Häuserbuch der Stadt Delitzsch

Richtstätte

Auch unter dem Namen Rabenstein aufgeführt, heute in etwa mit dem Bahnhofsvorplatz des Berliner Bahnhofes identisch. Hier befand sich die Hinrichtungsstätte des sächsischen Amtes und der Stadt Delitzsch. Die Todesstrafen Radebrechen, Köpfen durch das Schwert, Hängen und Verbrennen sind hier nachgewiesen. Im Jahr 1818 wurde der Galgen abgetragen und die Materialien verkauft. Man fand 17 menschliche Skelette. Das Wohnhaus des Scharfrichters befand sich auf dem Grundstück August-Fritzsche-Str.12.

Vollzogene Hinrichtungen

1398 Ein Dieb mit dem Strang hingerichtet.
1402 Die Werlitzin durch den Strang.
1404 Die Wirtin des Frauenhauses, Ossemunde, durch den Strang.
1421 Aufstellung eines Galgens.
1427 Anton Trige mit dem Strang hingerichtet.
1431 Eine Hinrichtung mit dem Strang und eine Verbrennung.
1434 George Hans wegen Diebstahles mit dem Strang.
1443 Andreas Arndt wurde geköpft. Der Henker erhielt 15 Groschen und für das Schwert 4 Groschen.
1447 Der Rat war wegen der Acht (Todesstrafe) in Halle und Leipzig.
1457 Neubau des Galgens.
1471 Drei Personen werden mit dem Rad hingerichtet.
1480 Der Schweineschneiderknecht Nicolaus aus Lommatzsch wegen Diebstahls einer Tiare, eines Schleiers und einer Badekappe in Pohritzsch, hier mit dem Strang.
1481 Ein Mann der in Löberitz einen Mantel gestohlen hatte vom Leipziger Scharfrichter Hans Österreich gehenkt.
1494 Ambrosius Koch aus Neustadt durch den Strang.
1509 Thomas Herbst und Lorenz Richter wegen Mordes am Schmiedeknecht Urban An­dreae vom Leipziger Nachrichter Lorenz mit dem Schwert geköpft. Er empfing 30 Gro­schen für die Hinrichtung und 20 Groschen als ein Ankläger  bei dem peinlichen Ge­richt.
1509 Luna Sieners aus Albertsdorf, eine Kindesmörderin, vom Leipziger Scharfrichter Pe­ter Lorenz lebendig begraben.
1520 Durch Caesar Pflug (wohl Amthauptmann) ward festgesetzt, daß der Scharfrichter in Leipzig von den Städten jährlich einen gewissen Sold erhalten solle und es gab die Stadt Delitzsch jährlich 48 Groschen. (Demnach ist die  Entstehung der selbstän­digen Delitzscher Scharfrichterei nach 1520 anzusetzen und die Hinrichtungen wur­den vom Leipziger Scharfrichter vollzogen).
1522 Caspar Bank aus Leipzig und Blasius Zeller aus Halle wegen Mordes an Balthasar Hüf­ner mit dem Schwert geköpft. Das Urteil, welches ihnen peinliche Fragen zuerkannte, kostete 21, das zweite Todesurteil 42 Groschen.
1527 Gregor Höppner von Beerendorf wegen Mordes an Mattheus Wiedemann aus Kol­mitz b. Oschatz mit dem Schwert.
1527 Michael Ludwig gen. Ausbund wegen versuchter Vergewaltigung mit dem Schwert.
1530 Hans Richter wegen Diebstahls eines Pferdes mit dem Strang.
1531 Hans Schlesier mit dem Schwert.
1544 Valentin Dietrich aus Knauthain wegen Diebstahls von 12 Gulden durch den Strang.
1547 Nicolaus Ruthard wegen Landesverrats an der Eckereiche aufgehangen.
1547 Vollständiger Neubau der Hinrichtungsstätte.
1554 Thomas Forath wird wegen Mordes hier geköpft.
1556 Franz Reisig, ein Landsknecht und Ehemann, und Margarete, des Gürtlers Thiele Ehe­frau, beide wegen Ehebruchs mit dem Schwert geköpft.
1556 Andreas Heinze, aus Schenkenberg, wegen Diebstahls von über 5 ungarischen Gul­den durch den Strang.
1560 Matthes Fleischer, Schäfer in Kyhna, wurde geköpft.
1567 Barbara Schönemann aus Krostitz wegen Kindesmord mit dem Schwert. Sie sollte erst gesäckt werden, das konnte aber wegen Wassermangels nicht durchgeführt wer­den.
1567 Bernhard Wald wegen Diebstahls durch den Strang.
1568 Frantze Tronicke, aus Halle, wurde geköpft.
1569 Christoph Bley, von Wiedemar, wegen Mordes an seinem Stiefsohn geköpft.
1571 Hans Schmaltz, Hirte in Petersdorf, wurde geköpft.
1571 Simon Hutzschke aus Halle und Lorentz Ömichen, gehenkt.
1571 Görge Pehtzeltt, aus Storche im Kotischen Land, gehenkt.
1571 Bartel und Valten Glaser, genannt Käthener, zwei Brüder aus St. Annaberg, wurden gehenkt.
1571 Hans Otto und Nickel Otto wurden gehenkt.
1571 Neuanfertigung einer Leiter und eines Balkens für den Galgen.
1573 Jochen Kurtz, des gewesenen Pfarrers in Zwochau Sohn, wurde geköpft.
1574 Hans Findeisen, Schneiderknecht aus Neitzsch b. Leipzig, wurde gehangen.
1575 Tiburtius Kreusingk aus Landsberg wurde gehenkt.
1575 Abraham Tausch, Schuhknecht aus Leisnig, wegen Diebstahls gehenkt.
1576 Zimmermann Lorentz Bettmann aus Pohritzsch, ein Seltzer Hans Freyburgk von der Liebe aus Schlesien und der Schneider Helias Mebes aus Halle wurden gehenkt.
1577 Greger Schindeler wurde geköpft und seine Hure zur Staupe geschlagen und verwiesen (wohl Ehebruch).
1578 Bendix Partein aus Hohenossig Geradebrecht
1578 Thomas Leypnitz genannt die Schöne Jungfraw, aus Byhssigk b. Cirimma, wurde ge­henkt.
1580 Caspar Kulmann dem Ziegelstreicher sein Weib geköpft.
1580 Jacob Maye aus Hohenossig wegen Totschlags geköpft.
1595 Verbrennung von Goldschmied Peter Naumann aus Eilenburg wegen Falschmünzerei.
1601 Peter Bürger, ein Schafknecht, wegen Diebstahls im Amt gehenkt.
1601 Elias Naumann, ein Landsknecht aus Könnern, wegen Mordes an einer Frau in Zschernitz, mit dem Schwert geköpft.
1601 Hans Rosenhain, aus Reideburg b. Halle, wegen Diebstahls gehenkt. 1603 Dorothee Kyssin, aus Landsberg, vom Amt mit dem Schwert geköpft. 1604 Michael Bretschneider, Ratsfron, ein Ehemann, wegen Ehebruchs mit dem Schwert geköpft.
1604 Christiane Heuber, aus Regelitz, vom Amt mit dem Schwert geköpft.
1604 Stephan Frauendorf, Ursula Hesse und Walpurgis Berger mit dem Strang.
1604 Agnes Mauer mit dem Rad zu Tode gestoßen.
1605 Lucas Heiners Frau im Rosental, wegen Verzehrs und Verkaufs gestohlenen Viehs, Todesstrafe.
1611 Benedict Schumann vom Amt mit dem Schwert.
1611 Zacharias Stephan, aus Lauchstädt, wegen Diebstahls in Badrina und Pröttitz mit dem Strang, begnadigt aber mit dem Schwert.
1613 Jakob Herrmann, Handarbeiter, Betrüger, Dieb, Ehebrecher, mit dem Strang.
1614 Hans Jude, Bürgerssohn, wegen Diebstahls und Mordbeihilfe, mit dem Rad, auf Vorbitte des Vaters und anderer Bürger aber mit dem Schwert. Die Leiche wurde aber auf das Rad gelegt.
1615 Dorothea, George Dietzens von Hohenroda Tochter, George Guttenberg von Wie­demar und Urban Nitzschmann von Werlitzsch vom Amt mit dem Schwert geköpft.
1630 Elias Naumann, aus Wölkau, vom Amt mit dem Schwert geköpft.
1631 Ein Korporal und ein Gemeiner wegen Gewalttaten auf dem Markt hingerichtet.
1654 Die Gerichtsstätte ward erneuert. Die während des Krieges auf dem Markt errichtete Justiz ward durch den Nachrichter weggeschafft.
1654 Schuhmacher Hans Hoyer aus Dessau durch den Strang. Er war der erste hier wieder Hingerichtete.
1657 Anna Stäter, Gertrud Klepzig und Anna Hennig hier an der Gerichtsstätte verbrannt wegen Hexerei.
1658 Lorenz Stätters Frau, Törners Frau von Kletzen und Barth des Schöppen von Zwo­chau Frau, auch verbrannt.
1662 Martin Crack durch das Amt mit dem Schwert.
1677 Drei Männer durch den Strang.
1685 Marie Elisabeth Steter durch das Amt wegen Kindesmord mit dem Schwert.
1687 Hans Gebhard, ein Zeugdrucker aus Sayda, und vier Kumpane wegen Mordes in Lemsel teils mit dem Rad, teils durch das Schwert hingerichtet.
1690 Sebastian Martin und Franc. Echol, zwei franzözische Soldaten, wegen Mordes in Schmiedeberg, an der Paupitzscher Straße mit dem Rad hingerichtet.
1692 Regine, Tochter des Christoph Staeter in Schwätz b. Landsberg wegen Brandstiftung in Golma mit dem Schwert.
1692 Georg Schal, ein Zimmermann von Wirliss b. Heilbronn, und Nikolaus Zibelt, ein Tischler von Ilmenau, Christoph Rille von Ehrenfriedersdorf und Christian Pessler aus Crottendorf b. Annaberg, alle wegen Desertion mit dem Strang.
1699 Tagelöhner Martin Franz wegen Bigamie mit dem Schwert.