Delitzscher Stadtchronik 1207-1990

Delitzscher Stadtchronik - 1650-1701

(Quelle: Delitzscher Stadtchronik von Johann Gottlieb Lehmann, ausgewählt durch Christel Moltrecht; Teil VI, 1650-1701; hrsg. vom Kreismuseum Delitzsch 1988.)

Vorwort

Der hier vorgelegte Abschnitt der Delitzscher Stadtchronik umfaßt die fünfzig Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Dieses Ereignis war an der Stadt und den Dörfern der Umgebung nicht spurlos vorüber ge­gangen. Häufige militärische Überfälle hatten viele Häuser besonders in der Neustadt zerstört, Menschen getötet und der lebenden Bevölkerung große Beschwernisse gebracht. War doch die Versorgung der einquartierten Trup­pen von Freund und Feind nicht nur eine Sache des Rates, sondern vor allem der Einwohner. Aus der Eingabe analen Ausschußtag in Dresden 1653 werden die zahlreichen finanziellen und materiellen Belastungen, die der Stadt in Form von Steuern, Akzisen und Frondiensten auferlegt werden sowie die gravieren­den Beeinträchtigungen ihrer Rechte sichtbar. Diese Forderungen stehen im krassen Gegensatz zur Leistungsfähigkeit der verbliebenen Einwohner­schaft, die durch den Krieg stark dezimiert und außerstande ist, die hohen Steuergelder zu entrichten. Noch Jahre nach dem Kriege liegen zahlreiche Grundstücke wüst und erst 1697 sieht man sich in der Lage, der im Kriege aufgelösten Schützengesellschaft ein neues Schießhaus zu bauen. Über eine Erhöhung der Bevölke­rungszahl kann der Chronist erst 25 Jahre nach dem Krieg berichten. Die politischen Ereignisse der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts werden im Kurfürstentum Sachsen und damit in Amt und Stadt Delitzsch wesent­lich von den Auswirkungen des Testamentes des Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg I. bestimmt. Nach diesem Dokument, das mit dem Tode des Kurfürsten im Jahre 1656 in Kraft tritt, kommt es zu einer unglücklichen Zersplitterung des Kurfürstentums Sachsen als Stammland durch die Bildung der drei Sekundogeniturherzogtümer Sachsen-Weißenfels, Sachsen­Zeitz und Sachsen-Merseburg. Letzteres entsteht aus den Ämtern De'litzsch, Bitterfeld und Zörbig sowie den Städten Doberlugk, Finsterwalde und Spiemberg mit einem Sohn Johann Georgs, Christian I., an der Spitze. Er hat seine Residenz in Merseburg. Ihm verdankt die Stadt Delitzsch den Wiederaufbau des Schlosses. Nach der Beseitigung der schweren Kriegs­schäden wird dieses Gebäude Witwensitz des Hauses Sachsen-Merseburg. Noch vor Abschluß der Bauarbeiten zieht Christiane von Holzstein-Glücksburg als Witwe des ein Jahr zuvor verstorbenen Herzogs Christian I. 1692 hier ein. Ihre Existenz in dieser kleinen Stadt bewirkt ein bescheidenes Hofleben, in dessen Rahmen bestimmte Handwerker zu attraktiven Lei­stungen motiviert und Künstler zur Ausschmückung von Schloß und Stadtkirche herangezogen werden.
Die heutige Löwenapotheke in der Breiten Straße wird 1699 zur Hof apo­theke„Zum goldenen Stern". Herr Christian Koberstein eröffnet im glei­chen Jahr seine Hofbuchdruckerei. Die neue Kapelle im Schloß weiht man im Jahre 1693 und die barocke Turmhaube sowie die Pyramiden auf der Brücke werden 1695 gesetzt. Im Jahre 1696 erhält das Schloß nach Norden einen neuen Wendelstein. Sind die baulichen und künstlerischen Aktivitäten in der Stadt' positiv zu werten, so bringen andererseits die häufigen fürstlichen Besuche auf dem Schlosse den Delitzscher Bürgern große zusätzliche Aufwendungen. Be­waffnet haben sie die Gäste zu empfangen, Spaliere zu bilden und Geleit­schutz zu geben. Zudem führt der häufige Wechsel der Herzöge durch rasch aufeinanderfolgende Todesfälle (1691 stirbt Christian I., 1694 sein ältester Sohn Christian II., dessen Sohn, der Erbprinz Christian Moritz im gleichen Jahr) dazu, daß der Rat laufend zu umständlichen Huldigungszeremonien verpflichtet wird. Die unglückliche Landesteilung bringt darüber hinaus Zerwürfnisse mit dem kurfürstlichen Haus in Dresden, war dort doch 1694 der Kurfürst Johann Georg IV. gestorben. In diesem Zusammenhang kommt es zur Besetzung der Stadt durch Truppen des kursächsischen Hofes, indem die Stadttore gewaltsam geöffnet werden, obwohl der regierende Herzog persönlich anwesend ist. Andererseits mischen sich diese Herzöge in angestammte Rechte der Stadt ein, so in das Patronatsrecht des Rates bei der Einsetzung des Pfarrers. Außer Unstimmigkeiten mit dem regierendQn Hause erfahren die Bürger weitere Beeinträchtigungen durch den umliegenden Adel und den hiesigen Amtsschösser, die beide zum Schaden städtischen Gewerbes in der Stadt mit dem Weißbierbrauen beginnen. Auch in diesem Jahrhundert führen die von Miltitz auf Schenkenberg ihren Dauerstreit wegen der Gertitzer Hu­tung. Alle diese Beschneidungen der Rechte der Stadt durch den Adel lassen sich im ausgehenden 17. Jahrhundert weder der Rat noch die Bürger bieten.
Das durch den Dreißigjährigen Krieg zerrüttete Wirtschaftsleben beginnt sich zögernd zu stabilisieren und der Rat bemüht sich'um die Wiederher­stellung der öffentlichen Ordnung. Das belegt der Chronist durch zahl­reiche Hinweise. So wird im Jahre 1694 eine neue Polizeiordnung erlassen, nach der den Handwerksgesellen das Tragen von Degen, Gewehren und anderen Waffen verboten ist. Auch die Arbeit an kirchlichen Feiertagen wird mit Geldstrafen belegt. Streng ahndet man Verbrechen gegen die Sicherheit der Bürger, wie die Verfolgung und Verurteilung von Räubern im Jahre 1687 zeigt. Zur Stärkung einheimischen Gewerbes wird das Einle­gen und Ausschenken des fremden Landsberger und Jeßnitzer Bieres verboten. Eine große Brandkatastrophe, von der die Stadt im Jahre 1661 heimgesucht wird, macht den Wiederaufbau erneut zunichte. Das im Haus Hallische - Ecke Milchgasse ausgebrochene Feuer erfaßt beide Seiten der- Hallischen Straße, die Schloßstraße, die dazwischenliegenden Häuser des Marktes und einen Teil der Ritterstraße. Insgesamt werden 70 Wohnhäuser mit allen Nebengebäuden vernichtet. Auch das Hospital und viele Scheunen der Vorstadt werden ein Opfer der Flammen. Um weitere derartige Katastrophen zu vermeiden, wird die bestehende Feuerordnung einer Revision unterzogen und als sie der Rat 1663 neu herausgibt, ist sie so vorbildlich, daß sie bis ins 18. Jahrhundert hinein gültig bleibt und mehrfach im Druck erscheint. Eine ebenfalls in dieser Zeit her­ausgegeben herzogliche Verordnung verbietet aus Gründen der Brandge­fahr. Strohdächer und Steckenzäune, die aber wegen der noch immer herr­schenden Armut unter den Bewohnern auch Jahrzehnte später noch anzutreffen sind. Außer dramatischen Ereignissen wie der Feuersbrunst hebt der Chronist auch immer wieder auftretende seuchenhafte Erkrankungen an Pest und Blattern mit Hinweisen auf die ungenügenden hygienischen Bedingungen in der Stadt hervor. Neben den Bemühungen des Rates zur völligen Wiederingangsetzung des bürgerlichen Lebens werden 1657 unsinnige Hexenprozesse gegen 6 un­schuldige Frauen umliegender Dörfer angestrengt, die, durch Verleumdung der Zauberei bezichtigt, ihr Leben in den Flammen lassen müssen. Der Chronist Lehmann berichtet weiterhin von der Förderung Delitzscher Tuche und hiesigen Tuchmachern, die sich gegen den fremden Wollhandel verwahren. Wir erfahren von sogenannten Platzbäckern, die zum Nachteile der Zunftbäcker außerhalb der Altstadt in der Grünstraße Mehl verkaufen. Das im 18. Jahrhundert für den Unterhalt der Einwohner entscheidend werdende Strumpf strickergewerbe wird im Jahre 1692 erstmalig erwähnt. Im Besitz der Stadt befinden sich die Natthdorfer Mühle, die Fischerei im Lober bei Benndorf und man bemüht sich auch, die im Krieg verlorenen Ratsdörfer wieder einzulösen. Bringen diese doch neben Fischerei und Schä­ferei ansehnliche finanzielle Gewinne. Die unter großen Teilen der Bevölkerung herrschende Armut sucht man zu bessern, indem an Stelle der Hausbettelei eine Hauskollekte erhoben wird.Die Insassen des Hospitals, die schlecht bezahlten Schullehrer und die Kan­toren erfahren durch großzügige testamentarische Verfügungen des her­zoglichen Kanzlers Wex und wohlhabender Bürger, wie Heinrich von Luk­kowenn, Bürgermeister Meischner und Hufschmied Voigt, finanzielle Aufbesserungen. Besonderes Augenmerk hat der Rat der Stadt nach kurfürstlicher Order von 1649 erneut auf die Instandsetzung der Wehranlagen zu richten. Zwar wird der kleine Schloßgraben zwischen der westlichen Altstadt und dem Schloßbereich aus hygienischen Gründen verfüllt, aber alle übrigen Anla­gen wie die Pforten- und Kohltorbrücke, das Hallische Torhaus und das Viehtor an der Bitterfelder Straße werden neu gebaut oder repariert. Von der Wiederaufsiedlung der Neustadt wird analog dem langsamen Be­völkerungswachstum erst im Jahre 1698 berichtet. Mit dem Jahre 1701 enden die Aufzeichnungen unseres Delitzscher Chroni­sten Johann Gottlieb Lehmann. Sie sind eine gelungene Darstellung annalistischer Aussagen in einer anspruchsvollen literarischen Form. Als er im Jahre 1852 stirbt, bleibt sein umfangreiches, detailgetreues und aufschlußreiches Werk einer Delitzscher Stadtchronik unvollendet. Spätere Chroni­sten setzen sein Werk nur unvollkommen fort. Eine ausführliche Wieder­gabe und Wertung überkommener historischer Urkunden der nachfolgen­den Jahrhunderte steht damit noch aus. So liegt mit dieser Veröffent­lichung der letzte Teil der Lehmannschen Chronik vor.
Christel Moltrecht


1650
Am 16. Juni kam endlich der Friedens-Executions-Haupt-Rezeß in Nürn­berg zur Vollziehung und die Schweden verließen das Land. Am 30. dieses Monats übergaben sie Leipzig an den sächsischen General Arnimb und am 1. Juli nahmen sie über die durch doppelten Sieg merkwürdige Walstatt bei Wiederitzsch, die sie durch Lösung des Geschützes und Abschießen der Gewehre feierlich begrüßten, in größter Ordnung ihren Rückzug zunächst hierher und nach Anschließung der hiesigen Kompagnien weiter nach Köthen. Auf kurfürstlichen Befehl vom 10. Juli ward nun auch das Friedensfest am 22. dieses Monats auf das Feierlichste begangen. Tages vorher läutete man von 1 Uhr nachmittags drei Viertelstunden lang mit allen Glocken, hielt Vesper und Beichte. Zum Feste selbst ward von früh 6 Uhr an mit allen Glocken dreimal geläutet. Rat, Amt, Geistlichkeit, Lehrer, Bürger, sämtlich schwarz gekleidet, die Kinder weiß mit grünen Zweigen, zo­gen vom Rathause unter Glockengeläute in die mit grünen Zweigen ge­schmückte Kirche, wo der Gottesdienst nach Anordnung gehalten und mit dem Gesange: Herr Gott dich loben wir geschlossen ward. Ebenso festlich war der Nachmittags-Gottesdienst, welcher mit einer Spende an die Armen endete. Vergnügungen aber an öffentlichen Orten waren streng untersagt. Zu Abdankung der kurfürstlich-sächsischen Völker mußten am 1. August zwei Termine Kurantsteuer aufgebracht werden. Sie betrugen bei der Stadt 243 Taler 20 Groschen. Die Bürgermeister Simon Parreidt und Jäger bemühten sich in Leipzig um Geld, die Ratsdörfer einzulösen, kamen aber nach einigen Talern Aufwand, ohne ihren Zweck erreicht zu haben, zurück Ein Scheffel Weizen galt 14 Groschen, Roggen ebensoviel, Gerste 9 Groschen.


 1651
Es hielten in den Bänken zwei Lohgerber, 11 Fleischer, 7 Bäcker, 5 Tuchmacher, 4 Böttcher, 11 Schuhmacher und 5 Leineweber feil. Die Schäferei kam auf 612 Stück, gab 52 Steine Wolle und 208 Gülden Lösung. Die Wolle lag auf dem Boden der Marienkirche. Die Getreideernte war gering, weil durch stete Regenwetter viel verdarb; daher galt der Scheffel Weizen 20-23, Roggen 16-20, Gerste 12-16 Groschen. Die im Kriege verwüstete Pfortenbrücke ward hergestellt und das Mitteltor des breiten Tores an die Stelle des ebenfalls im Kriege niedergebrannten Viehtores gebracht. Die in dem Stadtgraben liegenden spanischen Reiter verbrauchte man als Brennholz. Gertitz und Werben mußten, um den Oberst-Leutnant Georg Schiecke auf Quetz zu befriedigen, weiter verpfändet werden. Die halbe Hufe des Dr. Kirchhof auf Rubach, von welcher 69 Gülden Steuer zurückgeblieben waren, löste der Rat, und ward nun Eigentümer der ganzen Hufe; auch zahlte er von der Georg Holzmül­lerschen halben Hufe das Lehngeld. Die Besoldung der Ratsmitglieder ward jährlich auf 40 Gülden festgesetzt. Am Pfingstfeste stellte man seit dem Anfange des Krieges zum ersten Male wieder Maien in der Kirche auf. Am 3. September ward dem Bürger Christoph Ackermann eine am 1. September geborene Tochter getauft, am Tauftage aber abends 7 Uhr, gebar die Mutter noch einen toten Knaben. klein und verwest. einer Spielpuppe gleich. Für den Flurschützen, welchen beim Holzfällen ein starker eichener Ast hart beschädigte, zahlte der Rat an den Chirurgen Tobias Gotzsche 6 Gülden 12 Gr. Arztlohn. Durch milde Beiträge vornehmer Frauen erhielt die K i r c h e einen Schmuck von glattem, roten, genuesischen Sammet mit goldner Schrift an den Pfeiler der Kanzel, welcher 33 Gülden kostete und am Weihnachtsfeste an seinem Bestimmungsorte befestigt ward.


1652
Die Schäferei stieg auf 643 Stück, gab 65 Steine Wolle und 208 Gülden Gewinn. Vom Feldbaue hatte die Kommun 26 Schocke Wei­zen, 77 1/2 Roggen, 33 1/4 Gerste, 191/2 Hafer; an Körnern 81 Scheffel Weizen, 255 Roggen, 145 Gerste, 150 Hafer und galt der Scheffel Wei­zen 20, Roggen 19, Gerste 10 1/2, Hafer 8 Groschen. Man fing auch wieder an, fremdes Bier einzulegen und.verbrauchte 32. Kufen, die man von Torgau bezog. Die Brücke des breiten Tores wurde im Pfahlwerke gebessert, ganz mit neuen eichenen Bohlen belegt und gepflastert. Auch nahm man wieder einen Stadtmusikus an. Peter Carieß, der von Bitterfeld abgeholt ward. Der Sohn des hiesigen Ratsherren und Organisten Rudel, Siegfried, später Pfarrer in Lindenhayn, ward am 18. Januar Magister und er­hielt vom Rate 4 Taler zum Geschenke. Auch gab der Rat dem Sohne des hiesigen Bürgermeisters Wieprecht, Daniel, Protonotar des Kon­sistoriums und kurf. Geleitsschreiber in Leipzig, als er sich mit der Tochter des Stift-Sekretär Sommer in Merseburg verehelichte, 5 Ta­ler, dem Rektor der Schule Pforte aber, Mr. Johann Kühn, einem Delitzscher, um die Pförtner Schüler hiesiger Stadt sehr verdienten Manne, am 15. September 6 Taler Hochzeitsgeschenk. Am 28. April ward der Superintendent, Lizentiat Clauder, vom Super­int. Dr. Christian Lange aus Leipzig, investiert. Der Superint. Clauder erbat sich bei dieser Gelegenheit, die Graben bei der Pfarrwiese im Rosentale auf seine Kosten zu erhalten. Am 18. September war der Administrator des Erzstiftes'Magdeburg, August, auf seiner Reise hier und speiste in der R a t s s t u b e. Die Bürgerschaft, welche vor dem Rathause und in den Toren aufwartete. erhielt Torgauer Bier. Am 16. November ward der praktische Jurist, Notar und Ratsherr ,(seit 1629) Gottfried Voigt begraben, eins der brauchbarsten und tä­tigsten Mitglieder des Rates während der Kriegszeit. Die Witwe des Hans Münch hatte den Schullehrern ihr Haus in der Vorstadt als Vermächtsnis ausgesetzt, zu welchem sich An­dreas Albrecht als Käufer meldete und 80 Gülden bot. Sie suchten deshalb am 29. November die Abschließung des Kaufes bei dem Rate nach.


1653
Auf dem Ausschußtage in Dresden, den 29. Januar trugen die Ver­ordneten der Stadt bei,ihrem christlichen Gewissen und Pflichten, wörtlich diese Bitten und Beschwerden vor:
1. Die Stadt innerhalb und außerhalb der Mauer hat nicht mehr als: 128 angesessene Bürger, 27 Witwen mit eigenen Häusern, und 38 hausarme Bürger: 260 Häuser. in und vor der Stadt, auch fast alle Scheunen sind von Feinden abgebrannt und niedergerissen, deren Besitzer teils von großem Herzeleid gestorben, teils sich in andere Städte und Länder gewendet haben.
2. Die noch gebliebenen Häuser sind an Eingebäuden über alle Ma­ßen beschädigt so, daß bei vielen weder Malzhaus, Stall, noch sonst ein Nebengebäude zu finden ist, und mit mehr als 20 000 Gülden verschuldet, an deren Zinsen Kirche, Prediger. Lehrer und Arme gewiesen sind.
3. Die Armut der Stadt ist leicht zu ermessen, wenn man bedenkt, daß sie den Walstätten am nächsten gewesen, von den geschlage­nen Völkern und sonderlich hohen Offizieren jederzeit hart be­legt worden, und dennoch unerträglich und ganz ungleiche Kon­tributionen aufbringen müssen, wie solches auf der Stelle bewie­sen werden kann, und der Ruin der Stadt genugsam beweiset. Sie bäten deshalb
4.die Stadt bei ihren, durch ihre Vorfahren teuer und mit Blute erworbenen Immunitäten, Freiheiten, Privilegien zu schützen, der Ritterschaft das seit etlichen Jahren zum Nachteile der Stadt und der Steuer gegen Landtagsabschiede und Polizeiordnung unter­fangene Bnauen des Bieres und dessen Vertrieb des Landsberger und Brehnaischen Bieres außerhalb an die Zwangspflichtigen hiesiger Stadt, auch den Priestern, Bauern und Schenken in der Pflege Delitzsch das Verzapfen des Weines und Anhaltischen Bieres streng zu verbieten.
5. Die Anlagen zwischen Amt und Stadt entweder nach Steuerschocken oder sonst nach Billigkeit einzurichten, weil der bisher angenommene Maßstab der Stadt sehr beschwerlich ist, aber auch die Steuerschock wegen der Menge Caduzitäten zu ermäßigen. Es hatte aber das Amt 99 318 Steuerschocke, als:
49 066 das Amt,
35 000 der Kanzlei Schriftsassen,
15 252 der Amtssassen Besitzungen,
31 058 die Stadt.
6. um Verschonung mit Frondiensten und Vorspann bei Durchzügen, die bisher der Polizeiordnung zuwider ohne Entgelt von den Beamteten verlangt worden sind,
7. um Erlaß der doppelten Fleischsteuer vom Hausschlachten.
8. mit der Accisesteuer eine Änderung zu treffen, weil hiesiger Scheffel mehr nicht als einen halben Dresdener und ein Dritteil des Leipziger Scheffels beträgt.
9. um Ersatz des Vorschusses von vielen tausend Talern, die die Stadt dem Leipziger, Kur- und Thüringischen Kreise neben dem Amte leisten müssen. 18 998 Taler 17 Gr. sind 1640-42 für die Ungarschen und andere kurfürstlichen Völker, 11 146 Taler dem Leipziger Kur- und Thüringischen Kreise und 10 096 Taler 16 Gr. dem Kurkreise vorgeschossen worden, welche, so wie 719 Taler 12 Gr., die beim Abzug der Schweden aus Leipzig gegeben wer­den müssen, billig erstattet werden sollten.
Nur die Eingriffe in die Rechte der Biermeile wurden beschränkt, an Milderung der Abgaben, an Vergütungen war nicht zu denken und spät erst setzte man das Schockquantum der Stadt der Caduzitäten wegen, auf einen, wenn auch nicht angemessenen, doch minderbe­schwerlichen Fuß. Der Tuchhänd1er Georg Dietze, verehelichte sich mit der Enkelin des vormaligen Superintendenten Selnecker, der Tochter des Stadtschreibers Mr. Nicolaus Selnecker in Düben und der Amtsschösser Christoph Mayer mit der Tochter des Archidiakon Seholler, Johanne Marie, die vom Vater in des Schössers Wohnung kirchlich verbunden ward. Beiden gab der Rat ein Hochzeitsgeschenk. Am 13. Dezember fand sich im Brunnen des Cyriakus Kothe in der breiten Gasse ein toter Mann, ein Einwohner in Frankenthal bei Bischofswerda, ohne merkliche Beschädigung und blieb die Veranlassung bei gerichtlicher Untersuchung unermittelt. Johann Spieler, Bür­ger und Handelsmann und seine Gattin Anna, schenkten der Kirche den großen Kronleuchter, einen Altarschmuck und Cymbeln in das Orgelwerk.


1654
Die Schäferei hatte 634 Stück Schafe und gab 42 Steine Wolle, am Werte 144 Gülden. Im Feldbau aber war Mißwachs (viel taubes Getreide, Rade, Vogelwicken) und galt der Scheffel Weizen 8-10, Roggen 7, Gerste und Hafer 4 Groschen. Die Gerichtsstätte ward anfangs des April erneuert. Sämtliche Maurer und Zimmerleute arbeiteten daran und wurden mit einer Trommel an- und abgeführt. Der Stadtrichter legte, wie gebräuchlich zuerst Hand an das Werk. Die während des Krieges auf dem Markte errichtete Justiz ward durch den Nachrichter weggeschafft. Auf der erneuerten Gerichtsstätte ward zuerst am 25. April ein Schuhmacher von Dessau, Hans Hoyer, mit dem Strange hinge­richtet. Die verwüsteten Zwinger besetzte man wieder mit Fruchtbäumen und der Superintendent, Lizentiat Clauder entwarf eine neue Schulordnung , die, nach reiflicher Überlegung mit dem Rate dem Konsistorium zugesendet und von diesem unbedenklich geneh­migt ward. Nach einer Aufforderung der kurfürstlichen Kommissarien an die Stände des Leipziger Kreises, vom B. Juli, versammelten sich diese am 29. August in der Renterei zu Leipzig, wo man von ihnen freiwillige Beiträge zur Reparatur der Feste Pleißenburg und der Mauern um Leipzig verlangte, die aber die Abgeordneten hiesiger Stadt, weil die Reparatur der Festen Sache des Landes, nicht eines einzelnen Kreises sei, Delitzsch seine eigenen Mauern und Gebäude herzustellen habe, verweigerten. Doch gab man eine extraordinäre Defensions-Steuer - Römerzug. Da in der neuen Schu1ordnung, Kap. XII, § 9 zwei examina publica, das erste nach Misericordias Domini, das zweite in der Woche nach der Leipziger Michaelis-Messe angesetzt waren, und nach § 10 die Inspektoren unter die fleißigen Schüler nach des Rates Gutwillig­keit etliche Buch Papier austeilen sollten, so wurde nach dem Mi­chaelis-Examen zum ersten Male ein halbes Ries Papier an die Kna­ben verteilt.


1655
Am 6. Februar stieg der Lober zu einer ungewöhnlichen Höhe, zerriß den Damm (Steinweg) von dem Hallischen Tore, den Weg an der Stadtmühle, nahm die Brücke am Gerberplan oder Mühltore weg und führte verschiedenes Holz in den Stadtgraben. Man hatte daher Aufwand für Wächter in der Mühle, lohnte sieben Männer, welche acht Tage an Ausfüllung der Löcher arbeiteten und führte am Gerberp1ane eine neue Brücke auf. Der Amtsschösser verlangte zwar, daß die Stadt auch den verwüsteten .D a m m oder Steinweg, welcher nach einer Messung vom Jahre 1570 263 Ruten in der Länge und eine in der Breite hielt, mit dem Amte auf gleiche Kosten bauen sollte, diese widersprach aber und verlangte mit Anziehung eines gün­stigen Befehles des Kurfürsten August vom 26. Dezember 1570, in einer kurfürstlichen Verordnung vom 20. April, bis man ein Besseres gegen sie ausführe, völlige Befreiung. Die Appellation der Schullehrer gegen die am 14. Februar bekannt­gemachte, bestätigte Schu1ordnung hatte keine Wirkung. Die Orge1 der Stadtkirche. welche während der Kriegszeit durch Pfuscher und Tischler behandelt, sehr herabgekommen, ward durch den Orgelbauer Wend aus Halle leidlich hergestellt. Am 25. September feierte man das Andenken des vor hundert Jahren erlangten Religionsfriedens mit einem Festzuge in die Kirche. Ein Bürger, welcher während der Predigt des. dritten Pfingstfeier­tages bei einem Brenner Branntwein trank, verbüßte es mit einem Taler, der Wirt mit 15 Gr. Strafe; der Leineweber Säuberlich aber, welcher das Handwerk gescholten hatte, zahlte 1 Taler 4 Gr. und war ihm dabei der Betrieb des Handwerks auf zwei Jahre untersagt. Man traf Vorbereitungen zu dem künftigen Landtage, auf welchem namentlich die Beschwerden erörtert, das, seit 1613 bestehende De­fensionswerk als unhaltbar aufgehoben, dagegen die Werbung und Einrichtung eines stehenden Heeres beraten werden sollten und stellte vorläufig ein Verzeichnis der vorhandenen Mannschaft auf. Der Scheffel Weizen galt 14-12, Roggen 12-10 Groschen.


1656
Am 24. März starb Andreas Wieprecht, Notar, kurf. Kornschreiber und Fleisch-Steuer-Einnehmer in Leipzig. Er war hier geboren, ein Sohn des ehemaligen Bürgermeisters Esaias Wieprecht und der Stadt im Kriege sehr nützlich. Die Verwilligung der Stände am Ausschußtag 1653 lief mit dem Bar­tholomäustage dieses Jahres zu Ende. Man erwartete das Ausschrei­ben eines Land- oder Ausschußtages, der Mangel an Gelde aber er­laubte den Aufwand nicht, es war in bezug auf die vielen und mannig­fachen Beschwerden und das umzugestaltende Defensions-Werk nicht alles vorbereitet, auch stand ein Reichstag bevor, dessen Ergebnisse ein Gegenstand allgemeiner Beratung werden mußten, daher erschien am 15. Juli ein kurfürstlicher Befehl zur Abhaltung von Kreistagen und es ward für den Leipziger Kreis der B. August zu einer Versamm­lung in der großen Oberhof-Gerichtsstube in Leipzig angesetzt. Man verlangte zu den dringendsten Bedürfnissen des Landes, zu Reichs­tagsspesen und Wiederherstellung der festen Plätze, die Land- und doppelte Tranksteuer Accise, doppelte Fleischsteuer, Quatember­steuer, Kontribution und Einbringung der Reste auf zwei Jahre bis    zum nächsten Landtage. mit der Versicherung. daß die Verwilligung dieser Abgaben weiter hinaus keine Wirkung haben solle. Das Bedürfnis war klar und so bewilligten die Abgeordneten hiesiger Stadt, der Bürgermeister Simon Parreidt und Stadtschreiber Elias Fischer, 1) die Landsteuer aber nur nach vorläufig auf 11834 1/2 her­abgesetzten Schocken; 2) die Kammerhilfe, jährlich 2 Pf. vom Schock; 3) die Festungssteuer, jährlich 1 Pfennig; 4) die Accise; 5) doppelte Fleischsteuer und 6) doppelte Tranksteuer, nur bittend, daß die über­mäßigen Freibiere der Beamteten eingeschränkt werden möchten. Am B. Oktober starb der Kurfürst Johann George. Infolge seines Testaments vom 20. Juli 1652 und Kodizilles vom 20. Juli 1653 ward das Land unter seine Söhne geteilt und erhielt der dritte Chri­stian das Stift Merseburg, die Markgrafschaft Niederlausitz, die Ämter und Städte Dobrilugk, Finsterwalde, Delitzsch, Zörbig, Bitterfeld (mit Brehna) zu seinem Teile und in Merseburg seinen Sitz. Gleich nach der Bekanntmachung des Todes begann das vierwöchent­liche Trauerläuten und die Landtrauer, zu welcher für 16 Taler Flor aus der Ratskasse gegeben ward. Am 17. Dezember, mittwochs zwischen 7 und 8 Uhr, wurde der Archi­diakon Mr. Gabriel Seholler auf der Kanzel, nach dem Eingange seiner Predigt vom Schlage getroffen, fiel die Kanzeltreppe herab, und alle Belebungs-Versuche, die man in der Küsterwohnung, wohin man ihn brachte, vornahm, blieben fruchtlos. Ein edler, um die Stadthoch-. verdienter Mann, den man auf allgemeines Verlangen wider Gewohn­heit in die Kirche begraben ließ. In die Archidiakonatsstelle rückte der Diakon Bornmann. Auch starb am 23. Dezember der Stadtmusikus Peter Carieß, dessen Stelle man dem Martin Ritter, bisherigen Stadtmusikus in Wurzen übertrug. Der Scheffel Weizen galt 12, Roggen 9-7 Groschen.


1657
Die Schäferei , aus 722 Stücken bestehend, gab 52 Stein Wolle und 272 Gülden Ertrag. Von der Getreideernte erhielt man 128 1/z Scheffel Weizen, 371 Roggen, 227 1/2 Gerste, 350 1/2 Hafer, der Scheffel Weizen 8, Roggen 5, Gerste 5, Hafer 3 1/z Groschen an Wert. Nach der am 2. Januar 1634 beliebten Vergleichung waren die Herren des Rates vom Schoße und Wächtergelde frei, und erhielten die Hälfte des Heergerätes, der Gerade und der Strafgelder als Accidens. Am 22. April vollzogen die fürstlichen Brüder über das Verhältnis der geschiedenen Landesteile zueinander einen Hauptrezeß, nach wel­chem Delitzsch in geistlichen Angelegenheiten an das Konsistorium in Leipzig, in rechtlicher an die Entscheidung des Oberhof- und Appellationsgerichts gewiesen, in militärischer Beziehung aber fast ganz vom Kurfürstentum abhängig ward. Die Schriftsassen des Amtes blieben ebenfalls diesem untertan. Der Kurfürst Johann Georg H., Reichsvikar, befahl (Dresden am 12. Juli) dem Amte und Rate, dem Herzoge Christian Huldigung zu leisten, vorher aber die Entlassung der Pflicht von den kurfürstlichen Kommissarien zu erwarten, und in einer Verordnung des Herzogs Christian, vom 16. Juli, ward zur Huldigung der Städte und Ämter Delitzsch und Zörbig der 24. dieses Monats in Delitzsch bestimmt. Das Rathaus ward sogleich zu dieser Feierlichkeit mit einer Bühne, Prachtsessel und Behängen versehen, im Hofe eine Küche aufgeschlagen, die Bürgerschaft erhielt eine neue Fahne, welche der Ma1er Eberhard zum Andenken ohne Entgelt machte, zwei neue Trom­meln und übte sich zum Aufzuge mit der Wehr. Am 23. abends gegen 6 Uhr kam der Herzog von Merseburg. Der Rat, welcher ihn vor der Stadt erwartet hatte, ging ihm, als er aus dem Wagen und zu Pferde gestiegen, nach der ersten Begrüßung in langen Trauermänteln mit entblößten Häuptern voran, an der Hospitalkirche empfingen ihn die Geistlichen, Schullehrer, und die Kantorei sang, weil die Landtrauer Instrumentalmusik nicht gestat­tete, eine von dem Kantor Schulze für diese Feierlichkeit eigens ge­setzte Motette ab. Die Bürgerschaft im Gewehr, war bis zum Schlosse aufgestellt. Tages darauf früh 8 Uhr fuhr der Herzog mit Gemahlin in die Kirche, wo der Superintendent Clauder die Hul­digungspredigt hielt. Nach dem Gottesdienst ritt er, von allen Behörden begleitet, durch die Reihen der Bürger vor das Rathaus, wo er von den kurfürstlichen Kommissarien empfangen und in den zur Huldigung bereiteten Saal eingeführt ward. Die kurfürstlichen Kommissarien entließen hierauf Delitzsch und Zörbig, Amt, Stadtund amtsässige Ritterschaft, mit Vorbehalt der im Vertrag vom 22. April fest­gesetzten Reservate, ihrer Pflicht, ermahnten zur Huldigung, die denn auch nach einer kurzen Anrede durch ein Mitglied der Ritterschaft, erst von den Behörden im Huldigungssaale mit Handschlag und An­gelobung der Treue, dann von der auf dem Markte befindlichen Bür­gerschaft durch Eidesleistung vollzogen ward. An die beflorten Schlüssel der Stadt, die man dem Herzoge über­reichte, war ein grün und rotseidenes Band geknüpft. Die Stadt Delitzsch verehrte dem Herzoge bei dieser Gelegenheit einen silbernen, vergoldeten Pokal, einen Eimer Rheinwein und eine Kufe Torgauer Bier, der Gemahlin des Herzoges ein vergoldetes Fläschchen, dem Hofmarschalle ein silbernes, knoppiges Becherlein, dem Kammerse­kretär ein vergoldetes Schälchen, den kurfürstlichen Kommissarien einen halben Eimer Wein, auch teilte man ansehnliche Geschenke an die Bedienung aus. Das Silbergerät wog 7 Mark 13 Lot und ward in Leipzig mit 94 Talern bezahlt. Auf das Geschwätz, daß eine Frau und ein junges Mädchen in Mo­cherwitz am Walpurgismorgen vor Sonnenaufgange mittels aufge­setzten Kränzen von neunerlei Blumen und verkehrt angezogener Kleider vier Weiber des Dorfes auf den Firsten ihrer Gebäude but­tern gesehen und der Abdecker ein schnell gefallenes Stück Vieh für bezaubert ausgegeben habe, begann vor hiesigem Amte eine Recht und Menschlichkeit schändende Untersuchung, ein hirnverrückender Hexenprozeß , in welchem ohne Erwägung der Zeugen und Zeugnisse, ohne Rücksicht auf Verteidigungsgründe, die offenbar unschuldigen Schlachtopfer durch wiederholte, schreckliche Martern, des qualvollen Lebens überdrüssig, zu den unsinnigsten Geständnissen gezwungen und auf diese Geständnisse dem Tode durch Feuer über­geben wurden. Drei derselben, Anna Stäter, Gertrud K1epzig und Anna Hennig verbrannte man am 26. November d. J. an der Gerichtsstätte, die vierte aber, Lorenz Stäters Ehefrau, weil sie schwanger war und am 6. Dezember im Gefängnis mit einem Knaben niederkam, erst im Februar des folgenden Jahres. Die Brand- und Schandsäulen, die das Gericht den Unglücklichen setzte, setzte es sich. Die im Kriege gänzlich verwüsteten Diakonatshäuser wurden neu erbaut. Der Kurfürst von Sachsen bewilligte hierzu im Kurfürstentum eine Kollekte. Auch den Abgebrannten in Rochlitz und Altenburg gab man eine ansehnliche Unterstützung. Der Scheffel Weizen galt 12-10, Roggen 7-6 Groschen.


1658
Es war ein harter Winter und viel Schnee. Am 13. Februar ward, wie im vorigen Jahre bemerkt, Lorenz Stäters Hausfrau von Mocherwitz wegen Hexerei verbrannt und in gleicher Verdammnis mit ihr Törners in Kletzen und Barths des Schöppen in Zwochau Eheweib. Die Witwe des 1639 gestorbenen Bürgermeisters Mr. Johann Franze, ' Maria, stürzte sich aus Schwermut in den Brunnen und ward am 30. März mit halber Schule und halbem Geläute begraben. Sie sollte auf Befehl des Konsistoriums an einen besonderen Ort gelegt wer­den, der Sohn aber, Johann Franze, praktischer Jurist und Gerichts­verwalter, der durch sein ordnungswidriges Leben wahrscheinlich ih­ren Tod beförderte, ließ sie neben den Vater legen und zahlte die Strafe, in die er deshalb verfiel. Bei Verlesung der Wi11kür am 21. Mai verlangte die Bürgerschaft, daß jedem Einzelnen Schafe zu halten und auf die Triften zu bringen erlaubt werde, welches aber abgeschlagen ward. Da man sich unbefugterweise erlaubte, die Keller der vorstädtischen Wüstungen auszubrechen und dadurch die Grenzen zu verdunkeln, so ward dieses in einer herzoglichen Verordnung vom 17. Juli streng untersagt. Am 15. August, nachmittags 3 Uhr kam bei großer Hitze ein Donnerwetter mit hellen Wolken, starken Regengüssen und Schloßen, gab einige starke Schläge, von denen einer den Hallischen T u r m traf und eine eichene Säule spaltete, aber nicht zündete. Ein abge­schlagener Splitter dieser Säule wird im Ratsarchiv verwahrt. Der Scheffel Weizen galt 12, Roggen 7 Groschen.


1659
Die Stadt Delitzsch ward auf Verordnung des Kurfürsten Johann Georg II. auf brüderliche Intercessionale des Herzogs Christian beim Anfange des Landtages von dem engen und weiten Ausschuße der Städte zum Mitgliede aufgenommen und ihr in dem weiten Aus­schusse die letzte Stelle eingeräumt, auch der Stadt Abgeordneten Sitz und Stimme bei den Landes-Konventen zugelassen, laut Attestes der Abgeordneten der Stadt Leipzig (als welche das Direktorium bei dem Kollegium der Städte hat). Dresden, d. 2. März 1659. Der Scheffel Weizen galt 11-14 Roggen 7-11 Groschen.


1660
Nach' einem Amtspatente vom 3. August waren in den unmittelbaren Amtsdörfern noch wüst und ohne Besitzer:
Bageritz 1 Gut mit 1/s Hufe, 1 Haus;
Beuden 1 Gut mit 4 ½ Hufe;
Brodenaundorf 1 Gut mit 4 Hufen, 1 wüster Hof und Garten;
Cletzen 1 Gut mit 1 1/2 Hufe, 1 Garten;
Creuma 2 Güter mit 4 1/2 Hufe, 2 wüste Höfe und Gärten;
Doberstau 1 Gut mit 6 Hufen;
Düringsdorf 2 Häuser;
Ettelwitz 1 Gut mit 1 1/z Hufe und Garten;
Flemsdorf 4 Güter mit 9 Hufen und 2 Gärten;
Gerbisdorf 1 Gut mit 1 1/2 Hufe;
Grebehna 6 Güter mit 6 1/2 Hufe,.l Haus;
Gollm 1 Gut mit 1/1 Hufe, 18 Häuser;
Grünstraße 10 Häuser;
Hohossig 9 Güter mit 15 1/z Hufe, 1 Oberland;
Kattersnaundorf 7 Güter mit 17 1/2 Hufe;
Klitzschmar, Gr. 4 Güter mit 13 Hufen;
Klitzschmar, Kl. 6 Güter mit 21 Hufen;
Kyhna, Kl. 2 Güter mit 5 1/2 Hufe, 1 Oberland;
Lissa, Gr. 4 Güter mit 2 3/4 Hufe;
Lissa, Kl. 1 Haus;
Mocherwitz 3 Güter mit 6 1/s Hufe;
Pfaffendorf 1 Haus;
Reisen 1 Gut mit 1 Hufe;
Radefeld 21 Güter mit 28 Hufen und Gärten;
Schladitz bei Zwochau 1 Gut mit 2 1/2 Hufe und wüstem Garten;
Serwitz 8 Güter mit 18 Hufen;
Thamm und Rosental 8 Häuser;
Werlitzsch 4 Güter mit 4 ¾ Hufe;
Wiedemar 5 Güter mit 10 Hufen, Gärten, Oberländern und 4 Häusern;
Zaasch 7 Güter mit 19 Hufen;
Zwochau 3 Güter mit 8 1/2 Hufe.
Außerdem 57 3/4 Hufen in verschiedenen Amtsmarken.
Die Ernte war nicht die günstigste, daher das Getreide im Preise stieg und im November der Scheffel Weizen 18, Roggen 16 Gr. galt. Der Superintendent erlaubte sich auf der Kanzel heftige Ausfälle ge­gen den Rat, der hinsichtlich der geistlichen Besoldungen Unmögliches leisten sollte, die man mit krankhafter Laune entschuldigend, für dieses Mal des lieben Friedens willen ungeahndet ließ. Das verwüstete Brauerbenhaus des Peter Poße an der Ecke der Schloßgasse und Pfarrwohnung erstand der Fleischer Samuel Heller für 100 Gülden, weil aber dem Superintendenten Clauder die Nachbarschaft eines Fleischers in mehrerer Beziehung unangenehm war, so trat er es dem Diakon Mr. Petermann ab, dem es um diesen Preis zugeschrieben ward. Der 75-jährige Obermeister des Schneiderhandwerks , Elias Stoye, verunglückte; als er am 10. Oktober früh gegen 6 Uhr wahr­scheinlich auf das Land gehen wollte, im Stadtgraben, ward gerichtlich aufgehoben und ihm vom Konsistorium ein ehrliches Begräbnis gestattet. Weil er unter den Händen des Gerichts gewesen, verwei­gerte ihm die Innung die handwerksübliche Bestattung, ungeachtet sie mit dem Verluste ihrer Rechte bedroht ward. Am 9. Dezember war ein heftiger Sturm, der viele Gebäude beschä­digte, sonst aber ein milder Herbst und trug man in den Weihnachtsfeiertagen Kränze von Veilchen und anderen Frühlingsblumen feil.


1661
Der Bürger Christian Winkler kam in Untersuchung, weil er vorge­geben, daß er in der Frühe des Walpurgistages H e x e n gesehen habe, man erwartete schon einen neuen Hexenprozeß, da er aber fest behauptete, er habe es im Scherze gesagt, brach man sie. ab auf herzoglichen Befehl. Die durch den unglücklichen Krieg herbeigeführte sittliche Verwil­des rung vieler Studierenden in Leipzig fand ihr Ende, als der Kurfürst in einem strengen Befehl den bis aufs Äußerste getriebenen Penna­lismus aufhob und das bisher herrschende Militär auf eine mäßige Schloßwache beschränkte, die Stadt mithin ihrer Torschlüssel und der alten Ordnung wieder mächtig ward. Am 10. Juli, vormittags 9 Uhr, kam in dem Hause des Fleischers Gott­fried Markart (im Eckhause der Hallischen Gasse, am Süßmilchgäßchen) durch Unschlittschmelzen Feuer aus, welches wegen großer Dürre und Ostwindes schnell um sich griff und die Hallische Gasse auf beiden Seiten, die Schloßgasse, die Häuser des Marktes zwischen diesen Gassen, einen Teil der Rittergasse und außerhalb der Ring­mauer das Hospita1 und 18 Scheunen in Asche legte. (Die Häuser der Vorstadt mit mehreren in dem abgebrannten Teile der Stadt la­gen noch wüst vom Kriege har). Bei diesem Feuer verunglückte die Ehefrau des Bürgers und Sattlers Thomas Horn, Besitzer des Hauses Num. 163 der Hallischen Gasse, Magdalena, welche im Keller verfiel und einige Arbeiter wurden beschädigt. Das Hospital und mehr als 70 Wohnhäuser mit allen Nebengebäuden waren vernichtet, nur der Hallische Turm und die Hospitalkirche blieben unversehrt. Der Scheffel Weizen galt 18-22, Roggen 16-22 Groschen.


1662
Am 3. Januar ward Martin Crack durch das"Amt mit dem Schwerte hingerichtet und der Leichnam auf die Leipziger Anatomie gebracht. Der alte Apotheker Barthol. Harke starb am 31. März. Er war aus Frankfurt an der Oder gebürtig, kam anfangs des Jahrhunderts nach Delitzsch und führte eine der im 16. Jahrhundert errichteten zwei Apotheken bis zum Kriege glücklich fort, wo 'sie in Verfall geriet. In der Nacht vor dem Himmelfahrtsfeste fror es so stark und warf einen so tiefen Schnee, daß Weinstöcke und Fruchtbäume verdarben. Nach Pfingsten aber entstanden durch. häufige Regengüsse Über­schwemmungen, welche Felder und Wiesen ungemein beschädigten. Da der Petri-Paulstag auf einen Sonntag fiel, so ward der Jahrmarkt auf den folgenden Tag den umliegenden Städten und Dörfern angesagt. Am 14. Juni ward ein großer Teil des Getreides hiesiger Flur durch Schloßschlag beschädigt, bis über Brinnis hinaus. Am 28. Juni starb der Kämmerer Gabriel Kirchhof, Ratsherr seit 1659 und am 11. November der Bürgermeister Simon Parreidt, Ratsherr seit 1626, Parreidt in der Kriegszeit ein der Stadt sehr nützlicher Mann. Zeitungsnachrichten erhielt man durch Abschriften von Leipzig und zahlte vierteljährlich 2 Taler dafür. Der älteste Sohn des vormaligen Superintendenten Ilgen, Friedrich August, Student in Leipzig, suchte um eins der Stipendien nach, die man vor dem Kriege aus der Trinitatis-Kommende und Fridericischen Stiftung gegeben hatte. Da aber die meisten Kapitale durch die Ver­wüstungen des Kriegs verloren gegangen, die übrigen nur zu dem dürftigsten Unterhalte der Geistlichen und Schullehrer ausreichten, so war kein Fonds zu Stipendien da, man gab aber um das Andenken der Stifter zu erhalten, nach einem Beschlusse vom 22. Dezember d. J. Studierenden, wenn sie eine akademische Würde erhielten, ein für allemal 30 Gulden, zu welchen der Rat wegen der Kommende und die Kirche wegen des Fridericischen Vermächtnis, die Hälfte beitrug. In der Ziege1scheune , welche man im vorigen Jahre von Grund aus neu gebaut hatte, brannte man zum ersten Male in vier Ofen Mauer-, Dach-, Forst-, Kehl- und halbe Dachsteine und verkaufte das Tausend Mauer- und Dachsteine für 5 Taler. Die Hallische Brücke ward erneuert und mit Bohlen belegt. Die Streitigkeiten mit dem Rate und der Geistlichkeit und die große Verwirrung, in welche das Kommun-Rechnungswesen durch den Krieg, durch die häufigen, schnellen Todesfälle der mit dem Rech­nungswesen beauftragten Ratspersonen, auch durch das vorjährige Feuerunglück gekommen war, Veranlaßte die Regierung, die Anstel­lung besonderer Rechnungsführer für das Kommun- und Kirchenver­mögen anzuordnen, eine nötige Einrichtung, die jedoch wegen Unzu­länglichkeit der Mittel zu ihrer Besoldung erst später ins Leben trat. Ebenso nahm die Regierung von dem großen Brandunglück Gelegen­heit, die bisherige Feuerordnung der Stadt einer Revision zu unterwerfen, und sie wurde daher eingeschickt. Dabei bat man drin­gend, daß die vielen, angemaßten Freibiere der Beamteten beschränkt werden möchten. Die Ehefrau des Hans Gradehand ward von dem Gemeindehouer be­schädigt und auf des Rates Kosten vom Chirurgen Esaias Hartmann geheilt. Die Kurrentknaben erhielten für acht Taler Tuch.


1663
Der Scheffel Weizen galt 1 Taler 3 Groschen, Roggen 21-1 Taler 3 . Groschen, Gerste 11 und 12 Groschen. Am 31. Mai starb der Küster Christoph Rümpler und der bisherige Schulmeister in Freiroda, Adam Lochner, erhielt das Amt. Im Juni, Juli und August starben gegen 40 Personen an einer bösar­tigen R u h r, und die Kämmerei-Rechnung hat eine Ausgabe von 2 Talern Arznei für den Rat. Mit herzoglichem Befehl zur Befolgung, vom 28. September, erschien die neue revidierte Feuerordnung der Stadt, welche sich vor vielen der Zeit auszeichnet und später im 18. Jahrhundert zu verschie­denen Malen gedruckt worden ist. Die Schäferei hielt 913 Stück, gab 77 Steine Wolle und nach Ab­zug des Schäferanteils 206 fl. 12 Groschen Gewinn. Die Getreideernte gab 33 Schock Weizen, 129 Schock 40 Garben Roggen, 45 1/4 Schock Gerste und 45 Schock Hafer, das Schock Weizen 2 r/4 Scheffel, Roggen 4 Scheffel, Gerste 7 1/2 und Hafer 8 Scheffel Delitzscher Maßes und galt 1 Scheffel Weizen 15-18, Roggen 10-11, Gerste 6, Hafer 5 Gro­schen.


1664
Die F1eischer baten, daß, wenn ein Meisterstück gemacht werde, welches im Schlachten eines Rindes, Schweines, Schöpses und Kalbes bestand, den übrigen Meistern der Rinderschlag, weil des Rindfleisches für das Bedürfnis zu viel, erlassen werden möchte. Man erließ ihn auch, nur unter der Bedingung, daß kein Mangel eintrete, weil dann die in den Innungsartikeln auf den Mangel gesetzte Strafe not­wendig zu erlegen sei. Der junge Meister, welcher hierzu Gelegenheit gabt' war Christian Gradehand und da ihn das Handwerk zum Meister sprach, ehe er das Bürgerrecht erlangt, er das Meisterrecht ohne dieses angenom­men hatte, ward jeder Teil mit 30 Groschen bestraft. Die in der Kriegsnot übersehenen polizeilichen Unordnungen rügte man nun nach erneuerter Po1izeiordnungstrenger und strafte den, der unter der Freitagskirche bei einem Schenken Branntwein trank mit 1 Taler 12 Groschen, den öffentlichen Fluchet mit 2 Talern, mit 30 Groschen aber den, der das Geleite auf verbotenen Wegen, na­mentlich durch das Rosental über den Grabendamm umfuhr. Zwei Landf1eischer aus Niederossig und Lindenhain erhielten die Erlaubnis zum Bankschlachten in der Stadt und gaben jeder 1/2 Stein Talg an den Bürgermeister und jedem Ratsherren eine Rindszunge. Der Schieferdecker Samuel Burkhard aus Torgau besserte die Turm­spitzen der Kirche und Kastenstube, und dem Zimmermeister Christoph Rudolph von Hainichen ward der Neubau des Hospita1 s übertragen. Dieses Gebäude sollte haben 38 Ellen in der Länge, 16 in der Breite, der Unterstuhl 5 1/2 Elle, der Oberstuhl 4 1/2 Elle auf­gehauen, unten im Haus 5 Kammern gegen den Hof und 3 gegen die Gasse so, daß ein Gang zwischen den Kammern zur Kirchtüre bleibt, eine Hängekammer über den Keller, an der Küche gegen die Gasse eine Speisekammer, eine Stube 13 Ellen breit, 12 Ellen lang, im Ober­stuhle über der Küche 2 Kammern gegen die Gasse, eine Badstube 8 Ellen lang mit einer Kammei, über der Badstube 2 Kammern, die Sparren mit einem liegenden Stuhle, die Giebel gegen den Damm wohl verbunden. Der Meister fertigte es bis Martini für 120 Gulden. Ein an den G a 1 g e n geschlagenes Pasquill ward wegen gemein­schaftlicher Gerichtsbarkeit vom Amte und Rate zugleich abgenom­men und dem gelassen, dessen Untertan darinnen angegriffen war. Der Bürgermeister Christian Jäger übergab die Kämmerei-Rechnun­gen der Jahre 1641 und 1644, in welchen Jahre er Kämmerer gewesen war, zur Prüfung und erbat sich darüber einen Empfangsschein. Die meisten Kämmerei- und Kirchenrechnungen der Kriegsjahre wurden jetzt erst abgelegt. Damit die Jagdgerechtigkeit in den Marken der Stadt erhal­ten werde, nahm der Rat am 22. August den Jäger Jonas Grosse an, welcher die Ratsfluren begehen, was zur Unterjagd gehört schießen und das Geschossene abliefern sollte. Er erhielt an Schießgelde 6 Gr. für einen Hasen, 2 Gr. für eine Ente, 1 1/2 Gr, für ein Rebhuhn, 8 Gr. für einen Fuchs und auf das lauf ende Jahr einen Taler, drei Scheffel Roggen und 1 Pfund Pulver Lohn. Ein Scheffel Weizen galt 14-15, Roggen 8-9, Gerste 7-8, Hafer 5-7 Gr.


1665
Der Uhrmacher Johann Ettmüller aus Leipzig besserte auf Ratsko­sten den Kirchenseiger für 20 Taler. Am 25. April starb der alte Apotheker, Gregor Weiland, der wie Herke im Kriege zurückgekommen war. Am 15. Oktober feierte man ein Dankfest wegen des mit den Türken abgeschlossenen Friedens. Das Jahr war übrigens, wenn man den letzten Monat des vorigen dazu nimmt, reich an feurigen Meteoren und ein Kometenjahr. Die Weilandische zu einem armseligen Würzkrame herabgesunkene A p o t h e k e übernahm der aus Torgau gebürtige, bisher als Provi­sor in Halle dienende nicht unbemittelte Johann Schaefer und setzte sie mit jugendlicher Tätigkeit, wie ihn die Folgezeit begünstigte, in einen besseren Stand. Die Stadt hatte, als er ankam, seit längerer Zeit für innere Krankheiten keinen Arzt, nur Chirurgen. Die Vornehmen brauchten Ärzte in Leipzig und Halle und bezogen die Arzneimittel daher. Die Armen behalfen sich mit Hausmitteln. Sein Anfang war also schwer und erleichterte sich nur durch das später eingeführte Physikat. 'Die vom Superintendenten in der Predigt des Michaelisfestes ausgestoßenen, unverantwortlichen Schmähreden gegen einen Ratsherren, der die Predigt nachschrieb und den Rat selbst, mußten, da sie allge­meinen Unwillen erregt hatten, dem Konsistorium berichtet werden.


1666
Der Superintendent Dr. Clauder, ob man ihn gleich wegen einer an­züglichen Predigt des vorigen Jahres vor dem Konsistorium verklaget,, und. er in einem Prozesse sich zu mäßigen versprochen hatte, ließ sich, weil er in der Meinung stand, daß die Kämmereikasse den geistlichen Kommunen viel schulde, in kränklichem Unmute, nicht nur zu einer übereilten Beschwerde gegen den Stadtschreiber an die Regierung, sondern auch als er über den ungerechten Haushalter predigte, zu neuen Schmähungen verleiten, die man mit einer Berechnung, nach welcher nicht die Kämmerei der geistlichen Kommune, sondern diese jener schuldete, an das Konsistorium brachte und Genugtuung erhielt. Auch die beiden Hälter an der Stadtmüh1e waren wegen Verschlammung seit. vielen Jahren unbrauchbar, und man überließ sie gegen die Ausschlämmung dem Stadtrichter Johann Christoph Fiedler auf 15 Jahre. Durch große Dürre und Mäuse litt das Getreide Schaden, es stieg da­her im Preise und galt der Scheffel Weizen 9-13, Roggen 7-9, Gerste 7-9, Hafer 5-7 Groschen. Man versuchte, die ehemalige Schütze,ngese11schaft, welche der Krieg aufgelöset und ihre ehemaligen Häuser am Gerberplan und Hospitale verwüstet hatte, wieder herzustellen, der Rat gab auch willig Steine zum Aufbaue eines Hauses auf dem Anger und verstat­tete das Brauen eines ganzen Bieres, es blieb aber, weil der größere Teil der Stadt noch im Schutte lag, bei dem guten Willen und dreißig Jahre gingen noch hin, ehe man dieses Vergnügens wieder mächtig ward. Der Jäger Jonas Grosse, den man im vorigen Jahre versuchsweise angenommen, ward nun völlig als Ratsschütze angestellt. Es waren 22 Branntweinblasen im Gange und von jeder gab der Ei­gentümer jährlich 2 Taler 12 Gr. än die Kommunkasse ab. Die Schäferei bestand aus 915 Stück und gab 448 Gülden 13 Gr. 2 Pf. Gewinn. In der Ziegelei wurden 74 022 Steine gebrannt. Der Küster Adam Lochner fand in der Stadtkirche ein verborgenes Kästchen, welches nebst alten Registern und Schriften auch einen reichlich mit Perlenbesetzten Kirchenschmuck von Goldstoff enthielt, den man auf Anordnung des Superintendenten Dr. Clauder in Ge­brauch nahm, aber so unvorsichtig behandelte, daß im Verlaufe von 20 Jahren von 102 Schocken 50 Stück größeren Perlen ein Abgang von 49 Schocken gefunden ward. Die Schriften behielt der Superinten­dent Clauder an sich und da er über den Inhalt schwieg, auch die Ab­gabe an den Rat verweigerte, so ist es ungewiß, ob sie bei der Super­intendentur geblieben oder in den Nachlaß desselben gekommen sind, jedenfalls aber für die Geschichte verloren. Die Stickerei des Schmuk­kes bestand aus den Namen Jesus, Maria, einem Wappen, großen Blu­menwerke, Kränzen, und zeigt der Name Maria, daß er der Zeit vor der Reformation gehört, so lässet der Wert auf ein fürstliches Ge­schenk schließen, daß man am füglichsten der Landesfürstin Agnes (1325-1345), deren Tochter Margarethe, Äbtissin des Klosters St. Clara bei Weißenfels war und hier das Patronatsrecht hatte, zuschrei­ben kann. Vielleicht hatte der Küster Selliche im Jahre 1547, wo auf herzoglichen Befehl alle heiligen Gerätschaften von Wert nach Leip­zig geliefert werden mußten, zu lässig oder für sich den Schmuck durch Verbergung zu retten gesucht, der ihn übereilende Tod aber (er starb in diesem Jahre) an der Benachrichtigung gehindert. (S.1689).


1667
Am 12. April starb der Bürgermeister Christian Jäger, seit 1633 Rats­herr und von 1646 an Bürgermeister, ein um die Stadt sehr verdienter Mann am Podagra. Die Strohdächer und Steckenzäune wurden durch herzogliche. Ver­ordnung vom 7. Juni streng untersagt. Die meisten Hintergebäude, Ställe, ja sogar Malz- und Darrhäuser waren mit Stroh gedeckt, ei­nige Gebäude sogar ohne Feueresse. Man zählte, ob schon viele Ne­bengebäude wüst lagen, dennoch im ersten Viertel 40, im zweiten 11, im vierten 39 Strohdächer und gab sich zwar alle Mühe, sie zu entfer­nen, die große Armut mehrerer Besitzer aber litte keine Anstrengung, daher man sie nach Jahrzehnten noch an mindergefährlichen Stellen fand. Das Gewölbe des B r e i t e n  T u r m e s unter des Hausmannes Woh­nung, welches dem Turme schädlich zu werden drohete, ward abge­tragen, an dessen Stelle ein Balkenlager angebracht und geankert, auch in diesem und folgendem Jahre die im Kriege zerschossene, nicht mehr haltbare Turmspitze erneuert, mit Schiefer gedeckt und einem vergoldeten Knopfe versehen. Man verwendete darauf außer einigen vom Herzoge geschenkten Strafgeldern und 56 Gülden, die man bei einem fremden, im Armenhause gestorbenen Tischler fand, mehr als 400 Gülden aus dem gemeinen Vermögen. Den Anschlag zum Baue machte der Angermüller aus Leipzig. Der Knopf ward im folgenden Jahre aufgesetzt und eine Denkschrift vom Stadtschreiber Mr. Cress eingelegt. Bei diesem Baue stürzte der Zimmermann Hans Schubart von einer beträchtlichen Höhe und ward auf Ratskosten geheilt. Das Amt bestritt vergebens die Gerichtsbarkeit des Rates über sechs Hufen auf Weißig Mark. Ein Bierausfall nach Poßdorf gab zu Streitigkeiten mit den Herrschaften in Löbnitz Gelegenheit. Die Schäferei bestand aus 921 Stück und gab 528 Gülden Gewinn. Ein Scheffel Weizen galt 10, ein Scheffel Roggen 6, ein Scheffel Gerste 6, ein Scheffel Hafer 5 Groschen.


1668
Ein zeitiger Frühling, der mit heftigen Donnerwettern schon im Fe­bruar eintrat und durch keine Nachtfröste unterbrochen ward. Der Türmer des Breiten Turmes erhielt ein kleines Horn, damit er dem zwischen den Stunden laufenden und am Turme bla­senden Wächter durch Blasen ein Zeichen seiner Wachsamkeit gebe. Die Brauerschaft nahm in Schadendorf fremdes Bier weg. Die meisten Sch1oßgebäude hatte der Krieg zerstört. Das Amt benutzte das Übrige, ward aber, weil dieses für den zufälligen Aufent, halt der Herrschaft eingerichtet werden mußte, in das Luppische Haus am Markte, neben dem Ratshause (Nr. 2 des zweiten Viertels) ver­legt, welches daher für diese Zeit den Namen Amthaus führt. Man verteilte an arme Knaben für 9 1/2 Gülden Tuch. 916 Stück Schafe gaben 424 2/3 Gülden Gewinn. Ein Scheffel Weizen galt 9, ein Scheffel Roggen 5, ein Scheffel Gerste 4 1/2-6, ein Scheffel Hafer 4 Groschen.


1669
Die Gesellen des Stadtmusikus, welche vermummt auf einem Schlitten dureh die Stadt fuhren, wurden mit 2 Talern, und einer, der , sich in ein altes Weib verkleidet, mit der Lauke bestraft. Die Regierung in Merseburg verlangte unterm 20. Januar Bericht über Exzesse von Ratspersonen, die wahrscheinlich durch den Super­intendenten angegeben waren und erhielt ihn. Sie betrafen haupt­sächlich den Stadtrichter Fiedler und Stadtschreiber Mr. Cress, die bei der Hochzeit des Apothekers Schaefer, vorigen Jahres, in der Nähe der Scheunen Raketen abgeschossen haben sollten, den Fiedler insbe­sondere, welcher trunken im Hemde umhergeritten, und den Rat ins­gemein, insofern er das Dreschen bei Laternen duldete - wurden aber sämtlich abgelehnt. Am 25. Mai starb der Städtschreiber Mr. Cress, als Rechtsge­lehrter und Beamteter gleich achtungswert, mit Hinterlassung an sehnlicher Güter und einer für die damalige Zeit schätzbaren Biblio­thek. An seine Stelle kam am 26. Juni Abraham Freyberg, Notar in Leipzig, welcher vom Geheimrat Luckowen dem Rate als fromm, got­tesfürchtig, legal und. der Stadt würdig empfohlen war. Es war eine reichliche, aber nasse Ernte und litt namentlich die Gerste durch Auswuchs. Die Koh1torbrücke wurde erneuert und mit Bohlen belegt. Die Einlegung des Weines ward dem Gastwirte Christian Gradehand, bei zehn Talern Strafe, untersagt. Den Vierte1smeistern gestattete man wegen ihrer Mühen, vorzüglich bei. Besichtigung der Feuerstätte, Schoßfreiheit. Die Garküche ward an Samuel Heller auf ein Jahr für 20 Gulden und eine Abgabe von 32 Groschen an die Kirche, für das Höfchen, verpachtet. Des Rates Pferdeknecht aber speisete er gegen Vergütung. Am 13. Oktober starb der Superintendent Dr. Clauder und ward in seines Vorgängers Cruciger Grab gelegt. Weil zum Schlachten untaugliches Fleisch auf die Bank gebracht Wor­den war, namentlich von trächtigen Kühen, so ward bei einem neuen Schock Strafe festgesetzt, daß die Geilen der Kühe (die Mütter) mit zur Bank gebracht und bei der Untersuchung und Schätzung des Flei­sches vorliegen müßten. Einer der härtesten Winter begann in der Mitte des Dezembers und viele verunglückten durch ihn. Die Schäferei gab 502 Gülden Gewinn und 70 550 Stück Steine lieferte die Ziege1scheune zum Verkauf. Der Scheffel Weizen galt 8-10, der Scheffel Roggen 5-6, der Scheffel Gerste 4-6, der Scheffel Hafer 4-4 1/2 Groschen.


1670
Am 6. Januar tauete es, der Lober schwoll an, die Kälte trat aber in erhöhtem Grade wieder ein und dauerte bis in den März, wo großes Gewässer viel Schaden tat. Der bisherige Schenke Wend wollte das Schenkenamt nicht behalten, man war willens zu verpachten, unterließ es aber, weil man verminderte Aufsicht und Verlust befürchtete. Weil mehrere Brauhäuser , namentlich in der Hallischen Gasse, verwüstet lagen und es wegen Aufrechterhaltung der Biermei1e darauf ankam, genug und gutes Bier zu liefern, so ward eine neue Brauordnung entworfen und am 19. Januar bekannt gemacht. Der Geheimrat von Luckowen (Georg Heinrich) auf Galitzsch, Reuse­litz und Ottenbach suchte durch die Regierung in Merseburg drei Grabstätten im Chore hiesiger Stadtkirche. Der Rat gestattete sie gern. Auf des Geheimrates Luckowen Empfehlung ward der bisherige Pfar­rer in Zschopau, Theophilus Pistorius, als Pfarrer und Superinten­dent, mit einem Aufwande von 190 Gülden, hierher berufen. Das Arbeiten an Sonn- und Festtagen auf den Dörfern, mit Pferden, Wagen, Ein- und Ausfahren, die Vernachlässigung des Nachmittags­Gottesdienstes - der schönen Katechismus-Predigten - das Fressen, Saufen, Spielen und liederliche Betragen an diesen Tagen ward durch einen öffentlichen Anschlag vom 7. Mai in den Ratsdörfern bei harter Strafe verboten. Auch erneuerte man am 14. Mai das alte. Verbot, daß Federvieh auf der Trift und auf den Straßen der Stadt nicht umherlaufen solle bei Pfändung und herkömmlicher Strafe. Das Essigbrauen aus Weizen verbot man als dem Staatsinter­esse und der Brauerschaft nachteilig bei 5 Talern Strafe, und den Höken ward von neuem der Einkauf von Viktualien vor Wegnahme des Wisches untersagt. Die Brauerschaft machte häufige Bierausfälle nach Golm, Reinsdorf, Einsdorf, Reißen, Werlitzsch - wo man Landsberger und Jesnitzer Bier fand, der Schösser aber den Landrichtern die Weg­nahme des Landsberger Bieres in den Amtsdörfern untersagte. Von Quasimodogeniti bis Crucis brauete man 47, von Crucis bis Luciä 53 ganze Biere und verschenkte in dieser Zeit 15 Eimer Franken- und 19 Eimer Landwein, von denen der Eimer 15 Groschen Steuer gab. Wegen der Baufuhren , die man von Gertitzer und Werbener Untertanen verlangte, gab es. viel Widersprüche, sie versprachen aber endlich am 5. Dezember, daß sie zu der gemeinen Stadt notwendigen Gebäuden eine und die andere Baufuhre tun wollten, man sollte sie aber über Gebühr nicht beschweren und jedem Wagenführer 1 Groschen Trinkgeld geben. Für 10 Gülden Tuch ward an arme Knaben verteilt. Von 900 Stück Schafen hatte man 555 Gülden Gewinn. Ein Scheffel Weizen galt 9=10, ein Scheffel Roggen galt 6-8, ein Scheffel Gerste galt 5-6, ein Scheffel Hafer galt 4-7 Groschen.


1671
Da sich die Stadt Landsberg alle Mühe gab, ihr Bier in die Ortschaften der Delitzscher Biermeile einzubringen, so nahm man bei einem Bierausfalle im Januar in den Dörfern Glesien, Wiesenena, Bageritz, Emsdorf, Sietzsch das Landsberger Bier in Beschlag. Der Müller Elias Kretzschmar pachtete beide Windmühlen der Stadt auf das laufende Jahr für 90 Scheffel Delitzscher Maßes Roggen. Die Delitzscher K1einschmiede wurden mit ihren Waren vom Fastenmarkte in Zörbig zurückgewiesen und der Rat daselbst erklärte auf Beschwerde hiesigen Rates, daß, weil der Fastenmarkt in Zörbig kein privilegierter Frei- und Jahrmarkt sei, die Schmiede ihres Orts infolge ihrer Artikel auswärtige Verkäufer nicht dulden wollten. Die Untertanen in Gertitz und Werben widersprachen in einer no tariellen Schrift dem Baufuhrenverg1eiche vorigen Jahres, vorgebend, daß sie sich zu Bitt- keineswegs aber zu Zwangsfuhren verständen hätten. Ein Streit der F1eischer mit dem Garkoch, der auch Fleischer war und rohes Fleisch im Hause verkaufte, gab Veranlassung, daß allen so viel zu schlachten als sie zu vertun dächten, gestattet, dem Garkoch aber, daß er kein rohes Fleisch zur Bank bringe, geboten ward. Dagegen durfte ein Fleischer, der Gasthofsbesitzer war, dem Garkoch zum Nachteile für und unter 6 Pfennigen gekochtes Fleisch nicht verkaufen und das Umherlaufen der Fleischerhunde an Markttagen ward, weil eine Frau von ihnen umgerissen worden war, mit 30 Groschen bestraft. Man bestrafte Realinjurien mit dem Kaiserhäuslein, das unbefugte Tragen eines Perlenschmucks mit 20 Taler 12 Gr. - und Dünger durfte bei 15 Gr. Strafe über Nacht auf der Straße nicht liegenbleiben. Da die meisten Mitglieder des vor drei Jahren tätig gewesenen, für das künftige Jahr wieder ins Amt tretenden R a t e s gestorben waren und der Bürgermeister Peter Kirchhof aus Altersschwäche das Rathaus nicht mehr besuchen konnte, so fand man es zeitgemäß, statt dreiei nur zwei Räte zu haben, und wollte deshalb. die herzogliche Genehmigung einholen. Diese Einrichtung trat jedoch erst nach mehreren Jahren in Wirklichkeit. Nach einer herzoglichen Bekanntmachung vom 4. Dezember sollte auf ausgeschickte gottlose Leute, die in Pilgerkleidern mit Blechflaschen und Geschirren, als Pomeranzen- und Zitronen-Krämer auch als Bettler umschweiften, giftige Salben bei sich führten, die Haustüren bestrichen mit unbekannten Charakteren, und Brunnen vergifteten, strenge Aufsicht geführt, die mit dergleichen Zeichen bestrichenen Türen aber, nach vorheriger Prüfung und Schädlichkeits-Erklärung der Ärzte verbrannt werden.


1672
In diesem Jahre geschah die dringend nötige Revision des Kämmerei­Vermögens durch den fürstlichen Kammerrat Johann Wilhelm Rein­hard aus Merseburg. Vor allem'ward ein Kommun-Einnehmer mit 100 Gülden jährlichem Gehalte und einem bestimmten Lohne für dem Rate zu leistende Kopialien eingesetzt - Christoph Trautvetter, der Sohn eines Steinmetzen aus Wellershausen in Thüringen, der, bisher bei der Regierung als Schreiber und Rechnungsführer tätig gewesen war. Da viele Rechnungen noch rückständig und nicht für richtig erkannt waren, die neuen von Michaelis zu Michaelis laufen sollten, so legte er von Lichtmeß (er erhielt am 2. Februar seine Instruktion) bis Mi­chaelis d. J. eine Rückrechnung nach einer zweckmäßigeren Ordnung, die auch in neuerer Zeit beibehalten worden ist. Auf herzogliche Verordnung mußte nun
1) das, was der Rat als einen Teil seiner Be­soldung angesehen, namentlich die Zwinger-, Krebsbach-, Jagd- und Lästerer-Nutzung in Einnahme gebracht;
2) die der Stadt für früher den Fürsten geliehene. Kapitale aus der Steuer zu leistende Zinsen, wenn auch nicht gangbar, aufgeführt;
3) manche Einnahme, z. B. der Marktzoll erhöhet oder genauer berechnet;
4) eine genaue, bisher ganz vernachläßigte Rechnung über Nutzung des Holzes der Spröde und anderer öffentlichen Plätze aufgestellt werden.
Auch verlangte man, daß Bürgerssöhne bei Erlangung. des Bürgerrechts gleich fremden geben sollten, was aber nicht zur Ausführung kam. Dabei wurde die Aufstellung rückständiger Rechnungen binnen einer gesetzten Fristbei Strafauflagen verlangt und dem Amtsschreiber Samuel Erdmann die Ausarbeitung eines Erbzins- und Schoßregisters übertragen, welcher es auch zur Zufriedenheit des Rates und der Regierung aus den alten Zins- und Schoßbüchern entworfen, die Regierung aber als für die Zukunft allein gültig bestätigt hat. Erst nach Beendung der Revision trat der neue Rat am 14. Februar in das Amt. Am 17. Januar gab'der in der Ratsstube hängende große messingene Kronleuchter während der Ratssitzung einen wiederholten lauten Klang, als wenn er mit einem Federmesser geschlagen würde und hat der Stadtschreiber, da man eine Veranlassung nicht entdecken konnte dieses der Aufzeichnung mit Folgendem wert gehalten. „d. 17. Jan. hat der große messingene Leuchter, welcher in der Ratsstuben hanget von sich selbsten, als wenn iemandt mit einem Federmesser etzliche mahl auff die Dillen schlüge, geklungen, worüber sich Herr Br. Nicol. Kleinschmidt, Herr Matthias Tietze, Herr Christoph Tzschautzsch und Herr Christoph Költzsch wie auch der Stadtschreiber, welche alle ge­gen Eilff Uhr in ihrer Ratsverrichtung gewesen. gar sehr verwundert; und ob man gleich vermeinet, es wäre vielleicht etwas von oben her­unter auff den Leuchter gefallen, so ist doch, als man danach gesehen. nichts darauff befunden worden. Der Allerhöchste behüte das Rat­haus und die ganze Stadt vor Feuer und allen anderen unglücklichen Fällen." Den Krebsbach in Benndorf, welcher auf Verordnung der Regierung für 5 Gülden und die Gräserei des Zwingers, welche für 1 Gülden 15 Gr. verpachtet werden sollte, versprach der Rat am 13. Mai für etwas höher zu behalten. Das Umlaufen der Gänse ward von neuem bei willkürlicher Strafe durch Patent vom 16. Juni verboten. Zu außerordentlicher Beratung für das Beste der Stadt, wo die Vierte1smeister bedenklich, die ganze Gemeinde aber zusam­men zu rufen wegen Versäumnis derselben und zu befürchtender Un­entschlüßigkeiten und Aufschiebungen, nicht zweckmäßig sein dürfte, ward den Viertelsmeistern noch ein Ausschuß von 24 Personen, 6 aus jedem Viertel,' an die Seite gesetzt, die mit den Viertelsmeistern, auch mit anderen Verständigen sich beraten, ihren Entschluß dem Rate zur Prüfung vortragen und nach dessen Genehmigung, die Vertre­tung des Rates erwarten sollten. Da der Superintendent von jedem, auch früher gelöseten Kirchen­stuhle 1 Groschen nahm, die Kirchenzeugnisse, welche bisher der Kü­ster für 2 Groschen ausgestellt hatte, selbst für 6 Groschen ausstellte, dazu die bisher in der Sakristei verwahrten Kirchenbücher in die un­sichere Pfarrwohnung nahm, so fanden die Viertelsmeister dieses be­schwerlich und machten deshalb Vorstellungen an den Rat. Am 13'. August ward George Jamm durch das Amt mit dem Strange bestrafet. Die durch den Tod des Lehrers Casens erledigte dritte Schulstelle ward mit Christian Behr, einem Sohn des hiesigen Fleischhauers Jo­hann Behr, geh. am 14. Februar 1644, welcher in Wittenberg studieret und sich in Roitzsch, auf dem Petersberg und in Merseburg als Haus­lehrer ausgezeichnet hatte, sehr glücklich besetzt. Im Juni d. J. ward auch der Lober geräumt und zu Räumung des Stadtgrabens Anstalt gemacht.


1673
Am 22. Januar trat der neue Rat an. Die alte Ordnung bei Trauungen und Taufen in der Kirche war im Kriege vernachlässigt worden. Man ließ Geistlichkeit und Schule oft zwei Stunden lang in Frost und Hitze warten und trieb während der feierlichen Handlung nicht selten den gröbsten Unfug. Der Rat befahl also, auf Anregung der Geistlichen und Lehrer, daß jede Trauung um 4 Uhr, die Taufe um 3 Uhr nachmittags beginnen und allen Verspäte­ten die Kirche geschlossen, die Nachlässigkeit aber überdies an dem Brautpaare mit 5 Talern, an.des Kindes Vater mit 1 Taler - Unfug mit dem Kaiserhäuschen und schändendes Betragen - Entweihung der Kirche - mit Anstellung am Pranger bestrafet werden sollte. Die Schafe der Herrschaft in Schenkenberg des Centurius von Mil­titz, welche die Saat des Rates und der Bürgerbeschädigten, wurden gepfändet, des Rechtes wegen, Schadenersatz verlangte man nicht. Dahingegen strafte man die Knechte des Ratsschäfers, welche auch zu Schaden gehütet um 8 Taler - und drohete den Gertitzern, welche sich ebenfalls Eingriffe in die Hutung der Stadt erlaubten mit Pfän­dung und Strafe. Die Grasentwendungen der Döbernitzer zeigte der Rat dem Besitzer des Rittergutes, dem Landkammerrat v. Luckowin, zur Ahndung an. Die Garküche ward an Georg Otto aus Rinkleben 5 Gülden höher, die Windmühle an Elias Kretzschmar für 75 Scheffel Getreide und der Krebsbach bei Benndorf für 4 Gülden auf ein Jahr verpachtet. Es schlachteten um Ostern 4 Lästerer in der Stadt. Zu den vorhabenden Bauen kaufte der Rat für 80 Taler - 52 Stück Eichen von Job. Gottfried v. Schoenfeld auf Loebnitz. Das hallische Torhaus ..mit einer Stube, zwei Kammern, einer Küche, stehendem Dachstuhle und Esse bauete ein Meister aus Düben, Christoph Poost, eine der Windmühlen der Müller Hans Nisske in Badrina, auch ward noch im Laufe des Sommers ein Lotterhaus und ein neues Tor am Körnitz hinter dem Bauhofe hergestellt. Auch machte man mit Räumung des Stadtgrabens den Anfang und hielt Schwäne zu dessen Erhaltung. Das überhand nehmende Branntweinbrennen und schenken ward auf die Ordnung von 1662 beschränkt. Der Schösser Freund ließ das Bier seines Tischtrunkes oder das Die­nerbier gegen die neue Erledigung ausschenken und sogar einen Wisch ausstecken, worüber die Vierte1smeister mit Erfolg Be­schwerde führten. Am 22. Juni starb der Stadtschreiber Abraham Freyberg und seine Stelle erhielt der bisherige Regierungs-Advokat Johann Balthasar Spitzner in Merseburg. Er war 1637 geboren, der Sohn des Pfarrers in Trünzig, später in Blankenhain. Bei dieser Gelegenheit verordnete die Regierung unterm 20. September, daß der gewählte Stadtschrei­ber jedesmal der Regierung zur Bestätigung vorgestellt werden, der Stadtschreiber aber, wenn er im Ratskollegium Parteilichkeit, Eigen­nutz, Zanksucht bemerke, erinnere und wenn Erinnerungen nicht fruchteten„der Regierung berichten solle. Die Schäferei gab 479 Gülden, der Fastenmarkt 4 Gülden, der Petri Pauli Markt 24 Gülden Ertrag. Der Scheffel Weizen galt 10, der Scheffel Gerste 11.


1674
Der bisherige Ratsherr, Gastwirt Bartholomäus John, kam in Verle­genheit, seinen Gasthof verkaufen zu müssen und da er außerdem nichts als eine Wiese und einen Garten besaß, von jeher aber nur mit Häusern Angesessene in den Rat kamen, so war man bedenklich, ihn für das laufende Jahr in den Rat zu wählen und berichtete deshalb an die Regierung. Diese entschied, wenn es Statut der Stadt oder her­kömmlich sei, daß nur mit Häusern Angesessene Ratsmitglieder sein könnten, so sollte man versuchen, ihn zu einer freiwilligen Entsa­gung zu vermögen und den Erfolg zu berichten.. Er wollte aber freiwillig nicht abgehen und verordnete daher die Regierung am 3. Januar daß er, da er als Angesessener in den Rat gekommen und im Rufe, eines rechtlichen Mannes stehe, im Rate behalten werden sollte. Er ging aber noch in diesem Jahrab und ward Schulmeister in Kyhna , und Klitzschmar. Dagegen untersagte sie, den, Bürgermeister Job. Christoph Fiedler als Bürgermeister für dieses Jahr zu wählen, weil er in Untersuchung sei (wegen Rechnungsmängeln) und so lange er nicht gerechtfertigt, seine Gegenwart bei dem bevorstehenden Land­tage der Stadt nachteilig werden möchte und verordnete, daß der ihm folgende Bürgermeister einstweilen bis zum Austrag der Sache eintrete. Die Naundorfer Mühle mit zwei Mahlgängen, Garten und Gräserei, welche Hans Kreisch im vorigen Jahre auf drei Jahre pach­te, übernahm in diesem Jahre dessen. Witwe Elisabeth. Sie gab 72 Scheffel Korn Amtsmaßes an das Amt, 20 Scheffel Korn Stadtmaßes an die Geistlichen der Stadt, die gewöhnlichen Gefälle nach Scheu­kenberg und trug die nötige Zimmer- und Schmiedearbeit. Zu dem Physikate der Städte und Ämter Delitzsch, Bitterfeld und Zörbig sollte Delitzsch jährlich 25 Gülden geben und es ward dazu nach dem Schlusse der Vierte1smeister und des Ausschusses die Ratskasse angewiesen., Die Lästerer gaben jeder an die Kämmereikasse 1/2 Stein Talg, zwei Rindszungen dem Bürgermeister, jedem der vier Ratsmitglieder aber und dem Stadtschreiber eine. Der alte Bürger Jeremias Hennig setzte das Hospita1 zu seinem Universalerben ein, die Zinsen des zu Gelde gemachten Nachlasses zu Besserung der Hospitaliten. Sein hinterlassenes Haus in der Hallisehen Gasse verkaufte das Hospital an Peter de Palmener für 650 Gül­den. Der Amtsschösser beschwerte sich bei dem Rate, daß die Einwohner der Schloßgasse zunächst des Schoßgrabens Wasserläufte und Abzüchte aus ihren unverwahrten Gehöften in den Schloßgraben führten, diesen und die Schloßbrücke durch Einwerfen toten Viehes und Unrat zur Kloake machten und trug auf Abstellung an. Der An­trag fruchtete aber wenig, ist im Jahre 1680 fast wörtlich wiederholt und der Übelstand wahrscheinlich erst durch Ausfüllung dieses Gra­bens, welcher vom äußern Schloßgraben durch die Stadtmauer hinter dem Pfarrgehöfte und einigen Höfen der Schloßgasse weg nach der Landvogtei geführt war, wo er seinen Ausgang durch die Mauer in den Stadtgraben fand, von dem Eingange zum Schloßplatze aber eine Brücke hatte, und in der Regel trocken war, gehoben worden. Die Torwärter erhielten Anweisung, die Tore sonntags während des Gottesdienstes zu schließen und ohne Erlaubnis des Bürgermei­sters keinem Einheimischen mit Wagen und Pferden, Amts- und Stadtgerichte in ihren Verrichtungen ausgenommen, zu öffnen. Auch fremdem Fuhrwerk von außen war unter der Predigt der Einlaß ver­sagt, vor und nachher aber gestattet. Apotheker durften zwar sonn­und festtags den Laden offen haben, aber kein Zeichen aussetzen; auch wenn sie dabei Materialkram trieben, Waren der Art bei Strafe nicht verkaufen. Die Arbeit an Bußtagen ward mit 1 Taler 6 gr. bestraft und die Strafe zu milden Zwecken verwendet; einer aber, der den andern in der Kirche vom Stande drängte, mußte es mit der Lauke verbüßen. Der Zimmermann Liebing legte vor seinem Hause im Rosenta1e zur Hinderung der Schaftrift einen Zaun an, es ward ihm untersagt und er nahm ihn hinweg unter der Bedingung, daß man ihn von Besserung des Weges und Steges freiließe, welches ihm der Rat zugestand. Den Handwerksgesellen ward auf herzoglichen Befehl das Tragen von. Degen, Äxten, Beilen, Streitäxten, Gewehren, außer bei Aufgeboten , zur Gerichtsfolge, auf das strengste untersagt. Die Volkszahl mehrte sich und man nahm wieder, wie vor dem Kriege, eine zweite Wehmutter an. Auf Räumung des Stadtgrabens verwendete man 495 Gülden 17 Gr., 6 Pf. Die Schäferei gab 525 Gülden 13 Gr. Gewinn, Zoll- und Pflastergeleite 178 Fl. 1 Gr. - für Zwingerobst vom breiten Tore bis zum Srhloßgraben 4 fl. 10 Gr. 6 Pf., vom breiten Tor bis zum Schloßgraben 2 fl. 6 Gr. - und vom Grase 2 fl. Pachtgeld, 3 fl. 15 Gr. 3 Pf. Stätte­geld am Fastenmarkte, 24 fl. 2 Gr. 3 Pf. dergleichen zu Petri Pauli und 2 fl. 2 Gr. 6 Pf. am Herbstmarkte. Aus dem Erkartschen, Grünthalschen und Findeisenschen Vermächt­nissen wurden 2 Stück Tücher,. eins zu 29, das andere zu 26 Ellen am Werte 12 Th. an 13 Kurrentknaben verteilt und erhielten zu gleichen Teilen 6 das erste, 7 das zweite Stück.


1675
Am 3. Februar brach in der Badstube des Christoph Schneider Feuer aus, welches bald gelöscht wurde. Die Weiß- und Küche1bäcker der Stadt verklagten die Platzbäcker der Grünstraße, welche anfingen, Brot in ihren Wohnungen zu verkaufen, welches ihnen nach den im Jahre 1668 konfirmierten Innungsartikeln untersagt war. Sie durften nur an Markttagen bis Mittag feilhalten. In diesem Jahr ward auch die Stadtmüh1e an Barthol. Hofmann von Osterfeld verpachtet. Er zog Johannis an, gab die Hälfte zum Steine, die halben Schmiedekosten und erhielt das Mühlzeug selbst gegen Empfang des Materials, empfing vom Getreide und Schrote die Viertelmetze, vom Braumalze 5 1/4 Gr., auch Beutelgeld. Die Reinigung des Stadtgrabens ward vollendet. Der ganze Auf­wand für Reinigung betrug 1200 Taler, die Arbeiter erhielten über­dies noch Kofent zum Getränke und das Holz, was sich im Graben vorfand. Sieben Tuchmacher lieferten jährlich 120 Stück Tuche, Hans Kühne, Gfrd. Petzsche, Gfrd. Hesse, Anton Schröter, Georg Dietze, Gfrd. Parreidt, Gfrd. Nöst; Petzsche und Nöst die meisten. Auch das Kastrieren der Schweine ward für 2 Gülden jährlich verpachtet. Die Witwe Albrecht war seit 1633 Mägdlein Schulmeisterin gewesen und hatte die Witwe des Rektors Eberhard in Bitterfeld, Sa­bine, zu ihrer Nachfolgerin. Im November d. J. galt der Scheffel Weizen 22 1/2, der Scheffel Rog­gen 21, der Scheffel Gerste 12 1/2, der Scheffel Hafer 9 Gr.


1676
Der drohende Krieg Frankreichs gegen das deutsche Reich verur­sachte Werbungen, Einquartierungen und drückende Lasten. Delitzsch hatte gleich anfangs dieses Jahres Brandenburgische Fußvölker vom Götzischen Regiment, die vorher in den Ämtern Bitterfeld und Zörbig gelegen hatten und unterhalten werden mußten. Die Oberst­leutnants von Kanne und von Lutteritz mit dem Stabe lagen in der Stadt und erhielten Verehrung an Bier und Wein, die Schönfeldische Kompagnie aber, welche am 1. Mai Maien vor das Rathaus setzte, einen Taler Geschenk. Im Herbste rückte das Kaiserlich Degenfeldische Regiment ein, welches bis zum August des folgenden Jahres liegen blieb und der Kommunkasse allein eine Ausgabe von 300 Gülden für Pulver, Blei, Holz, Licht etc. verursachte. Der Physikus Dr. Andreas Petermann trat sein Amt an und emp­fing jährlich die ihm durch Verordnung vom 22. Oktober 1675 bestimmten 25 Gülden von der Stadt. Wegen Mangel an Lehm in nahem Kommunfelde ward von der Witwe Franze ein Feldstück eingetauscht. Das Liegenlassen des Düngers über Nacht auf den Gassen und an der Mauer ward nochmals verboten, wegen Unzierde und Feuersgefahr und durch Patent bekannt gemacht, daß man ihn widrigenfalls anf die Kommunäcker fahren lassen werde. Man findet hier bemerkt, daß die Kirche in Kleinwölkau, 32 Ellen lang, 18 Ellen breit, mit Gewölbe ohne Pfeiler und schönem Turm von Christoph Vitzthum von Eckstädt in diesem Jahre und folgenden von Grund aus neu erbauet und 1684 geweiht worden ist. Die Schäferei gab 670 Gülden Gewinn. Ein Scheffel Weizen galt 23-20, ein Scheffel Roggen galt 22-18 Gr.


1677
Am 11. Januar ein Sturm, der viel Häuser beschädigte. Der Verkauf von Arzneimitteln an Markttagen durch Landstreicher und das innere Kurieren der Chirurgen ward auf Anregung des Phy­sikus vom Rate streng untersagt. Am 4. Februar starb der Bürgermeister Nicolaus Kleinschmidt. Der Rat ordnete ein ausgezeichnetes Begräbnis. Viertelsmeister und Ausschußpersonen trugen ihn am 7. Nachmittags 1 Uhr erst in die Kirche und nach der Predigt auf den Gottesacker und acht Ratsherren be­gleiteten in langen Trauermänteln und Hüten auf beiden Seiten den Sarg. Den Trägern gab man aus der Ratskasse 2 Taler 12 Gr. zu einer Ergötzlichkeit. In diesem Monate lieferte des Rates Keller und Boden ungewöhnlich viel Bier und Heu an den Obersten von Degenfeld, am 24. Mai, als der Herzog hier durchging, 22 Gülden 8 Gr. an Wein und Bier, die Einquartierung verlangte täglich Ausgaben so wie die Auslösung Für­sten General-Wachtmeisters im November dieses Jahres. Die Bürgerschaft bewilligte zur Einquartierung einen ganzen Quatember, wollte aber dem Einnehmer der Kontribution überhaupt nur 15 Taler Einnehmergebühren gestatten. Dieser verlangte aber 24 Ta­ler für beide Einnahmen und da man diese nicht geben wollte, so sollten die Bürger der Reihe nach gegen 12 Groschen für den Termin die Einnahme besorgen, was aber, da sich der Ratsherr Hiersebrod freiwillig dazu erbot, unterblieb. Im April erschien ein Komet. Am 30. Mai wurden drei mit dem Strange hingerichtet und ein Brand­bettler Meyer zur Staupe geschlagen. Der Neubau der Koh1torbrücke mit dem äußeren Brückchen ward dem Zimmermeister Liebing für 40 Gülden überlassen. Die Hospitaliten beschwerten sich, daß sie mit 3 1/2 Groschen wöchent­lichen Kostgelde nicht auskommen könnten und baten, daß man sie nicht Not leiden lassen möchte, da man zumal vor diesem die Brüder und Schwestern gespeiset und die Speisung durch Stiftungen angeordnet sei. Vom Obste im Garten erhielten sie auch nichts und nah­men solches die Vorsteher. Man gab ihnen zur Antwort. daß mit dem Superintendenten darüber kommuniziert werden solle. Der Rat vermietete die Bäckerei am Damme an Schwarze für 8 Gülden auf ein Jahr, Gras und Grummet des Stellbogenschen Gartens im Hain an Werner in Kattersnaundorf für 4 Gülden, das Zwingerobst für 4, das Zwingergras für 2 Gülden und die Naundorfer Mühle an Barth. Hofmann unter den vorigen Bedingungen. Die Vierte1smeister verlangten, daß in dem Ratskeller kein Eilenburger Bier geschenkt werden möchte und nahmen in der Schenke zu Zwochau Eilenburger Bier weg. Tobias Renner stürzte im Hallischen Tore vom Gerüste und erhielt 4 Taler Almosen. 914 Stück Schafe gaben 707 Gülden Nutzung. Das Stättegeld am Petri Pauli Jahrmarkt betrug 30 Gülden 15 Gr. 10 Pf. und 1208 Gülden 16 Gr. $ Pf. hatte die Kasse beim Anfange des Jahres Vorrat. Ein Scheffel Weizen galt 14-18, ein Scheffel Roggen 13-16, ein Schef­fel Gerste 12 Gr.


1678
Im Anfang des Jahres war das Wetter mild, später rauh und in den Osterfeiertagen lag tiefer Schnee. Der Mai und Anfang des Juni be­günstigte den Getreidewuchs, dann trat aber ungewöhnliche Dürre ein. Der Weizen und Roggen geriet noch ziemlich, der Wein sogar vortrefflich, die Sommerfrucht aber mit Futterpflanzen kam zurück und das Vieh litt, da zumal in der Mitte Dezember ein langer, harter Winter folgte, außerordentlich. Der Oberstleutnant von Luttritz erhielt im Februar eine ahnsehnliche Auslösung, im März 31 Kannen Wein aus des Rates Keller und ein kommissarischer Befehl vom B. Mai bestimmte die Grenzen der lästigen Einquartierung. Am 10. März starb der Bürgermeister Wolfgang Sigmund Schmidt und erhielten die Vierte1smeister, die ihn trugen, 2 Taler zu ihrer Ergötzlichkeit. Man sammelte Unterstützungen für Rostock, wo am 11. August vori­gen Jahres Wagehaus, St. Katharinen Kirche, zwei Armenhäuser und 400 Wohnungen innerhalb wenig Stunden niederbrannten, Rathaus und Hauptkirche nur mit Mühe gerettet wurde. Am 4. Mai, nachmit­tags 2 Uhr, zog man den Bürger Georg Kade sterbend aus dem Stadt­graben, oberhalb des breiten Tores und geriet zwar der Hirt Christoph Voigt aus Zschortau in Verdacht, ihn in das Wasser gestoßen zu haben, man konnte ihn aber nicht überführen. Der Physikus, Dr. Petermann, ging nach Torgau und der Dr. Westphal, der in dem Rufe eines geschickten, tätigen Arztes stand, kam als Physikus in Vorschlag. Die Vierte1smeister rügten dabei, daß der Dr. Petermann bald nach dem Antritte seines Amtes ein Freibier in Döbernitz zu brauen versucht hätte. Auch sprachen sie gegen das Freibier des Amtsschössers, der nicht nach dem Lose brauen wollte und protestierten, als er mit einem herzoglichen Befehle vortrat, nach welchem ihm willkürliches Ein­brauen gestattet war. Veit Richter, der Stadtmü11er, verlangte, daß ihn bei dem Malz­schroten die Läufte der Mühle zu beschütten und dasselbe wieder zu nutzen erlaubt sein möchte, die Vierte1smeister wollten aber darauf nicht eingehen. Der SchuImeisterin in Zwochau wurden Brote, die sie zum Verkaufe in die. Stadt schickte, weggenommen und dem Hospital gegeben. Dem Zimmermann und Fischhänd1er Andreas Liebing überließ man den diesjährigtkn Fischereiertrag zu Bartholomäi, den Zentner für 5 Gülden 13 Gr. 6 Pf. ohne Auswahl und erhielt 159 Gülden 8 Gr. 2 Pf. Den F1eischern untersagte man bei zwei neuen Schocken Strafe ihr Vieh vor Jakobi auf die gemeine Weide zu treiben, sie widerspra­chen aber, weil in dem 22. ihrer Innungs-Artikel von Jakobi nicht die Rede sei. Der Ratsherr Johann Schaefer übernahm den Kellerschank. Dem Lohgerber Jeremias Hortleder, welcher das Haus des Stadt­richters Christian Dietze kaufte, verbot man, darinnen eine Gerber­werkstätte anzulegen. Er versprach auch, Kälkerei oder Kalkgruben nicht anzubringen, erbat sich aber den Gebrauch der Lohfässer, mit welchem eher ein guter als schlechter Geruch verbunden sei. Den P1atzbäckern der Grünstraße ward der Mehlhandel untersagt. Man versuchte die E1beritzmüh1e von den Sauerschen Erben wieder einzulösen, denn sie stand auf Wiederkauf. Sauer hatte 150 Taler gegeben, die Erben verlangten aber 400 Taler und man bot 250 Gülden mit Berücksichtigung, daß sie vom Rate vertreten werde und der Kontribution unterworfen sei. Am Jahresschlusse hatte die Kasse 1208 Gülden 16 Gr. 3 Pf. Vorrat und von der Schäferei 587 Gülden 14 Gr. 6 Pf. Gewinn. Ein Scheffel Weizen galt 141/2, ein Scheffel Roggen 11, ein Scheffel Gerste 9 Gr.


1679
Für die Ordonnanz-Reiter bauete man im vorigen und vollendete in diesem Jahre das Ordonnanz - Haus an dem freien Platze der Pforte, welcher nun den Namen Reiterp1atz erhielt. Dem Gastwirte im weißen Rosse, Peter Richter, ward das Aus­geben des Bieres über die Gasse bei Strafe untersagt. Man nahm an vielen Orten der Meile, unter anderem auch in Lehelitz, Bier weg, geriet aber wegen Lehelitz in Prozeß, der gegen die Brauerschaft entschieden ward. Am 6. November starb der Superintendent Theophilus Pistorius und ward am 11. in die Stadtkirche unter dem alten Schülerchore begra­ben, wo unter hölzerner Decke sein Denkstein mit lateinischer In­schrift zu finden ist. Auf Veredlung des Zwingerobstes verwendete man Fleiß und Geld. Die Schäferei gab 616 Gülden 13 Gr. 6 Pf. Gewinn. Ein Scheffel Weizen galt 13-15, ein Scheffel Roggen 11, ein Scheffel Gerste 10-12 Gr.


1680
Es war ein zeitiger Frühling und schon im Anfange des April die lebhafteste Vegetation, aber auch Räupenfraß. Am 9. März brannte das Dorf Wiederitzsch bei Leipzig nieder und brachte man für die Verunglückten eine reichliche Kollekte aus. Am 25. April fand man den alten Bürger Christoph. Heinrich im Stadtgraben.nahe dem Schlosse, ein vermutlicher Selbstmörder aus Melancholie. Es ward festgesetzt, daß außerhalb der Ringmauern das Essigbrauen nicht gestattet werden solle und den Brauberechtigten das Übertragen des Essigbrauens an andere nur ungern erlaubt. Auch ward denen, die in den Feldmarken der Stadt kein Feld hatten, Rindvieh auf die gemeine Weide zu treiben, untersagt. Ferner verbot man den Weißgerberei, Kalkgruben in der Stadt anzulegen und die sie schon hatten, binnen Sächsischer Frist zu räu- men, wogegen sich zwar Gerber und Weißgerber bei der Regierung beschwerten, aber abschlägige Antwort erhielten. Im Juni näherte sich eine gefährliche ansteckende Krankheit von Böhmen her. Man traf zwar die möglichsten Sicherungs-Anstalten, sie ward aber doch durch eine Verwandte des Bürgers Heinrich Pretzsch­mann, welche von Bautzen kam, und nach wenigen Tagen starb, eingebracht und Pretzschmann mit seinem Kinde ihr erstes Opfer. Sie ergriff vorzüglich die Bewohner der Grünstraße und Siechhäuser auf dem Gottesacker, weniger die Vorstadt, und die Stadt in den Ring­mauern blieb fast ganz verschont. Von 240 Verstorbenen dieses Jah­res kamen 121 und davon nur 6 aus der Stadt und 10 aus der Vorstadt auf ihre Rechnung. Der Fleischer Hans Baer, welcher Schmiervieh auf die Weide brachte, mußte 10 Taler Strafe erlegen und für den möglichen Schaden haften. Der Kommun-Einnehmer Trautvetter war mit Ablegung der Rech­nungen schon seit vier Jahren säumig gewesen, man vermutete, daß er, durch den Kauf und Ausbau seines Hauses in Verlegenheit gekom­men, damit Defekte zu verbergen suche und drang auf Untersuchung. Die diesjährige Rechnung ist daher mit dem 30. März geschlossen, die Defekte fänden sich, sein Haus auf der Doktorei nahm der Rat und Gottfried Schulze kam als Einnehmer an seine Statt. Von der Mitte des Dezember an zeigte sich vier Wochen lang einer der größten Kometen, dessen Schweif von mehr als 70 Graden Länge und 1 1/2 Grad Breite auch nach dem Untergange des Hauptes meh­rere Stunden noch sichtbar war. Ein Scheffel Weizen galt 20-18, ein Scheffel Roggen galt 12-10 1/2 Gr.


1681
In der Vorstadt und Grünstraße war Johann Kegel als Pesti1enziarbarbier angestellt, die Stadt im Anfange des Jahres noch streng gesperrt. Den Landfleischern, welche wegen der ansteckenden Krankheit im vorigen Jahre nicht in die Stadt geschlachtet hatten, ward die Abgabe an die Ratskasse erlassen. Die Erlaubnis, Bier einzulegen und zu. verzapfen, welche man während der Krankheit dem Töpfer Horn und dem Gastwirt Peter Rich­ter in der Vorstadt gegeben hatte, ward im April d. J. wieder aufge­hoben. Dieser Richter hatte den im Kriege wüst gewordenen Gasthof des Bopifacius Thier, zum weißen Rosse, wieder aufgebaut, auch die Wiederaufnahme der Wirtschaft vom Herzoge in der Verordnung vom 20. Juni 1661 doch nur unter der Bedingung, daß er den Bedarf des Bieres aus der Stadt beziehe und nichts außer dem Hause oder über die Gasse verkaufe, erlaubt erhalten. Die Bäcker verlangten zwar den Mehlhandel ausschließlich gegen die Mü11er und beruften sich auf ihre Artikel, da sich aber diese nicht klar genug hierüber aussprachen, so behielten ihn die Müller und schützten Näherrecht, Herkommen und Gewohnheiten vor. Man mutete der Witwe des Schuhmachers Steubler zu, daß sie ihren Hausgenossen, den Rechtsgelehrten Mr. Christian Schulze, mit dem sie vertraut zu sein schiene, binnen 8 Tagen aus dem Hause entferne, wenn sie nicht eidlich erkläre, daß sie mit ihm nichts Verbind­liches. habe und bezog sich dabei auf die Eheordnung; die Steubler widersprach. aber und berufte sich auf den Ausspruch der Regierung. Ehe jedoch diese entschied, war sie schon mit dem Schulze ehelich verbunden. Vor wenigen Jahren noch ein armes Dienstmädchen unter dem Namen Richter, stand sie jetzt unter den angesehensten Frauen der Stadt und starb im Jahre 1718 auf dem Rittergute Niemegk, das mit anderen Besitzungen in hiesiger Stadt ihrem Manne eigen war. Der Kamnierherr Christian Vitzthum von Eckstädt auf Tiefensee ver­langte, daß' man seinen verstorbenen Bruder Friedrich Wilhelm auf Neuhaus, in Benndorf beläuten sollte, der Rat aber untersagte es. Auch ward des Pfarrers Verbot, die Musik während des Kirchweihfestes in Benndorf einzustellen, nicht beachtet und erlaubte sie der Rat, doch in den Schranken der Ordnung.


1682
Auf Beschwerde der Tuchmacher, gegründet auf die Landesord­nung, mußte der Wollhandel denen, die dieser Profession nicht ange­hörten, untersagt werden. Auch zeigten die Vierte1smeister an, daß der Hofmeister in Stockwitz Jeßnitzer Bier verschenke, welches der Ratsherr Christoph Parreidt, Justitiar in Stockwitz, abzustellen versprach. Die 13 Kurrentknaben baten um Tuch, welches sie seit drei Jahren nicht erhalten hatten und verteilte hierauf der Rat zwei Stück Roßweinische Tuche zu 56 Ellen 14 Tlr. 18 Gr. am Werte. Im Juli erlitten Kyhna, Lissa und andere Marken der Umgegend einen bedeutenden Hagelschlag, auch zündete der Blitz am 15. August des Nachts in Benndorf und brannte dieses Dorf fast ganz aus. Zum Baue der Kirche in Grebehna ward eine Kollekte aufgebracht. Andreas Schilling, ein Go1darbeiter aus Halle gebürtig, vormals Quartiermeister im brandenburgischen Kriegswesen, seit 1661 hiesi­ger Bürger guter Führung ward für das künftige Jahr zum Ratsherren gewählt. 809 fl. 13 Gr. 1 Pf. gab die Schäferei Gewinn von 149 Steinen Wolle. Der Scheffel Weizen galt im Durchschnitte 11, der Roggen 8 Gr. Der herzogliche Kanzler Johann Christoph Wex in Merseburg, setzte in seinem Testamente vom 31. Oktober ein Kapital von 2000 Gülden als Vermächtnis, dessen Zinsen „zu etwas Erweiterung und Verbesse­rung des publice eingeführten Armenrechts", worüber er sich in ei­nem Codizille vom 31. Mai 1684 bestimmter aussprach, im Bereiche des Herzogtums Merseburg verwendet werden sollten. Der Anteil des Genusses an dieser durch Zinshäufung beträchtlich gewordenen Stif­tung ist nach Auflösung des Herzogtums von der Königlich-Sächsischen Regierung zwischen dem Stifte Merseburg und den ehemaligen Ämtern des Herzogtums, Delitzsch, Zörbig, Bitterfeld, Dobrilugk und Finsterwalde gesetzlich festgestellt.


1683
Am 26. Januar untersagte der Rat den Bürgern der Vorstadt, Fremde ohne Erlaubnis aufzunehmen bei 10 Talern Strafe, und in gefähr­licher Zeit bei Verlust des Bürgerrechts. Der Stadtmusikus Trebeljan bat, daß die Hochzeiten in der Stadt, mit Abendessen und Tanz, wegen der Hochzeiten auf dem Lande, die er mit seinen Leuten zu bestreiten habe, an gewissen Wo­chentagen gehalten werden möchten, was man ihm natürlich nicht bewilligen konnte. Dem Müller Barth. Hofmann ward die Naundorfer Müh1e mit der Bedingung, daß er bei großem Wasser alle drei Gerinne öffne,.auf drei Jahre verpachtet, und dem Essenkehrer, Adam Schatz in Eilenburg, das Reinigen der Essen hiesiger Stadt überlassen. Für sämtliche öffentliche Gebäude der Stadt, die er jährlich dreimal rei­nigen sollte, gab man ihm aus der Ratskasse ein neues Schock. Die Ratskasse in Schkeuditz, erschöpft durch den Aufwand, welche die ansteckende Krankheit voriger Jahre verursacht hatte, war unfähig, die Geistlichkeit zu besolden und ward daher für diese auch hier eine Kollekte ausgebracht. Am 12. Mai starb der Bürgermeister Matthäus Tietze, 82 Jahre alt, Ratsherr seit 1638 und seit 1673 Bürgermeister, ein erfahrener und im Kriege bewährter Mann und wenige Tage darauf auch der Kämmerer Christoph Koeltzsch. Bei dem Leichenbegängnisse des Tietze gab die Kasse den Viertelsmeistern die gewöhnliche Ergötzlichkeit, hinsichtlich des Trauerflores aber, den man früher für die Herren des Rates mit 30, 40 und mehr Talern bei Todesfällen der Bürgermeister in Rechnung brachte, beschränkte man sich, diesmal, wahrscheinlich auf höhere Veranlassung, auf 10 fl. 14 Gr. und bemerkte der Rechnungsführer, daß der Flor zu künftigem Gebrauche aufgehoben worden sei. Der Herzog Christian II. traf mit Familie und Gefolge am 13. August hier ein. Der Rat machte ihm ein ansehnliches Geschenk an Wein, die Bürgerschaft aber bezeigte ihm ihre Verehrung durch einen Fackelaufzug. Am 28. August starb der Kantor Christoph Schultze, Jubilar, ein in jeder Beziehung seiner Amtspflichten achtbarer und um die Stadt hochverdienter Mann, der in den schweren Kriegsjahren fast allein die ihm anvertraute Schule aufrecht hielt. Sein Leichenbegängnis war daher auch an Volksbegleitung das Ausgezeichnetste dieser Zeit. Zu Sorau, in der Niederlausitz, 1606 geboren, der Sohn eines armen Leinewebers, welcher im Sorauischen Brande hilfeleistend verun­glückte, bildete er sich, in drückendster Lage, auf dem Gymnasium in Wittenberg und"Torgau, wo er Chorpräfekt war und Unterricht in der Musik gab für den gelehrten Stand, hörte dann in Leipzig, wo sein Bruder Mr. George S. als Konrektor an der Thomasschule lebte, philo­sophische und medizinisch-theoretische Vorlesungen, vereinte damit den musikalischen Unterricht des Hermann Schein und war willens, in dieser Stadt als Arzt zu wirken, als ihn der Weggang des Bruders, welcher dem Rufe zur mathematischen Professur in Erfurt folgte, und der in Folge des Geldwuchers und drohenden Krieges täglich sinkende musikalische Erwerb, die nötige Unterstützung entzog und ihm in so verhängnisvoller Zeit die Aufsuchung einer sichernden Stellung, wo möglich eines Kantorats, zu dem er vorzüglich geschickt sich fühlte, auf das Dringendste anriet. Es gelang ihm auch, am 5. April 1628 das Kantorat am Neumarkte in Halle zu erlangen, er ver­lor aber beim Ausbruche des Krieges, weil seine Wohnung offen lag,. zweimal durch Plünderung seine ganze Habe, musikalische Instrumente, Bücher und Kleider, mußte 1632 während der Lützener Schlacht, von den Pappenheimischen verfolgt, fast unbekleidet flüch­ten und kam in diesem hilflosen Zustande hier her. Man riet ihm, die Stelle in Halle aufzugeben und um die hiesige, eben erledigte, ein­träglichere anzuhalten, er gab Gehör, bat um die Stelle und erhielt sie am 12. Februar 1633, bei der Prüfung alle für sich gewinnend, durch einstimmige Wahl. Er zeigte sich bald als Komponist von Sym­phonien, Motetten und Melodien geistlicher Lieder, hauptsächlich aber als Musik- und Schullehrer, als Stilist und Geschäftsmann nach Zeit und Umständen auf das Vorteilhafteste, schrieb ein Diarium De­litianum, das leider verschwunden ist, und bildete statt der ehemali­gen Kantorei-Gesellschaft, die mit ihrem Vermögen bei dem Aus­brüche des Krieges ihr Ende fand, einen neuen, tüchtigen Gesang­Verein. Einige seiner Kompositionen sind gedruckt. An dem Zuge gegen die Türken, welche bis Wien vordrangen und diese Stadt hart belagerten, nahm auch hiesige Mannschaft teil. Die Sachsen, in Eil aufgeboten, kamen unter Anführung des Kurfürsten am 28. August dahin und erkämpften am 2. September, vor mehreren Hilfsvölkern sich auszeichnend, einen herrlichen, gegen die Über­macht des Türkischen Reiches für immer entscheidenden Sieg. Das stählerne neue Ratssiege1 kostete 16 Gr. Ein Scheffel Weizen galt 8-9, ein Scheffel Roggen 6-7 Gr.


1684
Am 15. Februar war großes Wasser und die Pfortenbrücke in Gefahr. Der Superintendent Dr. Bilefeld führte Beschwerde gegen den Rat, daß man ihn bei der Wahl eines Schulvorstehers, des Christoph Parreidt übergangen habe. Da der Rat selbst eigentlich Schulvorsteher war und nur einem seines Mittels, einem Gelehrten; die besondere Aufsicht auf die Schule, nach der von ihm selbst gesetzten Schulordnung übertrug, so war diese Beschwerde eine ganz unnütze Querel. Am 10. März kam die Gemahling des Erbprinzen, Herzogs, Christian II., welcher das Haus des Esaias Hartmann am Markte (Num. 168) be­wohnte, mit dem dritten Sohne nieder, der in der Taufe den Namen Friedrich August erhielt. Der eine Totengräber, Michael Schneider, welcher sich den Trunk angewöhnt und schon einmal bei dem Begräbnisse einer Kanzelei­dienerin eine grobe Unvorsichtigkeit begangen hatte, ließ am 1. Juni bei dem Begräbnis der Elberitzmüllerin, einer Wöchnerin, den Sarg fallen, der sich öffnete und die Verstorbene in unanständiger Entblö­ßung sehen ließ, weshalb er mit Gefängnisstrafe belegt und abgesetzt ward. Es war ein trockener Sommer, das Sommergetreide mißriet, auch fehlte es an Fütterung für das Vieh, daher in der Spröde trotz der angedrohten Strafen häufig Laub gestmifet ward. Wegen Teuerung der Gerste und des Hopfens erhöhte man den Preis des Bieres bis 7 Pfennige die Kanne und 7 Taler das Faß. Der Archidiakon Bornmann, welcher wegen hohen Alters sein Amt nicht mehr versehen konnte, suchte um einen Substituten nach. Es predigte hierauf der Mr. Schiff und der Diakon in Zörbig, Mr. Daniel Ilgen, ein Sohn des ehemaligen hiesigen Superintendenten, welcher Letzterer die Vocation empfing und im Oktober die Anzugspredigt hielt. Am 23. August, nachts halb 1.1 Uhr, brach in der Vorstadt am Galg­tore auf unbekannte Weise Feuer aus, welches schnell um sich griff und 9 Häuser vernichtete. Der Hausgenosse Barth. Pfeifer, zunächst dem Ausbruche, rettete sein Weib, eine Wöchnerin und drei Kinder, nackt und bloß nur mit Mühe, das vierte, beinahe zwei Jahre alt, ver­lor er. Er erhielt reichlich Unterstützung. Bei Löschung des Feuers zeichnete sich ein Musketier und Zimmergeselle vorzüglich aus, dem man aus öffentlicher Kasse 1 Taler Belohnung gab. Dem Physikus D. Westphal ward für Medizin, die er in dem Pestjahr 1680 und nachher verwendet hatte, auf Kammer Verordnung vom 4. März 5 Taler 4 Gr. aus der Ratskasse gezahlt. Die Kurrentknaben erhielten für 15 Taler 3 Gr. Roßweinisches Tuch. Auf Anzeige des Ratseinnehmers, daß die Regierung bei Durchgehung der Rechnungen 1681 und 1682 die Marktpfennige, Nutzungen des Zwingers und Krebsbaches bei Benndorf als Accidenz der Rats­mitglieder nicht genehmigen wolle, wurden diese wieder in Rechnung gebracht. Der Seiler und Viertelsmeister Tobias Richter ward für das künftige Jahr in den Rat gewählt. Die Schäferei litt an Pocken und verlor 40 Stück. 1 Scheffel Weizen galt 12-23, 1 Scheffel Roggen galt 9-21 Gr. Der Gold- und Silberarbeiter Johann Wilhelm Bergdorff bestimmte in seinem am 1. Mai d. J. eröffneten Testament dem Hospitale dreißig Taler als Vermächtnis.


1685
Der Totengräber Michael Poeschel, welcher am Weihnachts-Heiligen Abend auf dem Gottesacker abergläubische Gebräuche getrieben hatte, angeblich zur Sicherung gegen die Maulwürfe, ward mit der Lauke bestraft. Die Stadt hatte eine große Feuerspritze, deren Leitung man, mit der Aufsicht über 10 kleinere, dem Tischler Graefe übertrug, dem man bei jedesmaligem Gebrauche 12 Groschen gab und Schoß- und Wächtergeld erließ. Der bisherigeGarkoch, Georg Otto, wollte Pachterlaß, weil die Soldaten selbst schlachteten, es erbot sich aber der Fleischer Johann Heller zur Übernahme, welcher für Speisung der beiden Ratsknechte 1 Wispel Roggen, 6 Schfl. Weizen, 1/2 Schock Langstroh und 2 Gülden für Getränke erhielt. Es war ein trockener Sommer und Wassermangel in den Mühlen, aber eine reiche Ernte, in deren Folge der Preis des Bieres wieder, das Faß auf 4 1/2 Taler, die Kanne auf 5 Pfennige, herabgesetzt ward. Seit einigen Jahren zeigte sich bei dem Volke ein Hang zum Getränke süßer Biere, welche unter dem Namen Weißbier, Breihan, im Magdeburgischen und Anhaltischen aus Weizen und Gerste bereitet und von da nach-allen Seiten verbreitet wurden. In hiesigem Lande fand man jedoch diese Brauerei, weil man für die Tranksteuer Abbruch fürchtete und mit Feststellung einer Ausgleichung sich nicht befassen konnte oder wollte„ beschwerlich und hinderte sie. Indessen erlaubten sich die Rittergüter, aus der täglich steigenden Vorliebe des Volks für dieses Getränk zum Schaden der Städte, die unter scharfer Aufsicht der Steuer standen, den möglichsten Nutzen zu ziehen. Es lieferte der v. Pful auf Mildenstein, der v. Zanthier auf Salzfurt und v. Vitzthum auf Wölkau dieses beliebte Getränk und fuhr es der erste sogar bis in die Stadt, wo es von den im Quartier liegenden Unteroffi­zieren und Fourieren, die überhaupt das bürgerliche Gewerbe viel­seitig verletzten, öffentlich, von den Gastwirten aber heimlich verschenket ward. Auch vertrieb man es in den Schenken der Dörfer und zogen oft ganze Gesellschaften Bürger zum Nachteile des städtischen Gewerbes und der Sittlichkeit dahin. Dieses bewog den Rat und die Brauerschaft, auch hier das Brauen eines Weißbieres zu versuchen und hierzu, auch im Falle des Gelingens zu der Fortsetzung die fürst­liche Genehmigung sich zu erbitten. Sie erhielten sie unterm 10. März dieses Jahres. Der Rat verschrieb nun, voraussetzend, daß die Fortsetzung nicht verweigert werde, einen Brauer, Curt Rosenthal aus Halberstadt, gab das Getreide zu dem halben Probe-Gebräude und da es gelang, sogar vor einigen Vorzüge hatte, so zahlte man die Steuer 11 Taler 6 Gr. mit Vergnügen, mehrere Bürger entschlossen sich zu Fortsetzung und setzten in diesem und folgendem Jahre, mit ziemlichem Gewinne, 20 halbe Gebräude ab. Am 4. November ward Marie Elisabeth Steterin,'eine Kindesmör­derin, durch das Amt mit dem Schwerte hingerichtet. Ein Scheffel Weizen galt 27-16, ein Scheffel Roggen galt 27-13 Gr. Der hiesige Bürger und H u f s c h m i e d Samuel Voigt setzte in sei­nem Testament, welches am 3. Februar d. J. eröffnet ward, ein Legat von sechs Gülden zu Besserung der untersten Schullehrerstelle, hof­fend, daß sich dieses kleine Kapital künftig durch guttätige Menschen verstärken werde.


1686
Das 1606 eingerichtete Schlaguhrwerk des Hallischen Turmes war im Kriege zerstört, die Glocke beschädigt worden. Man verkaufte das Uhrwerk, weil es an Gelde zur Herstellung fehlte, 1647 an die Kirche zu Gollme, behielt aber die Glocke bis auf bessere Zeit. Erst in diesem Jahre konnte man sie wieder lautbar werden lassen, doch nicht wie früher durch ein mechanisches Werk, sondern, wie auf dem breiten Turme, durch eines Türmers Hand, dem man eine neue Wohnung gab. Der Rot- und Glockengießer Peter Stengel in Leipzig, erhielt für Umgießung der Glocke und 1 Zentner 10 1/2 Pfund Metallzusatz 55 Fl. 4 Gr. Die alte wog nach dem Leipziger Wagezettel 3 Zentner 62 Pfund, die neue 4 Zentner 72 1/2 Pfund. Sie ward am 16. Juni in Leipzig abgeholt und am 16. August durch den Zimmer­meister Martin Leschke auf den Turm gebracht. Den Einband und Hammer derselben fertigte der Schmidt Michael Saupe für 9 fl. Lohn, die Maurerarbeit besorgte Gottfried Golde. Das Ganze kostete gegen 200 Gülden. Der erste Türmer, ein Nadler Andreas Korb, ward am 15. August folgenden Jahres verpflichtet und ihm für dieses Jahr 5 fl. an Gelde, 12 Schfl. Korn, 6 Schock Holz, das nötige Öl zum Geleuchte und Freiheit von allen Bürgerbeschwerden zugesagt. Drei Landf1eischer, Runge aus Löbnitz, Schmidt aus Linden­hain und Schleicher aus Zschortau, meldeten sich für dieses Jahr zum Bankschlachten in die Stadt. Um das vernachläßigte Weingewächs des Zwingers zu bessern, übergab man es einem geschickten Manne für den halben Nutzen und Gewährung von Dünger, Pfählen, Stangen auf drei Jahre. Für die Stadt Schkeuditz, wo im vorigen Jahre am 3. September, abends nach 8 Uhr, bei heftigem Winde in 1 1/2 Stunde 132 Häuser, 54 Scheunen und sämtliche geistliche Gebäude niederbrannten, brachte man auf Verordnung der Regierung ansehnliche Unterstüt­zungen auf. Die Räumung des Lobers von der Naundorfer Mühle bis Schenken­berg, 204 Ruten, verursachte einen Aufwand von 29 fl. 3 Gr. und nahm man Beiträge der Auswärtigen in Anspruch. Wegen steigenden Preises des Weizens wollte man den Wert des Weißbieres erhöhen, man unterließ es aber, weil die Auswär­tigen den alten Preis hielten und noch wohlfeile Malze da waren. Dagegen erhob man im Oktober den Preis des Bieres von 5 bis 6 Pfennige die Kanne, von 5 bis 5 1/4 Taler das Faß. Dem Pfarrer Weyse in Werbelin nahm man fremdes Bier weg und zahlte 1 fl. 15 gr. Gebühren an das Landgericht. Ein Gleiches geschah in Freiroda. Die jährliche Besoldung des Pfennig-Steuer-Einnehmers Samuel Elias Fischer betrug 15 fl.-, der jährliche Ertrag des vom Rate wieder eingelösten Dübischen Werders war 35 fl. Die Schäferei gab 566 ?4 fl., die Fischerei 99 1/2 fl. Ge­winn. Ein Scheffel Weizen galt 12-18, ein Scheffel Roggen 8-14, ein Scheffel Gerste 10, ein Scheffel Hafer 7 Gr.


1687
Am 1. Februar abends gegen 10 Uhr fielen sechs Räuber in die Schenke zu Lemsel, erbrachen des Wirtes Peter Grietner Schlaf­kammer, verlangten sein Geld, schlugen ihn, sein Weib, Knecht und Magd jämmerlich, öffneten Kisten und Kasten, töteten endlich den Wirt durch einen Schuß und gingen davon. Der auf dem Heuboden liegende Hausknecht allein blieb unbemerkt und. dieser verriet sie. Er beschrieb dem Dorfrichter ihre Gestalt, ihre Kleidung, zeigte den Weg, den sie genommen hatten und dieser brachte sogleich die Nach­richt in das Amt. Acht berittene. und bewehrte Bürger, die ihnen folgten, von denen sich zwei Fleischer, Elias und Tobias Baer, durch Mut auszeichneten, ergriffen sie bei Bitterfeld und Jeßnitz und über­gaben sie in sichere Haft. Der Anführer, Hans Gebhard, war ein Zeugdrucker aus Sayda, der auch bei einem nächtlichen Einfalle in das Vorwerk Pfaffendorf bei Leipzig (19. 5. 1665) nach dem Hof­meister und Knechten geschossen, die Mägde aber bis zur Betäubung geschlagen zu haben, eingestand. Die Untersuchung (durch das Amt) endete schnell und schon am 18. März wurden fünf derselben teils mit dem Rade, teils mit dem Schwerte hingerichtet, der sechste aber, Johann Bischoff, ein Fleischer von Bernburg, fiel in Wahnsinn, wes-. halb man der Vollziehung des Todesurteils bis zu seiner Herstellung Anstand gab. Der Rat sorgte, weil es dem Amte an Gefängnissen mangelte, für Unterbringung und sichere Haft der Gefangenen fast allein, und doch versuchte es der übermütige Amtmann, als man ihm ein un­entbehrliches Behältnis des Rathauses nicht einräumen konnte, son­dern ein anderes anwies, einen der beschwerlichsten Gefangenen mit Gewalt in die Schenkstube zu legen und sich über Teilnahmslosigkeit des Rates bei so gefährlichen Umständen auf das Leidenschaftlichste zu beschweren. Dieses Mal aber fand er nicht den nachgebenden, friedliebenden Rat, sondern in dem Berichte des Syndikus einen Gegendruck, der ihn für immer zur Ruhe verwies. Die Stadt hatte fortwährend eine (sehr beschwerliche) Kompagnie Soldaten im Quartier und ward die des Oberst-Leutnants v. Walden, vom Regimente des General-Feldmarschalls v. Flemming, von der des Hauptmann Pforte (Kapferschen Regiments) abgelöset. Auch lebte der Oberstleutnant v. Goldstein und Wolf Rudolph v. Schoen­berg in der Stadt. An Getreide und Obst war Überfluß und in dieser Beziehung eine wohlfeile Zeit. Der streitige Wechsel der Töpferstätten an Markttagen durchs Los ward vom Rate festgesetzt. Im Oktober nahm der Landtag in Dresden seinen Anfang, auf wel­chem außer den gewöhnlichen Abgaben die Summe von 700 000 Ta­lern und der Betrag von zwei Quatembern für den Unterhalt des Heeres auf zwei Jahre bewilliget ward. Zugleich kam eine Revision der Steuer-Kataster in Vorschlag und erging zu örtlicher Vorberei­tung derselben der nötige Befehl. Von hier nahmen an diesem Landtage die erkornen Ratsherren Gott­fried'Bornmann und Samuel Elias Fischer teil.


1688
Auf dem Landtage war die Ritterschaft des weiten Ausschusses sehr bemüht, die 1676 zwischen Ritterschaft und Städten aufgerichtete Braukonvention rückgängig zu machen. Sie übergab dem Erbmarschalle und engem Ausschusse der Ritterschaft Beschwerden, und die Städte, ob sie schon für Erhaltung derselben schriftlich alles aufboten, befürchteten doch ihre Auflösung, welche durch die Resolu­tion vom 5. Februar 1688 erfolgte. Die Ritterschaft verlangte auch das Recht, ein oder zwei steuerfreie Biere in den Städten außer dem Lose zu ihrem Tischtrunke brauen zu dürfen und Delitzsch, welches irr dieser Beziehung mit dem Besitzer des Rittergutes Zschepen im Streite lag und sich auf sein Privilegium und die vom Herzog bestätigte Brauordnung stützte, fand im Laufe des Prozesses ungemeinen Widerstand. Der Rat eiferte in einem Patente vom 16. März gegen die eingerissene Kleiderhoffart im Bürgerstande, namentlich gegen das Tragen seidener Kleider und vierzehn Frauen und Mädchen wurde auf dem Rathause das Tragen solcher Kleider mit der Drohung, daß der Fron sie auf der Gasse zum Ablegen nötigen werde, untersagt. Christoph Loeschke aus Hoyerswerda ward als Flurschütze angenommen, hatte zugleich die Beaufsichtigung der Ratsknechte und erhielt jährlich 12 fl. Geld„ 12 Scheffel Roggen, 4 Schock Reisig­holz und 5 Gr. für das Pfand, auch gab man ihm zwei Personen Frone frei. Am 9. Juni starb bei dem Amtschirurg ein Knecht aus Zwochau, Hans Knobloch, welchen ein Reiter beim Pfingstbiere in Zwochau tödlich durch einen Schuß verwundet hatte. Der Sommer brachte heftige" Gewitter, der Winter aber trat zeitig, im Gebirge gleich nach Michaelis ein, stieg im Dezember bei tiefem Schnee zu einer bedeutenden für den Verkehr sehr beschwerlichen Höhe und gab nur erst im Maimonate künftigen Jahres dem Frühling Raum. Wegen der französischen Einfälle in das Reich ward im Dezember vorigen Jahres das Defensionswerk von 1681 wieder aufge­nommen, nach dessen Verteilungs-Art, vom Tausend 12 Mann, De­litzsch jetzt mit 72 Mann in Rechnung kam. Dem Schuhmacher Johann Angelrath, welcher unter dem Sonntags­frühgottesdienste Schweine schlachtete, löschte der Fron das Feuer aus, die Strafe von 12 gr. ward ihm auf sein Bitten erlassen. Der Scheffel Weizen galt 15-12, der Scheffel Roggen galt 10-8 Gr.


1689
Mit den Schullehrern, die freie Wohnungen (oder abgabenfreie Pri­vatwohnungen) verlangten, hatte man Prozeß und übergab am 22. Januar die Läuterung. Der Hirte von Quering, welcher auf den der Gerichtsbarkeit des Rates unterworfenen Weißiger Hufen hütete, ward gepfändet und vom Rate bestraft. Am 28. September nachts zwischen 11 und 12 Uhr brannte das Kü­chengerät des Hausgenossen Keppel im Hause des Samuel Freund, das Feuer wurde aber gedämpft und Keppel mit drei Tagen Ge­fängnis in der Lauke bestraft. Schon im November trat heftige Kälte ein mit häufigem' Schnee und am 21. Dezember beschädigte ein ungewöhnlicher Sturm viele Gebäude. Der Scheffel Weizen galt 9-10, der Scheffel Roggen galt 7-8 Gr. Als an dem im Jahre 1666 aufgefundenen und daselbst beschriebe­nen Kirchenschmucke der Abgang und Verlust. der Perlen fast zur Hälfte gestiegen war, entschloß man sich endlich zur Veräußerung. Man fand noch 5 Lot 1/2 Quentchen größere und 16 Lot 1 Quentchen kleinere, nach der Schätzung des Juweliers Joh. Andr. Rosenthal in Leipzig, das Lot der größeren 8 Taler, der kleineren 4 bis 5 Taler am Werte und gaben nach der Quittung des Kirchenvorstehers und der Kirchrechnung dieses Jahres zwei jüdische Käufer 111 Taler dafür.


1690
Das hiesige Sch1oß (Haus), welches im 14. Jahrhunderte, bei längerem Aufenthalte der Fürsten, namentlich der Witwe des Mark­grafen Heinrich, Agnes und des Markgrafen Wilhelm des Einäugigen, nach Maßgabe der Zeit gut befestiget und mit allen fürstlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden versehen war, hatte in der zweiten Hälfte des 15., als die Fürsten anfingen zu residieren, ihre Besuche in den kleineren Städten seltner wurden, an Gebäuden noch einen Turm mit Zinnen, das Obergeschoß mit Ritterkammer, die Kan­zellei mit Keller, das Kornhaus, ein Mushaus (Vorratshaus), den Marstall, das Viehhaus mit Milchkammer, die Wohnung des Lands­knechts mit Gefängnissen, die Kapelle mit einer Glocke. Die Fürstenwohnung befand sich in dem Oberschlosse und ihre Fen­ster waren mit venedigischem Glase versehen. Die ältere (die alte Hofstube oder das alte Haus) war zu der Zeit schon verfallen und man verwendete 1466 einen Teil der Steine zu dem Neubaue der Kanzellei. Diese Gebäude waren mit einer hohen starken Mauer umgeben und hatten die Herren von Spiegel innerhalb derselben ein Burglehn, ein festes Haus (caminata) mit Garten, der Spitzberg genannt, welches aber schon zu der Zeit bis zu einer ärmlichen Hütte zurückgekommen war. Außerhalb der Mauer gehörte dazu die Schä­ferei und eine sehr beschränkte Ziegelscheune, der Dübische Werder, die Schloßhufen, die Wiese am Schloßgraben und die größere bei Grabschütz. Oberaufseher des Schlosses war der Amt - oder Hauptmann, weil aber dieser in der Regel einen größeren Di­strikt als den des Amtes rechtlich und militärisch zu überwachen hatte, häufig in Fehden lag und nur ausnahmsweise heimisch war, so vertrat der G1eitsmann (Rentbeamtete) seine Stelle, dem die Erhaltung der Gebäude und die Wirtschaftsführung besonders oblag. Er hatte aber nicht nur für den Unterhalt des Fürsten und dessen Gefolge, für die Fremden, der Fehden wegen häufig ankommenden, übernachtenden, auch längere Zeit bleibenden Ritter, sondern auch des Schloßpersonals selbst zu sorgen und täglich aus der .Schloßküche, welcher ein Koch und eine Köchin vorstand, zu beköstigen - sich selbst, den Kornschreiber, den Küchenschreiber, den Kapellan, den Kantor der Schule, wegen des Gesanges beim Gottesdienste in der Kapelle (oder wie es in den Urkunden heißt: Unsern Herrn Gott selbander), den Kellner, den Koch, den Schirrmeister, den Ober­enken, die Köchin, zwei Mägde, den Kuhhirten, den Landknecht für 1 1/2 Person und den Hausmann für 2 Personen, in Summe 15 1/2 Per­son. Diese Einrichtung lösete sich aber im 16. Jahrhunderte, wo der kriegerische Aufwand, namentlich unter dem Kurfürsten Moritz, Summen heischte, die nur der Verkauf entbehrlich scheinender Staatsgüter schnell gewähren konnte, gänzlich auf.. Die Ländereien des Amtes wurden vererbt, die Ökonomie mit ihren Gebäuden hatte ein Ende und selbst zu Aufrechterhaltung der unentbehrlichsten Ge­bäude fehlte oft das Geld. Von den Ruinen bauten sich die Beamten Häuser in der Stadt. Schlimmer noch sah es im 17. Jahrhunderte aus, wo im Laufe des Dreißigjährigen Krieges der obere Teil des Turmes mit einem großen Stücke Mauer 1644 auf Torstensons Befehl zer­stört, das Übrige sonst hinfällig ward und bis zum letzten Jahrzehnt auf der ganzen Räumlichkeit nichts als der mit einem Schindeldache bedeckte Turm, die Landvogtei und ein altes Gebäude zur Aufbe­wahrung des Zinsgetreides sichtbar war.' Für das Amtsgericht hatte man in der Stadt am Markt ein gemietetes Haus. Diese traurige Ver­wüstung und der Umstand, daß für den Aufenthalt des Erbprinzen mit seiner Familie und des Herzogs bei seiner Anwesenheit kein Bürgerhaus recht geeignet, das Gerichtsamt in einem Privathause der Stadt nicht recht heimisch war, bewog den Herzog zur Wiederherstellung des Kanzelleigebäudes für das Gericht und des Fürsten­hauses neben dem Turme des Schlosses, welches seit einiger Zeit im Baue, in diesem Jahre, wie es noch stehet, vollendet und über dem Portale mit dieser Inschrift:

„Wer mich sonst hieß ein Schloß, der irrte trefflich sehr,
Denn mein ganz Ansehn war ein Turm und alte Steine.
Wer aber, da ich jetzt aus andern Augen scheine,
Mich also nennen wird, der irret nun nicht mehr;
Warum? Es sahe mich ein gnädiger Bauherr an,
Und zwar mein Landes Fürst, der theure Christian. 1690."

versehen ward. Das neuerbaute Kanzelleigebäude erhielt den Namen Amtshaus und kam noch im Laufe dieses Jahres in Gebrauch. Am 4. Mai hielt der Sohn des Superintendenten Dr. Bilefeld, Mr. Johann Christoph Bilefeld, als Amtsgehilfe des Vaters, seine Anzugs­predigt, ein in jeder Beziehung tüchtiger Theolog und ausgezeichneter Prediger, der aber, nachdem er im Oktober dieses Jahres die theologische Doktorwürde erlangt hatte, schon im Jahre 1692 als Oberhofprediger und Konsistorial- Assessor nach Darmstadt abge­rufen ward. Mit der Stelle des Hospita1voigts ward eine zweckmäßigere Einrichtung, getroffen und Christoph Richter von Großtrebnitz bei Bischofswerda, 61 Jahre alt, hiesiger Einwohner, am 5. Mai dazu verpflichtet. Am 24. Mai, sonnabends 13 Uhr, wurden zwei französische Soldaten, Sebastian Martin und •Franc. Echol, die bei Schmiedeberg einen Mann ermordet hatten, an der Paupitzscher Straße mit dem Rade hingerichtet. Den dritten Teilnehmer begnadigte man. Durch die Bemühungen des Mr. Bilefeld, welcher der französischen `Sprache ._mächtig war, bekannten sie sich öffentlich zu den Lehrsätzen des Protestantismus und starben darauf. Am 29. Mai starb der seit einigen Jahren wegen Kassenmängeln in Untersuchung befangene, im Bürgermeister-Amte vertretene Johann Christoph Fiedler, nachdem die Untersuchung, wie es scheint, glück­lich für ihn beendet war, und sein bisheriger Adjunkt, Hiersebrod, versah das Amt nun unbeschränkt. Für Heilbronn, welches die Franzosen friedbrüchig überfielen, zwölf Wochen lang besetzten, die Bürgerschaft durch unmenschliche Be­handlung aufs Äußerste brachten, beim Aufbruche eine Kirche in Brand steckten und wegen geforderter Brandschatzung von 50 000 Talern fünf Ratspersonen mit sich nahmen, in elende Gefängnisse setzten und bis auf den Tod ängstigten - und für Worms, welches sie am 27. September 1688 besetzt, die Bürger mißhandelt und er­schöpft, Mauern, Wälle, Türme und Pforten demoliert, beim Ab­gange am 18. Mai 1689 in Brand gesteckt, gänzlich niedergebrannt und die unglücklichen Einwohner bis zur Auswanderung gebracht hatten, wurden auf herzogliche Anordnung ansehnliche Kollekten ausgebracht. George Teichert, ein Bürger und Gemüsehändler von Zörbig, erhielt auf sein Gesuch an Wochenmärkten einen festen Stand an der Plumpe des Marktes, machte sich aber verbindlich, bei Einbringung der ersten Krauthäupter drei derselben an den regierenden Bürger­meister abzuliefern. Der hier liegende Kapitän-Leutnant schickte einen verkleideten Sol­daten abends in ein Bierhaus und ließ, da er durch diesen erfahren, daß sich Handwerksburschen daselbst befänden, diese wegnehmen. Der Rat nahm sich nun zwar ihrer an und erklärte dieses Unterneh­men als einen Eingriff in seine Rechte, erhielt aber die Antwort: Er (der Kapitän-Leutnant) gebe sie nicht los, es wären Handwerksbursche. Er hätte von kurfürstlicher Durchlaucht Befehl, das Regi­ment komplett zu machen, so müßte man die Vögel fangen. Sie soll­ten Kerle schaffen oder Soldaten werden. Wenns Bürger wären, wollte er sie losgeben; er wollte dem Rate hierinnen keinen Eintrag tun. Maria, des Drechslers Diemichen Ehefrau, verehrte der Kirche eine Hostienschachtel von 10 lötigem Silber, 1 Mark 5 1/4 Lot an Gewicht. Ein Scheffel Weizen galt 11-12, ein Scheffel Roggen 10-11 Groschen.


1691
Die Gemahlin des geheimen Rates George Heinrich von Luckowen, Anna Dorothea, geb. von Krosigk, kaufte am 12. Februar das Haus der Witwe des Superintendenten Clauder, Anna Barbara, Num.. 228 der Hintergasse und Luckowen, der sich 1677 vom Hofe zurückge­zogen, dann auf seinem Gute gelebt, aber auch dieses verkauft hatte, wohnte hier bis an seinen Tod. Auf herzogliche Verordnung vom 13. Februar brachte man für die. Stadt Schalkau im Hildburghausischen, welche am 18. August vorigen Jahres; nachmittags 1 Uhr, bis auf wenige geringe Hütten nieder­brannte, die nur vor kurzem neugebaute Kirche, Pfarre und Schul­gebäude, das Raulaus und ganze Ernte verlor, eine dem Unglück angemessene Kollekte aus. So sammelte man auch für das Dorf Klein-Wiederitzsch bei Leipzig, wo am 16. April durch Unvorsichtigkeit einer Magd Feuer entstand und fast alles ein Raub der Flammen ward. Zeitige Donnerwetter, denen Kälte folgte, schadeten dem Getreide, der Roggen litt hier. und da durch Frost in der Blüte und der Hafer mißriet. Die Turmspitzen der Stadtkirche erforderten einen Umbau, welcher am 19. August begann und am 2. September mit Aufsetzung der Knöpfe vollendet ward. Am 12. September starb der Kurfürst Georg III., welcher am 27. August im Feldlager bei Termenitz an der Enns erkrankt war, an einem nervösen Fieber in Tübingen; er ward am 20. September hier abgekündigt, die Gedächtnispredigt aber erst am 11. Dezember gehalten. Ihm folgte bald, am 18. Oktober, vormittags 11 Uhr der Landesherr, Herzog Christian in Merseburg, ein friedliebender, um des Lan­des Wohl eifrig besorgter Fürst. Er war geboren am 27. Oktober 1615, postulierter Administrator des Stiftes Merseburg seit 1650, vermählt mit der Tochter des Herzogs zu Holstein-Glücksburg, Christiana, und Vater von sechs Söhnen, deren drei, Christian II., August und Heinrich ihn überlebten.' Philipp, sein Liebling, blieb am 21. Juni vorigen Jahres in der Schlacht bei Fleury und zwei waren in früher Jugend gestorben. Noch am Todestage des Herzogs, abends 6 Uhr, traf der Hofrat Georg Abraham von Brandenstein, zu Zöschen, in hiesigem Schlosse ein mit Befehl des Herzogs Christian II., die Beamteten, amtssäßige Ritter­schaft, Rat, Bürgerschaft und Amtsuntertanen als Kommissarius in Pflicht zu nehmen. Er ließ sogleich den regierenden Bürgermeister und Stadtschreiber, Syndikus Spitzner, auf das Rathaus fordern, machte sie durch Vorlegung herzoglichen Befehls mit seinem Auf­trage bekannt und um 7 Uhr gelobten die Herren sämtlicher drei Räte Treue mit Handschlage an Eides statt. Die Erbhu1digung geschah Tages darauf. Schon um 7 Uhr früh war die Bürgerschaft auf dem Markte, der Rat auf dem Rathause, wo man den Tisch der Ratsstube schwarz bedeckte und an einem Saalfenster gegen den Markt einen erhöhten Stuhl, ebenfalls mit schwarzem Tuche behan­gen, eingerichtet hatte. Um 9 Uhr überreichte der Syndikus Spitzner die Torschlüssel und um 10 Uhr kam der Hofrat von Brandenstein in einem herzoglichen Wagen, den vier Ratsherren in langen Trauer­mänteln begleiteten, vor dem Rathause an. Nach einer kurzen aber gehaltvollen Anrede des Abgeordneten, die der Syndikus Spitzner beantwortete, huldigte der Rat in der Stube, sodann die vom Saale herab angesprochene, auf dem Markte versammelte Bürgerschaft. Vorhaltung und Eidesformel las der dem Kommissarius zur Seite stehende Lehnssekretär Nahrendorf. Auf dem Saale des Amtshau­ses, wohin die vier Ratsherren den Kommissarius begleiteten, huldig­ten nun die amtssäßigen Ritter und die Beamteten, der Rat zu Lands­berg aber, die Landgerichte und hiesigen Amtsuntertanen vor dem Amtshause nach Anrede und Aufforderung des Kommissarius vom Saalfenster herab. Ritterschaft und Beamte genossen dann ein für sie im Schlosse bereitetes Mahl. Die Geistlichen legten erst am 23., vormittags 11 Uhr, nach vielen Einwendungen und Remonstrationen, und die Schullehrer nach ihnen, den Handschlag ab. Am 25. früh, bei dem Anfange des Gottesdienste kam unangemeldet kursächsisches Militär zu Fuß kriegsfertig vor das geschlossene breite Tor, begehrte Einlaß. und drohte der Wache, die sich zu öffnen wei­gerte, mit Zerstörung des Tores durch Äxte oder Geschütz. Auf Mel­dung begab sich sogleich der Amtsschösser und Bürgermeister an den Schlag und hörte nun von dem Anführer, dem General-Wacht­meister und Kommandanten Dresdens, Hans Rudolph von M i n k - w itz, der seine Order vorzeigte, daß er die Stadt zu besetzen be­fehligt sei. Man protestierte nun zwar gegen Gewalt, öffnete aber, als man Ernst, Äxte und Geschütze vor Augen sah, das Tor. 380 Mann zogen ein, besetzten gemeinschaftlich mit der Bürgerwache die Tore, lagerten auf dem Markte und verlangten vorläufig nichts als ein Stück Brot und eine Kanne Bier. Der Oberst-Wachtmeister nahm sein Einlager im Gasthof der drei Schwäne, der Oberst-Leutnant -Burgk aber ging mit einem Abteile von 50 Mann nach Bitterfeld. Die Gemeinen erhielten erst später Verpflegung und Quartier. Der Befehl des Herzoges, welcher abends 5 Uhr einging, vermehrte des Rates Verlegenheit, denn er lautete so:
„Von Gottes Gnaden Christian, der Ander, Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, auch Engern und Westphalen etc. Liebe Getreue, Es will verlauten, es solle ein Theil der Churf. Miliz beordret seyn, in Unsere Stadt Delitzsch zu marschiren, und daselbst Posseß zu nehmen, Nun wollen Wir uns zwar dergleichen gewalt­samen Verfahrens nicht vorsehen, könnten auch nicht begreiffen, wie solches mit dem geringsten Schein des Rechten geschehen und justificiret werden möchte, Dieweil Uns aber nicht zu verdenken, daß Wir disfalls auf der Huth stehen, und Unsere gerechtsame be­obachten, So wollen Wir Euch euere Uns vormals geleisteten even­tual und itzo aufs neue wirklich abgelegten Pflicht und Eydes er­innert haben, daß Ihr in solcher treue gegen Uns standhafft verharret, und Euch von niemanden' irre machen laßet, gestalt Ihr denn auch, da einige Völker sich melden sollten, solche nicht einzulaßen, die Thore mit gnugsamer Mannschafft zu besetzen, und zuzuhalten es auch allenfalls uf gewalt ankommen zu laßen, jedoch daß von Euch und der Bürger keine Gegengewalt gebraucht werde, wovon Ihr in allen umbständlichen ausführlichen bericht zu erstatten, Daran geschieht Unser Will und meinung, Datum Merßburgk am 25. Okto­ber 1691. Christian HzS."
Der Rat berichtete hierauf am 26., der Kommandant aber, welcher früh mit 6 Vorspannpferden nach Leipzig fuhr, und von da gegen zehn Uhr mit zwei kurfürstlichen Kommissarien zurückkam, befahl sogleich eine Versammlung der drei Räte, erschien mit den Kommissarien in der Ratsstube und verlangte, den im Vergleiche der fürstlichen Brüder vom Jahre 1657 dem kurfürstlichen Hause zu­gestandenen Reservaten gemäß des Kurfürsten Huldigung. Der Rat entgegnete zwar, daß er von diesen Reservaten nichts wisse, und bat um Zeit zu Berichtserstattung an den Herzog, man bestand aber auf unverzüglicher Erklärung und versprach um 1 Uhr den versam­melten Räten die Vorlegung der Reservaten und über alles genügend Vortrag. Die Kommissarien erschienen um 1 Uhr mit 2 Notarien in der Ratsstube, trugen vor, daß sich der Kurfürst, weil nach Ableben des Herzoges Christian dessen ältester Prinz wider die Reservate von 1657 zugefahren und in aller Eil sich von dem Rate und der Bürgerschaft einseitig huldigen lassen, genötigt sehe, die Huldigung auf die Reservate, mit Vorbehalt der Ahndung und verwirkten Strafe, besonders zu verlangen, in welcher Absicht sie hier wären und nicht nur ihre Vollmacht, sondern auch, weil der Rat sich mit Unwissen­heit entschuldige, die Reservate vorlegen und mit der Eidesnotul ablesen wollten. Die Ablesung geschah, man trat mehrere Male ab zu geheimer Beratung, verweigerte aber die Huldigung, selbst bei der Drohung augenblicklicher Gefangenschaft und Abführung nach der Feste Pleißenburg und verstand sich nur erst dann dazu, als die Bedingung, daß diese Huldigung der Huldigung des Herzogs und dessen Rechten nicht nachteilig sei, Rat und Bürgerschaft nach wie vor Untertanen des Herzogs blieben, eine Bedingung, welche die Kommissarien nach ihrer Instruktion eingehen konnten, festgestellt war. Der Gedanke, daß die Bürgerschaft bei längerer Weigerung der Last der Einquartierung unterliegen müsse, trug vielleicht auch etwas zu dieser Entscheidung bei. Während der Verhandlung war die Rathaustreppe mit Militär besetzt, so, daß kein Zu- und Abgang möglich war. Die Bürgerschaft huldigte um 4 Uhr auf dem Markte und der Rat erstattete Tages darauf ausführlichen Bericht. Am 3. November gab man dem Kommandanten von Minkwitz auf sein Gesuch ein Attest über seine Führung und am 4. verließ er mit dem Militär die Stadt. Der Aufwand, welcher ihr Aufenthalt der Stadt verursacht hatte, betrug nach dem niedrigsten Ansatze, denn vieles war nicht zu berechnen, 363 Taler 13 Gr. 6 Pf. und ward auf Verlangen dem Herzoge angezeigt. Auch dieser: Vorfall war eine Folge der unglücklichen Landesteilung; die freilich dem Kurhause von Jahr zu Jahr fühlbarer ward. Die Sache glich sich zwar diesmal friedlich aus, gedieh aber bei der näch­sten ähnlichen Veranlassung an das Reichs-Kammergericht und ward nur dann beigelegt, als man die Merseburgisehe Linie mählich ver­löschen und den nahen Anfall des Landes an das Kurhaus vor Augen sah. Zwei Stücke schwarze Delitzscher Tuche, von 58 Ellen, wurden aus der Grünthal-Findeisenschen Stiftung für 18 fl. 18 Gr. gekauft und unter 15 Kurrentknaben verteilt. Am 14. Oktober galt der Scheffel Weizen 16-17. der Roggen 14-15 Groschen.


1692
Im Januar und Februar war strenge Kälte mit tiefem Schnee und Unglücksfällen, am 21. März aber, nachts gegen 1 Uhr, nach einem auffallend warmen Tage ein starkes Donnerwetter mit Erderschütterung, welches von neuem Kälte und Schnee nach sich zog, der lange liegen blieb. Kälte und Nässe blieb auch im Frühling und Sommer vorherrschend, daher an der Ernte und Herbsteinsaat viel verloren ging. Milder zeigten sich die beiden letzten Herbstmonate, aber so feucht, daß man die Wege kaum befahren konnte und der Verkehr höchst schwierig war. Regine, die Tochter des Christoph Staeter in Schwätz bei Landsberg, welche auf dem adeligen Hofe in Gollm Feuer angelegt hatte, ward am 19. Januar mit dem Schwerte hingerichtet und der Leichnam .auf die Leipziger Anatomie gebracht. Am 27. Januar starb der Organist Christoph Gressel. Die Organisten­stelle erhielt der Hauslehrer des Herrn von Krosigk auf Queis, Jo­hann Daniel Bertram. Man verband mit der seit langer Zeit für sich bestehenden Stelle, wie in früherer Zeit, einige Stunden Schulunterricht und legte dem bisherigen Gehalte jährlich 16 Gülden zu. Am 11. Februar war des verstorbenen Herzoges Leichenbegängnis. Die Verordnung kam an den Superintendenten und dieser teilte sie dem Rate mit. Da nach dieser Verordnung der feierliche Zug zur Kirche nicht wie früher vom Rathause, sondern vom Schlosse ausgehen sollte, der Rat aber fürchtete, daß der Schösser, wie jüngst bei ähnlichen Aufzügen wiederholt geschehen, durch Rangerniedrigung des Rates und der Bürgerschaft auffallende Störungen ver­anlassen möchte, so hielt er es für Schuldigkeit, seine Bedenken der Regierung. vorzulegen, die zwar, weil man das Schloß als schon be­stätigten Witwensitz der Herzogin auszeichnen wollte, bei der Verordnung blieb, dem Schösser aber jede Neuerung, die zu Beschwerden führen könnte, streng verbot. An dem L a n d t a g e in Dresden vom 14. Februar bis 3. April nah­men wechselnd zwei Ratsherren teil und bewilligte man außer den gewöhnlichen Abgaben noch eine bedeutende Summe für das Militär. Bald nach dessen Schlosse, am 17. April, vermählte sich der Kurfürst J. Georg IV. mit Eleonore Erdmuthe Louise, verwitwete Markgräfin von Anspach, zu Leipzig, in, des Kurfürsten von Brandenburg, dessen Gemahlin und anderer befreundeten Fürsten Gegenwart. Am 7. Mai erhielt der Hofrat von Brandenstein in einem herzoglichen Reskripte dieses Tages Auftrag, den Rat zu handschläglicher Verpflichtung gegen die Herzogin Mutter, Christiana, sobald sie das Schloß als ihren Witwensitz bezlehen würde, aufzufordern. Der Einzug der Herzogin geschah am 31. Mai. Der Sohn, Herzog Christian II., begleitete sie von Merseburg bis Schkeuditz, vor Zwochau aber, nach einer glückwünschenden Anrede des von Krosigk auf Queis, die der Herzogin Hofmeister, Otto Erdmann von Dieskau, dankend beantwortete, die amtssässige Ritterschaft mit Gleitsbereitern und Ausreitern bis an das breite Tor der Stadt. Hier begrüßte sie der Rat, führte sie durch die Reihen der bewehrt auf­gestellten Bürgerschaft, vorüber der auf dem Markte paradierenden Kompagnie kurfürstlichen Fußvolks auf das von den Amtsunter­tanen umgebene Schloß, wo er der Herzogin auf ihrem Zimmer, nach Ableistung des Handschlags, als Geschenk ein silbernes Kästchen übergab. Ritter, Geistliche, Beamtete und der die Garnison kommandierende von Trützschler wurden dann zur Tafel gezogen, die vor dem Schlosse aufgestellte Bürgerschaft aber mit. einer Dankrede des von Dieskau entlassen. Mit der Herzogin und ihrem Hofstaate, mit den häufigen. Besuchen fürstlicher Verwandten, kam ein regeres Leben, ein erhöhter Ge­werbebetrieb in die Stadt. Höhere. und niedere Bedienung derselben bezog Mietwohnungen in den Häusern der, Bürger, Handwerker, die für das Bedürfnis arbeiteten, waren beschäftigter mit besserem. Lohne und bisher unbekannte Künstler, durch den Aufwand der Fürstin auf Verschönerung des Schlosses, der Stadtkirche und sonst angezogen, suchten das Bürgerrecht. Der jüngere Dr. Bilefeld, bisher Amtsgehilfe des Vaters, ging, nach­dem er am Sonntag Lätare über Hebe. III, 12=14 die Abschiedspre­digt gehalten und sich am 24. Juni in Merseburg mit der nachgelas­senen Tochter des vormaligen Hofpredigers in Lichtenburg Schlaf, Anna Sabina, ehelich verbunden hatte, als berufener Oberhofpredi­ger, Konsistorial-Assessor, Superintendent und fürstlicher Beicht­vater nach Darmstadt. Seine Stelle erhielt durch Vermittlung der Herzdgin Witwe der Superintendent in Pegau, Dr. Johann Conrad Sittig, ein Sohn des im fürstlichen Hause in Merseburg sehr geliebten Hofpredigers Dr. Valentin Sittig, mit Zusicherung der Amtsfolge und besonderer herzoglicher Unterstützung. Er. traf am 1. Junt als Hofprediger, Vizesuperintendent und Beichtvater der Herzogin hier ein und predigte am 3. zum ersten Male auf dem Schlosse in ihrer Gegenwart. Am 28. Juni kam der Herzog Christian II. mit Gemahlin, zwei Prin­zen und der Witwe des Herzogs Philipp von Dobrilugk und blieb bis zum 30. früh auf hiesigem Schlosse. Er war seit dem Antritt der Regierung noch nicht hier gewesen, darum ward er festlich empfan­gen und vom Rate mit drei silbernen Leuchtern, die Herzogin mit drei silbernen, getriebenen Schalen beschenkt. Auf das Schreiben der Herzogin Witwe an den Kurfürsten wegen Verlegung hiesiger Garnison, vom 5. Juni, rückte der Hauptmann von Trützschler mit seiner Kompagnie nach Großenhain und der Oberst-Leutnant Rodewitz mit dem Stabe des Birkholzischen In­fanterie-Regiments hier ein. In hiesiger Stadtkirche ward für die Fürstin das Betstübchen und für die. Bedienung neben diesem ein Teil der Emporkirche eingerichtet. Auch fing man an, den fast wasserlosen, schmutzigen und oft übel­riechenden Teil des Sch1oßgrabens innerhalb der Stadt aus­zufüllen, trug die alte Landsknechtei auf dem Schloßplatze ab und brachte sie auf den, durch Ausfüllung des Grabens außerhalb der Mauer gewonnenen Raum. Am 4. August, vormittags 10 Uhr, wurden wegen Desertion zwei Soldaten, Georg Schal, ein Zimmermann von Wirliss bei Heilbronn und Nikolaus Zibelt, ein Tischler von Ilmenau und am 10. Dezember wegen ähnlichen Vergehens, Chph. Rille aus Ehrenfriedersdorf und Chn. Pessler aus Crottendorf bei Annaberg mit dem Strange hingerichtet. Am 22. September trafen mehrere fürstliche Personen mit Beglei­tung zur Feier des Geburtstages der Herzogin hier ein. Der J a h r - k u c h en, den man aufsetzte, stellte das Delitzscher Schloß in Zy­pressen vor, und Bilder von Strumpfstrickern zeigten sich auf Marzipan. Seit einigen Jahren beschäftigten sich eigennützige Kaufleute und andere mit Einbringung und Verbreitung geringhaltiger Münzen des Auslandes und wucherlichem Verkehr. mit den inländischen echten zu des Volkes höchstem Nachteil, welches mit echten nur mit Zulage habbaren Sorten steuern mußte. Es erging daher am 15. Juni ein Münz-Edikt, welches dergleichen Kipper mit harten Strafen bedrohte und die Obrigkeiten aller Art zu strenger Aufsicht und Untersuchung aufforderte. Die wertlosen und geringhaltigen Münzen wurden zugleich mit Holz­schnitten, die freilich den früheren des 16. Jahrhunderts weit nach­standen, bezeichnet und in diesem und nachträglichem Edikte vom 9. Dezember dieses Jahres verrufen oder herabgesetzt. Ein Stück Roßweinisches Tuch von 22 Ellen und die während der Trauerzeit gebrauchten schwarzen Altar-, Kanzel- und Taufsteinbehänge wur­den unter 19 Kurrentknaben verteilt. Die Taufhandlungen, sonntags, setzte man wegen des ernstlich be­triebenen Katechismus-Examens um 4 Uhr an. Der Scheffel Weizen galt im Oktober 22-24, der Scheffel Roggen 21-23 Gr.


1693
Vom 11. bis 14. Januar war der Herzog (Christian II.) mit Gemahlin, ältestem Sohn und Gefolge hier, zugleich die Witwe Herzogs Philipp, 41 Personen, 7 Diener, 39 Pferde. Der Oberst Mörbitz wurde mit 4 Kompagnien kurfürstlichen Fuß­. olkes nach Merseburg in Garnison geschickt und ließ. weil man ihn nicht gleich annehmen wollte, das Tor aufhauen, die Tore be­setzen ohne Rücksicht auf die Anwesenheit des Herzogs und der städtischen Wache des Tores, eine Handlung, die von neuem Zwist zwischen die verwandten fürstlichen Häuser warf. Der Herzog zu Württemberg und Teck, auch zu Oels und Bernstädt in Schlesien, Christian Ulrich, traf mit seiner Gemahlin, Sibylla Marie, der hiesigen Herzogin Witwe Tochter und der Witwe Herzogs Philipp (Tochter erster Ehe des Herzoges Christian Ulrich) am 15. Fe­bruar mit Gefolge (27 Personen 25 Pferde) hier ein und blieb bis zum 21., ließ aber seine der Entbindung nahen Gemahlin bei der Mutter zurück. Der bisherige Kontributions-Einnehmer Schaarschmidt gab die Ein­nahme auf wegen beschwerlicher Aufbringung der Reste und über­nahm sie der Viertelsmeister Johann Koeltzsch gegen einen jährlichen Lohn von 33 Talern- mit Einschluß der Schreiberei. Der Zimmermeister Leschke erhielt vom Rate Auftrag zum Beschlage des Bauholzes in Srhkönaischer Waldung zu einer Wohnung für die Schullehrer bestimmt. Die hier bei der Herzogin Mutter gebliebene Herzogin zu Württemberg kam am 9. März mit einer Tochter glücklich nieder, welche Tages darauf in dem Tafelgemache des Schlosses von dem Hofprediger Dr. Sittig getauft ward und den Namen Sibylla Elisabeth erhielt. Die Wöchnerin besuchte zum ersten Male am Osterfeste die Stadtkirche, in welcher für dieses frohe Ereignis ein• Dankgebet verlesen und das "Herr Gott dich loben wir" gesungen ward. Ein mit der Herzogin angekommener Hofgärtner hatte den verwilderten Sch1oßgarten im vorigen Jahre und Spätherbste neu, in französischem Geschmacke angelegt und die Herzogin beging ihn am 16. März zum ersten Male. Am 22. März verpachtete der Rat den ihm zustehenden Sa1zschank , welchen bisher mit seiner Erlaubnis mehrere Höken gegen 6 Gr. jährlichen Abtrag trieben, weil sie mit Zahlung dieser Ab­gabe nicht innehielten, an die Witwe Fraehnert auf ein Jahr für 5 fl. Pachtgeld, wobei ihr ein richtiges Maß und billiger Preis, nach Befinden durch Festsetzung des Verpachters zur Bedingung gemacht ward. Im Monate März sammelte man auch milde Beiträge für die deutsche und wendische Kirche zu Vetschau in der Niederlausitz. Im Frühling. Sommer und noch im Herbst waren häufige schwere Donnerwetter mit verheerenden Stürmen und starken Regengüssen, die der Ernte nachteilig waren, daher denn auch das Getreide im Preise zu ungewöhnlicher Höhe stieg. Der Herzog (Christian II.) war am 7. und 27. Juni mit Gefolge der fremden verwandten Gäste wegen hier, am 3. Juli aber ging der Herzog zu Württemberg nach Bernstadt zurück und hielt die Bürger­schaft, ihn zu ehren, einen festlichen Aufzug. Die hier geborene Toch­ter und zwei Prinzen blieben bei der Herzogin Mutter. Am 22. September feierte man den Geburtstag der Herzogin unter anderem auch mit Einweihung der neuen S c h 1 o ß k a p e 11 e durch den Hofprediger Dr. Sittig. Am 16. Oktober gelangte die Nachricht an, daß die Herzogin zu Würt­temberg, der Herzogin Witwe letzte und liebste Tochter, am 9. Okto­ber in Bernstadt verschieden sei. Um diesen schmerzlichen und Ge­sundheit bedrohlichen Todesfall der Herzogin Mutter anzuzeigen,. rief man den von ihr hochgeachteten Hofprediger und früheren Beichtvater Dr. Valentin Sittig von Merseburg, der zwar viel über sie vermochte, aber doch nicht hindern konnte, daß sie bettlägerig ward. Vom 23. Oktober begann um 10 Uhr das Glockengeläut der Trauerzeit und die Musik ward eingestellt. Die Krankheit der Herzo­gin gab übrigens Gelegenheit, daß der damals ausgezeichnete Arzt Dr. David Lichtenhahn, welcher durch glückliche Heilung eines Gau­mengeschwüres der Herzogin, Gemahlin Augusts in Zörbig, den ge­samten herzoglich merseburgischen Familienmitgliedern sich empfoh­len hatte und auch bei der Herzogin Witwe zu Rate gezogen ward, von Schneeberg nach Delitzsch zog, wo ihm im folgenden Jahre, als Leibmedikus der Fürstin, das Physikat'der Städte und Ämter Delitzsch und Bitterfeld übertragen ward. Am 1. November kam die herzogliche Familie von Merseburg mit Gefolge hierher zum Besuche der kranken Herzogin Witwe. Der Herzog besichtigte am 3. das Innere der Stadtkirche und gab Hoffnung zu ihrer Verschönerung. Die Brauordnung erlitt durch Kommissarien einige Änderun­gen und wurden die Brauer Martin Brand, Andreas Grasshof, jener für das Brauhaus hinter dem Rathause und der Schule. dieser für das am Markte, Buchholz aber für das Breihahnbrauen verpflichtet. Am Schlosse des Jahres war keine Ratswah1 und. blieb der dies­jährige Rat auch in den Jahren 1694, 95 und 96 im Amte, wahrschein­lich auf höhern Befehl. Der Scheffel Weizen galt 30-32, der Scheffel Roggen 25-26 Gr.


1694
Im Anfange des Jahres ward die einige Wochen früher schon bemerkte Blattern - Krankheit allgemeiner und gefährlicher. In hiesiger Stadt und Umgegend kam dazu ein epidemischer Spei­chelfluß (den durch Quecksilber erregten völlig gleich), welcher Personen jeden Alters, auch Hunde und Katzen ergriff und nach der Meinung des hiesigen Arztes Dr. Westphal ebenfalls Wirkung des Blattern-Miasma war. Er machte seine Ansicht in den Ephemeriden der Naturforschenden Gesellschaft (Cent. 1 und 2, Obs. 137) bekannt und der Dresdner Arzt Dr. Schurig hat sie in seiner Sialogia histori­comedica, Dresd. 1723, 4, Cap. II § 9.p. 73 wiederholt. ; Der täglich höher steigende Preis der Lebensmittel erschwerte noch diese Krankheitsnot und man darf sich nicht wundern, wenn die Unvorsichtigkeit des Hauptmannes Ganss, welcher seine Kompagnie ohne weiteres selbst einquartierte, einen Aufstand der Bürger nach sich zog. Die Sache ward zwar am 1. Februar. durch kurfürst­liche und herzogliche Abgeordnete schiedlich hier abgetan, das Militär blieb aber wegen seiner Unbürgerlichkeit, Rohheit und Anmas­sung auf längere Zeit verhaßt. Am 10. Februar ward des Vizesuperintendenten Dr. Sittig Sohn in der Sch1oßkape11e getauft, erhielt den Namen Johann Conrad und vertrat die Herzogin Witwe Patenstelle. Am 20. des Monats be­suchte dieselbe zum ersten Male ihr erkauftes Vorwerk Sch1aditz bei Kömmlitz, wo man sie festlich empfing, vier Tage darauf aber starb ihre Enkelin, die hier gebliebene Prinzessin Sibylla Elisa­beth, deren Verlust sie heftig erschütterte und eine mehrwöchige Krankheit nach sich zog, zu welcher der herzogliche Leibarzt Dr. Glass aus Merseburg gerufen ward. Der Leichnam des Kindes kam am 1. März in die herrschaftliche Gruft zu Merseburg. Zu der durch Brand beschädigten Glocke in Landsberg ward eine Kollekte ausgebracht. Am 7. März starb der Bürgermeister Balthasar Gurre, seit 1664 Rats­herr und seit 1686 Bürgermeister, 85 1/2 Jahr alt und am 31. desselben Monats der Amtsschösser Johann Balthasar Freund, welcher am 3. April in der Kirche zu Brodau, wo er das Rittergut besaß, begraben ward. An seine Stelle kam der Rat und bisherige Rentmeister in Merseburg Christian Wankheim. Die von dem Hayne aufgegebene Organistenstelle übertrug man dem bei dem Amtsschösser Freund als Hauslehrer und Kopist ge­dienten Immanuel Koenig. Er schrieb für die damalige Zeit eine gute Hand, ward mit Beibehaltung des Organistendienstes Hof-Amts-Ko­pist, auch Kellerschreiber der Herzogin und veranlaßte durch diese den Bau der neuen O r g e 1, zu dem sie selbst einen ansehnlichen Beitrag gab. Ein Bürger und Fleischer, Hans Heilwage, der Kirche und Abend­mahl verachtete, und im Siechhause starb, ward heimlich von den Totengräbern verscharrt und nicht abgekündigt. Am 27. April starb der Kurfürst Johann George IV. an den Blattern, ein Fürst von guter Anlage und feiner Bildung, den aber der Umgang mit einem Fräulein von Neidschütz, die der Kaiser auf sein Verlan­gen im vorigen Jahre zur Gräfin von Rochlitz erhob, in Schatten setzte. Sie starb kurz vor ihm an derselben Krankheit. Folgende notariell beglaubigte Abschrift herzoglicher Verordnung vom 10. Juli d. J. ward mit gleichfalls beglaubigter Abschrift kaiser­lichen Befehls vom 10. Oktober 1692 dem Bürgermeister Balthasar Gurre eingehändigt (diesem nur der kaiserliche Befehl vom Notar Becker und zwei Zeugen) mit der Weisung, daß es auf herzoglichen Befehl geschehe, aber erst später zu den Akten gebracht.
„Von Gottes Gnaden Wir Christian der Andere, Herzog zu Sachßen, Jülich, Cleve und Berg etc. Fügen Euch Unsern in dem Ambte Dölizsch einbezirkten nachverzeichneten Schriftsassen hiermit zu wißen, was gestalt wir mit sonderlicher Befremdung vernehmen, ob soltet Ihr von des Herrn Kurfürstens zu Sachßen, Unsers freundlich viel­gesiebten und hochgeehrten Herrn Vetters und Gevatters Ldn. zu der bevorstehenden Huldigung gleich Dero eigenen Unterthanen mit citiret worden sein. Wenn Euch aber erinnerlich, daß vermöge Ihrer Röm. Kaiserl. Ma­jestät Unsers allergnädigsten Herrns den 10. Octobris Anno 1692 an Euch ergangenen Decretes, so Euch durch geschworne Notarien und Zeugen nach Ausweis des darüber aufgenommenen Instruments rich­tig insinuiret worden, an Uns, als Euren rechtmäßigen Landesfürsten und Erbherrn und Unser Fürstliches Haus Ihr hinwieder angewie­sen, und dahero niemanden anders als Uns die Huldigung zu leisten schuldig seyd - Alß wollen Wir Euch nicht allein der Schuldigkeit gegen Uns erinnert, sondern auch die Erscheinung und Einlaßung zur Huldigung an Hochgedachte des Churfürsten Ldn. hierdurch in­hibiret und zugleich befohlen haben, daß Ihr weiter keine Verord­nung von daher, sondern allein die Unsere annehmet, und derselben gebührend nachlebet. Wie Ihr hierdurch allerhöchstgedachter Ihrer Kaiserl. Maj. Euch intimirten allergnädigsten Intentionen ein Genüge thut, Also volbringet Ihr daran Unsern ernsten Willen und Meinung, Es wird auch ein jeder der Insinuation halber sich zu unterschreiben wißen.
Datum Merseburgk, den 10. Julii Ao. 1694.
Christian HZS."

.,Leopold, (tit.) Uns hat des Herzogs Christian des Anderten postulir­ten Administratoris des Stifts Merseburg Ldn. in Unterthänigkeit zu vernehmen gegeben, wie daß Sie, nachdeme die vorhin von Uns in­tendirte gütliche Beilegung deren zwischen Ihrer und des Herzogs zu Sachßen Naumburg Ldn. Ldn. an einem, sodann des Churfürstens zu Sachßen Ldn. am andern Theile geraume Zeit obschwebenden Differentien nunmehro ganz außer Hoffnung gestellet worden, resolviret seye, den Weg Rechtens hinwieder zu ergreifen und die vor­hin wegen Euch eingereichte Klage zu reassumieren, sich dahero auff Ihre bei Uns dießfalls unterm acht und zwanzigsten Maii sechzehn Hundert fünff und achtzig überreichte Klage beziehend, mit gehor­samster Bitte, Wir Ihrem darinnen gethanem petito zu deferiren und sowohl an obgedachten Churfürstens zu Sachsen Ldn. alß Euch Unsere gemessene Kaiserliche Verordnung ergehen zu laßen, gnä­digst geruheten; Wie Wir nun. nicht umhin gekont, solch Ihrer Ldn. gethanem, billigen Ansuchen in Gnaden zu deferiren, und zu dem Ende an mehr gedachten Churfürstens zu Sachsen Ldn. dahin zu rescribiren, daß Sie krafft des den zwey und zwanzigsten Apriles sech­zehen Hundert sieben und funfzig, wie auch den funfzehnten Augusti Anno sechzehen Hundert und sechzig gefolgten Vergleichs Euch wie­der an supplicirenden Administratoris Lden. überlaßen und anwei­sen, Euch von denen geleisteten Pflichten relaxiren, jetztgedachte Ihre Lden. in Dero vorige und in etlich und zwanzig Jahre gehabte Possession restituiren, und also denen obbemeldeten Vergleichen sich gemäß bezeigen wollen, damit fernere Klage verhütet werden möge, Alß ist benebens auch Unser gnädigster Befehl an Euch hier­mit, daß Ihr alles dasjenige an Ihre des Administratoris zu Merse­burg Lden. leistet, wozu ihr den 9. Anno sechzehen Hundert ein und sechzig von denen damaligen Chursächsischen Commissarien ange­wiesen und etlich und zwanzig Jahr"beobachtet worden, damit Wir in widrigen wider Euch schärfere Process zu erkennen nicht nöthig haben. Hieran beschicht Unser ernstlicher Wille und Meinung. Und Wir seynd Euch mit etc. Eberstorff den 10. Oetobris Anno 1692."

Am 22. Juli starb Johann Kippolt, dem das Kinderlehren in hiesiger Vorstadt vom Rate verstattet war. Frühling und Sommer war den Feld- und Gartenfrüchten überaus günstig, daher eine reiche Ernte und Sinken der übermäßig gestiegenen Getreidepreise: Die Kanne Bier, welche man schon auf sieben Pfennige von sechs erhöhen wollte, ward im September wieder auf fünf herabgesetzt. Auf Kosten der Herzogin Witwe war schon im vorigen Jahre die Kirche geweißt und die Fertigung eines neuen Altares durch Künstler des Hofes in Merseburg vorbereitet worden. Er kam anfangs des September zur Aufstellung und ward am 22. dieses Mo­nats in Gegenwart des Herzoges von Merseburg und seiner Gemahlin, des Herzoges Heinrich von Dobrilugk und seiner Gemahlin, des Her­zoges August von Zörbig, der Witwe des Herzoges Philipp und vieler anderen, vornehmen Personen mit einer Predigt des Dr. Sittig festlich eingeweiht. An demselben Tage machte die Herzogin noch mit dem purpurfarbenen geblümten Altar- und Kanzelschmucke und mit dem vergoldeten Seiger der Kanzel ein erfreuliches Geschenk. Bisher waren die Schieferdächer der Kirche ohne besondere Auf­sicht und man brauchte den Schieferdecker nur dann, wenn durch Vernachlässigung kleiner Schäden ein großer, kostspieliger entstand. Am 3. Oktober aber übertrug man dem Schieferdecker Johann Deyacke von Merseburg die jährliche Besteigung und Besserung der Dächer für einen jährlichen Lohn von 6 Gülden. Man gab ihm hierzu das Material, den Handlanger aber lohnte er. Hauptreparaturen wur­den nach besonderen Verträgen gelohnt. Am 19. Oktober, nachts zwischen 11 und 12 Uhr, starb nach kurzer Krankheit der Herzog und Landesfürst Christian II. in Merse­burg. Die verwitwete Herzogin Erdmuthe Dorothee forderte gleich tages darauf von den Behörden, daß sie eventuell dem Erbprinzen Christian Moritz mit verpflichtet, sich treu bezeigen, nichts Widri­ges und Nachteiliges vorgehen lassen, im Gegenteil unverrückten Stand halten sollten, bis man der Vormundschaft halber die nötige Anstalt getroffen und machte ihnen die Meldung bedenklicher Ereig­nisse zu besonderer Pflicht. Da nun fast zur gleichen Zeit von Leipzig aus durch die kurfürstli­chen Kommissarien, welche 1691 die Huldigung für den Kurfürsten auf dem Reservate angenommen hatten, Erinnerungen an den Rat eingingen, bei vorkommenden, den kurfürstlichen Rechten zu nähe tretenden Fällen bei schwerer Ahndung ja der Pflicht eingedenk zu sein und dieser entgegen nichts zu verhängen, so berichtete dieser zwar treulichst, erhielt aber wegen vieler anderer mit dem kurfürst­liehen Gesandten und dem Domkapitel vorkommenden Affären, wie es in einem Schreiben der Geheimen Kammer-Kanzlei vom 30. Okto­ber ausgesprochen, keine fürstliche Resolution, die auch, weil bald darauf, (am 14. November, abends nach 6 Uhr) der Erbprinz Christian Moritz an den Blattern starb und mit seinem Tode neue, viel bedenk­lichere Besorgnisse eintraten, zu erlangen nicht möglich war. Nach langer Unpäßlichkeit erschien die Herzogin Witwe am 2. Dezember zum ersten Mal wieder bei Tafel und am 24. dieses Monats ging die Nachricht ein, daß der älteste Prinz, Moritz Wilhelm, in Merseburg tages vorher zum Administrator des Stiftes postuliert worden sei. Der Bürger -und Weißgerber Christian Leschke, 35 Jahre alt, ließ durch sein Dienstmädchen für Waren falsche Nordhäusische Dreier ausgeben und kam in Untersuchung. Man fand bei ihm mehrere falsche Dreier, zum Prägen abgerundete Kupferbleche, zwei Prägestöcke und eine Prägezange in einem alten Tornister und er­hielt er zwar in der am 15. Februar des folgenden Jahres an ihm vollzogene Tortur, daß er diesen Tornister mit seinem ganzen Inhalte von einem unbekannten Graveur aus Freiberg gekauft, die Prägeinstrumente weder gefertigt noch gebraucht habe, war aber bei dem Geständnisse der Ausgabe mehrerer der angeblich erkauften von ihm als falsch erkannten Dreier, deren Wert er selbst auf 7 1/2 Gr. bestimmte, durch das am 28. Februar 1695 eröffnete Endurteil des Leipziger Schöppenstuhles des Landes auf ewig verwiesen. Der Scheffel Weizen galt 23, der Roggen 18 Groschen.


1695
In Februar waren Unterhandlungen zwischen der kurfürstlichen Obervormundschaft und der hiesigen Herzogin Witwe in Merseburg wegen Feststellung künftiger Verpflegung der Herzogin. Die Bevollmächtigten, von kurfürstlicher Seite der Baron von Friesen auf Rötha, von herzoglicher der Hofmeister von Dieskau mit dem Wit­tums-Sekretär Schatter, einigten sich am Ende des Monats in einem Rezesse, den die Herzogin Witwe am 15. März unterzeichnete und ihr am 21. desselben Monats vom Kurfürsten vollzogen durch den Kammerdiener des von Friesen überreicht ward. Einer Waschmagd des Schlosses, die sich am 9. April mit dem hiesigen Schlosser Carnal verehelichte, gab die Herzogin in dem neuen Waschhause des Schlosses einen Hochzeitsschmaus. Der Herzog Heinrich kam am 24. April mit der P o s t von Leipzig zum Besuche der Herzogin Mutter und reiste tages darauf nach Leip­zig zurück. Ihn begleitete der Wittums-Sekretär, Schatter, welcher an diesem Tage daselbst 6 000 Gülden Deputat der Herzogin Witwe zu erheben hatte. Am 20. Mai ging der fürstliche Hofmeister von Dieskau nach Merse­burg zu der Huldigung und gleich darauf angesetztem. Stiftstage. In der Nacht vom 23. zum 24. Mai fror es so stark, daß Weinstöcke, Nußbäume, alle Gartenfrüchte verloren gingen, auch viel Roggen zu schaden kam. Überhaupt hatte man sich bis dahin weniger warmer Tage zu erfreuen gehabt. Bis zum Mai war fast keine Nacht ohne Frost und in diesem Monate fast kein Morgen ohne Reif, der Tag in der Regel kalt. Alles blühte und reifte um einige Wochen später und das Getreide erlangte im Spätjahre von neuem einen hohen Preis. Der Küster Adam Lochner, seit 32 Jahren hier und vorher 12 Jahre in Freiroda -als Schulmeister im Amte, starb am 7. Juni und sein Sohn Daniel, der ihn seit einiger Zeit unterstützt hatte, erhielt den Dienst. Am 8. Juni starb der Superintenderit Dr. Bilefeld in Wernigerode, wohin er wenige Tage vorher zum Besuche seiner Tochter, der ver­ehelichten Pfarrer Bodinus gereist war, im 76. Jahre am Schlage. Der Superintendent Dr. Sittig verehelichte sich wieder mit der Toch­ter des Kammer-Direktors Reinhard in Merseburg am 10. September, sie kam am 30. des Monats hierher und gab am 1. Oktober ein Gastmahl, bei welchem auch die Herzogin mit ihrem Hofstaate zugegen war. Sittig bewohnte aber damals des Chirurgen Hartmanns am Markte gelegenes Haus. Der Herzogin Geburtstag, der 22. September, ward auch in diesem Jahre wie immer festlich begangen. Außer den verwandten fürstlichen Personen nahm dieses Mal auch noch der Geheimrat Stryck und der berühmte Arzt Friedrich Hofmann von Halle daran teil. Früh um vier Uhr brachte der Hofmeister v. Dieskau und Haupt­mann v. Harling, begleitet von 24 Fackelträgern, auf der Schloß­brücke eine Musik mit Flöten und Rogal zum Fundamente, auch sang man eine Arie ab. Die Hoftrauer nahm an diesem Tage ihr Ende und das Militär paradierte auf dem Sch1oßp1atze mit voller Musik. Der seit einigen Jahren eingerichteten, von Leipzig auslaufenden Fahr - Posten bedienten sich auch fürstliche Personen, die zum Besuche hierher kamen und wurden im Oktober dieses Jahres zuerst in Leipzig und Dresden eichene Spitzsäulen gesetzt, auf welchen die Entfernung der im Laufe der postliegenden Ortschaften nach Meilen angegeben war. Am 24. Oktober fing man an, die Sch1oßturmhaube zu richten und am 30. dieses Monats wurden an der Brücke die Pyramiden gesetzt. Der Stadtrichter, Land- und Tranksteuer-Einnehmer Samuel Elias Fischer, ein Sohn des ehemaligen hiesigen Stadtschreibers Elias Fischer, seit 1675 ein ehrenwertes Mitglied des Rates, starb am 15. Dezember und am 22. desselben Monats begrub man den hiesigen, aus Löbnitz gebürtigen Fleischerlehrling Michael Krause, welcher auf dem Rückwege vom Viehhandel, in strenger Kälte, nahe der Stadt sich niedergesetzt und erfroren war. Der Scheffel Weizen galt im Juni 24-26, im Dezember 21-23, der, Scheffel Roggen im Juni 18-21, im Dezember 15-17 Groschen.


1696
Der Stadtschreiber und Syndikus Spitzner, dessen Arbeiten sich durch die Geschäftsverbindungen mit zweien, sich argwöhnisch beobachtenden Höfen, durch die Beeinträchtigungen des Militärs, durch den Einfluß des hiesigen Hofstaates, durch Wiederaneignung und Anbau der Wüstungen, steigende Volkszahl, erhöhten Gewerbsbe­trieb, schärfere polizeiliche Aufsicht usw.. über das Doppelte bis zur Ermüdung vermehrt hatten, erhielt einen Gehilfen, Johann Hart­mann, den Sohn des Tuchmachers Heinrich H. in Merseburg, welcher in Leipzig die Rechte studiert hatte, in Anwendung derselben aber Anfänger und deshalb vor. der Hand kein besonderer Förderer war. Im Januar, der wie der Februar'viele heitere milde Tage hatte und den Reisenden günstig war, trafen, die Herzogin glückwünschend zu begrüßen, nicht nur die Söhne mit ihren Familien, der Herzog von Wolfenbüttel, Anton Ulrich mit starkem Gefolge (32 Personen und 25 Pferden), sondern auch andere vornehme Personen hier zusam­men, deren Unterkommen und Besorgung auch des Rates Tätigkeit vielseitig in Anspruch nahm, Für den Hufschmied Christoph Carnal, welcher nach Halle zog, hier aber im Defensionswerke als Defensioner begriffen war, mußte sein Schwager, der Ratherr Reineccius, bürgen, daß er sich hier einfinden wolle, so oft es erforderlich sei. Der Rat übertrug dem Bürgermeister Hiersebrod die Aufsicht über die S c h u l e, und dem Ratherren Gottfried Schulze die Einnahme der Pfennigsteuer, die er wegen der Verdrießlichkeiten bei der Erhebung nur auf vieles Zureden übernahm. Man legte dem bisherigen Gehalte von 15 Gülden noch neun Gülden zu, solange diese Abgabe bestehe und nicht etwa durch Einführung der Akzise beseitigt werde. Am 18. Februar, vormittags 11 Uhr, starb der Besitzer des Ritter­gutes Lemsel, von Crostewitz, ohne Lehnserben und setzte sich so­gleich hiesiges Amt in den Besitz dieses Gutes für die Herzogin Witwe, an die es vermöge eines Exspektanzscheins verfallen war. Den fünf Landfleischern, Lästerern, aus Löbnitz, Linden­hain, Zschortau, Lemsel und Brodau ward anbefohlen, wöchentlich ein Rind der Reihe nach zu schlachten und auf die Bank zu bringen, damit die Stadtfleischer bei strafbar verhängtem Mangel an Rindfleische in dieser Beziehung keine Entschuldigung hätten. Nach Übergabe des Rittergutes Lemsel vom Amte an die Herzogin Witwe ward am 31. März der Gleitsmann Christoph Seholler als Gerichtsverwalter daselbst verpflichtet, durch die Kommissarien, den Hofrat Dr. Krausold aus Merseburg und hiesigen Amtmann Rat Wankheim nicht nur das Inventarium von den Landerben erhandelt, sondern auch Lehn und Erbe getrennt und wegen der haftenden Schulden das Nötigste festgesetzt. Im April und Mai waren die Söhne der Herzogin, August und Hein­rich mit Gefolge vier Wochen fast anwesend und ward am 28. Mai dem wiederherstellten Sch1oßturme der neue Knopf mit Fahne aufgesetzt. In den Knopf legte man einige Verse und kurfürstliche Münzen vom Taler bis zum Pfennige herab. In demselben Monate baute man auch die Wendeltreppe des Schlosses und nahm einen Boten an nach Leipzig, der wöchentlich zweimal dahin­ging und mit einem Schilde bezeichnet war. Am 8. Juni kam die Herzogin Witwe, Erdmuthe Dorothee mit ihren Söhnen Moritz Wilhelm und Friedrich Erdmann von Merseburg, auch ansehnlichem Gefolge hier an. Der Hofmeister von Dieskau fuhr eine halbe Meile entgegen, die Bürgerschaft war im Gewehr und der Rat empfing sie im Tor. Bei ihrem Abgang erhielt sie dieselbe Ehrenbezeigung. Am 30. Juni entstand zwischen dem Militär und der Bürgerschaft ein Tumult, wo, wie es scheint, der Bürger Wend als Anreger beschuldigt ward. Die Untersuchung begann am 21. Juli durch die Kommissarien von Fulde, Oberst-Leutnant Wustromerski und Hauptmann von Möllendorf und ward in Beziehung auf die Bürgerschaft nur durch vielseitige Verwendungen und Bitten mit einem Aufwande von mindestens 200 Talern beigelegt. Bei dem im Hospitale versorgten Haas Loth, welcher am 2. September starb, fand man 200 Taler, weshalb er nicht wie ein Hospitalit, sondern mit einer Leichenpredigt beerdigt ward. Am 27. Oktober war die Herzogin von Zeitz, Marie Amalie, mit 26 Personen und 20 Pferden hier, vom 28. November an aber vier Tage die Herzogin Witwe von Merseburg, doch traten dieses Mal nur 50 Bürger ins Gewehr. Der Diakon Mr. Adam Schumann, welcher mit dem Archidiakon Mr. Ilgen am zweiten Pfingstfeiertage in der Sakristei einen unan­genehmen Auftritt gehabt hatte, der zur Kenntnis des Konsistoriums kam, suchte Zeugnisse über sein Leben und Amtsführung bei der Bürgerschaft, fiel, weil man dieses ungehörig fand, in Schwermut und endete, als ihn diese verließ, am 23. Dezember an Entkräftung. Seine Leipziger Verwandten und Freunde, unter welchen auch der Rektor der Universität, sprachen ihre Teilnahme in gedruckten Ge­dichten aus. Die Stelle ward erst im künftigen Jahre besetzt. Im Dezember galt der Scheffel Weizen 20-23, Roggen 11-12 Gro­schen.


1697
Der Januar und Februar hatte im hohen Grade Kälte und viel Schnee, der Frühling meistens kalte Nächte, doch günstige Tage für die Frucht. Die Mühle zu Benndorf ward am 10. Februar von dem Stadtmüller Hofmann, Müller Graupner in Naundorf und dem Richter Hammer in Benndorf gewürdert und Haus mit Mühlwerk 450 Gülden, die dabei befindliche 1 1/2 Hufe in drei Feldern 150 Gülden, die Wiese aber von ungefähr 3 Ackern 350 Gülden, das Ganze mithin 950 Gülden abgeschätzt. Zu der Stelle des im vorigen Jahre gestorbenen Diakon Schumann erhielt am 19. April den Ruf der Kandidat der Theologie Mr. Chri­stian Doebler in Leipzig, welcher am 9. Juniseine Anzugspredigt hielt. Er war der Sohn des Kaufmannes David Doebler in Danzig, geboren 1669, hatte die dasige Schule besucht, in Leipzig Theologie studiert und die Magisterwürde erlangt. Die Herzogin empfahl zwar den Kandidaten Bach und Pfarrer Koeppe und der Superintendent gab sich alle Mühe, die Wahl auf den Pfarrer Koeppe hinzuleiten, der Rat aber, welcher fürchtete, daß durch Eingehen auf die fürstlichen Vorschläge das freie Patronatsrecht künftig gebunden werden möchte, was hier nicht ohne Beispiel war, blieb, ungeachtet des Urteils des Sittig über die Probepredigt des Doebler - der Mr. Doebler sey zwar ein feiner Mensch - habe auch eine feine Predigt gethan - sie hätte aber doch beßer celebriret werden können - hätte ein vitium lin­guae - indem er schnarrte - übrigens aber eine feine Ausrede - ein­stimmig auf ihn stehen, uni gab ihm den Vorzug. Am 11. April starb der Kramer Jonas Grosse auf dem Gerberplane im 92. Lebensjahr, ein Alter, das hier nur selten erreicht wird. Eine junge Türkin, Mepha, welche ein kursächsischer Reiter, Hans Bettmann, nach Eroberung der Festung Ofen, (1686) als sechsjähriges Kind mit sich genommen, hierher gebracht und erzogen, der Archidiakon aber in der christlichen Religion unterrichtet hatte, ward am 25. April in der Stadtkirche getauft, und Christiane Sophie ge­nannt. Sämtliche Ratsherren waren Taufzeugen und die Getaufte empfing außer den Geschenken der einzelnen noch aus der Kommunkasse 6 Taler als Patenpfennig. Am 23. Mai trat der Kurfürst Friedrich August in Baden (Nieder­österreichischen) zur katholischen Kirche und ward am 17. Juni zum Könige von Polen gewählt. Er gab in einem Patente vom 27. Juli (7. August), welches man auch hier öffentlich anschlug, das könig­liche Versprechen, daß dieser Rücktritt zu dem religiösen Bekennt­nisse der Vorfahren an den Privilegien der Stände nichts ändere, Landstände und Untertanen bei der Augsburgischen Konfession, her­gebrachten Gewissensfreiheit, bei ihren Kirchen, Gottesdiensten, Zeremonien, Universitäten, Schulen usw. kräftigst geschützt und erhalten werden sollten. Diese offene Erklärung des Königs, dessen Ritterlichkeit man ehrte, kam zu rechter Zeit und wirkte, daß die von Dresden aus unter den Vornehmen des Landes verbreitete seltsame und den Protestantis­mus bedrohende Geheimnachricht (Arcana) ihren Stachel verlor und man in den Schranken der Besonderheit blieb. Eine Mitteilung der Art, die sich im Originale erhielt, mag der Seltenheit wegen in treuer Abschrift hier eine Stelle finden.

„Arcana
1. Daß der Pabst durch seine Creaturen in Leipzig suchet eine Banke - von 12 Millionen aufzurichten und hierzu Gelder schon parat, auch die Päpstlichen Banquirer schon in Dresden, ea conditione, daß von diesen 12 Millionen 6 in Banco stehen bleiben, 6 aber dem Könige in Pohlen vorgeschoßen werden sollen, doch gegen der Churfürstl. Hertzoge von Sachsen assecurirte Guarantie, worunter man suchet Bisthümer Naumburg Merseburg Meissen und etliche Hauptstifte sich Päpstlicher Seite zu versichern, welches aber unter Kaufman­nes und Banquirer Prätext sehr secretiret wird und von Fürstlicher Seiten resoluiret.
2. Daß schon würklich Päpstliche Plenipotentiarii in Dreßden seynd, welche Königliche und Churfürstliche Ordre an den Inspector der Schul Pforte Herrn von Rockhausen item an den Amtmann zu Meißen ausgeliefert um einen gewißen bey der Reformation in den Kirchen und Begräbniß Grufften in der Schul Pforten im Dohm und unter dem Schloßgange zu Meissen, item im Chor der Hauptkirchen zu Wittenberg vergrabenen Kirchen Ornat, auch In­fuln, Caseln, Kelch, Patenen, Bischoffstäben, Leuchtern, Ampeln und andern dergleichen auszugraben, wovon die Specification durch einen in Dreßden sich befindenden Dominicaner, Böhmi­scher Provinz in secretis gezeiget, auch ferner gemeldet worden ist, daß seit der Reformation alle 5 Jahr von Rom und Prage aus 4 Patres unter weltlichem Habit gesandt worden da denn es die alten den jungen, wo dieses Schatzes Ort wäre gezeiget, und also die Sicherheit, wo dieses vermauert worden, beybehalten.
3. Daß man bei Hebung dieses Ornats in Wittenberg dahin trachten sollte, wie man ein Sceleton aus der Kirchen mit weg bringe, was für eines es sey und daß man in Rom den 15. Junius vermittelst eines Consistorial Schlußes decretiret, solch Sceleton zu Rom unter dem Namen des Erzketzers Lutheri verbrennen und die Asche aus einem Mörser in die Luft verstreuen zu laßen und des Lutheri Adhärenten hierdurch ein Schämen zu verursachen, die Wider­spenstigen aber zur Beschimpfung und Raison zu bringen.
4. Wird für den Prälaten in Bautzen, vermöge versprochenen Bünd­nißes selbigen nebenst dem ganzen Catholischen Kirchenwesen in Statu quo zu laßen, sessio, praecedentia et votum im oberen Mini­strial Consistoria praetendiret, alias contra Pactum stratas quo solenniter protestiret und mit Aufhebung des Pacti gedrohet.
5. Denen Jesuiten soll das Jägerhaus in Alten Dreßden vermöge Pacti, sub nomine missionariorum sedis Apostolicae zu ihrer Residenz übergeben, auch in Leipzig das Barfußer Kloster armen Catholischen Studenten überliefert werden, welchen der Pabst unter dem Titel Hospitulariorum St. Johannis Dei eine Pension zu machen versprochen, um bey denen in Meßzeiten aldort kränkenden Ita­lienern Guisons, Milonesern und anderen halbwellischen oder Wal­Ionen eine brüderliche und christliche Liebe durch seinen Dienst zu erwecken.
6. Daß die Patres der Böhmischen Provinz sub Auspicio beatissimae virginis Mariae et St. Johannis etc. Nepomuceni, welcher von Wen­zeslao in die Moldau gestürzet und bis ins Meer soll geschwommen, auch erstlich bei dem Heiligen Lande unter Ditmarschen soll aufge­fangen und begraben seyn, welcher auch des Erzketzers Lutheri künftigen Schwarm, den großen Abfall und die zukünftige Be­kehrung vorhero prophezeyet haben soll, und dahero vor einen Patron der Verschwiegenheit und der glücklichen Hinausführung verborgener Sachen eifrigst verehret, und in allen Böhmischen, Oesterreichischen und Ungarischen Kirchen publice exponiret wird, ,daß, sage ich, bemeldte Patres, wenn solche von dem Schul-Inspectore Rockhausen in der Schul Pforta zu Hebung des Ornats, item in dem Dohm zu Meißen durch Amtmann Beckern zu Hebung des Bischöfflichen Schatzes introduciret worden, den verborgenen Or­nat eilfertigst heben, an den Erzbischoff in Prag, als Vicarium Papalem Prouincia generalem verwahrlichst sub inuentario posses­sionirte in loco bleiben und wider allen Anfall martyrica constan­tia tanquam a sanctissima matre Ecclesia sponsa Christi oblati, auch des Todes als des Ausgangs gewärtig seyn sollen.
7. Daß der Bischoff von Raab als wirklicher Meißnischer Bischoff die Schul Pforte zu ehren der Heiligen einzuweihen, den Prämon­stratenser Orden alda einzuführen, und sich selbst als Prälaten vorzustellen und nebst dem Cardinalat die Benediction zu Rom empfangen sollte, welcher denn zu dem Ende würklich nach Rom aufgebrochen, um das Angefangene zum effect zu bringen, und ehestens wieder erwartet werde.
8. Daß der Cammer Rath Delow, so des Bischof fs zu Raab und Meissen Confident und Rath eine Liste aller Klöster in Sachsen, wo sie gelegen, was deren Revenuen, zu welchem Orden sie gehören, auch was selbe vor dependentien und Fundations Gründe gehabt, nach Rom einsenden müßen, um in der Camera fisci St. Petri nachzu­sehen, in was vor Stande selbige für dem gewesen, und ietzo nutz­bar genoßen werden, auch wie etliche selbiger ietzo zu Lehn ver­geben, und Adelichen Dominate unterworfen, reduciret werden können, um den Bischoff durch ein Breve an die Hand zu gehen, was hierinnen zu thun oder zu laßen."

Ein junger Bürger und Bäcker, Gottfried Petsche, der am 28. Juli 'spät von einer Hochzeit mit der Musik nach Hause über den Kirchhof ging, äußerte gegen den Küster Lochner in einer etwas schwermüti­gen Stimmung, daß er eine große Sünde getan und getanzt habe, sprach auf die ihn beruhigen sollende Einrede desselben, er solle kein Narr werden und seine Familie beschämen, - ob er irgend in Halle bei den Atheisten gewesen und sich was vorsagen lassen? - „Herzer Bruder, wenn du nur eine Predigt daselbst hören solltest, sie würde dich gleich von der Welt abziehen - sie sind nicht Atheisten, sondern Pietisten - Hier sind die Atheisten - die Weltkinder!" - und antwortete endlich auf die Frage: Was den Geistlichen fehle, ob sie nicht Gottes Wort lehrten? „Sie predigen wohl, sie tun aber nicht danach - wie der Doktor (Superint. Sittig), der predigt von der De­mut, ist aber selbst ein hoffärtiger, aufgeblasener Mann." Der Küster hielt es für seine Schuldigkeit, diese beleidigende Rede, die er von den Begleitern gehört glaubte, seinem Vorgesetzten anzuzeigen und die­ser veranlaßte einen mündlichen Bericht des Vorgefallenen an den Rat. Der Verklagte gestand aber die persönliche Beleidigung nicht zu, wollte nur von Hoffart im Hause des Superintendenten gespro­chen haben und da die angegebenen Zeugen versicherten, daß das Ge.spräch zwischen Petsche und Lochner innerhalb der Küsterwohnung vorgefallen, sie aber sich außerhalb befunden und deshalb von den geführten Reden nichts; nur beim Herausgehen aus dem Hause von Petsch, daß er, der Küster, alles angeben könne, gehört hätten, so blieb die Sache liegen, die zwar an sich unerheblich, doch zum Be­weise dient, daß auch hier der Pietismus Anklang fand, und der Name Pietist verbreitet war. Im Juli und August war unter anderen Besuchen bei der Herzogin auch die Komtesse von Schwarzburg, Marie Magdalene, Kanonissin des. Stifts Quedlinburg und der Herzog von Sachsen-Saalfeld, Chri­stian Ernst mit seiner Schwester Charlotte Wilhelmine und Gefolge (13 Personen und 11 Pferde). Der Rat, verpachtete dep Hälter an der Stadtmühle mit dem neuen zwiefachen Fischkasten unterhalb der Mühlräder um 4 Gülden an den Fischer Conrad Krause auf ein Jahr, auch die Garküche gegen Beköstigung der beiden Ratsstallknechte und Zahlung des Erbzinses an 1 Gülden 11 Gr. - an die Kirche, an Christian Heller, welchem jedoch zum Unterhalte der Knechte noch 1 Wispel Korn, 6 Scheffel Weizen, 1 1/2 Schock Stroh und 2 Gülden für Getränke gegeben ward, auch überließ man dem Brauer Andreas Grasshof das alte Hirtenhaus, sonst Terminei genannt, mietweise auf ein Jahr. Der Wert eines Bierloses zu 1/2 Gebräude (Ganze braute man schon seit längerer Zeit nicht mehr) war 12 Taler; 1/z Weißbiergebräude 8 Tlr., und so viel erhielt die Kommun für die Lose des Trautvette­rischen Hauses, welches für Schuld an sie gekommen war. Am 3. September ward zum Bedürfnisse der Ziegelscheune von dem Tuchmacher Christian Tietze ein Stück seines Hospitalfeldes von 62 1/2 Ruten an der Eilenburger Straße gegen Werben gelegen, gegen ein gleichgroßes der Kommun nach Döbernitz zu, umgetauscht. Die Viertelsmeister bewilligten zu dem Mustermonat wegen der Defensioner und zu Bezahlung der Einkleidung dreier neuer Defensioner am 18. Oktober die Anlage eines Quatembers. Schon im Jahre 1666 dachte man die durch den Dreißigjährigen Krieg aufgelöste Schützengese11schaft zu neuen Schießübungen wieder aufzurichten, der Rat war auch behilflich undversprach den Aufbau eines neuen Schießhaus e s auf dem Anger, die Bürgerschaft war aber zu entkräftet, es fanden sich nur wenige Teilnehmer und das Vorhaben. ruhte bis auf eine bessere Zeit. Im Jahre 1675 kam es jedoch, hauptsächlich auf den Betrieb des Kaufmannes Michael Mehner, eines geübten Schützen, wieder in Anregung und suchte der Rat zuvörderst die herzogliche Vergünstigung und das vordem genossene ganze steuerfreie Königsbier. Die Gesellschaft trat nun in diesem Jahre (1697) zusammen, wählte den Kaufmann Mehner zum Hauptmanne und der Rat beschaffte zum Baue des S c h i e ß - h a u s e s das nötige Holz, welches am 25. Oktober dem Zimmermeister Martin Weickard zum Beschlagen verdingt ward. Der Scheffel Weizen galt im Juni 24-26, der Scheffel Roggen 18-20 Groschen.


1698
Haubold von Schönfeld, auf Löbnitz, trat als Kammerjunker in den Dienst der Herzogin. Auf die im vorigen Jahre eingegebene Bittschrift der Bürger und Vorsteher der Schützengesellschaft kam nun am 23. März an den Rat folgender günstiger Befehl: „Von Gottes Gnaden Friedrich Augustus König in Pohlen, Hertzog zu Sachsen, Jülich Cleve, Berg, Engern und Westphalen, Churfürst etc. vor Uns. in Obervormundschafft, wie auch wegen Hertzog Augusti zu Sachsen Lbdn. in übertragener Mitvormundschafft unseres Vetters Hertzog Moritz Wilhelms zu Sachsen, postulirten Administratoris des Stiffts Merseburg Lbdn. Lieben Getreuer, Was an Uns die Bürger und Vorsteher der Schützen-Gesellschaft zu Delitzsch wegen Aufbauung des hie-bevor eingegangenen Schießhauses unterthänigst gelangen laßen und darbey angeführet, solches erhellet aus der Original-Inlage mit mehren; Wie nun dieses sehr nöthige und nützliche Werk mehr zu befördern als zu verhindern seyn will, zumahlen da das Holz bereits die Schützen mit ihren eigenen Pferten von weitem angeführet, Sie sich auch anheischig gemacht, wann berührtes Schieshaus in Dach und Fach gebracht worden, auf ihre Kosten auszubauen, auch kein ander Bier darin zu schenken, Als befehlen wir euch hiermit gnädigst, Ihr wollet nicht allein zum Baue dergestalt schleunige Anstalten machen, daß längstens auf näclistkünfftige Pfingsten mit dem Schießen der Anfang gemacht werden könne, sondern auch Inhalts des aus Unser Ober-Steuer-Einnahme ergangenen Befehls, Supplicanten Selbsten das Bier jährlich abbrauen laßen. Wornach Ihr Euch zu achten und geschieht hieran Unsere Meinung. Datum Merseburg am 21. Martii Ao: 1698.
Johann Wilhelm Reinhardt
Johann Jacob Languth S.
Unserm Lieben getreuen dem
Rathe zu Delitzsch.

Als dieser Befehl kam, war das Haus schon zum Aufrichten fertig, die Gesellschaft erhielt von Merseburg aus eine neue seidene Fahne, vom Hofmaler eine allgemein bewunderte Scheibe und so feierte sie in der Pfingstwoche nach fast siebzigjähriger Unterbrechung zu großer Freude der Stadt und Umgebung ihr erneuertes Bürger- und Schützenfest. Auch die vordem gewöhnlichen Sonntags-Schießübun­gen hielt man und als beim Abschießen die Kompagnie der Herzogin in einer Parade ihren Dank bewies, ward ihr der große silberne Becher geschenkt, den sie noch besitzt. Im Monate September fing man an, den Schloßhof zu pflastern, auch ward das Schloßtor neu in schönerer Form ausgeführt und der Garten mit drei neuen Toren und zwei Türen versehen. Um der überhand genommenen Straßenbettelei um und in der Stadt zu steuern, verordnete der Rat in einem Patente vom 10. Oktober eine monatliche Hauskollekte, die der Bürger August Herker zu erheben beauftragt war. Die Gemeinde Grabschütz, welche sich seit mehreren Jahren erlaubt hatte, die Grabschützer Wiese der Kommun nach abgebrachten Grummet mit ihrem Vieh zu behüten, verlangte diese Hutung, als der Rat sie der Aufseherei über die Wiese verstattete und diese pfändete, als ein Recht,. welchem zwar der Rat entgegentrat, doch aber auf Zurede des Amtmannes Wankheim insofern aufgab, daß er der Gemeinde die Hutung 14 Tage nach Abbringung des Grummets, während welcher Zeit die Aufseherin allein hüten sollte, doch nur in trockener Zeit mit dem Hornvieh und Eintriebe desselben auf der ordentlichen Brücke, nicht als Recht, sondern als jederzeit widerrufliche Verwilligung zugestand. Am t. November ward die Naundorfer Mühle von neuem auf drei Jahre'an den Müller Georg Graupner verpachtet. Die Orgel der Stadtkirche, welche Hans Beck aus Hayn, der Vater des berühmten Orgelbauers Esaias Beck in Halle, 1557 mit 20 klingenden Stimmen gebaut, Heinrich Compenius aber 1596 in den Chorton gestimmt und mit vier neuen Stimmen, Quintaton 8 Fuß, gedecktem Unterbasse 16 Fuß, Posaunenbasse 16 Fuß und Kornett­hasse 2 Fuß, verstärkt hatte, war. später, als das Kirchenvermögen im Kriege schwand und man oft nur Tischler zu ihrer Besserung annehmen konnte, sehr herabgekommen. Dieses veranlaßte den Organisten König, welcher zugleich Küchenschreiber der Herzogin war, sowohl bei dieser als dem Rate den Bau einer neuen in Anregung zu bringen, der denn auch, weil der berech­nete Beitrag der Gemeinde nur 150 Taler betrug, beschlossen und am 5. Januar dieses Jahres dem Orgelbaumeister Severin Holbeck von Zwickau übertragen ward. Er arbeitete daran im Laufe des Jahres mit seinem Gehilfen Peter Pönicke und dem Tischlergesellen Andreas Langbein und schon am 4. Adventsonntage ward sie mit einer Pre­digt des Superintendenten Dr. Sittig eingeweiht. Sie hatte in 28 Re­gistern 1670 Pfeifen und kostete bei Zugabe der alten 1070 Taler, mit dem Chore aber, der umgebaut und in die Form des halben Mondes gebracht wurde, 1143 Taler 18 Gr. Hierzu gab 200 Taler die Herzogin, 200 Taler die Kirche, 200 Taler das Hospital, 150 Taler die Gemeinde, 87 Taler 12 Gr. der Geheimrat von Luckowen, 43 Taler 18 Gr. der Bürgermeister Meischner und 262 Täler 12 Gr. der Rat an verjährten Diebs-Depositen-Geldern. Der Meister Holbeck fiel bei der Übergabe von den Bälgen, zwar ohne sichtbare Beschädigung, kränkelte aber, und starb bald nachher. Die durch Leipziger Revisoren gerügten Mängel besserte der Meister Donath, dessen Schwiegersohn. Für die äußere Verzierung des Werkes und Vergoldung erhielt der Hofmaler George Winkler 175 Täler, größtenteils von der Herzogin ausgezahlt. Das im Inneren angeschriebene lateinische Chronostichon:

„En! opVs hoC CIarVs ConstrVXIt SeVerin HoLbeC
InsIgul stVDIo seDVLItate CIta."
hat wahrscheinlich den Rektor Barth, der deutsche fromme Wunsch:
"Gott helfe, daß ich mag zu seinem Wohlgefallen
Bis an den jüngsten Tag in Ruh und Friede schallen;
Er schütze fernerhin mit seiner Gnadenhand
Die Kirch' in der ich bin, für Irrtum, Krieg und Brand."
den Organisten König zum Verfasser.

Die Schäferei gab 1026 Gülden 11 Gr. 8 Pf. Gewinn und galt der Stein Wolle 8 Gülden. An die Kurrentknaben ward für 23 Gülden 9 Gr. 3 Pf. Tuch verteilt. Der Scheffel Weizen galt im Oktober 30-32, der,Scheffel Roggen 25-26 Gr. 12 Scheffel Rübsaat wurden für 16 Gülden verkauft.


1699
Der Rat verpachtete am 11. März die Fischerei im Lober bei Benndorf an zwei Benndorfer Einwohner auf ein Jahr für 21/z Gülden mit der Bedingung, Fische und Krebse dem Rate anzubieten und die Mandel bester Krebse für 1 Groschen zu überlassen. Der Herzog Philipp Ernst von Holstein-Glücksburg traf mit Gemahlin und Gefolge am 5. April hier ein und die Bürgerschaft war im Gewehr. Im August ließ die Herzogin die Emporkirchen und Stühle der Stadt­kirche auf ihre Kosten durch den Hofmaler Winkler weiß anstreichen, den für die Dienerschaft bestimmten Teil des Fürstenchores vergrö­ßern und die Emporkirche über demselben, welche höher als der Schülerchor war, mit diesem in Gleichheit bringen. Derselbe Maler fertigte die Bibelverse an dem Fürstenchore und die Tafel bei der Sakristei mit goldener Schrift folgenden Inhalts:
„Hier Leser
Ist des Himmels Pforte
Die Gott nun fast 300 Jahr
Beschirmet hat an diesem Orte
Bey Feuer, Krieg und viel Gefahr.
Was aber macht nicht alt die Zeit?
Drum ist sie völlig renoviret,
Mit Orgel und Altar gezieret,
Durch uns'rer Fürstin Mildigkeit.
Ja was hier schönes nur zu nennen,
Das alles wieder siehet neu,
Legt man mit dankbarem Erkennen
Der großen Christiana bey.
Gott schreibe in dem Himmel an
Den theuren Nahmen dieser Frommen,
So wird auch auf die Nachwelt kommen
Was sie an ihm und uns gethan.
Und dir, du Wohnung der Gerechten,
Entzieh Gott nicht sein reines Wort,
Steht er bei seinen treuen Knechten,
Bleibt Delitzsch ein gewünschter Ort."

Im Jahre Christi 1406 hat man angefangen diese Kirche zu bauen und solchen Bau 1463 vollbracht. Zu der Zeit ist Pfarrherr allhier gewesen Hermann Westphal und Vorsteher Johann Schade und Mar­tin Halle. Ao. 1693 hat unsere alhier residirende gnädigste Herzogin, die Durchlauchtigste Fürstin und Frau, Frau Christiane, Herzogin zu Sachsen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Wesetphalen, geh. Her­zogin zu Schleswig-Holstein, des weiland Hochwürdigsten, Durch­lauchtigsten und Herrn, Herrn Christian des Aeltern, unsers Gott und Gerechtigkeit liebenden Landesvaters hinterbliebene Hochfürst­liche Frau Witwe auf eigene Unkosten die ganze Kirche renoviren, ihr fürstlich Kirchstübchen hereinbauen, und einen neuen kostbaren Altar verfertigen laßen. Ao. 1698 haben höchstgedachte Ihro Durch­laucht ein Großes zu Erbauung der großen Orgel beigetragen. Ao. 1699 haben Ihro Durchlaucht alle Emporkirchen und Stühle auf das Neue malen laßen. Zu der Zeit war Pastor und Superintendent Dr. Johann Conrad Sittig, Ihro Durchlaucht verordneter Hofprediger und Beichtvater, und Kirchenvorsteher Christian Hiersebrod, Bürgermeister."

Ein Einwohner von Jeßnitz, Martin Moritz, ward am 5. August von der Herzogin zu Fahung der Rebhühner in den Ämtern Delitzsch und Bitterfeld angenommen und erhielt zwei Groschen für das Stück. Der Apotheker Daniel Franke, des Chirurgen Georg Franke Sohn, ward von der Herzogin zum Hofapotheker ernannt, richtete die verschollene Herker'sche Apotheke wieder an und führte zur Abzeichnung das herzogliche Wappen mit goldenem Stern. Die zweite des Johann Schäfer hatte statt der vier Engelsköpfe in vier Schilden, deren sich die Seyfert'sche im 16. Jahrhundert bediente, den goldenen Engel gewählt. Der Besitzer der zweiten, Schäfer, widersprach zwar der Anlage dieser zweiten Apotheke und schützte vor, daß zwei Offizinen für den Ort zu viel wären, sich notwendig aufrieben, es blieb aber bei der dem Franke gegebenen Konzession und hatte dabei der Umstand, daß man in der Schäfer'schen Apotheke bei, der Re-, vision gerügte Mängel wiederfand, einen bemerklichen Einfluß. Zu gleicher Zeit entstand eine Druckerei, die der Hof ebenfalls begünstigte, angelegt von dem Buchdrucker Christian Koberstein, einem Sohne des Hufschmieds Georg Koberstein in Brehna, der sich auch Fürstlich-Sächsischer Hofbuchdrucker nannte und sein Geschäft mit dem Passions-Büchlein, darinnen enthalten die Historia des allerheiligsten Leidens und Sterbens Jesu Christi Aus denen vier Evangelisten, nebenst denen Passions-Gesängen, geistreichen Liedern, und hierzu erlesenen Seufzern, wie sie jährlich in den Kirchen abge­lesen und abgesungen werden. Delitzsch Verlegts Gottfried Fiedler Buchb. Gedruckt bey Christ. Koberstein, Fürstl. Sächs. Hofbuch­drucker daselbst. Im Jahr Christi 1700 (länglicht 120), begann, welches man zugleich für das erste, hiesige Gesangbuch annehmen kann. Im September war der Brigadier von Krah, der Geheimrat Stryck und der Prof. D. Hofmann bei der Herzogin und zu dem Geburtstage derselben fanden sich ein am 19. die regierende Herzogin von Zeitz, Marie Amalie mit Tochter (26 Personen und 23 Pferde). Die Söhne der Herzogin und die Merseburgische Herrschaft mit Gefolge (35 Per­sonen und 26 Pferde), welche sämtlich von der bewehrten Bürgerschaft empfangen wurde. An dem festlichen Mahle nahm dieses Mal auch der hiesige Geheimrat von Luckowen teil und stellte der Jahreskuchen einen Wald von 66 Tannenbäumen vor. Am 20. Oktober ward der Tagelöhner Martin Franze wegen Bigamie mit dem Schwerte hingerichtet. Im November erhielt die Herzogin von der Prinzessin Magdalene Si­bylle von Sachsen-Weißenfels Besuch, und zum Silvesterabend kam der Herzog Heinrich von Spremberg mit Gemahlin, Prinzessin und ungewöhnlich starkem Gefolge (29 Personen und 25 Pferde), der sonst und in der Regel fast ohne Bedienung war. Am 4. Dezember starb der Unterkämmerer Tobias Richter, 77 3/4 Jahr alt, Ratsherr seit 1685. Da man sich auf dem Reichstage vereinigt hatte, den bisher in den protestantischen Ländern beibehaltenen Julianischen Kalender mit dem besseren Gregorianischen durch Weglassung von 11 Tagen, vom 18. Februar künftigen Jahres ab, in Einklang zu bringen, so hielt man es für nötig, das Volk über diese auffallende Veränderung von den Kanzeln, zu belehren was denn auch hier am 4. Advents-Sonntage bei dem Früh- und Nachmittags-Gottesdienst geschehen ist. Der neue Schülerchor ward mit einem roten Tuche behangen, 7 Taler an Werte und aus der Kommpnkasse bezahlt. Die Fischerei gab 68 Gülden 1 Gr. 6 Pf., die Schäferei 773 Gülden 11 Gr. 3 Pf. Gewinn. Mehrere wüste Stellen der Vorstadt erhielten wieder Be­sitzer und wurden aufgebaut. An die Kurrentknaben verteilte man für 29 Gülden 7 Gr. schwarzes Tuch. Der Scheffel Weizen galt am 20. September 36 bis 37, der Scheffel Roggen 35-36 Groschen.


1700
An die Stelle des am 9. Januar gestorbenen Stadtmusikus David Wiederauf trat am 5. Februar der bisherige Stadtmusikus in 'Bitterfeld, Samuel Gressel, ein Sohn des vormaligen Organisten Gressel und erlangte, was seinem Vorgänger verweigert worden war, den Neujahrs-Umgang, erst in der Amtsvorstadt, später aber auch in der Stadt, nachdem der Widerspruch der Viertelsmeister, welche fürchteten, daß dieser Umgang, wie der dritte des Küsters, ein Recht werden möchte, durch herzogliche Verordnung beseitigt war. Da mit Einführung des verbesserten Kalenders in diesem Jahre nach dem 18. Februar 11 Tage ausfielen und nach diesem Tage gleich der erste März eintrat, so suchte das Mandat vom 6. März den möglichen daher entstehenden Irrungen in Rechts- und anderen Händeln vorzubeugen, wobei jedoch die mit einem bestimmten Tage anhe­bende und endende Trift und Hutung auf fremder Besitzung nicht ganz richtig auf 10 Tage verlängert ward. Auf dem Ausschußtage in Dresden vom 27. März. ab nahmen auch hiesige Abgeordnete teil. Am 2. Juni starb der Kaufmann Johann Christoph Meischner, seit 1679 Ratsmitglied und von 1697 an Bürgermeister, 60 1/2 Jahr alt an der Gicht, ein Biedermann, milder Geber und Wohltäter der Stadt. Man verstattete ihm eine' Grabstätte in der Stadtkirche vor dem Ratsstuhle, wo auch sein Denkstein am Pfeiler befindlich ist, und die Witwe zahlte für diese Auszeichnung der Kirche 100 Gülden aus. Er war in der Meißnischen Gebirgsstadt Stollberg am 27. Dezember 1639 geboren, Sohn des dasigen Kirchenvorstehers Gabriel M. und Enkel des Bürgermeisters Niedner, erlernte in Annaberg die Handlung unter beschwerlichen Umständen, ging, nachdem er sich durch Geschäftsreisen nach Böhmen, Schlesien und Ungarn tüchtig herangebildet , hatte, mit vorzüglichem Zeugnis nach Hamburg in eine Leinwand­handlung und unternahm im Jahre 1663, als man wegen Stockung des Handels die meisten Diener. auch ihn entließ, mit erspartem Gelde und Kredit gewonnener Gönner, ein eigenes Geschäft zur See, wobei er sich, ungeachtet zweimaliger Verunglückung, am Jahres­schlusse überraschend reicher sah. Wegen erbschaftlicher Angelegenheiten, die er in seiner Vaterstadt und hier mit dem Bruder, Johann Meischner, zu besprechen hatte, kam er im August 1664 hier an und da ihm der Ort, auch in kaufmännischer Hinsicht, gefiel, der Bruder zu bleiben nötigte, so gab er Gehör und war schon im Oktober ange­sessener Bürger, auch mit der Tochter des Ratmannes Gurre, Doro­thee, verbunden, glücklicher Ehemann. Er betrieb ein ansehnliches Geschäft, übergab es aber, als er sein einziges Kind, den Sohn Chri­stian, im siebenten Jahr verlor und nach einer Fußbeschädigung an öfteren Gichtanfällen kränkelte, seinem Diener, Michael Mehner, sich ausschließlich mit dem beschäftigend, was seiner Pflicht als Ratmann anvertraut war. In diesem anvertrauten Amte nützte er ungemein durch vielseitige Erfahrung, richtigen Blick in das Gewerbe- und Rechnungswesen,. durch Gerechtigkeit, Wahrheitsliebe und men­schenfreundlichen Sinn. Er stand deshalb bei den Vornehmsten und Ärmsten in hoher Achtung, die Fürstin nahm an seiner schmerz­haften Krankheit den innigsten Anteil und bei dem Begängnisse führte ihr Abgeordneter im Trauerwagen den Zug. In seinem eigen­händig geschriebenen Testamente vom 2. Mai 1699 stiftete er, um gewissen Personen jährlich zu Gottes Lobe, Christus und seines Vor­läufers Johannes Ehre einige Erquickstunden zu geben, ein Vermächtnis von 1100 Gülden, von dessen jährlichem Zinsbetrage nach seiner Vorschrift 4 fl. der Superintendent, 3 fl. jeder Diakon, 3 fl. jeder der vier Schullehrer, 8 fl. 12 Gr. die Schulknaben, jeder 1 Gr., 5 fl. der regierende Rat, 5 fl. die Kirche, 3 fl. der Kirchenvorsteher, 1 1/a fl. die Hospitalbrüder, 2 1/2 fl. der Organist, 2 1/2 fl. der Haus­mann (Stadtmusikus), 1 fl. 3 Gr. der Küster, 1 fl. 3 Gr. die Mägdlein Schulmeisterin, 2 fl. 3 Gr. die Schulmägdlein, 1/2 fl. die Gottesacker-. Armen (Armen des Siechhauses) jedesmal am Abende vor dem Johannisfest erhalten soll. Auch seiner Väterstadt Stollberg setzte er ein Legat von 240 Gülden, zu ähnlicher Verteilung der Zinsen aus. In der Gedächtnispredigt des Dr. Sittig: Die selige Herzensbefesti­gung der Gläubigen über Joh. 3, 16 (Delitzsch, 1700 Fol.), sowohl als in dem nach damaliger Sitte angehängten Gedichten wird ihm des­halb der gebührende Ruhm, doch hat der Nachruf des Rates:

So ist ein Regiment recht in der Stadt bestellet,
Wenn Gott Personen,setzt, die fromm und redlich sind.
Wo sich Gerechtigkeit mit Frömmigkeit gesellet,
Ein edles Haus sich selbst die Tugend Krpne windt.
Herr Meischner war der Art, von redlichem Gemüte.
Ein Mann von Gottesfurcht, ein Haupt und Zierd der Stadt.
Den Gott und die Natur aus ungemeiner Güte
Das Bild der Mildigkeit ins Herz gepräget hat.
Wer mehr von seinem Ruhm und Lebens-Lauf will wissen.
Der seh nur Kirch und Schul, benebst der Orgel an.
Ach! daß die Bürgerschaft dies Kleinod soll vermissen.
Ach daß der freche Tod hat diesen Riß getan!
Das ganze Rathaus kann wahrhaftig von Ihm zeugen.
Wie er den Ehren-Ruhm mit in die Grube nimmt
Daß er nicht wie ein Rohr sich ließ vom Winde beugen,
Daß die Aufrichtigkeit in seiner Brust geglimmt.
Was aber^werden wir, zum guten Angedenken,
Dir, aufgelöster Geist, zuletzt noch schuldig seyn?
Wir wollen unser Herz mit in die Gruft versenken,
Und dieses ist für dich der beste Leichenstein:
Geh', Ehrenvoller Mann, die reinen Himmelsgeister
Stehn da und warten Dein, sie wollen Dich erhöhn,
Wir wünschen, Delitzsch, dir viel solche Bürgermeister,
So wird dein Regiment in stetem Flor bestehn.
den Vorzug der Herzlichkeit.

Ein Dieb, Andreas Berger, ward am 13. Juli mit dem Strange hingerichtet. Am 31. Juli, abends, traf die Herzogin von Wolfenbüttel, Elisabeth Juliane, mit Gefolge (24 Personen 13 Pferde) hier ein und die Bürger­schaft war im Gewehr. Der Geburtstag der Herzogin ward dieses Mal am Michaelisfeste ge­feiert. Die Herzogin fuhr zum Frühgottesdienste in die Kirche, ihre Söhne, die Herzöge August und Heinrich mit ihren Gemahlinnen, der Herzog Christian Ulrich von Oelß und Abgeordnete des Hofes in Merseburg folgten ihr in Wagen und die Bürgerschaft stand auf dem Markte in Gewehr. Am 6. Oktober, abends nach 9 Uhr stach der Kammerjunker des Zörbiger Hofes Johann Eberhard von Hornegk den Kammerjunker hiesiger Herzogin Jobst Ernst von Reizenstein vor dem Amtshause meuchlerisch in die linke Seite. Der Verwundete starb noch in der­selben Nacht und ward am B. in der Gottesackerkirche links des Ein­gangs beigesetzt. Die schändliche Tat empörte allgemein, doch verhaftete man den Mörder erst am vierten Tage, verurteilte ihn in Ko­sten und Geldstrafe und gab ihn am 2. April des folgenden Jahres wiederfrei. Am 27. November, mittags nach 10 Uhr, starb an den Folgen wieder­holten Schlages der Geheimrat Georg Heinrich von Luckowenn im 73. Lebensjahr und ward am 3. Dezember in der ihm irüher schon verstatteten Begräbnisstätte vor dem Predigerstuhle der Stadtkirche beigesetzt. Er war am 25. Mai 1628 auf dem Rittergute Döbernitz, welches sein Vater Abraham von Luckowen besaß, geboren, erhielt bis zum 11. Jahre im elterlichen Hause Unterricht, kam aber, da sein Vater 1639 bei Oberau von Räubern erschossen ward, und der Mutter Magdalene Sibylle, einer geborenen von Miltitz aus dem Hause Schenkenberg in schwerer Kriegszeit elf unerzogene Kinder hinter­ließ, zu dem Bruder derselben, den Hof- und Justitien, später Ge­heimrat Haubold von Miltitz auf Scharfenberg, wo er mit zwei an­deren Miltitzen auf Siebeneichen und Burkersdorf, in Oberau erzogen und von dem, vorzüglich in Sprachen sich auszeichnenden Theophilus PistoAus, nachherigen Superintendenten hiesiger Stadt unterrichtet ward. Er studierte darauf vom achtzehnten Jahre an unter Führung des Mr. Lautenschlaeger, nachherigen Dekans in Mansfeld, der den Unterricht in griechischer und lateinischer Sprache fortsetzte, fünf Jahre in Leipzig und Straßburg die Rechte mit den Hilfswissen­schaften, in Straßburg hauptsächlich Geschichte und Politik. unter Bökler, Bernegger, Freinsheim, übte sich in Gerif ein halbes Jahr im Sprechen des Französischen und kam nach einer Reise durch Frankreich und Holland 1652 in seihe Heimat zurück, wo er der Mütter bei Wiedereinrichtung des durch den Krieg verwüsteten Gutes be­hilflich war. Bald, im Jahre 1654 übertrug man ihm die Erziehung der Söhne des Herzogs August, Administrators des Erzstiftes Magdeburg, wobei er auch bei der Regierung zu Halle als ernannter Hof­und Justitien-Rat tätig war. Er verwaltete dieses Amt mit Geschick­lichkeit und Treue, gab es aber im fünften Jahre auf, weil seine Gesundheit gänzlich zerrüttet war. In den Bädern hergestellt, trat er als Appellationsrat in den kurfürstlichen Dienst und auf Verlangen des Herzogs Christian in Merseburg 1663 als dessen Geheimrat an die Stelle des verstorbenen Geheimrates Stirling, wobei zugleich das schwierige Direktorium des damals gänzlich zerrütteten Kammerwe­sens seiner Einsicht, gewohnten Ordnungsliebe und Treue empfohlen ward. Er führte es, den widrigen Bestrebungen verkürzter Höflinge zum Trutz dem Ziele zu und konnte er auch Unmögliches nicht leisten, den erstorbenen Wohlstand zauberisch mit einem Schlage nicht erwecken, so gab er doch zu allmählicher Belebung wirksame Mittel an die Hand und stützte, was durch Unterstützung noch zu retten war. Auch hiesige, ihm von Kindheit an befreundete, durch Krieg und Brand verarmte Stadt war Gegenstand seiner Aufmerksamkeit, er erleichterte, was er rechtlich nur erleichtern konnte und half ihr im Jahre 1671 mit einem Darlehn von 1500 Gülden, auf das er im Geiste schon verzichtete, aus größter Verlegenheit. Neue Anfälle von Hypo­chondrie nötigten ihn, auch dieses Amt niederzulegen, wozu ihm der Herzog nur auf wiederholtes dringliches Anliegen Erlaubnis gab. Mit dem rühmlichsten Zeugnisse über seine Amtsführung ging er nun in den Privatstand über und lebte erst in Bitterfeld, dann auf seinem, ihm vom Herzoge geschenkten Gute Roitzsch und als er dieses wegen Verdrießlichkeiten mit den Nachbarn verkauft hatte, ein musterhaftes Leben in hiesiger Stadt. Zu jeder heilsamen Anstalt gab er reichliche Beiträge, zu dem Orgelbaue allein 100 Gülden und endlich setzte er in seinem Testament und Kodizille vom 1. Juli und 27. September 1699 für den Lehrstand der Stadt ein Legat, das wegen seiner Größe, an Betrage 6219 Gülden 1 Gr. Staunen erregte und bei der ersten Nachricht bezweifelt ward. Nach der Stiftung sollen von den Zinsen 100 Gülden die beiden Diakonen, 50 Gülden ein anzustellender fünfter Schullehrer, das übrige die vier älteren Schullehrer haben, dem Rate und Kirchenvorstehern aber die Verwaltung überlassen sein. Das Kapital hat sich in neuerer Zeit durch Agiotierung auf 6136 Taler 16 Gr. erhöht, sonst aber ist man durch Einziehung der fünften Lehrerstelle von der ursprünglichen Stiftung wesentlich gewichen. Er vermählte sich 1660 mit Magdalene Sophie Marschallin von Biberstein und, als diese 1684 starb, 1686 mit Anna Dorothea verwitweter von Lochau, geh. von Krosigk, lebte mit beiden glücklich,, hatte zwar keine Kinder, erzog. aber fremde und sein Vermögen fiel der Witwe und Seitenverwandten zu.. Die ihm am 29. Dezember gehaltene Gedächtnispredigt des Dr. Sittig: Der vergnügte Heimzug der Frommen über Apostel-Gesch.8, 39 ist hier bei Koberstein in größerem Formate gedruckt und derselben angehängt ein aus 4034 gereimten Versen bestehendes und mit vielen An­merkungen versehenes Gedicht des bekannten Liederdichters, Landesältesten und Bürgermeisters in Guben, Johann Francke, aus wel­chem der Schluß, welcher die Verdienste des Verstorbenen kürzlich fassen soll, zum Andenken beider eine Stelle hier finden mag.

„Er war wie Atticus
Auf Eintracht, gute Zucht und Mäßigkeit beflissen
Wo Schwelgerey sich fand, das war ihm ein Verdruß
Dem Ehrgeitz war er gram; der Hoffart noch weit darüber;
Von Heuchlern hielt er nichts, auch nichts von Streit und Zank;
Verläumdung war sein Feind, und war ihm niemand lieber,
Als der nach Gottesfurcht, und Ehr und Tugend rang.
In seiner Wirthschaft war er emsig und geflissen;
(Wenn ihm sein schweres Amt hieran nicht hätt geirrt)
Wer ganzen Ländern soll wohl vorzustehen wissen,
Derselb ist auch für sich zu Hauß ein guter Wirth.
So macht es Unsrer nun! und ließ Ihm drauf vergnügen,
Was Gottes Segen Ihm von Jahr auf Jahre gab,
Hat also Pilgrims-Art. Denn der ist schon gediegen,
Wenn er nur Zehrung hat, und Mantel, Hut und Stab.
Insonderheit den Geitz, die Wurzel alles Bösen,
Den hasset Unsrer mehr, als Ottern und als Gift,
Weil dieser Pest oft kann ein ganzes Land vernösen,
Und nichts als Unheil nur an hohen Höfen stifft.
Drum unser Pilgrim hielt nichts von Geschenk und Gaben,
hat auch die Seinigen hiervon stets abgewöhnt:
Denn (wo mans sagen darf) die schnöde Lust zu haben
Hat einen Nebenweg den Lastern vorgebähnt.
Das Bild der Redlichkeit, wenns bei Thebaner Helden
Ward künstlich ausgeschnitzt; das mußt ohn Hände seyn.
Wie Deutung ist bekannt. Soll ich die Wahrheit melden?
So trifft daßelbe Bild recht mit dem Unsern ein."

Das Haus des Luckowenn in der Hintergasse erbte der Bru­der, der Geheimrat, Landeshauptmann der Markgrafschaft Niederlausitz und Ober-Steuereinnehmer Cornelius von Luckowenn, auf, Döbernitz und Görsdorf, welcher es im folgenden Jahre an den Diakon Mr. Doebler verkaufte. Für die Kirche in Dommitzsch ward eine Kollekte ausgebracht und den in den Häusern gesammelten Beiträgen ein Taler aus der Kommunkasse zugelegt. Der Rat ließ den Weg im Rosentale bessern, kaufte in kur­fürstlicher Heide 104 Stämme zu nötigen Bauen und gab dem Musikdirektor. und Kantor Johann Schelle in Leipzig für einen Jahrgang kirchlicher Musikstücke ein ansehnliches Geschenk. Für 26 1/2 fl. Tuch ward an die Kurrentknaben verteilt. Die Schäferei gab in diesem Jahre 1009 Gülden Ertrag, die Fischerei 69 1/4 Gülden, 409 1/2 Gülden betrug der Erbzins von Stadt und Dörfern, 43 Gülden das Stättegeld der drei Jahrmärkte, 80 Gülden der Pacht des Dübischen Werders und 5 Gülden der Salzzoll. In den Bänken hielten feil 11 Fleischer, 13 Bäcker. 20 Schuhmacher, 7 Tuchmacher, 1 Lohgerber und zwei Böttcher. Der Scheffel Weizen galt im August 28, im September 27 Groschen und soviel auch am 23. Dezember; der Scheffel Roggen im August 25. im Dezember 19 Groschen.


1701
Seit dem Jahre 1699 stritt man viel über den Eintritt des neuen Jahrhunderts, mündlich und schriftlich, festlich empfangen ward es nicht. Die Zinsen von den Kapitalen, welche die Stadt früher auf ihren Namen für die Fürsten erborgen mußten, betrugen jährlich 515 Gülden 5 Gr. 6 Pf. und wurden vor dem Kriege aus der Steuer vergütet, während des Krieges im Rückstande gelassen, nach dem Kriege aber der Stadt verweigert. Man wendete sich deshalb am 7. März an die Herzogin in Merseburg und bat um Vermittlung, daß diese der Stadt zur Ungebühr aufgelegte Last entnommen, die Steuer zu Annahme einer Kompensation angehalten werde, es war aber auch dieses Un­ternehmen, wie alle frühere bittliche und rechtliche Anstrebungen, bei Unzulänglichkeit der Steuer zu den täglich höher steigenden Bedürfnissen des Staates, gänzlich fruchtlos. Am 20. Mai, nachmittags 5 Uhr, starb nach mehrwöchentlicher Kränklichkeit, auf hiesigem Schlosse die Herzogin Witwe Christiana, in Gegenwart des Herzoges August, dessen Gemahlin, der Witwe Herzoges Philipp und der Prinzen von Merseburg, die einige Tage vorher schon hier eingetroffen waren. Sie war die Tochter des Her­zoges Philipp von Holstein-Glücksburg, am 22. September 1634 in Dänemark geboren, Seit 1650 vermählt und bis zu ihrem Witwen­stande eine glückliche Gattin und Mutter, am Abende des Lebens aber durch den Verlust der Geliebtesten, wie sie im Bilde der Kirche sich ausgesprochen, vom Schwerte, das durch die Seele dringt, un­heilbar verwundet. Die Leiche ward am 22. in der schwarzbehangenen Schloß-Kapelle bei Wachskerzen-Beleuchtung und Wappenverzierung zur Schau gestellt, Hofdiener höheren Ranges und Damen bewachten das In­nere, zwei in Trauermäntel verhüllte Bürger mit Partisanen die Tür. Das Trauerläuten zwischen 10 und 11 Uhr' dauerte bis zur Gedächtnisfeier am 4. Juli und am 5. begleiteten Bürger die irdische Hülle der hochachtbaren Wohltäterin nach Merseburg. Mit dem Abschiede dieser Fürstin, die ihr Bild der Kirche, die ihr so viel verdankte, doppelt hinterließ, ward es zwar still in der Stadt, es blieben aber geschickte Künstler und Handwerker und schon die Druckerei mit ihrem Bücherkrame war etwas, war ihr vor vielen Orten gleicher Größe ein Ansehen gab. Wegen Abführung der fürstlichen Leiche ward der Fahrweg vor dem Kohltore und gleich darauf der Steinweg vom breiten bis zum Galgtore mit einem Aufwande von 367 1/4 Gülden neu gepflastert. Der Superintendent Dr. Sittig, welcher mir der Fürstin wegen hier­her kam, ging nun als Konsistorial-Rat und wirklicher Assessor des Stifts-Konsistorium zur Unterstützung seines Vaters nach Merse­burg zurück und die Stadt war so glücklich, daß ihr, auf des Rates Gesuch, der ihm vom Dr. Krausold angepriesene, schon damals zu den vorzüglicheren Theologen gezählte Dr. Valentin Ernst Löscher, Superintendent in Jüterbog, zu dessen Nachfolger gegeben ward. Er hielt am 17. Sonntage die Probepredigt zur allgemeinen Freude, wo­bei sich jedoch die Bürgerschaft, der es geschienen hatte, als ob ihn das Sprechen auf der Kanzel anstrenge, durch ihre Stellvertreter besorglich aussprach. In diesem Jahre errichtete auch der bisherige Gehilfe des Buchdrukkers Koberstein, Christian Vogelsang, in Seyda eine eigene Officin, die sich später durch gute Drucke für Leipziger Buchhändler auszeichnete und nicht nur der Kobersteinischen, sondern auch einer dritten, die sich hier ansiedeln wollte, verderblich ward. Die Kurrentknaben erhielten für 25 Gülden Tuch. Die Schäferei gab 894 Gülden-Gewinn. Der Scheffel Weizen galt im März 20, im Juni 25, der Scheffel Roggen im März 16 auch, 17, im Juli 14 und 15 Groschen.