Delitzscher Stadtchronik 1207-1990

Delitzscher Stadtchronik - 1956-1990

(Quelle: Delitzscher Stadtchronik, verfasst von der Arbeitsgruppe Stadtchronik, Teil X, 1956-1990; hrsg. von der Stadtverwaltung Delitzsch 2001.)

Vorwort

Die vorliegendehronik C zeigt den sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungsprozess der Stadt Delitzsch für den Zeitraum von 1956 bis 1990 auf. Die Grundlage dieser Zusammenstellung von Fakten und Daten bildete die Auswertung archivarischer Quellen, gegengeprüfter mündlicher Mitteilungen, amtlicher Informationen und Publikationen. In den Zitaten und Ausführungen finden sich zeitgenössische Termini, die zum Zeitpunkt ihrer Verwendung Gegenstand der Agitation und Propaganda waren und sich täglich in dem „Organ der SED-Bezirksleitung“, der „Leipziger Volkszeitung“ finden lassen. Für die Autoren dieser Chronik bestand ein vorrangiges Bemühen darin, auch Meinungen und Aktionen von Systemgegnern und Andersdenkenden darzustellen, die außerhalb des vom damaligen DDR-Staat zugelassenen Informationsflusses zu ermitteln waren. Dazu gehörten beispielhafte Fälle über Einschränkungen der freien Meinungsäußerung, Verfolgungen und Repressalien gegenüber Einzelpersonen oder Organisationen auf lokaler Ebene. Aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen und zum Teil nicht immer beweiskräftiger Nachweisführung konnte aber nicht jeder Einzelfall berücksichtigt werden. Die Zahl der Bürger, die in der Zeit des Bestehens der DDR die Stadt Delitzsch im Rahmen von Ausreiseanträgen oder auch in Form der Abschiebung verlassen haben oder mussten, lässt sich nicht genau feststellen. Eine darüber geführte Statistik, bezogen auf einzelne Wohngemeinden, ist nicht überliefert. Weitestgehend unberücksichtigt bleiben in der vorliegenden Chronik alle für die Zeit typischen, aufgeblähten Planungsvorhaben und staatlichen Zielvorgaben, die im Grunde genommen nie erfüllt worden sind. Maßgeblich für die Aufnahme eines Sachverhaltes in die Arbeit war stets das ganz konkrete Ereignis, der Baubeginn oder die Fertigstellung eines bestimmten Vorhabens. Nach den ersten Nachkriegsjahren und dem mit Gewalt niedergeschlagenen Volksaufstand von 1953, begannen sich die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse erst langsam auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Auch aus Delitzsch zogen zahlreiche Bürger in die junge Bundesrepublik. Die administrative Position der Stadt wurde dadurch gestärkt, dass 1950 die bis dahin selbständigen Dörfer Kertitz, Gertitz und Werben nach Delitzsch eingemeindet worden sind. Eine Volkszählung ergab mit Stand vom 1. Januar 1954 für die nunmehr erweiterte Stadt Delitzsch 25.064 Einwohner. Etwa zum gleichen Zeitpunkt kamen die letzten deutschen Spätaussiedler aus Polen und Heimkehrer aus sowjetischen Gefangenenlagern. Auch am Beispiel der Stadt Delitzsch wird deutlich, dass die gesamte Entwicklung der DDR vom politischen Willen der UdSSR und ihrem stalinistisch geprägten System abhängig war. Eine eigenstaatliche Verantwortung wurde noch zusätzlich durch die Auswirkungen des „kalten Krieges“ und die Blockbildung in Europa eingeschränkt. Wirtschaft, Handel und Handwerk in der Stadt Delitzsch waren seit den beginnenden fünfziger Jahren von starken Umbrüchen gekennzeichnet, die zum Teil von staatlichen Repressionen begleitet worden sind. Dazu gehörten Enteignungen, Zwangsverwaltungen, Zusammenschlüsse privater Kleinhandwerker zu Produktionsgenossenschaften des Handwerks, staatliche Beteiligungen bis hin zur vollständigen Umwandlung in so genannte Volkseigene Betriebe. Anfänglich vorgenommene Investitionen wurden nicht konsequent weitergeführt, Maschinen auf Verschleiß gefahren, so dass nach 1973 zunehmend Schwierigkeiten auftraten. Dazu kam zum gleichen Zeitpunkt eine zu großen Teilen autarke Energiepolitik, die vorrangig auf Braunkohle ausgerichtet war. Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auch auf den Kreis Delitzsch, der zum „energetischen Zentrum“ des Bezirkes Leipzig ausgebaut werden sollte. Unter diesen Verhältnissen plante man, den Kreis Delitzsch zu zwei Dritteln seiner Ausdehnung dem Abbau von Braunkohle in mehreren Großtagebauen zu opfern. Aufgrund dieser, wenn im Fazit nur teilweise umgesetzten Planungen, wurden im Kreisgebiet acht Landgemeinden vollständig und mehrere Ortsteile teilweise „devastiert“, d.h. abgebrochen. Für die aus diesen Dörfern stammende Bevölkerung entstanden in Delitzsch Wohnersatzbauten in der Richard-Wagner- und Bitterfelder Straße und in Delitzsch-Nord. Im Gegensatz dazu kam es aufgrund fehlender materieller und fachlicher Untersetzung zum großflächigen Verfall der Delitzscher Altstadt und damit auch zum Absinken des sozialen Niveaus der dort lebenden Einwohner. Beispielhaft dafür war der Abbruch der barocken Stadtmühle und der zunehmende Leerstand von nicht mehr bewohnbarer Altbausubstanz. Nicht zuletzt führten insbesondere die Verstaatlichung von letzten, bis 1972/73, privat geführten Betrieben und Unternehmen und die Auswirkungen der staatlichen Planwirtschaft zum ökonomischen Niedergang und dem Ende des Staates DDR im Herbst 1989. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der gesamtstaatlichen Produktion der DDR hatten auch zu Engpässen bei der Versorgung der Bevölkerung geführt, begleitet von weiter bestehenden Einschränkungen der Reisefreiheit, nicht bestehender Wahlfreiheit und fehlender demokratischer Strukturen. Nach der Einleitung der Perestroika in der UdSSR unter Gorbatschow seit 1985, führte die weitere Verweigerung der Menschenrechte in der DDR zu zunehmenden Protesten, die schließlich zum Untergang des Systems führten. Den eigentlichen Durchbruch brachten seit September 1989 die Montagsdemonstrationen in Leipzig, die ab dem Spätherbst auch in Delitzsch in Form der Montags-Andachten in der Stadtkirche durchgeführt worden sind. Zusammen mit dem „Fall der Mauer“ am 9. November 1989 als einer weiteren wichtigen Etappe auf dem Weg zu demokratischen Verhältnissen, führten sie schließlich am 3. Oktober 1990 zur Wiedervereinigung beider deutscher Staaten. Mit der Einführung der Wirtschafts- und Währungsunion auf der Grundlage der sozialen Marktwirtschaft, fanden enorme Umbrüche in allen Lebensbereichen und in der Gesamten Wirtschaft statt. Das Jahr 1990 war für die folgende Reprivatisierung der ehemals volkseigenen Betriebe, Genossenschaften und anderer staatlich betriebenen Einrichtungen von besonderer Bedeutung. Sie wurden aus dem Leitungsverbund der Volkseigenen Kombinate entlassen und im rechtsverbindlichen Antragsverfahren zu selbständigen privaten Gesellschaften umgewandelt oder von der Treuhand verkauft. Damit verbunden waren aber auch Schließungen und Stilllegungen ganzer Betriebe, wie beispielsweise dem Ziehwerk und der ehemalige VEB Plastex. Alle Hoffnungen der von Arbeitslosigkeit betroffenen Arbeitnehmer richteten sich nach 1990 auf in der Planung befindliche Ansiedlungsvorhaben der mittelständischen Wirtschaft und neuer Gewerbegebiete.


1956

1956 Januar
Am 4. Januar findet eine Gemeindeversammlung in der Stadtkirche statt, an der etwa 1.400 Personen, darunter auch mehrere Katholiken, teilnehmen. Sie ist von der evangelischen Kirchengemeinde einberufen worden, um gegen die Diffamierung von Geistlichen, insbesondere von Pfarrer Werner, in der Presse und durch die Abteilung Volksbildung des Rates des Kreises Stellung zu beziehen. Im Beisein des Gemeindekirchenrates und weiterer Pfarrer des Kirchenkreises stimmen die Versammlungsteilnehmer der Haltung von Pfarrer Werner zu. Dieser hatte in einen Brief an eine Lehrerin die Unvereinbarkeit von Jugendweihe und Konfirmation erklärt. das
10. Januar: Die Stadtverordneten rechnen den Plan des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) für 1955 ab. In 13.120 Stunden freiwilliger Arbeit wurde ein Nutzen von 20.860 DM erzielt.

1956 Februar
04. Februar: Auf einer Kreisdelegiertenkonferenz der SED wird der bisherige erste Kreissekretär Albin Schneider wieder gewählt. Die Konferenz beschäftigt sich hauptsächlich mit der Entwicklung des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft. Zur Zeit werden 35,7% der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Kreis Delitzsch durch Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften und 5,7% durch Volkseigene Güter bewirtschaftet. Das wird als unzureichend kritisiert.
11. Februar: Bertha Lieske, wohnhaft in der Karl-Liebknecht-Straße 45 (ab 1990 Bismarckstraße), begeht ihren 98. Geburtstag. Damit ist sie zur Zeit die älteste Einwohnerin der Stadt.
16.-19. Februar: Bei den Meisterschaften im Hallentennis hat Inge Fiebig, Lehrerin an der Friedensschule, zum zweiten Mal den DDR-Meistertitel errungen. Zweifache DDR-Jugendmeisterin wurde Margret Krutzger von der BSG Traktor Delitzsch (im Mädchen-Doppel und im gemischten Doppel) sowie Kreismeisterin im Einzel.

1956 März
14. März: Der Kulturbund führt im Karl-Marx-Haus eine Veranstaltung zu Ehren Heinrich Heines durch. Sie wird vom Chefdramaturgen der Städtischen Bühne Leipzig, Ferdinand May, und Leipziger Künstlern gestaltet.

1956 April
Bei der Ausgabe der Lebensmittelkarten für Monat April erhalten alle Haushalte die „Ehrenkarte der Familie“. Darin sollen alle Leistungen für das NAW, Geldspenden, Sachleistungen oder Arbeitsstunden eingetragen werden.
Als Einsatztage des NAW werden festgelegt:
jeden Donnerstag von       16:00 - 19:00 Uhr
jeden 2. Samstag von        14:00 - 17:00 Uhr
jeden 2. Sonntag von         9:00 - 12:00 Uhr
Man beginnt mit Einsätzen am Oberen Bahnhof, an 21 Wohnungen in der Bitterfelder Straße und weiteren Objekten.
09. April: Die Zeitschrift „Junge Welt“ und die FDJ-Kreisleitung führen mit dem Rundfunktanzorchester unter Leitung von Allo Koll im Karl-Marx-Haus eine Jugendveranstaltung durch. Als Gesangssolisten treten unter anderen Sonja Siewert und Fred Frohberg auf, durch das Programm führt Heinz Quermann.
14. April: Das Mandolinenorcheste unter Leitung von Gustav Exner gibt gemeinsam mit dem Männerchor Delitzsch und dem RAW-Sextett im Karl-Marx-Haus ein Eröffnungskonzert für das „Nationale Aufbauprogramm“. Das Orchester wurde im April 1922 von Gustav Exner gegründet. Als Leiter wirkten später Herr Schotte (wohnhaft Mühlstraße), Herr Wünzer (Münze) und Herr Rohde (Elberitzstraße).
29. April: Eine Wochenkinderkrippe mit einer Kapazität von 40 Plätzen wird in der Nachbarschaft des Stadtparks eröffnet (heute Heilpädagogische Tagesstätte, Schützenplatz 3. In einer Wochenkrippe konnten berufstätige Frauen ihre Kinder im Alter von 1-6 Jahren rund um die Uhr zur Betreuung abgeben. Eine solche Kindereinrichtung befand sich auch in Schenkenberg.

1956 Mai
01. Mai: An der traditionellen Maidemonstration nehmen nach Zeitungsberichten etwa 13.000 Demonstranten teil. 100 Brieftauben werden zu Beginn der Kundgebung aufgelassen. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen wurde durch Druck in den Betrieben, Schulen und öffentlichen Einrichtungen gefordert und geschah nicht in jedem Fall als Akt freien Willens.
07. Mai: Das Reisebüro „DER Bitterfeld“ eröffnet in Delitzsch eine Annahmestelle im Tabakwarengeschäft Salmann, Eilenburger Straße 8. Angeboten werden Tagesfahrten nach Potsdam/Werder, Ochsenkopf/Oppin und Kurzaufenthalte in Altenberg und Geising.
11. Mai: Die Friedensfahrer mit der DDR-Mannschaft und ihrem Mannschaftskapitän Gustav Adolf Schur durchqueren auf der 7. Etappe von Leipzig nach Berlin erneut unsere Stadt.
18. Mai: Die Stadtverordneten beschließen, mit der Auswechslung der Gaslaternen gegen elektrische Straßenbeleuchtung im Stadtzentrum zu beginnen.
22. Mai: Mit einem Schulsportfest der Gewerblichen Berufsschule wird das in dreijähriger Arbeit errichtete „Jugendstadion Friedrich-Ludwig-Jahn“ feierlich eingeweiht. Initiatoren und Mitglieder des Leitungsstabes waren die Sportlehrer Alfred Schirmer und Siegfried Ebert, der Direktor Günter Wolf sowie der Bauingenieur und Berufsschullehrer Gerhard Müller, der die bautechnische Leitung mit außerordentlicher Einsatzbereitschaft wahrnahm. Zu dem Objekt gehörten ein Stadion mit Fußballplatz, Ballspielplätze, eine 400 Meter-Laufbahn, Anlagen für leichtathletische Disziplinen, ein Gebäude mit sanitären Anlagen, Umkleidekabinen, ein Funkraum, Küche und Versammlungsraum. Die Baumaßnahmen führten Maurerlehrlinge der Berufsschule aus. Als Startfinanzierung spendet die Sportgemeinschaft des Süßwarenwerkes 2000 Mark, während die übrigen Gelder aus Lotto- und Totomitteln zur Verfügung gestellt werden. Die Anlage kostet insgesamt 53.000 Mark. Hilfe gab es auch von anderen Schulen (EOS) und Handwerksbetrieben. Mit der Errichtung des „Sport- und Kulturzentrums“, um 1993, und die Erweiterung des Schulgebäudes und Anlagen für Parkplätze, verlor das Stadion seinen ursprüngliche Charakter. Die Nebenanlagen verschwanden durch den Ausbau der Molkereigenossenschaft, die auf diesem Gelände Garagen und Lagerräume errichtete.

1956 Juni
04. Juni: Es werden Preissenkungen für Industriewaren verkündet, die etwa 20-30% betragen. So werden die Preise reduziert:
1 Paar Perlonstrümpfe                                                                              von 25,50 DM auf   19,50 DM
1 Damenkleid aus Kunstseide                                                                   von 87,40 DM auf   66,80 DM
Kinderschuhe aus Schweinsleder mit Kreppsohle                          von 23,80 DM auf   18,00 DM
Herrenfahrrad                                                                                             von 261,00 DM auf 210,00 DM
45-Liter-Kühlschrank                                                                                   von 1.050,00 DM auf 840,00 DM
Das Durchschnittseinkommen eines Arbeiters beträgt zu diesem Zeitpunkt monatlich etwa 300-350 DM.
24. Juni: In einer nationalen Boxgroßkampfveranstaltung im Karl-Marx-Haus besiegt Lok Delitzsch den mehrfachen bayrischen Landesmeister 1. FC Nürnberg mit 11:9. Den besten Kampf liefert Harry Moosbauer, der bereits in der 1. Runde durch einen KO-Sieg gewinnt.

1956 Juli
15. Juli: Durch wolkenbruchartige Niederschläge treten der Strengbach und der Lober über ihre Ufer. Am folgenden Tag wird um 1700 Uhr Großalarm gegeben. Sechs Familien aus dem Rosenthal und drei Familien aus der Halleschen Straße müssen wegen Hochwassers ihre Häuser verlassen. Sie werden vorübergehend in der Oberschule und Pestalozzi-Schule einquartiert. Weitere Familien aus dem Rosenthal, dem Städtischen Moorbad und der Elberitzmühle müssen in die 1. Etage ihrer Häuser ziehen. Die Dörfer Schenkenberg, Benndorf, Paupitzsch, Sausedlitz, Kreuma und Mocherwitz sind ebenfalls vom Hochwasser betroffen.

1956 August
Bei dem am 4. August beendeten II. Deutschen Turn- und Sportfest wird Hans Kampa aus dem RAW zweifacher DDR-Meister im Schießen in den Einzeldisziplinen. Er erhält dafür den Meistertitel. Des weiteren erringt er noch einen 2. und 3. Platz und wird beim Freundschaftswettkampf der Nationalmannschaften der DDR, der VR Polen und der Tschechoslowakischen Republik der beste deutsche Schütze.
15. August: Eine Gruppe von fünf französischen Schülern aus der Nähe von Paris ist auf Einladung der Ehrenberg-Oberschule eingetroffen, um hier einen Teil der Ferien zu verbringen.
Die Handballmannschaft von Traktor Delitzsch verliert das Spiel gegen Lok Luckenwalde I mit 9:13. Damit ist ihr Abstieg aus der DDR-Oberliga besiegelt. Das letzte Spiel in der Oberliga findet am 07. Oktober statt.
25. August: Ein orkanartiger Sturm tobt über Delitzsch. In der Halleschen Straße, gegenüber dem Hospital „Sankt Georg“, wird ein Kastanienbaum entwurzelt. Der Baum fällt auf ein vorbeifahrendes Auto, an dem Sachschaden entstand.
31. August: Das VEG „Gartenbau“ wird auf der Export-Blumenschau in Leipzig für seine Gladiolenzüchtung mit einer Goldmedaille und für seine Tulpenzwiebelzüchtung mit einer Silbermedaille ausgezeichnet

1956 September
Mit Beginn des neuen Schuljahres wird die „Comenius-Schule“ unter Direktor Karl Plath als erste Schule der Stadt zu einer Mittelschule mit zehn Klassen umgestaltet.
Ab 1. September finden wieder Bauernmärkte statt. Es werden Fleisch-, Wurstwaren und Molkereiprodukte zu frei vereinbarten Preisen verkauft.
03. September: In der Sitzung der Stadtverordneten wird der Bürgermeister Walter Lange feierlich verabschiedet. Zum neuen Bürgermeister wird Rudolf Kunath (SED) gewählt.
15.-18. September: Auf dem Roßplatz findet eine Wanderausstellung des Deutschen Hygiene Museums Dresden unter dem Thema „Geheimnisse des Lebens“ statt. In der Ausstellung ist auch die „Gläserne Frau“ zu sehen.
21.-23. September: Bei den Boxmeisterschaften der Sportvereinigung Lok in Stendal erringen die Sportfreunde Backofen zum vierten Mal und Rödel zum zweiten Mal den Meistertitel. Damit haben sich beide für die DDR-Meisterschaften qualifiziert.
30. September: In der Ostsiedlung werden die ersten fünf Eigentumshäuser fertiggestellt.

1956 November
01. November: In der Stadt Delitzsch leben 24.000 Einwohner. Es gibt 1.200 Wohnungssuchende. Der Kreisausschuss der NF und der Rat der Stadt haben daher alle Verwaltungen, Organisationen, Institutionen und Betriebe zu einer Beratung eingeladen, um Maßnahmen zur Schaffung von Wohnraum zu beschließen. Die ersten Ergebnisse werden bereits in diesem Monat verzeichnet. Das Kreiskommando der NVA zieht aus der Schillerstraße 11 in das VP-Kreisamt in der Dübener Straße 20. Dadurch werden vier Wohnungen frei. Das Kreissekretariat der NF zieht in das „Maxim-Gorki-Haus“ in der Leipziger Straße 12.
05. November: Die bekannte Prager Marionettenbühne gastiert mit ihren lustigen Figuren Spejbl und Hurvinek im Karl-Marx-Haus.
Die Fußballmannschaft von Traktor Delitzsch I wird Bezirksmeister und hat damit den Aufstieg in die Bezirksliga erreicht.
17. November: Die Rekonstruktionsarbeiten am Halleschen Turm sind mit einem Aufwand von 28.000 DM abgeschlossen. Sie wurden von den Handwerksbetrieben Thier, Kittler und Pawlowski ausgeführt. Beim Abnehmen des Turmknopfes hatte man Urkunden aus den Jahren 1894 und 1937 gefunden. Der neu vergoldete Knopf mit Dokumenten aus diesem Jahr wird aufgesetzt.

1956 Dezember
18. Dezember: Für die Straßenbeauftragte und die Hausbeauftragten wird eine „Danke-Schön“-Veranstaltung durchgeführt, in der der Bürgermeister die vier Besten mit Prämien und Urkunden auszeichnet. Als Straßen- und Hausbeauftragte wurden Personen benannt, die als Partner zwischen dem Bürger und dem Rat der Stadt wirkten. Sie hatten alle Anliegen der Bürger dem Rat der Stadt mitzuteilen und waren u.a. verantwortlich für die Verteilung der Lebensmittelkarten. Ihnen unterstanden mehrere Straßen.
20. Dezember: Die AWG „Aufbau“, der zur Zeit 130 Mitglieder angehören, verweist auf folgende Ergebnisse: 21 Wohnungen wurden in der Bitterfelder Straße fertiggestellt, 12 Wohnungen sind in der Rosa-Luxemburg-Straße im Bau, die Richtkronen wurden aufgezogen. Die Fertigstellung soll im Sommer 1957 erfolgen.
28. Dezember: In der Stadtverordnetenversammlung werden die Ergebnisse im NAW gewürdigt. Es sind Leistungen im Wert von 53.000 DM erbracht worden. Die besten Helfer werden mit Aufbaunadeln geehrt (6 x Gold, 15 x Silber und 21 x Bronze). Zu den Ausgezeichneten mit der goldenen Nadel gehören der 75-jährige ehemalige Stadtgärtner Arthur Kampf und die Handwerksmeister Gustav Richter, Heinz Jacobshagen und Horst Heinrich. An vier Aufbauhelfer werden Wohnungszuweisungen in der Bitterfelder Straße als Anerkennung vergeben.


1957

1957 Januar
02. Januar: Die in einem ehemaligen Bibliotheksraum neu eingerichtete Zahnstation im RAW nimmt ihren Betrieb auf. Bereits am 1. Oktober 1949 war im Werk eine Sanitätsstelle eingerichtet worden, die später zum Betriebsambulatorium ausgebaut werden sollte.
05. Januar: In verschiedenen Außenbereichen der Stadt (Berliner Straße, Beerendorfer Straße) werden zehn umgesetzte Gaslaternen installiert. Der Ortsteil Gertitz erhält eine komplette elektrische Straßenbeleuchtung.
23. Januar: Eine Handelsdelegation der VR Polen unter Leitung des Ministers für Erfassung und Aufkauf besucht den Betrieb Ernst Freyberg, Chemische Fabrik Delitia, mit dem Ziel der Lieferung neuer Schädlingsbekämpfungsmittel an Polen.

1957 März
04. März: Im Karl-Marx-Haus findet der Rosenmontagsball mit dem Delitzscher Tanzpaar und Meister der Sonderklasse, Hasso Busch und Frau Günther statt.
06. März: Der 1. Internationale Vergleichskampf im Boxen zwischen Lok Delitzsch, verstärkt durch den SC Lok Leipzig und durch Lok LVB, und Plovdiv mit mehreren bulgarischen Meistern endet 10:10 Unentschieden. Die Gewinner für Lok Delitzsch sind Schimski und Rödel.
19. März: Wieder gibt es ein Loberhochwasser. Die Durchgangswege zur Elberitzmühle, zum Rosenthal und zu Teilen des Stadtparks sind gesperrt.
29. März: Eine statistische Auswertung hat ergeben, dass der Kinobesuch pro Einwohner von durchschnittlich 14,7 Filmveranstaltungen (1952) auf 17,7 Filmveranstaltungen (1956) gestiegen ist.

1957 April
24. April: Die AWG „Frohe Zukunft“, die im Mai vorigen Jahres durch den VEB „Sachar“ (Süßwarenfabrik ehemals Böhme), dem VEB Ziehwerk, dem VEB Thermoplast und dem VEB Zuckerfabrik gegründet worden ist, umfasst jetzt 600 Mitglieder. Sie gibt bekannt, daß auf dem Baugelände Ecke Dübener Straße/Dr.Wilhelm-Külz-Straße in den nächsten Tagen mit dem Ausheben der Baugrube für 12 Dreizimmer-Wohnungen begonnen wird. Bis Ende 1959 sollen dort sechs Vierzimmer- und 30 Dreizimmer-Wohnungen entstehen.

1957 Mai
01. Mai: Der Hallesche Turm wird nach den Reparaturarbeiten wieder zum Besteigen freigegeben. Vom Breiten Turm werden beim Eintreffen des 1. Mai-Umzuges die „Schwedischen Reitersignale“ geblasen.
08. Mai: Die Feierlichkeiten zum „Tag der Befreiung“ stehen unter dem Motto „Die Stadt empfängt das Land“. Die geschmückten Wagen der Delegationen aus den LPG und MTS werden von einer Schalmeienkapelle, einem Fanfarenzug und einer Blaskapelle empfangen. Es finden Kinderfeste, Sportveranstaltungen und andere Volksbelustigungen statt.
12. Mai: Im Sozialgebäude des RAW veranstaltet der Rat der Stadt eine Feierstunde für 75 Jugendweiheteilnehmer. Das Programm wird vom Städtischen Orchester Dessau unter Herbert Kegel, dem Männerchor Delitzsch unter Kurt Petermann und der Rezitatorin Käte May gestaltet. Die Festrede hält der Chefdramaturg des Städtischen Theaters Leipzig Ferdinand May. Das Sozialgebäude war unmittelbar zuvor fertiggestellt worden. Nach der Grundsteinlegung am 4. August 1955, der Fertigstellung des Rohbaus im September 1956, steht jetzt ein modernes Mehrzweckgebäude für das Werk und die Bevölkerung zur Verfügung.
16. Mai: Ein „Sowjetisches Tanz- und Gesangsensemble“ tritt im Sozialgebäude des RAW auf.
21. Mai: Der Privatbetrieb Ernst Freyberg Chemische Fabrik Delitia begeht mit einer Festveranstaltung seine 140-Jahrfeier. Mit einer Sonderausstellung „Von der Apotheke zum Industriebetrieb“ wird der Werdegang des Betriebes veranschaulicht.
25. Mai: Es findet die Gründungskonferenz des Kreisvorstandes des DTSB statt. Dessen Vorsitzender wird Walter Luprich.
30. Mai: Auf dem Platz der Parkgaststätte gastieren „Die weißen Condors“ mit ihrer Hochartisten-Schau.
31. Mai: Die Straßengemeinschaft Ludwig-Jahn-Straße verpflichtet sich, zu Ehren der Wahl am 23. Juni einen Kinderspielplatz im Rohbau fertigzustellen. Die Hausgemeinschaften Dübener Straße 37, 39 und 41 haben die Verpflichtung abgegeben, am Wahltag bis 930 Uhr die Kandidaten zu wählen. In der Wahlpropaganda wurde Betrieben, Institutionen und Hausgemeinschaften empfohlen, Verpflichtungen zu übernehmen, am Wahltag möglichst zeitig ihre Stimme abzugeben.

1957 Juni
07. Juni: Zur Vorbereitung der Wahlen zum Kreistag am 23. Juni finden mehrere Kundgebungen und Versammlungen statt, bei denen führende Vertreter aller in der „Nationalen Front“ vereinigten Parteien das Wort ergreifen. Als Abschluss der Wahlvorbereitung findet am 21. Juni auf dem Stalinplatz (heute Markt) eine Großkundgebung statt. Vertreter der Betriebe, Institutionen und Schüler sind gehalten, an der Kundgebung teilzunehmen.
Vom 14.-16. Juni findet das 2. Kreis Sport- und Kulturfest statt. Hieran nehmen Sportler aus Ost und West teil: Im Boxen Lok Delitzsch gegen Boxclub Immenstadt, im Handball Lok Delitzsch gegen Lübeck-Kücknitz und Traktor Delitzsch gegen FC Immenstadt.
23. Juni: Das Wahlergebnis zum Kreistag lautet:
97,91% Wahlbeteiligung,
99,85% Stimmen für die gemeinsame Liste der NF.
Es gibt keine Wahlprogramme der einzelnen Parteien, damit entfällt der in den westlichen Demokratien übliche Wahlkampf. Die Parteien (SED, LDPD, CDU, NDPD, DBD) und die Massenorganisationen (FDGB, FDJ, DFD) sind in der „Nationalen Front“ (NF) zusammengeschlossen. Die NF legt durch ihre Führungsgremien fest, welche Kandidaten aufgestellt werden. Desgleichen wird das gemeinsame Wahlprogramm beschlossen und der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt. Der Wahlakt besteht im Prinzip darin,dass nach Prüfung der Wahlbenachrichtigung und Person durch den Wahlvorstand vom Wähler der Wahlschein offen, ohne Ankreuzen in die Wahlurne eingeworfen wird. Das wird insofern begünstigt, da alle Kandidaten als Block zur Wahl stehen und auch ohne Kreuz die Wahl gültig ist. Wahlkabinen sind zwar in den Wahllokalen vorhanden, diese werden aber kaum von den Bürgern benutzt.
Auf ihrer letzten Sitzung vor Ablauf der Wahlperiode beschließen die Stadtverordneten den Haushaltsplan für 1957 mit 2.201.200 DM auf Einnahmen und Ausgaben. Die Mittel werden u.a. für die Umstellung der Straßenbeleuchtung mit Leuchtstoffröhren eingesetzt, so in der Eilenburger Straße, dem Roßplatz und am Unteren Bahnhof. Für Denkmalpflege sind 20.800 DM, für das Museum 31.900 DM und für die Schlämmung des Wallgrabens 80.000 DM eingeplant.

1957 Juli
In den Sommerferien helfen die Schüler in Schwerpunktbetrieben der Industrie und Landwirtschaft. So arbeiten die Schüler der 10. und 11. Klasse der Ehrenberg-Oberschule für 14 Tage in der Grube „Freiheit“ und in der Zuckerfabrik. Andere sind im VEB „Sachar“ und in den LPG eingesetzt.
24. Juli: Die LVZ meldet unter der Überschrift „RAW-Arbeiter entlarven Konterrevolutionär“. Im RAW wird ein Stellmacher verhaftet. Er wird der Antisowjethetze, der Verächtlichmachung des sozialistischen Aufbauwerkes, der Verherrlichung des Westens und der Verbreitung von RIAS-Parolen angeklagt. Bei einer etwas später erfolgten Gerichtsverhandlung wird er zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.
25. Juli: Im Beisein von Mitgliedern der Betriebsleitung und der Kreisleitung der SED findet im RAW die 1. Technisch-Wissenschaftliche Konferenz.unter der Losung „Durch technisch-wissenschaftlichen Fortschritt zu hoher Arbeitsproduktivität“ statt.

1957 August
20. August: Beschluss der Stadtverordneten: Vom 15.-22. Juli 1958 wird ein Heimatfest aus Anlass der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Delitzsch vor 750 Jahren durchgeführt. Mit dem Heimatfest sollen zugleich die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Reichsbahnausbesserungswerkes (heute die Deutsche Bahn AG) sowie zum 100jährigen Bestehen der Ehrenberg-Oberschule stattfinden.

1957 September
Das seit 1951 geschlossene Museum wird wieder eröffnet. Es zeigt in drei Räumen eine Ausstellung zur Stadtgeschichte. Durch die seit 1950 erfolgte Verlegung des bisherigen Gerichtes in das Schloss stand dem Museum nur noch das Dachgeschoss zur Verfügung, welches nur als Magazin diente.
03. September: Das erste von sechs Konzerten im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Stunde der Musik“ findet unter Mitwirkung von Nationalpreisträger Prof. Amadeus Webersinke, der Schumannpreisträgerin Annerose Schmidt und des Gewandhausmusikers Karl Suske statt.
08. September: Auf der nunmehr beendeten Leipziger Messe stellt sich der VEB „Sachar“ mit verschiedenen neuen Erzeugnissen vor. Es sind die Pralinenmischungen „Schmuckkästchen“ und „Aus Meisterhand“. Ein Auftrag in Lohnarbeit von Weinbrand-Pralinen für das kapitalistische Ausland wird abgeschlossen. Weitere Aussteller aus Delitzsch sind die Zigarrenfabrik Krombholz, der kunstgewerbliche Handwerksbetrieb Leutelt, dessen neueste Handtaschen-Modelle bis nach Amerika exportiert werden, und die Chemische Fabrik Ernst Freyberg.
11. September: Der antifaschistisch-demokratische Block ruft die Einzelbauern zum wiederholten Male zum Eintritt in die bestehenden LPG auf.
13. September: Auf der Gartenbauausstellung in Markkleeberg wird der VE Gartenbaubetrieb Delitzsch für sein Gladiolensortiment mit der Goldmedaille und für seine Topfchrysanthemen mit der Silbermedaille vom Minister für Land- und Forstwirtschaft ausgezeichnet. Der Gartenbaubetrieb Otto Geissler erhält für seine Nelken eine Anerkennung. Für hervorragende Leistungen im Wettbewerb der VE Gärtnereien wird am 14. September der Gartenbaubetrieb Delitzsch erstmalig als Republiksieger mit der Wanderfahne des Ministerrates ausgezeichnet.
17. September: Der erste Kommissionsvertra in Delitzsch zwischen dem privaten Einzelhändler für Schuh- und Lederwaren Leutelt und dem GHK für Schuh- und Lederwaren Leipzig wird beim Rat des Kreises in feierlicher Form unterzeichnet. Das erweiterte Angebot kommt ab 19. September zum Verkauf. Bis zum Jahresende gibt es in unserer Stadt fünf Kommissionshandelsgeschäfte. Kommissionsvertrag: Der private Einzelhandel und das Gaststättengewerbe schlossen die ersten Kommissionsverträge ab. Vertragspartner waren zunächst die volkseigenen Großhandelskontore, später die HO-Kreisbetriebe. Die privaten Einzelhändler hatten erhebliche Probleme, um ausreichend Ware vom privaten Großhandel zum Verkauf zu erhalten. Das führte dazu, dass die privaten Großhändler wegen nicht ausreichenden Warenfonds, wegen Überalterung des Unternehmens oder durch Übersiedlung nach dem Westen ihr Unternehmen schlossen. Das hatte zur Folge, dass private Einzelhändler ebenfalls ihre Geschäfte wegen ungenügender Wirtschaftlichkeit schließen mussten. Der private Einzelhandel wurde vom staatlichen Großhandel mit Waren beliefert, die nach der Versorgung von HO-Gaststätten und Konsum-Einkaufsstätten übrig blieben. Durch die Abschlüsse von Kommissionsverträgen erlangten die privaten Einzelhändler eine gleichberechtigte Warenversorgung und damit wirtschaftliche Stabilität. Ein Kommissionsvertrag legt das Warensortiment nach einzelnen Warengruppen fest, den durchschnittlichen Warenumsatz, die Warenbevorratung, die finanzielle Sicherheit und die Provisionshöhe, die sich in Abhängigkeit von der Umsatzhöhe entwickelte. Bei einigen Warensortimenten erhöhte sich der Umsatz zwischen 1958 und 1972 um mehr als das Fünffache.

1957 Oktober
Die Betriebssportgemeinschaften haben sich zu einer Beratung über einen Zusammenschluss versammelt. Die Vertreter der BSG Traktor Delitzsch lehnen einen Zusammenschluss ihrer Sektionen Fußball und Handball mit der BSG Lok ab. Ein Zusammenschluss mit der BSG Stahl, Empor und Einheit wird als möglich angesehen. Die BSG Lok besteht zur Zeit aus 13 Sektionen mit 855 Mitgliedern.
08. Oktober: Anlässlich der „Woche des Buches“ findet im RAW ein literarischer Nachmittag mit dem Schriftsteller Ludwig Turek, dem Autor des Buches „Die letzte Heuer“, statt. Am folgenden Tag liest Curt Corrinth im Jugendklubhaus.13. Oktober: Mit einem Abschiedsball wird das beliebte Tanzlokal „Parkgaststätte“ am Schützenplatz geschlossen. Der bisherige Pächter Heinrich Laube hat in Leipzig eine neue Gaststätte übernommen.
26. Oktober: Der Tanzkreis „Grün-Gold“ Delitzsch nimmt in Leipzig am Vorentscheid für die DDR-Meisterschaften im Gesellschaftstanz für die Klassen B, C und D teil. Die hierbei ermittelten besten Tanzpaare nehmen an den DDR-Meisterschaften der Klasse A und Sonderklasse in Leipzig teil.

1957 November
03. November: An diesem Tag wird Willy Otto Schmidt wegen seiner Kritik an führenden Persönlichkeiten des Staates, dem Sozialismus und zur Jugendweihe verhaftet. Im Januar 1958 wird er vom Bezirksgericht Leipzig verurteilt und bis zum Dezember 1958 in der Haftanstalt Waldheim inhaftiert. Er war bereits im Juli 1941 von der Gestapo verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht worden und konnte beim Todesmarsch der Häftlinge auf dem Wege zur Ostsee am 2. Mai 1945 fliehen.
Am 7. November findet zum 40. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution eine Festveranstaltung im RAW-Sozialgebäude statt. Mitwirkende sind das Große Staatliche Unter-haltungsorchester unter Musikdirektor Otto Kayser und der Chor der Ehrenberg-Oberschule unter Gerhard Münchmeyer. Am gleichen Tag findet vormittags eine Kranzniederlegung am Ehrendenkmal der sowjetischen Soldaten auf dem Friedhof statt.
10. November: Die Billardkegler der BSG Traktor, die in die DDR-Oberliga aufgestiegen sind, bestreiten ihren ersten Kampf gegen den mehrfachen DDR-Meister BSG Motor Grünau.

1957 Dezember
02. Dezember: Zwei Monate vor Vollendung ihres 100. Lebensjahres verstirbt die älteste Einwohnerin Bertha Lieske, Karl Liebknecht-Straße 45. Sie stammte aus Memel/Ostpreussen und hatte nach ihrer Flucht am Kriegsende bei Verwandten in Delitzsch Unterkunft gefunden.
Der Konsum erweitert sein Billig-Waren-Angebort (Bi-Wa) von um 50% im Preis gesenkten Saisonwaren, durch zusätzlichen Verkauf in seinen Textilwarengeschäften Breite Straße und Karl-Liebknecht-Straße (Bismarckstraße) sowie in seinem Schuhwarengeschäft in der Halleschen Straße. Ansonsten gibt es diese Artikel nur in der Bi-Wa-Spezialverkaufsstelle Bitterfelder Straße. Es handelt sich hierbei um fehlerhafte Waren.
15. Dezember: Das hiesige Postamt benutzt ab jetzt einen Sonderstempel mit der Aufschrift „Delitzsch 1958 - Heimatfest“.


1958

1958 Januar
09. Januar: Die von der SED dominierten Institutionen, die NF und der Staatsapparat werden zur massiven agitatorischen Beeinflussung der freien Bauern eingesetzt, um sie zum Eintritt in die LPG zu bewegen. In der Zeit von Januar bis März sind die Dörfer Benndorf, Kattersnaundorf. Löbnitz und Roitzschjora die Schwerpunkte, in diesen Dörfern gibt es bisher noch keine LPG.
Das Postamt Delitzsch teilt mit, dass in der Zeit vom 15. Dezember 1957 bis zum 07. Januar 1958 der Sonderstempel für das Heimatfest auf 63.000 Postsachen gestempelt wurde.
11. Januar: Auf der Kreisdelegiertenkonferenz der FDJ wird eine Entschließung verabschiedet, in der es unter anderem heißt: „Wir werden dafür sorgen, dass kein FDJ-ler und kein Jugendlicher unseres Kreises die Republik verlässt. Wer persönliche Besuche abstattet oder sogar seine Ferien im Staat der Monopolisten verbringt, hilft bewusst unserem Klassenfeind“. Damit werden die Jugendlichen und deren Eltern, die Kontakte zu ihren Verwandten und Bekannten in der BRD und West-Berlin pflegen, kriminalisiert.
27. Januar: Der neuerbaute Röntgentrakt als Anbau an das Kreiskrankenhaus wird in Betrieb genommen. Mit der Inbetriebnahme dieser modernen Station, einem medizinischen Labor und anderen Einrichtungen wird die medizinische Versorgung wesentlich verbessert.

1958 Februar
06. Februar: Zur Verbreiterung der Fahrbahn in der Karl-Liebknecht-Straße (Bismarckstraße) und zur Verbesserung der Sichtverhältnisse im Straßenverkehr werden die Linden entfernt. Auf dem Stalinplatz (Markt) werden wegen ungünstiger Bodenverhältnisse einige kranke Bäume gefällt.
20. Februar: Nach einer umfangreichen Renovierung wird das Ringtheater (Kino am Markt) mit einer neuen Vorführtechnik (Cinemascope) eröffnet. Im Capitol (Kino in der Halleschen Straße) wird eine Breitwandvorführtechnik eingeführt.
27. Februar: Auf Initiative von Klempnermeister Horst Heinrich (NDPD) wird eine Produktionsgenossenschaft des Klempnerhandwerks gegründet. Die Genossenschaft ist die erste Handwerksgenossenschaft im Kreis Delitzsch.
Es erfolgt die Gründung des „Motorsportklub Delitzsch-Rackwitz“. Dessen Trägerbetrieb ist das LW-Rackwitz. Der Motorsportklub weist die Sektionen Camping, Touristik und Motorsportfreunde auf.

1958 März
01. März: Die „Parkgaststätte“ wird unter der Regie der HO wiedereröffnet.
23. März: Das führende Tanzorchester der DDR „Schwarz-Weiß“ Magdeburg tritt in einem Sondergastspiel in Original-Rundfunkbesetzung mit der Sängerin Christel Bach und dem Sänger James W. Pulley aus Philadelphia im Karl-Marx-Haus auf.
26. März: Nach einer Pressemitteilung haben sich von 25 Abiturienten 18 verpflichtet, nach der Reifeprüfung den Dienst in der NVA anzutreten. Das sei ihre Antwort auf den Beschluß zur Aufrüstung in Westdeutschland.

1958 April
10. April: Zum Karfreitag wird unter der Leitung des Kantors der evangelischen Kirche, Manfred Heinig, die im Jahre 1653 vom damaligen Delitzscher Kantor Christoph Schultze komponierte Lukaspassion in der Stadtkirche wiederaufgeführt.
Als 2. Produktionsgenossenschaft des Handwerks wird die PGH Seilerwaren (später Werkstättenweg) gegründet. Sie ist aus der Firma Frenkel hervorgegangen, deren Geschäftsführer Herrmann Schräpler als Vorsitzender gewählt wird.

1958 Mai
01. Mai: Bei der Demonstration anlässlich des 01. Mai filmt die DEFA den Marschblock der Ehrenberg-Oberschule, an dessen Spitze Oberschüler, die nach dem Abitur ihren Ehrendienst bei der NVA ableisten sollen, marschieren. Sie tragen ein Transparent mit der Losung „123 Schüler von heute, 123 Volksarmisten von morgen“.
04. Mai: 165 Schüler = 42% der Schulabgänger nehmen an der Jugendweihe im Sozialgebäude des RAW teil. Die Festrede hält die Vizepräsidentin der Volkskammer Wilhelmine Schirmer-Pröscher. Das akademische Orchester der Karl-Marx-Universität Leipzig unter Horst Förster gestaltet das musikalische Programm.
11. Mai: Das Kulturensemble „Junge Garde“ feiert sein 10-jähriges Bestehen. Das Ensemble, mit Sitz im Sozialgebäude des RAW, besteht aus dem Chor, einer Tanzgruppe, einer Instrumentalgruppe, einer Laienspielgruppe und dem Kabarett „Die Stechfliege“.
Wegen des Neuaufschlusses des Braunkohlentagebaues Holzweißig werden die Eisenbahnstrecke Delitzsch-Grube Ludwig-Bitterfeld und die Fernverkehrsstraße F 184 verlegt. Am 30. Mai wird auf der neuverlegten Eisenbahnstrecke, die nun von Delitzsch über Petersroda nach Bitterfeld führt, der Probebetrieb aufgenommen.

1958 Juni
12. Juni: Die katholische Pfarrgemeinde feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Das Glockengeläut ist aus diesem Anlass durch zwei in Apolda gegossene Bronzeglocken vervollständigt worden.
13. Juni: Der Sportpräsident des ADMV, Manfred von Brauchitsch, besucht den MC Rackwitz-Delitzsch. Aus diesem Grunde findet eine Ausstellung von Motorcross- und Rennmaschinen statt.
14. Juni: Auch die Stadtkirche hat zwei neue Stahlglocken als Ersatz für ihre im Krieg abgelieferten Bronzeglocken erhalten. Sie wurden ebenfalls in Apolda gegossen. An diesem Tag findet die feierliche Glockenweihe statt.
15. - 22. Juni: Das mit großer Beteiligung der Einwohner der Stadt vorbereitete Heimatfest, anlässlich der vor mehr als 750 Jahren erstmaligen urkundlichen Erwähnung der Stadt, wird begangen. Der Tag der Eröffnung, Sonntag der 15. Juni, beginnt mit einem Platzkonzert des Standortmusikkorps Leipzig der NVA. Das Fest wird mit Böllerschüssen am Rathaus durch den Bürgermeister Kunath eröffnet. Der Festumzug besteht aus 88 Gruppen. Der historische Teil beginnt mit der Darstellung des Einzuges des Markgrafen von Landsberg aus dem Jahre 1207. In den 68 Gruppen des historischen Teiles nehmen 850 Personen teil - davon 140 Reiter und sechs Reiterinnen, 180 Pferde und 18 Wagen. Die neuere Zeit ab 1945 wird in 20 Gruppen dargestellt. Daran beteiligen sich die Betriebe, Genossenschaften, Schüler und gesellschaftliche Organisationen. Den Abschluss bilden Einheiten der Kampfgruppen, der Transportpolizei und der NVA. Eine Fülle von Veranstaltungen findet an den folgenden Tagen statt, wobei jede unter einem bestimmten Motto steht:
Montag:                               Tag des Filmes
Dienstag:                             Tag der Schüler
Mittwoch:                             Tag der Frau
Donnerstag:                        Tag des Sportes
Freitag:                               Tag der kleinen Veranstaltungen
Sonnabend:                        Tag der Verteidigungsbereitschaft und der Jugend
Sonntag:                             Tag der Volkskunst.
Verbunden ist das Heimatfest mit einer Feier aus Anlass des 150. Geburtstages von Dr. Hermann Schulze-Delitzsch. Gleichzeitig wird das 100-jährige Schulbestehen der Ehrenberg-Oberschule begangen.
Am „Lindenhof“ wird eine Gedenktafel angebracht. Sie soll an das frühere Delitzscher Zentrum der revolutionären Arbeiterklasse erinnern. Dieser Gasthof war während des Kapp-Putsches im Jahre 1920 das Streikbüro. In den 20er Jahren fanden hier die ersten Jugendweihen statt.
30. Juni: Den Einzelhandelsgeschäften Bernhardt, Schröpfer, John und Hohmann wird die Geschäftserlaubnis entzogen. Die Läden werden von der staatlichen Handelseinrichtung (HO) weitergeführt. In einer Einwohnerversammlung in der Aula der Friedensschule wird diese Maßnahme von Vertretern der Bezirksstaatsanwaltschaft damit begründet, dass diese Personen illegale Wareneinkäufe bei der privatkapitalistischen Gesellschaft „Edleb“ getätigt haben. Drei von den ehemaligen Inhabern werden später zu Gefängnis oder Geldstrafen wegen „Wirtschaftsverbrechen und Steuerhinterziehung“ verurteilt.

1958 Juli
Am 01. Juli begeht die Kreissparkasse Delitzsch ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird eine Festschrift herausgegeben.
Die Zigarrenfabrik Hans Krombholz muß auf staatlichen Druck eine staatliche Beteiligung aufnehmen.
06. Juli: Die Mulde hat im Raum Löbnitz-Roitzschjora an einigen Stellen die Deichkrone überspült. Daraufhin wird die Kreiskatastrophenkommission einberufen. Es kommen die Rettungszüge der Freiwilligen Feuerwehr, des VPKA und der Kampfgruppen sowie Handwerker und technisches Personal der Betriebe zum Einsatz.
12. Juli: Bei dem Tanzturnier Krakow-Delitzsch gewinnt der hiesige Tanzkreis „Grün-Gold“ den vom Rat der Stadt gestifteten Pokal.
Wegen der Beschimpfung von zwei Angehörigen der Transport-Polizei im Zug zwischen Bitterfeld und Delitzsch erhält ein Arbeiter eine Strafe von vier Monaten Gefängnis wegen Staatsverleumdung. Wegen Verbreitung von Gerüchten über Preiserhöhungen bei der Lebensmittelkartenabschaffung, wird ein anderer zu sechs Monaten und ein weiterer wegen angeblich provokatorischer Äußerungen und Verleumdung des Staatspräsidenten Wilhelm Pieck zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
29. Juli: Als 3. PGH des Kreises wird durch die Friseurmeister Rommel, Bergmann und Richter die „PGH Friseure“ gegründet. Es betrifft zwei Damen- und einen Herrensalon mit 31 Arbeitskräften.
30. Juli: Baumeister Gustav Richter, Zimmermeister Oswin Zschernitz und Maurermeister Martin Zschernitz gründen die PGH des Bauhandwerks.
31. Juli: Die Stadtverordneten beschließen nach dem Volkskammergesetz vom 11.02.1958 die Aufstellung eines Stadtkomitees der Organisation „Freiwillige Luftschutzhelfer“.

1958 August
14.-29. August: Für diesen Zeitraum wird vom VPKA eine Überprüfung aller Hausbücher6 angeordnet.
15. August: Die Schneidermeisterinnen Bernhardt und Würzberger und der Schneidermeister Korschner gründen die PGH des Bekleidungshandwerkes „Modezentrum“ (vorher Bäckerei Brosig in der Pfortenstraße), der auch die 80jährige Obermeisterin Herdam beitritt. Die PGH „Maler“ wird von den Malermeistern Jacobshagen, Berge, Wagner, Menzel und Kraus gegründet.
19. August: Die Leihbüchereien Paul Krause und Fiebig werden geschlossen. Zur Begründung wird angegeben, dass sie mit ihrem Buchbestand den gesellschaftlichen Anforderungen nicht mehr genügen. Die Buchhandlung Gustav Krause (Markt) wird mit gleicher Begründung am 15.09. geschlossen.
23. August: Wegen des Mangels an Arbeitskräften während der Erntezeit werden die MTS durch Arbeiter aus dem Ziehwerk, die als Traktoristen eingesetzt werden, unterstützt. Der VEB „Sachar“ stellt 31 Kollegen zur Trocknung von Futtermitteln im 3-Schicht-Einsatz in die Zuckerfabrik ab.
27. August: Der Rat der Stadt gibt die Erfüllung des Woh-nungsbaues bekannt: 1956 Bau von 21, 1957 Bau von 57 und 1958 Bau von 122 Wohnungen im Stadtgebiet.
27. August: Es wird die PGH „Dachdecker“ (später mit Sitz in der Berliner Straße) gegründet, der 32 Mitglieder und drei Kandidaten angehören. Aus Delitzsch sind die Betriebe der Meister Adalbert Kittler, Heinz Kloß, Horst Bräunig und Fritz Krieg dabei. Damit bestehen im Kreis neun PGH mit 225 Mitgliedern und 28 Kandidaten.
28. August: Die Gärtnereien Fritz Dörfel und Artur Feige schließen sich zur GPG „Gottfried Ehrenberg“ zusammen.
31. August: Als Höhepunkt der katholischen Pfarrgemeinde zum 100-jährigen Jubiläum findet ein feierliches Pontifikalamt mit dem Weihbischof Rintelen aus Magdeburg statt.
In diesem Jahr wurde die 1860 erbaute Turmwindmühle im Delitzscher Ortsteil Werben, in der Laueschen Straße 93, stillgelegt. Nachdem man den Besitzern einen Umbau derselben zum Wohnhaus baurechtlich verweigert hat, wurde sie noch im gleichen Jahr vollständig abgebrochen und die geborgenen Steine für den Neubau eines Hauses an der gegenüberliegenden Straßenseite verwandt.

1958 September
01. September: Der polytechnische Unterricht wird ab Klasse 7 in der Comenius-Schule, die im vorigen Jahr als 1. Mittelschule umgestaltet worden war, eingeführt. In diesem Schuljahr werden bereits 33% aller Schüler die Schule bis zur 10. Klasse besuchen.
Anlässlich des „Tages des Friedens“ findet auf dem Stalinplatz (Markt) eine Großkundgebung statt. An dieser nimmt eine Delegation aus der Tschechoslowakei zum Auftakt der „Deutsch-Tschechoslowakischen Woche“ teil
Für 170 Prüflinge der Gewerblichen Berufsschule findet die feierliche Freisprechung durch den Direktor Günther Wolf statt. Bei der Abschlussfeier erfolgt auch die Aufnahme von 120 neuen Berufsschülern.
07. September: Im Rathaus wird die 1. „Sozialistische Namensweihe“7, an der Kinder bis zum 7. Lebensjahr teilnehmen können, feierlich begangen. Weitere Weihen für Kinder von Betriebsangehörigen der Zuckerfabrik und des VEB „Sachar“ finden in den nächsten Tagen statt.
Die Mannschaft des Blindenrollballs der BSG „Traktor“ wird DDR-Meister 1958.
14. September: Zum „Gedenktag der Opfer des Faschismus“ erhalten 30 Widerstandskämpfer aus dem Kreis Delitzsch die „Medaille für Verdienste im Widerstandskampf gegen den Faschismus“. Unter den Ausgezeichneten sind aus Delitzsch: Paul Bär, Kurt Bernhard, Richard Hampe, Paul Heinrich, Walter Kretzschmar, Franz Neubauer, Paul Remus, Otto Rohne, Richard Sachse, Bruno Schmidt, Werner Standke, Walter Thiermann, Fritz Wiesner, Fritz Zelt, Walter Lorenz
15. September: Es wird die PGH „Ausbau“ unter Vorsitz von Fliesen- und Fußbodenlegermeister Gustav Pfordte gegründet. Damit gehören von den zehn PGH des Kreises sieben zum Bau- und Baunebengewerbe.

1958 Oktober
Am 1. Oktober muß die Offene Handelsgesellschaft (OHG) Ernst Freyberg Delitzsch, chemische Fabrik Delitia eine staatliche Beteiligung8 aufnehmen. Neuer Mitgesellschafter wird mit einer Kapitaleinlage die Deutsche Investitionsbank Berlin.
04.-05. Oktober: Im Karl-Marx-Haus finden die 2. Deutschen Meisterschaften im Billardkegeln statt, an denen auch die DDR-Meisterin von 1954, Herta Braun, von Traktor Delitzsch teilnimmt. In diesem Jahr stellt diese Sportgemeinschaft mit Herta Holzweißig die Vizemeisterin bei den Frauen.
09. Oktober: Wieder findet eine Preissenkungen statt. Bei:
Boxcalfschuhen mit Ledersohle                             von 86,70 DM auf 54,35 DM
Kinderschnürstiefeln mit Porosohle                        von 27,80 DM auf 21,45 DM
Handtaschen aus Box- und Rindleder                    von 90,00 DM auf 67,50 DM
Schulranzen aus Rindleder                                     von 54,85 DM auf 26,90 DM
Schulranzen aus Kunstleder                                   von 15,60 DM auf 13,75 DM
Kühlhauseiern                                                         von   0,44 DM auf   0,39 DM
31. Oktober: 3.000 Pioniere des Kreises nehmen in der Stadt am „1. Erntefest der Jungen Pioniere“ teil. Im Vorfeld halfen sie bei der Maispflege und Ernte. Nach einem Umzug findet eine Kundgebung mit dem 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Albin Schneider statt. Mit diesem Erntefest wird eine gezielte Gegenveranstaltung von staatlicher Seite gegenüber dem protestantischen Reformationstag und dem Erntedankfest bezweckt.

1958 November
12. November: Anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens eröffnet die HO des Kreises eine Leistungsschau in der Gaststätte „Grüne Linde“. Die ersten drei Geschäfte wurden am 15. Januar 1949 eröffnet. Jetzt werden von der HO 23 Industriewaren-, 58 Lebensmittelgeschäfte und 23 Gastwirtschaften betrieben.
Der Preis für 1 St. Butter sank von 30,00 DM auf 2,50 DM
Der Preis für 1 Ei sank von                                2,50 DM auf 0,45 DM
Der Preis für 1 Stück Torte sank von              5,00 DM auf 0,95 DM
Der bisherige Bezirkstagsabgeordnete und Vorsitzendert der PGH Aufbau Horst Heinrich (NDPD) wird als Abgeordneter in die Volkskammer der DDR gewählt.
21. November: Die Berufsschule begeht im Karl-Marx-Haus ihre 100-Jahr-Feier. Das Festprogramm wird vom Orchester des VEB AGFA Wolfen und dem Kulturensemble „Junge Garde“ gestaltet.
23. November: Die AWG Aufbau (RAW), Frohe Zukunft (Sachar), Einheit (Rat des Kreises) und Aufbau (LW Rackwitz) schließen sich unter dem Namen „Vereinigte AWG“ zusammen. In ihr sind 700 Mitglieder erfasst.
In diesem Monat erreicht die Zuckerfabrik eine tägliche Verarbeitungskapazität von 2.107 Tonnen Zuckerrüben.

1958 Dezember
06. Dezember: Die verlängerte Eisenbahnstraße (von der Dübener Straße bis zur Karl-Marx-Straße) wird nach erfolgtem Straßenausbau wieder für den Verkehr freigegeben.
13. Dezember: Die Pionierorganisation feiert in den Schulen gemeinsam mit den Patenbetrieben ihren 10. Geburtstag.
Zum Jahresende sind in den Betrieben des Kreises Delitzsch beschäftigt:
VEB       RAW Delitzsch                                                    2 412
                LW Rackwitz                                                      1 680
                Schokoladenwerk                                                 770
                Zuckerfabrik                                                          396
                Ziehwerk                                                               286
VEB       Kunststoffverarbeitung Plastex                                 79
                Brauerei Krostitz                                                     45
                Kreisbaubetrieb                                                     235
BSB       Steinfurt Zschortau                                                  166
                Freyberg Delitia                                                     149
                Flämig, Kunststoffverarbeitung                                20
                Zschernig in Zschernitz                                           12
                Hahn, Baugeschäft                                                  19


 1959

1959 Januar
Die bisherige Fernverkehrsstraße F 184 wird wegen des Tagebauanschlusses zwischen Benndorf und Holzweißig für den Verkehr gesperrt, da sie künftig in das Tagebaugelände einbezogen werden soll.
12. Januar: In der Stadt Delitzsch sind 800 Wohnungssuchende gemeldet.
Die Fleischer aus Delitzsch, Löbnitz und Pohritzsch gründen die PGH Fleischer. In ihr sind unter dem Vorsitz vom Fleischermeister Kurt Krutzger 30 Mitglieder und sechs Lehrlinge vereinigt.
13. Januar: In der Stadtverordnetenversammlung werden die Ergebnisse des NAW und die neuen Zielstellungen bekanntgegeben: Die Leistungen von 1958 in Höhe von 250 TDM wurde mit 341,5 TDM überboten. Vier Aufbaunadeln in Gold und 33 in Silber werden dafür verliehen. Gerhard Müller erhält für die Leistungen beim Bau des Ludwig-Jahn-Stadions eine goldene Aufbaunadel.

1959 Februar
In den Räumen der ehemaligen Buchhandlung Schmidt-Krause (Markt) wird eine Leihbibliothek eröffnet.
02. Februar: Eine weitere Preissenkung für Lebensmittel wird bekannt gegeben, beispielsweise: Sahna-Margarine von 5,00 DM/kg auf 4,00 DM/kg und Weißzucker von 1,80 DM/kg auf 1,50 DM/kg.
20. Februar: In der Kreisvolkshochschule beginnt ein Lehrgang zum Erlernen der deutschen Sprache für übergesiedelte Bürger aus Polen.
Der Kreis Delitzsch wird zum Anbauzentrum für Tulpenzwiebelkulturen erklärt. Der Leitbetrieb ist der VE Gartenbaubetrieb unter seinem Leiter Kurt Griebel. Auf acht Hektar wurden bereits seit 1955 Tulpen vermehrt.

1959 März
04. März: Es wird der zusätzliche Bau von 36 Wohnungen (12 durch AWG und 24 durch staatlichen Wohnungsbau) von den Stadtverordneten beschlossen. Die für die Zuweisung vorgesehenen Wohnungssuchenden müssen dafür je 300 Aufbaustunden leisten.

1959 April
03. April: Das Zentrale Kulturensemble der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland tritt mit etwa 100 Mitwirkenden im Sozialgebäude des RAW auf.
25. April: Auf der Gartenbauausstellung Leipzig-Markkleeberg wird der VE Gartenbaubetrieb mit zwei Goldmedaillen für Tulpen ausgezeichnet.
An der diesjährigen Jugendweihe nehmen 62% der 14-jährigen Jugendlichen des Kreises teil (1955 waren es 12,9%, 1958 45,4%). Teilnehmer an der Konfirmation sind noch 39 Jugendliche (1956 = 276 Konfirmanden). 60 % der Neugeborenen werden von den Eltern zur „Sozialistischen Namensgebung“ angemeldet.

1959 Mai
01. Mai: Nach einem Zeitungsbericht nehmen diesmal 15.000 Demonstranten an der Kundgebung zum 01. Mai teil. An der Spitze der Demonstranten marschieren die Hundertschaften der Kampfgruppen und die Kollektive der Betriebe, die den Kampf um den Ehrentitel „Brigade der sozialistischen Arbeit“ aufgenommen haben. Ihnen folgen die Paten-LPG.
05. Mai: In einer Feierstunde wird das 10-jährige Bestehen der Poliklinik (Ecke Schäfergraben-Angerstraße) begangen. Seit dem 01.01.1954 ist sie mit dem Krankenhaus unter Leitung des amtierenden Direktors Dr. Dr. Schulze-Warnecke zusammengeschlossen. Dr. Koch ist als stellvertretender ärztlicher Direktor gleichzeitig Chefarzt der Inneren Abteilung des Krankenhauses und der Poliklinik. Weiterhin gehören ihr vier Fachärzte, ein praktischer Arzt, sechs Assistenzärzte, der Kreissportarzt, ein Zahnarzt und ein Jugendzahnarzt haupt- oder nebenamtlich sowie sechs Krankenschwestern und Hilfspersonal an.
30. Mai: Die Kreisleitung der FDJ veranstaltet ein Internationales Amateurtanzturnier mit Paaren aus Krakow (VR Polen) und aus dem Tanzkreis „Grün-Gold“ Leipzig-Delitzsch mit dem Deutschen Meisterpaar Hasso und Brigitte Busch aus Delitzsch. Letztere sind auf dem VI. Parlament der FDJ in Rostock als Sieger hervorgegangen und werden die DDR bei den Weltfestspielen in Wien vertreten.
Das evangelische Kinderheim im ehemaligen Diakonat (Mühlstraße 3) wird geschlossen, da die Anzahl der zu betreuenden Kriegswaisenkinder ständig zurückgeht. Dafür wird dort ein evangelisches Gemeindezentrum eingerichtet.

1959 Juni
Das für den 6. und 7. Juni geplante Kreissportfest muss am 7. Juni vorzeitig abgebrochen werden. Wolkenbruchartige Niederschläge verhinderten weitere Veranstaltungen.
Im Laufe des Monats stellt die AWG die ersten Wohnungen in der Dübener Straße fertig (bis Jahresende will sie Wohnungen an 158 Familien übergeben).

1959 Juli
01. Juli: Dr. Joachim Freyberg, der Seniorchef und Mitinhaber der Firma „Ernst Freyberg, Chemische Fabrik Delitia“ verstirbt. Er war der letzte Namensträger des über vier Generationen in Delitzsch und weit über die Grenzen der Stadt hinaus wirkenden Familienunternehmens der OHG Ernst Freyberg. Sein Urgroßvater, der Apotheker Carl Christian Freyberg (1790-1855), kaufte 1817 die Apotheke „Zum weißen Adler“ in Delitzsch. Er, sein Sohn Carl August Freyberg (1820-1897) sowie sein Enkel Ernst Freyberg (1861-1925) waren neben ihrem Beruf als Apotheker und Unternehmer durch ehrenamtliche verantwortliche Tätigkeit als Stadtverordnetenvorsteher und Baudezernenten mit ihrer Heimatstadt Delitzsch eng verbunden.
28. Juli: Die Stadtverordneten stimmen dem Antrag der BPO des Rates der Stadt und der SED-Kreisleitung auf Entbindung des Bürgermeisters Kunath von seinen Funktionen wegen Verstoßes gegen die Prinzipien der sozialistischen Ethik und Moral zu. Er hatte Anfang des Jahres von einer Bürgerin als Dank für die Befürwortung einer Westbesuchsreise ein Paket mit 100g Bohnenkaffee und einigen Zigarren entgegengenommen. Als amtierender Bürgermeister wird der ehrenamtliche Stadtrat Wolfgang Schulze eingesetzt.

1959 August
14. August: Im Sozialgebäude des RAW findet ein Nationaler Boxkampf zwischen der Südwestauswahl Rheinland-Pfalz und der Bezirksauswahl Cottbus, die durch die drei Delitzscher Lok-Sportler Backofen, Rast und Bogena verstärkt wird, statt.
18. August: Die führende Buchhandlung Reinhold Pabst in der Breiten Straße wird auf amtliche Anordnung geschlossen. Von ihr ist eine Buchbenachrichtigungskarte verschickt worden, die aus alten Beständen stammte und noch den Unterschriftsausdruck „Heil Hitler“ trug. In der Presse wird darüber geurteilt: „Das entschuldigt niemand, selbst wenn ein vorgetäuschtes Versehen diese Angelegenheit in seiner Tragweite abschwächen soll. In manchen Dingen hört das Versehen auf und wird zur berechnenden Absicht. So sehen wir das“.
Ende August wird der im Juli begonnene Umbau des Karl-Marx-Hauses abgeschlossen. Der Saal kann wieder genutzt werden, dagegen die Kücheneinrichtung erst Anfang 1960 wieder.

1959 September
Am 25. September wird die PGH Kürschner gegründet. Sie besteht aus 16 Mitgliedern. Vereinigt sind die Firmen Gräfe (Eilenburger Straße) und König (Gerberplan), der Vorsitzende ist Karl Gräfe jun. Die Firmen Meyerhofer, Grosch und Bastian gründen die PGH Polsterer und Dekorateure mit 40 Mitgliedern.

1959 Oktober
04.-10. Oktober: In der Festwoche zum 10. Jahrestag der DDR findet eine große Anzahl von Veranstaltungen statt. An diesem Tag wird am Karl-Marx-Haus die Erinnerungstafel zur Vereinigung der beiden Arbeiterparteien KPD und SPD, die 1946 in diesem Haus stattfand, feierlich enthüllt.
27. Oktober: Die Vereinigung der beiden Handballmannschaften Lok und Traktor zu BSG Lok wird bekanntgegeben. Dadurch soll ein Wiederaufstieg in die Bezirksliga ermöglicht werden.

1959 November
07. November: Ein Klub für die Organisation kultureller Veranstaltungen wird gegründet, dessen Leitung der Stadtrat John übernimmt. Die Aufgaben des Klubs bestehen in der Bildung von Zirkeln der Literatur, Film, Musik, Angewandte und Bildende Kunst.
14. November: Auf Vorschlag der SED-Kreisleitung wird vom Rat der Stadt mit dem Sammeln von Küchenabfällen begonnen. Sie werden von den LPG „Fortschritt“ in Brodau/Gertitz, „Neues Leben“ Beerendorf, „Freundschaft“ und Lissa als Schweinefutter zur Steigerung der Fleischproduktion genutzt.
30. November: Nach einem Bericht der Abteilung Handel und Versorgung gibt es zur Zeit in der Stadt noch 94 private Gewerbetreibende, von denen 24 einen Kommissionsvertrag abgeschlossen haben. (Abschlüsse 1957:5, 1958:16, 1959:3). In der Stadt Delitzsch hatten 13 Textilwareneinzelhändler einen Kommissionsvertrag. Das verbesserte und ausgesuchte Warenangebot und die besondere Verkaufskultur des Einzelhandels hatte zur Folge, dass sie dem staatlichen und genossenschaftlichen Handel unerwünschte Konkurrenz machten. In Delitzsch waren Kommissionshändler: die Textilgeschäfte Baum, Beier, Didwiszus, Faupel, Freitag, Haupt, Hanisch, Linz und die Gaststätten Bräustübl, Boeck und Elberitzmühle.

1959 Dezember
29. Dezember: Die Stadtverordnetenversammlung berät den Perspektivplan bis 1965. In diesem Jahr sind von der AWG nur 152 Wohnungen fertiggestellt worden. Rohbaufertig hat die AWG 116, die GWG 16 und der Staatliche Wohnungsbau 24 Wohnungen hergestellt.
In einer von 1953 bis 1961 geführten Chronik der Stadt Delitzsch ist ein Kommentar zu einer Weihnachtsfeier vermerkt: „In Zukunft wird darauf geachtet werden müssen, dass auch die Feierstunden mehr sozialistischen Ausdruck zeigen. Hoffen wir, dass es unseren Komponisten gelingt, sozialistische Weihnachtslieder zu komponieren und sie in den Schulen und Kindergärten zu singen, damit sie ebenso populär werden wie die Lieder vergangener Zeit. Nicht Christ wird der Retter sein, sondern das Volk muss sich selbst retten, vor der einlullenden und auf fremde Hilfe hoffenden Menschen und ihren Liedern. Nur der Sozialismus und der Kommunismus garantiert die Befreiung von Not und Elend. Dem Aberglauben, dass überirdische Mächte eine Änderung bringen werden, müsste entschieden und bedingungslos gegenüber getreten werden“.
Die Stadt hat zur Zeit 23.500 Einwohner.


1960

1960 Januar
Im Ortsteil Kertitz wird die „LPG Flemmingstal“ gegründet, der neun Einzelbauern und -bäuerinnen unter dem Vorsitz von Herbert Schröder angehören.
Das RAW führt die Massengüterproduktion die bereits im Vorjahr aufgenommen worden war, weiter. Es werden vorrangig Spannungsregler für Fernseh- und Elektrogeräte produziert.
26. Januar: Die Stadtverordneten bestätigen einstimmig den bisherigen BGL-Vorsitzenden des RAW Otto Paul als neuen Bürgermeister. Als erste Amtshandlung nimmt er die Auszeichnung der besten Aufbauhelfer der Stadt vor.

1960 Februar
10. Februar: Auf Initiative des im Vorjahr gegründeten „Stadtklub für Künstler“ findet ein Konzert des Staatlichen Orchesters Weißenfels unter dem Motto „Ein großes Orchester stellt sich vor“ im Karl-Marx-Haus statt.
14. Februar: Auf der Jahreshauptversammlung der AWG Aufbau wird berichtet, dass sich die Mitgliederzahl seit der Vereinigung im November 1958 auf 1.072 per 31.12.1959 erhöht hat. Im Spätsommer wird mit dem Bau von Wohnungen in der Beerendorfer Straße (Delitzsch-Ost) begonnen.

1960 März
11. März: Es findet ein Handwerkerforum für alle noch individuell arbeitenden Handwerker statt. Karl Hübner, Vorsitzender des Rates des Kreises, Otto Paul, Bürgermeister, Helmut Glock, Vorsitzender des Ortsausschusses der NF, Vertreter der Handwerkskammer und der PGH diskutieren mit den Handwerkern. Das Konfektionsgeschäft Preller, der Handwerksbetrieb Leutelt und das Lebensmittelgeschäft Moke schließen Kommissionsverträge ab.
26. März: Die letzten freien Bauern des Kreises Delitzsch, darunter auch die aus den Ortsteilen der Kreisstadt, müssen auf staatlichen Druck nun in die LPG eintreten. Damit findet die Zwangskollektivierung unter dem Schlagwort „Sozialistischer Frühling auf dem Lande“ ihren Abschluss.

1960 April
01. April: Die Volksmusikschule mit Sitz in der Friedensschule wird unter der Leitung von Werner Brade eingerichtet.
Am 02. und 03.04. veranstaltet der Stadtklub im Karl-Marx-Haus ein Konzert. Der Chor der Erweiterten Ehrenberg-Oberschule unter der Leitung des Musiklehrers Gerhard Münchmeyer und das Staatliche Orchester Weißenfels gestalten das musikalische Programm.
03. April: Die in Delitzsch bestehende gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft gibt bekannt, dass sie nunmehr mit dem Bau von einigen Wohnblöcken beginnen will und dass sich dafür Interessenten melden können. Die GWG ist 1957 als Nachfolger des seit 1927 bestehenden Mieterbauvereins gegründet worden. Sie baute 1960/61 in der Blücher- und Poststraße/Ecke August-Fritzsche-Straße Zwei- und Dreiraumwohnungen (1996 schließt sie sich der UNITAS-Leipzig an).
09. April: Als 16. PGH des Kreises wird die PGH „Ofensetzer“ unter dem Vorsitz des Meisters Hottenrott gegründet.

1960 Mai
19. Mai: Die Anwärter eines Einsatzkommandos des Transportpolizeiabschnittes Halle, die im Stadtforst auf dem ehemaligen Flugplatzgelände (heute Asylbewerberheim) stationiert sind, werden auf dem Marktplatz vereidigt.
23. Mai: Die Diesterweg-Oberschule beginnt als erste Schule der Stadt mit ihren beiden 6. Klassen mit der Ganztagserziehung10.
In der Zeitschrift „Bildende Kunst“ 1960 Nr. 3 werden die künstlerischen Leistungen des Künstlerehepaars Heinrich und Rose Binroth, Hallesche Straße 37, gewürdigt. Mit ihren künstlerisch gewebten Wandbehängen sind sie weit über die Grenzen des Kreises Delitzsch bekannt geworden.

1960 Juni
Die „Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse“ veranstaltet auf dem Roßplatz eine Sonderausstellung zur politischen Erziehung. Es sind Waffen und Ausrüstungsgegenstände der NVA, der Kampfgruppen und der GST zu sehen.
Die Kanalisationsarbeiten in der Elberitzstraße sind beendet. In der Karl-Liebknecht-Straße (Bismarckstraße) wird die Pflasterung weitergeführt. In der Beerendorfer Straße beginnen die Erdarbeiten für die Kanalisation.
Nach den Pfingstfeiertagen wird die Parkgaststätte geschlossen. Das Gebäude wird danach als Möbelverkaufsstelle weiter genutzt.

1960 Juli
31. Juli: Ein internationales Fußballspiel auf dem Elberitz-Sportplatz gewinnt der Bezirksligist Traktor Delitzsch gegen die Amateurauswahl von Reggio-Emilia (Italien) mit 1:0.

1960 August
Im Jahre 1730 war auf der Straßenkreuzung Marienstraße-Bitterfelder Straße eine Ganzmeilen-Postsäule errichtet worden. Nach dem Verlust des Originals, fertigte man um 1895 eine Replik, die auf dem Roßplatz aufgestellt wurde. Sie wird jetzt durch den Malermeister Pawlowski restauriert.
08. August: Die HO eröffnet im Eckhaus Holzstraße/ Straße der DSF eine Gaststätte „Fischbackstube“.

1960 September
01. September: Mit Beginn des Schuljahres bestehen in Delitzsch:
1 Erweiterte Oberschule: Ehrenberg EOS; 4 Polytechnische Oberschulen: Friedens-, Comenius-, Diesterweg-, Schulze-Delitzsch-POS; 1 Sonderschule: Pestalozzi-Schule.
An der Diesterweg-POS ist ein Schulanbau fertiggestellt worden. Er wurde in 6.250 Stunden freiwilliger Arbeitsleistung von den Maurerlehrlingen der Gewerblichen Berufsschule gebaut und besteht aus einem Hortraum sowie drei Fachkabinetten. Auf dem Hofgelände der Friedens-POS werden durch den Ausbau einer Baracke acht neue Klassenräume geschaffen. Die Volksmusikschule nimmt ihre Lehrtätigkeit mit einem einjährigen Vorschulkurs für Kinder aus der 3. Klasse auf.
05.-07. September: Die „Aeros Eisrevue 1960“ gastiert in ihrem 2000-Mann-Zelt auf dem Karl-Marx-Platz. Auf der ersten transportablen Kunsteisbahn der DDR treten Eisläufer aus der CSSR, Polen und der DDR auf.
24. September: Im 2. Nationalen Amateurtanzturnier mit dem Tanzklub Blau-Gold Hannover gewinnt der hiesige Tanzkreis Grün-Gold. Teilnehmer sind auch die Ehepaare Busch und Weihmann aus Delitzsch. Sie gehören der Sondertanzklasse der Deutschen Nationalmannschaft an.
30. September: Die ersten 40 Wohnungen auf dem Gelände gegenüber des Karl-Marx-Hauses werden den neuen Mietern übergeben. Das Wohngebiet erhält den Namen „Am Karl-Marx-Platz“.

1960 Oktober
02. Oktober: Die Freiwillige Feuerwehr begeht ihren 100. Jahrestag. Sie wurde 1860 von Turnern des Turnvereins 1845 gegründet.
17. Oktober: Als 17. PGH im Kreis gründen vier Meister mit ihren zehn Beschäftigten die PGH „Tischler“ unter dem Vorsitz von Tischlermeister Otto Schachtel (Holzstraße).
24. Oktober: In der seit Pfingsten geschlossenen Parkgaststätte wird eine Verkaufsstelle für Gebrauchtmöbel eröffnet.

1960 November
Die Kanalisationsarbeiten in der Beerendorfer Straße sind beendet.
02. November: Die neue Straße im Wohngebiet Nord zwischen der Mittelstraße und dem Karl-Marx-Platz erhält den Namen „Werner-Seelenbinder-Straße“.
06. November: Der im RAW-Sozialgebäude stattfindende nationale Vergleichskampf im Boxen mit der Mannschaft Hannover-Rintelen wird von der Mannschaft Lok Delitzsch gewonnen.
Bürgermeister Otto Paul macht den ersten Spatenstich zum Aufbau eines neuen Wohnviertels in der Beerendorfer Straße. Vorgesehen ist, für 3.000 Personen Wohnungen zu bauen, mit einer Schule, einem Kindergarten und Krippe, einer Gaststätte und einem Frisörgeschäft sowie mit dem Bau eines Garagenkomplexes für 300 PKW.

1960 Dezember
15. Dezember: Mit der Einführung des neuen Arbeitsgesetzbuches werden die Betriebe aufgefordert, Betriebskollektivverträge abzuschließen. Der BKV soll für den Betrieb das wichtigste Dokument zur Erfüllung des Planes in allen Belangen sein.
Eine Bande unter Führung des Klempnerlehrlings Helmut T. hat sich vor dem Amtsgericht zu verantworten. Sie zerstörte im Mai 15 Glaslaternen im Stadtpark, „stürmte“ einen HO-Kiosk, wurde allerdings durch Passanten an dessen Plünderung gehindert. Ein Vortrag vor Jugendlichen im „Haus der jungen Talente“ (Schlossstraße 30) wird in erzieherischer Absicht durchgeführt, indem Tonbandaufnahmen von der Gerichtsverhandlung genutzt werden.
Der Volkswirtschaftsplan der örtlich geleiteten Industrie im Kreis Delitzsch wird im Teil Industrielle Bruttoproduktion von den halbstaatlichen Betrieben wie folgt erfüllt.
Fa. G. Steinfurt KG, Zschortau                            2,70 Mio.
Fa. H. Krombholz KG, Delitzsch                          1,57 Mio.
Fa. B. Flämig, Delitzsch                                        0,60 Mio.
Fa. W. Zschernig, Zschernitz                               0,23 Mio.
Fa. E. Freyberg, OHG Delitzsch                          4,95 Mio.
davon einen Exportanteil von                               0,62 Mio.
Die Leistungen des Handwerks betragen in diesem Jahr insgesamt 33,523 Mio. Mark. Der Anteil der PGH beträgt davon 7,297 Mio. Mark.
Die AWG Aufbau hat per 31.12. einen Stand von 1.386 Mitgliedern, 472 Wohnungen sind bezogen.


1961

1961 Januar
01. Januar: Der VEB Taxi Leipzig richtet eine Außenstelle in Delitzsch ein. Nach dem Aufstellen einer Rufsäule am unteren Bahnhof können die Taxis direkt von dort angefordert werden. Außerdem wird ein PKW-Ausleihdienst eingerichtet.
14. Januar: Im Maxim-Gorki-Haus (heute Haus der Volkssolidarität in der Leipziger Straße) wird in einer Festveranstaltung durch das Mitglied der Volkskammer und des Bezirksausschusses der Volkssolidarität, Dr. med. Harms, der Veteranenklub „Jenny Matern“ eröffnet.
In der Eilenburger Straße 13 (Modehaus Tenzer) bricht gegen 2000 Uhr ein Feuer aus. Vier Familien müssen evakuiert werden. Das Löschen des Brandes wird durch starken Frost behindert. Der Sachschaden beträgt 65.000 Mark.

1961 Februar
07. Februar: Die HO eröffnet in der Eilenburger Straße eine Automatenverkaufsstelle, in der Backwaren, Tabakerzeugnisse, Kaffee, Kakao, Süßigkeiten, kosmetische Artikel, Haushaltschemie, Schreibwaren, Filme und Glühbirnen angeboten werden.
22. Februar: Im Saal der ehemaligen Gaststätte „Lindenhof“ wird eine Verkaufsstelle für Gebrauchtmöbel eröffnet.

1961 März
03. März: Das Ehepaar Binroth stellt den Brigaden des RAW einen von ihnen gestalteten Wandbehang vor, der für den großen Saal im Urlauberschiff „Völkerfreundschaft“ bestimmt ist.
14. März: Im Grundstück Gerberplan 13 (ehemals Fischgeschäft Soban) wird ein Internat für die Sonderschule eingerichtet. 18 Kinder können dort untergebracht werden.
15. März: Bei der Wohnraumzählung werden in Delitzsch 2.333 Gebäude mit 7.237 Wohnungen erfasst. Die gesamte Wohnfläche beträgt 325.820 m2.
Wohnungen mit einem Zimmer                     558
                        mit zwei Zimmern                2.511
                        mit drei Zimmern                 2.997
                        mit vier Zimmern                    881
                        mit fünf Zimmern und mehr    290
24. März: Das Sonderklasse-Tanzpaar Busch errang bei einem Tanzturnier mit Spitzentanzpaaren aus Belgien, Dänemark, Westdeutschland, Österreich und der DDR den 2. Platz. Es wird am 22. April bei den in Köln stattfindenden Mitteleuropäischen Meisterschaften an den Start gehen.
Nach starken Regenfällen überschwemmt der Lober Teile der Stadt. Diese Situation wird durch den Braunkohletagebau noch verschärft, da Wasser vom Tagebau in den Lober eingespeist wird. Ein rascher Abfluss war nicht gewährleistet, das Problem einer Loberregulierung wird wieder diskutiert.

1961 April
22. April: Ein Rundstreckenrennen für Radfahrer wird durchgeführt. Die Strecke führt durch die Eisenbahnstraße, Karl-Marx-Straße, Clara-Zetkin-Platz (Nordplatz), Bitterfelder Straße, Roßplatz und Eilenburger Straße. 65 Fahrer aus fünf Sportklubmannschaften und den Friedensfahrermannschaften aus der DDR, Rumänien und der UdSSR nehmen daran teil. Darunter befindet sich der Olympiasieger Kapitonow (UdSSR); die Weltmeister und Friedensfahrtsieger Stoltze, Eckstein und Schur aus der DDR.
29. April: Auf der diesjährigen Internationalen Gartenbauausstellung in Erfurt ist das VEG Saatzucht Delitzsch (ehemals VE Gartenbaubetrieb) vertreten, das dort 125.000 Tulpen gepflanzt hat. Einige der Züchtungen wurden für ihre Qualität mit Preisen ausgezeichnet. Das VEG Saatzucht hat an der F 184 Delitzsch-Leipzig bis Brodau ein Feld zur Tulpenvermehrung angelegt. Im Frühjahr blühen dort 2,5 Millionen Tulpen.
92% der Schulabgänger aus dem Kreisgebiet nehmen in diesem Jahr an der Jugendweihe teil.
In der evangelischen Marienkirche werden eine Taufschale, ein Lesepult und eine Christusfigur aufgestellt, die von der Holzbildhauerin Elli Violn-Nahmacher gestaltet worden sind.

1961 Mai
01. Mai: Anlässlich des „Feiertages der Werktätigen“ findet ein Fußballspiel der Stadtauswahl (BSG Traktor und Lok) gegen die sowjetische Armee-Auswahlmannschaft Grimma statt.
Zum Monatsbeginn wird die Sächsische Bettfedernfabrik Paul Hoyer unter Treuhandverwaltung gestellt. Der Firmenchef hat sich mit seiner Familie dem ständig anwachsenden Druck seitens der Behörden, eine staatliche Beteiligung aufzunehmen, durch die Flucht in die BRD entzogen.
05. Mai: Auf dem Wallgraben wird ein Gondelbetrieb eröffnet. An der Bootsanlegestelle am Veteranenklub stehen dafür vier Ruder- und fünf Paddelboote bereit.
Ein Projekt zum Ausbau des Freibades am Werkstättenteich wird in Auftrag gegeben, kommt aber nicht zur Ausführung. Als Begründung werden Waffen- und Munitionsfunde angegeben. Tatsächlich haben in den letzten Tagen des Krieges im April Angehörige des aufgebotenen „Volkssturmes“ und desertierte Soldaten dort Waffen versenkt. Der Werkstättenteich war früher ein beliebtes Freibad der Delitzscher Bevölkerung, das rege genutzt wurde, zumal auch eine kleine Gaststätte (Familie Knopf) zur Verfügung stand. In der Folge wurde der Werkstättenteich mit Abfällen des RAW als Deponie verfüllt.
17. Mai: Die Kreislichtspiele beginnen mit Vorführungen von Filmen im Garten der ehemaligen „Parkgaststätte“. Sie finden während der warmen Jahreszeit jeden Mittwoch um 2100 Uhr statt.
In der Zuckerfabrik erfolgt die technologische Anpassung zur Verarbeitung von kubanischem Rohrzucker. Am 26. Mai wird dieser in 32 Waggons in der Zuckerfabrik angeliefert. Durch den reichen Futteranfall in diesem Frühjahr wurden in den Trocknungsanlagen der Zuckerfabrik 8.906 Dezitonnen Grünmasse getrocknet.

1961 Juni
01. Juni: In Delitzsch-Ost wird mit dem industriellen Häuserbau (Großblockbauweise) begonnen.
Im Kreiskrankenhaus wird der neu eingebaute Krankenaufzug in Betrieb genommen.
In der Nacht vom 06. zum 07. Juni wird in das Uhrengeschäft am Stalinplatz (Markt) eingebrochen. Es werden vorwiegend sowjetische Uhren gestohlen.
14. Juni: Das Spitzentanzpaar der Junioren-Sonderklasse, das Ehepaar Busch, das bereits 5 mal den Meistertitel errungen hat, wird mit dem „Preis für künstlerisches Volksschaffen, II. Klasse“ ausgezeichnet. Hasso Busch errang mit seiner Partnerin von 1955 bis 1967 insgesamt 15 DDR-Meistertitel in den Tanzdisziplinen „Standard“ und „Latein“. Er war damit der erfolgreichste Turniertänzer der DDR. Außerdem nahm er bis 1956 an zwei Gesamtdeutschen Meisterschaften und Länderkämpfen sowie an zwei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft teil. 1969 beendete er seine aktive Laufbahn. Er war danach Übungsleiter in Leipzig und nach seiner 1974 erfolgten Übersiedlung in die BRD Tanztrainer in Köln. Er starb 1993.
18. Juni: Es findet ein großes Kreissängertreffen statt. Am Karl-Marx-Haus findet eine Leistungsschau der Blas- und Schalmeien-Orchester, der Chöre und Singegruppen statt. Am Abend wird ein Massensingen der Chöre mit dem Großen Staatlichen Orchester Weißenfels unter der Leitung von Gerhard Münchmeyer durchgeführt.

1961 Juli
02. Juli: Nach Abschluss des 1. Lehrjahres veranstaltet die Volksmusikschule ein Schülerkonzert. Etwa 100 Schüler treten in Musikgruppen und in Chören auf. Insgesamt lernen an dieser Einrichtung etwa 200 Kinder und Jugendliche.
25. Juli: Die Zuckerfabrik beginnt mit der Getreidetrocknung.

1961 August
13. August: Über den Stadtfunk wird der Bau des „Anti-faschistischen Schutzwalles“ bekanntgegeben. Dies ist die offizielle Bezeichnung im Staatsjargon der DDR, in der Umgangssprache nennt man sie jedoch „Die Mauer“.
Der Rat der Stadt teilt mit, dass zur kontinuierlichen Versorgung der Bevölkerung mit Butter die Aufstellung von Kundenlisten notwendig ist. Hierzu ist ein Abschnitt der Kartoffelbezugsberechtigung bis zum 25. August in der jeweiligen Verkaufsstelle vorzulegen.
24.-25. August: Unter der Devise: „Es ist höchste Zeit, aufs Dach zu steigen,“ fordern angeblich Brigaden aus dem RAW auf, die Fernsehantennen in eine andere Richtung zu drehen, nämlich in die „des Friedens und nicht in die des Krieges“. Antennen auf zahlreichen Häusern, die noch immer in die Richtung westlicher Fernsender zeigen, werden von FDJ-Brigaden und von der Feuerwehr gewaltsam abgesägt. Solche Vorfälle geschehen beispielsweise in der Freesestraße und in der Karl-Liebknecht-Straße. Diese Aktionen wurden von der SED-Kreisleitung initiiert und gesteuert.
Die erste Ordnungsgruppe der FDJ11 des Kreises, der 36 Jungen und Mädchen angehören, wird im Jugendstadion durch die SED-Kreisleitung vereidigt. Sie geloben „Die Feinde der Sozialistischen Republik zu schlagen, die Ehre der Partei der Arbeiterklasse und der FDJ zu verteidigen und jeden Auftrag für das Vaterland und den Frieden zu erfüllen“.

1961 September
01. September: In der Presse wird mitgeteilt, dass die Fernsehapparate mehrerer Einwohner der Stadt wegen öffentlich organisiertem Westfernsehens von der Volkspolizei beschlagnahmt worden sind.
17. September: Die Wahl für die örtliche Volksvertretung in der Kreisstadt hat bei einer Wahlbeteiligung von 99,3% eine 100%ige Zustimmung für die Kandidaten der NF gebracht. Es ist das beste Ergebnis im Bezirk Leipzig.
23. September: Die Erweiterte Ehrenberg-Oberschule gibt bekannt, dass sie fünf Ordnungsgruppen, bestehend aus 50 FDJ-lern gebildet hat.
27. September: Auf der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wird das SED-Mitglied Otto Paul als Bürgermeister wiedergewählt.
30. September: Die Festwoche anlässlich des 12. Jahrestages der DDR wird mit einem Filmball eröffnet, an dem bekannte Künstler der DEFA, u.a. der NPT und Drehbuchautor Günter Rücker und der Schauspieler Hanjo Hasse teilnehmen.

1961 Oktober
07. Oktober: Anlässlich des Gründungstages der DDR findet vormittags auf dem Stalinplatz eine Großkundgebung statt. Nachmittags stehen Sport, Kabarett, Musik und Chorkonzerte auf dem Programm. Abends ist Tanz im Karl-Marx-Haus und im Sozialgebäude des RAW. Am Vorabend ist ein Kreisappell der FDJ-Ordnungsgruppen durchgeführt worden. Die GST beginnt ebenfalls mit der Aufstellung derartiger Einsatzgruppen.
17. Oktober: Die Presse veröffentlicht den Beschluss des Pädagogischen Rates der Erweiterten Ehrenberg-Oberschule. Darin wird von den Schülern gefordert, keine „Rundfunk- und Fernsehsendungen der NATO-Staaten und Sender anderer kapitalistischen Staaten zu hören oder zu sehen und ihre Hetze zu verbreiten“. Verstöße gegen dieses Verbot werden mit den im § 34 der Schulordnung festgelegten Maßnahmen bestraft. Die Eltern werden ersucht, ihre Kinder dabei zu unterstützen.

1961 November
06. November: Der VEB KWV eröffnet am Clara-Zetkin-Platz 6 (heute Nordplatz) eine Selbsbedienungswäscherei mit vier Waschmaschinen.
25. November: Auf einer Tagung der SED-Kreisleitung wird Albin Schneider unter Berücksichtigung seines Gesundheitszustandes von der Funktion als 1. Sekretär der Kreisleitung entbunden. Als Nachfolger wird Willi Dau gewählt.
30. November: Im Stahlwettbewerb der DDR steht in diesem Jahr der VEB Ziehwerk an der Spitze. Als Sieger erhält der Betrieb die Wanderfahne der VVB für die 2. Verarbeitungsstufe.

1961 Dezember
10. Dezember: Erstmalig wird der „Tag des Gesundheitswesens“ begangen. Aus diesem Anlass wird dem Ärztlichen Direktor des Kreiskrankenhauses/Poliklinik und Chefarzt der chirurgischen Abteilung Dr. Dr. Schulze-Warnecke die „Hufeland-Medaille in Silber“ verliehen.
13. Dezember: Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wird der „Stalinplatz“ wieder in „Markt“ umbenannt


1962

1962 Januar
01. Januar: Der VEB Kunststoff- und Textilverarbeitung wird zum Treuhänder für den Betrieb „Sächsische Bettfedernfabrik Paul Hoyer“ in der Angerstraße bestellt.
04. Januar: Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Todestages des Delitzscher Chronisten Johann Gottlieb Lehmann wird auf dem ehemaligen Marienfriedhof seine Grabstätte neu gestaltet. Die Grabplatte wird ebenfalls restauriert. Die Grabplatte befindet sich seit etwa 1965 im Museum im Schloss.
18. Januar: In diesem Jahr werden neben einzelnen Eigenheimen vor allem 208 Wohnungen im Mietwohnungsbau fertiggestellt. Da der VEB Bau Delitzsch vorrangig für den Aufbau der Messestadt Leipzig eingesetzt wird, muss der Baubeginn weiterer Neubauten auf 48 Wohnungen als Kohleersatzbauten beschränkt werden.

1962 Februar
01. Februar: Nach längerer Schließzeit wird die Ausflugsgaststätte „Froschmühle“ in Kertitz durch den Konsum wiedereröffnet.
Ein Sturm verursacht am Dach der Stadtkirche großen Schaden. Der Rat der Stadt, der noch formal das Patronatsrecht inne hat, lehnt eine Kostenbeteiligung an der Schadensbehebung ab, so dass die Reparatur vorerst nicht durchgeführt werden kann.

1962 März
22. März: Der Chor der Ehrenberg-Oberschule hat bei einem Bezirksvergleich das Prädikat „Ausgezeichneter Chor der Oberstufe“ erhalten und wird als bester Chor des Bezirkes Leipzig am zentralen Leistungsvergleich in Eisenach teilnehmen. Radio DDR besucht den Chor und nimmt mehrere Musiktitel auf, die am 03. April gesendet werden.

1962 April
22. April: Das Mandolinenorchester begeht sein 40-jähriges Jubiläum. Der Leiter Gustav Exner ist Mitbegründer des Orchesters und seit 1922 mit ihm verbunden. An einer Festveranstaltung zu diesem Jubiläum wirken 150 Laienmusiker und Solisten vom Radio DDR mit.
08. Mai: Der Geschäftsführer der Zigarrenfabrik Krombholz KG, Hans Krombholz, verstirbt in Leipzig im Alter von 82 Jahren. Er hatte 1928 die seit 1854 bestehende Zigarrenfabrik in der Halleschen Straße 27 erworben.

1962 Juni
12. Juni: Die Judo-Mannschaft des TUS Iserlohn reist trotz des Beschlusses der westdeutschen Sportführung zum Abbruch der gegenseitigen Beziehungen zu einem Vergleichskampf gegen die SG-Dynamo an.
26.-29. Juni: Bei den in Dresden ausgetragenen Jugendmeisterschaften im Tennis erringt Karl-Heinz Rast von der BSG Traktor Delitzsch den Meistertitel im Einzel für Jungen.

1962 Juli
In diesem Monat verbringen 530 Kinder ihre Ferien im „Sputnik-Zentrum“, das im vorigen Jahr auf dem RAW-Sportplatz errichtet wurde. Im August werden nochmals 420 Teilnehmer erwartet.

1962 August
05. August: Der MC Rackwitz/Delitzsch des ADMV führt ein K-Wagen-Rennen durch. Die Strecke verläuft vom Roßplatz über die Bitterfelder Straße, Gerberplan, Wallgraben zurück zum Roßplatz. 135 Starter sind gemeldet, 6.000 Zuschauer werden gezählt. Der Sportfreund Nestler vom Kollektiv Längrich (KFZ-Werkstatt in der Halleschen Straße 36) erreicht den 5. Platz.
29. August: Im Museum wird eine Ausstellung zur „Geschichte der Landwirtschaft im Feudalismus-Kapitalismus-Sozialismus“ eröffnet.

1962 September
Ab 1. September haben alle Kinder im Kreis Delitzsch die Möglichkeit zu einem 10-jährigen Schulbesuch in den neu eingerichteten Polytechnischen Oberschulen.
02. September: Die Tischtennismannschaft der BSG Traktor Delitzsch erringt bei den Endkämpfen um die Landessport-Bestenermittlung der DDR in Quedlinburg den Titel des Mannschaftsmeisters.
Der Gemeindekirchenrat beschließt, die notwendigen Reparaturarbeiten an der Stadtkirche ausführen zu lassen. Die Gemeindemitglieder werden zu Arbeitsleistungen aufgerufen.

1962 Oktober
03. Oktober: Die Judo-Sportler erhalten in der ehemaligen Gaststätte „Goldene Kugel“ in der Grünstraße eine neue Trainingsstätte.
14. Oktober: Beim Leistungsvergleich der DDR-Chöre in Dessau hat der EOS-Chor unter der Leitung von Gerhard Münchmeyer das Prädikat „Sehr Gut“ erhalten.
28. Oktober: Nach Erringung des Bezirksmeistertitels im Handball hat Lok Delitzsch I jetzt den Aufstieg in die DDR-Liga geschafft.

1962 November
17. November: Bei einer Schlägerei in der Fabrikstraße an der Zuckerfabrik wird ein Mann durch Messerstiche tödlich verletzt. Der Täter, der unter Alkoholeinfluß stand, wird nach zwei Stunden gefasst und später verurteilt.
Während des ganzen Monats fanden wegen Maul- und Klauenseuche keine Sportveranstaltungen im Kreis statt.
1962 Dezember
21. Dezember: Das Telefonortsnetz Delitzsch wird auf den Selbstwahlfernsprechdienst umgestellt. Vorerst können hierdurch 25 andere Ortsnetze, beispielsweise Berlin, Halle, Leipzig und weitere Orte dieser Bezirke direkt angewählt werden.
30. Dezember: Zur Kreisdelegiertenkonferenz des KFA Schach weilt der Internationale Schachgroßmeister Wolfgang Uhlmann in Delitzsch. Bei einem Simultanspiel an 34 Brettern gewinnt er 26 Partien und beendet vier mit unentschieden.
Der Molkerei Delitzsch werden die Molkereien aus Zwochau und Bad Düben angegliedert. Daraufhin erfolgt eine Spezialisierung in der Produktionspalette. Es werden Trinkmilch in Flaschen, Schlagsahne, saure Sahne, Buttermilch, Kakaotrunk, Speisequark und Joghurt produziert. An das Trockenmilchwerk Torgau wird Magermilch und an die Zentrale Butterei in Leipzig-West der Rahm geliefert. Seit der Schließung der Molkerei Zwochau werden 140 t/pro Tag Rohmilch zur Versorgung der Kreise Delitzsch und Eilenburg verarbeitet.
Im RAW werden ab diesem Jahr und in den weiteren Jahren neue Maschinen in die Produktion aufgenommen; unter anderem zwei große Radsatzdrehmaschinen und ein Ultraschall-Radsatzprüfstand zur Prüfung der Radsätze.


1963

1963 Januar
Seit Anfang des Jahres herrscht andauernde Kälte mit bis zu -20oC. Diese Periode wird als der drittkälteste Winter des Jahrhunderts bezeichnet. Vom Ministerrat werden Maßnahmen zur Sicherstellung der Produktion und zur Versorgung der Bevölkerung mit Brennstoffen, Energie, Gas und Wasser getroffen. Der Kreisoperativstab beschließt unter anderem die Schließung einer Reihe von Verkaufsstellen, die nicht für die Versorgung der Bevölkerung von Bedeutung sind, Öffnung der anderen Läden erst ab 900 Uhr, Schließung aller öffentlichen Saal- und Kulturräume mit begrenzter Ausnahme der Lichtspielbetriebe. Schulen werden zusammengelegt und Kurzunterricht eingeführt. Die Diesterweg-Schule wird geschlossen. Zwei weitere verkürzen den Unterricht auf drei bis vier Tage in der Woche, die Winterferien werden auf Anfang Februar vorverlegt. Die Straßenbeleuchtung und die Lichtwerbung werden eingeschränkt, Verwaltungen und Institutionen werden zusammengelegt. Nach einer kurzfristigen Minderung der Kälte in der zweiten Monatshälfte sinkt die Temperatur wieder auf -17oC und steigt bis Ende Februar nicht über 0 Grad Celsius.

1963 Februar
10. Februar: Der Chor der EOS nimmt an der Festveranstaltung der besten Volkskunstgruppen der DDR im Klubhaus Espenhain teil, die vom Deutschen Fernsehfunk direkt übertragen wird.
25. Februar: Im RAW wird im Sozialgebäude das Werkrestaurant eröffnet.

1963 März
11. März: Der VEB Ziehwerk Delitzsch erhält auf der Leipziger Frühjahrsmesse für ein Exponat das Messediplom.

1963 April
13. April: Die Judoka aus Iserlohn/BRD treffen auf die Mannschaft der SG Dynamo, die durch Kämpfer von der DHfK Leipzig verstärkt ist.

1963 Mai
02. Mai: Der Waschstützpunkt in der Karl-Liebknecht-Straße (ehem. „Lindenhof“, Bismarkstraße) wird mit fünf Waschautomaten in Betrieb genommen.
18. Mai: Für das 2. Delitzscher K-Wagenrennen haben sich 160 Fahrer aus sechs Bezirken angemeldet. Das ist die stärkste Beteiligung an allen bisher in der DDR ausgetragenen Rennen. Der Deutsche Fernsehfunk der DDR überträgt diese Veranstaltung.

1963 Juni
09. Juni: Der Schlossturm wird nach seiner Instandsetzung wieder geöffnet. Die Etagen des Turmes sind als Museumsräume für die Stadtgeschichte neu eingerichtet.
26. Juni: Die Stadtverordneten beschließen folgende Grundsätze zur Wohnraumvergabe:
für 1 - 2 Personen                  1-Raum-Wohnung
für 2 - 3 Personen                  2-Raum-Wohnung
für 3 - 4 Personen                  2 - 3-Raum-Wohnung
für 4 - 5 Personen                  3 - 4-Raum-Wohnung
ab 6 Personen                       4-Raum-Wohnung.
Es gibt 1.217 Wohnungssuchende, davon müssen 111 dringend mit Wohnungen versorgt werden. Die Einwohnerzahl der Stadt Delitzsch beträgt 23.000 Personen. Sie leben in 7.732 Wohnungen.

1963 Juli
03. Juli: Im Werkstättenteich wird ein Angehöriger des RAW von einem Arbeitskollegen vor dem Ertrinken gerettet. Er hatte beim Schwimmen das Bewusstsein verloren. Aus diesem Anlass weist der Rat der Stadt daraufhin, dass dort das Baden auf eigene Gefahr geschieht.

1963 September
01. September: Für 380 neu eingeschulte Kinder beginnt der erste Schultag. Ende des vorigen Schuljahres wurden 3.344 Kinder und Jugendliche in sieben Schulen der Stadt unterrichtet.
19.September: Eine Kreiswählerkonferenz wird mit den Kandidaten für die Volkskammer, unter Teilnahme des Mitglieds des Politbüros Genossen Paul Fröhlich durchgeführt. Weitere Teilnehmer sind die Kandidaten für die Volkskammer Horst Heinrich (NDPD), Vorsitzender der PGH „Aufbau“, die Kandidatin für den Bezirkstag Hilda Grabsch (SED), VEB Ziehwerk, und Bruno Henger (SED), RAW, Bezirkstagsnachfolgekandidat.
24. September: Für die neue Theatersaison ist das Elbe-Elster-Theater Wittenberg verpflichtet worden. Im renovierten Karl-Marx-Haus sind zehn Vorstellungen vorgesehen.
Im Schlossturm wird ein Automatenfernrohr aufgestellt, das aus NAW-Mitteln gekauft wurde.
28. September: Der Berufsschullehrer und Bauingenieur Gerhard Müller verstirbt im Alter von 54 Jahren. Er hat sich große Verdienste beim Bau der Berufsschule und des Jugendstadions erworben. Ihm zu Ehren wird der Verbindungsweg von der Ludwig-Jahn-Straße zur Karl-Marx-Straße „Gerhard-Müller-Weg“ benannt. Der Beschluss der Stadtverordneten vom 14. April 1965 erfolgt auf Vorschlag des Direktors der Berufsschule Günter Wolf.

1963 Oktober
08. Oktober: Eine HO-Kaufhalle für Nahrungs- und Genussmittel wird in der Mittelstraße eröffnet.

1963 November
13. November: Die neue Fernverkehrsstraße F 184 von Delitzsch nach Bitterfeld wird für den Verkehr freigegeben. Sie führt jetzt über Petersroda. Die bisherige Straßenführung über Benndorf, Grube Ludwig und Holzweißig musste wegen des Braunkohleaufschlusses verlegt werden.
17. November: Ihren ersten Boxkampf in der DDR-Liga gewinnt Lok Delitzsch gegen Empor Dresden/Stahl Freiberg mit 14:6.

1963 Dezember
12. Dezember: Am Vorabend des 15. Geburtstages der Pionierorganisation wird auf dem Schulhof der Diesterweg-Oberschule eine Thälmann-Büste enthüllt. Die Pioniere hatten das Geld für deren Anschaffung gesammelt. Die Einweihung wird durch den Direktor der Zuckerfabrik, Genossen Bernhardt, vorgenommen, der persönliche Verbindungen zu Ernst Thälmann hatte.


1964

1964 Januar
01. Januar: Der VEB Färberei und Chemische Reinigung in der Laueschen Straße erhält den Status eines Dienstleistungsbetriebes.
05. Januar: Die BSG Traktor und Lok schließen sich unter dem Namen BSG Lok zusammen, der auch die SG Einheit beitritt. Zunächst folgen diesem Beschluß aber nicht alle Sektionen. Die BSG Stahl und die SG Dynamo bleiben weiterhin eigenständig.
30. Januar: Durch den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung werden im Neubaugebiet Delitzsch-Ost folgende Straßennamen vergeben: Johannes-R.-Becher-Straße, Erich-Weinert-Straße und F.-C.-Weiskopf-Straße.

1964 Februar
19. Februar: Der Sanitätsrat Dr. Felix Winkelhausen verstirbt im Alter von 84 Jahren. Er hatte sich am 10.01.1909 in Delitzsch als Arzt niedergelassen und über 50 Jahre praktiziert. Ihm war am 08.12.1961 in Würdigung und Anerkennung seiner Verdienste um die gesundheitliche Betreuung der Einwohner des Kreises Delitzsch vom Minister für Gesundheitswesen der Titel „Sanitätsrat“ verliehen worden.
26. Februar: Das VEG Saatzucht, Zierpflanzen Erfurt, Betriebsteil Delitzsch hat etwa drei Millionen Tulpen in 56 verschiedenen Sorten und 10.000 Gladiolen vermehrt.

1964 März:
20. März: Der seit einigen Jahren nicht mehr arbeitende „Klub der Intelligenz“ wird neu gegründet. Zur Eröffnungsveranstaltung liest die Leipziger Schriftstellerin Hildegard Rauchfuß aus ihren Büchern.

1964 April
Einen empfindlichen Verlust stellt für die Einwohner das Hinscheiden des Facharztes für Hals-, Nasen- und Ohrenleiden, Sanitätsrat Dr. Dietrich Schröder dar, der seine Praxis im Haus Am Wallgraben 13 hatte.
05. April: Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Blaskapelle des RAW findet im dortigen Sozialgebäude ein Konzertnachmittag statt.
29. April: Am Vorabend des 1. Mai wird die PGH „Aufbau“ als erste Genossenschaft der DDR vom Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht mit dem Orden „Banner der Arbeit“ ausgezeichnet.

1964 Mai
08. Mai: Die Fachgruppe „Aquarien und Terrarien“ des Kulturbundes hat im Gebäude des ehemaligen „Neuen Heiligbrunnen“ in der Oskar-Reime-Straße ein Zierfischaquarium für 26 Fischarten und ein Fischaufzuchtbecken eingerichtet. Der Pavillon in den Grünanlagen am Moorbad wurde bereits 1954 von der Fachgruppe ausgebaut und mit Aquarien bestückt. Dieser Pavillon hatte auch den Beinamen „Roßmäßler-Häuschen“.12
20. Mai: Der 1. Sekretär der Kreisleitung der SED, Dr. Willi Dau, wird in die Bezirksleitung der SED berufen. Seine Aufgabe im Kreis Delitzsch übernimmt Richard Tänzer.
31. Mai: Aus Anlass des „Internationalen Kindertages“ wird der Kinderspielplatz an der Emil-Krell-Straße übergeben. Zur Übergabe findet ein Kinderfest statt.

1964 Juni
Zum „Tag der Eisenbahner“ findet auf dem Sportplatz an der Elberitzmühle ein Fußballfreundschaftsspiel zwischen dem Bezirksligisten Lok Delitzsch und dem Deutschen Meister 1964 BSG Chemie Leipzig, statt.
28. Juni: Das Kreismuseum im Schloss wird aufgrund von Bauarbeiten (Neuputz des Turmes und Aufbringen eines Kupferdaches) bis Jahresende geschlossen. In dieser Zeit wird dafür der Breite Turm geöffnet, in dem einige Exponate gezeigt werden. An der Stadtkirche werden ebenfalls Reparaturarbeiten durchgeführt und eine neue Turmuhr eingebaut.

1964 August
01. August: Es erfolgt die Ausgabe neuer Banknoten im Verhältnis 1:1 mit der Bezeichnung „Mark der Deutschen Notenbank“. Die bisherigen Geldscheine bleiben noch bis 30.04.1965 gültig.
05. August: Ab sofort ist das Baden im Werkstättenteich verboten. Bei der Beseitigung des Unrats durch Tauchsportler des RAW werden Waffen und Munition aus der Zeit des II. Weltkrieges gefunden.

1964 September
05. September: Werner Parré (Lok Delitzsch) wird Deutscher Vizemeister im Billardkegeln. Die 16-jährige Helga Reiwand (GST-Sportschießen) aus dem RAW wird Deutsche Jugendmeisterin in der Disziplin 60 Schuss liegend.
09. September: In den späten Abendstunden vernichtet ein Großfeuer einen Strohdiemen am Wasserturm mit 96 Tonnen Stroh. Als Brandursache wird Brandstiftung ermittelt.
26.-27. September: Zur Kartoffelernte wird vom RAW, dem Schokoladenwerk, den PGH und aus den Verwaltungen und Einrichtungen Personal abgestellt. Es werden vor allem Angestellte als Helfer eingesetzt.

1964 Oktober
07. Oktober: Der 15. Jahrestag der DDR wird mit einem Festprogramm begangen. Am Denkmal der Opfer des Faschismus, Bitterfelder Straße, werden Kränze niedergelegt.
24. Oktober: Der Klub für Gesellschaftstanz des RAW tritt mit einem Tanzturnier an die Öffentlichkeit. Vor zwei Jahren wurde dieser Klub von den Tanzpaar Weihmann gegründet.
30. Oktober: Das 75-jährige Jubiläum der Sparte „Rassegeflügel Delitzsch“ wird mit einer Kreisleistungsschau im Lindenhof begangen.

1964 Dezember
In der Kampagne der Zuckerfabrik werden jetzt täglich über 1.800 t Zuckerrüben verarbeitet.
Im Ziehwerk wird ein Kohleheizwerk mit einem Kostenaufwand von 2,1 Mio. Mark erbaut.
Das RAW hat 2.300 Beschäftigte. In diesem Werk werden sämtliche vierachsigen Reisezugwagen der Deutschen Reichsbahn gewartet.
In der „Leipziger Volkszeitung“ heißt es, dass im Zeitraum von 1957-1964 in Delitzsch-Nord und Delitzsch-Ost 1.200 Neubauwohnungen geschaffen wurden. In Delitzsch leben rund 24.000 Einwohner. Der Rat der Stadt Delitzsch besteht aus 11 Mitgliedern, die aus der Mitte der 55 Stadtverordneten entsprechend den Vorschlägen der Fraktionen der Parteien und gesellschaftlichen Organisationen vorgeschlagen werden. Die Parteien und Organisationen sind in der NF zusammengefasst. Dem Rat der Stadt gehören an:
Otto Paul, SED                   Vorsitzender des Rates und Bürgermeister
Gerhard Clasen, NDPD     1. Stellvertreter
Kurt Räuber, CDU              2. Stellvertreter
Günter Löhnert, SED         Sekretär des Rates
Dem Rat gehören ferner sieben ehrenamtliche Mitglieder an, davon ein Vertreter der LDPD und einer der DBD.
Nachdem durch Blitzschlag die alte Wohnhaus der Wassermühle in Benndorf, gelegen an der Rödgener Straße 8, stark beschädigt worden war, wurde das Gebäude vollständig abgebrochen. An dessen Stelle wurde unmittelbar darauf ein neues Wohnhaus erbaut. Die alte Wassermühle war bereits 1955 stillgelegt worden.


1965

1965 Januar
08. Januar: In einer Presseveröffentlichung wird der Perspektivplan für die Braunkohlenerschließung bekanntgegeben. Von 1967 bis 1969 sollen im Raum Schladitz, Lössen und Wolteritz die Aufschlussarbeiten durchgeführt werden. Diese Pläne werden bis 1976 nicht umgesetzt. Der 1969/70 vorgesehene Aufschluß eines weiteren Tagebaues im Raum Zaasch/ Schenkenberg, wird nicht realisiert.

1965 Februar
Der Malermeister Pawlowski, Hallesche Straße, der bereits mehrere Denkmalspflegearbeiten ausführte, hat die Restaurierung von Gemälden im Saal des Wölkauer Schlosses abgeschlossen.
20. Februar: Die Billard-Kegelmannschaft Lok Delitzsch I hat nach ihrem Sieg über Fortschritt West Leipzig den Aufstieg in die DDR-Liga geschafft.
25. Februar: Der Kreistag beschließt den Volkswirtschaftsplan 1965, worin der Baubeginn von 208 Wohnungen und die Fertigstellung von 142 Wohnungen, einer Schule und einer Kaufhalle in Delitzsch-Ost und die Ausstattung des Breiten Turmes mit einem Kupferdach enthalten sind.

1965 März
In den ersten Tagen des Monats führt starker Schneefall zu vielfältigen Behinderungen. Es werden deshalb alle Sportveranstaltungen ausgesetzt und die Sportler zur Unterstützung des Katastropheneinsatzdienstes beim Schneeräumen aufgerufen. Die Fernverkehrsstraßen 2 und 184 nach Leipzig können freigehalten werden. Ab dem 4. März sind unter Mitarbeit vieler freiwilliger Helfer die Verbindungsstraßen im Kreis wieder passierbar.
09. März: Die Firma Ernst Freyberg, Chemische Fabrik Delitia, hat auf der vom 28.02.-09.03. dauernden Jubiläumsmesse „800 Jahre Leipziger Messe“ Exportaufträge für Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln nach Bulgarien, Ägypten und Indonesien abgeschlossen. Der Direktor einer indonesischen Firma weilt in dieser Zeit zu einer Betriebsbesichtigung in Delitzsch.

1965 April
01. April: Die „Capitol-Lichtspiele“, Hallesche Straße 32, werden wegen zurückgegangener Besucherzahlen geschlossen.
05. April: An der Bahnunterführung in der Eilenburger Chaussee wird ein Fußgänger von einem Motorrad angefahren und tödlich verletzt.
18. April: Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das Kreismuseum mit einer Ausstellung junger Künstler der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig „Delitzsch ein Grafikzyklus“ wieder eröffnet. Das Schloss wird im Laufe des Jahres neu verputzt.

1965 Mai
02.-09. Mai: Aus Anlass der Feier zum „20. Jahrestag der Befreiung“ finden „Festtage der sozialistischen Kultur statt“. An der Festveranstaltung am 08. Mai nehmen der ehemalige stellvertretende Kreiskommandant bis 1948, Major Dubner, und der Politoffizier der sowjetischen Kommandantur 1945/46, Oberleutnant Astachow, teil. Beide sind als Gäste zu einem 14-tägigen Aufenthalt eingeladen worden.
12. Mai: Im Nachgang zu den Festtagen tritt das sowjetische Gesangs- und Tanzensemble NOHRA im Karl-Marx-Haus auf.
15. Mai: Bei Säuberungsarbeiten im Wallgraben wird am Wehr an der Stadtmühle in einem vermoderten Einkaufsbeutel eine weibliche Kinderleiche gefunden.
16. Mai: Der VEB Kraftverkehr eröffnet eine Bus-Ausflugslinie in die Dübener Heide. Der Bus fährt jeden Sonntag um 800 Uhr ab Wallgraben zum Forsthaus Oppin.
29. Mai: Der „Klub für Gesellschaftstanz“ im RAW veranstaltet ein Tanzturnier der Sonderklasse, an dem alle Paare der Spitzenklasse der DDR, darunter die amtierenden Meister der Senioren Heinz und Ruth Weihmann (Delitzsch) und der Junioren Hasso und Brigitte Busch (früher Delitzsch, jetzt Leipzig) teilnehmen.

1965 Juni
03. Juni: In der Stadtverordnetenversammlung wird bekanntgegeben, dass es trotz der umfangreichen Wohnungsneubauten immer noch 595 Wohnungssuchende in der Stadt gibt.
06. Juni: Der RAW-Chor fährt zu Pfingsten zu einer Konzertreise nach Rakovnik (CSSR), der Partnerstadt von Delitzsch.

1965 Juli
01. Juli: Der VEB Stadtwirtschaft wird gegründet. Sein Leiter, Peter Frey, wird der bisherige Leiter des VEB Kommunale Stadtwirtschaft.
Der seit März 1958 in Delitzsch amtierende evangelische Pfarrer Schierbaum wird als Superintendent nach Kemberg berufen.

1965 August
In diesem Monat finden in den Betrieben, in den Wohnbezirksausschüssen der NF sowie vor Arbeitskollektiven zahlreiche Rechenschaftslegungen von Abgeordneten der Stadtverordneten-versammlung statt. Damit verbunden ist die Kandidatenvorstellung für die kommende Legislaturperiode.
28. August: In der Beerendorfer Straße wird eine neue Schule eingeweiht, die den Namen „Otto-Grotewohl-Oberschule“ (heute Grundschule Ost) erhält. An der Einweihungsfeier nimmt die Witwe des ersten Ministerpräsidenten der DDR, Johanna Grotewohl, teil. Der Unterricht beginnt dort am 1. September mit 900 Schülern.

1965 September
21. September: Als 18. PGH des Kreises wird die PGH „Elektro-Rundfunk-Fernsehen“ unter dem Vorsitz von Elektromeister Bodo Quinque gegründet. Die seit 1958 entstandenen PGH hatten 844 Mitglieder und 25 Kandidaten vereint. Es gab noch 380 private Handwerker gegenüber 720 individuell arbeitenden Handwerksbetrieben vor 10 Jahren im Kreis Delitzsch.

1965 Oktober
04. Oktober: Die HO „Kaufhalle-Ost“ wird eröffnet und das HO-Café „Freundschaft“ (ehemals „Ledererbräu“ Kohlstraße) wird nach langer Schließzeit und nach einem Umbau der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.
Am 26. Oktober findet die konstituierende Sitzung des Kreistages Delitzsch statt. Diese Sitzung ist verbunden mit der Wahl des Rates des Kreises. Karl Hübner (SED) wird als Vorsitzender des Rates des Kreises bestätigt.
28. Oktober: Die Stadtverordneten wählen Otto Paul (SED) als Bürgermeister, stellvertretende Bürgermeister werden Gerhard Clasen (NDPD) sowie Johannes Stein (CDU).
30. Oktober: Mit dem Gewandhausquartett wird die neue Veranstaltungsreihe „Rathauskonzert“ eröffnet.

1965 November
05.-06. November: Erfolge der Delitzscher Schützen bei den DDR- Meisterschaften des Deutschen Schützenverbandes: Jugend B - Deutscher Meister Behrend Hubara (Einzel) und Mannschaftssieg zusammen mit Reiner Pönitzsch und Klaus Meyer; Jugend A - Arthur Schipolowski und Gerhard Teicher.
13. November: Im RAW findet vor den Werktätigen die Vereidigung von Soldaten der Dienststelle Bad Düben statt, wozu auch alle Schüler der Klassen 8-12 hinzugezogen werden.

1965 Dezember
07. Dezember: Das Arbeitertheater des RAW führt das Märchen „Rotkäppchen und der Wolf“ auf. In der Vorweihnachtszeit wird es in 15 Veranstaltungen gezeigt.
29. Dezember: Die Renovierungsarbeiten am Breiten Turm sind beendet. Er wurde neu verfugt und mit einem Kupferdach versehen.
Sieben Betriebe des Kreises Delitzsch mit staatlicher Beteiligung beschäftigen 530 Werktätige, davon 404 Produktionsarbeiter. Die Handwerksbetriebe produzierten und erbrachten Dienstleistungen im Wert von insgesamt 44,34 Mio. MDN. Der Anteil der privaten Handwerksbetriebe beläuft sich auf 18,8 Mio. MDN. Betriebe im Kreis und in der Stadt Delitzsch erbrachten folgende Leistungen:
VEB Delitzscher Süßwaren                        188,60 Mio.
            davon Export                                      1,03 Mio.
VEB Zuckerfabrik                                          24,60 Mio.
            davon Export                                      0,75 Mio.
BSB Ernst Freyberg OHG                             11,50 Mio.
            davon Export                                      3,20 Mio.
BSB Steinfurt KG Zschortau                          4,30 Mio.
            davon Export                                      0,10 Mio.
VEB Plastex                                                    4,90 Mio.
VEB Brauerei Krostitz                                   12,40 Mio.
Molkerei Delitzsch                                         20,90 Mio.
BSB Krombholz KG                                         2,63 Mio.
Der VEB Hochbau errichtete in diesem Jahr in der R.-Wagner-Straße eine neue Produktionshalle. Dieser Betrieb ist nicht identisch mit der unmittelbar benachbart liegenden PGH Hochbau, einem Zweigbetrieb des an der Leninstraße liegenden Hauptbetriebes. Der VEB Hochbau Delitzsch nannte sich um 1975 VEB Ingenieur-Hochbau Leipzig, Betriebsteil Nord und trug anschließend zuletzt bis 1990 den Namen VEB Bau- und Montagekombinat Süd-Betonwerk Delitzsch.


1966

1966 Januar
01. Januar: Die Gründung des „Schulze-Delitzsch-Frauenchores“ im VEB Delitzscher Kakao- und Schokoladenwerke wird vorbereitet. Es dauert noch bis zum Dezember, bis der Chor einen ersten Auftritt hat. Der Schulze-Delitzsch-Männerchor besteht bereits seit 1954.
25.-26. Januar: Auf dem Roßplatz wird in einem geheizten Zelt der Riesenwal Goliath ausgestellt. Er wog ursprünglich 68,2 Tonnen, ist 22 m lang, wurde 1954 in Norwegen gefangen und in Frankreich konserviert.

1966 Februar
24. Februar: Die Stadtverordneten beschließen den Haushaltsplan mit einem Umfang von 2,417 Mio. Mark; einen weiteren Schwerpunkt bildet der Wohnungsbau in Delitzsch-Ost.
25. Februar: Beim Vernichten von Magnesiumpulver im halbstaatlichen Betrieb Delicia erleiden drei Betriebsangehörige schwere Verletzungen, an deren Folgen sie nach einigen Tagen im Krankenhaus sterben.
27. Februar: Auf der F 183a ereignet sich kurz vor Delitzsch ein tödlicher Verkehrsunfall. Ein Motorradfahrer, von Storkwitz kommend, wird aus der Linkskurve herausgetragen und prallt gegen einen Baum.

1966 März
24. März: Die Eilenburger Straße wird aus Anlass des 20. Jahrestag der SED in Wilhelm-Pieck-Straße umbenannt.
27. März: Der Chor der Ehrenberg-Oberschule unter Leitung von Gerhard Münchmayer veranstaltet gemeinsam mit dem Staatlichen Orchester Leipzig, Solisten der Leipziger Oper und dem RAW-Männerchor ein Opernkonzert.

1966 April
24. April: Das VEG Saatzucht wurde bei der IGA-Eröffnungsschau mit zwei Goldmedaillen und einer Silbermedaille für seine Tulpen und Narzissen ausgezeichnet.
30. April: Nach umfangreichen Renovierungen wird das „Haus der jungen Talente“ in der Schloßstraße 30 wiedereröffnet. Vorhaben für seine Nutzung sind Gesprächsrunden mit prominenten Persönlichkeiten, Vorträge aus Wissenschaft und Technik sowie Literaturabende, Zirkel aus den verschiedensten Bereichen und die Pflege der Geselligkeit bei Tanzveranstaltungen.
Den LVZ-Staffellauf, an dem die Mannschaften der einzelnen Schulen teilnehmen, eröffnet die Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele vom Rom, Hanna Langer-Hübner, mit einem Startschuss. Die Siegerehrung nimmt Gustav-Adolf Schur vor.

1966 Juni
27. Juni: Der vom Konsum und der Zuckerfabrik in Eigenleistung geschaffene Kindergarten mit 60 Plätzen im Schlossgelände wird eröffnet. Diese in einer Baracke untergebrachte Tagesstätte wird bis zum Abbruch 1999 dafür genutzt. Sie befand sich auf dem Gelände des später rekonstruierten barocken Schloßgartens.

1966 Juli
12. Juli: Die Handballer von Traktor Delitzsch erzielen beim letzten Spiel der Saison gegen Stahl Calbe nur ein Unentschieden und steigen daher aus der DDR-Liga ab.

1966 August
20. August: Der seit 1945 stillgelegte Springbrunnen im alten Stadtpark, auch alter Heiligbrunnen genannt, wird wieder in Betrieb genommen.

1966 September
Das VEG Saatzucht beginnt mit der Neugestaltung der Grünflächen vor dem Unteren Bahnhof am Taxi-Stand.
10. September: Der GST-Fahrschullehrer Hilmar Schäfer wird bei einer Ausbildungsfahrt tödlich verletzt. Er war während der Fahrt auf das Trittbrett des LKW gestiegen, um ein fremdes Motorengeräusch zu überprüfen. Dabei stürzte er ab und wurde vom Hinterrad überfahren.

1966 Oktober
Anlässlich des „Tages der Republik“ am 7. Oktober findet ein Appell der Kampfgruppen auf dem Markt statt. Der 1. Sekretär der SED Kreisleitung, Richard Tänzer, verleiht der besten Hundertschaft das „Ernst-Thälmann-Ehrenbanner“ und zeichnet 172 Kämpfer mit der Medaille „Für treue Dienste in der Kampfgruppe der Arbeiterklasse“ aus. Gleichzeitig wird ein Militärkabinett im Schloss eröffnet. An diesem Tag erfolgt auch die Schlüsselübergabe für 36 WE eines Wohnblocks in der Beerendorfer Straße.
10. Oktober: Mit der Einführung eines arbeitsfreien Sonnabends für jede zweite Woche werden neue Öffnungszeiten des Einzelhandels eingeführt. Außer den Verkaufsstellen für Milch, Brot und Fleisch, die weiterhin am Sonnabend Vormittag geöffnet sind, beginnen alle anderen Geschäfte nach einem arbeitsfreien Sonnabend am folgenden Montag erst ab 1400 Uhr mit dem Verkauf.
13. Oktober: Der erste NAW-Einsatz zum Umbau der bisher für Altstoffeinlagerungen genutzten Halle in der Eilenburger Straße 80 zu einer Turnhalle wird von den Jugendlichen des RAW durchgeführt.
16. Oktober: Beim Endlauf zu den deutschen Touristik-Meisterschaften für Automobile bis 750 cm3 erringt Werner Ronneberg vom MC Delitzsch/Rackwitz auf „Wartburg“ die Goldmedaille und wird damit „Deutscher Touristikmeister“.
31. Oktober: In der Nacht zum 31. Oktober fällt in der Toilette der HOG „Linde“ eine Frau einem schweren Raubüberfall mit versuchter Vergewaltigung zum Opfer. Der Täter kann noch im Laufe des nächsten Tages gestellt werden. Er wird im folgenden Jahr als Wiederholungstäter zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

1966 Dezember
03. Dezember: Die ersten Tiere für den geplanten Tiergarten Delitzsch treffen aus dem Zoologischen Garten Wroclaw (Breslau) ein. Sie werden zunächst bei dem Genossenschaftsbauern Franz Kirsch untergebracht. Er hat die an seinem Gehöft in Klitzschmar angrenzende Sandgrube in den letzten Jahren in ein „Kleinod für Tiere“ umgewandelt.
07. Dezember: Bei einem Konzert „Melodien aus Wien“ des Staatlichen Orchesters Leipzig (Sitz Borna), einigen Solisten und dem Schulze-Delitzsch-Männerchor tritt auch der neue Schulze-Delitzsch-Frauenchor unter der Leitung von Dr. Petermann zum ersten Mal öffentlich auf.
17. Dezember: Ein siebenjähriger Junge wird in der Bitterfelder Straße in der Höhe des Wasserwerkes von einem PKW Trabant überfahren und erliegt wenig später seinen Verletzungen.


1967

1967 Januar
17. Januar: Der bekannte und beliebte Charakterdarsteller und Filmschauspieler Fred Delmare ist Gast einer Veranstaltung des WBA I in der HOG „Linde“.
23. Januar: Obermedizinalrat Dr. Dr. Schulze-Warnecke übernimmt als ärztlicher Direktor des Kreiskrankenhauses eine neue Krankenstation mit 34 Betten.

1967 Februar
04. Februar: Bei einem Leistungsvergleich der besten Chöre des Bezirks Leipzig belegt der RAW-Männerchor gemeinsam mit einem Leipziger Männerchor den ersten Platz.

1967 März
13. März: In einer im Januar aufgenommenen Sendereihe des Deutschen Fernsehfunks Berlin wird im März über die Betriebssportgemeinschaft Lok Delitzsch, Sektionen Boxen und Handball, berichtet.
21. März: Die „Ständige Kommission für kulturelle Massenarbeit“ der Stadtverordneten und der Stadtklub stellen ihre Konzeption zur Durchführung eines traditionellen Jahresstadtfestes ab 1968 in einer Einwohnerversammlung zur Diskussion. Daraus resultieren die ab 1968 veranstalteten Parkfeste.
Die 19. PGH im Kreis, die PGH „Kfz-Handwerk“ aus den ausschließlich Delitzscher Betrieben Müller, Bauer, Lehmann und Schumann wird gegründet. Ihr Vorsitzender wird Werner Müller.

1967 April
01. April: Eine neue vollautomatische selbstaufnehmende Straßenkehrmaschine beginnt mit ihren planmässigen Touren zur Säuberung der Straßen.
19. April: 3.550 Stunden waren notwendig, um in freiwilliger Arbeit südlich der Wilhelm-Pieck-Straße Nr. 80 (im Hintergrundstück) eine neue Turnhalle einzurichten und zur Nutzung freigegeben.

1967 Mai
01. Mai: Der „Feiertag der Arbeit“ steht im Zeichen der Vorbereitungen für die Wahlen zur Volkskammer und den Bezirkstagen. Als Kandidaten aus unserer Stadt sind für die Volkskammer die stellvertretende Kreisschulrätin Ursula Dörner (DFD) und der PGH-Vorsitzende Horst Heinrich (NDPD) sowie für den Bezirkstag der Schlosser Bruno Henger (FDGB) aus dem RAW, die Kraftfahrerin Hilde Grabsch (DFD) aus dem Ziehwerk und der Vorsitzendes der PGH „Dachdecker“ Adalbert Kittler (NDPD) vorgeschlagen worden.
Am 1. Mai erfolgt auf dem moorigen Wiesengelände, am Ende der Gartenanlage zum Rosenthal, der erste Spatenstich zum Bau des Delitzscher Tiergartens.
24. Mai: Die langjährige Obermeisterin des Damenschneiderhandwerkes und Mitbegründerin der PGH „Modezentrum“, Anna Herdam, verstirbt im Alter von 90 Jahren.

1967 Juni
18. Juni: Der Superintendent Hans-Joachim König, der seit 1951 dieses Amt ausübte, verstirbt im Alter von 66 Jahren.
27. Juni: Wolkenbruchartige Niederschläge führen zu einzelnen Kellerüberflutungen. Unter der Eisenbahnbrücke in der Karl-Marx-Straße zum RAW erreichte der Wasserstand eine Höhe von 1,70m.

1967 Juli
09. Juli: Einen Stadtvergleichskampf gegen eine Mannschaft aus Poznan (VR Polen) gewinnen die Boxer von Lok Delitzsch mit 10:6. Sie setzen damit unter ihrem Trainer Harry Moosbauer ihre diesjährige Siegesserie fort.
21. Juli: Der Konsum eröffnet eine neue Industriewarenverkaufsstelle für Rundfunk, Fernsehen und Elektrogeräte am Markt Nr.2. Sie hat unter anderem folgende Angebote:
Fernsehgerät Dürer 94 (47cm Bildröhre) für      1.620 Mark
Fernsehgerät Sybille 108 (59cm Bildröhre) für   2.050 Mark
Kühlschrank Kristall 140 für                                1.350 Mark
Waschmaschine Saalfeld für                                  570 Mark
Trockenschleuder Sicco für                                     400 Mark
Elektroherd EWS für                                                642 Mark
Bei der II. Kinder- und Jugendspartakiade des Bezirkes Leipzig erringt die Mannschaft der Schützen der Jugend B mit Behrend Habura, Martin Hoffmann und Harald Wendt bei 60 Schuss liegend mit 1.709 Ringen einen neuen deutschen Rekord.

1967 August
06. August: Bürgermeister Otto Paul, Stadtrat Clasen, Stadtrat Heinrich Binnoth und der Vorsitzende des Ortsausschusses der NF Helmut Glock eröffnen in Rakovnik (CSSR) eine Fotoausstellung „Delitzsch und seine Bürger im Jahr 1967“. Sie ist vom Museum gestaltet worden. Es werden in ihr 80 Großfotos des Fotografen Helmut Bode gezeigt. Mit der Stadt Rakovnik besteht seit Ende vorigen Jahres ein Freundschaftsvertrag.
15. August: 14 französische Kinder mit zwei Betreuern sind in der Otto-Grotewohl-Oberschule eingetroffen, um bis zum 30. August an den Ferienspielen der Kinder und Jugendlichen teilzunehmen.

1967 September
01. September: Im Süßwarenbetrieb „VEB Delitzscher“ wird die Produktion von krustenlosen Likörbohnen aufgenommen. Bis Jahresende sollen 30 Tonnen davon in den Handel kommen.
10. September: Die Sparte „Imker“ Delitzsch feiert in einer Festveranstaltung ihr 100-jähriges Bestehen.
Die Fa. OHG „Ernst Freyberg, Chemische Fabrik Delitia“, begeht mit einer Festwoche ihr 150-jährigen Bestehen. Sie ist die Geburtsstätte der weltbekannten „Delicia“ Schädlingsbekämpfungsmittel. Sie besitzt 74 registrierte Warenzeichen, von denen 35 auch in der BRD geschützt sowie acht international eingetragen sind. Die von den 225 Belegschaftsmitgliedern erzeugten Produkte werden in 24 Länder der Welt auf vier Kontinente exportiert. In der ersten Etage des Kreismuseums im Schloss wird aus diesem Anlass die Ausstellung „150 Jahre im Dienst der Schädlingsbekämpfung - von der Apotheke zum chemischen Industriebetrieb“ gezeigt. Der Festempfang im „Karl-Marx-Haus“ findet im Beisein mehrerer ausländischer Gäste statt. Auf dem Betriebsgelände wird ein neues Sozialgebäude eingeweiht. Am 17. September wird der Betrieb zum „Tag der offenen Tür“ von vielen Besuchern besichtigt.
16. September: Nach einer umfangreichen Rekonstruktion wird der „Lindenhof“ in der Grünstraße als HO-Gaststätte wiedereröffnet. Die Übergabe dieses traditionsreichen Arbeiterlokals nimmt der Bürgermeister Otto Paul vor.

1967 November
06. November: Als 20. PGH des Kreises gründen die Bäckermeister Kalms, Seefeld, Schlosser, Hahne aus Delitzsch und Höppner aus Schenkenberg sowie Willingshofer aus Krostitz die PGH des „Bäcker- und Konditorhandwerkes“. Sie umfasst 16 Mitglieder, Vorsitzender ist der Bäckermeister Kalms.
07. November: Im Kreismuseum wird zu Ehren des 50. Jahrestages der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ die Ausstellung „Die Entwicklung der Arbeiterbewegung seit der Jahrhundertwende“ und im Militärtechnischen Kabinett „Die Entwicklung der Sowjetarmee von den Roten Garden bis zu den strategischen Raketentruppen“ gezeigt.

1967 Dezember
02. Dezember: Zur Kulturkonferenz der Stadt wird beschlossen, dass unter der Regie des Stadtklubs die drei Kulturzentren „Lindenhof“, „Karl-Marx-Haus“ und „Schloss“ gebildet werden. Das laut Stadtverordnetenbeschluss vorgesehene traditionelle Volksfest soll als „Parkfest“ in Verbindung mit dem „Tag der Eisenbahner“ ab 1968 durchgeführt werden.
13. Dezember: Der Leiter des Moorbades Paul Völler rettet einen achtjährigen Jungen, der auf dem Lober hinter dem Moorbad im Eis eingebrochen war.
16. Dezember: In der Veranstaltungsreihe des Kreiskulturhauses „Achtung-Heitere Muse“ spielt Herbert Roth mit seinen Solisten auf.


1968

1968 Januar
10 Januar: Es setzt eine Kältewelle ein, die bis zum 15. Januar anhält. Die Temperaturen sinken bis auf -15o C. Starker Schneefall verursacht durch zahlreiche Verwehungen schwere Verkehrsstörungen. Die Katastrophenkommission wird am 11. Januar einberufen. In den Morgenstunden des 12. Januar sind im gesamten Kreisgebiet kaum noch Straßen durchgängig befahrbar. Auf der Bahnstrecke Halle-Delitzsch sind bei Klitzschmar zwei Züge, und auf der Bahnstrecke Delitzsch-Leipzig ist ein Zug im Schnee steckengeblieben. Nach pausenlosem Einsatz zahlreicher Hilfskräfte sind die Fernverkehrsstraßen ab 13. Januar wieder freigeräumt.
Ein Wetterumschwung mit Regen am 15. Januar führt durch Schmelzwasser zu Hochwasser. Betroffen sind Lober, Leine und Mulde. Die Schafsbrücke über den Lober am Rosenthal steht unter Wasser. Am 18. Januar ist die Gefahr gebannt.

1968 Februar
09. Februar: Im Sozialgebäude des RAW wird die 33. Folge der Sendung „Alte Liebe rostet nicht“ vom Radio DDR aufgenommen. Sie wird in altbewährter Weise von Günter Hansel und Manfred Uhlig, den Scherbelberger Musikanten und dem Radio DDR-Unterhaltungsorchester gestaltet.
22. Februar: Die Stadtverordneten beschließen den NAW-Plan des Jahres 1968. Die Schwerpunkte sind: Abschlussarbeiten zur Eröffnung des Tiergartens, Fertigstellung des Erweiterungsbaus Kindergarten-Ost (zusätzlich 100 Plätze), die Gestaltung der Außenanlagen am Schloss, der 2. Bauabschnitt Erweiterung des Freibades und der 2. Bauabschnitt Umbau „Lindenhof“, Rekonstruktion eines Teiles der Eilenburger Straße (Abschnitt Eisenbahnstraße-Töpfergasse) und den Abriß der Gebäude Markt 22 (mit Gaststätte „Roter Löwe) und Markt 23 (mit Gaststätte „Goldener Schwan“), für den geplanten Bau eines „HO-Kaufhaus“.
27. Februar: Es werden die bisher unter einer gemeinsamen Verwaltung stehenden Betriebe KWV und VEB Stadtwirtschaft getrennt. Als Leiter werden Peter Frey und Siegfried Schräpler bestätigt.
Die „HO-Kaufhalle Nord“ in der Mittelstraße wird neu erbaut eröffnet.

1968 März
20. März: In einer Veranstaltung des Kulturbundes spricht der Intendant der städtischen Bühnen Leipzig, Prof. Karl Kayser, Mitglied des ZK der SED und Volkskammerabgeordneter, über „Die sozialistische Verfassung der DDR.

1968 April
Am 5. April, dem Vortag des Volksentscheides über die Verfassung der DDR, findet am Abend ein Fackelumzug der FDJ und der Jungen Pioniere statt. Beim anschließenden Lagerfeuer tritt erstmals der „Delitzscher Singeklub“ der FDJ auf.

1968 Mai
Am 1. Mai wird im Breiten Turm eine Ausstellung des Kreismuseums „Delitzscher Baudenkmale“ eröffnet.
Im Festumzug zum 01. Mai wird eine im RAW gebaute „Parkbahn“ der Öffentlichkeit vorgeführt. Sie soll in Zukunft zwischen Roßplatz und Tiergarten zum Einsatz kommen.
05. Mai: Eine Familie in der Dübener Straße wird von einem schrecklichen Unglück betroffen. Während die Eltern verreist sind, werden die beiden Söhne, 14 und 18 Jahre alt, im Schlaf durch ausströmendes Gas aus der Backröhre des Gasherdes getötet.

1968 Juni
15. Juni: Der Bürgermeister Otto Paul übergibt offiziell den Tiergarten. Der erste Bauabschnitt umfasst 1,3 Hektar. Mit den weiteren Bauabschnitten soll der Tiergarten seine endgültige Größe von vier Hektar erreichen. Franz Kirsch, der Initiator dieser Einrichtung, erinnert noch einmal an die Anfangszeit. „Bei der Eröffnungsfeier, als das Blasorchester der LPG Schenkenberg mit flotten Weisen aufspielte, musste ich an die hektischen Monate zurückdenken. Die Anstrengungen haben sich jedoch gelohnt.“ Der Unionsfreund Kirsch unterstrich die Bedeutung der Wassergeflügelzucht, die der eigentliche Lebensnerv des Gartens ist. Durch gute Nachzucht war es nämlich möglich, zahlreiche Huftiere und Säuger aus den Tiergärten der DDR, der CSSR und der VR Polen einzutauschen. Bedeutende Geschenke erhielt der Tiergarten vom VEB Pelzbekleidung, es sind die beiden Braunbären. Die Trampeltiere spendete das BKK Bitterfeld.
Vom 28.-30. Juni findet auf der Festwiese im Stadtpark das 1. Delitzscher Parkfest statt. Es soll in Zukunft jährlich Ende Juni durchgeführt werden, wohl in Anlehnung an den Zeitpunkt des früher begangenen Peter- und Paul Tages. Eine Festplakette wird nach den Entwurf des Delitzscher Künstlers Heinrich Binroth geprägt. Mit etwa 33.000 Besuchern ist das 1. Parkfest ein großer Erfolg. Das vielseitige Programm findet viel Anklang. Es enthält Sport- und Musikveranstaltungen und ein gut gestaltetes Programm der Konzert- und Gastspieldirektion Leipzig. Das Parkfest endet mit einem Tagesfeuerwerk.
30. Juni: Die Tennismannschaft der Männer Lok I hat den Staffelsieg in der Staffel III der Verbandsliga errungen und wird mit dem Sieger der Staffel IV am 1. September um den Aufstieg in die Sonderliga der DDR kämpfen, den sie dann aber verliert.

1968 Juli
11. Juli: Eine schwere Explosion zerstört die Vinylchlorid/Polyvinylchlorid- Anlage im VEB Chemiekombinat Bitterfeld. Das Unglück forderte etwa 50 Tote und 260 Verletzte, wobei unter den Opfern auch zwei dort beschäftigte Einwohner aus Delitzsch und ein Einwohner aus Zschortau ihr Leben verloren. Die Explosion war so heftig, dass die Fenster der Westseite des Bitterfelder Bahnhofs und umliegender Häuser zu Bruch gingen.

1968 August
01. August: Es wird die „Gemeinschaft der Förderer des Tiergartens und der Grünanlagen“ gegründet. Augenblicklich sind 265 Tiere in 54 verschiedenen Arten im Tiergarten zu sehen.

1968 September
01. September: Es erfolgt die Schlüsselübergabe für den Erweiterungsbau des Kindergartens-Ost, in der Dübener Straße) der den Namen „Anne Frank“ erhält. Mit 100 zusätzlichen Plätzen werden jetzt in der Stadt 700 Kinder ganztägig und 40 Kinder halbtags betreut.
Nachdem das Kreisgericht aus dem Schloss ausgezogen ist, werden der Kreismusikschule fünf Räume und dem Wehrkreiskommando ein Raum für das Militärkabinett übergeben. Weitere Räume erhält das Kreismuseum.
02. September: Im Zuge der Beseitigung von Sturmschäden erhält die Turmkuppel des Halleschen Turmes ein neues Dach aus Kupferblech. Dafür stellt der Rat der Stadt 27.250 Mark zur Verfügung.
8. September: Der am 1. Juli berufene evangelische Superintendent Otto Martin, geboren 1923 in Crottendorf/Erzgebirge, wird im Beisein von Probst Berndt in sein Amt eingeführt.

1968 Oktober
13. Oktober: Bei den Deutschen Meisterschaften im Schießen erringt die B-Jugendmannschaften der GST des RAW mit den Kameraden Hoffmann, Hänsel und Wendt sowie im Einzelklassement der Kamerad Martin Hoffmann den Titel „Meister der DDR“.

1968 November
November: Mit Beginn des Monats ist die Produktion in dem halbstaatlichen Betrieb „Krombholz KG, Zigarrenfabrik“ vollständig auf die Produktion von Metallwaren umgestellt worden. Produziert wird an den beiden Standorten Hallesche Straße/ Ecke Badergasse und im Hofgebäude Ritterstraße 6/8. Die Zigarrenfabrikation war bereits seit Mai zurückgefahren und die hierbei eingesetzten Arbeiterinnen wurden auf ihre neue Tätigkeit umgeschult. Ab Juli begann die Montage von Büroheftern und Heftzangen. Es folgten die Herstellung von Thermoschaltern und Reglern. Mit den jetzt montierten Metallverarbeitungsmaschinen können alle Vorprodukte zur Endmontage von Warmwasserbereitern hergestellt werden.

1968 Dezember
Am 1. Dezember wird beim Rat der Stadt eine „Abteilung Zivilverteidigung13 und Innere Angelegenheiten“ gebildet, die dem Bürgermeister direkt unterstellt ist.


1969

1969 Januar
11. Januar: Auf der Kreisdelegiertenkonferenz der Nationalen Front wird der Kommissionshändler Friedrich Leutelt (NDPD), Mitglied des Nationalrates der NF der DDR und Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Bronze, zum Vorsitzenden des Kreisausschusses der NF gewählt.
16. Januar: In der Ratssitzung wird der Abbruch des Kriegerdenkmales am Halleschen Turmes, das an den Deutsch-Französischen Krieg 1870-1871 erinnert, bis zum 31. März gefordert. Im Vorjahr wurde in einer Eingabe ausgesagt, dass dieses Denkmal unserer Gesellschaftsordnung unwürdig sei. Teile des Denkmales sind später auf der einstigen Deponie im heutigen Stadtteil Delitzsch-West gefunden worden.
27. Januar: Die bekannte und von der Einwohnern der Stadt Delitzsch geachtete Ärztin Frau SR Dr. med. Anna Schröder verstirbt im Alter von 90 Jahren. Über fast fünf Jahrzehnte hat sie ihre Arbeit in der Praxis am Wallgraben mit großer Hingabe ausgeübt.

1969 Februar
06. Februar: Die Stadtverordneten beschließen den Volkswirtschaftsplan 1969, in dem beispielsweise vorgesehen sind:
Baubeginn einer Großbäckerei
Eröffnung des erweiterten Freibades
Gestaltung des Schlossplatzes
III. Bauabschnittes des Tiergartens
Verbreiterung der Wilhelm-Pieck-Straße
Eigenleistungen der Betriebe und Wohnbezirke in Höhe von 6,5 Millionen Mark
Abbruch der Gaststätten „Löwe“ und „Schwan“ am Markt.
15. Februar: Die Schillerbrücke, einst aus Gusseisen, muss wegen baulicher Mängel abgerissen werden. An deren Stelle wird eine Brücke aus Spannbeton errichtet. Am 28. April 1905 war dort die erste Brücke über den Stadtgraben errichtet worden. Wegen der bevorstehenden Feier des 100. Todestages des Dichters Friedrich Schiller am 9. Mai erhielt die Brücke den Namen „Schiller-Brücke“.

1969 März
17. März: Die Sauna am Freibad wird eröffnet. Die Benutzung kostet für Erwachsene 2,-M, für Rentner und Jugendliche 1,-M. Sie steht an drei Tagen für Frauen und an drei Tagen für Männer zur Verfügung.

1969 Mai
01. Mai: Am Festumzug des 1. Mai nehmen etwa 10.000 Personen aus dem Kreisgebiet teil. Dieser Tag war dem 20. Jahrestag der DDR und dem 5. Turn- und Sportfest gewidmet.
Am 23. Mai erscheinen der Bürgermeister der Stadt Delitzsch mit Vertretern der Bezirksbehörde und der Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit bei der Familie Freyberg und fordern ultimativ den Verkauf der von der Staatssicherheit bisher gemieteten Grundstücke Am Wallgraben 6-8. Da seitens der Familie Freyberg keine Veranlassung zu einem solchen Verkauf besteht, versucht man, durch restriktive Maßnahmen sich dieser Grundstücke zu bemächtigen. Eingaben und Beschwerden der Betroffenen haben keinen Erfolg. Nötigung und Drohungen führen schließlich nach fast sechsmonatigen Verhandlungen zum Zwangsverkauf von Teilen des Grundstückes an das Ministerium für Staatssicherheit.

1969 Juni
21. Juni: Nach zweijähriger Bauzeit wird anlässlich der V. Kreis- und Jugendspartakiade eine 50-m-Wettkampfbahn im Elberitzbad eingeweiht.
27.-29. Juni: Beim 2. Parkfest sind Auftritte von Hochseilartisten, einem sowjetischen Volkskunstensembles sowie Boxkämpfe der Mannschaft der BSG Lok Delitzsch gegen eine Staffel von Gornik Bydgoszcz (VR Polen) besondere Höhepunkte.

1969 Juli
03. Juli: Bei der diesjährigen Zählung der unter Schutz gestellten Großtrappen wird in unserem Kreis ein Bestand von 43 Stück festgestellt. Mit der späteren Erschließung der Tagebaue im Südwesten des Kreises Delitzsch verlieren die Großtrappen ihren Lebensraum.
15. Juli: In einer vom „Klubrat Schloss“ organisierten Veranstaltung hält der Ex-Weltmeister und Sieger der Friedensfahrt, Bernhard Eckstein, der nun als Fotoreporter tätig ist, im „Haus der jungen Talente“ einen Farb-Dia-Vortrag „Die Friedensfahrt“.

1969 September
Die Sektion Billardkegeln der BSG Lok Delitzsch erhielt den ehrenvollen Auftrag, Gastgeber für die „Deutschen Meisterschaften der DDR“ im Billardkegeln zu sein. Die Meisterschaften werden vom 19.-21. September im Sportbereich des RAW ausgetragen.

1969 Oktober
Am 01. Oktober werden Karl Hübner, Vorsitzender des Rates des Kreises, und Richard Tänzer, erster Sekretär der Kreisleitung der SED, mit dem „Vaterländischen Verdienstorden“ in Bronze ausgezeichnet.
04. Oktober: Der vom WBA Süd VI im Rahmen der „Volkswirtschaftlichen Masseninitiative“ geschaffene Kinderspiel- und Sportplatz an der Oststraße wird den Kindern zur Nutzung übergeben.
Am 7. Oktober wird der 20. Jahrestag der Gründung der DDR mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz und einer Festveranstaltung begangen. Auf dieser Veranstaltung werden verdienstvoller Bürger des Kreises Delitzsch ausgezeichnet.

1969 November
In den seit einigen Jahrzehnten geschlossenen Gasträumen der Gaststätte Lindenhof in der Grünstraße, wird in diesem Monat wieder der Gaststättenbetrieb aufgenommen. Sie trägt den Namen „Lindenklause“ und ist ein „Bulgarisches Nationalitätenrestaurant“.

1969 Dezember
23. Dezember: Eine Einwohnerin der Stadt fällt früh Morgens einem Verbrechen zum Opfer, an dessen Folgen sie stirbt. Der 29-jährige Täter wird nach einigen Stunden von der Polizei festgenommen.


1970

1970 Januar
In der Silvesternacht setzt starker Schneefall ein, so dass mit Jahresbeginn erhebliche Störungen im Straßenverkehr auftreten. Die Straße Delitzsch-Krostitz ist zeitweise wegen hoher Schneeverwehungen unpassierbar. Bis 5. Januar sind noch viele Nebenstraßen zu den Dörfern nur einseitig befahrbar. Erst ab 6.Januar lässt der Schneefall nach.
01. Januar: Es wird der VEB Reko-Bau, mit Sitz in der Schkeuditzer Straße, gegründet. Er soll zum Leitbetrieb für alle in der Erzeugnisgruppe Baureparaturen erfassten kreisgeleiteten Betriebe entwickelt werden.
Das Büro für Städteplanung legt einen Bebauungsplan vor, wonach der komplexe Wohnungsbau in Delitzsch-Nord für vorerst 755 Wohnungen vorbereitet wird.
06. Januar: Wegen Personalmangels wird der Verkauf von Fahrausweisen am Oberen Bahnhof eingestellt. Sie sind nun am Schalter des Unteren Bahnhofs erhältlich.
21. Januar: Der Ärztliche Direktor des Kreiskrankenhauses Dr. Dr. Schulze-Warnecke legt auf eigenen Wunsch seine Funktion als Kreisarzt und Mitglied des Rates des Kreises nieder. Diese Aufgabe wird von Dr. Harald Heuschkel übernommen.

1970 Februar
13. Februar: Die Boxgemeinschaft Lok Delitzsch/SC Lok Leipzig II bestreitet ihren ersten Punktekampf in der DDR-Liga um die Deutsche Meisterschaft gegen BSG Turbine Freiberg. Sie gewinnen mit 18:0.

1970 März
05. März: Es setzt starker Schneefall ein, der bis zum 9. März andauert. Am 6. März sind dadurch die Straßen nach Eilenburg, Leipzig, Bad Düben und Bitterfeld zeitweilig gesperrt.
22. März: Die Kommunalwahl in der DDR wird auch in Delitzsch durchgeführt.
27. März: Die PGH Aufbau hat mit Unterstützung anderer Betriebe die neue Schillerbrücke fertiggestellt.

1970 April
04. April: Der hiesige Bürger Goldstein rettet einen vierjährigen Jungen aus der Gutenbergstraße im Lober vor dem Ertrinken.
11. April: Zu Beginn der „Lenin-Tage“, die zu Ehren des 100. Geburtstages von W. I. Lenin bis zum 22. April andauern, wird ein „Internationaler Subbotnik“ durchgeführt. Es werden deshalb alle Sportveranstaltungen abgesagt. Im Kreis beteiligen sich 8.500 Bürger, die eine freiwillige Arbeit zur Aufholung von Planrückständen in den Betrieben, bei der Altstoffsammlung, an NAW-Objekten der Wohnbezirke oder in der Grünanlagenpflege leisten.
15. April: Die Beerendorfer Straße wird während einer Feierstunde in „Lenin-Straße“ umbenannt. Dabei wird vor der Kaufhalle Ost eine vom Bildhauer Dieter Dietze geschaffene Lenin-Büste enthüllt.
16. April: In der konstituierenden Sitzung der neuen Stadtverordnetenversammlung wird Otto Paul (SED) als Bürgermeister wiedergewählt. Erster Stellvertreter des Bürgermeisters wird Gerhard Clasen (NDPD), zweiter Stellvertreter wird Manfred Salomon (CDU). Dazu werden noch neun weitere Abgeordnete in den Rat gewählt. Die Kreistagsabgeordneten wählen Karl Hübner (SED) wieder zum Vorsitzenden des Rates des Kreises.
22. April: An einer Festveranstaltung anlässlich des 100. Geburtstages von Lenin nehmen Angehörige der Sowjetarmee und sowjetische Genossen, die im VEB Ziehwerk an einem Invest-Objekt mithelfen, teil. Die Festansprache hält der 1. Sekretär der SED Kreisleitung Richard Tänzer unter dem Motto „Der Leninismus ist die feste Basis aller unserer Erfolge.“ Das Kulturprogramm wird vom Staatlichen Orchester Leipzig, dem EOS-Chor, dem Schulze-Delitzsch Männerchor und von Rezitatoren der EOS gestaltet.
26. April: In der Eilenburger Chaussee wird ein 77-jähriger Radfahrer von einem in Richtung Mocherwitz fahrenden PKW erfasst und tödlich verletzt.
29. April: Vor der Bitterfelder Straße 9 ereignet sich ein weiterer tödlicher Verkehrsunfall. Ein bei der Aschekübelentleerung rückwärts fahrendes Müllfahrzeug des VEB Stadtwirtschaft überfährt ein dreijähriges Kind.

1970 Mai
01. Mai: Auf dem Stadtgraben ist ein von einem Spezialbetrieb gefertigtes beleuchtetes Wasserspiel in Betrieb genommen worden. Es ist von der PGH Aufbau im Rahmen des Wettbewerbs „Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit“ installiert worden.
22. Mai: Die DDR-Fußballauswahlmannschaft der Junioren erringt in einem Europawettkampf in Schottland den Turniersieg. Der Mannschaft gehört seit längeren der 19jährige Delitzscher Joachim Fritzsche an, der schließlich 1973 auch in der DDR-Nationalmannschaft aufgenommen werden wird.
24. Mai: Die BSG Lok begeht in einer bis zum 31. Mai dauernden Festwoche ihr 25-jähriges Bestehen. Sie hat sich von sieben Sektionen mit 208 Mitgliedern bei ihrer Gründung auf 13 Sektionen mit 2.240 Mitgliedern entwickelt. Besonders erfolgreich sind die Sektionen Tennis, die in der Verbandsliga spielt, und Radpolo, die der DDR-Liga angehört.
29.-30. Mai: Es findet ein Beethoven-Konzert statt, das vom großen Chor und vom Kammerchor der EOS, dem RAW Männerchor, dem Staatliche Orchester Leipzig und Solisten aus Leipzig und Altenburg gestaltet wird. Es bildet gleichzeitig den Auftakt zu den 1. Arbeiterfestspielen des RAW, die bis zum 19. Juni dauern.
30. Mai: Zur Eröffnung der Badesaison wird ein neues Lehrschwimmbecken mit 25-Meter-Bahnen übergeben. Damit ist die Erweiterung des Freibades abgeschlossen.

1970 Juni
14. Juni: Am 2. Jahrestag des Tiergartens kann der Tiergartenleiter Franz Kirsch 1.560 Besucher begrüßen. Zur Zeit weist der Tiergarten einen Bestand von 280 Tieren in 80 verschiedenen Arten auf. Neue Errungenschaften sind zwei Rhesusaffen und ein Puma. Der VEB Rohrtechnik übernimmt den kostenlosen Bau eines Bärenzwingers.
Die „Froschmühle“ im Delitzscher Ortsteil Kertitz ist als Ausflugsgaststätte wieder eröffnet worden.
17. Juni: Es beginnt der 2. Bauabschnitt in der Wilhelm-Pieck-Straße (Eilenburger Straße). Dazu wird der Durchgangsverkehr Kreuzungsbereich Töpfergasse bis zum Roßplatz gesperrt. Mit der Hauptinstandsetzung wird der Bau eines Telefonkanals und die Verbreiterung ab Wilhelm-Pieck-Straße 30 um 2,5 Meter verbunden. Nach Abschluss der Arbeiten wird am Roßplatz eine Verkehrsampel installiert.
28.-29. Juni: Zum 3. Parkfest findet ein Leistungsvergleich der sechs Blasorchester des Kreises satt. Das Orchester des RAW erhält das Prädikat „Leistungsklasse A“ (Oberstufe).

1970 Juli
09. Juli: Im Mehrzweckgebäude des Stadions der Eisenbahner findet ein Forum mit dem FIFA-Schiedsrichter Rudi Glöckner statt. Er leitete das Finalspiel der Weltmeisterschaften in Mexiko, Brasilien gegen Italien.
24. Juli: Auf dem Roßplatz findet ein Gemüsemarkt statt, auf dem jeweils vom Donnerstag bis Sonnabend vom sozialistischen Handel (Konsum und HO) Gemüse, Obst und Gefäße zum Einkochen angeboten werden.

1970 August
Die Mindestrenten in der DDR sind zu diesem Zeitpunkt auf äußerst niedrigem Niveaus festgesetzt. Es erhält beispielsweise im August diesen Jahres eine Frau aus Delitzsch nach 36jähriger Berufstätigkeit ihren Bescheid über den Bezug der Altersrente, der auf 254,06 Mark berechnet wurde.

1970 September
In diesem Monat werden in einer Ausstellung im Kreismuseum Grafiken mit Ansichten der Altstadt gezeigt, die von Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, unter der Leitung von Prof. Wolfgang Mattheuer, geschaffen worden sind.
24. September: In einer Auszeichnungsveranstaltung wird dem Ehrenberg-Chor in Leipzig der Titel „ Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ verliehen.

1970 November
07. November: Ein vom WBA Süd VI als NAW-Objekt geschaffener Spielplatz mit Verkehrskindergarten an der Oststraße wird eingeweiht.
14. November: In der Wilhelm-Pieck-Straße. wird die Vereidigung von Soldaten aus der Pateneinheit der NVA aus Halle, in der viele Soldaten aus dem Kreis dienen, vorgenommen. Nachmittags sind die Soldaten Gäste in den Betrieben, abends findet im Karl-Marx-Haus ein Soldatenball statt.

1970 Dezember
04. Dezember: Die Freiwillige Feuerwehr begeht mit einer Festveranstaltung ihr 110-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden vom Bürgermeister Otto Paul Beförderungen und Auszeichnungen mit der „Medaille für treue Dienste“ und der „Ehrennadel der Stadt“ an den Wehrleiter Theo Rödler und dessen Stellvertreter Werner Franke vorgenommen.
Am 6. Dezember findet gemeinsam mit den Betriebsfeuerwehren ein „Kampfappell“ auf dem Markt statt.
08. Dezember: Beim „Abend der heiteren Muse“ tritt das bekannte Gesangsduo Monika Hauff und Klaus-Dieter Henkler auf.
22. Dezember: Der Sportler Erich Pornack von der Sektion Kegeln der BSG Lok ist DDR-Vizemeister der Senioren geworden. Am 29. Dezember erringt die Sektion Billardkegeln der BSG Lok in der DDR-Liga (Staffel Ost) den Herbstmeistertitel.


1971

1971 Januar
11. Januar: In der Wilhelm-Pieck-Straße ereignet sich in Höhe der Querstraße ein tödlicher Verkehrsunfall. Ein Omnibus erfasst einen Fußgänger beim Überqueren der Straße. Der Verletzte verstirbt am Abend im Krankenhaus Delitzsch.

1971 März
20. März: Die Volks-, Berufs-, Wohnraum- und Gebäudezählung ergibt: Der Kreis hat 56.290 Einwohner, davon wohnen 24.409 Einwohner in der Kreisstadt.

1971 April
Es wird mit der Umgestaltung des Elberitzplatzes in Gemeinschaftsarbeit zwischen Betrieben der Stadt, der Comenius-Oberschule und den Einwohnern des WBA Süd II im Rahmen des NAW begonnen. Weitere Objekte sind die Gestaltung der Grünfläche am Oberen Bahnhof und einer Freifläche in der Eilenburger Chaussee.
24. April: Auf der Kreisdelegiertenkonferenz der SED wird Richard Tänzer als 1. Sekretär der Kreisleitung wiedergewählt.

1971 Mai
29. Mai: In der Nacht wird bei einer Messerstecherei ein Bürger der Stadt tödlich verletzt. Der Täter kann kurz danach ermittelt und in Haft genommen werden.

1971 Juni
12. Juni: Der Zuckerfabrik wird eines der 114 Ehrenbanner des ZK der SED für hervorragende Leistungen im Wettbewerb zu Ehren des VIII. Parteitages verliehen. Sie steht an der Spitze aller Zuckerfabriken der DDR und soll aufgrund dieser Erfolge zum Modellbetrieb der Zuckerindustrie entwickelt werden.
29. Juni: Beim 4. Parkfest tritt das Ensemble der sowjetischen Streitkräfte „Nohra“ mit 75 Mitwirkenden auf. Weitere Höhepunkte sind die Darbietungen der Hochseiltruppe Geschwister Weisheit, das Dressurreiten der Sektion Reitsport Löbnitz und der Auftritt des Meistertanzpaares Weihmann.
30. Juni: Entsprechend des Volkswirtschaftsplanes werden 12 Wohnungen in der Karl-Liebknecht-Straße (Bismarckstraße) und 32 Wohnungen in der Breitscheid-Straße fertiggestellt und den Mietern übergeben.

1971 Juli
01. Juli: Der evangelischen Pastorin Haaß wird die 3. Pfarrstelle im Bereich Delitzsch-Ost übertragen.
09. Juli: Eine Ammoniakleitung, die das Argarchemische Zentrum mit den Leunawerken „Walter Ulbricht“ verbindet, ist fertiggestellt. Damit wird die Stickstoffdüngung mit flüssigem Ammoniak auch auf den Feldern des Kreises wesentlich vereinfacht.

1971 August
11. August: Im Stadion der Eisenbahner findet erstmals ein Fußball-Länderspiel statt. Vor 2.000 Zuschauern spielen im „Turnier der Freundschaft“ die Junioren-Mannschaften der UdSSR und Kuba (Ergebnis 2:2).

1971 September
01. September: Der Kinderhort im VEB „Delitzscher“ zur Betreuung von 250 Kinder, in der Ludwig-Jahn-Straße, wird eröffnet.

1971 November
12. November: Der Betriebsleiter der Krombholz KG Metallverarbeitung und Vizepräsident des Deutschen Handballverbandes der DDR, Wolfgang Ley, wird mit der höchsten Auszeichnung des DTSB, der „Friedrich-Ludwig-Jahn-Medaille“ geehrt.

1971 Dezember
15. Dezember: Das vor fünf Monaten gegründete Kinderballett des VEB „Delitzscher“ tritt zur Weihnachtsfeier im Lindenhof mit dem Stück „Das verlorene Märchenbuch“ zum ersten Mal öffentlich auf.
18. Dezember: Der ehemalige Turner der BSG Lok, Lutz Mack, (jetzt SC Chemie Halle) wird bei den Meisterschaften der DDR gemeinsam mit Klaus Köste Deutscher Meister im Pferdsprung und belegt den 3. Platz im Bodenturnen.
Im Verlauf diesen Jahres war der halbstaatliche Betrieb Metallwaren Hans Krombholz KG zum VEB Metallwaren umgestaltet worden.


1972

1972 Januar
Januar: Die Kreispoliklinik wird aus der Struktur des Kreiskrankenhauses herausgelöst und als selbständige Einrichtung von fortan von Dr. Helmut Stietzel geleitet.
Die Süßwarenfabrik VEB „Delitzscher“ arbeitet ab jetzt zur Ausnutzung der im vorigen Jahr installierten hochproduktiven Anlage im 2-Schicht-System.

1972 März
14. März: Im Kreismuseum wird die 1. Kunstausstellung des Kreises eröffnet. Sie zeigt 156 Werke, die von Laienkünstlern geschaffen wurden.

1972 April
02. April: Der 16jährige Nachwuchsboxer Norbert Lösch der BSG Lok wird bei den Jugendmeisterschaften DDR-Vizemeister.
06. April: Die Arbeiten für den Ausbau eines Grüngürtels um die Stadt werden begonnen. Hierbei erfolgen Baumanpflanzungen vom Dr.-Laue-Weg bis zum Tiergarten und die Bepflanzung des Rodelberges. Gleichzeitig wird auf dem Gelände zwischen dem Lober und der Richard-Wagner-Straße ein Laubwald, vorwiegend Pappeln, angepflanzt. Dieser soll als Schutzgürtel gegen Schadstoffbelastungen des mit Kohle betriebenen Heizhauses der Zuckerfabrik dienen.
15. April: Das Mandolinenorchester begeht sein 50-jähriges Bestehen mit einem Konzert im Karl-Marx-Haus. Der langjährige Ensembleleiter Gustav Exner wird vom Bürgermeister Otto Paul mit der „Ehrennadel der Stadt“ ausgezeichnet.

1972 Mai
01. Mai: Das Privatunternehmen mit staatlicher Beteiligung OHG Ernst Freyberg, chemische Fabrik Delitia Delitzsch wird verstaatlicht. Es firmiert jetzt unter dem Namen „VEB Delicia“.
Das VEG „Saatzucht“ weiht in der Leipziger Straße, südlich des Bahnüberganges, ein Sozialgebäude ein. Daneben ist eine Vermarktungshalle zum Sortieren und Verpacken von Blumenzwiebeln im Bau. In diesem Jahr sollen über 1,5 Millionen Tulpen-, 600.000 Gladiolen-, 900.000 Narzissenzwiebeln und andere Zierpflanzen zum Versand kommen. Die Blumenanbaufläche beträgt 31 Hektar.
26. Mai: Zwischen Rackwitz und Krensitz findet die letzte Personenbeförderung der „Delitzscher Kleinbahn“ statt. Bereits seit 1966 hatte man abschnittsweise andere Teile dieser einstmals umfangreichen Kleinbahnstrecke stillgelegt.

1972 Juni
11. Juni: Die Süßwarenfabrik VEB „Delitzscher“ erhält für ihr Erzeugnis „Korallensplitter“ eine der 49 Goldmedaillen, die auf der „Agra-Markkleeberg“ für Produkte der Nahrungsmittelindustrie verliehen werden.
19. Juni: Die zentrale Produktionsstätte der PGH des Bäcker- und Konditorhandwerks am Naundorfer Weg (Abriss 1998, dann Extra-Markt) nimmt die Produktion auf. Dort stellen 50 Mitarbeiter vorerst vier verschiedene Sorten Brot, Brötchen und 32 Konditorwaren her.
23. Juni: Zum 5. Parkfest tritt das bulgarische Volkskunstensemble „Plowdiv“ mit 24 Tänzerinnen und Tänzern sowie einem Orchester auf. Insgesamt werden für das Fest 17.000 Plaketten verkauft.

1972 Juli
Die beiden 14-jährigen Mädchen Karin Tennler und Sigrid Zimmermann sind bei den Hallenradsportmeisterschaften der Schüler DDR-Meister im Radpolo geworden.
22. Juli: Die Eröffnung der Tennis-Meisterschaften der Pioniere und Schüler nimmt der Vizepräsident des DDR-Tennisverbandes Karl-Heinz Sturm vor. Er gehörte früher der Sektion Tennis der BSG Traktor Delitzsch an und war mehrfacher DDR-Meister in der Einzel- und in der Doppel-Disziplin. Auch als Torhüter in der Handball-Ligamannschaft der BSG Traktor zeichnete er sich als hervorragender Sportler aus.

1972 September
Die barocken Sandsteinverzierungen am Schlossportal und die auf der Brücke zum Schlosseingang sind von dem Dresdener Bildhauer Hempel restauriert und teilweise ersetzt worden.
Die Jugendmannschaft der GST-Tauchsportler des RAW ist in der Disziplin Mannschaftsübung DDR-Meister geworden. Die Herrenmannschaft errang in der Gesamtwertung die Silbermedaille. Der Radsportler der BSG Lok Hans-Dieter Pfordte hat mit drei weiteren Sportlern des Bezirkes Leipzig bei den DDR-Meisterschaften den 1. Platz im 50 km-Vierer-Straßenmannschaftsfahren belegt.

1972 Oktober
13. Oktober: Bei der diesjährigen Versammlung der BSG Lok gibt der Vorsitzende Erich Bielig bekannt, dass sie mit 2.552 Mitgliedern in 14 Sektionen zu einer der größten Sportgemeinschaften der DDR gehört. Hierbei wird die 73-jährige Else Fischer, die noch als Übungsleiterin für Schwimmen und Turnen aktiv ist, mit der höchsten Auszeichnung des Deutschen Turnverbandes der DDR, der „Ehrenurkunde des DTV“ geehrt.
Der RAW-Männerchor und das Blasorchester des RAW sind mit dem Titel „Hervorragendes Volkskunstensemble der DDR“ ausgezeichnet worden.

1972 November
In den Abendstunden des 12. November brennt die im Hof der Friedens-Oberschule für Kinder von Angehörigen der Volkspolizei eingerichtete Kindergartenbaracke vollständig nieder. Der Schaden beträgt 420.000 Mark. Die Kinder werden ab sofort in anderen Einrichtungen betreut. Ein Neubau im Stadtpark wird bereits im Dezember vorbereitet.

1972 Dezember
14. Dezember: Auf Einladung des WBA Süd VI hält der bekannte Sportreporter Heinz Florian Oertel in Delitzsch einen Lichtbildervortrag über die olympischen Sommerspiele in München.
30. Dezember: Der Erweiterungsbau der Pestalozzi-Schule für Lernbehinderte in der Weststraße ist fertiggestellt. Dadurch sind acht neue Klassenräume entstanden.
Die wirtschaftlichen Umbrüche in diesem Jahr in der DDR, haben auch für kleinere volkseigene Delitzscher Betriebe Veränderungen nach sich gezogen. Es kam zur Gründung des „Agrochemischen Zentrum (ACZ)“, mit Sitz in der Schkeuditzer Straße 80 (heute Delitzscher Landhandel- und Dienstleistungs GmbH). In diesem Jahr erfolgte auch der Zusammenschluß der VdgB-BHG „Delitzsch-Ost“ (Sitz Dübener Straße 42) und der VdgB-BHG „Delitzsch-West“ (Sitz in der Walzenmühle, Leipziger Straße) zur gemeinsam verwalteten „Bäuerlichen Handelsgenossenschaft“ (BHG) mit Sitz in der Leipziger Straße.


1973

1973 Januar
Der VEB Stadtwirtschaft hat die letzten noch in Betrieb befindlichen Gas-Straßenleuchten durch moderne elektrische Leuchten ersetzt.
Die ständig gestiegene Verschmutzung des Lobers und des Stadtgrabens durch Abwässer der Industrie (LW Rackwitz, Ziehwerk, Zuckerfabrik) und durch die Landwirtschaft, haben den Bau einer zentrale Kläranlagen erforderlich gemacht. Eine neue mechanische Reinigung wurde als Provisorium errichtet. Diese geht in diesem Monat in Betrieb. Damit ist auch die Voraussetzung für die Schlämmung des Stadtgrabens gegeben, die im Rahmen der „Sommerinitiative der Schüler und Studenten“ in diesem Jahr mit drei Durchgängen der Schüler der 9.-12. Klasse durchgeführt wird.

1973 Februar
16. Februar: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Heitere Muse“ findet im Rathaussaal ein „Busch-Abend“ mit dem bekannten Schauspieler NPT Günter Grabbert statt.

1973 März
18. März: Auf der Leipziger Frühjahrsmesse wird das Süßwarenwerk VEB Süßwaren „Delitzscher“ vom Außenhandelsorgan der DDR und der VVB als bester Exportbetrieb des Industriezweiges ausgezeichnet.
23. März: Eine Feldscheune im Ortsteil Gertitz wird durch einen von Kindern im Alter von 14 Jahren verursachten Brand völlig vernichtet.
27. März: An der Einmündung der Anna-Seghers-Straße in die Eilenburger Chaussee wird beim Zusammenstoß eines LKW mit einem Motorrad der Soziusfahrer tödlich verletzt.
Der Gemeindekirchenrat beschließt, im Zusammenhang mit der Neudeckung des Daches der Marienkirche den 1874 aufgesetzten Dachreiter zu entfernen und ihn später durch ein großes Kreuz zu ersetzen.

1973 April
12. April: In der Stadtverordnetenversammlung wird bekanntgegeben, dass 1972 von den 108 Verkehrsunfällen im Kreis Delitzsch 35 Unfälle auf das Stadtgebiet entfallen sind. Die hiesige Feuerwehr musste zur Bekämpfung von 24 Bränden ausrücken.
15.-16. April: Auf dem Tennisplatz am Schloss findet ein Länderkampf der Junioren DDR gegen Rumänien statt.
21. April: Der Chor der Ehrenberg-Oberschule nimmt an einem Sängerwettstreit in Eisenach teil und qualifiziert sich zur Teilnahme an den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Berlin.

1973 Mai
24. Mai: Nach vielen Jahren wird Delitzsch auf der von Dresden nach Halle führenden Etappe wieder von der Friedensfahrt durchfahren.

1973 Juni
11. Juni: 3.000 Gäste besuchen das Tierparkfest anlässlich des fünfjährigen Bestehens. Hauptattraktion ist die Taufe zweier junger Bären auf die Namen „Taps“ und „Michi“.
23. Juni: Ein Höhepunkt des diesjährigen Parkfestes ist der Auftritt des „Erich Weinert-Ensembles“ der NVA.
29. Juni: Der Block 33 mit 40 Wohnungen in der Friedrich-Engels-Straße wird übergeben, der Block 32 wird bis 30. September fertiggestellt.

1973 Juli
21. Juli: Der Stadtfanfarenzug veranstaltet auf dem Markt ein Konzert als Generalprobe zu den X. Weltfestspielen in Berlin.

1973 August
Anlässlich der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten hat der EOS-Chor einige Auftritte in Berliner Stadtbezirken.
12. August: Schüler der oberen Klassen der Delitzscher Schulen haben den Stadtgraben entschlammt. Beteiligt waren 339 Jungen und Mädchen und 38 Lehrer. Geholfen haben ferner Betriebe des Kreises und 88 Mitglieder des Anglerverbandes. Insgesamt hat man etwa 18.000m3 Schlamm (Schlammtiefe 1m bei 1,15km Länge des Grabens) ausgehoben, wovon 4.000m3 für die Unterfüllung der neuen Böschung eingesetzt wurden. Weiterhin wurden 2.000 Meter neue Uferbefestigung mit Faschinen gesetzt.

1973 September
12. September: Das zweite Haus des Lehrlingswohnheim-Komplexes des Süßwarenwerkes VEB „Delitzscher“, im an der Dübener Straße gelegenen Werksgelände, wird mit 36 Plätzen übergeben.

1973 Oktober
05. Oktober: Eine Fußgängerbrücke über die Bahnlinie von der Eisenbahnstraße zur Leninstraße (heute Beerendorfer Straße) wird ihrer Bestimmung übergeben (Ihr Abbruch erfolgte 1997).
18. Oktober: Die SED-Kreisleitung entspricht der Bitte des Bürgermeisters Otto Paul, ihn nach fast 14-jähriger Tätigkeit altershalber von seiner Funktion zu entbinden. Die Stadtverordneten wählen als Nachfolger Hans-Joachim Kumrow aus dem LW-Rackwitz.

1973 November
30. November: Der Kindergarten am Park, wird als Ersatzbau der niedergebrannten Baracke an der Friedensschule mit 180 Plätzen nach knapp elfmonatiger Bauzeit zur Nutzung übergeben.

1973 Dezember
14. Dezember: Die Mittelstraße wird auf Beschluss der Stadtverordneten in „Dr.-Salvador-Allende-Straße“ umbenannt.
Vor Weihnachten wird ein Zeitungskiosk des Postamts am Roßplatz eröffnet (heute Standort eines Imbiss-Pavillon).
Der Kreis Delitzsch zählt derzeit 55.047 Einwohner.


1974

1974 Januar
11. Januar: Der mit einem Bau- und Einrichtungsaufwand von 1,2 Millionen Mark fertiggestellte Erweiterungsbau (Zwischentrakt) der Poliklinik wird an den Ärztlichen Direktor Dr. Helmut Stietzel übergeben. Damit sind sechs ärztliche Arbeitsplätze und eine physiotherapeutische Abteilung geschaffen worden.
In einer Pressemitteilung gibt der Rat der Stadt bekannt, dass die Postsäule auf dem Roßplatz wegen fortgeschrittener Zersetzung abgebaut und durch eine Replik ersetzt werden soll.
Das Schulze-Delitzsch-Denkmal am Marienplatz wird angeblich zwecks Verfestigung der Oberfläche und des angegriffenen Sockels abmontiert und in eine Spezialwerkstatt gebracht. Einige Tage später erscheinen „Leserbriefe“ in der LVZ, die das Entfernen des Denkmals fordern, da der jetzige Platz in der Wilhelm-Pieck-Straße nicht mehr zeitgemäß sei.

1974 Februar
14. Februar: Ein Ehrenmal mit der Büste von Otto Grotewohl wird an der nach ihm benannten Schule in Delitzsch-Ost in der Leninstraße (heute Beerendorfer Straße) eingeweiht.
19. Februar: Ein Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen ereignet sich auf der Kreuzung Loberstraße/Karl-Liebknecht-Straße (Bismarck-straße). Ein Postauto kann wegen überhöhter Geschwindigkeit auf regennasser Fahrbahn nicht rechtzeitig abgebremst werden und überfährt einen Fußgänger.

1974 April
In der Richard-Wagner-Straße werden vier Wohnblöcke mit jeweils 40 Wohnungen gebaut. Teilweise sind sie als Ersatzwohnungen für aus Paupitzsch, wegen der geplanten Devastierung des Dorfes, übergesiedelte Einwohner geschaffen worden.

1974 Mai
23 Mai: Der Staatszirkus der VR Rumänien „Zirkus Bukarest“, der erstmalig in der DDR auftritt, gastiert auf dem Karl-Marx-Platz.

1974 Juni
01. Juni: Anlässlich des „Internationalen Kindertages“ wird eine kombinierte Kindereinrichtung in der Johannes-R.-Becher-Straße mit 180 Kindergarten- und 80 Krippenplätze eröffnet. Sie erhält den Namen „Freundschaft“.
14. Juni: In der Stadtverordnetenversammlung wird Hans-Joachim Kumrow als Bürgermeister wiedergewählt. Bereits einige Tage zuvor hatte der Kreistag den bisherigen Vorsitzenden des Rates des Kreises, Karl Hübner, erneut in seiner Funktion bestätigt.
24. Juni: Dem VEB „Zuckerfabrik“ wird für sein Exponat „Weißzucker“ die Agra-Goldmedaille verliehen

1974 Juli
01.07.: In der Breiten Straße 32 befindet sich eine Filiale der „Industrie- und Handelsbank der DDR“, die an diesem Tag in „Staatsbank der DDR“ umbenannt wird. Geschäftskunden dieser Devisenkonten verwaltenden Bank waren ausschließlich volkseigene Unternehmen und Bürger mit Valuta-Währung. In diesem Gebäude befand sich bis 1945 das traditionsreiche Bankhaus „Paul Schauseil und Co., Kommanditgesellschaft-Bankgeschäft in Halle“. Nach 1990 Geschäftsstelle der Dresdner Bank.
In der Nacht vom 5. zum 6. Juli wird eine 16-jährige Schülerin aus Eifersucht im Affekt ermordet. Nach mehreren Tagen wurde ein 17-jähriger Mitschüler als Täter verhaftet, der die Leiche im Lober in der Nähe des Schlosses verborgen hatte. Der Täter wurde im März des folgenden Jahres zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

1974 August
06. August: Die mit einem Kostenaufwand von 250.000 Mark neu gestaltete Karl-Liebknecht-Straße (Bismarckstraße) wird für den Verkehr freigegeben.

1974 Oktober
05. Oktober: Die Stresemannstraße wird in Fritz-Heckert-Straße umbenannt.
06. Oktober: Es werden zwei Linien des Stadtverkehrs eröffnet. Ab dem 8. Oktober starten die Busse an der Fußgängerbrücke in der Leninstraße und verkehren von Delitzsch-Ost zur Kaufhalle Nord und nach Döbernitz.
07. Oktober: Das Wilhelm-Pieck-Ehrenmal wird am Marienplatz, am bisherigen Standort des Schulze-Delitzsch-Denkmals, eingeweiht. Letzteres hat man in den Stadtpark versetzt.
Das bekannte Ausflugslokal „Froschmühle“ im Delitzscher Ortsteil Kertitz wird in diesem Monat geschlossen und während der folgenden Wintermonate abgebrochen.

1974 November
04. November: Es erfolgt die Schlüsselübergabe an 28 Familien für Wohnungen eines als Lückenbebauung in der Karl-Liebknecht-Straße errichteten Wohnblockes.

1974 Dezember
Bis Jahresende haben sich im Kreis 156 Verkehrsunfälle, davon sechs mit tödlichem Ausgang ereignet.
Im Kreis zählt man etwa 20 Großtrappen. Der Elbe-Biber, der sich seit 1960 in der Alten Mulde bei Löbnitz angesiedelt hat, hat jetzt einen Bestand von sechs Paaren.


1975

1975 Februar
Das VEG „Saatzucht“ hat seine Fläche zur Tulpenvermehrung auf 50 Hektar erweitert. Damit ist es möglich, dass bis zum 3. Mai drei Millionen Tulpenzwiebeln zum Verkauf bereitgestellt werden.
22. Februar: Die BSG Lok feiert das 25-jährige Jubiläum ihres Bestehens. Sie ist mit 2.660 Mitgliedern in 15 Sektionen und mit 60 Übungsleitern die größte BSG des Bezirkes Leipzig.

1975 März
27. März: Das Karl-Marx-Haus schließt für längere Zeit, da es grundlegend rekonstruiert werden soll.

1975 April
17. April: Eine industrielle Rindermastanlage (VEB IRIMA) nimmt an der Benndorfer Landstraße ihre Tätigkeit auf. Die Belegschaft umfasst 197 Mitarbeiter, im April sind zunächst 1.150 Kälber zur Mast eingestallt worden. Bis zum Jahresende sollen es 12.000 Kälber sein. Diese Massentierhaltung führte in den nächsten Jahren zu tiefgreifenden ökologischen Problemen, da die anfallende Gülle übermäßig stark auf die Felder aufgebracht und dadurch der Lober immer wieder verunreinigt wurde, was zu Fischsterben führte.
19.-20. April: Der Kammerchor der beiden Schulze-Delitzsch-Chöre unter Leitung von Dr. Petermann vertrat die DDR bei einem internationalen Volksliederfestival in der VR Ungarn auf Einladung des Ungarischen Rundfunks.

1975 Mai
09. Mai: Aus Anlass des 30. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus ist der Ehrenhain für die gefallenen Sowjetsoldaten auf dem Friedhof neu gestaltet und ein Obelisk aufgestellt worden. Der Ehrenhain wird im Beisein des Majors Dubner, der 1945 als Politoffizier der Sowjetischen Kommandantur tätig war, eingeweiht.

1975 Juni
23. Juni: Die neu erbaute „Konsum-Kaufhalle-West“ (Ecke Pestalozzistraße/Hallesche Straße 50) wird eröffnet.

1975 Juli
01. Juli: Die ersten 40 Filterpumpen zum Absenken des Grundwasserspiegel im Haldenstützenbereich der Förderbrücke des zukünftigen Tagbaues Delitzsch-Südwest werden in Betrieb genommen. Das abgepumpte Grundwasser wird in den Lober und davon ausgehend auch in den Stadtgraben geleitet.
18. Juli: Der evangelische Superintendent Martin übersiedelt nach Würzburg in die BRD. Seine Vertretung übernimmt der in Zwochau amtierende Pfarrer Schewe. Er verbleibt dennoch in der Pfarrstelle in Zwochau.
27. Juli: Klaus Pluhm wird DDR-Meister im Tennisdoppel der Jugend.

1975 August
30. August: Mit einem Laubenfest wird das Spartenheim der Kleingartensparte „Am Wasserturm“ eingeweiht. Es wurde in fast 3½ jähriger Bauzeit im „Mach-mit-Wettbewerb“ mit Bauleistungen im Wert von 150.000 M von den Mitgliedern errichtet und ist bereits das vierte Heim dieser Art in der Stadt. Ein weiteres ist in der Kleingartensparte „Delitzsch-Ost“ im Bau.

1975 September
Die GST-Tauchsportler des RAW stellen acht der 11 Wettkampfteilnehmer des Bezirks Leipzig bei den DDR-Meisterschaften im Orientierungstauchen. Ellen Komolka erringt dabei eine Bronzemedaille und wird als „Kader“ der Nationalmannschaft nominiert.

1975 Oktober
Der Schulze-Delitzsch-Männerchor weilt auf Einladung des „Demokratischen Verbandes der Deutschen in Ungarn“ in Palotaboszok. Zu der dortigen Volkskunstgruppe bestehen seit zwei Jahren freundschaftliche Beziehungen.

1975 November
03. November: In der Bitterfelder Straße 43 am Clara-Zetkin-Platz (heute Nordplatz) wird das Postamt 2 „Delitzsch-Nord“ eröffnet.
13. November: Der Anschluss von der Bahnstrecke Halle-Eilenburg zur Kohlebahn für den Tagebauaufschluss Delitzsch-Südwest ist fertiggestellt.

1975 Dezember
03. Dezember: Die Freiwillige Feuerwehr feiert ihr 115-jähriges Bestehen.
In diesem Monat werden der letzte der drei Wohnblöcke mit insgesamt 140 Wohnungen und ein Wohnblock mit 40 Wohnungen in der Leninstraße (Beerendorfer Straße) übergeben. Abgeschlossen wurde im Herbst diesen Jahres auch der vollständige Abbruch der traditionsreichen Gastwirtschaft und vormaligen Wassermühle „Froschmühle“, im Delitzscher Ortsteil Kertitz. Sie war bereits seit etwa 1972 geschlossen, da der durch Abwässer verunreinigte Mühlteich eine unerträgliche Geruchsbelästigung zur Folge gehabt hat. Sie konnte auch durch die im Juli/August 1974 durchgeführte Schlämmung des Teiches –ausgeführt von Delitzscher Schülern- nicht abgestellt werden.


1976

1976 Februar
02. Februar: Die Feuerwehr muß gegen 2230 Uhr ausrücken, um einen Brand in einem Holzgebäude in der Bitterfelder Straße zu löschen. Dabei wird das im Vorjahr angeschaffte moderne W 50-Löschfahrzeug erstmals eingesetzt.
07. Februar: Die fertiggestellte Sporthalle an der neuen Schule in Delitzsch-Ost wird übergeben. Sie besitzt eine nach internationalen Maßen gebaute Parkettfläche und bietet für 450 Zuschauer Sitzplätze. Außerdem befindet sich in ihr ein Lehrschwimmbecken. Im Anschluss an ein Festprogramm findet ein Hallenhandballspiel zwischen zwei Oberliga-Mannschaften statt.

1976 März
01. März: Die neue Schule in Delitzsch-Ost erhält den Namen „Artur Becker“. Neben den Klassenzimmern sind auch Fachkabinette und Horträume eingerichtet worden. Vorerst werden in 18 Klassen 567 Schüler und ab dem neuen Schuljahr 750 Schüler in 24 Klassen von 40 Lehrern unterrichtet. Gleichzeitig wird die anliegende „Oststraße“ in „Artur-Becker-Straße“ umbenannt.
Im VEB „IRIMA“ sind jetzt 13.500 Mastbullen eingestallt, von denen ab Juli monatlich 1.000 Stück an den Schlachthof geliefert werden.
24. März: Die Versuchs- und Entwicklungsstelle für Wagenwirtschaft der Deutschen Reichsbahn in Delitzsch, Berliner/ Ecke Dübener Straße, stellt den von ihr entwickelten und in Halberstadt gebauten Reisezugwagen dem 1. Sekretär der SED-Kreisleitung vor.

1976 April
1. April: Der Umbau des Karl-Marx-Hauses ist abgeschlossen. Es hat jetzt auch ein großes Foyer, eine Nachtbar und einige Mehrzweckräume für kleinere Veranstaltungen sowie eine moderne Kücheneinrichtung.
Die im Zuge des künftigen Tagebauaufschlusses Delitzsch Südwest vorgenommene Verlegung und Vertiefung des Lobers, die bereits im Vorjahr ab Döbernitz durch den Stadtpark bis zur Halleschen Straße erfolgt ist, wird bis nach Schenkenberg weitergeführt.

1976 Mai
An der Demonstration zum 1. Mai nehmen erstmals die Kumpel aus dem entstehenden Tagebau Delitzsch-Südwest teil. Laut Perspektivplan sollen nach dem Aufschluss von zwei weiteren Tagebauen (Delitzsch-Süd und Bitterfeld) in den Jahren ab 1980 etwa 10% des Kohlebedarfs der DDR in unserem Territorium bis zum Jahre 2030 gewonnen werden. Dafür sollen 25 Gemeinden und Ortsteile in unserem Kreis und vom angrenzenden Kreis Leipziger-Land devastiert werden. Außerdem soll in den achtziger Jahren im Raum Beerendorf ein Großkraftwerk mit 2.480 Megawatt gebaut werden, für dessen Betreibung 4.500 Werktätige vorgesehen sind.
Für diesen Teil des Kohle-Energie-Programms der DDR sind in Delitzsch-Nord und in Delitzsch-West große Neubauviertel mit 6.000 Wohnungen geplant. Planungen sehen ein Anwachsen der Einwohnerzahl der Stadt Delitzsch auf 40.000 Einwohner vor.
13. Mai: Der von einer Feierabendbrigade des VEB Stadtwirtschaft mit Unterstützung weiterer örtlicher Betriebe gebaute Kleinfeld-Fußballplatz an der Leninstraße (Beerendorfer Straße) ist fertiggestellt. Ein weiterer entsteht in der nächsten Zeit an der Eilenburger Chaussee. Beide Sportstätten werden kaum genutzt und liegen bald brach.
20. Mai: Der aus einem anderen Tagebau am 23. März in Marsch gesetzte Eimerkettenbagger ist am 12. Mai im Tagebau Südwest eingetroffen und beginnt mit dem Einschnitt für die Aufschlussarbeiten.

1976 Juni
04. Juni: Ein Brand im VEB Dienstleistungskombinat in der Laueschen Straße, hat einen beträchtlichen Sachschaden verursacht. Durch das schnelle Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr konnte eine Ausbreitung des Brandes verhindert werden.
25.-27. Juni: Der Höhepunkt des diesjährigen Parkfestes ist der Auftritt der Beat-Gruppe „Karat“ und des Tanzensembles der DDR, das hiermit seine Tournee durch 20 Länder Europas, Asiens und Afrikas beendet.
26. Juni: Aus Anlass des 100. Todestages des in Delitzsch geborenen Naturforschers Christian Gottfried Ehrenberg, findet eine festliche Veranstaltung in der Aula der EOS statt. Dabei wird erstmals für die beste naturwissenschaftliche Leistung in den Reifeprüfungen der „Ehrenberg-Preis“ verliehen. Der Biologielehrer Rolf Bolling hat zu diesem Gedenktag eine Broschüre über Leben und Werk Ehrenbergs verfasst.

1976 Juli
17. Juli: Auf dem Obst- und Gemüsemarkt auf dem Roßplatz können ab jetzt auch die Kleingärtner und nichtorganisierte Gartenbesitzer Waren zum Verkauf anzubieten.. Bisher konnten sie ihre Produkte nur an staatliche Aufkaufstellen abgeben. Jetzt erhalten sie gegenüber den Aufkaufspreisen die höheren Einzelhandelspreise.
19. Juli: Der in Delitzsch geborene Lutz Mack, Mitglied der Turner-Nationalmannschaft der DDR, hat in den XXI. Olympischen Spielen in Montreal die Bronzemedaille errungen.
In diesem Monat sind 20 junge Praktikanten aus Vietnam im RAW eingetroffen. Sie erhalten dort ab 1. September eine zweieinhalbjährige Ausbildung als Schienenfahrzeugschlosser.

1976 August
Im Laufe des Monats entstehen eine Nebenstelle der Post und eine Arzneimittelausgabe als neue Dienstleistungseinrichtungen in Delitzsch-Ost, Johannes R.-Becher-Straße, nachdem bereits im Juni eine Annahme- und Ausgabestelle des VEB Dienstleistungsbetriebes und danach der Salon der PGH Friseure dort eröffnet worden waren.

1976 September
26. September: Die Fachgruppe Numismatik gestaltet im Karl-Marx-Haus eine Münzausstellung, in der u. a. Münzen des Königreiches Sachsen, der Weimarer Republik und das Notgeld der Stadt Delitzsch gezeigt werden.

1976 November
22.-24. November: Es ereignen sich zwei tödliche Verkehrsunfälle. Das Müllfahrzeug des VEB Stadtwirtschaft überfährt in Zaasch einen Bürger, der seinen Verletzungen im Krankenhaus erliegt. In der Bitterfelder Straße wird ein 15-jähriger Schüler vor der Schule von einem PKW überfahren; er verstirbt ebenfalls an den Folgen seiner Verletzungen.
27.-28. November: In der Artur-Becker-Sporthalle findet ein internationaler Vergleichskampf junger Sportlerinnen aus neun Ländern in der Leistungsgymnastik statt.

1976 Dezember
30. Dezember: Mit der Übergabe eines Wohnblocks mit 80 Wohnungen in Delitzsch-Ost wird das diesjährige Wohnungsbauprogramm beendet. Für die Klubgaststätte „Drushba“ in diesem Wohnungsbaugebiet ist der Grundstein gelegt worden. In der Nordstraße wird zur Zeit ein Neubaublock als Lückenbebauung errichtet.
Im VEB Rindermast bei Benndorf betreuen 230 Arbeitskräfte 21.384 Rinder. Die Jahresproduktion beträgt 7000 Tonnen Schlachtrind, das sind 12% des Schlachtviehaufkommens des Bezirkes Leipzig. Diese Massentierhaltung führt zu großen Umweltproblemen.


1977

1977 Januar
Es wird mit der Vorbereitung für die Erschließungsarbeiten für das neue Wohngebiet Delitzsch-Nord begonnen. Dort ist vorgesehen, dass bis 1983 etwa 2.500 Wohnungen gebaut werden. Der Wohnungsbau wird in diesem Jahr in Delitzsch-Ost mit der Errichtung von vier Wohnblocks und einigen Eigenheimen fortgesetzt. Insgesamt sollen in diesem Jahr 155 Neubauwohnungen fertiggestellt werden.

1977 Februar
In einem Zeitungsbericht wird gemeldet, dass sich im Vorjahr im Kreis 213 Verkehrsunfälle ereignet haben, bei denen 155 Personen verletzt und 14 Personen getötet wurden.
28. Februar: Nachdem ein Absetzer aus dem Tagebau Holzweißig überführt worden ist, beginnt jetzt die Aufschlussbaggerung für den Tagebau Delitzsch-Südwest. Der erste Abraumzug verlässt den Tagebau und bringt den Abraum zum Tagebau „Freiheit III“ im Raum Bitterfeld zur Verschüttung. Der Aufschluss des Tagebaus Delitzsch-Südwest erfolgte gemäß den Festlegungen des IX. Parteitages der SED. In der Direktive zum Fünfjahrplan 1976-80 war der Abbau der Braunkohle in der DDR im umfassenden Ausmaß bestimmt worden. Davon war auch der Kreis Delitzsch betroffen. Die Erkundung der geologischen Verhältnisse hatte ergeben, dass im gesamten Kreisgebiet Braunkohle lagert.

1977 April
06. April: In der Stadtverordnetenversammlung wird der Bürgermeister Hans-Joachim Kumrow (SED) abberufen. Dessen bisheriger Stellvertreter Wolfgang Neubert (SED) wird mit der Führung der Amtsgeschäfte beauftragt, bis er schließlich am 15. Dezember zum Bürgermeister gewählt werden sollte.
15. April: Der Arbeiter Harry Kloppe aus dem RAW rettet in der Elisabethstraße 12 einer 80-jährigen Frau das Leben. Sie war infolge der Rauchentwicklung bei einem Brand in ihrer Wohnung bereits ohnmächtig geworden. Ihr Retter unternahm sofort Wiederbelebungsversuche und bekämpfte den Brand bis zum Eintreffen der Feuerwehr.

1977 Mai
27. Mai: Eine vom Filmklub am Schloss errichtete Freilichtbühne wird zum Pfingsttreffen der Jugend und Studenten eröffnet.

1977 Juni
10.-12. Juni: Höhepunkte zum 10. Parkfest sind die Auftritte von Dagmar Frederic und Peter Wieland sowie des Tanzensembles der DDR.

1977 September
Der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Wermsdorf erhält den Auftrag, zur Abschirmung gegen das geplante Kraftwerk im Osten der Stadt einen 40 Hektar großen Grüngürtel anzupflanzen. Dieser trägt künftig den Namen „Stadtwald“.

1977 Oktober
Der EOS-Chor fährt gemeinsam mit dem Volkskunstensemble des VEB Eilenburger Chemiewerk zu einer einwöchigen Konzertreise in die VR Bulgarien. Das Programm ist dem 60. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gewidmet.

1977 November
20. November: In der Artur-Becker-Sporthalle findet ein Boxländerkampf DDR-VR Polen statt, an dem die Nachwuchs-Olympiakader beider Länder teilnehmen.

1977 Dezember
15. Dezember: Dem Arbeiterveteranen Albin Schneider (ehemaliger 1. Sekretär der SED-Kreisleitung) und Otto Paul (ehemaliger Bürgermeister) wird die Ehrenbürgerschaft der Stadt Delitzsch verliehen.
30. Dezember: Mit der Schlüsselübergabe für einen Wohnblock mit 50 Wohnungen ist der Wohnungsbau in Delitzsch-Ost im wesentlichen abgeschlossen.


1978

1978 Februar
18. Februar: Die Betriebszeitung des RAW, der „Werkstätten Express“ feiert das 25jährige Jubiläum ihres Bestehens. Sie wird von Anbeginn von der Betriebsparteiorganisation der SED des RAW herausgegeben und soll als ein „kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator“ wirken.
23. Februar: Der „Klub der Intelligenz“ wird neu gegründet, er erhält später den Namen „Ehrenberg-Klub“. Auf seiner ersten Veranstaltung in der Tanzbar des Karl-Marx-Hauses treten in einer Gesprächsreihe „Gefragte Gäste“ der Journalist und Autor des „Eulenspiegel“ John Stave, die Cartoonisten Andreas E. Mueller und Ulrich Forchner als Interviewpartner des Fernsehmoderators Jürgen Schulz auf.

1978 März
28. März: Beim Überholen eines abbiegenden Fahrzeuges des VEB Stadtwirtschaft kommt ein Kradfahrer auf der F184 in Richtung Bitterfeld von der Fahrbahn ab und rammt einen Baum. Der Kradfahrer wird tödlich verletzt.

1978 April
05. April: Die Kleingartensparte Delitzsch-Ost hat nach dreijähriger Bauzeit ihr Spartenheim fertiggestellt.

1978 Mai
Anfang des Monats erfolgt in der Ortslage Wolteritz der erste Spatenstich zur Eröffnung des Tagebaues „Breitenfeld-Nord“. Der Aufschluss soll 1980 und die Kohleförderung ab 1985/86 erfolgen.

1978 Juni
Es wird mit der Montage der Wohnblocks im Neubaugebiet Nord I begonnen.
10. Juni: Es ereignet sich auf der Eilenburger Chaussee in Höhe der Döbernitzer Mühle ein tödlicher Unfall. Dabei wurde ein Moped aus der Kurve getragen, dessen Fahrer an den Folgen seiner Verletzungen verstarb.
16. Juni: Der Tiergarten besteht jetzt seit zehn Jahren. In dieser Zeit ist sein Bestand auf 547 Tiere in 107 Arten angewachsen. Im Vorjahr hatte er 47.200 Besucher aufzuweisen.

1978 Juli
01. Juli: Nach erfolgter Innenrenovierung erhält die Hospitalkirche eine neue Weihe. Unter Leitung von Heinrich Bienroth gestalteten die Maler Klaus Rast, dessen Sohn sowie der Maler K.-H. Schnade den Innenraum dieser Kirche.

1978 August
Das RAW hat das erste für das Verkehrsmuseum Dresden restaurierte ältere Schienenfahrzeug (einen Reisezugwagen) übergeben.

1978 September
Das Fotoatelier Kühnemann in der Eilenburger Straße 55 begeht sein 50-jähriges Geschäftsjubiläum.

1978 Oktober
Eine Wohngebietsgaststätte in Delitzsch-Ost wird unter dem Namen „Drushba“ (Freundschaft) eröffnet. In diesem Neubaugebiet wohnen etwa 6.000 Einwohner. Nach Schließung der Gaststätte im Jahre 1990, wird dort ein „Konsum“ Markt und eine Apotheke eingerichtet.
Der bisherige Pfarrer der katholischen Gemeinde, Paul Schulte, ist nach fast 30-jähriger verdienstvoller Amtsführung in den Ruhestand getreten. Sein Nachfolger wird Pfarrer Eugen Gedigk.

1978 Dezember
In der Nacht vom 29. zum 30. Dezember tritt ein Temperatursturz mit starkem Schneefall ein, der von der Ostsee aus auf alle Bezirke übergreift. In Delitzsch sinkt die Temperatur von +10°C am 29. Dezember auf -15°C am 31. Dezember. Seit dem 30. Dezember befindet sich der Winterdienst des VEB Stadtwirtschaft zur Räumung der Verkehrswege im ununterbrochenen Einsatz. Die Folge dieses Wintereinbruches ist, dass vorwiegend in öffentlichen Gebäuden und Handelseinrichtungen erhebliche Rohrbrüche zu verzeichnen sind.


1979

1979 Januar
Die strenge Kälte setzt sich in den ersten Tagen des neuen Jahres fort. Nachdem es in der Silvesternacht zu Stromabschaltungen und Unregelmäßigkeiten im Zug- und Busverkehr gekommen war, werden im Laufe des Neujahrstages die Straßen wieder befahrbar gemacht. Die Betriebe können ab 2. Januar, wenn auch noch mit Einschränkungen, ihre Produktion wieder aufnehmen. Ab 3. Januar wird auch die Abraumförderung im Tagebau Delitzsch-Südwest möglich. In den ersten Tagen des Januar müssen in Folge der extremen Temperaturen mehrere Geschäfte vorübergehend schließen. Während am 7. Januar früh noch -20°C gemessen werden, steigt am 8. Januar die Temperatur bis auf 0°C, wobei durch einsetzenden Sprühregen der Straßenverkehr wegen Glatteisbildung beeinträchtigt wird.
11. Januar: Ein Schlosser aus dem RAW, Heinz Ziegler, rettet ein achtjähriges Kind vor dem Ertrinken aus dem Stadtgraben.
25. Januar: Der Delitzscher Günter Lohse, Chefregisseur des Leipziger Opernhauses, tritt als Gast in der Gesprächsreihe des Klubs der Intelligenz, „Prominente des Kreises und Bezirkes stellen sich vor“ auf.

1979 Februar
03. Februar: Im Tagebau Südwest trifft der Eimerkettenbagger in einer Tiefe von 35 Metern auf die erste Kohleschicht.

1979 März
Die seit einigen Monaten laufenden Arbeiten zur Verlegung des zweiten Gleises auf der Bahnstrecke Halle-Eilenburg sind zwischen dem Oberen Bahnhof und Hohenroda abgeschlossen und werden jetzt bis Krensitz weitergeführt.
21. März: Im RAW erfolgt die Grundsteinlegung für eine Produktionshaupthalle, die das Kernstück der Rekonstruktion des Werkes darstellt.
30. März: Die Stadtverordneten wählen Karl Lubienski zum Bürgermeister, nachdem der bisherige Amtsinhaber Wolfgang Neubert am 20. März von seiner Funktion abberufen worden war.

1979 April
30. April: Die „Ostsiedlung“ wird in „Otto-Grotewohl-Straße“ umbenannt (heute wieder Ostsiedlung).

1979 Mai
02. Mai: Es beginnen Bauarbeiten zur Umgestaltung der Straßenführung am Unteren Bahnhof und der Ausbau der Breiten Straße als Boulevard. Die Fassaden der Häuser sollen dem Charakter der Altstadt entsprechend einen angemessenen Farbanstrich erhalten.   Der Straßenabschnitt Roßplatz-Markt wird zur Fußgängerzone ausgebaut.
20. Mai: Im Haus Markt Nr.14 eröffnet die Familie Harzone ein Eiscafé. In der Stadt gibt es zur Zeit neun Speiselokale, 14 Biergaststätten, zwei Cafés, eine Tanzbar, eine Jugendtanzgaststätte, drei Eisdielen, drei Kioske, drei Spartenheime (Am Wasserturm, Gute Hoffnung, Delitzsch-Ost) und sechs Saisongaststätten.
Bei der Konstituierung der neuen Volksvertretungen nach den Kommunalwahlen werden Karl Hübner als Vorsitzender des Rates des Kreises und Lothar Elze als dessen 1. Stellvertreter sowie Karl Lubienski als Bürgermeister der Stadt, Ingobert Löbel als dessen 1. Stellvertreter, zwei weitere Stellvertreter und neun Mitglieder gewählt.

1979 Juni
In der Presse erscheinen folgende Meldungen über aus Delitzsch stammende Spitzensportler:
Roland Kreer, jetzt bei 1.FC. Lok Leipzig, gehört der Nachwuchsauswahl der DDR in Fußball an.
Wolfgang Schmidt, jetzt beim DDR-Meister SC Lok Leipzig, ist Mitglied der DDR-Nationalmannschaft im Handball und hat bereits im März an einem Länderspiel gegen Äthiopien teilgenommen.
Lutz Mack, zweimaliger Weltmeister und dreimaliger Europameister im Geräteturnen, vielfacher DDR-Meister und Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen von Montreal 1976 in der Mannschaftswertung, ist jetzt Kapitän der Turnerriege der Nationalmannschaft geworden.
Ein internationales Kolloqium der Unterorganisation der UNO, der UNIDO; findet im VEB Delicia statt.
Der Gastgeberbetrieb als spezialisiertes und international bekanntes Unternehmen auf dem Fachgebiet der Herstellung und Anwendung von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln informiert die aus mehreren Ländern der Welt angereisten ausländischen Fachleute über den neuesten Forschungs- und Entwicklungsstand. Der VEB Delicia ist auf einigen Fachgebieten Alleinhersteller dieser Erzeugnisse im Bereich des Rates der gegenseitigen Wirtschaftshilfe (RGW).
Diesen Monat beginnen die Montagearbeiten von weiteren Wohnblocks in Delitzsch-Nord. Es werden zwei Oberschulen, eine Turnhalle, eine Kindereinrichtung mit 180 Kindergarten- und 90 Krippenplätzen, ein Café, ein Friseursalon und die Gaststätte „Stadt Delitzsch“ sowie ein Heizwerk errichtet.

1979 Juli
Es beginnen Straßenbauarbeiten zum Ausbau der Securiusstraße bis zum Naundorfer Weg.
15. Juli: Unter Mithilfe von Jugendlichen des zweiten Durchganges der Sommerinitiative der FDJ und Arbeitern der örtlichen Betriebe, die entsprechende Kommunalverträge abgeschlossen haben, wird mit der Umgestaltung des Marktes begonnen. Er wird als Parkplatz benutzt und soll nunmehr mit Hochbeeten, Bänken und Kugelleuchten ausgestattet werden.

1979 August
25.-26. August: Die Interessengemeinschaft „Ortschronisten“ des Kulturbundes der DDR zeigt im Karl-Marx-Haus die Ausstellung „Delitzsch - Stadt und Gemeinden im 30. Jahr der DDR“. Eine Leistungsschau gestalten die Fachgruppen „Rosen und Stauden“, „Numismatik“, „Philatelie“ und „Denkmalpflege“. In der „Galerie im 1. Stock“ werden Bilder und andere Kunstwerke von Laienschaffenden aus dem Kreis Delitzsch gezeigt.
28. August: Die „Friedrich-Naumann-Straße„ wird in „Otto-Herrmann-Straße“ umbenannt. Damit soll das Lebenswerk des aktiven Widerstandskämpfers und Kommunisten gewürdigt werden. Er gehörte im „Dritten Reich“ der Leipziger Widerstandsgruppe von Georg Schumann an und war im Oktober 1945 vom sowjetischen Kommandanten zum Landrat des Kreises Delitzsch ernannt worden.

1979 September
01. September: Auf Beschluss des Rates des Kreises wird der VEB „Kreisdirektion des Straßenwesens“, Sitz Hallesche Straße am Ortsausgang Richtung Brehna, gegründet.
Der VEB Rohrtechnik stellt den von ihm entwickelten und gebauten 1. Sonnenkollektor der DDR vor. Mit einer Fläche von 4 m2 ist er für den Eigenheimbau und für den Einsatz in Industrie und Landwirtschaft vorgesehen.
21. September: Vor der Wohngebietsgaststätte „ Drushba“ wird ein Springbrunnen eingeweiht. Er ist vom VEB Rohrtechnik im Rahmen des „Mach-mit-Wettbewerbes“ gebaut, bald aber durch Vandalismus zerstört worden.

1979 Oktober
07. Oktober: Der neugestaltete Marktplatz wird entsprechend der Vorgaben vom Juli des Jahres der Öffentlichkeit übergeben. Als Ersatz für die weggefallenen Parkflächen ist die August-Fritsche-Straße als Parkplatz eingerichtet worden.
15. Oktober: Es wird mit der Aufforstung des vorgesehenen 40 Hektar großen Stadtwaldes zwischen Lenin-Straße (Beerendorfer Straße) und Dübener Landstraße begonnen. Etwa 25 Hektar werden von Schülern der Erweiterten Ehrenberg-Oberschule mit Eichenschösslingen bepflanzt. Einen weiteren Teil der Bepflanzung des Stadtwaldes übernimmt die Jagdgenossenschaft mit verschiedenen Nadel- und Laubwaldschösslingen.

1979 November
17. November: In der Wilhelm-Pieck-Straße werden die Wehrpflichtigen der Unteroffiziersschule „Kurt Bennewitz“ durch ihren Kommandeur, Generalmajor Werner Käseberg, vereidigt. Nach dreijährigen Bauzeit der Kasernenanlage, nördlich von Benndorf, wird im Spätherbst mit der Zusammenführung der im Raum Eilenburg und Züllsdorf befindlichen Einheiten die NVA-Kaserne bei Benndorf belegt. Sie wird als Unteroffiziersschule 2 der Landstreitkräfte der NVA eingerichtet. Die Ausbildungszeit an dieser Einrichtung beträgt für Unteroffiziere sechs Monate und ein Jahr für Fähnriche. Sie führt den Namen „Kurt Bennewitz“, der als Widerstandskämpfer in einem Konzentrationslager des faschistischen Deutschlands zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war. Dem ersten Kommandeur dieser Schule folgt Generalmajor Rainer Dürichen, der dann von Oberst Bogdanow abgelöst wird. Letzterer führt die Unteroffiziersschule bis zu ihrer Auflösung und Übernahme durch die Bundeswehr. Unter Nutzung der vorhandenen Anlagen und Gebäude wird diese Einrichtung als Heeresunteroffiziersschule IV (HUS IV) der Bundeswehr weitergeführt.

1979 Dezember
03. Dezember: Der erste Kohlezug verlässt den Tagebau Delitzsch-Südwest. Bis Ende des kommenden Jahres ist eine Förderung von 350.000 Tonnen vorgesehen.
08. Dezember: Die erste von drei Schulen im Neubaugebiet Delitzsch-Nord ist fertiggestellt. Der Unterricht beginnt mit 200 Schülern, insgesamt sind 26 Klassen und Unterrichtsräume eingerichtet worden. Bis zum Ende des Monats haben in diesem Neubaugebiet 600 Bürger in 260 Wohnungen ein neues Zuhause bekommen. Die zuerst fertiggestellte Straße erhält den Namen Hermann-Matern-Straße. Für die anderen sind folgende Namen festgelegt worden: Ernst-Schneller-Straße, Georgi-Dimitroff-Straße, Clement-Gottwald-Straße, Straße der Jugend, Straße des Friedens, Straße der Solidarität, Adolf-Hennecke-Straße, Alexander-Puschkin-Straße, Otto-von-Guericke-Straße. Weitere Wohnblocks werden in der Rosa-Luxemburg-Straße und in der Rudolf-Breitscheid-Straße gebaut. Die im Neubauviertel entstehenden Fuß- und Radwege erhalten die Namen Maienweg, Birkenweg, Rosenweg, Sonnenwinkelweg, Amselweg und Am Bogen.
09. Dezember: Im VEB Delicia Delitzsch wird eine offizielle Brandschutzkontrolle durchgeführt. Mit dieser Tarnung wird parallel dazu, unter konspirativen Bedingungen und der Mitwirkung eines Informellen Mitarbeiters (IM) der Kreisdienststelle des MfS, von Spezialisten der Abteilung 26 der Bezirksverwaltung des MfS in Leipzig, die gesamte Fernsprechanlage des Betriebes für Zwecke konspirativer Überwachung abhörtechnisch präpariert.
11. Dezember: Der Direktor des Krankenhauses, OMR Dr. Dr. Horst Schulze-Warneke wird anlässlich des „Tages des Gesundheitswesens“ mit dem Ehrentitel „Verdienter Arzt des Volkes“ ausgezeichnet.


1980

1980 Januar
02. Januar: Die erste kombinierte Kindereinrichtung in Delitzsch-Nord mit 180 Kindergarten- und 90 Krippenplätzen nimmt ihren Betrieb auf.
30. Januar: Das neue Lehrlingswohnheim des RAW mit 100 Plätzen wird zur Nutzung freigegeben..

1980 März
01. März: Zum 24. Jahrestag der NVA lädt die Unteroffiziersschule „Kurt Bennewitz“ die Bevölkerung zu einem Treffen in die Garnison ein. Dort finden militärische Vorführungen, sportliche Wettkämpfe und ein Platzkonzert statt. Es gibt auch Erbseneintopf aus der „Gulaschkanone“.
Das im Auftragswerk des Roten Kreuzes entstandene Gemälde „Feiertag“ des Leipziger Kunstmalers Heinz Mäde erhält im Karl-Marx-Haus seinen festen Platz.

1980 Mai
Anlässlich des 1. Mai wird die Zuckerfabrik als Beste der 47 Werke der DDR in der Kampagne 1979/80 mit der Wanderfahne des Ministers ausgezeichnet. Gleichzeitig erhält sie ebenso wie das RAW wegen jahrelanger guter Ergebnisse im Sozialistischen Wettbewerb den Orden „Banner der Arbeit“, Stufe I.

1980 Juni
01.Juni: Weil Delitzsch wieder Garnisonstadt geworden ist, wird nun auch hier das „Fest der sozialistischen Soldatenfamilie“ begangen. Zum Auftakt gibt das Stabsmusikkorps der Landstreitkräfte der NVA auf dem Karl-Marx-Platz ein Konzert.
27. Juni: Nach der am 21. März 1979 erfolgten Grundsteinlegung für den Bau einer neuen „Hauptproduktionshalle“ im RAW, kann jetzt das Richtfest für den 1. Bauabschnitt feierlich begangen werden. Die weiteren Baumaßnahmen dauern noch bis zum Spätherbst des Jahres 1986 an. Erst am 1. Juli 1986 konnte der Probebetrieb mit der Aufarbeitung von „Halberstädter 26,4-Meter-Wagen aufgenommen werden.

1980 August
09. August: In der Artur-Becker-Sporthalle findet ein Volleyball-Länderspiel der Junioren-Auswahlmannschaften Bulgarien und DDR statt.

1980 September
01. September: Zu Beginn des neuen Schuljahres wird die zweite Neubauschule mit ihrer Turnhalle in Delitzsch-Nord ihrer Bestimmung übergeben.
In Delitzsch-Ost wurde eine neue Kleingartensparte gegründet. Im Stadtgebiet von Delitzsch und den unmittelbar angrenzenden Gemeinden befinden sich noch weitere Kleingartenanlagen:
„Altes Lobertal“                      seit 1946       Benndorf
„Wiesengrund“                       seit 1991       Benndorf
„Schenkenberger Park“         seit 1980       Schenkenberg
„Freundschaft“                       seit 1946       Ortsteil Rödgen
„Delitzsch-Kertitz“                  seit 1991       Ortsteil Kertitz
„Am Schachtweg“                  seit 1924       Delitzsch-Stadtgebiet
„Rosenthal“                            seit 1933       Delitzsch-Stadtgebiet
„Grüne Oase“                         seit 1989       Delitzsch-Stadtgebiet
„Am Wasserturm“                   seit 1920       Delitzsch-Süd
„Döbernitzer Weg“                  seit 1991       Delitzsch-Süd
„Sonneneck“                           seit 1982       Delitzsch-Süd
„Kleinwirte“                              seit 1938       Delitzsch-Süd
„Dr. Schreber“                         seit 1954       Delitzsch-Nord
„Gute Hoffnung“                      seit 1946       Delitzsch-Nord
„Eigene Scholle“                     seit 1919       Wittenberger Straße
„Zur Erholung“                        seit 1933       Eilenburger Chaussee
„Frohe Zukunft“                       seit 1930       Eilenburger Chaussee
„Frühauf“                                 seit 1920       Eilenburger Chaussee
„Die Laubenpieper“                 seit 1991       Elberitzmühle

1980 Oktober
02.-08. Oktober: Der Schulze-Delitzsch-Männerchor reist in die VR Ungarn. Er folgt damit einer Einladung des Verbandes der in Ungarn lebenden Deutschen. Mit dem Verband bestehen bereits seit 1973 Kontakte.
06. Oktober: Die erste POS in Delitzsch-Nord erhält den Namen „Karl Liebknecht“. Die zweite POS dort legt einen „Ehrenhain“ für Rosa Luxemburg an.
In der Unteroffiziersschule „Kurt Bennewitz“ wird in Anwesenheit von dessen Witwe ein Ehrenhain mit Büste des Namensgebers eingeweiht.
07. Oktober: Im Heimattiergarten wird ein „Tiergarten-Schaufenster“ sowie ein Luchsgehege seiner Bestimmung übergeben. Der Tiergarten hat jetzt etwa 500 Tiere in 100 Arten in seinem Bestand. Seit seiner Gründung vor 12 Jahren konnte Anfang des vorigen Monats der 500.000 Besucher begrüßt werden. Am Abend tritt das Staatliche Folklore-Ensemble mit 80 Mitwirkenden im Karl-Marx-Haus auf.
Die seit 1971 auf dem Roßplatz stehenden Gemüsehalle wird abgebaut. Der Obst- und Gemüsemarkt wird auf den Marktplatz verlegt.

1980 November
28. November: Mit einem historischen Konzert auf Originalinstrumenten, ausgeführt von den Leipziger Stadtpfeifern, wird das 400-jährige Jubiläum des Beginns der Anstellung eines Türmers und Stadtpfeifers auf dem Breiten Turm in der Aula der EOS gefeiert.

1980 Dezember
18. Dezember: Es beginnt der Probelauf für den Regelbetrieb im Tagebau Delitzsch-Südwest. Bis Ende Oktober waren bereits 33 Millionen Tonnen Abraum über den Abraumförderbrückenverband abgebaggert worden. Im nächsten Jahr sollen drei Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert werden.
24. Dezember: Der Bürgermeister Karl Lubinski übergibt die 1.000ste Wohnung in Delitzsch-Nord an die Mieter.
In diesem Jahr wurde auch das neu erbaute Wehrkreiskommando der NVA in der Halleschen Straße 58 zur Nutzung übergeben. Die Planung für diesen Neubau begann bereits 1974, der Baubeginn verzögerte sich aber mehrmals. Auf dem Gelände standen bis um 1974 mehrere Scheunen, die in diesem Zusammenhang abgebrochen worden sind. Ursprünglich hatte sich das Wehrkreiskommando ab 1956 im Gebäude Schillerstraße 9, dann zeitweilig im Gebäude der Polizei in der Dübener Straße und schließlich bis 1980 in der Beethovenstraße befunden.
In diesem Jahr hat der VEB Saatzucht/ Zierpflanzen mit dem Bau von Folienzelten begonnen. Diese sollen die traditionellen Gewächshäuser, die mit einer Ölheizung ausgerüstet waren, ablösen. In diesem Betrieb arbeiten zur Zeit 98 Arbeitskräfte.


1981

1981 Februar
27. Februar: Anlässlich des 25. Jahrestages der NVA findet eine Festveranstaltung im Karl-Marx-Haus statt, die von Mitgliedern des Städtischen Theaters Leipzig, dem Rundfunk-Kinderchor Leipzig und dem Staatlichen Orchester Borna gestaltet wird.

1981 März
Im Verlauf der diesjährigen „Tage der Wissenschaft und Kultur“ des Kulturbundes liest der syrische Schriftsteller Farid Al Atassi am 19. März im Karl-Marx-Haus.
Am 20. März findet eine Tagung des Bezirksvorstandes der Gesellschaft für Denkmalpflege zu „Aufgaben der Denkmalpflege im Zusammenhang mit der Braunkohleförderung“ im Bezirk Leipzig statt. Am geleichen Tag beginnen die Arbeiten zur Erweiterung des Stadtparkes um 3,2 Hektar in Richtung Naundorfer Mühle. Sie umfassen den Randbereich der Erzbergerstraße sowie die Wiesen am Loberlauf.

1981 April
01.April: Im Tagebau Delitzsch-Südwest beginnt der Regelbetrieb der Kohlegewinnung.
In diesem Monat beginnen die „Werterhaltungsmaßnahmen“ in der Stadtmitte. Dazu gehören die Neugestaltung des Roßplatzes, die Fassadenerneuerung der Gebäude an der Südseite des Marktes mit dem Rathaus und die Komplexreparaturen im Straßenzug Wilhelm-Pieck-Straße bis zur Töpfergasse. Bei den durchgeführten Arbeiten handelte es sich aber nicht um Maßnahmen grundsätzlicher Rekonstruktion, sondern allenfalls um oberflächliche Verschönerungsarbeiten durch Fassadenanstriche.
02. April: Die Gesellschaft für Heimatgeschichte des Kulturbundes bildet einen neuen Kreisvorstand. Aus der Gesellschaft für Natur und Umwelt wird ein selbständiger Kreisverband gebildet.
06.-12. April: In der 2. Kreisausstellung des künstlerischen Volksschaffens im Jugendklubhaus gibt es etwa 200 Exponate des bildnerischen Schaffens, der Fotografie, der Keramik und der Textilgestaltung zu sehen. Dazu gibt es dort auf Tafeln dargebotene Einblicke in die Arbeit des Arbeitertheaters LW Rackwitz, diverser Chöre und des traditionsreichen Mandolinenorchesters.
13. April: Die Oberschule Nord II erhält den Ehrennamen „Rosa-Luxemburg“.
29. April: Auf einem Leserforum der LVZ teilt der Vorsitzende des Rates des Kreises, Karl Hübner, auf eine Anfrage mit, dass infolge des konzentrierten Wohnungsbaues und der dazu gehörenden Nachfolgeeinrichtungen in Delitzsch-Nord in den nächsten Jahren keine Baukapazität zur Errichtung eines Hallenbades bereitgestellt werden kann.

1981 Mai
02. Mai: In der Laueschen Straße gerät ein Traktor durch den Bruch der Hinterachse auf die rechte Straßenseite. Dabei wird ein Fußgänger erfasst, der an den Folgen der Verletzung am Unfallort verstirbt.
24. Mai: In einem Sonderkonzert treten im Karl-Marx-Haus der Schlagerstar Frank Schöbel und die Sängerin Gabi Rückert auf. Durch das Programm mit Sketcheinlagen führt Herbert Köfer.

1981 Juni
14. Juni: Es finden Wahlen zur Volkskammer und zum Bezirkstag statt. Die Wahlbeteiligung im Kreis beträgt 99,21%, wobei von den 99,97% gültigen Stimmen 99,80% auf die Kandidaten des Wahlvorschlages der Nationalen Front entfallen.
Aus Delitzsch werden Horst Heinrich (NDPD), Vorsitzender der PGH Klempner „Aufbau“ und Ursula Völkner (DFD), stellvertretende Kreisschulrätin als Volkskammerabgeordnete und Herbert Eichler (NDPD), stellvertretender Vorsitzender der PGH „Dachdecker“ sowie Bärbel Bergmann (SED) aus dem Zuckerkombinat Leipzig, Stammbetrieb Delitzsch, als Abgeordnete des Bezirkstages gewählt.
30. Juni: Die vom VEB Rohrtechnik zur „Messe der Meister von Morgen“ (MMM) 1980 entwickelte Solaranlage wird als erste dieser Art im Bezirk Leipzig in Betrieb genommen. Sie wird in den Sommermonaten für die Warmwasserversorgung des Betriebes und der daneben liegenden „Artur-Becker-Oberschule“ eingesetzt.

1981 Juli
Es wird mit der Innenrenovierung der Stadtkirche begonnen. Da staatlicherseits keine Rüstkapazität bereitgestellt wird, können die Wände nur bis zu einer Höhe von 8,5 Metern geweißt werden. Hierfür hat der Malermeister Pawlowski der Kirchengemeinde ein Malergerüst unentgeltlich überlassen. Alle Arbeiten werden von den Gemeindemitgliedern in Eigenleistung durchgeführt.
Die Marienkirche wird mit Hilfe finanzieller Zuschüsse der Staatlichen Denkmalhilfe renoviert. Auf dem westlichen Teil des Daches wird ein vergoldetes Metallkreuz angebracht. Dort befand sich früher der Glockenturm.
06.-07. Juli: In der Nacht muss die Freiwillige Feuerwehr zu vier verschiedenen Bränden ausrücken, die durch Brandstiftung verursacht worden sind. Durch Hinweise der Bevölkerung kann der Brandleger kurz danach verhaftet werden.
23.-26. Juli: Der GST-Kreisvorstand ist mit der Ausrichtung der 29. DDR-Meisterschaften im Modellflug beauftragt worden, an der etwa 100 Modellflugsportler teilnehmen. Der Austragungsort befindet sich auf einem Gelände zwischen Mocherwitz und Krostitz.

1981 August
23.-24. August: In der Johannes-R.-Becher-Straße brennt eine Mansardenwohnung völlig aus. Ein Wohnzimmerbrand in der Töpfergasse kann dagegen rechtzeitig gelöscht werden.
In diesem Jahr beendete der letzte Ross-Schlächter Otto Wachsmuth, Mauergasse 3, sein Gewerbe. Seit 1864 bestand dort dieser Schlachtbetrieb. Vor ihm waren in der Mauergasse die Ross-Schlächter Kirchner, Reiche, Jensch und Weise tätig.

1981 September
01. September: Nach einer umfassenden Renovierung wird der Schlossturm wieder eröffnet. In der darin nunmehr erweiterten Ausstellung des Museums ist auch ein eintausend Jahre alter slawischer Brunnen zu sehen, der im vorigen Jahr bei Bauarbeiten in der Beethovenstraße geborgen worden war.
12.-13. September: Die Bezirksausstellung der Fachgruppe Numismatik ist nach Delitzsch vergeben worden. Sie findet im Karl-Marx-Haus statt, wo auch ein Münzschlagwerk aufgestellt ist, auf dem aus Aluminiumrohlingen Gedenkmünzen geprägt werden.
15. September: Von Mitarbeitern der Kreisdienststelle des MfS Delitzsch und Spezialisten der Bezirksverwaltung Leipzig des MfS wird im Rahmen eines operativen Vorganges, in Abwesenheit der Bewohner, eine konspirative Durchsuchung eines Einfamilienhauses in Delitzsch, Rosenthal, durchgeführt. Während der über 16 Stunden andauernden Durchsuchung sollte der Nachweis vom Verrat wirtschaftlicher Geheimnisse, Durchführung strafbarer Handlungen und von Spionageverbrechen erbracht werden. Die Besitzer des Hauses erfuhren von diesem Vorgang erst nach 1990 im Rahmen der Einsicht in ihre „STASI-Akte“.
18. September: Erstmalig wird das von der Unteroffiziersschule in Benndorf ausgestaltete „Fest der sozialistischen Soldatenfamilien“ in einem Wohnbezirk der Stadt durchgeführt. Es findet im Wohnbezirk Nord XI statt; etwa 3.500 Besucher werden gezählt.

1981 Oktober
02. Oktober: Die Wohngebietsgaststätte „Stadt Delitzsch“ im Neubaugebiet Delitzsch-Nord wird eröffnet.
09. Oktober: Die 1.500ste Wohnung in Delitzsch-Nord wird übergeben. Für dieses Wohngebiet wird einer neu angelegten Straße der Name „Lessingstraße“ bestätigt.
11. Oktober: Bei der Bestenermittlung der Altersturner (25-80 Jahre) in Zwickau wird Frank Lahn (38) in der Altersklasse I DDR-Bester im Mehrkampf.
15. Oktober: Auf dem Gelände der Unteroffiziersschule wird die gastronomische Einrichtung „Haus der NVA“ eröffnet. Sie ist auch für die Öffentlichkeit zugänglich und hat einen Saal mit 800 Sitzplätzen

1981 November
Auf dem X. Pelzkongress der sozialistischen Länder in Prag erhält der VEB Pelzbekleidung Delitzsch, Sitz Eilenburger Straße, für einen Pelzmantel eine der drei an die DDR vergebenen Goldmedaillen.
20. November: Das Gelände östlich des Werkstättenweges wird zum Aufbaugebiet für Eigenheime bestätigt (Baubeginn 1982).

1981 Dezember
11. Dezember: Der Bürgermeister überreicht dem Lehrmeister Detlef Seeger den Schlüssel des von den Lehrlingen des VEB Reko-Bau und Schülern im Polytechnischen Unterricht renovierten Halleschen Turmes zur Nutzung für die drei Arbeitsgemeinschaften „Junge Bauhistoriker“, Junge Fotografen“ und „Polytechnik“. Seit September haben die Schüler im Polytechnischen Unterricht außerdem an der Rekonstruktion und dem Neuaufbau der Stadtmauer zwischen Mühlstraße und Tennisplatz gearbeitet.
31. Dezember: Bei der zu diesem Stichtag vorgenommenen Wohnraum- und Gebäudezählung wurde u. a. festgestellt, dass 73,7% der Wohnungen eine Warmwasserversorgung, 75,9% Bad oder Dusche und 75,1% ein Innen-WC besitzen. Die Einwohnerzahl hat sich auf 25.747 Personen erhöht (16.655 Bürger im arbeitsfähigen Alter, 4.204 Rentner, 4.887 Kinder bis zu 15 Jahren). Hierzu gehört auch der Ortsteil Gertitz, dessen Einwohnerzahl von ca. 200 (1975) auf ca. 300 gestiegen ist, da dort in diesem Jahr drei Wohnblocks mit 36 Wohneinheiten übergeben worden sind. Auch ein Teil der aus dem devastierten Kattersnaundorf umgesiedelten Familien fand dort neuen Wohnraum. Trotz des umfangreichen Wohnungsneubaues sind zum Jahresende noch 1.016 Wohnungssuchende, darunter 506 Notfälle, registriert.


1982

1982 Januar
11. Januar: Der bekannte Berliner Liedermacher Gerhard Schöne tritt auf Einladung des Kulturbundes in der Aula der Ehrenberg-Oberschule auf.

1982 Februar
Im Rahmen der 33. Kunstausstellung findet in der vor vier Jahren eingerichteten „Kleinen Galerie“ im Karl-Marx-Haus eine Ausstellung mit Werken des in Delitzsch beheimateten Architektur-Professors Geisler (Kunsthochschule Giebichenstein in Halle) statt.
22. Februar: Bei den in Berlin durchgeführten DDR-Meisterschaften der Pioniere im Flossenschwimmen und Streckentauchen gewinnt die Schülerin Heike Preuß von der GST-Sektion Tauchsport des RAW in der 4x200-Meter-Staffel im Flossenschwimmen die Goldmedaille.

1982 März
20. März: Die Schulze-Delitzsch-Chöre geben ein gemeinsames Konzert mit dem Chor „Krasnohorska“ aus Brno (CSSR), mit dem seit 1978 ein Patenschaftsvertrag besteht.
24. März: Auf der Kreisparteiaktivtagung wird Gerhard Kießling als 1. Sekretär der SED-Kreisleitung bestätigt; der bisherige 1. Sekretär Richard Tänzer hatte aus gesundheitlichen Gründen um seine Abberufung gebeten.

1982 Mai
01. Mai: Es erfolgt die Schlüsselübergabe für die zweite kombinierte Kindereinrichtung Nord mit 180 Kindergarten- und 90 Krippenplätzen, die den Namen „Bummi“ erhält.
21. Mai: Das RAW Delitzsch wird mit der Ehrenplakette des Präsidiums des DTSB der DDR für seine verdienstvolle Arbeit auf dem Gebiet der Körperkultur und des Sportes ausgezeichnet, die vom Werkdirektor Genossen Wesarg entgegen genommen wird. Die BSG Lok betreut mit ihren 142 Übungsleitern 3.000 Mitglieder in 15 Sektionen.

1982 Juni
13. Juni: Anlässlich des „Tages der Eisenbahner“ veranstalten die Kulturgruppen des RAW zusammen mit der Kinder- und Jugendtanzgruppe des Stammbetriebes Delitzsch des VEB Kombinat Süßwaren vor 700 Zuschauern ein Estradenprogramm im Tierpark.
13. Juni: Nachdem die Renovierungsarbeiten in der Stadtkirche vorerst abgeschlossen sind, findet in ihr der Kreiskirchentag statt. Ab jetzt kann die Kirche wieder regelmäßig für den Gottesdienst genutzt werden.
25. Juni: Der Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltungsreihe des Ehrenbergklubs ist der Auftritt des bekannten Berliner Humoristen Hansgeorg Stengel.

1982 Juli
Es wird mit dem Bau eines Fußweges in der Securiusstraße ab Naundorfer Weg in Richtung Schenkenberg und eines Radweges in der Bitterfelder Straße ab Rosa-Luxemburg-Straße stadtauswärts begonnen, der Ende September fertiggestellt sein soll.
Nach umfangreicher Renovierung wird im Museum der Ausstellungsraum „Tiere heimischer Landschaft“ wieder eröffnet, in der 80 Tierarten vorgestellt werden.

1982 August
05. August: Die seit einiger Zeit herrschende Hitzewelle (bis 30oC) hat den Wasserverbrauch in der Stadt von 6000-8000 m3 auf 18.000 m3 pro Tag ansteigen lassen. Damit ist die Kapazität des Wasserwerkes erschöpft, wodurch einschränkende Maßnahmen erforderlich sind. So ist beispielsweise das Gießen der Gartenanlagen nur in den Nachtstunden erlaubt und das Autowaschen untersagt. Am 11. August können die Einschränkungen wieder aufgehoben werden.
Die bisher vom Kraftwerk Thierbach genutzten Gebäude in der Spröde (Neubauernhäuser und ehemaliges Forsthaus) werden auf unbestimmte Zeit, bis zur Klärung über den Bau eines Heizwerkes, für private Nutzung zur Naherholung vergeben.

1982 September
01. September: Im zweiten im Kreis Delitzsch erschlossenen Braunkohlentagebau „Breitenfeld-Nord“, wird am Ortsrand von Wolteritz der Probebetrieb aufgenommen.
In der dritten neugebauten Schule in Delitzsch-Nord, der „Karl-Marx-Schule, beginnt der Unterricht mit vorerst 200 Schülern.
17. September: Seit der Inbetriebnahme im April 1975 ist im VEB Irima das 100.000ste männliche Kalb zur Aufzucht und Mast eingestallt worden. Die Jungbullen kommen nach 15 Monaten mit 450 Kilogramm zur Schlachtung, zumeist für den Export.
24. September: Ein schwerer Verkehrsunfall ereignet sich in der Nacht in der Securiusstraße. Ein radfahrendes Ehepaar wird von einem alkoholisierten Kradfahrer angefahren. Alle drei Beteiligten werden dabei schwer verletzt. Der Kradfahrer stirbt nach drei Tagen an den Folgen seiner Verletzungen.

1982 Oktober
01. Oktober: Die Außenstelle Delitzsch der Musikschule Leipzig Land erhält am „Weltmusiktag“ ein renoviertes Haus -Ecke Gerberplan/Weg zum Schützenplatz- in dem für etwa 100 Schüler 5 Unterrichtsräume zur Verfügung stehen.
04. Oktober: Nach erfolgtem Umbau wird in der Beethoven-Straße 14 eine neue Kinderkrippe für 35 Kinder in Nutzung genommen.
06. Oktober: Die auf einem Tonband aufgenommenen „Schwedischen Reitersignale“ werden über zwei Tonsäulen erstmalig vom Breiten Turm abgespielt. Sie sollen ab jetzt jeden Freitag um 16.15 Uhr zu hören sein.
Die evangelische Kirchgemeinde Delitzsch nimmt Patenschaftskontakte mit der Gemeinde in Bad Ems in der BRD auf.

1982 November
Nachdem die Plattenverlegung auf dem „Kleinen Markt“ beendet worden ist, beginnen die weiterführenden Arbeiten am „Großen Markt“.

1982 Dezember
01. Dezember: Die Ambulanz in Delitzsch-Nord ist fertiggestellt. Sie beginnt mit zwei Arztplätzen. Bis 30. April 1983 werden dort drei Ärzte, vier Zahnärzte, vier Zahntechniker und eine Fachschwester ihre Tätigkeit aufnehmen. Auch eine Apothekenausgabestelle wird dort eingerichtet.
03. Dezember: Es findet ein Konzertabend mit Ute Freudenberg und der Gruppe „Elefant“ statt.
05. Dezember: Der evangelische Pfarrer Laqua wird in die Kirchgemeinde eingeführt. Er bleibt hier bis zu seinem Weggang Ende 1987.
Zum Jahresende gibt es nach der Fertigstellung von weiteren 620 Neubauwohnungen in Delitzsch-Nord 2.340 Wohnungen. Die Einwohnerzahl der Stadt beträgt 26.288 Personen. Insgesamt gibt es 11.085 Wohnungen in der Stadt.
In der Stadt Delitzsch sind die Verkehrsunfälle gegenüber dem Vorjahr von 49 auf 65 angestiegen, wobei sich die Zahl der Verletzten von 39 auf 53 Personen und die Anzahl der Toten von einen auf zwei erhöhte. Im Kreisgebiet ereigneten sich 191 Verkehrsunfälle mit 160 Verletzten, darunter 13 Kinder. Sieben Personen kamen ums Leben.


1983

1983 Januar
02. Januar: Das zu einer Kinderkrippe mit 25 Plätzen umgebaute Haus Bitterfelder Straße 23 wird zur Nutzung übergeben.
26. Januar: In der Stadtverordnetenversammlung wird mitgeteilt, dass in diesem Jahr der Wohnungsbau in Delitzsch-Nord mit der Errichtung von 220 Wohnungen abgeschlossen wird. Neue Standorte für den innerstädtischen Wohnungsbau sind in der Altstadt geplant. Die Rekonstruktion der Fassaden und des Straßenaufbaus der Breiten Straße werden vorbereitet.

1983 Februar
14. Februar: Der Omnibus-Stadtverkehr wird mit neuen Linien zum Wohngebiet Delitzsch-Nord, das schon jetzt ca. 7.000 Einwohner aufweist, erweitert.

1983 März
Da nunmehr alle Standorte für den Eigenheimbau in Delitzsch-Ost vergeben sind, wird die Fläche zwischen Schachtweg und Hainstraße –im Westen der Stadt- zum neuen Aufbaugebiet erklärt. Diese Straße trägt später den Namen „An den Gärten“.
Der VEB Gebäudewirtschaft erhält den Auftrag zum Abriss der Stadtmühle, nachdem dieser durch ein Gutachten vom 10. Oktober 1982 von der Staatlichen Bauaufsicht gefordert wurde. Im Jahre 1958 war die Restaurierung der Fassade dieses denkmalgeschützten Gebäudes erfolgt. Kurz darauf beschädigte ein Kraftfahrzeug die Freitreppe. Eine Behebung des Schadens erfolgte nicht. Wegen fehlender Baukapazität konnte die erforderliche Sanierung der Mühle nicht vorgenommen werden. Der 1966 beschlossene Abriss dieses barocken Gebäudes kam wegen des Einspruchs des Institutes für Denkmalpflege nicht zur Ausführung Man überließ es dem Verfall. Einige wertvolle Teile konnten gesichert werden und sollten für einen geplanten Wiederaufbau Verwendung finden. Eine Dokumentation mit Nutzungskonzept wurde für einen Wiederaufbau bis 1987 erarbeitet. Dieser kam nicht zur Ausführung.
Nachdem die Kleingartensparte „Sonneneck“ gegründet wurde, besteht der VKSK nunmehr aus 19 Kleingartensparten, zwei Siedlungssparten und neun Züchtersparten.
21. März: Die prominenten Unterhaltungskünstler Dagmar Frederic und Peter Wieland gastieren mit ihrem „Showkonzert 83“ im Karl-Marx-Haus.

1983 April
28. April: Die Kommunale Berufsschule in der Karl-Marx-Straße erhält den Namen „Clara Zetkin“ (heute Berufliches Bildungszentrum Dr. Hermann Schulze-Delitzsch).

1983 Mai
01. Mai: Als 27. Gaststätte der Stadt eröffnet der Konsum das „Büfett am Markt“ –Markt Nr.19- als Tagesbar. Der bisherige Stand an gastronomischen Einrichtungen umfasst 18 HO-Gaststätten, zwei Konsumgaststätten, zwei Kommissionshandelsgaststätten, zwei private Gaststätten und zwei Mitropagaststätten.
05. Mai: Anlässlich des 165. Geburtstages von Karl Marx erhält die POS Nord III den Namen „Karl-Marx-Schule“. Zum feierlichen Appell wird auch ein „Karl-Marx-Denkmal“ enthüllt, das der aus Delitzsch stammende und jetzt in Berlin ansässige Bildhauer Werner Richter geschaffen hat.
06. Mai: Infolge Brandstiftung wird das Holzlager des VEB Gebäudewirtschaft völlig zerstört. Der Brandstifter, der wenige Tage später ergriffen wird, erhält eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten.
27. Mai: Zum Abschluss der Arbeiten zur Neugestaltung des Marktplatzes wird der dort nach einem Entwurf des Bildhauers Werner Richter gestaltete Brunnen mit dem Namen „Marktbrunnen“ übergeben.
In der Schkeuditzer Straße erleidet ein Kradfahrer beim Überholen von zwei Radfahrern einen schweren Unfall, an dessen Folgen er im Krankenhaus verstirbt.

1983 Juni
04. Juni: Das Stabsmusikkorps der Landstreitkräfte der NVA gibt im Tierpark ein Militärkonzert.
18.-19. Juni: Beim Parkfest ist der erfolgreiche Delitzscher Boxer Siegfried Mehnert, der sich jetzt mit der DDR-Nationalmannschaft auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Los Angeles vorbereitet, Mitglied der Jury für das „Kinderfest mit Adi“.
Die Fachgruppe „Rosen und Stauden“ des Kulturbundes gestaltet anlässlich ihres 10-jährigen Bestehens im Saal des Karl-Marx-Hauses eine Rosenausstellung, die 5.000 Gäste besuchen.

1983 August
13. August: Ein 19-jähriger Kradfahrer fährt unter Alkoholeinfluss in der Laueschen Straße (Ortsteil Werben) frontal gegen eine Gartensäule. Er verstirbt an der Unfallstelle, die Soziusfahrerin wird schwer verletzt.
16. August: Karl Hübner (SED) wird nach fast 25-jähriger Tätigkeit als Vorsitzender des Rates des Kreises aus gesundheitlichen Gründen von seiner Funktion entbunden. Als sein Nachfolger wird der bisherige 1. Stellvertreter Lothar Elze (SED) gewählt.

1983 September
25. September: Die katholische Gemeinde begeht ihre 125-Jahr-Feier. Aus diesem Anlass ist der Altarraum der Kirche neu gestaltet worden.

1983 Oktober
In Neubaugebiet Delitzsch-Nord wird die „Nord-Apotheke“ eröffnet.
27. Oktober: In der Artur-Becker-Sporthalle wird ein Ländervergleichskampf der Nachwuchsmannschaften im Boxen DDR - SR Rumänien ausgetragen.
28. Oktober: Im „Haus der NVA“ findet die 218. Folge der beliebten Sendereihe „Alte Liebe rostet nicht“ mit Günter Hansel und Manfred Uhlig statt. Mitwirkende sind auch das Große Rundfunkorchester Leipzig und die Sängerin Regina Thoß. Die Übertragung im Radio DDR erfolgt am 6. November.

1983 November
01. November: In Delitzsch-Nord wird in der Rosa-Luxemburg-Straße ein Wohnblock für altersgerechtes Wohnen mit 95 Einraum- und 20 Zweiraumwohnungen bezogen. Weitere 220 Wohnungen in diesem Wohngebiet sind bezugsfertig. Damit gibt es in Delitzsch-Nord 2.672 Wohnungen. Des weiteren wurden in der Stadt noch 56 Wohnungen in der Bitterfelder Straße gebaut, die bis Jahresende bezogen werden. Die Zahl der Eigenheime hat sich durch 34 Neubauten seit September 1971 auf 293 erhöht. Ferner sind 22 Eigenheime zwischen der Laueschen Straße und dem Werkstättenweg im Bau.
Ein neuer Busbahnhof am unteren Bahnhof mit sechs Bahnsteigen wird in Betrieb genommen.

1983 Dezember
Auf dem Weihnachtsmarkt ist eine Pyramide aufgestellt, die mit Märchen- und Tiermotiven von der PGH Tischler gestaltet wurde.
Zum Ende des Monats wird die Marktgestaltung einschließlich der Fassadenerneuerung abgeschlossen.
Im Wohngebiet Delitzsch-Nord ist für die Karl-Marx-Schule die Sporthalle fertiggestellt worden. Damit gibt es nun in Delitzsch-Nord zwei Sporthallen.
Im Kreisgebiet ereigneten sich in diesem Jahr 188 Verkehrsunfälle.


1984

1984 Januar
14. Januar: Auf der Kreisdelegiertenkonferenz der SED, die im Beisein des Mitgliedes des ZK der SED und stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates der DDR Wolfgang Rauchfuß stattfindet, wird der Genosse Gerhard Kießling als 1. Sekretär der SED-Kreisleitung wiedergewählt. Sein Stellvertreter wird wiederum Werner Eidner, die Kreisleitung besteht aus 55 Mitgliedern sowie 11 Kandidaten und das Sekretariat der Kreisleitung aus 11 Mitgliedern.
20. Januar: Im Gebäude Gerberplan 4 und im Lager des VEB Gebäudewirtschaft entstehen durch Brandstiftung zwei Brände, bei denen jedoch durch den schnellen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr größerer Schaden vermieden werden kann. Der Täter wird noch am gleichen Tag verhaftet.
26. Januar: Delitzsch gehört zu den 100 besten Städten und Gemeinden, die vom Präsidenten des Nationalrates der NF der DDR Prof. Dr. Dr. Lothar Kolditz für hervorragende Leistungen in der Bürgerinitiative „Schöner unsere Städte und Gemeinden - mach mit“ mit einer Ehrenurkunde des Ministerrates und des Nationalrates ausgezeichnet werden.

1984 Februar
06. Februar: Die Breite Straße wird zur Vorbereitung der in diesem Jahr anstehenden komplexen Rekonstruktion für den Durchgangsverkehr gesperrt. Begonnen wird mit den Grundstücken mit ungeraden Hausnummern. Nach der im nächsten Jahr geplanten Fortführung der Arbeiten an den Grundstücken mit geraden Hausnummern soll diese Straße zu einer Fußgängerzone gestaltet werden.
25. Februar: Ein Schaufelradbagger überquert bei seiner Überführung vom Tagebau Delitzsch-Südwest zum Tagebau Goitzsche in Höhe von Rödgen die F 184 und die Bahnlinie. Er wird ab März die Braunkohleförderung aufnehmen.
29. Februar: Bei einem Zugunglück auf der Strecke Delitzsch-Halle in Hohenturm werden sechs Lehrlinge aus dem RAW Delitzsch getötet.

1984 März
Zur Zeit arbeiten 1.500 Bergleute in den Tagebauen im Kreisgebiet, von denen 600 mit ihren Familien in Delitzsch-Nord wohnen.
21. März: Am frühen Nachmittag ereignete sich im oberen Stockwerk des Hauses Anna-Seghers-Straße 3 eine Gasexplosion. Der Wohnungsinhaber, ein alter Mann, verliert dabei sein Leben. Außerdem entsteht beträchtlicher Sachschaden.

1984 Mai
Die neu gebaute Brücke an der ehemaligen Stadtmühle wird für den Verkehr freigegeben. Eine weitere Straßenbaumaßnahme in diesem Jahr ist die Fertigstellung des Rad- und Gehweges in der Leninstraße bis zur J.-R.-Becher-Straße. Die Arbeiten zur Parkerweiterung in Richtung Naundorfer Mühle werden fortgesetzt und sind auch für das nächste Jahr vorgesehen.
06. Mai: Es finden Kommunalwahlen statt. Bei der einige Tage später stattfindenden Konstituierung der Stadtverordnetenversammlung wird Karl Lubienski (SED) wiederum als Bürgermeister bestätigt. Weiterhin gehören dem Rat der Stadt noch drei Stellvertreter, der Sekretär und acht hauptamtliche Stadträte an. Der Kreistag wählt erneut Lothar Elze zum Vorsitzenden des Rates des Kreises.
25. Mai: Zu seinem 30-jährigen Jubiläum gibt der Schulze-Delitzsch-Männerchor unter der Leitung von Eberhard Volke ein Konzert, an dem der Schulze-Delitzsch-Frauenchor unter der Leitung von Jürgen Heine, Gesangssolisten und das Staatliche Orchester Borna mitwirken.
30. Mai: Im „Stadion der Eisenbahner“ wird die 20. Kreis-Kinder- und Jugendspartakiade mit 3.000 Teilnehmern durch einen feierlichen Appell eröffnet. Im Anschluss an die offizielle Zeremonie tritt die Hochseilgruppe „Gebrüder Weisheit“ auf, die eines der führenden Artistenensembles dieser Art ist.

1984 Juni
30. Juni: Beginn des Delitzscher Parkfestes, das ab jetzt mit dem „Tag des Bergmanns“ verbunden wird.

1984 Juli
04. Juli: In der Stadtverordnetenversammlung wird mitgeteilt, dass in der vor 35 Jahren mit drei Ärzten und neun Schwestern gegründeten Kreispoliklinik nunmehr 23 Ärzte und 102 Beschäftigte des mittleren medizinischen Personals angestellt sind. Dazu kommen noch das neue Stadtambulatorium mit 12 Arztpraxen sowie 12 Ärzte im Kreiskrankenhaus. Im gesamten Kreis praktizieren 54 Humanmediziner und 32 Zahnärzte mit 1.100 Mitarbeitern.
04. Juli: Ein Radfahrer, der nach dem Öffnen der Schranken in Richtung Delitzsch-Ost gefahren ist, wird in der Leninstraße in Höhe des VEB Kohlehandel von einem LKW erfasst. Er stirbt an den Unfallfolgen kurz darauf im Kreiskrankenhaus.
Im ersten Halbjahr haben sich im Kreisgebiet bereits 91 Verkehrsunfälle ereignet, bei denen 66 Personen verletzt und vier Personen getötet wurden.

1984 September
01. September: Die Sporthalle II der Karl-Marx-Oberschule in Delitzsch-Nord wird ihrer Bestimmung übergeben.
17. September: Eine Kaufhalle in Delitzsch-Nord wird eröffnet.
Die als Lückenbebauung fertiggestellten Häuser Bitterfelder Straße 29/29 a und in R.-Breitscheid-Straße 75 werden vorrangig von den Einwohnern des devastierten Dorfes Grabschütz bezogen.

1984 Oktober
07. Oktober: Das frühere „Eilenburger Eck“ wird nach seinem Umbau als „Jugendklub Ost“ wieder eröffnet.
24-25. Oktober: In der Nacht sowie in den Morgenstunden gibt es zwei Brände. Im Abrissgrundstück Holzstraße 3 –das Haus wird erst 1988 abgebrochen- konnte ein Übergreifen des Brandes auf das Nachbargrundstück verhindert werden. In der Wohnunterkunft des BKK Bitterfeld in der R.-Breitscheid-Straße entsteht mittlerer Schaden.

1984 November
23-24. November: Ein Sturmtief verbunden mit einer Kaltfront überzieht unser Gebiet. Durch orkanartige Böen und Gewitter entstehen an mehreren Gebäuden Schäden. An über 30 Dächern können sie kurzfristig behoben werden, während drei Wohnhäuser von Schäden größeren Umfangs betroffen sind.

1984 Dezember
Zum 1. Advent kann die evangelischen Marienkirche wieder für den Gottesdienst genutzt werden. Das Kircheninnere wurde seit Beginn des Jahres zum Teil wieder in Eigenleistung durch die Gemeinde renoviert.
03. Dezember: Die dritte kombinierte Kindereinrichtung in Delitzsch-Nord mit 90 Krippen- und 180 Kindergartenplätzen wird übergeben. Sie erhält den Namen „Buratino“. Die erste Kindereinrichtung in Delitzsch-Nord erhielt im gleichen Jahr den Namen „Sonnenland“.
Mit der symbolischen Schlüsselübergabe durch den Bürgermeister wird der Jugendklub Nord als dritte Einrichtung dieser Art eröffnet (1994 befindet sich dann dort ein griechisches Restaurant).
1984 ereigneten sich in der Stadt 55 Verkehrsunfälle mit 49 Verletzten und zwei Toten.
In diesem Jahr besteht die Delitzscher Bäckerinnung 550 Jahre. Die staatliche Handelsorganisation HO hat in der Stadt 105 Verkaufsstellen, wo 865 Arbeitskräfte tätig sind.
Auch begannen in diesem Jahr die Abbrucharbeiten der historischen Wohnhäuser der Südseite der Holzstraße zwischen den Hausnummern 4 bis 26, mit dem Haus Nr.14. Damit fällt ein wichtiger Teil der Delitzscher Altstadt der DDR-Wohnungsbaupolitik zum Opfer. Die Häuser stammten größtenteils aus dem 16./17. Jahrhundert.


1985

1985 Januar
Es wird eine Wohnungstauschzentrale im Rathaus eingerichtet. Deren Aufgabe besteht darin, die unterbelegten Wohnungen vieler, vor allem älterer Bürger an Familien mit Kindern zu vermitteln. Ein Tausch soll eine angemessene Belegung fördern und damit zur Erfüllung der Zielstellung, „in der DDR die Wohnungsfrage als soziales Problem bis zum Jahr 1990 zu lösen“, beitragen.

1985 Februar
Für das von 1986-1990 zu errichtende Neubaugebiet Delitzsch-West sind folgende Straßennamen bestätigt worden: Loberaue, Weißdornweg, Kastanienweg, Straße der Freundschaft, Straße der Aktivisten, Franz-Neubauer-Straße.

1985 April
In der Eilenburger Chaussee beginnt der Bau eines kombinierten Rad- und Fußweges, der bis zur Gaststätte des Ziehwerkes führen soll.

1985 Mai
01. Mai: Die Ausstellung des Museums im Breiten Turm ist durch die Einrichtung einer Schusterwerkstatt erweitert worden.
04. Mai: Das Jugendblasorchester, bestehend aus 21 Jugendlichen, begeht sein 20-jähriges Jubiläum. Es wurde von Horst Brade 1965 mit 17 Schülern der Musikschule Leipzig-Land, Außenstelle Delitzsch gegründet. Es erhielt die Titel „Hervorragendes und Ausgezeichnetes Volkskunstkollektiv der DDR“.
07. Mai: Im Tagebaugebiet Goitzsche beginnt der Aufschluss des Baufeldes Rösa.
08. Mai: Am 40. Jahrestag des „Sieges über den Faschismus und die Befreiung des deutschen Volkes von der Nazibarbarei“ marschiert ein Demonstrationszug mit den Kranzdelegationen und 2.500 Teilnehmern zum Ehrenmal für die Opfer des Faschismus in der Bitterfelder Straße und zum Ehrenhain auf dem Friedhof. Dort wird im Rahmen dieser Veranstaltung auch ein Gedenkstein als Mahnmal für die 14 Opfer des KZ-Todesmarsches von 1945 aufgestellt. An der Gedenkfeier für die 118 Sowjetbürger, die als Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ihr Leben ließen, die elf polnischen sowie zehn französischen Kriegsopfer und die 14 unbekannten ermordeten KZ-Häftlinge nehmen auch junge Sowjetsoldaten der Leipziger Pateneinheit teil.

1985 Juni
In diesem Jahr muss das Parkfest auf Grund von Quarantänemaßnahmen wegen einer Tierseuche ausfallen.
13. Juni: Aus Anlass des 40. Jahrestages der Gründung des FDGB versammeln sich 1.500 Kollegen im RAW. Dort verleiht der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Reichsbahn, Helmut Maldins, im Namen des Ministers für Verkehrswesen der DDR und des Generaldirektors der DR dem Werk den Namen des ersten Vorsitzenden des Bundesvorstandes des FDGB, „Herbert Warnke“.
16. Juni: Eine Unterkunftsbaracke in der Richard-Wagner-Straße brennt vollständig nieder.
24. Juni: Im Hofgebäude des Verkehrserziehungszentrums am Schäfergraben wird die Ausstellung „125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Delitzsch“ eröffnet.

1985 Juli
03. Juli: Im St.-Georg-Hospital begeht die Delitzscher Einwohnerin Emma Böhme ihren 100. Geburtstag.
25. Juli: In der Sitzung des Rates wird berichtet, dass es jetzt in der Stadt 11.649 Wohnungen gibt, von denen 77,9 % mit Bad oder Dusche, 78,6 % mit IWC und 27,7 % mit Zentral- oder Fernheizung ausgestattet sind. Es liegen immer noch etwa 1.300 Wohnungsanträge vor. Der Bedarf an neuen Wohnungen bis zum Jahr 1990 wird auf 1.000 Wohnungen eingeschätzt. Er soll durch das zukünftige Neubaugebiet Delitzsch-West mit 700 Wohnungen, Lückenbebauung in der Innenstadt und durch den jährlichen Bau von 15 Eigenheimen abgedeckt werden.

1985 August
26. August: Ein neues Postamt für das Wohngebiet Delitzsch-Nord wird in der Rudolf-Breitscheid-Straße eröffnet.

1985 September
Zum Schulbeginn ist ein Lehrschwimmbecken in der „Comenius-POS“ fertiggestellt worden.
14.-15. September: In der Artur-Becker-Sporthalle finden die DDR-Meisterschaften der Junioren-Judokas mit 240 Aktiven statt.
Das Kreismuseum hat aus Anlass des 40. Jahrestages der Zerschlagung des Faschismus eine Wanderfotoausstellung „Entwicklung der Landwirtschaft vom Feudalismus bis zum Sozialismus“ gestaltet.

1985 Oktober
Es beginnen die Sanierungsarbeiten der Museumsräume im Schloss, die seit 1974 baupolizeilich gesperrt sind.
07. Oktober: An dem im Karl-Marx-Haus stattfindenden Internationalen Tanzturnier der Junioren Klasse C nehmen Nachwuchspaare aus der Bulgarischen VR, der CSSR und der DDR, darunter auch „Grün-Gold“ Leipzig, teil.
Im Heimattiergarten werden die Bären in einem neuen Gehege untergebracht.

1985 November
10. November: Ausgangs des Fußgängerüberweges zur Leninstraße wird ein Passant von einem PKW angefahren und dabei tödlich verletzt.
16. November: Im Neubaugebiet Delitzsch-Nord wird eine Familienplastik feierlich übergeben. Sie wurde von der bulgarischen Bildhauerin Emilia Nikolowa-Beyer im Auftrag des Bundesvorstandes des DFD gestaltet.
Für den Neubau von Reihenhäusern in der Holzstraße und Mauergasse hat man begonnen die historische Wohnhausbebauung an der Südseite der Holzstraße abzubrechen. Bis 1990 sollen dort 25 Eigenheime errichtet werden.

1985 Dezember
03. Dezember: Aus Anlass der 125-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr findet im Depot am Schäfergraben ein feierlicher Empfang statt. Sie hat 91 Mitglieder, von ihnen sind 67 Aktive, davon fünf Frauen.
15. Dezember: Das diesjährige Weihnachtskonzert ist dem 20-jährigen Bestehen des Schulze-Delitzsch-Frauenchores gewidmet. Sein Auftritt unter der Leitung von Jürgen Heine wird vom Schlossquartett und Peter Zimmer als Sprecher begleitet.
Der erste Spatenstich für den neuen Stadtteil Delitzsch-West wird vorgenommen.
26. Dezember: Ein Kellerbrand in der Straße der Jugend 17 zerstört die Versorgungsleitungen.
In diesem Monat nimmt der Betrieb VEB Backwaren in einem dafür neu errichteten Produktionsgebäude in der Securiusstraße (heute Gelände des Extra-Einkaufsmarktes) seinen Betrieb auf.
Zum Jahresende ist die Fassadengestaltung der Häuser in der Breiten Straße abgeschlossen; die Gestaltung der Fußgängerzone soll im nächsten Jahr erfolgen.
Weiterhin ist am Schäfergraben/Ecke Bitterfelder Straße ein Block mit 26 Wohnungen fertiggestellt worden, der sich am Standort des ehemaligen „Armenhauses“ befindet. Im nächsten Jahr soll an einer Stelle in der Bitterfelder Straße ein weiterer Block errichtet werden.
Die Kleingärtner des Kreises Delitzsch lieferten 615 Tonnen Gemüse und 693 Tonnen Obst an die hiesigen Verkaufsstellen.
Der Durchschnittslohn der Arbeiter und Angestellten des RAW beträgt 11360 Mark im Jahr.


1986

1986 Januar
03. Januar: Im Karl-Marx-Haus beginnt die neue Veranstaltungsreihe „Klassische Musik“ mit dem Delitzscher Schlossquartett. Diesem gehören Bernd Röhricht, Peter Gräfe, Hans-Jörg Teske und Norbert Schischke.
14. Januar: Der Maurer Paul Sander, wohnhaft im Rosenthal, begeht seinen 100. Geburtstag, wenige Tage später verstirbt er.
Zur Kreisdelegiertenkonferenz der SED in Delitzsch wird Gerhard Kießling zum 1. Sekretär wiedergewählt.
22. Januar: Im Tiergarten werden sechs Bärenkinder geboren.

1986 Februar
08. Februar: Der Stabsfähnrich Harald Klemm rettet zwei Kinder aus dem Wallgraben vor dem Ertrinken.

1986 März
12. März: Der Gärtnermeister Rolf Dörfel und sein Kollektiv erhalten die „Ehrennadel der Stadt Delitzsch“.

1986 April
23. April: In der Breiten Straße wird das neue „Café Boulevard“ eröffnet. Im Delitzscher Ortsteil Werben wird an diesem Tag in einem dafür umgebauten ehemaligen Schulgebäude ebenfalls eine neue Gaststätte ihrer Bestimmung übergeben. In der Stadt bestehen damit nunmehr 14 Speisegaststätten, neun Bierstuben, fünf Cafés und eine Eisdiele.
25. April: Die Freiflächengestaltung im Wohnbezirk Nord ist fertiggestellt. Die Stadtgärtnerei pflanzte 100 Starkbäume in den Stadtbezirken Nord, Ost und im Park.

1986 Mai
03. Mai: Im Karl-Marx-Haus findet ein Sängertreffen mit den Chören aus Bitterfeld und Delitzsch statt.
20. Mai: In der Veranstaltungsreihe des Ehrenberg-Clubs im Karl-Marx-Haus spricht Professor Dr. h.c. mult. Manfred von Ardenne über Probleme und Ergebnisse seiner gegenwärtigen Forschung.
24. Mai: Im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion in Delitzsch erfolgt die Vereidigung der Soldaten aus der Unteroffiziersschule „Kurt Bennewitz“.

1986 Juni
12. Juni: Die Breite Straße erhält einen neuen Straßenbelag.
13. Juni: Nach vielen Eingaben der Bewohner wird die Freilichtbühne am Schloß für Rockkonzerte mit einer Lärmschutzwand versehen.
18. Juni: Auf dem Schützenplatz baut die Deutsche Post eine neue Fernsprech- und Fernmeldedienstanlage.
29. Juni: Nach erfolgter Restaurierung des „Apfelbiss-Paares“, Adam und Eva am Turm der Stadtkirche, wird die Tradition des Apfelbisses wieder aufgenommen.

1986 Juli
04. Juli: Auf Grund der anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen wird die Bevölkerung zum sparsamen Wasserverbrauch aufgerufen.

1986 August
07. August: Die Erschließungsarbeiten für den Wohnbezirk Delitzsch-West beginnen.

1986 Oktober
07. Oktober: Nach Abschluss der Rekonstruktionsmaßnahmen wird die Breite Straße durch den Bürgermeister Karl Lubienski als Fußgängerzone übergeben.
23. Oktober: An der Leninstraße (Beerendorfer Straße) hinter dem Garagenkomplex wird eine Fläche von 4,3 Hektar für einen neuen Friedhof vorbereitet.
Delitzsch hat drei Tankstellen, die im Wechsel an den Wochenenden geöffnet haben. Eine führt nur Benzin für Viertaktmotoren, so dass für die Pkw-Fahrer mit Viertakt-PKW (Lada, Skoda u. a.) Versorgungsprobleme bestehen.

1986 Dezember
Zum diesjährigen Weihnachtsmarkt wird die Figurengruppe „Apfelbiss“ im Turm der Stadtkirche erneut bedient. Zur Eröffnung bietet man eine Riesenstolle an.
15. Dezember: Die Eisenbahnstrecke Delitzsch-Eilenburg ist fertig elektrifiziert.
24. Dezember: Die moderne Produktionsanlage des VEB Backwaren Delitzsch in der Securiusstraße wird vorfristig in Betrieb genommen.


1987

1987 Januar
Das Jahr beginnt mit starken Schneefällen und länger anhaltendem Frost. Es kommt teilweise zu Stromabschaltungen und Verkehrsbehinderungen.
13. Januar: Der langjährige Betriebsdirektor des VEB Pelzbekleidung in der Eilenburger Straße 22, Karl Gräfe, wird in den Ruhestand verabschiedet.

1987 April
22. April: Das Mandolinenorchester begeht sein 65-jähriges Bestehen.
23. April: Vor Beginn der Montage der Wohnblocks in Delitzsch-West werden 344 Wohnungen vergeben. Davon entfallen 90 Wohnungen für Einwohner aus den zu devastierenden Dörfern Seelhausen, Schladitz und Sausedlitz, 120 Wohnungen für das BKK Bitterfeld, 50 Wohnungen für die NVA und 84 für die Kommunale Wohnraumvergabe.
Das im Vorjahr gelieferte Orgelpositiv – eine pedallose Standorgel- erklingt zum ersten Mal wieder in der Stadtkirche. Die aus dem Jahre 1889 stammende Orgel ist seit Jahren nicht mehr spielbar. An eine Reparatur ist in absehbarer Zeit nicht zu denken.

1987 Mai
Die Stadtverwaltung schließt mit 169 Betrieben Kommunalverträge über betriebliche Leistungen für die Stadt ab. Der Leistungsumfang beträgt 3,7 Millionen Mark.
25. Mai: Beim Spielen verursachen Kinder im RAW Delitzsch einen Brand. Drei Reisezugwagen und ein Güterwagen werden dabei beschädigt.
28.Mai: Montagebeginn des ersten Wohnblockes im Neubaugebiet Delitzsch-West.

1987 Juni
Unerlaubt befuhr eine Motorradbesatzung einen befestigten Weg im Stadtpark Delitzsch. Der Fahrer prallte dabei gegen einem Baum und verstarb an den Folgen der Verletzung. Der Soziusfahrer erlitt schwere Verletzungen.
Der Rat der Stadt schließt 16 Nutzungsvereinbarungen mit Kleintierhaltern zur Grünfutter- und Heugewinnung von öffentlichen Grünanlagen ab.

1987 Juli
04. Juli: Das 19. Parkfest wird mit Böllerschüssen und den Schwedensignalen eröffnet.
Am gleichen Tag wird der evangelische Superintendent Heinrich Behr, der am 1. Mai gewählt wurde, in sein Amt eingeführt.
26. Juli: Das aus Spenden von westdeutschen Katholiken finanzierte Altersheim „Sankt Maria am Rosenthal“ in der Hainstraße, wird durch den Bischof Johannes Braun aus Magdeburg eingeweiht.

1987 August
04. August: Im Heizwerk Delitzsch-Nord wird ein neuer Schornstein errichtet. Mittels eines Hubschraubers werden die Schornsteinsegmente montiert.

1987 September
Im Kreis gibt es noch 82 private Handwerksbetriebe, davon 57 im Bereich Handel und Gaststätten –zeitgenössisch Örtliche Versorgungswirtschaft (ÖVW) genannt- , 16 im Bereich Bau und neun im Bereich Verkehr. Desweiteren bestehen zehn PGH für Bau, Frisör, Modezentrum, Dachdecker, Maler, Fleischer, Ofenbau, Tischler, Elektriker, KFZ und drei Einkaufs- und Liefergenossenschaften (Metall, Holz und Lederwaren).
Zur Erweiterung des Grüngürtels in der Loberaue werden Bäume in den Rubachwiesen an der Richard-Wagner-Straße angepflanzt.

1987 Oktober
23. Oktober: In einem feierlichen Gottesdienst in Wittenberg erfolgt die Ordination der Pastorin Höck, die bereits im Juli ihre Tätigkeit in Delitzsch aufgenommen hat.

1987 Dezember
09. Dezember: In diesem Jahr erhalten 39 Kinder die „Sozialistische Namensweihe“. Die Musikschule umrahmt diese Veranstaltung, die im Delitzscher Rathaus stattfindet.
31. Dezember: Die Zuckerfabrik beendet die Zuckerrübenkampagne mit der Produktion von 35.200 Tonnen Zucker.
In diesem Jahr erfolgten 70 Wiedereingliederungen von Strafentlassenen; darunter sind 38 Personen, die aus Anlass der Amnestie zum 38. Jahrestag der DDR vorzeitig entlassen wurden.
An der Kinder- und Schulspeisung nahmen in diesem Jahr ca. 83% der Kinder teil. An den Delitzscher Markttage beteiligten sich in diesem Jahr 472 Kleingärtner. Es wurden 24,1 Tonnen Obst und Gemüse sowie für 63.400 Mark Blumen verkauft.
Die abschließende Unfallbilanz für 1987 lautet: Insgesamt 174 Verkehrsunfälle im Kreis Delitzsch. Als Ursachen werden überhöhte Geschwindigkeit, Vorfahrtsverletzungen, Fahren unter Alkohol und falsches Überholen angegeben.


1988

1988 Januar
19. Januar: Im „Haus der Dame“, ein Konfektionsgeschäft für Damenbekleidung in der Breiten Straße, wird eingebrochen. Dabei werden auch zahlreiche Bekleidungsstücke beschädigt.

1988 Februar
12. Februar: Für das Bauvorhaben des Wasserwerkes in der Bitterfelder Straße und der Zentralen Abwasserbehandlung Delitzsch nördlich der Kosebruchteiche an der Fernverkehrsstraße 184, werden acht Millionen Mark bereitgestellt.
Eine sogenannte Investbauleitung zum Bau einer Schwimmhalle im Neubaugebiet Delitzsch-West wird bestätigt. Diese Schwimmhalle wird nach 1990 nicht fertiggestellt, man brach 1996 alle Baulichkeiten ab und errichtet an diesem Standort an der Securiusstraße eine Tankstelle.

1988 März
10. März: Mit der „Ehrennadel der Stadt Delitzsch“ wurde Detlef Seeger für seine Arbeiten im Denkmalschutz ausgezeichnet.
18. März: Jugendliche Rowdys überfallen in der Securiusstraße zwei männliche Personen. Die Täter konnten durch die Polizei ermittelt werden.
Die Arbeitspläne der Interessengemeinschaft zur Stadtverschönerung und zur Verbesserung der Lebens- und Wohnbedingungen werden durch die Stadtverordneten bestätigt. Unter Leitung des Kulturbundes wird durch die Arbeitsgruppe „Rosen und Stauden“ der Rosengarten neu gestaltet, sowie aus Anlass des 50. Jahrestages der Pogromnacht Restaurierungsarbeiten an den erhaltenen Grabsteinen des Jüdischen Friedhofs durchgeführt.

1988 April
06. April: Aus „seuchenprophylaktischen Gründen“ macht sich in den Gartenanlagen ein Abschuss von Elstern erforderlich.

1988 Mai
27. Mai: Die neue POS Delitzsch-West wird übergeben. Neben dieser gibt es in Delitzsch weitere Polytechnische Oberschulen:
Comenius-, Friedens-, Fritz-Weineck-, Artur-Becker-, Pestalozzi-, Karl-Marx-, Karl-Liebknecht-, Rosa-Luxemburg- und die Otto-Grotewohl-Schule.

1988 Juni
Die private Baufirma Koslowski beginnt mit den Sicherungsarbeiten am Hauptgebäude des Schlosses. Dabei werden Teile der Lehmstakendecken im Obergeschoß entfernt, um die Außenwände zu entlasten. Ein stellenweiser Befall mit echtem Hausschwamm wird festgestellt.
24. Juni: Der Tierpark Delitzsch feiert sein 20-jähriges Jubiläum.

1988 September
In der Stadt Delitzsch gibt es noch 20 private Einzelhändler. Davon arbeiten 12 mit Kommissionsverträgen.
Ende des Monats wird der vorerst letzte Wohnblock im Neubaugebiet Delitzsch-West fertiggestellt. Von 1984-1988 wurden insgesamt 722 Wohnungen in Delitzsch-West neu erbaut.

1988 November
09. November: Aus Anlass des 50. Jahrestages der Pogromnacht wird am Jüdischen Friedhof eine Gedenktafel enthüllt.
17. November: Nach Entscheidung der Staatlichen Bauaufsicht erfolgt der Abriss der Gaststätte „Stadt Delitzsch“ in der Leipziger Straße/ Ecke Richard-Wagner-Straße.

1988 Dezember
Im Herbst herrschte im Kreis Delitzsch ein überdurchschnittliches Feldmausaufkommen, was zu Ernteverlusten führte.
An der Durchführung des diesjährigen Weihnachtsmarktes beteiligen sich 64 Gewerbetreibende und 64 Hobbybastler.
Es wird bekannt gegeben, daß für die Kinder- und Schulspeisung in der Stadt aus dem Haushalt 1,68 Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden sind. Die Eltern hatten dafür einen Unkostenbeitrag von 0,55 Mark pro Schüler für das Essen und für ein Kindergartenkind 0,35 Mark zu zahlen.
In diesem Jahr ereigneten sich in der Stadt 50 Verkehrsunfälle mit 37 Verletzten und einem Toten.


1989

1989 Januar
Das bekannte Hotel „Weißes Roß“ mit der traditionsreichen Gaststätte am Roßplatz 3 wird geschlossen.

1989 Februar
23. Februar: Am ehemaligen Moorbad am Wallgraben wird wegen großer Bauschäden der westliche Flügel des Hauptgebäudes abgerissen.

1989 März
03. März: Auf dem Gelände an der westlichen Umgehungsstraße wird südlich vom Tiergarten die Kleingartenanlage „Zur Oase“ angelegt.

1989 April
06. April: Ein neuer Eigenheimkomplex wird zwischen der Hainstraße und dem Schachtweg für 18 Eigenheime bestätigt. Die dabei neu entstehende Straße erhält den Namen „An den Gärten“.
15. April: Die „Rußbutte“, eine Gaststätte in der Leipziger Straße (zwischen Holzstraße und Mauergasse), wird wegen geplanter Baumaßnahmen geschlossen. Mit einer geplanten Neubebauung an der Ecke Holz-/Leipziger Straße wird das Gebäude 1991 abgerissen.
Die „Ölberggruppe“ genannte Plastik an der Stadtkirche wird nach einer seit 1985 andauernden gründlichen Restaurierung wieder aufgestellt.
28. April: Seit einiger Zeit findet im Jugendclub Delitzsch-Nord die Gesprächsrunde „Um Acht“ statt. Darin beschäftigt man sich mit Fragen der Demokratie, die durch Flugblätter veröffentlicht werden. Damit gehört der Jugendclub zu den Schwerpunkten der Überwachung durch die Staatssicherheit in Delitzsch.

1989 September
Die alte Rühlmann-Orgel in der Stadtkirche ist wieder spielbar gemacht worden und ertönt nach fast dreijähriger Pause wieder.
Die Pastorin Michaela Höck befestigt vor den Fenstern ihrer Wohnung in der Marienstraße zwei Gorbatschow-Losungen.

1989 Oktober
07. Oktober: Der neu gestaltete Roßplatz wird übergeben. Verbunden damit war die Freigabe des von dem Bildhauer Bruno Kubas gestalteten Brunnens.
16. Oktober: Die erste Montagsandacht findet aufgrund der politischen Umwälzungen in der Stadtkirche statt.
26. Oktober: Es beginnen die regelmäßigen Rathausgespräche zu aktuellen Problemen in der Stadt. Sie finden kaum eine Resonanz in der Bevölkerung.
Im Delitzscher Ortsteil Kertitz stürzt am Eschenweg die namensgebende Esche auf das letzte noch mit einem Strohdach gedeckte Wohnhaus. Es wird im darauffolgenden Jahr vollständig abgebrochen.

1989 November
09. November: Im Evangelischen Gemeindehaus beginnen Gespräche zur gesellschaftlichen Veränderung in Delitzsch. Dabei stellen sich erstmals Vertreter des Neuen Forum, der SDP und des Demokratischen Aufbruchs vor.
13. November: In der Stadtkirche findet eine Andacht mit dem Thema „Wahrheit und Lüge“ statt, daran nehmen mehrere hundert Bürger der Stadt teil. Im Anschluss daran findet die erste Demonstration der Wendezeit in Delitzsch statt. Sie führt durch die Breite Straße, Kohlstraße, Karl-Liebknecht-Straße (Bismarckstraße), Eisenbahnstraße, Wilhelm-Pieck-Straße (Eilenburger Straße), Breite Straße bis zum Markt und zum Gebäude der Kreisdienststelle des MfS. Vor dem eigentlichen Demonstrationszug läuft mit einigem Abstand auf einem Teil des Weges provokativ eine Abordnung der SED-Kreisleitung. Diese Gruppe löst sich Ecke Karl-Liebknecht-Straße/ Poststraße auf.
Die Demonstration verläuft friedlich mit Unterstützung von Ordnern, die mit weißen Armbinden ausgestattet sind, und der Volkspolizei.
17. November: Der Superintendent Behr verlangt in einem Schreiben an den Rat des Kreises, die Kreisdienststelle der Staatssicherheit Am Wallgraben 6-8 aufzulösen.
20. November: Die Andacht in der Stadtkirche steht unter dem Motto „Demokratie“. Anschließend erfolgt wieder eine Demonstration durch die Stadt. Vor dem Gebäude der SED-Kreisleitung (Ecke Wilhelm-Pieck-Straße/Eisenbahnstraße) und am Rathaus werden Kerzen aufgestellt und Transparente abgelegt.
27. November: In einer Andacht in der Stadtkirche unter dem Thema „Ökologie“ wird zu den enormen Umweltschäden im Kreis Delitzsch gesprochen.
30. November: Auf Bitte des Superintendenten Behr und der Pastorin Höck nimmt der Bürgermeister Lubienski an einer Andacht in der Stadtkirche teil. Dort wird u.a. die Einrichtung eines Pflege- und Feierabendheimes in der Dienststelle der Staatssicherheit und die Nutzung des Schwimmbeckens in der NVA-Kaserne in Benndorf (heute HUS IV) für die Bevölkerung gefordert. Ab Januar 1990 konnte das dortige Bad auch von der Öffentlichkeit genutzt werden.

1989 Dezember
02. Dezember: Es findet in der Stadt eine Schülerdemonstration für die Einführung der Fünf-Tage-Schulwoche statt.
03. Dezember: Auch durch den Kreis Delitzsch führt die Menschenkette, die sich durch die gesamte DDR erstreckt. Mit dieser Aktion soll der Wille zur Erneuerung der Gesellschaft und des Staates bekundet werden.
04. Dezember: In der Stadtkirche findet wieder eine Andacht mit dem Thema „Arbeit und Wirtschaft“ statt.
09. Dezember: Auf einem Bürgerforum im Karl-Marx-Haus wird die Umsetzung des Schulze-Delitzsch-Denkmals an seinen traditionellen Standort am Marienplatz gefordert.
11. Dezember: An diesem Montag werden am Vormittag sämtliche Akten des Kreisamtes für Nationale Sicherheit (vormals Kreisdienststelle der Staatssicherheit) nach Leipzig gebracht. Die Maßnahme fand unter Leitung der Volkspolizei mit dem stellvertretenden Leiter des VPKA, Major Kurt Ledig, sowie des Kreisstaatsanwalts, Vertretern des NEUEN FORUMs und des Demokratischen Aufbruchs sowie Mitgliedern der Untersuchungskommission des Kreistages zu Korruption und Amtsmißbrauch statt. Ein unabhängiger Vertreter der evangelischen Kirche begleitete den Aktentransport nach Leipzig und überwachte an Ort und Stelle die ordnungsgemäße Entladung und Übergabe.
17. Dezember: In der Stadt findet eine Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit statt.
19. Dezember: Erstmals tritt im Jugendclub Delitzsch-Nord der „Runde Tisch“ zur Beratung zusammen. Dazu sind alle Vertreter der Parteien, der Kirchen, Organisationen und der NVA eingeladen.
Im Verlauf dieses Monats werden die ersten Räume im Haus der SED-Kreisleitung an den VEB Kraftverkehr und den Kulturbund übergeben.
21. Dezember: Die meisten der bisherigen Mitglieder des Neuen Forum treten in die bestehenden Parteien ein.


1990

1990 Januar
1. Januar: Eine Revierförsterei für das „Revier Delitzsch“ wird eingerichtet und nimmt ihre Arbeit auf. Hauptaufgabe wird die Aufforstung von Kippenflächen der Braunkohletagebaue sein.
05. Januar: Die Öko-Gruppe des „Neuen Forum“ in Delitzsch konstituiert sich. Sie nennt sich nun „Grüne Alternative“. Als Ziel fordert sie eine grundlegende Veränderung im Umweltschutz.
09. Januar: Der SDP-Kreisverband Delitzsch wird im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde gegründet.
10. Januar: In dem zur Abstimmung in der 2. Gesprächsrunde des „Runden Tisches“ vorgelegten Entwurf zur Geschäftsordnung wird folgendes beschlossen:
Die Aufgaben des Runden Tisches bestehen in der politischen Meinungs- und Willensbildung bis zur Wahl der neuen Verwaltungs- und Führungsorgane.
Die Entgegennahme von Berichten von staatlichen Institutionen. Empfehlungen und Beschlüsse hinsichtlich der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens.
Vorbereitungen zur Durchführung demokratischer Wahlen
Die Teilnehmer am Runden Tisch sind die bisherigen etablierten Parteien in der DDR (wobei die SED durch die PDS vertreten ist). Die SPD nimmt als neue selbständige Partei teil.
Weiterhin sind alle Massenorganisationen und Kirchen zugelassen.
Die Vertreter des Rates des Kreises sowie der Stadtverwaltung nehmen als ständiger Beobachter teil.
Die Leitung des Runden Tisches wird durch die evangelische Kirche wahrgenommen.
11. Januar: Ein Bürgerkomitee unter Aufsicht der Kreisstaatsanwaltschaft führt eine Kontrolle in den Räumen des Kreisvorstandes der SED-PDS durch. Die dabei aufgefundenen Dokumente werden sichergestellt. Die Richtfunkanlage war zu diesem Zeitpunkt bereits außer Betrieb.
12. Januar: Der SPD-Kreisvorstand konstituiert sich. Der 1. Sprecher ist Theo Arnold.
24. Januar: Zur 5. Sitzung der Stadtverordneten wird der Jahresplan und Haushaltsplan für 1990 vorgetragen. Aus dem Bericht des stellvertretenden Bürgermeisters Matthias Fritsche geht hervor, daß die Gebäude der ehemaligen Kreisdienststelle des MfS dem Rat des Kreises, Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen als neuer Rechtsträger übergeben worden sind. Die Musterungsbaracke der NVA in der Halleschen Straße soll in ein Rehabilitationszentrum für behinderte Bürger umgewandelt werden.
24. Januar: Unter Leitung der Pastorin Höck wird die 3. Gesprächsrunde am „Runden Tisch“ durchgeführt. Nunmehr finden die Gesprächsrunden im Großen Sitzungssaal des Rathauses statt. Ein Vertreter des Rates des Kreises berichtet über den Verbleib der Mitarbeiter der Dienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sowie über die Verwendung der Dienstfahrzeuge: Von den 38 Mitarbeitern der Kreisdienststelle des MfS haben 31 Personen ein Arbeitsrechtsverhältnis in der Produktion erhalten. Die Fahrzeuge, ein Lada und vier Trabant wurden am 11. Januar dem Rat des Kreises übergeben. Sie werden im Gesundheits- und Veterinärdienstwesen eingesetzt. Aus dem Bestand der Kreisdienststelle des MfS sind fünf Schreibmaschinen und ein Kopiergerät der kommunalen Verwaltung zur Verfügung gestellt worden.
In seinem Bericht stellt der Kreisarzt Dr. Heuschkel fest, dass die medizinische Betreuung der Bevölkerung gewährleistet ist. Die Betreuung älterer und behinderter Bürger wird als nicht ausreichend angesehen.
Die Unteroffiziersschule „Kurt Bennewitz“ in Benndorf soll für soziale Zwecke genutzt werden und das sich daran anschließende Gelände der Naherholung dienen.
Es erfolgt ein Beschluß zur Überprüfung des VEB Delicia wegen angeblicher Lagerung von giftigen Produktionsrückständen. Gleichzeitig erfolgt eine Anzeige zur Herbeiführung einer Richterlichen Entscheidung zur Stilllegung des Betriebes.
25. Januar: Der Rat der Stadt beschließt, die Sozialistische Namensweihe nicht mehr vorzubereiten.
26. Januar: Die Vertreter des Runden Tisches stellen an den Ministerrat der DDR den Antrag zur Auflösung der NVA-Unteroffiziersschule „Kurt Bennewitz“ in Delitzsch mit dem Vorschlag, diese Gebäude als medizinische Einrichtung zu nutzen.
31. Januar: Dem Rat der Stadt liegen mehrere Anträge von Unternehmen der BRD vor, so zur Einrichtung eines Baumarktes, zweier Videotheken, eines Textilbetriebes für Jeansartikel und Topmoden, einer Autovertriebswerkstatt und einer Kaufhauskette.
Im Januar beginnt der Umbau des ehemaligen Gebäudes der Staatssicherheit am Wallgraben 5/6 zu einem Seniorenheim mit 30 Plätzen.
31. Januar: Bis zu diesem Tage gab es 50 Bürgereingaben zu 30 Sachkomplexen an die Untersuchungskommission beim Rat des Kreises Delitzsch zu Funktionsmissbrauch und Kooperation.
Auf der 5. Tagung des Kreistages gibt der Vorsitzende Lothar Elze einen Bericht zu der Lage im Kreis Delitzsch. Trotz der politischen Veränderungen, die sich vollziehen, sind die bestehenden Volksvertretungen und Räte handlungsfähig. Die Lebensbedürfnisse der Bevölkerung konnten gesichert werden. Die gesundheitlichen Betreuung der Bürger und die stationäre Versorgung im Krankenhaus kann mit Unterstützung von 72 Armeeangehörigen gesichert werden.
In Delitzsch wurde eine Messstation zur Ermittlung der Umweltbelastung eingerichtet.

1990 Februar
06. Februar: Der 16-jährige Matthias Denef, ehemaliger Schüler der Musikschule Delitzsch, hat sich für den 8. Bachwettbewerb im Fach Klavier qualifiziert. Seit September 1989 wird er von Prof. Herbert Sahling, Hochschule für Musik Leipzig, unterrichtet.
10. Februar: Der erste Bauabschnitt zur Rekonstruktion des Delitzscher Schlosses ist abgeschlossen. Die Baufirma Jürgen Koslowski und die PGH Löbnitz waren daran beteiligt. Das Gebäude steht auf der Bezirksdenkmalliste. In den folgenden Monaten kann mit dem Innenausbau begonnen werden.
12. Februar: In einer Sondersitzung beschließen die Stadtverordneten, dass ab diesem Jahr anstelle des Parkfestes wieder der Peter-und-Paul-Markt abgehalten wird.
14. Februar: Die 4. Gesprächsrunde des „Runden Tisch“ findet zu folgenden Themen statt: Ausbau des MfS-Gebäudes zu einem Seniorenheim; Bildung eines Bürgerkomitees zur Rückgabe der MfS-Akten aus Leipzig und die Sichtung der SED-Akten; Auflösung der Kampfgruppen, die im Kreis Delitzsch 738 Mitglieder hatten; Umweltverschmutzung des VEB Delicia.
Die Kreisdienststellenleiter der Staatssicherheit Low und des VPKA Ogiermann beantworten Fragen zu den jeweiligen Dienststellen. Die Kreisdienststelle des MfS hatte 38 hauptamtliche Mitarbeiter.
21. Februar: In der 5. Gesprächsrunde des „Runden Tisches“ gibt der Leiter des VPKA einen Bericht über die Kriminalität im Kreis Delitzsch. Vom 1. Januar bis zum 21. Februar 1990 gab es 232 Anzeigen. Vornehmlich traten strafbare Handlungen wegen Diebstahls von Fahrrädern und Motorrädern sowie von Körperverletzungen auf. Der Leiter des VPKA fordert zusätzliche Helfer, um die Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Vorbereitung der Wahlen auf der Grundlage des neuen Parteiengesetzes der DDR vom 21.02. diesen Jahres. Der Antrag des „Runden Tisch“ zur Rückgabe der MfS-Akten wurde abgelehnt, da Regierungsbeauftragte und Bürgerkomitees in Leipzig die Auswertung des Materials unter Einhaltung der Bestimmungen über Geheimhaltung vornehmen.
28. Februar: Der Runde Tisch trifft sich zu seiner sechsten Beratung. Das Hauptthema waren Fragen zur Volksbildung. Dazu berichten der Kreisschulrat , der Verantwortliche für den Bereich Berufsausbildung, die Referentin für Kindergärten und ein Lehrer.

1990 März
02. März: Das „Amt für Arbeit“ ist jetzt eine selbständige Behörde. Ihm obliegt die Arbeitsvermittlung sowie die Bearbeitung von Arbeitslosenunterstützungen.
03. März: - Die bundesdeutsche Rosenschule Kordes und Söhne schenkt der Stadt für den Rosengarten 2.000 Rosenstöcke.
14. März: Zur Vorbereitung der Wahlen zur Volkskammer finden zahlreiche Wahlveranstaltungen der verschiedenen Parteien und politischen Organisationen statt. Mehrfach sind prominente Politiker aus der BRD hier zu Gast, u.a. der Bundesbildungsminister Möllemann bei einer Veranstaltung der Freien Demokraten.
Der Stadtverordnetenversammlung wird vorgeschlagen, dass die bisherige „Fritz-Weineck-Oberschule“ in der Schulstraße wieder in „Diesterweg-Oberschule“ umbenannt wird.
15. März: Der Kreistag beruft die Wahlkommission des Kreises für die Wahlen am 06. Mai 1990. Gleichzeitig wird eine Kommission für die Fragen zum Zivildienst gebildet.
22. März: Der Kreisvorstand des FDGB wird zum 31. März 1990 aufgelöst. Eine weiter bestehende Geschäftsstelle wird von Dieter Müller geleitet.
24. März: Delitzsch hat 42 Arbeitslose, davon 28 Frauen.
27. März: Auf der Grundlage der Verordnung über die Gründung, Tätigkeit und Umwandlung von Produktionsgenossenschaften des Handwerks vom 08.03.1990, löst der VEB Kraftverkehr den Bereich Taxi auf. Ab dem 1. April erhalten die Taxifahrer die Gewerbegenehmigung zur Eröffnung eines privaten Taxibetriebes.
28. März: Es erfolgt die Gründung einer Baugewerbeinnung für den Kreis Delitzsch. In ihr sind das Maurer-, Fliesenleger-, Dachdecker-, Klempner- und Malerhandwerk vereint.
Der verdienstvolle Leiter des Delitzscher Tiergartens, Franz Kirsch, beendet nach 23-jähriger Tätigkeit aus gesundheitlichen und Altersgründen seine Arbeit. Seit der Gründung des Heimattiergartens im April 1967 entwickelte er sich zur größten tiergärtnerischen Einrichtung nach dem Leipziger Zoo im Bezirk Leipzig. Franz Kirsch hat daran den entscheidenden Anteil. Jetzt besitzt der Tiergarten ca. 500 Tiere in 111 Arten, eine Fläche von 5 Hektar mit Gehegen, Volieren, Ställen, Teichen und gepflegten Grünflächen. Der Tiergarten hat Kontakte mit Tiergärten im In- und Ausland.
Die Grüne Partei beantragt die Aufrechterhaltung des polytechnischen Unterrichtes durch die Betriebe. In diesem Monat wurden 14 Genehmigungen für private Gewerbe erteilt.
Die wirtschaftlichen Umbrüche dieser Zeit lassen sich deutlich am Beispiel des „VEB DELICIA“ ablesen. Im ersten Quartal des Jahres wurde er aus dem Kombinat Chemisch-Technische-Erzeugnisse herausgelöst und eine neue Leitungsebene hergestellt. Danach folgte die Auflösung des Kombinates, die Umwandlung des „VEB DELICIA“ in „DELICIA GmbH“ unter der Verwaltung der Treuhand. Im weiteren Verlauf des Jahres reichten die Alteigentümer –aus der Zeit vor der Verstaatlichung des Betriebes- ihre Rückgabeansprüche ein.

1990 April
Am 1. April begeht die Glaserei Zeidler, Delitzsch, Münze, ihr 100-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der hervorragende Handwerksbetrieb, der sich über nunmehr 100 Jahre hinweg durch ausgezeichnete Qualitätsarbeit in Stadt und Land hohes Ansehen erwarb, am 1. April 1890 durch Glasermeister Hermann Zeidler. Fortgeführt wurde der Betrieb durch Ernst Zeidler. Nunmehr hat Glasermeister Rolf Zeidler den Betrieb übernommen, in dem er mit zwei Gesellen und einem Lehrling arbeitet, für die Verwaltungsarbeit und den Kundendienst ist seine Frau zuständig.
03. April:
Ein typisches Bild seit einiger Zeit sind die zahlreichen Händler aus der BRD, die ihre Waren für DM oder auch für Mark der DDR anbieten.
11. April: Auf der Generalversammlung beschließt die „Genossenschaftskasse für Handwerk und Gewerbe“ eine neue Satzung und die Umbenennung in „Volksbank Delitzsch e.G.“ Sie wird damit zu einer universellen Geschäftsbank, die künftig auch alle Kreditgeschäfte tätigen wird, wie Kredite für Existenzgründungen, Tourismus, Umweltschutz und Modernisierung.
18. April: In Delitzsch findet die letzte Sitzung des „Runden Tisches“ der Parteien und Organisationen statt. Es geht vor allem um Probleme des Arbeitsmarktes, ungerechtfertigte Kündigungen und andere Verletzungen der Rechte der Werktätigen, sowie um die Vorbereitung der Wahlen zum Landtag, Kreistag und der Stadtverordnetenversammlung. Die bisherigen Aufgaben des Runden Tisches werden künftig vom demokratisch gewählten Stadtparlament übernommen.
21. April: Der Arbeitsmarkt bietet folgendes Bild: Ohne Arbeitsrechtsverhältnis sind 109 Bürger, von denen 87 den Antrag auf staatliche Unterstützung stellten. Frei gemeldete Arbeitsplätze stehen für 16 Meister, 351 Facharbeiter und 164 ungelernte Arbeitskräfte bereit.
26. April: Die bisherige „BHG Delitzsch“ beschließt die Umwandlung in „Raiffeisen Bank- und Handelsgenossenschaft Delitzsch e.G“.

1990 Mai
06. Mai: Das Ergebnis der Kommunalwahlen im Kreis Delitzsch zum Kreistag lautet:
Parteien                              Stimmen           %            Mandate
CDU                                     34.756          41,65             21
SPD                                      15.119          18,12             9
PDS                                      10.407          12,47             6
BFD                                        6.809           8,16              4
DBD                                       3.719            4,46              2
Bauernverband                      3.247            3,89              2
Grüne Partei                           3.117            3,74              2
DSU                                       3.006             3,60              2
Volkssolidarität                       2.257             2,70             1
DFD                                          617              0,74             1
KPD                                          296              0,35             --
Kulturbund                                101              0,12             --
10 Mai: Das Mandolinenorchester Delitzsch, das auf eine 70-jährige Tradition zurückblicken kann, beendet seine Tätigkeit, weil kein Nachwuchs mehr für die Mandolinenmusik gewonnen werden konnte.
12. Mai: Die Wahlergebnisse vom 06.Mai für das Stadtparlament von Delitzsch werden bekannt gegeben:
CDU: 40, 82 % mit 13 Mandaten Heinz Bieniek, Hans-Wilhelm Braunsdorf, Gerhard Denef, Thomas Eichstedt, Marlis Fischer, Andreas Koch, Petra Kinne, Johannes Landeck, PhR. Joachim Rudolph, Egon Scholz, Udo Strauch, Astrid Schneider, Dr. Dietmar Wildführ.
SPD: 23,04 % mit 8 Mandaten Theo Arnold, Sabine Kollenda, Frank Möbius, Ralf Nietzschmann, Gerd Raschpichler, Richard Schumann, Willi Schulz, Jens Siebert.
PDS: 13,75 % mit 5 Mandaten Gerold Höfler, Elke Klaus, Albert Kunze, Bernd Müller, Klaus-Dieter Otto.
Grüne: 5,29 % mit 2 Mandaten Olaf Krieg, Olaf Schulz.
BFD: 4,89 % mit 2 Mandaten Thomas Felgner, Gotthard Woltmann.
DSU: 3,48 % mit 1 Mandat Günter Kalla.
VBS: 1,78 % mit 1 Mandat Olaf Ihbe.
DBD: 1,84 % mit 1 Mandat Hartmut Pfordte.
FDP: 1,38 % mit 1 Mandat Waldemar Pabst.
Sonstige        ohne Mandat 3,73 %.
19. Mai: Wie das Arbeitsamt mitteilt, gibt es gegenwärtig im Kreis Delitzsch 171 Arbeitslose. Es stehen dem 540 freie Stellen gegenüber.
In der Rathenaustraße 10 kommt es zu einem tragischen Unfall. Drei Rentnerinnen kommen in der heimeigenen Sauna ums Leben, weil sie die Tür von innen nicht öffnen können.
23. Mai: Das 26. Heimatkreistreffen aller Delitzscher aus Stadt und Land, aus Ost und West findet im Heimatkreis Delitzsch statt. Der Vorsitzende ist Dr. Hartick. An diesem erstmals stattfindenden Heimattreffen nehmen auch die ehemaligen Delitzscher teil, die nach 1945 in die BRD übergesiedelt sind.
31. Mai: Konstituierende Tagung des neugewählten Kreistages.
Gewählt wurden Michael Czupalla (CDU) zum Landrat und Dr. Gerd Raschpichler (SPD) zum Stellvertreter.

1990 Juni
01. Juni: In der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wird Herr Heinz Bieniek (CDU) zum Bürgermeister der Stadt Delitzsch und als Dezernenten :
Dezernat I   (Hauptamt, Personalamt)     Norbert Teresniak
Dezernat II (Rechtsamt)                          Richard Schumann
Dezernat III (Stadtkasse)                         Brigitta Pasternak
Dezernat IV (Bau, Wohnungswesen)       Helmut Weiser
gewählt. Ehrenamtliche Ratsmitglieder sind: Rene Brunzel, Theo Arnold, MR Dr. Dietmar Wildführ, Marlis Fischer. Die Amtsleiterstellen werden öffentlich ausgeschrieben.
Dem scheidenden Bürgermeister Karl Lubienski wird unter Beifall der Stadtverordnetenversammlung für sein Engagement zum Wohle der Bürger und der Stadt herzlich gedankt.
07. Juni: Es wird wie in den Nachbarkreisen auch im Kreis Delitzsch eine Bürgerbefragung über die künftige Länderzugehörigkeit durchgeführt. Wie am 19. Juli bekannt gegeben wird, entscheiden sich an diesem Tag die Stimmabgebenden wie folgt:
Von 41018 Bürgern geben 32112 (=78,29%) ihre Stimme ab. Davon sind 32047 (=99,8%) gültig. Für Sachsen stimmen 28605 (=89,26%) und für Sachsen-Anhalt 3442 (=11,7%).
08. Juni: Die Gärtner von Saatzucht/Zierpflanzen in Delitzsch haben ein „Gartencenter“ geschaffen. Angeboten werden Topfpflanzen, Schnittblumen, Stauden, Gehölze, Blumenzwiebeln und Gartenzubehör.
Am 9. Juni konstituiert sich der DRK-Kreisverband e. V., Vorsitzender ist Oberarzt MR Dr. Kademann, erster Stellvertreter Dr. Lehmann, zweiter Stellvertreter H.-D. Frömmichen.
15. Juni: Landrat Stückle und Dezernent Haußler aus dem Partnerschaftskreis Schwäbisch-Hall besuchen unseren Kreis und überreichen moderne Bürotechnik als Geschenk.
30. Juni: Der Landrat des Kreises Delitzsch, Michael Czupalla, wird vom Regierungsbevollmächtigten zum Sprecher der Landratsämter der Bezirksverwaltungsbehörde berufen.
Der Peter-und-Paul-Markt, der erstmals wieder gefeiert wird, ist trotz der Umstellungsprobleme der Währung -von Mark der DDR in DM- am 29. und 30. Juni ein großer Erfolg. Im nächsten Jahr soll der Jahrmarkt im Zusammenhang mit der 825. urkundlichen Ersterwähnung von Delitzsch besonders festlich begangen werden.

1990 Juli
01. Juli: Die Umstellung der Zahlungsmittel von Mark der DDR in D-Mark vollzieht sich in unserer Stadt ohne Probleme. In den Sparkassen und Banken herrscht ab 2. Juli Hochbetrieb.
03. Juli: Am 1. Juli nimmt die Dresdner Bank - Kreditbankfiliale in der Breiten Straße 32 mit 29 Mitarbeitern ihre Geschäftstätigkeit auf. Filialleiter werden Christine Borrmann und Gisela Krüger, die zuvor als Leiter der Deutschen Kreditbank AG tätig waren.
Die bisherige HO Delitzsch wird ab 1. Juli zur „Parat-Handelsgesellschaft mbH“.
Der Monheimer Stadtbrandmeister Ludwig Mertens übergibt der Delitzscher Freiwilligen Feuerwehr als Geschenk ein Löschfahrzeug, das mit Tragkraftspritzen ausgerüstet ist.
06. Juli: Am 3. Juli entsteht im Ziehwerk im Elektrokeller der Halle 5 ein Brand, der sich schnell ausdehnt und zu einem großen Schaden führt.
07. Juli: Die Zuckerfabrik Delitzsch feiert ihr 100jähriges Bestehen.
In den Gaststätten der Stadt herrscht derzeit gähnende Leere. Der Grund sind die im Vergleich zu den subventionierten DDR-Preisen hohen Preise. In der Gaststätte „Stadt Delitzsch“ kosten beispielsweise Röstkartoffeln mit Sülze nun 6,60 DM, vorher nur die Hälfte.
Am 19. Juli wird die „Arbeiterwohlfahrt“ (AWO) im Kreis Delitzsch neu gegründet. Ziel ist die Betreuung von Senioren und Behinderten.
In Delitzsch gibt es zur Zeit 30 Taxi-Fahrzeuge.
20. Juli: Im ersten Halbjahr 1990 sind auf der Grundlage des Treuhandgesetzes vom 17.06.1990 im Kreis Delitzsch 282 neue Gewerbe angezeigt worden.
Der „Tierschutzverein Delitzsch e.V.“ im Tierschutzverband und der „Armeesportverein Vorwärts Delitzsch e.V.“ werden gegründet.
21. Juli: Delitzsch geht zu Sachsen! So lautet die offizielle Bekanntgabe des Ergebnisses der Volksabstimmung zur künftigen Länderzugehörigkeit. Der Kreistag bekräftigt in seiner 2. außerordentlichen Sitzung die Bürgerbefragung und schlägt der Volkskammer vor, den Kreis Delitzsch dem Land Sachsen zuzuordnen.
27. Juli: 17 Metzger und Landwirte aus Schwäbisch Hall helfen den Kyhnaer Tierproduzenten beim Schlachten und Verarbeiten von 1.700 schlachtreifen Tieren. Das Schlachtvieh wurde auf Grund von Importen nicht mehr abgenommen, wodurch es zu enormen Überbeständen an Schlachtvieh kam. Einige LPG gehen zur eigenen Schlachtung ihrer Viehbestände über und verkaufen Wurst- und Fleischwaren an die Bevölkerung.
28. Juli: Aus einem Bericht der Polizei geht hervor, dass die Kriminalität stark zugenommen hat, und zwar um 10% gegenüber 1989. Von 500 Anzeigen entfielen 50% auf Eigentumsdelikte.
Vom 1. Januar bis 30. Juli traten im Kreis Delitzsch 99 Brände auf, die einen Gesamtschaden von 105.000 Mark verursachten.
Nach der gemeinsamen Erklärung der Regierungen der BRD und der DDR zur Regelung offener Vermögensfragen vom 11.07.1990 können jetzt Bürger beim neugebildeten Vermögens- und Ausgleichsamt beim Landkreis Delitzsch die Rückgabe von enteigneten Vermögenswerten beantragen.

1990 August
Etwa 360 private Gewerbe sind seit Jahresbeginn im Gewerbeamt des Landratsamtes angemeldet worden. Insbesondere der Gebrauchtwagenhandel hat im Kreis Delitzsch stark zugenommen.
Im Freibad ist Hochbetrieb, weil im Juli/August längere Zeit hochsommerliche Temperaturen herrschen. Die Feuerwehr musste am 31. Juli fünfmal ausrücken, um Straßenrand-, Graben- und Ödlandbrände zu löschen. Die Waldbrandwarnstufe IV wird ausgelöst.
09. August: Der Bau der Schwimmhalle in der Securiusstraße wird gestoppt. Für weitere Baumaßnahmen sind keine Mittel vorhanden.
12. August: Auf dem Schützenplatz wird gegenwärtig ein Parkplatz eingerichtet.
17. August: Im Kreis Delitzsch finden Protestveranstaltungen der Bauern statt. Ihre Forderungen betreffen den Absatz ihrer Erzeugnisse und den Preisverfall. Zeitweilig sperrten sie mit ihren Fahrzeugen mehrere Hauptverkehrsstraßen des Kreises.
22. August: Im Kreis Delitzsch gibt es jetzt 905 Arbeitslose. Dem gegenüber stehen 29 offene Stellen.
Die bisherige Sportvereinigung Lokomotive Delitzsch wird in „Eisenbahnsportverein Delitzsch“ (ESV) umbenannt. Die Sportgemeinschaft „Dynamo“ nennt sich jetzt „Polizeisportverein“ (PSV).
113 Delitzscher Kinder verbrachten kostenlos frohe Ferientage in der BRD. Initiator war der Landrat des Partnerkreises Schwäbisch Hall.
23. August: Mitarbeiter des Bauhofes Friedrichshafen helfen mit moderner Technik, eine verstopfte Schleuse am Zulauf des Lobers in den Wallgraben freizulegen.
24. August: In der Kaufhalle Nord am Clara-Zetkin-Platz (Nordplatz) eröffnet das Unternehmen „Norma“ einen Lebensmittelmarkt. Auf dem Marktplatz herrscht jetzt reges Markttreiben, geschäftstüchtige Händler aus der BRD bieten vorwiegend Waren an, die es im bisherigen Angebot nicht gab.
31. August: Die Raiffeisenbank und die Handelsgenossenschaft Delitzsch eröffnen an der Walzenmühle mit Unterstützung von Kooperationspartnern aus der BRD einen für „Delitzscher Verhältnisse noch nie dagewesenen Heimwerkerladen“.
Am 31. August wird der Aufruf der Gewerkschaft ÖTV zum einstündigen Warnstreik von etwa 500 Personen befolgt, unter ihnen waren Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft, der Stadtwirtschaft, der Poliklinik. Gefordert wurde Lohnausgleich, weil sich die Waren und Dienstleistungen verteuerten.

1990 September
Zu Schuldirektoren werden durch den Landrat berufen: Joachim Schiller an der Artur-Becker-Oberschule und Kurt Podsadny an der Oberschule Delitzsch-West.
Schmierereien an Häuserwänden und Mauern durch Sprayer haben in der Stadt zugenommen, sogar an historisch wertvollen Gebäuden in der Breiten Straße erfolgen diese Beschmutzungen.
Die Stadtverordneten bestätigen die Städtepartnerschaft mit Friedrichshafen und Monheim und fassen Beschlüsse zur Gewährleistung von Ordnung und Sauberkeit im Stadtgebiet. Ein weiterer Beschluss betrifft Ansprüche der Stadt auf kommunales Vermögen.
Neu gebildet wird die „Kaufmännisch-Landwirtschaftliche Berufsschule“ aus der ehemaligen Kommunalen Berufsschule und der Landwirtschaftlichen Berufsschule. Gewählt und bestätigt werden Ingeborg Bieling als Direktorin, Doris Dross als stellvertretende Direktorin und Rüdiger Teske als stellvertretender Direktor.
In Delitzsch wird der „Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Sozialrentner und Behinderten“ gegründet.
Am 22. September können 30 ältere Bürger der Stadt das zum Seniorenheim umgebaute ehemalige Gebäude der Staatssicherheit am Wallgraben als ihr neues Zuhause in Augenschein nehmen. Dort wird es Einzelzimmer als auch Doppelzimmer geben. Jedes Zimmer wird zentralgeheizt und hat fließend kaltes und warmes Wasser. Zur Betreuung stehen 14 Mitarbeiter zur Verfügung.
Die Jäger des Kreises Delitzsch gründen aus den Jagdgesellschaften Glesien, Laue und Zschortau den „Kreisverband e.V.“
Der Rest des Wilhelm-Pieck-Denkmals auf dem Marienplatz wird abgebaut, nachdem bereits Wochen zuvor die Büste gestohlen worden war. Das Schulze-Delitzsch-Denkmal, das dort seinen Platz von 1891-1974 hatte, soll zurück an diesen Standort.
28. September: Der Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Prof. Dr. Biedenkopf, weilt in Delitzsch und stellt das Wahlprogramm der CDU vor.

1990 Oktober
02. Oktober: Als Auftakt für den „Tag der Einheit“ findet in Delitzsch ein großes Feuerwerk und für Kinder ein Lampionumzug statt. In der Stadtkirche wird ein Gottesdienst mit Andacht unter dem Thema „Abschied von der DDR“ abgehalten.
03. Oktober: Nun ist Deutschland wieder vereint. In Delitzsch wird das Ereignis, das uns nach über 40 Jahren wieder zusammengeführt hat, nach Befragungen der Bürger durch die LVZ trotz einiger Skepsis freudig begrüßt. Zum ersten Mal erklingt die neue Nationalhymne. Im Ausbildungszentrum „Kurt Bennewitz“ der nun nicht mehr bestehenden NVA wird die Truppenfahne eingerollt.
Überwiegende Freude über die Wiedervereinigung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft empfinden die Bürger. Verbunden damit ist die Sorge über die steigende Arbeitslosigkeit durch das Wegbrechen der Handelsbeziehungen zu den Staaten Osteuropas und die gründlichen Veränderungen in den Betriebsstrukturen der volkseigenen Großbetriebe.
Zum Tag der Deutschen Einheit findet ein gemeinsamer Festakt des Kreistages und der Stadtverordnetenversammlung im Karl-Marx-Haus statt. Als Gäste nehmen an der festlichen Veranstaltung Abordnungen aus dem Partnerkreis Schwäbisch Hall mit Landrat Stückle, aus den Partnerstädten Friedrichshafen und Monheim mit den Bürgermeistern Dr. Sigg und König teil. Umrahmt wird die Veranstaltung mit Darbietungen der Schulze-Delitzsch-Chöre, mit Rezitationen von Schülern der Erweiterten Ehrenberg-Oberschule und Delitzscher Musikschülern. Landrat Stückle aus Schwäbisch Hall überreicht dem Landrat des Kreises Delitzsch, Michael Czupalla, eine Fahne der BRD.
Nach neunmonatigen Umbauarbeiten des ehemaligen Stasi-Gebäudes am Wallgraben zu einem Seniorenheim, erfolgt die Übernahme durch den Bürgermeister Bieniek. Zugegen waren Vertreter der Kirchen und der stellv. Landrat, Dr. Raschpichler.
08. Oktober: Zur Situation auf dem Arbeitsmarkt: Im Kreis gibt es 1313 arbeitslose Bürger, davon 791 Frauen. 460 der Arbeitslosen sind unter 25 Jahre alt. Betroffen sind vor allem Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft und aus der Verwaltung.
Der Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble spricht auf einer öffentlichen Wahlveranstaltung der CDU im Karl-Marx-Haus zu den bevorstehenden Landtagswahlen.
10. Oktober: Auf der 3. Tagung der Stadtverordneten wird u.a. die Bildung eines Unterausschusses beschlossen, der die Umbenennung von Straßen, Wegen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden vorbereiten soll. In einem weiteren Beschluss entscheiden sich die Abgeordneten zum Beitritt der Stadt Delitzsch zum Sächsischen Städtetag.
11. Oktober: Der „Museums- und Heimatverein Delitzsch e.V.“ wird neu gegründet. Er war bereits einmal am 6. September 1899 gegründet worden und stellte 1945 seine Vereinsarbeit ein. Für eine kurze Zeit bestand um 1960 nur noch ein Museumsbeirat.
14. Oktober: Bei den Landtagswahlen erzielt die CDU in Sachsen mit über 53 % der Wählerstimmen die absolute Mehrheit.
Die Ergebnisse im Kreis Delitzsch:
                                     Erststimme            Zweitstimme
CDU                               47,85 %                     50,36 %
SPD                               21,23 %                     24,58 %
Linke Liste/PDS             11,03 %                       9,67 %
FDP                                 8,89 %                       7,28 %
Forum/Grüne                   6,23 %                      4,54 %
DSU                                 3,75 %                      1,78 %
Dem Landtag gehören drei Vertreter unseres Kreises an, Dr. Dietmar Wildführ (CDU), Angelika Freifrau von Fritsch (FDP) und Helmut Pfordte (CDU).
In der Woche vom 17.-21. Oktober werden die Städtepartnerschaften Delitzsch-Friedrichshafen sowie Delitzsch-Monheim durch die Bürgermeister und Abordnungen der Stadtverordneten besiegelt. Beide Partnerstädte wollen der Stadt beim Aufbau helfen. Aus Friedrichshafen bringt der Bürgermeister einen Scheck über 60.000 DM mit. Das Geld soll zur Sanierung des Wallgrabens verwendet werden.
24. Oktober: Die abenteuerliche Jagd auf einen Schwan auf dem Stadtgraben wird erfolgreich zu Ende geführt. Dieser hatte einen Angelhaken geschluckt und konnte keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Nachdem verschiedene Fangversuche gescheitert waren, gelang es schließlich, das Tier mit Netzen der Bundeswehrdienststelle zu fangen. Der Angelhaken, der sich im Zungenrücken befand, wurde durch den Tierarzt entfernt.
26. Oktober: Die Zuckerfabrik verarbeitet zur Zeit täglich 4.200 bis 4.300 Tonnen Zuckerrüben.

1990 November
01. November: Neuer Direktor des Delitzscher Tierparks wird Dr. Hans-Dieter Hohmann.
02. November: Eine Gruppe Sinti und Roma entwendet aus der Tankstelle Nohr 1.000 DM. Während sich die fünf Frauen der Gruppe bei Frau Nohr nach Waschmitteln erkundigten, drang eines ihrer Kinder in den Geschäftsraum der Tankstelle ein und erbeutete das Geld. Ein Zeuge, der das Geschehen beobachtet hatte, verfolgte die in Richtung Leipzig flüchtende Gruppe. Daraufhin warfen die Sinti und Roma das Geld weg und entkamen mit einem Pkw, der am Gartencenter geparkt war. Das Geld wurde eingesammelt und zur Tankstelle zurückgebracht.
05. November: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit teilweise schweren Folgen hat in den letzten Monaten erheblich zugenommen. Die Polizei berichtet, dass in diesem Jahr bisher 216 Unfälle zu verzeichnen sind; dabei gab es 164 Verletzte und vier Tote. Seit dem 1. Juli sind 3.400 Kraftfahrzeuge neu zugelassen worden.
Auf dem Schützenplatz entstand ein neuer PKW-Parkplatz.
07. November: Die Zunahme des Straßenverkehrs sowie die Nichtbeachtung der Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung (vor allem der Geschwindigkeitsbegrenzungen) haben erneut zu Verkehrsunfällen geführt. Allein am 5. November ereigneten sich drei Verkehrsunfälle.
13. November: Erneut bereitet sich Delitzsch auf eine Wahl vor. Diesmal ist es die zum Deutsch Bundestag. Die Kandidaten unseres Wahlkreises aus Delitzsch sind Hans-Jürgen Moltrecht (Bündnis 90/Grüne) und Dr. Michael Friedrich (PDS).
14. November: Zwei Politessen nehmen ihre Tätigkeit in Delitzsch auf. Ihre Aufgabe steht darin, sich um den ruhenden Verkehr zu kümmern und die Parksünder zur „Kasse zu bitten“.
30. November: In einer festlichen Stadtverordnetenversammlung wird in Anwesenheit einer Abordnung der Stadt Monheim unter Leitung der Bürgermeisterin Ingeborg Friebe die Urkunde über die Städtepartnerschaft unterzeichnet.

1990 Dezember
02. Dezember: Es finden Wahlen zum Bundestag statt. Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 308 (Kreise Delitzsch, Eilenburg, Wurzen, Oschatz) beträgt 75,12 %.
Ergebnisse:
                                   Erststimme          Zweitstimme
CDU                            48,18 %                     47,41 %
SPD                             22,87 %                    23,01 %
PDS                               9,17 %                      8,44 %
DSU                               2,43 %                      1,31 %
FDP                             10,21 %                     11,94 %
Bündnis 90/Grüne         7,15 %                       5,05 %
BSA                               0,00 %                       0,02 %
LIGA                              0,00 %                       0,12 %
DIE GRAUEN                 0,00 %                      0,65 %
Rep.                                0,00 %                     1,44 %
KPD                                0,00 %                     0,04 %
NPD                                0,00 %                     0,28 %
ÖDP                                0,00 %                     0,17 %
Patrioten                         0,00 %                     0,01 %
SpAD                              0,00 %                     0,02 %
VAA                                 0,00 %                     0,09 %
03. Dezember: Die „Freiwillige Feuerwehr Delitzsch“ begeht in einer festlichen Veranstaltung den 130. Jahrestag ihrer Gründung.
05. Dezember: Im November gab es im Kreis Delitzsch 39 Verkehrsunfälle mit 27 Verletzten und zwei Toten. Häufigste Unfallursachen waren Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit, Nichtbeachten der Vorfahrt und Fahren unter Alkoholeinfluß.
Vergleich zum Vorjahr (Stichtag 27. November):
1989:  308 Unfälle, 110 Verletzte, 4 Tote
1990:  485 Unfälle, 205 Verletzte, 6 Tote
06. Dezember: Die HO-Kaufhalle in der Straße der Jugend (Delitzsch-Nord) wird zu einem Supermarkt als „Extra-Markt“ umgestaltet.
08. Dezember: Der Kreistag beschließt die Gründung der „Kreiswerke GmbH“.
Im Kreis Delitzsch gibt es 1.954 Arbeitslose, 1.800 Personen verrichten Kurzarbeit.
17. Dezember: Das Ziehwerk in Delitzsch ringt um seine Existenz. Von den etwa 600 Werksangehörigen sind seit Juni 200 auf „ Kurzarbeitszeit Null“ gesetzt. Die Bestrebungen laufen darauf hinaus, als eigenständige Tochtergesellschaft der Henningsdorfer Stahl GmbH weiter zu bestehen.
27. Dezember: Der Landrat Michael Czupalla wendet sich zum Jahreswechsel an die Bürger des Kreises unter dem Motto „Mit Zuversicht in das kommende Jahr 1991“.
28. Dezember: Die Wäscherei in Delitzsch-Nord schließt ihre Pforten zum 31. Dezember 1990.
Die Kommunen des Kreises sind im Kreisverband des Sächsischen Städte- und Gemeindetages zusammengeschlossen. Die Stadt Delitzsch hat 1990 28.017 Einwohner. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen entstanden im Zeitraum von 1972 bis 1990 in der Stadt Delitzsch 3492 Wohnungen. Die Zahl der durch bauliche Verwahrlosung und Abbruchmaßnahmen, vor allem in der Delitzscher Altstadt, aufgegebenen Wohnungen wurde nicht erfaßt.