 7 Pfg.; auch erhielt sie zwei leinene Alben, ein Rauchfaß, einen Taufkessel und einen langen Kasten zur Aufbewahrung des Schmucks. Einer aus Creuma erschlug Bastian Schusters Vater und ward zu Elberitz hingerichtet. Vier Schock 51 Gr. erhielten die Abgebrannten von der Jahrrente Vergütung. Der Küster "Unserer lieben Frauen" empfing 8 Gr. von der Betegocke. Ein Scheffel Roggen galt 7 bis 8 Gr., Hafer 5 Gr. Der im Laufe dieses Jahres gestorbene Bürgermeister Pancratius Schebe hatte der Stadtkirche eine halbe Hufe auf Robitzmark letztwillig beschieden, welche 1486 an Hans Meissner verkauft wurde.

1485
Am 26. August kam Delitzsch bei der Länderteilung in Leipzig, die nicht sowohl durch eine Gemütsverstimmung der fürstlichen Brüder, als durch Bedürfnis des Herzogs Albrecht, der einen glänzenden kriegerischen Apparat liebte, eine Tochter auszustatten und für heranwachsende Söhne zu sorgen hatte, herbeigeführt ward, an den Herzog Albrecht. Nach dem Rechte teile der Kurfürst, der Herzog aber wählte. Die Markgrafenschaft Meißen war Hauptbestandteil der einen, Thüringen der anderen Hälfte. Vom Osterlande glich man beide, gegen teilweise Übernahme gemeinschaftlicher Schulden, aus; auch legte man, um das Getrennte einigermaßen wieder zu binden, einige thüringische Städte mit ihren Pflegen der meißnischen, und von dieser Besitzungen der thüringischen Hälfte zu. Der Kurfürst wünschte freilich, das mit dem Kurkreise so eng verbundene Meißen und man legte daher, um dem wählenden Herzoge die thüringsche Hälfte annehmlicher zu machen, dieser noch 100 000 Rh. Gulden von dem Besitzer der meißnischen zu. Zum Verdrusse des Kurfürsten wählte jedoch dieser Meißen und dieser Verdruß ward zwar gemildert durch die Zeit, doch nie ganz unterdrückt. Auch Herzog Albrecht war unwillig, als man die nach seiner Meinung teilpflichtige Pfalz Sachsen mit dem Burggrafentum Magdeburg dem Herzogtum Sachsen zusprach und der Teilung entzog.

1486
Das Haus auf der Pfeffermühle kaufte vom Rate Hans Stift von Gertitz. Der Bürger Fiedler ward vor das heimliche Gericht geladen und ginge deshalb der Notar (Stadtschreiber) und viere des Rates nach Halle. In diesem Jahre verwaltete Simon Vater das Pfarramt. Er war hier geboren und sein Vater Andreas Bürgermeister. Vom Jahre 1444 an studierte er in Leipzig und hielt 1447 hier seine erste Messe, dann erhielt er das Pfarramt in Benndorf und kam Ende vorigen Jahres als Pfarrer hierher, wo er in diesem Jahre starb. Georg Kropheuser, ein Bruder des Stadtschreibers Anton Kropheuser, war Rektor und bezog zwar in diesem Jahre die Einkünfte des Altars Catharinae, hielt aber erst 1487 seine erste Messe und beschenkte ihn der Rat mit einem Fasse Torgauisches Bier. Ein Unbekannter gab zu einer grünen Casel 15 Rh. Gulden, die Kirche legte 11 Rh. Gulden zu, schaffte sie an und ließ sie weihen in Merseburg. Auch bekam sie an Vermächtnissen 6 Rh. Gulden und eine Kuh von der ehelichen Wirtin des Simon Poyde, 2 Rh. Gulden von Simon Bader. Der Wein hatte durch späte Fröste sehr gelitten, daher man dem Pachter des Weinberges der Frauenkirche am Pachtgelde erließ. Der Scheffel Roggen hiesigen Maßes galt 2 1/2 Gr., Hafer 1 5/6 Gr. Der Stadtschreiber Anton Kropheuser ward Ratsherr. Am 15. Dezember verlangte der Herzog Albrecht durch George von Stinitz, Dietrich von Schoenberg und Hans von Mynkewitz, Ritter, daß das zum neuen Jahr fällige Ungeld nach Leipzig gebracht und neben Hans Gunterode an sie gegen Quittung abgeliefert werden solle. Am 29. Juli gingen vier Ratsherren auf Schrift des Herzoges zu dem Landtage in Leipzig, in demselben Monate ebenfalls auf Schrift des Herzogs 10 Trabanten nach Halberstadt, welche 14 Tage ausblieben und einen Aufwand von 6 Schocke 13 Gr. 4 Pfg. verursachten. Man schickte dem Erzbischofe Ernst zu Magdeburg Hilfe, gegen den sich diese Stadt ungehorsam erwies. Die Brücken am Vieh- und Galgentore wurden neu gebauet, die alte Ratsstube ohne das Oberhaus an das Hospital für 12/3 Schock verkauf. Die Bürgermeister waren in Grimma auf einem Tage gegen den Vogt in Celle. Am 29. Oktober begrub man die toten Gebeine, d. h. man leerte das an der Frauenkirche befindliche Beinhaus, in welchem zugleich ein neues Kruzifix aufgestellt wurde. Man verrichtete hier Gebete für die Verstorbenen. Zu derselbenZeitwardauchderneue Turm auf der Frauenkirche fertig mit Glockenstuhl. Der Herzog verordnete, daß die Jahrrente in zwei Terminen, donnerstags in der Leipziger Oster- und Michaelismesse ohne weitere Aufforderung gezahlt werden sollte, und verbot am 2. November bei Strafe den Verkehr mit fremder Münze. Der bisherige Amt- und Hauptmann Hans von Schidingen kam als solcher nach Quedlinburg und Heinrich von Pak hier an dessen Stelle. Georg Winters Eheweib, die aus Unvernunft unzüchtige Worte von der tugendsamen ehrbaren Frau, der Haushofmeisterin auf dem Schlosse geredet hatte, gab 20 Scheffel Hafer und der Müller Hans von Neuendorf, der an dem Bürgermeister in seinem Hause frevelte, 30 Scheffel Hafer Strafe. Der Scheffel Roggen galt 2 Gr. 6 Pfg., Hafer 2 Gr. Heinrich Wolfram Baccalaureus, neuer Stadtschreiber. Er war in Delitzsch geboren und sein Vater, der Notar und Ratsherr Laurentius Wolfram. Er trat 1496 in den Rat, ward 1501 Bürgermeister und starb 1519 kinderlos.

1487
In diesem Jahre findet sich die erste Spur vom Fastenmarkte (Jahrmarkte ) sonnabens vor Invokavit und trugen 34 Gr. Stättegeld. Fastenmärkte (Märkte, an denen Fastenspeisen, hauptsächlich grüner trockener Fische und Heringe, feilgehalten wurden) gab es von jeher durch die ganze Fastenzeit, und war der sonnabens von Invokavit immer der besuchteste. Von nun an aber nehmen nicht nur fremde Fischkrämer teil, sondern man bot auch andere Waren wie an den übrigen Jahrmärkten feil, und überstieg die Einnahme vom Stättegelde, wenn die Witterung günstig war, nicht selten die des Spätsommermarktes, der in diesem Jahre nur 9 Gr. Stättegeld einbrachte. Wirklicher Jahrmarkt ward er 1550. Der Bürgermeister Nicolaus Cramer und der Ratsschreiber huldeten als Bevollmächtigte des Rates , den Räten der Landgrafen von Hessen, Wilhelm des Älteren, Wilhelm des Mittleren, Gebrüder, und Wilhelm des Jüngsten, ihren Vettern in Leipzig - auf die lange, hergebrachte Erbverbrüderung - zugleich mit den übrigen Städten des Osterlandes, Leipzig, Zörbig, Weißenfels, Freiburg, Mügeln, Pegau, Groitzsch u. a. und erhielten von den hessischen Räten einen Brief ihrer Fürsten, worinnen sie die Privilegien und Freiheiten der huldigenden Städte bestätigten, der im Originale bei dem Rate in Leipzig blieb, von diesem aber in beglaubten Abschriften den übrigen mitgeteilt ward. Der. Dr. Werner Wyke schenkte von seinen Leibzinsen der Stadt 30 Rh. Gulden. Der Rat sollte sie jährlich mit 1'/, Rh. Gulden verzinsen und 1 Gulden dem Prediger, 1/2 Gulden hausarmen Leuten geben. Der Herzog Albrecht, abwesend im Kriegsdienste für den Kaiser Friedrich und dessen Sohn Maximilian gegen die Ungarn, die Österreich bedrängten, und die Niederländer, welche sich auflehnten, sollte auf Verlangen des Kurfürsten Friedrich und seines Bruders Johannes die von der Teilung her schuldigen 50 000 Rh. Gulden (denn soweit war die eigentliche Schuldt von 100 000 Rh. Gulden durch Abtretung der Stadt und Pflege Jena herabgekommen) zahlen, und war genötigt, die Summe durch Darlehen zu decken. Der Bischof Johannes von Meißen und Bruno von Querfurt waren beauftragt, das Geld aufzubringen, und kam der Bischof in dieser Angelegenheit auch hierher, wo sich der Rat nach langer Weigerung zu einem Beitrage von 1000 Rh. Gulden verstehen mußte. Er borgte dazu 650 Rh. Gulden vom Nonnenkloster St. Georg in Leipzig (nämlich 400 Rh. Gulden von Clara Scudes, Äbtissin, Elisabeth von Dieskau, Priorin, Anna Ochlitz, Unterpriorin, Christina Melwitz, Kämmerin, Cisterzienser -. Ordens, 100 Rh. Gulden von Anna Schebin, Tochter des Bürgermeisters Schebe von hier; 50 Rh. Gulden von Anna Tannenberger, Kämmerin, und 100 Rh. Gulden von Margarethe von Koenneritz, Küsterin); 100 Rh. Gulden von Lucas Nossig und 280 Rh. Gulden von Dr. Johannes Ewderitzsch in Leipzig. Er sollte zwar die Zinsen der 1000 Rh. Gulden jährlich von der Jahrrente in Abzug bringen, es geschah aber nur kurze Zeit, die Jahrrente ward zu Bedürfnissen voll verlangt und mußte die Stadt die Zinsen tragen. Der. Dr. Ewderitzsch hatte schon 1475 der Stadt 200 Rh. Gulden geliehen, die Zinsen an ihn betrugen nunjährlich 24 Rh. Gulden und wurden bis 12. Februar 1491 (an welchem Tage er starb) an ihn, von da an aber infolge seiner letztwilligen Verfügungen an die Altaristen der Nicolaikirche in Leipzig bezahlt, die davon, besage ihrer Zuschriften an den Rat, 4 Rh. Gulden zu einem Stipendium für ein Stadtkind aus Hayna, welches in Leipzig studierte, abzugeben hatten. Die Altaristen der Nicolaikirche empfingen also 10 Rh. Gulden von dem ersten Kapitale der 200 Rh. Gulden, die in der Urkunde schon für sie verschrieben waren. Von dem letzten der 280 Rh. Gulden, aber nur 10 Rh. Gulden und gaben die übrigen vier Rh. Gulden an den Stipendiaten aus Hayna ab. Der Müller Benedict hatte einen Fischkasten im Stadtgraben und gab davon jährlich 20 Gr. an den Rat. Auf Schrift der Bischöfe zu Meißen und Merseburg mußten in des Herzogs Abwesenheit 2 Trabanten nach Sagan und ein reitender Knecht mit Dr. Pake dahingeschickt werden, ein neues Zelt, das man bei dieser Gelegenheit anschaffte, kostete 9 Schocke. Die Schützen erhielten (außer den 39 Groschen, die man ihnen an 13 Sonntagen von Trinitatis zu ihren Übungen aus der Ratskasse gab) auch noch 10 Gr. zum Vogel. Der Kurfürst Friedrich und sein Bruder Johannes waren hier und verehrte ihnen der Rat Fische und ein Faß Torgauisches Bier- auch gab es ein Stechen auf dem Markte. Von nun an kommt auch statt der bisherigen Benennung Herzog die richtiger bezeichnende Kurfürst in den Rechnungen vor. Michael von Luckowehna besuchte an einem Heiligentage, am Tage Elisabeth, das freie Haus (Bordell) und mußte mit 30 Scheffeln Hafer verbüßen. Der Rat mußte das Haus des Gleitsmannes Conrad Heller für 100 Rh. Gulden Schuld annehmen, und die Kirche verkaufte Hans Probstes Haus (Nr. 50 des zweiten Viertels), Hof, Brauhaus mit allem Gefäße, für 23 Schocke, zahlte auch den Vorstehern der Enelenden (fremder Kranken) 3 Schocke, die für sie aus der erkauften Besitzung hafteten. Im Rosentale legte der Rat einen neuen Steg, die jetzige Schafbrücke. Mit der Müller Martin rechtete man um die Pfeffermühle und hatte dieser den Dr. Spigel zu seinem Vorsprecher. Dem armen Ratsherren Kuno Keule gab man aus der Strafe ein Kleid zu Ehren von 6 Ellen - kostete 28 Gr. Die Ratsherren verzehrten bei außerordentlichen Sitzungen etwas an Wein und Bier. welches früher in der Kämmereirechnung verrechnet, seit einiger Zeit aber vom Vorsteherdes Kellers vom Gewinn an Getränk in Abzug, der Gewinn aber überhaupt in der Kämmereirechnung angegeben und mit der Kellerrechnung belegt ward. Auf Anordnung erschien jedoch diese Ausgabe, welche in diesem Jahre 4 Schock 14 Gr. 7 Pfg. betrug. Am 2. Februar war ein Landtag vor dem Herzoge in Leipzig, woran zwei Bürgermeister und der Stadtschreiber teilnahmen, und ein zweiter in Naumburg, wo die Bürgermeister Nicolaus Cramer und Anton Kropheuser zugegen waren. Valentin Huske ward Bürger und brachte drei unversprochene (denen niemand widersprochen hatte) Männer, die bei ihrem Eide versicherten, daß er recht und ehelich geboren sei. Der Scheffel Roggen galt 2 Gr. 10 Pfg., Hafer 2 Gr. 6 Pfg- 1 Schock Stroh 5 Gr.

1488
Die Becker ließen es am Aschermittwochstage an Brot, Semmeln, Brezeln und Homaffen fehlen (durch ihren eigene Mutwillen). gaben zwar diese Mal noch die alte Strafe nach ihrem Innungsbriefe, sollten aber bei Wiederholungen härter bestraft werden. Die vier Landstände waren in Dresden versammelt, auch in Weißenfels, die Städte besonders in Leipzig wegen der neuen Steuer, die der Herzog verlangte. Es war eine Vermögenssteuer, die in den Städten eins vom Hundert der Abschätzung (nach Schocken) betrug. Die Ritterschaft mußte zwei Teile der Zinsen aufbringen, die Städte einen nach Erkenntnis derherzoglichen Räte. Der Rat mußte daher von zwei Schocken Zoll, die er den Paken zu geben hatte, zwei Teile zur Steuer mithin 1 Schock 20 Gr. geben. Peter von Krostewitz zu Lemsau (Lemsel) borgte von dem Rat zu seiner Notdurft 20 Rh. Gulden am Montage nach Petri Paul (dem 30. Juni) des Jahres und trat ihm statt der Zinsen von den Freiheiten seines Rittergutes den Salz- und Topfzoll, den er in der Stadt hatte, bis zur Rückzahlung des Kapitals in einer Verschreibung von genanntem Tage ab. Dieser Zoll war ein Stättegeld an Markttagen von irdenem Geschirr aller Art und vom Salzverkauf, und gab der Topfverkäufer an jedem Markttage einen alten Pfennig, der Salzhändler aber einen Jahrzins von 1 1/2 Schock Eiern, Fastnachten, Johannis und Michaelis zu gleicher Anzahl fällig. Wer nicht um den Jahreszins verkaufte, gab ein Maß Salz, vier alte Pfennige am Wert. Man hielt auch in diesem Jahre ein Stechen auf dem Markte und ein Handarbeiter, welcher den Sand wieder zusammenkrickete. erhielt 8 Gr. Der vormalige Stadtschreiber, jetzt Mitglied des Rates und Bürgermeister, Anton Krophheuser, erkrankte. ward von einem Arzte aus Leipzig auf Kosten des Rates besorgt, starb aber und beschied der Kirche 2 Schock. Sein Bruder Georg Kropheuser nahm eine Hufe auf Weißig in Lehen und die Witwe kaufte von dem Rate das Heergewette mit Pferde für 3 Schocke zurück. Der Prozeß mit dem Müller Martin um die Pfeffermühle ward fortgeführt und diente dem Rate der Rechtsgelehrte Johann Eilberg aus Leipzig. Die Zinsen von dem Kapitale der 1000 Rh. Gulden, die man im vorigen Jahre für den Herzog ausbringen mußte, konnten nur auf einen Termin von der Jahrrente in Abzug gebracht werden, der Rat mußte die Verzinsung übernehmen und dem Herzog quittieren. Zu dem Kapitale aber mußte er noch 600 Rh. Gulden aufnehmen und an den Rentmeister (auch Zehentner) Jacob Blasbalk in Leipzig abliefern, zur Unterstützung jedoch die Steuer anziehen, soviel sie auszurichten vermögend war. Die Witwe des Conrad Heller trat dem Rate für Schuld ihr Brauhaus in der Judengasse hinter dem Rathause ab, und dieser nahm von jedem Gebräude 6 Gr. Brauzins. Der Dr. Werner Wyke schenkte auch in diesem Jahre 15 Rh. Gulden seiner Leibzinsen zu den 30 Rh. Gulden vorigen Jahres fürden Prediger und die Armen der Stadt. Die Stadtmühle ward mit einem neuen Gewölbe und Gerinne versehen und gab man dem Bauaufseher für viele Mühe und Versäumnis dabei ein besonderes Geschenk. Hans Strentzsch, ein Bürger der Hallischen Gasse, schwängerte seine Magd und mißbrauchte sie während der Schwangerschaft wider ihren Willen so unmenschlich, daß sie mit dem Kinde in der Geburt starb, flüchtete und ward verwiesen. Die Herren des Rates erhielten aus der Ratskasse an hohen Festen Kränze und verzehrten in einer Collation für 10 Pfg. Kirschen. Der Scheffel Roggen galt 2 bis 2 1/2 Gr., Hafer 1 Gr. 4 Pfg., eine Mandel Stroh 1 Gr.

1489
Am 17. Februar war der Erzbischof Ernst zu Magdeburg hier und erhielt ein Faß Torgauisches Bier Verehrung. Man hatte von ihm die Bestätigung der Lesemesse für die schon längere Zeit Stiftungen an Geld vorrätig lagen, und Ablaßbriefe für die Förderer dieses Altares erbeten, und er erteilte sie. Man zahlte für den Bestätigungsbrief (Bulle) 2 Rh. Gulden in die erzbischöfliche Kammer, der Aufwand im ganzen aber betrug 21 Schock 42 Gr. - und erhielt die Kirche dazu von den Handwerken und anderen wohltätigen Personen 5 Schocke 29 Gr. Vom 1. März bis 17. Mai hielt man 20 Trabanten in Senftenberg. Jeder empfing wöchentlich 14 Gr. Die Bürger gaben zu Unterhaltung derselben 42 Schock 20 Gr. und 2 Schock 40 Gr. legte der Rat hinzu. Auch bekamen sie bei ihrer Rückkunft aus des Rats Keller ein viertel Bier. Der Rat gewann den Prozeß gegen den Müller Martin wegen der Pfeffermühle, zahlte aber 1 Schock zu den Kosten auf Vorbitte des Hauptmannes, welches Dr. Spigel für den Müller in Empfang nahm. Die ehrbare Mannschaft (der Adel) hatte auch in diesem Jahre eine festliche Zusammenkunft (Hof) in der Stadt und ein Stechen auf dem Markte, der deshalb mit Sand bedeckt ward. Der Dr. Werner Wyke erließ wieder von seinen diesjährigen Leibzinsen 20 Rh. Gulden zu Unterstützung der Armen und des Predigtamts. Die Schützen erhielten zu ihrem Vogelschießen am 1. Sonntage nach Trinitatis 21 Gr. aus der Ratskasse und 30 Gr. von Trinitatis bis Bartholomaei, an jedem Sonntage 3 Gr. zu ihren Übungen in dem Schützengraben. Oswald Knopp frevelte und heischte Carl Spigeln sich mit ihm zu schlagen, welches bei Verlust des Bürgerrechts verboten war. Er schlug dazu das Bürgerrecht aus und gab 5 Schock Strafe. Von einer andächtigen Person (die unbekannt bleiben wollte) kamen 10 Rh. Gulden an die Kirche und durch die letztwillige Verordnung der Mildin 2 Schock. Der Scheffel Roggen galt 3 1/4 Gr., der Scheffel Hafer 2 Gr.

1490
In diesem Jahre ward der seit längerer Zeit unterbrochene Bau am Turm der Stadtkirche fortgesetzt und 18 Schock auf Maurerarbeit verwendet. Das Rats Ziegelscheune lieferte dazu 10 500 Stück Mauerziegel. Für eine große Laterne, die man dem Sakramente vorträgt, gab man 5 Gr. Zwischen dem Rate und Stadtrichter Matthias Gerlach war Zwietracht, man holte deshalb den fürstlichen Hofmeister aus Leipzig, der die Sache gütlich beilegte. Die Peutnerin besaß auf Gerltitz (Görlitz) ein Stück Holz, Acker und Wiese, welches ihr der Rat für 54 Rh. Gulden an Golde 22 Schock 24 Gr. abkaufte und diese Besitzung zu der Spröde zog. In dieser wurden 3'/, Schock Ruten Graben gehoben und für die Rute 1 Gr. bezahlt. Zu gleicher Zeit räumte man auch den Gertitzer Bach, vom Tonnenborne an (der Hauptquelle) bis zum Einflusse in den Stadtgraben. Die Edelleute hielten abermals einen Hof und Stechen und nahmen vom Rat Torgauisches Bier. Im Spätjahre ward auch in hiesiger Stadtkirche das Kreuz des Jubel- Gnaden- und Ablaßjahres bei zahlreicher Versammlung des städtischen ländlichen Klerus, der Ritterschaft und Ortsbehörden, auch großem Andrange des Volkes durch den Kommissarius Liborius Lesche aufgerichtet. Dieser (von 1506-30 Pleban in Wurzen) erhielt während seiner Anwesenheit Geschenke an Wein, und gab aus dem Ablaßkasten bei seinem Abgange der Kirche 1 Rh. Gulden zum Turmbaue. Die Kirche schaffte zu Prozessionen eine neue Fahne von rotem seidenen Damastgewebe mit seidenen Locken, Borten, auch silbernem und vergoldeten Sterne an, welcher ihr gegen 11 Schock zu stehen kam. Sebastian Erich, ein Böttcher, brachte den Martin Kotzkau um und verglich sich mit dem Bruderdes Ermordeten Thomas Kotzkau vor Gericht. Er versprach 100 Vigilien und 100 Seelenmessen, eine Achfahrt mit seines selber Leibe (in eigener Person), einen Stein Wachs zur Ehre Gottes (in die Kirche), Setzung eines steinernen Kreuzes, drei oder vier Ellen hoch, und das Leibzeichen zu bestätigen nach 12 Priestern und 12 Gesellen, jeglichem Gesell eine Kerze von einem halben Pfund Wachs, eine Romfahrt zu lösen, jetzt dieweile das goldene Jahr hier zu Delitzsch stehet. - Übrigens 10 silberne Schocke zu Kirchen und Gotteshäusern nach Anweisung Thomas Kotzkau oder seiner Freundschaft. Die Kirche erhielt aber 13 Schock nach der Anweisung und 1497 die ersten vier Schock. Die Witwe des Nicolaus Borer vermachte der Kirche eine halbe Hufe auf Rubacher Mark, am Lissaer Fahrwege, und Susanna, die Witwe des Bürgermeisters Pancratius Schebe beiden Kirchen 10 Rh. Gulden. Der Scheffel Roggen galt 2 1/2 , der Hafer 2 Gr.

1491
Der Rat kaufte von Leonhard von Schidingen den Kä1bersta11 in der Kohlgasse, welchen er dem Hauptmanne Otto von Schidingen 1471 mit der Bedingung des Vorkaufs abgelassen hatte, für 20 Rh. Gulden zurück. Die Städte hatten wegen häufiger Eingriffe in die Biermeile durch Einbringung fremden Bieres neue Beschwerden, die sie auf einem Städtetage in Leipzig zur Sprache brachten. Hiesige Stadt verklagte sogar den Hauptmann Dr. Pak, welcher in Untersuchung des Kruges in Zwochau, wo die meisten gesetzwidrigen Einschleifungen fremder Biere vorfielen, säumig war, und eine Trift zum Nachteile der Stadt begünstigte, und dadurch eine Reise zu dem Herzoge Georg um nochmalige Bestätigung des Privilegium veranlaßte, mit dem glücklichsten Erfolge, wiewohl ihm die Ritterschaft mit vereinten Kräften entgegentrat. Der Rathausbau ward wieder lebhaft betrieben. Der Mauerer Meister Andreas von Rochlitz fertigte die Ratsstube mit dem Gewölbe, brachte die Fensterstöcke (von Rochlitzer Stein), die er in Rochlitz zubereitet hatte, hierher und erhielt für diese 26 ½ Gulden, für die Maurerarbeit an Ort und Stelle aber, mit 14 Schocken im Gedinge, weil er dafür nicht bauen konnte, 21 silberne Schocken, überdies aber für sich und seine Gehilfen ein Trinkgeld und wegen seines Fleisses und tüchtiger Arbeit 7 Ellen rotes Tuch, die Elle 6 Gr. am Wert. Am Turme der Stadtkirche aber ward die oberste Etage durch die Zimmermeister Wenzel und Hans Moller und den Maurer George Amme vollendet, und die südliche und nördliche Mauer einstweilen mit Aufschieblingen gedeckt. Die eisernen Anker in der Mauer kosteten 4 Schock. Der Rat lieferte hierzu 8400 Stück Mauerziegel ohne Entgelt. Auch ließ die Kirche ein neues großes Kreuz zur Aufstellung in der Mitte der Kirche von einem Leipziger Künstler für 16 Gulden in Golde fertigen, und der Weihbischof und Kapellan weiheten es mit einem geringen Aufwande von 12 12 Groschen. Es ist noch vorhanden und jetzt hinter des Rats Betstube aufgehängt. Andächtige Personen gaben zu diesem Kreuze 3 1/2 Schock. Überdies empfingen die Kirchen an Vermächtnissen: 1 Schock die Stadt- und 20 Gr. die Frauenkirche von der George W irtin; 40 Gr. die Stadt- und ebensoviel die Frauenkirche von Lucas Richter; ebensoviel gab der Kleinschmidt Valentin Groeschner, und Anna, die Gattin des Bürgermeisters Caspar Bornack setzte jener 6 dieser 2 Schock in ihrem Testamente aus. Man verdingte auch in diesem Jahre eine neue Tafel (Bilderaufsatz) auf dem Lesemeßaltar. Am Tage Viti (15. Juni) früh gegen vier Uhr brach in Dresden bei einem Bäcker in der großen Webergasse Feuer aus, welches die Hälfte der Stadt mit der Kreuzkirche und allen Glocken gänzlich zerstörte. Dasselbe Unglück traf tags darauf die Pirnaische Gasse der Vorstadt. Bürger von da erbaten hier das Almosen für die Kirche und es ward ihnen reichlich gewähret, der Rat aber legte einen Rheinischen Gulden aus der gemeinen Kasse zu. Den Schützen, welche nach Torgau zu einem Schützenhofe zogen, gab der Rat 1 Schock Reisegeld. Dem Marschalle Hans von Münkwitz, welcher die Stadt in Beziehung auf ihr Recht der Biermeile begünstigte, verehrte man, als er hier war, Fische, roten und blanken Wein - Rheinfall. Auch in diesem Jahre erließ der Dr. Werner Wieke 30 Rh. Gulden Leibzinsen zum Besten der Armen und des Predigtamts. Die Stadt war mit dem Interdikt belegt, die Ursache ist unbekannt, und reisten deshalb Herren des Rates zu dem Erzbischofe nach Giebichenstein. Der Bürgermeister Caspar Bornack (er starb als amtierender Bürgermeister künftigen Jahres) legte 100 Rh. Gulden auf dem Rathause nieder, und bestimmte, daß bis zur Ausleihung jährlich 1 Schock an die Vorsteher der Lesemesse gegeben werden sollte zu Veranstaltung einer Messe wöchentlich durch den Altaristen ihres Altares. Eine Tonne schlechter, der Gesundheit nachteiliger Heringe des Michael Homuth ward öffentlich auf dem Markte verbrannt, der Besitzer des Viehes, welches ohne Aufsicht umherging, mit 15 Gr. bestraft. Der Gutsbsitzer Winter in Kyhna, welcher den Ratsherren Kune (Conrad) Keul, in seinem eigenen Hause schlug, gab 20 Scheffel Hafer, auf so viel ihm die Strafe auf Vorbitte des Hauptmannes ermäßigt ward. An der Hausmühle ward ein neuer Damm aufgeführt. Der Hundehitzler (Hundeschläger) erhielt 7 1/2 Gr. in der Fastenzeit, wo er in der Regel tätig war. Den Ziganen (Zigeunern), die lange nicht hier gewesen, gab man, daß sie wegzogen, 10 Gr. Küster war Urbanus. Ein Scheffel Roggen galt 2 1/2 Hafer 2 Gr.

1492
Claus Wieprecht, ein Verlobter wie es scheint, schwängerte ein Mädchen, die Hynnin genannt und verbüßte es nach der Willkür mit 5 silbernen Schocken, wiederholte das Verbrechen als Ehemann (1496) und gab 8 Schock Strafe. Ostern spielte der Stadtschreiber mit den Seinen die Passion, und schenkte ihnen der Rat ein Faß Delitzscher Bier. Der Zulauf war so groß, daß man 2 Tage in den Toren besondere Wächter anstellen mußte. In der Rechnung der Enelenden (Siechen) wird des Sterbens erwähnt, die Art der Krankheit aber nicht angegeben. Die Witwe des gewesenen Bürgermeisters Anton Kropheuser, Gertrud, schenkte zu einer neuen Tafel (einen Bilderaufsatz) auf den Hochmeßaltar 170 Rh. Gulden. Für dieses Geld fertigte sie Johannis ein Maler in Leipzig, dem man noch bei Ablieferung und Aufstellung 2 Rh. Gulden in Golde und seinen Gehilfen 1 Rh. Gulden in Golde Trinkgeld gab. Sie ward im folgenden Jahre durch den Suffragen geweiht und aufgestellt. Jetzt befindet sich auf der Emporkirche hinter des Rates Betstube, wohin sie bei Errichtung des neuen, durch die Herzoginwitwe Christiane 1693 beschafften Altares gebracht worden ist. Der Rat zahlte 500 Rh. Gulden Kapital an Michael Ropptsch in Torgau zurück. An Vermächtnissen erhielten die Kirchen von Conrad Heller 1 Schock die Stadt - und 1 Schock die Frauenkirche, von Caspar Bornack (der als amtierender Bürgermeister in diesem Jahre starb) ebensoviel, von Nicolaus Goere I Schock die Stadt- und 10 Gr. die Frauenkirche, überdies aber noch eine Hufe Feld vor dem Hallischen Tore, die nach seines Sohnes George Tode der Stadtkirche zufallen sollte. Die Kirchenvorsteher kauften jedoch dieses Leibgedinge dem Sohne für 30 Rh. Goldgulden im folgenden Jahre ab, und nutzte sie als unbeschränktes Eigentum. Wegen des Altares des Heiligen Kreuzes war man bei Dietrich Spiegel in Gruna. Der Scheffel Roggen galt 3 1/4 bis 4, der Scheffel Hafer 3 Gr.

1493
Der Rat vererbte eine wüste Stätte hinter dem Hirtenhause, die vorzeiten dem Hospitale geschenkt sein sollte, damit sie nutzbar würde an Schake gegen Übernahme von Abgaben - 4 Gr. an das Hospital, 2 Gr. an den Rat und 2 Gr. Wächtergeld - und unter der Bedingung, daß ein freier Gang hinter der Scheune gelassen werde. An dem Markte in den Gehöften Caspar Spigels und Caspar Buns, Nr. 68 und 70, brach Feuer aus und erhielten die, die das erste Löschgerät brachten, 9 Gr., die fremden Löschenden aber ein Viertel Bier. Dem Schützenmeister gab man 7 Ellen rotes Gewand am Werte 28 Gr. Der Dr. Werner Wicke erließ auch in diesem Jahre zum besten der Armen 30 Rh. Gulden von seinen Leibzinsen. Lorenz Wolfram beschied letztwillig jeder Kirche 20 Gr. Der Scheffel Roggen galt 3 1/4, der Hafer 3 Gr.

1494
Der Gattin des Hauptmannes Heinrich von Pak schenkte man im Wochenbette ein Viertel Torgauisches Bier, ihm selbst aber ein Stübchen süßen Weines, weil er sich um den Streit mit Schenkenberg wegen des Kossebruchs zum Vorteile der Stadt zu enden, viel Mühe gab. Da während eines Interdikts Gestorbene die Gottesäcker entweiheten, so mußten sie nach Aufhebung desselben wieder geweihet oder reconciiert werden, und dieses geschah dieses Mal hier mit Vergünstigung des Erzbischofes durch den Suffragen oder Weihbischof aus Merseburg, welchem man 38 Gr. Verehrung gab. Der Rat, welcher 1474 dem Müller Benedict das Wasser, welches seiner Mühle (der Schademühle) zufloß, mit der Mühlgerechtigkeit mit Genehmigung des Fürsten abgekauft hatte, kaufte nun auch für 5 silberne Schocke 20 Gr. dessen Hofstätte mit Garten, den Wassergang mit Weiden in dessen Bereich, und das Gras eines Fahrweges breit, das auf der Schloßwiese stehet, und scheidet die Länge auf der Wiese von Peter Bauers Garten bis an die Schademüh1e, wobei er die jährliche Angabe an das Schloß, 30 Gr. und zwei Kapphähne mit übernahm. Er verpachtete aber dieses Grundstück sogleich an Balthasar Berndt für jährlich 40 Gr. Von dieser Besitzung siehe 1507. Der Ilgin hatte dem Rate und dem Gotteshause ihr Haus (Nr. 140) letztwillig beschieden, und verkaufte es dem Rat für 4 Rh. Gulden zu gemeinschaftlicher Teilung. Von hier aus ging eine Kreuzfahrt, an der auch die umliegenden Dörfer teilnahmen, nach Landsberg, und gab der Rat hierzu für 2 Schocke Brot, 2 ½ Schock Eier und 2 Fässer Bier. Krankheiten und Teuerung, denn der Scheffel Roggen galt 8 auch 8 1/4 Gr., Hafer 3 Gr. (eine Folge vorjähriger Dürre) mochten wohl die Veranlassung sein. Der Schützenmeister Johannes von Leipzig besorgte die hiesige Rüstung und kam einen Sonntag um den anderen hier an, erhielt außer dem Lohne noch 8 Ellen Hofgewand am Werte 32 Gr. Ambrosius Koch aus Neustadt wurde mit dem Strange hingerichtet, George Reif beging mit der Kribenstein Ehebruch, trat aus und weil er sich der Bürgschaft des Jacob Feris und Anton Schebe ungeachtet binnen 14 Tagen nicht stellte, fiel er in die Strafe des Ungehorsams an drei Rh. Gulden ausschließlich der Strafe des Ehebruchs. In einer Verhandlung v. J. 1496 wird die Kribenstein als Hausfrau des Reif aufgeführt, und scheint die Sache in diesem Jahre durch Vertrag beendet zu sein. Der Küster, welcher mit der Glocke abends das Zeichen zur Besetzung der Tore durch Wächter und zum Torschluß gab, erhielt dafür jährlich einen Lohn, früher mit der Bemerkung für die Wächter-Glocke, jetzt für die Abendglocke. Wencelaus Zcolke ward Vikar des Altares der Heiligen Dreieinigkeit oder der Neuen Brüder. Er war der Sohn eines hiesigen Schuhmachers Johann Zcolke und gab 1500 sechzig Gulden zu diesem Altare und zu einer Messe de Sancta Anna, welche der Kapellan dienstags für die Zinsen halten sollte.

1495
Zu dem Ratshausbaue borgte der Rat 1200. Rh. Gulden von dem Pfarrer in Werbelin, Berthold Smogell, seiner Freundin (Köchin) Margarethe und Annen dem Maidichen (ihrer Tochter), Zinsen zu 4 von 100 Walpurgis zahlbar. Herzog Georg bestätigte die Verschreibung 1498. 2100 Rh. Gulden vom Altare Catharinae; 200 Rh. Gulden nahm er von Peter Stoie für den Hofmeister Dietrich von Schoenberg, welcher sie im künftigen Jahre wieder zahlen sollte. In Leipzig ward vom Meister Herbart ein neues Ratssiegel von Silber gefertigt für 4 Rh. Gulden und die Schuldverschreibung für den Altar Cathrinä zuerst damit gesiegelt (siehe 1526). Der Maurer Meister Andreas von Rochlitz änderte die Stube des Rathauses, brachte die Mauer mit den Fenstern unter das Dach und belegte alles mit Brettern und Ziegeln. Er arbeitet daran mit seinen Leuten 16 Wochen und erhielt 40 silberne Schock 34 Gr. 6 Pfg. 1 Hl. Lohn. Wöchentlich gab man im Gedinge dem Meister einen Gulden, dem Polirer 16 Gr., dem Gesellen 14 Gr., dem Handreicher 11 Gr. und dem Helfersknechte 9 Gr. 3 Pfg. Die Türe an das Gewölbe, die Laden an die Fenster desselben, Schloß, Schlüssel und Haken fertigte der Kleinschmidt Balthasar Kleber für 5 Schock 30 Gr. Die Ratsherren erhielten an Festen Kränze von Blumen, die Bürgermeisterin besorgte sie und bekam dafür 8 1/4 Gr. Auch ist in diesem Jahre für sie 1 Schock 6 Gr. 6 Pfg. Badegeld an den vier hohen Festen (Ostern, Pfingsten, Fronleichnam und Weihnachten) in Ausgabe gebracht, dagegen Opfergeld nicht angesetzt. Der Pfarrer in Glesien, George Hallis, welcher von 100 Rh. Gulden, die sein Vater, der hiesige Bürgermeister Hans Hallis 1452 mit 7 Rh. Guldenjährlichen Zinsen halb zu der Lesemesse halb den neuen Brüdern geschenkt hatte, 5 Rh. Gulden auf seine Lebenszeit bezog, starb in diesem Jahre und fielen daher diese 5 Rh. Gulden den beiden Altären zu. Er studierte von 1454 an in Leipzig und war schon 1467 im Amte zu Glesien. Der Rat kaufte Getreide, welches noch in hohem Preise stand, der Scheffel Roggen galt 6 Gr. und verkaufte es wohlfeiler der Armut (dem ermut). Die Edeln hielten einen Hof mit Stechen und ihr Vorsteher, Dr. Pak nahm aus des Rates Keller Torgauisches Bier. Der Bürgermeister Lucas Nossig starb und vermachte der Stadtkirche 2, der Frauenkirche 1 Schock, auch erhielt die Stadtkirche aus Augustin Fielsteins Testamente 10 Gr. Überdies aber gelangte sie zum Besitz einer halben Hufe Feld auf Werbener Mark, die er ihr auf den Todesfall geschenkt hatte. Er war ein geborener Delitzscher, hier ansässig und Schösser in Schweinitz, von daher er 1478 zu Verkaufung eines Hauses hinter der Schule (Nr. 193) und Beleihung an den Käufer Vollmacht gab. Die Vorsteher der Kirche verkauften diese halbe Hufe an Sternberg 1504. Der Weihebischof weihete die neue Altartafel der Kropheuserin und den Kirchhof mit 1 Schock 7'/Z Gr. Aufwand; bei welcher Gelegenheit die Gräber geebnet, Lucas Nossigs und Heinrich Spigels Gräber aber, welche nachgeschossen waren, wieder gefüllet wurden. Der Pleban Johannes war Vorsteher des Kalandes, und Jost oder Jodocus Houener neuer Altarist des Altares zum Heiligen Kreuz. Er stiftete im Jahre 1500 die Freitagsmesse vom Sterben Christi mit 100 Gulden, die der Rat borgte, und starb 1508.

1496
Am 14. April überließ der Rat die Nutzung der Gertitzer Teiche, an Fischen, Zäunen, Bäumen dem Ratsmitgliede Caspar Bun und seiner ehelichen Hauswirtin für einen jährlichen Zins von 10 Gr. auf ihre Lebenszeit. Christoph von Haugwitz (auch Christophorus de Hubicz) ward Pfarrer hiesiger Stadt, der erste seit Hermann Westphal, der das Amt selbst versah, hier starb (1514) und in der Stadtkirche, wo ein Denkstein sein Grab deckt, seine Ruhestätte fand. Da er den erledigten Altar Catharinä ohne den Rat zu fragen, welcher das Recht der Bete hatte, mit seinem Bruder Erasmus besetzen wollte, so geriet er mit diesem gleich anfänglich in Streit, welcher eine Reise zu dem Probste des Neuen Werkes in Halle nötig machte, dort aber, weil der Rat sein Recht bewies, verglichen, und dem Rate das von neuem zugestanden ward. Am Rathause hatte man einen starken Bau. Der Meister Hans Beyer aus Leipzig fertigte die getäfelte Decke der Rathausstube für 4 1/2 Schock. Über dieser Stube und dem Gewölbe ward gefüllt - der Zimmermeister Hieronymus vollendete das Sparrwerk mit 2 Säulen und Unterzügen und richtete - für 39 Schock bar und 30 Scheffel Korn Lohn, das Korn zu 2 ½ Schock gerechnet. Das Dach wurde, soweit möglich, mit Ziegeln behängt und lieferte Bitterfeld 12 824 Stück Dachziegel, das Tausend zu 50 Gr. Auch nahm man in Friedersdorf 2000 Stück und zahlte dafür 2 Schock. Der Rat in Bitterfeld erließ, wahrscheinlich aus Dankbarkeit für die Unterstützung, die man der Stadt Bitterfeld bei ihrem letzten Brandunglücke von hier aus reichlich zufließen lassen, viel, half auch zur Anfuhr der Steine mit 26 Wagen und nahm nichts als die Mahlzeit der Knechte, 1 Gr. für den Mann. Man bezahlte überhaupt nur ein Fuhre an Bastian Schuster mit 10 Gr., die übrigen taten die Bürger, auf Bitte oder das Ratsgeschirr. Der Maurermeister Andreas von Rochlitz erhielt für den Sims um das Rathaus und die Verblendung der Mauerlatten 5 Schock. Der Glaser Matthaeus aber für die Fenster im Gewölbe und auf der Auslobe vorn gegen den Markt 1 1/3 Schock; auch schaffte man in das Gewölbe ein Tischchen mit Schloß für 44 Gr. an. Zu diesem Baue borgte der Rat 100 Rhgl. vom Bürgermeister Martin Miley und seiner ehelichen Wirtin auf Leibzins. Die Kirche nahm aus der Ziegelscheune des Rates 10 000 Stück Mauersteine, bauete die Abside an dem Glockenturme und das Gewölbe und zahlte dem Maurer Andreas 5 1/3 Schock Arbeitslohn. Am 21. November vermählte sich Herzog Georg mit des Königs Casimir in Polen Tochter, Barbara, in Leipzig, weil Dresden mit einer ansteckenden Krankheit beschweret und wegen erlittenen Brandunglücks zur Aufnahme vieler Gäste nicht geignet war. An diesem Hochzeitsfeste, welches einige Tage dauerte, nahmen, außer den fürstlichen Personen und Stadträten, über 6000 polnische und deutsche Ritter teil und wurden 99 Längel süßen Weines, 1300 Eimer anderer Wein und 444 Faß Bier, meistens Torgauisches ausgetrunken, der Aufwand an Speisen aber, die man in Unmasse aus der Nähe und Ferne verschrieb, oder geschenkt bekam, und Fütterung weiter nicht namhaft gemacht. Auch der hiesige Rat war geladen, den 30. November zu erscheinen. Es gingen hin der amtierende Bürgermeister, drei Ratsherren und der Stadtschreiber auf vier Tage, und überreichte die Stadt durch sie einen silbernen vergoldeten Becher am Werte 32 Rhgl. als Brautgeschenk, in die herzogliche Küche aber einen Zentner Hechte und 8 Faß Torgauisches Bier, ebenfalls eine Verehrung der Stadt. Von den Betten, die hiesige Bürger zu dieser Festlichkeit wie gewöhnlich ausbrachten und einlieferten, ging manches verloren, was der Rat aus der gemeinen Kasse ersetzte. Der Leineweber, welche in ihren Zusammenkünften der Weiber wegen, die teils nicht frei geboren, teils wegen Ehebruchs und anderer Übertretung berüchtigt waren, in Streit gerieten und die Männer solcher Weiber im Handwerke nicht dulden wollten, wurden vom Rate verglichen, gegenseitig aufzuheben, alle ungehindert in ihre Aftersprache gehen zu lassen, von nun an aber sich zu hüten, jemanden in ihre Innung zu keisen, der nicht guter Geburt oder Geschlechts ist, und so ihre Innung, wei Recht und Gewohnheit ist, unsträflich zu halten, welchen Vergleich sie auch angenommen.  Den Bäckern aber, welche baten, daß man an der alten Strafe von 6 Pfennigen bei Mangel an Gebäck nichts ändern möchte, gab man diesen Bescheid: Man wolle es zwar bei der alten Strafe bewenden lassen, sie möchten aber streng darauf sehen, daß kein Mangel eintrete, immer ein Vorrat von harten und weichen Semmeln vorhanden sei. Semmeln unter dem Gewichte sollen drei für einen Pfennig, aber nicht im Hause, mit der Arme nicht betrogen noch männiglich verletzet werde, sondern vor der Fisch- oder Brotbank verkauft, im Widersetzungsfalle weggenommen und dem Hospitale oder der Schule überlassen werden. Auch verordnete man: Es sollen alle Zeit ihrer zwei Semmeln haben und einer Brot täglich, der, der brüchlich wird, es mit 10 Gr. büßen, die Meister aber sollen 5 Gr. geben so oft und dick das geschieht. Den Schülern gab man am 6. Februar 2 Gr. Bei dem Gerber Blasius Glewitz in der Neustadt brach Feuer aus, doch ohne weiter um sich zu greifen. Hansen von Dieskau auf Dieskau, der hier Hochzeit hielt, schenkte der Rat 1 Faß Torgauisches Bier. Die Baderei der Kirche, von welcher seit längerer Zeit nichts eingekommen war, brachte in diesem Jahre wöchentlich 3 und 4 Gr. Hans Augustin in Gertitz, beschied den Kirchen 14 Gulden an Golde, und Heinrich Nisius ein kleines Haus, welches die Vorsteher für 2 Schock verkauften. Die ausgeglichenen Gräber wurden mit Sand bedeckt, den die Kirche anfahren und breiten ließ. Der Scheffel Weizen galt 4 1/2, der Roggen 2 2/3 Groschen.

1497
Großes Wasser, das die Dämme im Rosentale, vor dem Hallischen Tore hart beschädigte, und für Ausbesserung einen Aufwand von 5 Schocken verursachte. Der Rat mußte 3000 Rhgl. für den Herzog ausbringen. Er hatte in dieser Angelegenheit kostspielige Reisen nach Meißen und Halberstadt und erhielt1000 Rhgl. von George Pusch in Meißen, und 2000 Rhgl. vom Domkapitel in Halberstadt gegen fünfprozentliche Verzinsung und Verpfändung der Güter und einkünfte der Stadt. Die Schuldbriefe sind vom 1. Februar gestellt und verschrieb sich Herzog Georg, im Namen seines Vaters Albrecht, der Stadt zu Schadloshaltung der Zinsen am 22. August d. J. Hans von Minckewitz, Ritter, Obermarschall, Dietrich von Steynitz Hofmeister, Ritter, Stadthalter und Anwalt zu Dresden, verlangten vier starke Pferde und Wagen, Fastenspeise nach Dresden von Leipzig zu fahren. Der Rat kaufte nun auch von dem Sohne des ehemaligen Hausmüllers Sebastian, namens Urban, die wüste Hofstätte, die der Hausmühle (s. 1475) mit Gärtchen für 2 silberne Schocke und verkaufte sie wieder an Hans Schmidt auf Vor- und Wiederkauf um denselben Preis. Den Garten auf dem Anger an dieser Mühle, welchen der Rat dem ehemaligen Stadtschreiber, nachher Bürgermeister Anton Krupheuser zur Nutzung gelassen hatte, verkaufte er für 2 Schock und 6 Gr. jährlichen Zins an Thomas Kotzsche zu gleicher Zeit. Der Rathausbau ward im Sommer dieses Jahres bis auf den Turm (die Spitze), welcher zwar zugerichtet, aber wegen seiner Schwere nicht brauchbar war, vollendet. Auf die Schwierigkeit, ihn zu brauchen, machte der Maurermeister Balthasar Jost von Leipzig aufmerksam, dem man die Bedachung, die Fertigung der Giebel mit Blinden, Fenstern, Zinnen und dreier Erker im Dache mit Zinnen für 30 silberne Schocke im Gedinge übertrug. Er glaubte, daß das Mauerwerk nicht stark genug sei und er ward beigelegt. Zu der Bedachung kaufte man noch 120 Preßziegel, 3 000 Mauerziegel und Hängesteine (das Tausend zu 50 Gr.), 82 Stück Kehlsteine, das Stück für 1 Gr. in Bitterfeld. Der dasige Rat erließ nicht nur wieder viel, sondern fuhr auch unentgeltlich mit 23 Wagen Ziegel an, so daß man hier den Wagenführern nur Bier und eine Mahlzeit gab. Da des Meisters Jost Arbeit vorzüglich in den Zinnen, die man mit vergoldeten Knöpfen versah, sich auszeichnete, und der Sims des vorigen Meisters dagegen abstach, so ließ man auch diesen von ihm fertigen und zahlte 2 silberne Schocke Arbeitslohn. Zu diesem Baue borgte der Rat 100 Rhgl. zu fünfprozentlicher Verzinsung von den Schuhknechten, am 25. Juli zinsfällig. An dem diesjährigen Ratsessen (Pantaleonius) nahmen außer den drei Räten auch der Hauptmann Heinrich von Pak, dessen Bruder, Dr. Pak, der Gleitsmann und die Ratherren von Bitterfeld teil, mit denen man an diesem Tage zugleich die Steigerung schloß und durch Zahlung berichtigte. Auch schenkte man dem Hauptmanne und Dr. Pake 2 Faß Bier, weil sie sich für Aufrechthaltung der Biermeilen-Gerechtigkeit besondere Mühe gaben. Eine neue Altartafel in die Frauenkirche lieferte der Maler Herman Stein für 18 Gulden. Ein Kirchenfenster gegen den Markt kostete 9 Gulden und gaben die Fleischer hierzu 2 Gulden 3 Gr., für ein anderes über der Porkirche bei dem Leichhause zahlte man dem Spetener Matthias 3 Schock 9 Gr., und für zwei kleinere auf dem kleinen Gewölbe oder liberia (wo man die Bücher verwahrte) 1 Schock 45 Gr. Franz, der Bader, hatte von Stephan Nossig die Badestube, bei Dr. Pak gelegen (auf der Doktorei) für 80 Gulden gekauft, aber nichts gezahlt. Die Kirche übernahm sie und zahlte das Kaufgeld der 80 Gulden in Terminen zu zehn Gulden, bauete sie und verwendete in diesem Jahre 14 2/3 Schock darauf. Von dieser Stube erhielt der Pfarrer jährlich 1 Schock Zins. Sie hieß bis 1430 die alte Badstube zum Unterschiede von einer zweiten, die in der Nähe der Barfüßer Terminei da lag, wo sie sich als Bürgerhaus unter dem beibehaltenen Namen noch findet, damals die neue genannt wurde, und der Gasse, in der sie sich befand, den Namen gab. Nachdem sie eine zeitlang wüste gelegen, ward sie bei ihrer Hestellung die neue, jene die alte ganannt, doch auch diese Erneuerung hatte keinen langen Bestand, so ward wüste, und der Amtmann Johann von Pake zog sie als Wüstung, die er am 21. Juni 1527 mit Bewilligung des Erzbischofes von der Kirche kaufte, zu dem ihm gehörigen Sedelhofe, von dem früheren Besitzer Dr. Pake die Doktorei genannt. Mit diesem kam sie 1544 durch Kauf an den Rat und ward ein Bürgerhaus. Der Rat verkaufte Getreide, welches auf dem Kälberstalle lag, den Scheffel Roggen zu 3 Gr. 2 Pfg. Der Stadtschreiber erhielt 2 Faß Bier aus dem Ratskeller um einen billigeren Preis auf Er. Matthias seines Lokaten erste Messe.

1498
Stephan Gruntzscher brauete ohne Zeichen vom Gleitsmann (des Rates) und mußte ein Paar Steifeln, darinnen die Herren (des Rates) reiten, zur Strafe geben. George Petzsch hielt in diesem Jahre die durch den Dr. Werner Wyke gestifteten sieben Fastenpredigten für 21 Gr. Es stand die Wahl des Predigers bei dem Rate und man übertrug sie gewöhnlich einem Leipziger Predigermönche. Am 15. Mai kam eine Kreuzfahrt von Landsberg und naheliegenden Dörfern dieser Stadt und ging nach Scholis. Der Rat gab ihnen bei ihrer Ankunft für 42. Gr. ein Faß Bier. Der Bürgermeister George Werdt und der Stadtschreiber waren am 9. Juli auf dem Landtage in Naumburg wegen der Münze und neuen Reformation. Die Refomation betraf hauptsächlich die Wertbestimmung der von den Fürsten beider Linien neu geprägter Schneeberger Groschen gegen die früheren ZinsSchwert-Spitzgroschen. Die Otto Pak hatte der Kirche einen Ornat gefertigt, welcher in Merseburg geweihet ward. Von der Moritz Gerberin bekam als Vermächtnis die Stadtkirche 3 RhGl. und 1 RhGl. die Frauenkirche; von Er. Nicolaus Turekorn 31 Gr. und von Ein. Caspars Mutter in Bendorf 20 Gr. Aus einer Mark vorrätigen Silbers ließ man ein großes silbernes Kreuz in Leipzig machen und gab 7 alte Groschen für 1 Elle Seide zu dem Heiligtume in das große Kreuz. Derselbe Künstler besserte auch drei Pacificalia und vergoldete für 5 Ungarische Gulden die Monstranz. - Der Meister Herman von Leipzig aber malte den Ölberg für 8 RhGr. Der Rat mußte auch in diesem Jahre für den Fürsten 1000 RliGl. aufbringen, und borgte 500 RhGl. von dem Bürger Nicolaus Schiltpergk, in Halle, als einen Stifter und Aufrichter der neuen Kapelle zu St. Marien Magdalenen vor dem Claustore zu Halle und den Vorstehern und Verwesern nach ihm, und 400 RhGl. von Paul Clemen, Bürger in Leipzig, zu Ablösung der Sachsenburg und Abfindung Herzogs Friedrich in Preußen. Beide Schuldverschreibungen sind vom 24. August und die Genehmigung des Herzogs Georg in Vollmacht seins Vaters, der Gunstbrief vom 26. desselben Monats ausgestellt. Der Scheffel Weizen galt 7 der Roggen, Hafer 3 ½ Gr.

1499
Der Rat verkaufte die Hufe Feld auf Rubach, die er vom Bürgermeister Nicolaus Cramer für 100 RliGl. versessenen Schoß und Zins annehmen müssen für 95 Gulden und 1 Schock Lehngeld an Urban Sachse und Matthaeus Gotzschwitz, derselbe Gotzschwitz kaufte auch des Rats alte Scheune, in der Vorstadt bei Caspar Bun gelegen für 5 silberne Sock. Eine halbe Hufe auf Werbener Mark, die von Sedermann auf Peter Preuss überging, mit 18 Gr. jährlichen Zins, ward nur mit der Bedingung, daß er sie vordre niemanden dann des Rates Leuten verkaufte, verliehen. Meister Erhards Ehefrau, die Wendische (eine Wendin), wurde des Ehebruchs verdächtigt, deshalb vom Rate und Commissarius gefordert und gewarnet. Sie fiel, da der Kornschreiber Johannes öffentlich und am Tage bei ihr aus- und einging, in die Buße von 1 Schock Scheffel Hafer, und ging endlich mit diesem und ihres Mannes Geräte, Kleidung, Harnisch, acht Groschen baren Gelde, des Nachts davon. Am B. April war ein Landtag in Leipzig von fünftägiger Dauer, auf welchem dem Herzoge zu Abteilung Herzog Heynrichen in Friesland eine Steuer, 1 Gulden von 200 Gulden Abschätzung des Vermögens, 1/2 Gulden von 100, 1 Ort von 50, und'/, Ort von 25, verwilliget werden mußte. Es war eine reiche Ernte, und wurden zur Sicherung der Stadtfluren gegen Schäfer und Mägde die Flurschützen (versehen mit Pochbolzen) eingeführt. Der Maurermeister Balthasar Jost, aus Leipzig, deckte die Basteien, erneuerte die gewölbte Brücke am krummen (breiten ) Tore, besserte den Henkersturm (ein Turm zwischen dem Breiten Turme und dem jetzigen Malzhause zur Tortur gebraucht) und die Rinne auf dem Graben hinter Dr. Pak (die große, gewölbte Schleuse, durch welche das Wasser des Vorstädter Grabens in den eigentlichen Stadtgraben einströmte, in der Gegend des Pakischen Sadelhofes, die Doktorei genannt). Der Kaland kaufte vom Amtmanne Heinrich Pak, auf Doebernitz, 3 gute Rheinische Gulden, an Golde, Zinsen und Lucowehnaer Gütern, für 60 RhGl. am 9. Januar und am 22. Juli d. J. dergleichen zum Altare Barbarä für 12 RhGl. in Golde, von Burkhard von Schenkenberg auf Schenkenberg. Er. Liborius Lesche zahlte als Testamentsverweser des Pfarrers Berthold Smogel, in Werbelin, 5 Gulden als Vermächtnis an die Kirche, und 40 Gr. an beide Kirchen Peter Stoye aus dem Nachlasse seiner Ehefrau. Die SchülerEmporkirche (jetzt die unterste an der Mitternachtsseite) wurde erneuert und das Fenster daselbst mit zwei gemalten Feldern versehen. Der Küster der Frauenkirche, Stephan, hatte den Weingarten dieser Kirche für 20 Gr. im Pachte. Der Scheffel Roggen galt 5, der Scheffel Hafer 4 und 1 Schock Stroh 6 Gr. Für ein Ries Papier zu den Steuer-Registern (Großformat) wurde 20 Gr. bezahlt.


Delitzscher Stadtchronik -1500-1539

(Quelle: Delitzscher Stadtchronik von Johann Gottlieb Lehmann; ausgewählt durch Hans-Jürgen Moltrecht, Teil III, 1500-1539, hrsg. vom Kreismuseum Delitzsch, 2. Auflage 1991)

Einführung

Das vorliegende Heft der Veröffentlichungsreihe umfaßt die Jahre 1500 - 1539 der Delitzscher Chronik. Es setzt damit die bereits 1963 und 1965 in erster Auflage erschienenen Teile fort. Der interessierte Leser findet hierin eine Vielzahl wertvoller, bisher unveröffentlichter Angaben, die beweisen, daß Delitzscher Einwohner an der widersprüchlichen gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu Beginn des 16. Jahrhunderts teilnahmen. Die Jahre nach 1500 gehören mit zu den entscheidendsten der deutschen Geschichte. In dieser Zeit wurde die erste frühbürgerliche Revolution in Europa politisch und ökonomisch eingeleitet. Sowohl an den nationalen Aspekten der ersten Etappe, die gegen das römische Papsttum gerichtet war, als auch am Beispiel der sozialen Aspekte der zweiten Etappe, die sich im Bauernkrieg gegen die feudale Ausbeutung des Adels richteten, zeigte sich die aufbegehrende Kraft des Volkes. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt der kapitalistischen Entwicklung wurden in Deutschland die Bedingungen für wesentliche soziale Veränderungen geschaffen.

Die Erscheinungen der frühbürgerlichen Revolution kündeten sich in den Jahren vor 1500 an. Danach spitzten sich die Widersprüche zwischen Adel, Klerus, Bauern, Bürgern und besitzlosen städtischen Schichten immer mehr zu. Das äußerte sich besonders zwischen dem Adel und den Bauern. Aber auch innerhalb einiger Schichten traten im Zusammenhang mit der sozialen und wirtschaftlichen Differenzierung Spannungen auf, die zur Krise dieser feudalen Gesellschaft führte. Diese veränderten Beziehungen verschiedener Schichten zueinander resultierten aus den neuen ökonomischen Erscheinungen in Deutschland, die man als Anfänge der kapitalistischen Produktion bezeichnet. Sie lassen sich besonders im sächsischen Bergbau, in der Textilerzeugung, der Metall- und Holzverarbeitung, im Hüttengewerbe und im Buchdruck nachweisen. Für Delitzsch ist nurdie finanzielle Beteiligung am Bergbau bekannt. Versuche frühkapitalistischer Produktion auf anderen Gebieten liegen erst aus der Mitte des 16. Jh. vor. Diese ökonomischen und sozialen Triebkräfte wirkten unterschiedlich auf die städtischeBevölkerung. Während das Patriziat und die reichen Zünfte an der kapitalistischen Produktion profitierten, waren ärmere Handwerker und besitzlose Schichten daran nicht beteiligt. Neben diesen neuen kapitalistischen Kräften bestanden noch viele alte feudale Vorrechte. Mit ihnen übten der hohe und niedere Adel zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit unverminderter Intensität ihren Einfluß auf die städtische Entwicklung aus. Die herrschenden patrizischen Geschlechter wehrten sich zwar wiederholt gegen Übergriffe kleiner Feudalherren aus den Rittersitzen der Umgebung, konnten ihnen aber zu bestimmten Anlässen die öffentlichen Plätze und städtischen Gebäude nicht verwehren. Diese Auseinandersetzungen zwischen Adligen und Delitzscher Bürgern waren zuerst vorwiegend wirtschaftlicher Art. Nach 1517 wandelten sie sich in offene Fehden, bei denen 1520 der Bürger Hans Nossig getötet wurde. Vier Jahre später sah sich die Stadt sogar genötigt, bei Adelshochzeiten verstärkte Wachen aufzustellen, um Morde zu verhindern.

Den immer höher werdenden finanziellen und militärischen Forderungen der sächsischen Landesherren konnte sich die Stadt nur in wenigen Fällen entziehen. Dabei wirkten die Bürger 1504, 1514, 1518, 1519 und 1520 immer offener diesen außerordentlich hohen Verpflichtungen entgegen. Hinzu kommt, dass die unteren, von der Regierung ausgeschlossenen Handwerkerschichten nach Mitbeteiligung am Rat strebten und die Gewährung größerer Rechte für die Zunftgenossen forderten. Auch die besitzlosen Handwerksgesellen, Tagelöhner und Knechte misstrauten den finanziellen und wirtschaftlichen Handlungen des Rates sehr, so 1503, 1517, 1519 und 1520. Die Auseinandersetzungen zwischen der Gemeinde und dem Rat nahmen ab 1517 immer ernstere Formen an. Im gleichen Jahr wird in der Chronik als Aufwiegler und Wortführer gegen den regierenden Rat Hans Lippert genannt, der vom Amtmann gefangen genommen wird. Er wurde wieder freigelassen, trat 1519 erneut in Erscheinung und musste darauf 1520 die Stadt verlassen. Die Ereignisse des Jahres 1525 werden in der Chronik durch ein Zitat des Chronisten erwähnt, das über die Schlacht bei Frankenhausen, die von den durch Fürstenheere erschlagenen 6500 Bauern und ihre Anführer Thomas Müntzer und Hans Pfeiffer berichtet. Daraus geht auch hervor, daß keine Delitzscher Bürger auf seiten der Fürsten teilnahmen, sondern ihren Verpflichtungen nur in finanziellerForm nachkamen. Dagegen stellte die Stadt 1518, entsprechend einem herzoglichen Befehl, ohne Zögern 30 Bürger gegen die Bewaffneten des Adligen Franz von Sickingen. Eine andere Angabe von 1525 läßt schlußfolgern, wie stark die Unruhe der ländlichen und städtischen Bevölkerung gewesen sein muß, wenn der Jahrmarkt Petri Pauli in Delitzsch so außerordentlich stark besucht war. Die vorliegende Chronik spiegelt somit den beträchtlichen Teil der nationalen und sozialen Auseinandersetzungen dieser Periode wider, wenn sie auch nicht zweifelsfrei die Stellung aller Teile der Delitzscher Bürgerschaft zu beantworten weiß.

Wie sehr die Städte der Umgebung im Bauernkrieg progressive bürgerliche Elemente beherbergten, wird daran erkennbar, daß aufbegehrende Leipziger Bürger mit den Patriziern größere Auseinandersetzungen hatten. In Eilenburg wurden wichtige Schriften Thomas Müntzers gedruckt und von dort in die deutschen Lande verbreitet. Der Weg der Reformation seit Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg 1517 ließ sich vor dem regionalen Hintergrund nicht vollständig verfolgen. Hierfür fehlten beim Chronisten die örtlichen Bezüge. Doch sind häufig Verbote des Luthertums und Verfolgungen der Anhänger, besonders 1531, erwähnt. Am 9. Juni 1539 erschien dann der herzogliche Befehl zur Einführung der Reformation. Die ganze Widersprüchlichkeit der Entwicklung, die zur Fürstenreformation führte, soll hier unberücksichtigt bleiben, da diese Fragen in der Chronik nur eine Randerscheinung darstellen und auch für die Stadtentwicklung von untergeordneter Bedeutung sind. Der Schwerpunkt der Veröffentlichung liegt vorwiegend auf der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung von Delitzsch. Dabei spielen die Krise der feudalen Gesellschaft und der Große Deutsche Bauernkrieg eine besondere Rolle. Das rege Interesse vieler Delitzscher an dieser Veröffentlichungsreihe hoffen wir mit dieser Chronik weiter zu fördern. Den Schulen soll es eine Hilfe für die Behandlung heimatgeschichtlicher Thematik sein.


1500

Sechs Fußknechte, die auf Befehl mit zwei Pferden nach Friesland zogen und ein halbes Jahr ausblieben. kosteten der Stadt 156 Rh. Gulden. Den ausgeschriebenen Ablaß des Jubeljahres suchten in Rom auch einige hiesiger Gegend und ging unter anderen des Rates alter Diener, Hans Krause, nachdem er über sein Vermögen verfügt hatte, dahin. Der Rat mußte 1200 Rh. Gulden von Heinrich von Kuneritz, Anna und Clara dessen Schwestern, zu Crossen gesessen, für den Herzog aufnehmen. Er sicherte nun zwar der Stadt in einer Schrift im Falle die Rente, die ihm von der Stadt gebühre, nicht ausreiche, die Verzinsung durch Anweisung auf Amt und Kammer, der übermäßige Aufwand aber des niederländischen Krieges machte, daß Amt und Kammer nur selten zahlfähig, die Stadt mithin allein belastet war. Die Vikare der Altäre des heiligen Kreuzes und Trinitatis, Iodocus Houener und Wenzel Zolke, liehen dem Rate 160 Rh. Gulden und stifteten von den Zinsen Messen an dem Altare des Kreuzes. Die 100 Gulden des Kreuzaltares fielen bei der Reformation dem Gotteskasten zu und die Stadtkasse zahlt die Zinsen der Kirche noch (1852); die 60 Gulden des Trinitatisaltares aber kamen mit sämtlichen Einkünften dieses Altares als Commende Trinitatis an den Rat und bildeten einen ansehnlichen Stipendienfonds, der aber im Dreißigjährigen Kriege verloren ging. Bei Hans Lenz, Nr. 161 der Hallischen Gasse, kam Feuer aus, das aber sogleich unterdrückt ward. Der Herzog Johannes zu Sachsen holte seine Braut Sophie, des Herzogs Magnus zu Mecklenburg Tochter, die mit ihrem Vater und ansehnlichem Gefolge hier ankam, feierlich ein. Man gab Ritterspiele auf dem Markte und bewaffnete Bürger begleiteten sie bis Eilenburg. Man baute eine neue Fischbank. In Gertitz erhing sich der Sohn des Gutsbesitzers Krabbes und ward von dem Scharfrichter vergraben. Der Scheffel Weizen galt 6, der Roggen 2 1/2, der Hafer 2 1/3 Gr.

1501

Da der bisherige Stadtschreiber Heinrich Wolfram, seit 1496 auch Ratsherr, als nun amtierender Bürgermeister das Stadtschreiberamt nicht mehr verwalten konnte, so übertrug man es dem Schrie eines hiesigen Bürgers, dem Conrad Heller, welcher von 1482 ab in Leipzig studieret, 1487 das Baccalaureat erlangt und sich in Geschäften des Rates bereits tüchtig bewiesen hatte. Das im Hause der Nossigin ausgebrochene Feuer ward bald gelöscht; Bitterfeld aber erhielt durch B r a n d großen Verlust und brachte man reichlich Geld und Lebensmittel dahin. Vom Doktor Pak erhielt die Kirche eine halbe Hufe, die Urban Hausmüller mit 30 Gr. Lehnware übernahm. Dem Maurermeister Balthasar aus Leipzig verdingte man s e c h s E r k e r um die Stadt,und den Umlauf an der Hallischen Brükk e für 7 silberne Schocke bei eigener Kost. Die Stadt borgte für den Herzog 500 Rh. Gulden zu sechs vom Hundert, von dem Dr. med. und Collegiaten des großen Fürsten Collegium Wilhelm Haldenhof in Leipzig und stellte der Herzog am 10. Mai der Stadt einen Schadebrief deshalb aus. Die Schuldurkunde ist vom 22. Juni ausgestellt. Überdies ward auf dem Landtage, an welchem zwei Mitglieder des Rates mit dem Stadtschreiber teilnahmen, dem Reiche und der ganzen Christenheit zugut aufsechsJahreeine ungewöhnlich starke Steuer bewilligt. Auch nahm der Rat 100 Rh. Gulden von dem hiesigen Bürger Stephan Nossig und seiner Ehefrau auf Leibzins.

1502

Ambrosius Forster, welcher 1498 in des Bürgermeisters Miley Hause den Hans Elderlein erschlug, gab in diesem Jahre 10 Rh. Gulden Abtrag. Die Domherren in Halberstadt bannten den Rat wegen rückständiger Zinsen vom Kapitale, welches er für den Herzog erborgen müssen, es erfolgte aber auf Vermittlung der herzoglichen Räte in Halle, wohin ein Domherr aus Halberstadt kam, baldige Absolution. Vier Herren des Rates mit dem Stadtschreiber waren in Döbeln auf herzoglichen Befehl mit anderen Städten wegen des Ungeldes vom Biere, welches auf die zwölf nächsten Jahre verwilliget ward. Auch bewilligte die Landschaft auf dem Landtage in Leipzig; am B. Juni eine Steuer, zwei Gulden vom Hundert auf zwei Jahre und war von hier der Bürgermeister und Stadtschreiber daselbst. Der Herzog borgte 500 Rh. Gulden von Sophie, der Tochter des herzoglichen Rates Dr. Johann von Pak, die der Rat verbürgen, mit sechs vom Hundert verzinsen und deshalb dem Briefe das Stadtsiegel anhängen mußte. Die Zusage der Schadloshaltung erhielt er in einer Zuschrift vom 22. April, die Entschädigung aber konnte bei zu großer Verschuldung nicht gegeben werden. Mit der Anhängung des Stadtsiegels war Pak aber nicht zufrieden, sondern verlangte, daß sich jeder einzelne Bürger der Stadt mit seinen Gütern verbürge, welches aber die Bürger verweigerten, so oft auch der Herzog den Wunsch aussprach, daß man die Notel nach Paks Verlangen vollziehen möchte und baldige Rückzahlung zusagte. Mehrere Jahre gingen hin, ehe die Schuldverschreibung zur Richtigkeit kam und die Stadt hatte deshalb manchen Aufwand. Der päpstliche Commissar Martin von Weida richtete hier im Juni mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten das Kreuz der Gnade auf und ging nach Weißenfels. Zwei Pauliner Mönche hörten auf Verlangen des Rates 14 Tage der Leute Beichte, und empfingen aus der Stadtkasse 32 Gr. Auslösung. (Am) 16. Juli hob derselbe Commissar die Gnade wieder auf und der Rat lieferte auf Befehl des Herzogs das in den Kasten gefallene Geld mit dem was für Beichtbriefe eingekommen war an den fürstlichen Rentmeister in Leipzig ab. Wie man die in den gleichen Jubel- und Gnadenjahren gesammelten Gelder verwendete, findet man bei Dreyhaupt in der Beschreibung des Saal-Kreises, Tl. 1 S.180, wo die über den Verlauf des Jubeljahres in Halle vom Stadtschreiber daselbst abgefaßte Registratur wörtlich aufgenommen ist und mit diesem Worte schließt: "diese gesamte Gelt ist nye an die Orte gekommen, dazu es gesamlet, besondern vorspeiset, vorpraßet, und von eins teils Slossere damit gebauwet." Der hiesige Müller Kunze Poch kaufte vom Rate die Mühle in Benndorf für zehn neue Schocke und übernahm darauf zwei Schocke jährlichen Zins. Die 500 Rh. Gulden, welche die Stadt dem Michael Roppitzsch aus Torgau, Barbara seiner Tochter und Hans, dessen Sohne schuldete, wurden auf Leibzins gesetzt. Dienötiggeworden Räumung des Stadtgrabens nahmihrenAnfang und kostete in diesem Jahre 27 Schock. Auch legte man den S t e i n w e g der Hallischen Gasse um (110 Ruten) und führte die Schleusen nicht in den Stadtgraben sondern in die Tränke, wodurch man die Verschlämmung des Stadtgrabens vermied. Der Aufwand betrug 18 Schock. Zwei eiserne Türen an den Wandschrank des Gewö1bes (Ratsarchives) fertigte der Meister Balthasar Nober für 2 1/3 Schock. Die Herren des Rates erhielten vierteljährlich aus der Stadtkasse auch 16 1/2 Gr. Opfergeld und ungefähr 30 Gr. an Wein und Bier. Das vor dem Kriebensteinische Haus, den Gasthof Nr. 35, am Markte, kaufte vom Rate, jetzigen Besitzer Benedict Jäger für 135 Gulden. Der Scheffel Roggen galt 3 Gr.

1503

Georg Kirchof von Zaasch tötete den hiesigen Bürger Johann Kramer und gab 20 Gulden Abtrag. Der Erzbischof von Magdeburg und Herzog Georg unterhandelten hier und verehrte der Rat am Viertel Kötzschberger und ein Faß Torgauisches Bier. Die Gemeinde, durch die fortwährenden Auflagen sehr beschwert, vermutete eine Verschuldung des Rates bei Verwaltung des Stadtvermögens und klagte durch den Licentiaten Bernhard Zuckschwert. Es fand sich aber anders und ward der Rat vom Bürgermeister Dr. Wilde in Leipzig und Rate daselbst bei dem Herzog vertreten. Der Amtmann Heinrich v. Pak wollte die Feldbegüterten der Stadt zwingen, die Bestellung ihrer Äcker ausschließlich an Arbeiter aus der Stadt zu verdingen, es ward ihnen aber auf Beschwerde, wenn es in der Stadt an billigen, tüchtigen Arbeitern fehle, auch Landleute zu mieten, vom Herzoge erlaubt. Die Grenzen und Raine zwischen der Paupitzscher und Benndorfer Mark wurden begangen und festgestellt, und acht Söldner auf der Stadt Kosten dem Landgrafen von Hessen zugeschickt. Der Orgelbauer Meister Valentin von Eilenburg erhielt für Besserung beider Orgeln der Stadtkirche 44, für Besserung des Werkes zu Unsere lieben Frauen 10 Rh. Gulden. Ein Organist aus Halle und ein Petersbergischer Mönch prüften die Arbeit, dieser ohne Lohn nur gegen 5 Gr. Auslösung. Der Bürgermeister Wolfram, der Stadtschreiber, der Ratsherr Kirchhof reisten auf Verordnung des Herzogs nach Leipzig, wo man einen Kreis oder Cent einrichtete. Die Städte Leipzig, Delitzsch, Pegau, Zörbig mit den Ämtern daselbst, die Klöster Leipzig, Pegau und Petersberg, der Adel in diesen Bezirken gehörten zu diesem Cente und dieser hatte den Zweck, daß jeder i m Falle eines Aufruhres im Lande zur Hilfe aufsitzen und folgen, bei einem Heereszuge außer dem Lande aber der fünfte Mann gerüstet sein sollte. Zu Hauptleuten dieses Kreises oder Cents wurden Caspar Pflug, Ritter und der hiesige Amtmann Heinrich v. Pak ernannt. Veranlassung hierzu gaben die Edelleute Gersick v. Gutenstein, Hans Molbach, Eberhard Brandstein, Hans v. Guth, Friedrich Hildebrand und andere, welche dem Lande Fehdebriefe zugeschickt und Bischofswerda geplündert hatten. Die von Landsberg veranstalteten eine Betfahrt hierher und erhielten vom Rate ein Faß Delitzscher Bier. Simon Jahn und Christoph Poppe, hiesiger Landknecht, erschlugen auf Rubach Mark den Schirrmeister Hansen v. Schidings (Scheidings) auf Storkwitz, Georg. Durch Vermittlung des Amtmannes Heinrich v. Pak und des Gleitsmannes Thomas Mildener wurde die Sache, weil sich binnen Jahresfrist kein Schwertmagen des Ermordeten, der den Mörder feimte, angab, nachdem man an den Herzog berichtet hatte, in der Maße verglichen, daß der Mörder Jahn 5 Schock an den Rat Abtrag, 8 Schock Mahngeld an die Kirche zur Niederlegung zahlen, 100 Vigilien und Seelenmessen der abgeschiedenen Seele zu Heil und Troste nachhalten lassen eine Achfahrt leisten, das Leibzeichen mit 10 Personen, 10 brennenden Lichtem und 10 Priestern zur Erde bestatten, und ein steinernes Kreuz zu Rubach auf die Stätte, wo die Tat geschehen, setzen; der Gehilfe Poppe aber auf sonderliche Vorbitte des Amtmannes v. Pak, Erich Rabits, Hauptmannes zu Bitterfeld Melchior von Plaussig und anderer ehrbarer Leute, 4 alte Schock Abtrag an den Rat, 2 neue Schock der Kirche zu St. Peter - Pauli als Mahngeld geben, 100 Vigilien und Seelenmessen nachhalten lassen und eine Achfahrt leisten mußte. Otto Spigel zum Neuen Hause (auf Neuhaus) borgte vom hiesigen Kalande 100 Rh. Gulden zu sechs vom Hundert, und verschrieb die Zinsen von einigen Feldbesitzern der Werbeliner Mark. Derselbe Otto Spigel borgte von dem Ratsherren Jacob Feris, in Delitzsch am Petri-Pauli Tages dieses Jahres 100 Rh. Gulden und wies die Zinsen von folgenden Gütern an: 1 Schock Albrecht Klepzig in Gertitz von 1 Hufe auf Weißig Mark, 1 Schock Simon Ibe in Delitzsch von 1 Hufe daselbst, 15 Gr. Glorius Lüdecke und 15 Gr. Matth. Nonschel in Gertitz. Diese Zinsen kamen durch Vermächtnis des Feris und seiner Ehefrau mit 1 Schock 15 Gr., Klepzig und Nonschel, an das Jungfrauen Kloster St. George zu Leipzig und 1 Schock 15 Gr. Simon Ibe und Lüdecke an die Vorsteher des heiligen Kreuzes in Delitzsch. Der Pfarrer wurde beschuldigt. daß er einem Ehemann in Naumburg sein Weib verweigere und als Köchin bei sich halte, es fand sich aber bei der Untersuchung unbegründet und mußte die Angeberin, eines hiesigen Bürgers Weib, ihre Besitzungen verkaufen und die Stadt verlassen nach Ausspruch des weltlichen und geistlichen Gerichts. Die fortgesetzte Räumung des Stadtgrabens kostete 34 Schock und fing man mehrere Fischottern bei dieser Gelegenheit. Auch erneuerte man die Feimstätten in Benndorf, Elberitz, Gerltitz, Gertitz, Rubach, Werben, und bedeckte das Gewölbe auf dem Rathaus mit einem Lehmüberschlag. Die Herren des Rates, welche an hohen Festen mit dem Sacramente gingen (die Decke über dem, die Monstanz tragenden Geistlichen hielten) trugen Kränze, die man ihnen aus der Stadtkasse mit 12 Gr. vergütete.

1504

Auf Befehl des Herzogs zogen 10 Fußknechte an den Rhein, dem Landgrafen von Hessen gegen den Pfalzgrafen am Rhein zu Hilfe. Sie mußten 28 Wochen, jeder wöchentlich mit einem Rh. Gulden besoldet werden. 22 Wochen waren sie mit dem Rate von Leipzig in Frankfurt am Main und 6 Wochen brachten sie auf der Hin- und Herreise zu. Der Aufwand betrug 293 Rh. Gulden 18 Gr. 6 Pfg. und gab der Besitzer eines Brauerbes 1. der Besitzer eines nicht brauberechtigten Hauses 'l, Gulden, der Rat legte aber aus der Stadtkasse noch 121 Gulden 18 Gr. 6 Pfg. zu. Die Zahlung an die Söldner besorgte der herzogliche Rentmeister in Leipzig. Auch verlangte der Herzog, daß der Rat, wahrscheinlich wegen der früher zur Stadt gekommenen Lehngüter, mit einem reisigen Pferde dienen sollte, er bewies aber, daß dieses niemals geschehen sei. Als nun der Herzog hierauf antwortete, daß man für dieses Mal Geduld tragen solle, weil die Reise zu nahe wäre und man nicht anders könne, künftig werde man die Stadt damit nicht beschweren, so sendete man das verlangte Pferd zu der Reise des Herzogs auf den Reichstag. In Krosegk hatte man einen, der geäußert hatte, daß Delitzsch in 14 Tagen brennen sollte, gefangen gesetzt. Der Bürgermeister und Stadtschreiber reisten dahin, es fand sich aber bei der Untersuchung, daß er es nur vom Hörensagen habe und ward er daher nach geleisteten Urpheden freigegeben. Die Zigeuner lehrten Künste gegen das Feuer und erhielten 20 Gr. Häufige Branddrohungen und ausbrechende Feuer bewirkten jedoch Änderungen in der Bewachung und erhielten die vier Nachtwächter, außer dem Jahrgehalte von 8 neuen Schocken, 48 Gr. "daß sie des nachts den Seiger alle Stunden auf den vier Kreuzen der Stadt ausschreien". Auch hielt man 7 Wochen lang besondere Wächter in den Toren wegen der Mordbrenner und warnte Leipzig. Auf dem hohen (breiten) Turme aber richtete man eine Wohnung für einen Hausmann ein, dem man wöchentlich 9 Gr. aussetzte und der Herzog jährlich eine Unterstützung von 4 Schocken aus dem Amte anwies. Früher gingen Bürger der Reihe nach als Wächter auf den Turm, der später angenommene Wächter, zu dessen Besoldung das Brauerbe 1 Gr.. das Pfalhaus 6 Pfg. gab, hatte seine Wohnung in der Stadt. Der erste Hausmann, der durch Blasen eines Hornes Zeichen gab, ward aus Leipzig geholt, blies aber nur kurze Zeit. Durch häufige Regen verdarben die Früchte und Wege, der Amtmann in Zörbig wollte die Straße bei Riede nicht befahren lassen und das Fuhrlohn stieg unerhört. Dem Bischof zu Magdeburg und Herzog Georg, welche hier auf dem Rathause speisten, verehrte man Wein, Kötzschberger Most und halben Zentner Hechte. An die Stelle des bisherigen, unhaltbaren Turmes des Rathauses kam ein neuer, mit Kupfer und Schiefer gedeckt und mit einer neuen G1ocke versehen, welche in Leipzig für 20 Gulden 14 Gr. gegossen ward. In Leipzig kaufte der Rat auch für 8 Gulden einen eisernen Kasten in das Gewölbe (des Archivs), und 14 eiserne Laden an die Fenster des Rathauses fertigte für 5 Gulden ein hiesiger Kleinschmied. In der Hallischen Gasse kosteten 51 Ruten umgelegtes Pflaster 7 Schock, auch ward die Räumung des Stadtgrabens fortgesetzt und fand man vie1e Pfähle, die man auszog und zu dem alten Turme verwendete. Der Rat kaufte von den Tuchmachern in Grimma einen Rähmen, ließ ihn in der Gegend der nachherigen Münze aufsetzen und den Gebrauch von den hiesigen verzinsen. Der kupferne Stadtscheffel, weil er um wenig größer war, ward abgefeilt, alle übrigen Scheffel der Stadt mußten danach gerichtet werden und zum Zeichen der geprüften Richtigkeit brannte man ihnen das Eisen mit dem Löwen auf, welches man zu diesem Zwecke fertigen ließ. Der Rat ließ sich die Leipziger Konstitution der Gerade in Abschrift bringen. Der Gutsbesitzer Nodenschil vermachte der Kirche einen Garten in Elberitz. 266 ganze Biere braute in diesem Jahre die Stadt und betrug das Ungeld davon 36 Schock 35 Gr.

1505

Der Rat mußte sich von neuem für 450 Rh. Gulden, die der Herzog von dem Dr. med. Wilhelm Haldendorf in Leipzig geborgt hatte, verschreiben, und gab der Herzog an demselben Tage der Stadt einen Schadlosbrief. Auch wurden 1000 Rh. Gulden, die man fürden Herzog von dem Jungfrauenkloster in Brehna zu fünf von Hundert erborgte und der Herzog in einem Schadlosbriefe der Stadt sicherte, und nach Leipzig gebracht. Alle diese Versicherungen konnten jedoch wegen der bedrängten Lage der Kammer nur zum kleinsten Teile und erst nach Jahrhunderten geltend gemacht werden, die so lang getragenen Zinsen davon blieben mit den erheblichsten Kapitalen unbezahlt. Für sich borgte der Rat 100 Rh. Gulden von dem hiesigen Bürger Stephan Nossig und dessen Tochter Anna auf Leibzins. Ambrosius Tannenberg erschlug den Blasius Schaefer in der Neustadt und gab an den Rat 3 neue Schocke Abtrag. Vogler, bei dem Feuer auskam, ward mit 30 Gr. bestraft. Ein neuer Hausmann von Giebichenstein. Georg Plaussig, der einen Rechtshandel mit dem Rate vor des Herzogs Räten hatte und sich in Reden gegen den Rat verging, hauptsächlich den Stadtschreiber beleidigt, mußte widerrufen. Drei Männer gaben Heller über den Wert aus, sie kamen in Untersuchung und Gefängnis, aber auf den Bericht an den Herzog nach 6 Wochen wieder los. Der Blitz schlug in den breiten Turm und zerstörte Erker und Dach. Der Schieferdecker erhielt für Ausbesserung 7 alte Schock. Auch bemerkte man eine starke Erderschütterung in der Stadt. Die fortgesetzte Räumung des Stadtgrabens kostete 29 Schock. Martin Schwarze in Schenkenberg vermachte der Stadtkirche 1 Gulden und eine Frau Agathe ihr ganzes Vermögen. In diesem Jahre starb der Ratsherr (seit 1467) Jacob Feris. welcher das Haus Nr. 254 in der Breiten Gasse und Feldgut. welches er besaß, gemeinschaftlich mit seiner Hausfrau geistlichen Anstalten letztwillig beschied.

1506

Am 2. März war eine Ständeversammlung in Leipzig, welche dem Herzog eine außerordentliche Steuer eine gutwillige Hilfe auf 2 Tagezeiten zugestand. Die Art der Aufbringung bestimmte ein gedrucktes Quartblatt so: "Ein jeglicher Mensch, es sei Mann oder Weibsbild, mündig oderunmündig, das eigen Gut beweglich oder unbeweglich, woran das ist, hat, soll sein Gut mit seinem Gewissen achten und würdigen und nach der Wiederung von 100 Gulden 2 Gulden, von 50 Gulden 1 Gulden, von 25 Gulden 1/2 Gulden, welcher Mensch aber nicht 25 Gulden Wert hat, der oder die soll 4 Zinsgroschen geben, und hat einer ein Weib, die nicht eigenes Gut hat, die soll zu geben frei sein. Hat aber ein Mann oder Frau Kinder, die 15 Jahre Alter erreicht, der soll jegliches 4 Zinsgroschen geben. Ein jegliches Gesinde und Dienstbote, der gedingten Lohn hat, soll seines Jahrlohnes den zwanzigsten Teil geben. Handwerksknechte, die nicht Eigentum 25 Gulden würdig haben und um Lohn arbeiten, sollen jegliche 4 Gr. geben. Müßige Leute, die nicht eigenes Gut 50 Gulden würdig haben, auch nicht Handwerk üben oder um Lohn dienen, sollen jegliche einen Gulden geben. Solches Geld sollen Prälaten und Ritterschaft jeglicher von seinen Leuten außerhalb den Amten wohnhaftig, eigentlich mit Fleiß bei seiner Pflicht einbringen und versammeln, und wie das gegeben wird eigentlich verzeichnen und auf angezeigte Zeit überreichen. Desgleichen sollen die Räte in *Städten samt anderen, so dazu verordnet werden solches Geld obberührter Weise auch treulich und fleißig einbringen und in vorgemeldeter Zeit überreichen."!. Der Stadtschreiber Conrad Heller reiste mit 2 Pferden nach Stuttgart zu Dr. Werner Wicke, Prediger und Proriorial, wegen schuldiger Leibzinsen von 1459, 1461 und 1464, die sich bis auf 360 Gulden angehäuft hatten. Er erließ der Stadt 240 Gulden zu Unterstützung des Kirchendienstes und der Armen und kostete die Reise 6 ½ Schock. Der Rat borgte von der.Brüderschaft der Schuhknechte 50 Gulden, die bei der Reformation an den Gotteskasten kamen und noch än die Kirche verzinst werden. Ein neuer Hausmann ward von Schraplau geholt. Der Bürger Stephan Wunschei kam auf Anzeige des Gutsbesitzers Mansfeld aus Klein-Kyhna, daß er an richtig gemessenem Getreide bei der Ablieferung an den Käufer Wunschel und Überschlagung über dessen Scheffelmaß einen Verlust an mehreren Scheffel gehabt habe, der Wunschel mithin des Gebrauches zweier an Größe ungleicher Scheffel verdächtig sei, in Untersuchung. Er leugnete zwar. zwei verschiedene Scheffel zu haben, brachte den richtigen ins Verhör und erbot sich zum Eide, als aber der Bürgermeister von Wunschels Ehefrau heimlich den zweiten Scheffel fordern und diese ihn folgen ließ, so gestand er sein Unrecht und bat um gnädige Strafe. Der Rat entschied nun, daß er die Stadt meiden oder 100 Gulden zahlen sollte und er wählte das erste. Er verließ die Stadt, beschwerte sich aber gegen des Rates Entscheidung und ward dabei von dem Dr. Spigel und Dr. Zech unterstützt. Dem Rate diente der Schöppenschreiber Licentiat Valentin Schmidt und entschied der Herzog für ihn in zwei Urteilen d. J. 1509 und 1510. Der neue Amtmann von Plaussig verweigerte die 4 Schocke, welche der Herzog als Beitrag zu den Lohne des Hausmannes verwilliget hatte und gab sie nur erst auf wiederholten fürstlichen Befehl. Das Schreiben, welches der Rat in dieser Angelegenheit nach Dresden schickte, konnte der Bote, weil man in den Läuften Zeit des Sterbens niemand vorlassen wollte, nur durch Beschenkung der Torwär ter an die Behörde bringen. Diese ansteckende Krankheit war auch hier, doch minder gefährlich als im Oberlande. Der junge Martin List vermachte der Stadt- und Frauenkirche 16 alte Schock 6 Gr. und der Pfarrkirche St. Ulrich in Sangerhausen und U.L. Frauen Brüderschaft daselbst 5 2/3 a. Schock. Facies in Werben brachte Hans Waltern aus Beerendorf in des Rates Gerichte um und ward zu 3 neuen Schocken Buße, jährlich mit einem Schocke zahlbar. verurteilt. Der Rat, welcher wegen drohender Krankheitsnot Teuerung befürchtete, kaufte Roggen, den Scheffel im Durchschnitte zu 2 1/2 Gr. und verwahrte ihn auf dem Boden des Rathauses. Die Räumung des Stadtgrabens, von der Brücke des Breiten Tores bis an die Bastei hinter Dr. Pak (die Gegend wo sich der Graben nach der Mühle wendet), 345 Ruten, ferner von der Bastei bis zur Mühle und von da bis in Kötzschaus Garten, kostete 42 neue Schocke. In der alten Zscherne legte man einen Schuppen zu Leitern und Feuerhaken an. Der neue Rat Schwur auf die Heiligen (Reliquien), die der Küster in einem Kästchen aus der Kirche auf das Rathaus brachte, und dafür 3 Pfg. erhielt. Von 294 Bieren, die man in diesem Jahre brauete, hatte man 40 Schocke 33 Gr. 7 Pfg. 1 Heller Ungeld. Auf eine halbe Hufe und Wiese in Gerltitz Mark, die der Rat von Andreas Prelwitz kaufte. zahlte man 6 1/2 alte Schocke. Barth, in dessen Hause Feuer auskam, ward mit 30 Gr. bestraft. Die Zigeuner, als sie hier durchzogen, erhielten 20 Gr.

1507

George Perrendt (Percent), ein Sattler, welcher im vorigen Jahre hierher gekommen und Bürger geworden war, kaufte in diesem Jahre von Peetzsch das Haus jetzt Nr. 95 des 11. Viertels in der Rittergase (...) und ist der Stammvater der Parreidtischen Familie hiesigen Orts (...). Christoph Poppe, der Landknecht, kaufte vom Rate die Schademühle, jetzt Gartengrundstück im Rosentale, durch welches der Überfall des Lobers geht für 5 Schocke 40 Gr. und 2 Kapphähnen jährlichen Abgabenbeitrag. Der Rat borgte von dem Gelde, welches Dr. Werner Wicke in Stuttgart an seinen Zinsen der Stadt erlassen und zu Besserung des Gottesdienstes beschieden hatte, 30 Gulden, zu 30 Gr. jährlicher Verzinsung. Dem Herzoge, welcher auf den Reichstag nach Costnitz zog, lieh die Stadt ein Pferd zu dieser Reise, welches der Rat in Leipzig kaufte. Auch gab man ihm eine Hilfe von 75 Rh. Gulden. Die 128 brauberechtigten Bürger und 71 unberechtigten der Stadt und Neustadt entrichteten jeder 6 Gr., summarisch 56 Rh. Gulden 18 Gr. und 18 Rh. Gulden und 3 Gr. legte der Rat aus der Kämmereikasse zu. Vor seiner Abreise am 16. Februar verordnete er,wegen besorglicher mutwilliger W i d e r w ä r t i g k e i t die Stadt gehörig mit Wache zu versehen und sich so zu rüsten, daß man auf den Ruf mit der Hälfte der Einwohner zu folgen imstande sei. Der Dr. der Rechte Otto Spiegel auf Neuhaus besaß 7 Hufen, v. Pak auf Doebernitz eine Hufe auf Benndorfer Mark. Diese wurden am B. Juni in Gegenwart der Paupitzscher und Benndorfer Gemeinde, des Rates und jener Besitzer verwählet und die Lage und Größe ihrer Stücke verzeichnet. Man traf Anstalt zu Herstellung des 1505 durch den Blitz beschädigten Breiten Turmes. Zwei Pauliner Mönche aus Leipzig kamen auf das Gesuch des Rates zur Besichtigung und Beratung, auch schickte ein Mönch dieses Klosters, Bruder Paul von Leßnitz einen bewährten Baumeister mit einem Briefe. Der empfohlene Baumeister war Peter Peuckert, ein Maurer, der die beschädigten Erker und ihre und der Spitze Bedachung mit Ziegeln und Kupferblechen herstellte. Man dingte mit ihm um 12 neue Schocke, gab ihm aber mehr. Ein hiesiger Meister Matthias Rüdiger fertigte die Zimmerarbeit. Die drei Räte beschlossen, daß jährlich eimmal zum Heil der aus den Räten und der Gemeine der Stadt Delitzsch verstorbenen Begängnis, Spende und Seelbad auf Kosten des Rates nachgehalten werden sollte und machte man in diesem Jahre den Anfang. Der Aufwand betrug 3 neue Schocke 32 ½ Gr., nämlich 35 Gr. den Priestern. Schulmeister und Küstern, jedem 1 ½ Gr., dem Prediger 2'/2 Gr. Geschenk; 7 ½ Gr. den Priestern zur Collation des Abends; 1 Schock 30 Gr. Für eine Tonne Heringe, 50 Gr. für 10 Schock Brote zur Spende; 30 Gr. dem Bader von dem Seelbade (mußte auch den armen Leuten lassen und koppen - Aderlassen und schröpfen). Der Herzog (Georg) verlangte zu Abzahlung der 20 000 Gulden, die er dem Kurfürsten Friedrich (dem Weisen) und dessen Bruder Johannes schuldete, von neuem 1000 Gulden von der Stadt, zum Neuen Jahres Markte in Leipzig an dasigen Rentmeister zahlbar und er versprach binnen einem Jahre Rückzahlung. Und hat der Rat dem Verlangen durch Aufnahme von Darlehen (im künftigen Jahre wie es scheint) größtenteils genügt. Die Stadt verlangte wenigstens damit, daß sie in ihrem Rechte der Biermeile gegen die Ehrbaren Mannen vom Herzoge kräftigst geschützt ward. Zu den nötigen Bauen nahm der Rat 100 Gulden von Joachim Poetzsch und dessen Ehefrau Walpurgis laut Urkunde auf Leibzins auf, ließ 15 neue Scheffel machen, die alten eichen und schaffte das in der Stadt aufgefundene untüchtige Gemäß mit einem Male ab. Neue Feuerleitern kamen in die Zscherne, auf den Kirchhof und die Schwäne auf den neu gereinigten Stadtgraben zurück. Der Scheffel Hafer I Gr. 8 Pfg.

1508

Zu dem im vorigen Jahre vom Herzog verlangten 1000 Gulden borgte der Rat

1.) 400 Rh. Gulden von dem Bürger Paul Clemen in Leipzig zu 5 vom Hundet Verzinsung. Der Herzog bestätigte die Verpfändung der Stadt Einkünfte und verschrieb sich der Stadt in einer Urkunde vom 5. Januar d. J.
2.) 200 Rh. Gulden von dem hiesigen Bürger Lucas Luppe.
3.) 60 Rh. Gulden von der Stiftung des Dr. Werner Wicke.

Wegen der Kretzschmar in der Meile und des fremden Bieres ward von Caesar Pflug und Georg v. Wiedebach in Leipzig und auch hier zwischen dem Adel und der Stadt verhandelt und des Adels Beschwerden gegen das Privilegium der Stadt zurückgewiesen. Der Gleitsmann hiesigen Amtes, Johann Rudthart hatte 2 Hufen auf Rubach, machte aber auf eine dritte Anspruch, weshalb man der Besitzergreifung zu begegnen heimlich einen Aufseher hielt, bis er mit seiner Anforderung rechtlich zurückgewiesen ward. Derselbe Rudthart, als er im Amtsgeschäfte von Landsberg auf Delitzsch ritt, zog bei Doberstau die zwölfjährige Tochter des Claus Hintzsch, Dienstmädchen ihres Verwandten Peter Man. in Doberstau, welche nahe am Wege Futter schnitt, in den Graben und verübte Notzucht an ihr. Ihr Dienstherr und andere trafen ihn auf der Tat, er entwich aber und ließ ihnen sein Pferd zurück. Der Rat, weil er hier Bürger war, nahm zwar die Klage der Angehörigen an, ihn selbst gefangen, die Sache kam aber auf Verordnung der herzoglichen Statthalter, weil er fürstlicher Beamteter, die Tat an einem Orte amtlicher Gerichtsbarkeit begangen war, der herzoglichen Verordnung von 1506 gemäß, an den Amtmann, welcher in Gemeinschaft angesehener Männer zwischen Klägern und Verklagten einen Vergleich bewirkte, nach welchem er 40 Rh. Gulden der Beschädigten als Aussteuer und sämtliche Kosten zahlte, übrigens aber durch fürstliche Begnadigung seine Freiheit erhielt. Den Orpheden legte er am 31. Oktober dem Rate schriftlich ab. Die Kosten waren, weil der Stadtschreiber mit dem Ratsherren Burgmann nach Dresden reisen und dort sechs Tage verweilen mußte, auch sonst viel Wege und Versäumnisse entstanden, nicht unbedeutend und verehrte der Rat dem Stadtschreiber. der sich bei Bearbeitung dieser Sache ausgezeichnet hatte, nicht nur ein Biret, sondem legte auch seinem diesjährigen Gehalte 3 Rh. Gulden zu. Die Kläger unterstützte Johann Krause beider Rechte Doctor, Nicolaus Oeltzsch, ein Ratsfreund von Halle und Bartholomaeus Lani der Rechte Baccalaureus, den Verklagten Johann v. Pak, beider Rechte Doctor, Heinrich v. Plaussig, Amtmann in Delitzsch und Johann Kern, ein Bürger in Rochlitz. Der zwischen den Parteien abgeschlossene Vergleich ward am 11. Oktober vom Amtmanne und Rate zugleich ausgefertiget. Auf dem Landtage in Dresden und einer Städteversammlung in Leipzig den 10. Oktober verwilligte die Stadt dem Herzoge von neuem e i n e H i I f e von 600 Gulden in vierjähriger Lieferung , 150 Gulden jährlich und legte der Rat in diesem Jahre dem Ausgebrachten der Bürger 40 Gulden zur Erfüllung der Summe bei. Für die Stadt Düben, welche durch Feuerverunglückte, brachte man Geld aus, schickte auch Bier dahin. Dem Ratsherren Gregor Bomer ward zu seiner Hochzeit ebenfalls ein Viertel Torgauer Bieres verehrt. Für eine Goldwaage bezahlte man 4 Gr. und für ein Bierseil von 20 Klaftern 23 Gr. 3 Pfg., 14 neue Pfennige für die Klafter.

1509

Der Gutsbesitzer Facies von Werben erschlug Hans Waltern von Benndorf, es ward aber auf die gewöhnliche Art vermittelt und erhielt der Rat 3 Rh. Gulden Abtrag. Thomas Herbst und Lorenz Richter mordeten den Schmiedeknecht Urban Andreae bei der Nacht und wurden durch den Nachrichter Lorenz aus Leipzig mit dem Schwerte hingerichtet. Er empfing 30 Gr. für die Hinrichtung und 20 Gr. als ein Forderer - Ankläger bei dem peinlichen Gericht. Der Rat kaufte viel Roggen und Hafer vorrätig und bezahlte den Scheffel mit 23 Pfg. Der geräumte Stadtgraben ward mit Fischen besetzt - Aufwand 6 Schocke 35 Gr. Auch nahm der Rat von der Stadtkirche ein Darlehn von 100 Rh. Gulden zu 5 vom Hundert Verzinsung, die Urkunde aber ward erst 1513 ausgestellt. Ein Lachs, den man verehrte, kostete 30 Gr. 46 Schock 20 Gr. 5 Heller betrug das Ungeld dieses Jahres, der vierte Teil der Abgabe dieses Namens vom Biere, welche der Stadtkasse zugute ging.

1510

Die Streitigkeiten der Stadt mit den Besitzern der Rittergüter wegen der Biermeile verursachten mehrere kostspielige Reisen zu dem Herzoge, welcher endlich der Stadt die Einziehung eines Strafgeldes von 6 Gr. für jedes Faß fremden Bieres, das man innerhalb der Meile träfe, zusprach und dem Amtmann, sich danach zu achten Befehl gab. Der Stadt diente in dieser und anderen Rechtssachen Caesar Pflug und der Ordinarius Lindemann aus Leipzig, denen man deshalb ansehnliche Geschenke gab. Der Rat hatte das Termineihaus der Minoriten in Leipzig (jetzt Nr. 108 der Badergasse) an sich gebracht und bestimmte es, nachdem es erneuert, der Garten mit einer Mauer umgeben worden, zur Wohnung des Stadtschreibers, deres auch in diesem Jahre bezog. Christiane Stentzschin genannt von der Schweinitz, die unter dem Vorgeben, daß sie die fallende Sucht habe, in den Häusern bettelte, niederfiel und bei dieser Gelegenheit stahl, ward mit Gefängnis bestraft und des Fürstentums verwiesen. Vier Gesellen wurden von einer ledigen Dirne der Notzucht beschuldigt, kamen aber nach fünfwöchentlicher Haft, weil sie die Schuld ablehnten, auf herzoglichen Befehl los. Mit Martin Rapsilber, der viel Frevel in der Stadt tat, gab es Händel vor dem Erzbischofe in Halle, von welchem der Rat zu gütlicher Handlung gefordert ward. Die Reinigung des Stadtgrabens von Schilf und Rohr übemahm der Müller für 1 Rh. Gulden 22 Gr. jährlichen Lohn. Von Dr. Johannes v. Pak, herzoglichem Rate, welcher in diesem Jahre starb, kamen an hiesige Kirchen 4 Rh. Gulden Vermächtnis. Auch stiftete er das Lehn St. Anna, welches im folgenden Jahre durch Vertrag mit dem Rate zustande kam. Zum ersten Male kommt bei Ablegung der Kämmerei Rechnung ein R a t s - essen vor, welches die jedesmalige Bürgenneisterin besorgte und dafür 2 neue Schocke in die Küche erhielt. Auch hielt der Rat in der Nähe der Schenkstube eine Peilickentafel und gab bei Hochzeiten den Ratsmitgliedern und ihren Angehörigen in der Regel ein Viertel Torgauer Bieres zum Geschenk. Die Glockenzieher belauteten in diesem Jahre 23 Donnerwetter und erhielten dafür 19 Gr. 3 Heller.

1511

Der herzogliche Rat Dr. Johann v. Pack (Bruder des Hauptmannes Heinrich v. Pack und Vater des Otto, Philippus und Johann) stiftete, wie im vorigen Jahre schon bemerkt durch Zuschlagung von Erbzinsen und Lehen der Dörfer Zwebendorf, Droyssig, Reisen, Siedersdorf, Schwaetz, Golm, Pfaffendorf, Reinsdorf u. a. den Altar der heiligen Anna in hiesiger Stadtkirche und kaufte zu künftiger Wohnung des Altaristen von den Erben des vormaligen Bürgenneisters Heinrich Wolfram eine wüste Hausstelle am Mühlwege, zu welcher jedoch der Wolfram eine zweite anstoßende Wüstung nur benutzt hatte, die der Rat, alsman den Bau beginnen wollte, nicht folgen ließ. Die Packe beschwerten sich hierüber bei dem Herzoge, die Sache aber ward dahin vermittelt, daß die Packe noch 10 Gulden für die zweite Wüstung an den Rat zahlten und dieser nun den ganzenRaum aller städtischen Lasten frei überließ,nurdie Gerichte, oberst und unterst sich vorbehielt. Die Übereignungsurkunde ist vom 10. März d.J. ausgestellt und sind darin die gewöhnlichen Abgaben, von denen man die Besitzung freiließ, Tribut, Renten, Zinsen, Steuern, Heerfahrt. Schoß, Wache, namentlich aufgeführt. Der erste Vikar des Altares war der Pfarrer in Doebernitz Andreas Foerster, und bewohnte das neue Haus des Lehns. Der Rat hatte diesem Lehen von einem geborgten Kapital an 20 neuen Schocken jährlich 1 neues Schock zu zinsen, die jährlich von den Dörfern zu hebenden Erbzinsen aber betrugen 20 Rh. Gulden, und kam das Gesamtvermögen des Altares 1561 nach dem Tode des letztbelehnten Altaristen, des Domherren Herman Hammer in Wunen, an den Gotteskasten hiesiger Stadt, dem es von den Revisoren 1539 zugeschrieben war. Das Haus des Lehns, jetzt Nr. 221 des letzten Viertels. ward 1562 an den Bürger Elias Treintzsch für 300 Gulden von den Kirchenvorstehern verkauft, ungeachtet es von einem Sturme sehr beschädigt war. Der Herzog Johannes zu Sachsen übernachtete hier auf seiner Reise zu dem Erzbischofe zu Magdeburg und verehrte der Rat ein Viertel Torgauer Bieres. Die Rittergutsbesitzer beschwerten sich von neuem über die Bierausfälle der Stadt, der Herzog gab aber zu Aufrechterhaltung des Privilegium der Stadt dem Amtmanne strengen Befehl. Der Gleitsmann stach den Altaristen des Altars Trinitatis, Martin Moller, in den Arm, woran er starb und ward deshalb die Stadt mit Interdict belegt. Die Vorsteherder Brüderschaft des heiligen wahren Leichnams, Bastian Sander und Glorius Lenz borgten vom Hospitale 11 neue Schocke 20 Gr. zu einer Tafel (Bilderaufsatz) zu der Ehre Gottes auf den Altardes heiligen wahren Leichnams allhier in der Pfarrkirche. Der Rat kaufte Stephan Wunschels Haus am Markte für 40 neue Schocke und verkaufte es um denselben Preis an Anton Fleischer, sonst Hüter genannt. Die Prozeßkosten, die er dem Rate zu erstatten hatte, betrugen 4 neue Schocke und gingen an der Kaufsumme ab. Der Gleitsmann aus Leipzig hatte hier Untersuchung mit Bettlern und Dirnen, die man auf Gesuch des Amtmannes daselbst hier gefänglich eingezogen hatte. Die ausländischen, geringhaltigen Münzen wurden im Kurfürsten- und Herzogtum verboten, die im Umlaufe abereingewechselt. DerHauptwechsel fürhiesige Stadt war Leipzig und brachte der Rat die hier eingewechselten Münzen dahin. Bei des Ratsherren Peter Koechener Begräbnisses gab man für 2 Gr. Semmeln. Der Altar Trinitatis ward dem Pfarrer in Lissa, Georg Böttcher, einem geborenen Delitzscher, vom Rate verliehen und der Official erlaubte ihm die Verwaltung bis auf des Rates Widerruf.

1512

Die Tuchmacher gaben vom Stück Tuche, das sie an den Rähmen des Rates schlugen, 8 Pfennige. Sander Kunz, ein Bürger auf dem Damme, verbüßte den Ehebruch mit 2 neuen Schocken. Die Edelleute verklagten die Bürger, welche bei den Schenken ihrer Gerichtsbarkeit nach fremden Biere suchten, der Amtmann erhielt aber fürstlichen Befehl, diese Klagen zurückzuweisen. So wurden auch die Städte Torgau, Eilenburg, Schmiedeberg und Dommitzsch, auf einem Vorbescheide in Naumburg vor des Kurfürsten und des Herzogs Räten, mit ihrer Beschwerde, daß Delitzsch ihr Bier innerhalb der Meile um Delitzsch verbieten wolle, nach gehörter Verteidigung des Rates zur Ruhe gewiesen. Das Mühlgerinne ward zur Sicherung der Fische mit einem eisernen Gitter verwahrt. Am 15. Juni folgten die Bürger zu Pferde und Fuß dem hiesigen Hauptmanne Hans v. Dieskau gegen die Feinde des Bischofs von Merseburg, Wilhelm Rider und andere, welche die Untertanen des Bischofs beschädigt hatten. Die zu Fuß wurden auf Wagen gefahren und nahmen dem Feinde 11 Pferde und 8 Mann im Harnisch. Die Harnische verkaufte man für 15'/2 neue Schocke und nahm das Geld 1514 zu der Steuer, die Panzerhemden oder Schürzen behielt man zum Andenken und noch befindet sich eine derselben im Ratsarchiv. Bei ihrer Rückkunft gab man ihnen zur Ergötzlichkeit ein Faß Delitzscher Bier. Das baufällig gewordene Frauenhaus (Bordell) schon im 14. Jh. da und neben der Terminei der Leipziger Dominikaner in der Holzgasse gelegen, ward auf dieser wiederholtes Bitten nicht auf der alten, sondern auf einer von dem Besitzer der Baderei, Ambrosius Wirth, für 3 1/2 neue Schocke erkauften Stelle, in der Badergasse wiedererbaut, wo es erst 1529 ein Ende fand und abgebrochen ward. Der Rat erhielt früher zu dessen Baulichkeiten von der Wirtin eine Abgabe, in der Regel wöchentlich 2 Gr. und gestattete zwar den Frauen Zugang in den Häusern, bestrafte aber mit 3 Schillingen den, welcher sie nach Glockenzeit bei sich behielt. Der Name Frauenhaus war der neuere, sonst kommt es auch in Urkunden und Rechnungen unter dem Namen: Claustrum, Novum Claustrum, Prostibulum, Domus meretricum, Kloster, neues Kloster, Hurhaus, Freihaus, Muhmenhaus ... vor. Das freie Leben der fürstlichen Diener bei oft mehrwöchentlicher Anwesenheit der Herrschaften war vielleicht Ursache, daß man der Unschicklichkeit einer Einrichtung so roher Zeit Nachsicht gab. Der Kurfürst Joachim zu Brandenburg legte in Frankfurt an der Oder eine Warenniederlage. Stapel, an und hielt in der Absicht, den Ort als Messestadt auf Kosten Leipzigs zu heben, die nach Leipzig handelnden Kaufleute mit ihren Waren an. Er gab vor, daß er das von einigen Königen in Böhmen, ja Kaisern, bestätigte Marktrecht der Stadt Breslau durch Vergleich mit dieser Stadt an sich gebracht habe, was aber niemand glaubte, auch nicht zu erweisen war. Der Herzog Georg bat daher erst um gütliche Abstellung und drohte, als diese nicht fruchtete mit der Reichsacht, worauf die Sache unterblieb. Hierauf bezieht sich des Herzogs schriftliche Aufforderung an hiesigen Rat vom 12. August, über die Straße durch Schlesien nach Delitzsch sofort bei den Altsassen Erkundigung einzuziehen und durch den Überbringer der Zuschrift oder förderlichst an die Kanzlei zu berichten. Auch mag ein gedruckter Befehl des Herzogs vom 4. September eine allgemeine Bereitschaft zu möglichem Kampfe und die Anordnung einer Prozession zu Erhaltung des Friedens enthaltend, damit in Verbindung stehen. Bezüglich auf diesen Befehl kaufte der Rat Büchsen, Pulver und Blei, die Schützen übten sich und erhielten eine neue Schießmauer, auch beschaffte man vorsorglich Roggen für 18 neue Schock. Der Kurfürst Friedrich, Herzog Johannes, dessen Bruder und Herzog Georg erließen gemeinschaftlich eine gedruckte Ordnung, Leipzig am 11. Oktober, welche den Obrigkeiten die strengste Aufsicht auf Verbrechen überhaupt, insbesondere aber Aufsuchung, Verfolgung und Bestrafung der Umschweifer, Landesbeschädiger, Befehder... zur Pflicht machte und mit harter Strafe, Leibes und Gutes, jeden, hohes und kleinen, geistlichen und weltlichen Standes bedrohete, den Übeltäter oder Mißhändler nicht ergriffe, verfolgte oder ihnen wohl gar Vorschub leiste und förderlich sei.

1513

Ein hiesiger Bürger Hasse zog die Witwe des vormaligen Bürgermeisters Wolfram mit Übergehung des Stadtgerichtes vor das geistliche Gericht und ward, weil er dadurch gegen seine Bürgerpflicht gehandelt hatte, mit Gefängnisstrafe belegt. Er beschwerte sich deshalb bei dem Officiale zu Leipzig und dieser belegte die Stadt mit Interdict. Wegen dieses Interdicts hatte man kostspielige Reisen nach Dresden und Halle und schickte der Herzog zu den Unterhandlungen vor dem Erzbischofe und zu des Rates Verteidigung den Ordinarius Dr. Johann Lindemann von Leipzig, auch von seinem Geburtsorte Eisleben dahin, welcher dann bewirkte, daß das Interdict, unter der Bedingung der Freigebung des Hasse am 23. April zurückgenommen ward. Der Stadtschreiber Heller, welcher in dieser Angelegenheit nach Dresden reisete, beschädigte sich daselbst durch einen Fall den Fuß so, daß er 14 Tage daselbst zubringen und mit dem Stadtwagen abgeholt werden mußte. Während seiner Abwesenheit und Abhaltung versah in wichtigen Amtsvorfällen auf Gesuch des Rates der Baccalaurius Caspar Bomer aus Leipzig, den Dienst. Die Schützen hatten einen silbernen Vogel an silberner Kette, welchen der, der den besten oder Königsschuß tat, bei dem Schützenessen als Auszeichnung trug. Dieser silberne, auch mit des Rates Wappen bezeichnete Vogel ward dem Vorsteher Valentin Kluge gestohlen, der Dieb auch in Dommitzsch ergriffen, da sich aber dieser der Sache nicht annahm, so tat es der Rat, führte den Prozeß gegen den Dieb, fuhr zur Hinrichtung selbacht mit sechs Pferden dahin, bestritt den Aufwand mit 3 neuen Schocken 48 Gr. - behielt aber zur Entschädigung den Vogel, welcher für 2 neue Schocke 2 Gr. verkauft und das Geld der Stadtkasse gegeben ward. Übrigens erhielten die Schützen vom Rate 30 Gr. zum Vogelschießen und jeden Sonntag ein Hosentuch für 7 ½ Gr. Zu Abzahlung alter Kapitale borgte der Rat 100 Rh. Gulden von den Vorstehern des heiligen Kreuzes. Wickischer Stiftung, 50 Rh. Gulden von den Vorstehern der Lesemesse und der Bruderschaft der Ackerknechte und 50 Rh. Gulden vom Altare Jacobi. Die Altaristen der beiden letzteren mußten für die Zinsen wöchentlich, einer um den anderen eine Seelmesse für das Geschlecht des Stifters Simon Rosenkranz oder Lange halten und fielen diese Kapitale nach der Reformation der Kirche zu. Otto Spiegel auf Neuhaus zerstörte die Grenzmale auf Benndorfer Mark und verglich man sich zwar mit ihm vor dem Oberhofgerichte, verklagte ihn aber von neuem, als er den Vergleich nicht hielt und verlangte von demselben Gerichte ein Urteil, nach welchem dem Gegner die Störung der Malhügel zwischen Paupitzscher und Benndorfer Mark bei einer ansehnlichen Pön untersagt ward. Der Redner (Advokat) des Rates, welcher die Sache im Oberhofgerichte vortrug, erhielt für seine Mühe 21 Gr., die Sporteln im Oberhofgericht betrugen 42 Gr. Das Urteil aber kostete 7 Gr. 3 Pfennig. Die Schüler führten das Spiel von den Heiligen drei Königen auf und bekamen zur Ergötzlichkeit 1/4 Bier. Der Herzog Johannes war hier mit dem Erzbischof von Magdeburg und beiden verehrte man Torgauisches Bier. Der Herzog holte seine Braut ein, Margarethen, des Fürsten Woldemar zu Anhalt Tochter, mit der er am 13. November in Torgau vermählt ward. Auch die fürstliche Famlilie von Anhalt übernachtete hier und erhielrvom Rate Verehrung. Die Witwe des Dr. Johannes v. Pak Brigitta, nahm auf das Hochzeitsfest ihrer Tochter, Sophie, welches in der Stadt gefeiert ward, vom Rate 4 Eimer Frankenwein. Der Herzog forderte in einem Ausschreiben am 20. Oktober die Stände zum 2. Dezember nach Leipzig und bewilligte man ihm den Zehnten Pfennig von allen geschenkten Getränken auf vier Jahre. Der Versuch des Rates diese Tranksteuer, zu Vermeidung der Eide, auf etwas Gewisses zu bringen, weshalb man zwei Male nach Dresden reiste, mißlang, doch bot der Herzog später die Annahme eines Äquivalents selbst an. Diese Steuer veranlaßte auch eine Erneuerung des Schenkgemäßes, welches nach dem Leipziger umgegossen ward. In Gertitz erhing sich der Nachbar Poetzsch, welchen der Henker abschnitt und begrub. Der Scheffel Samenroggen galt 2 Gr.

1514

Das Kloster des Petersberges hatte zinsbare Güter unter des Rates Gerichtsbarkeit. Der Probst zog die Besitzer dieser Güter wegen Zinsrückständen vor das geistliche Gericht und erschien nicht, als er von des Herzogs Räten zur Rechtsermittlung vorgeladen ward, wendete sich vielmehr beschwerend gegen dieses Verfahren an den päpstlichen Stuhl und bedrohte die Stadt mit Interdict. Hierauf gab der Papst Leo am 7. Oktober in einer Bulle zwar dem Thesaurarius, Canonicus Sebastian v. Plathe und dem Probste des Neuenwerkes in Halle Auftrag in der Sache zu entscheiden, verbot aber die Anwendung des Interdicts gegen die Stadt und deren Bürger ohne besonderen päpstlichen Auftrag. Die herzoglichen Statthalter wiesen aber die Einmischung des geistlichen Gerichts im Schreiben an den Probst des Petersbergischen Klosters zurück und behaupteten, die Entscheidung gehöre für das weltliche Gericht, wohin sie auch durch neue Vorladungen gezogen und da entschieden ward. Die Schützen hatten den Kranz erhalten, es ward daher ein großer Schieß oder Schützenhof angestellt und der Rat gab den fremden, dazu eingeladenen Schützen ein Faß Torgauisches Bier. Als bald nachher ein ähnlicher in Düben gehalten ward, fuhr der Rat die hiesigen Schützen dahin. Der hiesige Amtmann hatte sich bei den herzoglichen Statthaltern beklagt, daß das Maß, nach welchem die Untertanen Getreide lieferten, mit dem Amtsmaße nicht treffe, und er damit beim Verkaufe oder Überschickung des Getreides nicht bestehen könne, weshalb diese dem Rate Auftrag gaben, das im Amte vorrätige Getreide, durch zwei solches handelsverständige Bürger mit einem rechten Maße oder Scheffel messen und alles in ein gar ordentliches Verzeichnis bringen zu lassen, welches der Rat auch bewirken ließ. Auf dem (am) 12. April ausgeschriebenen und B. Mai abgehaltenen Landtage in Leipzig bewilligten die Stände zu dem Friesländischen Kriege, den der Herzog in diesem Jahre persönlich mit großem Aufwande führte, eine Hilfe - Steuer, Prälaten, Ritterschaft von 100 Gulden ihres Vermögens 2 Gulden, die Städte in Summe 24 000 Gulden. Sie mußten in zwei Terminen dieses Jahres entrichtet werden und kam ein Betrag von 720 Gulden auf hiesige Stadt. Der Rat lieferte nun den ersten Termin mit 360 Gulden richtig ab, die Ausbringung der zweiten Hälfte aber, welche man überdies noch vor dem Termine zu haben wünschte, fand bei den Bürgern Schwierigkeit, daher brachten die Statthalter die Aufnahme eines Darlehns in Vorschlag und gaben Zusicherung, daß es später von der Tranksteuer wieder abgelegt werden könne. Mit Mühe fand er Gläubiger und kaum war die Summe beschafft, als man auf die Einzahlung des Tranksteuer Zehenten drang und für ein gleichgroßes Bedürfnis künftigen Jahres unterm 10. Dezember auf den 2. Januar 1515 einen neuen Landtag ausschrieb. Der Gehalt der Ratsherren erhöhte sich wegen größerer Versäumnisse und wurde dem Bürgermeister zu 2 Schocken 1 Schock 20 Gr. jedem Mitgliede des Rates zu 1 Schocke ebensoviel zugelegt. Schwangere Mädchen, vorzüglich Mägde erhielten vom Rate durch den Frohn einen Schleier, den sie tragen und sich des Kranzes und anderer jungfraulichen Auszeichnungen enthalten mußten. Ein solcher Schleier kostete 4 Gr. und wird dieser Sitte noch einige Jahre gedacht in den Rechnungen, wo das Geld vereinnahmt und verausgabt ward. Die Fischerei in dem Stadtgraben gab in diesem Jahre 20 Schock Ertrag. Der Pfarrer und Commisarius Mr. Christoph de Hubitz (Haugwitz) starb. schenkte der Kirche 40 Gulden zu einer großen Memorie, die jährlich gehalten werden sollte und fand im Chore der Stadtkirche vor dem Predigerstuhle sein Grab, wo auf dem Decksteine sein Name mit wenigen bezeichnenden Worten noch sichtbar, das meiste aber vertreten ist. Ein neuer Hausmann kam von Merseburg. Die Kirche kaufte das Brauhaus des Hans Ogeler, hinter der Schule für 40 Gulden.

1515

Zu den 20 000 Gulden, welche die Städte auf dem Landtage in Leipzig am 2. Januar d. J. willigten, hatte Delitzsch 700 Gulden zu geben und zahlte sie in zwei Terminen Fastnachten und Ostern größtenteils mit Darlehen, die man auf Leibzinsen nahm. Jacob Reuter, des Rates laufender Knecht, ein Ehemann, ward in seinem Hause mit Jacob Ziegelstreichers Weibe nackend im Bette gefunden. Man nahm beide gefänglichanund ließ sie gebunden mit einem Strohwische zur Stadt ausleuchten, doch ohne Staupenschlag oder einiger Leib Pein, dazu aber schwören, die Stadt ewig zu meiden und sich am Rate und gemeiner Stadt nicht zu rächen. Christop Grasshof, der den Kämmerer Goetzschelwitz schmähte, ward mit 35 Gr. bestraft. Ambrosius Wirth verkaufte die Badstube, die alte Badstube genannt, in der Badergasse an Wolf Sturm und Barbara, dessen Eheweib. Bei Vortragung dieses Kaufes erschienen die Vorsteher des Gotteshauses St. Peters und Pauls und bewiesen, daß die Kirche von dieser Badstube jährlich 1 silbernes Schock erbliche Zinsen, auch 2 alte Schocke oder 40 silberne Gr. und ein Seelbad jährlich wiederkaufsweise zu fordern und auf dieser Besitzung stehen habe, zu welcher jährlichen Zinszahlung und Leistung sich denn auch die Käufer verbindlich erklärten. Mehrere starben an einer gefährlichen Krankheit und unter anderen auch die Notare Heinrich Beyer und Peter Hartmann, von denen ein kleines Vermächtnis an die Kirche kam. Kirchhof und Leichhaus wurden vom Weihbischofe reconciliieret. Der Stadtgraben vom Hallischen Tore bis hinter die Brücke des krummen (breiten) Tores ward geräumt und hielt 12 Acker 43 Ruten.

1516

Andreas Schreiber von Pirna und seine Gesellen verwundeten auf Rubacher Mark einen Mann von Chemnitz, Franz, tödlich und gaben 4 neue Schocke Abtrag. Mit Martin Rapsilber, welcher das Haus am Markte (Nr. 168 des III. Viertels) angenommen hatte und wahrscheinlich aus Mutwillen oder Trotz einen Schweinestall an den Markt bauen wollte, gab es deshalb einen neuen Rechtshandel, den aber die herzoglichen Räte gegen ihn entschieden, wie denn zu gleicher Zeit vom Herzog jede Ungeschicklichkeit derart für die Zukunft streng untersagt ward. Eine Dirne, Luna genannt, aus Olbersdorf (Albrechtsdorf) bei Knauthain, Glorius Siner daselbst Tochter, welche ihr Kind heimlich umbrachte, ward vom Nachrichter in Leipzig lebendig begraben und kam ihr Rock an die Kirche. Auch fand man eine Frau tot in dem Stadtgraben und erhielt der Abdecker für Ablösung des Leibzeichens 5 Gr. Zu einem Schützenhofe in Meißen lud der Rat daselbst in einem Schreiben an den hiesigen sechs tüchtige Schützen. Auf herzoglichen Befehl vom 4. Juli mußten 10 Fußknechte der Sadt am 24. d. Monats in Salza eintreffen, von wo sie unter einen Hauptmann gestellt, nach Friesland zogen. Ihre Rüstung bestand aus einem Hinter- und Vorderteile, Haube und Armschienen, langen Spießen, und kostete dem Rate 8 Schocke. Bei ihrem Abschiede war eine singende Messe und dann eine Mahlzeit. In diesem und folgenden Jahre baute man mit dem Vorrat des Hospitals und mit freiwilligen Beiträgen des Rates, der Gemeinde, und der Umgegend statt der kleinen, veralteten Hospitalkapelle die noch jetzt stehende Hospitalkirche, zu welcher am 17. August, wie der eingemauerte Denkstein im Pfeiler neben der Eingangstür zeigt, der erste Stein gelegt ward. Die Vorsteher des Hospitales Joachim Pretzsch und Andreas Schroeter gaben bei Legung dieses Steines den Gewerken 1 Faß Torgauisches Bier. Der Pfarrer und Commisarius Mr. Wilhelm Pathyner berichtete an die höhere geistliche Behörde, daß sich das Bild der heiligen A n n a (Mutter der Maria), welches auf dem Platze vor der Marienkirche in einem Gehäuse stand, wundersam bewegt habe und trug darauf an, daß an derselben Stätte eine Kapelle zu ihrer Ehre erbaut werde. Der Rat aber, welcher wünschte, daß statt dieser Kapelle die baufällig gewordene Marienkirche hergestellt werden möchte, wußte durch den herzoglichen Kanzler Dr. Johannes Kochel so an den Herzog zu bringen, daß er das Bild der heiligen Anna mit sonderlicher Ehrerbietung in die Marienkirche zu tragen befahl und verordnete, daß wenn jemand in dieses Bildes Namen etwas zu bauen dächte, dieses an dem nun angewiesenen Standorte des Bildes geschehe, was denn auch bei dem vorhabenden Neubaue der Kirche erfolgt und dem Chore der Name: Kapelle der heiligen Anna gegebenward. Ein Schüler hiesiger Stadt, aus Leisnig gebürtig, ward auf Gesuch des Leisniger Rates, weil er an einem Priestermorde teilgenommen haben sollte, gefänglich eingezogen und sollte gemartert werden - er war aber unschuldig und kam los. Die Leisniger versprachen zwar den Rat wegen des Aufwandes schadlos zu halten, zahlten aber nichts und man erließ ihnen die Schuld. Auf dem Landtage in Leipzig verwilligte man den Zehnten vom Getränke wieder auf acht Jahre. Der Scheffel Roggen galt 3 Gr.

1517

Der Pfarrer und Kapellan, welche das Bild der heiligen Anna in die Marienkirche trugen, erhielten vom Rate acht Kannen Wein Verehrung. Heinrich Krause im Rosentale verbüßte den Ehebruch mit 2'/, Schock und eine Frau, welche ein zinnernes Kännchen stahl, ward nach fünfwöchentlichem Gefängnis verwiesen. Die zweite Glocke der Kirche, jetzt Seigerschelle, wurde im vorigen Jahre in Halle mit einem Zusatze von Metall umgegossen, in diesem Jahre vom Weihbischof getauft und aufgezogen. Der Aufwand betrug 44 Schock 14 Gr. 6 Pfg. Der Meister empfing 9 Schock 27 Gr., der Bischof für die Weihung 4 Schocke. Die Kirchenvorsteher gaben ein Mahl, baten Gevattern und erhielten 8 Schocke 25 Gr. 3 Pfg. Patengeld. Ihr Guß ist gelungen und hält sie, was darauf bemerkt ist, 47 Zentner an Gewicht. Es war anhaltende Dürre und das Landvolk, welches in einer Betfahrt mit Kreuzen hierher kam, ward mit Bier vergnügt, vom Landesherren aber wegen steigender Teuerung die Ausfuhr des Getreides streng untersagt. Der Rat, welcher die von Jahr zu Jahr sich mehrenden Abgaben aus der öffentlichen Kasse nicht mehr bestreiten konnte und die Bürger in Anspruch nahm, ward von diesen wegen vermuteten Unordnungen verklagt, es kamen zur Untersuchung herzogliche Räte, in deren Gegenwart derRat die Kämmereirechnung ablegte und vollständig gerechtfertigt ward. Aufwiegler und Wortführer war der Bürger Hans Lippen, den auch der Amtmann gefänglich halten ließ. Auf gedrucktem Befehl des Herzogs, daß das Land von Mordbrennern bedroht sei und man deshalb möglichste Aufsicht haben, die Verdächtigen einziehen und bestrafen solle, wurden die Tore stark besetzt. Auf einer Wiese bei der Stadt fand man ein Kind, welches der Rat einer Frau in Gertitz zu erziehen gab. Ein neuer Hausmann von Jessen.

1518

Der Herzog nahm ein Darlehen, 500 Rh. Gulden, den Gulden zu 21 Gr. meißnisch gerechnet, zu 6 vom Hundert Verzinsung, von dem Nonnenkloster in Brehna und mußte der hiesige Rat sich durch Mitversiegelung durch Schuldverschreibung für Kapitel und Zinsen verbürgen. Auch verbürgte sich der Rat für 100 Rh. Gulden, die der hiesige Amtmann George v. Bendorf von demselben Kloster am 26. April lieh. Die a1te Frauenkirche ward mit Genehmigung des Erzbischofs abgebrochen und am 18. April zu der neuen mit der St.-Annen-Kapelle vereinigten, der erste Stein gelegt nach der Schrift über dem Marienbilde am Pfeiler neben dem Haupteingange der Kirche: Anno dni M CCCCC XVIII Sontag mia dni ist der erste stei gele it. Der Rat schenkte zum Anfange des Baues einen ganzen Brand Mauersteine seiner Ziegelscheune und die Vorsteher den Gewerken bei Legung des ersten Steines ein Faß Bier. Im Mai war hier ein Schützenhof mit Büchsen und Armbrüsten. Der Rat gab zum Preis, hohen Gewinne, zwei Ochsen, die er in Zerbst für 4 Schock 25 Gr. kaufen ließ und den fremden Schützen ein Faß Torgauisches Bier. Ein Bürger Stephan, aus Leipzig, hielt während der Schießzeit ein Glücksspiel um zinnerne Gefäße und gab für Erlaubnis und Bude 5 ½ Schock. Auch schenkte der Rat ein Faß Torgauisches Bier den Minoriten in Leipzig, als sie das gemeine Kapitel in ihrem Kloster hielten und ebensoviel dem Stadtschreiber Conrad Heller zu seiner Hochzeit. Otto Spiegel, Ritter und Besitzer von Neuhaus wollte die Pfarre in Benndorf, weil sie von ihm zu Lehn rühre, zu Paupitzsch schlagen und eine kleine Union machen, welchem der Rat widersprach. Man hatte deshalb einen Tag vor dem Erzbischof zu Halle, der dem Spiegel ungünstig war. Da er es nicht durchsetzen konnte, gab er vor, der Rat hätte zugesagt, die Pfarre in Benndorf zu bauen, brachte die Sache vor den Official, dem sie aber durch den Herzog abgefordert und durch diesen verglichen ward. Der Herzog verlangte abermals 1000 Gulden von der Stadt durch Vermittlung des Amtsmannes und stellte der Rat zwar vor, daß man wegen großer Verschuldung der Gemeindegüter auf neue Darlehen nicht rechnen könne, von der öffentlichen, nur noch den Namen tragenden Kasse so wenig, als von der durch Abgaben entkräfteten Bürgerschaft zu erwarten sei, beschaffte aber doch auf herzogliches Schreiben mit vieler Mühe das geforderte Geld. Auf die im Jahre 1513 und 1514 auszubringen gewesenen Hilfsgelder zum Friesländischen Kriege, der 1300 Gulden, war man, weil die Kämmereikasse erschöpft, 60 Gulden schuldig geblieben, diese wurden in einem Befehl vom 28. August nachgefordert und dabei ausgesprochen, daß dieses Hilfsgeld nicht von dem öffentlichen, sondern von dem Privatvermögen der Bürger zu erheben gewesen sei. Auf herzoglichen Befehl vom 26. September mußten 30 Bewaffnete mit Wagen von hier dem Landgrafen Philipp von Hessen gegen Franz von Sickingen zu Hilfe am 11. Oktober in Salza eintreffen und von da mit anderen weiterziehen. Der Rat ließ Brettchen machen, auf welchen man die Taxe des Fleisches verzeichnete. Die Stadtmauer von der Pfarre bis zu der Zwingerpforte hinter der Dr. Pakin, Doktorei, ward mit Bruchsteinen durch den Maurer Benedict aus Leipzig untermauert und mit 11 Pfeilern versehen.

1519

Die Güter der in diesem Jahre gestorbenen Witwe des Bürgermeisters Heinrich Wolfram waren dem Rate, der Kirche und dem Kalande verpfändet. Man verkaufte sie öffentlich und erhielt der Rat 11 Schock 30 Gr., die Wolfram vor 12 Jahren bei seinem Tode der Kämmereikasse schuldig blieb, zurück; die Kirche aber verkaufte die Hufe auf Rubach, welche ihr die Wolfram 1514 für 800 Gulden verpfändet und auf den Todesfall besäet oder unbesäet, wie man sie fände, verschrieben hatte, für 130 Gulden an Andreas Luppe und verwendete das Geld zu der neuen Orgel. Heinrich Krause im Rosental verbüßte den wiederholten Ehebruch mit 5 Schocken und Nicolaus Meiffert, auch ein Ehemann, den seine Magd wegen Schwängerung verklagte, ward, ob sie schon vor der Ausführung starb, weil er nicht schwören wollte, mit 2 Schocken bestraft. In Podelwitz nahm man dem Kretzschmar fremdes Bier weg, weshalb sich Wilhelm von Haugwitz, dem Podelwitz gehörte, bei dem Herzog beschwerte. Der Rat, welcher dem herzoglichen Befehle vorigen Jahres zufolge, die Hilfsgelder von der Bürgerschaft einziehen wollte, fand bei dieser großen Widerstand , Hans Lippert, ein Wortführer derselben, weigerte sich sogar des Schosses und ward ihm deshalb durch Öffnung der Türe die Hilfe getan. Man berichtet deshalb an den Herzog in Weißenfels. Der Bischof von Hildesheim, Johannes, ein Herzog von Lauenburg, überfiel in der Karwoche die Herzoge von Braunschweig, Erich den Älteren, Heinrich den Jüngeren und dessen Bruder, Wilhelm den Älteren, mit 1200 Pferden und 8000 Landsknechten und hauste, da diese nicht gerüstet waren, in den genommenen Städten fürchterlich. In Beziehung auf diesen Überfall und in Besorgnis, daß nach dem am 12. Januar d. J. erfolgten Tode des Kaisers Maximilian mehrere Unordnungen und Gewalttätigkeiten im Reiche um sich greifen möchten, bot der Herzog die gesamte Bürgerschaft zur Kriegsbereitschaft auf. Wenige Tage darauf erschien ein zweiter herzoglicher Befehl, nach welchem sich 25 Mann mit Büchsen, Spießen oder Hellebarden versehen, in Freyburg einfinden und mit den daselbst anwesenden Hauptleuten weiterziehen sollten. Diese 25 Mann, welche mit anderen dem Herzog Erich von Braunschweig zu Hilfe geschickt wurden, waren Söldner, die man in Leipzig anwarb und von hier mit Waffen versah. Sie entwichen aber in dem Braunschweigischen und kamen ohne Waffen zurück, daher man sie gefänglich annahm, an den Herzog berichtet und von diesem am 12. Juli den Bescheid erhielt: (sie gebührlich zu bestrafen). Zu gleicher Zeit kam ein anderes Schreiben des Herzogs vom 9. Juli, in welchem die Stadt, Bürger, Einwohner und Verwandte, zu Fuß zwei Teile mit Spießen, ein Teil mit Büchsen und guten starken Heerfahrtswagen, zur Bereitschaft (bei Tage und Nacht zu ziehen, unser Land und Leute, und euch selbst vor übriger Gewalt zu schützen) aufgeboten ward. Auf den Bericht aber wegen der von den Bürgern verweigerten Hilfsgelder erhielt der Rat eine Verordnung, durch den Amtmann, an den sie gerichtet war: daß ein jeder von einem Gebrau einen halben Gulden, aber die, so nicht brauen, einen halben Gulden von hundert Gulden Wert geben sollen. Dieser Befehl ward der Gemeine in Abwesenheit des Amtmannes durch den Gleitsmann Nicolaus Wagner vorgehalten und demgemäß von 152 Bieren, die man vom 10. August bis Ende des Jahres braute, 76 Gulden oder 26 Schock 36 Gr. erhoben. Die Stadt hatte Wetterschaden, auch starben viele an einer im Lande sich verbreitenden gefährlichen Krankheit, weshalb die Steuer nicht in Leipzig, sondern in Pegau abgeliefert ward. Der Hausmann, welcher wöchentlich 10 Gr. erhielt, starb und konnte man in zwölf Wochen keinen anderen erlangen, weil man den Lohn zu erhöhen nicht imstande war.

1520

Der Rat verkaufte das 1510 an sich gebrachte und zur Stadtschreiberwohnung bestimmte Termineihaus der Minoriten, welches dem nun verheirateten Stadtschreiber nicht räumlich genug, wohl auch zu abgelegen war, Nr. 108 der Badergasse an Hieronymus Weber für 8 Schock, 8 Gr. jährlichen Schoß und 2'/Wächtergeld. Der Chor der Frauenkirche ward unter Dach gebracht und die eine Seite derselben aufgeführt. Die Vorsteher nahmen dazu vom Rate 28 600 Mauersteine, der Rat erließ ihnen aber die Zahlung für 600 Stück, weil das Gotteshaus fast arm war. Die Edelleute in Delitzsch, Friedrich und Thilo von Schenkenberg, Christoph und Otto Schidingen von Schenkenberg (auf Woelkau), Wolf von Pak, der Jüngere auf Döbemitz und Otto von Pak daher, auch ein Jünger von Plaussig befehdeten die Bürger und beleidigten sie in und außer der Stadt mit Wort und Tat. Sie verfolgten und verwundeten nicht nur Erwachsene, sondern auch Schulknaben. Den Rektor der Schule jagten sie mit bloßer Wehr vom Rathause bis in die Schule, wo er sich nur durch schnelles Zuschlägen der Türe rettete. Namentlich mißhandelte Wolf von Pak den kranken Bürger Hans Nossig, der sich zu den Ärzten nach Leipzig fahren ließ, auf der Straße und hieb ihn, wiewohl sein Weib weinend für ihn bat und ihn deckte, mit der flachen Klinge so, daß er wenige Tage darauf in Leipzig starb. Auch schoß er viermal mit einer Handbüchse (Pistole) unter die, die in der Kreuzwoche mit Kreuzen nach Döbemitz zogen (eine Betfahrt hielten). Die Veranlassung zu diesen Unbesonnenheiten ist nicht klar. Thilo von Schenkenberg schützte eine Beleidigung seines Vaters vor; es war aber wohl Groll über die Begünstigung der Städte und immer mehr eingreifende Beschränkung der ritterlichen Freiheit, die leider in Zügellosigkeit ausgeartet war. Die Bürger hielten sich lange ruhig, endlich aber griffen sie zur Wehr und ward in einem Exzesse Friedrich von Schenkenberg, der dem Bürger Martin Rapsilber eine Wunde beigebracht hatte, von dem Bürger Peter Hüter gleichfalls verwundet und gefänglich genommen. Hierüber beschwerte er sich zwar bei dem Herzog, dieser nahm aber das Benehmen dieses Herren sehr mißfällig auf und ward die Sache durch Zuziehung mehrerer Amtleute und Stadträte zwar vertragen, des von Pak Knecht aber, welchereinen armen Schüler verwundet hatte, auf Befehl des Herzogs nach Rochlitz auf den Turm gebracht. Hans Beck zu dem Haine, der Vater des berühmten Orgelbauers Esaias Beck zu Halle und Halberstadt, baute im Sommer dieses Jahres die große und kleine Orgel der Stadtkirche und erhielt 230 Gulden an Arbeitslohn, die Gesamtausgabe betrug gegen 500 Gulden. Das größere Werk stand auf der Abendseite und hatte die Bälgekammer im Turme, das kleinere an der Mitternachtsseite, zu dessen Bälgen ein Verschlag unter dem Dache der Kreuzkapelle eingerichtet war. Blasius Poritzsch, ein unruhiger Bürger, der sich vom Rate gedrückt, und sein väterliches Vermögen durch nachlässige Verwaltung desselben verkümmert glaubte, und deshalb unbegründete Beschwerden und Prozesse führte, mit welchen er durchfliel, zog nach Kalbe und beredete den dasigen Amtmann Simon Hak, daß er von hiesigem Rate kein Recht erlangen könne, ihm Haus, Hof, Geld und Kühe wider alle Billigkeit vorenthalten würde, selbst gegen herzogliche Verordnungen, weshalb dieser für ihn sich verwendend hierher schrieb, um Antwort bat, zugleich aber auch, im Falle einer wirklichen Rechtsverweigerung bemerklich machte, wie er in seines gnädigen Herrn Gerichten die hiesigen Bürger ebenfalls im Rechte aufzuhalten verpflichtet sei. Ein gleich unruhiger Kopf, Lippen, der auch die Stadt mied, hielt sich auf dem Vorwerke Badrina auf und man bat schriftlich den Otto Spiegel auf Neuhaus, daß er ihn dort als einen der Stadt Oberünstigen nicht halten möchte. Der Jahrmarkt der Stadt, welcher bisher Sonntags nach Himmelfahrt Mariä gehalten worden war, wo man ihn wegen der Ernte weniger besuchte, ward auf Bitte von dem Herzoge auf den Sonntag nach Allerheiligen verlegt. Es war hier Gewohnheit, daß die Witwe, wenn sie wieder heiratete, ihren Mann mit allen ihren Gütern begaben ließ, starb sie dann bei Leben dieses Mannes, so hatten ihre Kinder erster Ehe kein Mutterteil. Diese Gewohnheit wurde durch herzogliche Verordnung vom 29. Oktober aufgehoben, und festgesetzt, daß den Kindern erster Ehe bei Wiederverehelichung der Witwe der dritte Teil ihres Vermögens zum Mutterteile nach ihrem Tode gegeben werden mußte. Auch soll nach dieser Verordnung Gerade und Heergeräte auswärts nur an die folgen, mit denen die Stadt in sonderlichen Verträgen steht. Der Licentiat Otto von Pak, ein Eingeborener, Sohn des Johann v. P., war mit seiner Gattin hier und erhielt den Ehrenwein. Durch Caesar Pflug ward festgesetzt, daß der Scharfrichter in Leipzig von den Städten jährlich einen gewissen Sold erhalten solle und gab ihm hiesige Stadt jährlich 48 Gr. Bei diesem herzoglichen Rate beschwerte man sich gegen den hiesigen Amtmann, welcher auf dem Steinwege vor dem hallischen Tore der Gerichtsbarkeit des Rates Eintrag tat, auch weigerte man sich gegen ihn, die Verschreibung des Herzogs von Adelloff von Hain über 2000 Gulden bürgschaftlich zu vollziehen. Eine herzogliche Verordnung untersagte den guten Montag der Handwerker und Lohn an heiligen Tagen ohne Arbeit. Maurern und Zimmerleuten wurde nur ein Lehrjunge erlaubt und dessen wöchentlicher Lohn auf 9 Gr. bestimmt. Der Official in Halle erlaubte sich von neuem, Bürger in weltlichen Händeln vor das geistliche Gericht zu ziehen, weshalb man sich an den Herzog und höhere geistliche Behörde zu wenden genötigt sah. Die Schützen schossen eine neue Karrenbüchse und zwanzig Hakenbüchsen an und erhielten ein Viertel Bier. Eine Dirne stahl aus der Bittafel der Frauenkirche 2 oder 3 Gr., ward gestäupt und verwiesen. Mit dem Paken und Spigeln hatte man Grenzberichtigung in der Spröde und warf einen Malgraben auf. Man braute 319 Biere und erhielt also nach 1/2 Gulden von jedem Gebräude, 55 Schocke 50 Gr. von den nichtbrauenden aber, welche von Hundert Gulden des Wertes ihrer Güter ebenfalls ½ Gulden zu geben hatten und zu 2555 Gulden geschätzt waren, vier Schocke 28 Gr. 3 Pfg. und von 17 Personen, die Hauptgeld geben mußten, zu 2 Gr., 34 Gr. nach herzoglicher Verordnung Kassenbeitrag. Aus der diesjährigen Fischerei löste man 18 Schocke 25 Gr. und besetzte den Stadtgraben wieder mit 30 Schocken Karpfen, die man von Caesar Pflug nahm. Wegen des Rückzuges der Kriegsleute, die unlängst zu Roß und Fuß nach Preußen gezogen waren, daß sie für Geld und ohne Geld notdürftig beköstigt, aber nur eine Nacht behalten werden sollten, erschien eine herzogliche Verordnung am 16. Dezember d. J. An der noch herrschenden bösartigen Krankheit starben der Bürgermeister Joachim Pretzsch und die Ratsherren Hans Nossig und Matthias Gotzlitz.

1521

Der Official zum Neuen Werke in Halle zog von neuem den Bürger Heinrich Riemer bei höchstem Banne in weltlichen Sachen vor das geistliche Gericht. Der Rat lehnte sich dagegen auf und berichtete an den Herzog, der aber bereits nach Worms zum Reichstage abgegangen war. Auf die Verhandlungen der herzoglichen Räte wollte der Off icial, vorgebend, daß man mit der Justizpflege säumig sei, den Bann nicht abstellen, es geschah aber sogleich, als der Herzog und Erzbischof vom Reichstage zurückgekommen war. Der Bürger Johann Rügezelt hatte den Kindern zum Spiele einen bleiernen Pfennig gemacht, welcher dessen kleiner Sohn ohne sein Vorwissen ausgegeben. Man reiste ungewiß, wie man die Sache behandeln sollte zu Caesar Pflug nach Pegau, Freiburg und hatte, von großem Gewässer aufgehalten, um ein geringfügiges Ding beschwerlichen Aufwand. Der im vorigen Jahre erwähnte Blasius Poritzsch verklagte nun, um nichts unversucht zu lassen, den Rat bei dem Freien Stuhle zu Wolkmers in Westphalen und der Freigraf erließ sogleich die schriftlichen Vorladungen. Dieser Handel war der beschwerlichste. Der Herzog, den man in Dresden persönlich anging, gab zwar sofort dem Probste zu St. Thomas in Leipzig Auftrag, in einer Johibitionsschrift den Rat mit Bezug auf die päpstlichen Privilegien abzufordern und dieser lieferte sie auch, die sichere Anbringung fand aber ungemeine Schwierigkeit. Man wußte, daß der Überbringer einer solchen Schrift in Wolkmers unwillkommen und gefährdet war. Der erste Bote, den man mit Mühe erhielt, übertrug daher vor Wolkmers, dessen harte Toruntersuchungen er fürchtete, die Übergabe einen Bürger dieser Stadt und kam, als dieser dem Pfarrer nicht heimisch, andere Geistliche zur Annahme nicht willig fand, unverrichteter Sache zurück. Erst dem Zweiten gelang es, als Geistlicher verkleidet, dem Pfarrer die Schrift zur Expedition beizubringen, worauf denn das weitere Verfahren eingestellt ward. Die Schützen hatten ihre Übungen bisher vor dem breiten Tore, links in der Vertiefung neben der Allee, wo jetzt ein Fahrweg nach den Scheunen am Hirtenhause führt und daselbst ein eigenes Schützenhaus. Es ward ihnen aber zu größerer Bequemlichkeit und Sicherheit der Raum zwischen dem Wachhause des Hallischen Tores und der Hospitalkirche angewiesen und jenes Haus im Sommer dieses Jahres hierher gebracht. Ein Mann, der im Kruge zu Zschernitz einen Totschlag verübt hatte, flüchtete in die Stadt und als man ihn greifen wollte, auf den Kirchhof. Hier hielt man ihn fest und berichtete an den Erzbischof. Statt des nicht mehr haltbaren Rathausturmes führte der Zimmermeister Jacob von Leipzig einen neuen auf. Er hatte 33 Ellen Höhe über dem Dache, sechs Windbrüche, gedeckt von Kupfer und Schiefer, eine eiserne Spille mit Wetterhahn, Kränzchen und sieben vergoldete Knöpfe. Der Rat war Patron des Altares der heiligen Katharina, es entstand daraus ein Gezänk zwischen Rat und Geistlichen. Durch Unvorsichtigkeit entstand in der Grünstraße Feuer, wodurch mehrere Hausbesitzer verunglückten. Nach Pfingsten war ein Schützenhof in Kemberg, wohin der Rat die hiesigen Schützen fahren ließ. ManließdenQuell des heiligen und Gertitzer Tonnen Brunnen (vielleicht auch Tonius-Antons-Brunnen) räumen und durch einen Röhrmeister untersuchen, ob er nicht durch Röhren in die Stadt zu leiten wäre, der aber beider Lage zu niedrig fand. Zu gleicher Zeit erneuerte man die verfallenen Gerichte , Galgen auf Gerltitz, Gertitz und Rubach und gab den Arbeitern außer reichlichem Lohne auch noch ein Viertel Bier. Die hiesigen Handwerker hatten sich der vorjährigen Verordnung des Herzogs wegen des blauen Montags und anderer Mißbräuche nicht gefügt, daher am 10. August d. J. ein wiederholter schriftlicher Befehl an den Rat mit dem drohenden Schlosse: "Und ist hirumb nochmals unser ernster Beger, Ir wollet unserm vhorigen Befehl nach, Nymants guthen Montag, noch die heyligen tage in der Woche zuuor lohnen, oder vorlohnet zu nhemen zu lassen, und sonst demselben gentzlich nachkommen, dan wo solchs von ymandts durch ewre Nachlessigkeit ader Zusehung vbergangen, So gedencken wir euch darumb ernstlich zu straffen, das ist vnsr gentzliche Meynunge." Aus dem Nachlasse der Witwe des Sebastian Sanders (1518) Catharina, empfing infolge ihres am 20. Januar d. J. errichteten Testamentes

1. die Stadtkirche alles zinneme Gefäß;
2. die Frauenkirche alles Silberwerk, die Ringe, eine rauche Mütze, das lederfarbne Chamlet, Koller, und 23 Rh. Gulden, welche die Vorsteher ihr schuldig hätten;
3. der Altar Trinitatis 100 Rh. Guden mit der Verfügung, daß der Altarist für die Zinsen freitags eine Messe halten solle;
4. 60 Rh. Gulden der Rat zu einer jährlichen großen Memorie. Diese 60 Rh. Gulden borgte der Rat lt. Schuldurkunde vom 2. Oktober 1521 und verzinset sie noch an die Kirche, an welche sie bei der Reformation überbringen.

Wegen der Unruhen im Reiche erschien am 18. September vom Schlosse Schellenberg aus ein neues Aufgebot der Bürgerschaft, sich mit Harnisch, Geschütz und anderem, das zum Kriege und Feldzuge not ist, gerüstet und zum Abzuge bereit zu halten. Der Krieg des Kaisets (Carl V.) mit Frankreich, der Einfall der Türken in Ungarn und die wiederaufgenommene Fehde des Bischofs in Hildesheim, der deshalb in Reichsacht fiel, war Anlaß dieses Aufgebotes. Am 22. Oktober erließ der Herzog die neue gedruckte Feuerordnung, die , für ihre Zeit vortrefflich, allen späteren zugrunde liegt. Sie enthielt das Beste, was die städtischen Willküren in dieser Beziehung boten und war daher ein dem Volke befreundetes Gesetz. Der vierte Abschnitt derselben wörtlich so lautend: "Intern so bald der glockenschlack geschieht, aber das geruckte gehort, sollen die, so in dem virtel, darinne das feuro auffkommen, gesessen, auch die Monche, Handtwergksgesellen, Zimmerleuthe, Tagelohner, Schuler, brawer, bader, freye Frawen, und alle mussige lewthe, mit exten, eymern, schussen. vassen, kannen, und andern zur where dinstlich, und keyner mit ledigen Henden, stracks zum fewer lauffen, und dasselbige getrewlich und fleyssiglich leschen und wehren helffen"; ist wegen Zusammenstellung verschiedenartiger Persönlichkeiten bemerkenswert. Infolge dieser Verordnung schafften der Rat 100 lederne Feuereimer zum Aufhängen im Rathause und Rollwagen zu Fortbringung der Leitern und Haken an. Der Rat mußte die ihm gekündigten Kapitale der Stiftung des Dr. Euderitzsch, in Leipzig und der Nonnen zu St. Georg in Glauche vor Halle, 980 Rh. Gulden in Summe zahlen (1475, 1487 und 1498) und borgte dazu 140 Rh. Gulden von dem Vicare des Altares Trinitatis, Georg Böttcher, aus der Stiftung der Witwe Sander; 60 Rh. Gulden von der Gesellschaft der neuen Brüder aus derselben Stiftung; 100 Rh. Gulden vom Vicare des Altares der heiligen Anna, Ulrich Stössel; 80 Rh. Gulden von den Vorstehern des heiligen Kreuzes in der Pfarrkirche; 100 Rh. Gulden von Hans Winter und 400 Rh. Gulden von Walpurgis, Joachim Pretzsch Witwe. Die ansteckende Krankheit voriger Jahre findet sich auch in diesem. Es starben unter anderem hier der Kämmerer Johann Kirchhof, George Küster und der Prediger Peter; in Leipzig aber ward deshalb, wie man hier bemerkte, das Oberhofgericht ausgesetzt.

1522

Seit dem Reichstage in Worrns (1521) war Lutherder Held des Tages. Sein Wort ging durch die Länder und fand, wie überall auch hier erfreulichen Anklang. Der Nimbus geistlicher Anmaßung erblich, die schriftmäßige Predigt erhob sich über den Meß- und Altardienst und das Volk bezeigte durch Zurückhaltung der Opfer und Stiftungen, daß die Zeit der Altäre, des unfreien, erwerbgünstigen Kultus vorüber sei. Dem Landesfürsten selbst war Luthers Streben, solange es ihm ein kecker Schulwitz, eine der Politik dienliche Pflanze schien, behaglich, erbitternd aber, als es ein mächtiger Baum die weltliche Aufsicht überstieg. Argwöhnisch gegen den gebeugten Adel und das belastete Volk bangte ihm um das Diadem. Regent und Reformator war nach seiner Ansicht eins. Er trat daher, den Geist der Bewegung verkennend, und zürnend auf der Geistlichen unwirksame Wissenschaft, gegen des Fürsten wägende und des Volkes Würde hebende Mönchlein zwar mit fürstlichen, der Zeit aber höchst mißlichen Waffen auf. Acht und Aberacht, Feuer und Schwert gegen Licht und Recht, welch ungleicher vergeblicher Kampf! Doch kämpfte er ihn beharrlich, kämpfte noch lebensmüde und verriet erst sterbend, wieviel er dem Luthertume gewonnen gab. Zuerst erschien nun gegen Luther ein gedruckter Befehl. Die Stadt mußte 25 Fußknechte für den Landgrafen von Hessen auf vier Wochen versolden. Der Amtmann in Zörbig George Anger besorgte die Ausgaben und ward, weil er nicht Rechnung legte, bei dem Herzog verklagt. Auf Verordnung des Herzogs gab die Stadt den auf dem Reichstage dem Kaiser verwilligten Beitrag zu dem Krönigszuge gegen Rom und Türkenkriege, nach der Quittung des herzoglichen Rentmeisters George von Widebach 94 Gulden oder 32 Schock 54 Gr. Thilo v. Schenkenberg bedrohte die Stadt von neuem (1520) mündlich und schriftlich, mußte aber von Cäsar Pflug bei Schuldbuße und höchstem Landrechte Ruhe geloben. Der Maurer Georg Weidemann aus Leipzig führte ein Stück Zwingermauer vom krummen (breiten) Tore an gegen Süden neu auf und deckte ringsum die alte. Auch ließ man den verschlämmten Graben um die Vorstadt, von der Wasserrinne hinter Hans Ruthards Scheune bis jenseits der Abdeckerei herstellen, den Wasserlauf, den die Vorfahren bei Ankaufung der Hausmühle für 150 Gulden an sich brachten, auch den Gertitzer oder Rubacher Bach von seiner ersten Quelle ab räumen und verwendete zum Besten der Stadtmühle viel Geld darauf. Zu gleicher Zeit wurden zwei neue Hecken, eine bei dem Kälberstalle (in der Kohlgase nach dem Graben zu), die andere zwischen dem Schloß- und Stadtgraben hinter der Pfarre angelegt. Zwei Auswärtige gaben für die Erlaubnis des Spieles: Schwarz und weiß am Ablasse Petri Pauli 35 Gr. Thomas Mildecke und Nicolaus Moller aus Ilmenau, die an diesem Jahrmarkte mit falschen Karten spielten, kamen in Haft und Untersuchung. Die Leipziger Schöppen erkannten auf Staupenschlag und Landesverweisung, die Magdeburger, daß man sie nach Diebsrechte strafen sollte. Der Herzog entschied erst für das Magdeburger, später fürdas Leipziger Urteil und dieses wurde an ihnen auch vollstreckt. Dienstags nach Petri Pauli mordeten Caspar Bank aus Leipzig und Blasius Zeller aus Halle, Balthasar Hüfnern, wurden in Emsdorf ergriffen und auf Geständnis in peinlicher Frage mit dem Schwerte hingerichtet. Das Urteil, welches ihnen peinliche Fragen zuerkannte, kostete 21, das zweite Todesurteil 42 Gr. In dem Hause des Peter Kluge kam Feuer auf des nachts, ward aber durch die Nachbarn und Nachtwächter sogleich gelöscht. Zu dem Bauaufwande dieses Sommers nahm der Rat von Johann Kaufmann, Domherrn und Besitzer der Präbende Sancti Laurentii in der Stiftkirche zu Wurzen ein Darlehn von 100 Rh. Gulden in Golde und der Herzog gab mit der Bedingung, daß es binnen dreien Jahren zurückgezahlt werde, seine Bewilligung. Der Schulmeister (Rektor) Baccalaurius Johann Zimmerer aus Pirna gebürtig, predigte zur Schule heraus, ward auf herzoglichen Befehl gefänglich eingezogen, kam aber nach drei Wochen auf Bürgschaft los und blieb im Amte, weil man seine Entschuldigung, es sei eine Ermahnung an die weggehenden Schüler gewesen, gelten ließ. Des Herzogs Verordnung den 9. April an den Rat, Aufsicht zu haben, daß jeder in der heiligen Zeit (Karwoche) nach Gebot der heiligen christlichen Kirche Beichte und das Abendmahl nehme - bei Strafe, kam nicht zeitig genug. Am Viehtore fand man ein weggesetztes Kind, welches der Rat erziehen ließ. Der Garten im Rosenthale, früher die Schademühle mit 5 Gr. Lehngeld kam von Christoph Poppe an Paul Ausbund und ein neuer Hausmann von Döbeln. In des Rats Keller verschenkte man 81 Faß Torgauisches und 6 Faß Freibergsches Bier, die Stadt aber braute 309 ganze Biere und betrug die Abgabe davon an die Commun, nach 1 ½ Gulden vom Gebräude 54 Schock 4 1/, Gr. Das Vermögen der Nichtbrauenden ward zu 1700 Gulden abgeschätzt und brachte, nach 1/, Gulden vom Hundert mit 38 Gr. Hauptgeld von 19 Personen 3 Schock 36 Gr. 4 Pfg. 1 Heller. Der Scheffel Roggen galt 3 ½ Gr. Die Besorgung der Kirchenuhr, bisher Sache des Küsters, übertrug man dem Schlösser (Kleinschmiedte) und schaffte zwei neue Peilickentafeln an. Aus dem Rate starben Ambrosius Werdt, Ratsherr seit 1495 und Andreas Schröter, seit 1509. Dieser, ein wohlhabender Besitzer des Eckhauses am Markte (Nr. 164) stiftete 50 Gulden für geistliche Zwecke.

1523

Der Bau an der Frauenkirche, längere Zeit wegen mangels an Geldvorrat unterbrochen, ward fortgesetzt. Die Vorstehernahmen 15 000 Stück Ziegel vom Rate und dieser erließ ihnen den vierten Teil ihres Wertes. Der Zimmermeister von Leipzig, welchen man den Graben um die Vorstadt, in der Meinung eine Mühle daselbst anzulegen, besichtigen ließ, stimmte zwar dafür, der Bau unterblieb aber, weil er für den Nutzen zu kostspielig schien. Durch häufige Regengüsse verdarben die Wege, daher denn der Rat die zu einem Schützenhofe geladenen Schützen nach Pegau fahren ließ. Den gereinigten Graben um die Vorstadt besetzte man mit Fischen und brachte deshalb die beiden hinter der Frauenkirche liegenden lang nicht benutzten und durch das Eindringen des Viehes zu Pfützen gewordenen Hälter wieder in tauglichen Stand. Beide wurden geräumt und mit Hecken gegen das Vieh gesichert, auch legte man am Ausfluß des ehemaligen Mühlgrabens der Hausmühle in den Lober (des kleinen am Gerberplane liegenden Wasserlaufs), damit die Tränke am Viehtore nicht Mangel an Wasser leide, im Sommer trockner Jahre zur Stauung einen Damm. Der Kaiser verlangte zu Fortsetzung des Türkenkrieges eine neue Türkensteuer. Die Stände versammelten sich deshalb in Leipzig, bewilligten sie aber nur für den Fall, daß sie sämtliche Reichsstädte treffe und gleichmäßig verteilt sei. Der Amtmann Hans v. Pak machte als Besitzer des Rittergutes Laue Ansprüche auf drei Höfe des verwüsteten, der Commun gehörigen Dorfes Gerltitz und einige Hufen der Gerltitzer Mark drei Hufen, jegliche mit 3 Feldern und in jedem Feld 8 ½ Acker. Er hatte daher schon im vorigen Jahre geschnittenen Hafer des Rates einbringen lassen und es entstand ein weit aussehender Rechtsstreit, der aber durch das Oberhofgericht in Altenburg, Cäsar Pflug und Wolf v. Weissenbach durch Rezeß vom 9. Juni verglichen ward. Jetzt (im 19. Jh.) befinden sich von den damals abgetragenen Ackern nur noch neun bei dem Rittergut Laue, die übrigen sind an mehrere vererbt. Nach dem Laueschen Steuerkataster vom Jahre 1777, in welchem diese drei Hufen und ihre Besitzer genau angegeben sind, betragen sie 66 Acker, also nur 1 1/Z Acker weniger, als damals zugemessen worden ist. Der jungen Frau des Amtmannes Hans v. Pak schenkte der Rat einen silbernen Becher und dem Rector Zimmeler, welcher des Bürgermeisters George Treu Tochter heiratete, ein Faß Torgauisches Bier. Auf dem Rathause wurden neue Stände für die Tuchmacher angelegt und für die Waage neue Zentnergewichte angeschafft. Sie bestanden aus kupfernen, mit Blei gefüllten Hülsen und wog jede Hülse 26 Pfund. Von der diesjährigen Fischerei hatte die Commun 15 1/2 Schock und von 329 gebrauten Bieren 57 Schock 34 Gr. 6 Pfg.

1524

Tietz v. Scheydingen auf Schenkenberg, welcher mit anderen Edelleuten frü- her schon Unfug in der Stadt getrieben hatte, kam am Abend des Neuen Jahrestages, wo er von neuem im Stadtgebiete frevelte, den Schäfer in Döbemitz, den Bürger Ambrosius Schmidt und des Rates Diener schlug und verwundete, in des Rates Haft. Die Sache ward jedoch tags darauf durch den Amtmann Hans v. Pak in der Maße, daß der von Scheydingen zum Dienste des Rates, wenn er es verlange 14 Tage lang einen ziemlich gerüsteten reisige Knecht auf seine Gefahr stelle und des Gefängnisses wegen schriftlichen Urpheden leisten, gütlich verglichen und ein Rezeß darüber ausgestellt. Auf die Beschwerdeschrift des Pfarrers, Baccalarius Hermann Hammer, daß die gesetzten Opfertage, Gestifte und Almosen zum Gottesdienste wie vor Alters nicht mehr gehalten würden, er folglich zwei Kapellane, einen Prediger und den Schulmeister mit Kost nicht mehr versehen könne, befahl der Herzog unterm 14. Januar dem Rate, da er an sich schon zur Unterhaltung der Geistlichkeit verpflichtet sei, zu veranstalten, daß ihm das Gebührliche auch an Opfer, dazu man verbunden, gereicht und gehalten werden. Der Landgraf Philipp zu Hessen führte die mit ihm 1523 vermählte Tochterdes Herzogs Georg, Christine am 23. Januar in seine Heimat und der Rat stellte auf fünf Wochen vier Pferde zu dem folgenden Gerät. Der Graben um die Vorstadt ward an den Stellen, die das Wasser beschädigt hatte mit Pfählen und eichenen Pfosten befestigt, der Schutz hinter der Abdeckerei verändert, ein neues Flutbette gemacht und das Gerinne hinter Ruthardts Scheune (die erste am Stadtgraben bei dem Gerberplane) erneuert. Die Schützen erhielten neue Schießwände zum kurzen und weiten Ziel. Der Vikar des Altares St. Annä, Ulrich Stößel, welcher am 30. Mai d. J. starb, beschied in seinem Testamente unter anderen der Frauenkirche 100 Rh. Gulden, die er auf dem Rathause stehen hatte zu Fortsetzung des Baues, der Stadtkirche 20 Gr., seine Bücher, Kannen und Schüsseln und 88 Gulden. In Naumburg war ein Schützenhof und kurz darauf ein gleicher in Wittenberg, zu welchen der Rat hiesigen Schützen ein Reisegeld gab. Die Schwester des Hauptmannes Hans v. Pak, Anna und Otto Spiegel zum Neuenhause hielten hier Hochzeit und weil dabei viel Edelleute waren, verstärkte man die Wachen, verehrte aber jener eine Kufe, diesem ein Faß Torgauisches Bier. Mit 10 ½ Gr. bestrafte man das verbotene Würfelspiel. 14 Bürger im Harnisch bewachten am Jahrmarkte Petri Pauli (im Ablaße) die Tore . Die Diener des Rates, bisher grau und braun gekleidet, erhielten leberfarbenes Gewand, welches noch Anfang des 18. Jahrh. ihre Abzeichnung war. Von 330 in diesem Jahre gebrauten Bieren bezog die Gemeindekasse 57 Schock und 45 Gr. Eine Elle Leinwand galt 7 ½ Pfg., ein Ries Papier 17 ½ Gr. An die Stelle des abgegangenen Schulmeisters, Rectors Johann Zimmler, kam der Baccalaurius Petrus Walter, ein Voigtländer. Ein harter Winter, der noch im späten Mai Teiche und Flüsse mit Eis bedeckte, verursachte eine Mißernte und das Getreide überstieg den doppelten Wert.

1525

Es war Teuerung und verkaufte der Rat aus seinen Vorräten den Scheffel Roggen an Einheimische für 6, an Fremde für 7 und 7 ½ Gr. Die Stadt Jeßnitz im Anhaltischen hatte ein großes Brandunglück. Sie verlor nach der Anzeige des Rates daselbst, vom dritten Osterfeiertage d. J. all ihr Geld und Gut und erhielt von hier auf ihr Bittschreiben eine ansehnliche Steuer. Die Spiegel auf Neuhaus trugen beim Rate an, daß er statt der ihm zustehenden Zinsen von der Mühle in Benndorf andere von ihnen nehmen und in die Verlegung der Benndorfer Pfarre nach Paupitzsch seine Einwilligung geben möchte. er wies aber beides zurück, das letztere darum, weil die Pfarrer in Benndorf mit Zinsen und Einkommen zu Versorgung eines Pfarrers, der die Leute alle Sonntage und heiligen Tage nach christlicher Ordnung mit Amt versehe, genugsam begabt, darüber auch neulich erst durch den verordneten geistlichen Richter zum Neuenwerke vor Halle rechtlich entschieden worden sei. Der Herzog übernachtete hier auf seiner Reise nach Dessau und die Stadt verehrte dem Gefolge zwei Küfen Torgauisches Bier. Die Tore waren bei seiner Anwesenheit mit bewaffneten Bürgern besetzt. Am 5. Mai starb der Kurfürst, Friedrich (der Weise), in Lochau noch nicht 63 Jahre alt und ward in der Schloßkirche zu Wittenberg am hohen Altare beigesetzt. Auch hier feierte man auf Veranlassung sein Gedächtnis. Zu dem Bauernkriege in Thüringen und am Harz mußte die Stadt 25 Fußknechte einen Monat lang mit 100 Gulden lohnen, stellte aber aus der Stadt keine Mannschaft. Die Heerfahrt fand im Mai statt und hat der damalige Stadtschreiber folgendes darüber angemerkt: "Herfartgelt vnserm gn. Herrn Herczogen Georgen zeu Schüssen ... zcu dem Zeuge so sein F. G. wider die vffgestanden vorsammelten Bawern, die ein pfaffe Munczer vnd ein monch pfeiffer gnant als ire obersten beweget hatten awffzcusthen, that, wen sie sein Gn. in das lant zcu Doringen das zcu irobern zogen, die sein Gn. darnider legete, und der bey 6 ½ Thawßent vor franckehawsen irschluch(erschlug), auch die stete Molhowßen und Franckenhawßen die ynen hulffe und vorschobe gethan zcu abetrag und gehorsam brachte und die selbigen beide ire obersten den pfaffen und möchh fing und vor Molhawßen (Mühlhausen) entheupten liß, und gaben nachfolgende summa seiner F.G. zcu vorerunge darmit vns sein F. G. des selbigen Zcuges vorschonte und heime ließ nemlich hundert gulden macht an muncze XXXV schoch." Der Jahrmarkt Petri Pauli war so besucht, daß die Schenkkrüge und Kannen für die Biertrinker nicht ausreichten, sondern töpferne Gefäße vom Markte gebraucht werden mußten. Da man in den Sommermonaten nicht braute, so hatte man für diese Zeit Winterbiere in vielen Kellern vorrätig, man fand sie aber am Schluß des Marktes sämtlich ausgeschenkt. Die Irrung zwischen dem Rat und Amt wegen der Gerichtsbarkeit auf dem Damme und in drei Häusern der Vorstadt, welche im vorigen Jahre hoher Entscheidung vorgetragen wurden, verglich in diesem der Amtmann in Leipzig, Andreas Pflug in der Maße, daß der Rat der Gerichte auf dem Damme vom Hallischen Tore an bis an die hölzerne Brücke, das Amt aber über die drei Höfe in der Neustadt haben solle, welchen Vergleich denn auch der Herzog in (einer) Urkunde bestätigte. Eigentlich hatte das Amt von diesen drei Höfen, welche der von Crostewitz dem Amte abgetreten hatte nur die Lehn, die Ämter aber erweiterten gern ihre Gerechtigkeit. Zur Bezeichnung der ihm auf dem Damme zugestandenen Gerichtsbarkeit setzte der Rat zwei Sandsteine, einen rechts am Ausgang der Hospitalbrücke den anderen links am Anfange der damals hölzernen jetzt steinernen Brücke (später die Mansfeldische genannt), welche er in Halle für 2 Schock fertigen und mit des Rates Secret und der Jahreszahl 1525 bezeichnen ließ. Beide Steine bestehen noch (1852) und galten bis in die neueste Zeit als die Scheidung amtlicher und städtischer Gerichtsbarkeit. Der hier gefänglich gehaltene Glorius Fleischer war auch des Kardinals und Erzbischofs zu Magdeburg Rat Adolph vom Hain und dessen Mutter Geld schuldig (150 Gulden für Wolle) und der Kardinal, welchem man vorgestellt haben mochte, daß der Rat gegen den Schuldner nachsichtig sei, wendete sich deshalb schriftlich an den Herzog. (Dessen) Schrift kam zwar hier an, der Rat konnte aber, weil der Schuldner zwar nicht güterlos, die Zahl der Gläubiger aber (meistens Edelleute) übergroß, bei dem besten Willen den Anforderungen nicht genügen und es kam ihm gewiß sehr gelegen, daß der Gefangene mit Hilfe unbekannter Freunde das Gefängnis durchbrach und entwich. Erbrach unter drei Mauern des sehr festen unterirdischen Gefängnisses in den anliegenden Keller des Johann Ruthardt Nr. 67, welchen er offen fand. Die Diener Paul Götze und Heinrich Bene kamen zwar in Haft und Untersuchung, es konnte aber nichts auf sie gebracht werden. Hans Hoyer von Plauen, welcher dem Herzoge als Reisiger, Trabant, in dem Bauernkriege gedienet hatte, geriet hier in Delitzsch, wo er angeblich auf Besuch, und mit dem Schulmeister und Cantor auf dem Ratskeller war, mit des Rates Dienern in Streit, wurde von ihnen mit Wehr angegriffen, übermannet und gefänglich angenommen. Er hatte die vor dem Rathause sitzenden Diener beschimpft, mit Wehr angegriffen und verwundet, ward aber nur einen Tag gefänglich gehalten nach geschworenem Urfrieden, in welchem er sich zum Abtrag jedesmal zu stellen versprach, auf Bürgschaft des hiesigen Schulmeisters (Rectors) Baccalaurius Petrus Walter entlassen. In diesem Urfrieden wird er als Baccalaurius aufgeführt. "Orfriden Johannes Hoyers von Plawen Baccalarii. "Er wollte bei dieser Balgerei 14 Gulden in Golde, den Lohn seines Kriegsdienstes aus dem Ärmel verloren haben und behauptete, daß dieses Geld von einem Bürger aufgehoben und einem der Diener in den Ärmel geschoben worden sei. Der Rat hörte nun zwar den Knaben, den er deshalb als Zeugen aufführte, die Aussage war aber unzureichend und so konnte ihm zu dem angeblichen Verluste nicht geholfen werden. Deshalb beschwerte er sich nicht nur von Leipzig aus bei dem Herzog, sondern ward auch der Stadt abgesagter Feind und schickte dem Rate einen Fehdebrief zu, weshalb er denn vom Herzog im folgenden Jahre als ein Landesbefehder geächtet ward. Indessen machte dieser Handel, der sich erst in den dreißiger Jahren beruhigte, wegen besorglicher Feueranlegung viel Unruhe und Kostenaufwand. Der Bau an der Frauenkirche ward wieder vorgenommen, auf dem Rathause die große Stube getäfelt, gemalt, das Gewölbe des Archivs mit Kalk übergossen und in den Graben an der Pforten Schleuse, damit der aus der Stadt kommende Schlamm den Graben nicht verunreinige, ein großer Kasten gesetzt. Da in diesem Jahre mehrere Leibzinsen abstarben, setzte man die bisherige Communalabgabe 10 1/: Gr. von jedem Biergebräude und ebensoviel vom Hundert des Vermögens Nichtbrauender auf 9 Gr. herab. Auf dem Ratskeller verschenkte man in diesem Jahre 261 Eimer 36 Kannen Wein und wird dieser anscheinend starke Verbrauch dadurch erklärlich, daß der inländische Weinbau verbreiteter war, die Kanne Franken-, Kötzschenbergerund Jenaer Weines 10 Pfg., Alant 1 1/Z Gr. galt, eine weite Umgegend von hier ihr Bedürfnisnahmund der Landadel seine Festlichkeiten nach alter Sitte in der Stadt beging.

1526

Der Stadtschreiber Conrad Heller starb Anfang des Jahres. Die Kirche erhielt aus seinem Nachlasse das ihr letztwillig beschiedene neue Schock und seine Stelle erhielt der bisherige Stadtschreiber in Zörbig Balthasar Költzsch, dem man das gemietete Vicariatshaus des Lehns Jacobi, welches der Inhaber Conrad Stapfel, Pfarrer in Zschortau, nicht brauchte, Conrads Pfaffenlehn am Mühldamme zur Wohnung gab. Rechnungen und gerichtliche Verhandlungen dieses neuen Beamteten zeigen sich nicht nur durch deutliche sprachrichtige Schrift, sondern auch durch geschickte Fassung, Ordnung und gelegentliche Aufnahme merkwürdiger Ereignisse auf das Vortreffliche so, daß man ihn den besten Arbeitern seines Faches dieser Zeit unbedenklich beizählen kann. Mit dem Fischbedarfe der Fastenzeit ward die von fischreichen Gewässern entblößte Stadt und Umgegend an den Wochenmärkten durch fremde Fischhändler, namentlich mit Heringen versorgt. Das Stättegeld dieser Märkte wird daher oft nur als Heringsgeld berechnet und ist besonders der Wochenmarkt sonnabends vor Invocavit durch Einträglichkeit des Stättegeldes ausgezeichnet. Der Andrang des Landvolkes an diesem Tage und die Gewohnheit, daß man sich gelegentlich für die lange Entbehrung sinnlicher Genüsse in jeder Beziehung gütlich tat und etwas aufgehen ließ, verursachte, daß man für häufig gesuchte Bedürfnisse auch anderer Art fremden Krämer Zugang erstattete und ein Markt entstand, der unter dem Namen Heringsmarkt bald für einen Jahrmarkt galt und endlich auch dazu erhoben ward. Hans Spiegel auf Zschepen und Heinrich Maschwitz auf Selben, welche im vorigen Jahre Kretzschmar errichtet hatten, mußten sie auf Befehl des Herzogs, bei dem sich die Stadt beschwerte, wieder abstellen. Der fürstliche Gleitsmann Conrad Herold hatte 1461 die Besitzung des Bürgers Jacob Finis am Viehtore unter des Rates Gerichtsbarkeit, für das Amt gekauft, die Schäferei des Amtes dahin verlegt, der Rat jedoch die Gerichtsbarkeit daran nicht aufgegeben, welche ihm das Amt jetzt streitig machte. Aus Achtung vor dem Herzog gab er seine Ansprüche, wie er es im vorigen Jahr hinsichtlich dreier Häuser in der Vorstadt getan hatte, für immer auf, wogegen ihn aber auch der Herzog gegen alle übrigen Ansprüche des Amtes schriftlich sicherstellte. Der Rat erhielt wegen des Fehdebriefes des Hans Hoyer (1525) vom Herzog Antwort und einen Folgebrief, dem gemäß er den Feind Hoyer mit nicht geringem Aufwande durch die Diener und andere suchen und verfolgen ließ, aber nirgends fand, weil er wahrscheinlich nach Böhmen, wo er Freunde hatte, ausgetreten war. Dem Bürgermeister George Treu ward in seinem Rathause das silberne Ratssiegel gestohlen. Man fragte bei dem Herzog, wie man sich bei dem Verlust zu verhalten habe und erhielt Befehl, ein Instrument darüber aufzunehmen, welches denn am 22. Juni durch den Schöppenschreiber Benedictus Sculteti in Leipzig geschah, dem man dafür 32 Gr. gab. Das neue, silberne jetzt noch gebräuchliche Stadtsiegel kostete 1 Schock 10 Gr. und hat 3 '/z Lot an Gewicht. Zu einem großen Schützenhofe in Leipzig, den der Herzog ausschrieb, wurden auch hiesige Schützen aufgefordert und erhielten vom Rate das Reisegeld. Die Spiegel auf Paupitzsch, welche im Werbener Gerichte jagten, mußten von dem bei ihnen gefundenen, angeblich auf ihrem Gebiete erlegten Wilde dem Rate die Hälfte abgeben. Die Amtleute von Merseburg und der Rat zu Weißenfels, welche hier ihren Feind, Meckteke rechtlich fördern und brennen ließen, erhielten vom Rate 8 Kannen Wein und soviel Torgauisches Bier Verehrung; auch gab man der Bürgerschaft, welche dabei im Harnisch erschien, ein Viertel Bier. Wegen derZinsen des fürden Herzog geliehenen Halberstädtischen Kapitales, welche jährlich 100 Gulden betrugen und der herzogliche Kammermeister in Leipzig zahlen sollte, hatte man mehrere kostspielige Reisen, erhielt aber nichts und so fielen sie der Stadt zur Last. Auf dem Landtage in Leipzig ward dem Herzog der Zehnt vom Getränke von neuem auf acht Jahre bewilligt. Da bisher diese Tranksteuer durch das Wein- und Bierschenken der Geistlichen, die sich jeder Abgabe entzogen, verkürzt worden war, so befahl der Herzog in einer Verordnung, den 26. November, welche die Zeit und Art der Einrechnung dieser Steuer bestimmte, zum Schluß noch ausdrücklich. Berger aus Zschortau, der in das gemeine Frauenhaus eindrang mit gezogener Wehr und den Weibern Töpfe zerschlug, gab 20 Gr. Strafe und ebensoviel das Handwerk der Schneider, welches sich ihres Innungsbriefes wegen gegen den Rat betrug; Hans Unmuth aber, welcher aus dem Fenster eine Büchse abschoß, ward mit der Lauke bestraft. Ein Paar Reitstiefeln, deren sich der Rat auf Reisen bediente, kostete 22 Gr. und 10 Gr. der eichene Kasten ins Gewölbe, den man mit Eisen beschlagen ließ.

1527

Der Bürgermeister Johann Schmidt (Ratsherr seit 1497 und von 1506 ab Bürgermeister) starb kurz vor dem Antritt der Regierung und der Kämmerer Johann Seiler trat mit herzoglicher Genehmigung in das Amt. Der Sohn des Verstorbenen, mit dem Vater gleichen Namens, war Stadtschreiber in Penig und legte am 14. März des Vaters Rechnungen ab. Bei Abnahme dieser Rechnungen, der Kirchen, St. Nicolaus und des Hospitales, in Gegenwart des Pfarrers und der drei Räte vergnügte man sich mit 36 Kannen Wein und 60 Kannen Torgauer Bieres, beides 2 Schock 1 Gr. am Wert. In der Badstube des Wolf Sturm der Badergasse kam durch Unvorsichtigkeit Feuer aus, welches er verheimlichte und deshalb mit 30 Gr. Strafe belegt ward. Darüber aufgebracht drohte er dem Rate und sollte nun die Stadt meiden, blieb aber auf vieles Bitten, gab 1 Schock 20 Gr. Buße und übernahm jährlich 15 Gr. Schoß und 2'/2 Gr. Wächtergeld. Die große Feuersbrunst, welche nach einer Frankischen, von Peccenstein entlehnten, Nachricht beinahe die ganze Stadt verzehrt haben soll, ist eine Erdichtung. Das Feuer beschränkte sich auf dieses einzige Haus. Die Tore wurden am ersten Fastenmarkte noch mit acht Nebenwächtern besetzt, weil viel Volk hier war und auch über Nacht blieb. Der Herzog befahl am 24. Februar, wegen der Unruhen im Reiche und angrenzenden Ländern (Ungarn) mit 15 wohlgerüsteten Mannen zu Fuß, Bürgern oder wohlbekannten, mannhaften und zum Kriege geschickten Leuten, die wie zuvor geschehen (1519) nicht entlaufen, auf den Ruf in Bereitschaft zu sein, dem Obersten, Burggrafen Hugo von Leisnig zu folgen. Da diese Bereitschaft auf einen noch ungewissen Zug den Städten sehr beschwehrlich war, so verordnete er den 12. April, daß man die Anwerbung und Besoldung der verlangten Mannschaft einstellen und wenn man sich ja der Söldner für den Fall versicherte, ihnen doch kein Wartegeld geben sollte. Gregor Höppner von Beerendorf, erstach am Osterabende in der Neustadt am Steinwege einen ledigen Gesellen Matthäus Wiedemann, von Kolmitz bei Oschatz mit dem Brotmesser, flüchtete, ward aber von den Gerichtsdienern bei der Ziegelscheune ergriffen, in das Amt, von diesem aber an den Rat geliefert, mit dem Schwerte hingerichtet und der Leichnam begraben. Den Bürgern, welche bei der Hinrichtung im Harnisch erschienen, gab man ein Viertel Bier. Der Dr. Otto v. Pak war in des Herzogs Geschäften hier und erhielt eine Verehrung an Wein und Bier. Mit den Spiegeln auf Neuhaus hatte man neue Händel wegen Grenzüberschritten bei Bendorf, wo sie Oberländer, Wiesenkabeln und Schaftrift in Anspruch nahmen. Der Amtmann in Leipzig, Andreas Pflug erhielt vom Herzog Auftrag zur Untersuchung. dessen Ausspruch auch für den Rat günstig ausfiel. Der Rat von Halle empfing hier Verehrung an Wein und Bier und zog mit mehreren hiesigen vornehmen Bürgern nach Torgau zu den Festspielen, mit welchen die Heimführung der Gemahlin Herzogs Johann Friedrich, Sibylla, eine Tochter des Herzogs zu Cleve am 6. Juni, beehrt ward. Die Badstube der Kirche (1497) von welcher der Pfarrer jährlich 1 Schock bezog, war seit mehreren Jahren wüste, und der Pfarrer führte, um sich für den Verlust zu entschädigen, die Steine weg. Dem Ankaufe des Amtmannes Hans v. Pak, an dessen Freigut (die Doctorei) sie stieß, widersprach zwar der Rat, der Erzbischof gab aber in einem Decrete vom 21. Juni, unter der Bedingung, daß das Kaufgeld dem Pfarrvermögen zuwachse, seine Einwilligung. Der Rat zahlte 750 Rh. Gulden, Kapital des Bürgers Martin Leubel in Leipzig zurück, und nahm 400 Gulden neue Darlehne, 300 Gulden von den hiesigen Ratsherren Martin Rapsilber, Peter Fürstenberg, sonst Landsberg genannt, Valentin Burkmann und 100 Gulden von der Stadtkirche, die heute noch der Kirche zu verzinsen sind. Man nahm einen Priester, der eine strafbare Handlung beging, gefänglich an und berichtete an den Erzbischof. Die in dessen Abwesenheit stellvertretenden Räte verlangten die Ablieferung desselben nach Halle und verwiesen, daß man den Gefangenen zur Ungebühr länger als 24 Stunden behalten (habe). Michael Ludwig, auch Ausbund genannt, traf eine Frau auf des Pfarrers Acker mit entwendetem Hafer, gab vor, daß er vom Pfarrer zur Aufsicht und Pfändung beauftragt sei, versprach aber sie loszulassen, wenn sie seinen Willen täte, drückte sie nieder, entblößte sie, konnte aber, weil sie sich wehrte und schrie, die Tat nicht vollbringen und ging davon. Er kam deshalb in Untersuchung und da er in peinlicher Frage die beabsichtigte Notzucht eingestand, so erkannten die Schöppen in Leipzig: "ihm nicht Gnade zu beweisen, so möchtet ihr (der Rat) ihn mit dem Schwerte strafen lassen von Rechts wegen". Der Grund, warum ihm der Rat nicht verzieh, ist unbekannt. Er ward am 24. September mit dem Schwerte hingerichtet und der Leichnam in der Stille beerdigt. Der Zehnt vom Getränk gab Anlaß, daß sämtliches zinnern Schenkgemäß in Leipzig nach dem Leipziger umgegossen ward. Zugleich führte man das Leipziger Fleischergewicht ein und erkundigte sich, wie man es daselbst mitdemGewicht beimVerkauf der Butter und des Lichtes hielt. Das Getreidegemäß eichte man ebenfalls und brauchte Wicken dazu. Die mutwilligen und ungehaltenen Weiber zu stillen, ließ man für 22 Gr. zwei Bußtocken machen. Es waren zwei hohle, hölzerne flaschenähnliche Gefäße, die man den Weibern, welche an Markttagen wiederholt ärgerliches Gezänk trieben, umhing, und sie durch den Diener auf dem Marktplatz umführen ließ. Thomas Belzig, der seinen ehelichen Stand mit einem freien, gemeinen Schlafweibe hinter der Badstube bei dem gemeinen Frauenhause befleckte, kam insGefängnis und nur auf des Amtmannes und vieler Leute Bitte gegen 3 Schock Buße los. Die Schützen erhielten zu einem Schützenhof in Schkeuditz vom Rat Reisegeld. Der Gutsbesitzer Jacob Stephan von Dölsdorf legte 60 Gulden beim Rate nieder und gab die Zinsen zum Besten der Stadt. Wegen der Wiedertäufer verordnete der Herzog (am) 13. Dezember (einen Steckbrief gegen) eine große Anzahl Schwärmer, Laien und Handwerker im Fürstentum Thüringen und Hessen (... ) an den Rat zu Delitzsch. Peter Nudnick überfiel den Pfarrer zu Döbernitz, Ambrosius Rüst, bei nächtlicher Zeit auf der Elberitzer Mark mit Gewehr und verbüßte es mit 40 Gr. Dreiundachtzig Stück Harnische und Hellebarten,die zum Teil am Jahrmarkt Petri Pauli im Gebrauche gewesen, ließ der Rat durch einen Kesseler reinigen, welcher dafür 40 Gr. Lohn empfing. Die bisher vernachlässigte, fast verachtete, durch Luther aber zu Ehren gebrachte und verherrlichte Predigt ward auch hier Bedürfnis und da der Pfarrerwegen Ausfalls der Opfer und Spenden, wie er versicherte, einen Prediger nicht erhalten konnte, so beschloß derRat, die Einkünfte des reichlich dotierten Altares Trinitatis, dessen Patron er war, hauptsächlich auf das Predigeramt, daneben aber auch auf Unterstützung Studierender und hilfsbedürftigen Armen,zuverwenden,wasihnendennauchvon geistlicher und weltlicher Behörde gestattet ward. Der Vikar des Altares, George Böttcher, die gute Absicht des Rates ehrend, verzichtete auf das widerrufliche Amt und übergab den 1511 erhaltenen Acces; behielt aber die Wohnung in dem Hause des Lehns (neben dem Lehne Jacobi auf dem Mühldamme) welches baulich erhalten und 1537 des Stadtschreibers Dienstwohnung ward. Von nun an verwaltete der Rat das Lehn und die Berechnung darüber kommt in den Kämmereirechnungen unter dem besonderen Kapitel: Commende Trinitatis vor. Infolge der 1518 und 1525 stattgefundenen Verhandlungen über die Pfarre in Benndorf verwaltete der nun genannte Georg Böttcher das Pfarramt daselbst. Die Gebrüder Otto und George Spiegel auf Neuhaus widersprachen aber und verlangten schon im vorigen Jahre, daß der Rat den Einwohnern Abgabe an Böttcher zu entrichten untersagen solle, in einem Schreiben dieses Jahres aber, den Untertanen zu gebieten, sich den von ihnen gewählten Pfarrer nicht zu widersetzen. Antworten auf dieses Schreiben finden sich nicht und es bleibt ungewiß, ob der Rat vor der Reformation seinen Patronatsanspruch abgegeben hat. Die Dörfer Benndorf und Werben erhielten neue Gefangenenstöcke. Der Rektor, Baccalaureus Peter Walter, war im vorigen Jahre in den Rat gewählt worden und erhielt seine Stelle Johann Brunner, auch Arnsdorf genannt.

1528

Der Herzog befahl von neuem den 17. Januar, die, welche dem Mißverstande des hochwürdigen Sacramentes Leibes und Blutes Christi abhängig, dem armen einfältigen Volke ihre unchristliche Meinung mit Predigten, Reden, Disputieren, oder sonst durch Bücher und Schriften, so wider Gottes Wort, zu verdammlicher und beschwerlicher Verführung einbildeten und aufdrängen, gefänglich anzunehmen, keinem außer dem ordentlichen Pfarrer, Prediger und Kapellanen Predigten oder andere gottesdienstliche Handlungen zu gestatten, am allerwenigsten Versammlungen, Wirtschaften, Kindtaufen, Gastladungen zu dulden, die nicht vorher gemeldet und hinlänglich beaufsichtigt sind, bei Vermeidung ernster Strafe. Dieser Befehl muß am Rathause und an der Pfarrkirchtür angeschlagen, auch sonntags nach der Predigt und in den Gemeindeversammlungen vorgelesen werden. Die Dörfer Benndorf und Werben erhielten neue Gefangenenstöcke. Der Rektor, Baccalaureus Peter Walter, war im vorigen Jahre in den Rat gewählt worden und erhielt seine Stelle Johann Brunner, auch Arnsdorf genannt. Der Dörfchenmüller Pouch schlug den Pfarrer in Schenkenberg Wolf Eichmann auf dem Stadtgraben hinter der Doctorei mit der flachen Klinge über den Kopf, daß er ungesund ward und büßte 30 Gr. Ebenso viel Strafe gab Hans Drache, welcher gegen des Rates Verbot in der Neustadt eine Gastung anlegen wollte. Hironymus v. Kanitz auf Dalwitz frevelte in der Ratsstube und der Rat ließ ihn zum Abtrage durch den Amtsverweser in Eilenburg vorladen. Ein Fuhrmann erfuhr ein Kind des Bürgers Georg Priorau und ward, weil man an den Herzog berichtete, 14 Tage mit Wagen und Pferden angehalten. Auch erschlug Matthäus Fischer den Einwohner Caspar Schaue aus Beerendorf und verbüßte den Totschlag mit Geld. Am Donnerstag vor Pfingsten zündete der Blitz Schneubers Scheune, ohne weiter zu schaden und erhielten die Knechte, welche das erste Feuergerät brachten, 8 Gr. Im Sommer d. J. machte man den ersten Versuch, Dachziegel zu brennen, wozu man bisher die hiesige Erde nicht tauglich hielt. Der Herzog ließ den Rat vor umherschwärmenden Reitern warnen, die sich kampffertig gegen den Fürsten auflehnten. Man verstärkte daher die Tor- und Turmwachen und versah sich mit Schießpulver. Der untereTeildes Breiten Turmes war ein hohes gewölbtes Gefängnis, in welches die Gefangenen mit einer Winde durch eine Öffnung von oben gelassen wurden. Georg v. Honsberg auf Schweren quittierte den 9. Oktober für seine Gattin dem Rat über 500 Rh. Gulden Kapital, für welches die Stadt verpfändet war. Seit 1526 hatte man auf Verfolgung des Hans Hoyer viel Geld nutzlos verwendet, man erhielt nun vom Herzog einen neuen Folgebrief, zugleich aber auch ein Schreiben des Nicolaus Peter v. Schönbrunn, eines böhmischen Edelmannes, welcher sich zu einem Vertrag mit ihm erbot. Man braute in diesem Jahre 402 Gebräude Biere und verschenkte 173 Eimer Wein und 99 Faß Torgauisches, Mittweidaisches, Freibergisches und Belgernsches Bier. Rheinischen Wein und Alant bezog man von Leipzig.

1529

Am 24. Februar verhandelte man hier über das im vorigen Jahre von Hieronymus v. Kanitz, auf Dalwitz auf dem Rathause getriebene Ungebührnis mit dem Probst vom Petersberge, Johannes v. Kanitz und anderen ehrbaren Mannen, welche die Sache durch Vergleich beendeten. Die Magd des Matthäus Friedrich, welche in Verdacht kam, geboren zu haben, ward durch die Wehmütter und zwei Bürgerfrauen untersucht,welchen man eine Kanne Wein zur Vergnügung gab. Hans Schöne ermordete den 29. Mai den Ambrosius Rein auf dem Schießplatze bei der Vogelstange. Der Küster von Schenkenberg Nicolaus Bestecher, in Vollmacht der Witwe des Ermordeten und der Hedwig Krause von Mittelbersdorf bei Großenhain überwies wegen ihrer Armut die Acht dem Rate. Dieser Mord gab Gelegenheit zu einer neuen Streitigkeit mit dem Amte wegen der Gerichtsbarkeit vor dem Viehtore bei der Vogelstange, bei dem heiligen Brunnen und weiter bis an den Lober, welche jedoch am 2. Septemberverglichen und dem Vergleiche gemäß die Grenze am 15. dieses Monats in Gegenwart des Amtmannes, des Gleitsmannes, der Landschöppen und des Rates durch Mahlsteine gesichert ward. Auch mit Wolf v. Pak auf Döbemitz geriet man wegen einer Trift auf Elberitz Mark in einen Prozeß vor dem Oberhofgerichte, welches dem Probste zu St. Thomas in Leipzig zu Abhörung der Zeugen Auftrag gab. Der Feldbesitzer Fiedler hatte im Kosebruch der Hutung zum Nachteile Weizen und Hafer gesät, welchen der Rat wegeggen ließ. Die Bürgerschaft des I. Viertels war dabei im Harnisch zugegen und erhielt ein Viertel Bier. Zu gleicher Zeit beschwerte sich der Pfarrer Hermann Hammer wegen Entziehung der Opfer durch lutherisch Gesinnte und man hatte deshalb den 24. August vor dem Amtmanne mit ihm Verhandlung. Veranlassung zu dieser Beschwerde gab vielleicht der Bürger Sander Schuster, welcher den Pfarrer in der Kirche schmähte, das Weihwasser verschüttete und deshalb mit einer Buße von 21 Gr. belegt ward. Den Schützen ließderRateine neue Ziegelmauer auf dem Anger errichten und gab ihnen zu dem Schützenhofe in Eilenburg 48 Gr. Reisegeld. Sie verlangten zwar, das Peter Hüter, welcher sie Bösewichter und Hümpler geschimpft hatte, nach ihren Privilegien bestraft werden sollte, doch nahm der Rat auf diese keine Rücksicht. Das gemeine Frauenhaus (1512) ward niedergerissen und die bisher geduldete Gesellschaft der Freifrauen aufgelöst. Der Kaiser verlangte wegen der Vorschritte der Türken in Ungarn ein Aufgebot und der Herzog befahl unterm 16. Juli, sich zu rüsten und zum Feldzuge bereit zu halten. Die Stadt stellte hierauf 35 Trabanten, 5 Brauerben, 8 Nichtbrauende in der Stadt, 10 in der Vorstadt, jede dieser Klassen einen. Zu ihrem Solde auf 3 Monate gab der Brauende 2 Gulden 8 Gr. 5 Pfg., der Nichtbrauende in der Stadt 1 ½ Gulden, der Vorstädter 1 Gulden 4 Gr. 5 Heller. Bei ihrem Abzuge erhielten sie ein Viertel Bier. Der in Leipzig zugerüstete Heerwagen kostete 6 Schock 18 Gr. Das Heer zu unterhalten, ward auf dem Landtage in Leipzig den 3. November eine Vermögenssteuer bewilligt, die auch nach dem Rückzuge des Feindes abgeliefert werden mußte. Jeder mußte sein Vermögen, bei Verlust desselben richtig nach Schocken berechnet, angeben, man nahm das Vermögen der Kirchen, Klöster, Stifter und Brüderschaften, ihre Vorräte an Kleinoden und barem Gelde in Anspruch und erlaubte nicht, daß die von Adel, welche von den Zinsen ihrer Güter den sechsten Teil geben sollten, ihre Schulden in Abzug brächten. Die Schocke betrugen hier im I. Viertel 2,399 Schock 3 Gr., II. Viertel 3,481 Schock 55 Gr., III. Viertel 3,971 Schock, IV. Viertel 2,786 Schock 50 Gr., Neustadt 680 Schock 30 Gr., Rosental 44 Schock 20 Gr., Gertitz 675 Schock 10 Gr., Werben 413 Schock 50 Gr., Benndorf 267 Schock 30 Gr., summarisch 14,949 Schock 8 Gr. Eine Hufe auf Rubach, Gertitz, Elberitz war 35, eine Hufe auf dem Sande 10 und eine auf Weissig 14 Schocke abgeschätzt. Die Steuer wurde nach 8 Pfg. vom Schocke in drei Terminen bezahlt und kam hinzu 2 Schock 36 Gr. von ledigen nicht abzuschätzenden Personen, 2 Schock 7 Gr. 2 Pfg. l Heller vom Gesinde, vom Schocke ihres Lohnes 1 Gr., 14 Schock 56 Gr. 6 2/6 Pfg. von den Ratsgütern, 1 Schock 15 Gr. vom Hospitale, 1/4 Schock 55 Gr. 2 Pfg. 1 1/3 Heller, weil man das auf Rüstung verwendete in Abzug bringen durfte.Auch ward die Erhebung des dritten Termins wegen der Teuerung bis 1532 verschoben. Zugleich mußte ein Verzeichnis der heiligen Gefäße der Kirche eingegeben werden und fand sich in der Pfarrkirche 1 großer Kelch übergoldet v.2 ½ Pfd.,einer desgleichen 1 ½ Pfd. ¼ ,einer desgleichen 1 Pfd., der Schusterkelch übergoldet 1 Pfd. Weniger ½ Viertel, 1 Kelch übergoldet 1 Pfd. Weniger ½ Viertel, einer desgleichen l 3/8 Pfd., zwei zu l ½ Pfd., einer zu l 1/4 Pfd., drei zu 1 7/8, sechs Pacificale mit den Crystallen 1 Pfd., drei kleine Monstranzen mit Crystallen 2 Pfd., ein Straußenei mit Crystallen 1 7/8 Pfd., zwei Ampollen mit Crystallen 1 ½ Pfd., ein großes silbernes Kreuz übergoldet mit den Crystallen 11 Pfd., zwei Viatica mit den Crystallen 3 Pfd., eine große Monstranze mit Crystallen 12 Pfd., ein Antependium mit Crystallen 3 Pfd.; Summe alles Silberwerks: 50 ¾ Pfund. Unserer lieben Frauenkirche: Ein großer Kelch 1 ¾ Pfd., ein Kelch 1 Pfd., einer desgleichen 1 1/8 Pfd., an Pacificalen ½ Pfd.; Hospital: ein Kelch und Pacificale 1 Pfd., ein silbernes Kreuz mit Crystallen l ½ Pfd. Das Verzeichnis ausgestellt von dem Pfarrer Hermann Hammer, von den Bürgermeistern und Vorstehern der Kirche. Der Stadtschreiber erhielt in diesem Jahre außer den 3 Schocken 20 Gr. für sein Gewand auch noch einen Reithut (6 Gr.), ein Reitkleid, (von 14 Ellen grauen Tuche, Chemnitzer Kämmler) bestehend aus Rock, Kappe, Streiflingen, der Rock mit Borden besetzt und gelbem Futter. Andem breiten Turme bautemaneine steinerne Wendeltreppe , Wendelstein. Der Maurer Georg, ein Polierer und ein Helfersknecht arbeiteten 2 ½ Woche daran und empfing der Meister 20, der Polierer 16 und der Helfersknecht 10 Gr. wöchentlichen Lohn. Der Rat ließ in Benndorf Holz zur Ziegelei hauen. Auf Bitte führten es die Ratsdörfer mit 24 Wagen in die Ziegelei und gab man ihnen Essen und zwei Viertel Bier. Im Einverständnis mit dem Kurfürsten von Sachsen erließ der Herzog den 9. Oktober das Mandat gegen wucherliche Kontrakte und verordnete, daß bei Einklagung solcher Forderungen nichts als das Kapital berücksichtigt werden, der Gläubiger des wöchentlchen, fünf von Hundert übersteigenden, Zinses verlustig gehen sollte.

1530

Der Scharfrichter aus Leipzig ließ einen Dieb Hans Richter, welcher ihm ein Pferd gestohlen hatte, den 10. Februar mit dem Strange hinrichten. Die Bürger. welche dabei im Harnische erschienen, erhielten vom Rate 20 Gr. Der Markt wurde durch bezahlte Tagelöhner gekehrt. Vom Amtmanne Hans v. Pak, welcher als Amtmann nach Torgau ging und hier den Amtmann Michael von Kreischau zum Nachfolger hatte, kaufte der Rat den 23. Mai folgende vom Landesherrn zu Lehn rührende Zinsen und Güter im Dorfe Gertitz, in Gertitzer und Weissiger Marke, mit anderen in der Nähe der Stadt: 1 Schock Erbzins, jährlich, vom Zolle in Delitzsch (...). Es waren Zinsen, die der Rat als er vom Fürsten den Zoll, Marktzoll, Geleite empfing, übernehmen mußte, Zinsen von Kapitalen, die der Fürst geliehen und an den Zoll (telonium) gewiesen hatte, daher in den ältesten Rechnungen: "Census, qui dantur de telonio." 30 Gr. und 5 Hühner, Glorius Fleischer, von einem Garten am Gertitzer Fußsteige; 20 Gr. von einem Garten gegen Gertitz, Melchior Nauwerk; 10 Gr. von eine Hufe auf dem Sande, Gall Kötzschke; 15 Gr. von einer Hufe auf Robitz Mark, Hans Mansfeld; 20 Gr. von einer Hufe auf Gertitz (Gertitz-Kertitz-Mark), Martin Rapsilber; 10 Gr. von einer Hufe auf Weissig, derselbe; 15 Gr. von einer Hufe daselbst, Matthäus Friedrich und Benedict Müller; 1 Schock und 16 Hühner vom Haus, Hof und einer Hufe auf Gertitz, Anton Strauß, in Gertitz; 45 Gr. und 8 Hühner von Haus, Hof und einer Hufe auf Gertitz, Matthäus Hofmann; 45 Gr. und 8 Hühner von Haus, Hof und einer Hufe auf Gertitz, Matthäus Nodenschiel; 27 Gr. von 1 1/Z Hufe auf Weissig, derselbe; 15 Gr. von 1/2 Hufe daselbst, derselbe; 10 Gr. von 1/2 Hufe daselbst, Nicolaus Meurer; 10 Gr. von ½ Hufe daselbst, Nicolaus Walmann; 15 Gr. von 1/Z Hufe daselbst, Lamprecht Klepzig; mit allen Nutzungen, Freiheiten, Triften, Würden, Gerichten und Gerechtigkeiten ganz frei, ohne einigen Ritterdienst, oder andere Beschwerungen, für den Kaufpreis von 452 Gulden 4 Gr. 8 Pfg. oder 158 Schocke 16 Gr. 8 Pfg. und ward vom Herzog am 25. Oktober 1532 damit beliehen. Mitbelehnte des von Pak waren Wolfram (Wolf) v. Pak, auf Döbernitz„ Heinrich v. Pak, Domherr und Christoph v. Pak, Bruders Söhne, welche darauf verzichteten. Man handelte auch um die Amtsschäferei, der Kauf kam aber nicht zustande. Jacob Stephan von Dölsdorf gab zu den 60 Gulden (1526) noch 40 Gulden dem Rate zur Verwahrung und nahm auch davon keine Zinsen. Er bestimmte die 100 Gulden seinem jüngsten Söhne beim Eintritte seiner Volljährigkeit und diesem zahlte sie der Rat 1537. Die Barfüßer, Minoriten, aus Leipzig predigten, weil der Pfarrer keinen Prediger finden konnte, während des ganzen Jahres und erhielten aus der Commende 1 Schock 45 Gr. Die große Nässe im Vorsommer verdarb Heu und Getreide. Das Getreide stieg zu ungewöhnlich hohem Preise und der Rat ließ von seinen Vorräten den Bürgern 461 Scheffel Roggen zu 7 und 825 Scheffel desgleichen zu 6 Gr., etwas unter dem gangbaren Werte, ab. Stephan Volkmann erschlug Jacob Dittmannen von Dölen zwischen Klepzig und Zwebendorf; der Totschlag wurde den 17. August in hiesigem Amte vertragen und gab der Täter außer 8 Neuschocken Mangeld an des Entleibten Vater und 8 Schocken an das Amt, 6 Scheffel Weizen zu Gebäck für Arme hiesiger Stadt. Von Glorius Fleischer am Markte, dem Besitzer des Gasthofes Nr. 62 kaufte man ein Stück Hof mit Stall für 18 Schock 6 Gr. zu Anlegung einer neuen Gasse. Es ist die n e u e Z s c h e r n e, die aus der alten in der Richtung von Mitternacht gegen Mittag in die Holzgasse (damals Judengasse) führt. Die Häuser der selben Nr. 29, 30 und 31 entstanden 1532 und 1534 und erhielten als Baubegünstigung die Braugerechtigkeit. Die übrigen Pfahlhäuser waren anfänglich Miethäuser der Besitzungen Nr. 35, 36 und 37 und wurden später erst abgebracht. Der Bürger Benedict Prelwitz hatte mit der Schwester seines verstorbenen Weibes Gertrud Bortig von Köttlitz bei Mühlberg, die er ehelichen wollte, vertrauten Umgang. Die Ehe mit ihr ward ihm aber untersagt, da er seinen Umgang mit ihr nicht verhehlte, kam er in Untersuchung und ward mit ihr zur Staupe geschlagen. Erbeschwerte sich zwarbei dem Herzog gegen die Verweisung, fand aber, wie es scheint, kein Gehöhr. Sein Anführen, daß eine solche Verehelichung im Kurfürstentum Sachsen allenthalben im Gebrauche sei und sonder der Seelen Gefahr dort christlich und wohl geschehen möge, er daher in der Meinung gestanden, daß es auch hier der Fall wäre, mußte freilich seinem Anliegen bei dem Herzoge eher hinderlich als förderlich sein. Auch starb der Leipziger Bürger Johann Schlauditz, welchem der Rat bedeutende Leibzinsen zu geben hatte. Man setzte, da sie nun wegfielen, die bisherige Abgabe vom Biere an die Commun von 9 auf 7 Gr. herab. Der Prozeß mit Wolf v. Pak wegen der Viehtrift und Gerichtsbarkeit auf Elberitz kostete bereits 14 Schock 35 Gr. und schwebte in zweiter Instanz. Der Hundehitzler (Hundeschläger) erschlug 22 Rüden, welche zum Teil Leute beschädigt hatten und erhielt vom Stück 3 Pfg. Lohn. Die diesjährige Fischerei im Graben gab 21 Schock 25 Gr. Ertrag. Für die Gerichtsstube ward ein Corpus iuris in Leipzig gekauft.

1531

Am 25. März nachts 12 Uhr erstach der Ratsherr Peter Döring seinen Freund und Gevatter Jacob Jäger in dessen Hause Nr. 96 mit dem Brotmesser und flüchtete. Der Mord ward vertragen und empfing unter anderen auch die Communkasse 6 Schock. In den Osterferien suchte der Ordinarius Dr. Breitenbach und Dr. Metzsch aus Leipzig den Rat mit Wolfen v. Pak, wegen der Trift auf Elberitz hier zu vergleichen, der Vergleich kam aber nicht zustande und ward darauf der v. Pak vor dem Hofgerichte in Rochlitz in die Kosten der zweiten Instanz verurteilt. Simon Nitzschmann, Clemens Kirchhof und Anton Zimberg hatten das Abendmahl nach katholischem Brauche am Osterfeste, wie der Herzog 1522 und wiederholt befohlen, nicht angenommen und kamen deshalb bei hiesigem Amte in Haft, wurden aber auf Bürgschaft der hiesigen Bürger Peter Naumann, Matthäus Findeisen, Ambrosius Wagner, Hans Schmidt, Michael Sterze, Ulrich Kirchhof, unter der Bedingung, daß sie wegen ihres Vergehens Absolution des Pfarrers suchten und das Abendmahl nach altem Brauche in einer Gestalt nähmen, nach Ostern freigelassen. Es mußte auch Eustachius Zschabernack für seine Mutter, welche das Abendmahl zu Brehna in beider Gestalt genommen, nachdem sie die Absolution des Pfarrers empfangen und das Abendmahl nach altem Brauche zu nehmen versprochen harte, wegen möglicher Strafe mit 10 Schocken bürgen. Den Einwohern in Lehelitz, Chrostewitz und Leynau, welche ebenfalls das Abendmahl in beider Gestalt zu verschiedenen Malen in Hohenleina genommen hatten, ward das Land verboten. Sie sollten Haus, Hof und Güter räumen, fanden aber auf Vorbitte unter der Bedingung Gnade, daß sie Absolution bei ihrem ordentlichen geistlichen Richter suchten, sich dem alten Kirchenbrauche gehorsam bewiesen und den nach Hohenleina zu entrichtenden Zins und Decem bis Pfingsten in das Amt lieferten, welchen herzoglichen Befehl ihnen der Amtmann am 1. Mai bekannt machte. Es ist nicht zu bezweifeln, daß des Herzogs Verdruß über die Vergeblichkeit seiner vorjährigen Anstrengungen, das Reich hinsichtlich der Lehre nach seiner Ansicht zu einigen und den Beifall, welche die Augsburgische Confession erhielt, zu besserer Handhabung des erwähnten Edicts und Befehles strenge Verordnungen gab. Bisher war wenigstens keine Untersuchung der Art vorgekommen, ungeachtet die Nähe der kurfürstlichen Ortschaften Brehna und Hohenleina, wo das Luthertum heimisch war, zu Vergehungen der Art häufige Gelegenheit bot, eine Nachsicht, die man vielleicht den milderen Ansichten des Pfarrers und vorigen Amtmannes v. Pak, welche später dem neuen Cultus huldigten, zu verdanken hatte. Das Getreide stieg mit jedem Monat und galt der Scheffel Roggen kurz vor der Ernte 18 Gr. Da aber diese eine der reichlichsten und von dem günstigsten Wetter begleitet war, so sank es schnell und hielt man den Scheffel Roggen um Jacobi wieder für 5 Gr. feil. Während dieser Teuerung hatte man strenge Aufsicht auf Bäcker und Fleischer. Man entwarf eine Bäcker- und Höken-Ordnung nach der Leipziger, führte das Leipziger Gewicht ein, bestrafte den geringsten Mangel am Gebäck mit 10 Gr., ebenso den Verkauf ungeben. geringen Fleisches, die Fleischerinnung aber, welche sich derTaxe nicht fügen wollte, sondern drohte, das Schlachten einzustellen, mit 12 Schock und den Garkoch Stephan, ihren Aufwiegler, mit 2 Schocken besonders hoch. In Halle hatte ein dort Unbekannter geäußert, daß Delitzsch binnen 3 Wochen in Feuer aufgehen sollte, man hatte ihn aber nicht erlangen können. Auf Nachricht von da stellte man am 15. Mai auch in den Vorstädten Wächter an und gab ihnen mit den übrigen in der Stadt gleichen Lohn. Am 2. Mai zogen auf des Herzog Befehl 68 Bürger mit den Amtleuten nach Löbnitz, um einen reisigen Knecht, den schwarzen Merten auszuheben, der aber daselbst nicht zu finden war. Den B. Juni früh um I Uhr brach in Martin Nagels Haus neben der Doctorei (Nr. 217) Feuer aus und brannten zwei Häuser bis auf die gewölbten Stuben nieder. Bald darauf am Tage Petri Pauli. den 29. Juni nachmittags zwischen 6 und 7 Uhr entstand abermals Feuer in des Schwarzfärbers Hause der Neustadt, dem Brunnen und Graßhofs Scheune gegenüber, doch brannten, weil schnelle Hilfe kam, von zwei Häusern nur die Dächer weg. Veit Bemdorf von Kattersnaundorf. welcher das erste Sturmfaß brachte und zwei Tagelöhner. die sich beim Löschen besonders auszeichneten, erhielten den festgesetzten gewöhnlichen Lohn. Am 21. Juli ward Hans Schlesier mit dem Schwerte hingerichtet. Im Anfange des August erschien ein Komet im Zeichen des Krebses, erst vor dem Aufgange der Sonne, später nach dem Niedergange, durchlief die Zeichen des Krebses, Löwen, der Jungfrau und verlor sich in der Waage am Ende des Monats, nach dem er von Bartholomäi an sichtlich schwächer geworden war. Der Rat verkauft die Wiesen am Stadtgraben, hinter Elberitz und bei dem Heiligbrunnen, den Acker zu 7 und 8 Schocken. (...)Summarischer Betrag: 124 Schock 12 Gr. 10 Pfg. Der Steinweg in der Neustadt ward umgelegt und ein Stück eingestürzte Stadtmauer hinter der Terminei (in der Holzgasse, der Zscherne gegenüber) wiederhergestellt. Die Ankunft des Kurfürsten zu Sachsen, Johannes, der auf den Fürstentag nach Nordhausen zog, ward angesagt. Man empfing den wegen seiner Biederkeit auch hier geliebten Fürsten, als er am 25. November mit Gefolge eintraf, auf das ehrlichste. Die Bewirtung geschah durch den Amtmann, der Rat ließ auf dem Markte eine Küche aufschlagen, versorgte die Dienerschaft und verehrte ein Faß Torgauisches Bier. Erblieb über Nacht, auch bei seiner Rückkunft, wo dieselbe Verehrung wiederholt ward. Dabei ließ man polizeiliche Vergehen nicht unbeachtet und zog den zur Strafe, der sich von den Holunken (Troßbuben, von dem Böhmischen Holemka genannt) in der Küche zu verbotenem Spiele verleiten ließ. Überhaupt zeigte sich in diesem Jahre die Polizei regsamer als je, wozu wie es scheint, die Teuerung, das wiederholte Brandunglück und der Mißbrauch protestantischer Freiheit des Pöpels Gelegenheit gab. Man bestrafte, wie schon bemerkt, die Bäcker und Fleischer wegen leichten Gewichts und ungeber Ware, den Verkauf schlechten Bieres mit 40 Gr., das Aufstellen von Holz und Reißig in der Nähe der Brauhäuser mit'/, Gulden, die Entweihung des Sabbaths durch Gäste setzen und Spiel mit 40 Gr., die unterlassene Reinigung der Gassen vor den Sonn- und Festtagen mit 5 Gr. und das überhandnehmende Lästern Gottes und seiner Heiligen mit dem Halseisen, welches zu größerer Beschämung an der Kirche befestigt war. Für die Richterstube kaufte man den Sachsenspiegel und brachte für die Bücher ein Pulpet dahin. An die Stelle des Amtmannes Michael von Kreischau trat in diesem Jahr noch Heinrich von Gruenrod.

1532

Ein Mann aus Eisleben meldete, Gregor Poritzsch (ein Sohn des Blasius Poritzsch 1520) habe unter dem Vorwande, daß sein Vater vom hiesigen Rate Rechtshilfe verweigert worden, in Eisleben gedroht, in Gemeinschaft eines anderen, Delitzsch zu Pfingsten anzustecken, konnte aber über seinen Aufenthalt keine sichere Nachricht geben. Der Rat zahlte 1100 Gulden, welche er der Sonnenwaldischen Stiftung schuldete, an den Rat in Torgau, als Patron, der das Geld hierin Empfang nahm und Quittung leistete. Der Böttcher Innungsgesetze wurden gegen Erlegung von 2 Schocken, von neuem bestätigt und jedem Meister, der feil hielt, ein jährlicher Bankzins von 4 Gr. auferlegt. Am 10. Mai, nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr kam in der Kohlgasse bei dem Wagner Ambrosius Krebs, dem Kälberstalle gegenüber (Nr. 272) durch Verwahrlosung F e u e r aus und brannten bei großer Dürre und starkem Luftzuge von Südost binnen einer und einer halben Stunde nach dem breiten Tore zu, 24 Hofstätten aus dem Grunde weg. Das Feuer war so heftig, daß sich auch die nächsten Häuser in der Holzgasse der Stadt mehr als einmal entzündeten und nur mit größter Anstrengung zu retten waren. Die beim Löschen Tätigen erhielten Geld, Semmeln und Bier. Der Kämmerer Thomas Kötzschkau, Ratsherr seit 1508 und Besitzer des Hauses Nr. 80 starb den 23. Mai. Um diese Zeit hatte man Handlung mit dem von Schleinitz wegen eines Knaben, den das Pferd erschlug. Den 30. Mai waren des Herzogs Räte in fürstlichen Geschäften hier, denen man die gewöhnliche Verehrung gab. Am 16. Juni hielt man einen Schützenhof in Düben, wo man für die besten Schützen zwei Ochsen, einen beim Vogel, den anderen beim weiten Ziel aussetzte. Die Delitzscher Schützen zeichneten sich dabei besonders aus und brachten einen Ochsen, 7 Ellen Kartek, gelben Atlas und andere Kleinode, auch sechs Fähnlein zurück. Man war der Meinung, daß die große Glocke der Frauenkirche mit der großen der Stadtkirche in einem richtigerem Klangverhältnisse stehe, als die im Jahre 1516 umgegossene und 1517 getaufte neue, gab daher diese dahin und hing jene zum Johannisfeste in der Stadtkirche auf, wo sie sich noch befindet. Beide Glocken der Frauenkirche kamen jedoch, weil der Bau dieser Kirche unvollendet blieb, später (1544) in die Stadt. Friedrich Landwehr von Halle, welcher am Jahrmarkte Petri Pauli, ohne des Rates Erlaubnis auf dem Damme eine Bude aufschlug und mit blinden Würfeln um Gefäße von Zinn spielen ließ, verbüßte es mit 48 Gr.. Am 2. Juli erließ der Herzog ein Aufgebot zur Rüstung und Bereitschaft gegen die Türken, von denen man fürchtete, daß sie aus Ungarn über Mähren und Schlesien hier einbrechen möchten. Das Mittagslauten (vom Herzog befohlen) besorgte hier der Unterküster Gregor, dem der Rat zu dem, was er von der Kirche empfing, ein Paar neue Schuhe gab. Vom 28. August bis 6. Dezember war ein Komet, dem vorjährigen ziemlich gleich, sichtbar, welcher früh zwischen 3 und 4 Uhr aufging und seine Strahlen gegen Mittag kehrte. Am 2. Oktober hatten die Räte des Kardinals und Erzbischofes von Magdeburg; des Kurfürsten zu Sachen, Johann Friedrich und der alten Stadt Magdeburg hier eine Zusammenkunft. Der Rat verehrte ihnen 30 Kannen Wein und Torgauisches Bier, dem Kurfürsten, Markgrafen Joachim von Brandenburg, der auf seiner Reise mit Gefolge hier übernachtete ein Faß Freiburgisches Bier und schlug man auf dem Markte ein Küche auf. In dem Hause des Peter Jäger brach durch Vernachlässigung am 28. Oktober abends Feuer aus, welches man sogleich löschte und den Besitzer mit 21 Gr. bestrafte. Der Rat ließ an den verkauften Loberwiesen Bäume und Gestäude behauen, gestattete aber den Besitzern, unter der Bedingung, daß sie den Lober reinhielten und so oft es nötig räumten, die künftige Nutzung. Für die Beleihung mit den Pakischen Zinsen und Gütern (1530) zahlte der Rat 7 Schock 52'/,Gr. Lehngeld, 2 Schocke 6 Gr. für den Lehnbrief und 3 Gr. für die Siegelkapsel Die drei Bauern in Gertitz aber lösten ihren Hofdienst ab gegen 16 Gr. jährlichen Zins. Auch machte man eine neue Ordnung wegen der Hausarmen und Bettler. Sie erhielten Blechzeichen, welche sie bei Reichung des Almosens vorzeigen mußten und ein Bettelvoigt 10 Gr., welcher Aufsicht führte, daß bei der Aufteilung keiner verkürzt ward. Ferner verteilte man an die Bedürftigsten zum ersten Male graues, selbwachsenes Kämmeler Tuch, wozu man 1 Schock 20 Gr., die Zinsen der 50 Gulden, Stößelscher Stiftung verwendete. Der religiöse Zwist und Kampf, verbunden mit der Härte der Unterdrückung, erzeugte hauptsächlich bei dem weiblichen Geschlecht Geistesschwächen und Verirrungen. Man war genötigt, sie zu versorgen, vielleicht auch nur gegen die Verweisung zu sichern, und ward deshalb vor dem Hallischen Tore, dem Hospitale gegenüber ein eigenes kleines Haus für sie, das Schwärmerhäuschen aufgeführt. Auch baute man ein neues Mühlgerinne. wozu man 38 der schönsten Eichen aus der Spröde nahm. Zum Gebrauch der Gerichtsstube ward das Angelus Buch über die Justituten für 1 Schock angekauft. Das Verdrehen der Jungfrauen im Tanze bestrafte man mit 5 und 10 Gr.. 462 Biere, die man in diesem Jahre braute, gaben der Kommunkasse zu 7 Gr. eine Einnahme von 53 Schocken 54 Gr., der Wert der übrigen betrug 885 Schock. Die Ziegelscheune lieferte 69 700 Ziegel. Fremde bezahlten für das Tausend 1 Schock, die Einheimischen 30 Gr..

1533

Den 1. Mai waren die herzoglichen Räte hier und gingen zur Besichtigung des Altenhofs. Am B. Mai desselben Monats brach durch Unvorsichtigkeit Sebastian Futterschneiders in dem Eckhaus der Grünstraße, an Arvalis Breite, Feuer aus. Der Wind wehte stark von Osten, die meisten Einwohner der Stadt waren auf der Leipziger Messe, die Stadt stand daher in großer Gefahr, doch gingen nur 8 Hofstätte verloren, was man der ungewöhnlichen Anstrengung der Löschenden zu verdanken hatte. In der Schule ward ein Knabe so hart gestäupt, daß er kurz darauf starb. Man erholte sich deshalb Rat bei dem Schöppenschreiber in Leipzig, der dem Rat auch in anderen zweifelhaften Fällen beirätig war. Dieses geschah im Jahre 1531 von dem Cantor Leonhard Engelberger, die Sache ward aber, weil der Vater des Knaben, der Barbier Dietrich starb, erst jetzt vertragen. Der Vertrag wurde dadurch erleichtert, daß man ungewiß war, ob der Tod notwendige Folge der Mißhandlung gewesen sei. Engelberger verließ sein Amt und studierte in diesem Jahre in Wittenberg. Anfang des Juli erschien abermals ein Komet gegen Mitternacht, ging abends nach 10 Uhr auf und ward bis zum 1. August gesehen. Er war größer als die seit zwei Jahren bemerkten und deckte mit dem Schweife viele Sterne. Man machte einen Versuch zur Anlehnung einer W a l k m ü h 1 e und kaufte in Bitterfeld einen W a I k s t o c k. Im Sommer ward die Stadtmühle mit bedeutenden Kosten umgebaut, zugleich aber auch der Stadtgraben von der Mühle bis zum Schlosse, 196 Ruten haltend. geräumt. Die Arbeiter erhielten 162 Ruten mit 5, und 24 Ruten, wo der Schlamm tiefer lag, mit 6 Gr. bezahlt. Der Rat kaufte die Elberitzer Mühle mit Garten, Wiese und Gehölz für 100 Gulden von Hans Liebmann und zahlte in diesem Jahre 21 Schock. Die Schützen wurden vom Rate in Wittenberg zu einem Schützenhof geladen. Es gingen 6 Schützen dahin und gab ihnen hiesiger Rat 40 Gr. Reisegeld. Auch Düben hatte am Lorenztage ein Schützenfest. An die Armen verteilte man in diesem Jahre für 2 Schocke 2 Gr. Tuch und verwendete 1 Schock 20 Gr. Zinsen von 100 Gulden. Stiftung der Witwe Sebastian Sanders und Simon Rosenkranzes und 42 Gr. dergleichen von 40 Gulden Stiftung der Lucas Nossigin, darauf. Mit Hans Hoier sollte man vor dem Herzoge verhandeln, er erschien aber nicht, auch mit Blasius Poritzsch hatte man noch zu schaffen und in dem Prozesse mit Pak auf Döbernitz erschien ein Endurteil, dessen Inhalt nicht angegeben wird. Eingesetzte messingene Gewichte kaufte man in Erfurt, eine Geldwaage kostete daselbst 2 Gr. und 18 Gr. ein Ries Glauchisches Papier. 432 Biere braute die Stadt und aus des Rates Keller verschenkte man 139 Fässer, meistens Torgauisches und Freiburgisches Bier. Der Garkoch bewirtete den Rat zweimaljährlich nach alter Gewohnheit.

1534

Am 27. Januar starb Oswald Holzmüller, Ratsherr seit 1524 und am 1. Februar Johann Grob, ebenfalls Mitglied des Rates seit 1531, früher Gleitsmann hiesigen Amtes, ein geborener Franke und nach dem Zeugnis des Stadtschreibers Költzsch ein gelarter, stiller und frommer Mann. Der Herzog befahl am 1. März Adolphen v. Hayn die 2000 Gulden, für welche die Stadt bürgte, zu kündigen und wurden sie am Leipziger Michaelis Markte von der Kammer ausgezahlt. Der Kardinal und Erzbischof von Magdeburg meldete dem Rat unterm 23. April seine Ankunft. Er traf am 4. Mai ein und hielt mit dem Kurfürst Johann Friedrich hierTageleistung. Der Rat beköstigte das Gefolge und verehrte ein Faß Torgauisches und ein Faß Freiburgisches Bier. Der Herzog beschied den 18. April die Stände zu einer Beratung nach Leipzig auf den 11. Mai. Man besprach sich über die Religion und die Stände versprachen dem Herzoge, wenn ihm bei den aufrührerischen Zeiten etwas zustoßen sollte, mit Leib und Gut beizustehen, auch sich gegen die alte Religion und Ordnung christlicher Kirchen als Gehorsame christlich zu bezeigen. Die Hauptsacheaberwardie Bewilligung des Zehnts vom Getränke, weil die alte Bewilligung zu Weihnachten ablief und man bewilligte ihn von neuem auf sechs Jahre. Die Abgeordneten des Rates waren Lucas Gelicke, Valentin Stock und der Stadtschreiber Balthasar Költzsch. Der Pfarrer Hermann Hammer führte wegen des Verfalls der Opfer beim Herzog Beschwerde und mußte sich dabei über die Ursache, die Verminderung der Kommunikanten und Vernachlässigung der Begräbnisgebräuche nach alten Ritus erklären. Der Rat, welcher zur Verantwortung gezogen ward, entschuldigte sich zwar, daß er in dieser Beziehung noch keinen Befehl erhalten habe und beklagte sich zugleich über den Pfarrer, daß er unfleißig im Amte sei, namentlich für das Predigtamt nicht genüglich sorge, erhielt aber Verweise und strenge Befehle, in deren Folge der Bürgermeister und Hospital Vorsteher Jacob Winkler unnachsichtlich verwiesen ward. Der Pfarrer Hermann Hammer, der Verdrießlichkeiten und Quälereien müde, ging nach Wurzen, trat mit den Reformatoren in Verbindung, verehelichte sich und gelangte endlich nach vielen Verfolgungen des Bischofs zu Meißen bei der Reformation der Stadt Wurzen zu einer Domherrenstelle und dem Pfarramte Körlitz, wo er bei einer Amtsrevision das beste Zeugnis erhielt und daß man an ihm einen reinen betagten Mann gefunden besonders zu bemerken für nötig hielt. Er besaß hier auch das Lehn Anna und die Hälfte des Hospitallehns, Fabian und Sebastian, von welchem ihm die Einkünfte, nach dem Ausspruche der Visitatoren, bis an sein Ende, welches am 13. Mai 1561 erfolgte, gegeben werden mußten. An seine Stelle als Pfarrer trat hier Wolfgang Lungwitz, gebürtig von Kalenberg. Die Tochter des Bürgers Mansfeld, welche man wegen lutherischen Gebrauches des Abendmahls verwiesen hatte, kam heimlich zu dem Vater, der wegen ihrer Aufnahme mit 40 Gr. bestraft ward. Am Lorenztage war ein Schützenhof in Magdeburg, an dem auf Zuschrift dasigen Rates vier hiesige Schützen teilnahmen. Ein gleiches Schützenfest stellte man am 6. September hier an und schenkte der Rat den fremden Schützen Wein und Torgauisches Bier. Bei dem Bürger Hennig Krüger entstand den 24. Oktober abends über dem Spiel Streit und Schlägerei, in welcher Nicolaus v. Scheidingen, der einen Partei, von einem Ratsdiener der anderen, getötet ward. Auf Befehl des Herzogs ward die Sache zwischen mehreren Adligen und dem Rate, welchem der Schöppenschreiber Benedict Sculteti, aus Leipzig, beirätig vertragen, des Rates Diener kamen in Haft und der Wirt Krüger, dem man das Spiel zum wiederholten Male untersagt hatte, gar 10 ½ Schock Strafe. Andreas Behrwald, von Broda verbüßte den Ehebruch mit 5 Schock und 2 Fuhren und Hans Landsberg mit 4 Schocken, unbeschadet des Strafgeldes an den geistlichen Richter. Einheimische und Fremde führten aus hiesigem und kurfürstlichen Lande soviel Getreide weg, daß Mangel und eine geschwinde Teuerung entstand. Der Herzog verbot daher unterm 2. November Aufkauf und Ausfuhr bei Strafe des Verfalls der Ladung und Belohnung des Entdeckers und Anzeigers mit dem vierten Teile des Weggenommen. Nur Zeugnisse der Obrigkeiten schützten dagegen, doch waren sie auf mäßige Quantitäten beschränkt und standen unter strenger Aufsicht der Gleitsleute und Zöllner vornehmlich an den Grenzen. Dieser Befehl zeigte sich ungemein wirksam und war Ursache, daß namentlich der Roggen in einem mäßigen Preise gehalten ward. Ein heftiger Sturm, den 25. November, richtete an Privat- und öffentlichen Gebäuden großen Schaden an, namentlich zerstörte er das Dach des Rathauses, das mit bedeutendem Aufwande umgedeckt werden mußte. An demselben Tage erhielt der Rat einen schriftlichen Verweis, daß er die ergangenen Münzverordnungen schlecht beachte, den Umlauf, fremder, verbotener Münze erlaube, wenigstens nicht genüglich bestrafe, unter Androhung schwerer Ahndung für jede künftig erwiesene Nachlässigkeit. Landsberg, welches man für einen offenen Flecken hielt, fing an Bier zu brauen und suchte es sogar in die nächsten Dörfer zu bringen. Der hiesige Rat, welcher glaubte, daß es nach seinen Privilegium diesem Orte nicht zukomme und auf Anfrage folgendes Schöppenurteil erhielt: "Vnser freundlich Dinst zcuvor, Ersame Weyse besonderr güthe freunde, Vf ewerr an vns gethane Frage Sprechen wyr Scheppen zcu Leyptzk vor Recht, wue die Kretzschmar zcum Landesberge vormals selbst nit gebrawet, auch das Fleck des orts keyn Stadtrecht hat So haben sie nit fug von Newes Brawtzeugk, und Brawhewsser zcu ertzäugen, und uvzurichten, und Ir möget Inen das, auß kraft ewres Stadtrechtes, und privilegium mit Rechte weheren von Rechtswegen, zcu vrkundt mit vnserem Insiegel vorsiegelt. Scheppen zcu Leyptzk." Landsberg beschwerte sich nun bei dem Herzog über diesen Eingriff in seine Rechte und der hiesige Amtmann von Grünrode zog am 13. Juli auf fürstlichen Befehl den Handel in gütliches Verhör. Die Verhandlung ist im Amtsbuche vom Jahre 1507 ... Bl. 108 niedergeschrieben und lautet wörtlich: "Vff heut Suntag am Tage Heinrici im 34 Jahr ist der Rat von Delitzsch mit samt den vom Lanczberge vor mir Heinrichen von Grünroden, zcur tzeit amptmann zcu Delitzsch erschienen, nach dem sich die vom Lanczberge eyner newkeit brawens halben mith einem freien Keller Wein und Bier zu schenken auffzurichten haben vnterstehen wollen, welchs dem Radt obgemelt nicht hat lidelich sein wollen, haben Inen auch hirmit nichts eynreumen wollen, Sunder diß vor verflissung eynes Jares früst geweret und ist den von Lantzberg ufgelegt anhaldung mit irer beweisunge beim Landesfürsten zu thun, doch mitler Zceit sich des zu enthalden." Es kam aber auf den Bericht des Amtmannes unterm 29. November gegen die Erwartung hiesigen Rates an den Amtmann zur Bekanntmachung an die Parteien folgender herzoglicher Bescheid: "Georg von Gots gnaden Herzogk zu Sachsen ... Lieber getrauer, Nachdeme unsere rethe die von Landtsberg und der radt zu Delitzsch des Bierbrauens halben sich nit haben vortragen mogen, So begeren wir, Du wollest dem radt berürter stadt Delitzsch anczeigen, das wir gar nit vor billichen erachten mögen, das sie den von Landtsberge das brauen werden solten, Darumb wirdest du den gedachten von Landtsperge erlauben, das sie Bier zu Irer nodtdurfft in dem flecken brauen und schenken, doch vff das landt nit vorkauffen, noch sich Ire Erbherren damit vorlegen lassen. Sonntags nach Catharine, Anno .... XXXIIII." Dieser Bescheid ist in dem angezogenen Amtsbuche BI. 110 eingetragen und dem Rate abschriftlich zugefertigt worden. Der Stadtschreiber hat aber nicht umhin gekonnt. seine Unzufriedenheit darüber auf dem Schöppenurteil mit diesen Worten zu bemerken: "Vrtel l die von Lantzberg des brawens halben belangende, welchs vns vnser G. H. Hertzog George vndergedruckt, und vns mit ihnen zw rechte nicht wollen kommen lassen." Gegen die Wiedertäufer, die sich hauptsächlich bei den Frauen Anhang zu verschaffen wußten, erschien unterm 23. Dezember zum öffentlichen Anschlag ein strenger Befehl. Diese Verbrecher sollten auf Geständnis oder Überführung ersäuft, wo das nicht möglich, mit dem Schwerte hingerichtet, ihre Güter konfisziert, und denen, welche sich bei Untersuchung dieser Verbrechen auszeichnen, der dritte Teil davon gegeben werden. Schöppen - und andere Gerichtsstühle wurden zugleich dahin zu erkennen angewiesen. Der Prediger, Priester Peter Körner, erlangte das Bürgerrecht und kaufte seiner Mutter Gerade vom Rate für 14 Schocke. Er stammte zwar aus der alten hiesigen Körnerschen Familie, war aber hier nicht geboren, sonst hätte ihm das Bürgerrecht unentgeltlich gegeben werden müssen. Er hatte in Wittenberg studiert und versah früher auch das St. Annenlehn.

1535

Der Amtmann verließ hiesiges Amt und Heinrich v. Bünau kam in die Stelle, welchen der Amtmann von Zörbig einwies. Die herzoglichen Räte untersuchten hier die Münzgebrechen und verehrte man dem Kanzler, der sie begütigte (den Rat entschuldigte) in 5 Talerstücken 2 Schock. Zugleich unterhandelte man um ein Aequivalent für den jährlichen Getränke Zehent. Der Herzog verlangte 112 gute Schocke in drei Terminen zahlbar, doch mit der Bedingung, daß das Bier, welches auf das Land verkauft würde, nach wie vor den Zehent vom einzelnen Fasse fortgeben müsse und der Amtmann in Radeberge, George v. Krellwitz erließ deshalb an den Rat unterm 26. Februar eine Zuschrift. Hans Spiegel in Leipzig und der Bürgermeister Egidius Morch daselbst baten den Rat um Sicherheit für Hans Spiegel zu Zschepen, welcher hier an der vorjährigen Schlägerei, wo der v. Scheiding blieb, teilgenommen haben sollte. Nach dem Osterfeste berichtigte man mit dem Amtmanne die Grenzen im Rosentale und an dem Auswurfe des Grabens bei der Grünstraße, welche Sander Spieler, Besitzer des Gartens der ehemaligen Schademühle und Schönherr in der Grünstraße, am Graben hinter der Scharfrichterei, merklich überschritten hatte. Die Verhandlung mit Sander Spieler ist im Amtbuche v. J. 1535 wörtlich so eingetragen: "Der Rath zeigte an, daß Sander Spieler seinen Zaun zu weit auf Raths Grund und Boden gesetzet und auch einen Weg, welchen man hir zuvor zur Gemeinde gebraucht, verzäunet und vermacht habe - es kam also Amt und Rath in dessen Hofe zusammen und ward entschieden, daß Sander Spieler den jetzigen Zaun stehen lassen und wenn derselbe Zaun vergehet, so soll er ohne des Rathes Wissen und Erlaubnis auf dieselbe Stelle keinen anderen setzen. sondern wie ihm ein ehrbarer Rath anzeigen wird, einen andern Zaun setzen. Wo es aber vorfiele, daß ein ehrberer Rath den Graben bauen und ausführen wollte lassen, so soll der Rath Macht haben, denselben Zaun hinwegzunehmen und den Auswurf soweit ihnen derselbe zuständig wegzustechen und zu seinem Nutz zu gebrauchen. Auch so hat Sander Spieler bewilliget, einem Rathe oder der Gemeinde die Pforte zu jeder Zeit, so oft es vonnöten, zu öffnen und hindurch gehen zu lassen." Zu gleicher Zeit war auch eine Grenzbeziehung in der Spröde, wo man mit Otto v. Spiegel in Badrina streitig war. Die jungen Bürger und Bürgersöhne, die man nach alter Gewohnheit dazu zog, erhielten Bier zur Ergötzlichkeit. Am Pfingstdienstage, den 18. Mai, entstand zu Eilenburg in einer Scheune Feuer und brannten binnen zwei Stunden Pfarrkirche, Rathaus, Marstall und 99 Häuser weg. Der hiesige Rat schickte sogleich 50 Scheffel Roggen aus seinem Vorrate dahin, auch ward eine ansehnliche Collekte in der Kirche und Stadt ausgebracht. Auch hier entzündete sich die Schmiedesse des Blasius Richter und Holzwerk über dem Backofen des Franz Schmidt, das Feuer ward aber sogleich unterdrückt und Richter, der es später als die Nachbarn beschrien hatte, mit 50 Gr. bestraft. Der im vorigen Jahr hier abgegangene und in Boma wieder angestellte Schulmeister Johann Brunner, welcher aus seiner hiesigen Amtsführung noch Gehaltsansprüche besonders an das Amt machte, klagte in diesem Jahre und der Amtmann in Leipzig zog die Sache ins Verhör. Das Amt hatte den Rektor, weil er mit den Schülern den Meßdienst in der Schloßkapelle besorgte, täglich zu beköstigen. Wie es derzeit dieser Pflicht nachkam und auf welche Rangstufe man da diesen, wegen seiner Tüchtigkeit gerühmten Mann stellte, darüber gibt sein Schreiben an den Rat merkwürdigen Aufschluß: "Meine freundliche willige Dienste bevor allezeit. Ersame weise günstige lieben Herren, Es trifft sich itzund in meinem Abscheiden also zu, daß ich noch allererst muß mit Hadern und Gezänke wider allen meinen Willen und Begierde mein sauerverdientes Lohn einmahnen, und mit hin und her rennen und laufen ja mit Unkost Versäumniß und der Leute Ungunst gleich in duplo, und auf ein Neues dasselbe wieder verdienen. Nun wohlan, hab ichs diese siebenthalb Jahr aneinander denn sowohl ausgericht bei denen von Delitzsch, daß ich also abgefertigt muß werden, so sey es recht ja immerdar, und bleibe recht, und werde nimmermehr unrecht (wo es E. W. also erkennen Ist huc der supremus Juppiter). Und du lieber Joan Prunner mußt dich selbst trösten, dieweil du hast albereit einen Fl. oder 34 zu Delitzsch dich verziehen, welche dich ja so sauer sind angekommen als vielleicht diese aussenstehende Schuld seyn mag, so greif es nur redlich an, und ergib dich dem Unglück gar auf sein Kampffeld, beiß dich mit ihm eben wohl, wer weiß wie das Glücksrad sich wende, und wer zuletzt Ritter möchte werden; Nam, (nisi spe frustrer) malum qui fortiter patitur, post potitur bonum. Aber mit diesem seines Weges, wir wollen zur Sache greifen. Ersame weise günstige lieben Herren, mir ist ungezweifelt, E. W. tragen noch in frischem Gedächtniß, wie oft ich mich gegen E. W. mündlich beklaget habe, Nachdem je die 15 alten Schock, so da länger denn bei 20 Jahren aus dem Amte anstatt der Präbendorum und fürstlichen Gestifte Gottesdienstes, als Metten, Vesper und Hochmeß unwidersprechlich alle und itzliche halbe Jahre der Schule gebrechet, nun allererst bei dem gestrengen und vesten Herrn Heinrichen von Grünrode wiederum in präbenda verwandelt mußte werden; wie dieselbige mir eine Zeitlang so schmähelich, gering, säuisch, ungenießig und ungesund geschickt sind worden, daß ich verursachet war, dieselben mehr als einmal E. W. zu Hause zu schicken, und besehen zu lassen. Denn da man geben sollte, wie vor Alters, auf zwo Personen, da gab man jetzt kaum auf eine Person. Wo man sollte gespeiset haben von des Hauptmanns Tische, da ward der Schule ein sonderliches Küchhl aufgerichtet, daraus man das ganze Jahr über speiset, ungesalzen und ungeschmalzen, Konfent und Waßersuppen, Schweine Schwarten Fleisch und was von den Bachen der Säue schmerckelt und garstig abgeschnitten für die Hunde und Katzen sollte gedeihen, mußte die auf der Schul mit Liebe annehmen, und nicht wohl dawider mucken, obgleich schon Maden in den Schüßeln umher schwammen eines halben Finger lang. Ja daraus man gab Erbeis angerichtet, daß einer hätte müßen sieben (mit Züchten) über die Zunge werfen, wo er sie hätte wollen ansehen, oder davon eßen, Item Haidegrütze und Hierse dergleichen fast, wie den auch das andere Zugemüse in lauterem Wasser ohne Salz und Schmalz, ich weiß nicht soll ich sprechen gesotten, oder gebraten, denn so man es auf die Schüsseln anrichtet, so lag es wie eingeknetenerTeig oderLeim, schimmernd und gleißend, es wäre es mit Nasenschmalz überzogen. Ey ein überaus liebliches und niedliches Bißlein! Was sage ich von Kutteln und Kaldaunen, der werthen Speise! Sie schmecken auch wohl, wenn sie nur mit Wasser begossen, und das Fett daran geliefert war. Mit dem Fleisch, das doch sonst auf der Schule ein seltsames Leckerbislein, war überaus gut, wenn es nur durch die Köchin den Gischt und Schaum um sich her hatte liegen, eines halben Messers dick. Aber darüber behält man wohl weitere Klage in der Feder, denn es ward dazumal nicht viel frischen Fleisches gespeiset. Die Küche mit der Köchin, günstige Herren, wäre wohl beßer abzumalen, aber ich muß auch Papier für den Kellner und den Becken behalten, sonsten wo es an diesen Mangel trüge, so müßte sie ungelobt überlauffen und verschwiegen bleiben. Der Kellner oder Schenke zu Schloß, weise Herren, beweiset sich eben redlich und wohl, denn ob er wohl nichts eine Weile geben wollte, so schicket er dennoch täglich auf itzliche Malzeit eine Kanne sauren kanichten Konfentes voll herab. Wollten die Locaten (seines Bedünkens) denselbigen nicht trinken, so mochten sie mit den Gänsen zu Weine gehen. Desgleichen der Becker ließ auch nicht gebrechen. Er gab von einer sonderlichen Hitze und Schuß (ich halte aber es mußte den Hunden oder dergleichen Thieren gebacken seyn) Brod an der Gestalt wie grobe, schwarze Erde, an der Materie aus Kleien und Komspreuen, an den anderen Qualitäten weich, daß man wohl einer Axt hätte dazu bedurft, wo man es hätte wollen geniessen. Ja unschmacksam war es auch nicht, ohne allein daß es entweder mäusefräßig, oder gar schimmlicht für uns kam. Aber was mache ich viel dieser Worte? sintemal ich es E. W. oftmals zu Hause habe laßen tragen, und zu Bekräftigung mehrerer Wahrheit selbst ansehen, daß E. W. wohl wissen, wie ich hierin der Wahrheit nichts abbreche. Summa, die lieben präbenda mit Laub, waren so gut, daß ich, wollte ich anders gesunden Leib erhalten, mußte um mein Geld andere Speise kaufen, und diese unter weilen des Custodis Schweinchen vortragen lassen. Nicht weiß ich, ob sie auch der Locat, den ich auf diese Zeit hatte, allezeit gegessen,.oder nicht, das weiß ich aber wohl, da er zur Zeit (ist mir recht am Tage Nativitatis Mariä) den Präbendarienknaben mit einem Töpchen kalter Kaldaunen zur Köchin wieder aufs Schloß geschickt, im Namen daß er sie bäte, ihm denselben zu wärmen, und auch dieweil ein sehr großes Fest wäre dermaleins doch auch ein Stücklein Gebratenes schicke, da brachte der Knabe dafür herab Franzosen und weiß nicht was mehr; es ward ihm auch gesagt, er sollte fürder gar nicht wieder kommen, präbenden zu holen, oder man würde ihm anders ausweisen. Günstige liebe Herren, auf solche Antwort wie sollten wir uns arme Gesellen halten? Wir mußten uns in die Kost verdingen, und E. W. ansorgen, wes wir uns sollten fürder halten. Indes aber verweilet sichs, daß Ostern nahe herbei kommen, und beide Gesellen Cantor und Locat der präbendorum halben am meisten abziehen, und ich armer müßte einen Knaben oder 60 mit lesen, horen, schreiben, singen, beides zu Chor und Schul vorstehen, Vesper, Complet, Messe, Salve, der über die Maße genugsam alda singen und ausstehen ... Auch ersame weise Herren, auf die Ostern, da der itzige Amtmann an und Kreutzsch (Kreyschau) abzog, ward die Präbenda lang hernach bis nach Pfingsten nicht gegeben also, daß ich auf Verhoffnung ich würde vom Schloße ohne Widerrede dieselbe wiederbekommen, dem abziehenden Cantori bei 3 1/, alten Schocken hinaus mußte geben. Ich habe aber bis anher noch nichts können bekommen, bitte derwegen abermals freundlich, E. W. wolle solches an meinen Gnädigen Herren gelangen laßen, Sintemal der Hauptmann sich erboten, alles zu geben, was seine fürstlichen Gnaden ihm befehlen werden, Bitte abermals dienstlich E. W. wolle mich erfahren laßen, daß ich zu Delitzsch günstige Herren habe." In diesem Schreiben wird übrigens noch gesagt, daß der Stadtschreiber, als oberster Schulmeister den Schulmeister aufzunehmen und zu enturlauben Macht habe und diese Macht ihm vom Rate gegeben sei. Der Rat zahlte die 400 Gulden, welche er für den Herzog bei dem Bürger Clemens, 1498 in Leipzig geborgt hatte und bezog nun die 20 Gulden Zinsen jährlich aus der Silberkammer. Auch löste er die 1450 bei hiesiger Ackerknechtgesellschaft aufgenommenen 32 Schock 20 Gr., deren Zinsen an die Lesemesse kamen, wieder ab. Dazu borgte er aber 150 Gulden von Marcus Burgmann und 100 Gulden von Paul Moller, hiesigen Bürgern. Peter Landsberg aber trat die Zinsen von 100 Gulden dem Rate geliehenen Kapitale dem Hospitale ab. Die Steinwacken, welche dem durch das Feuer verwüstete Kälberstalle in der Kohlstraße, zum Grunde lagen, wurden weggebracht und mit zu der Mauer am krummen (breiten) Tore verwendet, zu der man noch gegen 12 000 Stück Mauersteine brauchte. Der Rat ließ die zwei kleineren silbernen Becher des Rathauses umarbeiten und bezahlte dem Goldarbeiter 2 Schock 40 Gr.; kaufte eine neue eiserne Kasse in das Gewölbe und in die Gerichtsstube den Richterlichen Klagspiegel, den Laienspiegel, die Kaiserliche Halsgerichtsordnung und der Stadt Worms Ordnung. Den Predigtstuhl versah der Pfarrer Lungwitz selbst und der Rat zahlte ihm aus der Commende 3 Schock 20 Gr. Bei der Prozession am Fronleichnamfeste errichtete man, wie auch früher geschehen eine Laube von Maien, unter welcher der Pfarrer bei dem Umzuge mit der Monstranz stille (Station) hielt. Eine ähnliche aber größere Laube baute man vor dem Rathause am Ablasse Petri Pauli für die Trinker, die die Schenkstube nicht aufnehmen konnte. Der Gutsbesitzer Balthasar von Selben erschlug den Lamprecht Enthrich vor Paul Mollers Scheune in der Nähe des Kohltores und flüchtete. Ein Schock 3 Gr. zahlte der Kaland jährlichen Zins von 60 Gulden, die ihm der Rat auf Bitte geliehen hatte. Auch den Gleitsmann Lorenz Eckart hatte der Rat im vorigen Jahre 100 Gulden zum Hausbau in der neuen Zscherne vorgestreckt.

1536

Die Rittergüter beschwerten sich von neuem über den Bierzwang der Stadt und hatte man deshalb am 5. Januar in Leipzig Vorbeschied. Die von Gollm kamen den 26. Mai in Prozession (auf einer Kreuzfahrt) hierher und erhielten ein Viertel Bier. Den 28. Juli ließen die Herren von Starschedel einen Bauer aus Polenz bei Brandis, Ambrosius Hentzschel. welcher seinem Bruder Gall Hentzschel ein Pferd, 12 Gulden, 15 Gr. am Werte entwendet hatte, mitdem Strange hinrichten und gab man den jungen Bürgern, welche dabei im Harnische erschienen, für 20 Gr. Bier. Am 9. August, nachts zwischen 12 und 1 Uhr zog von Nordwest ein furchtbares Gewitter mit Hagel über die Stadt und nahm seinen Weg über Wölkau nach Eilenburg. Der Hagel, von ungewöhnlicher Größe und Gestalt, vernichtete Feldfrüchte, Obstbäume, Dächer und Fenster, doch nur auf einem schmalen Sriche so, daß Weißig, ein Teil der Elberitzmark und der Kosebruch verschont blieben. Man baute im Sommer dieses Jahres die kleine Schenkstube des Rathauses, den Keller mit Lauke, das Schützenhaus vor dem Hallischen Tore, legte auch das Pflaster der Breiten und Hallischen Gasse um. Tür- und Fensterstöcke der Schenkstube waren von Sandstein und ein Fremder, Meister Balzer, dem man 3 Schock 51 Gr. Lohn, Wohnung und Kost gab, malte sie. Zu diesem Bauen borgte man vom Bürgermeister Paul Moller 50 Gulden, zahlte aber dagegen dem Jungfrauenkloster St. Georg zu Leipzig die von der hier geborenen Anna Schebe dahin gekommenen 100 Gulden ab, und erhielt durch Abtretung von Andreas von Reibitz, auf Greppin 250 Gulden, die ihm Ernst v. Schönfeld zu Löbnitz schuldete und dafür das Dorf Döbern verpfändet hatte. Weil es auch an tauglicher Ziegelerde fehlte, so kaufte der Rat für 50 Gulden von Paul Moller die vor dem Galgtore neben der Ziegelscheune am Stadtgraben gelegene, der Kirche lehnende Breite, welche noch zu den Stadtgütern gehört und den Namen Ziegelbreite behalten hat. An 14. Oktober übernachtete hier Markgraf Georg von Brandenburg, dem man einen Eimer Wein Verehrung gab. Die Tuchmacher (Wollenweber) erhielten neue Innungsartikel und zahlten 2 Schock. Ein Kramer Rosenthai aus Leipzig bewilligte für die Erlaubnis, seine Warenfässer hier einsetzen zu dürfen, jährlich 26 Gr. und der Müller zu Nauendorf gab den Wegezoll oder Pflastergeleite jährlich überhaupt 1 Gulden. Ein Kramer Rosenthai aus Leipzig bewilligte für die Erlaubnis, seine Warenfässer hier einsetzen zu dürfen, jährlich 26 Gr. und der Müller zu Nauendorf gab den Wegezoll oder Pflastergeleite jährlich überhaupt 1 Gulden. Ambrosius Rein, der in der Vorstadt eine Gastnahrung trieb, ward, weil der Vorstadt dieses Gewerbe nicht zukam, mit 20 Gr. Strafe belegt; l Schock 15 Gr. aber büßte der Schafmeister Clemen, aus Döbernitz, welcher nachts auf dem Markte ein Zetergeschrei anrichtete, wozu ein Streit mit Gregor Fogeler Anlaß gab. Das kleinere, silberne Ratssiegel, welches man wegen Unbequemlichkeit des größeren machen ließ, kostete 1 Schock 3 Gr. und 42 Gr. ein gebundenes Buch, welches die deutschen Justituten, das Lehnrecht, die Reichstagsabschiede, die Goldene Bulle und andere kleinere Schriften enthielt, zum Gebrauch in der Gerichtsstube. Die Ziegelscheune liefert ein diesem Jahre 89000 Steine,davonverkaufte man 11 800 an Auswärtige, das Tausend für 1 Schock, 63 000 an Heimische für ½ Schock und 14 200 verbrauchte man zu den Bauen der in diesem Jahre zum Teil neu aufgeführten öffentlichen Gebäude.

1537

Den B. Februar war ein Landtag in Oschatz und am 2. Mai ein zweiter in Leipzig, wo dem Herzog auf Verlangen der Zehente auf Lebenszeit, auch eine Hilfssteuer vom Landbau (...) verwilligt ward. Der Stadtschreiber Költzsch bemerkte bei dem Eintrage der dabei gehabten Kosten: Gott behüte ferner vor weiter Beschwerung. Ein Hauptgegenstand war auch die Sicherstellung künftiger Regierung seines zweiten, blöden Sohnes (Herzog Georg ältester Sohn hatte auch Neigung zum Trunk) und die Reformation der Klöster. Auf des Herzogs Aufgebot zur Rüstung war am 10. Juni Heerschau der Bürgerschaft. Ausgerüstet zählte man zu Roß: 34 in der Stadt; zu Fuß: 97 in der Stadt, 29 in der Vorstadt. Das Dorf Gertitz stellt 6, Werben 4, Benndorf 2 Geharnischte zu Fuß. Der Herzog schrieb aber wieder, daß er des Fußvolkes nicht benötigt sei, der Dienst zu Roß aber werde angenommen. Hierauf hielt man 18 Pferde bereit und die Hakenschützen zum Abgange fertig. Bei der Heerschau hatte man einen Trommelschläger, für die Abgehenden eine neue Fahne von 60 Ellen Zindel, in welche des Rates Wappen mit Pariser Seide genäht war und die Bürgerschaft erhielt eine Kufe Bier. Der Adel hielt am Tage Petri Pauli wieder seinen Tanz auf dem Rathause, der seit einigen Jahren unterblieben war und nahm vom Rate Torgauisches Bier. Von dem früher gewöhnlichen Stechen auf dem Marktplatze findet sich seit vielen Jahren keine Nachricht mehr und es ist zu vermuten, daß es bei den bedenklichen Unruhen zwischen Ritterschaft und Stadt auf Befehl des Herzogs unterblieben ist. Im Sommer baute man die Bastei hinter der Doctorei (im Zwinger gegen Mitternacht), die Hallische Brücke von Wacken, Bruch- und Mauersteinen, mit Bohlen und Pflaster belegt, den Steinweg am Loberteich gegen die Mühle (völlig ausgeglichen und geordnet ward dieser Teil der Stadt erst 1579) und füllte und pflasterte das Loch vor dem Mühlteich, welches noch von der alten, innerhalb der Stadt gelegenen Mühle geblieben war. Auch ward die Commende Trinitatis bedeutend gebessert, um ein Stockwerk erhöht und für den Stadtschreiber, der das Haus zur Dienstwohnung hatte, mit einer besonderen Schreibstube versehen. Auch räumte man den Stadtgraben vom Hallischen Tor bis zum breiten. Er hielt 1242 ½ Ruten und kostete die Räumung, die Rute zu 5 Gr., 103 Schock 32'/Z Gr. Überdies erhielt der Teichmeister Andreas Wagner 15 Scheffel Korn und 10 Ellen Tuch, die Elle zu 5 Gr. Der Gesamtaufwand betrug 124 Schock 15 ½ Gr. Ferner wurde das von der Beutnerin 1490 gekaufte Holz auf Gerltitz bei der Spröde mit einem Aufwande von 3 Schocken und 4 Scheffeln Korn gerodet. In dem Hause des Bürgers Jacob Landsberg entstand eine Schlägerei, er wollte den Schiedsmann machen, erschlug unvorsichtig den Erasmus Krinisch und verbüßte die Tat mit 2 Schock. Auch erschlug Sebald Günther, Weidemann zu Döbernitz, auf Elberitzmark einen Bauer von Döbernitz, flüchtete und ward in die Acht erklärt, der Einwohner Bartholomäus Mewes in Gertitz aber, welcher sich erhing, vom Abdecker abgeschnitten und vergraben. Am 7. Dezember entzündete sich die Feueresse des Rathauses in der kleinen Trinkstube ohne Gefahr; sie ward aber höher gebaut. Auch vermehrte man die Zahl der ledernen Feuereimer unter dem Rathause um 28 Stück. Der Winter zwischen 1537 und 1538 war außerordentlich mild. Das Wasser fror nicht. Schnee fiel nur selten und nur in geringer Masse, blieb auch über einen Tag nicht liegen. Man bestrafte den Baumfrevel durch Beschälung mit 40 Gr., Bürger, die Edelleuten und Krügern auf dem Lande Malz bereiteten mit I Schock; Melchior Nauwerken, der in der Vorstadt Bier verzapfte mit 24 und das Herumlaufen der Gänse und Hühner mit 4 Gr. Unter den Fremden, die Verehrung erhielten, war auch der Fürst von Anhalt. Den Flurschützen gab man für 12 Wochen 1 Schock 4 Gr. Lohn, den herzoglichen Trompetern aber, welche schon seit mehreren Jahren den Rat z u m neuen Jahre anbliesen, 20 Gr. 29 ½ Schock gab die diesjährige Fischerei Erlös, 98 450 Stück Mauerziegel lieferte die Ziegelscheune und von 451 gebrauten Bieren hatte man die gewöhnliche Einnahme, vom Biere 7 Gr. 1 Scheffel Samenkorn galt 4, ein Scheffel Hafer 2 1/2 Gr.

1538

In der Mitte des Januar erschien nach Sonnenuntergang im Zeichen der Fische ein Komet mit ziemlich großer Ausstrahlung. Am 7. Juni ward die Stelle des abgegangenen Amtmannes, Heinrich von Bünau, auf Droysig, Wolf v. Nismitz durch den Ordinarius Dr. Breitenbach aus Leipzig eingewiesen. Von diesem v. Bünau kaufte der Rat die zwei Windmühlen vor der Stadt, am Anger, zwei Jahre vorher von ihm neu gebaut, am 30. Juli für 350 Gulden oder 120 Schock 30 Gr. mit allem Zubehör. Der Kauf wurde in Glesien geschlossen, welches Rittergut er auch besaß. Vom 12. Mai bis 20. Juni war es ungewöhnlich heiß und dürr. Feuerkugeln von solcher Größe, daß sie am Tage sichtbar wurden, fielen häufig nieder. Mittwochs nach dem Pfingstfeste zeigte sich eine solche Kugel eines Scheffels groß, vormittags 10 Uhrjenseits der Ziegelscheune nach Werben zu, und zersprang in Gegenwart vieler Zuschauer. Auch wurden dergleichen in Schmiedeberg, Kernberg, Wittenberg, Eilenburg und sonst gesehen. Den 30. Mai fing man schon an, die Wintergerste zu schneiden. Darauf folgte schnelle Teuerung und stieg der Roggen und Weizen bis 18, Gerste bis 14, Hafer bis 10 Gr. der Scheffel Delitzscher Maßes. Die Lehn von den lehnpflichtigen Landungen war lange zurückgeblieben. Der Rat hielt also einen Lehnstag und erhielt 22 Schock 31 1/2 Gr. Lehnware. Ein Viertellandes Garten gab 4, die Hälfte oder ein Achtel 2 Gr.; eine Hufe auf Elberitz, Gertitz, Rubach hatte 1 Schock Lehnware und 20 Gr. Zins. Die übrigen Grundstücke entrichteten gleich viel Zins und Lehn. Den herzoglichen Räten Dr. Kammerstadt, Dr. Breitenbach und Dr. Fachs, welche in fürstlichen Angelegenheiten nach Zerbst reisten und hier übernachteten, bewies man die gewöhnliche Verehrung, Wein und Torgauisches Bier. Polizeilich wurde unter anderen gestraft das Schmiedehandwerk, weil es einen Mitmeister hinter dem Rücken des Rates in Strafe nahm mit 1 Schock; Abitzsch aus Grimma, der in des Rats Schenkstube mit einem Kännchen nach dem Kapellan Fabian schlug mit 48 Gr.; der Schulmeister, welcher sich auf dem Tanzboden mit einer Jungfrau verdrehte, mit 5 Gr. Hans Fiedler aber, welcher seine Dienerin zur Unzucht verleiten wollte, von dieser aber mit List aufgehalten ward, bis sein Eheweib hinzu kam, mußte es mit 5 Schocken verbüßen und Matthäus Kohl, der den Rat wörtlich beleidigte mit 20 Gr. Eine Frau wurde am 9. November zur Staupe geschlagen. Im Rosentale drei Hälter, welche man durch einen Tagelöhner reinigen ließ. Die äußerste Brücke vor dem Hallischen Tore ward von dem Steinsetzer neu belegt; in der Spröde ein bedeutender Vorrat von Brettern geschnitten. Ein Sandseiger auf das Rathaus kostete 10 1/2 Gr.

1539

Am 9. Mai kaufte der Rat das Termineihaus der Leipziger Dominikaner in hiesiger Judengasse (später Holzgasse), für 350 Gulden oder 122'/ Schock. Sie bedachten zu rechter Zeit den nahen Verlust, und da der Kauf vor Aufhebung des Klosters geschlossen war, so konnte die Anfechtung desselben durch den Amtmann auf Befehl des Herzogs nicht von Folgen sein. Wolfgang Schirrmeister, der Prior, trat zum Protestantismus über und ward in Leipzig 1543 Dr. der Theologie, der Licentiat Balthasar Müller aber ging noch in diesem Jahre nach Würzburg. Den 9. Juni erschien des Herzogs Heinrich erster gedruckter Befehl, ein wiederholtes Verbot des Gebrauchs fremder Münzen. Diesem Befehle lagen zwei kleine gedruckte Zettel bei. Der eine von drei Zeilen,verordnete die Bekanntmachung obigen Befehls an die Gemeinde, der zweite aber enthüllte in vier Zeilen: "Ir woldet auch der Geistlichkeit mit euch vormelden und anzeigen, das sie das Sacrament des Abentmals Christi nicht anders dann in beider gestalt reichen und geben, Vnd das Sacrament einer gestalt zu geben sich enthalten, Das ist vnsere gentzliche meynung," den Anfang hiesiger Reformation. Der Rat war nun eifrig um die Besetzung des ledigen Pfarramtes (Pfarrer Wolfgang Lungwitz starb am 17. März) besorgt, reiste wiederholt zu der Äbtissin nach Weißenfels, verwarf aus triftigen Gründen den sich eindrängen wollenden Pfarrer von Schenkenberg und verlangte von ihr die Überlassung eigener Wahl. Die Wahl fiel nun auf den hier geborenen Simon Kotwitz, man suchte dessen Anstellung bei dem Herzog nach und erhielt, nachdem der Empfohlene von Luther geprüft und mit einem ehrlichen Zeugnis versehen worden, die landesherrliche Bestätigung durch die Visitatoren. Zugleich ward Clemens Werner, früher Lesemeßler und seit 1522 Lecturist am Altare Katharina, welchen der Rat zum Diakon wählte, als solcher von den Visitatoren bestätigt und behielt seine Wohnung in dem Hause des Lehns. Der Pfarrer in Dresden Dr. Petrus Eysenbergk, beliebt bei dem Herzog Georg, hatte ein geistliches Lehn zu Landsberg auf dem Berge (in dasiger Kapelle) eine Pfründe, welche ihm jährlich 52 Gulden einbrachte, diese ward ihm vom Herzog Heinrich in einer Verordnung lebenslänglich zugesichert. Am 28. Juli abends 6 Uhr stieg durch ungewöhnliche Regengüsse der Lober zu einer nie erreichten Höhe, schlug an vier Stellen über den Wall in den Stadtgraben,zerrißdas Gerinne gegen die Terminei (dieSchleuseinder Hintergasse durch die Stadtmauer in den Graben führend), beschädigte daselbst die Mauer und warf endlich die steinerne gewölbte Brücke am breiten Tore nieder. Auch die Mühle hatte stark gelitten und war längere Zeit ungangbar. Die Brücke ward für den Augenblick von Holz hergestellt und schenkte der Herzog dazu zehn eichene Stämme, bis zum Winter aber mit einem Aufwande von 25.000 Steinen wieder gemauert und gewölbt. Die an vielen Stellen durchwühlten Ufer des Stadtgrabens konnten nur mit großer Anstrengung in Ordnung gebracht werden, weil wegen häufiger Regengüsse dieses Jahres der Lober selbst um Weihnachten noch in bedeutender Höhe stand. An einer gefährlichen ansteckenden Krankheit, wahrscheinlich Folge der Teuerung und vorjähriger übermäßig trockener, diesjähriger ungewöhnlich feuchter Witterung, starben hier 740 Personen. Die Krankheit begann um Pfingsten und endete um Weihnachten, war aber im August am heftigsten. Dabei erhielt sich die Teuerung und galt fortwährend der Scheffel hiesigen Maßes Weizen 18 Gr., Roggen 16-18 Gr., Gerste 13 Gr., Hafer 10 Gr. Den Einwohnern der Stadt verkaufte der Rat 130 Scheffel Roggen um einen geringeren Wert. Die Visitatoren in Meißen, Justus Jonas, Dr. Melchior v. Creytzen Amtmann zu Colditz und Leißnig, Dr. Georgius Spalatinus, Caspar v. Schönberg zu Reinsberg und Rudolph v. Rechenberg waren in hiesigem Amte und richteten, weil ihr Aufenthalt kurz war, nur das Nötigste, die deutsche Messe und den Schulunterricht hauptsächlich durch Anempfehlung des Katechismus ein. Die Visitationsartikel unterm B. August ausgefertigt wurden dem Rate wenige Tage darauf zugestellt. Die Visitationsartikel überbrachte mit einem Schreiben der Visitatoren vom 19. August Mr. Egidius Seitz, früher hier Prediger, welchen man im Namen des Herzogs unweigerlich als Oberdiakon annehmen sollte. Der Rat entschuldigte sich aber, daß er schon versehen sei und gab dem Überbringer ein Reisegeld. Die Hauptrevision und Ordnung des Gotteskastens wurde bis auf gelegenere Zeit verschoben. Aus viel bewegenden Ursachen ward der Pfarrer zu Leipzig (Pfeffinger) als Superintendent für hiesige Stadt und Umgegend angestellt. Mit herzoglicher Erlaubnis legte der Rat auf Gerltitz eine Schäferei an. Er zog dabei zwei gut unterrichtete Schafmeister zu Rate und baute im Laufe dieses Sommers noch ein Wohnhaus für den Schäfer, einen Schafstall, legte einen Brunnen an und umzog das Ganze mit einem Graben von 166 Ruten. Das hiesige Geschütz wurde durch einen Büchsenmeister aus Freiberg untersucht, das Untaugliche zerschlagen und zum Umguß nach Freiberg abgeführt. Auch gab man 44 Gulden für 100 Spieße aus. Am 13. November war ein Landtag in Chemnitz, wo man den Zehenten auf zehn Jahre bewilligte. Die Abgeordneten von hier brachten eine Kopie der schriftlichen Verhandlung und hatten 15 Gulden 32 Gr. Aufwand. Donat Beul und sein Weib, welche Diebe begünstigten, wurden nach eingeholtem Schöppenurteil mit Ruten gestäupt. Der Maler Balzer in Leipzig malte auf vier Tafeln die Strafe des Baumfrevels, welche Tafeln der Rat, an Säulen befestigt, öffentlich ausstellen ließ. Aus der Commende (Trinitatis) erhielt zum ersten Male Thomas Berger, eines hiesigen Bürgers Sohn 1 Schock 45 Gr. Stipendium. Der Rat verkaufte das kleine Breitchen hinter dem Holze zu Elberitz, zwischen den Wiesen und Äckern gelegen, an Hans Becker für 3 Schock 4 Gr. jährlichen Erbzins, mit dem Vorbehalte, daß er einen Weg an der Wiese lassen soll, auf welchem jeder zu dem Seinen kommen kann. Dem für die Windmühlen angenommenen Müller baute man auf dem Anger aus dem Grunde ein Wohnhaus. Der Platz war eine mit Knochen der Tiere angefüllte Vertiefung, den man erst räumen und ausgleichen mußte. Schindanger. Der Rat kaufte von Hans Schwaben in der Vorstadt den großen silbernen Becher mit runder Decke und vergoldeten Reifen 30 Lot weniger ein Quäntchen am Gewicht, für 5 Schok 12'/, Gr., das Lot zu'/, Gulden gerechnet. Auch schaffte er für die Herren, welche über Land reisen mußten eine Zündbüchse, mit zwei Pulverflaschen und einen Partisan oder Fuhrspieß, für Reisende zu Pferde, an. Das Läuten bei Gewittern, welches man bisher fortgesetzt hatte. ward untersagt. Der K a 1 a n d, dessen Vermögen bei nächster Revision dem Gotteskasten zugeschlagen wurde, hatte in diesem Jahre den Pfarrer in Zaasch, Ambrosius Stahl und den Bürger Johann Krug zu Vorstehern, nahm noch an dem Versammlungstage den Pfarrer Simon Lingke in Kyhna als neues Mitglied auf und bestand aus folgenden Personen: I. Geistliche: Simon Strobart; Ambrosius Stahel; Wolfgang Eichmann; Clemen Werner; Georg Kannengießer; Simon Beher; Heinrious Erwasser; Simon Lincke; Conrad (Nepfel) von Zschortau; beide Barfüßer; Egidius Preusse; Capellanus (Fabian). II. Weltliche: Bürgermeister Stock; Stadtschreiber; Rapsilber, Andreas Fischer; Hans Görr; Thomas Gorre; Matthäus Schönbeber, Hans Bendorf; Marcus Koch; Hans Krug; beide Schulmeister, alt und neu; Cantor; Organista; Küster; die Präbender. III.Weiber: Die Stockin; Stadtschreiberin; Georgin; Krügerin; Schneuberin; Berendorferin; Krugin; Schulzin; Baccal. Seilerin.


Delitzscher Stadtchronik - 1540-1599

(Quelle: Delitzscher Stadtchronik von Johann Gottlieb Lehmann; ausgewählt durch Christel Moltrecht, Teil IV, 1540-1599, hrsg. vom Kreismuseum Delitzsch, 1981)

Einführung

Nach einem längeren Zeitraum erscheint mit diesem Heft der 4. Teil der Delitzscher Stadtchronik. Ihr Inhalt bietet einen fast vollständigen Abdruck der Jahrzehnte zwischen 1540 und 1600 aus der Originalchronik von Johann Gottlieb Lehmann. In diesen Aufzeichnungen lässt sich bis ins Detail die wirtschaftliche, politische und geistige Entwicklung der Stadtgemeinde verfolgen. Für seine Auswertung fand der Chronist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine günstige archivalische Quellenlage vor. Hierin liegt der eigentliche Wert für die Erschließung der Delitzscher Heimatgeschichte. Zwar lassen sich aus dieser Chronik nicht lückenlos die analogen Belege für die Nationalgeschichte auffinden, denn regionale Besonderheiten und Zufälle bei der Überlieferung einzelner Fakten bieten dafür lediglich Anhaltspunkte, sie geben aber die Basis für das lokale Kolorit. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts konsolidierten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt. Das Handwerk sicherte sich 1550 im Zusammenhang mit Einsprüchen gegen Fremde seine Handelsprivilegien an Markttagen. Man entwarf eine neue Hökenordnung und außer den ständigen Wochenmärkten veranstaltete der Rat „mit höherer Erlaubnis" drei Jahrmärkte. Der auf, ausgewogener Produktion basierende örtliche Handel in Delitzsch als Markt für die umliegende Region bedurfte ständig kontrollierter und verbesserter Maße und Gewichte. Daher hatten 1549 alle Bürger ihr Gemäß nach einem kupfernen Probegemäß au eichen, wobei des „Rates Zeichen" eingebrannt wurde. Für Leineweber, Tuchmacher und ähnliche Gewerke „ward am Rothause eine eiserne Elle aufgehängt"... Ein Jahr darauf musste man auf fürstlichen Befehl im ganzen Osterlande sogenannte Butterhosen als Hohlmaße verwenden. Hervorhebenswert sind auch die in allen Wirtshäusern anzubringenden Preistafeln zum Nachweis des Wertes von Speisen. Gleichzeitig verbot der Kurfürst das Einrichten neuer Schenkstätten in den Dörfern durch Rittergutsbesitzer, um die Einkünfte der Stadt nicht zu schmälern. Auch hatte ein Zaascher Schneider dem Delitzscher Rat 1548 gegen Gewährung einer Gewerbelizenz „umschweifende Störer" anzuzeigen. Als ein Verlust stellte sich der Erwerb von Kuxen, Anteile am erzgebirgischen Silberbergbau, heraus. Dieser finanzielle Einsatz musste auf kurfürstliches Drängen von den sächsischen Städten beibehalten werden. Ärgernisse daraus ergaben sich in den Jahren 1557 und 1571. Mit dem allmählichen Niedergang dieses ehemals bedeutenden Wirtschaftszweiges in Sachsen begann eine Neuorientierung auf textile Gewerbe. Parallelen zu diesem Aufschwung in den sächsischen Landen finden sich auch in der Chronik. Offensichtlich war er auch hier begleitet von verbesserten Produktionsverfahren bei der Textilerzeugung, denn schon im Jahre 1533 wurde von einem Versuch zur Anlegung einer Walkmühle berichtet, wofür der Rat in Bitterfeld einen Walkstock erwarb. Bis 1555 benutzten die Tuchmacher einen Platz nahe der Doktorei zu einem Rahmen, wo sie ihre gewalkten Tuche spannen konnten. Aus all den wird die Förderung dieser Gewerbe durch den hiesigen Rat deutlich, der damit seine Einnahmen verbesserte. Die größeren Einkünfte erhielt die Stadt jedoch aus der eigenen Schäferei, deren Wolle die genannten Handwerker in Ort verarbeiteten. Weitere Erlöse zugunsten der Kämmereikasse kamen aus Zinsgeschäften, der Ziegelproduktion, der Loberfischerei, der städtischen Brauerei und aus zahlreichen Steuern der Stadtbewohner bestimmter sozialer Schichten. Bedeutende Einkünfte brachten die Zinsen der Pachtländereien und Ratsdörfer wie Werben oder Gertitz. Die Bauern dieser Gemeinden hatten zudem noch Naturalabgaben zu leisten, was in den jährlichen Preisen für den Scheffel Weizen, Roggen, Gerste und Hafer zum Ausdruck kam. Landaufkäufe der Stadtgemeinde zu ihrer territorialen und wirtschaftlichen Erweiterung resultierten aus der Geschäftstüchtigkeit des Rates sowie den Leistungen des Handwerks. Die Stadt nutzte jede Gelegenheit, von Adligen der umliegenden Dörfer Ländereien anzukaufen. In diesen Jahr kamen z. B. das Packisehe Lehen, das Dorf Benndorf sowie Gasten- und Feldmarken aus den Besitz der Adligen von Pak, von Hirsau, von Ende, aber auch Kirchenland dazu. So wurde die Stadt Delitzsch durch ihre Erwerbungen Grund und Boden selbst immer mehr zum Feudallehnsbesitzer. In gleicher Richtung zielte auch die Erneuerung eines bestehenden Lehnbriefes durch den Landesherren, worin sich der Rat die Ordnung über seine Stadtgüter, die nur in bürgerlichen Besitz bleiben durften, für die Zukunft bestätigen ließ. Hierin stimmten die Interessen des Landesherren mit denen des Rates zu Lasten des Adels überein. Dennoch verpflichtete die Feudalabhängigkeit in der sich die Stadt gegenüber den Landesherren befand, zur Leistung zahlreicher finanzieller Ausgaben. Neben den ständigen Zahlungen belasteten außerordentliche Sonderstern wie Land-, Trank- und Türkensteuern die Finanzen der Stadt und ihrer Bürger. Hinzu kamen Transportdienste und die Abzahlung landesherrlicher Schulden. Die großen Liebhabereien des Kurfürsten Christian I. an jagdlichen Vergütungen führten zu häufiger Inanspruchnahme seiner Untertanen. Das erregte 1588 den Unwillen der Einwohner der Delitzscher Ratsdörfer. Weiterhin waren die Städte zu Festungsbauten und Kriegsdiensten verpflichtet, so im Schmalkaldischen Krieg 1546 und in der Schlacht bei Mühlberg 1547. Die Stadt wurde durch diese landesherrlichen Aufwendungen und verschwenderischen Hofhaltungen an einen intensiven wirtschaftlichen Aufschwung gehindert. Während des gesamten Zeitraumes hatte der Rat die Sicherheit seines Territoriums und seiner Bürger politisch und militärisch zu gewährleisten. Aus diesem Grunde wurde 1553 eine eigene Kriegsordnung eingeführt, die die wehrfähige männliche Bevölkerung der Stadt in Hellebarter, Armbrustschützen, Spießer und Hakenschützen enteilte und ihnen für den Fall der Verteidigung einen genauen Platz auf der Stadtmauer und an den Toren zuwies. Dem dienten auch Wächterdienste, für die ein besonderes Bürgergeld erhoben wurde. Wesentliche Verbesserungen nahm man auch an den Wehranlagen vor. So erhielten der Hellesche Turn und das Viehtor einen neuen Wendelstein, die Erker des Breiten Turmes wurden- erneuert, an Torhaus des Breiten Tores und an den Brücken beider Türme führte man umfangreiche Baumaßnahmen durch, der Stadtgraben wurde geräumt und die immer wieder erwähnten Waffenankäufe und Besetzung der Tore mit verstärkten Wachen verdeutlichen die Gefahren, denen die Stadt Delitzsch wie andere sächsische Städte durch landesherrliche Auseinandersetzungen häufig ausgesetzt war. Daneben hatte sich der Rat der Stadt wie in den vergangenen Jahrhunderten inner wieder vor Übergriffen einzelner Adliger der umliegenden Dörfer zu schützen. Als Ursachen boten sich Grenzstreitigkeiten wegen der Hutungen, der Feldmarken oder der Fischerei in Lober und den Kosebruchteichen. Das nötigte der Stadt laufende Gerichtsprozesse auf. Mehrfach berichtet die Chronik von Gewalttätigkeiten einzelner Adliger gegen friedliche Bürger. Auch der in der Stadt auf dem Rathause und auf dem Markte abgehaltene Adelstanz gab zu häufigen Beschwerden beim Landesherren Anlass. Vorkommnisse dieser Art ereigneten sich in den Jahren 1551, 1589, 1596 und 1597. Sehr häufig suchten die Adligen von Militz auf Schenkenberg die Stadt zu schädigen. Besondere Beachtung verdienen die politischen Verhältnisse im Kurfürstentum Sachsen bei der Durchsetzung der Reformation. Das spiegelte sich in einzelnen Ereignissen der städtischen Geschichte wider, begleitet von vielfältigen Unruhen. Nach denn Tode Martin. Luthers setzten Fehden wegen Anwendung der kirchlichen Gebräuche ein. Dies führte zu unterschiedlichen religiösen Strömungen, deren Verbreitung durch Schriften eingeschränkt werden sollte und in Verfolgungen Andersdenkender einmündete. Kurfürst August hatte 1580 die streng lutherische Lehre mit der Konkordienformel zur herrschenden Religion erhoben. Ihre Anhänger standen den Kryptokalvinisten gegenüber. Dieser sächsische Kryptokalvinismus zeichnete sich durch eine progressive Haltung zu Wissenschaft, Bildung und Kultur aus. Die dieser Richtung anhängenden Geistlichen, Schulmeister und Küster wurden harten Repressalien ausgesetzt, die bis zur Amtsenthebung führte. Schon der Verdacht, dieser Lehre anzugehören, zog entsprechende Konsequenzen nach sich. Neben den Verdächtigungen durch einzelne Bürger tauchten 1591 und 1592 böswillige Schriften auf, deren Wortlaut die ganze Härte persönlicher Anfeindungen zeigte. Art und Weise der Ablösung des Diakon Repphun 1592 sowie des Notar Homagk und des Ratsherren Scheuchler bewiesen, dass sich der Rat durch lutherische Wortführer aus der Bürgerschaft gedrängt fühlte, den Geschädigten aber den weiteren Weg zu ebnen bemüht war. Nicht ohne Schwierigkeiten gestaltete sich auch die Einführung des Gregorianischen Kalenders in den protestantischen Ländern in Jahre 1582. Die hohe Achtung geistiger Leistungen einzelner Vertreter des Städtebürgertums kommt u. a. in der Förderung ausgewählter Schüler der hiesigen Lateinschule zum Ausdruck. In humanistischen Bestreben der Renaissance entsandte der Delitzscher Rat diese Schüler an die Fürstenschule Schulpforte, einem Gymnasium, stattete sie mit den nötigen Stipendien aus oder empfahl sie an die Universitäten Leipzig und Wittenberg. Nach deren Schul- bzw. Studienabschluss bemühte sich der Rat, sie in Delitzsch als Stadtschreiber, Schulrektor oder für kirchliche Ämter zu gewinnen. Nicht selten wurden diese Persönlichkeiten in den Rat und als Bürgermeister gewählt. Wie verpflichtend solche Stipendien waren, belegen die Angaben der Jahre 1553 und 1554. Das hohe Verantwortungsbewusstsein der städtischen Kommune gegenüber geschädigten Städten und Dörfern wird in zahlreichen Geldzuwendungen der Bürger und des Rates deutlich. Mit härtester Konsequenz ahndete der Rat als Gerichtsherr jegliche Verfehlungen, die nach damaligen Moralvorstellungen das soziale Gefüge gefährdeten. Bußgelder und Ausweisungen waren dabei noch die erträglichsten Strafen. Mildere Strafen für Vergehen des Adels lassen dessen soziale Sonderstellung erkennen. Der Rat beauftragte verschiedentlich Künstler mit der Ausführung von Schnitzwerken, Ölmalereien und Bildhauereiarbeiten, von denen einige die Jahrhunderte überdauerten. So bieten die hier vorgestellten Jahrzehnte ein vielgestaltiges Bild von Delitzsch und seinen Bewohnern in der zweiten Hälfte eines entscheidenden Jahrhunderts und an der Schwelle unheilvoller historischer Ereignisse. In der Folge bleiben nun noch 100 Jahre chronistischer Ausarbeitungen von Johann Gottlieb Lehmann zu veröffentlichen.


1540

Die Regengüsse dauerten bis Ostern dieses Jahres, dann trat ein heißer Sommer mit solcher Dürre ein, dass fast das ganze Getreide verloren ging. Die Teuerung stieg daher noch höher und die Ausfuhr des Getreides ward bei harter Strafe untersagt. Der Wein aber war von seltener Güte. Zur Abzahlung der von Johann Poyda, in Schkeuditz für den Herzog geliehenen 300 Gülden borgte der Rat 200 Gülden von dem Bürger Marcus Burgmann und vom Ratsherrn Andreas Fischer 100 Gulden, am 26. Februar, und ist die Schuldverschreibung des Letztern erst im Jahre 1652 wieder eingelöst worden. Die erledigte Rectorstelle trug man dem früher hier gewesenen Schulmeister, jetzt Rector in Borna, Johann Prunner, an, er lehnte sie aber ab und erhielt sie nun der hiesige Bürgerssohn Thomas Berger, welcher in Wittenberg studieret und bisher ein Schulamt in der Stadt Niemeck verwaltet hatte. Er verehelichte sich noch in diesem Jahre und der Rat verehrte ihm und den Gästen am Hochzeitstage 16 Kannen Wein. Er und der Kantor mit den Schülern führten am 2. März in Gegenwart des Pfarrers und der Räte eine Komödie auf und der Rat machte der Gesellschaft ebenfalls mit Wein ein Geschenk. Wegen der Lehn an den Pakischen 1530 verkauften Zinsen und Gütern und Bestätigung der Stadt-Privilegien reisten einige des Rates -im Mai nach Dresden und Freiberg zu dem Herzog, wo sie acht Tage aufgehalten, und nach der Ansicht des Stadtschreibers von der Kanzlei, welche 20 Taler erhielt, sehr überteuert wurden. Über die Lehn selbst beriet man sich mit dem alten Kanzler Dr. Pistores, dem man 4 Taler verehrte. Während diese Herren in Dresden waren, beschieden die Visitatoren den Pfarrer und Rat nach Leipzig, der Termin ward aber, weil gerade die in Dresden Abwesenden vom Pfarrlehn, Altären und Brüderschaften die, meiste Wissenschaft hatten, verschoben. Später reiseten mit dem Pfarrer sämtliche Mitglieder des Rates dahin, wo denn der Kirchendienst vollständig geordnet, der Gotteskasten durch Zuschlagung der Einkünfte beider Kirchen, des Pfarrers, der Altäre und Brüderschaften für die Besoldung der Geistlichen, Schullehrer und des Küsters eingerichtet und die Annahme eines zweiten Diakon festgesetzet ward. Durch Mehrheit der Stimmen wurden die Ratsherren Petrus Walter und Bartholomäus Hartmann die ersten Vorsteher des Gotteskastens, Kastenherren,> und zwei andere des Rates zu Verwaltung der Pupillengelder verordnet. George Spiegel kam als Amtmann an die Stelle des abgegangenen v. Nißmitz und der Rat verehrte der bei der Einweihung gegenwärtigen Ritterschaft mehrere Kannen Wein. ' Die Schützen hatten den Kranz erhalten und der Herzog erlaubte der Stadt auf des Rates Gesuch einen Schützenhof. Der Rat kaufte einige Grundstücke von Gangolps in Benndorf die Hans von Schiedingen in Schenkenberg lehnten, und die Wildbahn in der Spröde zu bestellen und des Rates Jagdgerechtigkeit zu erhalten zwei Hasennetze. Auch ließ er auf Gerltitz etliche Teichstätte durch den Teichmeister von Glesien abwägen, und bauete das Kaiserhäuslein, ein gemauertes niedriges Behältnis, der Straße gleich, in der Garküche, vorne nach dem Heringsgäßchen Breite Straße-Markt) zu, mit eisernen Gittern von Höhe und Breite des Behältnisses versehen, in welches man hauptsächlich Felddiebe an Markttagen eine Stunde lang sperrte, das Gestohlene anhing, und sie so der öffentlichen Beschauung preisgab. Der in Wittenberg studierende Sohn des hiesigen Bürgers Johann Rügezelt, Ambrosius Rügezelt, später hier Kantor, Stadtschreiber und Ratsherr erhielt das Stipendium der Commende Trinitatis, 5 Schocke 15 Gr. und überdies ein Schock 45 Gr. bei Erlangung des Baccalaureats. Dem alten Kapellane der Frauenkirche, Fabian, der sich beklagte, dass er sein Leben im Dienste der Gemeinde zugesetzt habe und an Augenschwäche leide, verehrte man 40 Gr. Anton Kische, der einem Bauer von Paupitzsch auf Benndorfer Mark den Finger abhieb, gab 1 Schock; Blasius Richter, der seine -Magd mit einem Stricke würgte, 4 Schocke Strafe, 101/2 Schock aber Anton Spott, der wider Verbot des Rates seinen Gasthof wüste stehen ließ, und gleichwohl seine Biere brauete, die Stadt bei dem Oberhofgerichte verklagte, aber durchfiel. An dem Pfarrgebäude und Lehn Katharina waren Besserungen mit bedeutendem Aufwande nötig. Zu Landreisen des Rates kaufte man eine Zündbüchse in einer Scheide, wie ein Waidemesser [Pistole] für 45 Groschen. Die Bürger am Hallischen Tore gaben zu dem Straßenpflaster 5 Schocke 19 Gr. Die Steine brachte man von Gerltitzmark. Die Ziegelscheune lieferte 71400 Ziegel und von 455 Bieren, zu 7 Gr. kamen der Kämmereikasse 53 Schocke 5 Gr.


 1541

Bis hierher hatten die Vorsteher der Neustadt das Wächtergeld der Vorstadt eingenommen, und an die Kämmereikasse geliefert, weil sich aber Unordnungen fanden, übernahm der Rat die Einnahme selbst. Eine Bademagd, Walpurgis, ward am 24. Januar zur Staupe geschlagen. Die Stadt Großenhain, welche durch Feuer verunglückt war, erhielt aus der Kämmereikasse 2 Schocke 5 Gr. Das in Freiberg umgegossene Geschütz der Stadt, 14 Stück, 41 Zentner an Gewicht, kam zurück und kostete mit Zubehör 11 Schocke 15 Groschen. Der seit 2 Jahren mit Ernst v. Schönfeld, auf Löbnitz, wegen Erhöhung seines Brückenzolles geführte Prozess ward im Oberhofgerichte vertragen und in Beziehung auf des Ratsgeschirr herabgesetzt. Donnerstags in der Osterwoche, d. 21. April, kam auf herzoglichen Befehl der Hauptmann von Leipzig und Dr. Camitz hierher, die Grenzen der Elberitz Marke, welche Döbernitz störte, zu besichtigen. An dieser Grenzbeziehung nahmen unter anderem auch alte Gutsbesitzer aus Zschortau als Zeugen für der Stadt Gerechtsame teil. Der neue Diakon, Mr. Matthias Rotha, vorher in Grunau, ward eingeholt und trat sein Amt an. Nur ein Geistlicher, der Vikar des Altares Barbarä, George Kandelgiesser, konnte sich von den Gebräuchen der alten Kirche nicht trennen und der Rat behielt daher den Zins, welchen er jährlich an den Besitzer dieses geistlichen Lehnes zu geben hatte, zurück. Erst im Jahre 1543 ging er zum Protestantismus über und empfing nun die vollen Einkünfte des Lehns bis an seinen 1547 erfolgten Tod. Die Ratsscheune zu erweitern kaufte die Commun ein Stück Land von dem Bürger Reiner für 1 Schock 20 Gr. Der fortgesetzte Bau an der Pfarre und ihren Nebengebäuden kostete 51 Schocke; der Schloßgraben wurde geschlämmt und mit dem Schlamme der Wall des Stadtgrabens erhöhet; der Seiger gebessert und die Hälfte der kupfernen Mondenkugel, welche den Mondenwechsel angab, neu vergoldet. Ein Viertelscheffel Maß und drei einzelne Metzen fertigte ein Kupferschmied in Leipzig, das Viertel auf das Rathaus, die Metzen in die Mühlen. Sie hielten an Gewicht 39 Pfund und kosteten das Pfund zu 3 Gr. ein Schock 531/2 Gr. Als es bekannt ward, dass der Herzog Moritz seine Gemahlin im Herbste heimführen und mit ihr am 6. November in Leipzig eintreffen werde, schrieb der Rat in Leipzig (an den Rat in Delitzsch) und der hiesige schickte an ihn die 50 Gülden Verehrung zu der bestimmten Zeit. Am 7. November erschien des Herzogs durchgreifende Verordnung wegen der Handwerks-Missbräuche, Anmaßung willkürlicher Bestrafung und Verfemung der Genossen und Gesellen, Nichtachtung der ihrer Willkür nicht zusagenden obrigkeitlichen Befehle, und hartnäckige Auflehnung dagegen, und ward ihnen mit Beziehung auf den Augsburger Reichstags-Abschied v. 1530, und besondere Übereinkunft der Fürsten am Tage Galli dieses Jahres zu Naumburg, bei jedem derartigen Eingreifen in diese Rechte der Obrigkeiten Unredlichkeitserklärung und Landesverweisung angedroht. Die Bürger hatten im Herbste ein Haken- und Handbüchsenschießen nach einem hölzernen gemalten Türken. Der Rat gab zum Gewinne zwei rote Hosentücher und bezahlte den Trommelschläger. 44 Hakenbüchsen waren dabei im Gebrauch. Der Stadtschreiber verlor an seinem Gehalte vom Salve und anderen Stiftungen, die ihm als obersten Schulmeister vor der Reformation zukamen, jetzt aber dem Gotteskasten zugeschlagen waren, 4 Schocke, der Rat ersetzte sie ihm aus der Kämmereikasse. Übrigens hatte er freie Wohnung, Bekleidung, Heizung, 5 Schocke jährlich für die Kost, 2 Schocke für die Kämmerei-Rechnung, einen Anteil vom Schoße und Wächtergelde, Kopialien im Stadtgericht und sonst kleine zufällige Einnahmen. Das Stipendium der Commende empfingen in diesem Jahre die Baccalauraea Ambrosius Rügezelt und Thomas Andreä, jener 121/2, dieser 10 Gülden. Andreä war der Sohn des hiesigen, verstorbenen Bürgers, Bartholomäus Andreas, studierte in Wittenberg, war eine Zeit lang des D. Justus Jonas Famulus, Baccalaureus, Magister und von 1551-1575 Archidiakon an der Frauenkirche in Halle. Zu dem hiesigen Stipendium ward er vom Dr. Bugenhagen empfohlen, an den er sich um Vorbitte in einer lateinischen Zuschrift gewendet hatte. Gregorius Poschs in Meißen trat die 1000 Gülden, herzogliche Schuld, für die die Stadt bürgte, an den Dr. Auerbach in Leipzig ab und hatte der Rat deshalb mit diesem in Leipzig Verhandlung.


1542

Auf dem Landtage in Leipzig, den 3. Januar, bewilligten die Stände die zu dem bevorstehenden Türkenzuge vom Reiche verlangte Steuer. Die Ritterschaft gab von 1000 Gülden zehn, die Bürger und das Landvolk von 1000 Gülden fünfzehn Gülden, doch war bei der Ritterschaft die nicht wertende Barschaft ausgeschlossen. Sie ward in 3 Terminen abgeführt und betrug von den Commungütern 10 Schock 19 1/2 Gr. auf einen Termin. Den 26. Januar übernachtete hier mit Gefolge die verwitwete Herzogin Katharina, Mutter des Herzogs Moritz. Der Rat verehrte einen Eimer Wein und ein Fass Torgauisches Bier und ebensoviel am Johannisfeste dieses Jahres bei ihrer Wiederkehr. Von ihr erhielt der Rat ein gesticktes Kruzifix, welches er zu besserer Haltung auf einer schicklichen Unterlage befestigen ließ. Dieses Kruzifix berührten Ratsherren und Richter bei Ableistung ihres Amtseides, da vorher das Reliquienkästchen aus der Kirche zu diesem Zwecke gebraucht ward. Die Erhebung der Türkensteuer in Wurzen erregte zwischen den befreundeten Fürsten, dem Kurfürsten Johann Friedrich und Herzog Moritz, einen Regalienstreit, der in den bittersten Unwillen überging und mit den Waffen entschieden werden sollte. Der Kurfürst bot eiligst das Landvolk auf, das Fußvolk nach Wurzen, die Reisigen nach Grimma und ein Gleiches tat der Herzog. Er lagerte sich mit den Ober- und Bergstädten bei Oschatz und forderte das übrige Landvolk, die Thüringer und Osterländer nach Leipzig. Dahin zogen nun am Karfreitage 50 hiesige Bürger mit ihrer besten Wehr, sämtlichem Geschütz und einem Vorrat von 105 großen und 988 kleineren eisernen Kugeln. Sie hatten einen Fähnrich, den Bürger Marcus Wüst, zwei Webel, Nicolaus Letzscher und Andreas Erich, Trommelschläger und Pfeifer, und erhielten bei ihrem Abzuge 1 Fass Bier und 35 Schocke Sold. Zu ihnen stießen hier die Zörbiger Fußknechte, denen man ebenfalls ein Fass Bier gab. Luthers kräftigem Worte und dem Eifer des Landgrafen Philipp hatte man es zu danken, dass dieser, unübersehbares Unglück drohende, Unwille der Fürsten am Osterfeste begütiget und das Heer mittwochs darauf entlassen ward. Die frohen Hausmütter bereiteten jetzt den ausgesetzt gebliebenen Osterfladen und die Heimkehrenden, die ihn frisch fanden, scherzten über den Fladenkrieg. , Die Kämmereikasse gab der Gemeinde zu dieser Heerfahrt 100 Gülden Vorschuss und dieser ward ihr später von 157 Brauberechtigten zu 10, von 31 Nichtbrauenden in der Stadt zu 6 Gr., von 54 dergleichen in der Neustadt zu 4, und von 41 Pfahlbürgern zu 3 Groschen erstattet. Über den nicht wollbedachten und unkräftig endenden Türkenzug dieses Jahres gibt der hiesige Stadtschreiber Költzsch auf dem Vorstoßblatte einer Rechnung wörtlich Nachricht. Zu diesem Heerzuge schenkte die Stadt dem Herzoge ein Pferd. Die kurfürstlichen und herzoglichen Räte waren der Landgebrechen wegen hier und gingen nach Eilenburg, wohin sie der Rat zu Wagen bringen und vom Stadtschreiber begleiten ließ. Ihre Reise betraf die Zölle, das neuaufgesetzte Geleite zu Düben, Weißigk und Roitzsch und Beyersdorf. Durch das Münzverbot verlor die Kämmereikasse am 23. Juli von 66 Talern 1 Schock, 6 Gr. Der neue Kantor, Wolfgang Faust, ein geborner Zörbiger, ward in Wittenberg, wo er studiert hatte, abgeholt. Der Rat bauete im Laufe des Sommers ein neues Schützenhaus an der Vogelstange, einen Schuppen an der Terminei, welche der Hutmann, Gemeindehirt, bewohnte, ließ einen Teil der Judengasse und das Gäßchen bei der Jägerin [Riemergäßchen, Süßemilchsgäßchen] ganz [15 Ruten] pflastern. Knopf und Spille des breiten Turmes erneuern, die Spille mit Kupfer belegen, und einen der Brunnen des Marktes mit Schiefer decken. Auch kaufte er einen kleinen behangenen Wagen für 8 Schock 23 Gr. in Eilenburg. Im Anfange des Herbstes zeigte sich in Schlesien plötzlich ein Heer Heuschrecken vierschlögelich in Fingers Länge und Stärke. Sie zogen alles verheerend bis Torgau, eine kleine Abteilung auch noch etwas weiter, wurden aber nun vom Winter überrascht und getötet. Es kam zweimal Feuer aus ohne großen Schaden, und schaffte der Rat abermals 54 neue lederne Feuereimer an. Im Dezember trat solche nasse Witterung ein, und verdarben die Wege so, dass das Fortkommen äußerst schwierig und kostspielig war. Das Stipendium der Commende hatten Thomas Andreä und Erasmus Schmidt, jener 7 Schocke, dieser 1 Schock 45 Gr. Schmidt war der Sohn des hiesigen Bürgers Hans Schmidt, Schüler in Halle, dann Student in Leipzig und später hier -Kantor. Geschworene Müller von der Elster untersuchten die Stadt- und Naundorfer Mühle, und wurden die Gebrechen durch Ordnung der Pfähle und des Fachbaumes abgetan. Die Ziegelscheune lieferte 113 000 Stück.


1543

Durch die anhaltende Nässe litt der Roggen, und mussten im Frühling viel Roggenfelder umgepflügt und mit Hafer besäet werden. Von dem diesjährigen Feldzuge des Königs Ferdinand mit einem größtenteils Böhmischen Heere gegen die Türken in Ungarn, der auch fruchtlos abging, hat der hiesige Stadtschreiber Költzsch (wörtliche Anmerkungen gemacht). Von diesem Jahre ist die erste Rechnung des Gotteskastens, welcher sich, wie schon bei 1540 bemerkt, ausschließlich auf den Fonds zur Unterhaltung der geistlichen Personen bezog. Die Baulichkeiten, Beschaffung und Erhaltung der zum äußerlichen Gottesdienste nötigen Gegenstände behandelte die Kirchenrechnung, die hierzu einen eigenen Fonds hatte. Vereiniget in dem Gotteskasten waren die Einkünfte beider Kirchen, von Grundstücken, und Kapitalen, des- Pfarrers, des erledigten Altares Crucis, des Kalanders, der Brüderschaft der Ackerknechte und Unserer lieben Frauen, das Sprenge- und Opfergeld, das Communikanten-Gestift und das Schulgeld. Dieses betrug jährlich im Durchschnitte 9 Schock, und gaben 70 Knaben, jeder jährlich 8, 12 aber nur 4 Groschen. Dazu geschlagen waren aber auch die Einkünfte der übrigen Altäre doch nur auf den Todesfall ihrer Besitzer. Es besaß aber das Lehn des Altares Barbarä der hiesige Vikar Georg Kandelgießer; das Lehn Corporis Christi, oder des Frohenleichnam-Altares Petrus Friedrici, welcher das Haus des Lehns, die nachherige Archidiakonus-Wohnung inne hatte; das Lehn Katharinä der hiesige Diakon Clemens Werner; das Lehn Martini der Dr. der Theologie Caspar Borner in Leipzig; das Lehn Fabiani und Sebastiani im Hospitale, unter allen das reichste, zu einer Hälfte der ehemalige hiesige Pfarrer Hermann Hammer, jetzt in Wurzen; zu der anderen der Prediger von der Jacobskirche in Leipzig Georg Lyssenius, dessen Hälfte aber an den Ersteren überging; das Lehn der Heiligen Anna derselbe Hermann Hammer, und das Lehn Jacobi der Pfarrer in Zschortau Conrad Nepfel, der längere Zeit von hier aus dieses Pfarramt verwaltet hatte. Das Todesjahr dieser Männer und der Anfall der Einkünfte ihrer Lehen wird in der Ordnung angegeben werden. Die Brüderschaft der Ackerknechte besaß eine Wiese vor dem Kohltore, welche, dem Gotteskasten verfallen von den Vorstehern desselben folgenden Bürgern um den beigeschriebenen jährlichen Zins vererbt wurde.

1 Acker Herrn Andreas Fischer 17 Gr. 4 Pf

 1 Acker Herrn Nicolaus Letzscher 17 Gr. 4 Pf

 1 Acker Barthol. Hartmann 17 Gr. 4 Pf

 34 Ruten Herrn Thomas Kühne 9 Gr. -

 34 Ruten Matthäus Kohl 9 Gr. -

 44 Ruten an Hans Lange 11 Gr. 6 Pf.

Zu Lehn ging dieses Grundstück bei dem Rate, der denn auch eine dem Zins gleiche Lehnware für diesen Fall einzog und in Rechnung brachte. Auch verkauften die Vorsteher in diesem Jahre eine der Pfarre gehörige, ebenfalls zum Aerar geschlagene Hufe Feld an den Bürger Bonifacirus Stephan für 60 Gülden, jährlich mit 10 Gülden zahlbar. Der neue Amtmann, Nicolaus von Rotschütz, ward eingewiesen. Der Hausmann, Türmer des breiten Turmes, erhielt, um die Gegend eines entstandenen Feuers der Stadt anzugeben, eine rote Fahne von Zschetter für den Tag und eine große, eiserne Laterne für die nächtliche Zeit. Am 1. Oktober, früh gegen 6 Uhr, starb der Pfarrer Simon Kotwitz (...) An seine Stelle wählten die drei Räte am 29. desselben Monats, den Sohn des hiesigen, um die Stadt sehr verdienten Ratsherren Hans Göre, den Mr. Sebastian Göre, welcher in Wittenberg studieret und daselbst am 19. September 1538 im 20sten Lebensjahre, die Magisterwürde erlangt hatte, jetzt aber Pfarrer in Sidaw war. Für die Frohnen wurden Häuser am breiten Tore gebauet. Die Einwohner von Poßdorf waren im 14. und Anfangs des 15. Jahrhunderts in Gerltitz eingepfarrt, als aber das verwüstete Dorf Gerltitz, mit Kirche, Kirchlehn und- geistlichen Gebäuden 1404 an den Rat kamen, Pfarrer und Küster von den Poßdorfern allein nicht unterhalten werden konnten, so hob der Erzbischof Friedrich von Magdeburg, dem 29. März '1449, die Parochie auf, erlaubte die Abbrechung der baufälligen Kirche, der Pfarrer Nicolaus Thomä kam als Vikar in die Stadt und die Poßdorfer wurden in die hiesige Frauenkirche gewiesen. Diese. Einrichtung blieb bis zur Reformation, wo man sie wegen weiten, oft schlechten Weges und unvollendeten Baues der Frauenkirche nach Spröde pfarrte, den Garbenzehnt aber, welchen sie dem hiesigen Küster zu geben hatten, diesem überwies. Sie verweigerten aber in diesem Jahre den Garbenzehnt, nicht ohne Vorwissen ihrer Gerichtsherrschaft des von Schönfeld auf Löbnitz, weshalb die herzoglichen Räte mit dem Superintendenten aus Leipzig den 6. Dezember in Löbnitz, wo auch der hiesige Stadtschreiber und Küster gegenwärtig war, verhandelten und die streitige Abgabe dem Küster zugesprochen ward. Der Ratsherr Martin Koch, welcher 1541 starb, stiftete 100 Gülden zu einer Tuchspende für die Armen und verteilte der Rat in diesem Jahre von den Zinsen zum ersten Male ein Stück leberfarbenes Oschatzer Tuch, 1 Schock 35 Gr. am Wert. Auch ward wie seit mehreren Jahren geschehen, aus dem Vermächtnisse Ulrich Stößels und der Sebastian Sanderin ein graues Stück Tuch für 1 Schock 20 Gr. gekauft und verspendet. Das Stipendium der Commende hatte Erasmus Schmidt und Martin Göre. Dieser war der zweite Sohn des hiesigen Ratsherrn Hans Göre, welcher in Wittenberg studierte und später als Pfarrer in Hain berufen ward. Beide hatten das Stipendium auf zwei Jahre, und betrug es jährlich 7 Schocke in zwei Terminen, Walpurgis und Michaelis zahlbar. Von 482 Bieren dieses Jahres bezog man die noch bestehende Abgabe, vom Biere 7 Gr. 25 Schocke 27 Gr. war der Fischerei-Ertrag und in der, Ziegelscheune hatte man 155 000 Stück Mauersteine zum Verkauf. Die Kanne Rheinwein verkaufte man für 2 Gr. 1 Gr. 11 Pf. und 1 Gr. 10 Pf. Frankenwein für 1 Gr. 4 Pf. und Kötzschberger [Kötzschenbrodaer] für 6 bis 10 Pf. In die Ratsbibliothek ward das Dictonarium Alberici de Rohate für 59 Gr. angekauft. An Nicolaus von Rotschütz, des Amtmannes, Stelle kam Valentin Kirchhof.


1544

Valentin Dietrich, aus Knauthain, stahl dem hiesigen Bürger Anton Peititz einen Wetzschger mit 12 Gülden, und ward nach eingeholtem Schöppenurteil am 4. März mit dem Strange hingerichtet. Die Visitatoren, welche bei Einrichtung des Gotteskastens fanden, dass der angefangene Bau der Frauenkirche wegen Geringhaltigkeit ihres Vermögens nicht fortgesetzt werden könne, schlugen die 2 Schock 21 Gr. jährlicher Einkünfte derselben dem Gotteskasten zu und überließen dem Rate, zu welchem Zwecke er das unvollendete Gebäude verwenden wollte. Dieser gedachte, den fertigen Chor für Leichenbegängnisse zu erhalten, das unvollendete Schiff notdürftig aufzubauen, mit Boden zu versehen und zu einem Vorrats- oder Schütthause einzurichten, die beiden Glocken aber in der Stadt zu Seigerglocken zu verwenden, was denn auch hinsichtlich dieser ausgeführt ward. Man brachte den Seiger der Stadtkirche, welcher sich bisher bei den Glocken befand und die Stunden an der großen Glocke angab, ein Stück höher, nahm den. alten entbehrlichen Turm in der Mitte des Kirchendaches weg und benutzte das taugliche Material zu dem Erker, in den man die von der Frauenkirche genommene größere Glocke als Seigerschelle hing. Ein altes entbehrliches Salveglöckchen der Stadtkirche diente zu dem Viertelstundenschlage und am Petri-Pauli-Tage, mittags 12 Uhr, hörte man sie zum ersten Male. Zu gleicher Zeit richtete man auch den mitternächtlichen Erker des breiten, oder Hausmannsturmes zu Aufnahme der zweiten Glocke der Frauenkirche ein, und wies den Hausmann [Türmet] an, den Hammer alle Stunden gegen die gehende Uhr auf dem Kirchturme zu ziehen, und die Schläge gegeneinander zu zählen, für welches besondere Geschäft man ihm wöchentlich 2 Gr. gab. Auch diese Glocke schlug am Petri-Paul-Tage zum ersten Male, und bezahlte die Kirche die Abtragung des alten Turmes, und die bessere Einrichtung des oberen Stocks, der Rat aber den Bau des Erkers und die Aufstellung des Uhrwerkes, welches durch den Meister Martin Berndt geschah. An dem Zifferblatte ward bei dieser Gelegenheit des Fürsten Wappen angebracht, welches man in Leipzig malen ließ. Der Jahrmarkt Petri Pauli war übrigens wegen heftigen Regens, welcher die Krämer am Auslegen hinderte, weniger besucht .und einträglich. Der Stadt Delitzsch waren in des Herzoges Neuer Landesordnung [vom 21. Mai, montags nach Trinitatis] vorigen Jahres in der neu einzurichtenden Fürstenschule Merseburg drei Stellen angewiesen, und der Rät meldete die Namen der gewählten Knaben in der bestimmten Zeit. Er erhielt aber, weil man mit Anrichtung der Merseburger Schule anstand.' die Weisung, dass die gemeldeten Knaben anfangs des Augusts dieses Jahres nach Pforte gebracht werden sollten und erbrachte sie am 1. August dahin. Diese drei Schüler waren Georg Fischer, Johann Fischer, [später Rektor hiesiger Schule, Stadtschreiber, Ratsherr und Bürgermeister] und Marcus Heise [später Diakon in Zerbst]. Der Heiligbrunnen wurde im August durch den Meister Blasius Richter auf Rost und Steinwacken gemauert und gewölbt. Am 10. Oktober kaufte der Rat von den Vormündern der Kinder des ehemaligen Amtmannes Hans v. Pak, Bernhard v. Hirsfeld auf Otterwisch und Ehrenfried v. Ende auf Khoyn, den Sadelhof mit der daran liegenden wüsten Badstube von dem vormaligen Besitzer Dr. Johann v. Pak, die Doctorei genannt, mit dem dritten Teile des Sichelzolles, vier Haus- und Gartenbesitzungen über der äußersten Hallischen Brücke und mehreren lehn- und zinsbaren Grundstücken zwischen der Stadt und Gertitz, Gertitz-Kertitz-Robitz-Weeissig Mark, auch zwei Wiesen und 21 Höfen in Schweissa, Freimannlehn und Gerichtsbarkeit über das Ganze für 1250 Gülden, oder 437 Schock 30 Gr. Er borgte das meiste hierzu von Bürgern, doch nur auf kurze Zeit. Der Sichelzoll war eine Abgabe, der auf dem Jahrmarkte Petri Pauli mit Sicheln feilhaltenden Krämer und gehörte früher dem Rittergute Döbernitz allein, später diesem Rittergute und dem Besitzer des Sadelhofes gemeinschaftlich, jenem zu zwei Teilen, diesem zu einem. Jeder Krämer hatte eine Sichel abzugeben, eine jetzt freilich geringfügige Abgabe, die aber in der Vorzeit [Mittelalter], wo man auch das Getreide mit Sicheln schnitt, die Städte umher keine Märkte hatten, von hier aus also eine weite Umgegend damit versehen ward, nicht unerheblich war. Die Krämer, meistens böhmische und gebirgische Zwischenhändler, befriedigten auch von hier aus das Salzbedürfnis ihrer Gegend. Jetzt lässet der Rat die wenigen Sicheln durch den Diener erheben und gibt die Hälfte an Döbernitz. Von dieser Abgabe verleitet, hat man behauptet, dass Delitzsch auf einer dem Rittergute Döbernitz gehörigen Wiese erbaut worden sei, dabei aber nicht bedacht, dass den Herren von Welchow [Wöikau] der hiesige Brauzins [S. 1399] dem Rittergute Lemsel der hiesige Salz- und Topfzoll [S. 1488] zustand, wobei an eine Arealbeziehung nicht zu denken ist. Zölle gehörten dem Landesherren, wurden aber oft verpfändet, oft verdienten Vasallen zu Lehn gegeben, was vielleicht auch mit diesem Sichelzolle der Fall gewesen ist. Das Rittergut Döbernitz ist übrigens mit, diesem Zolle nicht besonders beliehen. Schon im Jahre 1440 bildete sich hier eine Gesellschaft von Gelehrten für den Kirchengesang, welche unter dem Namen Korales, Korsenger und Gesellschaft der Gelarten Bürger vorkommt, von 1430 aber als Gesellschaft, innige neue Gesellschaft der Heiligen Dreifaltigkeit, des Heiligen Leichnams und Unserer lieben Frauen urkundlich aufgeführt wird. Die Mitglieder nannten sich auch bezüglich auf die Unterstützung des Meßgottesdienstes, Stabilisten, Constabler und hatten mit dem Altare Trinitatis Zusammenhang. Nach Aufhebung dieses Altares und Auflösung des bisherigen gesellschaftlichen Verbandes in Folge der Reformation traten sie von neuem als Kantorei zusammen und empfingen in diesem Jahre zum ersten Male aus der Kämmereikasse dafür: dass sie an den Sonntagen und anderen Festen durchs Jahr Gott dem Allmächtigen zu Ehrerbietung die Ämter der Heiligen Messe und Vesper durch vier Stimmen gesungen und figurieret haben, 1 Schock 12 Groschen Verehrung. Da sich der Besitzer des Lehns Annä, Hermann Hammer in Wurzen weigerte, dem Kastenherren die Register des Lehms mitzuteilen, so hielt der Rat. das Schock, welcher er an diesen Altar jährlich zu geben hatte, zurück. Ein Wagenknecht des Rates ertrank in Halle. Man verkümmerte zum Verdruss das Geschirr und hielt die herrschaftliche Salzfuhre zur Ungebühr auf. Für Betreibung des Handwerks zahlte ein Schneider in Werbelin jährlich 3 Groschen und ein. anderer in Zwochau, ebensoviel an den Rat. Mit Hans Weisen in Werbelin starben die letzten beschwerlichen Leibzinsen ab. Der Böttcher Benedict Dauer, in der Neustadt, schuldete dem Rate für Ziegel 2 Schocke 48 Gr. und überließ dafür einen silbernen Becher 14 Lote am Gewicht. Auch kaufte der Rat eine deutsche Übersetzung des Josephus für 52 Gr. 6 Pf. in die Bibliothek. Der Hundeschläger, welcher 30 Hunde mit der Schlinge fing und tötete, erhielt 10 Gr. Die Ziegelscheune lieferte 111700 Mauerziegel.


1545

Die Herzogin Mutter mit Gefolge übernachtete hier am 3. Februar auf ihrer Reise nach Lauenburg; der Rat verehrte ein Fass Wein und ein Fass Torgauisches Bier. Die 8 Gülden Zinsen, welche der Rat am Tage Mariä Reinigung an das Nonnenkloster St. Georg in Leipzig zu entrichten hatte, kamen von nun an auf herzoglichen Befehl an die Collegiaten im Pauler Kloster daselbst. Der Rat wird mit den, im vorigen Jahre von den Erben des Amtmannes Hans v. Pak erkauften Gütern in der Stadt und Umgegend am 4. Juni beliehen. Diese Lehnware von 100 Gülden 5, betrug 28 Schock, und 40 Schock erhielt die Kanzlei. Den 10. Juni hatten die Schützen mit Handrohren und halben Haken ein Mann- oder Türkenschießen, und gab ihnen der Rat ein Hosentuch. Auch war ein gemeines Gesellenschießen, an welchem die Schützen der umliegenden Städte teilnahmen. Auf einem Ausschußtage bewilligte man die Steuer zum Baue etlicher Festungen, welche man schon 1537 dem Hezoge Georg zugesagt, doch, weil der Bau unterblieb, nicht gegeben hatte, und sie ward daher den 17. Juni ausgeschrieben. Sie betrug vom Schocke Vermögen 2 Pfennige jährlich, war auf acht Jahre berechnet und nahm Lichtmeß 1546 ihren Anfang. Die Geistlichkeit war steuerpflichtig, die Ritterschaft aber in Ansehung, dass sie mit der Bürde des Ritterdienstes beladen, frei. Der Pakische Sadelhof bestand aus 2 Häusern. Der Rat verkaufte in diesem Jahre das nach der Neustadt zu gelegene [Nr. 211] an Joseph Homay für 450, das vordere, [Nr. 210] an den Kantor Wolfgang Faust für 500 Gülden, mit 30 Groschen jährlichen Schosses, und gab beiden die Braugerechtigkeit. Auf den Platz der mit erkauften wüsten Badstube, welchen er teilte, bauete er ein Haus und verkaufte es an Lorenz Klingenstein [Nr. 208] für 110 Gülden, den übrigen abgeteilten Raum aber an Stephan Kothe, welcher ihn auch mit einem Hause [Nr. 207] besetzte, denen jedoch das Braurecht versagt ward. Nachdem der Herzog (Moritz wegen der Fehde gegen Herzog Heinrich von Braunschweig) das hiesige Geschütz und die Bewaffnung der Bürgerschaft durch Waffenverständige untersuchen, und dem Rate Bereitschaft ansagen lassen, kam den 27. September Befehl, 50 taugliche und bewaffnete Männer den 4. Oktober nach Denstädt zu senden, welche denn auch am Michaelistage von hier abzogen und drei Wochen außen blieben. Unter ihnen war auch der Bürger und Organist George Spange und jeder empfing beim Abgange einen Gülden auf die Hand. Zu diesem Braunschweigschen Heereszuge kaufte der Rat 30 halbe Nürnbergsche Haken nach der Hispanier Art für 19 Schock. Die Kirche besaß eine halbe Hufe auf Elberitz, welche auf den Vorschlag der dreien Räte für 17 1/2 Schock verkauft wurde. Der Altar in der Stadtkirche ward abgebrochen und neu gemauert. Durch letztwillige Verfügung der Katharina Bun erhielt die Kirche 2 Schock, 200 Gülden aber, überhaupt zu wohltätigen Zwecken bestimmt, wurden auf Zins getan und später zur Errichtung der Jungfrauenschule verwendet. Der Kantorei verehrte man auch in diesem Jahre 1 Schock 12 Gr. „Dass sie Gott dem Allmächtigen zu Ehrerbietung an hohen Festen auch etlichen Sonntagen die Ämter der Messe und Vesper figurieren und zierlich singen helfen, dadurch die Jugend in Übung gehalten und dieselbe Kunst förderlich fassen mögen." Auch die Kirche setzte ihnen für das künftige Jahr etwas Gewisses aus. Das Stipendium hatten Erasmus Schmidt und Benedict Moller, Sohn des Bürgermeisters Faul Moller, welcher in Wittenberg studierte aber vor dem Eintritte des zweiten Zahlungstermins daselbst starb. Die Ziegelscheune lieferte 112 300 Mauer- und Dachsteine, davon 12 000 zu dem Baue des Turmes am Galgtore, der Basteien, des Hallischen Tores und der Garküche. Über den diesjährigen Reichstag in Worms und Herzogs Heinrich von Braunschweig Unternehmungen hat der Stadtschreiber Költzsch auf zwei verschiedenen Vorstoßblättern zu Rechnungen (einiges) niedergeschrieben.


1546

Mit dem Anfange des Jahres entstand Teuerung des Getreides, die sich bis zur Ernte erhielt. Der Scheffel Weizen und Roggen galt 15, Gerste und Hafer 9 Groschen. Nach der Ernte fiel zwar Weizen und Roggen, die Gerste aber, weil sie meistens verdarb, hielt sich im Preise. Den 16. Februar führten die Schullehrer mit den Schülern, zu Förderung; der Jugend und gemeiner Stadt Ehre, die Hecyra des Terenz auf dem Rathause auf und der Rat gab ihnen für einen Taler Wein Verehrung. Am 18. Februar, früh gegen drei Uhr, starb Dr. Luther in Eisleben. Es war der Tag Concordiä, der Eintracht, die mit ihm entschlief, „Cum Sancto cecidit Concordia santa Luthero." Sein Leichnam stand am 21. d. Mon. um Mittagszeit in der Kirche zu Bitterfeld, wo ihn die churfürstlichen Kommissarien übernahmen, und gingen von hier viele Bürger dahin. In der Osterwoche, Ostern fiel aber in diesem Jahre auf den spätesten Tag, den 25. April, waren wegen der Grenzstreitigkeit bei der Planke und dem Zaune am Schloßgraben zwischen Spiegel dem Amtmanne und Rate, herzogliche Räte hier. Der von Crostewitz auf Lemsel wollte eine Schenkstätte in Pohritzsch anlegen, welchem aber vom Rate bei dem Herzoge mit Erfolge widersprochen ward. Die Frauenkirche„ welche ohne Dach war, sollte auf Betrieb des Amtmannes abgebrochen werden, der Rat erbat sich aber vom Herzoge die Bedachung. Der Herzog schenkte einiges Holz zum Gespärr, der Rat die Steine, der Giebel nach Abend zu blieb offen. Am Johannistage, den 24. Juni forderte der Herzog zur Bewaffnung (im. Schmalkaldischen Krieg) auf, und stellte die Stadt 58 gerüstete Bürger. Das Heer zog sich in den oberen [Berg] Städten zusammen, und ward von der Schutz- und Landsteuer besoldet, die man auf dem Landtage in Chemnitz bewilligte. Den 12. Juli war ein Landtag in Chemnitz, an welchem drei Mitglieder hiesiger Stadt teilnahmen und sieben Tage außen blieben. Man bewilligte die Schutz- und Landsteuer, vom Schocke des Vermögens vier Pfennige, und betrug ein Pfennig vom Schocke 118 Taler, summarisch von hiesiger Stadt. Auf Befehl des Herzoges sollten am 2. September die Kleinodien der Kirchen an Monstranzen, Kreuzen, Kelchen, Pacifikalien an den Rat zu Leipzig zu getreuer Hand abgeliefert werden. Die Masse zu überliefernden Silbers betrug 50 Pfund 221/2 Lot, außer den zum Gebrauch nötigen Heiligen Gefäßen, und eines Antipendii von ungefähr drei Pfunden, welches man zu dem vorhandenen Orgelbaue verwenden wollte. Der Rat in Leipzig nahm aber diese Gefäße nicht an, und musste sie also der Rat in eigenem Verwahrsam behalten. Auf (dem Landtage in Freiberg, am 7. Oktober) ward auch eine Trank-Steuer verwilliget und in einem gedruckten Befehle, Dresden, den 25. Oktober, ausgeschrieben. Vom Eimer Wein des Inlandes musste 5, vom Rheinischen, Franken- und anderen fremden Weinen 10, von einem Fasse Bier zu 6 Eimern 24 Groschen, zu 5 Eimern 20 Groschen gegeben werden, wo denn bei dem Biere auf die Kanne ein Pfennig kam. Diesem Ausschreiben lag ein gedruckter Zettel bei, nach welchem der ungefähre Betrag dieser Steuer auf drei Monate vom Rate verleget, und binnen 14 Tagen nach Leipzig an dasigen Rat eingesendet werden sollte, welcher denn auch diesen Vorschuss in genannter Frist mit 700 Gülden, zu 21 Gr., wirklich ablegte. Man hat bei dem Coadiutor in Merseburg um die Einkünfte des Lehns Martini, welche zum Kirchenvermögen geschlagen waren, aber vom Amtmanne in Anspruch genommen wurden. Drei Falkonetlein befanden sich auf dem breiten Turme. Hinter der Pfarre wurden drei Türme gebaut, und der Hallische Turm von Margarethä an mit Wächtern besetzt, weil viel Kriegsvolk zu Ross und Fuß vorüberzog. Der Rat musste auf Befehl des Herzoges Hafer in die verschiedenen Lager bei Halle, Kemberg, Hainichen und Torgau fahren, und erhielt für den Scheffel, der 9 Groschen galt, nur 5 Groschen. Von seinem eigenen Getreide verfuhr er 280 Scheffel um diesen Preis. Auch verkaufte er an die Bürger 746 Scheffel Roggen um einen geringeren Wert. Das Getreide lag auf dem Boden des Rathauses und in der Terminei. Von Gemeinde-Gütern verkaufte man in diesem Jähre den Garten, Schebendamm genannt, rechts des Kohltores auf Wiederkauf an Matthäus Gorre für 20 Gülden 15 Gr., den großen Garten bei der Mühle zu Elberitz für 60 Gülden, und 50 Groschen jährlichen Zins an Nicolaus Krumholz, den kleinen Garten daselbst aber an Paul Hintzsche für 8 Schocke mit Vorbehalt 25 Groschen jährlichen Zinses. Auch überließ man Marcus Burgmannen einen Raum neben seinem Garten bei der Vogelstange, von der Ecksäule der Störenthalischen Scheune gleich durch bis zur Gartenecke gegen die Vogelstange, für ein Schock 20 Gr. Er gab von seiner bisherigen Besitzung jährlich 8 Groschen Erbzins, und legte man ihm zwar wegen dieses Raumes noch einen Groschen zu, er löste ihn aber in diesem Jahre noch mit 30 Groschen wieder ab. Der Kantor Wolfgang Faust starb und der in Leipzig studierende Erasmus Schmidt, des Rates Stipendiat, trat in sein Amt. Das in der Kirche gesammelte Almosen [was in den Sack gefallen war] betrug 10 1 Schock und ward mit einem Male [von Stund an] nach abgehaltener Rechnung in der Leichenhalle unter die Armen verteilt. Ein steinernes Scheffel- und ein dergleichen Viertel-Maß, in Halle für 3 Schock gefertigt, ward unter dem Rathauge aufgestellt. In den letzten Wochen des Jahres schickte der Rat wegen Annäherung des kurfürstlichen Heeres viele Boten nach Zörbig, Halle, Querfurt, Wittenberg, Torgau ... um zu erfahren, wie man sich bei Aufforderungen zu benehmen habe. Auch war Heerschau, man beschaffte 6850 große, eiserne Kugeln, Spieße, Hellebarden, brachte acht Falkonetlein auf die Türme und hielt die Tore stark besetzt.


1547

Am Neuen Jahres Tage, abends, besetzte der Kurfürst, welcher einen schnellen Rückzug nach Thüringen getan, und die Städte Salza, Tennstädt, Weissensee, Sangerhausen, Naumburg, Jena, Weimar und andere, die am Striche lagen, genommen hatte, die Stadt Halle, und am dritten Tage nachher hiesigen Ort. Am 6. Januar war er in eigener Person hier und nahm die Huldigung. An den Toren und in den Ratsdörfern schlug man 7 Salveguarde Tafeln mit Wappen an, und kostete die Auslösung der Söldner, für Mehl, Getränke, Futter in den Herbergen dem Rate 67 Schock. Das Hauptheer zog von Halle über Schkeuditz nach Leipzig, aus dem sich Herzog Moritz entfernte,- und der Bürgerschaft ohngefähr 10 Fähnlein zur Besatzung und Verteidigung hinterließ. Die Grimmaische, Hallische und Ranstädter Vorstadt brannte man mit einem auf 30 000 Gülden geschätzten Verluste nieder: Der Rat schafft 83 Scheffel Hafer in das Lager zur Eiche. Am B. Januar schickte der Kurfürst Hansen von Sebach und den Sekretär Florian Schade mit Commissoriale Datum Aiche sonnabends den B. Januar, welche der Kirche Kleinode abforderten. Auch kam in ihrer Anwesenheit folgender Befehl: „Lieben getrewen, Nachdeme Wir itzo vnsere Beuelhabere zu Einbringung der Steur zu Delitzsch haben, So begern wir Ir wollet ewere und ewer Bürger gutere dem Werth nach und vom Hundert zehn Gülden zu geben, wir Ir denn von Inen vornehmen werdet, vor steuern, Inen auch ewer des Rats barschafft und Silbergeschirre zustellen und volgen lassen, und das nicht anders halten, daran thut Ir vnsere meynung, Datum Kleberg Montags nach Trium Regum Anno ... XLVII." Hierauf erbot sich zwar der Rat für die Steuer 1000 Gülden überhaupt zu geben, dieses Anerbieten ward aber vom Kurfürsten ... nicht angenommen. Der Rat lieferte nun seinen Kassenbestand, 600 Gülden, auch das Silbergeschirr ab und borgte 500 Gülden, als: 200 Fl. von der Kirche, 200 Fl. vom Hospitale und 100 Fl. aus der Catharine Bun Stiftung, zur Erleichterung der Steuer für die Bürgerschaft. Den 27. Januar verlangte der Kurfürst 80 ledige Wagenpferde mit Kumten und Sielen, Tages darauf, drei Stunden vor Tage, nach Euderitzsch auf zwei Tage. Auf einem diesem Befehle beiliegenden Zettel ward zugleich die Zufuhre von Proviant und anderen Dingen nach Leipzig auf das Strengste untersagt. Der Sohn des hier lebenden, vormaligen Geleitsmannes, auch Ratsherren Hans Ruthard, Nicolaus Ruthard, war der Partei des Kurfürsten ergeben, der hiesige Amtmann Valentin Kirchhof aber hielt es mit dem Herzog Moritz, und war zwar nicht selbst da, wirkte aber durch seine Ehefrau. Ruthard diente dem Kurfürsten mit mehreren Pferden, verriet vielleicht auch manches, was Herzog Moritzens Anhänger, namentlich des Amtmannes Weib, den kurfürstlichen zwei Befehlshabern hiesigen Schlosses zu entziehen suchte, daher er denn, als er nach des Kurfürsten unglücklicher Schlacht hierher zu seinem Vater kam, vom Amtmanne ergriffen, und nach kurzem Prozesse am 20. Mai, an einer Eiche seines Vaters Wiese, der sogenannten Eckereiche aufgehängt wurde. Am Sonntage Oculi schrieb der Kurfürst aus dem Lager zu Geiten eine zweite Steuer, von 1,00 Gülden Abschätzung 10 Gülden, aus. Der Stadtschreiber bemerkte aber bei der Publikations-Registratur, dass durch diese Steuer [von welcher jedoch nur der erste Termin entrichtet worden ist] das Volk sehr geschwächt und arm gemacht worden sei. Weil auch des Verbotes ungeachtet Leipzig mit Lebensmitteln und Bier. versehen wurde, so befahl der Kurfürst den 16. Mai, dass den Krügern und Fuhrleuten kein Bier verkaufet werden solle, sie brächten denn aus den Städten oder Dörfern, woher sie kämen, Bekenntnisse, dass das Bier an dieselben Orte geführt und ausgeschenkt werden solle, auch solle der Rat diejenigen Krüger, welche vorher Bier nach Leipzig geschafft, bei ihrem -Wiedererscheinen in Delitzsch sogleich gefänglich einziehen - schärfte aber dieses Verbot 2 Tage nachher (mit Befehl). Diese strenge Verordnung war der Stadt, weil sie die Brauerei auf die verarmte Stadt beschränkte und die Dörfer mit ihrem Bedarfe nach anderen Städten nötigte, sehr beschwerlich. Die Stadt musste auch auf kurfürstlichen Befehl den 27. März, den Heerwagen, mit dem sie zu dienen schuldig, mit Zehrung auf einen Monat ins Lager schicken. Vom Kurfürsten selbst war dieses der letzte Befehl, vom kurfürstlichen Befehlshaber auf der Moritzburg in Halle kam aber am 9. April durch Nicolaus Ruthard eine Ordre an den Rat, dass er des Amtmannes Valentin Kirchhofs Weibe im Namen des Kurfürsten bekannt machen solle, sich mit ihrer Köchin bei Sonnenschein des Rates Weichbildes zu äußern, die zwar der Rat, nicht aber die zu Verweisende befolgte, welche erklärte, dass sie sich bisher den kurfürstlichen Befehlen gemäß -betragen habe, und nicht weichen würde, bis sie kurfürstlichen Befehl sehe, weil es ihr scheine, als der Befehl Ruthards Erfindung sei. Der Rat berichtete diese Erklärung am 10. April nach Halle und erhielt sogleich von dem Kommandanten Erasmus v. Könneritz diese Antwort: (der Rat der Stadt Delitzsch solle dem Weibe mit Ernst untersagen, weiter solche Händel, daraus dem Kurfürsten Nachteile entstehen, unterlassen; auch soll sie ihre Haushaltung anders als bisher geschehen anstellen). Am 12. April geriet des Rates Diener Erasmus Brode, als er in Blasius Richters Hause, abends zwischen 9 und 10 Uhr, die Biergäste auseinander gehen lassen sollte, mit dem Beckenknechte Valentin Starke aus Drebligar, bei Dommitzsch, in Streit und ward von diesem mit seinem Gewehr in den Kopf, die Schulter und in die Faust über dem Daumen tödlich verwundet. Er starb tags darauf, Starke aber erhielt im Tumulte ebenfalls eine Wunde, man wusste nicht von wem, in den linken Schenkel, zwischen dem Knie und Geschöße, an der er an der Stelle blieb. Sie wurden in Gegenwart beider Teile Freundschaft, freitags in der Osterwoche zur Erde bestattet und in ein Grab gelegt. Den 20. April ward die Stadt durch des Herzoges Moritz Kriegsvolk zur Übergabe aufgefordert, und vier Ratsherren mit vier Viertelsherren leisteten am folgenden Tage dem Herzoge in Leipzig den Huldigungseid. In dieser Woche, nach Quasimadogeniti, erhing sich der Schirrmeister Valentin Troitzschens und Johann Bendorfens Eheweib, welche des Scharfrichters Knecht abschnitt und heimlich begrub. Den 24. April wurde der Kurfürst Johann Friedrich vom kurfürstlichen Heere von Mühlberg aus überfallen und auf dem Rückzuge nach Wittenberg in der Lochauer Haide gefangen. Der Herzog Moritz hielt an diesem Tage in Mühlberg und gab am 25. April aus dem Feldlager bei Mühlberg hiesigem Rate Befehl, das Lager des Kaisers eiligst mit Proviant zu versehen, mit der Bemerkung, dass für die Sicherheit des Transports hinlänglich gesorgt sei. Am 19. Mai ward die Wittenbergische Kapitulation geschrieben und festgesetzt, welcher Länderteil den Söhnen des Kurfürsten gelassen werden sollte. Sie wurde an diesem Tage vom Kaiser und dem gefangenen Kurfürsten, von Herzog Moritz aber am 23. desselben Monats vollzogen. In einer Verordnung, Leipzig, den 27. Mai, befahl der Herzog hiesigem Rate, dem Kaiser zu seinem ferneren Zuge 60 starke Schanzgräber aus dem Amte und 45 aus der Stadt mit Rottmeistern und einem Hauptmanne unverzüglich nach Acken (Aken) zu schicken, und ward dem Hauptmanne täglich 6, dem Rottmeister 4 und den Schanzer 3 Groschen zugesichert. Mehrere gingen darauf in der Pfingstwoche ab, die übrigen aber wurden in der Verordnung (vom 5. Juni) an den Amtmann abgeschrieben. An demselben Tage brach das kaiserliche Heer von Wittenberg auf, und vom 6. Juni an flüchteten viele Bürger aus den nächsten Städten und viel Landvolk mit Vieh und Geräte hierher, denen der Rat den Kirchhof Unserer lieben Frauen überließ und Aufseher gab. Der Rat erhielt nun zwar Salveguarde und Tafeln mit dem kaiserlichen Wappen, es kam aber dem ungeachtet zu Exzessen mit dien abschweifenden Spaniern. Der Hausmann [Musikus und Türmer] wurde, als er einen nahenden Reiterschwarm mit der Trompete signalisierte, geschossen, mehrere Bürger fanden im Freien ihren Tod, auch starben viele von den. Spaniern verwundete Bauern, die man fliehend in hiesiges Hospital gebracht und den Wundärzten überlassen hatte. Doch blieben auch Spanier, die man auf kurfürstlichen Befehl nach Halle schaffen musste. Am B. Juni waren Abgeordnete des Rates bei dem Kaiser in Bitterfeld, der sie dahin beschieden hatte. Trabanten des Herzoges Alba und des Feldhauptmannes Hans Schnabel begleiteten sie, und wiesen die streifenden Spanier von hiesiger Stadt. Durch des Feldhauptmannes Schnabel Diener wurden sie gut bewirtet und mit allen Bedürfnissen reichlich und unentgeltlich versehen. Sie gaben aber den Trabanten ein Geschenk von 6 Talern, den Diener des Schnabel einen Taler und schickten dem Hauptmanne selbst einen halben Eimer Rheinischen und einen halben Eimer Landwein Verehrung. Zwei Tage nachher traf der Kurfürst Moritz ein und verehrte man ihm ein Fass Torgauisches und ein Fass Delitzscher Bier. Der Markt, sonnabends von Invocavit, brachte in diesem Jahre nur wenig Stättegeld und auch der Jahrmarkt Petri Pauli war nicht besucht. Der Blitz zündete Hans Schützers Scheune, das Feuer ward aber in diesem Gebäude gehalten und gelöscht. Auf Bitte der Landstände kam endlich anfangs des August das Kriegsvolk, auch hiesiger Stadt, zurück. Am 13. Juli war der untern; 1. des Monats ausgeschriebene Landtag in Leipzig. Der Kurfürst entfernte die Besorgnisse wegen der Religion und die Stände bewilligten die Getränke-Steuer, wie sie im vorigen Jahre zu Freiberg verordnet wurde, auf drei Jahre. Der hiesige Rat musste sie auf ein halbes Jahr voraus bezahlen, auf Befehl, Torgau d. 11. August, in welchem zugleich das Tragen der Büchsen den Bürgern und Landvolke bei Verlust der Büchse und ernstlicher Strafe untersagt wird, auch lieferte er die Kriegssteuer vom Schocke 6 Pfennige, am 24. August in Leipzig ab. Der Amtmann Kirchhof verlangte die von den Visitatoren 1539 dem Gotteskasten zugeschriebenen Einkünfte der Altäre Barbarä und Martini deren Lehnsinhaber, Kandelgießer und Dr. Caspar Borner im Laufe dieses Jahres gestorben waren; sie wurden aber von dem Coadiutor in Merseburg am 19. August, nachdem zwei Ratsherren daselbst die Registratur der Visitatoren vorgelegt hatten, dem Kirchenaerar zugesprochen. Nun wollte sich zwar der Amtmann wenigstens in die Kirchenrechnungen mischen, der Rat verbat sich aber seine Gegenwart, und sie ward ihm untersagt. Zu dem Gerichte, welches man vom Grunde aus neu bauete, brauchte man 26 000 Mauerziegel und erhielten die Maurer, Zimmerleute und Schmiede, welche vom Ältesten bis zum Jüngsten daran arbeiteten, 5 1/2 Schock und Bier. Am 16. Oktober ward das bisherige geladen gewesene Geschütz abgebrannt. Am 19. September starb der Kantor Erasmus Schmidt und der Baccalaureus Ambrosius Rügezelt, der Sohn des hiesigen Bürgers Johann Rügezelt, kam auf Melanchthons Empfehlung an seine Stelle. Auch wurde durch den Abgang des Rektor Thomas Berger, welcher durch den Superintendenten Dr. Pfeffinger das Pfarramt in Zörbig erhielt, wo ihn der hiesige Pfarrer Göre einführte, das Rektorat offen, welches dem in Wittenberg studierenden Mr. Joachim Blum, aus Königshofen, übertragen ward. Das dritte Schulamt, [Baccalaurant] verwaltete Valentin Wolfgang, auch eines hiesigen Bürgers Sohn. Gegen die Placker erschien, Augsburg d. 26. Oktober, des Kurfürsten durchgreifendes Mandat, in welchem hauptsächlich die Tätigkeit der Amtmänner, Amthauptleute, mehr als je in Anspruch genommen wird. Am 2. Dezember starb der gewesene Vikar des Fronleichnamsaltares [Corporis Christi] und Pfarrer in Selben, Petrus Friderici [Fritz], in dem Hause seines Lehns, der nachherigen Archidiacon-Wohnung. Er war aus Dirmstein, einem Flecken des Bistum Worms, gebürtig und seit 1510 hier Vikar des genannten Altares, Pfarrer in Selben und Kalandherr. Am 15. Oktober dieses Jahres errichtete er sein Testament, welches den 8. Dezember eröffnet ward. In diesem Testamente bestimmte er 1 Fl. dem Kurfürsten Moritz, 1 Fl. dem Bischofe zu Merseburg, 1 Fl. der Pfarrkirche in Delitzsch, 1 Fl. dem Pfarrer, 10 Gr. dem Prediger, 10 Gr. dem Diakon Clemens, 30 Fl. d. Testamentsverwesern, 1 Fl. dem Rate zu Delitzsch, 1 Fl. dem Pfarrer in Berndorf Simon Strobart und alle Schuld, 1 Fl. Herrn Nicolaus Letzscher in Delitzsch, 42 Fl. dem Gotteskasten in Delitzsch, 200 Fl. seines Bruders, Antonius Fritz, in Dirmstein Kindern, Petrus und Magdalene, Wernern ausgeschlossen, 100 Fl. dem Hospitale, 100 Fl. der Kirche zu Selben. Von dem übrigen Vermögen sollen 60 Gülden jährlich zu drei Stipendien, jedes zu 20 Gülden gerechnet und auf vier Jahre gegeben werden. Der Stipendiat soll 18 Jahre, ein innerhalb der Mauern geborener Bürgersohn, sein und seine Würdigkeit geprüft werden. Der nach Abrechnung der diese 60 Gülden gewährenden Kapitale etwa bleibende Vermögensbetrag mag von den Testamentarien unter Aufsicht des Rates auf das Treulichste zu göttlichen Werken verwendet werden. Da nun bei Ablegung der Rechnung durch die Verweser sich fand, dass das Vermögen des Erblassers größer sei, als man erwartet hatte, so glaubte man im Sinne desselben zu handeln, wenn man auch diesen Überschuss auf Stipendien verwendete, und so kamen zu den 60 Gülden noch 70, und es entstanden 6 Stipendien, 4 zu 30 und 2 zu 5 Gülden, über welche Friedricische Stiftung nun von den Vorstehern der Kirche mit der Kirchrechnung, jedoch von ihr geschieden, Rechnung geleget ward. Bald nach Einrichtung dieser Stipendien fand sich der Rat bewogen, mit dem von ihm abhängigen Stipendien Fonds der Commende Trinitatis die beiden kleineren Friedericischen Stipendien jenen größeren gleichzustellen, so dass es nun 6 Stipendien, jedes zu 30 Gülden, gab. Sie wurden jährlich mit 130 Gülden von der Kirche, aus der Friedericischen Stiftung, und 50 Gülden vom Rate ausgezahlt. Die Testamentsverweser waren Gregorius Arnoldi, Pfarrherr zu Zwochau, Conrad Nepfel, Pfarrherr zu Zschortau und der hiesige Bürger Johann Berndorf. Der Kirchendiener; Küster, erhielt vierteljährlich aus dem Gotteskasten 52 1/2 Gr. und 1 1/2 Gülden, dass er „loco infimi" die kleinen Knaben instruieret, da der Schulmeister [Rektor] vorgegeben, er wolle noch eine dritte Klasse anrichten, wozu er des Baccalaurii ['Valentin Wolfgangs] bedürfe. An die Kirchen- und Schuldiener überhaupt gab man jährlich aus dem Gotteskasten 106 Schock 2 Groschen. Das Stipendium der Commende hatte in diesem Jahre Thomas Schmidt, der Sohn des Bürgermeisters Johann Schmidt, hier 1521 geboren, welcher von diesem Jahre ab in Leipzig studierte, 1549 daselbst das Baccalaurant der Philosophie erlangte, 1554/55 hier Kantor, 1563 Ratsherr und 1574 Bürgermeister ward. Vater des berühmten Professors 'der Mathematik und griechischen Sprache Mr. Erasmus Schmidt, in Wittenberg. Der Scheffel Roggen galt 6 Groschen. Die Commun hatte jährlich 1 Schock 30 Gr. von der Schademühle und den dahin fließenden Lober zu geben, diese Abgabe behielt aber in diesem Jahre der Rat zurück, weil der Amtmann Kirchhof die 4 Schocke, welche das Amt bisher mit fürstlicher Genehmigung zur Unterhaltung des Hausmannes und Türmers auf dem breiten Turme gab, verringerte. Amtsschösser war Jacob Grundig, geb. in Lengefeld.


1548

In Martin Negels Gerbehause entzündete sich am 2. Januar durch Nachlässigkeit die Lohe und Holzwerk. Die Löschung gelang zwar schnell, der Besitzer aber, welcher zum zweiten Male [s. 1531] eine Vernachlässigung, der Art verschuldete, verbüßte sie mit 3 ½ Schock. Auch fiel Magdeburg den 27. Juli in die Reichsacht, in deren Folge Kriegsvolks hiesiger Stadt vorüberzog, und eine stärkere Wache auf den Türmen und in den Toren nötig ward. Die Verteidigung der Magdeburger erschien gedruckt unter dem Titel. Der von Magdeburgk Ausschreiben. Anno M.D.XLVIII den ersten Augusti. Gedruckt zu Magdeburgk durch Hans Walther. Am Karfreitag den 20. März des nachts stahlen Diebe einen silbernen Kelch aus der Kirche bei Benndorf, welche sie mit einer Pflugschar des Bauers Vogler in Werben erbrochen, die Pflugschar aber zurückgelassen hatten. Die Diebe blieben unentdeckt. Den 22. Mai trafen hier 2 starke Wetter, eins vom Abend, das andere von Mitternacht her mit ungewöhnlichen Regengüssen begleitet zusammen" und zündete der Blitz das Malzhaus der Donat Findeisen, welches aber, durch Anstrengungen der Löschenden erhalten ward. Die Ratsherren Letzscher und Fischer brachten am 29. Mai zwei hiesige Bürgerssöhne nach Pforte. Der Ältere, Christoph Döring, ward später, Pfarrer Iri Brinnis, der Jüngere, Jacob Felgner, Leipziger Magister und Ratsherr im Brisgau. Dem Schneider Dietze in Zaasch erlaubte man, auf Vortrag im Amte, mit der Bedingung, dass er dem Rate die umschweifenden Störer anzeige, den Betrieb seines Handwerks daselbst. Die freie Lehnhufe auf Schweissamark, aus dem von Pakischen Ankaufe, fiel nach Hans Rühls in Zschortau Tode, da er keine Lehnserben hatte, an den Rat, und dieser verkaufte sie für 105 Gülden an Brose in Werben mit voriger Lehnseigenschaft. Der Hutmacher Matthäus Daberstiel schwängerte des abwesenden Valentin Geintzsch Eheweib und verbüßte es mit 10 Schocken. Die von Niemeg, welche im vorjährigen Kriege durch Brand verunglückten, erhielten aus hiesiger Kämmereikasse zum Aufbaue ihrer geistlichen Gebäude als Zulage eine ansehnliche Kollekte in der Stadt, 24 Groschen. Mayer von Hohenossig ward der Stadt abgesagter Feind, und man verwendete seinetwegen auf Kundschafter und Folgebriefe viel Geld. Auf fürstlichen Befehl schaffte man Betten nach Schmiedeberg. 1 Der kleine runde Turm des Hallischen Turmes und die Einkehlen der vier Erker wurden mit Kupfer belegt. Man brauchte zu den alten, 4 Zentner 7 Pfund neue Bleche, am Werte 18 Schocke 29 Groschen und gab dem Schieferdecker für die Arbeit 5 Schocke und 2 Scheffel Korn. Turmdach und Erker waren mit Schiefer, gedeckt. Der Rat verehrte dem Herzoge August bei seiner Vermählung in Torgau, den 7. Oktober, 20 Schocke oder 50 güldene Groschen. Der Stadtschreiber Költzsch hat dabei (weiteres) angemerkt. Vom 21. Dezember bis zum Neujahrstage 1549 war ein Landtag in Leipzig, bei welchem den Ratsabgeordneten der Kantor Ambrosius Rügezelt als Schreiber diente, dem man auch, weil der bisherige Stadtschreiber Költzsch, seit 1536 schon Ratsherr, als nunmehriger Kämmerer, beide Ämter nicht mehr verwalten konnte, wegen seiner Schicklichkeit das Stadtschreiberamt übertrug. Zu der Kantorstelle erhielt der in Wittenberg studierende Balthasar Franz, aus Brodau gebürtig, den Ruf. Das Interim und Bedürfnis der großen Tranksteuer auf vier Jahre war der Hauptgegenstand der ständischen Verhandlungen. Wegen des Interims waren die vorzüglichsten Theologen, Melanchthon, Camerarius, Pfeffinger, George Major, Daniel Grosser u. a. der Beratung zugezogen, und man war einstimmig, dass hinsichtlich der Dogmen, welche die Augsburgische Konfession entscheidend gegen den Katholizismus ausspricht, das Interim schlechterdings abzuweisen sei. In Beziehung auf die Mitteldinge aber war man nachsichtiger, wenn auf keine andere Weise Frieden zu erhalten möglich sei. Die verlangte Steuer zu einem Römerzuge und zu Unterstützung des Königs in Ungarn ward bewilliget. Zu den oben erwähnten 2000 Gülden (Ergänzung der Tranksteuer für 1546 durch kurfürstlichen Befehl vom 16. August 1548) an den Kurfürsten gab der regierende Rat 700, das Gotteshaus Petri und Pauli 200, das Hospital 400, Hans Luppe der Ältere 300 und der alte Rat 400 Gülden, und gingen die 300 Gülden des Luppe 1552 durch Abtretung an das Hospital.


1549

Im Anfange des Jahrs galt der Scheffel Weizen 6 bis 7, Roggen 3 1/2, Gerste 4 und Hafer 3 Groschen. Ein in Jacob Kippolts Miethause am 23. Januar entstandenes Feuer ward sogleich gelöscht. Der alte Gleitsmann des Amtes, nachher hiesiger Ratsherr, Johann Ruthard, dessen Schwiegertochter, Witwe des unglücklichen Sohnes, Nicoiaus Ruthard, sich wieder mit Hans Kempfe, in Coburg verehelichte, verkaufte seine Güter und zog mit ihr. Nicolaus Gorius, aus Sonnewalde, der von Wittenberg aus, wo er studierte, im vorigen Jahre hiesige Freunde besuchte, ward mit der Witwe des Kantors Wolfgang Faust bekannt, verehelichte sich am 19. Februar dieses Jahres mit ihr und übernahm das Faustische Haus auf der Doktorei. Die Schullehrer und andere Mitglieder der Kantorei führten dem Rate zu Ehren und der Gemeinde zu Nutz am Fastnachtstage die Comödie vom verlorenen Sohne, deutsch, auf und erhielten vom Rate Wein zur Verehrung. Auf den eigenhändig unterschriebenen Befehl des Kurfürsten, Torgau den 29. März, musste in der Osterwoche das Stadtgeschütz, auch die große Büchse, welche auf dem breiten Turme stand, mit einem Zentner Pulver abgeliefert werden. Es ist keine Nachricht da, dass dieses, 1541 in Freiberg größtenteils umgegossene Geschütz der Stadt zurückgegeben oder vergütet worden sei. Am 10. April starb Valentin Stock, Ratsherr seit 1523 und von 1536 an Bürgermeister, und am 10. August Johann Winter, Ratsherr seit 1514, dessen Witwe man, weil er im Rate sehr tätig und nützlich gewesen, das Heergeräte unentgeltlich überließ. Der Kantor Balthasar Franz verheiratete sich mit der begüterten Witwe des Valentin Treintzsch, Ursula, am 27. Mai, und am 18. Juni der Stadtschreiber Rügezelt mit Elisabeth, Peter Zschautschens nachgelassener Tochter, dem der Rat am Hochzeitstage einen Eimer Rheinwein und zwei Fässer Torgauisches Bier zum Geschenk gab. Demselben überließ man zur Benutzung die kleine Wiese der Gesellschaft des Heiligen Nicolaus, oder der Elenden, am Damme, weil er die Rechnung derselben führte, und sie behielt seitdem den Namen Stadtschreiberwieschen. Diese Gesellschaft, welche aus wenig Personen mehr als den beiden Vorstehern bestand, hatte die Aufsicht auf Wegebesserung und die Sorge für Fremde, die ohne Mittel hier erkrankt sind. Ihr Fonds war Geld, Geflügel und Steine, welche die Dorfgemeinden für die Befreiung vom Pflastergeleite jährlich zu entrichten hatten. Auch mussten auf fürstlichen Befehl in den Gasthäusern Tafeln aufgehängt und darauf der Wert der Speisen geschrieben werden. Der Bürger Valentin Schuster in der Vorstadt wurde mit der Ehefrau des Windmüllers Nicolaus Siegel auf dem Frauenkirchhofe im Ehebruch begriffen, und klagte zwar Siegel gegen Schuster auf Notzüchtigung, beide gestanden aber gegenseitige Einwilligung und mehrmalige Wiederholung der Tat. Auf Vorbitte mehrerer von Adel und hiesigen Amtmannes auch Berichterstattung, bewendete es bei Staupenschlag und ihrer Verweisung aus den Gerichten des Amtes und der Stadt. Sämtliches Gemäß der Bürger wurde nach dem kupfernen Probegemäße mit Zuziehung zweier Böttchermeister geeicht, und dem richtigen des Rates Zeichen [ein Löwe mit dem Buchstaben D und der Jahreszahl 1549] eingebrannt, alles Unrichtige aber zerschlagen, und der Gebrauch des ungezeichneten bei harter Strafe verboten. Zu gleicher Zeit ward am Rathause eine eiserne Elle aufgehängt. Man erlaubte einem Schneider in Werbelin den Handwerksbetrieb daselbst unter der Bedingung, dass er hiesiger Bürger sei. Der Rektor Mr. Blum züchtigte am 13. November einen Knaben der ersten Klasse, Valentin Barth, den Sohn des Gerbers Lambrecht Barth, so hart, dass er am 25. desselben Monats gerade an dem Tage starb, als Blum mit Walpurgis, Matthias Schneubers nachgelassener Tochter Hochzeit hielt. Auf des Vaters Klage musste Blum in den Gehorsam gehen und erhielt Tages darauf seinen Urlaub. Mit dem Vater vertrug er sich vor Gericht. Seine Stelle erhielt am 15. Januar künftigen Jahres Nicolaus Gorius.


1550

Der Schäfer von Döbernitz hütete am 21. Januar auf Weissigmark. Die Gertitzer pfändeten die ganze Herde und trieben sie auf das Amt. Die Sache ward vertragen und festgesetzt, dass der Schäfer bei jedesmaliger Übertrift in diese Mark der Strafe eines Viertel Bieres verfallen sei. Zu der Befestigung Wittenbergs mussten vom 25. Januar bis Ostern zehn Wochen lang die Stadtwagen mit einem Aufwande von 5 1/4 Schock gestellet werden. Im Januar wurde eine Hökenordnung entworfen, und unter anderen befohlen, Fische, Heringe und andere Speisen außer mittwochs und freitags bis mittags 12 Uhr auf dem Markte nicht feilzuhalten, sich mit den Waren nicht in das Loch [den Weg vom Markte zur Kirche] zu setzen, und den Weg zu versperren, auch nicht Würfel und Karten zum Verkaufe auszubieten. Die Beutler, Drechsler, Gürtler, Kleinschmiede, Messerschmiede, Nadler, Täschner, Seiler und Sieber trugen darauf an, dass sie in Wochenmärkten von Fremden nicht möchten überzogen werden, besonders aber, dass man den Fremden sonnabends in der Fasten und sonnabends vor dem Pflaumenmarkte feil, zu haben nicht gestatten sollte. Auf den Fastenmarkt ging der Rat nicht ein. Der Vormarkt des Allerheiligen Marktes aber, wie die Wochenmärkte wurden den Fremden, wenn mehr als 3 Handwerker ihrer Art sich in der Stadt vorfanden, untersagt. Zugleich erhob man mit höherer Erlaubnis den ersten Wochenmarkt der Fasten sonnabends vor Invocavit, zu einem allen Krämern, Fremden und Einheimischen, offenen Jahrmarkte. „Die drei Jahrmärkte aber soll man haben, als den Ablass Peter Paul, den Pflaumenmarkt und den ersten Sonnabend in der Fasten." Die Böttcher durften keine anderen Butterhosen, als zu zehn und zwanzig Kannen fertigen, und musste neben ihrem Zeichen auch das des Rates aufgebrannt werden. Dieses Gefäß war im ganzen Osterlande eingeführt, und anderes auf den Märkten nicht gelitten. Caspar Teurbach, Heinrich von Paks auf Döbernitz Schäferknecht hütete in der Spröde zu Schaden, ward gepfändet und mit 8 Groschen gestrafet. Mit Otto von Spiegel auf Badrina aber, der mit seinen Schafen zu Beerendorf im Gebirkicht auf der Vorheide hüten ließ, geriet man nach mehrmaliger fruchtlos gebliebener Pfändung im Prozess. In einem Ausschreiben wegen der Tranksteuer vom 22. März erlaubte der Kurfürst diese Steuer der Bequemlichkeit wegen, unbeschadet der Schriftsässigkeit, an das Amt zu liefern, und ein eingeschlossener Zettel enthielt gegen die Besitzer der Rittergüter das Verbot, neue Brau- und Schenkstätten anzurichten, und die Untertanen widerrechtlich mit Bierzwang zu belegen, bei Verlust der Lehngüter, wörtlich so ausgedrückt: „Wir sind auch bericht, das etliche unserm hiebevor getanem Ausschreiben zuwider, von iren Underthanen die Schenckstedt auskaufft, auch nawe Braw und Schenckstedt, die zuuorn vor alters nicht gewesen, erbrawet, und it gebrawen Bier darauff vorzapfen lassen, Dieweil uns dann solchs mit nichte zu gedulden und nachzugeben, demnach gebieten wir denjhenigen, welche es vorgenommen haben, bei vorlust bey der Lehen, die sie von vns zu Lehen haben, dauon vnuorzüglichen abzustehen, und wollen, das den Schencken darauff frey gelassen werde (soferne die vor alders des Schenckens berechtigt) der nachst vmbliegenden Stedte Bier zu schenken vnd zu uorzapffen, Datum..." Am 24. April ließ der Rat durch verpflichtete Förster die Wiesen hinter dem Elberitzer Holze ausmessen, und gegen das Holz mit einem Graben von 48 Ruten vermaßen. Der Kurfürst befahl, Salza, d. 28. Mai, sich gefaßt zu machen, 200 Landsknechte auf 12 Monate zu besolden, und die erste Hälfte des Soldes bis Galli, die zweite bis Lichtmeß künftigen Jahres an den Rat zu Leipzig abzuliefern; auf den Fall der Unvermögenheit aber in denselben Fristen 600 Gülden gegen Überlassung der Tranksteuer des künftigen Jahres genanntem Rate zu übergeben: Der Rat verschaffte die 6000 Gülden durch Darlehen und erhöhte zu deren Verzinsung die Gebräudeabgabe so, daß nun vom Gebräude statt 7 Groschen 20 Groschen gegeben ward. Die Darlehen sind in dem Kopiale der Schuldverschreibungen v. J. 1458 ff. aufgeführet. Das Viehtor mit Wendelsteine wurde mit einem Aufwande von 35 000 Mauersteinen neu gebauet, auch an das Hallische Tor kam ein neuer Wendelstein. Der Amtmann Valentin Kirchhof nahm den Raum der von den Visitatoren der Kirche zugeschriebenen Commende Crucis in Beschlag. Rat und Kirchenvorsteher baten deshalb den Coadiutor, Fürsten Georg zu Anhalt, in Merseburg um Verwendung bei dem Kurfürsten, welcher dann in der Rückschrift an den Fürsten hinsichtlich der zum Lehn gehörigen Hufen für die Kirche günstig sprach, bezüglich auf den Raum, oder das Haus des Lehns aber sich die Entscheidung noch vorbehielt. Derselbte Amtmann ließ mit der Amtsschäferei absichtlich oder zufällig den Bürgern oft zu Schaden hüten, und bat man wegen dieser und anderer Beeinträchtigungen um- einen Vorbescheid. Dieser ward am 16. August in Dresden abgehalten, und gelang es durch der kurfürstlichen Statthalter, Georg Commerstadt und Ernst von Miltitz Wohlwollen gegen die Stadt, daß nicht nur die zwischen Amt und Stadt schwebender Streitigkeiten zum Vorteile der Stadt entschieden wurden, sondern die Stadt auch am 21. August die Amtsschäferei gegen 100 Gülden jährliche Erbpachtgeldes in Erbpacht erhielt. Der Amtmann übergab nun am 17. November 343 trächtige Schafe über Winter, 131 alte Hammel, 251 Stück Zeitvieh oder diesjährige Lämmer, in Summe 725 Stück Nosser oder Schafe mit Inbegriff des fünften Teiles des Schäfers. Die Hälfte musste dem Amtmanne mit 80 Schocken bezahlt werden. Mit diesem Erbpachte kam die Wiese bei Grabschütz und der Dübische Werder an den Rat, und übergab der Gleitsmann Caspar Süßmilch ein Verzeichnis der zu behütenden Marken. Die Stadt Schweinitz, welche im Jahre 1547 von den Spaniern ausgeplündert worden, erhielt in diesem Jahre durch Zündung des Blitzes ein großes Brandunglück. Der hiesige Rat legte auf ihr Gesuch um Unterstützung, v. 1. September, den in der Stadt gesammelten Beträgen 1'/s Schock aus der Kämmereikasse bei. In dem Gerberhause des Stephan Rothe brach am 4. September, mittags, durch Verwahrlosung des Gesindes Feuer aus, welches aber sogleich gelöscht ward. Am 1. Oktober starb der Stadtrichter Hans Göre, Vater des hiesigen und Haynischen Pfarrers, Ratsherr seit 1531, dem der Stadtschreiber zum Ruhme wörtlich: ein ganz ehrlicher und frommer Mann, der mit seinem eigenen Schaden und Verderben der Stadt Nutzen Tag und Nacht in seinem Bauamte gesucht und eine Person ausgenommen (er meint den Bürgermeister Költzsch) der gemeine mehr gedienet als die anderen miteinander, welches ihm denn gemeine Stadt niemals genugsam danken, vielweniger belohnen kann; niedergeschrieben hat. Freitags nach Martini, den 14. November, mußte Schanzgeräte nach Zörbig gefahren werden. Auf dem Landtage in Torgau, vom 28. Oktober bis 11. November, beriet sich der Kurfürst, dem vom Kaiser die Exekution der Reichsacht gegen Magdeburg aufgetragen war, mit den Ständen hauptsächlich über die Belagerung dieser Stadt, daneben über eine Münzordnung des Kaisers und Konstitutionen für Polizei und Justiz, die am 12. November bekanntgemacht wurden. Auch bewilligte man auf zwei Jahre eine Steuer 5 Pfennige vom Schock. Die Belagerung der Stadt Magdeburg verursachte, daß sich hiesige Stadt mit neuen Doppelhaken versah und mit einigen die Türme besetzte. Die Stadtgraben wurden geräumt, die Türme mit starker Wache versehen und viel auf Kundschaft verwendet. Zufolge (eines kurfürstlichen) Befehls fuhr man am 10. Dezember mit zwei vierspännigen Wagen Brot ins Lager (vor Salza), Die Bäcker verloren aber außer ihrer Mühe ein Schock 6 Gr. und versäumten sieben Tage. Dem Stipendiaten Thomas Schmidt gab man zu seinem Baccalaureate 4 Schock 22 Groschen, das Stipendium aber erhielt, auf Melanchthons und George Major Empfehlung, der in Wittenberg studierende Donat Kötzschke, später Pfarrer in Lissa, und Georg Kirchhof, Sohn des Ratsherren Ulrich Kirchhof, später Rektor in Zörbig, hiesiger Schullehrer Ratsherr und Bürgermeister. Der Stadtschreiber erhielt einen ländischen schwarzen Reitrock, mit gewichstem schwäbischen Leinwandüberzuge, an Werte 2 Schocke 38 Groschen. Am Petri Pauli Tage, den 29. Junius, schlug und verwundete der Pfarrer in Kyhna und Klitschmar, Johann Wilhelm, den Richter Marcus Raffe aus Schenkenberg, daß er in einem Hause auf dem Damme liegenblieb und am 5. Juli daselbst starb. Auf die Meinung, daß die Wunde nicht an sich, sondern durch Vernachlässigung tödlich geworden sei, und Raffe dieses selbst gegen den Beichtiger, den hiesigen Diakon Winter ausgesprochen haben sollte, vertrugen sich am 12. August die Vormünder der Kinder des Verstorbenen mit dem Pfarrer und gaben für 36 alte Schocke, die dieser zahlte, ihre An- und Zusprüche gegen ihn auf.


1551

Wegen des Krieges vor Magdeburg besetzte man Türme und Tore stark mit Wächtern und jeder Bürger, ohne Unterschied, Hausbesitzer und, Pfahlbürger, mußte dazu 3 1/3 Gr. geben. Man zählte aber der Bürger 229 und betrug die Summe 12 Schocke 43 Gr. 4 Pf. Bisher war der jüngste Ratsherr Schenke und hatte dabei die Einnahme des Zolles und der Waage. Weil aber in der Schenkstube oft Unschicklichkeiten vorfielen, die sich mit der Würde eines Ratsmannes nicht gut vertragen wollten, so beschloß der Rat, diese Ämter einem Bürger, gegen hinlängliche Sicherheit anzuvertrauen. Man wählte und verpflichtete hierzu den angesehenen Bürger Joachim Rapsilber, die Einnahme der Marktpfennige aber behielt man dem jüngsten Ratsmanne vor. Am 19. Februar lieferte man die zweite Hälfte der dem Kurfürsten zugesagten 6000 Gülden, 3000 Gülden an den Rat in Leipzig ab. Am 27. Februar verunglückte die Stadt Bischoffsstein durch Feuer bis auf drei Häuser. Zu der Kollekte, die man in der Stadt sammelte, legte der Rat 36 Groschen. In dem Gerbehause des Lambrecht Barth brach Feuer aus, welches aber schnell gelöscht ward. Von Thilo von Schenkenberg kaufte der Rat sieben Acker Wiese am Furte des Lobers neben der Dörfchenmühle auf Wiederkauf, den Acker für 30 Gülden. Der Nachbesitzer des Rittergutes Schenkenberg, Sigmund von Miltitz, lösete sie aber 1558 für 126 Schocke wieder ein. Derselbe Thilo von Schenkenberg wehrte den Bürgern im Lober bei Benndorf zu fischen, weshalb man mit ihm in Prozeß geriet. Am 20. Juni brannte die Stadt Mittweida durch Unvorsichtigkeit eines Bürgers, welcher in der Nähe seiner mit Stroh gedeckten Scheune einen am Baume hängenden Bienenschwarm mit dampfenden Kohlen einfangen wollte bis auf 60 der geringsten Häuser nieder. Auf die Zuschrift des dasigen Pfarrers schickte hiesiger Rat die Kollekte der Stadt 30 Gülden 16 Gr. und 60 Scheffel Roggen und eine Zulage von 1 Schock 45 Gr. aus der Kämmereikasse dahin. Die Edelleute hatten am Petri Pauli Tage auf dem Rathause ihren Tanz, wobei Luthers Bild durch Bier beschädigt ward. Auch für Freyburg an der Unstrut in Thüringen, welches auch durch Feuer bis auf wenige Häuser verunglückte, ward auf die Bittschrift dasigen Rates eine starke Kollekte, welcher die Kämmereikasse 1 Schock 49 Gr. zulegte, aufgebracht. Den 9. Juli erschien des Kurfürsten und seines Bruders August Verordnung, da ß keiner auf dem Lande, er sei Adliger, Schenkwirt oder Bauer, Fremde herberge, kein Adliger bürgerliche Geschäfte, Handel, Gewerbe, zum Nachteile der Städte treibe, Kretschmar und Handwerker gestatte, bei ernster Strafe, wobei jedoch auch den Stadträten strenge Aufsicht auf Brauerei, Tuchfabrikation, Wirthäuser und fremde Bettler und überhaupt auf Bettelei zur Pflicht gemacht wird. Der Rat erlaubte nun den Armen nicht mehr, Haus für Haus zu bitten, sondern gab Almosen aus der Ratskasse. Auch klagte er in Gemeinschaft mit Eilenburg gegen Löbnitz, wo nach Ansicht beider Städte Brauerei und Schenkwirtschaft gegen die kurfürstliche Verordnung zur Ungebühr getrieben ward. Wegen der Mißernte und eintretenden Mangels ward am 20. August die Ausfuhr des Getreides auf ein Jahr bei Androhung harter Strafe verboten. Den 24. August brannte die Stadt Freyburg in der Pfalz gänzlich nieder. Es verunglückten dabei 82 Menschen, die im Feuer umkamen. Auch ging sämtliches Vieh verloren. Dem Ratsverwandten Wolfgang Täschner und dem Bürger Hans Kürschner übergab man eine Hauskollekte von 7 Gülden und einen angemessenen Betrag aus der Kirchen- und Ratskasse. Da seit einigen Jahren fünf Feuer in Gerbehäusern ausgekommen waren, diese auch wegen des üblen Geruches der Hausgruben der Gesundheit nachteilig schienen, so beschloß der Rat, besorgt gemacht durch das Brandunglück der nur genannten Städte und zur Verhütung ansteckender Krankheit, die Gerbehäuser und Scheunen außerhalb der Stadt auf freie Plätze zu weisen, und bei sämtlichen Wohn- und Nebengebäuden der Stadt und Vorstadt die Bedachung mit Ziegeln anzuordnen. Für Anlegung der Gerbehäuser bestimmte man das vordere Stück des Angers, Schießplatzes, und die Gerber wurden von nun mit der Bedingung, ihre Gerbehäuser auf jenen Platz zu verlegen, beliehen. Der Anbau erfolgte nach und nach und die neun Häuser, welche sich 1566 daselbst befanden, gab der Rat den Besitzern mit dem Vorbehalte, daß nur Gerber Besitzer derselben sein könnten, in Lehn. Anfänglich nannte man sie in Schriften: die Gerberhäuser, später die Gerbergasse und von 1602 ab den Gerberplan. Hans, Viehhirt in Paupitzsch, schlug Bartholomäus Schneiter mit einem Fausthammer an den Kopf, daß er bald in dem Hause des Thomas Kuntzsche, wohin man ihn brachte. starb. Der Abdecker, Jacob Claus, lösete ihm das Leibzeichen, den rechten Daumen, ab. Die Sturmfässer wurden mit kupfernen Reifen belegt, der Steinweg in der Viehgasse und vor dem Viehtore gepflastert. Der Rat kaufte ein künstliches chirurgisches Instrument für 48 Gr. und gab es dem Chirurgen Heinrich Willing. Die Wolle der Schäferei hatte am Gewicht 25 Steine und ward für 20 Schocke 50 Gr., der Stein zu 50 Gr. verkauft. Von 524 gebrauten Bieren betrug die Abgabe zu Deckung der Zinsen der 6000 Gülden 174 Schocke 40 Gr., vom Gebräude 20 Gr. Der Rat beschloß, dem Bürgermeister Balthasar Költzsch, wegen seiner Dienste, die er der Stadt geleistet hatte und täglich leistete, die Wiese hinter dem Gebirkicht erblich zu geben und ihn wegen der gemachten Zubußen und Vorschüsse mit 50 Talern zu entschädigen.


1552

Ehe der Zug [des Kurfürsten gegen Kaiser Karl V.] begann, lagen hier mehrere Obersten des Heeres, verzehrten gegen 160 Gülden und überließen dem Rate die Zahlung. Auch trieb ein eingelegtes Fähnlein Knechte, welches auf Kosten der Stadt unterhalten werden mußte, viel Unfug, gegen welchen Beschwerde an den in Leipzig befindlichen Hauptmann Wolf Wiedemann so wenig als Bericht an den Kurfürsten wirksam war. An den Landtage in Torgau nahm der hiesige Ratsherr mit dem Stadtschreiber Rügezelt teil und bewilligten, die Stände eine Steuer nach 5 Pfennigen vom Schock. Die Epidemie, welche in den letzten Monaten des vorigen Jahres viele hingerafft hatte, war bis Ostern dieses Jahres gemäßigter, nahm aber von da zu und erreichte in dem Herbste einen so hohen Grad, daß die für diese Krankheit angenommenen Totengräber die Toten nicht mehr wegtragen konnten, sondern ein Wagen mit Führer gehalten werden mußte. Dieser machte in der Woche vom il. bis 17. September sieben Fuhren, dann zehn bis vierzehn wöchentlich. Die Krankheit war so schnell tötend, daß ein Eisenkrämer, Erhard Curth, von Wittenberg, der auf hiesigem Markte in der Bude von ihr ergriffen ward, in wenigen Stunden starb. Doch traf sie mehr die Jugend. Die Zahl der Verstorbenen dieses Jahres war 848. Dieselbe Krankheit herrschte in Leipzig und anderen Städten des Landes. Für Zubringung der Bedürfnisse in die angesteckten Häuser waren zwei von dem Rate angestellte Personen tätig, auch mietete man für das kranke Gesinde ein abgesondertes Haus. Zu dieser Krankheitsnot kam noch Teuerung des Getreides. Der Scheffel Roggen stieg bis 15 Groschen, und ließ der Rat den armen Bürgern 7661/2 Scheffel; den Scheffel zu 10 Groschen, aus dem gemeinen Vorrate, und 83 Scheffel wurden vorgestreckt. Der Scheffel Weizen stand mit dem Roggen fast in gleichem Preise, der Scheffel Heidekorn galt 8, Hafer 6, Kleien 31/2 Groschen. Der Rat kaufte zu den 21 Doppelhaken der Stadt noch 18 große und zwei kleine eiserne, jene zu 3 Talern, diese zu 48 Groschen, und die junge Mannschaft übte sich im Gebrauche derselben und der einfachen Haken, damit sie im Falle der Not der Besatzung in Leipzig beitreten könne. Auf einem Ausschußtage in Dresden bewilligte man eine Türkensteuer, 2 Pfennige vom Schock und die große Tranksteuer ferner auf 6 Jahr. Die dem Kurfürsten auf die Tranksteuer voraus gegebenen 6000 Gülden gingen von der Tranksteuer ein, daher die Abgabe, vom Gebräude 20 Groschen, wieder auf 7 Groschen herabgesetzt ward. Mit den bis dahin erhobenen 20 Groschen dieses Jahres bestritt man das Wächtergeld, weil von den meisten durch Teurung und Krankheit geschwächten Bürgern nichts zu erheben war. Die Kreuzkapelle der Kirche ward mit Schiefer umgedeckt, der Rathausturm neu gebaut, mit Kupfer beschlagen und einem vergoldeten Knopf versehen, die Schäferei mit einem Aufwande von 23 Schocken 40 Gr. gebessert, auch ließ man durch den Röhrmeister Simon Schipfel, aus Leukersdorf, den Heiligbrunnen untersuchen, ob er durch Kunst in die Stadt zu leiten sei. Er machte zwar nach Abwägung Hoffnung, daß es mit Hilfe eines Gießrades geschehen könne, der Versuch aber unterblieb. Die Schäferei brachte 73 Steine 17 1/2 Pfund Wolle und hatte der Stein 36 Groschen am Werte. Zur Aufsicht auf die Schafe nahm man einen Flurschützen an, welcher nach den Hufen gelohnt ward und das Pfandgeld empfing. Man erneuerte auch die alte Ordnung, daß der Stadt Güter nur auf bürgerliche Besitzer übergehen durften, auf Grund der Lehnbriefe der Stadt. Dem Stadtschreiber gab man für Abschrift der diesjährigen Landtagsverhandlungen 48 Groschen, und zu seinem Notariate 1 Schock 45 Groschen. An schuldenden Kapitalen zahlte der Rat zurück 200 Gülden, welche die Stadt 1476 von Herrn Wenceslaus Finis erborgt hatte, an die Collegiaten des Paulerklosters in Leipzig 100 Gülden, 1466 aufgenommen, an das Thumstift zu Wurzen, von welchem Kapitale zwar der alte Schuldbrief im Brande der Stadt Wurzen vernichtet, im Jahre 1522 aber wieder erneuert worden war, und 50 Taler oder 20 neue, große Schocke, an den Bürgermeister Balthasar Költzsch. Die älteren Dokumente lauteten zwar auf Rheinische Gülden Gold, sie wurden aber nur in Fürstenmünze, der Gülden zu 21 Groschen gerechnet, verträglich abgezahlt.


1553

Ein Wortstreit, welcher am 31. Januar des Nachts zwischen dem Gleitsmanne des Amtes Caspar Süßmilch, Hans von Hirscheide, einem Reisigen, Andreas Stephan einem Bürgerssohn, Martin, dem Hofmeister in Sielsdorf und den Ratsdienern in den Riemergäßchen entstand, ging-in Tätlichkeit über, wobei der eine Fron, Caspar Döring, tödlich, der zweite, Matthäus Franke, mit einem Stiche in den Schenkel verwundet ward. Der Pfarrer, Magister Göre, verehelichte sich wieder am 6. Februar mit Dorothea, der Tochter des hiesigen Bürgers, Hans Erich, welcher wegen mehrerer Tische Hochzeitsgäste in Anspruch genommen, auf Beschwerde aber von der Strafe befreiet ward. Dietrich von Scheidingen pfändete der Stadtherde, welche auf Kertitzmärk weiden sollte, ein Schaf ab, weshalb man, da die Hutung auf dieser Mark in dem Erbpachtsvertrage über die Amtsschäferei mit begriffen war, Beschwerde führte. Ein Gleiches geschah gegen die Gemeinde Kattersnaundorf, welche mit Gertitz gemeinschaftliche Hutung hatte, und anbrüchige räudige Schafe hielt. Dreißig Hakenschützen gingen von hier zur Besatzung nach Leipzig und erhielten 10 1/2 Schock Handgeld „auf die Faust". Martin Pranz, der Sohn des Bürgers Hans Pranz, kam mit einem Empfehlungsschreiben, -des Rates an den obersten Prädikanten Nicolaus Specht, und Verwalter, nach Pforte, ward 1560 dritter Lehrer an der Schule hiesiger Stadt. Die in den zwei vorigen Jahren der Stadt so gefährlich gewordene Krankheit dauerte zwar bis Pfingsten fort, es starben aber nur 38 Personen daran, und lohnte man die angenommenen Totengräber wieder ab. Dagegen. machte sich die Krankheit der Franzosen unter den Armen bemerklich, welche durch die fremden Landsknechte eingebracht worden war. Die Häuser mit Scheunen innerhalb der Stadt wurden nur mit der Bedingung, daß der Besitzer sich jeder mit der Scheune vorzunehmende Veränderung gefallen lassen müsse, in Lehn gegeben. Durch den Röhrmeister Simon Schipfel aus Leukersdorf bei Chemnitz ward das Wasser von der Mühle mittels Rades, Pumpen, hölzernen und messingenen Röhrwerks auf den Markt in einen Röhrkasten geleitet. Der Meister erhielt im Gedinge 14 Schock, der Rat gab nur die messingenen Röhren an die Pumpen, welche der Rotgießer Frey in Leipzig am Gewichte 2 Zentner 70 Pfund, für 14 Schocke 45 Groschen lieferte und besorgte die Umlegung des Straßenpflasters. Zu gleicher Zeit lieferte Wolf Herre von Penig die Pumpen mit 2 Ständern und zweibohrichten Röhren in den großen Born am Markte, für 4 Schocke 3 Groschen. Gestelle und Schmiedearbeit besorgte der Rat. Das Steinpflaster, nach Länge der gelegten Röhren, kostete 3 Schocke 16 Groschen und ward von Eilenburger Steinsetzern gelegt. Vom 13. August ab war ein achttägiger Landtag in Leipzig, an welchem auch Abgeordnete hiesigen Rates teilnahmen, und eine neue Steuer, vom Schocke 6 Pfennige, in zwei Terminen zahlbar, verwilliget ward. Daneben verlangte man aber auch die dem Kurfürsten Moritz zugesagte Kriegssteuer. Auf kurfürstlichen Befehl sollten von Michaelis bis Fastnachten künftigen Jahres 100 Landsknechte hier liegen, es trafen aber durch Christoph von Carlowitz Vermittlung nur 25 ein, und diese wurden schon im November abgelohnt. Der Holzförster Bartholomäus Kisch erschoß am 11. November in seiner Wohnung am Galgetore den Sohn des Gutsbesitzers Michael Pehnitzsch in Kölse unvorsichtig mit der Büchse und ward mit zwei Schocken Strafe belegt. Auch verunglückte in diesem Monate der Seigersteller Matthäus Berndt durch einen Fall aus dem Glockenturme (der Kirche) und ward am 20. desselben Monats begraben. Das Rektorat,' durch Nicolaus Gorius Aufnahme in den Rat erledigt, übertrug man dem hier geborenen Johann' Fischer, Sohn des 1552 gestorbenen Stadtrichters Andreas Fischer, welcher in Pforte und Wittenberg studiert hatte und da auch der bisherige Kantor, Balthasar Franz für das künftige Jahr in den Rat gewählt und bestätigt ward, so kam zu dieser Stelle der auch hier geborene und bei 1547 bemerkte Baccalaureus Thomas Schmidt in Vorschlag und erhielt im künftigen Jahre das Amt. An Kapitalen zahlte der Rät ab: 100 Gülden an Prisca Sandritter, oder die Christoph Jägerin, Lucas Nossigs Tochter, geliehen 1487; 100 Gülden an die Erben Hans Winters, geliehen 1521; 100 Gülden Valentin Bockmanns Erben, geliehen 1527; 50 Gülden an die Prisca Sandritter; 100 Gülden an das Schuhmacherhandwerk, geliehen 1529. Der Kriminalprozeß wegen des am 31. Januar d. J. im Riemergäßchen begangenen Verbrechens verursachte der Stadtgasse bis zum Jahresschlusse einen Aufwand von 28 Schocken 57 Gr. 10 Pf. Kosten. Das Termineihaus in der Holzgasse ward zu einem Schütthause eingerichtet und die entbehrlich gewordene Stube an den Kantor Franz für 8 Schocke 24 Gr. verkauft. Die Schäferei gab 52 Steine Wolle mit einem Erlös von 321/2 Schock; die Ziegelscheune lieferte 72 700 Stück. Die Stadt braute 159 Lager-, 151 Sommer- und 8 Mittelbiere, in Summe 426. Der Scheffel Weizen galt 9 bis 10, Roggen 8 bis 9, Hafer 5 Groschen. Zwei hiesige Bürgersöhne, Johann Hartmann und Severin Fischer hielten um eins der größeren Fridericischen Stipendien an. Nach dem Testament des Friederici erhielt es der Empfänger unbedingt auf vier Jahre, man beschloß aber, es unbedingt nur auf ein Jahr zu geben, die übrige Zeit aber von künftiger Führung abhängig zu machen. Auch mußte der Empfänger an Eidesstatt versprechen, es auf das beste zu nutzen und künftig der Stadt in irgendeinem für ihn geeigneten Amte, wenn man ihn rufen würde, zu dienen, oder im Weigerungsfalle das, was er als Stipendium empfangen, zurückzugeben. Hartmann, welcher das Stipendium empfing, war der Sohn des Bartholomäus Hartmann, Ratsherrn von 1555 ab, studierte in Wittenberg und ward später Kantor, auch Ratsherr hiesigen Stadt; Fischer aber Leipziger Student und Baccalaureus, Stadtschreiber in Gräfenhainichen.


1554

Der Bau an der Pfarre (begonnen 1553) ward fortgesetzt und kostete ohne Steine, welche die Ziegelscheune gab, 97 Schock. Auch baute man ein neues Torhaus am Hallischen Tor, stellte die vordere Windmühle her, die am 27. Oktober ein heftiger Sturm niederwarf und schützte mit einer Bedachung den gewölbten Heiligenborn. Auf Bitte des Rates überließ der Kurfürst, um ziemliche Bezahlung, zu dem Pfarrbaue 100 eichene Stämme aus dem Gehölze bei Bitterfeld und gab am 30. Januar dem Forstmeister Hans von Nessau zu Düben Anweisung. Man bezahlte für den eichenen Stamm 12 Groschen. Auf dem Landtag in Dresden verwilligte die Landschaft 14 Pfennige vom Schock. Das Ausschreiben über die Art und Meinung der Aufbringung erschien am 5. April mit einer Verordnung vom 6., in welcher auf strenge Haltung der bisherigen Polizeigesetze gewiesen und am Schluß (die) Beziehung auf geistliche Gerichtsbarkeit und Güter beföhlen ward. Eine alte Wärterin, Margarete, ließ den Knaben des verstorbenen Wagners Müller aus Unachtsamkeit bei der Darre mit dem Gesicht ins Feuer fallen und verheimlichte es. Man holte ein Schöppenurteil und bestrafte sie mit vier' Tagen Gefängnis. Bezüglich auf Vermessung der Käse, des Salzes und des Obstes ward eine Marktordnung festgesetzt und das nötige Probegemäß angeschafft. Äpfel und Birnen sollten gehäuft, wie sie liegen bleiben, Käse einmal gerüttelt und geschlichtet, Nüsse geschlichtet, aber nicht gerüttelt, Salz gerüttelt und gehäuft werden. Der Messer oder Marktmeister erhielt von der Tonne zu messen zwei Pfennige, bei Käsen überdies von der ganzen Tonne zwei, von der halben ein Stück, bei Äpfeln von der Tonne vier, von der halben zwei Stück. In der Woche nach dem Trinitatisfeste ward die Meile [Biermeile] nach Radefeld gemessen und gefunden, daß dieses Dorf weit unter der Meile liegt. Der Landsknecht Thomas Vorrath, welcher den Einwohner Thomas Mirisch in der Grünstraße erstochen hatte, ward am 5. September mit dem Schwerte hingerichtet. Am 6. September vermahlte man die Landstraße nach Brodau, zwischen Elberitz und Preßmark mit Bruch- und kreuzweise gelegten Ziegelsteinen. Zugegen war der Rat, der Schösser Grundig, wegen des Amtes, Otto Spiegel der Jüngere auf Brodau, Gerichtsherr der Preßmark und die Bauern zu Brodau, Lorenz Strauß, Richter, Antonius Krabbes, Gregor Franz, Paul Grimmer, Gregor Holzweissig, Severin Kunze und Schwabe. Am 9. desselben Monats berichtigte man die Grenzen zwischen Gertitz-, Weißig-, Queringer und Kühnamark. Es waren zugegen der Schösser Grundig, der Landrichter Matthäus Frank, die Landschöppen Matthäus Große, von Kühnau, Hans Geißler von Wiedemar, und Ambrosius Größe von. Werben, der Rat und die meisten Delitzscher Bürger, welche auf Gertitz-, und Weißig Mark Feld hatten. Der Rat erlaubte, was sonst nicht zu geschehen pflegte, daß Hans Kleberg von seinem Gehöfte in der Gasse nach dem Galgen zu, ein Stück trennen und an Hans Kallner verkaufen durfte. Der Grund war, daß die Vorbesitzer, wegen der Größe des Gehöftes einen Gasthof anzulegen beabsichtigt und zu wiederholten Malen um fürstliche Erlaubnis dazu nachgesucht hatten, welcher der für den Nutzen der Stadt besorgte Rat nur mit Mühe und vielem Kostenaufwande wirksam entgegengetreten war. Um nun diese Gefahr nicht wieder zu bestehen, erlaubte man die Zerstückelung. Man bat zwar um Ersatz der Pferde, welche der Stadt bei dem vorjährigen Treffen verlorengegangen waren, erhielt aber die Weisung auf eine andere Zeit. Anfangs der Leipziger Michaelismesse war ein großer Schützenhof in Dresden, an dem auch mehrere hiesige Schützen teilnahmen und vom Rate vier Schocke Reisegeld erhielten. Die Kriminaluntersuchung wegen des im Riemergäßchen getöteten Frones kostete auch in diesem Jahre dem Rate 26 Schock. Die Stadt braute 159 Lager-, 118 Sommer- und 142 Mittelbiere. Die Schäferei lieferte 63 Steine Wolle, die Ziegelscheune 121 700 Stück. Der Stadtschreiber erhielt einen Regenmantel von 11 Ellen schwarzem Tuche, die Elle zu 6 Gr. und Zwillich. Das Tuch wurde cottunisiert oder aufgerieben, der Zwillich gewichset. Des Rates zwei große silberne Becher, Kredenzer, wurden vom Goldschmied Daniel Knobloch in Leipzig ausgebessert. Der Goldschmied Jobst Kämmerer in Halle, welcher dem Rate das Bild des Kurfürsten Moritz, auf einem geglätteten Kupferbleche gegraben, schenkte; verehrte man 48 Groschen. Zum Gebrauch der Kirche und Schule kaufte der Rat vier Teile Psalmorum im Figural-Gesange für 1 Schock 8 Gr. 6 Pf., für den Bedarf vornehmer Gäste, fünf gemalte Venedische Weingläser für 171/2 Gr. in Leipzig. Die Ratsstipendien hatten Georg Kirchhof, der Sohn des hiesigen Ratsherrn Ulrich Kirchhof, welcher in Wittenberg studierte, 1556 in Zörbig, 1558 Lehrer hiesiger Schule, 1565 Ratsherr und 1587 Bürgermeister ward, und Esaias Richter, Leipziger Student und Magister, von 1561 hiesiger Schösser, dann Ratsherr und Bürgermeister. Der Rat zahlte folgende Kapitale: 100 Gülden 1513, 60 Gülden 1525 und 100 Gülden 1527 von biesiger Kirche aufgenommen, wieder ab. Auch kündigte er dem Kapitel unserer lieben Frauenkirche in Halberstadt die 1497 erborgten 2000 Gülden.


1555

Den Bauern in Grabschütz ward das Betreiben der durch die SchäfereiErbpacht an die Stadt gekommenen Grabschützer Wiese bei 10 Gülden Strafe an das Amt und Schadenersatz an die Stadt untersagt, die Verhandlung auch in das Amtsbuch eingetragen. Die bisher von jedem Biere zur Kämmereikasse erhobene Abgabe von 7 Groschen fiel weg, weil die Erbzinsen, zu deren Bestreitung man sie genommen, seit mehreren Jahren schon abgestorben waren. Dagegen entstand der Stadt durch die fürstlich angeordnete Annahme von sechs Schrötern und Wächtern, welche freie Wohnung und 12 Groschen wöchentlich erhielten, eine neue Ausgabe, halb nun vom Malze 8 Pfennige und ebensoviel von jedem ausgeschrotenen Faße, halb von dem Verkäufer, halb von dem Käufer erhoben ward. Diese Einnahme betrug für dieses Jahr 32 1/2 Schock. . Die Tuchmacher benutzten einen öffentliche n Platz neben der Doktorei zu einem Rähmen. Der Rat bebaute aber it diesem Jahre diesen Platz mit zwei neuen Häusern, und überließ ihnen dafür aber widerruflich, einen Raum hinter der Pfarre an der Mauer. Diese Häuser kaufte Mr. Joachim -Blum, und der Kannengießer Paul Meister; sie sind aber im Dreißigjährigen Kriege wüst geworden und geblieben. Am 1. April war Kirchrechnung Die Teilnehmer, der Pfarrer, Mr. Göre,, die drei Räte, der Stadtschreiber, der Hauptmann, die Vorsteher, vielleicht auch die Diakonen, erhielten vom Rate das Getränk, Wein für 2 1/2 Schock und gegen 2 Schock Wertes Bier, an einem Faße und darüber, von der Kirche aber die Speisung. Wie man, da es Fastenzeit war, speisete, besagt der Aufwandzettel, der sich erhielt, wörtlich so lautend: 1 Schock 18 Gr. für einen Lachs und 4 Gr. Botenlohn; 12 Gr. für 121/2 Pfund Karpfen; 3 Gr. für Mandeln; 3 Gr. für kleine Rosinen; 21/2 Gr. für 3 Pfund ungarische Pflaumen; 2 Gr. für 1/4 Pfund Ingwer; 1 Gr. für Pfeffer; 3 Gr. für Nägelein; 2 1/2 Gr. für Safran; 3 Gr. 8 Pf. für klaren Honig; .l Gr. für Stand zur Gallest; 1 Gr. für Kirschen zur Gallert; 2 Gr. für Weinessig zum Lachse; 1 Gr. für Pfefferkuchen zur Gallert; 4 1/2 Gr. für 3 Pfund Butter; 2 Gr. für Hutzucker; 11/2 Gr. für eine Mandel Käse; 1 Gr. für Streuingwer; 11 Pf. für 1/2 Pfund Lichte in die Küche, 3 Pf. für Muskaten; 20 Pf. für Bieressig zu der Gallert; 11/2 Gr. für Salz; 1 Gr. für Salat; 12 Gr. für Semmeln, 1 Gr. für Schelbenbrot und 5 Gr. für Semmeln am 2. Tage abends zur Collation. Der Uhrmacher Matthäus Wunderlich in Leipzig erneuerte den untauglich gewordenen Kirchenseiger für 9 Schocke Lohn, 461/2 Gr. Zehrung während der viertägigen Aufstellung mit anderen kleinen Ausgaben für Arbeit bei der Einrichtung. Während der Abwesenheit des Seigers in Leipzig gab man dem Hausmann des Breiten Turmes, welcher die Glocke nach Kompaß und Sandseiger ziehen mußte, einen Beiwächter und diesen 35 Groschen Lohn. An der Stadtkirche ward die gotische Bedachung der Leichenhalle bis auf das Gewölbe abgenommen und darauf die Kastenstube zur Verwahrung des Gotteskastens, Einnahme der Kirchenzinsen, Abnähme und Aufbewahrung der Rechnungen, mit einer Wendeltreppe erbaut. Da auch durch den Ausfluß der Schlachtehäuser in der Stadt die Gossen verunreinigt wurden, so beschloß man die Anlegung eines Schlachtehauses an einem entlegenen Orte der Vorstadt und kaufte für 30 Taler von den Erben des Bürgermeisters Paul Müller ein Stück ihres Scheungartens zu diesem Zweck. Eigentlich gab hierzu ein kurfürstlicher Befehl und zu diesem der Rat der Arzte Anlaß. - Auch kaufte der Rat vom Kurfürsten eine Windmühle bei Lissa für 40 Schock und erhielt dazu soviel Holz als nötig war, sie hier wieder aufzustellen und gangbar zu -machen. Neu baute man die Hallische Brücke, auf Gemäuer mit Holz belegt und gepflastert, das Mühlhaus in Elberitz, und die hölzernen Brotbänke. Auch ward vor dem Schlösse und Kirchhöfe, in der breiten und Badergasse neues Pflaster gelegt 'durch den Steinsetzer Peter Hafer aus Leipzig, welcher für die Rute 9 Gr. erhielt. Steine dazu ließ der Rat auf seinen Breiten lesen. Am 10. August folgten dem Hauptmanne von Bortfeld von der Bürgerschaft 20 Hakenschützen und 10 Spießer nach Löberitz, wo auf kurfürstlichen Befehl Hans Schilling gefänglich genommen ward. Auf,dem Landtage in Torgau, wo man die Tranksteuer, 20 Gr. vom Fasse, auf acht Jahre bewilligte, nahmen zwei Ratsherren und an dem Schützenhofe daselbst mehrere hiesige Schützen teil. Die hiesige Bäckerordnung ward auf Gesuch dem Rate in Dessau mitgeteilt. Den Besitzern der Scheunen innerhalb der Mauer, erlaubte man, auf kurfürstlichen 'Befehl zu Wegbringung derselben auf besondere Räume der Vorstadt nur noch eine dreijährige Frist. Die Anlegung einer zweiten Schenke in Zwochau, der Zschakenthaler genannt, ward nicht gestattet und der Verkauf des Hefenbieres an Schenkwirte auf das Land, weil man besorgte, daß sie durch Verfälschung hiesiges Bier in üblen Ruf bringen möchten, auf das strengste untersagt. Zu Einsammlung der Armenbeiträge an den Kirchtüren und in den Häusern kaufte der Rat in Leipzig für 42 Groschen vier eiserne, verschließbare Büchsen, die er von dem dasigen Maler Caspar rot anmalen ließ. Zu dem diesjährigen Bau des Schlosses in Leipzig, welchen der dasige Bürgermeister und Bauverständige, Hieronymus Lotther, leitete, verlangte der Kurfürst die Hälfte der hiesigen Maurer, und Lotther ein Verzeichnis derselben in besonderer Zuschrift. Der dritte Lehrer der Schule, Baccalaureus Valentin Wolfgang, ward Pfarrer in Döbernitz und übertrug man das erledigte Amt dem Baccalaureus der Philosophie Melchior Kühn. Der Amtmann Henning von Bortfeld ward Amtmann auf dem Petersberge und kam an seine Stelle Heinrich von Gleissenthal, auf Mildenstein, Greppin, zugleich auch Amtmann in Hainichen [Gräfenhainichen] und Bitterfeld.


1556

Die Kantorei führte montags vor Fastnachten, den 16. Februar, die Comödie Daniel auf. Man brauchte dazu unter anderem eine Mönchs-; eine Narrenkappe, einen kleinen behangenen Wagen, und einen Kardinalshut, deren Anschaffung aus der Ratskasse vergütet ward. Auch gab man am Tage der Aufführung den Spielern Wein zur Ergötzlichkeit. huch dem Zettel, der sich erhielt, spielten, den Prologus und Epilogus eingeschlossen, dreißig Personen, verschiedener Art und Zeiten; König, Kanzler, Kämmerer, Herold, zwei Trabanten, Lakai, Profos, Narr, Daniel, Sybilla, Salomon, Joseph, Benjamin, Hanania, Hofteufel, Licinius., Cambyses, Pyromachus, Blepsidemus, Engel usw. und wird das Stück zwar Daniel genannt, welcher auch darinnen eine Rolle hat, es ist aber wohl kein anderes als der im Jahre 1544 im Druck erschienene Hofteufel gemeint. Das sechste Kapitel Danielis den Gottfürchtigen zu Trost, den Gottlosen zur Warnung Spielwels gestellt, und in Reime verfasset durch Johann Chryseum. Unter den Spielern finden sich nächst dem Adligen Melchior Spiegel; welcher den Salomon gab, die Vornehmsten der Stadt. Am Anfang des März erschien nach Sonnenuntergang im Sternbild des Widders ein bleicher Komet, welcher sich schnell nach dem Nordpole bewegte, im April der Sonne vorging und Ende dieses Monats sich verlor. Der Landsknecht Franz Reisig, ein Ehemann, ward am 6. Juni nachts von dem Stadtrichter mit der Ehefrau des abwesenden Gürtlers Thiele; Margarete im Bette getroffen und gefänglich genommen. Sie gestanden den Ehebruch und das Schöppenurteil brachte ihnen den Tod durch das Schwert. Der Ehemann Thiele verwendete sich nun zwar für seine Ehefrau, und der Kurfürst sagte auf den Fall, daß beide Teile, Männer und Weiber, das Land auf Lebenszeit räumten, Begnadigung zu, da sich aber die unschuldigen Gatten hierzu nicht entschließen konnten, so erfolgte am 3. Juli ihre Hinrichtung und gestattete man den Leichnamen auf dem Gottesacker ein Grab. Die Hochzeitpredigten nahmen ihren Anfang. Es war ein sehr heißer Sommer und in dessen Folge wie gewöhnlich Brandunglück. Die Städte Spremberg, Grimma u. a. hatten durch Feuer große Verluste und erhielt Grimma, außer der Stadt- und Kirchenkollekte aus der Ratskasse besonders 20 Schock. Man glaubte aber, daß ausgesendete Mordbrenner Ursache wären, besetzte deshalb die Tore mit Wachen und kaufte viele lederne Feuereimer, die man, um sie gemein zu machen, den jungen Bürgern um geringere Preise überließ. Auf die Wege, welche nicht beritten und befahren werden sollten, wurden eiserne Kreuze gesetzt. Den Armbrustschützen hatte man schon 1481 zu ihren Übungen den Platz zwischen dem Hallischen Turme und dem Hospitale angewiesen, sie blieben jedoch in dem alten vor dem breiten Tore bis 1521, wo ihr Schießhaus von da in die überwiesene Stelle versetzt ward. Jetzt nahm das Amt den Platz in Anspruch, sie erhielten ihn aber auf kurfürstlichen Befehl vom 24. September bis auf Widerruf. Eichmann von Schenkenberg, welcher eine Kleinigkeit entwendet, aber 20 Pfennige gemerzt hatte, kam bei dem Amte in Untersuchung und erhielt zwar durch kurfürstliche Gnade das Leben, verlor aber beide Ohren und ward nach Staupenschlag des Landes ewig verwiesen; dahingegen Andreas Heinze, auch aus Schenkenberg, welcher über 5 ungarische Gulden stahl, am 21. Oktober durch den Strang das Leben verlor. Mit dem kurfürstlichen Landrentmeister verhandelte man hier wegen des Schloßgrabens, den man wahrscheinlich in Besitz zu haben wünschte; mit dem von Crostewitz, auf Lemsel, aber wegen des Schenken in Kletzen, welcher gegen das Privilegium der Stadt Eilenburger und Wurzener Bier vertat. Der Rat, welcher die frühere Armenspende längere Zeit ausgesetzt hatte, gab sie wieder, und erhielten die Armen 1008 Stück Brote, jeder eins, 30 Schock Eier, jeder ein Paar, soweit sie reichten, die übrigen Geld, und drei Faß Bier. Die Herren des Rates hatten bei der Austeilung eine Kollation und verzehrten 19 Gr. 6 Pfennige. Mit Thilo von Schenkenberg schloß man einen Handel um den Kosebruchteich, er starb aber bald nachher und es ist ungewiß, wieweit sich dieser Handel erstreckt hatte. Den Fronen hatte man bisher einen Neujahrsumgang in den Häusern nachgesehen, für das künftige (Jahr) untersagte man ihn und gab ihnen dafür aus der Ratskasse Entschädigung. Caspar Hofmann, ein. deutscher Schreiber und Rechenmeister von Schweinitz in Schlesien, schlug zwar am Michaelistage an, daß er Unterricht im Schreiben und Rechnen geben werde, bekam aber keine Schüler. Am 6. September starb der Amtsschössen Grundig und kam im Oktober der bisherige Schösser in Wurzen, Christoph Lotter, verwandt mit der berühmten Familie in Leipzig, an seine Stelle. Georg Stange [in diesem Jahr verstorben] war Besitzer des Hauses Nr. 253 der Breiten Gasse, ein wohlhabender Sonderling, ein Mann der alten Welt, wie man ihn nannte, welcher seit langen Jahren der Kirche als Organist diente und dafür jährlich 2 Schock empfing, selbst in das Feld zog, wenn er bleiben konnte, in seinen 1552 und am 30. November dieses Jahres niedergelegten letztwilligen Verordnungen aber 100 Gulden der Kirche, 300 Gulden dem Gotteskasten zu jährlichen Tuchspenden an Arme und 1000 Gulden dem Hospital-an Vermächtnissen beschied. Dieser Mann der alten Welt war also in jeder Beziehung ein Ehrenmann, indes ist zu bedauern, daß mit der Tuchspende an seinem Sterbetage durch Verwendung des Kapitals zu anderen Zwecken auch sein Andenken erloschen ist. Die Fischerei gab 30 Schock Ertrag und die Schäferei lieferte 69 Steine Wolle mit 55 Schocken Lösung.


1557

Die durch den Tod- des Georg Stange erledigte Organistenstelle mußte, weil ihr bisheriges Gehalt fast für nichts zu achten, neu fundiert werden. Besondere Mühe gab sich deshalb der Stadtschreiber Rügezelt, auf dessen dringliches Anliegen denn auch einstweilen 20 Gulden jährlicher Sold vom Gotteskasten für sie bestimmt, von den Kirchenvorstehern aber der bisherige Gehalt der zwei Schock zur Beköstigug versprochen ward. In der Voraussetzung, daß -sich die Stelle nach dem Abgang der noch belehnten Altaristen, bessern werde, übernahm sie nun ein geschickter, von Rügezelt gewählter junger Mann aus Halle, Moritz Lunau, der Sohn eines Pfannenschmieds. Es war ein strenger Winter mit vielem Schnee, der am 21: Januar bei auffallender Wärme plötzlich,schmolz und ein so großes Wasser verursachte, daß man nur durch Aufwerfung von Dämmen dem Überfalle in den Stadtgraben wehrte und mit ungemeiner Anstrengung die Mühle erhielt. Mit großer Freude empfing man am 20. Februar den ehrwürdigen Melanchthon, welcher mit Julius Menius und Dr.-Andreas Magerius hiereintraf, des Nachts blieb, tags darauf mit seinen Gefährten dem Frühgottesdienste beiwohnte und nach genossenem Mittagsmahle, welches der Rat auf das ehrlichste veranstaltete, nach Leipzig ging. Auf dem Landtage in Torgau, den 29. März, welcher nur einen Tag dauerte, bewilligten die Stände eine Türkensteuer, die Ritterschaft zwei Pfennig, Städte und Land 5 Pfennig vom Schocke, in drei Terminen abführbar. Die Schätzung traf liegende und fahrende Habe, auch werbende Barschaft nur Bergteile, silberne Geschirre, goldene Ketten, Kleinode und Kleider ausgeschlossen, und waren zu Einnehmern im Leipziger Kreise Asmus von Konneritz zu Lobschitz, Valten Pflug zum Knauthain, der Bürgermeister und Stadtschreiber zu Leipzig bestimmt. Der Sohn des Wind- oder Strohmüllers Abel Siegel, erstach am PetriPauli-Tage einen Fremden, Urban Cleman aus Dalwitz, in des Ratsherren Marcus Borkmann Hause, Nr. 8 der Breiten Gasse, flüchtete" aber, ward ausgerufen, geächtet, konnte aber nicht erlangt werden. Am 20. und 27. Juli geschah die Meilenmessung nach Brehna, Quetz, Landsberg, Löbnitz und fand man den Quetzer Steinbruch nicht über die Meile, Landsberg kaum 50 Gewende, Löbnitz aber über 50 Gewende entfernt. Der Rat, welcher den Bau eines Schlachtehauses und Röhrwasser von Gertitz aus in die Stadt zu leiten beabsichtigte, besah die Einrichtung des Schlachtehauses in Leipzig, ließ durch Otto Spiegel auf Badrina und dessen Röhrmeister die Brunnen in Gertitz untersuchen, abmessen und da man die Möglichkeit einer Ableitung durch Röhren nach der Stadt behauptete, die Brunnen durch den Stadtmüller Matthäus Schindler vorläufig fassen, nahm auch zu künftiger Ausführung 250 Taler Darlehen von Bürgern auf. Beides unterblieb jedoch, weil das entfernte Schlachthaus Widerspruch, die Gertitzer Wasserleitung bei anderen Kaufverständigen, die man zu Rate zog, Bedenken fand. Die Stadt hatte 28 Kuxe in Freiberg, Annaberg Marienberg und Wolkenstein, zum Teil Geschenke des Kurfürsten, die aber niemals Ausbeute gaben, sondern jährlich übergroße Zubußen und Reisekosten ver-ursachten. In diesem Jahre betrug die Zubuße 40, die Reise 15 Schock. Am 29. August war ein Schützenhof in Bitterfeld, wo Delitzsch den Kranz erhielt. Der Rat legte in der Hintergasse am Notstalle hinter Blasius Eschen, Nr. 241, einen neuen Brunnen an. Auch ließ er mit einem Aufwande von 11 Schocken, Zifferblatt, Zeiger und Zahlen der Kirchenuhr durch Leipziger Künstler malen und vergolden und schaffte zu Einsammlung der Armengelder noch zwei Büchsen an. Der Stadtschreiber Rügezelt schrieb im Auftrage der Kirchenvorsteher an den berühmten Orgelbauer Hans Beck, Bürger zum Hain, jetzt zu Hochstadt und Schandersleben, daß er sich gelegentlich zu, einer Beratung über den Umbau des großen Orgelwerkes und Abschließung eines Bauvertrages mit dem Rate einfinden möge; und bestellte bei dem Maler Lucas Cranach in Wittenberg für hiesiges Rathaus die Bilder des Kurfürsten Friedrich den Weisen und Johannes, Moritz und August, der Herzöge Georg und Heinrich, Luthers und Melanchthons in Lebensgröße, die Fürsten im Friedenskleide, es findet sich aber keine Nachricht, ob diese Bilder geliefert und wenn sie geliefert worden, wohin sie gekommen sind.


1558

Dem Rate ward der Pacht des kurfürstlichen Geleits in Delitzsch, Landsberg und Zwochau, welches in bisheriger Amtsverwaltung den Bedürfnissen nicht entsprach, so nahe gelegt, daß er unter den Ablehnungsversuchen ermüdete und der Vertrag für ein jährliches Pachtgeld von 900 Gulden auf drei Jahre zur Vollziehung kam. Der Stadtschreiber in Zörbig, Sebastian Eckart, suchte zu Erlangung des Heergerätes seines hier verstorbenen Bruders, des vormaligen Gleitsmannes, Lorenz Eckart, das Bürgerrecht. Der Kurfürst verordnete wegen des Drucks neuer Bücher, Lieder und Reime am 1. Februar wörtlich: „Als auch an uns gelanget: Das viel schmehbücher, lieder, reyme und dergleichen gedichte, unter veranderten namen, und sonsten ausgehen, und in unsern derhalben zuurn ausschreiben zugegen, so ist demnach vnser ernster beuhelich, jr wollet hinfuro keine newe bücher, lieder, reyme, noch sonst etwas newes, bey euch drucken oder fellhaben lassen, sie seindt dann zuuorn.durch den Superattendenten oder Pfarherrn, auch Ambtmann oder Schösser des orts, und euch mit fleiß vbersehen, Vnd wo es nothwendig, so werdet ihr uns, oder unserer verordneten Regirvnge alhiier, darfuor bericht und meldung zu thun wissen, Wann auch jemandes hierwider thun, oder was vornehmen würde, wider denselben wollet mit ernster geburender straff vorfaren." Am 17. März, abends neun Uhr, brannten in Brehna 10 Hofstätte und etliche Scheunen nieder. Man schickte von hier sogleich 30 Taler mit Getreide und legte der Rat besonders noch aus der Kämmereikasse 3 Schocke 30 Gr. bei. Auf wiederholtes Bitten um Entschädigung wegen der Pferde, welche der Stadt und den Ratsdörfern in der Schlacht bei Siewershausen verloren gegangen, schenkte der Kurfürst 10 Schock 30 Gr., und der Rat gab, damit jeder. Beschädigte 6 Gülden erhielte, 30 Gülden Zuschuß. Der neue Besitzer von Schenkenberg, Sigmund von Miltitz, Amtmann in Torgau auch Oberhofmarschall, kaufte die von Thilo von Schenkenberg 1551 wiederkäuflich erlangte Wiese an der Dörfchenmühle für 126 Schocke zurück. Delitzsch hatte bei dem vorjährigen Schützenhofe in Bitterfeld mit dem Kranze den Betrag zu Veranstaltung einer gleichen Ergötzlichkeit erhalten, und man entschloß sich dazu, weil man schon einmal, vor 19 Jahren, den empfangenen Kranz -liegenlassen und seit 40 Jahren eine Festlichkeit der Art nicht gegeben hatte. Die Erlaubnis dazu erteilte der Kurfürst auf des Rates Bittschrift (... ) und findet sich, daß der Rat dabei gegen 30 Schocke, unter anderen 12 Schocke zu Vorteilen und 13 Schocke an Wein, Torgauer- und Freiberger Biere verwendet, die Kantorei aber dabei unter Rügezelts Leitung sich durch schicklichen Figural-Gesang ausgezeichnet hat. Die Besichtigung der Feuerstätte zu Walpurgis und Michaelis, welche bisher die Herren des Rates besorgten, übertrug man, weil die Geschäfte des Rates namentlich durch das übernommene Geleit sich häuften, den Viertelsherren, welchen man jedesmal eine angemessene Verehrung gab. Die Kirchenvorsteher, welche bei dem Kurfürsten um Vereinigung des geistlichen Schloßlehnes und der früher an die Geistlichen und Schullehrer vom Schlosse gegebenen Präbende mit dem Gotteskasten nach§uchten, erhielten durch den kurfürstlichen Rat Hans von Ponickau und Kammer- und Rentmeister Bartholomäus Lauterbach abschlägige Antwort. So ward auch dem Rate der früher fürstlich zugesicherte Schloßbeitrag zu der Hausmannsstelle, den das Amt zu geben verweigerte, abgesprochen, dagegen zu Überlassung der gleichfalls vom Amte beanspruchten Frauenkirche Hoffnung gemacht. Am 5. Juli brach in einem Bürgerhause der Stadt Eilenburg durch Verwahrlosung des Gesindes Feuer aus, welches 25 Häuser mit allen Nebengebäuden gänzlich zerstörte, den Verunglückten schickte man von hier 30 Gülden, 26 Scheffel Korn, 2 Scheffel Gerste und andere Lebensmittel. Es ward der Einwohner Lorenz Krüger in Zwochau von Gregor Gottsching auf der Kegelbahn der Schenke durch den Wurf der Kegelkugel ins Genick auf der Stelle getötet, der Täter zu Haft in das Amt gebracht. Der Weidenhieb an den Grenzen des Weichbildes, namentlich an dem Stadtgraben hinter der Abdeckerei und Grünstraße veranlaßte von neuem Jurisdiktions-Streitigkeiten reit dem- Amte, welche auf kurfürstlichem Befehl Christoph von Ponickau auf Groitzsch mit dem Amtsverwalter zu Eilenburg, Georg Winkler in Verhör zog, und der Kurfürst durch anbefohlene Vermahlung drin dem kommissarischen, von ihm genehmigten Rezesse, v. 9. November d. J., festgesetzten Grenzen, mit unverkennbaren Steinen, für immer ein Ende gab. Die Vermahlung betraf das Weichbild im ganzen Umfange und erfolgte am 17. Oktober künftigen Jahres nach der Urkunde dieses Tages. Der Amtsschösser Christoph Lotter bauete auf einer Wüstung der Rittergasse das noch bestehende massive Haus, Num. 113, und erlaubte ihm der Kurfürst in einer Verordnung d. J., daß er die zwei Mauern am alten Hinterschlosse abtragen und die Steine dazu verwenden dürfte. Das Gehöfte dieses Hauses vergrößerte er durch den Ankauf eines Hauses an der Badergasse, welches früher dem Lehn Barbarae gehörte, 1549 aber, nach dem Tode des letzten Vikar dieses Altares, von der Kirche, welcher das Lehn Barbarae zugefallen, an Hans Reiband mit Auflegung einer jährlichen Abgabe von 4 Groschen vererbet ward, die der Besitzer noch an die Kirche zu entrichten hat. Man schrieb um Abschaffung der Schenke, wahrscheinlich neuerrichteten in Spröda an den Amtmann auf dem Petersberge, über den Erfolg aber findet sich keine Nachricht. Dem Dichter Christophorus a Berga in Dessau, welcher dem Rate seine Schrift: Lib. 1. Elegiarum zuschickte, verehrte man 48 Gr. Die Schäferei hatte 1079 Stück Schafe, und gab 74 Steine Wolle, zu 44 Groschen den Stein. Der Scheffel Samenkorn galt 6 Groschen. Hinsichtlich des Privilegiums der Biermeile erließ der Kurfürst an den Amtsschösser Lotter folgenden Befehl: „Lieber getrewer, Was der Rath zu Delitzsch des Bierschancks halben in der Pflege Delitzsch und Landtspergk, und vmb die Stadt, inwendig einer meil weges anhero vntertheniglichen gelanget, das hast Du aus in ligendem zu ersehen, Wenn wir dann gnediglichen geneigt, ob demjenigen, damit genanter Rath von unsern Vorfahren priuilegirt und begnadet, zu halten, sie dabey sein und bleiben zu lassen, Als begeren wir, Du wollest daran und darob sein, damit solche verordnung in unserm Dir beuohlenem Ampt wirklichen nachgegangen, und hinwidder nicht gethan werde, Jdoch andern an Ihrer gerechtigkeit vnschedlich, Da auch iemandts vnserer Cantzleyschriefftsassen, oder deren Vnterthane deme zu kegen handelten, und Vns der oder dieselben namhaftig gemacht würden, Wollen wir uns darinnen der gebür zu erzeigen wissen, Vnd beschieht hieran vnsere gentzliche meinung. Datum Dreßden, den XXV. Maij, Anno pp. LVIII°."


1559

Der Kurfürst befahl am 19. Februar dem Amtsschösser Lotter, dem Rate die Frauenkirche zu einem Schütthause, den Chor zum Gebrauch bei Leichenreden erblich auszuantworten. Margarethe, die Tochter Hans Peters in Strele, stahl ihrem Dienstherrn, dem Schösser Lotter, 100. Goldstücke an Doppeldukaden, Portugalesen, Ungarischen und anderen Gülden, vertat 24 Stück und ward am 5. April mit dem Strange hingerichtet. Des Kurfürsten Mutter, Katharina, übernachtete hier am 21. April mit Gefolge und verehrte der Rat Wein drei Taler am Wert. Der Kurfürst veranstaltete in Leipzig am B. Juli ein großes Schützenfest,- an dem mehrere fürstliche Personen, unter anderen der Markgraf Sigmund von Brandenburg, Herzog Wilhelm zu l üneburg pp. teilnahmen.. Der Hauptgewinn betrug 300 Taler, und gab der Rat den hiesigen, dahin gehenden, Schützen 3 Schocke zur Unterstützung. Zu Ankaufung etzlicher gelegener und nützlicher Güter (es waren die Voigtländischen Ämter) verlangte der Kurfürst die Aufbringung von 8000 Gülden - in zwei Terminen, welche Summe jedoch. in der Verordnung vom 28. Juli auf 6000 Gülden gemindert ward. Der Rat schaffte nun die 3000 Gülden des ersten Termines, die er durch Darlehne von dem Amtmanne Kirchhof, der Kirche, den Bürgermeistern Költzsch und Marcus Bortmann pp. aufnahm, und der Kurfürst mit 5 Prozent zu verzinsen versprach. Der Rat kaufte am 10. November drei Hufen Kirchenfeld, hinter dem Rosentale, am Pfarracker, und drei Hufen mit drei Oberländern und Wiesewachs, auf Gerltitz, früher dem Lehne Katharinae gehörig für 800 Gülden, auf Wiederkauf und übernahm von den drei Rosentäler Hufen 15 Gülden, von denen auf Gerltitz drei Gülden 17 Gr. jährlichen Zins, für welchen Zins man sie bisher teils den Kirchenvorstehern, teils anderen gelassen hatte. Die Urkunde ward aber erst im Jahre 1562 vollzogen. Indessen fanden es die Visitatoren im Jahre 1574 rätlicher, diese Hufen Laßgut dem Rate zu vererben, der Erbkauf ward am 13. Juli 1576 im Konsistorium für ein Kaufgeld von 1250 Gülden geschlossen und das erkaufte Feld von den Vorstehern am 20. April 1577 mit Verzichtung auf Lehn und Zinsen, unter Bekennung des Geldempfangs, auf ewige Zeiten urkundlich abgetreten. Die Poßdorfer, welche hiesigen Küster, aus den im Jahre 1543 angegebenen Gründen jährlich 80 Garben Roggen zu geben hatten, verweigerten sie jetzt auf Anregung ihrer Gerichtsherren, der Gebrüder Seyfart und Dippoldt von Schönfeld auf Löbnitz, welche, als sie auf Klage hiesigen Superintendenten, vom Konsistorium zu Einbringung dieser Abgabe Auftrag erhielten in (einer) zwar nicht ganz richtigen, doch sonst merkwürdigen Eingabe die Rechtmäßigkeit der Verweigerung zu verteidigen suchten. Irrig war (ihre) Angabe insofern, als sie die 80 Garben dem hiesigen Pfarrer zuschrieb, dem man sie nie gegeben, und die Verbindung mit Spröda für eine reformatorische hielt, da sie urkundlich lange vor der Reformation bestand und zuverlässig bald nach dem Tode des letzten Pfarrers in Gerltitz, Nicolaus Thomae, welcher seit der 1449 aufgelösten Parochie Gerltitz hier lebte und wirkte, durch erzbischöfliche Ermittlung herbeigeführt worden ist. Die Kirchenvorsteher, wiewohl sie mit der früheren Geschichte wenig bekannt waren, beriefen sich daher mit Recht auf eine Verjährung der längsten Zeit und auf ununterbrochenen Besitz, in welchem sie denn auch vom Konsistorium.... gesetzt wurden und da die Gegner ein überwiegendes Recht nicht geltend zu machen wußten, ungestört blieben. Die Garben hatten damals zu geben: 3 Jacoff Asmus, 5 Brosius Reim, 5 George Vltzsch, 3 Merten Hartmann, 8 George Faulke, 5 Greger Schuddingk, 5 Matthes Schneider, 3 Simon Ditterich, 3 Hans Müller, 5 Leonhardt Mirisch, 5 Hans Wechter, 5 Jacoff Krüger, 5 Blasius Poyde, 10 Merten Henemann, 8 Valten Kranz, 5 Wehl Krause. Zwei verarmte Personen, Gregor Rammeldsfeld und Gertraut, Brosii Audenhains Witwe, nahmen ohne Grund den Weinberg mit Hause bei der Marienkirche, welcher von jeher dieser Kirche gehört und mit ihr, ihre Nutzungen und Zugehörungen dem gemeinsamen Gotteskasten der Stadt von den Visitatoren zugeschlagen worden, in Anspruch, das Konsistorium aber entschied gegen sie, verwies sie für immer zur- Ruhe.


1560

Am 4. März ward Otto Spiegel, der Ältere, auf Badrina, in dem Erbbegräbnis der Spiegel hiesiger Stadtkirche beigesetzt. An demselben Tage übernahm Mr. Christoph Homagk, der Sohn des hiesigen Kämmerers, Joseph Homagk, das durch Matthias Rühls Abgang erledigte Diakonat. Er war einer der würdigsten Schüler Melanchthons, ausgezeichnet als Theolog und Dichter, der aber schon im dritten Jahre seiner Amtsführung als Pfarrer, Superintendent, Dekan nach Schwabach abgerufen ward. Er empfing daselbst von Paulus Melissus den Kranz der Dichter und von dem geistesverwandten Taubmann, der ihn oft besuchte, mündliche und schriftliche Beweise hoher Achtung und Anhänglichkeit. Homagks lateinische Gedichte erschienen 1582 im Druck, sie haben sich aber, da er sie nur an Freunde verteilte, selten gemacht, und dürften nur noch in wenigen Bibliotheken zu finden sein. Am 20. März befahl der Kurfürst, um den verdrießlichen Streitigkeiten der Theologen entgegenzuwirken, die Anschaffung des von ihm besorgten, durch Vögelin gedruckten Corpus doctrinae Christianae für die Kirchen. Am 19. April starb der hier persönlich gekannte Melanchthon und die hiesigen Geistlichen, dankbare Schüler, sprachen in Gedächtnisreden ihre und des Volkes schmerzliche Gefühle über den Verlust des Glaubenshelden, verbunden mit den Tröstungen der Religion, auf das würdigste aus. Die im Jahre 1520 von Hans Beck gebauten zwei Orgeln der Stadtkirche brachte der Sohn dieses Künstlers, Anton Beck, in diesem Jahre mit Vermehrung der Register und zeitgemäßen Verbesserungen in ein Werk mit Rückpositive, welches zwar ohne Bässe, aber mit folgenden klingenden Stimmen: Principal 8 Fuß, Gedackt 8 F., Octave 4 F., Quinta 3 F., Superoctave 2 F., Cymbel 2fach, Mixtur 6fach, Principal 4 F., Superoctave 1 F., Gedackt 4 F., Octave 2 F., Krummhorn 8 F., Cymbel 2d., Quinta 1 1/2 F., Nasat, Regal 8 F., Subflöte 1 F., Trompete 8 F., Bauerflöte 2 F., Cymbelbaß 1 F., übrigens aber mit Vogelgesange und Cymbelsternen versehen war. Der Rat verpachtete zum ersten Mal die Schäferei an den Schafmeister Gall Ziebart für 175 Gulden jährliches Pachtgeld auf 6 Jahre. Der Pachter leistete einen genügenden Vorstand, mußte die Schäfereigebäude auf seine Kosten in Dache und Fache erhalten und alle Kosten tragen, hatte aber den Dübischen Werder zur Benutzung. Die Witwe des Organisten Stange, welche die Zinsen der von ihm 1556 der Kirche zu Tuchspenden legierten 300 Gulden lebenslänglich zu genießen hatte, starb in diesem Jahre, und wurde daher zum ersten Male für 15 Gulden Tuch, drei Stücke, durch die Kastenvorsteher an Arme verteilt. Hans Brade, den man am 5. Oktober vor dem Hallischen Tore auf dem Steinwege erschlagen fand, ward am 7. in der Stille begraben.


1561

Auf dem Landtag in Torgau, den 3. Juni, an welchem von vier zwei Ratsherren teilnahmen, verwilligten die Stände vom Schocke 6 Pfennige und die Tranksteuer auf acht Jahre. Dem Pfarrer in Brinnis, Christoph Döring, Sohn des hiesigen Bürgers Gregor Döring, welcher am 17. Juni mit der nachgelassenen Tochter des vormaligen Pfarrers Simon Kottwitz, Elisabeth, Hochzeit hielt, gab der Rat 55 Kannen Wein, dem Superintendenten, Dr. Rumbaum aber, welcher sich am 25. November mit Regine, des Bürgers Christoph Blasebalgs in Leipzig nachgelassener Tochter ehelich verband, einen silbernen Becher als Hochzeitsgeschenk. Die Edelleute verbrauchten bei ihrem Tanze Petri Paul drei Faß Torgauisches Bier, die Kantorei bei ihrem Schmause eine Kufe. Die Wagner, welche einem Meister wegen Beleidigung eine Handwerksbuße auferlegten, wurden wegen angemaßter Gerichte mit 4 Schocken Strafe belegt. Man fing an, den Chor der Frauenkirche zu Aufnahme der Leichenbegleiter einzurichten und ließ das baufällige Türmchen über demselben, in welchem die Meßglocke gehangen, abtragen. Die Nabe im Gewölbe, durch welche das Glockenseil gezogen war, ist geblieben, und selbst von klugen Leuten neuerer Zeit, die wohl etwas Besseres wissen konnten, für das Rad gehalten worden, welches man auf dem Platze des Chores, vor dem Baue der Kirche, zu Hinrichtung der Verbrecher gebraucht, und zum Andenken eingemauert haben soll. Bei der Taufe der Tochter des Amtsschössers Lotter, Judith, am 23. August, waren die Fürsten zu Anhalt, Wolf, Joachim Ernst und Ernst, Brüder und Vettern; auf der Reise nach Leipzig begriffen, der Doktor Abraham von Yak, Wolf von Canitz, Paul Spiegel zu Gruna, Seyfart von Schönfeld auf Löbnitz; und die Gattin des Kilian Külewein aus Leipzig, als Taufzeugen gegenwärtig. An die Vermählung der hinterlassenen Tochter des Kurfürsten Moritz, Anna, mit dem Grafen Wilhelm von Nassau, und Prinzen von Oranien, Statthalter zu Brabant, Holland pp. in der Nikolaikirche zu Leipzig, am 24. August, schloß sich auf Veranstaltung des Kurfürsten eins der prachtvollsten Hochzeitsfeste von siebentägiger Dauer, welches nicht weniger als 5500 Gästen, zum Teil fürstlichen Standes, mit kostspieligen Schmausereien und Spielen, Rennen, Aufzügen von Bergleuten und Innungen, sogar entlegener Städte, die möglichste Unterhaltung gab. Es stehet urkundlich fest, daß dabei nur an Getreide und Getränk 4000 Scheffel Weizen, 8000 Scheffel Roggen, 13 000 Scheffel Hafer, 3600 Eimer Wein, 1600 Faß Bier verwendet worden sind, und wird man den Aufwand von Hafer umso weniger bezweifeln, wenn man erfährt, daß allein der Bräutigam und sein Gefolge an Grafen und Herren mit 1160 Pferden eingezogen ist. Auch hiesige Stadt mußte auf gnädigstes Gesinnen und Begehren auf die Zeit dieser hochzeitlichen Freude vier auserlesene Bürger, als Trabanten, nach vorgeschriebenem Muster, mit Hosen, Wams, Harzkappen, sonderlichen Binden [von schwarzer und gelber Seide], Barett, Federn, kleiden und mit anderen zehn ansehnlichen starken Bürgern, in guter Rüstung - Sturmhaube pp. Spießen - nach Leipzig schicken, auf welche Bekleidung und Verzierung der Spieße [mit schwarzen und gelben Fähnlein] die Kämmereikasse 18 Schock verwendet hat. Der Amtsschösser Lotter wollte ungefragt, aus eigenem Stolze und Übermute in dem Brauhause der Kirche ein Bier aufs Schloß brauen, welches man nicht gestatten konnte und deshalb mit ihm in Prozeß geriet. Auf Bitte des vormaligen Amtmannes, Valentin Kirchhof, welcher jetzt hier auf seinem Freihause an der Doktorei lebte, befahl der Kurfürst dem Rate, ihm und den Nachbesitzern dieses Hauses die Betreibung bürgerlicher Nahrung, brauen, schenken usw. gegen Aufgebung der bisherigen, vom Kurfürsten Moritz gegebenen Freiheit [s. 1550] und Übernahme aller Bürgerpflichten und Abgaben mit der Bemerkung, daß es nicht nur dem Staate, sondern auch der Stadt nützlich sei, zu gestatten. So gleichgültig nun aber auch diese Veränderung des bemerkten Nutzes wegen erschien, war sie doch in Betracht, daß die Freiheit des Hauses sich auf das Leben des Bittstellers beschränkte, die bisher berechtigten Brauer um ein Los zurücken mußten, eine große Begünstigung.


1562

Der Amtsschösser Lotter, nach allem, was hier und da über ihn bemerkt wird, zu schließen, ein für sein Amt und Vermögen zu vornehmer Mann, über dessen Amtsführung nicht gut ablehnbare Beschwerden eingingen, die ihm dem höheren Schutze, dessen er sich früher erfreut haben mochte, entfremdeten, geriet noch durch zu kostbare Verwendung seines Vermögens in die Hände strenger, vielleicht mutwillig verletzter Gläubiger, die ihn persönlich angriffen, zur Haft brachten, von welcher der Verlust des Amtes eine unvermeidliche Folge war. Es wird daher schon in den ersten Monaten dieses Jahres der Mr. Esaias Richter, ein Sohn des hiesigen Bürgers Wolf Richter, welcher in Leipzig die Rechte studiert und das Magisterium erlangt hatte, als Amtsschösser aufgeführt. Lotter starb urbeamtet 1572 und seine Witwe Sybilla 1609 in Dresden. hochbetagt. Die Familie von Pak, deren Ahnherr, Dr. Johann von Pak, den Altar der heiligen Anna in hiesiger Kirche gestiftet hatte, widersprach der visitatorischen Verordnung, welche die Einkünfte des erledigten Lehnes dem Gotteskasten überwies und verlangte sie, auf einen Vertrag vom Jahre 1544 Bezug Nehmend, für die Kirchen ihres Patronats, das Konsitorium entschied aber am 10. August gegen sie, und die Vorsteher der Kirche verkauften noch in diesem Jahre das zu dem Lehn gehörige Haus für 300 Gülden an den Bürger Elias Treintzsch, wie bei 1511 schon bemerkt worden ist. Von dem Zuwachse, welchen der Gotteskasten durch den Verkauf des Kirchenfeldes und den Anfall des Hospital- und St. Annenlehnes erhalten hatte, konnten die Stellen der Geistlichen und Lehrer verbessert werden, und legte man schon in diesem Jahre dem Kirchensolde jedes Diakon 10 Gulden zu. Die Untersuchung gegen den Gleitsmann Caspar Süßmilch, Hans von Hierscheide u. a. wegen des 1553 in dem Riemergäßchen verübten nächtlichen Tumultes und dabei begangenen Mordes, welche, durch Begünstigung des damaligen Amtmannes Kirchhof in Weiterungen bürgerlichen Prozesses gezogen, dem Rate gegen 300 Gulden Kosten verursacht hatte, ward auf Befehl des Kurfürsten von dem Doktor der Rechte, Sebastian Hilger und Amtsschösser Hieronymus Müller, zu Leipzig, mit beider Teile Bewilligung, in der Maße, daß die Täter dem Rate 225 Gulden, in bestimmten Terminen, mit sicherer Bürgschaft zahlten, beigelegt.


1563

In früherer Zeit und bis zum Jahre 1480 mußten die Bedürfnisse des fürstlichen, stets wechselnden Hoflagers von den Städten auf jedesmalige Zuschrift ohne Rücksicht auf Nähe und Ferne zugefahren werden. Dieses änderte sich, als in dem genannten Jahre durch die Trennung der fürstlichen Brüder, Ernst und Albrecht, dauernde Hoflager entstanden, und die Städte nur die Bedürfnisse zuführten, die man aus ihrer Nähe bezog. So war hiesige Stadt und das Amt Petersberg in der Regel nur zur Anfuhre des Salzes aus Halle verpflichtet, wiewohl auch diese, auf einer Seite zwar beschränkte, auf der andern aber durch Vergrößerung des Hofstaates sich stets erweiternde Dienstpflicht, zumal wenn man das vierspännige Dienstgeschirr, was oft geschah, zur Ungebühr aufhielt, und der Ökonomie in der nötigsten Zeit entzog, nicht selten zu beschwerlichen Vorstellungen Gelegenheit gab. Diesen zu entgehen, ward in diesem Jahre die bisherige, der Zeit ohnehin nicht mehr angemessene Einrichtung des Dienstgeschirres der Städte gegen Erlegung eines jährlichen Geld-Äquivalents abgestellt, und brachte hiesige Stadt die ihr angesonnene Summe von jährlich 100 Gulden nur durch vieles Bitten auf 70 zurück. Der Rat verstattete dem Besitzer von Beerendorf, Otto Spiegel, gegen Revers ein Bier in der Stadt zu brauen; der Chirurg Hans Breuning aber, erhielt wegen seiner Geschicklichkeit vom Kurfürsten Vergünstigung, ohne den Besitz eines brauberechtigten Hauses jährlich ein Bier brauen zu dürfen, doch nur so lange er seine Kunst betrieb. Der Hirt von Brodau, welcher auf Elberitzmark hütete, ward gepfändet und der Gemeinde Quering das Hüten auf Weißiger Mark vom Amte bei Strafe untersagt, diese Strafe auch bei erneuten Versuche, nach Ausweis des Amtsbuches an ihr vollzogen. Auch die Eingriffe der Gemeinde Spröda in die Wiesenhutung auf Gerltitz wies der Schössen vom Petersberge Wolf Giessing, nach hier angestelltem Verhör in die gehörigen Grenzen zurück, wobei der Dr. Georg Coste aus Leipzig für den Rat tätig war. Am B. Juli zündete der Blitz den Schuppen des Bauhofes, doch beschränkte sich der Verlust auf dieses Gebäude. Der Bauhof umfaßte aber den Raum, auf welchem später die Malzdarre mit den ersten vier Häusern der Holzgasse entstanden ist. Einem heißen Vorsommer folgten häufige Regengüsse in der Ernte, es verdarb viel Getreide, und das erhaltene erlangte einen hohen Wert. Auch verminderte eine schnell um sich greifende Bräune den Viehbestand, die Bettler mehrten sich und man nahm, um wenigstens den Andrang fremder zu beschränken, den Knecht des Hospitals in Lohn. Die Besorgnisse, welche der Aufenthalt unruhiger Köpfe in Gotha unter dem Schutze des Herzogs, Johann Friedrich, erregte, verursachten ein Aufgebot zu vollständiger Rüstung und Bereitschaft der Bürgerschaft. Man verwendete viel auf die Obstpflanzungen des Zwingers, brachte aber die kostspieligen, unfruchtbaren Bergteile ins Retardat. Nach erlangter Überzeugung, daß sich die Gertitzer Brunnen zu einer Röhrleitung in die Stadt nicht eigneten, glaubte man wenigsten den Bach zu Anlegung einer Mühle diesseits des Rubacher Gottesacker [in der Nähe des Steinbrückchens] nützen zu müssen, es erklärte aber der herbeigezogene Mühlenmeister Köseler, von Merseburg, daß ein Mühlbau an diesem Bache wegen zu schwacher Strömung nicht rätlich sei. Am 13. November kam Brandanus von Zedlitz, ein Schlesier, der in Radegast lebte, zu Wagen hierher, stieg am Markte vor dem Stephanischen Gasthofe ab, trat in der Absicht zu morden, mit seinem Diener bewehrt in die Stube, erstach den Wirt, Bonifacius Stephan und dessen Schwager, Paul Thiele von Wiedemar, siebzigjährige wehrlose Greise, warf sich schnell in den Wagen und kam, da er nach den Verfolgern Kugeln abschoß, davon. Die Veranlassung zu dieser schändlichen Tat war eine polizeiliche Untersuchung, die er sich zugezogen, als er vor vier Jahren in diesem Gasthofe mit anderen Edelleuten herbergte und im trunknen Übermute des Wirtes Angehörige nach wörtlichen und tätlichen Beleidigungen mit Waffen überfiel. Leider gaben die Adeltänze dieser Zeit durch übermäßigen Genuß der Getränke zu blutigen Zwisten der Herren unter sich, und übermütigen Reibungen an der Bürgerschaft nicht selten Gelegenheit. Der gegen ihn eingeleitete peinliche Prozeß endete im Jahre 1568. Aus der Fischerei des Stadtgrabens lösete man 44 Schocke und verkaufte das Pfund Hecht für 16 Pf., Karpfen und großen Barsch für 9 Pf., Speisefische für 6 Pf. Für 20 Groschen kaufte man in Leipzig Messingdraht und ein Glöckchen an des Hausmannes [breiten] Turm, damit man mit dem Anschlagen unten den Turm nicht also zerschellen dürfte, auch erhielt der Hausmann ein neues Wächterhorn. Ein junger Bürger, welcher des nachts Tumult erregt hatte, mußte ein Jahr wandern. Der Rat, Pächter des kurfürstlichen Geleites seit 1558. erhielt zu Besserung der Brücken und Straßen auf fürstlichen Befehl vom 18. Mai 81 Stämme Holz am alten Hofe und die Erlaubnis zur Benutzung eines besonderen Abteiles des Landsberger Steinbruches - unentgeltlich.


1564

Die Pacht des Amtsgeleites ward vom Kurfürsten am 23. Januar auf drei Jahre verlängert. Für Aufsetzung der Spille des Rathausturmes, welche ein heftiger Sturm mit Knopf und Fahne herabwarf, erhielt der Schieferdecker 24 Groschen. Der Rat verehrte der Kantorei, welche den 15. Februar die Komödie oder das Spiel: Joseph und seine Brüder in der Kirche agierte, drei Taler an Wein und Bier. Dieses in der Kirche aufgeführte Spiel war eine Art Oratorium. Die dazu gehörigen Personen traten nicht eigentlich agierend, sondern nur rezitierend und singend auf, wie später in den Passionen. Man fand den Bruder des Schafmeisters und Schäfereipächters, Georg Ziebart, im Kosebruch bei der Herde ermordet, desgleichen einen Unbekannten im Stadtgebiet, welchen man am 25. Mai im Hospital begrub, wo auch Hans Nösselt aus Pohritzsch, den man zerschlagen zur Heilung hierher brachte, am 30. desselben Monats beerdigt ward. Der Rat ließ im Kosebruch auf Amtsgebiet, wo der Stadt die Hutung zustand, die besömmerte Brache durch Hirten abhüten. Der Amtsschösser , behauptete zwar, als er am 24. Mai mit Sigmund von Miltitz auf Schenkenberg die Stelle besichtigte, es sei ein beschwerlicher Eingriff in des Amts Gerichtsbarkeit, und behielt sich auf den Einwand des Rates, daß er sich nur seines guten Rechts bedienet, die Berichterstattung an den Kurfürsten vor, die Sache hatte aber weiter keinen Erfolg, und die Sömmerung unterblieb. Die Ermordung des Schafmeisters Ziebart hatte vielleicht mit dieser Fruchtabhütung Zusammenhang, doch ist sie nirgends in Beziehung gebracht. Die Frauenkirche ward zu einem Schüttboden eingerichtet, in der Schäferei ein neuer Brunnen gegraben und ein Stück Steinpflaster des Marktes von 43 Ruten durch den Steinsetzer Jacob Horn aus Oschatz, welcher für die Rute 9 Groschen Lohn empfing, umgelegt. Der Bürger Jacob Busch starb, als er in dem Keller nach seinem in Gärung liegenden Gebräude sehen wollte, an Erstickung. Der Rat zahlte der Kirche 1000 Gulden Kapital, welche die Stadt mit 100 Gulden vom Altar Katharinae zu Erlangung der Gerichtsbarkeit, 1430; 500 Gulden 1474 vom Altar des Heiligen Kreuzes, zum Bau der Stadtmühle, 100 Gulden 1495 vom Altar Katharinae aus Georg Kropheusers Testament, 50 Gulden 1513 vom Altar Jacobi aus Simon Langens Stiftung; 50 Gulden 1513 von der Lesemesse; 100 Gulden 1519 vom Altar des Heiligen Kreuzes; und 100 Gulden 1527 vom Kaland geliehen hatte, der Kirche aber bei der Visitation zugefallen war, am 27. September zurück. Auch zahlte er dem alten Amt- und Hauptmann Valentin Kirchhof auf das Kapital der 1500 Gulden, welches er dem Rat 1560 für den Kurfürsten geliehen hatte, den gekündigten Rest von 800 Gulden, zu welcher Zahlung aber ein neues Darlehen von 600 Gulden von der Kirche genommen ward. Ulrich Kellner, ein deutscher Schreibe- und Rechenmeister aus Eisleben, erlangte das Bürgerrecht. Der Amtsschösser Magister Esaias Richter legte sein Amt nieder und übernahm es Gregor Fiedler, ein Sohn des hiesigen Bürgers. Hans Fiedler, welcher in Wittenberg studiert und sich 1559 mit der Tochter des Bürgermeisters Költzsch, Sabina, ehelich verbunden hatte.


1565

Die meisten Amtleute der Zeit glaubten, es gehöre zum Amte und gäbe Ansehen, wenn sie den Interessen der Städte und ihren Förderern möglichst entgegenträten. Gelegenheit zu Reibungen der Art gab früher der allerdings nicht genug begrenzte Umfang der Gerichtsbarkeit, in neuester Zeit aber das Gut der aufgelösten Altäre, welches nach ihrer Ansicht mit zu weniger Rücksicht auf den Fiskus im Amtsbereiche verwendet ward. So war denn auch dem jetzigen Amtmanne die in ein Ratsschütthaus verwandelte Frauenkirche etwas Unbilliges und es gelang, wahrscheinlich durch Vorspiegelung von Unentbehrlichkeit, daß der Rat den Schüttboden für das Amt zu räumen Befehl erhielt. Obschon nur dieser Befehl bei berichtlicher Erinnerung des Rates an die kurfürstliche Übereignungsurkunde des Jahres 1559 erfolglos bleiben mußte, erschien es doch Tätlich, den bis jetzt nur eingerichteten Boden auch wirklich zu nutzen, und man brachte sogleich Getreide dahin. Am 10. Februar starb Gregor Güttner, Ratsherr seit 1553, und beschloß der Rat an seinem Begräbnistage, daß den Erben amtierender Ratsmitglieder, welche im Laufe des mit Johannis und Weihnachten endenden Halbjahres stürben, der volle Gehalt dieses Sterbehalbjahres überlassen werden solle, welcher bisher vom Sterbetage an dem Stellvertreter oder Nachfolger zugekommen war. Es betrug aber seit 1560 der gewisse, jährliche Gehalt des Bürgermeister 8°/s, der übrigen 4=/:3 Schock. Die 1553 angelegte Wasserkunst war ein verfehltes unbrauchbares Werk. Man schaffte sie weg und verkaufte das messinge Gerät für 17 1/3 Schock. Dieses gelöste Geld, mit anderem, verwendete man auf die 1537 unterbrochene Besserung des ungleichen, schmutzigen Weges, der von der Hintergasse nach dem freien Platze der Pforte führte, der auch gar sehr im argen lag. Es befand sich aber hier, zum Teil auf der Stelle des Hauses Nr. 200 des vierten Viertels, der Teich der alten 1410 aus der Stadt gebrachten Mühle, dessen man sich als Waschstätte, Viehtränke, leider auch zu Entledigung von Scherben, Federn usw. bediente, und viel Schutt des ehemaligen Mühlgebäudes, den man räumen, und die Tränke durch Legung abhängigen Steinpflasters zugänglicher machen ließ. Mehr konnte man jetzt nicht tun und erst im Jahre 1579 ward dieses unsaubere, oft üble Gerüche verbreitende Stück durch Ausfüllung des Teiches, Ebnung und Anlegung der Schleuse unter der Stadtmauer in Ordnung gebracht. Das diesjährige neue Steinpflaster, 75 Ruten, legte der Steinsetzer Dietze aus Zörbig, dem man für die Rute 9 Gr. gab. Die Ehefrau des Wenzel Stäter, aus Mocherwitz, welche am 18. Februar hier Markt gehalten hatte; setzte ihren gebrauchten, aber ungelöschten hohlen Topf auf den Wagen, das auf diesem liegende Stroh zündete und der Wagen ging auf offener Straße der Vorstadt im Feuer auf. Diese Unvorsichtigkeit wurde polizeilich mit. zwei Talern bestraft. Der vierzehnjährige Sohn des Einwohners Thomas Böhme in Lissa, Martin, den man hier vom Blasensteine durch den Schnitt befreite, starb am 7. März, zwei Tage nach der Operation. Die Strafe des Staupenschlages erlitt am 21. Mai ein Verbrecher, David Wilhelm, welche der hier gegenwärtige Amtsschösser von Bitterfeld, Valentin Scheller, vollziehen ließ. Der durch Krankheit und häusliche Not hart gebeugte Ratsherr Rügezelt verbarg am 13. April beim Auszählen des zu nötigen Ausgaben bestimmten Geldes aus der Kasse des Rathauses in Gegenwart der Kämmerer, die es empfangen sollten, drei Schock 10 Gr. 3 Pfennig Dreier und gestand auf Vorhaltung die Absicht der Aneignung. Man behandelte ihn, wegen seiner vielfachen Verdienste um die Stadt äußerst schonend, nahm an, daß die Untat, da er sonst ein unbescholtener Mann, mehr aus Blödigkeit seiner Vernunft, die durch eine vierjährige Hauptkrankheit augenscheinlich geschwächt worden, geschehen, befahl ihm zwar, sich aus seinem Hause nicht zu entfernen, gab ihn aber, nachdem man vom Hofgerichte zu Wittenberg auf eine unter fremden Namen gestellte Urteilsfrage die Antwort: „Es wäre denn; daß er solches aus Schwachheit seiner Vernunft und Wahnwitz neuerm Berichte nach getan, und möchte solches wie Recht dargetan worden, auf den Fall würde ihn solche Strafe (des Staupenschlags) gegen Erstattung des abgezogenen Geldes billig erlassen," erlassen hatte, er freiwillig aus dem Rate schied und das Geld zu erstatten versprach, gänzlich frei und erließ ihm, als sich auch der Kurfürst für ihn verwendete, nicht nur die Hälfte der zum Ankauf seines Hauses 1553 geliehenen 300 Gulden, sondern die ganze Schuld. Er war auch nach seinem Austritte aus dem Rate der Stadt nach Kräften nützlich und starb 1574 arm mit Hinterlassung der Witwe Elisabeth, die als geschickte Jungfrauschulmeisterin in größter Achtung stand. Auf kurfürstlichen Befehl berichtete der Rat über den jährlichen Verbrauch an Alaun, Weinstein und Kupferwasser hiesigen Orts, und zog deshalb bei den Tuchmachern Erkundigung ein. Die Hutmacherinnung entstand und hatte zu Unterhaltung der Armen der Kirche einen Gulden vom Meisterrechte, 4 Groschen vom Aufdingen und 2'-/2 Groschen Strafe bei Gotteslästerung und Beschimpfung eines Genossen zu erlegen. In der Schule ward wegen der wachsenden Zahl der Knaben ein vierter Lehrer, unter dem Namen Collaborator und Adjunkt angestellt, wobei jedoch der Kirchner nach wie vor in dem Elementarunterrichte behilflich war. Dieser erste Collaborator war George Thamm, ein Sohn des hiesigen Bürgermeisters Clemens Thamm, welcher in Wittenberg studiert und 1563 ein Schulamt in Goslar angenommen hatte. Er trat das hiesige in folgendem Jahre an, kam aber 1568 in den Rat und starb als Bürgermeister am 24. März 1585. Der breite, zum Teil noch mit Hohlziegeln belegte Turm, erhielt ein Schieferdach, einen neuen Knopf und ward nach seiner ganzen Höhe mit Kalk betüncht. Man brauchte zur Bedeckung 150 Zentner Schiefer, den man von Wurzbach, drei Meilen von Saalfeld, bezog. Der 261/2 Pfund schwere Knopf, welchen der Kupferschmied Lebener in Leipzig fertigte, kostete zwei Schock und dem Schieferdecker Hans Koch, welcher ihn mit Einlegung eines Betbüchleins aufsetzte, gab man außer dem bedungenen Arbeitslohn (81/3 Schock für die Bedachung, 71/3 Schock für das Tünchen) einige Eilen Leinwand als besonderes Geschenk. Am 9. August kam die Ehefrau des Bürgers Caspar Knoblauch mit Drillingen nieder, die aber, in der Taufe Adam, Eva, Johannes genannt, am dritten Tage starben. Der von Schick auf Reinsdorf erhielt vom Amtmanne Befehl, sich des Brauens zu enthalten. Die im Lande sich verbreitende Pest näherte sich Anfang November und ergriff zuerst das Dorf Kertitz, welches eine große Zahl seiner Einwohner verlor. Die Stadt blieb in diesem Jahr noch verschont, doch nahm man eiligst Pesttotengräber an, und besetzte, Verdächtige zu entfernen, die Zugänge der Stadt. Der Martini-Jahrmarkt ward abgesagt. Die Totengräber, weil sie noch untätig waren, empfingen Wartegeld, ihr versprochener Lohn aber war drei Groschen vom Begräbnisse Erwachsener, über 12 Jahr, von Kindern die Hälfte. Ein Scheffel Weizen galt 12, Samengerste 8, andere Gerste 5 bis 6 Groschen. An die Stelle des in den Rat getretenen Georg Kirchhof, dritten Schullehrers, kam der Sohn eines hiesigen Bürgers, Martinus Prantz, welcher in Pforte und Leipzig studiert hatte.


1566

Der Bürgermeister Peter Walter, ein 79jähriger Greis (geb. 1487) verehelichte sich am 5. Februar mit einem jungen Mädchen, Anna, Oswald Greffens Tochter, und ward im Hause getraut. Der Rat .gab die seit 1551 auf dem angewiesenen Angerplatze nach und nach entstandenen Gerberhäuser den Eignern mit der Bedingung, daß sie nur an Gerber vererbt werden könnten, am 12. März in Lehn. Es waren,9 an der Zahl und die Gerbermeister Adam Fiedler, Matthäus Graßhof, Stephan Kothe, Ambrosius Schütze, Thomas Richter, Martin Nagel, Andreas Eckhard, Lampert Barth, Daniel Böhmer, ihre ersten Besitzer. Die Schullehrerstellen zu bessern, erlaubte man auch hier den GregoriusUmgang. Der Gregoriustag (12. März) war früher schon ein Festtag der Schule, an welchem der Schulmeister (Rektor) die neuen Schüler aufnahm, und durch einen der geschicktesten Knaben, in bischöflicher Tracht, dem, vier andere als Diakonen und Trabanten dienten, zu fleißigem Schulbesuche ermuntern, auch mit Backwerk beschenken ließ. Es gereicht der Stadt zur Ehre, daß dieses aus den engen Mauern der Schule auf die Straße gebrachte Fest die Schranken der Sittlichkeit nie überstieg, doch kann man die nicht tadeln, denen der Kinderauszug in neuester Zeit in Überladung mit Spießen und Stangen mißfällig wird. (Hierher gehören eine Anzahl beliebter Gregorius-Gesänge) ... und Lieder des Rektors Mr. Ludwig Helmhold, von welchem eines lautet: Ihr Alten pflegt zu sagen von euren Kinderlein, sie werden uns verjagen, freilich wirds also sein. Alle großen Herren wandeln mit einem Kinde, daß es dereinst sich finde zu ihren Stand und Ehrn. Ach, daß ihr das bedächtet, ihr Ältern dieser Zeit, zur Schul die Knaben brächtet und Lehr für die bereit. Am 12. Mai spielten die Gewerke des Böttcherhandwerks das Spiel von den zehn Altern auf dem Rathause, und verehrte ihnen der Rat für einen Taler Wein und Bier. Ebensoviel an Getränk erhielten vier Gesellen aus Salze, die das Leiden des Herrn und andere biblischen Geschichten mit kleinen artigen Figuren von besonderer Behendigkeit agierten. Das Spiel der zehn Alter war nicht lange vorher unter dem Titel: Zehn Alter, ein schön und nützlich Spiel, darinnen der jetzigen Welt Art und Sitten wird angezeigt, samt schönen Sprüchen aus der heiligen Schrift. Jetzt neulich verbessert und mit schönen Figuren geziert, zu Basel in Druck erschienen. Es finden sich hier die bekannten Reime: Zehn Jahre ein Kind, zwanzig Jahr ein Jüngling, dreißig Jahr ein Mann, vierzig Jahr stille stahn, fünfzig Jahr wohlgetan, sechzig Jahr abgahn, siebzig Jahr Dein Seel bewahr, achtzig Jahr der Welt Narr, neunzig Jahr der Kinder Spott, hundert Jahr nun gnad Dir Gott; welches sich Jahrhunderte auf Bilderbogen unter dem Titel: Des menschlichen Alters Stufen erhielten. Personen dieser zehn Stufen, welche mit den ihrem Alter eigenen Untugenden auftreten, werden von einem Einsiedler gewarnt und mit Sprüchen eines Besseren belehrt, wovon ihm der in mancherlei Gestalten erscheinende und verlockende Teufel vergebens abzubringen sucht. Der Pacht des Schloßgrabens wurde dem Rate mit Bedingung angeboten, die ihm nicht annehmlich schienen, daher er ihn ausschlug. Da sich seit einiger Zeit die Mieten [Miethäuser], durch Einbau in die Gehöfte zur Ungebühr und nicht geringer Gefahr der Stadt mehrten, so beschloß der Rat am 30. Mai, daß künftig dergleichen ohne ausdrückliche Erlaubnis des Rates nicht. errichtet werden sollten und belegte die bestehenden, so lange sie von Mietsleuten bewohnt wurden, mit 8 Groschen jährlichem Schoß. Man zählte 39 (Miethäuser) in der Stadt und 21 in der Vorstadt. Die besorgliche Gefahr lag zum Teil in der leichten Bauart und Verengung der Gehöfte, hauptsächlich aber in der Anhäufung von Fremden, deren Gewerbe zweideutig, oder gegen Verarmung nicht genug gesichert war. Am 15. Oktober starb Hedwig, Gattin des Heinrich Grünthal. Sie war eine Tochter des wohlhabenden Bürgers Anton Fleischer, Besitzer des Eckhauses am Markte Nr. 170; heiratete erst den Besitzer des Nachbarhauses Nr. 171, Mittelbach, den sie beerbte, und dann den Grünthal, einen armen Gesellen, mit sie glücklich lebte, und ihm in einem gegenseitigen Testamente vom 14. Januar 1564 mit Ausnahme einiger Vermächtnisse ihr ganzes Vermögen verschrieb. Von ihr und ihrem Manne kam das Grünthalische Tuchgestift, nach welchem die eine Hälfte der Zinsen von 200 Rheinischen Gulden Stiftungskapital auf Bekleidung Hausarmer, die zweite auf Bekleidung armer Schüler verwendet werden sollte, und bis zum Dreißigjährigen Kriege auch wirklich verwendet worden ist. Von dieser Stiftung hafteten 1797 noch 100 Gulden auf dem Hause Nr. 171, der Besitzer zahlte sie aber in diesem Jahre mit 87 rh. 12 gr. -, 2 Gr. 8 Pf Stückzinsen, 6 rh. 3 gr. - Agio, in Summe 93 Taler 17 Gr. 8 Pf. an den Rat, welcher sie für ein der Kommun gehöriges Kapital angenommen, in Rechnung gebracht und in dem gemeinen Nutzen verwendet hat. Einen Bettelknaben fand man am 16. November erfroren am breiten Tor. Die Pest, welche im Dezember vorigen Jahres die meisten umliegenden Dörfer ergriffen hatte, kam im Januar dieses Jahres auch in die Stadt und verbreitete sich von Pfingsten nach allen Seiten. In vielen Häusern legten sich alle Bewohner, welche man verschloß und durch die Pesttotengräber, deren man noch drei annahm, mit dem nötigsten versehen ließ. In den Monaten September, Oktober und November, wo sie den höchsten Grad der Gefährlichkeit erreichte, mußten die Toten auf Wagen weggebracht werden, und ward ein Bürger angestellt, der auf dem Begräbnisplatze die Totengräber beaufsichtigte und für die Tiefe der Gräber Sorge trug. Den Wagen umgab ein schwarzes Behänge mit aschfarbenem Kreuz. Die Krankheit tötete so schnell, daß viele in der Nähe der Stadt. befallene nicht ihre Wohnung erreichten, sondern auf der Straße den Tod fanden. Ganze Familien wurden hingerafft, wie die des Ratsherren Mr. Blum, und verlor allein das Ratscollegium, außer dem Mr. Joachim Blum, welcher am 4. September starb, 6 seiner Mitglieder, Balthasar Hartmann am 21. Januar, Valentin Schütz am 1. Februar, Peter Greffe am 20. März, Paul Hintzsch am 22. Juli, Matthäus Gurre am 1. August, Ulrich Kirchhof am 14. August. Die Zahl der Toten war 482. Zu dieser Krankheitsnot kam noch ein gänzlicher Stillstand des Gewerbes, auf den Jahrmärkten erschien weder Verkäufer noch Käufer und auch die Wochenmärkte waren wenig besucht, so daß es oft an den nötigsten Lebensbedürfnissen gebrach. Der Scheffel Roggen galt 7 bis 9, die Gerste 5 1/2 Groschen.


1567

Auch in diesem Jahre forderte die Pest Opfer. Ganze Familien, wie die des Organisten Moritz Lunau, rieb sie auf. Auch starb daran von Beamten der Schullehrer Martin Prantz in der Stube des Rektors... Zu der Belagerung von Gotha mußte die Stadt Säcke liefern, und der Rat trat deshalb mit dem kurfürstlichen Befehlshaber Hans Frank vor Gotha in Unterhandlung. Auch zog man, den Kriegsaufwand zu decken, die besteuerten Güter willkürlich im Werte auf und ward namentlich die Schäferei des Rates von 500 auf 2000 Gulden erhöht. Zum Glück endete die Fehde und der hier sehr beschwerliche Wachdienst der Bürgerschaft. Bisher überließ man den Unterricht der jungen Töchter, der mit den Knaben nie gemeinschaftlich war, hierzu geschickten Weibern, regelmäßig Witwen von gutem Ruf, in ihren Wohnungen, ohne an eine oder die andere besonders gebunden zu sein. Dieser Unterricht beschränkte sich zwar in der Hauptsache nur auf die einfachsten Lehren des Christentums und das unentbehrliche Rechnen und Schreiben, umfaßte aber daneben die Bildung für den äußerlichen Anstand und für künftige; hausmütterliche Beschäftigung. Daß viele Witwen dieser Zeit große Wirtschaften allein und gut führten, des Schreibens und Rechnens kundig waren, beweiset wenigsten für die Tüchtigkeit der Lehrerinnen und Nützlichkeit der Einrichtung, die nur dadurch gewinnen konnte, daß man sie nach der. Grundsätzen der Reformation in eine allgemeine, der Aufsicht bequemere Anstalt, in eine öffentliche Schule, verwandelte, wozu die zufällige Feilwerdung eines Hauses am Kirchhofe erwünschte Gelegenheit bot. Es war das brauberechtigte Haus neben der Küsterwohnung, welches die im vorigen Jahre ausgestorbene Familie des Ratsherren Mg. Blum, der Mutter der Blum, einer verehelichten Seydel, erblich hinterließ. Der Rat kaufte es für 490 Gülden und verwendete im folgenden Jahre auf die innere Einrichtung noch gegen 40 Schock. Für das Wesentliche, den Schulunterricht, sorgte man 1569 und von da kam das Gebäude als Jungfrauenschule in den öffentlichen Brauch. Barbara Schönemann aus Krostitz bei Hohenleina, erstickte am 8: Mai in Gertitz, wo sie diente, ihr Kind, welches sie mit einem ledigen Gesellen, Schwarze in Wolteritz, außer der Ehe gezeugt hatte, und ward am 4. Juli vor dem Dorfe Gertitz, auf Vorbitte der Geistlichkeit, da sie erst gesäckt, dann bei Vorstellung des Wassermangels gerädert werden sollte, mit dem Schwerte hingerichtet, der Leichnam aber im Hospitale begraben. Den durch Bühnaus Tod erledigten Organistendienst suchte und erhielt Andreas Fischer aus Aschersleben am 7. August. Das Getreide stand in hohem Preis. Der Scheffel Weizen galt 13, Roggen 15, Gerste 17, Hafer 6 und 7 Groschen. Mehrere kranke Familien erhielten vom Rate unentgeltlich Roggen und 343 Scheffel ließ er von seinen Vorräten um einen geringeren Preis. Dabei war strenge Aufsicht auf die Bäcker, die man wegen leichten und schlechten Gebäckes bald mit Geld, bald mit Gefängnis strafte. Gepfropfte Baumstämme kaufte man in Großdeuben für die Zwinger, auf deren Obstanlagen man seit einigen Jahren viel verwendete. Die Benndorfer Zinsen, welche man bisher an Ort und Stelle erhob, brachten die Zinspflichtigen von nun an an einem bestimmten Tag in die Stadt. Die Stadt Jeßnitz, welche durch Verwahrlosung 42 Häuser, und Colditz, welches am 23. Juli 21 Häuser im Feuer verlor, unterstützte man durch ansehnliche Geldbeträge. Am 17. Dezember ward ein Dieb, Bernhard Wald, mit dem Strange hingerichtet. Die Essen der Ratsgebäude reinigte ein Schlotfeger Hans Petrino aus Mailand für jährlich 1 Taler. In der peinlichen Sache des Brandanus von Zedlitz (s. 1563) kam im August ein Urteil der Leipziger Schöppen, welches ihm die Acht zusprach. Der Kurfürst, seit 1563 vielseitig selbst von fürstlichen Personen, namentlich von dem Herzoge Joachim Ernst und Bernhard von Anhalt vergebens angegangen, den Verbrecher zu begnadigen, ließ sich endlich doch bewegen und gab ihn unter der Bedingung frei, daß er dem Rate die Kosten erstatte und 200 Gulden an das Hospital zahle.


1568

Thomas Gelicke, der Sohn des gewesenen Ratsherren Lukas Gelicke, welcher von 1552 ab in Leipzig studiert, 1557-67 das Pfarramt in Wolteritz verwaltet, dieses aber im vorigen Jahre mit Bewilligung des Konsistoriums aufgegeben, sich hier ansässig gemacht und verehelicht hatte, starb am 9. Januar an der noch nicht beruhigten Pest. Der Rat gab der jungen Bürgerschaft, welche zu Fastnachten die Komödie des Hans Sachs vom verlorenen Sohn auf dem Rathause spielte, für 3 Taler, der Kantorei für Vorstellung der Auferstehung des Herrn in der Kirche mittwochs in der Osterwoche 5 Taler an Wein und Bier. Da bei Auswägung des Fleisches, Speckes, Unschlittes verschiedenartige, ungleiche auch unrichtige Gewichte im Gebrauche waren, so ließ der Rat von dem Rotgießer Lenz für 180 Taler messingene Gewichte aller Größen gießen, mit des Rates Zeichen versehen und verkaufte sie nach und nach an die Fleischer, Lesterer, Höken, die sich von nun an der alten bei Strafe nicht mehr bedienen durften. Dieses Gewicht stimmte genau mit dem Nürnberger Kram- und Spezereigewichte und hielt der Zentner 100 der Stein 20 Pfund. Auf Anlaß des von Miltitz auf Schenkenberg, welcher die jüngste Veränderung an der Stadtmühle für die Untermühle beschwerlich hielt, ließ der Rat am B. Mai durch drei geschworne Müller, Andreas Wegner von Leipzig, Simon Bartzsch von Blasern und Peter Zöner aus Connewitz den Bau untersuchen, und die Plattenpfähle zum Fachbaume und Überfalle nach ihrer Anweisung stoßen. Ein gleiches geschah bei der Zschepener Mühle. Zugleich ward der Lober im Ratsgebiete gehoben, gereiniget und durch Zurückschiebung des Färbehauses und Wegschaffung der Höhe, worauf es stand, erweitert. Man wünschte ein gemeines Backhaus für das Hausbacken. Der Rat kaufte dazu das Haus des Peter Rötzsch an der alten Wäsche und Mühle (Pforte) Num. 201, für 110 Gulden, baute auch einen Backofen. Die Einrichtung war aber nicht von Dauer. Seit längerer Zeit bewohnten die Stadtschreiber ihre eigenen Häuser. Die früher gemietete Dienstwohnung derselben, das Lehn-Jacobi, war für das täglich sich erweiternde Geschäft viel zu klein, dabei abgelegen und bei Feuersgefahr unsicher. Man dachte daher schon seit einigen Jahren, weil dieser Beamtete zunächst das Rathaus beaufsichtigte und nicht nur die gangbaren Aktenstücke, sondern oft die wichtigsten Urkunden und Schriften des Archivs um sich haben mußte, auf den Bau eines dem Rathause nahen, feuerfesten Gebäudes und fand jetzt dazu erwünschte Gelegenheit. Der Bürger Joachim Wiederitz, Besitzer des Hauses Nr. 91 der Rittergasse überließ ihm von seinem Gehöfte einen Raum von 17 Ellen Breite und 73 Ellen Tiefe über 100 Gulden, die Quadratelle zu 20 Pfennigen, und noch in diesem Jahre brachte man zur Begründung die nötigen Steine dahin. Auch baute der Rat in diesem Sommer vier neue Häuser auf den Bauhof in der Holzgasse und verkaufte das erste von der Mauer, das Eckhaus an Benno Klingenstein für 320, das zweite an den Drechsler Hans Bornack für 300, das dritte an Joachim Spieler für 325, das vierte an Gregor Seydel für 300 Gulden - die Nummern 50, 51, 52 und 53. Das Termineihaus [das alte große Gebäude und Haus der Terminei], welches gegen die Gasse 10 Ellen zurückstand, ward von dem Zimmermeister Jacob mit Schrauben, die man von dem Müller in Bitterfeld borgte, vorgebracht und somit diese Seite der Holzgasse geschlossen. Ein Steinsetzer aus Leipzig pflasterte das Gäßchen der Doktorei (34 Ruten) und die alte Zscherne (46 Ruten) und gab jeder Bürger vor seinem Haus 10 Groschen für die Rute Lohn, Steine, Sand und Handarbeit der Rat. In der alten Zscherne befand sich ein öffentlicher Brunnen, welcher mit dem Gasthofe Gehöfte (Num. 35) des Thomas Hildebrand auf ungeschickte Art winkelte und Gelegenheit zu Aufschüttung von Uneinigkeiten gab. Diesen Winkel und Brunnen überließ man dem Hildebrand zu seinem Gehöfte mit der Bedingung, eine Türe nach der Gasse zu halten und sie im Falle der Not zu öffnen. Martin Barth, der Schäfer von Döbernitz entleibte den Schafknecht Bartholomäus Berthold unter Otto Spiegels auf Beerendorf Gerichtsbarkeit, die Untersuchung ward aber auf dessen Gesuch hier geführt. Es trat ein zeitiger heftiger Winter ein und mußten die Viertelsherren fleißig in den Darren nachsehen. Barbara, Caspar Lenzens Eheweib, welche mit einem Badergesellen verdächtigen Briefwechsel führte, ward nach eingeholtem Urteile am 10. Dezember verwiesen; durch das Amt aber am 15. desselben Monats Franz Tronicke von Halle, vormittags 9 Uhr mit dem Schwerte hingerichtet. Die kurfürstlichen Räte und Befehlshaber Dr. Sebastian Hillinger und Georg Winkler von Eilenburg verhandelten hier am 22. Dezember wegen Verpachtung des Heerwagens. Der Scheffel Weizen galt 17, Roggen 17, Wintergerste 7 1/2 Groschen.


1569

Am 6. Januar vereinigten sich die drei Räte über Feststellung des Gehaltes der anzunehmenden Jungfrauschulmeisterin, und sicherten ihr, jedoch mit Vorbehalt künftiger zeitgemäßer Änderung, jährlich 20 Gulden und Schul-, Holz- und Pflichtgeld zu. Das jährliche Schulgeld ward mit 8 Groschen, das Holz- und Lichtgeld auf 1'/3 Groschen festgesetzt und durfte nicht erhöht werden. Den festen jährlichen Gehalt der 20 Gulden hätte eigentlich der Gotteskasten geben sollen, man schonte ihn aber und bildete den Fonds aus den Vermächtnissen, welche Katharina Bun und Hedwig, die Witwe des Ratsherren Ambrosius Werdt, jene 200, diese 100 Gulden zu wohltätigen Zwecken bestimmt hatten und 100 Gulden, welche die Schuhmacherinnung, der sie aus dem Nachlasse eines Gesellen zur Erfüllung freiwillig abtrat.. Die erste in diesem Jahr angestellte Schulmeisterin war die Ehefrau des Elias Treintzsch, Anna; doch beschäftigten sich auch ferner noch andere mit dem Mägdlein-Unterricht. Die Schüler, welche in diesem Tage bei der Feierlichkeit des Ratswechsels auf dem Rathause sangen und den neuantretenden Rat mit einer lateinischen Zuschrift in Prosa oder Versen zu begrüßen pflegten, erhielten in diesem Jahr zum ersten Mal die Erlaubnis zu einem Singumgange und aus der Ratskasse 6 Groschen. Im Februar umschwärmten die Stadt viele fremde Reiter, die zur Anwerbung nach Frankreich zogen und besetzte man deshalb die Schläge mit Wachen. Der im November vorigen Jahres eingetretene harte Winter dauerte fort bis Fastnacht, wo Tauwetter und so großes Wasser entstand, daß der Fastenmarkt von nur wenigen besucht werden konnte. Am 14. Mai fand man vor dem Kohltore, rechts in den Hopfengärten auf der Pfingstwiese am Schebendamm ein fremdes, in Kindesnöten gestorbenes Weib (soll nach dem Kirchenbuche in Lissa bei Troitzsch zu Hause gewesen sein), deren noch lebendes Kind Johannes getauft und einer Frau zur Erziehung gegeben ward, am 10. Juni aber starb. Es verbreitete sich das Gerücht, daß die Städte Eisleben, Könnern und andere von Mordbrennern angesteckt worden wären, auch kam vom Kurfürsten Befehl, daß der gefährlichen Läufte halben gute Wachen gehalten werden sollten, daher nicht nur die Bürgerschaft einmal herum wachen mußte, sondern man hielt auch von Trinitatis an 12 Wochen lang vier besondere Wächter und gab jedem wöchentlich 14 Groschen Lohn. Man untersuchte dabei die Löschgerätschaften der Bürger und ordnete an, daß die Braupfannen während des Jahrmarktes mit Wasser gefüllt stehen mußten. Der, Organist Andreas Fischer legte das Amt nieder und Heinrich Thornau aus Halle kam auf Empfehlung des dasigen Organisten Sebastian Litze am 12. Juni an seine Stelle. Am 3. Juli ward das kurfürstliche Ausschreiben (Verwarnung, Gebot und Verbot), die Münze anlangend, vom 20. Juni bekannt gemacht, welches eine Menge größerer und kleinerer fremder Münzen, die mit den inländischen nicht Wert hielten, teils herabsetzte, teils gänzlich verbot. Leider entfernte auch dieser geschärfte Befehl das hier beschriebene Übel nicht, da es eine unabweisliche Folge des Münzfußes war, den zu ändern man aus politischen Gründen bedenklich fand. Dem Amtsschösser war nachgelassen, für sein Bedürfnis jährlich ein Bier in der Stadt zu brauen. Der jetzige Gregor Fiedler wollte es verzapfen, man verbot aber den Einwohnern den Kauf. So belegte man auch den Bürger Hans Arnold, welcher einViertel Eilenburger Bier in seinen Scheunhof der Vorstadt legte und austrinken ließ, mit 13 1/3 Groschen Strafe der Willkür. Man hatte im Laufe des Sommers mehrere kostspielige Baue. VomGrunde aus neu aufgeführt wurde die Brücke am Kohl- und Galgtore, das Torhaus am Galgtore und die Garküche, deren Giebel man mit 22 steinernen Knöpfen versah. Der Kirchhof der Frauenkirche erhielt mitternachtwärts eine aus Bruchsteinen geführte, getünchte und mit Ziegeln gedeckte Wellerwand, die Kirche selbst eine neue Bedachung. Die früher steinerne, aber verfallene Ringwand des Kirchhofes hatte man zu dem Neubaue der Kirche und sonst verwendet. Die Einrichtung des Backhauses an der Pforte vollendete man mit Setzung des Backofens und der Neubau der Stadtschreiberei nahm seinen Anfang. Dabei räumte man die Waschstätte bei der alten Mühle (an der Pforte), den Fischhälter bei der neuen Mühle, in welchen man einen Ständer mit Röhre brachte und hob den Graben auf dem Anger (Schießplatz) von der Schießmauer bis zu den Gerberhäusern, 56 Ruten lang. Die Beaufsichtigung der Baue, so wie überhaupt der Ratsgebäude, Felder usw. übertrug man dem Ratsherren Matthias Kohl und dem Bürger Donat Rau, die von nun unter den Namen Bauherren vorkommen und Sold empfingen, jeder jährlich 5 Schock. Die Vorsteher der Kirche benutzten früher 1/2 Hufe Kirchenfeld, verloren aber diese Nutzung durch den Verkauf derselben und blieben neun Jahre ohne Sold. Es waren vier an der Zahl, zwei für die Kirche, zwei für den Gotteskasten und ward am 27. Juli zu ihrer Entschädigung festgesetzt, daß der erste als Rechnungsführer jährlich 10 Gulden, jeder der übrigen aber 3 Gulden 7 Groschen, bei Einholung des Kirchengetreides aber täglich 6 Groschen Auslösung erhalten sollte. Auch ward ihnen dieser jährliche Sold für die vergangenen neun Jahre ausgezahlt. Da es an tauglicher Ziegelerde in der Nähe gebrach, so tauschte der Rat 1 Acker 26 Ruten des Hans Arndt an der Bergmühle gegen 2 Acker der Ratsbreite von der Ziegelscheune. Der Rat kaufte die Naundorfer Mühle, welche von dem Besitzer Nicolaus Stock auf hiesigem Markt durch Ausruf öffentlich feilgeboten wurde, für 199 Gulden oder 665 Schock, bekam sie aber, weil der Ankauf dem Zehnherrn, dem Besitzer des Rittergutes Schenkenberg nicht gelegen war, erst im Jahre 1588 in Lehn. Da der regierende Bürgermeister Balthasar Költzsch wegen hohen Alters und Augenschwäche nicht ausgehen konnte, so trat der vorjährige, Dionysius Naumann, für ihn ein, dem man aus der Kasse deshalb 8 Schock 40 Gr. als besondere Vergütung gab. Der Scheffel Weizen galt 13 1/2, Roggen 8 1/2 Groschen.


1570

Die Kälte stieg im Januar zu einer ungewöhnlichen Höhe und die Räder der überschlägigen Mühle mußten bedacht werden. In den letzten Tagen dieses Monats trat jedoch schnell Tauwetter ein, und in den ersten Tagen des Februar ergossen sich Ströme und Flüsse auf das Gefährlichste. Auch der Lober tat hier an der Mühle, an den Brücken und Steinwegen großen Schaden und im Rosentale konnte nur mit größter Anstrengung durch Dämmung mit Pfählen und Dünger der Durchbruch abgewendet werden. Vorzüglich hatte der Steinweg vor dem Hallischen Tore und die daran stoßende Brücke nach den Scheunen, die Mansfeldische genannt, gelitten, deren Wiederherstellung zwar der Stadt vom Amt angesonnen, durch kurfürstlichen Befehl vom 26. Dezember dieses Jahres aber dem Amte zugesprochen ward. Der umzulegende Steinweg hielt 292 Ruten. Am 18. April ward geboren und am 19. getauft der Sohn des Ratsherren Thomas Schmidt, Erasmus, später berühmter Professor der Mathematik und griechischen Sprache in Wittenberg. Der Landsknecht Lorenz Wend von Torgau, welcher am 12. Juni im Auftrage des Schössers zu Mühlberg mit 12 Mühlberger Bürgern auf einer Folge nach Calbe hier ankam, veruneinigte sich abends mit diesen und ward, da man zur Wehr griff, niedergeschlagen und so weit verwundet, daß man ihn etliche Tage für tot behandelt. Zwei der hauptsächlichsten Täter, die Brüder Hans und Melchior Kramer, Bürger von Mühlberg, zog man gefänglich ein und behielt sie während der Untersuchung bis Ende des Jahres. Am 13. Juli starb der Bürger Heinrich Grünthal. Von seiner und seiner Ehefrau, Hedwig, Stiftung siehe 1566. Den Landtag in Torgau vom 26. September bis 6. Oktober besuchten die Ratsherren Joseph Homagk, Thomas Schmidt und der Stadtschreiber Franz. Am 15. Oktober starb Marcus Burgmann, Ratsherr seit 1535. Den Bäcker Reichstein in der Vorstadt, bei welchem zweimal des Nachts, doch ohne großen Schaden, Feuer auskam, bestrafte man erst mit Geld, das zweite Mal mit Gefängnis, auch nötigte man ihn zum Umbau seiner Feuerung. Der Rat kaufte das Haus des Lehns Jacobi (das alte zerfallene Häuschen bei der alten Stadtschreiberei) neben der Trinitatis-Commende auf dem Mühldamme für 60 Gulden von der Kirche, der es nach dem Tode des letzten Vikar Napfel zugefallen war. Der Kantor Johann Hartmann legte, weil man ihn in den Rat wählte, sein Amt nieder. Die Stelle suchte und erhielt Joachim Seidell, ein Sohn des hiesigen Baders Seidell, welcher in Pforta und Leipzig studiert hatte, im Januar künftigen Jahres, verließ sie aber nach wenigen Monaten und lebte als Notar und praktischer Jurist in Weißenfels. Der Chor der Frauenkirche, jetzt Begräbniskapelle genannt, erhielt neue Fenster, eine Beschränkung für die Schüler, etliche Stühle für die Leichenbegleiter und eine Altartafel aus der Stadtkirche, an welcher der Geistliche die Predigt oder Rede hielt. Dieser Altar, welchen früher die Innung der Schuhknechte unterhielt, weshalb er auch mit den Bildern ihrer Schutzheiligen, Crispin und Crispinian versehen ist, findet sich noch daselbst. Die fremden Kramer, wenn sie nicht Bürger waren, gaben in den ersten vier Wochenmärkten der Fasten einen alten Pfennig Stättegeld. Dem Küster Nicolaus Roitzsch gab man wegen seines Fleißes im Elementarunterricht ein außerordentliches Geschenk von 10 Gulden, legte ihm im künftigen Jahr 10 Gulden an Gehalt zu und bewilligte ihm von dem Kirchengetreide jährlich 12 Scheffel Roggen auf Lebenszeit. Dem Pfarrer in Selben, Laurentius Müller, welcher jährlich 221/2 Gr. an die Kirche zu geben hatte, erließ man auf Bitte des Konsistoriums einen siebenjährigen Rückstand wegen seiner Schwermütigkeit. Der Scheffel Weizen galt 14, Roggen 10, Kreuzgerste 8 Groschen.


1571

Im Januar stieg die Kälte bei fast täglichen großen Schneefällen so sehr, daß man am 28. die Kommunion einstellen mußte und dauerte bis zur Mitte des Februar, wo der übermäßig angehäufte Schnee plötzlich schmolz und das Wasser abermals großen Schaden tat. Es zerriß die Mühlbrücke, den im vorigen Jahr erneuerten Hallischen Damm, den Schutz am Gertitzer Bache und konnte durch mühevolles Aufdämmen der Wälle vom Überschlagen in den Graben kaum abgehalten werden. Die neue Brücke fertigte der Zimmermeister Jacob Stumpf aus Bitterfeld mit drei Gesellen, in das Gitter am Schutze kamen 48 neue eiserne Stäbe und der Damm ward eiligst umgelegt. Man glaubte, daß die Erhöhung und Verdichtung der Gartenzäune in der Nähe des Dammes die Höhe des Wassers steigere und holte deshalb gegen die Besitzer in Wittenberg ein Urteil ein. Der Rat ließ in der Mühlgasse (Mühldamm) die Commende Trinitatis (das Haus des vormaligen Lehns Trinitatis, auch die alte Stadtschreiberei genannt) und das daran liegende im vorigen Jahre gekaufte Häuschen des Lehns Jacobi, beide in schlechtester Beschaffenheit, abtragen, baute auf die geräumten Plätze drei neue Häuser zu 15 Ellen Länge und 12 Ellen Breite, die Nummern 187, 188, 189, welche die Zimmermeister Stardiß und Horn von Düben teils hier vom Ratsholze zurichten; teils zugerichtet lieferten und verkaufte sie noch in diesem Jahre an die Bürger Zimmermann (187), Knobloch (188), Graßhof (189), jedes für 400 Gulden, wobei zugleich das ganze Gäßchen von 180 ab neu gepflastert ward. In die dem Rate und Amte gehörige Feimstätte (Galgen) mußte eine Leiter gefertigt und ein neuer Balken eingezogen werden. Man brauchte dazu nach Sitte sämtliche Zimmermeister des Amtes und der Stadt, 15 an der Zahl und sämtliche Maurer zu des Balkens Befestigung, denen man zwar keinen Lohn, aber ein gutes Trinkgeld gab. Das Amt bestrafte aber in diesem Jahre 6 Verbrecher mit dem Strange und mit dem Schwerte am 25. Mai Hans Schmelzer, den Hirten von Petersdorf. Der Fleischerbursche Philipp Fichtner aus Altenburg, im Dienste des Stephan Becker, tötete am 17. April seinen Kamerad David Winkler, den Sohn des Bürgermeisters Wolfgang Winkler, in Mittweida durch einen Wurf des Schlachtmessers in die linke Brust und entging der Untersuchung durch schnelle Flucht. Der Organist Andreas Fischer hatte, nachdem der 1567 an Pranz Stelle getretene dritte Lehrer, Caspar Stoye, das Amt im folgenden Jahre aufgegeben, der Adjunkt oder vierte Kollege, Gregor Thamm 1568 in den Rat gewählt worden war, beide Stellen versehen, trat aber 1569 ebenfalls ab und da der neue Organist Thornau das Lehramt abwies, so besetzte man das Baccalaureat oder die dritte Stelle mit dem Mr. Albert Hulderich aus Kitzingen, der sich in Wittenberg, wo er studiert und promoviert hatte, aufhielt und erhöhte den Sold des Küsters Roitzsch, welcher mit ausgezeichnetem Fleiße und allgemeinen Beifall den Elementarunterricht vertrat. Da auch am Johannistage, an welchem Hulderich anzog, der Kantor Seidell sein Amt niederlegte, so übertrug man es dem Hieronymus Heidenreich, aus Borna gebürtig, welcher vom Dr. Heinrich Salmuth in Leipzig, wo er studierte, empfohlen, schon mit Seidell Probe getan, sich ausgezeichnet und ein Geschenk erhalten hatte. Seine am Petri Pauli Tage aufgeführe Musik, mit der er antrat, gefiel ungemein und es zeigte sich bald, daß seine Regsamkeit in der Schule und Kantorei von glücklichen Folgen war. Dreißig starke Volumina Symphoniarum sacrum und auserlesene Motetten, die er mit großen Fleiße zusammengebracht und der Kantorei zur Zier geschrieben, ließ er, als er 1588 in den Rat kam, als Inventarium zurück. Gegen die häufig erscheinenden Schmähschriften, Charten, Gemälde und dergl. ließ der Kurfürst unterm 26. Mai (indem hierdurch nichts Gutes, sondern nur Zank, Aufruhr, Mißtrauen und Zertrennung alles friedlichen Wesens angestellt wurde) einen strengen Befehl, und verordnete, daß nur in Wittenberg, Leipzig und Dresden Buchdruckereien gestattet, die Buchdrucker nach Erprüfung ihrer Rechtlichkeit von den Räten vereidigt, die zum Druck bestimmten Schriften von den Hofräten, Rektoren und Professoren der Universitäten zuvor durchgesehen, zum Druck bezeichnet, die Abdrücke selbst aber mit dem Vor- und Zunamen des Dichters, Autors und Buchdruckers, Druckorte und Jahr versehen werden sollten, bei Konfiskation des Drucks und Strafe an Gut und sonst nach Ausspruch des gemeinen Rechts. Mit gleicher Strafe sollte auch gegen die, so lästerliche, schmähliche Gemälde machen, verkaufen oder sonst verbreiten, verfahren werden und mußte dieser Befehl im Juni nach gewöhnlicher Bekanntmachung an Kirchen und anderen öffentlichen Orten angeschlagen werden. Die Charten waren in der Regel elend gereimte Pasquille, in denen man die bemerklich gemachten Personen, jede mit vier Zeilen, nach dem Range der zwölf Kartenblätter in den vier Farben, König, Bauer, Untermann, zehne, neune, achte, sieben, sechse, fünfe, viere, dreie, Daus, auf die gemeinste Weise verächtlich zu machen suchte. Als am 30. Mai der Rat im Lober bei Benndorf fischen ließ, fielen die Vormünder der Kinder des Sigmund von Miltitz auf Schenkenberg in den Mühlhof, welcher dem Rate mit Ober- und Untergerichten zustehet und nahmen die Fische mit einem abgedrungenen Pfande mit sich nach Schenkenberg. Das Rittergut verursachte dadurch und wegen Verweigerung der Mühlbeleihung der Stadt einen mehrjährigen doppelten Prozeß. Einen gleich langwierigen Prozeß führte man seit vorigem Jahre wegen der Elberitzer Grenze mit dem Rittergut Döbernitz. Der Rat verkaufte 21 alte messingne Doppelhaken, an Gewicht 6 Zentner 10 Pfund für 36 Taler und kaufte dafür 20 messingne Feuerspritzen in Nürnberg für 10 Schock frei bis Leipzig, wo er sie in der Osterwoche abholen ließ. Der 15jährige Schüler Elias Kippold stieß am 29. Oktober der Margarete Köhler, welche in seiner Mutter Garten Gras holen sollte, das in der Hand führende Brotmesser wiederholt in den Leib und entfloh. Die Verwundete starb am vierten Tage und der Entwichene verbüßte die Tat mit 30 Gulden Geldstrafe an den Rat und fünfjähriger Entfernung aus der Stadt, auf soweit die gegen ihn ausgesprochene härtere Strafe auf der Vormünder Bitten durch kurfürstliche Gnade gemildert ward. Er kam im Jahre 1580 zurück. Für die bei vorfallenen Sterbensläufen anzunehmenden Krankenwärter baute man auf dem Gottesacker vier kleine Wohnhäuser auf gemeinschaftliche Kosten des Rates, Gotteskastens und Hospitals. Der Kurfürst schenkte der Stadt von neuem zwei Kuxe bei Freiberg und befahl, Stolpen, den 1. August, sie ohne erhebliche Ursachen nicht ins Retardat kommen zu lassen. Sie brachten so wenig als die vorigen, die man fallen ließ und forderten für dieses Jahr 3 Schock 6 Gr. Zubuße. Der Scheffel Weizen galt 18, Roggen 16, Wintergerste 10 1/2, Hafer 7 Groschen.


1572

Dem Schullehrer Mr. Hulderich, weicher sich am 18. Februar mit der Tochter des Bürgermeisters Dionysius Naumann, Anna, verehelichte, verehrte der Rat einen silbernen Becher als Hochzeitsgeschenk. Am 5. März starb hier die Otto Spiegelin auf Badrina. Der Leichenwagen, welcher sie nach Lindenhain abführte, ward mit dem Chor bis an die Grünstraße begleitet. Am 27. Mai starb Wolfgang Holzmüller, Ratsherr seit 1559. Dr. Heinrich Salmuth und andere Theologen aus Leipzig hielten am 9. Juni auf hiesiger Pfarre Synode und empfingen vom Rat den Ehrenwein. Das neue Stadtschreiberei-Gebäude, welches gemeiner Stadt zur Zierde und Notdurft, sonderlich in Feuersgefahr zur Verwahrung dient, ward von dem Zimmermeister Peter Hermsdorf und dem Maurer Lorenz Meier vollendet und am B. August gerichtet. Die steineren Fenster- und Türgerüste kamen aus Torgau. Valentin Krake, ein Hausgenosse in Schenkenberg, wegen wiederholter Vergehungen aus der Stadt verwiesen, stahl von neuem Reifen aus der Goitsche und führte sie hiesigen Böttchern zu, weshalb er nach dem Urteil des Wittenberger Hofgerichts mit dem Verluste zweier Finger, welche ihm am 1. Oktober der Scharfrichter von Leipzig abhieb, bestraft ward. Der Kantor Heydenreich, welcher am 21. Oktober mit der jüngeren Tochter des Bürgermeisters Naumann, Ursula, Hochzeit hielt, bekam vom Rate ebenfalls einen silbernen Becher als Hochzeitsgeschenk und wegen seines Fleißes legte man seinem Gehalte jährlich 10 Gulden zu. Wenige Tage nach dieser Hochzeit starb am B. November der Bürgermeister Dionysius Naumann, seit 1543 im Rate und ein um die Stadt verdienter Mann. Ihm folgte, gleich hochgeachtet, am 11. Dezember Joseph Homagk, Ratsherr seit 1550. Dem ältesten Sohn des Küsters Roitzsch, David Roitzsch, der sich aber lieber Rhodius schrieb, schenkte man vier Schocke, als er in diesem Jahr in Leipzig Magister ward. Ein kleines Vermächtnis von 4 Talern kam der Kirche aus dem Testament des in diesem Jahre gestorbenen Bürgers Christoph Schöpfer dem Jüngeren zu. Die Ehefrau des Gutsbesitzers Lukas Sparmann in Werben kam mit Drillingen nieder, die am 13. Dezember in hiesiger Kirche getauft wurden und die Namen Thomas, Maria, Johannes erhielten. Johannes starb 2 Wochen nach der Taufe, Thomas und Maria aber blieben am Leben. Wegen des tiefen Schnees konnte das Schlagholz in der Spröde nicht in Klaftern gesetzt werden. Ein Scheffel Weizen galt 20, Roggen 20, Wintergerste 10 ½ Groschen.


1573

In Leipzig starb am 1. Januar der Dr. Johann Pfeffinger, hiesiger erster Superintendent und der Stadt besonderer Freund. Ostern fiel in diesem Jahre auf den frühesten Tag, den 22. März, Fastnachten also unmittelbar nach dem Lichtmeßtage, dem 3. Februar. An diesem Tage führte die Kantorei eine Komödie des Johannes Episcopius (Bischof) vom unbarmherzigen Knechte in gereimten Versen auf, die nur wenig Jahre vorher im Druck erschienen war. Sie erhielt vom Rat 4 Ta]er Verehrung, auch sicherte man ihr jährlich 3 Taler aus der Kirche zu. Der Stadtschreiber und Ratsherr Balthasar Franz, legte, weil er Bürgermeister geworden, das Stadtschreiberamt nieder und der bisherige Rektor Johann Fischer trat an seine Stelle, die Rektorstelle aber besetzte man mit dem Mr. David Rhodius, dem ältesten Sohn des hiesigen Küsters Roitzsch. Er war am 29. Dezember 1549 hier geboren, kam 1565 nach Pforte, 1569 nach Leipzig, erlangte daselbst 1571 das Baccalaureat und 1572 das Magisterium. Beharrlich in dem, was ihm für den Unterricht zeitgemäß und tüchtig schien, ließ er sich ungern lenken und machte daher selbst gegen den auf höheren Befehl angeordneten Schulplan, den er nur teilweise hier anwendbar glaubte, Einwand. Da er kein eigenes Vermögen hatte, der sehr beschränkte Gehalt zu dem täglich höher steigenden Werte der unentbehrlichsten Lebensmittel nicht ausreichte, auch die alte Amtswohnung in der Schule (welche seine Vorgänger, die eigene Häuser in der Stadt bewohnten, nicht achteten) für seine Familie unzulänglich, dies alles aber vor der Hand nicht zu ändern war, so übernahm er 1589 das ihm angetragene Archidiakonat in Eilenburg, wo er als Gegner der Kryptokalvinisten auftrat, aber schon am 5, November 1595, im 46, Lebensjahr geistigen und körperlichen Anstrengungen unterlag, Sein Bild befindet sich in der Stadtkirche zu Eilenburg. Fremde Reiter, die sich im März bei dem Wirte Andreas Stephan einlegten, wurden auf Befehl des Kurfürsten ausgewiesen. Dergleichen hatten im vorigen Jahr im Weimarischen viel Unfug getrieben, in einem Flekken mehrere Einwohner tödlich verwundet und den Ort angesteckt. Den Ratsflurschützen und Holzförster Thomas Bröse schlug ein unbekannter Bauer, den er am 22, April in der Spröde bei dem Umhauen eines Baumes traf und pfänden wollte, mit gefährlichen Hieben auf den Kopf besinnungslos nieder, nahm ihm die Handbüchse und ging davon, Der Verwundete erholte sich insoweit, daß er mühsam an einem Stocke nach Brinnis schleichen konnte. von da man ihn in die Stadt fuhr, Er hatte mehrere bedenkliche Kopfwunden, von denen man eine an der Stirn, die das Gehirn entblößte, für tödlich hielt. Doch erholte er sich und traf, als er nach vier Wochen zum ersten Mal am Stock ausging, den Täter, welcher auf seine Anzeige sogleich angehalten und dem Gericht übergeben ward, Es war der Bauer Valentin Prautzsch aus Sprödä, gegen den, da ihn der Beschädigte richtig beschuldete, die Untersuchung mit Festnehmung begann, das Amt Petersberg aber sofort Nachricht erhielt, Am 25. April starb Nicolaus Gorius, Ratsherr seit 1553 und am 12, Mai Matthias Kohl, Ratsherr seit 1546, Die Stadtschreiberei ward völlig zum Einzuge hergerichtet, ein neuer Schafstall aufgeführt, kostete 107 Schock, der Brunnen bei dem Frauenmarkte (freiem Platz bei dem Gottesacker) abgetragen und das Steinpflaster eines großen Teiles der Rittergasse umgelegt, Am 21, September, mittags, brach in den Gehöften des Christoph Lengefeld und Paul Franke Feuer aus, welches wegen schwieriger Annäherung Gefahr drohte, doch aber durch ungemeinen Fleiß ohne bedeutenden Verlust gedämpft ward, Die Veranlassung blieb, so scharf man untersuchte, unentdeckt, Fallende Dachsteine verletzten den Bürger Mogwitz und einen Schmiedeknecht, beide unter den ersten und kühnsten Arbeitern, welche der Rat heilen ließ und belohnte, Auch erhielten Belohnungen die Fronen, Wächter, zwei Zimmerleute und ein Drescher auf allgemeine Versicherung ihrer besonderen Tätigkeit, Dem Schenken in Zwochau nahm man mit Zuziehung des Amts-Landsknechtes Eilenburger Bier weg. Dem Sohn des Dr, Justus Jonas, Joachim, gab man am 14. Juni auf seine Bitte Reisegeld, Der Scheffel Weizen galt 16, Roggen 18, Wintergerste 10, Hafer 10'/2 Groschen. Ein furchtbares Donnerwetter am 12, August bei Plauen, verbunden mit den heftigsten Regengüssen, verursachte im Vogtlande und tiefer herein eine verheerende Überschwemmung, Noch in Leipzig stieg das Wasser so hoch, daß man in den Straßen, die es erreichte, auf Kähnen fuhr und nicht nur Störungen des Verkehrs, sondern auch große Verluste entstanden an Gebäuden, Gärten, Waren und Hausgerät, Auch in Eilenburg fuhr man mit Kähnen in der Stadt und das Wasser stand in der Kirche über zwei Ellen hoch, Kein Ort an den Flüssen und Bächen, die vom Gebirge kamen, war von zerstörenden Angriffen dieses unglücklichen Ereignisses gänzlich frei,


1574

Die kurfürstlichen Räte, Damian von Sebotendorf, Pfennigmeister und Hans Harrer, Kämmermeister, waren am 11, und 12, Januar in amtlichen Angelegenheiten hier und empfingen den Ehrenwein, Am 12. Februar ward der Sohn des nur vor kurzem gestorbenen Pfarrers Joachim Kurz (Curtius) in Zwochau mit seinem Vater gleichen Namens, durch das Amt mit dem Schwert hingerichtet und auf dem Gottesacker begraben, Einige junge Bürger, die am zweiten Osterfeiertage Studenten, welche ruhig vor einem Haus saßen und Laute spielten, beleidigten, bestrafte man mit einem öffentlichen Verweis und 40 Groschen Geld, Der Diakon Kneußler nahm das Pfarramt in Werbzig an und der Rat wählte an seine Stelle den bisherigen Pfarrer in Spröda, Mr, Matthias Barth, welcher am 16. Juli anzog, Er war ein Sohn des hiesigen Bürgers Lampert Barth, geboren 1543, hatte in Pforte und Leipzig studiert, in Wittenberg promoviert und 1570 das Pfarramt in Spröda angetreten. Ein geschickter, beliebter Prediger, der aber im 41, Lebensjahr an der Pest starb, Sein und seiner Gattin Anna, einer Tochter des Pfarrers Donat Kötzschke in Lissa, Bild befand sich früher auf einem Denkmale in der Gottesackerkirche, wo man es jetzt vermißt. Ein Sohn von ihm, Johannes, war hier Schullehrer und später Ratsherr, Da auch der hiesige Pfarrer und Superintendent Mr, Paul Pfeffinger den Ruf nach Rochlitz erhielt und dahin abging, so gab sich der Rat alle Mühe, den geliebten unvergessenen Dr. Runbaum, welcher wegen Gemütskrankheit, das durch Streitsucht seiner untergebenen Pfarrer beschwerliche Amt in Merseburg verlassen hatte, vom Kurfürsten aber mit der kleinen, für ihn eigens geschaffenen Superintendentur in Mügeln versehen worden war, für Delitzsch wieder zu gewinnen. Er erklärte sich auch bereit, dem Rufe zu folgen, wenn ihn der Kurfürst für genehm hielte, welcher aber auf wiederholte Bittschriften des Rates, aus Besorgnis, daß das größere Amt, zumal bei den auftauchenden kryptokalvinistischen Unruhen, Rückfälle seiner früheren Krankheit herbeiführen könnte, die Bewilligung verweigerte, Das Amt erhielt nun durch den Einfluß des Konsistoriums der bisherige Pfarrer in Pehritzsch bei Eilenburg, Mr. Elias Döring, welcher am 31. Dezember confirmiert ward. Den Diakonen gab man während der Vakanz Zulage. In der Frauenkirche brach man in die Wand, durch welche man den Chor von dem Schiffe geschieden hatte, um mehr Raum für die Leichenbegleiter zu gewinnen, zwei Öffnungen; es war aber nur ein Notbehelf, weil dieser Teil der Kirche weder ausgebaut noch anständig beleuchtet war. Auch schaffte der Rat von neuem eine Masse messingener Gewichte für die Gewerbetreibenden an und ein Stück des' Straßenpflasters der Hallischen Gasse abwärts ward mit Beiträgen der betreffenden Hausbesitzer umgelegt. Georg Troitzsche aus Halle, ein Landstreicher, der am Tage Petri Pauli, abends zwischen 11 und 12 Uhr des Gutsbesitzers Klepzig in Gertitz blödsinnige Schwester wollüstig mißbrauchen wollte, ward ergriffen und am 1. Oktober zur Staupe geschlagen; an demselben Tage auch ein Schneidergeselle, Findeisen, von einem Dorfe bei Leipzig gebürtig, mit dem Strange bestraft. Zu einem Schützenhofe in Oschatz zogen auf Einladung von hier einige Schützen, denen man aus der Kämmereikasse eine Unterstützung gab. Am 22. September starb Ambrosius Rügezelt, früher Kantor, Stadtschreiber und Ratsherr, dessen Verdienste in diesen Ämtern man durch ein ehrenvolles Begräbnis die schuldige Achtung bewies. Dem bejahrten Bürger Veit Barth, welcher mit seiner Magd unzüchtig lebte, legte man eine Strafe von 20 Schocken auf. Ein Bürger in Straßburg, Jeremias Neuner, hatte eine Holzeinsparungskunst in großen und kleinen Feuern erfunden, erhielt vom Kurfürsten unterm 1. August einen Freiheitsbrief zu Einrichtung der Öfen im Lande auf zehn Jahre, reisete umher und richtete auch hier mit einem Gehilfen den Ofen der Ratsstube am 1. Dezember nach seiner Erfindung ein. Am 23. Dezember starb Johann Franz, Ratsherr seit dem 6. Januar dieses Jahres. In Herzberg brannten am 29. Januar 13 Häuser nieder, 150 Häuser verlor am 27. desselben Monats die Stadt Webenstadt im Stifte Bremen durch Erdbeben, Ungewitter, Brand und 125 Wohnstätten Creuzburg bei Eisenach, wo ein junges Mädchen ein Gewehr in einer Scheune abschoß. Auf Bittschriften brachte man für die Verunglückten Kollekten aus. Der Scheffel Weizen galt 20 ½ Roggen 16, Wintergerste 10, Hafer 9 bis 10 Groschen. Der dritte Schullehrer Magister Hulderich ging am 4. August als Pfarrer nach Sprüda, wo er am 2. September eingewiesen ward. Der Rat übertrug die Stelle dem Sohn des hiesigen Bürgers Lambert Stoie, Johann Stoie, welcher von 1567 ab in Leipzig Theologie studiert, 1573 das Bakkalaureat der Philosophie erlangt hatte und im künftigen Jahre, nachdem er auch die gesuchte Magisterwürde daselbst empfangen, das Lehramt, zu dem er; nach dem Ausspruche des Konsistoriums, vorzugsweise bestätigt war, antrat.


1575

Die halbe Hufe Freimannlehn des Hans Mahn auf Weißig, welcher ohne männlichen Erben starb, verkaufte und vererbte der Rat an dessen Witwe für 200 Taler, 30 Gr. Lehnware und 21 Groschen jährlichen Erbzins. Dagegen kaufte er von dem natürlichen Sohn des vorigen Amtmannes Kirchhof, Valentin Kirchhof, das Haus, welches sein Vater mit Begünstigung des Kurfürsten Moritz auf dem Platze des Lehns Crucis an der Doktorei erbauet, der Rat auf des Kurfürsten August Veranlassung mit dem Braurechte versehen hatte, trug ein Stallgebäude ab und baute auf die Stelle und ein Stück des Hofraumes zwei Häuser (Pfahlhäuser), die er jedes für 350 Gulden an Bürger käuflich überließ. Beide wurden im Dreißigjährigen Krieg wüst. Für das Kaufgeld des Ganzen überließ er das brauberechtigte Haus, Num. 212, an Hans Reichstein. Am 4. Februar zog der Superintendent Magister Döring mit seiner Familie ein und ward wenige Tage darauf von dem Leipziger Superintendenten Dr. Heinrich Salmuth eingeführt. Die Kommissarien der Visitatoren, Matthäus Spiegel auf Zschortau, der hiesige Superintendent und Amtsschösser betagten sich hier am 10. Februar und verhandelten mit dem Rat wegen völliger Überlassung der auf Wiederkauf stehenden Kastenäcker. Am 29. April, vormittags 9 Uhr, ward Tiburtius Kreising von Landsberg wegen Dieberei aufgehängt. Michael Arndt und Andreas Stephan säten zu Schmälerung der Hutung Kreuzgerste in die Brache. Man legte ihnen von jedem Acker 1 Taler Strafe auf und drohte ihnen im Wiederholungsfalle mit dem Triftrechte der Abhütung. Die Schützen hatten, wie bei dem Jahre 1513 bemerkt ist, einen silbernen Vogel mit vergoldetem Schilde, welches das gemalte Stadtwappen unter einer Glasbedeckung faßte und von dem, der den besten Schuß (Königsschuß) getan, an einer silbernen Kette getragen ward. Der Rat ließ den zufällig beschädigten von dem Goldarbeiter herstellen, namentlich die gebrochenen Federn, das Schild von neuem vergolden, die Kette aussieden und löten, und da er unter dem Namen Stael auch Strahel vorkommt, so hatte er wahrscheinlich noch einen Pfeil oder mehrere als strahlende Umgebung. Der Hutmacher Urban Schmidt schlug am 26. Mai seinen Nachbarn, Erhard Läuter, der ihn scherzend einen wendischen Hüter nannte, die volle Bierlase so heftig an die Stirn, daß man ihn mehrere Stunden für tot hielt. Der Täter flüchtete über die Stadtmauer, kam aber, als er von des Beschädigten Rettung hörte, zurück, und ward, außer vier alten Schocken Gewetten an den Richter, mit den Heilkosten und 25 Talern Strafe belegt. belegt. Der Rat kaufte, um ein zweites gemeines Backhaus zu haben, einen Raum von Gregor Engelberg in der alten Zscherne für 311/z Schock am 6. Juni und führte den Bau noch in diesem Jahre aus. Zugleich legte der Steinsetzer Donat Müller aus Eilenburg den Steinweg in der alten Zscherne und gaben die Hausbesitzer zu dem vor ihren Türen für die Rute 9 Groschen. Ein Schuhmachergeselle, Abraham Tausche aus Leisnig, stahl am 7. Juli des nachts aus einem Stalle des Archidiakon Planitz der Magd gehörige Kleider, ward in der Vorstadt ergriffen und auf das Geständnis, daß er tags vorher auch den Wildschützen in Dessau bestohlen habe, am 15. August mit dem Strange bestraft. Am 14. September stürzte der Bäckergeselle Christoph Stolle aus Pulsnitz von einem Nußbaum und blieb auf der Stelle tot. Um Michaelis zeigte sich eine ansteckende Krankheit, nach der Beschreibung und den in Anwendung gebrachten Heilmitteln wohl die Pest. Aus den umliegenden Dörfern fand sie sich bald in der Vorstadt ein und ergriff trotz der Torwachen auch die Stadt. Man traf hinsichtlich der Krankenpflege und Begräbnisse die früheren Einrichtungen und sagte den Besuch des Herbstjahrmarktes ab. Mehr als 100 Personen wurden in den wenigen Herbstmonaten hingerafft. Am 25. November starb auch im 80. Lebensjahr der gelehrte, vielseitig nützliche und allgemein schmerzlich vermißte Bürgermeister Balthasar Költzsch, dessen 49jähriger Amtstätigkeit die Stadt. unmittelbar und mittelbar das meiste verdankte, was ihr unter den Städten gleicher Größe damals ein Ansehen gab. Zwei Diebe wurden gehängt. Die Gemeinde Gertitz blieb in diesem Jahr mit der Fron des Holzhauens verschont und bezahlte dafür 11/4 Schock. Ein Scheffel Weizen galt nach der Ernte 20, Roggen 18, Gerste 8, Hafer 7 und 8 Groschen. Der Bürger Peter Schmidt, welcher Delitzsch verlassen und vier Jahre den Schuldienst in Gollma versehen hatte, mußte, als er zurückkam, das Bürgerrecht von neuem gewinnen und bezahlen. Der Rat gab folgenden Bürgersöhnen zu Förderung ihrer Studien besondere Unterstützungen: 1. Andreas Molitor (Sohn des Müllers) Student in Leipzig 2 Schock 6 Groschen; 2. Stephanus Kisch.. jetzt auf der Schule in Magdeburg, später Amtsschreiber in Freiberg, 1 Schock 45 Groschen; 3. Andreas Schreiber, jetzt in Eisleben, von 1576 ab Student in Leipzig, 1582 Magister, 1583 Pfarrer auf dem Berge vor Eilenburg, 1589 in Löbnitz, 1592 in Döben, wo er am 5. April 1603 starb, 1 Schock, 45 Groschen; 4. Petrus Planitz, dem Sohn des Archidiakon Planitz, welcher in Halle, Leipzig studierte, in Wittenberg das Magisterium erlangte, und 1595 als Stadtschreiber zu Saalfeld in Preußen kinderlos starb, ebenfalls 1 Schock, 45 Groschen.


1576

In der Nacht zum 1. Januar starb der Superintendent Magister Esaias Döring. Kränklich, hatte er sich während seiner kurzen Amtsführung so wenig bemerklich gemacht, daß ihn sein späterer Amtsnachfolger Dr. Löscher in seinem Verzeichnis hiesiger Superintendenten, welches er seiner Abzugspredigt beidrucken ließ, gänzlich überging. An seine Stelle brachte das Konsistorium den in Leipzig lebenden Bakkalaureus der Theologie, Mr. Johann Seliger in Vorschlag, welcher am 15. Januar mit Beifall predigte, am 17. vom Rate die Vocation, am 11. Februar die Bestätigung erhielt und am 27. August von Dr. Nicolaus Selnecker in Leipzig eingewiesen ward. Am 4. Februar des Nachts brachen drei Diebe, Elias Mebes, ein Schneider von Halle, Lorenz Bettmann, ein Zimmergeselle von Poritzsch, und Hans Freiburg aus Schlesien, nachdem sie mit einer auf dem Gerberplan entwendeten Leiter die Stadtmauer überstiegen hatten, in die Häuser des Urban Kirchhof und Hans Süssemilch, raubten Kleider, leinenes Gerät etc., wurden aber von den Wächtern ergriffen und nach gütlichen Geständnissen wiederholter Räubereien und fruchtlosen Versuchen, die Gefängnisse der Lauke, des Hallischen Turmes und Turmes am Bauhofe zu durchbrechen, am 21. März mit dem Strange hingerichtet. Ihre Bekleidung bei der Hinrichtung war ein Leibrock und Puffjacke von schwarzer und Streiflinge (Beinkleider) von weißer Leinwand. Die Diakonen, welche sie einige Tage vorher besuchten und nach dem Richtplatze begleiteten, erhielten beide einen Taler, was bisher nicht gewöhnlich war. Auf Anregung der Stadt untersuchte der Amtssehösser Gregor Fiedler als Kommissar mit drei geschworenen Müllern von Leipzig und Bleesern den Loberbach und ward festgesetzt, daß er bis Johannis dieses Jahres vom Ursprunge bis Lemsel zwei Ellen breit und eine Elle tief, von da an aber drei Ellen breit von denen, deren Eigentum er berührt, gegraben und so fort erhalten werden müsse. Die Reinigung der Beiquellen und Beiflüsse um Podelwitz überließ man denen, die sie nutzen wollten und sprach die Angrenzenden davon gänzlich frei. Am 30. April fand der in Döbernitz gestorbene Rittmeister Friedemann von Selmnitz in der Kreuzkapelle hiesiger Stadtkirche sein Grab. Er war am 7. April 1532 auf dem Gute Westgreußen geboren, welches der Vater Hans von Selmenitz, ein der lateinischen Sprache und Rechtswissenschaft ziemlich kundiger Mann, nachdem er das Stammgut Vitzenburg an Joachim von Lichtenhain abtreten müssen, für 1000 Gulden angekauft und durch glücklichen Waidbau merklich gebessert hatte. Den ersten Unterricht gab ihm die Mutter, Catharina geborene Näsin, Tochter einer von Brühl, in Gemeinschaft mit dem Lehrer des Ortes, den späteren von 1544 an die Schule in Nordhausen, welche er jedoch, als er sich waffenfähig fühlte, verließ und nicht nach dem Sinne des Vaters der Rechtswissenschaft, sondern nach eigener Wahl dem ritterlichen Leben den Vorzug gab. Er diente vor Metz unter dem Grafen Günther von Schwarzburg, in den Niederlanden gegen Frankreich und Spanien mit Auszeichnung und nahm später gleich rühmlich an dem Türkenkriege in Ungarn teil. Nach dem Frieden vermählte er sich mit Magdalena Catharina, einer Tochter Ernst von Schönfelds auf Löbnitz, des Freundes Luthers, und trat nach einem kurzen Aufenthalt am Hofe zu Halle als Rittmeister in den Dienst des Kurfürsten August, bei dem er in großer Achtung stand. Seinen Sitz hatte er in Vehra, wo er am Blasenstein erkrankte und auf einer Reise nach ärztlicher Hilfe auf dem Gute seines Freundes Heinrich von Pak in Döbernitz am 28. April dieses Jahres, im 44. Lebensjahr nach schmerzlichem, aber kurzen Krankenlager entschlief. Die Kirche erhielt für die Grabstätte 20 Gulden. Sein Grab bedeckt ein liegender Stein, auf welchem zwar sein Bild in voller Rüstung leidlich erhalten, die Umschrift aber verschwunden ist. Das schönere Denkmal an der Sakristei, welches die Witwe von dem berühmten Christoph Walther in Dresden aus Pirnaischem Sandstein fertigen ließ, kam erst im Jahre 1584 zur Aufstellung und ein hier lebender niederländischer Maler, Hans Busmann, der wegen Religionsbedrückung seinen Geburtsort Mecheln verlassen hatte, gab ihm Vergoldung und Farbenschmuck. Er hinterließ die Witwe mit drei Söhnen im Kindesalter, die mit den Eltern in betender Stellung auf dem Denkmal abgebildet sind. Die Kirche gab am 18. Mai der Stadt Grimma ein Darlehen von 1500 Gulden mit Fürstengunst, welches erst nach zwei Jahrhunderten zurückgezahlt worden ist. Veit Letzner von Walsdorf bei Bautzen, welcher sich stumm stellte und dabei stahl, ward am 26. Juli zur Staupe geschlagen. Der langwierige Prozeß mit Heinrich von Pak wegen der Elberitzer Mark endete zwar zum Vorteile der Stadt, der Verurteilte stellte aber, vorgebend, der Rat habe 1569 einige Holzstämme unter seinen Gerichten hauen, wo sein Vieh gestanden, Anger und Flur in Elberitz, mit mehreren Stücken Vieh als rechtlich, behüten, auch sein Hofvieh in Laue von Gerlitzer Mark abtreiben und pfänden lassen, Rekonvention. Die Bitte der Geistlichen und Schullehrer um Gehaltserhöhung wegen der mit jedem Jahre im Preise steigenden Lebensmittel hatte bei den Visitatoren 1574 billiges Gehör gefunden und brachte man zu diesem Zwecke die Vererbung der kirchlichen Laßgüter in Vorschlag. Das Kon sistorium zog am 13. Juli diese Angelegenheit in Vorbescheid. Man überließ dem Rate die sechs Hufen, die er seit 1559 als Laßgut der Kirche besessen hatte, erblich und bestimmte die Zinsen des Kaufgeldes zu der gewünschten Gehaltserhöhung, die nach aller Ansicht unabweislich war. Die Kaufsumme betrug 1800 Gulden, dazu kamen 250 Gulden für Ablösung der auf den erkauften Hufen haftenden Zinsen und Lehngelder. Der Rat zahlte aber nur 250 Gulden, weil ihm das frühere Kaufgeld der 800 Gulden (s. 1559) zugute ging. Am 1. September traf der Blitz den breiten Turm, ward aber durch den Klingeldraht, den er zerstörte, glücklich abgeleitet. Auf dem Landtage in Torgau vom 2.-6. September waren der Bürgermeister Thomas Schmidt, George Tham und der Stadtschreiber. Der Kurfürst, persönlich zugegen, verlangte eine Türkensteuer und brachte eine Münzveränderung in Vortrag. Die Stände willigten die Tranksteuer auf sechs, die Landsteuer auf drei Jahre, vom Schocke jährlich 4 Pfennige. Bei Gelegenheit der Visitation 1574 war auch die Notwendigkeit der Erweiterung des zum Gebrauch der Leichenpredigten und Reden in der Frauenkirche bestimmten Raumes zur Sprache gekommen. Der Rat ließ daher die bisher Chor und Schiff trennende Scheidewand wegnehmen, in der Mitte des Schiffes durch den Maurer Lorenz Gemeiner eine neue aufführen, das dadurch gewonnene Stück mit dem Chore zugleich tünchen, mit einer Türe versehen und die kleinen, unscheinbaren Fenster vergrößern und ausschweifen. Das Steinpflaster der Hintergasse ward mit gewöhnlicher Beihilfe der Hausbesitzer umgelegt. Am 14. November, früh zwischen drei bis vier Uhr, brannten in Gertitz die Güter des Seb. Schröter, Andr. Laue und Casp. Brand nieder. Die Veranlassung des Feuers war nicht zu ermitteln und erhielten die Verunglückten außer der Kollekte 7 1/2 Taler aus der Kämmereikasse Unterstützung. Von der Witwe des Bürgers Ambrosius Sachse, Anna, welche am 4. Dezember .starb, kam an den Gotteskasten ein Vermächtnis von 50 Gulden, dessen Zinsen an arme Schüler, so in der Kurrende laufen, Ostern und Michaelis verteilt werden sollten. Die ansteckende Krankheit des vorigen Jahres, in den umliegenden Städten verbreitet und gefährlich, war hier auf wenige Häuser der Vorstadt beschränkt und mild. Doch behielt man aus Vorsicht die Torwachen und sagte den Herbstmarkt ab. Burkard Focke in Gertitz, der wider die Dorfordnung mehr als 12 Paar Tauben hielt, gab 21 Groschen Strafe. Dem kurfürstlichen Musikus Georg Förster, welcher dem Rate eine Messe von 5 Stimmen zuschickte, verehrte man 3 1/2 Taler und 6 Taler dem Rektor Vincentius Sturm in Bitterfeld, der dem Rate das von ihm vermehrte Promtuarium exemplorum des Pfarrers Andreas Hohndorf in Droyssig (mit schönen Figuren gezieret) zuschrieb. Auf kurfürstliche Verordnung brachte man für die gebirgische Stadt Altenberg, wo am 14. August durch Unvorsichtigkeit des Gesindes nachmittags 1 Uhr ein Feuer ausbrach, welches binnen zwei Stunden die Kirche, das Rathaus, sämtliche geistliche Gebäude und 112 Wohnhäuser gänzlich zerstörte, auch für Leinbach bei Rudolstadt, wo durch Verschuldung zweier unmündiger bösartiger Buben in einer Stunde alles bis auf vier kleine Häuser niederbrannte, auf Zuschrift des Grafen von Schwarzburg mehrere Schocke in Kollekten aus. Die Dörfer Nösselwitz, Pohritzsch, Serbitz und Zaasch gaben jährlich 13 Scheffel Zollgetreide an die Stadt. Ein Scheffel Weizen galt 16 Groschen, der Scheffel Roggen ebensoviel, Gerste 6, Hafer 8 Groschen. Die Ernte dieses Jahres war aber so reichlich, daß der Preisum Weihnachten schon fast zur Hälfte gesunken war.


1577

Der Rat in Brehna nahm den Benachbarten um Brehna auf offener Straße hiesiges Bier weg, welches auf Beschwerde schriftlich vermittelt ward. Colenz, ein Tischler und Hausgenosse auf dem Damme und seine Ehefrau verleiteten die Tochter des Pfarrers Johann Teichmann zu Hohenteiche Margarete zur Unzucht mit Zacharias Scheiding von Storckwitz, lockten das Mädchen auf dessen Anstellung unter dem Vorwande, daß sie einen angenehmen Dienst für sie wüßten, auf ihre Stube, tranken ihm zu und überließen sie des Verführers Zudringlichkeit. Beide wurden nach Staupenschlag des Landes ewig verwiesen, das Mädchen traf eine zeitige Gefängnisstrafe, der eximierte Verführer kam wahrscheinlich ungestraft davon. Unter der Frühpredigt am Sonntag, dem 21. April, veruneinigten sich zwei angebliche Söldner, Joachim Müller von Jeßnitz und Georg von Bressel in Veit Friesens Hause, wo sie des Nachts geherbergt hatten und ward Müller, der, etwas angetrunken, sich schlechterdings nicht begütigen ließ, sondern den Georg zum Schlagen mit der Wehr nötigte, von diesem, der seine Wehr zerschlagen und nicht mehr weichen konnte, mit einem Federspieße, den er seinem Weibe aus der Hand riß, durch einen Stich nahe der Herzgrube auf der Stelle getötet. Der Täter entkam durch die Flucht. Am 11. Mai übernachtete hier der Kurfürst auf dem Schlosse, dem der Rat mit Würzburger Wein im Werte von 22 Talern seine Verehrung bewies. Der Landsknecht mit den Bürgern der Stadt nahm am 1. Juni in Kletzen das eingelegte Eilenburger Bier weg. In Wolf Müllers Miethause auf dem Damme brach am 4. Juni in der Mittagsstunde Feuer aus, welches aber schnell gelöscht ward. Sämtliche Geistliche und Schullehrer der Diözese stellten sich auf Befehl am 22. Juli in Leipzig, wurden von den Doktoren Jakob Andreä und Nikolaus Selnecker mit der Konkordienformel bekannt gemacht und zur Unterzeichnung aufgefordert, die sie auch leisteten. Sie blieben drei Tage und die Kirche gab den Hiesigen 4 Schocke, 14 Gr. 1 Pfg. Auslösung. Die diesjährige Räumung des Stadtgrabens, welcher 2008 Ruten 3 Eilen hielt, verdingte man für 585 Taler, die Rute zu 7 Groschen. Weil man aber den Schlamm wider Erwarten 2 bis 3 Ellen tief fand, mußten 144 Taler 4 Gr. 8 Pfg. nachgezahlt werden. Das Schlammgerät hielt der Gräber. Überdies gab man ihm noch 10 Taler zur Winterzehrung und seinen Leuten 1 Faß Delitzscher Bier. Zu gleicher Zeit hob man auch den Graben an der Wiese der Elenden (Stadtschreiberwieschen) vor dem Hallischen Tore, 14 Ruten lang und bezahlte 7 Gr. Lohn. Oswald Großen, der wider des Rates Verbot die Wochenmärkte in Zörbig bezog, wo es des Sterbens wegen gefährlich war, bestrafte man mit 12 Groschen und sagte aus demselben Grunde nicht nur dieser Stadt, sondern auch Torgau den hiesigen Herbstmarkt auf. Von Christof Berger am Sauhofe, Num. 55 der Holzgasse, kaufte die Stadt einen Raum hinter dessen Hofe zu Anlegung einer Kalkhütte für 7 Schock. Dagegen überließ man ein Stück des alten Mühlplatzes an der Pforte (das Spitzlein der alten Mühle) für 1 1/2 Schock an den Besitzer des ersten Hauses im 4. Viertel (Num. 202) Gregor Döring, der sein Haus damit vergrößerte und die gerade Richtung der Gasse zur Pforte unterbrach. Auch verkaufte der Rat die im vorigen Jahre von der Kirche erblich erlangten Felder auf Gerlitzer Mark und belegte sie mit Erbzins, Lehngeld und Dienst. Der Hutmacher Urban Schmidt, welcher mit Clara, Jakob Marskarts Tochter, Ehebruch begangen, flüchtete, kam aber zurück, erhing sich an einem Apfelbaum des Beckerschen Garten im Rosental und ward von dem Abdecker im Felde vergraben; tages darauf aber, am 13. August Georg Schindler durch das Amt mit dem Schwerte hingerichtet und dessen Hure mit Staupenschlag ewig verwiesen. Am 10. November abends erschien gegen Mitternacht ein Komet, welcher bis 12. Januar des künftigen Jahres sichtbar war. Der Schlag des inneren breiten Tores, an welchem der Strick riß, schlug die Tochter des Tischlers Bergmann nieder, die vom Chirurg Heinrich Schmidt für tot angenommen, aber glücklich hergestellt ward. Das Arztlohn, welcher der Rat bezahlte, betrug 1 Taler. Das Pfarrholz im Rosentale, welches die Amtsvorgänger übermäßig angegriffen und entblößt hatten, gab das Bedürfnis nicht mehr und entschädigte man, bis zu dessen Erholung, den Superintendenten Seliger mit einer jährlichen Zulage von 5 Schocken 15 Groschen aus dem Kirchenvermögen. Das Rittergut Löbnitz schuldete der Kirche ein altes Kapital von 100 Gulden mit 50jährigen Zinsrückständen. Dieses Kapital ward endlich nach langen vergeblichen Erinnerungen und Klagen, denen man die Verjährung entgegensetzte, durch Vermittlung des Konsistoriums von Georg von Schönfeld, dessen Brüdern und Mitbelehnten mit 125 Gulden, der Goldgulden zu 261/4 Groschen gerechnet, abgezahlt, die Zinsen aber mußte man fallenlassen. Zu Sammlung des Almosens in der Leichhalle der Kirche bei Wirtschaften (Hochzeiten, Trauungen) bediente man sich bisher eines Beckens. Weil man aber mit diesem allerlei Unrat, Faxerei und Leichtfertigkeit trieb, schaffte die Kirche zu diesem Zwecke ein schwarzes Kästchen mit eisernem Beschlag an. Die Krankheit der vorigen Jahre, im Herbst wieder bemerkbar, ergriff nur wenig Häuser und war für die Erkrankten in der Regel ohne Gefahr. Der Scheffel Weizen galt 10, Roggen 7, Gerste 4 Groschen und Hafer ebensoviel.


1578

Der Weg nach Schlaiz (Schladitz) ward mit dem Rutenrade gemessen und die Entfernung bis zu dortiger Schenke betrug 3/4 Meile. Heinrich Pak auf Döbernitz bot dem Rate durch die Miltitzer auf Schenkenberg und Otto Spiegel auf Neuhaus seine Rittergüter Beerendorf und Laue zum Verkaufe an. Man besichtigte sie mit Zuziehung tüchtiger Ökonomen, verhandelte auch darum in Leipzig, wo man sich mit Rechtsgelehrten beriet und war zum Abschlusse fertig. Es zerschlug sich aber der Handel wider beider Teile Absicht, doch zum Verdrusse des Rates, dem es hauptsächlich um die Spröde und Hutung zu tun war und gerade jetzt an Gelde nicht mangelte. Mehrere Ratsmitglieder reisten auf Befehl des Kurfürsten nach Dresden, wo sie vom 19. bis 24. Februar blieben und mit den übrigen Ständen eine neue Tranksteuer, das Ungeld bis 1582 willigten, welches von der Kanne Wein 2 Pfennige, von der Kanne Bier einen Pfennig betrug und neben der großen Tranksteuer gegeben werden mußte. Ihre sechstägige Abwesenheit verursachte außer den Fuhren 29 Taler Aufwand. Am 5. März ward Benedict Partei, ein lediger Gesell aus Hohenossig, bei dem Amte wegen Mordes in Untersuchung und Haft, mit dem Rade gerichtet. Der regierende Bürgermeister Balthasar Franz, früher Kantor und Stadtschreiber, starb am 4. April im 78. Lebensjahr. Er gehörte zu den vorzüglichen Beamten und die Stadt bewies durch ein ausgezeichnetes Begräbnis am 6. und dadurch, daß sie die Kosten des Leipziger Arztes Dr. Mos back, welcher den Kranken behandelt hatte, übernahm, ihre Dankbarkeit. Die Kirche erhielt nach seiner letztwilligen Verordnung ein Schock. Die Gemeinde Gertitz, welche in der Mark zu Schaden hütete, auch die Trift zur Ungebühr erweiterte, gab 10 Taler Strafe und ebensoviel die Witwe Hintzsche, bei der zweimal Feuer auskam; dem Blasius Escher aber, der bei seiner Hochzeit übermäßige Pracht trieb und noch einmal so viel Tischgäste hatte, als das Gesetz erlaubte, ward eine Buße von 15 Talern auferlegt. Am 27. April bemerkte man wiederholte starke Erderschütterungen. Der Bau des neuen Hirtenhauses kostete 39 Schock. Gegen Hans von Scheiding auf Wölkau, der schon im vorigen Jahre dem Gesinde erlaubt hatte, auf der Wiese der Naundorfer Mühle zu bleichen und eine Hütte anzulegen, auch in diesem Jahre der Stadt in ihre Gerechtsame griff, sowie wegen des übermäßigen unbefugten Brauens auf dem Lande, beschwerte man sich unterm 15. Juli mit Erfolg bei dem Kurfürsten, zu welchem Erfolge namentlich die lästige Steuer des Ungeldes günstig war. Das junge Eheweib des Zieglers Culmann, Gertrud, des Ehebruchs verdächtig, entfernte sich von Zeit zu Zeit. Ehemann und Mutter, die man wegen ihrer öfteren Abwesenhei befragte, zeugten gegen sie, sie ward daher, als sie am 20. September sich wieder sehen ließ, vorgeladen und da sie das Verbrechen gestand, gefänglich angenommen. Das eingeholte Urteil brachte ihr das Schwert, es sollte am B. Januar künftigen Jahres vollstreckt werden, das Grab für sie war fertig, als sie im Halsgericht noch andere Teilnehmer an dem Verbrechen angab, der Prozeß sich erweiterte und das Urteil erst am 20. Juli 1580 zur Vollziehung kam. Auffallend erscheint dabei, daß die Mitverbrecher, welche leugneten, infolge des Urteils, unter anderem eines von dem Schöppen des Gerichts auf dem Berge vor dem Rolande zu Halle durchkamen und des Ehemannes Eintreten, welcher der Schuldigen verzieh, erfolglos blieb. Am 17. November entstand hier ein Feuer in dem zu Num. 137 gehörigen Miethause des Organisten Tornau in der Schloßgasse, welches, durch augenblickliche Hilfe gedämpft, ohne Schaden blieb. Der Eigentümer gab, da er kurz vorher erst zum Besitz gekommen und die Gefährlichkeit der Feuerstätte nicht kannte, nur 1 Schock 6 Gr. 3 Pfg., die Hälfte der Strafe. Am 28. November ward ein junger Mensch, Thomas Leibnitz, aus der Gegend bei Grimma wegen Dieberei mit dem Strange hingerichtet. Die Krankheit der vorigen Jahre beschränkte sich auf ein einziges Haus und verlor sich ganz. Andreas Molitor [Müller], s. 1575, ließ sich mit einer Predigt hören, daraus man seinen großen Fleiß erkannte und verehrte ihm der Rat 3 Taler. So viel gab man auch dem Sohne des gewesenen Pfarrers zu Selben, Laurentius Müller, Bernard Müller, der in Delitzsch erzogen, sich Delicianus nannte und dem Rate ein Carmen de natali Christi dedizierte. Das Stipendium der Commende Trinitatis aber, 8 Schock, 45 Gr. an Betrag, hatte Valentin Hegner, der Sohn eines hiesigen Hufschmiedes, gleichen Namens, geboren am 9. März 1555, welcher seit vorigem Jahre in Leipzig Theologie studierte, später hier Kantor und Ratsherr war. Der Scheffel Weizen galt 10, Roggen 6, Gerste 4 1/2, Hafer 5 Groschen. Der Rat verpachtete die Naundorfer Mühle mit vier wüsten Gärten, gehörigen Kabeln, Wiesewachs niederwärts der Mühle, einer Hufe und einer Breite Feld an Georg Leubel auf drei Jahre. Das jährliche Pachtgeld betrug 25 Schocke 36 Gr., als: 40 Gulden Geld, 50 Scheffel Weizen zu 10 Gr. und 28 Scheffel Korn zu 7 Gr. über die 72 Scheffel Korn jährlicher Abgabe an das kurfürstliche Amt. Die Mühle hatte drei Gänge und lieferte der Rat zwar zum Gerinnicht und allen anderen Grund- und Wassergebäuden das Bauholz, Räder, Wellen, Schaufeln, den Bau selbst aber mußte der Pächter auf eigene Kosten besorgen, auch die Schmiedearbeit allein übernehmen sowie den Ankauf der Steine, deren Anfuhr man jedoch vergütete. Auch überließ man ihm die Weiden am Damme zur Benutzung und Erhaltung der Zäune.


1579

Am 6. Februar entzündete sich in der Wohnstube des Jacob Knobloch Gerät am Ofen. Die Familie war abwesend, die Nachbarn erbrachen aber die Tür und dämpften die Flamme, ehe sie um sich griff. Auch am 18. Oktober nachts um ein Uhr brach in dem Miethause Schöpfers auf dem Damme durch Unvorsichtigkeit der Hausleute Feuer aus, welches durch die schnelle Hilfe der Nachbarn außer den unvermeidlichen Zerstörungen im Hause weiter keinen Schaden tat. Der Rat gab den neuen Schützen zu ihren Übungen Vorteile, Gewinne, für dieses Mal ohne Versprechen für die Zukunft. Am 5. Mai kam Johann Trautmanns Eheweib mit Drillingen nieder, die tags darauf früh 4 Uhr, Adam, Eva, Ursula getauft wurden, am 11. aber verstarben. Der etwas trunkene Töpfer Andreas Rulz aus der Grünstraße erregte am 30. Juni in der Vorstadt durch eine Balgerei mit dem Bauer Matthäus Jommer ans Benndorf, wobei er das Messer zog, einen Auflauf, flüchtete, als der Fron Caspar Herold mit der Wache kam, nach dem Galgtore und ging, als er dieses geschlossen fand, in der Trunkenheit nicht übersteigen konnte, mit dem Messer auf die Wache los und veranlaßte den Fron, daß er übereilterweise die Wehr zog und den Andringenden mit zwei Stichen in den Leib auf der Stelle tötete. Der Fron entschuldigte sich zwar mit der Notwehr, ward aber durch ein zweites Schöppenurteil nach Läuterung des ersten auf drei Jahre des Landes verwiesen und zu 59 Gulden Kosten verurteilt. Man verwandelte die Verweisung in Gefängnis und erleichterte ihm auch dieses wegen seiner Schwermut. Der Teich der alten Mühle, auch alte Tränke, alte Wäsche genannt an der Pforte, ein übelriechender Sumpf, ward durch Ausfüllung und Belegung mit Steinplaster der dahinführenden Mühlgasse durch den Steinsetzer Donat Müller aus Eilenburg verhältnismäßig gehoben. Der Rat bezahlte ihm 63 Ruten, die Rute mit 7 Groschen, das übrige die anwohnenden Hausbesitzer. Die Kommissarien versuchten es, den Rät mit Alexander von Miltitz aufSchenkenberg wegen Beleihung der Naundorfer Mühle, der streitigen Grenze des Kosebruchs und der Loberfischerei bei Benndorf zu vergleichen. Es gelang aber nicht und der Prozeß hatte seinen Fortgang. Auch mit dem Besitzer der Benndorfer Mühle geriet man wegen der Fischerei im Mühlteiche; die er sich erlaubte und mit dem Eigentum der Mühle erlangt zu haben glaubte, in Streit. Für die Frauenkirche fertigte der Tischler Michael Schulze auf des Rates Kosten einen neuen Predigtstuhl auf einem gemauerten Pfeiler an der Mitternachtsseite des großen Gewölbebogens, welcher dabei des beschränkten Raumes wegen etwas verbrochen ward. Auch brachte man neue Stühle und ein Pult dahin, mit welchen denn die Einrichtung der kirchlichen Abteilung des Gebäudes endete. Der Rat behandelte zwar die Beerendorfische Spröde, aber auch dieser dem Abschluß nahe Händel ging durch Einmischung unbehilflicher Berater zurück. Durch häufige Regenfälle und Kälte mißriet die Ernte und die vorjährigen auch, Anfang dieses Jahres sich billig haltenden Getreidepreise erreichten schon im August eine. unbillige Höhe. Vom 12. bis 17. September waren zwei Ratsherren mit dem Stadtschreiber in Dresden, wo man einer Getreidesteuer, vom Scheffel 6 Pfennige, welche der Käufer zahlte, willigte, und das Scheffelgeld auch Aufgeld vom Getreide nannte. Am 26. Dezember starb Johann Luppe, Ratsherr seit 1574. Man gab dem Andreas Schreiber (s. 1575) zu Erlangung des Baccalaureats in Leipzig wegen seiner Frömmigkeit und ausgezeichneten Fleißes eine Unterstützung von 3 1/2 Schock. Sämtliche Bottiche der Brauhäuser wurden mit dem Eintritte des Herbstes wegen Gleichheit des Gusses abgemessen und geeicht.


1580

Die antretenden Herren des Rates faßten bei Ablegung des Eides ein Kruzifix, auch war dabei ein Tuch von grünem Kartek [ein feines wollenes Gewebe] mit. seidenen Troddeln und Futter von rotem Schetter [ein leinenes geglättetes Gewebe] im Gebrauch. Das Schützenhaus am Hospital ward umgebaut und schenkte der Rat der Gesellschaft 6000 Steine, auch gab er den jüngeren Schützen 2 ½ Täler zu Vorteilen bei ihren Übungen. Der Plattner Heinrich Klinge zu Braunschweig lieferte zur Leipziger Ostermesse 30 vollständige Harnische an den Rat. An die Stelle des Hausmannes Albrecht von Eilenburg, den man wegen seines Unfleißes absetzte, trat Herman Bertold von Halberstadt. Er war der erste, welchen man zur Kirchenmusik [auf die hohen Feste und sonst der Kantorei zur Zier neben dem Gesellen mit Blasen und Pfeifen in dem Figuralgesange sich brauchen zu lassen] verpflichtete. Man gab ihm für das Blasen vom Turme, Wachen und Seigerziehen von früh 3 bis abends 9 Uhr anfänglich 16, in der zweiten Hälfte des Jahres 18 Groschen wöchentlich, hielt aber für das Seigerziehen von abends 9 bis früh 3 Uhr einen besonderen Wächter um 3. Schock diesjährigen Lohn. Der hohe Preis der Gerste nötigte die Braugesellschaft, die Kanne Bier um einen Pfennig teurer zu geben, weshalb man bei den kurfürstlichen Kammerräten in Leipzig anfragte. Am 14. Juli starb im 93. Lebensjahr und 56. Amtsjahre der Bürgermeister Petrus Walter, ein Vogtländer, der in Leipzig studiert und das Bacca- laureat erlangt hatte, im Jahre 1524, die hiesige Rektorstelle annahm, aber wegen seiner wissenschaftlichen Bildung, Rechtlichkeit und Gewandtheit In schriftlichen Aufsätzen schon nach zwei Jahren in den Rat gewählt ward. Nicht weit vom Dorfe Gertitz fand man am 26. August den dasigen Gutsbesitzer Thomas Mebes mit wunderlichem Zeuge, als wenn er Feuer anzulegen willens gewesen und die Totengräber begruben ihn tages darauf an einer Wegscheide. Am 1. Oktober tötete Hans von Scheiding auf Wölkau Hans Dietzen von Benndorf beim Lerchenstreichen auf seines Vaters Acker in Benndorfer Mark. Der vom Rat eingeleitete peinliche Prozeß wurde aber auf Befehl des Kurfürsten, bei dem sich mehrere Kur-. und fürstliche Personen mit Erfolg verwendet hatten, gegen Zahlung von 150 Talern Kosten, die dem Rate erwachsen waren, eingestellt.. Der Bürger Jakob Süßmilch, welcher am 28. Oktober starb, beschied der Kirche letztwillig 100 Gulden, von deren Zinsen jährlich ein Tuch gekauft und an hausarme Leute verteilt werden sollte. Auf einer zwischen Rat und Amt streitigen Stelle der Gertitzer Mark fand man am 30. Dezember den 10jährigen Knaben das Matthäus Jungermann aus der Grünstraße tot, wahrscheinlich erfroren. Beide Gerichtsbehörden ließen ihn, im harten Winter, bei ungestümem Winde und Schnee die Nacht über liegen und bewachen. Joachim Hartmann von hier wünschte dem neuen Rate in einem gedruckten lateinischen Gedicht Glück und empfing 3, Daniel Scheuchler, auch ein Stadtkind, welcher für die Kantorei einen Gesang auf 5 Stimmen componierte 2, und dem Magister Johann Rivius, Professor in Leipzig für die Zueignung seines Opus locorum communium philosophicorum 6 Taler Verehrung. Ein Scheffel Weizen galt um Jacobi 1 Taler, Roggen 22 Groschen, Gerste 12, Hafer 9 Groschen.


1581

Bisher besorgte der Küster Nikolaus Roitzsch mit ungemeinem Fleiß den Elementarunterricht. Da er aber in hohem Alter stand, so beschloß man, ihm einen besoldeten zugleich auch musikalischen fünften Lehrer an die Seite zu stellen und wählte den hierzu vorzüglich geschickten Daniel Schuchler, der denn auch am 31. März von Leipzig, wo er studierte, anzog. Er war der Sohn des hiesigen Bürgers Erhard Scheuchler, geboren am 7. September 1555, ward 1584 vierter Lehrer, 1591 Mitglied des Rates und bald darauf Pfarrer zu Sandhausen in der Pfalz. Der Rektor Rhodius weigerte sich, die kurfürstliche neue Schulordnung unbedingt anzuwenden und es hielt deshalb der Superintendent, der Bürgermeister und Stadtschreiber mit Dr. Nikolaus Selnecker in Leipzig Rücksprache. Am 7. August nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr brach in Arnstadt bei dem Bürgermeister Hans Behrmanh, sonst Nebel genannt, der unvorsichtigerweise bei großer Trockenheit und Wind eine zwischen zwei Häusern liegende hölzerne Rinne mit Pech ausgießen ließ, Feuer aus. Da die Einwohner größtenteils auf dem Felde beschäftigt waren, griff es schnell um sich und legte in kurzer Zeit 366 Häuser mit allen Hintergebäuden, 64 Scheunen mit allen Vorräten, das gräfliche Vorwerk, das Rathaus, die Kirche mit steinernem Turm und Glocken, die Schule usw. in Asche. Mauern, Gewölbe und Keiler schützten nicht gegen die fürchterliche Glut. Viele, Einheimische und Fremde, verloren ihr Leben. Für diese Stadt und Gandersleben im Braunschweigischen, wo durch Feueranlegung über 100 Bürgerhäuser, Rathaus, Kaufhaus, die Marktkirche, der Stadtturm und Mauern zerstört wurden und viele Menschen ihren Tod fanden, brachte man auf kurfürstliche Verordnung starke Kollekten auf. Mehrere Besitzer der zum Gall Hartmannischen Schöppengute in Zschortau gehörigen Höfe auf Schweißermark glaubten sich unbeschränkte Eigentümer derselben und wollten sich Junker als Lehnsherren derselben suchen. Sie wurden aber durch den Rat und Amtsschösser, die deshalb eine Untersuchung an Ort und Stelle hatten, daß diese Höfe zu dem - Srhöppengute gehörten, sie dieselben nur als Laßgüter hätten, bedeutet, und dieser vermittelte Umstand in dem Amtsbuche vermerkt. Zu gleicher Zeit setzte man die Trift der Gertitzer aus ihrem Dorfe nach Weißig und anderen Marken fest und schrieb den Vertrag in das Amtsbuch. Das Torhaus am breiten Tore, die Brücken am breiten und Hallischen Tore, am Hospital wurden mit bedeutenden Kosten erneuert, 180 Ruten Graben an den Lehden vor der Spröde und 442 Ruten an der Straße nach Gertitz und Pfeffermühle gehoben, überdies aber auf die Baumanlage des Zwingers Ansehnliches verwendet. Wilhelm Gebler hatte am 2. November, als er von einer Hochzeit nach Hause kam, die Laterne in seiner Stube unverlöscht stehen lassen, die sich nachts gegen 3 Uhr entzündete und die Gerätschaften in der Nähe ergriff. Er wäre schlaftrunken mit seinem Weibe verunglückt, wenn nicht die Nachbarn die Tür erbrochen und die dem Bette schon nahen Flammen gedämpft hätten. Am 28. Dezember gab Hans Große in der Vorstadt den jungen Gesellen ein Viertel Bier, wobei ein Töpfergeselle Zschoch den Wagnergesellen Adam Böttcher mit einem Dolche in den Rücken gefährlich verwundete. Der Torwärter Georg Nagel, welcher dem Täter zur Flucht das Tor für ein geringes Trinkgeld öffnete, ward abgesetzt. Man bestrafte den Große, weil er durch sein unbefugtes Biereinlegen zu dieser Tat Anlaß gegeben mit einem Schock, den Christoph Oehmichen aber, welcher sein Gebäude anders anlegte, als es der Rat erlaubt hatte, mit 48 Groschen. Paul Seidel [Sohn des hiesigen Baders Seidel), welcher dem Rat seine Historia vitae D. Martini Lutheri verehrte, erhielt einen Täler Gegengeschenk, Andreas Schreiber aber wegen seiner Geschicklichkeit, Frömmigkeit und besonderen Fleißes zu Erlangung der Magisterwürde in Leipzig 7 Täler. Zur Bezeichnung der Gefäße des Lagerbieres ließ man zwei besondere Eisen mit dem Löwen fertigen. Der Scheffel Weizen galt im Juni 18, Roggen 15, Gerste 8, Hafer 5 Groschen. Der Prozeß mit dem Rittergute Schenkenberg wegen des Teiches im Kosebruch und der Loberfischerei bei Benndorf ward am 11. Dezember vor dem Oberhofgericht mit Bestimmung der Grenzen verglichen und der Vergleich in das Rezeßbuch dieses Gerichts eingetragen.


1582

Am 25., 28., 29. und 30. Januar maßen der Landrichter und die Amtsland Schöppen unter Aufsicht des Amtsschössers Gregor Fiedler und des Bauherren Adam Fiedler die Wege nach Kletzen, Freiroda, Gerbisdorf, Glesien, Hohenossig, Klepzig, Lehelitz, Rabutz, Reinsdorf, Reußen, Radefeld, Schladitz, Sietzsch, Werlitzsch und Wiesenena rutenweise. Man fand diese Dörfer, Rabutz und Klepzig ausgenommen, sämtlich in der Meile und der Amtmann erklärte den Bewohnern, daß er kurfürstlichem Auftrage nach das Privilegium der Biermeile hiesiger Stadt gegen sie schützen werde. Das Ergebnis der Messung ward in das Amtsbuch geschrieben. . Benedikt Spange, welcher 1580 seine Familie verlassen und wider des Landesherren Verbot fremde Kriegsdienste genommen hatte, mußte einige Zeit im Hallischen Turm sitzen und das verwirkte Bürgerrecht von neuem suchen. Mit Gefängnis im Turm und einem Schock an Gelde bestrafte man auch den Fleischer Urban Schmidt, welcher einem Bauer das Pfund Fleisch um 2 Pfennige teurer als geschätzt verkauft hätte und dessen überführt ward. Der Rat fuhr am 18. Mai nach Benndorf und ließ daselbst, sein erlangtes Recht geltend zu machen, im Lober unter seiner Aufsicht fischen. In Landsberg verunglückten durch Feuer, welches am B. Juni in des Bürgermeisters Gregor Gebhards Gehöft ausbrach, binnen 1/2 Stunde 8 Höfe. Der Rat legte hiesiger Kollekte 1 Täler 4 Gr. aus der Kasse zu. Die Ratsherren Mr. Elias Fischer und Urban Franz fuhren am 22. Juni nach Eilenburg, um mit Utz von Ende auf Püchau, Hieronymus von Canitz auf Dalwitz den Streit zwischen dem Rate zu Düben und Hansen Spiegel zu Pristäblich wegen des Bierbrauens schiedsrichterlich zu vergleichen. Zwei Lauische Bauern, die auf Gerlitz hüteten, wurden gepfändet und gestraft, auch pfändete man den Hirten von Schenkenberg, welcher dem Vergleich entgegen über die Grenze im Kosebruch hütete, eine herrschaftliche Kuh ab. Neu baute man die Brücke des Kohltores, versetzte den Viehstall der Stadtschreiberei, welcher durch Wasser der nachbarlichen Besitzung abendwärts schadete, nach der Mauer gegen Mittag, erneuerte und verschönerte die Decke der großen Ratsstube und belegte den Fußboden des Gewölbes (Archivs) mit eigens dazu geformten Ziegelplatten. Heinrich von Pak auf Döbernitz, der nach seiner Leipziger Breite eine neue Trift über den Elberitzer Anger bei des Bürgermeister Költzsch Garten und rotem Steine in die Leipziger Straße, über Rubach und Elberitz angelegt hatte, welche der Rat bestritt, brachte auf kurfürstlichen Befehl eine Kommission aus, und wiesen ihm zwar die Kommissarien Abraham Ring aus Brehna und der hiesige Schösser am 20. Juli nach genauer Erwägung der Umstände eine andere an, er nahm sie aber in Bedenken. Den Besitzern der Rittergüter Döbernitz, Neuhaus und Schenkenberg wurde unter dem 24. Juli durch die kurfürstlichen Kommissarien Georg von Schönfeld und hiesigen Schösser bedeutet, gegen der Stadt Privilegium [der Biermeile, des Bierschenkens und Abführens] nichts vorzunehmen oder ihren Untertanen Beeinträchtigungen zu verstatten, die sie rechtlich zu begründen nicht vermöchten. Der Papst Gregorius XIII., welcher den bisherigen, auf einer unrichtigen Jahreslänge basierten, der wahren Zeit um mehrere Tage voreilenden Julianischen Kalender durch Astronomen berichtigen lassen und in allen christlichen Ländern eingeführt wissen wollte, schickte ihn in dieser Absicht auch auf den diesjährigen Reichstag, wo er aber zu spät eintraf. Mehrere Stände hatten sich schon entfernt und des Kurfürsten von Sachsen Bedenken hinderte, daß er bei den übrigen zur Sprache kam. Die Bedenklichkeiten, die er äußerte, waren zwar protestantisch, aber für Ansehen und Ehre des Reiches nicht gleichgültig. Er behauptete, daß die bisherigen Kalender-Änderungen und Verbesserungen, selbst der conciliarische Kanon des Osterfestes nicht durch Päpste, sondern durch die Machthaber des Reiches bewirkt worden seien, ihre Nachfolger daher sich nichts vergeben dürften, bemerkte dabei die höchstnachteilige Verwirrung gewerblicher, rechtlicher und kirchlicher Verhältnisse als unausbleibliche Folge einer unvorbereiteten, übereilten Hingebung, erhob die Nützlichkeit einer vorläufigen Erwägung örtlicher Beziehungen und schlug zu Beratung eines nach seiner Ansicht so wichtigen Gegenstandes den nächsten völlig besetzten Reichstag vor, wohin denn auch die Sache verwiesen ward. In den Ländern päpstlichen Einflusses geschah die Annahme dieses [Gregorianischen) Kalenders, welcher das gegenwärtige Jahr um 10 Tage, vom 4. Oktober ab gerechnet, verkürzte, natürlich sogleich. Der Protestantismus aber, durch jesuitische Umtriebe und Verfolgungen erbittert, wies ihn wie jede Annäherung an Rom auf das Entschiedenste zurück, obwohl er seinen Wert wohl erkannte. Am 18. November starb der regierende Bürgermeister Johann Burgmann, Ratsherr seit 1564. Drei hiesige Bürgersöhne, Nikolaus Eckart, Peter Planitz und Ambrosius Taurerus, erlangten in Wittenberg das Magisterium und der Rat gab ihnen dazu eine Unterstützung an Geld. Von den Besitzungen bei der Naundorfer Mühle gab der Rat 4 Taler Lehngeld von den vier wüsten Gärten mit zugehörigen Kabeln Wiesewachs an das Rittergut Storkwitz und 19 Groschen, auch 24 Groschen statt 12 Hühnern jährlich als Erbzins dahin. 26 Groschen Erbzins von der Mühlhufe auf Naundorfer Mark zu Martini an Matthias Spiegels Erben auf Zschortau und 4 Groschen von der Breite zu dieser Hufe an die Kirche zu Delitzsch. Kollekten brachte man aus für Buchholz, Gorden bei Liebenwerda, Kindelbrück, Rockhausen bei Erfurt und Roßleben, die durch Feuer, Orkan und Unwetter große Verluste an Gebäuden, Vieh und Vorräten hatten. Der Scheffel Weizen galt 20, Roggen 18, Gerste 10, Hafer 8-6 Groschen. 121 Acker 50 Ruten Lehden auf Gerlitz wurden zu künftiger Hafersaat für 24 Schock 14 Gr. Lohn umgepflügt.


1583

Der Rat kaufte am 31. Januar von dem Bürger Hans Branz zum Bedarfe der Ziegelei eine halbe Hufe auf dem Sande zwischen George Kirchhofs und der Stadt Feldern für 220 Gulden. Sie hielt 11 1/2x Acker und etliche Ruten in drei Feldern, war mit 8 Groschen Erbzins belastet und unbesät. Dagegen verkaufte er von dem verbrauchten Ziegelacker 1 Acker 16 Ruten nämlich 1/2 Stück bei der Trift, 42 Ruten haltend und zwei kleine Stücken über der hintersten Windmühle von 34 Ruten, die man früher von Jost Otten und Johann Arndt getauscht, an den Bürgermeister Thomas Schmidt für 5 Schock 19 Groschen 2 Pfennige und 1 Acker 3 Ruten bei der Bergmühle gelegen an Georg Kirchhof für 4 Schock 22 Gr. 6 Pf., den Acker zu 12 Gulden gerechnet. Es kam Befehl zu fleißiger Musterung der Bürgerschaft und berichtete man am 29. April den Erfolg. Am 29. Juni starb der Superintendent Licentiat Johann Seliger und ward am 1. Juli in der Kirche beigesetzt. An seine Stelle kam auf Empfehlung des Konsistoriums der Superintendent in Borna Magister Martin Kirsten. Er wurde am 5. Februar des künftigen -Jahres von Dr. Nicolaus Selnecker mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten unter Anpreisung seiner Verdienste in das neue Amt eingewiesen. Am 7. Juli vormittags 10 Uhr brannten in Eilenburg auf dem Sande durch Verwahrlosung des Feuers beim Fischsieden 31 Wohnungen nieder und legte hiesiger Rat den an zwei Sonntagen in der Kirche und durch Umgänge in der Stadt gesammelten milden Beiträgen ein Schock aus der Kämmereikasse zu. Die kurz vorher hier am 1. Juli durch den Blitz entzündete, Scheune der verwitweten Bürgermeister Burgmann auf dem Damme, ging der Eigentümerin, die bald darauf starb, zwar verloren, die Verbreitung der Flammen aber ward glücklich abgewehrt. Der Rat baute in den Sommermonaten dieses Jahres eine neue Getreidescheune, den westlichen Erker des breiten Turmes und die große Stube des Rathauses mit ziemlichen Kostenaufwand. Der mit Schiefer gedeckte Erker erhielt zum Schmuck vier stark vergoldete kupferne Knöpfe und die Wohnung des Hausmannes (Türrner) Fensterkasten von Stein. Für die Decke der Ratsstube, welche der hiesige Tischler Thomas Bergmann mit vorzüglicher Kunst gearbeitet und mit Schnitzwerk, Rosen, Trauben und Löwenköpfen geziert hatte, zahlte man ihm 5 Taler über 65 Gulden bedungenem Lohn und sie erhielt sich mit der Jahreszahl 1583 bis in die späteren Jahre des 18. Jahrhunderts, wo sie der neueste Geschmack beseitigt hat. Franz Binder und Matthäus Schneuber schlugen sich mit geschliffener Wehr und zahlte Binder, welcher seinem Gegner mehrere Wunden beibrachte, auch die untere Röhre des linken Armes durchhieb, über die Gerichts- und Heilkosten 2 Taler 16 Gr. Strafgeld an die Stadtkasse. Durch häufige Regen und große Nässe mißriet die Ernte und der Rat mußte den Scheffel Roggen [Deputat der Fronen) mit 191/4, Wintergerste für den Samenbedarf mit 16 Groschen bezahlen. Die Stadt hatte sich zwar mit Alexander von Milütz auf Schenkenberg wegen der Grenzen im Kosebruch und der Trift dahin vor dem Oberhofgericht im vorigen Jahr vertragen, es entstanden aber, ehe man diese Grenzen durch Messung und Marksteine sicherte, neue Störungen, Übergriffe und Ansprüche, die endlich am 4. Oktober von den Kommissarien des Oberhofgerichts, Otto Spiegel zum Neuenhause, hiesigem Amtsschösser Fiedler und Hauptmann Wolf von Carlowitz mit Zuziehung des Amtsverwalters Georg Winckler von Eilenburg durch Messung beseitigt wurden. Miltitz erhielt vom Teiche am Kosebruch 5 Acker 15 Ruten und der Landrichter mit den Amtslandschöppen begrenzten am 18. Oktober diesen ihm zugemessenen Teil. Kollekten brachte man aus für Herzwalde, Schilda und Markkirchen. Sieben Stück gemeine Tuche verteilte man jetzt jährlich an arme Schüler und hausarme Leute aus den Stiftungen der Sebastian Sanderin, des Martin Koch, der Hans Krügerin, der Donat Findeisin, Heinrich Grünthalin und Lorenz Eckartin, am Werte 10 Schock 53 Groschen 6 Pfennige. Der Scheffel Weizen kostete 20, Roggen 13, Gerste 9, Hafer 8 Groschen. Die Vorsteher des Hospitals [Bürgermeister George Kirchhof und Johann Fischer] ließen von dem Tischler Thomas Bergmann, welcher sich im vorigen Jahre durch künstlerisches Schnitzwerk an der Decke der Ratsstube ausgezeichnet hatte, eine mit ähnlichen Verzierungen neue Kanzel in der Hospitalkirche fertigen, welche ohne Wandel noch besteht und die Tüchtigkeit ihres Meisters bezeugt. Die Anfangsbuchstaben des Namens der Vorsteher G. K. und J. F. mit der Jahreszahl 1584 sind auf einer kleinen mit Kruzifix versehenen Tafel im Seitenabteil angebracht.


1584

Hieronymus Casselmann aus Halle, des von Scheidingen auf Wölkau reisiger Knecht, forderte seines Herrn Schreiber und Kinderlehrer Hans Schlegeln aus Buttstädt, in des hiesigen Bürgers Jacob Knobloch Hofe auf bloße Wehr und tötete ihn durch einen unglücklichen Stich in die Brust. Die im vorigen Jahre erneuerte Ratsstube versah man noch mit einem messingenem Hängeleuchter, den man für 4 1/2 Taler in Leipzig kaufte und Gemälden auf Tafeln (die Kreuzigung, das kurfürstliche und Stadtwappen) durch 'den hiesigen Maler Hans Bußmann.. Derselbe Maler belegte das 'alte Kruzifix daselbst mit feinem Golde und färbte die Türen, die größere auf den Seiten mit Laubwerk, die kleinere des Gewölbes schlicht grün, wie sie sich unverändert erhalten hat. In der Kirche wurde das Denkmal des Rittmeister von Selmnitz neben und über der Sakristeitür aufgestellt. Peter Lichter aus Schmölln bei Altenburg, welcher am 9. Juni früh 6 Uhr in Peter Heidenreichs Hause ein schwarzledernes Wams und ein Paar Pumphosen von schwarzem Tuche stahl, ward gestäupt und des Landes verwiesen. Am 10. Juni starb der Bürgermeister Thomas Schmidt, früher Kantor und seit 1563 Ratsherr im 63. Lebensjahr am Nervenfieber. Er war, wie 1547 bemerkt ist, ein Stadtkind, Baccalaureus der Philosophie und ein nicht nur in den alten Sprachen, in der Mathematik, Dichtkunst und Musik, sondern auch in den Händeln bürgerlichen Lebens erfahrener, unermüdet tätiger und nützlicher Mann, dessen Verlust daher im allgemeinen schmerzlich empfunden ward. Die gefährliche Krankheit, an der er starb, griff schon im Februar dieses Jahres, der besten kostspieligsten Maßregeln ungeachtet, um sich und war im Mai schon allgemein verbreitet. Sie begann mit einem trockenen beschwerlichen Husten und ging schnell in Hirnentzündung über, die mit wenigen Ausnahmen tödlich war. Ganze Familien wurden ihr Raub, das Dorf Gertitz starb bis auf wenige Personen ganz aus und mehrere Bürger verließen, ohne für ihre Bürgerpflicht Vertreter zu stellen, ob dies gleich bei 10 Talern Strafe verboten war, die Stadt. Das Todesbuch dieses Jahres nennt 601 Verstorbene und unterlag dieser Krankheit auch die Witwe des Superintendenten Seliger und am 11. Dezember der Superintendent Mr. Kirsten, nachdem ihm wenige Tage vorher vier Töchter Elisabeth, Christiane, Sibylla und Marie von 15 bis 3 Jahren vorangegangen waren. Am 25. März starb der Bürgermeister George Tham. Er war hier geboren, von 1566 ab Lehrer hiesiger Schule und seit 1568 Ratsherr, verheiratet, aber ohne Kinder. Wegen seiner dem Rate, dem Gotteskasten und gemeiner Stadt lange Zeit treu geleisteten Dienste überließ man der Witwe Anna das angefallene Heergerät um einen geringen Preis. In den Sommermonaten dieses Jahres tünchte und weißte man die Stadtkirche mit dem Turme, welches wegen Beschränktheit ihres Vermögens seit der Vollendung des Baues unterblieben war. Der Rat gab hierzu 87 Taler 12 Groschen und 35 Taler dem Uhrmacher Horn aus Leipzig für Besserung der Kirchenuhr und Vergoldung der Hälfte der Mondkugel, welche durch ihn bewegt ward. Zu gleicher Zeit ward der Gottesacker an der mittätigen Seite mit einer neuen Mauer, Schwibbogen rechts und links des Eingangs und dieser mit gemaltem Tore und einer kleinen Tür versehen. Das Mauerwerk fertigte Lorenz Gemeiner und Georg Böhner, die steinernen Säulen zu den Schwibbögen lieferte für 24 Taler der Steinmetz Michael Schmidt aus Torgau. Auch die Kirche daselbst, bisher zur Hälfte noch Schütt- und Vorratshaus, richtete man nun ganz zum Gebrauche bei Leichenpredigten und Reden ein. Die Scheidewand, mitten im Schiffe der Kirche und die Treppe, welche von da nach den Getreideböden führte, ward weggenommen, die Treppe außerhalb angebracht und der hinzugekommene Raum mit zwei Fenstern, einer Tür und den nötigen Sitzen versehen. Die Leichenbegleiter traten während der Einrichtung der Kirche unter die neuen Schwibbögen. Noch baute man neben den kleinen Häusern für die Pesttotengräber und die Krankenwärter ein Lazarett für kranke Dienstboten und Leute ohne Besorgung, welche Baue ohne das Material an Steinen gegen 300 Taler kosteten. Lucas Gelicke, welcher acht Tage nach dem Tode des im vorigen Jahre gestorbenen Christoph Schöpfer mit dessen Witwe, Eva, Unzucht getrieben, sie geschwängert, 19 Wochen nachher geehelicht und bei der Hochzeit größeren Aufwand als das Gesetz erlaubt gemacht hatte, ward mit 26 Talern 6 Groschen oder 101/2 Schocken bestraft. Der Besitzer von Schenkenberg, Alexander von Miltitz, überschritt von neuem die im Kosebruch durch die Kommissarien abgemessenen Grenzen und es entstand abermals Prozeß vor dem Oberhofgericht. Das Rubacher Gericht ward erneut und der Hallische Steinweg an dem Garten des gewesenen Bürgermeisters Burkmann und an anderen Stellen von da nach der Stadt zu gebessert. Der Rat kaufte von Matthäus Brand in Gertitz eine Hufe Feld mit sechs Wiesen auf Gerlitzer Mark für 400 Gulden und überließ davon eine Wiese dem Thomas Hildebrand für 261/4 Taler mit 10 Groschen Zins und soviel Lehngeld. Auch ließ er dem Simon Parreidt einen Raum zwischen seiner und Thomas Hildebrands Scheune und belegte ihn mit 3 1/2 Gr. jährlichen Zins. Die Kirche aber vererbte zwei halbe Hufen auf Weißig, Laßgut, eine an den Gutsbesitzer Valentin Krabbes in Gertitz für 35 Schote, die zweite an Michael Brand daselbst für 521/2 Schock oder 150 Gulden. Am 3. Juli starb Jacob Saruschki, Ratsherr seit 1567. Er und seine am 26. Juli .1574 gestorbene Gattin. Walpurgis hatten schon 1555 in einer letztwilligen gegenseitigen Verfügung 100 Gulden dem Gotteskasten zu Bekleidung hausarmer Leute und Schüler und 100 Gulden dem Hospitale zu Unterstützung der Hospitaliten gesichert. Am Tage der Gedächtnisfeier der am l. Oktober am Nervenfieber gestorbenen Kurfürstin Anna, den 12. Oktober, nachmittags, wo alles in Trauer erschien, verteilte der Rat den Ratsherren, Viertelsherren, Fronen u. a. 99 Ellen schwarzen Kartek, den die Kämmereikasse mit 29 Talern bezahlte; die Schullehrer aber erhielten ihn von der Kirche. Den Städten Halle, Eilenburg und Düben wärd der Krankheit wegen der hiesige Allerheiligenmarkt abgesagt, hier aber, weil die Gefahr derzeit. vorüber war, gehalten. Die Zahl der Toten stieg zwar auch in diesem Jahre auf 196, doch waren sie größtenteils ein Opfer der ersten Monate des Jahres. Ein Stempel zu Bezeichnung der zinnernen Gefäße kostete 8 Groschen. Der Scheffel Weizen galt 13-17, Roggen 10-12, Gerste 8, Hafer 6 Groschen.


1585

Der Rat wünschte die Pfarrstelle mit dem Sohne des Dr. Nicolaus Selnecker, Mr. George Seinecker zu besetzen, schrieb deshalb am 10. Januar an den Vater und bat, auf den Fall, daß der Sohn zur Annahme geneigt wäre, um die Probepredigt. Er predigte am 13. Januar mit ungemeinem Beifall und erhielt sogleich ohne weitere Abstimmung die Vocation, welche am 24. Februar zugleich mit der ihm zugesagten Gehaltserhöhung von 25 Gulden bestätigt ward. Zur Verrichtung der nötigsten Amtsgeschäfte und Predigten kam er von Zeit zu Zeit von Leipzig, bis man die Amtswohnung gereinigt hatte, die er am 23. Juni bezog. Seine Einweisung erfolgte am 28. Juni durch den Wittenberger Superintendenten Dr. Polycarp Lyser in Gegenwart des Vaters und einiger Freunde, die der Rat anständig bewirtete. Am 23. Oktober entzündeten sich die Bohlen der Richterstube des Rathauses, die man sogleich löschte, die Stelle aber bewachen ließ. Joachim Rapsilber, Ratsherr seit 1569, starb am 2. November am Nervenfleber, das in der Umgegend verbreitet und gefährlich; hier nur noch auf wenige Häuser beschränkt war. Des Sterbens wegen ward die Obersteuereinnahme in Leipzig nach Wurzen verlegt und die hiesigen Steuergaben gingen dahin. Kollekten wegen Feuer brachte man aus für Dessau, Klitzschen und Triptis. Simon Parreidt, welcher gegen die Willkür einen Teil des Schuppendaches an seinem Hofe mit Stroh deckte, verbüßte es mit 9 Groschen. Die diesjährige Fischerei gab 36 Schocke Ertrag. Der Scheffel Weizen galt 22-20, Roggen 19, Gerste 16, Hafer 10 Groschen.


1586

Der 60jährige Kurfürst, welcher sich wenige Tage nach der Bestattung seiner Gemahlin auf Vermittlung des Kurfürsten. Johann Georg zu Brandenburg am 8. November vorigen Jahres in Torgau mit, der 13jährigen Tochter des Fürsten von Anhalt Joachim Ernst, Agnes Hedwig verlobt und am 3. Januar d. J. vermählt hatte, ward am 11. Februar auf der Moritzburg vom Schlag getroffen, nach Dresden gebracht und starb an diesem Tage noch. Die geheimen Räte., des neuen Kurfürsten Christian nahmen vom Amte und Rate am 11, 12. und 13. Mai die Erbhuldigung. Die Bewirtung hatte der Amtsschösser Fiedler, der Rat vergütete aber 117 Gulden 7 Gr. 9 Pfg. und hatte dabei noch mit Einrichtung des Rathauses, Anschaffung neuer Tische und Stühle bedeutenden Aufwand. Man verzehrte aber nach dem Rate gelegten Rechnung des Schössers 100 Pfund Rindfleisch, 3 gemästete Schöpee, 3 gemästete Lämmer, 4 Kälber mit Kleinoden, 57 Pfund Schweinefleisch, mehrere Schinken, Wurst, 7 Kapaunen, 35 alte Hühner, 32 junge Hühner, 4 gemästete Gänse, 27 Paar Tauben, 74 Pfund Karpfen, 52 Pfund Hechte, 20 Pfund Karauschen und Barsche, 2 Aale, 1 Lamprete, für 1 Taler 9 Groschen Krebse, 10 Schock Eier, 18 Pfund Speck, 31 Pfund Butter, 120 Pfund Pflaumen und getrocknete Apfel - überdies Bratfische, geräucherte Rindszungen, Pomeranzen, Limonien, Kapern, Kirschen, Mandeln, Rosinen, Konfekt, Nürnbergische Pfefferkuchen, dünne Kuchen, Holländische Käse, verschiedene Salate etc., für 4 Taler Brot und Semmeln und brauchte dabei für 10 Gulden 6 Gr. 6 Pfg. feines Gewürz. Auch für dieses Mahl schlug der Rat eine besondere Küche auf und verehrte den Räten noch 5 Eimer Rheinischen Wein, auch hiesiges Bier. Ein schweres Wetter, das sich am 16. Juli nachmittags gegen vier Uhr über der Stadt zusammenzog und sich mit Hagel entlud, zerschlug die meisten Fenster, beschädigte die Dächer und vernichtete Getreide und Grummet. Auch traf der Blitz den breiten Turm, doch ohne Entzündung, indem er durch den Klingeldraht, den er herabschlug, glücklich abgeleitet ward. Die Herstellung der Fenster des Rathauses, der übrigen öffentlichen und geistlichen Gebäude kostete dem Rate viel; die Kirchenvorsteher sorgten für die der Kirche, ihre Glasgemälde aber im Chore blieben unersetzt. Alexander von Miltitz auf Schenkenberg ward von dem abgehenden Hauptmann von Carlowitz als Hauptmann der Ämter Delitzsch, Bitterfeld und Zörbig hier eingewiesen und verehrte der Stadt 16 Kannen Wein. Der Rat kaufte zu Vergrößerung seines Scheunhofes von Georg Steiner einen Raum, 30 Ellen breit und 33 Ellen lang. hinter dessen Hofe für 50 Gulden und baute darauf in diesem Jahre noch ein neues Scheunengebäude. Durch die Kommissarien Abraham Runge und hiesigen Schösser Gregor Fiedler ward der Vertrag mit Heinrich von Pak auf Döbernitz wegen der Trift über Elberitz und Rubach unwiderruflich festgesetzt, niedergeschrieben und dem Rate eine versiegelte Abschrift zugefertigt. Schon im November begann einer der kältesten Winter, der den Verlust vieler Bäume und Weinstöcke nach sich zog und erst Ostern künftigen Jahres Abschied nahm. Es war am 1. Advent, Sonntag, den 27. November, so kalt, daß man sich auf dem Schülerchore zu dem Orgelund Instrumentalspiele an Glutpfannen erwärmen mußte. Am 6. Dezember fand man in dem Hause der Margarete Köthe auf der Gerbergasse, welche der Mann Stephan Köthe seit drei Jahren verlassen, auf Anzeige der Hausgenossin Margarethe Lehmer unter Buchenholze mit wenig Erde bedeckt, ein totes Kind, welches gerichtlich besichtigt und von den zugezogenen Wundärzten als ein völlig ausgetragenes neugeborenes, aber durch gewaltsamen Druck umgebrachtes Mädchen erkannt ward. Die beiden Hausgenossen der Köthe, die Lehmer und Prisca Brade wußten, daß die Köthe dieses Kind am 23. November, nachmittags 2 Uhr geboren, tages darauf aber verscharrt und sich auf die Flucht begeben habe, gestanden dieses offen und kamen zur Untersuchung, die Köthe aber war nicht zu erlangen, der Prozeß aber gegen sie im Gange. Ein Scheffel Weizen galt 20 bis 22, Roggen 10 1/2 bis 15, Gerste 8-10, Hafer 10 Groschen.


1587

Am Anfang des Monat März mußte gegen den bedrohlichen Andrang des ungewöhnlich steigenden Loberbaches an den Wällen, hauptsächlich aber an den Mühlen, hier in Elberitz und Naundorf mit großem Aufwande gedämmt werden. Man verlangte, daß die Güter der Stadt, Gertitz, Werben und Benndorf, da ritterlicher Abkunft, mit Pferden verdient werden sollten, der Rat bewies aber, daß die früheren Besitzer den Ritterdienst dieser Güter vor der Veräußerung an die Stadt auf ihre Güter genommen, der Landeslehnsherr sie daher dienstfrei und als Stadtgut verliehen habe mit den Erwerbsurkunden und sonst unwiderleglich. Die Furth am Nixtümpel nahe an Döbernitz, vom Oberhofgericht halb der Stadt halb dem Rittergut Döbernitz zugesprochen, ward am 20. April besichtigt und vermahlet und so der vieljährige kostspielige Streit beigelegt. Die Stadt Brehna suchte bei dem Kurfürsten um zwei Jahrmärkte nach.. Dagegen sprach die hiesige Stadt und da sie wahrscheinlich ihren Widerspruch auf das Privilegium der Meile gründete, so ließ man am 12. Mai die Entfernung messen und fand vom hiesigen Rathause bis zu dem in Brehna 37 Gewende 40 Ruten, mithin nur wenig über eine halbe Meile. Der Administrator von Halle, welcher zu der Taufe der kurfürstlichen Tochter nach Dresden reiste, übernachtete hier am 23. Mai. Man hatte den Weg vom Ende der Hallischen Scheunengasse bis zum Rathause mit Sand befahren und mit Maien aus der Spröde besetzt, auch im Ratshofe eine Küche aufgeschlagen. Unwetter und starke Regengüsse waren in den Sommermonaten häufig, es erreichte daher im Juli der Getreidepreis eine ungewöhnliche Höhe. Die breite Gasse nach ihrer ganzen Länge und 64 Ruten des Marktes wurden umgepflastert und auf Gerlitz die Gerichtsstätte erneuert. Die peinlichen Prozesse, welche der Rat gegen die des Kindesmordes beschuldigte, flüchtige Köthe, gegen den Stadtmüller Ambrosius Elteste, ehebrecherischen Umgangs mit ihr verdächtig und gegen Anna Klepzigin, des verstorbenen Gutsbesitzers Blasius Klepzig in Gertitz Tochter, welche sich von Gregor Stertzel aus Kertitz, einem Witwer, ihrer Mutter Bruders Tochter gewesenen Ehemann außerehelich schwängern lassen, zu führen hatte, verursachten einen Aufwand von 325 Talern und gab man überdies dem Advokaten Georg Wagner in Leipzig, bei dem man sich beriet, einen silbernen Becher Hochzeitsgeschenk, ungeachtet man sich in seinen Kostenforderungen überteuert hielt. Die Klepzigin, gegen welche der Schöppenstuhl ewige Verweisung. erkannte, geriet wegen dieses Urteils in Verzweiflung und mußte 14 Wochen bewahrt werden Kollekten brachte man u. a. aus für Markkirchen, welche Stadt der Türke jüngst den 25. Juni überfallen und als die Stadt gesperrt gewesen, in den Vorstädten zu beiden Teilen der Stadt Feuer eingelegt und 156 Häuser zu Grunde weggebrannt, 70 Personen verwundet und da er, weil man sich zur Gegenwehr gerüstet und er über 400 Mann nicht stark gewesen, sich auf die Flucht begeben, 9 Bürger mit Weib und Kindern mit sich hinweg gen Ofen geführt. Der Schaden wurde auf 3000 Gulden geschätzt. Eine weitere Kollekte für Martin Thieme, Gutsbesitzer in Zschortau, dessen Gut in Feuer aufging, wobei er so verbrannte, daß man ihn nicht erkannte. Der Scheffel Weizen galt vor der Ernte 27 1/2, Roggen 25, Gerste 13, im Oktober aber 18'/; 173/4, 9 Groschen.


1588

Die durch Aufnahme des Kantors Hieronymus Heydenreich und dritten Lehrers Daniel Scheuchler in den Rat erledigten Schulstellen besetzte man mit Valentin Heyner und Johann Felgner. Heyner war der Sohn des hiesigen Hufschmieds, Valentin Heyner, geboren am 9. März 1555, studierte von 1577 in Leipzig und lebte als Hauslehrer in Halle, als er zu der Kantorstelle den Ruf erhielt, Auch er kam 1611 in den Rat und starb am 13. Oktober 1616. Felgner, auch eines hier wohnenden Hufschmieds Sohn, hatte von 1579 ab in Leipzig studiert, ward 1590 Konrektor und starb am 4. Februar 1619. Die vierte Schulstelle übertrug man dem Johann Rapsilber, einem Sohn des vormaligen Ratsherren Joachim Rapsilber, geboren am 10. März 1564, welcher von 1582 ab in Leipzig studierte, das Schulamt zwar antrat, im folgenden Jahre aber das Pfarramt in Spröda annahm, wo er am Ostertage 1625 gestorben ist. Der Superintendent Sehecker entwarf bei Gelegenheit dieser Veränderungen eine. neue Schulordnung, welche auf einer Tafel geschrieben und in der großen Schulstube zur Beachtung aufgehängt ward. Am 17. Februar überfielen zwei Umschweifer, Bartholomäus Mitweide und Matthäus Werner den Gutsbesitzer Veit Großmann aus Queis und den Küster von Klepzig, Valentin Rügezelt, den jüngeren Bruder des hier verstorbenen Stadtschreibers und Ratsherren Ambrosius Rügezelt, als sie aus der Stadt nach Hause gehen wollten, auf offener Straße in Gertitzer Mark, schlugen jenen besinnungslos, diesen aber mit einer Spießstange so, daß er, als man ihn. zu Wagen ins Dorf brachte, schon gestorben war. Die flüchtigen Verbrecher ergriff man in Giebichenstein und da sich ergab, daß Werner den Rügezelt getötet, auch 9 Jahre früher in Lützen gemordet hatte, so ward er am 3. Mai mit dem Schwerte hingerichtet, Mitweide aber zur Staupe geschlagen. Der Sohn des Schenkwirtes in Kletzen, Peter Apitzsch, ward' am 13. März um 10 Uhr mit dem Rade am Leben bestraft. Auf Befehl des Kurfürsten veranstaltete man eine Musterung der Bürger und berichtete den Erfolg. Der Kurfürst verordnete hierauf unterm 11. April, von den bezeichneten 80 Schützen mit langen Rohren die vorzüglicheren, die mit dem Büchsenschießen recht und wohl umgehen können und für tüchtige Schützen gehalten werden, anzuzeigen, daß man sie im Notfalle brauchen könne, welches denn auch geschah. Heinrich Pak auf Döbernitz starb am 1. Juni im 35. Lebensjahr und ward in hiesiger Kirche neben dem Taufstein gegen Mittag, wo sich sein Denkmal von Stein an der Mauer findet, beigesetzt. Am 16. und 17. Juni war eine Loberbesichtigung von Zschölkau bis zur Naundorfer Mühle und fand sich, daß der Bach von Zschölkau bis Güntheritz ungeachtet des Befehls von 1576 nicht gehoben, von Lemsel bis Zschortau nicht, von da bis Brodau teilweise geräumt, von Brodau bis Zschepen zwar breit genug aber verwachsen war. Max Risch, ein armer Knabe, welcher bei dem Kleinschmiede Johann Pak am 14. August eine Büchse ausfeuern sollte, ergriff eine unrechte, geladene, deren Sc huß ihm das Kinn wegnahm, die Zunge zerriß und den größten Teil der rechten Kfnnladezerstörte, Der Rat bezahlte das Arztlohn und er blieb am Leben. Am 28, August erschien der kurfürstliche Befehl wegen des leidenschaftlichen Gezänkes der Geistlichen auf der Kanzel über Lehren der Schule und unschickliche Einmischung von Persönlichkeiten - im Grunde eine Wiederholung der väterlichen. Verordnung vom 18. Juli 1566, nur durch Bedrohung der Amtsentsetzung schärfer gefaßt. In die Gottesackerkirche brachte man Pulte auf die Emporkirche für die. Schüler und füllte mit Männer- und Weiberstühlen den noch übrigen Raum. Durch die Liebhaberei des Kurfürsten an der Jagd regte sich in dieser Beziehung die Gesetzgebung, die Jagddienste der Untertanen wurden häufiger in Anspruch genommen und sollten auch die Ratsdörfer dazugezogen werden, welchem Ansinnen man jedoch mit Erfolg widersprach. Melchior Kühn, Sohn des vormaligen Ratsherrn Joachim Thomas Kühn, Schullehrer von 1556 ab und seit 1567 Ratsherr, starb am 3. November und hinterließ acht Kinder, von welchen ein Sohn,. Melchior, Magister und hier Ratsherr, Ambrosius, ebenfalls Magister und Pfarrer in Kiebitz ward. Der Bürger Martin Bornack schoß auf dem Stadtgraben unvorsichtig die Büchse ab, kam in den Bürgergehorsam, verlor die Büchse und gab Strafe ein Schock. Hans Zscherndorf von Gertitz, welcher sich wörtlich und sonst an seiner Mutter verging, fiel in zehntägige Strafe der Lauke [eines unterirdischen Gefängnisses], lag aber wegen der Kälte in der Wachstube an Ketten, mußte der Mutter öffentlich Abbitte tun und Besserung geloben. Schmiedeberg,. welches sich gegen das Privilegium hiesiger Biermeile auflehnte und hier bei den kurfürstlichen Kommissarien, dem Hauptmann Alexander von Miltitz und Sctösser Gregor Fiedler durch dasigen Rat sein Widerspruchsrecht geltend machen sollte, vermochte es nicht und ward zur Ruhe verwiesen. Die früher geschehene Eichung und Maßfeststellung der Biergefäße wurde wiederholt und strafte man die, die sich beleidigend gegen die Ansteller dieser Einrichtung ausgesprochen hatten. Der Scheffel Weizen galt 10, Roggen 8, Gerste 5 Groschen.


1589

Der Abgang des Rektors Rhodius, welcher aus den 1573 bemerkten Ursachen dem Rufe zu dem Diakonat in Eisenburg folgte und des vierten Schullehrers Rapsilber, welcher als Pfarrer nach Spröda zog, veranlaßte neue Anderungen im Schulwesen. Der bisherige Konrektor Magister Johann Stoi ward Rektor, der dritte Lehrer, Johann Felgner Konrektor und an ihre Stelle traten Gregorius Grashof als dritter und Georg Krause als vierter Lehrer, welch letzterer am 28. Februar von Leipzig, wo er studiert hatte, anzog. Grashof war der Sohn des hiesigen Bürgers Matthäus Grashof. Georg Krause aus Oberrödern gebürtig, kam 1622 in den Rat und starb am 3. Januar 1632 mit Hinterlassung einer für seine Umstände ansehnlichen Bibliothek. Durch die häufigen Regengüsse im Mai ergossen sich Flüsse und Bäche mehrere Male und hatte die Stadt auf den Wiesen des Altenhöfischen Werders bei Düben durch die Überschwemmungen der Mulde großen Verlust, auch beschädigte Ufer des Loben mußten gebessert werden. Christoph von Gröpzig auf Zschortau forderte am Tage Petri Pauli, als der Adel auf dem Rathause seinen Tanz hielt, den Moritz von Nischwitz auf die bloße Wehr, verursachte auf dem Markte, wo man sich schlug, großen Auflauf, ward aber, um Unglück zu vermeiden, weggebracht und mit 48 Groschen bestraft. Derselbe schlug sich am 19. Juli mit Heinrich von Maschwitz auf Selben vor dem breiten Tore, die Bürgerwehr brachte sie jedoch auseinander, wobei sich der Tischler Thomas Bergmann, welcher seine Büchse in der Nähe der mit Stroh gedeckten Ratsscheune losschoß, weil er leichtfertig darüber sprach und die Strafe der Willkür nicht zahlen konnte, ein und einen halben Tag Gefängnis zuzog. In Landsberg, wo am 15. September abends nach 8 Uhr im Gasthofe durch einen Kärner, welcher mit dem Stallicht unvorsichtig umging, Feuer auskam, brannten 27 Wohnhäuser und 16 mit Getreide angefüllte Scheunen und in Zörbig am 13. Oktober 8 Häuser und 4 Scheunen nieder. Der Rat gab aus der Kasse zu der Kollekte 3 Taler 9 Groschen. Auch hier entstand dreimal Feuerlärm: Es brannte eine Esse in der Vorstadt; in dem Hause der Witwe des Bürgermeisters Tham entzündete sich am 26. September Biergefäß und am 9. November, nachts 11 Uhr eine Säule in der Küche Valentin Stocks und verdankte man es den Wächtern, daß kein erheblicher Schaden entstand. Thomas Kretzschmar, des verstorbenen Schaafmeisters Sohn, war von der. französischen Krankheit so ergriffen, daß er, von allen gemieden, in der Vorstadt unter der Bedachung der Leitern lag. Auf die erhaltene Nachricht ließ ihm der Rat einen abgesonderten kleinen Schuppen auf dem Gottesacker bauen, die Totengräber aber, denen man die Versorgung übertrug, konnten zu Wegbringung desselben und Verbrennung des Lagerstrohs im Felde nur durch Androhung des Dienstverlustes gezwungen werden. Die Heilung besorgte ein Zörbiger Arzt Lamprecht Helwig, dem der Rat für dieses Jahr aus der Kasse drei Dicktaler Arztlohn gab. Neben der jährlichen Rechnung über Verwaltung des Stadtvermögens verlangte man nun auch die über den seit 1558 bestehenden wieder erneuerten Pacht des Geleites und sie ward in diesem Jahre zum ersten Male eingeschickt. Die Einnahme dieses Jahres von hiesigem Pferde- und Dammgeleite und von den Beigeleiten in Zwochau und Landsberg war 467 Schock 44 Gr. 11 Pfg. Die Ausgabe aber an Pachtgelde [900 Gulden] und Aufwand für die Gleitsmänner in Delitzsch, Zwochau, Landsberg, für den Gleitsbereiter, die Torwärter, für Beaufsichtigung, Versäumnis, Rechnungsführung und Wegebesserung 393 Schock 49 Gr. 7 Pfg. und hatte man also 73 Schock 55 Gr. 4 Pfg. Überschuß. Daß der Überschuß und Gewinn wegen der kostspieligen Unterhaltung der Straßen nur bei trockenen Jahren günstig ausfallen konnte, wußte man wohl und es war der Grund zur Verlängerung des Vertrages. Kollekten brachte man u. a. aus für Künsdorf in der Grafschaft Henneberg, wo am 22. Februar abends 10 Uhr durch Feueranlegung 33 Häuser mit Scheunen und Nebengebäuden niederbrannten, auf Kundschaft des Amtmannes Otto von Ostheim und Erbsassen Caspar von Bibra, deren Überbringer versicherte, daß einer der aufgegriffenen Mordbrenner nach seinem Geständnis dafür bezahlt und ein Haufe in drei Abteilungen, vom Papste gesendet sei, um Deutschland zu schädigen. Weitere Kollekten erhielten Rehwalde, Roßwein, das Dorf Lausitz bei Liebenwerda, Hermsdorf, wo am 6. Oktober ein ungeratener Sohn seine Mutter erschlug, dann das Haus ansteckte und 25 Häuser verunglückten und die Stadt Hirschberg, wo in der Nacht vom 9. bis 10. November drei Fremde im Gasthofe, wo sie herbergten, Kleider und anderes Gerät stahlen, sich vor Anbruch des Tages entfernten, verfolgt und zwei davon zurückgebracht wurden, der dritte aber bei dem Aufläufe sich in den Gasthof schlich, Pulver in den Ofen warf, welches beim Einheizen den Ofen sprengte, das Haus in Flammen setzte, die sich über 76 Wohnungen verbreiteten und 11 Personen, jung und alt, tödlich verletzten. Die diesjährige Fischerei gab 29 Schock 35 Groschen Ertrag. Der Scheffel Weizen galt 21-15, Roggen 13-8, Wintergerste 6 Groschen.


1590

Es war ein heißer trockener Frühling und Sommer, das Getreide verdarb, stieg zu hohem Werte und mußte fernher angeschafft werden. Thomas Kirchhof, der in einem Prozesse begriffen, mit der Entscheidung des Rates nicht zufrieden war, schrieb Drohbriefe, weshalb man die Torwachen eine Zeitlang verdoppelte. Am 3. April starb Gall Böttcher, Ratsherr seit 1568. Er war Lehnsträger bezüglich auf die Naundorfer Mühle und trat Gregor Kirchhof an seine Stelle. Das Lehngeld an Schenkenberg betrug 3 Schock, der Lehnschein kostete 12 Groschen. Zu dem diesjährigen Baue der Mühlen Naundorf und Elberitz hatte der Rat vom Hauptmann Wolf von Pack 299 Stück Eichen gekauft und verkaufte die Rinde derselben, an die Leipziger Gerber für 9 Schock. Durch Verwahrlosung eines Häuslers brannten am 24. April das Bittergut Lemsel und 8 Wohnhäuser des Dorfes nieder. Außer der Kollekte für die beschädigten Häusler gab der Rat 3000 Stück Steine an den Besitzer des Rittergutes Peter von Crostewitz. Am il. Mai starb der Ratsherr und Kämmerer Michael Winkler. Er war der Sohn eines hiesigen Bürgers, geboren 1541, hatte von 1557 ab in Leipzig die Rechte studiert und lebte als Notar und praktischer Jurist in Halle, als man ihn 1576 wegen seiner Kenntisse in das hiesige Ratskollegium nahm, wo man ihn für einen der Gelehrtesten hielt. Die Gutsbesitzer Urban Brand von Sietzsch und Philipp Fritzsche von Quering gerieten am 6. Juni, als sie abends von der Stadt gingen, auf dem Gertitzer Wege in Streit, dann in Schlägerei, wobei Fritzsche tödlich verwundet und tages darauf begraben wurde. Am 24. Juli kam in dem nahen Dorfe Radefeld, mittags gegen 12 Uhr, in dem Hirtenhause Feuer aus und brannten 12 Häuser und Güter weg. Der Rat zahlte 100 Gulden im Jahre 1427, 50 Gulden 1473 und 50 Gulen 1475 vom Hospitale erborgte Kapitale zurück. Im Monat Juli und August ließ er das Tafelwerk in der Ratsstube von dem Maler Hans Bußmann mit schönen Figuren und Bildern malen, grün anstreichen und das Schnitzwerk an Rosen und Löwenköpfen vergolden. Dieser Maler war aus Mecheln in Brabant gebürtig, lebte früher in Frankenhausen und ward hier 1584 Bürger, wo man ihn die Fertigung dreier Bilder in der Ratsstube und die Staffierung des Selmnitzischen Denkmales in der Kirche übertrug. Die jetzige Arbeit unterbrach sein am 30. September erfolgter Tod und der hiesige Maler Eberhard vollendete sie. Drei Männern, die am 31. Dezember in der Verkleidung der drei Könige mit dem Stern in der Stadt umherlaufen wollten, gab man aus der Kasse 3 Groschen mit der Weisung wegzugehen und die Leute unbeschwert zu lassen. Kollekten für Brandschäden brachte man aus für die Stadt Schlüssel feld, den Flecken Langenberg im Hennebergischen, Falkenberg bei Weirnar, Harndorf, Suhl, Hohensandau, Grüneburg und Braunsburg. Der Scheffel Weizen galt 18-23, Roggen 18-22, Wintergerste 12-16, Hafer 11-14 Groschen.


1591

Am 17. Januar fand man den Leichnam des Matthäus Hauke, eines Einwohners in der Grünstraße, welcher neun Tage vor Weihnachten 1590, abends aus der Stadt gegangen war, im Stadtgraben bei der Mühle und überließ ihn der Tochter zum Begräbnis. Der Superintendent, Licentiat Gregorius Schönfeld erlangte am 25. Januar in. Wittenberg mit dem Pastor und Professor Christoph Gundermann in Leipzig, Professor der Theologie und Schloßprediger Petrus Calamin in Wittenberg, Petrus Streuher, Pfarrer in Sorau und dem Professor der Logik und Ethik Paulus Auleander in Wittenberg die theologische Doktorwürde. Auf sein Ansuchen nahmen Abgesandte des Rates an der Feierlichkeit teil, und der Rat verehrte ihm bei dieser Gelegenheit 20 Rheinische Goldgulden und 36 Kannen Wein. Bald darauf beschied man ihn nach Dresden und trug ihm dasige Superintendentur an, die er anfänglich zwar ablehnte, doch auf Verlangen des Kurfür sten endlich übernahm. Als kluger Mann übersah er die bedenkliche Lage, in die er kam, auch mochte es ihm unangenehm sein, hiesigen Ort, wo man ihm anhing und mit Ehrenbezeigungen überhäufte, so schnell zu verlassen, allein man hielt ihn fest, weil seine Rede der Kurfürstin, einer strengen Lutheranerin, gefiel. Man wollte sie für den melanchthonistischen jüngsten, vermittelnden und der gemeinsamen Fortbildung günstig scheinenden Unterricht, von den Gegnern Kryptocalvinismus genannt, gewinnen. Er empfahl dem Rate zum Nachfolger seinen Freund, den Licentigten der Theologie, Johann Christoph Flurer aus Steinach am Neckar, welcher in Wittenberg studiert hatte. In seiner Gastpredigt am 2. Mai vermißte man zwar Schönfelds kräftige Stimme, die Rede an sich aber, wie seine Probepredigt am 13. Juni fand allgemeinen Beifall und am 21. Juni vollzog der Superintendent Harder aus Leipzig die Investitur. Er war wirklich, was man ihm von Wittenberg aus bezeugte, ein frommer, eingezogener, stiller, sittiger, mäßiger, gottesfürchtiger Mann, der aber bei seinem Antritte schon in den Ketzerregistem pöbelhafter Sprecher stand und leider von einem derselben bei einer Hochzeit durch Absingen liederlicher Reime zum größten Verdrusse des Rates, der den Täter auch nachdrücklich strafte, geschmähet ward. Dergleichen liederliche Reime, in der Regel Karten, kamen häufig aus dem Brandenburgischen in das Land und der Rat nahm am 30. Januar einen Berlinischen Bücherhändler, Friedrich Trummer, der auf- den Kryptocalvinismus und hiesige Landeszustände Bezug habende Schmähschriften zu verbreiten suchte, gesetzlicher Vorschrift zufolge in Haft. Zum Beiweis mögen hier Stellen einer Karte stehen, die auch Delitzsch berührt und im Spätherbst dieses Jahres im Druck erschien mit dem Titel: Ein gute Caluinische Karten, in welcher einem jeden Caluinisten ein Blatt zugeeignet wird, fein lustig und kurzweilig zu lesen. - Gedruckt in Schlappershausen, da die Hunde tun mausen, bei Matz Gurge Flederwisch, vor der Tür steht ein Caluinischer Fisch. Sie beginnt mit der roten Farbe und deren Könige so:

Nachdem Peucer, der ehrlose Mann,
Mit Gewalt sich wolt unterstahn
Zu suchen neuen Menschentand
Drum ist er der rote König genannt.
Der von Kleberg, der falsche Mann,
Tat auch Caluinum beten an,
Christum hieß er ein Baderknecht,
Ist mir zur roten Sechse recht.
Der Herr Pfarrer von Bischofswerd
Setzt sich auf ein Caluinisch Pferd,
Zu reiten nach den Galgen zu,
So schlage die rote Fünfe zu.
Schönfeld zu Delitzsch, hochgeborn,
Ward gestochen mit eim Caluinischen Sporn,
Hats aber nicht geführet aus,
Ist der rote Calluinisch Daus.
Ein stolzer Doctor ist der Krell,
Immer mit dem Schalk in die Hell.
Straf hat er verdienet nicht wenig,
Ist gut und recht zum Eckern König.
Noch eins fehlt mit in meinem Mut,
Zu Delitzsch der jetzige Superindent gut,
Hat sich auch unterschrieben frei,
Wirf her die Caluinisch Eckerdrey.
Zu Delitzsch Herr Peter, der alte Mann,
Ist auch ein rechter Wetterhan,
Ich hatte denselben vergessen schier,
Bis mir willkommen du Lauben Vier.

Auch in Leipzig erschienen lateinische und deutsche, namentlich gegen D. Gundermann gerichtete Schmähschriften der gemeinsten Art und in Dresden hing man sie sogar an das kurfürstliche Schloß. Dieses theologische Zerwürfnis, die Freude Roms, störten den Plan einer protestantischen Einheit durch Frankreich und Deutschland und bereitete Häuptern und Förderern den Untergang. Des Kurfürsten Unterstützung Heinrich IV. war sein Tod. Hans Schenkwald aus Liebstadt unterstand sich am 30. Januar auf dem Markte, den Leuten wahrzusagen, vorgebend, daß er diese Kunst vom D. Paulus in Halle erlernt habe, es ward ihm aber, nachdem man ihn eine Nacht gefänglich gehalten, die fernere Betreibung seiner vermeintlichen Kunst in hiesigem Orte bei längerer Gefängnisstrafe untersagt. Ein Einbruch in die Stadtschreiberei, mit Entwendung einiger Kleider und Speisen, nachts am Ostertage, veranlaßte, daß man vier Fenster derselben im Hofe mit eisernen Gittern versah. Am 7. Juli ward der neue Hauptmann Hans Gregor von Ponikau auf Pomsen durch den Rat und Hauptmann zu Torgau, Otto von Starschedel, hier eingewiesen und gab der Rat nicht nur diesen Herren mit ihren Freunden, sondern auch den gegenwärtigen Räten von Zörbig und Brehna, den Ehrenwein. Den am 25. September früh 1/4 7 Uhr erfolgten Tod des Kurfürsten Christian meldeten die hinterlassenen Räte dem hiesigen Rate schriftlich, verordneten zugleich die gewöhnliche Trauer und empfahlen unter Bezugnahme auf die dem Verstorbenen und dessen Erben geleistete Pflicht die Sicherung der Stadt. Die Gedächtnisfeier hielt man am 26. Oktober, der Rat kleidete Kanzel und Altar mit neuem schwarzen Behänge und verbrauchte außer dem Zindel für die Bedienung zu Trauerbinden 110 Ellen schwarzen Kartek. Die Schuhmacher und Bäcker, welche bei ihren Versammlungen während der Trauerzeit bis in die Nacht zechten, bestrafte man mit einem Schock. Am 5. November, mittags zwischen 11 und 12 Uhr brach in dem benachbarten Landsberg Feuer aus und brannten binnen 2 Stunden 20 Häuser mit vollen Scheunen und Ställen nieder. Der Rat schickte den Beschädigten Getreide, Stroh und 31/a Taler aus der Kasse, auch sammelte man für sie Haus für Haus. Außerdem erhielten über 20 durch Feuer verunglückte Ortschaften milde Beiträge, unter anderem Hochkirchen, Luckenwalde, Langenbach im Hennebergischen, Wernsdorf, Alsleben, Wiesenburg, Wartenberg, Greiffenhagen, Possegk bei Plauen, Harsefeld und Freiberg. Der Scheffel Weizen galt l Taler bis 16 Groschen, Roggen 21-9, Gerste 12-6, Hafer 12-10 Groschen.


1592

Der häufige Schnee im Januar und Februar und anhaltende Regen im Frühling schadeten den Saaten und die Wege wurden so böse, daß man nur auf Rubach mit 600 erlenen Stangen bessern und darauf über 30 Taler verwenden mußte. Auch der Fasten- öder Rettichmarkt blieb wegen großen Schnees und ungestümen Wetters urbesucht. Am 6. Januar starb Ambrosius Große in Werben an einem Sturze in der Scheune und am 9. Februar fand man auf Elberitzmark einen armen Hutmann, Kuhmichel genannt, erfroren. Paul Franke und Johann Richter erlangten in Leipzig die Magisterwürde und der Rat verehrte jedem 5 Rheinische Gulden. Franke, der Sohn des hiesigen Bürgers Paul Franke, welcher von 1581 in Pforte, von 1584 ab in Leipzig Theologie studiert hatte, starb bald nach der diesjährigen Promotion 1595; Richter aber, der Sohn des vormaligen Amtsschössers, jetzt Bürgermeisters Mr. Esaias Richter, -geboren am 4. Februar 1570, Student der Rechte in Leipzig, ward 1597 hier Stadtschreiber, ein gelehrter- und in jeder amtlichen Beziehung tüchtiger Mann. Über die drei, vom Kurfürsten minderjährig verlassenen Söhne, Christian, geboren am 23. September 1583, Johann Georg, geboren am 5. März 1585, und August, geboren am 7. September 1589, führte, nach des Vaters letztem Willen der mütterliche Großvater Kurfürst Johann Georg zu Brandenburg die Obervormundschaft, die Mitvormundschaft und Administration der Kursachsen aber der Herzog zu Weimar, Friedrich Wilhelm, ein weiser, kräftiger, deutscher Fürst von rücksichtsloser Treue, der sich durch glückliche Führung dieses oft peinlich beschwerten Amtes nächst dem Danke des Landes auch geschichtlich bewährten Ruhm erwarb. Den von ihm ausgeschriebenen Landtag in Torgau vom 22. Februar bis 3. März besuchten von hier die Bürgermeister Georg Kirchhof, Mr. Esaias Richter und der Stadtschreiber mit einem Aufwande von 12 Schocken und fuhren mit zwei Knechten und vier Pferden dahin. Die Beruhigung des durch zanksüchtige Theologen bis zu Freveln gereizten Pöbels war der Hauptgegenstand der Beratung. Da nach den Reichsverträgen nur das Festhalten an der Augsburgischen Konfession den Frieden sicherte, jede Abweichung davon der Willkür preisgegeben war, so gab es für den Augenblick kein greiflicheres Mittel als die Unterdrückung der Sonderlinge, von denen Ärgernis kam. Die Landschaft genehmigte daher die in Vorschlag gebrachten Visitationen mit ihren Folgen unbedingt. Wie weit es hier mit dem theologischen Ur fuge gekommen war, zeigt eine schändliche, mit den offenbarsten Lügen bis zum Ekel angefüllte, wohl gar durch Brotneid veranlaßte Schrift [Pasquill] gegen den Notar Christoph Homagk, den man auch des Kryptocalvinismus beschuldigte, ihm dadurch die Stadt verleidete und in die Fremde trieb. Der Verfasser hängte sie auf die frechste Weise an das Rathaus und span höre ihren an den gewiß achtbaren Rat gerichteten Schluß:

„Schande ist's, daß ihr Herren im Rat
ihn leidet in der Stadt!
Werdet ihr ihn nicht jagen aus,
so werden wir stürmen sein Haus,
oder acht haben, daß wir ihn nachts erjagen,
da wollen wir ihm den Hals zerschlagen,
oder wollen ihn erschießen,
das soll uns nicht verdrießen.
Auch euch wollen wir so mitfahren,
denn ihr seid auch Calvinischer Haaren,
nicht wert einer welken Rübe,
Calvinische Schelmen und Diebe;
seid dem Teufel bas denn der Gemeine,
habt das Unser gestohlen alleine,
und in euern Nutzen verwandt,
der Teufel hat euer Seelen zu Pfand.
Den Calvinischen Pfaffen (Diakon Repphun) schafft auch weg,
oder wir werfen ihn mit Dreck
zur Stadt hinaus;
Tut ihrs nicht, so stürmen wirr Rathaus!"

Welche Troßbuben für einen vorgeblich heiligen Kampf! Der dritte Lehrer hiesiger Schule, Gregor Graßhof, verehelichte sich mit Benigna, des Schössers in Ostrau, Nicol. Schlössers hinterlassener Tochter und ging als Pfarrer nach Pristäblich. Sein Nachfolger im Schulamte war Andreas Fischer, ein Sohn des Pfarrers Andreas Fischer in Radefeld und Enkel des vormaligen hiesigen Ratsherren gleichen Namens, der im Jahr 1600 ebenfalls in den Rat kam, aber noch in demselben Jahre starb. Man unterhandelte wegen des Dübenschen Werders, der gegen das Kohlgehäuig bei Tiefensee an die Dübensche Amtsschösserei abgegeben werden sollte,. das Geschäft kam aber nicht zustande. Am 20. Juni ward der Rat vom Administrator mit den von den Paken 1530 und 1544 erkauften Lehngütern beliehen. Die auf dem Landtage festgesetzte, für hiesige Stadt durch Befehl vom 10. Juni auf den 25. September angeordnete Visitation nahm an diesem Tage durch die höchsten Orts beauftragten, hier eingetroffenen Visitatoren Hans Löser, Erbmarsch all, Hans Friedrich von Schönberg, Hofrichter; und Hauptmann von -Wittenberg Dr. Georg Müller und Dr. Burkhard Harbart ihren Anfang. Die Wortführer der Bürgerschaft hatten schon vorher den Superintendenten Flurer und Diakon Repphun als der Lehre Verdächtige angezeigt, dringend ihre Absetzung verlangt und für diesen Fall die Rückkehr des nach Schlackenwalde gegangenen Selnecker nachgesucht. Der Rat erhielt daher sogleich folgende vier Artikel zu pflichtgemäßer Beantwortung: 1. Was die Herren Prädikanten allhier bei Abschaffung des Exorcismi de facto oder sonsten getan? 2. Ob der Rat der Prädikanten Lehre halben, so von der Kanzel geschehen, sich etwas über dieselben zu beschweren? 3. Ob sie in conuiuiis oder conuenticulis, disputando oder sonsten falsche verführerische Lehre verteidigt? 4. Welche unter den Schuldienern oder der Bürgerschaft von ihnen verdächtig gehalten werden? Ob nun schon dessen Mitglieder, 18 an der Zahl, in ihren, unabhängig voneinander gegebenen, von den Gelehrten hinsichtlich der entscheidenden Lehren auf das gründlichste gefaßten Schriften, daß Flurer anfänglich wohl, man wisse nicht, ob aus eigenem Antriebe oder in höherem Auftrage, über den Exotzismus als ein unwesentliches Stück der Taufe gesprochen habe. Damals habe er auch die bedenkliche Lehre von der Person und dem Amte Christi in vier von dem Text abweichenden Predigten behandelt, keineswegs aber die Abschaffung des Exorzismus empfohlen oder betrieben, wie er denn bis zu diesem Augenblick auch unverändert bestehe. Ebenso wenig habe er in den betreffenden Predigten und sonst eine störende Abweichung von der Augsburgischen Konfession verraten. Der Diakon Repphun, von dem Verdachte einer Anhänglichkeit, an den Calvinismus gänzlich freizusprechen sei; so entließ man doch beide auf das ungestüme Verlangen der aufgeregten Bürgerschaft, berechtigte sie aber, um anderer Amter im Lande nachzusuchen als Anerkennung ihrer Schuldlosigkeit. Gegen die Schullehrer und den alten Archidiakon Planitz, ungeachtet er in Flugschriften als heimlicher Calvinist angegeben war, hatte man keinen Einwand. An dem Diakon Repphun, welcher in dem gefährlichen Krankheitsjahr 1584 hierher kam, eine zeitlang die erledigte Superintendentur und den durch Alter und Anstrengung geschwächten Archidiakon amtlich vertreten mußte, verging sich die Bürgerschaft mit ihren Wortführern unverantwortlich, er erhielt aber auch, zu ihrer Beschämung, mit dem Rufe zu dem nahen Pfarramte Hohenleina reichliche Entschädigung. Flurer, mit einem ehrlichen Zeugnisse des Rates versehen, fand in Franken eine neue Anstellung und seine hier zurückgebliebene Familie, die nur Rohheit niedrigster Art noch verhöhnen konnte, folgte ihm. Der Ratsherr Daniel Scheuchler und Notar Christoph Homagk, welche sich auch im Gespräche vergangen, gegen die Notwendigkeit des Exorzismus erklärt und nur einen geistigen Genuß des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl behauptet haben sollten, verließen, Mißhandlungen befürchtend, freiwillig die Stadt. Durch den Visitator Dr. Müller erfuhr der Rat, daß der 1590 von hier nach Schlackenwalde gegangene Superintendent Mr. Selnecker, weil seine Mutter Witwe geworden, die Rückkehr in das Vaterland wünsche und es erging sogleich der Ruf an ihn. Seine Wiederkehr im Dezember dieses Jahres war ein Festtag. Die Bürgerschaft machte ihm ein großes Geschenk und der Rat, der ihn durch zwei Mitglieder des Mittels einholte, mit seinen Freunden anständig bewirtete, verehrte ihm noch 20 Rheinische Goldgulden, als er ihm seine am 3. Advent gehaltene, in Halle gedruckte Abgangspredigt übergab. Otto Spiegel, der Jüngere und Mechthilde, dessen Hausfrau, baten den Rat bei der Taufe ihrer Tochter, Elisabeth, zu Gevattern. Das Werk verrichteten die drei Bürgermeister am 15. Dezember und gaben 10 Rheinische Goldgulden und 10 Taler Patengeschenk. Hallknechte, die in der Stadt umsingen wollten, erhielten 3 Groschen vom Rate, damit die Stadt unbeschwert bliebe. Der in den vorigen Jahren erwähnte, an der französischen Krankheit leidende Schaafmeisters Sohn, Kretzschmar, kam nach dem Tode des Arztes Heller in Zörbig wieder hierher. Der Rat kaufte für die Armen viel Roggen auf den Wochenmärkten für 7 1/2 bis 9 Groschen. Der Scheffel Weizen galt 16, Roggen 10, neuere Wintergerste 6 und Hafer 5 Groschen. Gegen vierzig durch Feuer und Wasser verunglückte Ortschaften erhielten Unterstützungen, u. a. Neidenstein in Hessen, wo am 16. August, nachts zwischen 12 und 1 Uhr 3 fremde Männer und 2 Weiber, die sich für Krämer ausgaben und bei einem Bürger herbergten, an drei Orten Feuer anlegten und in der Zeit von drei Stunden 145 Häuser mit allen Nebengebäuden niederbrannten, auch dabei 8 Männer, 3 schwangere Weiber und 5 Kinder den Tod fanden. Es war seit 12 Jahren das dritte Brandunglück des Ortes.


1593

Wegen des Fürsten von Anhalt Ankunft schlug man am 5. Januar im Ratshofe eine Küche auf und der Kammerschreiber Martin Liebezeit in Leipzig schickte Wein hierher, den der Rat, weil er nicht gebraucht wurde (2 Eimer 6 Kannen) für sich kaufte. Am 24. Januar beschädigte der ausgetretene Lober den Steindamm und die kaum fahrbaren Straßen verursachten manchen Aufwand. In Schenkenberg brannten am 5. April 5 Häuser weg. Am 30. Mai ward die Witwe des vormaligen Stadtschreibers und Ratsherren Ambrosius Rügezelt, Elisabeth, welche sich eine lange Zeit mit dem Unterrichte der Töchter hiesiger Stadt rühmlichst beschäftigt hatte, mit dem ganzen Chore begraben und ihr vom Superintendenten, ob sie schon arm war, eine Leichenpredigt gehalten. Am 10. Juni fand man auf dem Damme, unter Amtsgericht, ein ausgesetztes Kind, welches nach einem dabeiliegenden Schreiben Elisabeth Dauthin von Eckartsberga mit. dem hiesigen Bader, Hans Fargel, gezeugt haben wollte. Die Mutter war flüchtig, auf Fürgel konnte nichts gebracht werden und mußte das Kind, welches den Namen Zacharias erhielt, auf öffentliche Kosten erzogen werden. Es starb aber im folgenden Jahre. Dem Gutsbesitzer Urban Brand aus Sietzsch, welcher 1590 den Philipp Fritzsche von Quering in einer Schlägerei tödlich beschädigt hatte, ward ewige Verweisung zuerkannt, auf Interzession erhielt er jedoch gegen Erlegung von 100 Gulden zu wohltätigen Zwecken, nach der Bestimmung des Rates und Erstattung der Kosten vom Administrator Begnadigung. Die Ehefrau des Joachim Uebermann fand man am 3. Juli mit einer Hucke Gras tot am Naundorfer Mühlwehr und überließ sie den Angehörigen zum Begräbnis. Am B. Juli, sonntagabends erschoß der hiesige Kramer Bernhard Ihanstein den Fron Georg Malentz, welcher vor dem Torwärterhaus des breiten Tores wehrlos saß und ihn freundlich anredete, mit der Büchse, die er ihm auf die Brust setzte. In der Tortur gestand er, daß er den Mord aus einem alten Hasse begangen habe und ward zum Schwert verurteilt. Bei Hegung des Halsgerichts nahm er aber das Geständnis zurück, gab vor, daß es durch Zufall geschehen sei, verfiel aber, da er Beweise nicht aufbringen konnte, abermals der Tortur und auf Geständnis und Widerrufung einer dritten, am 23. Mai folgenden Jahres, wo er sich endlich überwunden gab und am 18. Juni mit dem Schwerte sein Recht erhielt. Er saß in dem Hallischen Torgefängnisse, wo man häufige, zum Teil gewaltsame Versuche, ihn zu befreien, durch Verstärkung der Wachen zu vereiteln wußte., Sein Leichnam ward, von der Geistlichkeit begleitet, auf dem Gottesacker bestattet. Der Rat verkaufte während des Sommers 225 Scheffel Roggen, die er im vorigen Jahre aus Besorgnis künftigen Mangels gekauft und auf dem Schulbaden gelagert hatte, weil es länger nicht gut zu erhalten war, den Scheffel zu 12 1/2 Groschen, in Summe für 47 Schock. Mit Alexander von Miltitz auf Schenkenberg, welcher die Naundorfer Mark widerrechtlich behüten ließ und den Kosebruchteich zur Ungebühr staute, hatte man Prozeß vor dem Oberhofgericht und in dessen Folge am 15. April, 15. August und 9. November kommissarische Besichtigungen durch Otto Spiegel auf Neuhaus und dem hiesigen Amtsschösser Gregor Fiedler, deren gütliche Vorschläge jedoch der Verklagte hartnäckig zurückwies. Der Rat von Wittenberg zahlte die von hiesiger Stadt 1576 geliehenen 1000 Gulden wieder ab. Man verteilte wie bisher auch in diesem Jahre 7 Landtuche, am Werte 12 Schock 27 Groschen aus den Testamenten der Sebastian Sandderin, des Martin Koch, der Hans Krügerin, des Donat Findeisen, der Heinrich Grünthalin und Lorenz Eckartin an arme Schüler und Hausarme. Bedeutende Bau hatte man an den Mühlen, auch waren die durch den. Lober beschädigten Brücken am Kohltore und über den Gertitzer Bach herzustellen und das Türmchen auf dem Bauhofe zu bessern. Am 14. November starb hier der alte Pfarrer in Lissa, Donat Kötzschke, und ward am 16. begraben. Lorenz Walter von Mühlhausen wollte etliche biblische Historien auf dem Rathause mit Bildern spielen, der Rat trug aber Bedenken, es ihm zu gestatten und gab ihm 2 1/2 Groschen. Dr. Andreas Langner, welcher dem Rate sein Buch Contra pestem zuschickte, erhielt ein ansehnliches Geschenk und viele in Frankreich gediente Militärpersonen höheren und niederen Standes, auch von Jesuiten vertriebene Geistliche Unterstützungen. Kollekten brachte man aus für Wallrode wegen Feuer und Müllendorf, wo am 7. Januar ein ungeratener Sohn, Hans Gottfried, der sich im Lande umtrieb, als er von seines Vateras, eines ehrlichen Mannes, Tod hörte, zurückkam, mit der Mutter, von der er vermutete, daß sie Geld habe und sich wieder verehelichen werde, ein Gezänk anfing, sie mit Prügel tötete, das Haus ansteckte in der Hoffnung, daß der Leichnam. verbrennen solle und entfloh. Ein heftiger Wind aber trieb die Flamme ab und verbrannten zwar 39 Häuser, das der Mutter aber blieb, wie der Leichnam unversehrt, daher das Verbrechen entdeckt und der Mörder verfolgt, gefangen und am 19. desselben Monats hingerichtet ward. Der Scheffel Weizen galt 19 und 20, Roggen 21-18, neue Wintergerste 7, Hafer 7 und 8 Groschen.


1594

Im Februar und März befanden sich Kriegsvölker in der Nähe der Stadt, die nach Ungarn gegen die Türken zogen. Der Rat erkundigte sich fleißig nach Stärke und Betragen derselben und besetzte die Tore der Stadt. Der Gutsbesitzer Tobias Brand in Gertitz starb am 16. März am Bisse eines wütenden Hundes. George Hofmann, ein Salzmann in der Grünstraße und Elisabeth, Daniel Hechts daselbst Eheweib, wurden wegen Ehebruchs am 14. Mai vormittags 9 Uhr von Blasius Heinz aus Leipzig mit dem Schwerte hingerichtet und mit Begleitung der Geistlichen und Schüler begraben. Ein Edelmann Ratzenberger-erstach am 22. Mai auf des Rates Acker vor dem Rosentale den Schneider Hans Wicht aus Schenkenberg, von einer Untersuchung gegen den Täter findet sich keine Spur. In diesem Monat hielt man auch Heerschau über die waffenfähige Bürgerschaft und erhielt der Hausmann [Türmer und Musikusl, welcher dabei die Trommel schlug, 6 Groschen. Ein Schloßenwetter zerstörte am 30. Juni in hiesigen und nachbarlichen Fluren fast die ganze Ernte. Der Rat schenkte den verunglückten Untertanen in Benndorf den notdürftigsten Bedarf an Roggen und verlieh 209 Scheffel desgleichen den Einwohnern in Beerendorf. Alexander von Miltitz auf Schenkenberg, der etwas darin suchte, den Rat mit Angriffen auf die Rechte der Stadt zu beschäftigen, machte in seinem Holze zum Nachteile der Naundorfer Mühle einen Graben und veranlaßte zu dem schon gangbaren noch einen neuen Prozeß. Die im vorigen Jahre vom Rate in Wittenberg zurückgezahlten 1000 Gulden nahm der Rat in Bitterfeld als Darlehen zu Erkaufung des Gutes Greppin. Blasius Förster, ein Zimmergeselle, fiel am 7. November in der Nähe der Pfarre den Michael Kippold, welcher drei Jungfrauen von einer mit einem scharfen Brotmesser über dem rechten Ohr drei Schnitte bei, Wirtschaft nach Hause führte, an, warf ihn nieder und brachte ihm deren einer die Schlagader verletzte. Der Verwundete ward gerettet und Förster, der etwas trunken gewesen war, mußte sich, nachdem er einen Monat lang gefänglich gesessen, auf .6 Jahre aus der Stadt entfernen und sollte auch dann nicht eingelassen werden, bevor er nicht Arzt- und Untersuchungskosten bezahlt und die ihm zugesprochene Leibesstrafe verbüßt hätte. Kuno von Crostewitz überfiel ohne Ursache und beschädigte vor dem breiten Tore den Bürger George Nagel und ein Gleiches tat Abraham Schiecke, der Jüngere, an Ambrosius Lucke aus Kattersnaundorf. Man beschied beide vor Gericht, die Sache wurde aber vermittelt. Das Bürgerrecht empfing unter anderem der Amtsschreiber Matthias Pirner, gebürtig aus Roitzschitz, der Maler Hans Eberhard aus Mühlhausen, der Pfarrer in Selben Mr. Erhard Bundmann und der Apotheker Georg Hartmann von Eisleben gebürtig, welcher zugleich dem Rate für sich und sein Gesinde mit der Apotheke aufrichtig und reinlich zu handeln, eidlich zusagen mußte. Das Fluchen, Sakramentieren bestrafte man mit dem Halseisen und jungen Bürgern, die sich unsittlich betrugen, legte man außer der Gefängnisstrafe noch eine zweijährige Wanderung als Buße auf. Der Küster Nicolaus Roitzsch verließ sein Amt und folgte dem Zuge nach Ungarn, auch gingen die Bierschröter Bachmann und Bröse freiwillig dahin. Der Scheffel Weizen galt 20-18, Roggen 17-16, Wintergerste 7 und Hafer 6'/x Groschen.


1595

Der zwischen der Stadt und Alexander von Miltitz auf Schenkenbag streitige Teich im Kosebruch wurde unter Aufsicht der Kommissarien auf dem Eise gemessen und fand sich, daß der von Miltitz den Teich gegen Vertrag vom 11. Dezember 1581 weit über die Grenze gestaut hatte. Er widersprach der Messung, behauptend, daß sie im Herbste bei abgelassenem Wasser geschehen müsse, starb aber am 31. März d. J. und die verlangte Messung unterblieb. Im Januar und Februar war bei vielem Schnee große Kälte, in den letzten Tagen des Februar aber taute es schnell unter heftigen Regengüssen, die Flüsse stiegen zu ungewöhnlicher Höhe, verwüsteten die Dorfschaften und brachten viele um Leben, Habe und Gut. Auch hier tat das Wasser an Brücken, Schützen und Wegen ungemeinen Schaden und waren die Straßen im April und Mai wegen großer Nässe kaum zu bereisen. Am 22. Januar, gegen 10 Uhr vormittags, ward Hans Spange aus GroßKyhna, Stiefsohn Peter Stallbaums, in hiesiger Neustadt wegen Diebstahl aufgehängt. An die Stelle des im vorigen Jahre nach Ungarn in den Krieg gezogenen Küsters Nicolaus Roitzsch kam der hier geborene Bürgerssohn EIias Treintzsch. Der Bürger und Goldschmied Peter Naumann von Edenburg, gab hier am 28. Dezember vorigen Jahres zehn falsche Talerstücke aus. Man brachte sie auf das Rathaus und Naumann gestand, daß er sie ausgegeben habe. Als man ihn durchsuchte, fand man noch 24 Stück dergleichen Talar und drei falsche Guldenstücke und so kam er, weil er nicht erklären wollte, woher er diese Münzen genommen, in Haft und Untersuchung. Der um Nachsuchung in seiner Wohnung aufgeforderte Rat in Eilenburg sendete noch 30 aufgefundene Talerstücke von Kupfer mit Kurfürsten Christian Bilde, auch Stempel und anderes Prägegerät und leugnete zwar den Gebrauch, gestand aber in der Tortur, die ihm das erste Urteil brachte, Prägung und Ausgabe ohne Mitschuldige, daher ihm im zweiten Urteil der Tod durchs Feuer zugesprochen ward. Er hoffte und suchte zwar Milderung, da sich aber in Eilenburg noch mehr Münzgerät fand, er auch in Leipzig dergleichen Münzen ausgegeben und dieses Handwerk schon länger getrieben hatte, so blieb es bei der festgesetzten Strafe, die an' ihm am 28. März vor der Ziegelscheune vom Scharfrichter Blasius Heinz aus Leipzig und vier Gehilfen vollzogen ward. Man brauchte dazu 8 Klafter Fichtenscheite, viel Reisig und anderes Holz, eine Säule, Kette, eiserne Harken, zwei Spaten, zwei beschlagene Schippen, eine Rodehaue und ein Pfund Schießpulver. Münzen und Prägegeräte mußten auf Befehl an die Renterei in Leipzig abgeschickt werden. Das am 21. August im Stalle der Thomas Bornackin an der Stadtmauer ausgebrochene Feuer tat weiter keinen Schaden. Christoph Graßhof von Selben brachte das erste Sturmfaß und empfing 1 Talar Belohnung. Am 26. Oktober starb der Kämmerer Paul Hintzsche, Ratsherr seit 1577. Der Superintendent Mr. George Selnecker, welcher seines Vaters, Dr. Nicolaus Selneckers, Commentarii in Epistolas Pauli in den Druck gab und dem Rate ein gebundenes Exemplar überreichte, erhielt 10 Taler Gegengeschenk. Auch gab man den in Leipzig studierenden Theologen Andreas Landeck und George Nagel, von hier, einen Beitrag zu ihrem Bücherbedarf. Landeck war der Sohn des hiesigen armen Hausgenossen Martin Landeck, ward Feldprediger in Ungarn und 1604 Pfarrer in Altjeßnitz; Nagel, geb. 1570, 1599 Feldprediger unter dem Obersten Hans von Osterhausen, in Ungarn und von 1602 ab Pfarrer in Reuden. Liebhaber der Geschichte, schrieb er in Caspari Goldwurmii Calendarium historicum, 1554; Nachrichten von' Delitzsch, Zörbig, Bitterfeld, die der Pfarrer Mr. Herrmann in Altjeßnitz besaß und hbchschätzte, aber verloren sind. .Kollekten brachte man aus für mehrere Orte, u. a. für Reifenstein, wo drei ungeratene Söhne, die man wegen ihres Saufens und unsittlichen Lebens von der Kanzel gestraft hatte, ihren alten Vater, der sie darum schalt, bei den Haaren im Haus umschleppten und so mißhandelten, daß die Obrigkeit zugriff und zwei derselben, da einer sich durch einen Messerstich tötete, ins Gefängnis brachte, das sie jedoch am achten Tage, den 25. Juni, nachts durchbrachen und an drei Orten Feuer anlegten, welches 225 Häuser vernichtete und 9 Personen das Leben kostete. Der Scheffel Weizen galt 17, Roggen 15, Wintergerste 7, geringer Hafer 6 Groschen.


1596

Die Herde des Rittergutes Wölkau und der Gemeinde Kertitz weidete im Stadteigentum am Haine vor dem hallischen Tor und ward gepfändet, in der Schenke zu Kletzen aber fremdes Bier weggenommen. In Bischofswerda entstand am 28. April, mittwochvormittags zwischen 7 und 8 Uhr in dem Malzhause des Bürgers Christoph Daxfinger Feuer, welches bei starkem Wehen des Windes so schnell um sich griff, daß man nur auf Rettung des Lebens denken mußte und in kurzer Zeit die Stadt mit mehr als 300 Häusern, allen geistlichen und öffentlichen Gebäuden, Türmen, Toren, Mauern, neuem Rathause, ausgenommen das alte Rathaus, ein Gasthof, die Stadtmühle, das Hospital und neun kleine Häuser verwüstet lag. Es gab keine Glocke mehr und der Verlust ward 200 000 Gulden am Werte abgeschätzt. Der hiesige Rat überschickte 42 Gulden 17 Gr. 11 Pfg. milde Beiträge durch einen Boten und gab 3 Schocke 9 Gr. aus der Kasse dazu. Der Bürger Zacharias Walpurger und Junker Kuno von Crostewitz von Lemsel, welche sich auf die Klinge forderten, auf dem Markte schlugen und großen Auflauf verursachten, verbüßten es jeder mit 2 Schokken. Derselbe von Crostewitz geriet am Peter-Paulstage mit dem Bürger Arndt, in dessen Hause er eine Büchse abschoß, in Streit, kam aber,weil er vorgab, daß die Büchse wider seinen Willen losgegangen, mit einem Verweis davon. Dagegen strafte man den Christoph von Bölzig, der an demselben Tage seine Büchse auf öffentlicher Straße abbrannte, mit einem Schock. Leider gab zu diesen Unordnungen größtenteils das Ubermaß im Trunk Gelegenheit. Sämtliches Scheffelmaß der Bürger ward untersucht, geeicht und mit des Rates Zeichen versehen. Ein junges Mädchen und eine Witwe, die von fremden weggewanderten Handwerksgesellen geschwängert zu sein vorgaben, wurden aus der Stadt gewiesen. In dem Malzhause des Lorenz Ihbe entzündeten sich am 9. Dezember durch Vernachlässigung der Aufsicht Hürden, Spannriegel, Decke, die Nachbarschaft bemerkte es aber zeitig und das Feuer kam durch ihre Tätigkeit nicht zum Ausbruch. Es ward mit 4 Schocken bestraft und mußte, was der Rat nach Vorschrift der Feuemrdnung als Trinkgeld und sonst verwendet hatte, vergüten. Auch entzündete sich am 20. dieses Monats, nachts 2 Uhr in der Oberstube des Gasthofs zum Ringe, Stephan Beckers, eine Bohle durch eine in der Küche des Nachbars, George Sachse, nicht gut verwahrte Bratröhre, weiche aber die im Gasthofe eingekehrten Fremden bemerkten und löschten. Mehrere von Jesuiten und Reformierten vertriebene Lutheraner suchten und empfingen vom Rat Reisegeld. Kollekten brachte man u. a. aus für Gansberg in Böhmen, wo lm 28. Februar eine Diebesbande, früh gegen 5 Uhr, an zwei Orten Feuer anlegte und 113 Wohnhäuser mit der Pfarrkirche niederbrannten, auch 17 Personen, jung und alt, umkamen. Mehrere dieser Räuberbande hatten am 3. Februar des nachts die nahe Stadtmühle erbrochen, den Müller, sein Weib und Gesinde hart geknebelt, einen Mühlknecht aber unbeachtet gelassen, welcher in der Stadt Hilfe suchte, von da auch eine starke Wache abging und vier der Räuber gefänglich einbrachte. Sie bekannten in der Tortur, daß die Bande, zu der sie gehörten, 24 Männer stark sei und erlitten ihr Recht. Die Entkommenen aber schrieben Fehdebriefe und rächten ihre Kameraden auf die angezeigte Weise an der Stadt. Der Scheffel Weizen galt 16-22, Roggen 12-14, neue geringe Wintergerste 6, Hafer .4 Groschen.


1597

Der kurfürstliche Rat Andreas Caspar von Ebeleben ward am 22. Februar als Hauptmann der Ämter Delitzsch und Zörbig eingewiesen, hatte aber in Zörbig seinen Aufenthalt. Der Rat gab wie gewöhnlich den Ehrenwein. Am 20. März starb im 67. Lebensjahr der Bürgermeister und Stadtschreiber Johann Fischer. Es war der Sohn des vormaligen Ratsherren Andreas Fischer, geboren 1530, studierte in Pforte und Wittenberg, ward 1553 Rektor hiesiger Schule, 1572 Stadtschreiber, 1586 Bürgermeister und hin. terließ vier Söhne, Mr. Andreas, Elias, David, Johann, von welchen die drei älteren hier in den Rat kamen, der jüngste als Notar in Halle lebte. Der Verstorbene war wegen seiner Kenntnisse und Rechtlichkeit allgemein geachtet und der Rat verwendete bei seinem Begräbnis am 22. März 36 Taler auf Zindel und Kartek. An seine Stelle als Stadtschreiber kam Mr. Johann Richter, der Sohn des hiesigen Bürgermeisters, früher Amtsschösser, Mr. Esaias Richter. Er war geboren am 4. Februar 1570, hatte, nachdem er Pforte verlassen, in Leipzig die Rechte studiert und 1592 daselbst die Magisterwürde erlangt. Am 2. April starb Otto Spiegel auf Badrina und ward am 4. dieses Monats im Chore hiesiger Stadtkirche nahe dem Putte beigesetzt. Der Rat ließ, weil sich viel Volk zudrängte, die Tore mit doppelter Wache besetzen. Der Steinsetzer Joachim Uebermann legte an der Doktorei einen neuen Steinweg und trugen die anwohnenden Hausbesitzer 4 Schock 20 Groschen zu dem Lohne, von der Rute, deren etwas über 32, 8 Groschen bei. Hans George von Hügel, Gabriel von Braschwitz und andere Edelleute, die hier am Petri-Pauli-Markt ihren Tanz hielten, trieben mit Schießen, Reiten, Rennen in der Stadt solchen Unfug, daß der Rat, welcher fürchtete, daß es mit der so oft und gröblich gereizten Bürgerschaft zu gefährlichen Exzessen kommen möchte, an den Administrator berichtete. Der Administrator befahl zwar strenge Untersuchung, der Hauptmann von Ebeleben verglich aber die Sache dahin, daß dem von Hügel bei 1000 Taler Strafe aufgegeben ward, sich fortan nachbarlich, friedlich und bescheidentlich gegen den Rat und ganze Bürgerschaft zu verhalten, aufgetragen ward, er sich auch dazu den drei Bürgermeistern und Stadtrichter handgebend verpflichten mußte. Der Pfarrer in Werbelin, David Franke, welcher am 9. August sein Vieh auf Weißiger Mark bei den Mandeln an Stricken führen ließ, ward gepfändet und mußte das Pfand im Amte lösen. Wegen der aus dem Feldzuge in Ungarn zurückkommenden Krieger stellte man vom 27. Juli bis 7. Oktober in den Scheunen Wächter an. Mit ihnen traf auch der im vorigen Jahre weggegangene Küster Nicolaus Roitzsch wieder ein, dem man 12 Groschen Reisegeld gab. Leider verbreitete sich mit ihrer Ankunft viel Unsittliches und in dem Herbste eine gefährliche Krankheit, die zwar hiesige Stadt noch nicht berührte, aber in der Umgegend furchtbare Verwüstung anrichtete, weshalb man auch die Tore mit Aufsichtswachen besetzen ließ. Die Frau von Scheidingen auf Wölkau hatte gegen Hut und Trift auf Kertitzmark Einwendung und der Hauptmann von Ebeleben mit dem Amtsschösser Gregorius Fiedler zu gütlicher Verhandlung Auftrag. Am 31. August ward Bartholomäus Wittich von Kertitz mit dem Strange hingerichtet. Die Gemeinde Gertitz, welche sich auf Wilhelm Gablers Breite eine Trift anmaßte und ihr Vieh indessen Hafer trieb, verfiel in 4 Schock Strafe. Wegen der hohen Preise der Gerste suchte die Bürgerschaft bei dem Administrator um eine Erhöhung der Biertaxe nach. Dem Mr. Abraham Taurerus, Pfarrer in Schwerz [einem Delitzscher], welcher seine Druckschrift gegen die Anhaltischen Kalvinisten den drei Räten dedicierte, verehrte man einen Taler. Kollekten brachte man aus u. a. für Weydenburg, Fichtenhain in Hessen, wo am 5. Mai in einem furchtbaren Wetter, welches von früh 8 Uhr bis abends dauerte, der Blitz an drei Orten zündete, 131 Häuser, Kirche, Schule, Rathaus in Feuer aufgingen, 7 betagte Männer, 2 kleine Kinder verfielen und 3 Meilen im Umfange alles verhagelte, weiterhin für Kriebus bei Sagan, Schliebenitz, Brandau und Langenhausen. Auch empfing eine große Zahl der aus Ungarn heimziehenden Landsknechte Reisegeld, die man leider unbesoldet und ohne Aufsicht umschweifen ließ. Der Scheffel Weizen galt 22, Roggen 20, Gerste 15 Groschen.


1598

Der Orgelbaumeister Heinrich Compenius aus Halle übergab im Februar die im vorigen Jahre von ihm umgearbeitete, verbesserte und verstärkte Orgel der Stadtkirche und erhielt vom Rat 4 Taler, auch Wein als besonderer Geschenk. Er hatte sie einen halben Ton höher in den Chorton gestimmt und mit vier neuen Registern, Quintaton 8 Fuß, gelacktem Unterbasse 16 Fußton, Posaunenbasse 16 Fußton, Kornattbasse 2 Fuß, versehen. Das auf Gerlitz verfallene Gericht [Galgen] ward im März hergestellt und empfing jede dabei tätig gewesene. Gerichts- und Ratsperson eine Kanne Alandwein 4 Gr. am Werte. Das Freimannlehngut auf Schweissa-Mark fiel nach Gallus Hartmann Tode, welcher männliche Nachkommen nicht hinterließ, an den Rat. Er ließ es durch die Amtslandschöppen würdern, verkaufte das Schöppen-gut in Zschortau mit 2 Hufen Landes, 2 Wiesen und 21 wüsten Höfen für 850 Gulden an Thomas Dietze in Zschortau und verlieh einen wüsten Hof mit 5 Gr. Lehngeld an Matthäus Khöl, den Älteren in Selben; 1 ½ wüsten Hof mit 7 ½ Gr. Lehngeld an den Richter Matthäus Khöl, den Jüngeren daselbst; 1 Höfchen mit 5 Gr. Lehngeld an Martin Ohme zu Zschortau; ein halbes Höfchen mit 2 ½ Gr. Lehngeld an Hans Haupt daselbst; ein Höfchen mit 5 Gr. Lehnware an Matthäus Neumann daselbst; einen halben Hof mit 21/a Gr. Lehngeld an Melchior Biermann in Selben; einen Hof mit 5 Gr. Lehngeld an Gall Hartmanns Erben; ½ Hof mit 2 ½ Gr. Lehngeld an Wolf Bruder. Die Lehnsanmaßungen des Christoph von Gröpzig auf Zschortau, Alexander von Zwemen, Otto Spiegel und Otto von Crostewitz, bezüglich auf diese Grundstücke, wurden abgewiesen. Mit dem Frühling verbreitete sich auch hier die Pest, eine im höchsten Grade gefährliche Dysenterie. Alle Vorkehrungen und Anstalten zur Hemmung waren vergebens, und die Chirurgen lagen selbst hilflos. Es starben mehrere der vornehmsten Familien ganz aus, der Rat verlor fünf seiner Mitglieder und der in den nächsten Jahren erfolgte Tod der Geistlichen war Folge der Ansteckung. Den Anfang im Rat machte der Bürgermeister Mr. Esaias Richter [seit 1572 Ratsherr und von 1585 Bürgermeister), Er starb am 15, März im 63. Lebensjahr, gerühmt wegen treu geleisteter Dienste und der Rat verwendete 38 Täler auf die Trauer für sich und die Dienerschaft. Ihm folgte am 22. Juli Christoph Kippelt [Ratsherr seit 15941, am 9. August Mr. Benedict Jäger [Ratsherr seit 15901, dessen Gattin Elisabeth am 12. August, am 15. Oktober der Stadtrichter Herrmann Gurre [Ratsherr seit 15811 und dessen Sohn Student Andreas Gurre und am 1. November Hieronymus Heidenreich [Ratsherr seit 1588) mit sechs Kindern, Paulus, Rebecca, Hedwig, Anna, Johannes und Elisabeth. Nur ein Sohn blieb ihm, der später hier Konrektor ward, in dem schrecklichen Pestjahr 1626 aber ebenfalls mit seiner ganzen Familie unterging. Viele kranke Familien mußten unterstützt, viele elternlose Kinder versorgt werden. Die Wehmütter waren von der Krankheit ergriffen, die von Torgau verschriebene kam zwar an, durfte aber, weil ihre Kinder erkrankten, nicht ausgehen. Ärzte hatte man nicht und die Apotheken wurden erschöpft. Die Zahl der Gestorbenen war 712, der Verlust also gegen andere Jahre siebenfach und mit dem 15. Juli wurde ein neues Totenregister angefangen, das Superintendent Mr. Selnecker eigenhändig überschrieb. Bitterfeld verlor 400 seiner Einwohner und mehrere Dörfer starben bis auf wenige Familien aus. Es trat schon im Oktober harte Kälte ein und ein Knabe erfror am 17. dieses Monats. Einige Bürger bestrafte man, weil sie die Jahrmärkte in Landsberg und Brehna mit Waren bezogen und bauen halfen. Das Bürgerrecht erlangte unter anderen Christoph Greffe, ein Apotheker aus Zwickau, George Döring, der Sohn des verstorbenen Pfarrers in Brinnis, Christoph Döring und der Pfarrer in Wiedemar, Valentin Schütze, hiesiger Bürgerssohn. Dem Stadtschreiber Mr. Johann Richter gab man bei seiner Verehelichung mit Elisabeth, Andreas Stephan hinterlassener Tochter, 18 Täler, dem Professor der griechischen Sprache und Mathematik. Mr. Erasmus Schmidt in Wittenberg, einem Sohn des vormaligen hiesigen Lehrers und Bürgermeisters Thomas Schmidt, der sich mit Mr. Reinharts Witwe in Wittenberg am 30. September verband, 10 Täler Hochzeitsgeschenk. Auch verehrte man dem Superintendenten Mr. Selnecker, welcher dem Rate seine Druckschrift: Wie man sich in der Zeit der Ungnade (Pest) verhalten und bezeigen solle? zueignete, 11 Täler 6 Gr. Ein armer Mann, Paul Voigt aus Naundorf, welcher vom Hufschlag eines Pferdes in den Rücken die Sprache verlor, erhielt eine Beisteuer. Man brachte verschiedene Kollekten aus. Der Scheffel Weizen galt 20 und 21, Roggen 18-22, Hafer 10-11 ½ Groschen.


1599

Der Rat gab dem Hausmanne [Musikus] zum Neuen Jahre einen Taler aus der Kasse, damit er nicht von Haus zu Haus gehend, die Bürgerschaft, wie etwa vor Zeiten geschehen, beschweren dürfe und ebensoviel den beiden Fronen in gleicher Absicht. An Jahrlohn hatte der Stadtmusikus 15 Schocke 36 Groschen, für Abblasen, Kirchenmusik, Seigerziehen, Wache von früh 3 bis abends 9 Uhr und 4 Schocke 20 Gr. für die Nachtzeit, übrigens noch 25 Scheffel Roggen, Holz, ein Schock zum Geleuchte und zu Pfingsten ein Kleid. Christoph von Gröpzig auf Zschortau, welcher sich gegen den Rat mit Schmähreden verging, mußte diesem auf kurfürstlichen Befehl vor dem Hauptmanne von Ebeleben in Zörbig Abbitte tun. Das Ratsstipendium hatte Peter Schmidt, Sohn des hiesigen Bürgers Hans Schmidt, Student der Rechte in Leipzig. Er lebte später hier als praktischer Jurist und kam 1617 in den Rat. Die Trauung mit seiner zweiten Gattin, Sibylla, des Böttchers Andreas Berndts Witwe in Wittenberg am 3. März 1639, ward kriegerischer Unruhe wegen auf dem Kloster, in Dr. Luthers Stube, welche bis dahin Mr. Schmidt innegehabt, von dem Diakon Mr. Schmidt vollzogen, welches man in hiesigem Kirchenbuche besonders bemerkt hat. Das tägliche Aufziehen des Kircienseigers, welches bisher der Küster besorgt hatte, übertrug. man dem Schösser Hans Pak, welcher zugleich für die nötige Besserung zu sorgen hatte und gab ihm jährlich 4 Schocke 12 Gr. Lohn. Die Jahrmärkte Petei-Pauui wurden den Städten Bitterfeld, Düben, Leipzig, Halle, Eilenburg, Torgau, Schmiedeberg, des Sterbens wegen abgesetzt. Vom Juli an griff die Ruhr von neuem um sich verlor sich aber mit dem Eintritte des Spätherbstes und starben überhaupt nur 255 Personen. Am 7. Juli brannten in dem nahen Dorfe Kreuma vier Güter weg Auch der Superintendent Mr. George Selnecker ward ein Opfer der herrschenden Krankheit. Er starb am 25. September und man begrub ihn nach seiner Verordnung nicht in der Kirche, sondern auf dem Gottesacker zwischen den Eingangstüren der Kirche. Er hinterließ eine schöne größtenteils vom Vater geerbte Bibliothek und vier Söhne, deren einer Georg, geboren 1594, später hiesiger Bürger und Viertelsherr, sich im Anfange des Dreißigjährigen Krieges um die Stadt Verdienste erwarb. Die Wiederbesetzung der Stelle machte diesmal keine Schwierigkeit. Der von dem vortragenden Bürgermeister George Kirchhof in Vorschlag gebrachte Mr. Abraham Suarinus, Pfarrer in Schkeuditz, war hier als Gelehrter, geistreicher Prediger und liebenswürdig bescheidener Mann so bekannt, seine Erlangung so wünschenswert, daß man eine Abstimmung nicht nötig fand. Die Fleischer durften nach ihren Innungsartikeln Schafvieh, mit dem sie hiesige Wiesen betrieben hatten, bei namhafter Strafe nicht an Fremde verkaufen und zahlten deshalb Elias Behr und Bartholomäus Becker, welche 100 hier gehütete Schöpse nach Leipzig verhandelten, des Nachts heimlich wegtrieben, bei Schladitz aber von dem Gleitsbereiter getroffen wurden, außer 26 Taler 6 Gr. Geleite, 25 Taler Strafgeld. Unter anderen wurde eine Kollekte für Lindau ausgebracht, wo man vier Männer, die sich nach mehrtägigem Aufenthalt im Gasthofe beim Trunke und Spiele veruneinigten, Verräter und Kundschafter nannten, auf ihr Geständnis, daß sie der türkische Sultan ausgeschickt, den Christen durch Gift und Feuer möglichst zu schaden, sie auch dieses an verschiedenen Orten ins Werk gerichtet, am Leben strafte, darauf aber ihre Gesellen die Stadt am 16. September des Nachts an mehreren Orten ansteckten, 125 Häuser, Kirche, Pfarre, Schule, Rathaus, niederbrannten und dabei 17 Männer mit 3 Wöchnerinnen ihren Tod fanden. In dem Ratskeller verschenkte man 131 Eimer Wein, Aland, Rheinwein, Naumburger und Ketzschberger und 156 Kufen oder 234 Fässer Torgauisches Bier. Der Schenke erhielt vom Eimer Wein 2 Groschen, von der Kufe Bier 3, der regierende Bürgermeister aber von jedem Stücke Wein und jedem Faß ein Nösel. Die Ziegelscheune lieferte in 5 Bränden 118 225 Steine und verkaufte man das Hundert an Bürger für 5, an Fremde für 8 Groschen. Der Scheffel Weizen galt 19-22, Roggen 15 und 16, geringe Wintergerste 6 Groschen.


Delitzscher Stadtchronik - 1600-1649

(Quelle: Delitzscher Stadtchronik von Johann Gottlieb Lehmann, ausgewählt durch Christel Moltrecht; Teil V, 1600-1649; hrsg. vom Kreismuseum Delitzsch 1985.)

Vorwort

Das vorliegende Heft der Veröffentlichungsreihe des Kreismuseums zur De­litzscher Stadtgeschichte bildet die chronikalische Fortsetzung bereits erschie­nener Hefte über die Ereignisse der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die Johann Gottlieb Lehmann vor 1850 aus archivalischen Quellen zusammenstellte. Vergegenwärtigt man sich diesen Zeitraum, so finden sich die darin geschilderten städtischen Begebenheiten von den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges überschattet. Im Laufe dieser drei Jahrzehnte steigerten sich die Belastungen durch diesen Krieg ins Unermeßliche, nahmen die Kriegswirren und Kriegsfolgen zu. Dies zeichnete der Chronist in aller Ausführlichkeit nach, denn er hatte im vorigen Jahrhundert noch zeitgenössische Quellen zur Verfügung, die eine durchgängige historische Darstellung ermöglichten. Das ist für uns. heute von unschätzbarem Wert. Dabei ist beachtlich, daß J. G. Lehmann vor über 140 Jah­ren, aus bürgerlichem Geschichtsverständnis heraus, bereits eine Fülle sozialer und ökonomischer Aussagen in seine historische Darstellung der Geschichte der Stadt Delitzsch aufnahm. So stellen sich viele dieser Ereignisse als sehr lebens­voll und überzeugend, nicht selten aber auch erschütternd, dar.
Bis zur Jahrhundertwende war die Stadt durch den handwerklichen Fleiß ihrer Bürger zu beachtlichem Wohlstand gelangt, was unter anderem die zahlreichen Landbesitzungen beweisen. Ferner läßt sich bis etwa zum Jahre 1624 verfolgen, wie der intensive Ausbau der Stadt erfolgreich vorangetrieben wurde. So wollten die Ratsherren eineh eigenen Turm mit Wendeltreppe und Stuben an das Rat­haus anbauen, um einen gesonderten Eingang für den Adelstanz zu haben. Aber dieser wohl zu umfänglich geplante Bau blieb unausgeführt. Man erweiterte das Rathaus nun lediglich nach dem Markte zu um einen massiven Anbau mit einer überwölbten Treppe und einem großen Zimmer in der ersten Etage. Dieser Raum wurde mit erheblichem finanziellen Aufwand ausgeschmückt und mit einem Pfeiferstuhl versehen. Der Hallesche Turm erhielt in dieser Zeit ein neues Uhrwerk und für Übungen der Schützen baute man ein neues Schießhaus. Erhebliche Mittel wurden auch für die Ausstattung der Stadtkirche, die sich über Jahrhunderte im Besitz der städtischen Kommune befand, ausgegeben. Als re­präsentativstes Bauwerk der Stadt war diese, Peter und Paul geweihte, Hallen­kirche für die Bürgerschaft von einiger Bedeutung. Im Jahre 1615 ließ der Rat von einem Freiberger Bildhauer einen neuen Taufstein anfertigen und die Orgel erfuhr eine gründliche Erneuerung. Man ließ 115 neue Kirchenstühle machen und schaffte einen großen messingenen Kronleuchter an. Auch wurden Verzie­rungen zwischen Chor und Schiff angebracht und die nach dem Markte zu ge­legene Peterskapelle neu eingedeckt. Der reiche Bürger und Getreidehändler Gregor Hochstetter stiftete für die Stadtkirche eine neue Kanzel, auch setzte er Gelder für kirchliche Nutzung und Gebrauch aus.
Neben Rathaus und Stadtkirche stand auch der Markt im Blickpunkt öffent­lichen Interesses. Für die Ausgestaltung dieses zentralen Platzes wurde 1619 ein künstlerisch anspruchsvoller Brunnen im Stile der Spätrenaissance errichtet. Weitere Geldmittel wurden erneut für begabte Schüler, die auf Fürstenschulen oder Universitäten ausgebildet werden sollten, bereitgestellt. Man gewährte ihnen die sogenannten Ratsstipendien. Die Erlangung der Magisterwürde und die dem Rate zugeeigneten wissenschaftlichen oder literarischen Werke wurden ebenfalls honoriert. Neue Festlegungen erfuhren in dieser Zeit auch die Besoldung des Bürgermeisters, der Ratsherren, des Bauherren und des Stadtschreibers. Bereits Jahrzehnte vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges machten sich parallel zur wirtschaftlichen Stabilisierung und dem erreichten Wohlstand Ein­schränkungen auf verschiedenen Gebieten bemerkbar. Der zu Beginn des Jahr­hunderts noch wohlhabende Rat zu Delitzsch hatte feudale Besitzungen wie die Rittergüter und Dörfer Paupitzsch, Petersroda, Holzweißig und Werbelin erwor­ben. Erhöhte Steuern sowie die maßloser. Forderungen der Kurfürsten Christian und Johann Georg für Soldgelder zwangen den Rat jedoch zu Verkäufen. So gingen von den Stadtfluren der Dübische Werder, Wiesen bei Spröda und Benn­dorf, aber auch die Naundorfer- (hinter der Kläranlage) und Elberitz-Mühle verloren. Das Dorf Gertitz mußte zudem verpfändet werden. Trotz aller fürst­lichen Beschwerungen achtete der Rat streng auf seine städtischen Vorteile und Rechte. So wurde die Biermeile neu ausgemessen, um Handhaben gegen die Dörfer zu besitzen, die anderes als Delitzscher Bier ausschenkten. Daraus ent­stand 1629 der sogenannte Brinniser Bierkrieg mit bewaffneten Auseinander­setzungen, da diese Gemeinde Eilenburger Bier eingelagert, hatte. Durch einen Leipziger Juristen ließ sich der Rat seine städtischen Privilegien aktualisieren und neu. bestätigen. Dennoch gingen solche Rechte wie die Kavillerei und das des Geleits. verloren. Auch erfolgten •. von landesherrlicher Seite Aufforderungen zur Einschränkung unnötiger Ausgaben, unter anderem mußte der Pferdebestand des Marstalles verringert werden.
Den wirtschaftlichen Bemühungen der Stadt standen die frühkapitalistischen Bestrebungen des Kaufmannes Gregor Hochstetter entgegen, der hier Getreide stapelte und durch billige Verkäufe die Einkünfte der Stadt und anderer Kauf­leute, vor allem aber die der Stadt Leipzig, schädigte. Zu Auseinandersetzungen führte 1606 auch die Errichtung einer neuen Herberge in der Neustadt, zum „Weißen Roß" genannt. Auch hierin sahen die Gastwirte und Herbergsbesitzer der Altstadt ihre Einkünfte geschmälert. Erst nach mehreren Einsprüchen seitens des Wirtes erhielt dieser die Erlaubnis, zu herbergen und auszuschenken. Das Abhalten von Wochenmärkten in diesen unsicheren Zeiten war oft nicht mög­lich. Auch brachte der schwache Besuch aus umliegenden Städten und Dörfern nicht die erwünschten Gewinne. Hieraus erklärt sich ein „Tumult der Fleischer", der sich gegen die Lesterer vom Lande, das sind Verkäufer minderwertigen Fleisches, wandte, die den Stadtfleischern den guten Gewinn streitig machten. Die vermehrte Aufnahme von Mietern durch die städtischen Hausbesitzer führte zu einem Zuzug von Fremden unsicheren Gewerbes. Das veranlaßte den Rat, eine besondere Hausgenossenordnung zu erlassen, die sich gegen die Abgabenfreiheit derselben, aber auch gegen Lohnsteigerung, Arbeitsscheu und sogar Bettelei durch deren Kinder richtete. Auch wurde streng auf Ordnung und Sitte geachtet und Vergehen wie Diebstahl häufig mit Todesstrafe oder Landesverweisung geahndet. Eine 1612 als kurfürstliches Mandat ergangene Kleiderordnung be­strafte übermäßigen Luxus und wies jedem sozialen Stand seine Kleidung zu.Neben den zahllosen Belastungen, die die Kriegsvorbereitungen mit sich brachten, fehlte es nicht an Übergriffen des hier ansässigen Adels in die Rechte und Ord­nungen der Stadt. Die bereits im Jahre 1601 von den Bürgern erwirkte kurfürst­liche Adelstanzordnung, die während dieses Festes auf dem Rathaus aushing, wurde von den Adligen mißachtet, denn die Chronik berichtet in den Jahren 1600 bis 1607 wiederholt von Duellen unter den Adligen, aber auch von Tumulten in der Stadt und von Überfällen auf Bürger. Erst die weiteren Kriegsjahre brachten diese Tradition zum Erliegen, denn 1624 wird der Adelstanz nicht mehr erwähnt. Auch die häufigen Eingriffe in die Delitzscher Hutungsgerechtigkeit führten häufig zu Prozessen zwischen den Adligen von Scheidingen auf Klein­Wölkau bei Kertitz und denen von Miltitz auf Schenkenberg, langjährigen Widersachern der Stadt. Letzterer störte die Loberfischerei und wegen der Viehtrift bei Naundorf (Naundorfer Mühle) und auf den Benndorfer Wiesen mußten mehrere Prozesse geführt werden. Daraus entstanden der Stadt laufende Ungelegenheiten und Kosten. Doch auch der Kurfürst erlaubte sich Eingriffe in die Rechte der Stadt, indem er von der Einsetzung der Pfarrer bis hin zum Entzug des Patronatsrechtes über die Kirche seine feudale Willkür ausspielte.
Die von Böhmen ausgehenden politischen Unruhen machten sich ab 1621 auch hier durch Verschlechterung der Münzen bemerkbar. Im ganzen Land fand eine Geldentwertung statt. Silbermünzen wurden an den Rändern beschnitten und neue durch Zusatz minderwertigen Metalls geprägt. Auch in Delitzsch wurde für drei Jahre eine kurfürstliche Münze eingerichtet, um den hohen Bedarf an derartigen Münzen - es waren Achtgroschenstücke - zu decken. Noch heute erinnern der Straßenname Münze und das stattliche Haus an der Stadtmauer an diese Zeit. Zu einer Überlebensfrage für das Gemeinwesen wurde in diesen Jahrzehnten die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit der Delitzscher Altstadt mit ihren Mauern, Gräben, Wällen und Bastionen. Deshalb waren vielfältige Bauaktivi­täten an dieser Wehranlage notwendig. So wurde die Mauer in einigen Bereichen erhöht, die Gräben erweitert und überflüssige Brücken abgetragen. Die im Jahre 1631 beschädigten Mauerteile wurden umgehend ausgebessert. Auch nach der von den Schweden ausgeführten Niederlegung ganzer Mauerbereiche im Jahre 1644 erfolgte bald darauf deren Neuaufbau. Dazu lieferte die Ziegelscheune viele gebrannte Steine. Der Rat ließ die Wachen an den Toren verstärken, da die Ge fahr bestand, daß Mordbrenner Feuer legten. So wird an'vielen Beispielen die stets erneuerte Lebenskraft der Delitzscher Bürger in diesen Kriegszeiten deut­lich, die sich trotz unsäglicher Belastungen zu behaupten suchten. Bereits zu Beginn des Krieges mußte der Rat die Zimmerleute zum Festungsbau nach Dresden und. Wittenberg abstellen. Darüber hinaus wurden Kriegsbürger und ein Heerwagen dahin abgefordert. Seit 1623 hatte sich ein Fünftel der Bevölkerung ständig bewaffnet zu halten. Der Wert vieler Waren, besonders aber der von Nahrungsmitteln, stieg in unglaubliche Höhen. Das führte zur Verarmung der Bevölkerung. Die politischen wie militärischen Unsicherheiten dieses Krieges und die damit verbundenen finanziellen Belastungen durch Waffenkauf aus Suhl zur Ausrüstung der Brau­erben und Pfahlbürger sowie die Zahlung von Kriegsanleihen nach Grimma und Prag schwächten die Stadt erheblich. Auf den Ausschußtagen der Stände in Dresden wurde wiederholt über die Aushebung und Anwerbung von Soldaten sowie über deren Sold debattiert. Doch blieb es nicht dabei. Die Bürger der Stadt erlebten erste direkte Konfrontationen mit dem Kriegsgeschehen durch Einquartierung von Reiterei in die Ämter Zörbig, Petersberg und Delitzsch. Die Einwohner hatten die Soldaten nicht nur in ihre Häuser aufzunehmen, sondern auch für deren Verpflegung einschließlich der ihrer Pferde aufzukommen. Außerdem beanspruchten die Offiziere und Generäle aufwendigere Beköstigun­gen. Die Chronik überliefert dazu ausführliche Aufzählungen ausgesuchter Spei­sen, die auf der. Gelagen geboten werden mußten. Mehrfach hatten die Bürger von Delitzsch aus Brot, Bier und Hafer zu weit entfernt liegenden Heeresteilen zufahren.
Die hiesige Bevölkerung fühlte sich aufs höchste beunruhigt, als Wallensteinsche bzw. Tillysche Truppen 1625 und 1630 in die Städte Halle und Magdeburg ein­fielen. Zahlreiche Einwohner der Dörfer und umliegenden Rittergüter suchten daraufhin in der Stadt Zuflucht, während diese sich bemühte, durch militä­rischen Schutz vor Plünderungen anderer Söldnertruppen gesichert zu sein, denn es plünderten und brandschatzten Freund und Feind und kein Bürger oder Bauer war mehr seines Hab und Gutes oder seines Lebens sicher. Die Schilderungen der Kriegsgreuel durch Augenzeugen, denen sich wehrlose Frauen, Kinder und Greise ausgesetzt sahen, sind dafür beredte Zeugnisse. Das Pflügen der Felder, das Reisen und der Transport wertvoller Güter waren nur noch unter militä­rischem Schutz und Geleit möglich. Eine der bedeutendsten Schlachten dieses Krieges fand im Jahre 1631 bei Brei­tenfeld statt. Sie bezog Teile des Territoriums des heutigen Kreises Delitzsch ein, so die Loberniederung im Raum Zschölkau-Rackwitz-Schladitz-Lössen. In dieser Schlacht wurden die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein von den Schweden unter Gustav Adolf besiegt. Eine Folge dieses Gemetzels war die Überflutung der Stadt mit zahllosen Verwundeten. Außerdem nahmen die durch Delitzsch ziehenden schwedischen Truppen kein Ende. Der Durchzug dieser Truppen, die Einquartierung von Soldaten und die Unter­bringung der Verwundeten, aber auch der Zuzug vieler Menschen aus der Um gebung brachte die Stadt an die Grenze ihres räumlichen Fassungsvermögens. Auch eine Versorgung dieser vielen Menschen mit dem Notwendigsten war nicht mehr gewährleistet. Die Landbevölkerung war in die Städte geflüchtet und der Boden jahrein-jahraus nicht mehr bestellt worden. So gab es keine Ernteerträge und Hungersnöte kamen auf. Auch ansteckende Krankheiten wie Pocken, Fieber mit tödlichem Ausgang, die Pest in der Grünstraße und Ausbruch von Typhus suchten die Bevölkerung heim und führten zur stärksten Dezimierung der Einwohnerschaft seit über 300 Jahren. Zahlenmäßige Vergleiche weisen nach, daß 1643 gegenüber 1602 nur noch 15,3 °„u der ehemaligen Bewohner existierten. Viele Tote konnten nicht mehr registriert werden und ganze Familien starben aus. Im Jahre 1630 wurde deshalb der Friedhof an der Marienkirche durch Landaufkauf erweitert, um den Toten eine letzte Ruhestätte zu schaffen. Als das schlimmste Jahr des Krieges für die Stadt wird in der Chronik das Jahr 1637 genannt. Die Neustadt, der Stadtteil zwischen Roßplatz-Bitterfelder Straße­Schäfergraben, Marienkirchhof-Stakenweg-Karl-Liebknecht-Straße, die nur durch Gräben und Palisaden geschützt war, wurde von 4000 schwedischen Rei­tern angegriffen,, die Häuser, Scheunen und Mühlen in Brand steckten und Schäden verursachten, die erst im 19. Jahrhundert wieder voll ausgeglichen waren.
Im Jahre 1642 fand erneut eine Schlacht bei Breitenfeld zwischen dem schwe­dischen Heer unter dem neuen Befehlshaber Torstenson und dem kaiserlichen Heer unter Piccolomini statt, in der das kaiserliche Heer wieder geschlagen wurde. Auch diese Schlacht brachte der Stadt starken Zuzug von Bewohnern aus den umliegenden Dörfern. Mehrere Kontributionen mußten in, Form von Naturalien an die Sieger geliefert werden und die Stadt sah sich deshalb ge­zwungen,ihre Ratsdörfer zu verpfänden. Obwohl bereits 1643 Friedensverhandlungen in Münster in Westfalen begonnen hatten, kam es zu keiner Einigung, vielmehr wurde vor allem das darauffolgende Jahr wieder ein schweres für die Stadt, weil ständig schwedische Besatzung auf­genommen werden mußte. Um die Stadt in ihrer Wehrhaftigkeit zu schädigen, wurden damals unter Torstensons Besatzung die Befestigungen am Schloß und die Bastionen der Stadtmauer niedergelegt. Ein separater 1/2-jähriger Waffenstillstand zwischen Sachsen und Schweden in Kötzschenbroda führte 1645 zu einer ersten Beruhigung der kriegerischen Ereig­nisse. Der Bevölkerung brachte dies aber noch keine Erholung. Auch als das eigentliche Friedensdekret Ende des Jahres 1648 verlesen wurde, war der Friede nicht sicher. Noch für Jahre blieb die schwedische Besatzung in deutschen Landen. Delitzsch mußte sich nicht nur mit 400 Talern an den Kriegs­kontributionen beteiligen, sondern eine schwedische Kompagnie aufnehmen und deren Verpflegungsgeld aufbringen. Es waren nur noch 145 bewohnbare Häuser gegenüber 394 vor dem Krieg vor­handen. Es dauerte Jahrzehnte, bis die ungeheuren Schäden wenigstens teilweise beseitigt waren. Einen angemessenen Wohlstand unter der Bevölkerung wie vor Ausbruch des Krieges gab es allerdings über Jahrhunderte nicht wieder. So jedenfalls schätzte es der Chronist Lehmann ein. Die Weiterführung der Chronik bis zum Jahre 1701 verdeutlicht dies anschaulich.
Christel Moltrecht


 1600
Mg. Andreas Fischer und Johann Barth, (Sohn des vormaligen Diakon Matthias Barth, geboren am 30. Juni 1575 und seit 1595 Student der Theologie in Wittenberg) kamen an die Stelle des Rektors Mr. Johann Stoie, und dritten Schullehrers Andreas Fischer, welchen man in den Rat zog. Die Stadt verlor den Stoie ungern, denn er war einer der Aus­gezeichnetsten, dessen Schüler in höheren Instituten Aufsehen machten, und sein Andenken in Ehren hielten. So erinnerte sich der berühmt gewordene Leipziger Theologe Dr. Heinrich Höpfner noch in den späten Lebensjahren mit Vergnügen des sechsjährigen Unterrichts dieses from­men, gelehrten Mannes, wie er ihn nannte, und der Mr. Hieronymus Heidenreich, hiesiger Konrektor, bekannt durch sein Lobgedicht auf die Stadt: Delitia Delitiarum, sprach sich über ihn mit nicht minderer Ach­tung und Liebe aus. Der ihm im Schulamte folgende Mr. Fischer, ein Sohn des 1591 gestorbenen Bürgermeisters Johann Fischer, geboren am 13. Juli 1568, verdankte der Pforte und Leipzig seine gelehrte Bildung und erlangte daselbst 1693 das Magisterium. Die bösartige Dysenterie, welche sich erst im Mai dieses Jahres beru­higte, ergriff noch die Familie des Diakon Drommer, und er selbst ward, nachdem ihm sein Sohn und die Gattin Eva vorangegangen, am 4. Ok­tober ihr Opfer. Der Landgraf Moritz zu Hessen übernachtete auf dem Schloß, und ward vom Amtmann bewirtet. Mehrere von den Bürgern zur Tafel gegebene zinnerne Gefäße kamen weg und der Rat zahlte, weil der Amtmann den Ersatz verweigerte. Der neue Superintendent Mr. Abraham Suarinus hielt am 4. April die Probepredigt, zog am 29. Mai an, und ward von dem Leipziger Super­intendenten Dr. Georg Weinrich eingewiesen. Heinrich Weißand, ein Apotheker aus Halle, erlangte das Bürgerrecht. Am 21. Mai starb Nicolaus Fritzsche, Ratsherr seit 1583 und Kämmerer. Seine Söhne, Johannes und Nicolaus, studierten von 1593 ab in Leipzig und erlangte Johannes 1601 das Baccalaureat der Philosophie daselbst. Die von Kattersnaundorf wollten sich am Kratzenpfuhle auf Weißiger Mark Hutung und Trift anmaßen, wurden aber nach Besichtigung am 28. Mai zurückgewiesen. Thomas Sparmann in Werben, den man wegen Gotteslästerung und Tumult mit Gefängnis bestraft hatte, erhing sich an einer Leiter im Hause seiner Mutter. Am 2. Juli erregten die Edelleute Leonhard und Hans Gebrüder von Scheidingen auf Wölkau, Otto von Gröpzig mit anderen nach gehaltenem Adelstanze Tumult, fuhren schnell auf den Straßen, schossen in der Stadt, besonders vor dem Hause des Bürgermeisters Gewehre ab, öff­neten mit Gewalt das Tor und beschädigten mehrere Bürger. Der Rat führte deshalb bei dem Administrator Beschwerde, und dieser befahl nach Berichterstattung der zur Untersuchung beauftragten Kommissarien, Hans George von Ponikau und hiesigen Amtsschössers, ihre Bestrickung. Man verglich sich aber durch Vermittlung des Otto von Scheidingen, Otto Spiegels zu Badrina, Otto von Maschwitz auf Lissa, Vollhard Rauchhaupts auf Hohenthurm, und gab die Beschädiger gegen Zahlung der Arztlöhne, Kostenversäumnisse und auf handschlägliche Zusicherung, sich künftig dergleichen Zunötigungen zu enthalten, wieder frei. Die Schützen empfingen zu ihrem Vorteile 7 Schock. Am 3. Dezember, nachmittags 2 Uhr, starb der Archidiakon Peter Pla­nitz am Schlage, der ihn bei dem Leichenbegängnisse der Tochter des Fabian Döring auf der Straße getroffen hatte. Er war 50 Jahre, hier 45 Jahre im Amte. Die Zwinger wurden auch in diesem Jahre mit viel jungen Obst­bäumen und Reben besetzt; der Rat brachte die Ausgaben, sogar für Abnahme des Obstes in Rechnung, welches lange nachher erst gerügt und abgeändert wurde. Einige Landsknechte, die in der Stadt herbergen wollten, fertigte man zu Verhütung allerlei Unglücks mit 24 Groschen ab. Auch gab man sechs armen Studenten, denen man das Umsingen nicht gestattete, ein Viaticum. Die Ziegelscheune lieferte 120 650 Steine. Aus der Fischerei des Grabens nahm man 20 Schock 30 Gr., 112 Eimer Wein und 813 Eimer Torgauisches Bier wurden im Ratskeller abgesetzt und vom Weine 350 Schocke, vom Biere 633 Schocke in Rechnung gebracht. Der Scheffel Weizen galt 23, Roggen 20, geringe Wintergerste 8, Hafer 8 Groschen, die Kanne Torgauisches Bier 9 Pfennige. Damit man aber wisse, wie weit man rechtlich bei Zunötigungen gehen und eingreifen dürfe, erbat man sich vom Administrator eine Verord­nung, welche auch im folgenden Jahre gegeben ward.


1601
Die Diakonenstellen wurden mit Eingebornen, die erste mit dem Mr. Balthasar Franke, die zweite mit Veit Börner besetzt. Franke verehelichte sich am 20. Oktober mit Sibylla, der Tochter des Bürgermeisters George Wend und empfing vom Rate 15 Taler und 16 Kannen Wein Hochzeits­geschenk. Börner, der Sohn des Bürgers Daniel Börner, geboren am 14. Juni 1565 und von 1586 Student in Leipzig, hatte das hiesige Friedericische Stipendium von 25 Gulden und war seit 1594 Prediger bei der deutschen Gemeinde in Stockholm, wo er 1598 der Herzogin von Meck­lenburg, Elisabeth, Gedächtnispredigt hielt, die in Rostock im Druck er­schien, wegen freimütiger Äußerungen über die Unzuverläßigkeit der Fürsten Aufsehen machte und gesuchet ward. Andreas Wald aus Quering, stach am 25. Januar beim Weggang aus der Stadt dem Bauer Michael Kirchhof aus Roitzsch ein Auge aus. Er ward, als es durch Zeugenaussage feststand, daß er trunken gewesen, in Arztlohn, Versäumniskosten, Zehrung verurteilt und mußte das verletzte Auge dem Beschädigten mit 50 Gulden verbüßen. Ein Schafknecht Peter Bürger, bei dem Amte wegen Diebstahls in Untersuchung, ward am 6. Februar vormittags 9 Uhr mit dem Strange hingerichtet. In Gertitz fand sich am 6. März' in der Backstube des Gutsbesitzers Martin Pötzsch ein weggesetztes, in Betten gewickeltes Kind von 8 bis 12 Wochen, welches der Rat einer Frau auf dem Gerberplan zur Er­ziehung gab. Man vermutete, daß das Kind einer jungen Weibsperson von Meißen, die ihrem Manne, einem Schneider Nitzsche im Anhal­tischen, nachgezogen und in Tornau bei Brehna niedergekommen, ange­höre, die dasige Wehmutter konnte aber nicht behaupten, daß es das von ihr in Tornau gehobene Kind sei und da das Kind bald starb, ward die Untersuchung eingestellt. Auch am 7. August fand man ein Kind am Kohltore, das aber bald an Krämpfen starb. Der Rat erhielt vom'Administrator die nachgesuchte, unterm 11. März erlassene Ordnung des Adelstanzes, auf Pergament geschrieben und mit dem Kanzleisecrete besiegelt, mit zwei Kopieen, deren eine den adelichen Vorstehern übergeben, die andere während des Tanzes auf dem Rathaussaal e an einer Kette befestiget, aufgehängt ward. Sie verursachte durch Abholung und Verehrungen an die Kanzlei einen Aufwand von 45 Talern und lautet wörtlich:
„Von Gottes gnaden wier Friedrich Wilhelm Hertzogk zu Sachsen Vormundt vndt der Chur Sachssen Administrator landgraff in Döringen vnde Marggraff zu Meissen, in Vormundschafft der Hochgebornen Fürsten vnserer freundtlichen lieben Jungen Vettern und Pflegesöhnen der Hertzogen zur Sachssen gebrüdern; Fuegen euch denen benachbarten vom Adell im Ampt Dölitzsch und anderen, so sich des adelichen Tantzes in der Stadt Dölitzsch, vff Petri Pauli-gebrauchenn, Kunth vndt zu wis­sen: Nachdeme vnß glaubwurdiger bericht ein und verbracht, Daß weil vber Menschengedenken die Ritterschafft im Ampt Dölitzsch beide Schrifft und Ambtsassen, auß sondern wohlmeinenden bedenken, einen ehrlichen, züchtigen adelichen Tantz in der Stadt Dölitzsch Jhärlichen vff Petri Pauli gehalten. dartzur dan der Rath daselbst auf nachbarlichen freundtlichen willen und tzuneigung der Ritterschaft sich hierinnen also bequemet, und gutwilligk betzeiget, daß ihnen das Rathauß doselbst tzu solchem tantz jedesmals drey tage langk eröffnet wirdt; Ob nuhn wohl diese Adeliche tzusammenkunfft, beneben ihren ehrenthugendsamen Frauentzimmer, besondern auch von. vielen frembden ortten ehrliche vom Adel, Frawen und Jungkfrauen antzukommen pflegen, und solches von den Vorfahrenden vom Adel tzur nichts anders, dan tzu erhaltung nachbarlichen freundlichen willens guetes vortrawlichen vornehmens vndt correspondents gemeinet, auff das im Jhahr dermahleins die benachbartem vndt Freunde tzusammen kommen, sich miteinander ersehen, freundlichen besprechen vndt in frohlichkeitt ergetzen mögen, Wan sich aber anjetzo durch die vngetzogene, freche vndt wilde Jugent, vff sol­chen Tantz vielfaltige vngelegenheit, durch Hader, tzangk, palgen, Spren­gen, Rennen, Schießen, und anderen dergleichen vnfugsamen beginnens (fast stetiges ereignen, Dahero sie auch niemandes, was alters und standes derselbe sei. auch des Frawentzimmers nicht verschonen, Sowohl gegen der Bürgerschafft vndt deren bestalte wache vil vnfugs anrichten und vornehmen, daraus künfftigk mordt und vngelick eruoigen könnte, Als haben wir tzu uorhuetung drauhenden gefahr vndt vnglücks, darauff nachfolgenden beuehlich und ordnung gethan, wie ein ieder sich vff solchen Tantz vndt anders nicht tzu uorhaltenn, hiermitt ernstlich beuehlende, das alle diejenigen, so sich dieses Adelichen Tantzes tzu gebrauchen in willens, Inhalts solcher ordnung vndt Satzung in allen Articuln und puncten, bei vormeidunge vnser vngnade, vndt der darin einuorleibten pöen vndt Straaffe, (die dan vff den tat ernstlich und vnnachläßigk von den Verbrechern eingebracht werden soll) gehorsam lieh ertzeigenn und vorhaltenn; Dieses gereicht tzu erhaltung dieses tantzes gebührliches Friedens vndt einigkeitt, tzu fortpflantzung Ade­lichen Wesens und thugent, euch auch selbesten tzu ehren, ruhm und bestenn. Darueber vier auch selbesten mit ernst tzu halten bedacht und entschlossen, Darnach sich ein jeder tzu richten, und vor vngnade, Straffe, Schaden und nachtheil tzu huetten. Volget die Ordnung.
Erstlichen, Es sit hiebeuorn bei diesem Tantz breuchlichen gewesen, daß die Platz­meistere, entweder den abend daruor, oder doch den Tagk Petri Pauli frue tzeitlichenn nach Dölitzsch sich begebenn, Ehrstlichen tzur Kirchen gegangen, und das Wort Gottes gehöret, Darnach der tzurkommenden Adelichen geselschafft erwartet, darbey sol es nochmals also beruhen, und bewendenn, Darmit vor allen Dingen dieser Tantz in der furcht Gottes angefangen, vndt also vollendet werde.
Vors Andere, Ehe man aber tzum tantze kömmt sei der Rath tzu eröffnung des Rat­hausses tzuuor freundlichen ersuchet werden, und sollen alsdann die anwesenden Jungkern und das Adeliche Frawenzimmer sich in der Platzmeister behausung vorsamlen, und mit dem Saitenspiel in gueter ordnung vff das Rathauß tzum Tantze gehen.
Vors Dritte, Weil auch hiebeuore das getrengk an Torgischen Bier jederzeidt aus des Raths tzu Dölitzsch keller genommen, Sal es hinfuro auch also gehalten, und dasselbe ehe dan denen vom Adel das Rathaus eröffnet, vndt also mit angehendem Tantz aus denen Ursachen, das sich die Zahlung hie­beuor von etzlichen tzu lange vortzogen, in billigem werth betzahlet werdenn.
Vors Vierte, Weil auch die Zusammenkunfft tzu anders nicht, dan tzu freundschafft, friedsamer einigkeit und frohlicher ergetzung gemeiner, So sei ein ieder, der mit einen andern ichtwas in vngutte zu schaffen hatte, solches an diesem ort nicht anten oder eyfern, Sondern bis zur anderer gelegenheit einstellen, Damit bei diesem Tantz vnglück vorhetet, Frawen und Jungk­frawen nicht erschreckt noch betruebet werden. Solle aber vber diese Vorwarnung iemandes so unbescheiden sein, aufbinden, einander aus­fordern, und sich mit bloßer wehre balgen, die sollen jeder fünf und zwantzigk gülden straaf vnnachläßigk entrichten, und vorfallen seinn.
Vors Fünffte, Weil auch den Platzmeistern die tzeidt vber des wehrendes tantzes viel vffgehet so hat die gantze geselschafft hiebeuorn sub dato den zwey und tzwantzigsten Junii Anno Sechs und Achtzigk vor gut geachtelt, und angesehen, vorwilliget, vorbriefet, und versiegelt, das ein ieder andert­halben thaler den Platzmeistern tzur steuer geben sei. Weyl aber den­selben bis anhero vbel nachgelebet, Sei ein ieder, der das seine nicht acht tage vor Petri Pauli richtigk machet, und den Platzmeistern tzu­schicket duppelte Anlage zu geben schuldigk sein, Er erscheine gleich uff den tantz, oder nicht.
Vors Sechste, Sol auch ein ieder im Tantzen sich tzuchtigk und sittlich halten, nicht mäntel abwerfen, lauffen noch schreiben, Frawen und Jungkfrawen auch nicht abreißen, oder sonsten unhöflich und vntzimblich gegen ihnen mit geberten oder reden sich gebahren oder ertzeigen, Sich auch nicht vordrehen, noch dergleichen vppigkeits beginnen, viel weniger auch einer den andern den Vortantz nehmen, oder sonsten am tantze ein­springen., oder anderer Leichtfertigkeit gegen den Frawentzimmer ge­brauchen, als mit Hauben abreißen, oder dergleichen.
Vors Siebende, Die Tantztzeitt vber, so wir hiebeuore drey tage gehalten worden, sol noch also gehalten werden, ihnen auch frey stehen, vfs Rathaus tzu gehen, so frue Sie wollen, Sollen aber lenger nicht, dan vmb acht vhr den abent tzue tantzen macht haben, Wurden auch die Spielleuthe deine tzue wieder vf dem Rathause sich lenger brauchen laben, dieselben sollen mit gefengnuß gestrafft, Die aber welche die Spielleuthe dartzur zwingenn und dringen, ieder drey Thaler vorfallen seinn.
Vors Achte, Weil auch die vom Adel ihre Herbergenn bei der Bürgerschafft haben müssen, Sei ein ieder sambt seinem gesinde gegen seinen Wirth sich beneben richtiger Zahlung freundlich, vnder ihnen selbest friedlich, gegen andere bescheidentlich und also ertzeigen, das vngelegeuheit ver­bleibe, Wurde aber dem Wirth zur clagen vrsach geben, Sei der vor­brecher fuenff thaler straff tzue geben, und do schaden geschehen, mit fenster ausschlagen, Ofen einwerfen, oder andere, tzue gelten schuldig sein.
Vors Neunde, Es pfleget auch die ungehaltene freche Jugent sich des nachts mit der Wache tzu ärgern, welche frieden tzu erhalten und vnglugk zu uorhueten angeordnet, derentwegen sol der, welcher die Wache anlauffen, und vorunruhigen wirdt, vngeacht er darueber tzue Vnglück keine, Zehen Thaler straaff vnnachlässigk abtragen, und erlegen, Welche vorgesetzten strafen alle in vnserer freundtlichen lieben Jungen Vettern und Pflege­söhne Rentkammer vorfallen und vnnachleßigk einbracht werden sol­len, doch dem Rathe an ihren habenden Gerichten, wan einer darnach verbrechen möchte, unschädlich.
Vors Zehende, Sintemahl auch an ietzo eine solche Verordnung und muthwill vnter knechten und Jungen ist, das sie fast die meiste Vnlust vf solchen und dergleichen Zusammenkünften antzurichten pflegenn, Do nuhn einer oder der ander in dießer Zusammenkunfft hader oder Zangk anrichten, oder sich mit vntzimblichen wortten vornehmen ließe, der sol alsobalde angenommen, zur Hafft gebracht und vier wochen mit gefengnus ge­strafft werden, der Jungker auch solches freuelers und muthwilligen Dieners sich nicht annehmen.
Vors Eilfte, Ob auch wohl nicht vormuthlich, das ein Adelich Ehrenthugentsames Frawenzimmer sich vngebuhrlich und vorweislich ertzeigen solte, den­noch aber, weyl es leider notorium und die erfahrung giebet, das sich auch tzue tzeidten, hin und wieder wilde, freche und vngeberdige Jungfrawen finden, Als sollen dieselben hiermit vorwarnet sein, ein ieder ehrlicher Vater und freundt seine Tochter und Freundin dahin ermah­nen und anhalten, das sie sich vf diesem tantz eingetzogenn, still und züchtigk vorhalten, Vnd allen vbelstand gentzlichen vormeiden, Mit den Mannespersohnen kein gereitz, zäcken und vberflüßig gewasch halten, und andern Adelichen, Ehrentugentsamen Frawenzimmer böse Exempel geben, und die liebe Jugent ärgern. Solte aber vber zuuorsicht eine oder die Andere sich vntzimblicher weiße ertzeigen, die wirdt und sei billich, wan kein vormahnen noch warnen helffen wolle, andern zur Abschew durch Gebührende mittel abgeschafft und nicht geduldet werden.
Vors Zwölfte, Die anwesenden vom Adel, die sich solches Tantzes gebraucht, sollen mit gueter bescheidenheit wiederumb abtzihen, alles rennen mit Kutzschen und pferden, vngewohnlichem geschrey, Schießens in der Stadt, und dergleichen vppigkeidt vermieden, Solte sich aber einer oder der ander des wiedrigen vnterfahen - So sollen alsobalde die Thör tzuge­schlagenn, die Verbrechern in Vorstrigkung genommen, und solches die hohe Obrigkeit vnderthenigst bericht werden.
Vors Dreitzehende, Schlißlichen und weil auch breuchlichen gewesen, Das man hiebeuorn den andern tagk in wehrenden tantz newe Platzmeistern geordenet, welchen man einen iedern durch eine Adeliche Ehrenthugendsame Jung­fraw ein Krantz oberreichen laßen, das volgende Jhar solchen tantz wiederumb tzuhalten und auszurichten, Als sol es ferner alß auch ge­halten werden, Vnd den Platzmeistern befreystehen, den andern oder dritten tagk abtzuziehenn, Jedoch welcher den andern tagk abzeucht, das er den dritten tagk vollends das getrencke den noch vorbleibenden vom Adel vorschaffe.
Zu vrkundt haben wier diese Ordnung mitt eigenen Handen vnderschriebenn und mitt vnseren Jungen Vettern anhangenden grösserm insigel wissendtlich besiegelt. Geschehen und geben zu Dreßden den eilfften Monatstagk Martii Nach Christi vnseres lieben Herrn und Selig­machers geburth im thausent sechs hundert vndt ehrstenn Jhare.
Friedrich Wilhelm Hz Sachssenn
David Peifer
D sst.
H Volhardt S."
Am 4. Februar starb der Ratsherr Andreas Fischer, am 21. März der Einwohner Hans Bayer, früher Hofmeister auf dem Rittergute Neuhaus, im 102. Lebensjahr, und am 20. Juli der Amtsschreiber Matthias Pirner. Ein Landsknecht, Elias Naumann, aus Cönnern, welcher ein Weib in Zschernitz erstochen hatte, ward am 13. Mai mit dem Schwerte, und Hans Rosenhain, aus Reideburg bei Halle, ein Dieb, am 11. September mit dem Strange hingerichtet. Am 23. September übergab der Herzog Friedrich Wilhelm, Administrator und seit dem Tode des Kurfürsten Johann Georg (1598) alleiniger Vor­mund, dem ältesten Sahne des verstorbenen Kurfürsten Christian, glei­chen Namens, welcher an diesem Tage das 19. Jahr antrat, mit der Re­gierung auch die noch über die jüngeren Geschwister zu führende Vor­mundschaft, und ging von Torgau, wo er bisher Hof gehalten, im Oktober nach Weimar zurück. Dem Kurfürsten Christian IL. huldigte am 18. und 19. November Amt und Stadt. Die Kommissarien waren Hans Löser aus Pretzsch, Domprobst zu Naumburg, Erzmarschall, Heinrich Abraham von Einsiedel, Geheimer Rat, Hans Friedrich von Schönberg, Hofrichter und Hauptmann zu Wit­tenberg, und Caspar von Schönberg aus Pulsritz, Hofrat zu Dresden, und kostete die Auslösung für drei Tage, den 17., 18. und 19. November der Stadt gegen 300 Taler. Man verbrauchte aber 12 Eimer diverse Weine (am Werte 148 Taler), 1 Kufe Torgauisches und 2 Faß hiesiges Bier, ein Schwein, 116 Pfund Rind-, 110 Pfund Schöps-, 103 Pfund Kalbfleisch, geräucherte Ochsenzungen, Kuheiter, 14 Gänse, 8 Kapaunen, 25 alte, 7 junge Hühner, 9 1/2 Schock Eier, 691/2 Pfund Karpfen, 461/2 Pfund Hecht, 43 Pfund Karauschen, Barse, Bratfische, 1/s Schock Brik­ken, 101/2 Schock kleine Vögel, für 18 Taler Gewürz und Honig, Konfect, Maronen, Borsdorfer und andere Apfel, Birnen pp., für 13 Taler Butter, Käse, Speck, Salz etc., für 14 Taler 17 Gr. Brod, Semmeln, Zwie­beln, Gurken, Gemüse pp., 3 Pfund Wachslicht, 1/Y Stein Unschlittlichte, 2 Fackeln pp. und gab mithin für diese Zeit einen nicht unansehnlichen Schmaus. Auf dem Landtage in Torgau vom B. bis 19. November waren von hier die Bürgermeister Gregor Kirchhof, George Wend, der Kämmerer David Holzmüller und der Stadtschreiber Richter. Der Kurfürst erließ der Landschaft die Weinsteuer, vom Eimer Rheinisch 10, vom Frankenwein 5 Groschen für dieses Jahr. Das Ratsstipendium hatte Paul Hintzsche, der Sohn des Ratsherren. gleichen Namens, geboren am 11. April 1582, welcher in Wittenberg Mathe­matik und Medizin studierte, später hier als praktischer Arzt lebte und 1627 in den Rat kam. Er schrieb die Kalender, welche in Halle bei Christoph Salfeld in Quart erschienen, und so beliebt waren, daß sie lange nach seinem (am 22. April 1633) erfolgten Tode auf seinem Namen fortgeführt wurden. In diesen Kalendern findet sich auch sein Bild im Holzschnitte mit der Umschrift: Paulus Hintzschius natur anno 1582 11. April. Deo et Proximo. Man gab einem Schieferdecker von Berlingeroda, Johann Brickmann, welcher von einem 109 Ellen hohen Kirchturm gestürzt war, und nur den rechten Arm gebrochen, auch darüber genügende Kundschaft hatte, und mehreren, der Religion wegen Vertriebenen Reisegeld. Der Scheffel Weizen galt 19, Roggen 20-18, Wintergerste 7, Hafer 6 Groschen. Zwei Diebe wurden gehängt.


1602
Es war Gewohnheit alter Zeit, daß die Viertelsmeister beim Ratswechsel den neuen Rat auf Mängel und Beschwerden aufmerksam machten, die man abgestellt wünschte, was früher mündlich, seit mehreren Jahren aber auch schriftlich geschah. Mit der Überschrift: Gravamina gemeiner Bürgerschaft übergab man nun auch in diesem Jahre (am 25. Januar) eine solche Schrift in 19 Sätzen, deren zweiter und elfter in Beziehung auf die Brauerei des Landsberger und den erhöhten Preis der Ziegel Anträge enthielt. Bei diesjähriger Überzählung der Häuser fanden sich 232 Brau- und andere Erben, überdies aber noch 35 unvererbte Miethäuser oder Mieten in der Stadt, in der Vorstadt aber 81 Häuser, 25 Mieten, 23 Scheunen (in früherer Zeit vererbte Wohnstätten), 15 Gerberwohnungen (auf dem Gerberplan), 5 Wohnstätten auf dem Damm und 1 im Ro­sentale. Am 14. Februar, abends sechs Uhr starb der Bürgermeister Christoph Jäger, seit 1558 Ratsherr, im 84. Lebensjahr, dessen Begräbnis wegen langer treuer Dienste mit 42 Talern aus der öffentlichen Kasse bestritten ward. Die Beleihung mit den Stadtgütern vom Kurfürsten Christian II. und die Bestätigung der Stadtprivilegien kostete gegen 72 Taler. Am 10. April starb der Kämmerer David Holzmüller, Ratsherr seit 1585. Alexander von Miltitz auf Schenkenberg, störte den Rat im Besitze der Loberfischerei bei dem Furte an der Schenkenberger Wiese nach der Stadt zu. Es war am 26. Mai Besichtigung und die Stadt blieb im Be­sitz. Matthäus Bunding in Gertitz, welcher unreines Schafvieh einbrachte, ward mit 2 1/2 Talern Strafe belegt. Sylvester Meyhe, ein Kriegshauptmann von Magdeburg, hatte mit seinen Gefährten im Amte Eilenburg Tumult erregt und war hierher nach Delitzsch gewichen. Auf Requisition des dasigen Amtsschössers Johann Winkler, sollte er ergriffen werden, der Rat nahm ihm aber nur ein Handgelöbnis ab, sich aus dem Hause nicht zu entfernen, und er ent­wich. Dieser böse, gefährliche Handel verursachte dem Rate, der bei höchster Ungnade und hoher Strafe den Entwichenen herbeischaffen sollte, schwere Kosten, ward aber durch vieles Rechten und Bitten bei dem Kurfürsten im folgenden Jahr begütiget, so daß man nicht mehr als 45 Taler Kosten an den Schösser zu Eilenburg zahlen durfte. Am 14. Dezember, abends zwischen 10 und 11 Uhr ging in der Witwe Berndtin Stalle, nach der Scheune gelegen, ein Feuer an, welches, weil der Hausmann (Türmer) unachtsam war und nicht gleich stürmte, schnell um sich griff. Es brannten drei Bürgerscheunen und die vier Getreide- und Heuscheunen des Rates mit allen Vorräten nieder, auch wurden zwei der Hilfeleistenden sehr geschädigt. Man entließ den Haus­mann Berthold des Dienstes, und der Bau der neuen Scheunen kostete dem Rate im folgenden Jahre 756 Taler 10 Gr. ohne das, was er aus seinen Vorräten gab. Der Arzt Andreas Montanus machte sich ansässig und ward Bürger. Der Scheffel Weizen galt 18 bis 16, Roggen 12, Wintergetreide 6, Hafer 7 Groschen. Der Rat hatte bei der Untersuchung seines Vorrates am 4. August d. J. bar 3048 Gulden, verwahrt in dem eisernen Kasten des Untergewölbes.


1603
Hans Weißig, ein Kürschner zu Murau in Steiermark ansässig, der Sohn eines hiesigen Messerschmieds gleichen Namens, mußte der Religion wegen sein Eigentum verkaufen, das Land verlassen und kam mit Weib und Kind hierher, wo er in Folge kurfürstlichen Befehls vom 4. Februar die Aufnahme und Unterstützung der vertriebenen Kärtner und Steier­märker betreffend, Bürger- und Meisterrecht unentgeltlich empfing. Der Rat verkaufte die Gerlitzer Laßfelder für 801 Gulden an die Wer­bener und 3 1/2 Hufe für 332 Gulden an Delitzscher Bürger. Zugleich belegte er die halbe Hufe Feld mit 20, die Wiese mit 10 und 8 Groschen Lehnware. An die Stelle des verabschiedeten Hausmannes und Musikus Berthold kam Matthias Bärtigen aus Löbejün. Seit einiger Zeit war man mit dem Amtsschösser in Düben wegen des Dübischen Werders zwistig, der ein Stück von 5 Ackern für das Amt in Anspruch nahm. Aus Ehre und Gehorsam (gegen den Kurfürsten und wahrscheinlich mit Rücksicht auf den Meyhischen Handel) trat man dieses Stück in diesem Jahre ab. Der Werder hielt bei der Ausmessung 293/4 Acker 20 Ruten, das abgeerntete Stück 51/2 Acker 65 Ruten. Beide Teile verrainten sich. Alexander von Miltitz auf Schenkenberg ließ die umzäunten Gärten bei Naundorf durchbrechen und in offenen Zeiten mit Vieh betreiben. In dem deshalb entstandenen Prozeße ver­glich man sich dahin, daß er das Hüten einstellte, der Rat jährlich dafür 8 Groschen zu geben versprach. Des Tischlers Andreas Hermann Witwe in der Kohlgasse hatte mit einem Tischlergesellen, der sie aber verließ, ein Kind gezeuget und dieses am 9. Mai in den Döbernitzischen Gerichten ausgesetzt. Nach dem Erkennt­nisse sollte sie ewig des Landes verwiesen werden, die Strafe ward aber auf Vorbitte guter Leute bis auf sechswöchentliches Gefängnis gemil­dert. Die Vogelstange auf dem Anger (Schießplatz), welche vor zwei Jah­ren ein heftiger Sturm niedergeworfen und zertrümmert hatte, ließ der Rat nicht aus Pflicht, sondern zu Erhaltung bürgerlicher Exekution unter hoffentlicher Genehmigung höherer Behörde mit einem Aufwand von 43 Talern 17 Groschen wieder aufrichten. Am 7. September, mittwochs, ward Dorothee Kyssin aus Landsberg, bei dem Amte in Untersuchung, mit dem Schwerte hingerichtet, und am 2. November der im Stadtgraben verunglückte Glaser Wilibald Walter aufgehoben. Der Rat. welchem der Stadtgraben mit dem Auswurf e, folglich auch das an diesem wachsende Holz gehörte, ließ die Erlen an dem Teile des Stadtgrabens, welcher vom hallischen Tore nach der Schloßmauer am Schießgraben hinfloß, schlagen, welches die Schützen nicht zugeben wollten und deshalb beim Amte Beschwerde führten. Der Rat-hatte aber verjährten Besitz und behielt das Holz. Am 11. Dezember starb Gregorius Fiedler, seit 1564 Amtsschösser, der aber schon beim Ablaufe vorigen Jahres wegen Schwäche des Alters abgegangen war. Er hinterließ an meistens ererbten Gütern das Haus Nr. 2 des ersten Viertels, 2 Hufen im Oberland, Wiesen, drei Scheunen und für seine Zeit eine nicht unbedeutende Bibliothek, welche dem ein­zigen Sohne, Balthasar, hiesigem Notare und praktischen Juristen, im Erbe zufiel. Seine Rechtlichkeit schützte die Stadt oft gegen die mut­willigen, verwegenen Eingriffe der Nachbarn, und der Rat hatte es zu rühmen, daß mancher weit aussehende Prozeß billig verglichen ward. An seine Stelle kam der bisherige Schösser in Leißnig, David Pfeffer. Wegen der Unruhen in Ungarn geschah ein Aufgebot der Bürgerschaft zur Ausrüstung und Heerfahrt. Der Scheffel Weizen galt 20, Roggen 13, Gerste und Hafer 7 Groschen.


1604
Elias Schmidt, eines Bürgers Sohn und ein Reiterjunge von Wölkau, welche am 17. Januar in Trunkenheit die Schüler beim Neujahres­singen störten und mit entblößter Wehr beschädigten, wurden auf ein Jahr verwiesen. Am 11. Februar verunglückte die Tochter des Schuhmischers Wicht, Barbara, im Wasser, und am 16. desselben Monats ward Simon Wasser­mann, Hutmann in Lissa, bei dem Amte in. Untersuchung, mit dem Schwerte hingerichtet. Der Bürgermeister George Wend, seit 32 Jahren Ratsherr, starb am 2. April und die Kämmereikasse hatte bei seinem Begräbnisse am 5. 45 Taler Aufwand. Am 27. April, nachmittags 1 Uhr, brach in der Wolkensteiner Gasse der Stadt Annaberg bei einem Uhrmacher Feuer aus und griff so um sich, daß nach wenigen Stunden nichts als die Kirche mit 12 Häusern übrig war. Die Verunglückten erhielten vom hiesigen Rate 56 Gülden 16 Gr. 9 Pf. und 106 Gulden 10 Gr. von dem Superintendenten in den Kirchen­büchsen gesammelte milde Beiträge nach des Rates in Annaberg darüber gestellten Quittung. Wegen Fährlichkeit der Zeiten und gedrohter Feu­ersgefahr mußte auf kurfürstlichen Befehl die Tage- und Nacht-wache durch die Bürgerschaft selbst versehen werden. Es ward bekannt„ daß bei Lucas Heiner im Rosenta1e, verdächtige Leute herbergten, Vieh stählen, verzehrten und verkauften. Die dahin geschickten Fronen trafen auch einen fremden Fleischerknecht Schmidt aus Eisenberg und es ergab sich in der Untersuchung, daß dieser Vieh eingefangen, geschlachtet, die Heinerin es teils verzehrt, teils verkauft und nicht nur mit diesem Schmidt, sondern auch mit dem vorigen, aus­getretenen Ratsfron, Michael Bretschneider, einem Ehemann und dem gleichfalls flüchtig gewordenen Nachbar Hans Hempel, Ehebruch ge­trieben hatte. Bretschneider ward in Merseburg ergriffen und auf Ge­ständnis am 22. Junius mit dem Schwerte hingerichtet; Schmidt an dem­selben' Tage zur Staupe geschlagen und verwiesen, die Todesstrafe der Heinerin aber, weil sie sich von dem Schmidt schwanger befand, erst im künftigen Jahr nach ihrer Niederkunft vollzogen. Auch das Amt hatte mehrere peinliche Untersuchungen, und ward am 15. August Christiane Heuber von Regelitz mit dem Schwerte, Stephan Frauendorf, Ursula Hessin und Walpurgis Berger mit dem Strange, am 5. September aber Agnes Mauer mit dem Rade bestraft. Am 24. August starb Otto Spiegel auf Neuhaus und fand am 27. in dem Erbbegräbnisse der Spiegel in hiesiger Stadtkirche sein Grab. Im Spätherbste starben in kurzer Zeit 126 Rinder, meistens die, welche der Dammhirte vor dem hallischen Tore auf einem Platze, wo auswärts gekauftes, wahrscheinlich angestecktes Fleischervieh gelegen, gehütet hatte. Auf Anordnung des Rates mußten tiefe Gruben gegraben und das Vieh ohne Ablederung sorgfältig verscharrt werden. Es erschien eine Karte, ein Pasquill in Versen auf die vornehmsten Männer, Frauen und Jungfrauen hiesiger Stadt. Man hielt den Studen­ten Nicolaus Döring, des verstorbenen Pfarrers in Brinnis, Christoph Döring Sohn für den Verfasser, verlangte auch von dem Konsil in Leip­zig seine Abhörung, unterließ aber eine ordentliche Klage, auf die man von daher verwies und beruhigte sich. Den auf Gerlitzer Mark mit der Lauischen Herde gepfändeten Hutmann aus Laue strafte man mit 30 Groschen ab. Das Stipendium des Rates hatte Elias Fischer, der Sohn des vormaligen Ratherren Johann Fischer, geboren 1585, welcher in Leipzig die Rechte studierte, 1622 Schösser des von Wrather auf Wrathershausen und von 1638 ab hier Ratsherr ward. Für 2 Pferde zahlte man 108 Taler oder 43 Schock 12 Groschen. Der Scheffel Weizen galt 16, Roggen 10 1/2 Wintergerste 6, Hafer 10 1/2 Groschen.


1605
Die Ehefrau des Urban Jost ertrank am 15. Februar und ward in der Stille begraben. Der Rat ließ die Statuten der Stadt durch den Doktor der Rechte, Jakob Schulze in Leipzig, durchsehen, mit dem allgemeinen und sächsischen Rechte einstimmen'und so ordnen, daß sie dem Kurfürsten zur Bestäti­gung übergeben werden konnten, für welche Geschäfte man ihm ein Honorar von 10 Talern 12 Groschen gab. An dem im Mai ausgeschriebenen, vom 9. bis 24. Juni dauernden Land­tage in Torgau nahmen die Bürgermeister Gregorius Kirchhof und Wolf­gang Holzmüller, der Ratsherr Mr. Andreas Fischer und der Stadtschrei­ber Mr. Richter teil. Hauptgegenstand 'war der Krieg in Ungarn, die bedrohte Stellung des Protestantismus und die Verwilligung einer doppelten Tranksteuer auf die nächsten 6 Jahre. Man. hatte die Absicht, am Rathaus einen Turm mit Wendeltreppe und Stuben, dem Leipziger ähnlich, aufzuführen, ließ auch durch den Leipziger Ratsbaumeister einen Riß fertigen, den man mit 17 Talern bezahlte, der Bau unterblieb aber, weil die Folgezeit mit ihren übermäßigen La­sten Unternehmungen der Art nicht mehr günstig war. Christoph von Crostewitz, der Sohn des Wolfgang von Crostewitz auf Lemsel, welcher nach dem Adelstanz am 30. Juni, des nachts mit einem Reiter das Torwärterhaus am breiten Tore anfiel, mit Gewalt öffnete, des Torwärters Weib mit bloßer Wehr ausjagte, die Schlösser am Tore abzuschlagen suchte, die Wache anrennte und mit Worten be­leidigte, kam in Haft und nur auf gütliche Verhandlung mit dessen Vater, der 50 Taler Schadenersatz und Kosten zahlte, wieder los. Die Viertelsmeister erinnerten an die lange Zeit unterbliebene Besichtigung der Grenzen des Stadtgebietes und sie vorzubereiten nahm am 3. September ein Landmesser der Stadt Weichbild auf. Der Scheffel Weizen galt 16-17 ½ , Roggen 10-11, Wintergerste 6 Groschen.


1606
Ein heftiger Sturm am 17. März riß Gebäude nieder und zerstörte die meisten Dächer, daher man fast alle öffentlichen Gebäude mit nicht geringen Kosten bessern ließ. Auch brannten durch Zündung des Blitzes am 6. Juni, mittags zwischen 11 und 12 Uhr in der Vorstadt 8 Scheunen nieder. Mit Alexander von Miltitz auf Schenkenberg, welcher die Gerichtsbar­keit über eine Wiese bei Benndorf verlangte, hatte man neuen Streit und `am 18. Juni kommissarische. Besichtigung. Am 30. Juni, nachmittags gegen 4 Uhr bei dem Adelstanze ward der Schlesier Brandanus von Zedlitz von Heinrich von Starschedel auf Kleberg vor dem breiten Tore im Duell erstochen. Die Freunde des Ermordeten besorgten Begräbnis, bezahlten dem Rate die Kosten und lösten das Heergerät mit 70 Talern, der Mörder entkam. Am 1. August untersuchte man die Lobergebrechen und am 15. Septem­ber die Grenzen des Stadtgebietes, welches seit 1569 nicht geschehen war. Bisher überließ man bei Adelstänzen und Wirtschaften (Hochzeiten) den Gästen auch die große Ratsstube, welche dabei nicht selten Beschädigungen erlitt. Diesen zu entgehen, kam man auf die Idee eines Turmes, in welchem, wie in Leipzig, Treppe und Stuben zu diesem Zwecke angebracht werden sollten, mit welchem Baue man sich jedoch wegen bedenklicher Zeit vor der Hand nicht bloß geben wollte. Es blieb also bei einem massiven Anbau gegen-den Markt, welchen der hiesige Maurer Jakob Gemeiner, unten mit überwölbter Treppe, in der 1. Etage mit einer geräumigen Stube in den Sommermonaten dieses Jahres auf­führte. Dieser Bau kostete ohne Material für dieses Jahr 188 Taler. Die Stube überließ man 1705 bei Einführung der Accise dem Accispersonal zur Einnahme, das Ganze aber ward im Jahre 1796, als man die Acciseinnahme in das neugebauete Hintergebäude verlegte und die Treppe innen anbrachte, niedergerissen. In der seit 1597 anhängigen Rechtssache der Stadt gegen die Gebrüder von Scheidingen auf Wölkau wegen der Hutung auf Kertitz Mark kam ein Endurteil, welches die Gegner im Quasiposeß ließ und die zu einer bedeutenden Höhe anwachsenden Kosten kompensierte. Georg Winkler in der Vorstadt fing an zu herbergen und auszuspan­nen, welches ihm der Rat bei 20 Talern Strafe verbot. Schon die Vorbe­sitzer, die Geritze, hatten Versuche gemacht, waren aber jedes Mal auf Beschwerde der Gasthofsbesitzer in der Stadt vom Rate gehindert wor­den. Jetzt appellierte er gegen das Verbot des Rates, erlangte aber bald nachher wie es scheint mit dessen Zustimmung das Gesuchte und sein Haus ward der Gasthof zum weißen Rosse, wie er noch heute bezeichnet ist. Der Rat bestand darauf, daß der. schlag des Rindes nicht mehr von Einzelnen der Reihe nach geschehen und dieser Artikel in der Innungs­urkunde wegen Mißbrauchs gestrichen werden sollte, man ließ ihn aber durch Vergleich bestehen und bestrafte von nun den verschuldeten Mangel an tüchtigem Fleische mit 10 Gulden, die man unnachsichtlich beitrieb. Das auf den Hallischen Turm beschaffte Uhrwerk übergab man dem Schlosser Hans Pak, dem Jüngeren zur Besorgung. George Hartmann, ein junger Bürger, welcher bei einer Hochzeit Rake­ten unter die Frauen warf, ward mit einem und einem halben Tage Gefängnis in der Lauke, Jakob Lange, ein Bürgerssohn, wegen Gotteslästerung mit dem Halseisen und ein Höke, der unter dem Wische kaufte, nach der Willkür der Stadt mit 10 Groschen 6 Pfennigen bestraft. Auch strafte man den Bürger Benjamin Richter, welcher ohne Vorwis­sen des Rates Hausgenossen eingenommen hatte, die Flachs am Ofen dörrten, durch dessen Entzündung Lärm entstand mit 2, den Schäfer des von Miltitz auf Schenkenberg Gregor Mebus aber, welcher mit der Herde auf Gertitzer Flur, wo er kein Recht hatte, hütete und sich dem Flurschützen, welcher ihn pfänden wollte, widersetzte, ihn sogar in Gemeinschaft seines Sohnes und Lämmerknechtes mit Knütteln und Steinen warf, daß er, wenn ihn nicht Gertitzer Bauern retteten, auf dem Platze geblieben wäre, mit 4 Schocken 16 Groschen, geschärfter als ge­wöhnlich wegen der Mißhandlung. Der Sohn des Ratsherren David Buße, Esaias Buße, geboren am 6. Julius 1581, erlangte in Leipzig, wo. er Theologie studierte, das Magisterium und empfing von hiesigem Rate 7 Taler Geschenk. Er hielt 1610 in der Paulinerkirche zu Leipzig die Fastnachtsrede, ward 1612 Pfarrer in Ra­defeld und 1622 in Wölkau, Eilenburger Diöces, wo er 1637 am Nervenfieber starb. Die Schäferei war seit 1602 an den Schafmeister Thomas Fritzsche für jährlich 200 Gulden verpachtet. Der Scheffel Weizen galt 15, Roggen 11, Wintergerste 5 Groschen.


1607
Am 9. März starb der Bürgermeister Mr. Johann Stoye und ward am 11. altem Brauche nach von gemeiner Stadt Vorrate ehrlich zur Erde bestattet. Das Begräbnis kostete der Kasse 42 Taler. Der alte Brauch war, daß man sämtliche Ratsmitglieder, auch Schuldiener mit Trauerbinden von Kartek, die Ratsdiener mit Zindel versah, neuerlich kamen aber nicht nur Trauerbinden für den Amtsschösser und die Geistlichen, son­dern auch noch folgende Ausgaben, 3 Taler dem Superintendenten für die Leichenpredigt, 3 Taler den beiden Diakonen und Pfarrer in Benn­dorf und 3 Taler den Schülern hinzu, was eine Erhöhung der Ausgabe verursachte, die in der beschwerlichen Gegenwart höchsten Orts miß­fällig bemerkt und 1611 abgestellt ward. Auch starb der Kämmerer Urban Richter, seit 1588 Ratsherr, am 11. April. Am dritten Mai ward ein französischer Edelmann Antonius de Bugoy von Moritz Dietrich v. Starschedel zu Kleberg bei Zschepen im Duell erstochen und am fünften auf dem Kirchhofs daselbst begraben. Donnerstags nach Pfingsten, am 28. Mai zerschlug ein Hagelwetter von Mitternacht her alles Getreide auf dem Felde und die meisten Fenster mitternachtswärts in der Stadt. Es war überhaupt ein nasses Jahr, Miß­wachs und Mangel. Den Notar Georg Blume von Halle, welcher den Rat in einer Schrift beschuldigte, daß er in einer Rechtssache aus Haß und willkürlich verfahren habe, widerlegte man auf der Stelle aus den Akten, bestrafte ihn mit Gefängnis in der Lauke und ließ ihn nur auf schriftlichen Urfrieden los. Der Hufschmidt George Winkler in der Vorstadt ward in der Ap­pellationsinstanz sachfällig und zahlte die ihm im vorigen Jahre wegen unbefugten Ausspannens und Herbergens aufgelegte Geldstrafe.
Zu Beaufsichtigung der Wochenmärkte setzte man einen Markt­meister, dem man wöchentlich 8 Groschen gab, wegen Unfleisses aber in diesem Jahre auch wieder entließ. Auf die Beschwerde des Rates zu Leipzig gegen die Eingriffe der um­liegenden Städte in die Stapelgerechtigkeit dieser Stadt befahl der Kurfürst, die Niederlage und den Stapel aller Seewaren zu Ballen, Lasten und Zentnern bei Vermeidung der Kaiserlichen Pön von 5 Mark lötigen Goldes einzustellen. Dieser Befehl traf hier den Kaufmann Gre­gorius Hochstetter, welcher sich von nun zwar der Niederlage enthielt, dagegen aber einen großartigen Getreidehandel anfing, in dem Anhäl­tischen Getreide aller Art zu 30, 40 und 50 Wispeln aufkaufte, aufschüt­tete, und in den Wochenmärkten wieder vertrieb. Weil hierdurch die Preise auf hiesigem Platze sanken, so wollte man den kurfürstlichen Be­fehl auch gegen diese Getreide-Aufhäufung als vermeintliche dem Leip­ziger Rechte nachteilige Stapelung geltend machen und verbot sie bei 100 Talern Strafe; er appellierte aber dagegen und erhielt vor der Hand so viel, daß er, bis der Rat bessere Rechte gegen ihn ausführe, im Be­sitze blieb. Weil der A d e 1 s t a n z in neuerer, Zeit und trotz der gegebenen Ordnung gewöhnlich mit Balgereien und Ausforderungen endete, die dem Rat viel Kosten verursachten, wie denn der peinliche Prozeß gegen den von Starschedel noch im Gange war, so suchte er bei dem Kurfürsten auf den Fall, daß dessen Aufhebung nicht zulässig, um strengere Befehle nach, die denn auch eingingen und Exzesse mit harten Pönen auch end­licher Auflösung solcher Zusammenkünfte ernstlich bedrohten. Einige Knaben von 13 bis 15 Jahren, Christian Arnold, ein Pfarrerssohn aus Bitterfeld, Johann Chemlin, Thomas Weiner, Clemens Schmidt und Benedict Binder, Kinder verstorbener Bürger, welche aus Häusern, die sie zum Teil nachts öffneten und von freistehenden Wagen Gerätschaf­ten entwendeten und an Einwohner verkauften, wurden nach eingehol­tem Erkenntnisse mit Stockschillingen bestraft, die Verweisung aber, welche dreien von ihnen zuerkannt war, wegen ihrer Jugend erlassen.  Margarethe, eine hinterlassene Tochter des vormaligen Einwohners Matthäus Korb in der Grünstraße, welche Kuren an Menschen und Vieh unternahm und vorgab, daß sie dabei eine Frau zu Rate zöge,. die ihr mittels eines Spiegels nicht nur den Grund der Krankheit, sondern auch das rechte Heilmittel entdecke, ward wegen dieses Betruges eingezogen und auf Geständnis des Landes ewig verwiesen. Philipp Ernst Graf zu Mansfeld, Amtshauptmann in Eilenburg, war am 9. November in Kommissionssache mit dem Rate von Grimma hier und empfing vom Rate einen Eimer Wein Verehrung. Wegen Sterbensgefahr wurden die Tore vom September bis November mit besonderen Wäch­tern besetzt, doch. starb hier nur ein armes Weib an der gefürchteten Krankheit, eine bösartige Seuche. Der Ausbau der neuen Stube des Rathauses kostete 83 Taler 20 Groschen. Der Scheffel Weizen galt 16, Roggen 11, Wintergerste 7 Groschen.


1608
Am 26. Februar starb der Stadtrichter Johann Stock, seit 1569 Ratsherr, im 84. Lebensjahr. Der Kaufmann Gregorius Hochstetter und Nicolaus Pfeil, welche mit dem Schlitten übermäßig schnell durch die Gassen fuhren und vor dem breiten Tore Unfug anrichteten, verbüßten es mit 5 Talern und Georg Hartmann, der bei einer Hochzeit als Narr gekleidet, eine Jungfrau zum Tanze auf das Rathaus führte, gab 42 Groschen Strafe. Am 26. April starb der Amtsschösser David Pfeffer, ein trefflicher Schiedsrichter im 45. Lebensjahr und ward am 29. nach gehaltener Leichpredigt des Superintendenten Suarinus (gedruckt in Leipzig) unter einem Schwibbogen des Gottesacker$ begraben. Er hinterließ seine Gat­tin Katharina, geboren 1570, vier in Oschatz erzeugte Söhne, Christian, Davis, Eusebius, Johannes und eine 1603 hier geborene Tochter Justina, über welche Kinder des Verstorbenen hier ansässiger Bruder, Matthäus Pfeffer. Gerichtsverwalter in Löbnitz, auch Döbernitz, die Vormund­schaft übernahm. Die Witwe verheiratete sich wieder mit dem Pacht­inhaber des Gutes Döbernitz und Laue, Philipp Jünger, erlebte aber nur an ihrem Sohn Eusebius und an der Tochter, welche sich 1620 mit dem Amtsschreiber und Notar Salomon Gerhard in Zwickau verehelichte, Freude. da sie den ältesten Sohn Christian, welcher als Studentin Hil­desheim zu den Jesuiten überging, zu enterben, David und Johannes, auch Studierende wegen ihrer Unarten im Testamente zurückzusetzen genötigt war. Auf Befehl des Kurfürsten vom 29. April mußten wegen der Unruhen in: Böhmen, wo sich bei Prag 20 000 zusammengerottet und Tätlichkeiten erlaubt hatten, 20 wohlgerüstete mit langen Spießen bewaffnete und mit Zehrung auf zwei Monate versehene Bürger zur Besatzung nach Dresden abgehen und am 12. Mai dort eintreffen. Hierauf sind 476 Täler 11 Gr. 6 Pf. verwendet worden und hat der Besitzer eines brauberechtigten Hauses 1 Taler, der Pfahlbürger 12 Groschen ausgebracht. Am 9. Juli erhielt der Rat einen schriftlichen Befehl des Kurfürsten und mit ihm die erste Einrichtung der L a n d w e h r. In Folge dieses Befehles kaufte der Rat von dem Bürger und Rohrschmiede Hans Sieben in Suhl 160 Stück Musketen mit zwei guten tüchtigen Hahnen versehenen Feuer­schlössern, Flaschen, Bandelieren, Gabeln und Kugelformen für 640 Gulden und gab sie den Bürgern zum Gebrauch. Die vor. dem Dr. Jakob Schulze entworfenen Statuten der Stadt wurden dem Kurfürsten durch Abgesandte des Rates zur Bestätigung übergeben. Dem Kaufmanne Gregorius Hochstetter untersagte eine kurfürstliche Verordnung Aufkauf und Aufschüttung des Getreides bei höchster Ungnade. Am 26. Dezember starb Peter Grosse, seit 1599 Ratsherr. Der Hausmann und Musikus Bärtigen wurde beurlaubt und an seine Stelle Christoph Neander von Schmiedeberg angenommen. In dem Scheuntor des Ratsherren Thornau am Graben fand man ein weggesetztes Kind, welches der Rat erziehen ließ. Der Scheffel Weizen galt 20, Roggen 16-20, Wintergerste 7 Groschen.


1609
Das Begräbnis des Bürgermeisters Gregorius Kirchhof (Ratsherr seit 1576), welcher am 1. Januar im 76. Lebensjahr starb, verursachte der Kämmerekasse abermals 55 1/2 Täler Traueraufwand. Am 23. Julius war Musterung der Bürgerschaft. Der Rat verwendete 12 Täler auf Feldzeichen von Zindel und Kartek und gab den fremden Hauptleuten, welche auf kurfürstlichen Befehl die Musterung mit ihm vollzogen, eine angemessene Auslösung. Daß die mit Abgaben überhäufte Bürgerschaft, welche sich zu diesem Dienste kleiden, rüsten, dabei versäumen, mußte, Schwierigkeiten erhoben, der Rat sie vorstellig machen werde, war natürlich, ebenso natürlich aber auch, daß die Regierung, unvermögend zu geben und zu erlassen, eine strengere Aufsicht auf Verwaltung des Kommunal-Vermögens für nötig fand, neben der möglichsten Benutzung der Hilfsquellen die größte Sparsamkeit zur Pflicht machte und nur dringliche Ausgaben hingehen ließ. Namentlich ver­langte sie die Abstellung des mit dem Erwerbe in keinem Verhältnisse stehenden Aufwandes auf den Marstall und die Ausleihung von 2000 Tälern vorrätigen Geldes, welches auch sofort den Bürgern gegen Sicher­heit auf Zins gegeben ward. Hinsichtlich des Marstalles (man hielt vier Pferde) hatte man zwar erhebliche Einreden, das Bedürfnis der Ökono­mie, die Straßenreinigung, Feuersgefahr, man versprach aber auch hier, so weit es leidlich, die verlangte Beschränkung. Überdies aber beschäftigte auch die Uberhandnahme schlechten Geldes, die wucherliche Aus­führung des inländischen, guten, dessen Wert von Tag zu Tag höher stieg, der nicht mehr zu bemächtigende Zudrang der Hausgenossen unge­wissen Erwerbes, übermäßiger, gesetzwidriger Aufwand bei Wirtschaf­ten, Kleiderpracht, Übermut und Auflehnung gegen Sitte und Sittlich­keit hauptsächlich der Jugend, die Amtstätigkeit des Rates auf eine ver­fängliche Art, wie es denn täglich sichtbarer ward, daß man einer lang gefürchteten Zeit der Heimsuchung stracks entgegen ging. Auf dem Landtage in Torgau, vom 3. bis 25. September, nahmen drei hiesige Ratsherren teil. Gegenstände der Beratung waren: besorg­licher Krieg, eine Polizeiordnung wegen übermäßiger Pracht, die Fort­dauer der doppelten Tranksteuer und die Erhöhung der Landsteuer um 2 Pfennige auf 6 Taler so, daß nun 10 Pfennige vom Schocke zu geben war. Zu den Schießübungen baute der Rat auf dem Anger ein neues Schützenhaus. Das Ratsstipendium hatte Tobias Echart, Student der Theologie in Wittenberg. Er war der Sohn eines hiesigen armen Braugesellen und Torwärters, Thomas Echart, geboren am 11. September 1586. Nach dem frühen Verluste seiner Eltern erzog ihn das Hospita1 als arme Waise, er tat sich aber in der Schule so hervor, daß er. bald vornehme Freunde fand, vom Rate mit Büchern unterstützt und 1603 der Pforte überlassen ward. Auch hier zählte man ihn zu den Vorzüglicheren, wie in Wittenberg, wohin der 1608 mit den besten Zeugnissen ging. Hier disputierte er 1611 unter Tilemann, unterrichtete-in den alten Sprachen. predigte und erlangte die Magisterwürde. Von 1614 ab war er Konrektor und Rektor der Schule zu Naumburg bis 1634, wo er, gerühmt, aber auch wegen seiner Geradheit angefeindet, das angetragene Pfarramt in Groß­jena und Zschellsitz übernahm und bis an seinen Tod unter großen Gefahren und harten Bedrängnissen des Krieges auf das Ehrenvollste ver­waltete. Er starb am 9. Mai 1652 mit dem Ruhme eines ausgezeichneten Philologen, tüchtigen Lehrers und ehrlichen Mannes, aber so arm, daß er kaum anständig begraben werden konnte. Der Scheffel Weizen galt 20-23, Roggen 16-20, Wintergerste 7 Groschen.


1610
Dem Sohne des verstorbenen Amtsschössers Pfeffer, David Pfeffer, welcher das Ratsstipendium nachsuchte, es aber nicht erhalten konnte, weil er im Bürgerrecht dieser Stadt nicht geboren war, gab man 4 Taler 9 Groschen aus der Kämmereikasse Unterstützung. Der Rat, welcher bei der Taufe des Sohnes Otto von Maschwitz auf Lissa und der Töchter des Otto Spiegel auf Neuhaus durch zwei Abgeordnete Patenstelle vertrat, verehrte bei der ersten 6 Dukaten dem Kinde, 3 Du­katen der Wöchnerin (auf das Bette), 1 Taler der Wehmutter, 10 Gro­schen der Wärterin; bei der zweiten 8 Reichstaler, jeder zu 30 Groschen (so hoch waren sie schon gestiegen) dem Kinde, 5 Reichstaler der Wöch­nerin, 24 Groschen der Wehmutter und 6 Groschen der Bedienung und ward diese Ausgabe nach altem Brauche in der Kämmerei-Rechnung verrechnet. Montags nach Misericordias Domini, den 23. April stieg der Lober plötz­lich zu einer außerordentlichen Höhe, schlug bei der Mühle über und verunreinigte das Wasser so, daß die Fische häufig starben und die Fischerei dieses Jahres geringen Nutzen gab. Am 26. Juni kaufte der Rat von den Gebrüdern Spiegel, Otto, Dietrich und Christian die Rittergüter Neuhaus Und Petersroda mit dazu gehö­rigen Dorfschaften Paupitzsch, Petersroda, Werbelin, Holzweißig und vier Pfarrleben für 31000 Gulden, zahlte auch 20 000 Gulden im Laufe dieses Jahres ab. Es gingen ihm 300 Gulden eine alte Schuld der Spiegel' an die Kommun, und 100 Gulden, welche die Stadt auf Spiegels Ver­bürgung dem Andreas Caspar von Ebeleben geliehen hatte, zugute, weil von diesem nichts zu erlangen war. Die Bürgerschaft hielt ein öffentliches Musketenschießen. Zacharias Eckart kaufte von der Kommun einen Raum hinter Paul Lehmanns Stalle am Mühldamme für 30 Gulden, welcher Raum spä­ter mit dem Lehmannischen Gehöfte, Num. 1 des vierten Viertels vereint ward. Die in diesem Jahre vorgenommene Räumung des Stadtgrabens kostete an Lohn 1170 Taler. Man gab den Arbeitern überdies 6 Faß Bier, Kovent, einen Wispel Roggen und das nötige Schlammgerät. Zu dieser Ausgabe nahm der Rat ein Darlehn von 1200 Gulden in Leipzig auf. Der Superintendent Suarinus, wahrscheinlich durch den von hier nach Altenburg gezogenen Rentmeister Hartmann zu der daselbst erledigten General-Superintendentur empfohlen, predigte am 28. September vor der fürstlichen Witwe, gefiel der Gemeinde und erhielt die Vocation. Er hatte schon vorher auf Veranlassung seines Freundes, des Dr. För­ster in Wittenberg, den er auf einer Erholungsreise besuchte, die theo­logische Doktorwürde daselbst gesucht, promovierte am 6. November und empfing durch Abgeordnete des Rates, welche auf seine Einladung bei der Promotion gegenwärtig waren, 43 Taler 18 Groschen Verehrung. Es verbreitete sich in den letzten Monaten des Jahres eine ansteckende Krankheit in der Umgegend. Man besetzte daher die Zugänge der Stadt mit Wächtern gegen den Andrang verdächtiger Personen, besonders von Halle her, doch zeigte sie sich schon im Dezember in der Grünstraße. Der Scheffel Weizen galt 29, Roggen 26, Wintergerste 8, Sommergerste 18 Groschen und wird dieser im Getreidehandel zum ersten Male gedacht.


1611
Die bei der Promotion des Suarinus und Strauch in. Wittenberg gegen­wärtigen Abgeordneten des Rates hatten Gelegenheit, Zeugen der unge­wöhnlichen geistigen Gaben zu sein, mit welcher der jugendliche Strauch in dem gelehrten Streite seine Ansprüche auf die gesuchte höchste Würde geltend machte und von dem Landsmann, Professor Erasmus Schmidt, der sie bewirtete, zu hören, welcher künftigen Stütze der Theologie er in diesem Würdigsten seiner Schüler entgegensah. In hohem Grade ein­genommen von seiner Persönlichkeit, war es kein Wunder, daß' man nach Suarinus Entsagung alles aufbot, den jungen allgeliebten Mann für hiesiges Amt zu gewinnen und es gelang durch Professor Schmidts Ein­reden und des Ober-Konsistoriums Begünstigung. Man verehrte ihm gleich bei seiner ersten Unterredung zehn Dukaten und fast ebensoviel bei Ahlegung der Probepredigt am 27. Januar, und Stadt und Diözes fühlte sich beglückt, als er ausgangs des Februar anzog und am 26. Juni , vom Dr. Weinrich investieret ward. Ein heftiger Sturm im Frühling stürzte und zerbrach die Vogelstange, die der Rat auf öffentliche Kosten wieder herstellen ließ. Der Rat hatte wieder zwei mit Aufwande verbundene Gevatterschaften bei Dietrich von Spiegel in Petersroda und des Stiftsrates von Magde­burg, Joachim von Randau, Hausfrau, welche hier in Hans Hildebrands Hause niederkam. Am 23. Juni starb der Kurfürst (Christian II.) an der Apoplexie und am 6. August hielt man sein Leichenbegängnis, wobei auf Trauer für das Ratspersonal 42 Taler verwendet ward. Die Huldigung: des neuen Kur­fürsten Johann Georg empfingen hier am 31. Oktober die Kommissarien Philipp Ernst Graf zu Mansfeld, Edler Herr zu Heldrungen, Otto von Dieskau auf Knauthain, Theodor Möstel, Doktor der Rechte und Bürger­meister zu Leipzig und Jakob Spieß, Amtsverwalter zu Pegau. Auf Befehl rüstete man einen Heerfahrtswagen und bestimmte eine Zahl zur Defension geeigneter Bürger, bereit zu dem Abgange auf den ersten Ruf. Am 30. August ward der im Amte gefänglich gehaltene Benedict Schumann mit dem Schwerte hingerichtet. Zacharias Stephan aus Lauchstädt, ein aus diesem Orte zum zweiten Male mit Verlust meineidiger Finger Verwiesener, stahl von neuem in Badrina und Pröttitz, ward hier ergriffen und zum Strange verurteilt, auf Vorbitte der Geistlichen mit dem Schwerte am Leben gestraft. Die Pest, denn dafür hielt man die bösartige Krankheit, welche sich am Ende des vorigen Jahres in der Grünstraße eingefunden, griff in diesem um sich, verbreitete sich trotz aller Vorsichtswachen in der Stadt, ward in den letzten Monaten gefährlicher und verursachte, daß die Zahl der Gestorbenen, in der Regel durchschnittlich gegen 100, auf 273 stieg. Ihr unterlag unter anderem am 5. November der Bürgermeister Mr. Johann Franz im 43. Lebensjahr mit vier Kindern und der Küster Elias Treitzsch, dessen Amt dem hiesigen Maler Johann Eberhard übertragen ward. Auf das Begräbnis des Bürgermeisters verwendete man aber nur 8 Taler 18 Gr. auf Trauer, weil ein größerer derartiger Aufwand höchsten Orts untersagt war. Dagegen verschrieb man in der Rechnung Ausgaben für Verwahrungs-Arznei und Räuchermittel, deren man sich wahrscheinlich bei den Ratssitzungen bediente und honorierte den Dok­tor und Professor der Arzneiwissenschaft Simon Landgraf in Leipzig, mit vier Talern für ein Regiment, wie man sich tempore pestis verhalten und präservieren soll. Christoph Marcus, Notar in Leipzig, welcher dem Rate die daselbst er­scheinenden Zeitungen schriftlich mitteilte, erhielt dafür 6 Taler 3 Gr. Jahreslohn. Der Weizen war in diesem Jahr sehr gering, unrein, der Scheffel Roggen aber galt 25, Wintergerste 8, Hafer 14 Groschen.


1612
Bei dem unter dem 17. Januar ausgeschriebenen vierzehntägigen Landtage in Torgau, vom B. März ab, waren drei Abgeordnete des Rats. Man verhandelte über Einrichtung der Defension, über verschiedene polizeiliche Einrichtungen, namentlich die Kleiderordnung und bewilligte ferner die erhöhte Steuer, weil sie unerläßlich war. Da bisher zu Unterhaltung der vier Marstallpferde nicht nur der erbaute Hafer, sondern noch für ansehnliche Summen angekaufter aufging, welches die revidierende Behörde rügte, so schaffte man zwei Pferde ab  und ersetzte sie im Notfalle durch Lohnfuhren. Heinrich von Starschedel verglich sich mit dem Rate in seiner Untersuchungssache (siehe 1606) und versprach 300 Gülden Kosten und 125 Taler Strafgeld zu zahlen, welchen Vergleich der Kurfürst genehmigte. Der Schuldner bezahlte aber erst auf Beschwerde im künftigen Jahre. George Nagel, ein armer alter Bürger, der sich in den Hopfgärten entleibte, ward aufgehoben und vom Scharfrichter bei dem Gerichte begraben. Gegen den Bürger, Jakob Hochüber, welcher aus angeborener Unart, Zanksucht, Haß und Rachgier wider den Rat anzeigte, daß er in den Jahren 1600, 1601 und 1602 mehr als 2000 Gülden Tranksteuer unter­schlagen habe, vor der Kommission aber nicht bewies, vielmehr aber überführt ward, daß er ein altes kassiertes Steuerregister, von dem das Siegel genommen, mit einem anderen Siegel des Rates bedruckt und so ein falsum begangen habe, wurde auf Erkenntnis des Schöppenstuhles die Untersuchung eingeleitet. Auch zog man von Gregorius Hochstetter, der von neuem zum Schaden der Wochenmärkte den Getreidehandel im Großen trieb, hauptsächlich auf Betrieb des benachbarten Adels die verwirkte Strafe der 100 Gülden ein und bedrohte ihn, auf den Wiederholungsfall mit der Verdoppelung. Seine Appellation ward zwar nicht angenommen, er brachte aber eine Kommission aus. Das Getreide auf dem Sande, auf Werben- und Gertitz-Mark ward kurz vor der Ernte vom Hagel niedergeschlagen. Die Schäferei, welche man im vorigen Jahre an den gewesenen Schafmeister zu Berndorf, Simon Weydiger, aufs Sechste eingetan hatte und aus 632 Stücken, 200 alten Schafen, 75 Zeitschafen, 41 alten Ham­meln, 92 Zeithammeln, 115 Kälberjährlingen, 108 alten Hammeln bestand, brachte in diesem Jahre 458 Taler 6 Gr. 6 Pf. und nach Abzug der Ab­gabe an das Amt und des Aufwandes von 348 Talern 19 Gr. -, 109 Taler 11 Gr. 6 Pf. reinen Gewinn. Hans Focke von Gertitz ward am 7. Dezember nahe dem großen Schütze im Stadtgraben tot gefunden und in der Stille begraben. Zwei Tagelöh­ner, Hans Rothe und Jakob Herrmann, bösen Rufes, hatten ihn, wie sich später ergab, abends vorher hineingestürzt und umgebracht. Die ansteckende Krankheit war zwar in diesem Jahre weniger heftig, doch starben 50 Personen über die gewöhnliche Zahl. Der Scheffel Weizen galt 31 1/2, Roggen 27, Wintergerste 10, Hafer 13 Groschen.


1613
Der Raum an der Mauer vom Pfarrhofe nach der Pforte, welchen man den Tuchmachern zu einem Rähmen auf Widerruf gegeben hatte, diese aber wenig benutzten, überließ man dem Superintendenten zu einem Wege nach der Pforte, auch legte man aus dem Hälter des Pfarr­hofes eine Wasserableitung von 14 Röhren in den Stadtgraben und ver­wandelte zu Besserung der Stelle das herabgekommene Pfarrholz in Wiese, die größeren Nutzen gab. Der gewesene Schösser in Löbnitz, Benedict Koch, verehelichte sich mit der Witwe des Bürgermeisters Stoye, ward Bürger und übernahm dessen hinterlassenes Haus. Die ergangene Kleiderordnung befolgte man streng, strafte Jung­frauen, die mit goldenen Kränzen zur Kirche gingen mit fünf Talern und der. Kürschner Zachäus Kohl, welcher am Mantel Aufschläge von Samt und . breite seidene Borten trug, mit dem Bürgergehorsam. Gregorius Hochstetter erhob, nachdem die Kommission in seiner Sache Bericht erstattet hatte, gegen den Adel und Rat Klage ex lege diffamari bei dem Appellationsgericht. Am 9. Juli fiel des Kürschners Andreas Friedrich Witwe, Elisabeth, vor dem Hallischen Pförtchen, wo sie Wasser schöpfen wollte, in den Graben und war tot, als auf ihren Ruf Hilfe kam. Man bestrafte den ledigen David Bricht, welcher mit der Tochter des Martin Albrecht, Sabine, bei hellem Tage hinter der Mauer Unzucht trieb, mit vierzehntätigem Gefängnis, das Mädchen aber entfernte sich freiwillig. Der Handarbeiter Jakob Herrmann, ein verdächtiger Betrüger, Dieb und Ehebrecher, trat aus, ward aber in Giebichenstein gefunden, einge­bracht und gestand in der ihm zuerkannten Tortur nicht nur mehrere Diebereien und Ehebrüche (er trieb es unter anderem mit der Ehefrau eines Zimmermanns und ihren beiden Töchtern), sondern gab auch an, daß der Leinewandhändler Martin Schindler aus Hohenleuben, den man vor sieben Jahren bei Wiederitzsch ermordet gefunden, von den hiesi­gen Bürgerssöhnen Hans Jude und Lorenz Parreidt in Gemeinschaft mit dem Handarbeiter Tobias Herrmann angefallen, getötet und beraubt worden sei. Die Beschuldigten waren abwesend, man erfuhr aber, daß  Jude im Amte Wurzen wegen eines gestohlenen Pferdes gefänglich sitze und forderte ihn, nachdem man durch das Amt Schkeuditz über den Mord Gewißheit hatte, gegen Revers. Er bekannte in der Tortur, daß er und Parreidt die Wegelagerung beredet, Parreidt den Herrmann zugezogen habe und so wären sie an einem Sonnabende, abends dem Schindler, von dem sie gewußt, daß er Geld bei sich habe, auf der Straße nach Leipzig nachgegangen, Parreidt habe mit einem Rapier den Anfall getan, Herrmann geholfen, er auf dem Grabenauswurfe Wache gestanden, den Mord angesehen und als Schindler gefallen, ihm das Geld, welches er in zwei Säcken und einer Rinderblase mit sich geführt, abgenommen und mit Parreidt und Herrmann geteilt. Bei diesem Geständnis blieb er und kam die Sache noch in diesem Jahre zum Verspruch. Parreidt und Herrmann waren nicht zu erlangen. Jakob Herrmann, durch den das Verbrechen von dem ihm früher der flüchtig umherschweifende Jude auf der Zerbster Straße in Kenntnis gesetzt, an das Licht kam, empfing am B. Dezember dieses Jahres mit dem Strange seinen Lohn. Abraham Voigt und Christian Ebert erregten am 6. August nachts zwischen 11 und 12 Uhr auf den Gassen Tumult, griffen die Wache mit bloßer Wehr an, lästerten Gott und schlitzten Christoph Jägern den Backen auf. Sie waren wegen der Gotteslästerung zur Ausstellung an den Pranger, wegen Beschimpfung des Rates zur Verweisung verurteilt, kamen aber auf Vorbitte und Vorschützung des Trunkes mit einer Geldstrafe davon. Es kam zur Anzeige, daß ein junges Mädchen im Rosentale, Anna, Valentin Stollens hinterlassene Tochter, von dem Studenten Christoph Jäger, dem Jüngeren, genotzüchtigt worden sei. Die Wehmütter, welche das Mädchen untersuchten, versicherten, daß ihm Gewalt geschehen, der Beschuldigte berief sich aber, als er vorgeladen ward, auf das privile­gierte Forum der Universität, an welche daher die Untersuchung überging. Als der Rat im Herbste, wie von jeher, geschehen, die   H a s e n j a g d   in der Spröde ausüben wollte, pfändete die Witwe des Heinrich von Pak auf Beerendorf und es entstand Prozeß. Der Kurfürst verlangt von der Stadt ein Darlehn von 4000 Gülden, am 13. August schriftlich durch den Oberkämmerer und Bergrat Sigmund von Berbisdorf, später durch den hiesigen Amtsschösser Großmann mündlich. Der Rat hatte soviel nicht vorrätig und nahm diese Summe von Hans von Scheiding auf Wölkau zu fünfen vom Hundert auf drei Jahre. Auch in den letzten Monaten dieses Jahres ergriff die seit zwei Jahren herrschende, ansteckende Krankheit mehrere, daher die gewöhnliche Zahl der Verstorbenen wieder, um 89 überstiegen ward. Das Amt wurde im November von dem kurfürstlichen Oberkämmerer und Bergrat Sigmund Berbisdorf visitieret und verehrte ihm der Rat vier Stübchen Wein. Die Schätzung des Fleisches durch die Viertelsmeister gab zu Unfuge mit den Fleischern Gelegenheit. Der hiesige Schullehrer Mr. Hieronymus Heidenreich überreichte dem Rate einige Exemplare seiner herausgegebenen Schrift und empfing 3 Taler 18 Gr. als Gegengeschenk. Ebensoviel gab man dem Tobias Eckart zu Erlangung der Magisterwürde in Wittenberg. Die diesjährige Ernte war sehr ergiebig und galt der Scheffel Weizen 26-28, Roggen 16, Gerste 6, Hafer 10 Groschen.


1614
Am 17. Januar ward Hans Jude, dem das Rad zuerkannt war, auf Vorbitte seines alten Vaters und etlicher Bürger mit dem Schwerte hinge­richtet, der Leichnam aber auf das Rad gelegt. Der Kantor Tobias Albrecht (Albertus) legte sein Amt nieder und ging nach Torgau. An seine Stelle kam Mr. Johann Alberus aus Großenhain gebürtig, welcher von 1604 ab in Pforte und Leipzig sich zum Gelehrten gebildet hatte und nach erlangter Magisterwürde in Leipzig privatim Unterricht gab. Georg Dietze, der sein Kind, der Landesordnung entgegen, nach dem grünen Donnerstag zu den Paten schickte, ward mit einem neuen Schocke straffällig. Der Kurfürst verordnete eine Spezial-Musterung über das Regiment Kriegsbürger (Defensioner), zu welchem die Delitzscher gehörten, welche am 11. Juni in Grimma unter Befehl des Obersten von Schlie­ben vorgenommen werden sollte. Es zogen von hier 40 Mann dahin, ein Fähnrich, ein gemeiner Webel, ein Büchsenmeister, ein Trommelschläger,  ein Pfeifer, zwei Rondasierer, acht Doppelsöldner mit ganzer Rüstung, Sturmhauben, langen Spießen und Seitengewehren und 15 Musketiere mit Röcken, Randalieren, Gabeln, Pulver, Blei und Seitenwehren. Dieser Zug kostete viel und gab der Rat aus der Kämmereikasse 210 Taler dazu. Der Webel Elias Guttenberg gab, als er abzog, ein Schreiben an den Rat, welches seiner Eigentümlichkeit wegen, stellenweise hier stehen mag. Anordnung wegen der itzo gekornen Kriegsbürger
1. Die elegierte Kriegsbürger einen jeden nach seiner Wehr auszurüsten. und zu bewehren,
2. Dieselben den Befehlshabern zu Gehorsam mit Ernst vermahnen und einbinden, auch bei Strafe denselben nachzusetzen, auferlegen,
3. daß ein jeder mit seiner Gewehr ordentlich und von Delitzsch bis nach Grimma ohne einige Rebellion, gehorsam und friedlich das Fähnlein begleite und als in ordentlicher Zugordnung sich gehorsamlieh verhalte.
4. Daß auf künftigen Freitag, wills Gott, wenn erstlich das Glöcklein auf dem Rathause geläutet worden und hernachmals die Trommel ge­schlagen wird, sich ein jeder vors Rathaus verfüge und ordentlich mit seiner Gewehr und Rüstung aufziehe.
5. Und damit einer oder der andere mit der Reise nicht übereilet werde, daß er darüber macht- und kraftlos werden möchte, und hernachmals den folgenden Tag, welcher zur Musterung angestellet, desto besser abwarten und Folge leisten könne, als wolle ein ehrbarer und weiser Rat großgünstiglichen obgedachten Kriegsbürgern zween Tagereisen von hinnen bis nach Grimma verstatten und dann am Sonntage da­selbst nach Vermöge des dritten Gebotes Gottes, den Feiertag zu hei­ligen, einen Rast- und Ruhetag vergünstigen und sich als christliche Obrigkeit hierinnen gebühret zu erzeigen und dann auch den Tag der Musterung, auch nach geschehener Musterung in gleichen zween Tage­reisen von Grimma bis wieder nach Delitzsch die angeordnete unseres gnädigsten Kurfürsten und Herrn Deputata günstiglich und mildiglich mitteilen und widerfahren lassen.
Diese obengezogene Anordnung bitte ich, Elias Guttenberg itzo zu diesen Kriegssachen verordneter gemeiner Webel, derweil mir am meisten da­ran gelegen und Hohn, Spott beneben andern Schimpf und Nachteil vorzukommen und zu verhüten, einen ehrbaren. und wohlweisen Rat wolle oberzählte Ordnung großgünstiglich nachsetzen pp. - und ich itzo hierinnen nicht mehr suche, denn was solcher Befehl mit sich bringet und wo ferner diese Ordnung nicht sollte nachgesetzt werden, ich auch meines Befehles keine Remission erlangen sollte, als wolle ein ehrbarer und wohlweiser Rat einen Ratsherren dazu ordinieren, der sich zum Führer möchte gebrauchen lassen bis nach Grimma vors Rathaus und uns daselbst präsentierte, so will ich meinen Befehl nachsetzen und die Zugordnung so viel mir gebühret in Acht nehmen und erkenne mich jederzeit pflichtschuldig zu gehorsamen nach allem meinem Vermögen zu tun, schuldig zu sein, jedoch conditionaliter, damit mir nicht etwa vorsätzlich aus verhaßtem Gemüte durch eines oder des anderen Miß­gunst, Nachteil, Schimpf, Hohn, Spott verursacht und zugezogen werden möchte, wie denn meiner Einfalt nach davon zu reden, itzo sehr leicht­lieh mir widerfahren kann, wofern nicht ordnung sollte gehalten werden, oder aber ein anderer vorhandener die Präsentierung zu Grimma ver­richtete und ich in aller Unordnung sollte daselbst aufgezogen kommen. Anbelangend den Wagen, da ein jeder sein Pack und Sack auflegen und aufwerfen möchte und könnte, kann derselbige auf Sonnabendfrüh hinwegfahren, daß er denselben Tag mit uns zugleich zu Grimma kann an­kommen, wenn er nicht mit uns zugleich soll fortziehen, welches in eines erbaren und wohlweisen Rats Willen und Gefallen anheim gestaltet wird. Desgleichen wird nochmals ein E. und wohlweiser Rat wegen einer Ver­ehrung den Befehlshabern beide, als dem Fähnrich und gemeinem Webel bittlichen ersuchet, welches dann in eines erbaren Rats Gefallen, auch wird anheim gestellt, nach dem gemeinen Sprichwort, wer ein schön Pferd will haben, der muß auch einen schönen Zaum haben, und wer nicht wirbet, der verdirbet. Dazu hat mich das Betteln mein Tage nicht verdrossen, aber das hat mich verdrossen, wenn ich nichts habe bekom­men können. Melius est ill, quam nll.
Die Sache wegen der Hasenjagd in der Spröde ward durch Kommissarien in dem Maße verglichen, daß dem Rate die Jagd auf zehn Jahre pachtweise gegen jährliche Lieferung von drei Hasen überlassen werden sollte. Der Vergleich kam aber, da Heinrich von Miltitz auf Döbernitz in diesem, die Pakische Witwe im folgenden Jahre starb, nicht zur Vollziehung und der Rat nahm die unterbrochene Jagd, die freilich von keiner großen Bedeutung war, wieder vor. Der Kurfürst übertrug die erledigte Stifts-Superindendentur in Merseburg dem hiesigen Dr. Strauch, dem dieser Ruf, wie dem Rate, un­erwartet kam. Fast zu gleicher Zeit und ehe man sich über diese Ver­änderung besprechen konnte, erhielt der Rat, dem Präsentation und Vocation des Pfarrers zustand, diesen plötzlichen Befehl: Von Gottes Gnaden Johanns Georg, Herzog zu Sachssen, Gülich, Cleve und Bergk etc. Churfürst etc.
„Liebe getreue, Euch ist vngetzweifelt wißendt, daß Wir den Wür­digen Hochgelarten vnsern lieben Andechtigen und getreuen, Herrn Egidius Strauchen, der Heiligen Schrifft Doctorn, zum Superinten­denten Ambt in vnser Stifft Merseburg bestellet haben. Begeren hierauf von vns und den Hochgebornen Fürstegen vnsern freundlichen lieben Brudergen und Gevattern, Herrn Augusten Hertzogen zu Sachssen, Gülich, Cleve und Bergk etc. Ihr wollet bis auf vnsere fernere verordnung mit furschlagung eigener anderen Person in ruhe stehen, Daran volbringet Ihr vnser meinung, Datum Dreßden, am 24. May 1614
J. Klunigenbergk mpr.
Unserm lieben getreuen dem Rathe zu Delitzsch."
Der Rat, nicht ahnend, was man dabei beabsichtigte, war daher nicht wenig betroffen, als ihm durch den Dr. Strauch die angekündigte, fer­nere Verordnung des Kurfürsten mitgeteilt wurde, in welcher die erledigte Stelle dem Superintendenten M. Felicianus Clarus von Herzberg übertragen war. Schwankend, wie er sich dabei nehmen sollte, war die Probepredigt des Clarus schon getan. Man fand sie annehmlich, übersah die dunkle Sprache und ob man schon den von Wittenbach empfohlnen Mr. Ernst Hettenbach gern gehabt hätte, sich in dem Rechte gekränkt sah, gab man doch die verlangte Vocation und nahm ihn" am 20. Oktober bei seinem Anzuge mit herzlicher Freude auf. Dieser Ein­griff in die Rechte des Rates war übrigens eigen Werk des Oberhofpre­digers Hoe von Hohegg, der den in den ärgerlichen Wucherstreit zu Herzberg geratenen Clarus, seinen Freund, von da entfernen wollte. Seine Kollegen, Knuppius und Thinaeus behaupteten nämlich, es sei Wucher, Geld auch gegen die billigsten Zinsen auszuleihen, sprachen leidenschaftlich darüber auf der Kanzel und trieben es so arg, daß das Konsistorium eingreifen und das Gezänk bei harten Drohungen untersagen mußte. Am 19. Oktober starb in Döbernitz Heinrich von Miltitz auf Döbernitz und Beerendorf, ward am 30. des Monats in den Chor hiesiger Stadt­kirche getragen und nach der Leichpredigt, welche der Superintendent Clarus hielt, in der Kreuz- oder Fronleichnams-Kapelle neben dem Denksteigen des von Selmnitz in das Grab des hier 1606 beigesetzten Hans Ernst von Miltitz gelegt. Der das Grab deckende Steigen, mit seinem Bilde in Lebensgröße hat die Umschrift: „Anno 1614 den 19 Octob. nachmittag zwischen 12 und 1 Uhr ist der weiland gestrenge edle und ehrnveste Heinrich von Miltitz ausm Hause Siebeneichen Churf. Kammer Juncker vff Doebernitz und Berndorf Erbsas seines Alters im 50 Jahre in wah­rem christlichen Glauben in Gott selig' entschlaffen dessen Seelegen der barmhertzig Gott gnedig sein wolle." Er war eigen Sohn des Nicolaus von Miltitz, Oberstallmeisters und Hof­meisters des Kurprinzen Christian. Der Rat verkaufte das Backhaus in der alten Zscherne, weil es zu dem Zwecke, den man bei dem Erbaue im Auge hatte, nicht benutzt wurde an Hans Wartmann, welcherin diesem Jahre 175 Gülden Angeld gab. Der Scheffel Weizen galt 28, Roggen 16-22, Gerste 8 Groschen.


1615
Am 18. April ward Dorothea, George Dietzens von Hohenrode Tochter, am 12. Juli George Guttenberg von Wiedemar und am 23. August Urban Nitzschmann von Werlitzsch (bei dem Amte in Untersuchung) mit dem Schwerte hingerichtet, die Dietze auf dem Gottesacker mit Zeremonien und Geläute begraben. Auch fand man eigen totes Mädchen von 7 Jahren bei der Eiche nahe der ersten Scheune am Graben gegen den Gerberplan. In der Nacht von 2. zum 3. Mai fiel nach ungewöhnlicher Kälte viel Schnee. Ambrosius Ihbe, der ohne Vorwissen des Rates eigene geschwängerte Dirne aufnahm, verfiel in 2 Schock Strafe. Am 7. Mai, sonntags früh 2 Uhr, starb der Bürgermeister Wolfgang Holzmüller, im 66. Lebensjahr, Ratsherr seit 1584. Sein Vater und Großvatei war Mitglied des Rates und sein Sohn Georg, praktischer Jurist, ward es 1639. Auf kurfürstlichen Befehl wurde die Zahl der hiesigen Defensioner von 40 auf 48 erhöht und am 5. Juni bei Mühlberg über sämtliche Regimenter Generalmusterung gehalten. Bei dieser Musterung erschien auch der Artikelbrief Zur Defensions - Ordnung aufgerichtet, 44 Artikel enthaltend, welche man in Gegenwart des Kurfürsten vorlas, beeiden ließ und dabei die Fähnlein verteilte. Die Defensions-Anstalt kostete in diesem Jahre hier 412 Taler dem Rate, 130 Taler der Bürgerschaft, die überdies auch Fähnrich, Pfeifer und Trommelschläger auf eigene Kosten hielt. Die Gemeinden Gertitz und Werbegen, die mit Benndorf zur Fortschaffurg der Bürgerschafts-Rüstung auf den Notfall einen Heerfahrtswagagen seit Menschengedenken halten müssen, verweigerten dem angenommenen Fuhrmann den für die Musterungsfuhre verspro­chenen Lohn und wurden ausgepfändet. Sie brachten aber bei dem Oberhofgericht eigene Pönal-Inhibition auf. Die in Dresden versammelten Städte bewilligten dem Kurfürsten 20 000 Gülden zur Soldatensteuer auf fünf Jahre. Der Bildhauer Gottfried Schlegel in Freyberg fertigte für 950 Gülden einen neuen Taufsteigen mit Bildwerk, dessen Decke an einem 37 Ellen langen mit gemaltem Blech überzogenen Seil hing. Überdies bezahlte man 13 Gülden für Beköstigung des Meisters. 3 Gülden dessen Gesellen, 10 Gülden für Seil und Blech und 3 Gülden dem Tischler für das Fußgestell. Hierzu gab das Hospital einen Beitrag von 100 Gülden. Am B. August starb Mr. Melchior Kühn, Ratsherr seit 1609. Er war der Sohn des hiesigen Schullehrers, später Ratherren Melchior Kühn, ge­boren am 18. Januar 1559 und Verdankte Leipzig seine gelehrte Bildung, von welcher sein schriftlicher und gedruckter Nachlaß (Briefe und Ge­legenheitsgedichte in lateinischer Sprache) ein rühmliches Zeugnis gibt. Für 10 Taler 12 Gr. löste Gregor Hochstetter den zweiten Schwibbogen rechts des Eingangs in den Gottesacker für sich und seine Ehefrau Euphemia, welche am 19. August starb, 47 Jahre alt und am 21. dahin begraben ward. Gegen die eingegangene Entscheidung in dessen Getreideprozeß, daß er in seinem behaupteten Besitze, vel quasi, bis er mit Recht daraus gesetzt würde, bleiben solle, appellierten die Gegner, Adel und Rat. Wegen der Belagerung von Braunschweig zogen viele Söldner hin und her und fielen den Almosen beschwerlich. Am 6. Dezember starb David Buße, Ratsherr geit 1595 und am 11. des­selben Monats Frau Sibylla, Witwe des 1588 verstorbenen Heinrich von Pak auf Sommerfeld und Döbernitz, eine geborne von Gleißenthal und fand am 27. in hiesiger Stadtkirche, doch nur auf anhaltenes Bitten der Freunde und gegen Erlegung von 20 Talern an den Gotteskasten, mit ihrem verstorbenen Eheherrn ein gemeinschaftliches Grab. Das beiden errichtete Denkmal hat bezüglich auf die Witwe diese Inschrift: „Anno 1615 den II Xbris ist die edle vil ehrn tugendsame Fraw Sibilla von Gleissenthal Heinrich von Pagks vf Sommerfelt und Dobernicz selige nachgelasne Witwe in Christo enschlafen." Die ansteckende Krankheit voriger Jahre forderte auch in diesem ihre Opfer und die Zahl der diesjährig Verstorbenen stieg bis 202. Zwölf Kannen Wein gab man aus des Rates Keller den drei Geistlichen und Herren des regierenden Rates für Mühe und Versäumnis bei dem Schulexamen. Der Scheffel Weizen galt 28, Roggen 23, Gerste 8 Groschen.


1616
Wegen des Verlustes, den der Rat seit einigen Jahren am Wein- und Bierschanke hatte (er betrug im vorigen Jahre 54 Taler), entschloß sich der Bürgermeister Esaias Wieprecht, den Schank auf seine Gefahr zu übernehmen und ihn auf diese Weise ganz von der Haushaltung des Rates zu trennen. Christoph Keller richtete ohne Vorwissen des Rates eine Branntweinblase an und ward deshalb mit 5 Talem bestraft. Am 6. Februar hielt man die Gedächtnisfeier des am 26. Dezember, abends 6 Uhr in Dresden gestorbenen Herzoges August, (Bruder des Kurfürsten), wobei der Rat in tiefer Trauer erschien und auf Kartek und Zindel 32 Taler verwendete. Die Kirche schaffte hierzu ein schwarzes Tuchbehang um Kanzel, Altar und Taufstein für 15 Gülden 15 Grosehen, welches später Armen zur Bekleidung gegeben ward. Am 4. Mai fand man an der Haustür des Heinrich Pfeil (Nr. 1 der breiten Gasse) ein lebendes Kind, welches der Rat auf Kosten der Kämmereikasse zur Erziehung gab. Gregorius Hochstetter ließ eine neue Kanzel in die Stadtkirche bauen, welche 600 Gülden kostete und am 19. Mai mit der ersten Predigt eingeweiht wurde. Über der Tür findet sich diese Inschrift: „Gregor Hochsteter hat diesen Predigt-Stul Gotte zu Ehren, dieser Kirche zur Zierde und seiner zum Gedaechtniss fertigen lassen 1616." Der Orgelbauer Heinrich Compenius besserte zu gleicher Zeit die Orgel und goß den Vogelgesang um. Am 29. Mai hielt der Leutnant Hans Hedler aus Grimma hier über die Defensioner Spezial-Musterung. Die Übungen der 48 Defensioner im Dienst- und Scheibenschießen dauerten ununterbrochen fort und koste­ten dem Rate 125 Taler. Es war ein so trockener Sommer, daß man gleich nach Johannis erntete. Der Roggen geriet zur Genüge, Sommergetreide und Heu verrchten. Am 9. August trafen der Kurfürst, Sigmund Kurfürst zu Brandenburg und Fürst Johann Ernst von Sachsen Eisenberg in Bitterfeld ein, wo sie am folgenden Tage große Jagd hielten und 15 Hirsche in der Goitzsche, 7 in der Beeren und 6 in der Saulage erlegten. Von hier aus mußten dahin Betten, Tische, Stühle usw. durch zwei Ratsherren besorgt und gebracht werden. Durch Unvorsichtigkeit einer Tagelöhnerin, Anna Böhme, brach am 18. August, nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr, in Zörbig Feuer aus, welches bei großer Dürre schnell um sich griff und 152 Wohngebäude mit 67 Scheunen gänzlich zerstörte. Dabei verunglückten mehrere Per­sonen, unter anderen ein adeliches Fräulein von Rechenberg, welche mit ihrer Magd im Keller erstickte und Hans Lendichs Weib, Katharina, welche zur Heilung in die Stadt gebracht worden war. Bei der ersten Nachricht führte der Rat für 33 Taler Bier und Brot dahin und folgte dieser Sendung bald eine reichliche Kollekte. Wegen der häufigen Feuersbrunst im Lande, die man Mordbren­nern zuschrieb, erließ der Kurfürst eine Warnung und bezog die Bür­gerschaft selbst die Wacht, die man sonst durch Lohnwächter verrichten ließ. Der Amtsschösser Georg Großmann wünschte den Schießgraben am hallischen Tore zu einem Schuppen oder Scheunengebäude für sich und bat bei dem Kurfürsten um Vererbung. Es kam deshalb Kom­mission, da jedoch die Armbrustschützen diesen Platz seit rechtsver­wahrter Zeit besaßen und man sie sonst nirgends hinzuweisen wußte, so nahm sich der Rat der Sache an und erhielt durch Bitten, daß der Platz den Schützen um ein gewisses Geld zugeschlagen und vererbt ward. Am 30. Oktober starb Valentin Hegner, Ratsherr seit 1611 und am 24. der Ratsherr Johann Winkler, seit 1606. Der Kurfürst speiste und übernachtete hier am 2. November auf dem Schlosse. Die Bürgermeister Mr. Andreas Fischer, Esaias Wiprecht und der Stadtschreiber Mr. Johann Richter überreichten ihm, nach des Orts armen Vermögen, einen silbernen, vergoldeten Kredenz in Form einer Weintraube, am Werte 50 Taler, ein Stück Wein (2 1/2 Eimer) an 40 Taler, und ein Faß Bier zu 6 Talern, welches Geschenk der Kurfürst durch den Rat und Obermarschall Hans Georg von Osterhausen sehr gnädig aufnahm und danken ließ. Die ihn begleitenden Trabanten er­hielten zu ihrer Ergötzlichkeit ein Faß Delitzscher Bier. Der Scheffel Weizen galt 26, Roggen 18-22, Gerste 7 Groschen. Die Kirchenvorsteher kauften in der Leipziger Michaelismesse einen messingenen Kron- oder Hängeleuchter, an Gewicht 75 Pfund für 36 Gülden, den man mitten in der Stadtkirche aufhängte. Das Seil von 27 Ellen und dessen überzinnte Bleche mit vergoldeten hölzernen Knöp­fen, das Gehäuse, an dem er herabhing, kostete mit Arbeitslöhnen noch gegen 10 Gülden und hat man ihn in. neuester Zeit in den Chor gebracht.


1617
An die Stelle des verstorbenen Amtsschössers Großmann kam Samuel Heller. Der Superintendent Clarus starb am 2. Januar dieses Jahres ohne sichtbaren Schmerz. Der Rat, welchem von Wittenberg aus der ihm schon bekannte Pfarrer an der St. Ulrichskirche zu Halle, Mr. Martin Röber, noch während der Krankheit des Clarus zum Pfarrer vorgeschlagen war, erstattete nun an den Kurfürsten, nachdem er sich der Zusage des Röber versichert, am 10. Januar folgenden Bericht:
„pp. E. Churf. Gn. sollen wir vnterthenigst nicht bergen, wie das Gott der Allmächtige nach seinem unwandelbaren Rat und Willen den wei­land Ehrwürdigen etc. Herrn Mr. Felicianum Clarum Pfarrherrn und Superintendenten alhier, den andren dieses durch den zeitlichen Tod von dieser Welt abgefordert, und hierdurch die Pfarre und Superinten­denzstelle vorledigt worden, Wenn denn erwehnter Herr Superintenden seliger wegen langwieriger Krankheit über ein halbes Jahr sein Amt bey dieser Gemeine nicht verrichten können und wir dahero gerne wünschen und sehen möchten, auch den lieben Gott hierumb teglich bitten, daß solche Stelle mit einer gottesfürchtigen, gelerten und friedliebenden Person, so viel möglich förderlichst ersetzt werden möchte,vnd aber Ew. Churf. Gn. wie auch derselben Hochlöblichsten Vorfahren Christ­mildester gedechmiß den Räthen in Städten und auch uns gnädigst nachgesehen, sich umb einen andern geschickten Mann vmzusehen, den­selben Ew. Churf. Gn. zuvor und ehe er beruffen, vnterthenigst anzu­geben, und alsdenn ferner mit Ew. Churf. G. Bewilligung zu erwehlen, Als haben wir auf vorgehende vleissige erkundigung in Erfahrung ge­bracht, Martin Röber etc. wegen seiner Gottesfurcht, Geschicklichkeit und anderen christlichen Tugenden bei männiglicher gut Zeugniß habe, und zu Ersetzung solcher Pfarr- bnd Superintendentenstelle tüchtig und geschickt gebraucht werden könne, derowegen Ew. Churf. Gn. erwähn­ten Herrn Mr. Martin Röbern wir hiermit vnterthenigst nominieren, und angeben sollen mit vnterthenigster Bitte, Ew. Churf. Gn. geruhen gne­digst, ihn in einer Probepredigt der Gemeine vorzustellen, nach Be­findung zu vociren und endlich zu solchem Ambt gnedigst zu confir­miren etc. (?)"
und empfahl diese Angelegenheit in einem besonderen Schreiben dem Ober-Hofprediger Hoe von Hoenegg(?) von welchem er denn schon am 13. desselben Monats diese nicht eben gewünschte Antwort erhielt:
„Meinen freundlichen groß und willige dienst, nechst wünschung viller glückseeliger Jhar, Jederzeit, zuvor, Ehrenveste fürsichtige, Erbare, und wolweise, besonders lieben Herrn und freunde, Derselben schreiben sambt beigefugter vnterthenigster Supplication, habe ich zu recht emp­fangen und den innhalt lesend vernommen, auch nicht vnterlaßen, ge­melte Supplication gebürlich vorzutragen; Will denen Herren darauff nicht verhalten, weile noch vier Wochen nicht verfloßen, das dahero der Zeit keine Resolution erfolgen mögen. Es wird auch nicht gar wol auf­genommen, weiln die Herren Ir Jemanden präsentiren wollen, das sie nur ein einige Persohn, und zwar eine solche, die Itzo hie zu Lande nicht in Diensten, Allein fürgeschlagen haben. Wollte derowegen Ihnen hiermit treulich, und dem zu mihr habenden Vertrauen nach, rathen, das sie je eher, je besser, anderweit vmb gnedigste Resolution also an­hielten, das sie zum wenigsten noch ein zwey Personen neben Mr. Rö­bern benennen theten, Inmaßen sie dann leichtlichen darzu kommen könnten, weil in der Nähe solcher Leute zu befinden, die zu dergleichen Aembtern füglich vorzuschlagen sein. Insonderheit der Pfarrer zu Zör­wig Herr Mr. Creutziger, welcher gute Gaben zu predigen hat, Darneben ein gelehrter, frommer, diemütiger, verträglicher und friedfertiger Mann, auch albereit der Superintendenz als ein Adiunctur kundig ist. Dieses wird darzu dienen, das wenn aus den dreien einem oder dem andern die Probepredigt zugelaßen würde, es auf vorher beschehene vnterthe­nigste Präsentation erfolgte, und die Herren zwar ihr Jus nominandi Pastorem exerciren, zugleich aber auch Ihrer Churfürstlichen Gnaden Gnedigster Landesväterlicher fürsorg sich vnterthenigst mit gebürlicher reverenz ergeben theten, Dahingegen, wann sie bei einer Person allein verharten, leichtlich und nicht ohne wichtige Ursachen andere anord­nung von hoff aus geschehen möchte. Welches ich wohlmeinend zur nachrichtung nicht bergen wollen, mit erbietung wann die Herren angedeuter maßen, sich in die such schicken, das ich so vill an mir ist, dieses Werk mihr wolle aufs best laßen bevolen sein? wie ich denn ohne das, Ihnen und gemeiner Stadt zu dienen willig bleibe, Gott mit vns allen, Datum Dreßden, den 13. Januarii Ao. 1617.
Mathias Hoc von Hohnegg, Doctor."
Der Rat, der sein besseres Recht entweder nicht kannte oder geltend zu machen nicht Mut genug hatte, beschloß nun zwar eine Präsentation von dreien mit Ausschluß des Röber, der sich unter diesen Umständen die Nomination verbitten mußte; doch ehe er dazu kam, nach wenigen Tagen schon, ward ihm durch den Pfarrer Cruciger (?) ein kurfürst­licher Befehl, der, als Endpunkt eines merkwürdigen höfischen Aktes, wörtlich hier noch aufgenommen wird.
„Von Gottes gnaden Johanns Georg, Hertzog zu Sachsen, Gülich, Cleue und Berg, Churfürst etc.
Liebe getreue, Vns ist Euer vnderthenigster Bericht daß der Allmech­tige Mr. Felicianum Clarum von dieser Welt seeliglichen abgefordert, gebürlich furgetragen worden, Wann Wir dann die verledigte Pfarr- und Superintendentenstell mit Mr. Andrea Crucigeri Pfarrers zu Zörwigk person (welcher Euch nicht vnbekannt und in vnser Schloß Kirchen zu vnsern gnedigsten gefallen geprediget, auch im Coloquio von vnsern Präsidenten und Räten deß Obern Consitorii tüchtig zu solchem Ambt befunden worden) zu ersetzen gemeinet, Alß begeren Wir hiermit gnedigst, Ihr wollet Ihn auf den Sontagk Sexagesimae mit einer Probepredigtt auch hören, und da Ihr, alß Vnß nicht zweiflet, wieder seine Per­son-, der Form wie seinem Antecessori zu stellen, Vnd vns dessen erin­nern, Wollen Wir vns darauf mit der Confirmation gnedigst zu betzeigen wißen, Daran volbringet Ihr vnsere gefellige meinung,
Datum Dreßden, am 5. Februarii Ao. 1617."
Es bedarf nur eines Blickes auf diese Schriften, um den Mann kennen zu lernen der hier, wie zuvor bei Clarus, so klüglich als entscheidend wirkte und der Rat bußete nun die berichtliche überhöfliche Zurück­stellung seines Rechtes, mit der er sich seinem klügeren Gegner, den er zu gewinnen dachte gefangen gab. Cruciger hielt an dem bestimmten Tage seine Probepredigt und empfing am 23. Februar die Vocation. Wilhelm Steuert, ein reisiger Knecht, sonst hiesiger Bürger, ward am 21. März im Stadtgraben tot gefunden und da sich ergab, daß er sich aus Verzweiflung ersäufet habe, auf dem Schindanger begraben. Am 4. Mai starb der Stadtrichter und Organist Heinrich Thornau. Die Organistenstelle übertrug man dem Sohn des Bürgermeisters Johann Rudel in Eilenburg, Gottfried Rudel, welcher am 18. Juli anzog und mit seinem Spiel Beifall fand. Der Oberst von Schlieben hielt hier am 28. Mai. über die Defensioner Musterung, welche dem Rate für dieses Jahr einen Aufwand von 124 Talern verursachten. Döbermtz maßte sich nach Absterben Heinrichs Kriemanns über dessen Breite auf Gertitzer und Rubacher Mark die Gerichtsbarkeit an und nötigte den Rat zum Prozeß. Der Tischler Anton Schwinze aus Düben fertigte 115 neue Kirchen - stähle, von welchen 5 Stück dem Amt, 3 Stück den Frauen und Töchtern wohlverdienter ehrlicher Männer zwei überlassen, die übri­gen 107 Stück aber (das Stück zu 18 Groschen) verlöset wurden. Der Tischler empfing 65, der Maler Eberhard für das Anstreichen grün und gelb 20, der Schlosser aber für Vorbänder und Klinken 8 1/2 Gülden. Auch ward die Peterskapelle nach dem Markte zu umgedeckt und mit Ziegeln belegt. Im August stellte der Bildhauer Schlegel den neuen Taufstein auf. Das letzte Kind, welches am 15. dieses Monats getauft wurde, war Susanna, des Tagelöhners Jacob Bucksdorf Tochter, das erste in dem neuen, am 28. Maria, des Ratsherren Peter Kirchhof Tochter. Der alte Taufstein kam in die Kirche zu Schrenz. Am 31. Oktober, ersten und zweiten November war die vom Kurfürsten geordnete Feier des Reformations-Jubiläum, an dessen erstem Tage Rat, Geistlichkeit, Schule, Amt in festlichen Anzügen unter Glockengeläut vom Rathause in die Kirche zog. Ein besonders gedrucktes Kirchenge­bet ward nach der Predigt verlesen und nach dem Gottesdienst des Einwohners Balthasar Regler in der Grünstraße Tochter, Anna, mit Blumen geschmückt,. an dem gleichfalls mit Kränzen behangenen Taufstein getauft. Der Amtsschösser Heller und der Notar Bartholomäus Fiedler, gebürtig aus Wiesenthal, erlangten am 5. Dezember das Bürgerrecht. Valentin Stoye, welcher am 23. November, sonntags, gegen die Willkür im Ma1zhause Feuer unterhielt, wobei sich des nachts das Ge­treide entzündete, ward mit 5 Talern bestraft. Der Scheffel Weizen galt 30, Roggen 22, Gerste 8 Groschen.


1618
In diesem Jahre kamen zwei Taufnamen in Gebrauch, da man bisher durchgängig nur einen führte. Am ersten Osterfeiertag, den 5. April, brannten bei der Schäferei sieben Scheunen nieder und das Haus des Matthäus Meise, dessen Stätte der Rat räumen ließ. Der Schullehrer Mr. Hiergnymus Heydenreich, welcher im vorigen Jahre seine Beschreibung hiesiger Stadt in lateinischen heroischen Versen: Opusculi Topographici, cui Titulus, Delitiae Delitiarum, siue Delitium in Misnia Libelli II. herausgegeben und dem Rate zugeeignet hatte, er­hielt 30 Taler Verehrung. Das neue, Chor und Schiff der Kirche teilende Gitter von gedrehten Säulen, mit Geschleife und Postament, auch das daran befindliche Pult, welches der Tischler Schuster fertigte, kostete 10, und das Malen des­selben 5 Gülden mit Vergoldung der Knöpfe. Jacob Hochüber (s. 1612) ward verurteilt, den beleidigten Personen öffentlichen Widerruf zu tun, die Kosten zu zahlen und das Land auf einige Zeit zu meiden. Er konnte aber die auf 100 Gülden herabgesetz­ten Kosten nicht zahlen und ging davon. Der Superintendent Dr. Vincentius Schmuck hielt eine Visitation und verehrte der Rat den Visitatoren und Eingeladenen ein Faß Bier und 123 Kannen Wein. Der Kantor Mr. Johann Alberus, welcher ansehnliche Güter besaß und dabei das Amt vernachläßigte, fand sich genötigt zu resignieren und kam der frühere Tobias Albertus, bisher in Torgau, am 11. September an seine Stelle. Den Kirchenvorstehern bestimmte man bei dieser Gelegenheit für Rechnungslegung dem ersten 10, dem zweiten 5 Gülden Gehalt. Auch hielt der Superintendent Cruciger Synode, welche der Rat ebenfalls nicht ohne Verehrung ließ. Die bisherigen Unruhen i n Böhmen nahmen im August dieses Jahres durch das Herabstürzen der Kaiserlichen Räte vom Prager Schloß, durch allgemeine Bewaffnung der Protestierenden und Vertreibung der Jesuiten, durch Einmischung der Schlesier und anderer eine Gefahr drohende Richtung, daher denn auch der Kurfürst das Militär verstärkte, die Defensioner zusammenzog und Dresden befestigte. Von hier mußten am 10. September die Zimmerleute dahin, welchen der Rat aus der Kasse Zehrung gab. Defension und Heerwagen ging schon am 7. ab. Man ließ die Krähen in der Samenzeit durch Schießen verscheuchen und gab für Pulver und Blei 20 Groschen aus. in Storckwitz, Leonhard von Schiedingen gehörig, ward ein Faß Dorfbier durch Amtsfolge weggenommen. Paul Hintzsche, Arzt und Astronom (s. 1601) eignete dem Rate seinen Ka1ender des künftigen Jahres mit Prognosticon zu und erhielt einen Dukaten Verehrung. Der Scheffel Weizen galt 26-24, Roggen 14 und 15, Gerste 7 Groschen.


1619
Am 4. Februar starb der Konrektor Johann Felgner (s. 1588) und rückte der bisher dritte Lehrer Mr. Hieronymus Heidenreich in dessen Stelle, die dritte aber ward dem Hauslehrer Johann Albert oder Albricht, Sohn des hiesigen Hausgenossen, geboren am 16. Februar 1590, welcher in Wittenberg Theologie studiert hatte, übertragen. Die Kantorei, welche von Gregor Hochstetter und seiner Gattin Euphemia mit wertvollen Leichentüchern beschenkt worden war, ver­schaffte sich nun auch einen Leichenwagen mit stattlichen Traueran­zügen für die Begleiter und der Diakon Börner, welcher am 19. März starb,. war der erste, den man auf diesen viel Aufsehen machenden Wa­gen zur Ruhe brachte. Nach dem am 10. März erfolgten Tode des Kaisers Matthias führte der Kurfürst bis zur Wahl des neuen Kaisers, Ferdinand II. das Reichs-Vikariat und weil sich die im vorigen Jahre bemerkten böhmischen Unruhen, welche ein strenges Verbot gegen fremde Werbung und den Eintritt der Untertanen in auswärtigen Kriegsdienst veranlaßt hatten, mit jedem Tage gefährlicher anließen, so erschien unterm 20. März in dieser Be­ziehung ein neues Mandat, welches nicht nur jenes Verbot wiederholte, sondern auch die im Lande reisenden Fremden durch in Toren aufzustel­lende Wachen und Untersuchung der Gasthöfe, Schenken und Herbergen in strenge Aufsicht zu nehmen befahl. Johann Richter, ein Badegeselle, welcher die Tochter des Drechslers Mar­tin Schloß unter dem Versprechen der Ehe schwängerte, aber flüchtete, ward ergriffen und mit der Geschwächten am 1. April in der Kirche, bis dahin ihn der Fron an der Kette führte, vom Archidiakon Franke ehelich verbunden. Der Orgelbaumeister Heinrich Compenius aus Halle hatte schon bei der letzten Reparatur der Orgel aufmerksam gemacht, daß das Werk bald einer größeren allgemeineren bedürfen würde und man entschloß sich dazu bei seiner eingetretenen Wandelbarkeit: Derselbe Künstler und sein Sohn Esaias, auch ein sehr geschickter Gehilfe, Johann Jäger von hier, vollendete den Umbau in diesem Jahre so weit, daß es gangbar ward und im Frühling des folgenden, nach Prüfung übergeben werden konnte. Diese Veränderung kostete der Kirche über 300 Gülden. Zu gleicher Zeit ließ man, weil die Geistlichen es wünschten und man es sonst bequemer achtete, in die Sakristei, welche von außen keinen Zu­gang hatte, zu einer Türe vom Kirchhofe die Mauer brechen, kaufte von dem Bildhauer Wolf Mönch in Torgau für 2 1/2 Gülden das steinerne Tür­gerüst, gab die Bretter zu der Türe und hatte dabei mehr als 15 Gülden sonstigen Aufwand. Am 6. Juni war ein Ausschußtag der Stände in Dresden, Gegenstand aber die unabweisliche Anwerbung von Mannschaft zu dem stehenden Heere und deren Sold. In Folge dieser Rüstung, welche die möglichste Anstrengung der Staatseinkünfte dringend gebot, wurde die für Auf­hebung der ehemaligen Salzfuhren 1563 festgesetzte Abgabe von jähr lieh 70 Gülden zu großer Beschwerde auf 200 Gülden erhöht. Auch ver­lor der Rat das seit 15551m Pachte habende Geleite, welches man besonders austat und vererbte die AmtskaviI1erei, welche bisher mit der städtischen in einem Verbande war. Dieses nötigte den Rat, mit der städtischen ein gleiches vorzunehmen und ward sie in diesem Jahre noch an Daniel Dietrich von Jüterbogk für 262 1/2 Talar, Übernahme eines jährlichen Zinses von 10 Gülden und einigen Kannen Fettes abgetreten. Man verwendete das durch diese Veräußerung erlangte Geld an eine steinerne Verzierung des Marktbrunnens, welche der Bildhauer Wolf Mönch aus Torgau nach einem Risse des Malers und Küsters Eber­hard von Pirnaischen Sandstein für 200 Gülden arbeitete und Johannis künftigen Jahres aufstellte: Sie bestand aus vier, 33/4 Elle getrennten ionischen Säulen mit Postamenten und Hauptsimsen, vier Gesprengen und Pyramiden (auf den Säulen) und einem deckenden Bogen, auf des­sen Höhe ein römisch gekleideter Krieger mit dem Wappen der Stadt gestellt war. Stete Regengüsse im Juli verursachten Überschwemmungen und hielten die Ernte auf. Sie waren zugleich mit den heftigsten Stürmen begleitet und richtete besonders einer an Gebäuden und Bäumen ungemeinen Schaden an. Namentlich hatte das Kirchendach gelitten und bezahlten die Vorsteher nur dem Schieferdecker 15 Gülden Lohn. Achtunddreißig Rüstern., welche hinter der Scharfrichterei auf dem Auswurfe des Stadtgrabens standen und der Sturm in das Amtsgebiet warf, wollte das Amt an sich nehmen, sie wurden aber im Prozesse der Stadt zugesprochen. Auch stürzte die Vöge1stange, um deren Herstellung die Schützen 1621 schriftlich baten, und in ihrem Schreiben dieses Sturmes mit den Worten: „Es erinnern sich dieselben sonder allen Zweifels des unversehenen großen Sturmwindes, so im Juli des verflossenen 1619 Jahres erstanden, nicht allein viel große Hauptgebäude, Scheunen und Bäume niedergerissen, sondern auch unsere Vogelstange niedergeworfen und zerschmettert hat," gedachten. Am 22. Oktober entzündete sich in der Küche der Witwe des Andreas Becker Stroh, es entstand ein Auflauf und verfiel sie, obschon Feuer nicht zum Ausbruch kam, der Buße von einem neuen Schock. Ebensoviel gab Paul Schuster Strafe, der sich, ohne seinen Kindern ein Mutterteil auszusetzen, zum zweiten Male ehelich verband. Am 7. Dezember jagte der Kurfürst bei Bitterfeld und mußte der hie­sige Rat abermals Betten und anderes Gerät der Bürger in das Hoflager dahin bringen lassen. Obschon die Mulde ausgetreten war, fing man doch 99 Schweine in der Goitzsche, 29 Stück in der Beeren und 14 Stück bei Greppin. Die Großstücken, Flemmings-, Mühl- und Tamm­holz mit der Saulage konnten wegen des Wassers nichtumstellt werden. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Kurfürsten ein silberner und vergoldeter Becher überreicht. Der Scheffel Weizen galt 27, Roggen 21, Sommergerste 10 1/2, Winter­gerste 6 Groschen. 1177 Scheffel Hafer wurden im Marstalle verfüttert.


1620
Der Stadtrichter Johann Barth, früher Schullehrer und seit 1606 Ratsherr, starb am 14. Januar im 45. Lebensjahr und ward am 16. als Mitglied der Kantoreigesellschaft auf dem Wagen derselben und begleitet von ihr zu seiner Ruhestätte gebracht. Ein gleiches geschah dem am 10. März gestorbenen Stadtmusikus Christoph Neander und kam an dessen Stelle der 1608 entlassene Matthias Bärtigen, jetzt in Altenburg, auf sein Gesuch wieder in den Dienst. Am 25. Januar fand man vor dem Kohltore ein fremdes, ungefähr neun Monate altes Kind männlichen Geschlechts, in einem Korbe an einer Weide hängend, welches Christian getauft und einer Frau auf öffentliche Kosten zur Erziehung überlassen ward. An demselben Tage verwundete ein Soldat, Peter Schönbrod aus Zschortau einen hiesigen Töpfer' gefährlich und mußte das Land meiden. Am 25. März, mittags zwischen 11 und 12 Uhr brach in der Scheune des Ratsherren George Wend Feuer aus und brannte die Hälfte der Scheungasse nach dem Kohltor zu nieder. Die Vermutung, daß das Feuer durch Unvorsichtigkeit der Mägde, welche Asche in einem Kerbe dahin getragen, entstanden sei, ward durch die Untersuchung widerlegt. In Lorenz Ibens Gehöfte, Nr. 161 der Hallischen Gasse, wühlte am 27. April eine Sau unter dem Torwege Steine und mit diesen ein neu­geborenes totes Kind auf. Der Verdacht des Kindermordes traf die älteste Tochter des Paul Grimmer, Elisabeth und deren Mutter; sie blieben aber bei Vorzeigung der Marterinstrumente dabei, daß das Kind tot zur Welt geboren sei und brachte das, Urteil der Mutter zeitige dreijährige, der Tochter ewige Landesverweisung. Der in der Untersuchung mitbefangene Sehneidergeselle Gottfried Schoppen entkam aus dem Gefängnis des Hallischen Turmes und konnte nicht erlangt werden. Am 11. Mai betagten sich auf dem Sch1osse der Kammerrat Wolf von Rabiel und der Appellationsrat und Bürgermeister zu Leipzig Theodor Möstel, wahrscheinlich in Beziehung auf Gregorius Hochstetter, der bald darauf bestrickt und am 17. Juni auf besonderen Befehl durch den Hauptmann der Feste Pleißenburg in Leipzig, Johann Vopelius, ab­geführt ward. Der Rat gab ihnen den üblichen Ehrenwein. Der hiesige Bürger und Büchsenmeister der Defensioner, Johann Pak, ward nach Dresden zur Arbeit im Zeughause gerufen, erhielt aber Sold und Kost in Gelde von hiesigem Rate und zahlte man für dieses Jahr 139 Taler an ihn. Er zeigte sich bei der diesjährigen Belagerung der Stadt Bautzen durch geschickte Behandlung und Richtung des Ge­schützes sehr aus, warf am 1. Oktober die Wasserkunst, von welcher den Belagerern viel Schaden zugefügt ward, mit einem großen Stücke Mauer nieder und erhielt ein großes Geschenk, starb aber bald nachher. In einem Bittschreiben hiesiger Schützen an den Kurfürsten vom 9. September 1622 wird seiner in dieser Beziehung mit folgenden Worten: „was gleichwohl unser Mitbürger Hans Pak, nunmehr seliger, als Büchsenmeister in Niederlegung der Wasserkunst am Weinberge vor Ehr und Ruhm auch Geschenk erlangt, haben wir noch im frischen Gedächtnis", rühmlich gedacht. Die 48 hiesigen Bürger, welche zur Defension gehörten, gingen auf kur­fürstlichen Befehl am 3. September nach Bautzen, wo einer derselben, der Seiler Thomas Wange, am 10. Oktober, mittags 12 Uhr, bei einem Überfalle erschossen ward. Der Kaufmann Gregor Hochstetter kam am 21. August aus Leip­zig, wo er seit dem 17. Juni, man erfährt nicht aus welchem Grunde, auf der Festung Pleißenburg gefangen gehalten worden, zurück, starb aber am dritten Tage darauf, 45 Jahre alt und die Kantorei, die er zu wiederholten Malen beschenkt hatte, begleitete am 5. September seinen Sarg. Bei seinem Leben hatte er schon die Denksteine für sich und seine erste Gattin mit beider Bildnissen besorgt. Sie lagen auf den Gräbern ihres Erbbegräbnisses, von wo sie aber, nach Verwüstung des Schwib­bogens durch den Krieg, zum Andenken mit Beachtung seiner Wohl­tätigkeit gegen Kirche und Schule, in die Gottesackerkirche ge­bracht und an der mitternächtlichen Wand aufgestellt worden sind. Auch in der Stadtkirche findet sich hinter des Rats Betstube ein Denkmal von Bildhauerarbeit mit Gemälde an der Wand. Den letzten Beweis seiner guten Gesinnung gegen Kirche und Schule gab er durch eine Stiftung vom 13. März dieses Jahres, in welcher er die Zinsen von 550 Gülden, welche bei dem Rate in Eilenburg unablöslich stehen, für Geistliche, Schullehrer, Schüler in der Maße bestimmte, daß an seinem Namenstage, Gregorius, den 12. März, der Super­intendent 4, jeder Diakon 2, jeder Schullehrer 1 Gülden, ebensoviel die Mägdlein - Schulmeisterin, jeder Schüler 1 und ist er in der Kantorei, 2 Groschen empfängt. Dem Küster sollen für Reinigung der Kanzel und des Denkmals an den Festen Ostern, Pfingsten, Michaelis und Weihnachten 2 Gülden, im Fall er sie aber nicht besorgen will oder vernachläßigt, nichts gegeben werden. Der Superintendent hat die Auf­sicht über diese Stiftung und besorgt die Verteilung, wobei des Stifters Andenken in einer kurzen Rede erneuert wird. Er war hier geboren am 26. Februar 1574, der Sohn eines Kranvers gleichen Namens, der aber verarmte und sein Haus den Gläubigern überlassen mußte. Anfänglich hatte er eine Mietwohnung in der Vorstadt und hökte, erwarb sich aber bald im Handel mit Viktualien, Heringen, Getreide usw. ein Haus in der Vorstadt und brachte es durch richtige Spekulationen dahin, daß er im 24. Jahre seines Alters für den angesehensten Kaufmann des Ortes galt, der sich in der Stadt mit einem der besten Häuser (Num. 248) an­kaufte und ansehnliche Summen verleihen konnte. Da er Waren im Großen kaufte und auflagerte, so geriet er erst (wie früher bemerkt worden) mit der Stadt Leipzig in Reibung, auf deren Beschwerde bei dem Fürsten (wegen des Stapels) er den Warenhandel im Großen unterlassen mußte. Er trieb nun einen lebhaften Getreide­handel mit Anhalt, dem sich zwar die Städte und Edlen wegen Schwä­chung der Märkte und Niederdrückung der Preise widersetzten, Be­schwerden und Prozesse führten, im Ganzen aber doch nicht viel ausrichteten. Seine erste Gattin, Euphemia, starb am 21. August 1615, er verband sich aber wieder am 9. November 1616 mit Maria, Martin Marcus, Handelsmannes in Magdeburg Witwe und diese, und der Vater, welcher in Landsberg lebte (die Kinder waren vor ihm gestorben) be­erbten ihn. Sein ansehnliches Vermögen zerfloß in kurzer Zeit. Bartholomäus Hofmann, welcher wider Ratsverbot und Gerber - ordnung Leder vor der Türe walkte, ward mit einem neuen Schocke bestraft. Am 24. Dezember starb der Bürgermeister Christoph Feger der Jüngere, Ratsherr seit 1591. Er hatte von 1572 ab in Leipzig studiert, war be­gütert, beliebt und geachtet. Sein Sohn Elias ward hiesiger Stadtschrei­ber, Johann, der auch hier lebte, als geschickter Orgelbaumeister gerühmt. Zwei Taler sechs Groschen kostete ein Kupferstich, das kurfürstliche Erbbegräbnis in Freiberg vorstellend, welchen die Kirche auf sonder­lichen Befehl des Konsistoriums anschaffen mußte und zwei Taler das neue Kirchensiegel. Antonius Dulingius, Komponist von Magdeburg, welcher dem Rate sein Opus musicum von 12, 10 und 8 Stimmen ver­ehrte, erhielt 2 Taler Gegengeschenk. Der Scheffel Weizen galt 29, Roggen 26, Wintergerste 9 Groschen.


1621
In dem harten Winter dieses Jahres verdarb Weizen und Wintergerste größtenteils. Die böhmischen Unruhen ergriffen mehrere Länder. Alles warb Söldner und verschlechterte die Münze. Afterwechsler (Kipper und Wipper) ent­zogen die einheimische, gute und brachten die fremde, schlechtere in Lauf. Es stieg daher der sächsische Taler in diesem Jahre bis 8, 10, 12 und mehre Gülden, der Wert des Scheffels Weizen von 25 Groschen auf 5 Gülden, Roggen von 24 auf 4 1/2, Gerste bis 3 Gülden. Die Kanne Wein mußte von den Kirchenvorstehern mit 3, der Stein Seife zu Reinigung des Kirchengerätes mit 12, ein Fuder Kohlen mit 6 Gülden bezahlt werden. Indessen gab der Rat armen Bürgern 832 Scheffel Roggen seines Vor­rates um billige Preise hin. Die hiesigen Defensioner blieben in der Lausitz und kosteten dem Rate seit dem 3. Dezember vorigen Jahres bis Ende dieses 230 Taler. Die für sie bestimmten Kontributionen der Bürger betrugen aber weit mehr. Es entstand in diesem Jahre auch hier, wie in anderen Städten, eine kurfürstliche Münze, in welcher Achtgroschenstücke, Groschen, vielleicht auch kleinere Münzen ausgeprägt wurden. Unter dem dabei tätigen Personal wird erwähnt: Stephan Almar, Münzmeister aus Mecklenburg, Gerhard Schirm von Hildesheim, Münzohm; ein zweiter Ohm, Heinrich Rösser, Arnold und Jacob Teupler, Ernst Reinhold und Bernhard Bühne Eisenschläger. Meister und Ohm waren reiche Leute und heiratete der Ohm Schirm am 19. Februar des folgenden Jahres des hiesigen Ratsherren Balthasar Fiedlers Tochter Maria. Sie trieben das Geschäft doch nur zwei Jahre lang in dem Hause Num. 202 des vierten Viertels, welches daher den Namen Münze behielt.  Christoph Weber, eines Hausgenossen Sohn von 15 Jahren, ward wegen wiederholten Stehlens mit Ruten gezüchtigt, weil er jedoch nicht ab­ließ, ewig verwiesen. Als er demungeachtet wieder kam, legte man ihn gefesselt in das Gefängnis, wo er starb. Der Amtsschösser Samuel Heller suchte bei dem Kurfürsten um einen Raum vor dem Viehtore zu Erbauung einiger Häuser nach. Der Rat willigte gegen Revers darein, das Vorhaben blieb aber unausgeführt. Alexander von Miltitz auf Schenkenberg und Hans von Schidingen auf Wölkau drangen ihren Untertanen in Beerendorf und Sietzsch zu Pfingsten Hofbier auf, welches die Bürger wegnahmen. Beide verloren den deshalb vor dem Oberhofgerichte geführten Prozeß. Auch dem Bürger Gregor Hochstetter in Landsberg, des hier jüngst verstorbenen Hochstetters Vater nahm man ohne Vorwissen des Amtes ein­gelegtes Zerbster Bier weg, verfiel aber, weil man den Rat daselbst übergangen hatte, in Kosten und Verweis. Am 6. Juni wollte der bei hiesiger Münze angestellte Eisenschläger Heinrich Rösser aus Mecklenburg im Freien ein Rohr abschießen, es sprang aber und tötete ihn die in den Kopf geschlagene Schwanz­schraube auf der Stelle. In diesem Jahre ließ der Rat von dem Drechsler Michael Kirchhof die Cancellen vor der Ratsstube aus 37 gedrehten Stäben bestehend, fertiger., welcher beschlossene Platz auch den Musikanten bei den Adels­tänzen und Hochzeiten überlassen ward. Sie sind in dem 19. Jahrhundert erst entfernt und in zeitgemäße Form ersetzt worden.


1622
Paul Schäfer, der hier Butter aufkaufte und in das Dessauische führte, ward mit 21 und Weiland, der seine Kinder mit auf die Hochzeit nahm, mit 20 Groschen bestraft. Am 16. Februar gingen die Abgeordneten des Rates, die Bürgermeister Esaias Wiprecht und Mr. Andreas Fischer mit dem Stadtschreiber Mr. Richter auf den Landtag nach Torgau, der vom 17. Februar bis 20. März dauerte, wo hauptsächlich über das Münzunwesen verhandelt und dabei die bisherige Land- und Tranksteuer von neuem auf sechs Jahre bewilligt, die Landsteuer aber wegen des Kriegsaufwandes von 12 auf 18 Pfennige erhöht ward. Reise und Aufenthalt dieser drei Herren verursachte der Kasse 499 Taler 6 Gr. Aufwand. Vor Bautzen war manches Gerät der Defensioner verloren gegangen, welches wieder ersetzt werden mußte. Es war eine reichliche Ernte, doch stieg durch den schändlichen Geld­wucher der Scheffel Weizen hiesigen Maßes von 8 bis 13, der Roggen von 7 bis 12, die Gerste von 5 bis 8 Gülden, die Kanne Bier bis 3 Gro­schen und entstanden deshalb in den Städten bedenkliche Unruhen. Der Rat verpachtete' die Güter Neuhaus und Petersrode an den Mr. Gre­gor Luppe am 24. August.


1623
Die gute Münze war Anfang des Jahres fast nicht zu haben, daher der Wert der Dinge zu einer unglaublichen Höhe stieg. Die Fleischer konnten und wollten das Fleisch selbst nicht um die erhöhte Taxe geben und blieben, ungeachtet man sie mit 8 neuen Schocken strafte, bei ihrer Weigerung. Ebenso vergeblich war die Bestrafung eines Bauern aus Sietzsch, welcher eine Mandel Eier für einen Taler ausbot. Zu dieser Not und Verwirrung kam noch, daß man infolge der vorjährigen Land­tagsverhandlungen ein Verbot der geringen fürchtete und viele, die es erzwingen konnten, die geringe nicht nahmen. Endlich kam am 22. Juli in einem kurfürstlichen Befehle ihre Herabsetzung von zehn, acht auf eins und. am 2. September ein strenges Verbot der Wertübersetzung der alten. Jeder Groschen Übersatz (Agio) auf den Taler sollte mit einem Taler bestraft werden. Viele, selbst wohlhabende Familien gerieten da­durch in Armut, besonders litten dabei die Unmündigen, die Vormünder und Besoldeten. Die geringe Münze verlor sich, die gute blieb selten. Auf kurfürstlichen Befehl vom 21. Februar mußte sich der fünfte Teil der Bürgerschaft gehörig bewaffnet, bereit zum Abgang halten und ein anderer Befehl vom 19. März verlangte von hier Fische für das fürst­liche Hoflager in Leipzig, weshalb der Rat im Stadtgraben fischen ließ. Die Schützen erregten wegen des Fischens in dem an den Schützenhof stoßenden Graben und der Erlen daran neuen Streit (s. 1603). Bei­des wurde ihnen aber, ungeachtet das Amt sich ihrer annahm, vom Hof­gerichte zu Wittenberg abgesprochen. Gregor Hochstetters zweite Gattin, die sich vor kurzem mit Caspar Elias von Clausberg verehelicht hatte, starb am 17. April und ward in dem Hochstetterschen Erbbegräbnisse beigesetzt. Der Kämmerer Elias Kirchhof, Ratsherr seit 1603, starb am 28. Juli und am B. August der kurfürstliche Lautenist Nicolaus Hauptvogel. Auf Befehl vom 2. Juli wurden die Ämter De1itzsch, Zörbig und Petersberg mit 1000 Reitern belegt. Der Stab unter Befehl des Oberstleutnants Wolf, Grafen zu Mansfeld mit 120 Pferden kam am 5. Juli in hiesige Stadt. Die erste Anlage der Bürgerschaft für ihre Bedürfnisse 24 Groschen von einem Brauerbe, 12 Groschen von anderen Häusern, 8 Groschen von Pfahlbürgern und 4 Groschen von Hausgenossen, langte nicht, und da eine zweite gemacht werden sollte, protestierten die Bürger gegen diese Art Ausbringung und ward sie daher von den Gütern nach dem Landsteuerfuße erhoben. Von den Ratsgütern betrug sie 367 Taler 7 Gr. 1 Pf. Bei diesem Stabe befand sich unter anderen Hans Ernst von Miltitz, Quartiermeister, Hans Ludwig von Rungen, Kapitänleutnant, Christoph Friedrich von Trettau, reformierter Leutnant und Hans von Canitz. Die 172 Kannen Wein, welche der Rat Ostern und Pfingsten dem Schösser, Geistlichen, Mitgliedern des Rates etc. zum Geschenke gab, kosteten 451 Taler 12 Gr.. Die Kanne 3 Gülden (geringer Münze). Der Scheffel Weizen, nach gutem Gelde, galt 38, Roggen 35, Sommergerste 11 Groschen, Hafer 15. Wintergerste erbaute man in diesem Jahre nicht.


1624
Kurz vor Weihnachten vorigen Jahres kamen die kurfürstlichen Kom­missarien Dr. David Döring, geheimer Kämmerer und Hofrat, Heinrich von Friesen auf Rötha und Mr. Christoph Funke, Amtsschösser in Leip­zig hierher, gaben vor, daß der Kurfürst das Kriegsvolk abzudanken Willen sei, aber nicht zahlen könne und daher zu seiner getreuen Land­schaft Zuflucht nehmen müsse. Sie verlangten von der Stadt ein Anlehn von 6000 Gülden, welche aus der Kammer verzinst werden sollten, schilderten den Vorteil, den das Land, namentlich die Städte von der Entfernung des beschwerlichen Volks haben würden und erklärten end­lich rund, als der Rat das Unvermögen der Stadt bei der bisherigen starken Einlegung des Mansfeldischen Stabes vorstellte, daß jetzt Not an den Mann gehe und man entweder Hilfe tun oder eine Anzahl Soldaten aufnehmen müsse, worauf man einen Vorschuß von 2000 Gülden verwilligte. Da diese 2000 Gülden nicht aufgebracht werden konnten, so mußte man zu Veräußerungen der Grundstücke Zuflucht nehmen und man brachte die Summe in der Maße auf. 245 Schock erhielt man für den Dübischen Werder, den man an den Amtsschösspr Johann Schu­bert und Gastwirt Christopis Thiele in Düben um diesen Preis versetzte. Das bisherige Pachtgeld von demselben betrug jährlich 15 Schock 45 Groschen; 70 Schock oder 200 Gülden gab Martin Karrbaum für die an ihn verkaufte Wiese bei Spröde; 241/2 Schock oder 70 Gülden George Weber von Bendorf für 1/2 Acker Wiese; 21 Schocke George Schreiber daselbst'auch für 1/2 Acker Wiese; 399 Schocke 57 Gr. mußten die Bürger der altert und neuen Stadt, auf dem Damme, Rosenthale und Gerberp1an, inhalts besonderer Register contribuiren und 70 Schocke des Rats Dorfschaften als Gertitz 35, Werben 341/2, Bendorf 101/2 Schock, summarisch 847 Schocke 57 Groschen. An diesem Darlehne ver­lor der Rat, weil kurz nachher im Erzstifte Magdeburg die neuen Dreier angesetzt und andere Sorten gültig wurden, 21 Schocke 10 Groschen, am Achter. 2, am Fünfer 2, am Dreier 1 Pfennig. Es war ein harter Winter und erfror hier ein Soldat und ein armes Weib. Durch plötzliches Auftauen verdarben die Wege so, daß die Amts­bauern zu Bestreuung derselben (mit Holz) angehalten werden mußten. Die Defension kostete dem Rat 105 Taler 10 Gr. 3 Pf. Hauptmann war Johann Schenk, dessen Bruder Fährich, Robenbach Webel und David Silber Büchsenmeister. Sie hatten am dritten Osterfeiertage und 12. No­vember große Übung und Musterung und der Rat hielt sie jedesmal frei. Der Superintendent hielt am 27. März die Leichenpredigt des Tischlers George Schuster, auf dem Damme, in der Hospitalkirche, die erste in dieser Kirche und die zweite am 2. Oktober bei dem Begräbnisse des Lorenz Grimmer von Gertitz. Hans Spiegel zu Zschortau erklärte am 11. Juni vor dem sitzenden Rat, er und Jeremias Götze hätten im vorigen Jahre den Ade1stanz ihrem Vermögen nach, hoffentlich zu allgemeiner Zufriedenheit angerichtet, darauf den Kranz in Schachteln an Otto von Crostewitz und Otto Hagken geschickt, welche ihn aber nicht angenommen. Weil nun wegen Kürze der Zeit keine Anderung zu treffen sei, so wolle er gegen alle Anrech­nung unangenehmer Erfolge protestieren. Der Adelstanz wurde also in diesem Jahre zum ersten Male nicht gehalten und hörte auch wegen der immer mehr sich häufenden Kriegslasten gänzlich auf. Am 2. September ließ der Rat, sein Recht zu sichern, die Spröde bejagen. Der Bürgermeister Esaias Wieprecht starb am 17. September und ward am 19. mit einem Traueraufwande der Ratskasse von 22 Talern solenn begraben. Er war hier geboren, hatte von 1572 ab in Leipzig die Rechte studiert und 1590 eine Stelle im Rate erlangt, dem er seit 1613 als Bür­germeister mit nicht geringem Ansehen und Einflusse vorstand. Am 29. November traf der Kurfürst zur Jagd in Bitterfeld ein. Diese Jagd dauerte bei ungestümem Regenwetter bis 11. Dezember und wurden 160 Sauen erlegt. Auch diesmal mußten von hiesiger Bürgerschaft Betten zusammengebracht und durch Ratsherren dahin geschafft werden. Die Professoren von Wittenberg Dr. Balduin und Mr. Erasmus Schmidt, gemeiner Stadt Förderer, waren hier und erhielten vom Rate 7 Taler Auslösung. Der Nachrichter Daniel Dietrich in Jüterbogk, auch Besitzer der hiesigen Scharfrichterei seit 1619, starb und kaufte .sie von den Erben der Sohn Hans Dietrich, welcher 10 Taler 12 Gr. Gesamtlohn der Erben und ebensoviel Annahmelohn für sich zahlte, übrigens aber 10 Gülden Erbzins jährlich mit etlichen Kannen Fett zu geben hatte. Der Scheffel Weizen galt 30, Rogen 26, Wintergerste 24, Sommergerste 101/2 Groschen.


1625
Dem neuen Büchsenmeister, Gottfried Krumbiegel, den man am 14. Januar annahm, gab man 60 Taler jährlichen Lohn. Man fing an statt ganzer nur halbe Biere zu brauen. Am 10. Februar beschädigte ein ungewöhnlicher Sturm viele. Gebäude und am 15. Juni wo ein heftiges Donnerwetter dem anderen folgte, sah man ringsumher in der Nähe und Ferne brennende Ortschaften, denen man, wegen eigener Gefahr, nicht helfen konnte. An demselben 10. Februar erschoß ein Soldat, Georg Jahn von Belgern der Bürgermeisterin Wieprecht, Knecht, Martin Kühne von Naundorf, bei der Kämmerei gelegen, auf Gertitzer Mark und raubte die Pferde. Am Osterheiligenabend hielten sieben Lesterer feil. Im Februar und März verbreitete sich die Pockenkrankheit und starben Kinder und Erwachsene daran. Der Mangel an Gelde erzeugte Zinswucher, daher die alte Verordnung des Herzogs Georg, welche den Zins auf Fünf vom Hundert festsetzte, in einem Befehle vom 28. April erneuert, und die Übertretung mit har­ter Strafe bedroht ward. Da auch bei den übermäßigen Lasten Wohlhabendere Kapitale einzu­ziehen genötigt waren, so kam der Rat als man ihm einige für den Kurfürsten und sich, namentlich auf Neuhaus und Petersrode erborgte kündigte, in.große Verlegenheit. Es schien nicht geraten, diese Ritter­güter in so gefährlicher Zeit zu halten und da der Pächter derselben, Mr. Luppe, Lust zeigte, sie zu kaufen, trat man mit ihm in Unterhandlungen. Über den Gottesdienst in der Hospitalkirche war seit der Reformation nichts bestimmt, der frühere Fonds dazu dem Gotteskasten zugeschlagen. Das Hospital gab dem Geistlichen, der auf Verlangen von Zeit zu Zeit den Hospitaliten predigte und Kommunion hielt, ein willkürliches Geschenk. In diesem Jahre aber, am 18. Mai, setzte man die Zahl der Predigten fest und jedem der drei Geistlichen, bis die Visita­toren oder das Konsistorium etwas anders verordnen würden, für jedesmalige Predigt und Kommunion einen Taler aus. Der ungebührlichen Steigerung der Zimmerer- und Maurerlöhne suchte man dadurch zu steuern, daß man dem Meister täglich 6, dem Gesellen 5, dem Tagelöhner 2 Groschen, dem Boten aber für die Meile I Gr. 9 Pfg. verstattete. Die Drescher sollten um den dreizehnten dreschen oder vom Scheffel Wintergetreide 2, vom Sommergetreide 1 Gro­schen erhalten. Durch die streifenden Heere verbreitete sich ein gefährliches Fieber (febris maligna.), dem hier vom Eintritte des Herbstes an gegen 150 Personen unterlagen. Unter anderem starb daran der gelehrte in Geschäften gewandte und für den Augenblick nicht zu ersetzende Stadtschreiber Mr. Johann Richter am 17. Oktober. Die Zahl der diesjährigen Verstorbenen stieg bis 206 und es schien, wie man bemerkt hat, daß jede andere Krankheit mit dieser ihren Ausgang nahm, womit man wohl sagen wollte, daß sie vorherrschend war. Auch ward es im Oktober mit der Ankunft des kaiserlichen Heeres unter Wallenstein in Halle so unsicher, daß die Feldbestellung unter­blieb und das Landvolk sich von den Wochenmärkten zurückhielt. Der Scheffel Weizen galt 36, Roggen 30, Gerste 28, Hafer 18 Groschen.


1626
Am 6. Januar verkaufte der Rat die Rittergüter Neuhaus und Petersrode an Mr. Gregorius Luppe, bisherigen Pächter derselben, für 47 000 Gülden, den Gülden zu 20 Groschen gerechnet. Ungewöhnliche Stürme im Januar beschädigten die öffentlichen Gebäude und hatte Kirche und Rat für Wiederherstellung derselben be­deutenden Aufwand. Die 1619 für jeden Wochentag angeordnete, bisher aber nicht zum fleißigsten besuchte Betstunde, ward durch einen kurfürstlichen Befehl vom 10. März ernstlich erinnert, eine neue Buß- und Betordnung be­kannt gemacht und das-Tanzen auf Adelstänze und Wirtschaften beschränkt. Die kaiserlichen Söldner im Magdeburgischen streiften und beschädigten die Umgegend und als am 15. April ihr Anführer Wa11enstein den Grafen von Mansfeld bei der Dessauer Brücke schlug, flüchtete viel Volk vom Lande in hiesige Stadt. Auf einen starken Schnee am 16. Mai folgte des Nachts ein harter Frost, dann aber jähe Wärme und so viel Ungeziefer, daß man in wenigen Tagen fast nichts vom jungen Laub der Bäume übrig sah. Der Typhus vorigen Jahres zeigte sich in den Winter- und Frühlingsmonaten minder heftig, nahm aber mit dem Eintritte des Juni so überhand, daß die Stadt 830 Einwohner verlor und 50 Verstorbene, weil die Totengräber ihre Namen vergaßen, in das Totenbuch der Kirche namentlich nicht eingetragen werden konnten. In dem einzigen Monate September starben 229, an einzelnen Tagen 20 bis 30, und man bemerkte als etwas Auffallendes, wenn ein Tag ohne Leiche blieb. Zahlreiche Familien starben mit ihrem Namen aus. So folgte dem am 2. August gestorbenen Konrektor Mr. Heinrich Heidenreich in vierzehn Tagen sein Weib mit vier Kindern und die Familie erlosch. Kein Haus war ohne Trauer. Das Ratskollegium verlor drei seiner Mitglieder, David Gerhard, den Käm­merer Johann Burgmann und den Stadtrichter Johann Kirchhof. Der gefährlichen Krankheit ungeachtet hielt der Kurfürst in den Ge­hölzen bei Bitterfeld Hirschjagd, blieb aber, weil auch dieser Ort an­gesteckt war, bei Hans von Schönfeld in Löbnitz und mußten von hier, aus nicht infizierten Häusern, Betten dahin geschafft werden. Der Scheffel Weizen galt 24-30, Roggen 18-22, Gerste 16, Hafer 30 Groschen.


1627
Ein sächsischer Soldat ward auf der Leipziger Straße von einem kaiserlichen verwundet und starb am 15. Januar im hiesigen Hospitale an seinen Wunden. Drei Knaben, Andreas Fischer, Peter Petzsche und Christian Fischer, gingen im Mai, Februar und Juli von hier nach Pforte ab. Am 4. März stürzte ein Stück der Stadtmauer ein und ward auf Befehl eiligst hergestellt. Sieben Dorffleischer, Lästerer, hielten am Osterheiligenabende auf hiesigem Markte feil. Am 6. April starb der Bürgermeister Urban Kirchhof, Ratsherr seit 1600, und die Kasse bezahlte mit 21 Talern den Traueraufwand. Der Maler Peter Hellender aus Chemnitz verehrte dem Rate, als er das Bürgerrecht empfing, des Kurfürsten Bild, welches man in der Ratsstube aufhängen ließ. Abgaben und Lasten wurden täglich drückender und fast unerschwinglich. Außer der hohen Land- und Tranksteuer hatte man das Soldatengeld, welches jährlich viermal, jedes Mal 6 Groschen von einem Brauerbe, 3 Groschen von einem Pfahlhause gegeben werden mußte; die Unterhaltung der Defension und die schwere Verzinsung der für den Kurfürsten und sonst aufgenommenen großen Darlehne, die ge­kündigt und eingeklagt wurden, durch neue aber in dieser gefährlichen Zeit nicht gedeckt werden konnten. So verklagte Hans von Scheidingen den Rat bei dem Oberhofgerichte wegen der für den Kurfürsten 1613 geliehenen 4000 Gülden, man erlangte aber auf Bericht kaum die rück­ständigen Zinsen dieses Jahres. Nur bei der Defension erhielt man durch Zuschlagung von 65 Talern aus dem Amte und 9 Talern von der Stadt Taucha für den Fähnrich, welcher 100 Taler und den Trommelschläger, welcher 12 Taler Gehalt empfing, einige Erleichterung. Sie kostete dennoch dem Rate, außer 38 Talern zu Erfüllung des Soldes dieser bei­den, 75 Taler (nicht gerechnet den Aufwand bei der Musterung am 13. und 14. Juli) und weit mehr der Bürgerschaft. Der Rat war in solcher Verlegenheit, daß der Verkauf der Rodeländer auf Görlitz, der Naundorfer und,Elberitzer Mühle und die Verpfändung des Dorfes Gertitz zum Vorschlage kam. Namentlich drückte ihn der Umstand, daß derKäufer derRittergüter Neuhaus und Petersrode die terminlich bestimmten Kaufgelder, mit welchen man die beim Er­kaufe derselben aufgenommenen Darlehne decken wollte, nicht zahlte, zu zahlen nicht vermochte und in Konkurs geriet. Hans von Scheidingen, der eine Nachsuchung der Bürger in Sietzsch wegen fremden Bieres nicht dulden wollte, behauptend, daß es außerhalb der Mei1e liege und deshalb Prozeß anfing, veranlaßte eine Ausmessung, welche der Amtsschösser Philipp Pastor in Zörbig als Kommissarius mit Urban Franz, einem öffentlichen Notare, dem Land­richter, zwei Landschöppen in Beisein zweier Ratsherren und sieben Bürgern am 17. Oktober d. J. vornahm. Man fand aber von der Halb­sehen, Mansfeldischen Brücke bis Quering 15 Schock, von Quering bis Peterwitz 11 Schock, von Peterwitz bis Klitzschmar gleich der Kirche 4 Schock, von da bis Sietzsch an den großen Stein bei der Küsterei 15 Schock Ruten und fehlten so nach an der Meile, welche 60 Schock Ruten hält, 15 Schock. Hiermit war die Sache gegen den von Scheidingen entschieden, da man aber gern wissen wollte, wie weit sich eigentlich die Meile erstreckte, so fuhr man gegen Klepzig fort zu messen, erreichte aber dieses Dorf nicht, sondern die 15 Schock Ruten endeten ungefähr 300 Schritte vor dem Dorfe, wo man die Grenze der Meile mit einem eingesenkten: Steine bezeichnete. Man brauchte zu der Ausmessung eine Kalesche mit einem angesteckten Vorderrade von 71/2 Elle Weite, welches bei jedem Umtriebe klappte. Ein Landschöppe, der vorn aufsaß, rief den jedesmaligen Umlauf aus, alle Übrigen schrie­ben, die Kommissarien ausgenommen, welche von Zeit zu Zeit halten . ließen und fragten, ob die Zuschläge bei allen übereinstimmen. Zu gleicher Zeit maß man auch die Entfernung bis Kletzen, Hohenossig, Lehelitz, Rabutz, Reußen, Radefeld, Werlitzsch und fand von der Brücke des breiten Tores bis Kletzen in die Schenke 45 Schock, von da bis Hohenossig 3 Schock 30 Ruten, vom breiten Tore bis Lehelitz vor die Schenke 43 Schock, von der ha11ischen Brücke bis Radefeld 50 Schock, bis Werlitzsch 58 Schock, nämlich von der hallischen Brücke bis Naundorf (Kattersnaundorf) 191/2, von Naundorf bis Grabschütz 8, von Grabschütz bis Zwochau 41/2, von Zwochau bis Gre­behna 5, von Grebehna bis Glesien, dem Schenken unter die Fenster 12, von Glesien bis Werlitzsch 9 Schock Ruten, von der hallischen Brücke bis Reußen 1 Meile, nämlich bis Zschernitz 27, von Zschernitz bis Reins­dorf 22, von Reinsdorf bis Reußen, dem Schöppen in den Hof 11 Schock Ruten. Bei der Messung nach Rabutz fand man von der hallischen Brücke bis Gertitz 4 Schock, von Gertitz bis Lissa an die Mühle 18, von da bis Kölsa 14, von da bis Wiedemar in die Schenke 7 Schock 30 Ruten, von da bis Wiesenena 11 Schock und von da bis Rabutz an die Weiden 5 Schock 30 Ruten, von da bis in das Dorf 1 Schock 15 Ruten. Die Zimmerleute mußten losen, in welcher Ordnung sie auf Befehl des Kurfürsten die Feldzüge begleiten sollten. Das Baden und Schröpfen wurde nur dem Bader gestattet, allen übrigen bei Strafe untersagt. Der Scheffel Weizen galt 21-24, Roggen 17-15, Wintergerste 10, Sommergerste 9, guter Hafer 12-15 Groschen.


1628
Mit diesem Jahr trat bei der Kämmerei und Kirche statt der bisherigen Rechnung nach Neuschocken die nach Gülden ein. Am 28. Januar verordnete der Rat, daß der übergangen werden solle, welcher zum Brauen, wenn ihn die Reihe trifft, nicht fertig ist. Zugleich wurden die übermäßigen Löhne der Brauarbeiter herabgesetzt. Dem Kantor Alberus und dritten Lehrer Keilenberg verwies man ihre Amtsvernachlässigungen und drohte dem letzteren mit Absetzung. Der Kurfürst schenkte der Kirche 200 Gülden Strafgelder, welche dafür zwei silberne Kannen zum Gebrauche bei der Kommunion fertigen ließ, welche noch im Gebrauch sind. Zu dem Fähnrichtsgelde mußte von jedem Brauerbe 3 Groschen, vom Pfahlhause die Hälfte gegeben werden. Fähnrich der Defensioner aber war Wolf Balzer von Crostewitz. Zu dem Landtage in Torgau, welcher vom 17. Februar ab vier Wochen. dauerte, gingen die Bürgermeister Fischer und Richter mit dem Stadtschreiber. Die bisherige Tranksteuer blieb, die Landsteuer aber ward von 18 Pfennigen auf 22 erhöht und sollte das Mehr zu Tilgung der Kammerschulden, von denen die Stände überdies einen Teil über­nehmen mußten, verwendet werden, ein guter Vorsatz, den aber die böse Zeit nicht zur Anwendung kommen ließ. Auch ward eine Fleischsteuer, vom Pfunde ein Pfennig, bewilligt, welche bei der Bekannt­machung am 9. Juni Unruhen erregte. Die Fleischer wurden vereidet, das Gewicht des man ihnen für die Bank und in den Häusern der Ein. wohnen geschlachteten Viehes gewissenhaft anzuzeigen und bei dem Gleitsmanne zu vergeben. Die Fleischer tumultierten gegen die Lästerer. und verbüßten es mit 28 Gülden. Am 7. Mai, nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr schoß Erasmus von Schönfeld auf Sömmeritz die hinterlassene Tochter des Wolf Rudolph von Ende auf Zschepplin, Sausedlitz und Badrin, Susanne, in ihrer Mut­ter Sidonia Stube zu Badrin, vorsätzlich mit einem Pistol in die linke Brust, daß sie auf der Stelle tot blieb. Gegen den Flüchtigen wurde der peinliche Prozeß eingeleitet und die Ladung am 31. Dezember hier angeschlagen. Am ersten Sonntag nach Trinitatis ward auf Begehren des Rates, daß die zur zweiten Ehe Schreitenden, bevor sie nicht die Auseinander­setzung mit ihren Kindern erster Ehe durch einen Schein des Rates nachgewiesen, nicht aufgeboten und getraut werden könnten, von den Kanzeln verkündigt. Es war Gewohnheitsrecht, daß die Witwe von aller fahrenden Habe ihres Mannes die Hälfte erbte. Ein Gleiches fand statt bei den liegenden Gründen in der Stadt; dahingegen kamen alle liegenden Güter des Ver­storbenen außerhalb der Ringmauer an die Kinder oder sonstigen Erben. Über dieses Gewohnheitsrecht stellte der Rat in diesem Jahre nach ge­meinschaftlicher Beratung Atteste aus. Michael Stoie aus Zwochau, ein Bruder des Kreumaischen Pfarrers Zacharias Stoie, ward am 18. Dezember auf Rubach Mark ermordert und sein Körper vom Bruder zur Beerdigung in Zwochau erbeten. Die Ratsherren hatten jetzt folgenden jährlichen Sold:
43 Gülden 5 Gr. der Bürgermeister, als
26 Gülden 14 Gr. beim Jahresschlusse,
4       „     12   „   am Ostermarkt,
2       „       6   „   am Michaelismarkt,
4       „     12   „   zu Weihnachten,
1       „       3   „   Küchengeld,
4       „        -   „   Holzfuhre.

24 Gülden 7 Gr. jeder Ratsherr, als
13 Gülden 7 Gr. beim Jahresschlusse,
2       „     6 „   am Ostermarkte,
1       „     3 „   am Michaelismarkt,
2       „     6 „   zu Weihnachten,
1       „     3 „   Küchengeld,
4       „     -   „   Holzfuhre.

5 Gülden 15 Gr. der Jungherr als Schenke,
13     „     7   „   der Bauherr,
20     „     -   ,,   der Stadtrichter mit den Beisitzern;
80     „     -   „   der Stadtschreiber, für Kost, Kleidung und Mühe bei den Einnahme-Registern aller Art;
8       „     12 „   derselbe für Licht. Er hat überdies freie Wohnung und 12 Klaftern Scheite aus der Spröde.

Der Musikus und Türmer erhielt jährlich 64 Gülden 15 Gr., zum Neuen Jahre 1 Scheffel Roggen und 6 Gülden 3 Gr. zur Bekleidung. Der Kantorei gab man zu ihrem Schmause 5 Kannen Wein, am Werte 1 G. 19 Gr. -, 5 fl. 15 gr. bar und erließ ihr an ihrem aus dem Rats­keller genommenen Biere 5 G. 15 gr. Der Schmaus beim Ratswechsel kostete 45 G. 14 Gr.10 Pf. Die Dreherschen Erben erhielten wegen 1000 Gülden Kapital, die Wein­richschen wegen 500 Gülden, Schuld des Rates, auf die Dörfer Gertitz, Werben und Benndorf Einweisung. Der Scheffel Weizen galt 21, Roggen 12, Gerste 7-10, Hafer 7 Groschen.


1629
Als der Rat Superintendent Dr. Strauch im Jahre 1618 das Pfarrholz roden ließ, um es zu Wiese zu machen, so gab ihm der Rat, der ihm ge­wogen war, bis die Wiese tragbar würde, jährlich 10 Schock Reisigholz aus der Spröde. Diese Wiese war seit mehreren Jahren in dem besten Stande, gab reichlicheren Ertrag als das vorige Holz und wollte der Rat die 10 aus der Spröde jährlich gegebenen Schocke in diesem Jahre zu­rückhalten, der Superintendent widersprach aber, es entstand deshalb Prozeß und verlor ihn der Rat, weil man diese 10 Schock ohne Vorbehalt der Rückforderung matrikuliert fand. Die Rechnung der Kirche in Benndorf war von jeher auf dem Rathause abgenommen worden, daher man auch diesmal darauf drang. Am 5. Mai war ein starkes Schloßenwetter, welches dem Getreide viel schadete. Die Brauerschaft machte an der Pfingstmittwoch einen Ausfall nach Brinnis, wo die Bauern Eilenburger Bier eingelegt hatten. Sie wider­setzten sich der Wegnahme des Bieres, läuteten Sturm, die Nachbarn von Luckowehne und Hohenrode eilten zu Hilfe und entstand ein sol­cher Aufruhr, daß drei Bauern erschossen und mehrere Bürger tödlich verwundet wurden. Der Rat publizierte am B. Mai eine Hausgenossen-Ordnung die­ses Inhalts:
1. Welcher zum Hausgenossen in oder vor der Stadt unter E. E. Rats Botmäßigkeit ziehen will, soll sich auf dem Rathause bei dem Rate angeben, seinen Wirt und Kundschaft mitbringen und wegen der Anmeldung Bescheids erwarten.
2. Wenn er nun auf seine Kundschaft angenommen wird, soll er ein gut Schock Anzugsgeld niederlegen, ehe und zuvor er seinen Haus­rat hereinschafft.
3. Und darauf dem regierenden Bürgermeister angeloben, daß er sich E. E. Rates Gebot und Verbot unterwerfen, auch also verhalten wolle, daß über ihn keine Klage kommen möge.
4. Und daß er den Bürgern auf ihr Begehren um einen billigen Lohn arbeiten und seine Kinder nicht zum Betteln ziehen wolle.
5. Hierüber soll er jährlich acht Groschen Schutzgeld geben, da es aber eine einzelne Person, vier Groschen.
6. Mehr soll er 6 Schock Reisholz in der Spröde hauen, oder dafür 8 Groschen auf Walpurgis, eine einzelne Weibsperson aber vier, Groschen einbringen, doch soll bei dem Rate stehen, die Dienste oder Geld zu fordern.
7. Endlich soll er helfen ohne Entgelt auf des Rates Wiesen das Heu und Grummet machen und den Markt, so oft es nötig, kehren, auch zur Besserung der Wege Schutt einwerfen, bei dem Fischen das Schilf aushauen, im Petri Pauli Markte wachen und was der­gleichen geringe Arbeit mehr ist.
8. Auch für dieses alles dem Wirt, daß er dafür gut sage, zum Bür­gen vorstellen.
Veranlassung zu dieser Ordnung gab ihr besorgliches, durch Vermeh­rung der Mieten erleichtertes Eindringen, ihre Abgabenfreiheit, unbillige Lohnsteigerung, Arbeitsscheu und Anhaltung der Kinder zur Bette­lei. Am 3. Juli ward Elias Naumann von Gollm mit dem Schwerte hingerichtet. Die Scharfrichterei kam von Hans Dietrich an Frau Esther, Valentin Heilands Tochter. Sie soll nach dem Lehnschein vom 30. März d. J. im Ratsprotokolle dieses Jahr geben: 10 Mfl. jährlichen Erbzins, halb zu Ostern und halb zu Michaelis, 12 Mfl. Lohn auf den Fall, 5 Pfund Fett in die Mühle, eine tüchtige Haut zu Ausbesserung des Geschirres im Marstalle, 8 Paar Handschuhe jährlich; von den Tieren der Bürger die Haut für 1/2 Mfl. abziehen und zurückgeben. Der Kantor Alberus ward wegen Unfleißes abgesetzt und an seine Stelle Christoph Kohl, ob er gleich in der Musik nicht allzu stark war, doch wegen seiner Sprachenkenntnis und Lehrtätigkeit am 11. November an­genommen. Bei dem kurfürstlichen Jagdlager in Bitterfeld (im Dezember) gingen viele von hier dahin geschaffte Betten verloren. Der Scheffel Weizen galt 30, Roggen 18-26 Groschen. Das am 6. März veröffentlichte kaiserliche Religionsedikt, welches ver­langte, daß die von den Verwandten der Augsburgischen Konfession nach. dem Passauer Vertrage (1552) eingezogenen Kirchengüter den Katholischen zurückgegeben, von Kommissarien ermittelt, übernommen und diese im Weigerungsfalle von kaiserlichen Heerabteilungen unterstützt werden sollten, kam in den letzten Monaten zur allgemeinen Sprache, erregte ungemeine Erbitterung im Volke und dringende Auf­forderung zu allgemeiner Bewaffnung für die augenscheinlich gefährdete Landes-Religion.


1630
Der Gottesacker, durch die ansteckenden Krankheiten der letzten Jahre überfüllt, mußte vergrößert werden. Der Rat kaufte daher Hans Mahns Haus für 170 Gülden am B. Februar, Mr. Georg Frankens Scheune für 40 Gülden am B. April und von Georg Kirchhof einen Raum für 30 Mfl. und vergrößerte ihn. Es ist der tiefer liegende Teil gegen Westen, von dem jedoch in neuerer Zeit ein Stück Garten der Ökonomie geworden ist. Zu gleicher Zeit versah man ihn mit neuen Ringswänden und führte die Löschung der Grabstätten ein. Am 7. Juni ward Elias Naumann von Wölkau, bei dem Amte verhaftet, mit dem Schwerte hingerichtet. Am 25., 26. und 27 Juni feierte man zum Andenken der Überreichung Augsburgischer Konfession das Jubelfest. Rat, Amt, Geistlichkeit, Knaben, Mädchen und Bürger zogen unter Glockengeläut in die mit Blumen und Zweigen geschmückte Kirche, wo der Gottesdienst nach allgemeiner Vorschrift gehalten ward. Zugleich hielt der Superintendent Synode und verehrte der Rat der versammelten Geistlichkeit 3 Täler 8 Gr. an Wein. Ein Mühlknappe erhing sich bei Hans List, dem Stadtmü11er und ein Fuhrmann in Stephan Beckers Garten. Beide begrub des Nachrichters Knecht an einem besonderen Ort und er empfing dafür 5 Täler. Am 22. August starb die Gattin des Dr. Georg Kirchhof, Magdalena und ward gegen Erledigung von 20 Tälern im Chor der Gottesackerkirche begraben. Der Schenke von Sietzsch fuhr mit einem schwer beladenen Wagen am 16. Oktober dem Zimmergesellen Johann Sander aus Wiedemar über den Leib. daß er sogleich starb. Wegen der Einfälle der Kaiserlichen in das Erzstift Magdeburg und der Unsicherheit mußten auf kurfürstlichen Befehl die Tore stark mit Wache besetzt werden. Weil sich zu gleicher Zeit viele Flüchtende eindrängten, so machte der Rat unterm 20. Oktober bekannt, daß keiner ohne Vor­wissen des Rates einen Fremden, der nicht auf der Durchreise begriffen, bei Strafe einnehmen solle. Der von Halle flüchtende wohlhabende Goldschmidt Christoph Becker machte sich ansässig und ward am 15. November Bürger. Der Pfarrer zu Gollm, Paul Richter, trieb in der Pfarre Bierschenk, was ihm auf Beschwerde verwiesen ward. Der Scheffel Weizen galt 30-24, Roggen 28-24, Sommergerste 21, Wintergorste 6, Hafer 15 Groschen, der Stein Wolle 3 Taler.


1631
Der Superintendent Mr. Cruciger verglich sich am 18. Januar mit dem Rate und nahm für die verstrittenen 10 Schock Reisig jährlich 8 Taler. Die Defension kostete gegen 500 Gülden. Der Hauptmann Hans Schenk ward mit allen Bedürfnissen von der Stadt versehen. Sie bestand aus Bürgern mehrerer Städte, lag hier in den ersten drei Monaten des Jahres und ging am 1. April nach Wittenberg. Die Mitweidische und Döbelnsche, welche schon auf dem Wege war, hier einzurücken und die hiesige zu verstärken, erhielt daher Weisung zum Rückgang. Anfang des Februar fanden sich auf Einladung des Kurfürsten vom 29. Dezember vorigen Jahres die der Augsburgischen Konfession ver­wandten Fürsten, meistens persönlich, zu gemeinschaftlicher Beratung wegen des nunmehr durch das Heer des Tilly im Erzstifte Magdeburg und sonst in Ausführung gesetzten Religions-Ediktes und der bedenk­lichen Vorschritte Schwedens in Leipzig ein, wo man dann nach langer Beratung (unter abwechselnden Vergnügungen aller Art) und von den zugleich dahin berufenen Geistlichen erlangter Überzeugung, daß man von der Augsburgischen Konfession nicht abgewichen, dieses vielmehr ein leeres Vorgeben der katholischen Gegner sei, am 2. April zu dem Entschlusse kam, sich zwar kräftigst zu rüsten, die angebotene Hilfe Schwedens aber abzulehnen und den Kaiser mit dieser Nachricht zu friedlichen Unterhandlungen aufzufordern. Hier rüstete sich nun die gesamte Bürgerschaft. Man befestigte die Stadt nach Möglichkeit, trug die alte Ziegelscheune ab, erhöhte die Mauer und erweiterte die Graben, wo es nötig schien. Der Rat suchte in Leipzig Musketen, sie waren aber nicht verkäuflich - es fehlte an Kraut und Loth. Man kaufte für die kaiserlichen Heere in dem Magdeburgischen in hie­siger Gegend viel Getreide auf, der Kurfürst untersagte aber bei harter Strafe die Ablaßung. Vom 2. bis 27. Mai lag der Rittmeister Cositz hier, dessen Reiter die Straßen und Dörfer gegen die Umschweif er sichern sollten, am 29. Mai aber rückte der General-Wachtmeister Hans Rudolff von Bindhauff mit seinem Reiter-Regiment ein und hielt die Stadt bis zum 20. August be­setzt. Sein Regiment bestand aus vier weißen Corneten Kürassierer und fünf grünen Arquebusirer und war 1200 Pferde stark. Es war für ihn eine Küche und Sommerlaube auf dem Markte errichtet, auch stand da­selbst Stockhaus, Justiz und Esel. Er hielt, so viel es sein konnte, gute Manneszucht und verbot seinen Leuten am 4. Juni das Abhauen des Wiesengrases und das Fischen im Lobergraben bei Leib- und Lebens­strafe, es wurden ihm aber auch vom Rate große Geschenke vorzüglich an Wein gemacht. Vom 15. Juni bis 12. Juli war eine Ständeversammlung in Dresden. Es wurden zu der Defension noch 2 Pfenninge auf die ohnehin schon hohe Landsteuer von den Erbgütern, von der Ritterschaft 200 000 Gülden Donativ- und Präsentgeld, übrigens aber noch von gesamter Landschaft auf 16 neue Schocke 1 Metze Roggen und 1 Metze Hafer bewilligt. Am 22. Juli ward ein Korporal und Gemeiner wegen verübter Gewalt­tätigkeiten in Mitte des Marktes auf einem Fuder Sand, welchen der, Rat anfahren ließ, hingerichtet. Die beispiellose Grausamkeit, die man an den Einwohnern der am 10. Mai erstürmten festen Stadt Magdeburg verübte und die Androhung gleicher Behandlung, die man überall offen aussprach, verbunden mit den Plünderungen und Mißhandlungen der in das Land schweifenden kaiserlichen Söldner und der Bekanntwerdung des kaiserlichen Mißfallens an dem Leipziger Beschlusse und der in die­ser Beziehung gegen den Kurfürsten geführten bedrohlichen Sprache, brachte in hiesige, dem Magdeburgischen nächste Gegend ungemeine Furcht, die Vornehmsten aus den nächsten Städten und Dörfern flüch­teten mit ihrer besten Habe hierher und die Landgeistlichen unter, stützten das hiesige Ministerium in der Amtsausführung. Am 20. August des Nachts brach Bindhauff mit seinem Regiment auf nach Leipzig, wo das ganze sächsische Heer auf der Fläche vor dem Hallischen Tore am 22. Musterung hatte und am 24. durch die Stadt nach Torgau zog. Durch den Abzug des Bindhauff war die Stadt ohne alle Bedeckung. Der Rat schrieb daher am 25. August an den Hofmarschall und Obersten von Starschedel und bat, daß man wenigstens zu Anführung der Bürger den bei der Delitzscher Defension in Wittenberg angestellten gefreiten Korporal Abraham Voigt hierher schicken möchte, welcher sich indessen heimlich mit anderen aus der Festung entfernt hatte und auf dem Wege hierher begriffen war. Am 7. September traf das bei Düben vereinigte, schwedisch-sächsische Heer mit dem des Tilly auf der Fläche zwischen Breitenfeld und Seehausen zusammen. Die Sachsen, welche auf dem linken Flügel des Heeres für sich kämpften, hatten, weil man sie als nur geworbene, unerfahrene Krieger für die leicht werflichsten hielt, den heftigsten Andrang, wurden umgangen und bis auf einen Abteil, der sich in Ord­nung zurück, und nach dem schwedischen, linken Flügel zog, zerstreut. Für diesen leicht vorher zu sehenden Fall hatte der König durch gnügliche Deckung seines linken Flügels gesorgt, und da der verfolgende Feind, siegestrunken, teils durch Abgang der Plünderer, teils durch ge­wagtes Vordringen günstige Blöße gab, so warf er schnell seinen Rück­halt dahin, gewann ihm mit den übrigen Sachsen die rechte Seite ab, brachte dadurch den Kern des feindlichen Heeres, da auch sein rechter Flügel vordrang, zwischen zwei Feuer und erhielt in wenigen Stunden den vollständigen Sieg. Die Schlacht, welche nachmittags zwei Uhr be­gann, endete mit der Abenddämmerung. Tilly entging nur durch Zufall der Gefangenschaft. Was sich von seinem Heere nicht zeitig entfernt, nach Leipzig, Merseburg, Halle geflüchtet hatte, ward von verfolgenden Reitern und mehr noch von erbitterten Bauern, welche Sturm lauteten, umgebracht. In dieser Schlacht blieb der General-Wachtmeister von Bindhauff, früher Oberstleutnant und Anführer des altsächsischen Regiments im kaiser­lichen Heer, dessen wohlmeinender Gesinnung die Stadt viel zu verdanken hatte. Der hiesige Bürger und Landrichter Stroh, welcher auf kurfürst­lichen Befehl von Düben aus eine starke Brotlieferung dem Heer zu­führen sollte, geriet bei Podelwitz in das Treffen, ward geplündert, vom Rate aber entschädigt. Gleich nach der Schlacht brachte man gegen 300, größtenteils Schwer­verwundete, ein, die in Bürgerhäusern, in die Gottesackerkirche und Siechhäuser gelegt wurden. Die meisten waren aus schwedi­schen Regimentern, aber Deutsche. Eine große Zahl Leichtverwundeter ging ab und zu. Man machte zu ihrem Unterhalte von Zeit zu Zeit An­lagen und gab jedesmal der Besitzer des Brauerbes 12, der Pfahlbürger 6, der Hausgenosse 3 Groschen. Der Ratsherr Lizentiat Bartholomäus Fiedler, der Vierte1sherr Georg Selnecker (ein Sohn des vormaligen hiesigen Superintendenten Selnecker) und der Bader Christoph Schneider, der einzige Chirurg, welcher dem Heere nicht gefolgt war, erwar­ben sich bei dieser Gelegenheit durch angestrengte, aufopfernde Tätig­keit ungemeines Verdienst um Kranke und Bürgerschaft. Daß die Mehr­zahl der Verwundeten geheilt entlassen werden konnte, gibt von der Geschicklichkeit des letzteren rühmlichen Beweis. Unter anderen verließ Erasmus von Manteufel auf Wispona in Pommern, dem ein Schuß in die linke Seite Mastdarm und Hüfte verletzt hatte, am 17. März folgenden Jahres völlig hergestellt die Stadt. Auch in dem Treffen Gebliebene höheren Ranges begrub man hier, die schwedischen Offiziere Wolf Martin Stieber, Ewald Hase und Henning Hase, am 17. September, mittags 12 Uhr, solenn in die Gottesackerk i r c h e nahe der großen Türe, die meisten auf den Gottesacker in der Stille. Eine starke Brot1ieferung ging am 9. September nach Eilenburg, welches für den Augenblick mit einer größeren Zahl sächsischer Verwundeter und mit Gefangenen des kaiserlichen Heeres belegt, zur Unter­haltung derselben nicht bemittelt war. Der Stadtschreiber Elias Jäger, welcher in der bedrängtesten Zeit die Stadt verließ und die Schlüssel zu den ihm anvertrauten Behältnissen mit sich nahm, ward vom Amte entfernt und dieses einstweilen dem Ratsherren Bartholomäus Fiedler übertragen. Er hatte zwar Freunde in den Räten und machte Versuche zu Wiedererlangung der Stelle, sie schlugen aber, weil die Gewichtigeren urteilten, daß er nachlässig, in zweifelhaften Fällen und Abfassung bedeutender Berichte nicht Mannes genug sei, die Herren mithin, wenn die Sachen nicht liegen bleiben soll­ten, selbst Hand anlegen mußten, gänzlich fehl. Nach der Schlacht gingen viele schwedische Truppenteile hier durch, die aber den Kaiserlichen an Erpressungen und Plünderungen wenig nachgaben, daher vom Rate an den Kurfürsten ein beschwerender Be­richt. Am 14. Oktober mußten die hiesigen Zimmerleute und Maurer auf kurfürstlichen Befehl zum Festungsbaue nach Wittenberg. Die hiesigen Defensioner gingen mit dem Kurfürsten von Wittenberg in die Lausitz und nach Böhmen, wo zwei, Gregor Liebezeit und Veit Schulze. Schuhmacher, bei der Eroberung von Prag blieben. über die Stipendien machte der alte Bürgermeister Mr. Fischer dem Rat diese Anzeige: Das Gotteshaus hat vier volle Stipendien, die vom Rate und Gottesvätern verliehen werden. Das erste hat Johann Luppens Sohn, das zweite Esaias Kleinschmidt, das dritte Elias Kühn, das vierte Elias Fischer. Ein fünftes hat Mr. Johann Wieprecht. Hierzu gibt der Rat jährlich 25, die Kirche 5 Gülden, das sechste hat Georg Großmann und gibt der Rat ebenfalls 25, die Kirche 5 Gülden. Die Zahl der in diesem Jahre Gestorbenen war 200 einschließlich der Gebliebenen und an den Wunden Gestorbenen. Es sind aber gegen 50 derselben nicht bekannt geworden.


1632
Die Verwundeten, welche bis zum Juni hier lagen, kosteten der Bürger­schaft und Ratskasse viel, die Bedürfnisse, die man aus der Ökonomie nahm, nicht gerechnet. Die alte, aber seit längerer Zeit vernachlässigte Ordnung, nach welcher Fuhrleute, welche hier Getreide kauften, nicht leer einfahren, sondern Holz, Brot, Viktualien, Leinwand und andere Waren zum Verkaufe mitbringen sollten, ward am 25. Februar erneuert und auf Nichtbeachtung ein Neuschock Strafe gelegt. Die Frau von Ende auf Badrina maßte sich ein Bierzwangsrecht über die Schenke daselbst an, welchem der Rat mit Erfolg widersprach. Auch der Herrschaft in Brodau untersagte man auf Beschwerde der Stadt die Einlegung fremden Bieres. Vom 7. Juni bis 20. August lagen fünf Kompagnien des Löserschen Regimentes hier (die übrigen in Pegau), welche von den Hauptleuten Hans Caspar von Brettin, Lorenz Neumann, Wolf Meurer und Georg Rabe nur geworben worden. Vor diesen Menschen war nichts sicher, ob ihnen gleich Brot, Fleisch, Bier, Butter, Käse täglich in Menge gegeben werden mußte. Eine Vorstellung von ihrer lästigen Gegenwart gibt die Nachricht, daß der Hauptmann von Brettin allein wöchentlich für seine Tafel verlangte: 1 Eimer Wein, 1 Kufe Eilenburgisches Bier, 1 Rind, 4 Schöpse, 1 Kalb, 6 alte Hühner, 10 junge Hühner, 4 Gänse, 6 Eßfische, 1 Hasen, 1 kalekutschen Hahn etc., 7 Pfund Konfekt, 22 Pfund Butter etc. Der König, welcher sich nach der Leipziger Schlacht von den Sachsen, welchen er die Räumung Leipzigs, des Landes und das Vordringen nach Böhmen überließ, getrennt, im Fluge den Rhein und bis dahin alles für sich gewonnen hatte, zog in diesem Jahre gegen Tilly, der mit den Bayern bei Nürnberg hielt, verdrängte ihn, nahm Donauwörth, erzwang den Paß über den Lech bei Rain, wo Tilly tödlich verwundet ward und besetzte das Bayernland. Hätte er sich ebenso schnell der festen Plätze daselbst bemächtigen, Sachsen über die Sicherheit seines protestantischen Vorzugsrechts beruhigen und der neutralisierenden Halbheit entreißen können, so war er jetzt der Kaiserkrone, wenn er sie suchte, näher als je. Es gelang aber dem Kaiser, den einzig möglichen Retter, den verab­schiedeten Wallenstein durch beschwerliche, fast erniedrigende Zu­geständnisse zu gewinnen, der denn auch in kurzer Frist ein ansehn­liches Heer aufstellte und tätig ward. Anfangs beschäftigte er sich mit den Sachsen, die er mit sichtbarer Schonung aus Böhmen entfernte, dann aber und auf Beschwerde des Kurfürsten von Bayern bei dem Kaiser, näherte er sich dem Könige bei Nürnberg, dem er aber nichts abgewinnen konnte und fiel endlich, um ihn von der bedrohten Donau abzuziehen, mit ganzer Macht in Sachsen ein, welches, weil der Kurfürst mit dem Heere in Schlesien hielt, ohne Verteidiger war. Der König war nun gezwungen, ihm dahin zu folgen, traf ihn am 6. November bei Lützen, wo er noch einmal des Landes Freiheit siegend erkämpfte, aber auch, unentschieden, ob durch Freundes oder Feindes Hand, sein Leben verlor. Die Vortraber des Wallensteinischen Heeres, ungefähr 7000 Mann, unter Hulk (Holck) und Gallas kamen, nachdem sie das Vogtland durchzogen und die meisten Städte am Wege genommen hatten, am 16. Oktober un­gehindert bei Leipzig an. Denn nur ein kleiner Haufe Sachsen hielt Torgau und Wittenberg besetzt. Die schändlichste Rohheit bezeichnete ihren Weg und alles vom Lande flüchtete den Städten zu. Adlige Fa­milien, Geistliche, Schullehrer, Bauern aus weiter Ferne bezogen hier die Frauen- und Hospitalkirche und schlugen auf freien Plätzen, Gassen, auch auf dem Gottesacker Hütten auf. Gefährliche Krankheiten, die sie mitbrachten, griffen um sich und ganze Familien fanden ihr Grab. Das Hauptheer mit Wallenstein näherte sich am 16. Oktober der Stadt Leipzig, welche sich, aufgefordert am 18. weil man ihr bestes Geschütz nach Torgau gebracht, ihr nur eine geringe Zahl Defensioner gelassen hatte, schon am 22. ergeben mußte. Während dieser Tage schickte der Rat fast stündlich Boten nach Kundschaft aus, die Unsicherheit war aber so groß, daß er am 25. erst von Leipzigs Übergabe Nachricht erhielt. Zu gleicher Zeit forderte der Oberste Bredaw (unter Colloredo), welcher Eilenburg gegen 2000 Gülden Auslösung besetzt hatte, eine gleich große Summe von hiesiger Stadt. Man versprach und suchte sie durch Auf­nahme von Darlehen, freiwillige Beiträge, Vorschußnahme von der Tranksteuer und Hilfsgelde von der eingeflüchteten Landschaft aufzu­bringen, schützte aber, als man die Annäherung der Schweden und Lüneburgischen Hilfsvölker erfuhr, die Unsicherheit des Transportes vor, bat um sicheres Geleit, welches bei dem wichtigeren Geschäfte des Bredaw, das Heer gegen den vermutlichen Einfall der Sachsen und zu ihnen stoßenden Lüneburger von Torgau aus zu decken, vor der Hand unbeachtet blieb und kam, da inmittelst die Schlacht bei Lützen einfiel, mit Behaltung des Geldes glücklich durch. Die sächsisch-, lauen- und lüneburgischen Völker in Torgau waren be­rechnet, es galt einer zweiten Schlacht bei Leipzig, sie trafen aber zur bestimmten Zeit in Torgau nicht ein und Wallenstein drang daher gegen den König vor. Am 15. November mußten für die sächsisch-lüneburgischen Truppen, die von Torgau kamen, 32 000 Brote, jedes zu 2 Pfund und 60 Faß Bier ge­liefert werden und am 21., 22., 24. und 25. hatte man schwedische Mannschaften zu verpflegen, die mit Geschütz und Munition nach Zwickau zogen. Vom 27. November bis 11. Dezember lag das schwedische Leibregiment zu Roß, Herzog Bernhard, unter Befehl des Oberstleutnant Daniel Bul­lion hier, welches sich selbst einquartierte, nach Eroberung der Stadt und des Schlosses Zwickau aber, vom 28. Dezember mehrere Wochen ein schwedisches Regiment zu Fuß unter General-Feldwachtmeister Knyp­hausen, 1187 Mann stark. In der Stadt befand sich zwar nur der Stab, aber die Bedrückung war unglaublich. Dem General Knyphausen mußte wöchentlich geliefert werden 5 Rinder, 24 Schöpse, 3 Kälber, 6 Gänse, 24 Hühner, 1 Schwein, 10 Paar junge Hühner, 6 kalekutische Hühner, 2 Ferkel, 2 Lämmer, 30 Pfund Speck, 2 Hosen Butter, 2 Schock Eier, 3 Hüte Zucker, zu jeder Mahlzeit 10 Schalen Konfekt, 30 Pfund frische Fische, 3 Schock Schnecken, 1 Schock Salzheringe, 10 Pfund Stockfische, 2 Schinken, 1 Füßchen Kapern und Oliven, 1 Füßchen Senf, 4 Pfund große Rosinen, 4 Pfund kleine, 4 Pfund Mandeln, 8 Pfund Pflaumen, 4 Pfund Reis, 2 Pfund Baumöl, 1 Kanne Rosenwasser, 2 Dutzend Nürnberger Pfefferkuchen, 8 Klaftern Holz, 10 Körbe Kohlen, Wein, Bier, Brot, Salz, Gemüs, Milch, Essig, Gewürz nach Notdurft.
Freund und Feind unterschied sich durch nichts. Zweihundert Gülden zahlte der Rat nur für Bier, das bei außerordentlichen Gelegenheiten vertrunken ward und für 60 Gülden Wein nahm Bullion bei seinem Ab­gange mit. Das überhand genommene Nervenfieber machte die Abnahme von Totengräber-Gehilfen und Krankenwärtern nötig, denen man 22 Wochen lang. doppelten Lohn gab. Das Kirchenbuch zählt 361 Verstorbene, doch blieben viele, die man in der Stille begrub, ungemeldet. Von Fremden starb unter anderem Martha, Witwe des Christoph von Gröpzig auf Zschortau, eine geborene von Plaußig, am 22. Oktober; Georg Thomas, des vor. Zaschwitz auf Reibitz Hofmeister, den ein kaiserlicher Soldat tödlich verwundete, am 11. November, Peter Hempel aus Wiedemar, ebenfalls tödlich verwundet an demselben Tage; von hier am 17. Sep­tember Christoph Ohme, Anführer der Ohmischen Musikgesellschaft, welche mit dem Stadtmusikus die musikalische Aufwartung am Amte hatte, seit dem Ausbruche des Krieges aber müßig war und am 1. Okto­ber der Stadtrichter Benjamin Richter, seit 1611 Mitglied des Rates. Den Leichnam des Königs, welcher am 26. November in Eilenburg, tags darauf in Wittenberg eintraf, begleiteten mehr als 1000 Mann. Die Königin übernachtete am 7. Dezember in Bitterfeld. Es ist oben bemerkt, daß der Oberste Bredaw, als sich Eilenburg erge­ben, hiesiger Stadt gleichen Akkord zusagte und es dürfte der Erhal­tung wert sein, was der Rat in Eilenburg auf Bredaws Befehl dem hie­sigen schriftlich zukommen ließ. „Unsere freundliche Dienste bevor. Ehrenveste, Achtbare, Wolgelarte und Wolweise besonders großgünstige liebe Nachbarn, Denenselben sol­len und können wir auf heutiges Tages von der Röm. Kays. Maj. unsers allergnädigsten Herren Generalwachtmeisters ihr Gnaden Herren Graf­fen Colloredo etc. empfangenen gnädigen befehlich unangedeutet nicht laßen, Nachdem wir von der Kays. Armee nechstverwichenen Sonn­abends den 20. dieses um 7 Uhr gegen Abend attaquirt und solcher Be­stalt aufgefordert worden, binnen 2 Stunden gegen den Herrn Obersten Hansen Rudolffen von Bredaw sich zu resolviren, und zu erklären, ob man das Schloß und die Stadt auf Akkord gutwillig aufgeben, oder eines andern gewärtig seyn wolle, und dieser Anstand zwar sich bis gegen Morgen verweilet, so hat uns doch von morgen früh an länger nicht als noch 2 Stunden Frist indulgiret werden wollen, das also, weil wir die große Menge Kriegsvolk und Macht vor uns gesehen, länger nicht auf­haben, sondern zu einem leidlichen Akkord schreiten und solchen mit obwohlgedachten Herrn Obersten über das Schloß, Amt und Stadt schließen und vollziehen müßen, auf Mas und Weise wie inliegend zu ersehen, hätten sonst unsere damals vor Augen schwebende Leibes und Lebens Gefahr und gänzliche Ruin auszustehen und zu erwarten gehabt; Wenn dann Ihr Gräfl. Gn. Herrn Generalwachmeisters aufs Begehren, uns hierinnen unterthaniges Gehorsams nachzukommen obgelegen, so haben wir euch diesen unsern Zustand zu erkennen geben, und erinnern sollen, ob durch euer Abgeordnete bey vorhochgedachter Gräfl. Gn. Herrn Generalwachmeister, so sein Quartier itzo am Markte bei der Frau Mr. Christoph Kempffen alhier hat, ihr euch je eher je besser angeben, und selbst um Gnade und Saluaguardi zu Verhütung sorglicher Gefahr gehörender Maßen anhalten laßen wollet, welches weil euer Wolfarth daran gelegen, zu euer aller Discretion und ferneren Nachdenken gestellet wird, und verbleiben euch sonsten zu angenehmen Diensten jeder­zeit ganz willig.
Datum den 24. Oktober An. 1632.
Der Herren
Dienstwillige
Bürgermeister und Rath zu Eilenburg."
„Nach Verlesung dieses werden die Herren es den andern zum nechsten benachbarten zuzuschicken, eine Recognition zu ertheilen, und dem Bothen sein Bothengeld von hieraus zu entrichten wißen. Denen Ehrenvesten, Achtbaren, Wolgelarten und Wolweisen Herrn Bür­germeister und Rathe der Stadt Delitzsch, Dieben, Bitterfeld, Zörwigk und Gräfenhainichen, vnsern besonders günstigen lieben Herren und freundlichen, lieben Nachbarn."
Beilage.
„Eilenburgischer Accord, geschloßen den 21. Octobris 1632. Demnach durch den von der Röm. Kays. Maj. unsers Allergnädigsten Herrn Gene­ralissimi, Abgeordneten, dem Woledlen, Gestrengen, Vesten und Man­haften Herrn Hannß Rudolffen von Bredaw, Kays. Wolbestalten Obersten Amt und Stadt durch das bei sich habende Kriegsvolk aufgefordert zu Kays. devotion; So ist hernach folgende Antwort aufgerichtet und bis auf Ratifikation des von hochgedachten Herrn Generalissimi von den Parteyen vollzogen worden; Als
1. Wie stark die Garnison aufs Schloß und in die Stadt eingelegt werden solle, würde bei des Herrn Generalissimi Anordnung gelaßen. Desgleichen
2. soll auch der Unterhalt für die Garnison auf Ratifikation des Herrn Generalis stehen.
3. Solche Garnison soll dergestalt in guter Disciplin gehalten werden, daß in Amt noch der Stadt weder Manns- noch Weibspersonen von ihnen einigerley Weise beleidiget, auch die Wirthe, alda die Einquartierten ihre Losire haben, mit Ueberführung der Gäste, oder anderen Molestien gänzlich verschonet werden.
4. Die Amtssassen und alle Unterthanen auch die Schriftsassen und Frei­güter darunter mit begriffen, sollen mit keinerley Incommodität bedrauet werden.
5. Sollen in den Quartieren mehr nicht als die sonst gewöhnlichen seruitia gereichet werden.
6. Die Bestellung der Wachen, ob sie von den Soldaten und Bürgern co­niunctim, auch die Schlüßel zu den Thoren in des Rathes Verwahrung zu laßen, soll von des Herrn Generalissimi Anordnung erwartet werden.
7. In der Religion und Exercition derselben in der reinen Augsburgischen Confession, sowohl auch in dem Ministerio und in Schulen soll im Ge­ringsten keine Neuerung, Aenderung und Eingriff zugemuthet, auch der Kirchenornat und was derselben anhängig und das Geläute unviolirt ge­laßen werden, und bei diesem Punct die ganze Diöces, sowohl alle itzo in der Stadt befindlichen Kirchen- und Schuldiener, so wohl welche alhier und auf dem Lande, unter Schrift und Amtssassen, bedienet seyn, gemeinet und begriffen seyn.
8. Bei dem iure patronatus soll auch. jedes Orts Obrigkeit verbleiben.
9. Die Amts- und Stadt-Policey belangend, so soll Amt und Rath bey vo­riger Administration allenthalben unperturbiret gelaßen werden.
10. Die Bürgerschaft soll ihre arma auf das Rathaus ins Raths-Verwahrung liefern, und wie es damit gehalten werden solle, auf Ratification des Herrn Generalissimi gestellet seyn.
11. Geistliche und andere privilegirte Personen, darneben Wittwen und Wai­sen sollen bei ihren Immunitäten und Exemtionen gelaßen werden.
12. Plünderung, Abnehmung der Pferde und Extorsion weniger Brand oder Abnehmung Geldes und Gutes und dergleichen Pressuren sollen gänzlich eingestellt, auch den Kirchen, Gotteshäusern und den Unterthanen unterm Amt und in der Stadt zusammt dem daselbst befindlichen Adel und Unadel, so ihren Recurs dahin genommen, einige Gewalt nicht ange muthet, auch der Soldatesca dergleichen nicht verstattet werden.
13. Allen denen in Amt und in der Stadt ab und zu, aus und einzureisen mit allen ihren Mobilien, Pferd und Wagen und allen andern damit zu handeln und zu wandeln ungehindert zugelaßen seyn, ihnen zum Bedarf Paß auch Convoy ohne Geld mitgetheilet werden.
14. Ein Jeder ohne Unterschied soll die völlige Administration aller seiner Güter wie zuvor behalten und von Plünderung und anderen gänzlich befreiet seyn.
15. Den Vorrath in den Scheunen an Früchten und Getraidicht, auch das Bier in den Bergkellern und alles andere Getränke soll von der Solda­teska ihres Gefallens nicht absumiret, sondern zu des Amts und der Stadt Nothdurft behalten, und einem Jeden des Amts und Stadt Unter­thanen das Seinige mit Frieden verbleiben.
16. Wenn die Kayserl. Guarnison in die Stadt introduciret wird, so sollen in dem Amt und der Stadt gelegene Güter, Rittersitze, Freie Güter, und Dorffschaften mit andern Guarnisonen nicht beleget, sondern verschonet bleiben, auch das Amt und die Stadt über die accordirte Guarnison, je­doch auf Ratification des Herrn Generalissimi.
17. Die Einquartierung des Capitains, Befehlshaber und Knechte soll von des Amts und Raths Anordnung und Discretion verbleiben.
18. Hiesige Defensioner und Officiere, Bürger und Bauern sollen ohne Ran­zion auf freien Fuß gelaßen werden.
19. Wenn die Soldaten gänzlich abziehen, sollen sie alle Amts- und Raths­unterthanen unbeleidiget laßen, dagegen auch das Amt und der Rath dafür seyn, daß dieselben mit alle dem, was sie bei sich haben, der Kai­serlichen Armee auch sicher und ungehindert folgen mögen.
20. Das Rath und das Amt erbieten sich, diesen Accordspuncten stets nach­zusetzen, auch die Guarnison alhier verbleibend mit denselben reciproce treulich und ohne Gefehrde umzugehen, vor Schaden zu warnen, und sollen die zwischen des Amts und Raths Unterthanen und Soldaten ent­standene Misverstände bey der ordentlichen militairischen, Amts- oder Rates-Obrigkeit, dahin ein jeder gehörig, Cognition und Rechtfertigung leiden.
Diesem allen soll aufrecht mit teutscher Treue und guten Glauben nach­gelebet und von allen Theilen, wie obstehet, darüber unverbrüchlich gehalten, und darwider kein einigerley Weise oder Wege nichts attentiret werden, und um beständiger vester Haltung willen haben diesen Accord allerseits Accordanten eigenhändig unterschrieben und mit ihrem re­spective angebornen, Amts und andern Siegel bekräftiget, Sonder Ge­fehrde, Actum und geschehen vt supra

(L. s.)
Hans Rudolf von
Bredaw, Obr. mp.

(L. s.)
Balzer Hellwig,
Lieutenant, mpr.

(L. s.)
Martin Frenzel,
N. P. und Amtsschr. in Abwesen des Herrn Amtsschössers mpr.

(L. s.)
Der Rath zu Eylenburgk.

 

       

Der Bote, welcher das Schreiben des Rates zu Eilenburg mit Beilage überbrachte, war mit folgendem Passe versehen: „Demnach Vorweiser dieser Bote Hans Mitzsch in umliegende Städte und Flecken in gewissen Verrichtungen zu verreisen befehlichet worden, als ist an Alle und Jede der Römisch Kaiserl. Mai. hohe und niedere Officiere und Befehlichshaber, wie'auch alle Soldaten ingemein mein Befehlich, daß sie gesagten Boten frei, sicher und ungehindert passieren und repassieren laßen wollen und sollen, Geben, im Quartier Eilenburg den 3. November 1632. Gregor. Kalenders, hier den 24. October.
Der Röm. Kaiserl. Maj. Hofkriegs Rath,
Cämmerer, bestellter Oberster und General
Wachmeister über derselben Armee zu Roß
und Fuß.
Rudolff v. Colloredo, Gr. mpr.
(L. S.)
Der Amtsschösser Heller mit dem beamteten Adel der Umgegend war in Wittenberg, den Rat drückte daher die ganze Last der Aufbrin­gung fast unerschwinglicher Anforderungen und die Gefahr möglicher Verantwortlichkeit. Das Rechnungswesen geriet dabei ins Stocken und die diesjährige Kämmerei-Rechnung ist erst 1660, 28 Jahre später, von den Erben des eigentlichen Rechnungsführers, wie sich denken läßt, nur oberflächlich abgelegt. Der Scheffel Weizen galt 24 und 25, Roggen 18 und 19, Gerstg 15-32, Hafer 13 und 14 Groschen.


1633
Von der Pest (Typhus) ergriffen starb am 5. Januar der Kantor Christoph Kohl und am B. die Mädchenschulmeisterin Anna, Jacob Reichsteins Witwe. Kohls Stelle übertrug man dem Kantor in der Vorstadt zu Halle, Christoph Schulze, welcher dort, aller Habe beraubt, Mißhandlungen nur durch Flucht entgangen und auf die­ser hierher gekommen war und Mädchenschulmeisterin ward Katharina, Witwe des Seidenkramers Zambsel, die aber schon am 28. August mit ihren drei Söhnen der Pest unterlag. Bei der Wahl des Kantors am 6. Februar setzte man zur Gehaltssiche­rung der Lehrer fest, daß in ganzen Schulen Rektor und Kantor jeder 6 Groschen, Tertius und Justimus 4 Groschen, in halben und Viertel­schulen jeder 4 Groschen, der Küster aber vom ganzen Geläute 6 Groschen, in particularibus aber 3 Groschen erhalten solle, welche zufällige Einnahme bei der Verarmung der Stadt spät erst eine Erhöhung fand. Am 16. März war ein heftiges Gewitter, am 15. Mai Schnee, übrigens fruchtbares Wetter und eine reiche Ernte. Die Hunde der vielen verwüsteten und verlaßenen Dörfer verwilderten aus Mangel an Nahrung, liefen in Haufen umher und fielen Menschen an. Am 4. August fiel der kaiserliche Feldmarschall, Graf Heinrich Holcke mit 12 000 Mann von Böhmen aus in das Land, besetzte an diesem Tage Schneeberg und forderte am 9. Leipzig auf, welches sich (die Pleißen­burg ausgenommen) am 12. ergeben mußte. Das ruchlose Verfahren die­ser zügellosen Menschen brandmarkt diesen Raubzug für alle Zeiten. In wenigen Tagen waren alle Straßen mit Leichnamen überraschter Flüchtlinge erfüllt und in Umkreisen von Meilen die Dörfer ohne ein lebendes Geschöpf. Die Ernte hatte keine Arbeiter, die Städte waren überfüllt und Herde unabläßig tötender Krankheiten. Sechzig bis siebzig Reiter sprengten am 9. August die Stadt an, verlang­ten Brot und Bier, hatten aber die Absicht einzudringen, lösten auf die Bürger, die mit ihnen sprechen wollten, unversehens die Pistolen, hie­ben einen alten Bürger Nicolaus Hauk nieder und nahmen zwei andere, von ihnen verwundete, gefangen. Einigen Ratsherren, die sich zu ihnen vor das Tor begeben wollten, ging es nicht besser, als sie aber über­fallen werden sollten, glaubten die Bürger, Gewalt mit Gewalt ver­treiben zu müssen, unterhielten ein gutes Musketenfeuer und vertrieben sie ins Freie, wo sie aus Rache die Windmühlen in Brand steckten. Tags darauf kamen 100 Reiter und forderten für den Stab des General Hatzfeld und drei Kompagnien Dragoner Quartier. Da sie keine Order aufweisen konnten, wurden sie abgewiesen und mit Brot und Bier ab­gefertigt. Zwanzig derselben umsprengten die Stadt, suchten in die Vor­stadt zu dringen und die Schäferei anzustecken, man trieb sie aber mit Musketenschüssen zurück. Hierauf fielen sie in die Dörfer, raubten, mordeten, berennten auch die Stadt des Nachts wohl dreimal noch, die Bürger machten aber einen Ausfall, verjagten sie von den Mühlen mit Hakenschüssen und nahmen einen Ungar gefangen. Mehrere Bauern, die einfluchten wollen, fand man hart verwundet, Egidius Sachsen von Benndorf tot vor der Stadt. Die Schäferei war bis auf wenige Stücke vernichtet. Am 15. August erhielt der Rat durch den Rittmeister des Obersten Bredaw, Schönecke, folgende Order des Feldmarschalles zur Ansicht und Abschrift:
„Der Römischen Kaiserlichen Majestät Herr Oberster Bredaw wird auf sich und seine Unterhaber des Regiments, auf daß sie zu leben und kein Ursach auszureiten haben, sondern bei ihrer Standara verbleiben müßen, hiermit angewiesen an die Stadt Delitzsch, deswegen er dahin kann schicken und kraft dieses Jemandes zu sich erfordern, der wegen des Unterhaltes mit ihm accordire; So fern sie sich beschweren, kann er Fußvolks mächtig werden, die sie dazu zwingen und auf so einen Fall mit ihnen, wie sechs gebüret, anderen zum Exempel procediren, Sollten sie aber einen, oder mehr zur Salvaguardia von ihm begehren, kann ers, nachdem sie sich accomodiren, geschehen laßen, doch daß er zweene Rathspersonen zu sich nehme zu deren Versicherung."
Geben zu Leipzigk, d.23/15 Augusti Ao. 1633,
(L. S.) H G Hulck mpr.
Die Ratsherren, der Bürgermeister Mr. Andreas Fischer und Mr. Franze, welche sich auf diese Schrift unter sicherer Bedeckung nach Leipzig begaben, wurden, weil sich Holke bei dem Gerücht von der Annäherung Tupadels und der Sachsen zurückzog, als Geisel zunächst nach Alten­burg mitgenommen. Hier verlangte Bredaw erst 12 000 Taler, erließ aber auf Vorbitte des Syndikus Johann George Bohse aus Halle, der sich auch als Geisel daselbst befand, 9000 Taler, erlaubte auch, daß Mr. Franze zurückgehen könne. Die erste Nachricht von ihnen gab Bohse. Franze wurde auf dem Rückwege vor Altenburg rein ausgeplündert und kam erst nach mehreren Tagen zurück. Unterm 28. August gab Bredaw dem Rate von Zwickau aus einen Sicherheitsbrief zu den Verhandlun­gen, die Annäherung der Schweden und Sachsen beschleunigte aber den Rückzug nach Böhmen und der Bürgermeister Fischer mußte bis Eger folgen, wo er dem Kommandanten Oberstleutnant Johann Gordon über­geben ward. Bredaw cedirte die Forderung an diesen und obgleich der Sächsische Ober-Kriegs-Kommissar Haubold von Schleinitz behilflich sein wollte, daß das Geld der Stadt erhalten würde, so geschah doch nichts und die 3 000 Taler, welche man mit Not aufbrachte, wurden dem Gordon durch Wechsel auf Hamburg gewährt. Am 24. November kam der Bürgermeister Fischer über Leipzig wieder an. Zu Deckung der er­borgten 3 000 Taler brachte man vom Brauerbe 10 Taler, vom Pfahl­hause 5 und 2 1/2, vom Hausgenossen 1 Taler aus. An die Sächsischen Truppen mußten im September 30 Ochsen und drei geschirrte Pferde zur Artillerie geliefert werden. Im Spätherbst rückte vom Vitzthumi­sehen Regiment (dessen Oberst Friedrich Wilhelm von Vitzthum) der Stab und eine Kompanie in die Stadt. Drei Kompagnien lagen in den Dörfern umher und sechs Kompagnien standen in Langensalza, erhiel­ten aber den Proviant von hier. Die Bürgerschaft beschwerte sich, daß der Küster keine Kinderlehre hielte, die er sonst alle vierzehn Tage gehalten hätte, auch rügte man, daß seit sechs Jahren keine Wochenpredigt, sonderlich aber keine Pas­sionspredigt gehalten worden sei. Der erste Groll gegen die Geistlich­keit, die ihre Lastenfreiheit zur Ungebühr in Anspruch nahm. Die Zahl der in diesem Jahr Verstorbenen war 435. Der Scheffel Weizen galt 16-21, Roggen 8-11, Gerste 6-10, Hafer 5-7 Groschen. Mädchenschulmeisterin ward Christine, Gattin des dritten Schullehrers Johann Albrecht, eine Tochter des gewesenen Kastenvor­stehers Martin Kohlmann.

1634
Die Behältnisse der Mädchenschu1e, in welcher nicht nur die Leh­rerin mit ihrer Familie, sondern auch eingeflüchtete Fremde am Typhus gestorben waren, mußte von Maurern gereinigt und erneuert werden. Zur Herstellung der zerstörten Schäferei kaufte der Rat von Hans von Schünfeld auf Löbnitz 3 Böcke und 100 Stück alte Schafe und be­zahlte 1 Taler 6 gr. für das Stück. Wallenstein, der Herzog von Friedland, welcher durch den Rückzug nach der Schlacht bei Lützen den Glauben an sein überwiegendes Feld­herrntaient geschwächt, durch das übermäßig strenge Kriegsgericht nach seiner Ankunft in Böhmen den Eifer vieler sein Anhänger erkal­tet, Bayern durch sichtliche Vernachlässigung erbittert und durch zwei­deutige Verhandlungen mit den feindlichen Mächten den Verdacht ehr­süchtiger Bestrebungen nach dem Besitze kaiserlicher Länder erweckt, überhaupt sich so gesetzt hatte, daß man in Wien die ihm vertraute Macht gefährlich hielt, ward erst in dieser, namentlich durch Aufstel­lung eines ansehnlichen, ihm nicht unterworfenen spanischen Heeres und heimliche Verlockung seiner Anhänger geschwächt, dann aber, als er zu seiner Rettung das werden mußte, was er geschienen hatte, am 15. März in Eger von einem irländischen Hauptmanne, Walter Devereux, des Nachts überfallen, mit einer Partisane durchstoßen und ermordet. Am 11. April brach das Vitzthumische Regiment auf, welches der Stadt, die Erpressungen der einzelnen Soldaten bei den Bürgern abgerechnet, genau angegeben 7779 Gülden 9 Gr. 3 Pf. gekostet hatte. 28,574 Pfund Brot mußten überdies bei ihrem Abgange geschafft und zum Teil von den Hausgenossen auf Schiebkarren nachgefahren werden. Wenige Tage nach dem am 3. Mai vor Liegnitz in Schlesien von Arn­heim gegen Colloredo gelieferten glücklichen Treffen am 8., rückte der Oberstleutnant Heinrich von Schleinitz mit einem Regimente zu Roß ein. Der Stab und eine Kompanie blieb, die übrigen vier Kompanien wurden nach Landsberg, Ostrau, Werlitzsch und Zschortau verlegt. Alle diese Truppen erhielten vom Staate weder Sold noch Unterhalt, sondern. mußten von den Städten und Ämtern, wohin sie gewiesen, be­friedigt werden. Ihr Betragen war dem feindlichen gleich und die Un­sicherheit außerhalb der Mauern so groß, daß man die Pferde beim Pflügen zu sichern, Reiter erkaufen und alle nach Leipzig zu leistende Steuergelder mit militärischer Bedeckung abschicken mußte. Im Juli hatte man eine starke Lieferung an Mehl und Bier nach Wittenberg. Am 27. August (alten Kalenders) verloren die Schweden unter Herzog Bernhard von Weimar und Gustav Horn die Schlacht bei Nördlingen und scheinbar mit ihr für immer das Übergewicht. Zum Glück für sie verteilte sich durch Frankreichs günstige Bewegungen das siegende Heer, Bauer aber, der mit einem kleinen Abteile in Böhmen stand, konnte dem mächtigeren Andrange der Gegner nicht widerstehen und zog sich in Mitte. Septembers, Sachsen preisgebend, nach Thüringen und weiter zurück. Bald kam die Nachricht, daß der Feind ihm folge und bei Leipzig streife, der Rat versah sich eiligst mit Kraut und Lot von Halle, alles flüchtete der Eibe zu und auch die wohlhabenden Bürger hiesiger Stadt zogen mit ihrer besten Habe dahin, daher der Rat in einem Programme vom 23. Oktober auf Erlegung von Kautionen zu dringen genötigt war. Indessen gelang es den kaiserlichen Unterhändlern am sächsischen Hofe, den über Oxenstiernas prädominierende Leitung mißvergnügten Kurfürsten bei sichtlicher Übermacht der Gegner und bedrohlicher Lebensgefahr, dem kaiserlichen Interesse zu gewinnen, der Friede war  auf sicherem Wege und das kaiserliche Heer verließ das Land.Am 9. Dezember kam Befehl, daß 13 Mann Schanzgräber nach Torgau gestellt werden sollen, es unterblieb aber, weil tags darauf das von Trautischische Regiment einrückte, welches drei Vierteljahre liegenblieb. Um Geld zu erlangen, bedienten sich die Herren Obersten unter anderen auch dieses Mittels, daß sie Hoffnung zum Wegzuge machten, die Soldaten anderswohin zu legen versprachen, Geld darauf nahmen, nachher aber entweder blieben oder, wenn sie ja weggingen, nach wenigen Tagen wiederkamen. So ließ sich der von Trautisch unter dem Vorwande, daß er Quartier in Düben nehmen werde, ein ziemliches Stück Geld geben, kam aber nach acht Tagen zurück und man war beschwerter als je. Man darf annehmen, daß jedem hier liegenden Befehlshaber mindestens 100 Gülden nur an Wein verehrt worden ist, welcher bei Berechnung des Aufwandes gar nicht in Anschlag kam und dennoch fielen die größten Ausschweifungen vor. Es fand sich aber bei der Berechnung am Schlusse dieses Jahres, daß vom Jahre 1631 ab bis zum Weggange des von Schleinitzschen Regi­mentes für das Militär eine Summe von 20 350 Gülden 16 Gr. verwendet worden war. Der Scheffel Weizen galt 16-19, Roggen 6 und 7, Gerste ebensoviel, Hafer 3 1/2 bis 4 1/2 Groschen.


1635
Eine übermäßige Kälte im Januar, die viele Personen beschädigte, war dem Verkehr sehr hinderlich. Am 18. Januar nahm der Landtag in Dresden den Anfang und endete am 13. März. Die Stände willigten vom Schocke 1 Gr. 6 Pf. auf zwei Jahre, die Tranksteuer auf dieselbe Zeit, die Fleischsteuer vom Pfunde einen Pfennig und 2000 Gülden zu Schickungen. Hauptgegenstand war der mit dem Kaiser zu verhandelnde Friede. Wegen der beschwerlichen Trautischischen Einquartierung konnte sich kein Ratsherr von hier entfernen, man schickte daher einen Bevollmächtigten, den Dr. Heydelberger und bezahlte aus der Kämmereikasse 248 Gülden 7 Gr. für ihn. Zum ersten Male findet sich Nachricht über den Betrag des Geldes, welches die Knaben bei ihrem Neuen-Jahres-Singen sammelten. Es fand sich für dieses Jahr die Summe von 39 Gülden 3 Gr. -, die unter Aufsicht und nach Bestimmung des besonders hierzu beauftragten Ratsmitgliedes verteilt ward. Damit die Mühle von den Soldaten nicht beschädigt würde, mußte Wache hingestellt werden und der Quartiermeister erhielt für Anstellung derselben ein besonderes Geschenk. Die Straßen waren so unsicher, daß kein Ratsherr in Geschäften ohne militärische Bedeckung reiste. Pässe achtete man nicht und Jahrmärkte, auch Wochenmärkte blieben unbesucht. Am 20. März stürzte das Haus des Elias Stoie (Num. 206 an der Münze) und die Soldaten verschleppten das Holz. Auf Befehl vom 15. und 18. Mai lieferte man 20 Faß Bier und 20 Dresdner Scheffel Roggen, auch von je 20 Hufen ein Rind, einen Schöps und 2 Dresdner Scheffel Hafer nach Wittenberg. Schon am 12. November vorigen Jahres hatte sich Sachsen in Pirna gegen die oft wiederholten feindlichen Anträge des Kaisers günstig er­klärt, man wollte aber die Stände. hören und da diese ohne Ausnahme für jeden die Religionsfreiheit und säkularisierten Landesteile sichern­den Frieden stimmten, der Kaiser aber noch überdies so manches Vor­teilhafte und namentlich den erblichen Besitz der Lausitz zusagte, so geschah es, daß das in so mancher Hinsicht bedenkliche Friedens-Geschäft dennoch und trotz aller Gegenbemühungen Frankreichs, Schwe­dens und einiger protestantischer Fürsten am 20. Mai in Prag zum Abschlusse kam. Das am 24. Juni nach Vorschrift gefeierte Friedensfest hatte als geson­dertes nicht ganz das Herz des Volks und kam, da sich die Bedrängnisse nicht minderten, sondern täglich mehrten, bald in Vergessenheit. Die Bedrängnisse mußten sich aber mehren, da das den allgemeinen Frieden. vermittelnde Sachsen Schweden mit Gelde abfinden wollte, dieses aber auf Frankreichs Unterstützung rechnend, nicht nur eine weit größere Summe als die angebotene, sondern auch den Besitz Pom­merns verlangte, worauf dieses nicht eingehen konnte, folglich die Waffen ergreifen und sich dem Kriegsspiel von neuem hingeben mußte, welches bei Banérs Feldherrntalent und Frankreichs vermehrter Tätigkeit bald wieder bedenklich ward. Dem Trautischischen Quartiermeister gab man am 13. Juli ein ansehnliches Geschenk, daß er nicht das ganze Regiment in die Stadt legte, als ihm, das Regiment zusammenzuhalten, Order kam. Am 6. August erhielt der Rat von dem kurfürstlichen Kommissariate in Torgau Befehl, den 10. dieses Monats Abgeordnete nach Torgau zu schicken, welche auch daselbst eintrafen. Man verlangte von der Stadt einen Vorschuß von 1000 Talern, die sie auch, obschon sie nur 500 willigte, geben mußte. Torgau mußte auf gleiche Weise 3000, Grimma 1000, ebensoviel Eilenburg und Oschatz, Pegau 500 aufbringen. Am 17. August ward ein Soldat, Philipp Sietzsch, welcher mit anderen in der Goitzsche überfallen und getötet worden, hier begraben. Es waren, der Sage nach, neun Reiter, welche die in der Leisingsschanze hausenden Räuber und Freischützen aufheben sollten. Sie fanden aber heftigen Widerstand, mußten zurück, wurden auf einer Lachenbrücke in der Neune der Amtsgoitzsche umringt und fielen daselbst nach lan­gem Kampfe. Der Aberglaube sah sie lange noch im Mondenscheine tanzen und gab dieser Brücke den Namen Tanzbrücke, mit welchem Namen sie noch bei gerichtlichen Verhandlungen des 18. Jahrhunderts bezeichnet ist. Das Trautischische Regiment ging endlich am 20. August nach Leipzig und am 24. von da mit dem ganzen, 32 000 Mann zu Roß und Fuß star­ken Heere zur Besetzung des Magdeburgischen nach Halle ab. Es war ein schöner Herbst und Überfluß an Obst und Wein. Der Bür­ger Kothe in der Vorstadt, welcher in der Michaelismesse gegen 40 Wagen ausspannen ließ, ward mit Geld bestraft. Am 29. September starb hier. Alexander von Miltitz auf Schenkenberg und Oberau, ward auf dem Leichenwagen nach Schenkenberg gebracht und daselbst am 21. Oktober beigesetzt.
Der Leichnam eines Soldaten von Reinsdorf, den die Bauern erschlagen hatten, kam am 24. November hier zur Beerdigung. Der Scheffel Weizen galt 16-18, Roggen 9-11, Gerste 8-10, Hafer 7-9 Groschen.


1636
Bande hatte sich zwar, weil auch Brandenburg dem Prager Frieden beitrat und der Waffenstillstand Schwedens mit Polen zu Ende lief, nach der Ostsee gewendet, da sich aber hauptsächlich durch Frankreichs Vermittlung Polen gegen Überlassung von Preußen zu einer 26-jährigen Längerung verstand und er von dieser Seite sicher war, verstärkte er sich, zog gegen die Sachsen, die von dem Magdeburgischen aus tätig werden wollten und streifte schon in den ersten Monaten des Jahres an der Saale, ja über die Grenzen hiesigen Landes, welches bei dem er­bitterten Abfalle auf Schonung verzichten mußte, die sogar der Willkür des Feldherrn durch Befehl entzogen war. Der Rat erhielt die erste Nachricht von seiner Nähe durch ausgeschickte Boten am 17. Januar und mit diesen kamen die ersten Flüchtenden in die Stadt. Sie mehrten sich bald zum Übermaße. Es verbreiteten sich Fleci:-, Faulfieber, Ruhren und es gab kein Dorf des Amtes, das nicht wenigstens einen Toten hier begraben ließ. Mehrere starben an Ver­wundungen der Plünderer freundlicher und feindlicher Parteien, die wechselnd die Amtsfläche durchstreiften. Sachsen mit Gallas ungefähr 25 Regimenter stark, drehten sich vom 27. Januar bis in den Mai dies­seits der Saale, Baner mit einem zwar schwächeren, aber belebteren Heere jenseits der Saale umher und das Land in ihrer Nähe glich einer Einöde. Was man von Mehl, Bier, Pferden, Viktualien nicht auf der Stelle zu liefern vermochte, wurde durch Einlegung in Gelde erpreßt, das offene Land unter abscheulichen Mißhandlungen beraubt, das weib­liche Geschlecht ohne Rücksicht auf Alter und Stand eine Beute der zügellosesten Wollust. Der Rat beschloß am 15. Januar, daß auch halbe Mittelbiere gebraut werden sollten. Am 16. Januar lagerte das Schleinitzische Dragoner-Regiment an der Vogelstange. Nur wenige Stunden verweilte es, verursachte aber der Stadt 224 Gülden Aufwand. Das von den Knaben durch Umsingen gesammelte Neue-Jahres-Geld betrug 38 Gülden und empfing bei der Verteilung am 18. Januar 1 Taler der Rektor, ebensoviel der Kantor, 16, Groschen der Tertius, ebensoviel der Quartus, 1 Taler der Präzentor, 10 Gr. 6 Pf. der Schreiber, ebenso­viel der Kassierer im voraus, die in der Kunst des Musizierens Voll­kommenen 2 Gülden, die mittleren 1 1/2 und die Neulinge 1 Gülden. Am 22. Februar waren die kaiserlichen und kurfürstlichen Räte hier und am 29. desselben Monats ward das gedruckte, vom Kurfürsten eigenhändig unterschriebene Avokations-Mandat, welches alle säch­sischen Untertanen vom schwedischen Heere abrief und den Schweden sehr ungelegen kam, bekannt gemacht und öffentlich angeschlagen. Dieses Mandat hatte anfangs Wirkung, sie verlor sich aber, als Baner mächtiger ward, der denn auch Sachsen den Nachteil, den er davon gehabt hatte, empfinden ließ. Die Banerschen Reiter hatten einen Anschlag auf die Vorstadt, sie wurden aber durch einen sächsischen Rittmeister, der hier mit seiner Mannschaft eintraf, abgetrieben und verfolgt, weshalb man dieser bei ihrer Rückkunft eine ansehnliche Verehrung gab. Die sächsischen Reiter brachen oft in die Scheunen und Häuser der Vorstadt, daher die Bürgerwachen Gewalt mit Gewalt vertreiben mußten und ward bei einem solchen Exzesse am 15. März, wo die auf dem Gerberplane plünderndenReiter auf dieWache am Viehtore Feuer gaben, der Bürger Leinichen am Fuße hart verletzt. Eine Partie sächsischer Reiter überfiel die Wache in der Vorstadt und schlug den Bürger Luft so, daß er am 11. April den Folgen der Mißhandlung unterlag. Am 26. April starb der Stadtmusikus Hans Bärtchen und am 1. Mai der als Lehrer, Ratsherr und Bürgermeister um die Stadt hochverdiente Mr. Andreas Fischer, auf dessen solennes Begräbnis am 3. aus der Kasse 41 Mfl. 15 Gr. verwendet ward. Diese Fischersche Familie war durch zwei Jahrhunderte eine der angesehensten der Stadt. Den Kriegsdrangsalen unterlag ferner der praktische Arzt Christoph Montanus, Ratsherr seit 1628, Sohn des vormaligen Arztes und Ratsherren Andreas Montanus am 2. Mai und am 13. desselben Monats der für das Beste der Stadt ungemein tätige Viertelsherr Georg Selnecker. Auch starb am 4. Juni Thomas Kuntzsch, Ratsherr seit 1633 am Nervenfieber, das von neuem in mehreren Häusern bemerklich ward. Ein Stück schadhafte Stadtmauer am Hallischen Tore mußte eiligst erneuert werden. Am 3. Juli ging Magdeburg, welches Mangel an Pulver litt, durch Akkord an Sachsen über und von demselben Tage erhielt hiesige Stadt einen Freibrief des Anführers General-Leutnant Wolf Heinrich von Baudissin, welchem Delitzsch zum Unterhalte angewiesen war des wörtlichen Inhalts:
„Der Churfürstl. Durchlaucht. zu Sachsen bestellter General-Leutnant, Ich Wolff Heinrich von Baudissin, fuege hiemit manniglich zu verneh­men, daß Ich die Statt Delitz nebst dazu gehöriger pertinenz aus diesen bewegenden Vrsachen, weiln es mir zu meinem Vnterhaltungs-Quartier assignirt worden, Inmittelst von anderer einquartirungen, Hülffgeldern, Brandschatzungen und mehren gewaltthetlichkeiten, wie die gentzlich mögen benahmet werden, befuegett Ist darauff an alle der Rom. Kayserl. Mayt. so wol höchstgemeldeter Ihr Churf. Durchl. hohe und niedere Offizierer und gantze Soldatesque zu Roß und Fuß, und sonsten menniglichen mein gepührendes ersuchen und ernster befehlich, Man wolle und solle diese Salveguardi, allermaßen es die schuldigkeit er­fordert in gepührenden respekt halten, der Statt Delitz noch den ihrigen darüber ein wiedriges zu fuegen, noch andern solches zu thun verstatten, besondern vielmehr dabey schützen, handthaben und also wirklich geniesen, bey höchster ohnnachlessiger Leib und Lebensstrafe, womit die Verbrecher andern zum Abschew nach befindung ohngesaumbt bestraftet werden sollen, Wornach sie menniglich zu achten, Vrkundlich habe ich mein großes Insiegel nebst meiner eignen Handvnterschreibung hiervor drucken laßen.
Geschehen Aken den 3. Julii Ao. 1636
(L.S.) W. H. Baudissin mpr."
Stadtmusikus ward Christoph Neander und der Rat verehrte den Schullehrern, die am 6. August die Probe in der Kirchen unterstützten, zwei Taler. In diesem Monate verbreitete sich das Nervenfieber durch die ganze Stadt und die Pesttotengräber traten ein. Auch übernachteten hier viele Beschädigte des Pfortischen Regiments, welche von Magdeburg nach Grimma zogen. Die Sachsen, welche nach der Besitzergreifung von Magdeburg in Ver­bindung mit einem Abteile Kaiserlicher unter Hatzfeld in Pommern vorgedrungen waren, lagerten, nachdem sie von Bauers Verstärkung und Annäherung Nachricht erhalten hatten, auf einer Erhöhung bei Wittstock so, daß ihr rechter Flügel durch einen Wald, Mitte und linker Flügel aber durch Geschütz in Feldschanzen gut gedeckt war. Dieser Wald, an den sie sich so sicher glaubten, war ihr Verderben. Bauer, der seinen Umfang besser kannte, schickte einen Abteil seines Heeres, ihn zu umgehen, er selbst mit der Hauptmacht zog sich rechts in die Fläche und verlockte zwar den Feind aus seinen Vorteilen, war aber auf dem Punkte, völlig geschlagen und vernichtet zu werden, als zur höchsten Zeit der von ihm zur Umgehung gesendete Haufe den Vor­gedrungenen plötzlich in den Rücken fiel, alles in Verwirrung und Flucht brachte und da unerwartet noch ein Abteil frischer Mannschaft bei dem Hauptheere eintraf, der vollständigste Sieg errungen ward. Was von seinen Gegnern nicht blieb oder in Gefangenschaft kam, flüchtete nach Sachsen und der Kurfürst traf schon am 7. Oktober (die Schlacht war am 24. September) begleitet von einer Kompagnie in Leipzig ein. Am 30. Oktober kam sichere Nachricht von Bauers Annäherung. Der Rat versah sich mit Pulver und Blei aus Leipzig und Halle, entließ die hier gefänglich gehaltenen Schweden und wies sie nach Bitterfeld. Was man von dem Banérschen Heere zu erwarten hatte, konnte man an-dem Befehle merken, den er aus dem Hauptquartiere Werningshau­sen bei Erfurt am B. November ergehen ließ. "Dero Königliche Mayestät und Reiche Schweden, wie auch der Conföderirten respective Raht, General und Feld Marschall Johan Banir, Herr zu Mühlhammer und Werder etc. Ritter etc. Demnach Hochgedachte S. Excell. mit großem Widerwillen, Ja höchster Bestürtzung und Commotion des Gemüths, annoch täglich er­fahren müßen, das ungeachtet dero vielfältigen ganz ernsten Verbots, sowohl als auch würcklichen exemplarischen Bestraffungen, bey dero sämptlichen Soldatesca zu Roß und Fuß biß dato die grausame exorbi­tantien Ja bey Türcken und Heyden nie erhörten Insolentien, Gewaltthä­tigkeiten, und muthwillige frevelhaffte Excessen nicht allein noch nicht auffhören, sondern das außplündern und in brandsteckunge der Städte, Flecken und Dörffern auch Fürstl. und Adelichen Heusern, Spolir- und Verwüstunge der Kirchen und Gottesheusern, Clöster, Hospitalen, und Mühlen beraubt: Wie auch Niederhaw- und Schießung der Reisigen, das Prügeln und Knebeln der Bürgern und Bawer, und sonsten Barbarische Tractirunge des Adels, der Priester und Landmans, Ja Schändung der Weiber und Jungfrawen, ohne respect des Standes und Alters und der­gleichen, und andere vnzehliche abschewliche Laster und Teuffelische Crudeliteten je lenger je mehr im schwang gehen, und vberhand neh­men thun, Also und der gestalt, das denselben durch keinen Gewaltiger noch Rumormeister mehr gesteuert werden kan, wodurch dann nicht allein das ganze Land, Ja Freund und Feind ohne unterscheid totaliter ruiniret und verderbet, sondern auch die Armee vnabwendlich außer mangelunge der nottürfftigen Lebensmittel entlieh zergehen muß, und also weder die Königlich-Schwedische Dienste gebührend verrichtet, noch das gemeine Evangelische Wesen conserviret werden können, Ja vielmehr Gottes gerechter Zorn vber die ganze Armee gereitzet wird: Als haben Ihr Excell. nachdem Gott der Allmächtige dieselbe nebenst dero Armee durch sonderbahren Siegreichen Beystandt wiedervmb in diese Landt gnädig verholffen, und S. Excell. aber die sämptlich Vnter­thanen, ob sie schon Feind, Jedoch als Freund tractiret willen, und das Land zu dero Armee Besten allermüglichst in Acht genommen haben wollen, Auß tragender hochrühmlicher trewer Sorgfalt nochmals Alle und jede Hohe und Niedere Officirer und sämmtliche Soldatesca zu Roß und Fuß, hiermit alles Ernsts und Fleißes zu erinnern, und ihnen zugleich bey vermeidung unausbleiblicher Leibs- und Lebens-Straff anzubefehlen, keinen vmbgang nehmen können, daß keiner, er sey, wer er wolle, Officirer, gemeine Reuter oder Knecht, sich hinfüro vnterstehen soll, von obgemelten unchristlichen beginnen das geringste zu verüben, noch andern und sonderlich dero vntergebenen zu verstatten, besondern solche Verbrechere und Vbelthäter, wo sie dieselben erdappen, alsofort festmachen, und entweder selbsten nach verbrechen abstraffen, oder zu gebührender Straff Ihr Excell. zu schicken soll: Vnd weil obgedachte Insolentien und Muthwill am allermeisten von den Freyreutern begangen werden, welche jederzeit voranziehen, durch das Land hin und wieder streiffen, und dem Feinde nur Kundschafft bringen, auch die Vntertha­nen in Städten und auff den Dörffern beschweren: Als ist zugleich S. Excell. expresser Befehl hiermit, daß weder hoher noch nieder Officirer ferner einigen dergleichen Freyreuter, Volontiers oder Adventiers bey sich, noch seinem Regiment, Truppen oder Compagnieen gedulten oder leiden soll, wo er sich S. Excell. höchste vngunst und verlustigung seiner Charge, ja ehrlichen Namens vorgewiß gewertig sein will. Wie dann solche Freyreuter auch vberall vnter der Armee zu jederzeit Vogel­frey gehalten werden sollen. Nachdem auch viel Officirer sich irer alten Quartier noch ferner anmassen, und wegen vor diesem empfangener Assignation darauf einige praetension zu haben vermeinen, So ermahnen S. Excell. auch dieselben hiermit gantz ernstlich, daß Sie sich dessen allerdings enthalten, und einiges Quartier, worauff sie von S. Excell. keine newe expresse Ordere oder Assignation auffzuweisen, durch Exa­tionen nicht molestiren noch beschweren sollen. Weil auch durch das unaufhörlich Streiffen der Ausreuter, und hin und wieder lauffenden Knecht nicht allein das Land durch auß ruiniret und zu grundgerichtet wird, sondern auch die Armee sich dergestalt schwechet und abnimbt, das auf£ den Nothfall dem Feind nicht gebührend wiederstanden, noch sonsten einiger desseing gegen denselben vorgenommen werden mag, Als werden gleichfals hierdurch alle Oberst und andere Officirer alles ernstes admoniret, daß sie ihre Regimenter, Trouppen und Compagnien jederzeit wohl beysammen halten, keinem voran zu reuten oder zu lauf­fen verstatten, noch sonsten ohne des Obersten Paß oder Schein sich zu absentiren, oder an einigen Orth, dahin er nicht beschieden, finden zu laßen erlauben, Besondern alle, die hier wider thun, in Hafft und zu gehörender Bestraffung ziehen, auch sonsten sowohl in Marchiren als in den Quartieren, stets gute Ordre und strenge disciplin halten, und also beydes ihre eigene, und ihrer Cammeraden Quartier, Ja alle und jede Länder, wohin die Armee kommen mag, zu deroselben und ihren eigen nothwendigen Vnterhalt conservieren und schützen helffen sollen, Wordurch denn S. Excell. respect vmb so viel mehr gebührend wird erhalten, auch ihre reputation selbsten mainteniret, der Armee auffneh­men befördert, 'auch die Königl. Schwedische Dienste in Deutschland stabilirt, Ja Gottes Segen und bestendiger Beystapd prolongirt werden können. Vnd weil dieses die Herrn Obersten und Officirer S. Excell. aufs new angelobet, daß sie vber der Justiz jetzterwehnter massen halten, und die disciplin bey der Soldatesca zu Roß und Fuß restauriren helffen wollen, Vnd verhoffen S. Excell. es solle dieses ein Mittel sein, dadurch der arme ausgejagte Landman wiederumb sicher bey den Seinigen verbleiben. und mit Ruhe unter seinem Dache gegen Darlegung einer leid­lichen quotae zu der Armee Unterhalt, wohnen, Zu forderst aber der Zorn vhd straff Gottes von der Armee abgewendet, und deren jämmer­liches hierauff folgendes verderben verhütet werden möge: Vnd hat die Sol