Häuserbuch der Stadt Delitzsch

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 Dem Autor ist es gelungen, im Abstand von nur einem Jahr dem I. Teil des Häuserbuches von Delitzsch — Die Altstadt — den II. Teil: Die Neustadt, Vorstädte und Mühlen folgen zu lassen. Damit liegt nunmehr eine zusammenhängende Darstellung für alle Häusergrundstücke der Stadt Delitzsch im Bestand von 1870 vor. Wilde verweist einleitend auf ca. 11 000 Einträge und Nachweise von Hausbesitzern für einen Zeitraum von 500 bis 600 Jahren für die Alt- und Neustadt sowie die Vorstädte. Zusammengefasst ergeben sich eine Vielzahl rechts-, sozial-, siedlungs-, bau-, familiengeschichtlicher und archäologischer Erkenntnisse zur Delitzscher Stadtgeschichte. Die Nichtberücksichtigung der weiteren städtebaulichen Entwicklung gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Vorstädten, des genossenschaftlichen Wohnungsbaus nach 1919, der Bautätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus und des Plattenwohnungsbaus in der DDR beeinträchtigt in keinem Fall den guten Gesamteindruck der beiden Bände. Der Autor verweist mit vollem Recht darauf, dass hierfür gesonderte Untersuchungen vorzunehmen sind, zumal sich diese Entwicklung auf der grünen Wiese fortsetzt. Der II. Teil behandelt neben den Häusern der Neustadt, die der Vorstädte Damm, Rosenthal, teilweise der Leipziger und Bitterfelder Vorstadt sowie die des 1862 eingemeindeten Vorortes Grünstraße. Abgerundet wird die Untersuchung durch die Erfassung von 23 Mühlen mit ihren Besitzern und Pächtern. Die dazugehörige Karte erleichtert die Orientierung. Außerdem hält Wilde für den Leser eine Aufstellung der nachweisbar vollzogenen Hinrichtungen von 1398 bis 1699 — Richtstätte des Amtes und der Stadt Delitzsch — parat.
Herzog S. (1998): Manfred Wilde, Das Häuserbuch der Stadt Delitzsch. In: Blaschke K. (eds) Neues Archiv für sächsische Geschichte. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, Stuttgart.

Anmerkung: Die in der Datenbank verwendete Abkürzung "erw." steht für das Wort "erwähnt" und nicht für "erwirbt"!

Datenbank Häuserbuch der Stadt Delitzsch


Das Häuserbuch der Stadt Delitzsch, I. Teil: Die Altstadt

Deckblatt - Teil I

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Wilde, Manfred
Titel: Das Häuserbuch der Stadt Delitzsch - Teil 1, Die Altstadt
Verlag: Degener & Co, Inhaber Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch
Erscheinungsdatum: 1993
Umfang/Format: 417 Seiten und Karten-Beilage (1 Bl.)
ISBN: 978-3-7686-4135-7 / 3-7686-4135-X
Beziehungen: Schriftenreihe der Stiftung Stoye, Bd. 24 


Vorwort

Wohl nur wenige Städte in Mitteldeutschland bieten, wie Delitzsch, die Einheit eines noch relativ intakten mittelalterlichen Stadtgrundrisses und einer fast vollständigen Wehranlage mit den zahlreich und vielschichtig erhaltenen Quellen aus der Stadtgeschichte.

Nach vierjähriger praktischer Arbeit in den zuständigen Archiven und Institutionen möchte ich mit diesem Häuserbuch erstmalig für den nordsächsischen Raum die Möglich­keit eines komplexen tiefgründigen Einblickes in sozial- und siedlungsgeschichtlichen Entwicklungsetappen in 600 Jahren Stadtgeschichte bieten.

Durch verbesserte Forschungsmethoden, genannt sei hier besonders die Verbindung von Stadtarchäologie und Archivwissenschaft, können und könnten viele Fragestellungen schärfer gesehen und so zielgerichtet auf deren Lösung hingearbeitet werden. Unabhängig davon ist eine auf Kontinuität ausgerichtete fachwissenschaftliche Arbeit unerläßlich. In diesem Zusammenhang möchte ich den Delitzscher Gerichtsaktuar Johann Gottlieb Lehmann (1778-1852) nicht unerwähnt lassen, ohne dessen Zutun eine Vielzahl heute als verschollen und vernichtet geltendes Quellenmaterial zumindest als komprimierte Abschrift nicht zur Verfügung stünde.

Gleichzeitig fühle ich mich verpflichtet, denen zu danken, ohne deren Hilfe dieses Werk hier nicht möglich gewesen wäre. Insbesondere meiner lieben Frau für unzählige Stunden Arbeit am Register. Weiterhin gilt mein Dank den Leitern und Mitarbeitern der Landes­hauptarchive in Dresden und Magdeburg, des Staatsarchivs Leipzig, des Grundbuchamtes, der Küsterei und des Museums Delitzsch und nicht zu vergessen der Stiftung Stoye für die Finanzierung der Drucklegung.

Delitzsch im Sommer 1993                                                                                  Manfred Wilde

Anschrift des Verfassers: Ritterstraße 31 in 04509 Delitzsch


Die territoriale und politische Zugehörigkeit 

Das Gebiet des späteren Landes Sachsen und der Stadt Delitzsch lag zur Zeit der Gründung des Ersten Reiches (Königswahl Heinrich I. 919) außerhalb der östlichen Reichsgrenze, die von Saale und Elbe gebildet wurde. Die Errichtung der Burg Meissen durch König Heinrich I. im Jahre 929 bildete den Grundstein der deutschen Herrschaft im Sorbenland und des späteren sächsischen Staates. In der Herrschaft über die Mark Meissen lösten sich Markgrafen aus verschiedenen Geschlechtern ab. Vom Jahre 1123 an blieben die Markgrafen aus dem Hause Wettin in dauerndem Besitz der Mark. Sie benannten sich nach ihrer Stammburg Wettin bei Halle an der Saale. Seit dem 10. Jahrhundert verbanden sie ihre eigenen Reichslehngüter um Wettin mit dem Gebiet um Zörbig, Brehna, Eilenburg, Torgau und Belgern zu einer großen Einheit. Um das Jahr 1000 wurde Eilenburg als Hauptburgort ihr neuer Verwaltungsmittelpunkt. 997 ging die Grafschaft im slawischen Gau Siusili, zu dem das Gebiet um Delitzsch gehörte, auf den Wettiner Grafen Friedrich von Eilenburg über. Der Wettiner Heinrich von *Eilenburg hielt im Jahre 1089 als Markgraf der Ostmark Einzug auf dem Burgberg Meissen. Unter dem Markgrafen Konrad dem Großen (1098-1157) wurden Teile des späteren Landes Sachsen erblich vereinigt. Es handelte sich fast ausschließlich um slawische Gebiete östlich der Saale. Unter anderem gehörte dazu der Gau Siusili, der in etwa dem heutigen Kreis Delitzsch entspricht. Der Besitz Konrad`s umfaßte neben dem Wettiner Stammsitz bei Halle das Osterland (Gebiet Delitzsch, Eilenburg), die Mark Meissen, das Pleißenland und Burgwarde wie Zörbig, Eilenburg, Petersberg, Landsberg, Brehna, Merseburg, Leipzig, Grimma, Meissen usw. Die Wettinischen Markgrafen behaupteten sich gegen das Reich, in dem sie die reichslehnbare Markgrafschaft Meissen mit ihrem Allodialbesitz (Eigenbesitz) vereinigten. Schon um 1250 waren die Wettiner die mächtigsten Herrschaftsinhaber im sächsischen Raum. Unter Kaiser Friedrich Barbarossa (1152 - 1190) war die Reichsgewalt noch einmal so erstarkt, daß im thüringisch-sächsischen Raum reichsunmittelbare Territorien im Egerland, Vogtland und Pleißenland aufgebaut werden konnten. Altenburg, Chemnitz und Zwickau waren damals Reichsstädte. Dieses Reichsterritorium war nicht verlehnt. Neben den Vögten, die die Reichsgebiete verwalteten und sie später vereinnahmten, versuchten Burggrafen als dem Reich unterstellte Befehlshaber auf Reichsburgen eigene Territorien aufzubauen. In die gleiche Richtung gingen die Bestrebungen der Bischöfe von Meissen, Merseburg und Naumburg. Alle diese selbständig neben den Markgrafen stehenden und zur Landesherrschaft strebenden Gewalten wurden im Verlauf der Entwicklung von den Wettinern ausgeschaltet und deren Ländereien in das wettinische Territorium integriert. Das Gebiet des späteren Amtes und der Stadt Delitzsch gehörte bis zum Jahr 1291 zum Territorium der Wettiner, kam bis 1328 an die Brandenburger, danach bis 1347 an die Herzöge von Braunschweig und danach wieder an die Markgrafen von Meißen. Der Name Sachsen, der ursprünglich 1356 nur das Herzogtum Wittenberg mit der Kurwürde, d. h. dem Königswahlrecht, bezeichnete, übertrug sich 1425 mit der Belehnung des Markgrafen Friedrich dem Streitbaren von Meissen durch Kaiser Siegmund auf das Gesamtterritorium und verdrängte die alte Territorialbezeichnung Meissen.  Bis 1424 gehörte das Gebiet um Delitzsch, Eilenburg und Leipzig zur Osterländischen Linie der Wettiner, zur Mark Landsberg. 1485 erfolgte die einschneidende Teilung der Wettinischen Länder in die ernestinische und die albertinische Linie. Die Grenze verlief erstmalig durch den östlichen Kreis Delitzsch. Der westliche Hauptteil gehörte mit den Städten Leipzig, Merseburg, Landsberg, Taucha, Rötha und Delitzsch zur albertinischen Linie. 1547 änderten sich die Verhältnisse mit der Wittenberger Kapitulation. Jetzt kam auch der östliche Teil des Kreises zur albertinischen Linie, dem späteren Kurfürstentum Sachsen. Als 1656 der Kurfürst Johann Georg I. starb, entstanden vier albertinische Länder:

a. ) Das Kurfürstentum Sachsen,

b. ) das Herzogtum Sachsen-Weißenfels,

c. ) das Herzogtum Sachsen-Merseburg und das

d. ) Herzogtum Sachsen-Naumburg-Zeitz.

Das Gebiet um Delitzsch gehörte zu Sachsen-Merseburg. Dieses Herzogtum umfaßte das Stift Merseburg, die Städte und Ämter Delitzsch, Zörbig, Bitterfeld mit Brehna, Doberlugk, Spremberg und Finsterwalde (Niederlausitz). Wie verworren die Verhältnisse nach der politisch unklugen Teilung waren, zeigen folgende Ausführungen. In einem Rezeß von 1657 wurde festgelegt, daß Delitzsch in geistlichen Angelegenheiten an das Konsistorium zu Leipzig, in rechtlichen an die Entscheidung des Oberhof- und Appellationsgerichts gewiesen, in militärischer Beziehung aber fast ganz vom Kurfürsten in Dresden abhängig war. Die schriftsässigen Rittergüter des Amts gehörten ebenfalls zu Kurfürstentum, wurden jedoch 1660 dem Merseburger Herzog überlassen. Diese für das Delitzscher Gebiet maßgebliche Linie umfasste Christian I. , Christian II. , Moritz Wilhelm und Heinrich (1657-1738). Nach dem Tode Heinrichs erlosch diese albertinische Seitenlinie im Mannesstamm. Damit fiel das Herzogtum an das Kurfürstentum zurück. 1746 war das Gesamtgebiet wieder vereinigt. Der Zeitraum zwischen 1738 und 1815 brachte keine wesentlichen territorialen Veränderungen für das Gebiet um Delitzsch. Im Jahre 1814 wurde dieses Gebiet wie folgt beschrieben: "Delitzsch, Dölitzsch, ein Amt im Leipziger Kreise, welches vom Amte Zörbig Zörbig durch den südlichen Theil des Amtes Bitterfeld getrennt wird, gegen Morgen an die Ämter Düben und Eilenburg, gegen Mittag an das Kreisamt Leipzig und das stiftische Amt Schkeuditz, gegen Abend an Westfalen und gegen Mitternacht an den Wittenberger Kreis bei Bitterfeld gränzet. Es ist von Morgen gegen Abend drei Meilen lang und von Mittag gegen Mitternacht 2 1/2 Meilen breit, und enthält außer 2 Städten, 18 alte schriftsässige Rittergüter mit 53 Dörfern und Dorfantheilen, 2 neu schriftsässige Rittergüter mit 5 Dörfern und Dorfantheilen, 19 amtssässige Rittergüter mit 23 Dörfern, und 45 unmittelbare Amtsdörfer; überhaupt also 126 Dörfer, 1 Vorwerk und 3 wüste Marken. "  Die napoleonische Zeit brachte auch hier viele Wirren mit sich. Obwohl sich schon vor der Völkerschlacht junge Sachsen als Freiwillige in einigen Freikorps am Kampf gegen Napoleon beteiligt hatten, gingen größere Truppenteile erst vor oder im Verlauf der Völkerschlacht bei Leipzig zu den Verbündeten über. Auch das sächsische Korps mit dem Namen "Banner der freiwilligen Sachsen", dessen Formierung mit dem Aufruf vom 31. Oktober 1813 begann, konnte nicht verhindern, daß das Königreich Sachsen von den Verbündeten als Besiegter behandelt wurde. Immerhin hatten der König Friedrich August I. und seine Minister im Frühjahr 1813 Angebote der Verbündeten abgelehnt. Liberal-patriotischen Kräften gelang es schnell, trotz Reparationsleistungen den schwer angeschlagenen sächsischen Staat zu reorganisieren. Diese Projekte wurden immer wieder vom Widerstand Steins behindert, der das Ziel verfolgte, Sachsen in Preußen aufgehen zu lassen. Sächsische Politiker stimmten einer Anlehnung an Preußen in Form einer Personalunion zu, lehnten aber eine Teilung des Landes ab. In diesem Sinn formulierte ein Reformer am 12. Juli 1814 "Über unser Schicksal ist kein Zweifel, Sachsen wird ungeteilt preusisch, mit Beibehaltung der Verfassung. Ich sehe die Veränderung der Dynastie nicht als Unglück an, jede Teilung aber als schändliche Schmach. " In Wien kam es aber dann doch im Zusammenhang mit einer Neugestaltung der Landkarte Europas, die in einen obskuren Länderschacher ausartete, zur Teilung Sachsens. Es ist für diesen Vorgang symptomatisch, daß für die Entscheidung, ob Leipzig sächsisch bleiben oder preußisch werden sollte, allein die Tatsache der Vergabe der polnischen Stadt Thorn an Rußland oder Preußen entschied. Da Preußen Thorn bekam, verzichtete es auf Leipzig. Die abschließenden Verhandlungen mit dem sächsischen König, fanden im März 1815 in Preßburg statt. Der Sächsische König weigerte sich hartnäckig der Teilung zuzustimmen, mußte aber letztendlich dem Druck Metternichs, Talleyrands und Wellingtons nachgeben und den Vertrag unterzeichnen. Mit diesem Schriftzug sank Sachsen endgültig in die politische Bedeutungslosigkeit und wurde Mitglied des gleichzeitig gegründeten Deutschen Bundes. Fast zwei Drittel des kursächsischen Territoriums mit dem Gebiet um Delitzsch und der knappen Hälfte der Gesamtbevölkerung kam an das Königreich Preußen. Alte historisch gewachsene Zusammenhänge wurden zerrissen, wirtschaftliche Bindungen willkürlich zerstört. Bei der sächsischen Bevölkerung fanden die Festlegungen des Wiener Kongresses im allgemeinen keine Zustimmung. Die nach dem Oktober 1813 mit Energie betriebenen polizeilichen Maßregeln gegen jedwedes Aufbegehren sowie die wirtschaftliche und soziale Zerrüttung führten jedoch dazu, daß die Landesteilung insgesamt ohne größere Widerstände hingenommen wurde. Dietrich von Miltitz schrieb 1814 Stein: "Die Sachsen werden die Entscheidung ihres Schicksals mit Ergebung tragen. " Die "Mußpreußen", wie man die Bewohner des nördlichen Landesteils nannte, ordneten sich zähneknirschend unter, im Königreich Sachsen wuchs die Erbitterung gegen den expansiven nördlichen Nachbarn bis zur Gründung des Norddeutschen Bundes weiter an. Das sächsische Königreich blieb von 1871 - 1918 Bundesstaat im Deutschen Reich. 1918 wurde es innerhalb der Weimarer Republik wie die anderen Bundesstaaten Freistaat (1918 - 1933).  Zurück zum Gebiet um Delitzsch. In Preußen wurden die alten und neuen Gebietsteile durch Verordnungen vom 20. April 1814 in zehn, später in acht Provinzen umgewandelt. Jede Provinz untergliederte sich in Regierungsbezirke und diese in landrätliche Kreise. Die Provinz Sachsen setzte sich aus drei Regierungsbezirken, Magdeburg, Merseburg und Erfurt, zusammen. An der Spitze eines Bezirkes stand eine kollegialisch organisierte Regierung. Diese unterstand dem Oberpräsidenten der Provinz.   Das Gebiet um Delitzsch nannte sich somit insgesamt: Königreich Preußen, Provinz Sachsen mit der Provinzregierung in Magdeburg, Regierungsbezirk Merseburg und wie heute Kreis Delitzsch. Die sächsische Ämterbezeichnung war weggefallen. Zudem wurden die neuen Kreise wesentlich größer als die sächsischen Ämter gestaltet. Nach 1918 wandelte sich auch Preußen in einen Freistaat. Die Verwaltungsstruktur und die Bezeichnungen blieben bis 1944 bestehen. Die preußische Provinz Sachsen wurde am 1. Juli 1944 aufgelöst, um die Verwaltungsorganisation den sogenannten "Reichsverteidigungsbezirken" anzugleichen. Dabei wurden die Regierungsbezirke Magdeburg und Merseburg in die selbständigen Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg umgewandelt. Der dritte Regierungsbezirk der Provinz Sachsen, der Regierungsbezirk Erfurt wurde dem Reichsstatthalter von Thüringen unterstellt. Im Mai 1945 wurde das Land Anhalt mit den 1944 geschaffenen Provinzen Halle - Merseburg und Magdeburg im ehemaligen Freistaat Preußen auf Befehl des Marschalls Shukow zur "Provinz Sachsen" vereinigt. Mit dem Beschluß des Landtages vom 3. Dezember 1946 wurde die Provinz Sachsen in "Provinz Sachsen - Anhalt" umbenannt. Sie war verwaltungsmäßig in die Bezirksverwaltungen Magdeburg, Merseburg und Dessau gegliedert.   Mit dem Gesetz vom 29. Januar 1947 wurden diese Bezirksverwaltungen mit Wirkung vom 30. Juni 1947 wieder aufgelöst und mit dem Befehl Nr. 180 der sowjetischen Militärischen Administration Deutschlands (SMAD) vom 21. Juli 1947 wurde auf Grund des im Zusammenhang mit der Auflösung des Preußischen Staates gefaßten Beschlusses die Provinz in das Land "Sachsen - Anhalt" umbenannt.   Das Gebiet um Delitzsch gehörte bis zur Verwaltungsreform 1952, die die Bezirke einführte, fünf Jahre zum "Land Sachsen - Anhalt". Die Landesregierung saß in Halle. Zum Landkreis Delitzsch gehörten genau 140 Gemeinden. Die Gesamtfläche betrug 76004 ha. Am 29. 10. 1946 bewohnten 118 858 Einwohner den Kreis. Städte im Kreis waren Delitzsch, Eilenburg und Landsberg. Die Kreisstadt war Delitzsch.  Mit dem Wiederaufbau der Industrie und der Festigung der Herrschaft der SED in der DDR wurde im Sommer 1952 die Veränderung der administrativ - territorialen Struktur der Republik mit der Bildung der Bezirke und Neubildung der Kreise in Angriff genommen und mit einer Entscheidung der Volkskammer am 23. Juli 1952 verwirklicht.  Für die drei neuen Kreise Delitzsch, Eilenburg und Torgau stellte die Bezirkseinteilung trotz ihrer Fragwürdigkeit eine glückliche Anbindung an alte sächsische Traditionen dar. Die durch den deutsch - deutschen Einigungsvertrag getroffene Entscheidung der Wiedereinführung der Länder auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und der mit der Kommunalwahl im Mai 1990 durchgeführten Volksabstimmung der Einwohner des Kreises Delitzsch für eine Zugehörigkeit zum neu entstehenden Freistaat Sachsen, bestätigt die historische Bindung.


Stadtgeschichte

Delitzsch stellt sich heute dem Betrachter als Kreisstadt mit ihren ca. 27. 000 Einwohnern gelegen in der Leipziger Tieflandsbucht, im Bereich des Marktplatzes und der Kirche St. Peter und Paul in einer Höhe von 97 m über NN, auf einem ca. 3 m hohen eiszeitlichen Sandrücken über der die Stadt umgebenden Loberniederung, dar.   Erste Hinweise auf eine Siedlungstätigkeit im Weichbild, d. h. dem Rechtsbezirk der später entstandenen Stadt, deuten auf das 9. Jh. , der mittelslawischen Siedlungsperiode. So haben sich an Hand von Bodenfunden und nachfolgender archäologischer Grabungsuntersuchungen eine slawische Siedlungstätigkeit für das 9. Jh. im Bereich der heutigen Beethovenstraße und für das 10. und 11. Jh. auf dem Gebiet des westlichen Schloßgeländes  , der zur Ritterstraße hin gelegenen Rückseite des Rathausgrundstückes   und in der Holzstraße , nachweisen. Abgesehen von dem Fund in der Beethovenstraße sind interessanterweise die Fundorte deckungsgleich mit den bis in das späte Mittelalter nachweisbaren freien Höfen markgräflicher Ministeriale. Archäologische Untersuchungsergebnisse für die weiteren zwei ehemaligen freien Höfe auf den Grundstücken Münze 8/9 und der Badergasse 25 fehlen bisher. Versucht man nun an Hand dieser Untersuchungsergebnisse ein Siedlungsbild des beginnenden 12. Jh. zu rekonstruieren stellt sich folgender Sachverhalt dar. Nach der im 10. Jh. erfolgten ersten Phase der deutschen Ostkolonisation hier im seit etwa dem 7. Jh. slawisch besiedelten Land der Sorben mit der Gründung deutscher Burgwarde, so werden im Jahr 981 entlang der Mulde u. a. Ilburg (Eilenburg), Liubanici (Löbnitz) und Geserisca erwähnt . Parallel dazu erfolgte die Christianisierung dieses ostsaalischen Gebietes. 968 wurden die Bistümer Meißen, Zeitz und Merseburg geründet. Der Gau Siusili gehörte zum Bistum Merseburg. Der Erzpriestersitz wurde in Gollma errichtet, wohl aber erst nach dem Jahre 1104, nachdem der Gau Siusili 981 an das Magdeburger Erzbistum gekommen war.  Nach einer Zeit der Stagnation, setzt im beginnenden 12. Jh. die Phase des inneren deutschen Landesausbaus mit der Schaffung kleinerer Verwaltungsbezirke ein. Diese Verwaltungsbezirke, später gemeinhin "districtus" genannt , waren dann schon im 14. Jh. im Umfang fast vollständig mit den späteren Ämtern identisch. Betrieben wurde dieser innere Landesausbau im Untersuchungsgebiet vorrangig von den Wettinern, deren Nebenlinie in Landsberg und Eilenburg ihren Sitz hatte, und den Klöstern auf dem Lauterberge (gegründet 1127) und in Sittichenbach.  Gleichzeitig setzt ein starker Zustrom in das Land gerufener deutscher Siedler, insbesondere Flamen, Franken und Hessen, ein, die durch mehrjährige Steuer- und persönlicher Freiheit und fruchtbaren Ackerboden begünstigt waren.

Die in unmittelbarer Nähe eines alten in West - Ost Richtung verlaufenden Handelsweges gelegene befestigte slawische Anlage (auf dem Spitzberg) wurde zum Sitz eines unteren Gerichtsbezirkes. In den Jahren 1207, 1222 und 1224 ist uns das Landding (placitum provinciale) der Ostmark in Delitzsch urkundlich belegt.  Diese Burganlage dient gleichzeitig als Verwaltungssitz -Vogtei-, Gerichts- und befristeter Wohn- und Witwensitz bis 1291 der Wettiner, bis 1328 der Brandenburger, bis 1347 der Herzöge von Braunschweig und danach der Markgrafen von Meißen.  Die zum großen Teil aus vormals unfreien Landesbediensteten hervorgegangenen Ministerialen dieser Regionalverwaltung wurden auf mit bestimmten Freiheiten ausgestatteten Höfen in unmittelbarer Nähe angesetzt. Diese Höfe waren frei von Zins- und Abgabenleistungen und entwickelten sich in einigen Fällen in der Folgezeit zum Allodialbesitz, d. h. Eigengut. Als Gegenleistung versahen diese Ministerialen, der in der Umgebung angesessene niedere Landadel, als Amthauptmann, Unteramtmann, Vogt und Schösser ihren Dienst für den Landesherrn und hatten je nach Bedeutung und Größe des Besitzes mit einem oder mehreren Ritterpferden die Heerfahrt im Kriegsfall mit zu tragen. Diese Freiheiten und Privilegien verliehen diesen Anwesen auch zukünftig eine bevorzugte Stellung. Die alte Befestigungsanlage auf dem Schloßgelände war das Burglehn, der freie Hof auf dem heutigen Rathausgrundstück hatte der markgräfliche Schultheiß als Vorsteher der späteren Stadtgemeinde inne, auf den freien Höfen in der Holzstraße und der Badergasse etablierten sich im 14. und 15. Jh. Mönchstermineien. Mit dem Lehnbuch Friedrichs des Strengen 1349/50 wird uns ein erstes, wenn auch nur im groben Raster, überliefertes Bild dargeboten.   Parallel dazu lassen sich, vermutlich ab dem ersten Drittel des 12. Jh. , im Schutz der Burg erste Handwerker und Händler nieder. Diese in den Anfangsjahren als Dienstsiedlung der Burg anzusprechende Anlage ist mit einiger Sicherheit in der Schloßstraße und im Bereich der Mühlstraße 1 - 5 zu suchen.  Man muß sich nur davor hüten in diesem Zusammenhang schon von einer Stadtanlage bzw. einer planmäßigen Stadtgründung zu sprechen. In der Regel gehen die Städte nur ganz selten auf einen eindeutigen und einmaligen Gründungsakt zurück, vielmehr erfolgte eine allmähliche Entwicklung in mehreren Stufen zur Stadt.  Die erste Nennung von Delitzsch als Stadt (civitatem Deltz) läßt sich im Jahr 1332 nachweisen.  Der in den folgenden Jahrzehnten (nach etwa 1200) sich vertiefende innere Ausbau des städtischen Gemeinwesens erstreckt sich bis zur zweiten Hälfte des 14. Jh. auf die Straßenzüge Ritterstraße, Hallesche Straße östlich des späteren Halleschen Turmes, Markt, Leipziger Straße (vom Markt zur Ritterstraße), Schloßstraße und eines Teiles der Mühlstraße, insgesamt, abgesehen von Teilen der Schloß- und Mühlstraße als relativ planmäßige Stadtanlage. Dieser, noch als Handwerker- und Händlerniederlassung mit Marktprivileg anzusprechenden Siedlungsanlage, stand zumindest bis 1350, vermutlich bis 1376, der Schultheiß als ein vom Landesherrn eingesetzter Beamter vor. Die Herausbildung eines selbständigen von der hausbesitzenden Bürgerschaft gewählten Rates und des sich daraus rekrutierenden Bürgermeisters erfolgt in Delitzsch mit hoher Wahrscheinlichkeit erst im Zeitraum zwischen 1364- 1376. Aus dem Jahr 1364 datiert die älteste für die Bürgerschaft ausgestellte Urkunde.   Das es in der Folgezeit, ähnlich wie in den Fernhandelsstädten, zu Ausein- andersetzungen zwischen dem Rat der Stadt und den Handwerks- meistern um eine größere Beteiligung der Handwerker an den Rats- geschäften kam, zeigt uns eine Nachricht aus dem Jahre 1402.   Vermutlich wurden in Folge dieser Unruhen, auch Innungs- oder Zunftkämpfe genannt, in einem Vergleich der beteiligten Parteien die Beteiligung jeweils eines Verteters der Handwerkerschaft aus jedem der vier Stadtviertel an den Ratsgeschäften beschlossen. In der Altstadt werden erstmals 1442 und in der Neustadt 1456 "virtelhern" erwähnt.  Im Jahr 1376 läßt sich die für jährlich 12 Schock in Pacht vom Markgrafen innehabende eigene städtische Gerichtsbarkeit, der gewählte Rat, geteilt in drei wechselnde Räte, mit dem Bürgermeister und der Beginn des ältesten Stadtbuches nachweisen.  Mit dem innehaben, wenn auch nur pachtweise, der Gerichtsbarkeit vollzog sich auch die Trennung der Stadtgemeinde vom Amt mit dem Burgbezirk. Der Vogt, später auch Amthauptmann genannt, der Schösser, der Landrichter und die Landschöppen waren für die Verwaltungs- und Gerichtssachen des Amtes als Vertreter des Markgrafen, der städtische Rat mit dem Bürgermeister und dem Stadtrichter für die Stadtgemeinde nunmehr direkt dem Markgrafen zuständig, auf dessen Bestätigung sie nach der Ratswahl auch zukünftig angewiesen waren. 1423 erkauft die Stadt die vollständige hohe Gerichtsbarkeit für 550 Gulden und hat mit der Bildung des Landtages des sächsischen Territorialstaates im Jahr 1438 dort Sitz und Stimme.  Die Stadtgemeinde, vielfach begünstigt z. B. durch das Marktprivileg, das fast vollständige Handwerker- und Händlermonopol und dem Braurecht mit dem Recht zur Durchsetzung der Biermeile (ab 1390) brachte es zu einem ungeahnten "Energieüberschuß" der sich durch den Ankauf einer vielzahl von Liegenschaften bemerkbar machte. Die Stadt tritt als selbständiger Grundherr auf.

So werden

ab 1390 die Kohlgärten am Lober der Familie v. Trossin,

1402 der Sedelhof und das Dorf Benndorf,

1404 das Dorf Gerltitz,

1415 21 Acker der Spröde,

1423 die Dörfer Werben, Elberitz und einen weiteren Teil der Spröde,

1428 den Sedelhof zu Rubach,

1458 das Dorf und den Sedelhof Gertitz,

1476 28 Kuxe Berganteile im Silberbergbau des Erzgebirges, davon in Freiberg 4, Annaberg 5, St. Marienberg und Zschopau 7, Wolkenstein und Drähpach 12 Kuxe,

1530 die Gerichtsbarkeit auf 5 Hufen auf Weißigmark,

1610 die Rittergüter Petersroda und Neuhaus mit den Dörfern Holzweißig, Paupitzsch und Werbelin, erworben.  

 Diese zunehmende wirtschaftliche Kraft blieb nicht ohne Auswir- kungen auf die Umgebung der Stadt. Die Phase des wüst werdens, d. h. das verlassen und aufgeben, vieler Dörfer in der Nachbarschaft deckt sich zeitgleich mit der Entstehung der Neustadt und der Erweiterung der Delitzscher Amtsvorstädte. Neben den verheerenden Pestepedemien stellt die im 15. Jh. einsetzende Agrarkrise in der Landwirtschaft eine der Hauptursachen der Wüstungsperiode dar, die aber gleichzeitig der Stadt durch ihre Erweiterung zum Vorteil gereicht. Auf Grund vorliegender Untersuchungsergebnisse   kann man den östlich vom Markt und Pfortenstraße bis zum Breiten Turm liegenden Stadtteil als eine etwa zwischen 1370-1410 entstandene erste Neustadtsiedlung ansprechen. Heutige Schul- und Breite Straße. Ausschließlich dem Teil des heute "Münze" benannten Stadtteils, welcher mit geringen Ausnahmen bis zum Jahr 1544 den freien Hof derer v. Pack umfaßte   und der Holzstraße mit der Mönchsterminei, dem Frauenhaus und dem dicht daran liegenden Scheunenviertel, deren innere Aufsiedelung erst im 16. Jh. einen vorläufigen Abschluß fand. Der Ausbau der Befestigungsanlagen zum Schutz der Stadt fällt mit einiger Sicherheit in den Zeitraum um 1390-1410. Sicher mag die Stadt, begünstigt durch eine Loberschleife, schon früher durch einen schmalen Graben und Hecke notdürftig gesichert gewesen sein, aber als Fluchtstätten dienten im Verteidigungsfall die Burg und die Kirche. Mit der Selbständigkeit der Stadtgemeinde, die auch dem Schutz der Bevölkerung und ihren Sachwerten verpflichtet war, wuchs das Schutzbedürfnis. Die Stadt wird zum Zufluchtsort. Der Hallesche Turm (erbaut 1394-97) und der Breite Turm bilden neben einigen kleinen nur pfortengroßen Türen die einzige Möglichkeit des Einlasses in die Stadt. Der Bau der Stadtmauer, als Bauwerk urkundlich (wenn auch nur sekundär) 1410 erstmalig erwähnt , wird doch wohl erst nach dem Bau der beiden Stadttürme begonnen worden sein. Parallel dazu wurde der innere Graben ausgebaut. Der Bau der Stadtmauer und die Erweiterung des Stadtgrabens vollzogen sich in mehreren Abschnitten und fanden erst um 1455 einen vorläufigen Abschluß.  Der Umfang der Altstadt beträgt ca. 1500 m, der Flächeninhalt 18 ha, der Flächeninhalt des Burgbezirkes 2 ha, der der Neustadt 13 ha. über die Herkunft und die soziale Schichtung der Bürgerschaft ergibt sich ein sehr differenziertes Bild. Der größte Teil der städtischen Handwerksmeister und Händler stammt entweder aus einer Delitzscher Bürgerfamilie oder er rekrutiert sich aus umliegenden Städten, wobei hier mit Abstand Eilenburg, Grimma, Schkeuditz, Leipzig, Landsberg, Halle, weiter entfernt auch Joachimsthal, Chemnitz, aber auch Nürnberg und die Niederlande, am häufigsten genannt werden. Fast ausnahmslos heiraten sie in diese Familien als Schwiegersohn, aber zum prozentual etwa gleichen Anteil auch bei Witwen ein. Sogenannte Existenzgründer gehören zur Ausnahmeerscheinung. Die familiäre Vernetzung bekannter Ratsherrenfamilien, die vielfach ihre Partner aus sozial gleichgestellten Familien des Handwerks, Handels und der Geistlichkeit aber zu einem hohen Anteil ihre Frauen aus wohlhabenden Bauernfamilien der Umgebung holten, ist verglöeichbar anderen ähnlichen Städten. Städte wie Delitzsch, Torgau und Grimma gelten auch für die Geistlichkeit der umliegenden Pfarrorte und Städte als Wiege. Die sozial Schwächeren, soweit sie das Bürgerrecht besaßen, nannten im günstigsten Fall ein Pfahlhaus, meist in der Neustadt, ihr eigen. Oftmals vergingen von der Heirat bis zum Kauf eines Hauses viele Jahre währenddessen sie als Mieter untergebracht waren. Diese sogenannten bürgerlichen Einwohner, Handarbeiter, Tagelöhner und Dienstknechte stammten zu einem hohen Anteil aus den umliegenden Dörfern, wobei hier der Ostteil des Amtes in den Vordergrund trat. Eine Hauptursache wird hier in der im Gegensatz zum mittleren und westlichen Teil des Amtes stärker ausgeprägten Gutsherrschaft zu suchen sein. Besonders ausgeprägt war diese Erscheinung im 17. Jh. . Aus diesen Dörfern kommend wohnten sie zu Beginn meist in den Amtsvorstädten Grünstraße und Rosental bis in den folgenden Generationen der Sprung in das städtische Gemeinwesen gewagt wurde. Nur wenigen Familien gelang selbst nach zwei oder drei Generationen der nächste Schritt zum Besitz eines brauberechtigten Hauses innerhalb der Stadtmauer. Diese Prozesse lassen sich im einzelnen mit Hilfe des Registers im Häuserüberblick gut verfolgen. Schon an anderer Stelle wurde auf die Differenziertheit eines Brauerbehausgrundstückes und eines Pfahlhauses hingewiesen.  Blieb die Anzahl der Brauerbegrundstücke mit wenigen Ausnahmen über Jahrhunderte fast konstant, wuchs die Anzahl der Pfahlhäuser proportional der Erweiterung bzw. Verdichtung der Stadt.

Auch hier in Delitzsch finden wir die in anderen vergleichbaren Städten vorkommenden Berufsgruppen, meist in Innungen zunftmäßig organisiert, wieder. Genannt werden Grob-, Klein-, Nagel-, Waffen-, Kupfer-, Gold-und Silberschmiede, Loh-, Weiß-und Rotgerber, Kürschner, Riemer, Handschuhmacher, Beutler, Schuster und Schuhmacher, Buchdrucker und -binder, Tischler, Zimmerleute, Böttcher, Tuchmacher und -scherer, Schneider, Leineweber, Seifensieder, Glaser, Fleischhauer, Bäcker, Zuckermacher, Seifensieder, Perückenmacher, Kaminfeger, Apotheker, Gastwirte, ein Braumeister, Kramer, Leinwandhändler, Bader und Chirurgen. Die Viertelsmeister und Ratsherren übten diese Arbeiten oft neben ihrem bürgerlichen Beruf als Ehrenamt aus. Dagegen werden in den zur Verfügung stehenden Quellen keine Ackerbürger aufgeführt. Die ackerbesitzenden Familien liesen wohl durchweg diese landwirtschaftlichen Arbeiten von Knechten und Mägden verrichten.  Zahlreiche früher und teilweise noch heute gebräuchliche Straßennamen geben über die ehemals dort ansässigen Handwerke Auskunft. Riemergäßchen (heute Milchgasse), Wollwebergasse (heute Schul- und Pfortenstraße), Gerberplan und Töpfergasse. Parallel dazu steht der Teil der studierten Bürgerschaft und Geistlichkeit. Nach einer Grundausbildung an der städtischen Lateinschule gingen die begabtesten mittellosen Bürgersöhne mit einer Freistelle versehen oder die dazu finanziell in der Lage waren zum Studium an eine Universität. Natürlicherweise werden die meisten Delitzscher in den Matrikeln von Leipzig und Wittenberg genannt. Ab etwa 1543 war dem Besuch der Universität noch die schulische Weiterbildung an einer der drei sächsischen Fürstenschulen in Grimma, Schulpforte oder Meißen vorgelagert. Viele gebürtige Delitzscher des 15. -18. Jh. finden wir im Stand der Geistlichkeit von Städten und Dörfern, als Universitätsprofessoren und im diplomatischen Dienst wieder.  In Delitzsch treffen wir auf sie als Ratsherren und Bürgermeister, Stadtschreiber und -richter, Ärzte, Pastoren, Diakone und Schullehrer.

 Zeittafel

1207 Markgraf Konrad von Wettin hält in Delitzsch einen Gerichtstag ab.

1222 Landgraf Ludwig von Thüringen hält hier ebenfalls einen Gerichtstag ab.

1291 Landgraf Albert von Thüringen verkauft Delitzsch und andere Städte und Ämter an die Markgrafen von Brandenburg.

1332 Erste Erwähnung von Delitzsch als Stadt.

1376 Pachtweise Erlangung der selbständigen städtischen Gerichtsbarkeit.

1390 Privileg der Biermeile vom Markgrafen Wilhelm.

1392 Erbauung des ersten Hospitales.

1397 Die Schuh- und Gerberknechte erhielten ihren Innungsbrief, den ältesten der Stadt.

1404 - 1499 Um- und fast vollständiger Neubau der Kirche St. Peter und Paul im gotischen Baustil.

1406 Fleischer erhalten ihren Innungsbrief.

1423 Die Stadt erhält die endgültige Obergerichtsbarkeit.

1424 Schneider erhalten Innungsbrief.

1434 Bäcker erhalten Innungsbrief.

1441 Schmiede erhalten Innungsbrief.

1474 Rathaus wird auf drei ehemaligen Hausgrundstücken neu erbaut.

1485 Bei der Länderteilung Sachsens kommen Amt und Stadt Delitzsch zur Albertinischen Linie.

1504 Anstellung eines Hausmannes und Stadtpfeifers auf dem Breiten Turm.

1516 Erbauung der Hospitalkirche.

1518 Beginn des Neubaues der Kirche St. Marien.

1539 Einführung der Reformation.

1558 Amtsschösser Christoph Lotter erbaut das sogenannte Ritterhaus in der Rittergasse.

1572 Das Stadtschreiberhaus in der Rittergasse wird fertiggestellt.

1621 - 1623 Errichtung einer kurfürstlichen Kipper- und Wippermünzstätte in Delitzsch.

1644 Schloß und Teile der Stadtmauer werden durch die schwedische Besatzung zerstört. Im Dreißigjährigen Krieg wurden in der Stadt 111 Häuser in der Altstadt, 54 Häuser in der Neustadt, 50 Scheunen und die Ziegelscheune zerstört bzw. lagen wüst.

1656 Durch Teilung des Landes kommen Amt und Stadt Delitzsch an das Herzogtum Sachsen-Merseburg bis zum Erlöschen der Linie 1738.

1657 Drei angeblichen Hexen aus Mocherwitz wird der Prozeß gemacht. Sie werden verbrannt.

1661 Größte Feuersbrunst in Delitzsch, fast der ganze Westteil der Stadt wird ein Raub der Flammen.

1679 Am Pfortenplatz wird von der Stadt das sogenannte Ordonnanzreiterhaus gebaut.

1690 Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg läßt das Schloß als Witwensitz für seine Gemahlin wieder aufbauen.

1696 Der Schloßturm erhält seine barocke Haube.

1729 Wiederherstellung der Kirche St. Marien durch den Erbherrn auf Niemeck, Dr. jur. Christian Schultze.

1735 Die erste Promenade um die Stadt wird durch die Einebnung des Walles und Bepflanzung angelegt.

1795 Am 19. April wird der Naturforscher Christian Gottfried Ehrenberg im Haus Hallesche Straße 36 geboren. Er unternahm Forschungsreisen nach Nordafrika, Libanon, Rotes Meer und Äthiopien, 1829 mit Alexander v. Humboldt durch den Ural nach Asien. Universitätsprofessor in Berlin, Mikrobiologe und -geologe.

1808 Am 29. August wird Herrmann Schulze, der spätere Begründer des deutschen Genossenschaftswesens, im Haus Markt 11 geboren.

1815 Delitzsch wird preußisch. Aus den ehemaligen sächsischen Ämtern Delitzsch und Eilenburg wird der Kreis Delitzsch gebildet.

1827 - 1829 Neubau einer Knabenschule in der Hintergasse (heute Schulstraße).

1848 Zur Märzrevolution spricht in Delitzsch Dr. Herrmann Schulze auf dem Markt. Gründet einen Volksverein und wird Abgeordneter der Nationalversammlung in Berlin. Hier führt er zur Unterscheidung den Beinamen (Dr. Herrmann Schulze)-Delitzsch.

1849 Delitzsch erhält ein Kreisgericht, wodurch eine Rathauserweiterung notwendig wird. Es wird aufgestockt und erhält seine heutige äußere Form. Am 10. Mai gründet Schulze-Delitzsch die Schuhmacher-Rohstoff-Einkaufsgenossenschaft.

1850 Gründet Schulze-Delitzsch den Vorschußverein, aus dem die Volksbank hervorgeht.

1856 Beginn der Umbauten am Delitzscher Schloß zu einer königlichen Strafanstalt für Frauen.

1857 - 58 Neubau der Knabenschule am Gerberplan. Heute alter Teil des Ehrenberg-Gymnasiums.

1859 Die Eisenbahnstrecke Berlin (Magdeburg)-Leipzig wird am 1. 2. in Betrieb genommen. Delitzsch erhält einen Haltepunkt.

1862 Eingemeindung des Dorfes Grünstraße.

1865 Erbauung der Gasanstalt, Gasbeleuchtung wird eingeführt.

1871 Einweihung der Knabenvolksschule in der Bitterfelder Straße.

1872 Am 1. 7. wird die Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn in Betrieb genommen.

1873 Gründung eines Lehrerseminars.

1876 Schloßpromenade wird angelegt.

1882 Bau des Lehrerseminargebäudes in der Dübener Straße.

1884 Anlage des Stadtparkes.

1891 Die städtische Badeanstalt wird gegründet. Am 13. 9. Enthüllung des vom Bildhauer E. Weißenfels geschaffenen Schulze-Delitzsch Denkmales am Marienplatz.

1885 Bau des Krankenhauses.

1899 Einweihung der Mädchenvolksschule an der Chausseestraße.

1900 Einrichtung eines Heimatmuseums in der Schulze-Delitzsch-Schule in der Schulstraße.

1902 Baubeginn für den Wasserleitungsbau.

1909 Bau der Pestalozzischule.

1914 - 1918 Im 1. Weltkrieg sind 327 Soldaten aus Delitzsch gefallen.

1921 Durch Bau- und Siedlungs-sowie Heimstätten-Genossenschaft wird mit dem Wohnungsneubau begonnen.

1928 Ankauf des Schloßes durch die Stadt.

1945 Am 20. 4. Besetzung der Stadt durch amerikanische Truppen. Im 2. Weltkrieg sind 566 Delitzscher als Soldaten gefallen.

1950 Bau der komunalen Berufsschule.

1958 Grundsteinlegung des ersten Teiles von Delitzsch-Nord.

1968 Grundsteinlegung Tiergarten Delitzsch.

1969 Fertigstellung des Elberitz-Freibades.

1974 Verbringen des Schulze-Delitzsch Denkmales vom Standort Marienplatz in den Stadtpark. An dessen Stelle wird ein Wilhelm Pieck Denkmal errichtet.

1977 Aufschlußbeginn des Braunkohlentagebaues Delitzsch Süd-West. Ihm fällt ein großer Teil der Kulturlandschaft des Kreises Delitzsch zum Opfer. Für die umzusiedelnde Bevölkerung wird der zweite Teil des Neubaugebietes Delitzsch-Nord errichtet.

1990 Nach fast 60 Jahren wieder freie Komunalwahlen.


Die Quellen

Ausgehend von dem noch heute im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig sich befindenden Bestand des Stadtarchives Delitzsch als Depositum und einem Splitterbestand desselben im Landeshauptarchiv Magdeburg, kann die Quellensituation, wenn auch durch teilweise Ab-schriften eingeschränkt, für das Untersuchungsgebiet als recht günstig eingeschätzt werden. Anfänge für ein Urkundendepot in der Stadt lassen sich relativ genau auf das Jahr 1364 datieren, welche durch das Vorhandensein der ältesten empfangenen Urkunde bestätigt wird. Dieser Beleg setzt zumindest eine sichere Verwahrung voraus. Fast gleichzeitig setzen die Schriftlichkeit der Verwaltung und Gerichtsbarkeit des Delitzscher Rates und damit seine Kanzleiregistratur ein. 1376 begann das älteste bekannte Stadtbuch, 1419 setzten in gleicher Weise die Stadtrechnungen ein. Da beide als verschollen gelten, lässt sich aus ihrem Text nicht ablesen, ob es eine noch ältere Schicht gegeben hat. Im Vergleich zu ähnlichen Städten - z.B. Eilenburg und Grimma - sind ältere und schon viel früher in Verlust geratene Geschäftsbücher nicht zu vermuten. Im Verhältnis zur ersten Urkunde setzt die Kanzleiregistratur des Rates sehr früh ein. Oft liegen in anderen Städten beide Daten weiter auseinander.
Schon im ersten Drittel des 15. Jh. ist mit gewissen Sonderverwaltungen des Rates zu rechnen, die durch eigene Geschäftsbuchserien repräsentiert werden, Lehnbücher (seit 1428), Schoßregister (seit 1432). Der Übergang der Stadt und des Amtes Delitzsch im Jahr 1815 von Sachsen an Preußen, bleibt nicht ohne Wirkung auf die Registratur und Archivorganisation. Dabei scheinen sich Bemühungen um eine "Revision der Aktenrepositur" - die Urkunden bleiben üblicherweise unberührt - mit geordneten Kassationen einerseits und Verfallserscheinungen andererseits zu überschneiden. Tatsächlich galt die "Revision" des Jahres 1826 dem Ausscheiden von Registraturen infolge der Verwaltungsänderungen, der Kassation, dem Altpapierverkauf. Was nicht an außerstädtische Organe abzugeben war, schien angesichts der neuen gesellschaftlichen Verhältnisse, für die nun anders organisierten Verwaltungs­belange wertlos. Der historiographische Wert war den Verwaltungsbehörden noch nicht geläufig. Diese Revision leitet demnach keine durchgehende Neuorganisation des städti­schen Archivs ein, wie das auf der Ebene der preußischen Provinz- und Regierungsbehörden mit der Gründung des Magdeburger Staatsarchives einige Jahre vorher der Fall war, sondern bedeutet im Gegenteil den Beginn des Abbaus. Dieses "Tief', das für die Geschichte von Stadtarchiven geradezu typisch ist, begegnet uns in Delitzsch ebenso wie in größerem Maßstab z.B. in Halle oder Leipzig. Es ist dadurch gekennzeichnet, dass die Bildung der Stufe des Zentralarchivs auf örtlicher Ebene um mindestens 1/2 Jahrhundert verzögert und auch dann nur ansatzweise zustande kommt, wobei einige Merkmale des örtlichen Zentralarchivs nicht zuletzt schon von der Größenordnung her ausfallen.' Diese, für den Bestand des Stadtarchivs, negative Entwicklung reflektieren: 1817 ermäch­tigt eine Veröffentlichung im Merseburger Regierungsblatt "sämtliche Untergerichte unseres Departements zu dem Verkauf der nutzlosen alten Akten". Sie wird wohl auch in Delitzsch erfolgt sein, denn sie ist in dem 1826 angelegten Aktenband über die "Revision der Aktenrepositur ....", der ersten Geschäftsakte der Stadtverwaltung über ihr Archiv, enthalten und offenbar der Revision von 1826 mit zugrunde gelegt worden. 1827 hat der Gerichts-Aktuar Johann Gottlieb Lehmann die Durchsicht der Gerichtsakten - sie war Gegenstand der Revision von 1826 - beendet. Darüber liegen ein Bericht und ein alphabe­tisches Repertorium vor. Damit verbunden waren Abgaben an die preußischen Justizbehör­den und Kassationen. Von 1828 ist ein Verzeichnis der öffentlich verkauften alten Akten aus dem Ratsarchiv erhalten, das von der Merseburger Regierung genehmigt war. 1838 folgt eine mit 123 Nummern zur Kassation anstehender Akten über den 30-jährigen und den 7-jährigen Krieg, die an die Regierung gegangen ist. Sehr wahrscheinlich wurde auch ohne Liste kassiert oder verkauft, und in diesem Zusammenhang werden das älteste Stadtbuch und die ältesten Stadtrechnungen abhandengekommen sein. Für 1822, 1828 und 1861 ist von Auktionen die Rede, "um des Magistrats Archiv von gänzlich entbehrenden Akten und Schriften zu säubern". Zeitgleich, vermutlich angesichts der anstehenden Kassation, fertigte J.G. Lehmann, um 1825, Abschriften, Exzerpte und nach Sachgebieten geordnete Zusammenstellungen - hier sind am wichtigsten zu nennen, sein für diese Arbeit als Grundstock dienendes Verzeichnis über Häuser und Hausbesitzer, aber auch die Gelehrten in und aus Delitzsch, der Geistlichkeit und der Amtshauptleute. Insbesondere im Verzeichnis der Häuser und Hausbesitzer sind als Quellennotiz viele der jetzt als verschollen geltenden Archivalien aufgeführt. Diese im Folgenden mit aufgeführten, heute nicht mehr vorhandenen Bestände, geben einen Überblick über die zu Beginn des 19. Jh. noch, für vergleichbare Städte wohl einmalig, vorhanden gewesene Fülle historischen Quellenmaterials zur Stadtgeschichte. Zur Systematik und Vorgehensweise zur Erarbeitung dieses Häuserbuches sei im Folgenden kurz bemerkt:

Gewählt wurde für die Reihenfolge der Hausgrundstücke die Abgeschlossenheit der Grundstücke innerhalb der heute gültigen Straßenbenennung in alphabetischer Ordnung, getrennt aber zwischen der Altstadt und der Neu- bzw. den Vorstädten, mit der Folge der ungeraden und dann der geraden, seit 1893 geltenden, Hausnummerierung. Entgegen anderer Häuserbücher, als Beispiel sei das der Stadt Dessau genannt, ist so auch für den außenstehenden Interessierten und mit der Spezifik der alten Nummerierung nicht Vertrau­ten, ein Zurechtfinden jederzeit gewährleistet.
Siedlungsgeschichtliche Prozesse und Änderungen in der Straßenbenennung werden in der Einleitung jeder Straße vorangestellt. Als Glücksumstand kann gelten, dass die heute gültigen Straßennamen im Großen und Ganzen denen von 1893 wieder entsprechen. Ausgehend von den ausgewerteten Grundbüchern, für das 20. Jh. teilweise auch den Adressbüchern der Stadt Delitzsch, setzt für die Zeit vor etwa 1800 das Verzeichnis der Häuser und Hausbesitzer ein. Parallel dazu wurden die sich bei der Auswertung des Archiv­materials ergebenden Konkretisierungen mit Quellenangaben in den Fußnoten der Hausgrundstücke beigefügt. Unterschieden wird prinzipiell zwischen der Erwähnung (erw.), Kauf oder Belehnung. Diese nähere Differenzierung bezieht sich auf das konkret vorangestellte Jahr.
Die mit - erw.- gekennzeichneten Jahre mit Besitzer sind fast vollständig den Schoß- und Steuerlisten der jeweiligen Jahre entnommen. Diese in allen Hausgrundstücken wie­derkehrenden Jahresangaben, z.B. 1501 und 1552, sind der generellen Quellenübersicht zu entnehmen. Eine ständige Aufführung wäre der Übersichtlichkeit abträglich gewesen. Beigefügte Berufs- und Tätigkeitsangaben, Herkunftsorte der Besitzer und Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Hausbesitzerfolgen sind den Kirchenbüchern, den Verzeichnissen über die Bürgermeister, Ratsherren, Geistlichen, Lehrern und den Bürgerbüchern entnommen. Verwandtschaftsbeziehungen beziehen sich immer auf die vorherige Besitzereintragung. 
Die im Folgenden aufgeführte Quellenübersicht gliedert sich in die Archivbestände der Landeshaupt- und zugeordneten Regionalarchive, dem Ephoral- und Küstereiarchiv Delitzsch und dem Archiv des Amtsgerichtes Delitzsch. Dem Bestand Stadt Delitzsch ist eine Übersicht über die verlorengegangenen bzw. verschollenen Archivalien beigefügt.

Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, Stadt Delitzsch

Signatur;                           Bezeichnung;                              Zeitl. Umfang 

198; Verzeichnisse über das/den Ratskollegium, Bürgermeister, Stadtschreiber.; 1376-1899
469; Verwendung des auf dem Mühldamm gelegenen und "Ratsbackofen" genannten Hauses; 1712-1728
471; Verkauf der städtischen Garküche; 1797-1798
472; Verkauf des städtischen Torschreiberhauses vor dem breiten Tor.; 1805
478; Verkauf der städtischen Hebammendienstwohnung in der Holzgasse.; 1826-1828
479; Verkauf des alten Knabenschulhauses und der ehemaligen Stadtschreiberei.; 1826-1830
480; Verkauf der Schlagzieher- und Nachtwächterwohnungen am Kohltor und Viehtor.; 1834-1849
481; Verkauf eines Stück Gemeindelandes an der Malzdarre an Johann Friedrich Hofmann zum Bau eines Hauses; 1835-1873
482; Verkauf des Kindmutterhauses am breiten Tor; 1849-1850
489; Verkauf des Ordonnanzhauses an den Fellhändler Louis Hoppe; 1898-1900
529; Verkauf der an den Sandgruben gelegenen städtischen Windmühlen einschließlich des Mühlenhauses; 1765-1773
530; Verkauf der Stadtmühle; 1805-1870
531; Ankauf der Stadtmühle nebst Staugerechtigkeit; 1900-1921
925; Lehnbuch der Stadt Delitzsch über Häuser, Scheunen, Gärten, Wiesen, Felder und Güter; 1746-1800
932; Zins- und Lehnsregister der Stadt; 1606-1717
945; Ablösung der auf der Stadtmühle in Delitzsch haftenden Abgaben; 1850-1855
970; Quatembersteueranschläge über die Grünstraße, Damm und Rosental vor Delitzsch; 1726, 40
1010; Gebäudesteuerrolle Nr. 1 - 502; 1910-1934
1011; Gebäudesteuerrolle Nr. 503 - 1102; 1910-1934
1012; Gebäudesteuerrolle Nr. 1103 - 1466; 1910-1934
1013; Pfennigsteuerregister der Stadt Delitzsch und der drei Ratsdörfer; 1688-1724
1014; Pfennigsteuerregister der Stadt Delitzsch und der drei Ratsdörfer; 1688-1824
1109; Verzeichnisse über Häuser und Wüstungen sowie die verbliebenen Bewohner der Stadt Delitzsch; 1639-1643
1656; Stadtkirche Peter und Paul; 1344-1830
1657; Marienkirche; 1516-1793
1690; Altarlehn (für St. Martin, St. Anna, Bruderschaft der Schuhknechte, St. Katharinen, Heiligen Kreuz; 1508-1522
1797; Kauf des Amtshauses mit Hof und Garten zum Ausbau einer neuen Superintendenturwohnung; 1785-1846
1798; Verkauf der alten Superintendentur; 1792-1793
1799; Verkauf der alten Superintendentur; 1792-1794
2450; Naundorfer Mühle; 1569-1833
2451; Verpachtung der städtischen Wasser- und Windmühlen; 1666-1739
2452; Verpachtung der städtischen Wasser- und Windmühlen; 1739-1763
2455; Verkauf und Verpachtung der Elberitz-Mühle; 1788-1912
2456; Verkauf und Verpachtung der Naundorfer-Mühle; 1792-1815
2457; Verkauf und Verpachtung der Naundorfer-Mühle; 1896-1917
2502; Versteigerung des brauberechtigten Hauses von Daniel Wolf an der Münze zu Delitzsch; 1769-1826
2505; Abbruch des Brauhauses von Johann Heinrich Samuel Rähme an der "Doktorey" in Delitzsch; 1816-1834
2506; Kaufvertrag zwischen dem Kirchenvorsteher Johann Friedrich Parreidt und der Brauerschaft über das der Stadtkirche gehörige Brauhaus am Markt; 1820
2507; Kaufvertrag zwischen der Stadt Delitzsch und der Brauerschaft über die städtische Malzdarre; 1821-1826
2510; Erteilung der Schankkonzession für Elisabeth Sophia Riedel für ihr Haus vor dem Halleschen Tor; 1772-1835
2511; Gesuch des Mühlenbesitzers Johann Andreas Freywald zu Elberitz zur Haltung eines Kegelschubs und der damit verbundenen Erlaubnis des Bierschankes und Einspruch des Schankwirtes Johann Georg Barth. ; 1799-1803
2515; Gaststättenkonzession "Stadt Leipzig"; 1901-1930
2516; Gaststättenkonzession "Schwarzer Adler"; 1901-1931
2517; Gaststättenkonzession "Weintraube"; 1901-1918
2518; Gaststättenkonzession "Zur Rußbutte"; 1902-1931
2519; Gaststättenkonzession, Kaffeehäuser Breite Straße, Markt und Hallesche Straße; 1902-1927
2731; Wüste Hausbaustätten und ihre öffentliche Versteigerung zum Neuaufbau; 1820-1827
2732; Neubau eines Wohnhauses an der Münze durch den Schuhmachermeister Friedrich Thörner; 1825-1826
2756; Bebauung Pfortenstraße; 1902-1906
2758; Bebauung Gerberplan; 1906-1916
2760; Bebauung Holzstraße; 1906-1920
2761; Bebauung Eilenburger Straße; 1906-1924
2762; Bebauung Kohlstraße; 1906-1931
2921; Bürgerbuch der Stadt Delitzsch; 1742-1919
2922; Alphabetisches Verzeichnis zum Bürgerbuch; 1742-1919
2956; Chronik der Stadt Delitzsch; 1207-1499
2957; Chronik der Stadt Delitzsch; 1500-1599
2958; Chronik der Stadt Delitzsch; 1600-1701
3059; Gelehrte aus Delitzsch A - K;
3060; Gelehrte aus Delitzsch L - Z;
3061; Geistliche vor der Reformation (außer Pfarrer);
3062; Verzeichnis der Amtshauptleute, Advokaten, Voigte, Militärbefehlshaber und Amtmänner in Delitzsch;
3063 ; Verzeichnisse über Häuser und Hausbesitzer aus den Jahren 1400 bis Ende 19. Jh.;
3104; Kaufurkunden, Schuldverschreibungen, Reskripte in gerichtlichen Angelegenheiten; Anf. 15. Jh.-1527
3121; Stadtbuch; 1504-1559
3127; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1563-1570
3128; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1573-1576
3129; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1577-1579
3130; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1584-1585
3131; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1586-1587
3132; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1589-1590
3133; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1597-1599
3134; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1600-1603
3135; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1603-1605
3136; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1606-1608
3137; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1611-1614
3138; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1615-1616
3139; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1617-1618
3140; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1619-1620
3141; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1621-1623
3142; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1626-1628
3143; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1629-1633
3144; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1634-1636
3145; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1637-1638
3146; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1639-1645
3147; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1646-1657
3148; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1658-1662
3149; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1663-1667
3150; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1668-1674
3151; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1678-1685
3152; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1696-1700
3153; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1712-1716
3154; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1718-1721
3155; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1722-1728
3156; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1729-1734
3157; Gerichtshandelsbücher der Stadt; 1735-1740
3158; Stadt-Lehn- und Handelsbücher; 1597-1604
3159; Stadt-Lehn- und Handelsbücher; 1604-1612
3160; Stadt-Lehn- und Handelsbücher; 1613-1625
3161; Stadt-Lehn- und Handelsbücher; 1626-1664

U 1; Vertrag zwischen der Familie von Gluch und den Bürgern der Stadt Delitzsch über eine Viehtrift durch die Delitzscher Mark; 1364
U 3; Markgraf Wilhelm von Meißen bestätigt den Verkauf eines Hofes bei der neuen Stube an den Kaland-Altar in der Pfarrkirche zu Delitzsch; 1386
U 4; Markgraf Wilhelm von Meißen verleiht der Stadt Delitzsch das Recht, daß innerhalb einer Meile um die Stadt weder fremder Bierschank noch Handwerker, außer Hufschmieden, geduldet werden dürfen; 1390
U 5; Erzbischof Albert zu Magdeburg stattet das Delitzscher Spital mit Grundbesitz und Einkünften aus verschiedenen Dörfern aus; 1393
U 6; Markgraf Wilhelm von Meißen schenkt dem Delitzscher Spital Zinsen und Einkünfte aus verschiedenen Dörfern; 1393
U 7; Markgraf Wilhelm von Meißen belehnt die Delitzscher Bürger mit dem Brauzins, den diese von Jörg von Welchow gekauft haben; 1399
U 8; Markgraf Wilhelm von Meißen belehnt Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Delitzsch mit dem Dorf Gerltitz, das diese von Friedrich von Maschelwitz gekauft haben; 1404
U 9; Markgraf Wilhelm von Meißen belehnt Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Delitzsch mit dem Dorf Benndorf, das diese von der Familie von Ende gekauft haben; 1404
U10; Brüder von Maschelwitz verkaufen dem Rat und den Bürgern zu Delitzsch das Dorf Gerltitz; 1405
U12; Hans Trossin verkauft dem Rat und den Bürgern zu Delitzsch die Zinsen im Kohlgarten und zwei Hufen von Lehngütern, gelegen vor dem Hallischen Tor; 1409
U13; Dittrich von Pak verkauft dem Rat und den Bürgern zu Delitzsch 21 Acker Wald in der Spröde gelegen für 200 Rhein. Gulden; 1415
U15; Hans Pak, Vogt zu Wurzen und Hans Pak zu Elberitz verkaufen dem Rat und den Bürgern zu Delitzsch die Dörfer Elberitz und Werben; 1423
U17; Dittrich Troß und seine Erben verkaufen dem Rat zu Delitzsch ein Haus und Hof mit allem Zubehör, gelegen bei der Kirche "Unsere lieben Frauen", in der Vorstadt vor dem Hallischen Tor; 1425
U18; Hans und Otto, Gebrüder von Spiegel und ihr Vetter Heinrich verkaufen dem Rat und den Bürgern zu Delitzsch Dorf und Vorwerk Rubach; 1428
U22; Friedrich Herzog zu Sachsen belehnt Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Delitzsch mit dem Stadtgut; 1457
U23; Friedrich Herzog zu Sachsen belehnt Bürgermeister, Rat und die ganze Gemeinde der Stadt Delitzsch mit Dorf und Sattelhof zu Gertitz sowie der Mühle zu Benndorf, das diese von Dittrich von Friberg gekauft haben; 1458
U37; Heinrich der Ältere zu Droyßig verkauft erblich an Bürgermeister, Rat und Bürgerschaft der Stadt Delitzsch 2 Windmühlen vor der Stadt, die er vor ungefähr zwei Jahren erbaut hat.; 1538
U41; Die Brüder von Pack und ihre Vormünder verkaufen dem Rat der Stadt Delitzsch das Mannlehngut zu Delitzsch mit allen darauf liegenden Rechten und Einkünften für 1250 Rhein. Gulden; 1544
U70; Erzbischof Albrecht von Magdeburg bestimmt auf Bitten des Pfarrers der Peter- und Paulskirche zu Delitzsch den rechtmäßigen Gebrauch der Badestuben in der Parochie Delitzsch; 1527

Verlorengegangene bzw. verschollene Archivalien
Stadtbücher der Stadt Delitzsch: 1376-1397 und 1397-1486, bis 1944 in der Universitätsbibliothek Königsberg/Preußen, Abtlg. Gottholdsche Bibliothek Ua 10.
Lehnbücher der Stadt Delitzsch: 1428, 1429, 1430, 1447, 1454, 1458, 1462, 1475, 1477ff, 1490, 1501, 1510-1524, 1524-1535, 1535-1544, 1544 ff, 1571ff;
Schoßregister der Stadt Delitzsch: 1432, 1435, 1460, 1530, 1531, 1532, 1544, 1545, 1546, 1547, 1551, 1555;
Gerichtshandelsbücher der Stadt: 1514-1556, 1524ff, 1549ff;
Cataster der Stadt Delitzsch: 1598;
Stadtrechnungen der Stadt Delitzsch: 1419-1428;
Ratsrechnungen der Stadt Delitzsch: 1516, 1545;
Heerfahrtsbuch der Stadt Delitzsch: ohne Jahr.

Sächsisches Landeshaupfarchiv Dresden
Landsteuer Amt Delitzsch Nr. 288 (1467-1488)
Landsteuer Amt Delitzsch Nr. 295 (1529)
Landsteuer Stadt Delitzsch Nr. 383/6 (1552)
Landsteuer Stadt Delitzsch Nr. 550/8 (1567)
Landsteuer Stadt Delitzsch Nr. 750 III, 397 (1583)
Landsteuer Stadt Delitzsch Nr. 862 II, 63 (1605)
Landsteuer Stadt Delitzsch Nr. 871, 3 (1612)
Schocksteuer Stadt Delitzsch Nr. 1354 I A (1667)
Locat 1263: Burglehn der Spitzberg (1500-1648)
Locat 4359 Nr. 5: Besetzung der Pfarrei zu Delitzsch vom St. Klara Kloster zu Weisenfels 1472
Locat 4359 Nr. 6: Confirmationsurkunde für den Verkauf des Wassers der Mühle außerhalb der Stadt an den Rat 1475
Locat 4376: Steuerregister Amt Delitzsch (1421-24)
Locat 9833: Delitzscher Stadtrechnungen und Geschoßregister (Fragmente) (1493-1509)
Locat 10505: Bd. I Türkensteuerregister Amt Delitzsch (1501)
Locat 10505: Bd. II Türkensteuerregister Stadt Delitzsch (1501)
Locat 10798 a: Belehnung Otto v. Spiegels mit dem Burglehn Delitzsch (1536)
Kopial 9 fol. 125a-140b: Lehnbrief der Geschwister v. Pack über den freien Hof zu Delitzsch und Vorwerk und Dorf Hohenroda 1520
Kopial 25 fol. 58b: Erhard v. Friburg Lehnbrief über die Mühle vor dem neuen Tor zu Delitzsch 1353
Kopial 30 fol. 113b: Lehnbrief für Heyne und Martin Kluczsch über einen freien Hof vor Delitzsch 1398
Kopial 30 fol. 1260 : Belehnung der Bürger von Delitzsch mit dem Brückenzins 1399
Kammerkopiale: 1614, 291b, 292 Bau der Schloßbrücke Delitzsch
Kammerkopiale :1741, 498 Bau des Schlosses zu Delitzsch
Rep. XLIII Gen. Nr. 8 fol. 86: Verkauf des Hauses vor dem Schloß Delitzsch an Hans Simon 1559
Rep. XLIII Gen. Nr. 8 fol. 90: Vererbung der Windmühle zu Naundorf an Nickel Stock 1559

Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Magdeburg, Außenstelle Wernigerode
Rep. D Delitzsch A I Nr. 1: Erbbuch Amt Delitzsch 1442
Rep. D Delitzsch A I Nr. 2: Erbbuch Amt Delitzsch 1518
Rep. D Delitzsch A II Nr. 1: Lehnbuch Amt Delitzsch 1668
Rep. D Delitzsch A III Nr. 7: Handelsbuch Amt Delitzsch
Rep. D Delitzsch A III Nr. 8: Handelsbuch Amt Delitzsch
Rep. D Delitzsch A III Nr. 9: Handelsbuch Amt Delitzsch
Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 1: Schocksteuer Amt Delitzsch 1551
Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 4: Schocksteuer Amt Delitzsch 1576
Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 5: Schocksteuer Amt Delitzsch 1589
Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 7: Landsteuer Amt Delitzsch 1622
Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 8: Landsteuer Amt Delitzsch 1635
Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 25: Landsteuer Stadt Delitzsch 1622
Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 27: Landsteuer Stadt Delitzsch 1677
Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 60: Quatember Steuer Grünstraße, Thamm und Rosental vor Delitzsch 1777
Rep. D Delitzsch A IX Nr. 1: Amtsbauten Delitzsch, Reparatur Schloßgrabendamm 1685
Rep. D Delitzsch A IX Nr. 2: Amtsbauten Delitzsch 1786
Rep. D Delitzsch A IX Nr. 3: Amtsbauten, Umbau des Schloßes Delitzsch 1785
Rep. D Delitzsch A IX Nr. 4: Amtsbauten, Verkauf der Amtsschreiberei 1787.

Küsterei- und Ephoralarchiv Delitzsch
Kirchenbücher der Stadt Delitzsch: Trauungen 1547 - 1800.
Opfer- und Sprengpfennigregister: 1577 und 1585, unverzeichnet.

Amtsgericht Delitzsch, Grundbuchamt
Grundbücher Stadt Delitzsch: Bd.1-35, alte und neue Reihe.
Grundbücher Vorstadt Delitzsch: Bd.1-4, alte Reihe.


Das Häuserbuch der Stadt Delitzsch, II. Teil: Die Neustadt, Vorstädte und Mühlen

Deckblatt - Teil II

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Autor: Wilde, Manfred
Titel: Das Häuserbuch der Stadt Delitzsch - Teil 2, Die Neustadt, Vorstädte und Mühlen
Verlag: Degener & Co, Inhaber Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch
Erscheinungsdatum: 1994
Umfang/Format: 347 Seiten und Karten-Beilage (1 Bl.)
ISBN: 3-7686-4139-2
Beziehungen: Schriftenreihe der Stiftung Stoye, Bd. 25


Vorwort

Mit dem vorliegenden zweiten Band des Häuserbuches der Stadt Delitzsch findet die Darstel­lung siedlungs-, sozial- und familiengeschichtlicher Zusammenhänge für alle Hausgrundstücke in der Altstadt, der Neustadt und den Vorstädten, die 1870 bestanden haben, einen vorläufigen Abschluß. Behandelt werden neben den Häusern der Neustadt, den Vorstädten Damm, Rosental, teilweise der Leipziger und Bitterfelder Vorstadt sowie des 1862 eingemeindeten Vorortes Grünstraße, auch alle bisher bekannten 23 Mühlen mit ihren Besitzern und Pächtern und als Zu­satz, rein rechts- und personengeschichtlichen Charakters, die Richtstätte der Stadt und des Amtes Delitzsch mit den auf ihr von 1398 bis 1700 vollzogenen Hinrichtungen. So liegen jetzt für die Stadt Delitzsch knapp 11000 Einträge und Nachweise von Hausbesitzern für einen Zeitraum von ca. 600 Jahren in der Altstadt und 500 Jahren in der Neustadt und den Vorstädten vor. Erkenntnisse der Wissenschaftsdisziplinen Archäologie, Rechts-, Sozial-, Familien-, Siedlungs-, Handwerks- und Baugeschichte können zusammengefaßt dargestellt werden. Diese Arbeit ist aber auch Beschränkungen unterworfen. So konnten hier Entwicklungen des Städtebaus, insbesondere in den Vorstädten des späten 19. Jahrhunderts nicht immer berücksich­tigt werden. Insbesondere für die Zeit der Gründerjahre nach 1871, des genossenschaftlichen Wohnungsbaus nach 1919 oder der Bautätigkeit unter diktatorischen Bedingungen in der Zeit des Nationalsozialismus und des sozialistischen Plattenwohnungsbaus, bedarfes einer gesonderten Untersuchung. In diesen Zeiten ist der individuelle Haus- und Grundbesitz mehr und mehr vom Mietwohnungsbau verdrängt worden.

Trotzdem soll das Buch auch einen Beitrag für Stadtbaukunst und Stadtplanung in der Gegenwart leisten. Gerade in einer Zeit nachhaltiger Investitionsmaßnahmen nicht nur in der Sanierung, sondern auch in der Bautätigkeit auf der "grünen Wiese" ist mehr denn je die Verantwortung von Stadtplanern, Architekten, Kommunalpolitikern und nicht zuletzt von Investoren und künfti­gen Hausbesitzern angezeigt. In einer Zeit des ausgeprägten Individualismus darf die Rahmen­planung einer Stadt nicht unterdrückt werden. Das zeigen die Siedlungsgeschichten wohl aller Städte östlich von Saale und Elbe auf, die fast sämtlich auf planmäßige Stadtanlagen und -erweiterungen zurückgehen.

Nur im Verstehen der Geschichte und der Geisteswelt vergangener Stadtgründer und Bau­meister, dem Herstellen von Zusammenhängen aus Geschichte und Gegenwart sind Fehler für die Zukunft zu vermeiden. Städtische Entsozialisierungsprozesse und Verödungen von Innen­städten haben nicht zuletzt ihre Ursachen im Bau von riesigen Einkaufszentren an den Periphe­rien der Städte. Werden unsere Enkel mitder gleichen Begeisterung, wie wir vor B arockbauwerken und einer Jugendstilfassade stehen, dann auf autobahnerschlossene Einkaufsgigantomanen schauen? Gedanken, die heute zu formulieren wichtiger denn je sind.
An dieser Stelle soll noch einmal allen Mitarbeitern und Leitern von beteiligten Archiven und Institutionen gedankt werden, ohne deren Unterstützung dieses vieljährige Werk nicht zustande gekommen wäre, im besonderen aber Frau Christel Moltrecht im Museum Schloß Delitzsch für das zur Verfügung stellen von Bild- und Fotomaterial und den nicht unerheblichen Zeitaufwand und Frau Christine Böttcher für die zeichnerische Umsetzung gewonnener Erkenntnisse. Ab­schließend sei natürlich noch der Stiftung Stoye und deren Kuratorium gedankt, ohne deren Unter­stützung die Veröffentlichung dieser Monographie nicht umzusetzen gewesen wäre.
Delitzsch im Sommer 1994                                                                                                Manfred Wilde


Einleitung

Mit dem ersten Teil der Arbeit im I. Band wurde versucht, die Anfänge der Stadtgeschichte in Verknüpfung von archäologischen geschichtswissenschaftlichen Ansatzpunkten zu untersuchen und zu interpretieren. So konnten siedlungsgeschichtliche Prozesse ab dem ausgehenden 14. Jh. bis in die Gegenwart dargestellt werden. Von der ersten Stadtanlage, über eine frühe Neustadt bis hin zur städte-baulichen Verdichtung konnten so, wohl relativ einmalig für vergleichbare Städte in Sachsen, für einen Zeitraum von 600 Jahren das siedlungs-und familiengeschichtliche Wachsen einer Stadt im festen Korsett einer mittelalterlichen Wehranlage intra muros untersucht werden. Im Unterschied zu Eilenburg, Grimma und Wurzen lag Delitzsch in der Phase der inneren Kolonisation des Osterlandes im 12. Jh. nicht an einem strategisch und wirtschaftlich exponierten Flußübergang mit einer frühen Kaufmannssiedlung. Auf Grund dieser zunächst zweitrangigen Lage ist es auch erklärbar, daß bestimmte Wachstumsprozesse wie z. B. in der vergleichbaren Stadt Grimma, sich hier nicht so zügig bis zum 15. Jh. durchsetzen konnten. Der für das Entstehen und Wachsen wichtigste Faktor war der Kreuzungspunkt einer nach Osten führenden Salzstraße und einer in Nord-Süd Richtung verlaufenden Verbindungsstraße und deren beiderseitiger Loberübergang. Nach der städtebaulichen und sozialen Kontinuität in der Altstadt bis zu Beginn des 19. Jh. setzt nun ein langsam fortschreitender Konkurrenzprozess zwischen der wirtschaftlich und sozial in sich erstarrten, nicht erweiterungsfähigen Altstadt und der sich durch Offenheit in drei Himmelsrichtungen und zentraler Lage am Kreuzungspunkt zweier Straßen liegenden Neustadt ein. Mit der preußischen Herrschaft nach 1815 und folgender Gewerbefreiheit bot die Altstadt nur beschränkt Platz für eine vorindustrielle Manufakturentwicklung. Zu einer gewissen Blüte gelangten nur die Strumpf-und Tabakfabrikation. Die 1858 fertiggestellte Bahnverbindung zwischen Leipzig und Dessau, führte etwa 1, 2 km vom Marktplatz entfernt an der Altstadt östlich vorbei. Währenddessen die Altstadt in sich immer mehr "konservierte", setzte ein erster Modernisierungs-und Neubauprozess bis zur städtebaulichen Einbindung des Bahnhofes ein. Vergleichbare Entwicklungen kann man an einigen, etwas abseits der Bahnstrecke liegenden Städte wie z. B. Jeßnitz und Raguhn/Anhalt beobachten. Parallel dazu siedeln sich ab etwa 1860 erste mittelständische Gewerbe im Bahnhofsumfeld und entlang der Straße nach Leipzig im Süden an. Insbesondere aber der Handel wird mit der sich im Osten entwickelnden Kaufkraft wie in einem Sog aus der Altstadt in den Teil der Stadt zwischen Roßplatz und Bahnhof gezogen. Die Erdgeschoßzonen der Häuser werden in der Folgezeit fast vollständig in diesem Teil der Stadt mit Schaufenstern versehen und so die Wohn- zu Handelsflächen. Das zunächst noch in der Altstadt verbliebene Kleinhandwerk geriet mit fortschreitender Industriealisierung in einen immer stärker werdenden sozialen Abstieg. Aus Handwerker wurden so zunehmend industrielle Lohnarbeiter. Die Altstadt erstarrte in baulicher und sozialer Hinsicht und diese Phase setzte sich bis in die jüngste Vergangenheit fort. Mit dem Verfall der Bausubstanz, beginnend schon im ersten Drittel unseres Jahrhunderts, setzte ein zunehmender Asozialisierungsprozess in der hier ansässigen Wohnbevölkerung ein. Das diese Faktoren aber heute eine Chance für die Stadt darstellen bedarf keiner Erklärung, wenn man die vorhandene einmalige Bausubstanz und die mittelalterliche Wehranlage sich als saniert vorstellen kann. 


Ursachen und Gründe der Entstehung der Delitzscher Neustadt

Zunächst muß versucht werden, die Begriffe Neustadt und Vorstadt zu definieren. Es gibt die Möglichkeiten der topographischen und rechtlichen Begründung. Schlesinger begründet die "Neustadt" als eine selbständige Stadt, die "Vorstadt" dagegen nicht. Beispiele für eine selbständige Neustadt, d. h. mit Rat, Bürgermeister und Privilegien sind die Städte Brandenburg, Wernigerode und Eisleben. Für Delitzsch möchte ich einerseits die chronologische mit der urkundlich nachweisbaren und begrifflichen Definition verwenden. Den Begriff Neustadt als Teil der unter der Ratsverfassung stehenden Gemeinde, topographisch östlich vor der Altstadt gelegen, mit nicht vollem Stadtrecht. Hierzu zählt ab dem 16. Jh. auch der Gerberplan, der aber begrifflich selbständig aufgeführt wird. Als mittelalterliche Vorstädte werden "das Rosental", "der Damm" und die Ostseite der Töpfergasse definiert. Für die "Grünstraße" kann man bis um 1590 den Begriff Gemeinde oder Dorf gelten lassen, mit dem inneren Ausbau der Neustadt und dem Einfluß der städtischen Bürgerschaft (weniger des Rates) nahm die Grünstraße die vollen Charakterzüge einer Vorstadt an, die aber erst 1862 eingemeindet wurde. Gerade an diesem Beispiel wird deutlich, daß nicht immer eine klare begriffliche Trennung möglich sein kann. Geht man zur eigentlichen Bedeutung des Wortes Neustadt zurück, kann man schon die erste stadtähnliche Siedlungsanlage in der zweiten Hälfte des 12. Jh. als eine Solche verstehen. Einen wichtigen Ansatzpunkt brachte jetzt für Delitzsch das Auswerten von auf den Hausgrundstücken lastenden Abgaben. Schon Blaschke hat 1965 nachgewiesen, daß bestimmte siedlungsgeschichtliche Prozesse auf Grund von auf Grundstücken lastenden Sonderabgaben nachvollzogen werden können. Hausgrundstücke mit Zinsen an den Gotteskasten, welche noch im 15. Jh. einer selbständigen Pfarrkirche zustanden, entsprachen einer frühen Kaufmannsiedlung. Versucht man nun die sich für Delitzsch bietende Möglichkeit der Auswertung und kartographischen Umsetzung von Sonderabgaben in den Grundbüchern von 1828 darzustellen, kommt man zu einem verblüffenden Ergebnis (Tafel 1). Gehäuft treten Grundstücke mit Erbzinsen an die Kirche Peter & Paul unmittelbar westlich um die Kirche auf, ohne jedoch den bis zum Ende des 14. Jh. sich dort befundenen Gottesacker zu überschneiden. Versucht man nun diese Grundstücke als erste Stadtanlage zu interpretieren, so verdeutlicht der im Verlauf der heutigen Pfortenstraße bis 1411 verlaufende Loberarm (Stadtmühlgraben) unmittelbar östlich der Kirche und die westlich dieser Hausgrundstücke gelegene markgräfliche Burg, nur noch die Situation. Neben diesem Erbzins wird an die Kirche von verschiedenen weit gestreuten Hausgrundstücken in der Altstadt nur noch Opfergeld gezahlt, das sind meist Grundstücke die der Kirche über eine Erbschaft zugefallen sind, oder eine zeitlang in vorreformatorischer Zeit als Altarlehen oder z. B. Baderei selbst genutzt wurden. Zwei Grundstücke waren mit einer sogenannten "Eisernen Kuh", "Eisernen Schaf" und "Eiserne Gans" belastet. Allgemeingültig für alle Hausgrundstücke waren das vom Rat erhobene Lehngeld, der Schoss und das Wächtergeld. Auf eine weitere Phase der Herausbildung einer Neustadt im östlichen Teil der heutigen Altstadt wurde schon hingewiesen(Bd. I, 13 und 121). Man kann sagen, daß es für das Gebiet zwischen Saale und Elbe drei auf verschiedenartige Bestrebungen hin angelegte Stadtanlagen und deren von ihrer Bedeutung und Herrschaft zeitverschoben angelegte Neustädte gab. Zum Ersten die schon im 12. Jh. angelegten Fernhandelsstädte wie z. B. Zwickau, Leipzig und Bautzen, dann die etwa zur gleichen Zeit sich entwickelnden lokalen Marktstädte im Schutz einer landesherrlichen Burg als Verwaltungssitz eines "districtus" und später Amtes, wie z. B. Borna, Torgau, Eilenburg und auch Delitzsch. Zum Dritten die auf Bestreben von Grund-und/oder Gutsherrschaften betriebenen Stadtcharakter tragenden Siedlungen. Diese Bestrebungen sind für die Zeit vom 13. bis 15. Jh. nachweisbar. Hierunter fallen vor allen Dingen die sogenannten Ackerbürgerstädte wie z. B. Trebsen und Brandis, aber auch die in der Entwicklung stehen gebliebene civitas Löbnitz/Mulde , die dann schon im 16. Jh. als solche schon nicht mehr bezeichnet wird. Dort sind nach bisherigen Erkenntnissen sogenannte Neu-oder Vorstädte im späten Mittelalter nicht nachgewiesen. Es waren gewissermaßen "Kunstprodukte" ohne landesherrliche Privilegien und, wie in Löbnitz, ohne Ratsverfassung und Bürgermeister. Anders dagegen bei dem Typen Fernhandels- und Marktstadt. Hier ist eine städtebauliche Kontinuität vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit zu verzeichnen. Zeitgleich mit dem wirtschaftlichen Erstarken der Stadt und dem damit verbundenem Selbstbewußtsein der Bürgerschaft im Delitzsch des 14. Jh. , konnten vom Landesherrn auf Grund seiner wachsenden finanziellen Bedürfnisse durch Erbteilungen, Heerfahrten und Lebensstil, zunehmend Selbständigkeit in der Verwaltung und Justiz erreicht werden, so
1376 die pachtweise Erlangung der Gerichtsbarkeit,
1390 das Privileg der Biermeile und Handwerkerschaft
1399 der Brückenzins und
1423 endgültig die hohe Gerichtsbarkeit.
Nicht losgelöst, sondern zeitgleich, ist diese Entwicklung in der Beziehung der Stadt zur Gutsherrschaft im Amt zu sehen. So kauft die Stadt
1376 von Tamme Pflug das Kaufhaus der Stadt
1399 von den Gebrüdern v. Welchow den Brauzins
1428 den Weberzins von denen v. Spiegel ,
1488 den Topfzoll-und Salzzoll von Peter v. Krostewitz auf Lemsel und
1544 mit dem Ankauf des Freien Hofes in der Münze von denen v. Pack auf Döbernitz, ein Drittel des Sichelzolles.

Die anderen zwei Drittel blieben dem Rittergut Döbernitz. 1 An Markttagen stand den Inhabern der Zölle am Verkauf dieser Erzeugnisse eine Abgabe zu. Auf den zeitgleichen Landerwerb (Bd. I, 12) und dem Verleihen von Innungsbriefen an die Handwerkerschaft (Ebenda, 15) wurde schon hingewiesen. Damit stand die Stadt auf einem soliden Fundament wirtschaftlicher und politischer Macht, direkt unter dem Landesherrn. Wie kommt es nun zur Anlegung einer Neustadt im 15. Jh. ? In der Phase der inneren Kolonisation des 12. Jh. im bis dahin slawisch besiedelten Osterland, wurden auch hier im Gebiet des späteren districtus Delitzsch fränkische und flämische u. a. Erbzinsbauern mit relativ weitreichenden Privilegien und Freiheiten angesetzt. Außer dem Zins und den Kirchenzehnt, 5 Tage Spann-oder Handdienst im Jahr für das Amt oder Grundherrschaft und der Heerfolge für den Landesherrn, waren die Bauern persönlich frei. Auch später kam es hier nicht zu einer vergleichbaren ostelbischen Gutsherrschaft mit ausgeprägter Leibeigenschaft. Demnach kann das in der Literatur immer wieder gebrauchte Symbol "Stadtluft macht frei" nicht als das allein gültige hingenommen werden. Wodurch kam es dann aber nun in den Städten zwischen Saale und Elbe zu so einem starken Bevölkerungsanstieg ? Eine bisher in der wissenschaftlichen Forschung bisher wenig berücksichtigte Ursache läßt sich zumindest für Delitzsch relativ eindeutig nachweisen. Mit dem Ankauf der Dörfer und Rittergüter Benndorf 1402, Gerltitz 1404, Werben und Elberitz 1423, Rubach 1428 und Gertitz 1458, hatte der Rat seit 1423 auch die volle Gerichtsbarkeit und Lehnsrecht über diese Dörfer und Güter. Nun setzt ein interessanter Prozess ein. Die bis zum Ankauf noch als besetzt bezeichneten Dörfer Gerltitz, Elberitz und Rubach werden schon wenig später als wüst und unbesetzt beschrieben. Es zeigt sich, daß der Rat bemüht war diese ihm lehnspflichtige Dorfbevölkerung, zumindest einzelner Dörfer, in der Stadt und Neustadt ansässig zu machen. Zu Beginn wahrscheinlich noch als Ackerbürger, obwohl diese oder ähnliche Bezeichnungen für Delitzsch nicht überliefert sind. Interessant ist nur das die landbesitzende Bürgerschaft ihren Besitz auf den Gemarkungen der nun wüsten Dörfer hatte. Für das 15. und 16. Jh. lassen sich auch eine ganze Reihe von Familiennamen mit einer Herkunftsbezeichnung aus wüsten Dörfern nachweisen. So 1450 Mattheus Rubach, 1460 Martin Rubach, 1465 Ratsherr Jacob Rubach, 1430 Peter Rubach, 1597 Hans Weissig, 1535 Valentin Naundorfer, 1425 Caspar Rogatzsch und 1510 Lucas Nösselnitz (vgl. Bd. I). Das sie bis zu Beginn des 16. Jh. auch als Neubürger volles Bürgerrecht hatten, soweit sie in der Altstadt besitzend waren, zeigt der Besitz der oben genannten. Leider sind uns aber für das 15. Jh. Namen von Einwohnern in der Neustadt kaum überliefert, so das ein endgültiger repräsentativer Vergleich für das 15. Jh. von Altstadt und Neustadt nicht möglich ist.
Ein bisher auch wenig berücksichtigter Aspekt ist die Verhältnismäßigkeit zwischen vererbten Hausgrundstücken und Miethäusern. Setzt man voraus, daß durch eine geringe Anzahl von Miethäusern eine relativ hohe soziale Komponente erreicht ist, mit deren Anstieg aber ein in der Bevölkerung fortgeschrittener Differenzierungsprozess eingesetzt hat, so beginnt dieser Prozess sich mit dem beginnenden 16. Jh. auch in der Neustadt abzuzeichnen. Nur muß man dazu sagen, daß dieses sich nicht abrupt vollzog, sondern sich hier nur eine Entwicklung auf niedrigerer sozialer Ebene wie in der Altstadt fortsetzt. Denn einher mit der Schaffung von Miethäusern in der Neustadt werden zunehmend im 16. Jh. Pfahlhäuser intra muros, allerdings hier nur an Handwerker, von Brauerbegrundstücken abgetrennt und vererbt.
Im Jahr 1493 ist in der Neustadt nur eine Miete nachgewiesen. 1 Caspar Bun (Ratsherr 1482-1497) hatte hier einen Hausgenossen. 1552 sind in der Neustadt 8 Miethäuser und eines auf dem Damm, 6 Scheunen in der Neustadt von Besitzern in der Altstadt, zwei Scheunen derselben auf dem Damm und zwei Scheunen in der Neustadt von Hausbesitzern in der Neustadt, nachgewiesen. 1 Im Jahr 1583 sind dann schon 18 Mieten in der Neustadt, 7 Mieten im Rosental und Gerberplan und 2 Mieten auf dem Damm vorhanden. 1 1602 lassen sich dann schon 25 Mieten und 23 Scheunen allein in der Neustadt nachweisen. 1 Mit der sich abschließenden städtebaulichen Verdichtung der Altstadt, d. h. Bau von Mieten in Form von Seitenflügeln und Hinterhäuser (später vererbte Pfahlhäuser) begann schon in der 1. Hälfte des 16. Jh. der Aufbau von Miethäusern in der Neustadt. Mit deren Besetzung durch einen hohen Anteil von Nichthandwerkern erfolgte eine soziale Herabstufung der Neustadt. Das stadtnahe Amtsdorf Grünstraße spürte diese Entwicklung noch sehr viel grasser. Aus einem vormaligen Bauerndorf noch zu Mitte des 16. Jh. , wurde nach 1600 eine regelrechte Tagelöhner-und Dienstknechtewohnsiedlung. Gefördert wurde diese Entwicklung von einflußreichen Handelsund Ratsherrenfamilien der Stadt. Sie legten einen Teil ihrer doch wohl in der Regel im Handel erzielten šberschüsse in Grundbesitz an. Dieses Bestreben mit dem nachfolgenden Aufbau von Miethäusern ist die zweite wichtige Ursache der Bildung von Neu-und Vorstädten. Bedingt durch die Agrarkrise in der zweiten Hälfte des 15. Jh. setzt im ländlichen Bereich ein zunehmender Differenzierungsprozess ein. Der Bedarf an landwirtschaftlichen Hilfskräften war noch nicht vorhanden, die Intensivierung in Ackerbau und Viehzucht aber schon so weit vorangeschritten das Arbeitskräfte freigesetzt wurden. Die Stadt bot als einziges Gemeinwesen noch einen gewissen Arbeitskräftebedarf an Hilfskräften. Ein Anwachsen der Handwerkerschaft wurde von den Innungen versucht zu verhindern und war tatsächlich nur unwesentlich zu verzeichnen. So blieb nur die Tätigkeit als Handarbeiter, Tagelöhner, Dienstknecht und Fron. Der Bedarf an Mietwohnraum stieg und in diesem Zusammenhang konnte mit der Aufsiedelung des inzwischen ja in den Besitz der Stadt gekommenen Raumes fortgefahren werden. So hatten u. a. folgende Familien 1552 Miethäuser in der Neustadt im Besitz: Andreas Fischers Witwe mit 2 Wiesen, 2 Krautgärten, Haus und Scheune in der Neustadt und 4 Hausgenossen, versteuert 60 Schock; Tonius Peiting mit 1/2 Hufe auf Elberitzmark, Haus in der Neustadt, 1 Scheune, 1/2 Acker Wiese, Malz und Bier, versteuert 216 Schock; Facius Stephan mit 1 Hufe auf Weissigmark, Haus in der Neustadt, 2 Knechte und 3 Mägde, versteuert 373 Schock; Veit Barth mit 1 Breite auf Elberitzmark, eine Scheune mit Miethaus in der Neustadt, 1 Magd, 1 Knecht und 4 Hausgenossen, versteuert 121 Schock;Lorenz Perreuth mit 2 Gärten, 2 Scheunen, 1 Haus in der Neustadt und 1 Magd, versteuert 162 Schock; Caspar Lentz mit 1/2 Hufe auf Gertitzmark, 1 Garten, 1 Scheune, 1 Haus in der Neustadt, 1 Magd und 2 Knechte, versteuert 212 Schock; Simon Quetz mit 1 Garten, 1 Hof in der Neustadt, versteuert 157 Schock; Blasius Eschler mit 1/2 Hufe auf dem Sand, 1 Garten, 1 Scheune und Miethaus in der Neustadt, 1 Magd und 6 Hausgenossen, versteuert 119 Schock. 1 Alle genannten Personen waren im Handel tätig oder hatten mindestens Ackerflächen und Gärten in Besitz und ihren Wohnsitz in der Altstadt (vgl. Bd. I). Mit zwei Ausnahmen lagen sie mit ihrem zu versteuernden Besitz weit über dem Durchschnitt (vgl. 4. Soziale Schichtung).
Ähnlich, nur etwas zeitverzögert, verlief die Entwicklung in der Gemeinde Grünstraße. Noch 1551 läßt sich dort kein bürgerlicher Besitz nachweisen. 1576 wird dann erstmals ein Delitzscher Bürger, der Magister und Stadtrichter Esaias Richter, mit Hausbesitz dort aufgeführt. Im Jahr 1622 dann aber mindestens schon 7 Hausgrundstücke im Besitz von in der Altstadt ansässigen Bürgern. Wobei es sich hier auch faßt ausnahmslos um neu geschaffene Hausstellen, auf vorher unbebautem Land, handelt. Warum sich diese Entwicklung hier in der Grünstraße und nicht vielleicht in Gertitz vollzog, läßt sich nur durch die stadtnahe Anbindung unmittelbar in und an der Neustadt erklären. So gehörte bekanntermaßen die westliche Straßen-seite der Töpfergasse in die Neustadt, die östliche hingegen in die Gemeinde Grünstraße. Bestrebungen von Seiten des Delitzscher Rates für einen Ankauf der Gemeinde Grünstraße vom Amt und folgender Eingemeindung sind zumindest bis zum 19. Jh. nicht nachzuweisen. Auch in anderen sächsischen Städten vollzog sich der Ankauf von Rats-und Universitätsdörfern nur aus gutsherrlichem Besitz des schriftsässigen Adels. Damit lassen sich auch klar Bestrebungen des Landesherrn für eine gleichzeitige Stärkung seiner Ämter und landesherrlicher Städte als Gegenpol zur Gutsherrschaft des landsässigen Adels erkennen.


Die städtebauliche Entwicklung der Neustadt 

Zur Verdeutlichung des Prozesses sollen zu Beginn, chronologisch, urkundlich für die Neustadt und Vorstädte nachweisbare Entwicklungsschritte aufgeführt werden.
1384 Am 1. April schenkt Markgraf Wilhelm zu Meißen zwei Gärten in einer Breite hinter dem Kirchhofe Unserer lieben Frauen (St. Marien) gelegen, die früher der v. Chrostewitz und die v. Trossin von Gerhard v. Zcorbecke zu Lehen hatten, nach dem dieser die Lehen aufgegeben, an die Kirchen Unserer lieben Frauen und St. Peter zu einem ewigen Geleuchte. 1398 Am 29. April kauft der Rat von Hans Trossin in Friedersdorf 2 Hufen und Zinsen auf Höfen und Gärten, gelegen vor dem Halleschen Tor, für 3 Schock Groschen. 1398 Heynow und Martin Kluczsch werden mit einem freien Hof vor Delitzsch belehnt. 1400 Hans v. Freyberg schenkt dem Hospital den alten Ziegelhof. Es wird am 15. Aug. vom Markgrafen damit beliehen. Der Ziegel hof lag hinter dem Hirtenhaus (Karlstraße), ward später mit 2 Scheunen bebaut und diese 1546 vererbt. 1425 Der Rat kauft von Friedrich (v. )Trossin am 21. September Haus und Hof mit allem Zubehör, gelegen bei Unserer lieben Frauen kirche in der Vorstadt und gab Verkäufer dabei alle Ansprüche auf an den 2 Hufen Land vor dem Halleschen Tor, an dem Hofe des Stephan Krone und anderen dazu gehörigen Gärten und Höfen die Hans von Trossin, sein Vetter, früher an die Stadt verkauft hatte. 1456 Erstmals Nennung von Viertelsmeistern "virtelhern" in der Neustadt "nove civitat". Dahingegen die erste Nennung in der Altstadt schon 1442 erfolgt ist. 1454 Der Rat kauft 6 Häuser von Bürgern in der Neustadt und bricht sie ab. So wurde der Roßplatz angelegt und städtebaulich Raum für eine erweiterungsfähige Neustadt geschaffen. 1458 Der Rat kauft von Dietrich von Freyberg auf Luppene u. a. zwei Hufen Freilehn am Steinwege (Eilenburger Straße) vor Delitzsch und die Lehen über den Spitalhof. 1470 Johann Lobda, jetzt Gleitsmann in Leipzig, löste von seinem Hof in hiesiger Neustadt 12 Groschen jährlich Zins ab und gab dafür 7 alte Schock. 1471 Die Töpferei in der Vorstadt wird vom Rat für jährlich 40 Groschen vermietet. 1493 Der Rat vererbte eine wüste Stätte hinter dem Hirtenhause, die vorzeiten dem Hospital geschenkt sein sollte, damit sie nutz bar würde, an Schake gegen šbernahme von Abgaben, 4 Groschen an das Hospital, 2 Groschen an den Rat und 2 Groschen Wächter geld. Er mußte aber einen freien Gang hinter der Scheune lassen. 1 1522 Man läßt den verschlammten Graben um die Vorstadt, von der Wasserrinne hinter Hans Ruthards Scheune bis jenseits der Abdeckerei herstellen. 1 1531 Am 29. 6. entstand Feuer in des Schwarzfärbers Hause in der Neustadt, dem Brunnen und Grashoffs Scheune gegenüber, von zwei Häusern brannten die Dächer weg. 1 1545 Der Rat kauft von Hans v. Paks Erben drei Höfe auf dem Damm. 1 1550 Der Rat nimmt die bisherige Amtsschäferei in Erbpacht. 1 1551 Anordnung des Rates die Gerberhäuser aus der Stadt heraus auf einem Teil des städtischen Angers aufzubauen. 1 1554 Den Besitzern der Scheunen innerhalb der Mauern (Altstadt) läßt man auf kurfürstlichen nur noch eine Frist von 3 Jahren, sie sollen auf besondere Räume der Vorstadt wieder aufgebaut werden. 1 1566 Vererbung der Gerberhäuser an Besitzer (Gerberplan)1 1571 Für die Krankenwärter baut man auf dem Gottesacker vier kleine Wohnhäuser auf Gemeindekosten. 1 1606 Durch Blitzschlag brennen am 6. Juni 8 Scheunen in der Vorstadt nieder. 20. ) 1618 Am 5. 4. brennen bei der Schäferei 7 Scheunen und das Haus des Matthäus Meise ab, dessen Stätte ließ der Rat räumen. 2 1637 Die Schweden dringen in die Neustadt ein und brennen am 18. 2. 22 Häuser und 27 Scheunen nieder.
Mit dem Abschluß des Ausbaus der ersten Neustadtanlage und auch der wehrtechnischen Einbeziehung durch den Bau der beiden Stadttürme und des Stadtgrabens im Osten um 1400 kam es vermutlich schon in den folgenden zwei bis drei Jahrzehnten zu einer neuen Siedlungsanlage östlich des Breiten Tores. Diese hat sich wohl bis 1454 parallel zur von Wittenberg nach Leipzig führenden Straße entwickelt, gelegen auf der westlichen Seite der heutigen Kohlstraße und Roßplatz, etwa zwischen Kohlstraße 8 und Roßplatz 3. Mit dem 1454 erfolgten Ausbau des Stadtgrabens um die Altstadt und der Anlegung des Walles (heute Am Wallgraben 17-28) und der Schaffung des heutigen Roßplatzes durch den Abriß von sechs angekauften Häusern wurde eine städtebauliche Neuordnung der weiter wachsenden Neustadt notwendig. Vermutlich wurden jetzt in der Neustadt erstmals Tore, das Mühltor am nordwestlichen Ausgang des Roßplatzes, das Viehtor im Norden, das Galgtor nach Osten und das Kohltor nach Süden, angelegt. Die Aufsiedelung erfolgt bis um 1490 vollständig auf dem Roßplatz, Eilenburger Straße 1-15 und 2-12, die Töpfereien Eilenburger Straße 39 und 46 und in der heutigen Kohlstraße. Ein weiterer Ausbau läßt sich etwa seit 1540 nachweisen, wobei nach 1555 vor allem die Scheunen in der Karlstraße, Saugasse, Marienstraße, August-Fritzsche-Straße und der Kohlgasse zwischen dem Kohltor und der Scharfrichterei hinzukommen. Gleichzeitig wird die Neustadt innerhalb der Tore mit Miethausstellen verdichtet, so daß 1637 eine höhere, nun schon vererbte Hausstellendichte wie 1850 noch nicht wieder erreicht, vorhanden ist. Der Prozess des Umwandlung von Miet-in Eigentumshäuser vollzieht sich seit Mitte des 16. Jh. bis zu den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg kontinuierlich. Vielfach wurden auch Scheunen zu Wohnhäusern umgebaut. Das wird vor allem in der Saugasse und der Kohlgasse zwischen Kohltor und Scharfrichterei deutlich, wo sich Scheunen und Wohnhäuser abwechseln und mit fortlaufender Entwicklung sich die Scheunen verringern, dagegen sich die Anzahl der Wohnhäuser erhöht. Hier zeigt sich wiederrum eine Kontinuität der Entwicklung die schon in der Altstadt mit dem 14. Jh. eingesetzt hat und sich bruchlos bis zum Dreißigjährigen Krieg über die Neustadt und Vorstädte fortgesetzt hat.

Anzahl der vererbten Häuser in der Neustadt(mit Damm und Rosental)

 1493 46 Häuser
 1501 46 Häuser
 1552 67 Häuser
 1567 78 Häuser
 1583 93 Häuser
 1602 106 Häuser
 1605 112 Häuser
 1612 133 Häuser
 1622 151 Häuser
 1637 156 Häuser
 1648 20 Häuser (der Rest zerstört)

Ein schon im Stadtplan des 18. Jh. nicht mehr zu verzeichnender Gassenverlauf soll an dieser Stelle noch versucht werden zu klären. Hier sei auch darauf hingewiesen, daß es unabdingbar für eine historische Aussage ist, die historischen Hilfswissenschaften, hier speziell die Historische Bildkunde, zu berücksichtigen. 2 Denn trotz aller gründlichen Quellenkritik ergibt sich in der Stadtansicht von Delitzsch um 1627 von Wilhelm Dilich eine sehr große Detailtreue. 2Die von ihm festgehaltene Delitzscher Stadtsilhouette ist noch heute bestimmend. Charakteristische Bauten wie z. B. die Kirchen, Türme, Schloß, Mauer, Rathaus, Ritterhaus sind exakt wiedergegeben. So ergibt sich heute für uns die Möglichkeit, trotz der faßt vollständigen Zerstörung der Neustadt im Dreißigjährigen Krieg, städtebauliche Erkenntnisse aus der Zeit davor zu schlußfolgern. So erkennt man das Kohltor und die sich östlich daran anschließende, eine Stadtmauer ersetzende, Häuserzeile. Hierbei handelt es sich um die vom Kohltor zur Scharfrichterei verlaufende verlängerte Kohlgasse. Noch interessanter ist aber die mündungsartige Erweiterung des Lobers etwa in der Mitte der Neustadt. Verbindet man diesen Mündungsansatz in gedachter Linie mit der ehemaligen Verbindungsgasse zwischen Eilenburger Straße und Marienstraße und dann weiter mit der Saugasse, so kann man zur Schlußfolgerung kommen, daß es sich bei diesen Gassen um einen vormaligen Grabenverlauf des Lobers handelt.
Da die Häuser und Scheunen in diesem Bereich erst nach 1590-1600 erbaut bzw. vererbt wurden, ist anzunehmen das dieser Grabenverlauf erst in der 2. Hälfte des 16. Jh. verfüllt wurde. Hier zeigt sich nun wiederum ein Forschungsansatz für die Archäologie die diese zunächst von Geschichts- und Hilfswissenschaft aufgeworfene Fragestellung fundamentieren kann. Bei den genannten Gassen handelt sich um die von der Viehgasse zur Todengasse ehemals verlaufende Saugasse und die Gasse von der Todengasse, mündend zwischen den heutigen Hausnummern Eilenburger Straße 21 und 25 in diese Straße. Lehmann nimmt in seinen Urkundenabschriften nie Bezug auf sie oder erwähnt gar ihren Namen. In der Auswertung aller Handels-und Lehnbücher und der Steuerregister wird als Lagebezeichnung der dort gelegenen Hausstellen der Name Saugasse bis 1637 immer angegeben. Es wurde genau zwischen der Vieh-und der Saugasse unterschieden. Interessanterweise deckt sich die Saugasse mit der 1720 verwendeten Bezeichnung Scherwedlich und der Lage des urkundlich hier im 15. Jh. noch nachgewiesenen Bergfriedes am westlichen Rand des Marienfriedhofes. Mit einiger Sicherheit handelt es sich hierbei um den 1425 von Friedrich v. Trossin angekauften Freien Hof, der unabhängig von der sich vollziehenden Neustadtentwicklung schon bestanden hat. Dieser Hof wiederum bildete zusammen mit der Grünstraße und wohl auch den Dörfern Benndorf und Werben die bis 1541 selbständige Pfarrei der Kirche St. Marien. Durch die 1539 hier eingeführte Reformation wurde dieses Kirchspiel aufgelöst und der Stadtkirche St. Peter und Paul zugeschlagen. Die im Umfeld der Kirche St. Marien sich befindenen Hausgrundstücke in Richtung und mit der Gemeinde Grünstraße bildeten einen von der Delitzscher Neustadt zunächst unabhängig und sich selbständig entwickelnden Siedlungskern.


Die Entwicklung der Gemeinde Grünstraße

Neben den unter der Einleitung zu dieser Straße aufgeführten Anmerkungen soll hier auf die besondere Siedlungsspezifika dieser Gemeinde eingegangen werden. Der Name des Ortes und die Dorfanlage weisen auf eine deutsche Gründung des 12. vielleicht sogar erst des 13. Jh. hin. Archäologische Erkenntnisse liegen bisher nicht vor. Ausschlaggebend für diese Siedlungsanlage war das Vorhandensein der in West-Ost Richtung verlaufenden Salzstraße. Vermutlich wurde diese Siedlung vom Magdeburger Erzbistum gefördert, zumindest würde dies die Verbindung zur Kirche St. Marien erklären. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte das Dorf um 1560 nur die Ausdehnung etwa zwischen den Hausnummern Grünstraße 1-25 und 2-28 und der Querstraße. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch kein reines Amtsdorf. Von den 1551 vorhandenen 22 Höfen unterstanden lehnpflichtig 14 Hans v. Dieskau, 1 Otto v. Zweimen und 2 Hans v. Schiedingen auf Sietzsch, der Rest dem Amt. Die in den folgenden Jahrzehnten einsetzende Besiedlung der gesamten Grünstraße, des Teiles der Eilenburger Straße Nr. 58-68 und der östlichen Seite der Töpfergasse vollzog sich auf eigenem Gemarkungsgebiet, wurde aber zum großen Teil von Teilen der Delitzscher Bürgerschaft vollzogen.

Vorhandene Hausstellen in der Gemeinde Grünstraße

 1466 21 Hofstellen
 1481 24 Hofstellen
 1501 22 Hofstellen
 1551 22 Hofstellen
 1576 30 Hofstellen
 1589 31 Hofstellen
 1622 54 Häuser
 1635 59 Häuser
 1637 65 Häuser.

Beginnend mit der zweiten Hälfte des 16. Jh. kann die Entwicklung der Grünstraße nicht mehr losgelöst von der der Stadt Delitzsch gesehen werden. Vielmehr stellt die Grünstraße eine šbergangsstufe vom Land zur Neustadt dar. Namen von Familien in der Grünstraße findet man in nachfolgenden Generationen in der Neustadt und teilweise noch später als Handwerker in der Altstadt wieder. 


Die sozialen Verhältnisse in der Neustadt und in den Vorstädten

Konnten die Besitzer in der ersten Neustadtanlage zwischen Pfortenstraße und Breitem Tor schon um 1400 volle Bürgergerechtsame mit dem Braurecht erwerben, so ist dies vor allen Dingen auf die sich im vollen Ausbau befindende Wehranlage, die für die Verteidigung der Stadt notwendige Vierteleinteilung und Bürgerwehr zu sehen. Mauer und Graben trugen damit nicht nur wehrtechnischen, sondern auch besitzrechtlichen und symbolischen Charakter. Eine Entwicklung wie z. B. in Eisleben und Wernigerode, wo sich eine Neustadt mit selbständigen Rat, Rechten und Privilegien entwickeln konnte, konnte sich in Delitzsch nicht vollziehen. Diese Entwicklung ist für vergleichbare landesherrliche Städte in Sachsen ähnlich wie in Delitzsch. Bis zu Beginn des 16. Jh. waren Handwerker auch in der Neustadt das tragende Element, wobei auf Grund bestimmter Gefahren hier sehr artspezifische Berufsgruppen in Erscheinung treten. Zu nennen sind hier vor allen Dingen die Töpfer, Gerber, Schwarz-und Schönfärber. Nun setzt mit der zunehmenden sozialen Differenzierung auf dem Land eine langsam aber stetig steigende Zuwanderung von Hilfskräften in die Stadt ein. Das dies teilweise unverträgliche Ausmaße annahm zeigt deutlich die vom Landesherrn erteilte Genehmigung zum Bau zweier Häuser an Andreas Montanus hier auf dem Damm in Delitzsch im Jahr 1617. Er soll in beide Häuser ausdrücklich Handwerker setzen und kein Gesinde. Mit dieser Zuwanderung von sogenannten Tagelöhnern und Gesinde wuchs der Bedarf an Wohnraum, für diesen wiederum blieb nur in der Neustadt bzw. später in der Grünstraße Platz. Das soziale Gefüge verschob sich im Gegensatz zur Altstadt immer mehr nach unten. Nichthandwerker stellen kurz vor den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges den Hauptanteil der neustädtischen Bevölkerung.
Besitzverhältnisse im Vergleich zwischen Altstadt und Neustadt am Beispiel des Jahres 1552.
Stadtviertel: Durchschnittlich zu versteuernder Besitz

1. Viertel/Altstadt 119, 47 Schock
2. Viertel/Altstadt 135, 78 Schock
3. Viertel/Altstadt 101, 67 Schock
4. Viertel/Altstadt 98, 01 Schock
Neustadt 25, 31 Schock
Rosental 24, 5 Schock
Damm 21, 75 Schock

Hier zeigt sich deutlich, daß der durchschnittlich je Haushalt zu versteuernde Besitz in der Altstadt um das 4 bis 5 fache höher lag. Das diese ökonomische Macht partizipiert mit, vorsichtig gesagt, politischer Macht verdeutlicht sich hier in der Stadt an folgenden Ereignissen.
1465 Die Bewohner der Neustadt suchten bei den Fürsten auf dem Wege der Beschwerde wegen des Rechtes zum Bierbrauen nach. Sie wurden aber für immer abgewiesen. 1528 Hans Drache büßte mit 30 Groschen weil er in der Neustadt eine Gastung anlegen wollte. 1536 Ambrosius Rein, der in der Vorstadt eine Gastnahrung trieb, ward, weil der Vorstadt dieses Gewerbe nicht zukam, mit 20 Groschen Strafe belegt. 1541 Bisher hatten die Vorsteher der Neustadt das Wächtergeld der Vorstadt eingenommen und an die Kämmereikasse geliefert. Weil sich aber Unordnungen fanden, übernahm der Rat die Einnahme selbst. Vier wichtige Faktoren unterscheiden die Altstadt mit ihren auch vom Landesherrn bestätigten Privilegien von der Neustadt.
1. Die Wahl eines eigenen Rates bzw. gleichberechtigter Vertreter in einem gemeinsamen Rat. Das war hier in Delitzsch nur sehr eingeschränkt für die Neustadt möglich. Die Handwerker jedes Viertels in der Altstadt hatten einen Vertreter in Person eines Viertelmeisters. Die Neustadt konnte erstmals 1456 einen sogenannten Viertelherrn bestimmen. Bis 1541 konnten die Vorsteher der Neustadt die Einnahmen selbst verwalten und rechen schaftspflichtig abliefern, nun wurden sie der Aufgabe kommunaler Selbstverwaltung entledigt. Hierbei ist die Parallelität zur städtebaulichen Entwicklung bemerkenswert.
2. Das Braurecht. Eine wichtige Säule, die durch die sogenannte Biermeile, einen konkurrenzfreien Absatzmarkt sicherstellte und so nicht unwesentlich zum Wohlstand der Stadt beitrug.
3. Das Marktrecht. Bestrebungen der Neustadt, vielleicht auf dem zentral und verkehrsgünstig gelegenen Roßplatz, einen Markt abzuhalten sind nicht überliefert. Nur einmal wird für den Marienplatz der Name Frauenmarkt gebraucht.
4. Das Recht zur Anlegung von Gasthöfen. Die zwei oben genannten Versuche stellen nur einen Teil der vielfach in der Neustadt gemachten Versuche zur Anlegung eines solchen dar. Erstmals konnte 1660 die offizielle Bestätigung für einen Gasthof in der Neustadt erhalten werden. Noch bis in das 19. Jh. versuchte der Rat massiv die Neuanlage von Gasthöfen in der Neustadt und den Vorstädten zu verhindern.
Dieser ausgeprägte Gegensatz spricht für eine ausgesprochene politische und wirtschaftliche Macht auch gegenüber dem Landesherrn. Denn dieser geriet gegenüber der Bürgerschaft auf Grund immer wiederkehrender Geldanleihen gerade im 15. und 16. Jh. in einen gewisses Abhängigkeitsverhältnis. So war es dem Rat in der Altstadt möglich seine Forderungen durchzusetzen. Eine völlig gleichberechtigte Stellung konnten die Bürger und Einwohner in der Neustadt erst nach 1815 mit der unter preußischer Herrschaft einsetzenden Gewerbefreiheit erreichen.


Quellen- und Literaturverzeichnis

Angeführt sind in diesem Band nur die Quellen, die im Band I auf Grund der verschiedenen Provinienz und Charakteristik nur für die dem Amt unterstehende Vorstädte Rosental, Damm und die Gemeinde Grünstraße eine Aussagefähigkeit haben. Die für die Neustadt ausgewer­teten Quellen entsprechen mit wenigen Ausnahmen denen der Altstadt in Teil I.

Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, Stadt Delitzsch
3212 Der Grünstraße vor Delitzsch Steuerschock - Catastrum 1754

Sächsisches Landeshauptarchiv Dresden
Kopial 265 fol. 649 Gerber und Fleischer wegen der Faul- und Kalkgruben, Schlachtwillen und Scheunen in der Stadt Delitzsch 1554
Kopial 283 fol. 363 Die wüste Kirche Unserer lieben Frauen, das Lehn und die Präbande aus dem Schloß Delitzsch für einen Priester und Schulmeister 1557
Kopial 294 fol. 83 Die Frauenkirche wird dem Rat erblich eingeräumt 1559

Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Magdeburg, Außenstelle Wernigerode
Rep. D Delitzsch A III Nr. 4 Rep. D Delitzsch A III Nr. 5 Rep. D Delitzsch A III Nr. 6 Rep. D Delitzsch A III Nr. 7 Rep. D Delitzsch A III Nr. 8 Rep. D Delitzsch A III Nr. 9 Rep. D Delitzsch A VIII Nr. 6  Amtshandelsbuch 1603 - 1607 Amtshandelsbuch 1607 - 1611 Amtshandelsbuch 1612 - 1615 Amtshandelsbuch 1615 - 1619 Amtshandelsbuch 1619 - 1622 Amtshandelsbuch 1623 - 1627 Steuerregister (Grünstraße) 1612 mit Nachträgen bis 1622.

Literaturnachweis für die Bände I und II
Adress-Buch und Geschäftsanzeiger für die Kreisstadt Delitzsch pro 1881, Standort: Museum Schloß Delitzsch IV/2/570
Adressbuch der Stadt Delitzsch 1907, Standort: Museum Schloß Delitzsch
Adressbuch der Stadt und des Kreises Delitzsch 1934, Standort: Museum Schloß Delitzsch
Beschorner, Registrum Dominorum Marchionum Missnensium, 1. Bd., Leipzig 1933
Bittcher C.F.H., Pförtner Album, Verzeichnis sämtlicher Lehrer und Schüler der Königlich Preußischen Landesschule Pforta v. 1543-1843, Leipzig 1843
Blaschke Karlheinz, Geschichte Sachsens im Mittelalter, Berlin 1990
Blaschke Karlheinz, Verwaltungsgeschichte für Stadt- und Kreisarchivare im Gebiet des ehemaligen Landes Sachsen, Dresden 1962
Czok Karl, Geschichte Sachsens, Weimar 1989
Eichler Ernst, Die Orts- und Flußnamen der Kreise Delitzsch und Eilenburg, Halle 1958
Heimatbilder, Beilage zur Delitzscher Zeitung, Standort: Museum Schloß Delitzsch
Jacob Frank-Dietrich, Aspekte zu Entwicklung und Aufgaben der Historischen Bildkunde, in: Festschrift für Ernst-Heinz Lemper, Beiheft zum Görlitzer Magazin 1989
Keyser E., Das Bild als Geschichtsquelle, in: Historische Bildkunde 2., Hamburg 1935
Kuhne Kurt, Die Siedlungsverhältnisse im Delitzscher Stadtgebiet, Delitzsch 1970
Lippert/Beschorner, Lehnbuch Friedrichs des Strengen 1349/50, Leipzig 1903
Lorenz Christian Gottlob, Die Stadt Grimma im Königreich Sachsen, Leipzig 1856
Meyers Konversationslexikon, Leipzig/Wien 1908
Meyers Neues Lexikon, Leipzig 1961
Reime Oskar, Geschichte der Stadt Delitzsch, Delitzsch 1902
Richter/Krollmann, Wilhelm Dilichs Ansichten kursächsischer Städte und Ortschaften, Leipzig 1907
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Schönermark, Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Bitterfeld und Delitzsch, Halle 1892
Schreckenbach H.J., Bezirksverwaltungen in den Ländern der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945-1947, in: Jahrbuch für Regionalgeschichte Bd. I, Leipzig‑Dresden 1965
Schumann August, Vollständiges Staats-Post-und Zeitungs-Lexikon von Sachsen, Zwickau 1814-26
Tutzschmann M.M., Zur Geschichte der sächsischen Lande, Grimma 1852
Urkundenbuch der Stadt Halle Ihrer Stifter und Klöster, Halle/Sa. 1939, Teil II (1301-1350), in: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Landes Anhalt.

Zur Benutzung sei noch einmal darauf verwiesen das sich die Nennung der Namen immer auf das konkret vorangestellte Jahr beziehen. Es wird unterschieden zwischen erw., d.h. Erwäh­nung z.B. in Steuerregistern oder als Nachbarschaftsangabe, Kauf, d.h. hier liegt ein nachge­wiesener Kaufvertrag in den Quellen zugrunde und Belehnung, d.h. die vom Rat bzw. dem Amt vollzogene Anerkennung des Vertrages mit der vollen Übernahme der Pflichten und Rechte durch den neuen Besitzer. Die Familiennamen waren teilweise sehr unterschiedlichen Schreibweisen ausgesetzt, gewählt wurde die jeweilige konkrete Schreibform in den Quellen, sodaß z.B . die Namen Pareidt, Perreut, Peireuth trotz abweichender Schreibweise einem Fami­lienkreis entsprechen.

Ergänzungen und Berichtigungen zu Teil I, Die Altstadt
Quellenangabe zu 3. Die Quellen: Findbuch zum Bestand "Stadt Delitzsch" im Sächsi­schen Staatsarchiv Leipzig.


Die Mühlen

Behandelt werden alle bekannten Mühlen die in der Zeit des späten Mittelalters bis in die jüngste Zeit in der Gemarkung der Stadt gelegen, ihrer Jurisdiktion unterworfen, oder in ihrem Besitz gewesen sind. Die namentliche Nennung, meist identisch mit der Lagebezeichnung, ist ihrer urkundlichen Ersterwähnung entsprechend. Die Standorte können mit Hilfe der laufenden Nummern lokalisiert werden. Die Ordnung ist nicht chronologisch oder nach einem bestimmten Schema angelegt.

1. Die Strohmühle
Die Mühle unterstand dem Amt Delitzsch als Teil der Gemeinde Grünstraße. Sie war vom Amt vererbt, wobei die Besitzer ihren Wohnsitz in der Gemeinde Grünstraße hatten. Im Jahr 1551 und vorher noch nicht genannt, dann wohl 1552 erbaut.
1552 Sygeler Nickel, der Strohmüller, erwähnt. Noch 1556 als Windmüller auf der Strohmühle genannt.
1557 Holzhausen Peter, Besitzer der Strohmühle, erwähnt  Noch 1583.
1589 Holtzhausen Hans, mit Haus und Windmühle, erwähnt 
1614 Holzhausen Adam, Sohn, kauft die Strohmühle.
1622 Holzhausen Hans, Haus und Windmühle, erwähnt  Noch 1628.
1688 Hirsebrod Christian, Bürgermeister in Delitzsch 1687, 90, 93, 94, 95, 96, 99, erwähnt 
1708 Leine Christian, Windmüller, erwähnt 
1708 Kühnert Andreas, Müller in der Grünstraße, erwähnt  Wohl als Pächter.
1734 Leine Adam, Windmüller in der Grünstraße, erwähnt 
1734 Leine Johann Gottfried, Windmüller in der Grünstraße, erwähnt 
1761 Leine Christian Gottfried, Sohn, wird belehnt.
1805 Roethel Johann Gottlob, kauft die Strohmühle und Haus in der Grünstraße für 600 Taler.
1844 Roethel Friedrich Gottlob, Sohn, Müllergeselle, kauft Haus und Mühle für 2000 Taler.
1853 Bretschneider Carl Friedrich, Müllermeister, kauft Mühle und Haus für 2630 Taler.
1854 Röthel Friedrich Gottlob, Müller, kauft Haus und Mühle für 2385 Taler.
1854 Kirchhoff August, Müller aus Kl. Lissa, kauft Haus und Mühle für 2530 Taler.
1858 Die Mühle ist abgebrannt. Die Berlin-Anhaltische Eisenbahngesellschaft kauft das Gelände.

2. Die Vorderste Bergmühle vor dem Viehtor
Von 1854 bis 1891 Hausnummer Bitterfelder Vorstadt 607. Zusammen mit der Hinteren Bergmühle ab 1538 als Ratswindmühlen bis um 1790 zusammen an einen Pächter verpachtet. Das Wohnhaus des Müllers stand noch um 1870 an der Dübener Straße.
1536 v. Bünau Heinrich d. Ä. , auf Droyßig und Glesien, erbaut zwei Windmühlen.
1538 Der Rat zu Delitzsch kauft die zwei Windmühlen.
1539 Dem für die Windmühlen angenommenen Müller baute man auf dem Anger ein Wohnhaus.
1549 Kessel Ulrich, der Windmüller, als Pächter, erwähnt  Noch 1553.
1559 Fricke Christoph, auf des Rats Windmühle, erwähnt 
1561 Des Windmüllers Wohnhaus vor dem Viehtor, erwähnt 
1561 Fritzsche Christoph, des Rats Windmüller, erwähnt 
1569 Dobertze Thomas, des Rats Windmüller, erwähnt  Ein Hans Dobertze war Müller zu Petersroda.
1584 Doberitz Thomas, Müller hier, evtl. aus Golma, erwähnt 
1616 Hennigk Georg, des Rats Windmüller +, erwähnt 
1616 Kemnitz Wolf, Müller auf dem Gerberplan, erwähnt 
1619 Tilsener Aßmus, Ratswindmüller, erwähnt 
1623 Serrnaw Andreas, Windmüller, erwähnt 
1624 Bergkholtz Nickel, Windmüller, erwähnt 
1633 Beide Windmühlen brennen nieder.
1637 Kahle Hans, Windmüller hier, erwähnt. Er starb 1638.
1637 Am 18. 2. werden beide Mühlen von den Schweden niedergebrannt.
1645 Wiedererrichtung der Mühlen für 64 Gulden.
1671 Kretzschmar Elias, Müller, pachtet beide Windmühlen.
1673 Nisske Hans, Mühlenbauer aus Badrina, baut eine der beiden Mühlen neu.
1692 Schmidt Adolph, Windmüller aus Golma, pachtet die vordere Ratswindmühle für 3 Jahre.
1699 Leine Johann, Windmüller aus Beerendorf, pachtet bis 1715 beide Windmühlen. 
1715 Vogel Johann Georg, Windmüller aus Petersroda, pachtet bis 1717. 
1717 Schmidt Johann Christoph, Windmüller aus Spröda, pachtet vorzeitig und bis 1727. 
1727 Rückmann Johann Christoph, heiratet 1727 die Witwe des Vorpächters, Mühlbursche, aus Waldau b. Bernburg, pachtet bis 1739. 
1739 Bley Christoph, Windmüller, pachtet beide Mühlen mindestens bis 1745.
1748 Fleck Christian Gottlieb, pachtet beide Mühlen bis 1752.
1752 Bretschneider Johann Samuel, Windmüller, aus Frohburg, pachtet beide Mühlen. 
1770 Schmidt Johann Carl, Windmüller hier, erwähnt 
1772 Schmidt Johann Gottlob, Ratswindmüller hier, erwähnt 
1774 Wachsmuth Johann Leberecht, Pachtmüller hier, aus Alsleben, erwähnt  
1792 Schmidt Johann Gottlob, Müllermeister, als Besitzer erwähnt  
1792 Seidler Johann Christoph, Müllermeister, aus Beerendorf, kauft die Mühle mit Haus für 800 Taler.
1831 Seidler Friedrich Christoph, Sohn, Müllermeister, kauft Mühle und Haus für 1800 Taler.
1863 Seidler Friedrich Wilhelm, Sohn, Müller, wird Besitzer.
1874 Seidler Dorothee Wilhelmine geb. Städter, Witwe, erbt.
1887 Böhl Gustav Friedrich Heinrich, Friedhofsgärtner und seine Frau Ottilie Franziska geb. Stich, kaufen die Mühle.
1891 Stadt Delitzsch kauft die Mühle und bricht sie in der Folgezeit ab.

3. Die Hintere Windmühle am Werbenschen Weg
Von 1854 bis 1893 Hausnummer Bitterfelder Vorstadt 603. Eine der beiden vormaligen Ratswindmühlen. Sie war in Personalunion mit der anderen an einen Müller verpachtet und wurde vom Rat um 1770 verkauft. Die Vorderste Bergmühle vor dem Viehtor. Das Wohnhaus des Müllers befand sich auf dem heutigen Grundstück Bitterfelder Straße 23. Die Mühle selbst auf einer Anhöhe der Ludwig-Jahn-Straße unter Amtsjurisdiktion.
1773 Beutel Johann Adam, Windmüller, hatte sie schon vorher erkauft.
1773 Schaaf Johann Christoph, kauft die Mühle mit Haus.
1787 Leine Johann Gottlob, Müllermeister, erwähnt  Er hat sein Wohnhaus erbaut.
1817 Leine Johanne Sophie geb. Thieme, später wiederverehelichte Thormann, Witwe, wird Besitzerin.
1818 Thormann Carl, Witwer, Müllermeister, kauft für 1500 Taler.
1849 Thormann David, Sohn, Müller, wird Besitzer des Hauses und der Mühle.
1859 Donath Friedrich, Müller, kauft nur die Mühle für 2200 Taler.
1860 Grosse Carl Eduard, Müller, aus Köckern, kauft Mühle und Haus für 2275 Taler.
1904 Stadt Delitzsch kauft die Mühle und bricht sie ab.

4. Windmühle vor dem Viehtor auf dem Hospitalfeld
Sie befand sich ca. 50m nördlich vom Hauptgebäude der ehemaligen Molkerei in der Nordstraße unter Amtsjurisdiktion.
1748 Bley Christoph, Müller, kauft von Hans George Kretzschmar einen Acker Feld im "Spitalfelde" und baut darauf eine Mühle und Wohnhaus.
1749 Schmid Johann Carl, Müller, kauft für 750 Gulden.
1767 Brand Johann Gottfried wird mit der Mühle belehnt.
1767 Bretschneider Johann Samuel, Windmüller, aus Frohburg, wird belehnt.
1785 Bretschneider Johann Samuel, Sohn, Bürger und Windmüller, wird mit der Mühle belehnt.
1810 Brettschneider Johann Samuel, Sohn, Müllermeister, kauft Mühle und Wohnhaus für 800 Taler.
1849 Auerbach Julius Theodor, Müller, kauft Mühle und Haus.
1858 Werner Johann Friedrich, Müller, kauft Mühle und Haus für 3100 Taler (noch 1881).

5. Windmühle auf dem Sand am Heiligbrunnen mit Mühlhaus
Sie befand sich etwa auf dem heutigen Grundstück Bitterfelder Straße 39. Unter Amtsjurisdiktion.
1719 Leine Hans, er erbaut die Mühle.
1728 Leine Christian, Windmüller, wird belehnt.
1780 Frantz Adam, hatte sie schon früher für 620 Gulden gekauft.
1782 Hußke Johann Gottfried, Windmüller, wird belehnt.
1813 Husske Johann Gottfried, Sohn, Müllermeister, kauft die Mühle und Mühlhaus für 1800 Taler.
1843 Husske Johanne Rosine geb. Angermann, Witwe, erbt.
1848 Angermann Gottfried, Bruder, Mühlenbesitzer in Gördenitz, kauft Haus und Mühle für 3010 Taler.
1863 Angermann Louis, Sohn, Mühlenbesitzer, kauft beides für 2000 Taler.
1875 Platz Friedrich und seine Frau Wilhelmine geb. Krausch, aus Hohenossig, kaufen Mühle und Haus.
1877 Hennig Karl Robert, Kaufmann in Delitzsch, kauft.
1880 Rinke Christfried August, Müller, kauft.
1881 Thieme Friedrich Moritz, Müller in Göbschelwitz, kauft.
1895 Wittrock Karl, Lehrer, kauft Mühle und Haus.
1897 Wittrock Selma geb. Reichardt, Ehefrau, wird Besitzerin.
1903 Abbruch der Mühle und Wiederaufbau derselben in Pressel.

6. Windmühle vor dem Viehtor
1880 Heinrich Ludwig Franz, Müller, kauft eine Feldparzelle und baut darauf eine Mühle.
1883 Landmann Theodor, Müller und seine Frau Auguste geb. Rindfleisch, aus Kölleda, kaufen die Mühle.
1886 Sie wird in der Zwangsversteigerung Besitzerin.
1886 Pauli Gottlieb Hermann, Müller, kauft. In diesem Jahr brennt ihm die Mühle ab.

7. Windmühle in der Bitterfelder Vorstadt
Sie befand sich auf dem heutigen Hausgrundstück Securiusstraße 23.
1846 Freiwald Christian Friedrich, Müller, kauft von der Witwe Christiane Sparwald geb. Bunge ein Feldstück in der Naundorfer Sandmark und baut darauf eine Windmühle.
1862 Freiwald Christiane Elisabeth geb. Gärtner, Witwe, wird Besitzerin.
1878 Freywald Christian Friedrich, Müller, wird Besitzer.
1895 Freywald Auguste Bertha geb. Schulze, Witwe, erbt.
1896 Leubner Richard, Konditor und Kaufmann Richard Dittmar, kaufen die Mühle.
1898 Thier Bertha geb. Schneider, kauft die Mühle.
1902 Hennig Karl Robert, Kaufmann, kauft. Um oder kurz nach 1900 Abbruch der Mühle.

8. Bockwindmühle in der Naundorfer Sandmark
Von 1866 bis 1893 Hausnummer Schenkenberger Weg 605. Ab 1893 Schenkenberger Weg 2.
1866 Wittig Friedrich Hermann, Müller, kauft von seinem Vater dem Mühlenbesitzer in Oitzsch, Gottlieb Wittig, eine Feldparzelle, die dieser 1865 von Carl Friedrich Rauchfuss erworben hatte und baut darauf eine Windmühle.
1891 Reichardt Wilhelm, Bäckermeister, kauft die Mühle.
1891 Abbruch der Mühle und Errichtung des Schützenhofes.

9. Bockwindmühle auf der Superintendendenhufe (im Rosental)
1833 Trommler Carl Wilhelm, Stadtmüller, kauft für 375 Taler eine Feldparzelle und baut eine Windmühle.
1843 Bretschneider Carl Friedrich, Müller und seine Frau Auguste Friederike geb. Otto, kaufen für 13000 Taler die Mühle mit dem Wohnhaus und anderem Besitz.
1849 Er wird alleiniger Besitzer.
1853 Schröter Carl August Ferdinand, Schiffmühlenbesitzer in Dommitzsch, kauft für 2000 Taler.
1860 Auerbach Julius, Windmüller, kauft für 2700 Taler.
1864 Dittmar Heinrich Louis, Müller, kauft Mühle und Haus für 2800 Taler.
1921 Dittmar Willi, Bankvorsteher in Berlin-Südende, wird Besitzer.
1952 Grundbuch vernichtet.
1967 Das verfallene Mühlhaus war noch zu sehen.

10. Windmühle zu Naundorf
Unmittelbar neben der Naundorfer Wassermühle gelegen.
1560 Stogk Nickel, er erhält vom Herzog die Erlaubnis zum Bau einer Windmühle auf Pfähle neben seiner Wassermühle. Er soll sie auf eigene Kosten bauen. Als Zins jährlich auf Michaelis 30 Scheffel Roggen an das Amt Delitzsch. Weiteres ist über diese Mühle nicht bekannt.

11. Bockwindmühle am Queringer Weg
Von 1854 bis 1893 Hausnummer Hallesche Vorstadt 615. Seit 1893 Gertitzer Straße 5.
1832 Helm Traugott Leberecht, Müller, kauft vom Chirurgen Rathmann ein Stück Feld und baut darauf eine Windmühle.
1834 Erbauung des dabei gelegenen Wohnhauses.
1834 Donath Heinrich Ferdinand, Müller, kauft Mühle und Haus für 2000 Taler.
1867 Lindenhahn Friedrich Wilhelm, Windmühlenbesitzer, kauft Haus und Mühle.
1877 Arnheim Moritz, Kaufmann in Dessau, kauft in Zwangsversteigerung.
1880 Hiller Ernst Hermann, Müller und seine Frau Amalie Auguste geb. Müller, kaufen Mühle und Haus.
1889 Arnheim Moritz, Kaufmann in Dessau, kauft in Zwangsversteigerung.
1896 Wünsche Minna geb. Calor, kauft beides.
1913 Wünsche Kurt, Mühlenbesitzer und Bäcker, kauft die Mühle.
1918 Wagner Otto, Mühlenbesitzer, kauft.
1922 Nepp Joseph, Zivilingenieur und seine Frau Klara geb. Schiedt, kaufen.
1935 Sie wird alleinige Besitzerin. In der Folgezeit Abbruch der Mühle.

12. Bockwindmühle auf Elberitz Mark in der Leipziger Vorstadt
1849 Kühne Friedrich Heinrich kauft für 200 Taler vom Kaufmann Christian Friedrich Schmidt einen Feldplan und erbaut darauf eine Windmühle.
1851 Werner Carl Friedrich, Müller, aus Werbelin, kauft die Mühle für 1700 Taler.
1853 Zander Gottlob Carl, Müller, aus Möhlau, kauft für 1800 Taler.
1876 Zander Friederike Auguste geb. Zwecke, wird Besitzerin.
1887 Zander Carl Gustav, Müller, kauft die Mühle.
1902 Die Stadt Delitzsch kauft die Mühle, bricht sie ab und beginnt in diesem Jahr mit dem Bau des Wasserturms auf dieser Stelle.

13. Bockwindmühle in der Leipziger Vorstadt vor dem Neutor
Von 1854 bis 1893 Hausnummer Elberitzstraße 594. Seit 1893 Elberitzstraße 6.
1846 Troitzsch Ernst Gotthelf, Müller, aus Flemsdorf, kauft vom Ökonom Johann Sigismund Kühne verschiedene Feldstücke und erbaut darauf eine Mühle.
1875 Troitzsch Alwin, Müller, erbt die Mühle.
1890 Abbruch der Mühle. Wiederaufbau der Mühle in Tiefensee.

14. Bockwindmühle auf Elberitzmark (Döbernitzer Weg 1)
1855 Kirchhoff August, Müller, kauft für 1100 Taler von der Witwe Barth ein Feldstück und baut darauf eine Mühle.
1859 Hennig Franz Eduard, Müller, kauft für 4000 Taler. (Wohl mit dem Wohnhaus in der Chausseestraße)
1881 Hennig Wilhelm, Gutsbesitzer in Quering, kauft in öffentlicher Versteigerung.
1882 Held Gustav Friedrich, Seifenfabrikant, kauft.
1899 Schöne August, Haltestellenaufseher, kauft.
1919 Körnicke Elsa geb. Schöne, wird Besitzerin.
1919 Körnicke Alfred, Ehemann, Landwirt, wird Miteigentümer.
1922 Abschreibung des Bestandes.

15. Wassermühle zu Elberitz
Von 1854 bis 1893 Hausnummer Elberitzmühle 614. Seit 1893 Hausnummer Elberitzstraße 14. Rest des im 15. Jh. wüst gewordenen Dorfes Elberitz. Seit 1423 stand das Dorf und die Mühle unter der Jurisdiktion des Rates der Stadt Delitzsch.
1415 v. Pak Hans d. Ä. , zu Elberitz gesessen, erwähnt 
1423 v. Pak Hans, Voigt zu Wurzen und Hans v. Pak zu Elberitz, als Besitzer des Dorfes Elberitz, erwähnt 
1423 Der Rat zu Delitzsch kauft das Dorf Elberitz.
1442 Das Dorf als noch besetzt erwähnt.
1501 Der Müller zu Elberitz erwähnt, erste Erwähnung der Wassermühle.
1529 Karbaum Hans und seine Frau Margarethe, als Besitzer der Mühle, erwähnt 
1529 Liebmann Hans, Elberitzmüller, kauft die Mühle.
1533 Der Rat kauft die Mühle zurück. Bis 1791 war sie im Besitz des Rates der Stadt und immer verpachtet.
1549 Schindler Mattheus, Elberitzmüller, erwähnt 
1551 Melczsch Gregor, Elberitzmüller, erwähnt 
1552 Schmidt Michael, Elberitzmüller, erwähnt 
1555 Das Mühlhaus wird neugebaut.
1563 Wittich Jost, Elberitzmüller, erwähnt 
1570 Güllmann Bernhard, Elberitzmüller, erwähnt 
1571 Winckler Andreas, Elberitzmüller, aus Gr. Schaben, erwähnt 
1600 Fischer Conrad, Elberitzmüller, erwähnt 
1602 Doberentz Matthias, aus Golma, pachtet für ein Jahr die Mühle.
1605 Merckener Brosius, Elberitzmüller, erwähnt 
1627 Grefe Martin, um 1614 noch Müller in Selben, als Elberitzmüller +, erwähnt 
1632 Mercker Urban, Elberitzmüller, erwähnt 
1638 Abizsch Jacob, Ratsmüller auf Elberitz, aus der Grünstraße, heiratet, erwähnt 
1675 Cunart Tohß, Elberitzmüller, erwähnt 
1678 Cuhnert Martin, Sohn, Elberitzmüller, erwähnt, er verlängert ab 1679 bis wahrscheinlich 1723 seine Pachtzeit.
1723 Richter Veit, pachtet mindestens bis 1729 die Elberitzmühle.
1737 Kutzscher Christian Gottlieb, Elberitzmüller, erwähnt 
1747 Kutzscher Johann Ernst, Bruder, pachtet bis 1760 die Mühle.
1760 Buchheim Johann Friedrich, Pächter der Wassermühle in Benndorf, jetzt in Holzweißig gemeldet, pachtet die Elberitzmühle.
1771 Freywald Johann Andreas, Ratspachtmüller zu Elberitz, aus Pouch, erwähnt 
1791 Er kauft vom Rat erblich die Mühle.
1799 Anlegung einer Kegelbahn.
1803 Freywald Johann Andreas, Sohn, kauft die Wassermühle mit Mühlgerät und Hopfgarten für 2300 Taler.
1803 Er erhält vom Rat zu Delitzsch die Schankgenehmigung.
1837 Freiwald Christian Friedrich, Sohn, Mühlknappe, kauft die Mühle mit Grundstücken für 2100 Taler.
1842 Schade Lebrecht, Müller, aus Seehausen, kauft die Mühle für 4500 Taler.
1845 Durchführung von Konzerten. 
1846 Rosche Christian, Gutsbesitzer, aus Radefeld, kauft die Wassermühle mit Inventar für 5400 Taler.
1848 Kramer Gustav, Advokat in Leipzig, kauft für 6000 Taler.
1849 Teich Johanne Rosine geb. Winkler, aus Elzoldshayn, kauft für 5500 Taler.
1850 Vetter Johann Gottlob, Mühlenarbeiter aus Schkeuditz, kauft für 4000 Taler.
1850 Kandler Johanne Therese geb. Müller, aus Eilenburg, ertauscht die Mühle.
1850 Ulrich Johanne Friederike geb. Schroeter, aus Leipzig, kauft für 4477 Taler.
1851 Tittel Carl Louis, Amtmann, aus Liemehna, kauft die Wassermühle für 5000 Taler.
1851 Eisenschmidt Carl Friedrich August, Mühlenmeister, aus Crossen b. Zeitz, kauft für 5260 Taler.
1852 Grasshoff Friedrich Gottlob, Bäckermeister, kauft in der Zwangsversteigerung für 2860 Taler.
1862 Stahnsch Friedrich, Müller, aus Raguhn, kauft für 3400 Taler.
1901 Stansch Friedrich Hermann, Müller, wird Besitzer.
1919 Ohme Franz, Schlosser und Kantinenpächter, kauft die Wassermühle mit Mühlengerechtigkeit für 47500 Mark.
1921 Stillegung der Mühle und Abbruch des Mühlhauses. Errichtung eines neuen Gebäudes für Restaurationszwecke.
1936 Verkauf einer Parzelle an die Stadt für das Freibad.
1934 Ohme Erbengemeinschaft. Sie treten 1943 das Staurecht am Lober an den Loberverband ab.
1947 Ohme Gerhard, Sohn, Gastwirt, kauft die Gastwirtschaft mit Inventar für 43699 RM.
1952 Kapell Elisabeth geb. Reiche, kauft die Gastwirtschaft.

16. Die Hausmühle
Mit einiger Sicherheit hat sie sich am nördlichen Teil des Stadtgrabens etwa gegenüber vom Hausgrundstück Am Wallgraben 8 befunden, wurde aber schon im 15. Jh. stillgelegt. Sie war eine Wassermühle die durch das Wasser des durch den Stadtgraben fließenden Lobers angetrieben wurde.
1367 Ersterwähnung der Hausmühle.
1471 Der Rat kauft die Lehn- und Gerichtsbarkeit über die Mühle.
1475 Stillegung der Mühle.

17. Die Stadtmühle
Von 1854 bis 1893 Hausnummer Rosental 560. Seit 1893 Rosental 2. Bis zum Jahr 1411 befand sich die Stadtmühle auf dem Hausgrundstück Pfortenstraße 12. Mit der Erweiterung der Stadt und der Vergrößerung der Kirche St. Peter und Paul wurde es notwendig den alten Mühlgraben mit zu überbauen bzw. für eine Wegeführung zu nutzen. Sie wurde in diesem Jahr nach außerhalb auf das heutige Grundstück verlegt. Es handelte sich um eine durch den vom Lober gespeisten Stadtgraben angetriebene Wassermühle. Sie wurde von Anbeginn bis 1807 vom Rat verpachtet und unterstand seiner Jurisdiktion. Dann wurde sie verkauft.
1411 Molner Hans, Stadtmüller, baut die Mühle hier neu auf.
1470 Christoph, Müller in Löbnitz, baut die Mühle neu.
1473 Die Mühle wird fertiggestellt.
1478 Man versucht an der Mühle eine Walkmühle anzubringen und ließ den Bau vom Zimmermann Martin Müller beginnen.
1554 Schindeler Matthes, Stadtmüller, erwähnt  War noch 1560 hier.
1565 Leubel Salomon, Stadtmüller, erwähnt 
1572 Köggeler Blasius, Stadtmüller, erwähnt  Mindestens bis 1578.
1587 Elteste (auch Elste) Ambrosius, Stadtmüller, war 1578 noch Mühlknecht bei Köggeler, aus Reiste b. Halle, erwähnt 
1600 Adler, alter Stadtmüller, erwähnt 
1604 Karnstadt (auch Darmstadt) Hans, heiratet die Witwe des Vorbesitzers, Stadtmüller, erwähnt 
1620 Eckelmann Thomas, Stadtmüller, aus Halle, erwähnt  Wird auch als Neustadtmüller bezeichnet.
1628 Uhlmann Thomas, Stadtmüller, erwähnt 
1630 List Hans, Stadtmüller, erwähnt 
1670 Conrad Philip, Stadtmüller, erwähnt 
1671 Uhlich Hans, Stadtmüller, erwähnt 
1675 Hofmann Barthol, aus Osterfeld, pachtet bis 1678 die Mühle.
1678 Richter Veit, heiratet und pachtet die Mühle.
1691 Richter Veit, Sohn, heiratet, erwähnt  Er ist bis 1693 Pächter.
1693 Hoffmann Barthol, pachtet bis 1702 (Inventar mit aufgeführt).
1702 Noack Hans George, pachtet bis 1708, er erhielt dann die Mühle seines Schwiegervaters in Holzweißig und ging dorthin.
1708 Puffer Hans, bisher Müller in Trossin, pachtet bis 1714.
1714 Noack Hans George, aus Holzweißig, pachtet bis 1727.
1720 Kirsten Johann Elias, Mühlenbaumeister, soll den geplanten Neubau der Mühle für den Rat der Stadt übernehmen. (Mit Zeichnung !)
1727 Kuzscher Martin, bisher Schiffmüller in Löbnitz, pachtet bis 1747.
1747 Kutzscher Christian Gottlieb, Sohn, bisher Elberitzmüller, pachtet.
1807 Poetzsche Johann Christian, kauft die Mühle für 4025 Taler, sie wird damit erstmals erblich.
1828 Poetzsche Ernst Heinrich, Stadtmühlenbesitzer, erwähnt  1
1828 Trommler Carl Wilhelm, Schwager, Brandweinbrenner, aus Schönefeld, dann Stadtmüller, kauft die Mühle für 5000 Taler.
1843 Bretschneider Karl Friedrich und seine Frau Auguste Friederike geb. Otto, kaufen die Mühle mit Wohnhaus für 13000 Taler.
1849 Er erbt den Anteil seiner Frau.
1853 Schröter Carl August Ferdinand, Schiffmühlenbesitzer aus Dommitzsch, kauft die Mühle für 8000 Taler.
1868 Maasch Johann Gottfried Wilhelm, Müllermeister aus Sellerhausen b. Leipzig, kauft.
1870 Martin Johann Heinrich, Müllermeister, kauft für 10100 Taler die Mühle und Wohnhaus in der Zwangsversteigerung.
1882 Martin Heinrich Eduard, kauft die Mühle und Wohnhaus.
1890 Zuckerfabrik Delitzsch kauft die Mühle.
1903 Stadt Delitzsch kauft die Mühle. Nach dem Ausbau des Mühlwerkes werden hier städtische Mietwohnungen eingerichtet.
1983/84 Abbruch des Gebäudes.

18. Die Schademühle
Diese vom Lober angetriebene Wassermühle befand sich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts auf dem heutigen Hausgrundstück Rosental 25. Weiteres siehe dort. Sie befand sich unter Amtsjurisdiktion.
1349/50 de Zcemin Gelfradus, wird u. a. mit der Schademühle belehnt.
1471 Die Mühle ist wüst.
1474 Der Rat zu Delitzsch kauft vom Müller Benedict für 100 alte Schock das Wasser von der Schademühle. Beliehen vom Fürsten am 12. August d. J.
1475 Der Rat wird am 11. 8. 1475 mit der Mühle belehnt.
1494 Der Rat kauft für 5 silberne Schock 20 Groschen vom Müller Benedict nun auch dessen Hofstätte mit Garten und den Wassergang mit Weiden. Er verpachtet dieses gleich für jährlich 40 Groschen an Balthasar Berndt.

19. Die Spitelmühle
Diese Wassermühle befand sich hinter dem Hospital in dessem Garten. Angetrieben wurde sie von einem zwischen der Stadtmauer und der Hospitalkirche fließenden Loberarm. Während der Tiefbauarbeiten für den Neubau des Altenheimes, 1992, kamen Reste, vermutlich eines Wasserstaus oder Mühlengerinnes, zum Vorschein. Im Jahr 1454 gibt Herzog Friedrich v. Sachsen der Stadt Delitzsch die Erlaubnis eine ihm zinspflichtige Mühle abzureißen, die der Errichtung eines Stadtgrabens hinderlich im Wege steht.

20. Die Pfeffermühle
Diese vom Lober angetriebene Wassermühle hat sich etwa zwischen der heutigen (1994) DEA-Tankstelle und dem LIDL-Markt nördlich der R.-Wagner-Straße befunden. Noch zu Beginn des 20. Jh. trug die Straße den Namen Pfeffermühlenweg. Die Mühle gehörte zum Dorf Gertitz auf der wüsten Mark Rubach. Ob sie ihrem Namen nach eine Gewürzmühle gewesen ist konnte bisher nicht geklärt werden. Sie ging Ende des 15. Jh. , wohl durch die Stadt Delitzsch gefördert, ein.
1405 Pffeffermüller Claus, erwähnt 
1458 v. Friberg Ditterich, Besitzer des Dorfes Gertitz und der Pfeffermühle, erwähnt 
1458 Die Stadt Delitzsch kauft das Dorf Gertitz und die Mühle.
1486 Stift Hans, Einwohner zu Gertitz, kauft das Haus auf der Pfeffermühle.

21. Wassermühle zu Naundorf
Siedlungsrest des im 16. Jh. wüst gewordenen Dorfes Naundorf. Dieses Dorf war zum großen Teil dem Rittergut Schenkenberg dienst- und zinspflichtig. Das Mühlengrundstück unterstand noch bis in das 19. Jh. der Jurisdiktion dieses Rittergutes. Sie war von 1569 bis 1796 im Besitz der Stadt Delitzsch und in dieser Zeit verpachtet.
1349/50 de Welchow Martinus, hat in Nuendorf 5 Hufen und 1 Wiese zu Lehen.
1363 v. Schenkenberg der Familie, wird "molendinum" in Nuendorf cum omnibus pertinenciis" geliehen.
1501 Moller Hans, zu Nawendorff, erwähnt 
1532 Malzsack Paul, Besitzer der wüsten Naundorfer Mühle, erwähnt  noch 1541.
1551 Stock Peter, Müller zu Naundorf, leiht sich vom Hospital 50 Gulden zum Aufbau seiner abgebrannten Mühle. Sein Lehnsherr ist Matthias (v. )Spiegel in Leipzig.
1554 Stock Nicol, Sohn, kauft die Mühle.
1569 Der Rat der Stadt Delitzsch kauft die Mühle.
1569 Landgraf Peter, aus Wallenburg, Müller zu Naundorf, erwähnt 
1576 Weydener Lorenz, Müller zu Naundorf, erwähnt 
1577 Schommer Thomas, Müller zu Naundorf, erwähnt 
1578 Leubel Georg, pachtet die Mühle für 3 Jahre.
1587 Frost Hans, Müller zu Naundorf, erwähnt 
1588 Die Stadt Delitzsch wird mit der Mühle belehnt.
1611 Clemen Andreas, Müller zu Naundorf, erwähnt 
1614 Büthner Martin, Müller zu Naundorf, erwähnt 
1627 Bedermann Bartohl, mindestens bis 1629 Müller hier, später Einwohner in Gertitz, erwähnt 
1637 Am 18. 2. wird die Mühle von den Schweden niedergebrannt.
1638 Voigt Andreas, Müller zu Naundorf, er war vorher Wasser- und Windmüller in Paupitzsch, erwähnt 
1657 Richter Veit, Müller zu Naundorf, aus Bitterfeld, erwähnt 
1673 Kreisch Hans, pachtet die Mühle bis 1674. 1
1674 Kreisch Elisabeth, Witwe, pachtet.
1683 Hofmann Barthol, pachtet die Mühle für 3 Jahre. 1
1693 Graupner George, pachtet die Mühle bis 1702. 1
1702 Bernstein Hans, aus Dallwitz, pachtet die Mühle bis 1708. (Inventar mit aufgeführt !)
1708 Richter Veit, bisher Müller zu Dahlen, pachtet die 3-gängige Naundorfer Mühle für jährlich 72 Scheffel Korn an das Amt und 20 Scheffel Korn an die Stadt und 30 Gulden nach Schenkenberg, bis 1728.
1713 Neubau der Mühle.
1728 Kuhnart Tobias, Schwiegersohn, Müller aus Zöckeritz, pachtet bis 1731.
1731 Koch Johann Gottfried, pachtet bis 1745.
1745 Cuno Emanuel Gottlob, aus Friedersdorf, pachtet bis 1762.
1762 Buchheim Johann Friedrich, pachtet bis 1796.
1796 Er kauft die Mühle erblich für 1300 Taler. Mit dem Kauf übernimmt er folgende Lasten:1 Taler 6 Groschen Lehngeld und 12 Groschen Beitrag bei Einquartierung an die Stadt oder Servicekasse. Und 20 Scheffel Korn an den Archidiakon. 1
1815 Neubauer Johann Gottlob, Besitzer der Mühle, erwähnt  1
1815 Brettschneider Johann Samuel, Müllermeister, kauft die Mühle mit Mühlzeug und einer halben Hufe Land in der Naundorfer Sandmark für 4000 Taler.
1829 Bretschneider Johann Carl, Sohn, Müllermeister, kauft für 700 Taler.
1845 Weise Carl Friedrich, Müllermeister, kauft für 700 Taler.
1895 Die Stadt kauft das Mühlrecht und legt die Mühle still.
1895 Klepzig die Familie, kauft das Wohnhaus und das Feld.

22. Walzenmühle in der Leipziger Vorstadt
Von 1875 bis 1893 Hausnummer Leipziger Vorstadt 593d. Seit 1893 Hausnummer Leipziger Straße 26.
1875 Firma Gebrüder Schaaf OHG in Delitzsch, kaufen das Land und bauen eine Walzengetreidemühle und Wohnvilla.
1877 Leipziger Bank, kauft nach dem kaufmännischen Konkurs der Vorbesitzer in der Zwangsversteigerung.
1881 Bauer Franz Heinrich, Mühlenbesitzer, kauft.
1921 Bauer Friedrich, Ingenieur und der Kaufmann Hans Bauer, werden Besitzer.
1939 Zuckerfabrik Delitzsch m. b. H. , kauft.
1954 Mühlenhof Nachfolger Wehle Kommanditgesellschaft, wird Besitzer.
1989 Die Mühle ist bereits stillgelegt.

23. Dampfmahlmühle in der Chausseestraße bzw. Leipziger Vorstadt
Von 1856 bis 1893 Hausnummer Chausseestraße bzw. Leipziger Straße Nr. 589. Seit 1893 Chausseestraße 3, heute Hausgrundstück August- Bebel-Straße 3.
1856 Rauchfuß Karl Friedrich, Müller, kauft vom Kaufmann Johann Friedrich Meissner für 600 Taler Land und baut eine Dampfmühle.
1862 Leidenroth Louise geb. Knauth, ertauscht die Mühle im Wert von 10000 Taler.
1865 Friedrich Edmund Karl, Ökonom, ertauscht die Mühle im Wert von 18000 Taler.
1868 Seifert August, Kürschnermeister, kauft in der Zwangsversteigerung für 5200 Taler.
1869 Scharff Friedrich August, Posthalter, kauft für 5400 Taler.
1873 Scharff August Hermann, Ökonom, kauft.
1895 Scharf Kurt, Landmesser, kauft.
1901 Rasch Otto, Gärtner, kauft.
1903 Blume Franz, Maschinenmeister, kauft.
1905 Blume Walter, Gärtner, kauft.


Richtstätte

Auch unter dem Namen Rabenstein aufgeführt, heute in etwa mit dem Bahnhofsvorplatz des Berliner Bahnhofes identisch. Hier befand sich die Hinrichtungsstätte des sächsischen Amtes und der Stadt Delitzsch. Die Todesstrafen Radebrechen, Köpfen durch das Schwert, Hängen und Verbrennen sind hier nachgewiesen. Im Jahr 1818 wurde der Galgen abgetragen und die Materialien verkauft. Man fand 17 menschliche Skelette. Das Wohnhaus des Scharfrichters befand sich auf dem Grundstück August-Fritzsche-Str.12.

Vollzogene Hinrichtungen

1398 Ein Dieb mit dem Strang hingerichtet.
1402 Die Werlitzin durch den Strang.
1404 Die Wirtin des Frauenhauses, Ossemunde, durch den Strang.
1421 Aufstellung eines Galgens.
1427 Anton Trige mit dem Strang hingerichtet.
1431 Eine Hinrichtung mit dem Strang und eine Verbrennung.
1434 George Hans wegen Diebstahles mit dem Strang.
1443 Andreas Arndt wurde geköpft. Der Henker erhielt 15 Groschen und für das Schwert 4 Groschen.
1447 Der Rat war wegen der Acht (Todesstrafe) in Halle und Leipzig.
1457 Neubau des Galgens.
1471 Drei Personen werden mit dem Rad hingerichtet.
1480 Der Schweineschneiderknecht Nicolaus aus Lommatzsch wegen Diebstahls einer Tiare, eines Schleiers und einer Badekappe in Pohritzsch, hier mit dem Strang.
1481 Ein Mann der in Löberitz einen Mantel gestohlen hatte vom Leipziger Scharfrichter Hans Österreich gehenkt.
1494 Ambrosius Koch aus Neustadt durch den Strang.
1509 Thomas Herbst und Lorenz Richter wegen Mordes am Schmiedeknecht Urban An­dreae vom Leipziger Nachrichter Lorenz mit dem Schwert geköpft. Er empfing 30 Gro­schen für die Hinrichtung und 20 Groschen als ein Ankläger  bei dem peinlichen Ge­richt.
1509 Luna Sieners aus Albertsdorf, eine Kindesmörderin, vom Leipziger Scharfrichter Pe­ter Lorenz lebendig begraben.
1520 Durch Caesar Pflug (wohl Amthauptmann) ward festgesetzt, daß der Scharfrichter in Leipzig von den Städten jährlich einen gewissen Sold erhalten solle und es gab die Stadt Delitzsch jährlich 48 Groschen. (Demnach ist die  Entstehung der selbstän­digen Delitzscher Scharfrichterei nach 1520 anzusetzen und die Hinrichtungen wur­den vom Leipziger Scharfrichter vollzogen).
1522 Caspar Bank aus Leipzig und Blasius Zeller aus Halle wegen Mordes an Balthasar Hüf­ner mit dem Schwert geköpft. Das Urteil, welches ihnen peinliche Fragen zuerkannte, kostete 21, das zweite Todesurteil 42 Groschen.
1527 Gregor Höppner von Beerendorf wegen Mordes an Mattheus Wiedemann aus Kol­mitz b. Oschatz mit dem Schwert.
1527 Michael Ludwig gen. Ausbund wegen versuchter Vergewaltigung mit dem Schwert.
1530 Hans Richter wegen Diebstahls eines Pferdes mit dem Strang.
1531 Hans Schlesier mit dem Schwert.
1544 Valentin Dietrich aus Knauthain wegen Diebstahls von 12 Gulden durch den Strang.
1547 Nicolaus Ruthard wegen Landesverrats an der Eckereiche aufgehangen.
1547 Vollständiger Neubau der Hinrichtungsstätte.
1554 Thomas Forath wird wegen Mordes hier geköpft.
1556 Franz Reisig, ein Landsknecht und Ehemann, und Margarete, des Gürtlers Thiele Ehe­frau, beide wegen Ehebruchs mit dem Schwert geköpft.
1556 Andreas Heinze, aus Schenkenberg, wegen Diebstahls von über 5 ungarischen Gul­den durch den Strang.
1560 Matthes Fleischer, Schäfer in Kyhna, wurde geköpft.
1567 Barbara Schönemann aus Krostitz wegen Kindesmord mit dem Schwert. Sie sollte erst gesäckt werden, das konnte aber wegen Wassermangels nicht durchgeführt wer­den.
1567 Bernhard Wald wegen Diebstahls durch den Strang.
1568 Frantze Tronicke, aus Halle, wurde geköpft.
1569 Christoph Bley, von Wiedemar, wegen Mordes an seinem Stiefsohn geköpft.
1571 Hans Schmaltz, Hirte in Petersdorf, wurde geköpft.
1571 Simon Hutzschke aus Halle und Lorentz Ömichen, gehenkt.
1571 Görge Pehtzeltt, aus Storche im Kotischen Land, gehenkt.
1571 Bartel und Valten Glaser, genannt Käthener, zwei Brüder aus St. Annaberg, wurden gehenkt.
1571 Hans Otto und Nickel Otto wurden gehenkt.
1571 Neuanfertigung einer Leiter und eines Balkens für den Galgen.
1573 Jochen Kurtz, des gewesenen Pfarrers in Zwochau Sohn, wurde geköpft.
1574 Hans Findeisen, Schneiderknecht aus Neitzsch b. Leipzig, wurde gehangen.
1575 Tiburtius Kreusingk aus Landsberg wurde gehenkt.
1575 Abraham Tausch, Schuhknecht aus Leisnig, wegen Diebstahls gehenkt.
1576 Zimmermann Lorentz Bettmann aus Pohritzsch, ein Seltzer Hans Freyburgk von der Liebe aus Schlesien und der Schneider Helias Mebes aus Halle wurden gehenkt.
1577 Greger Schindeler wurde geköpft und seine Hure zur Staupe geschlagen und verwiesen (wohl Ehebruch).
1578 Bendix Partein aus Hohenossig Geradebrecht
1578 Thomas Leypnitz genannt die Schöne Jungfraw, aus Byhssigk b. Cirimma, wurde ge­henkt.
1580 Caspar Kulmann dem Ziegelstreicher sein Weib geköpft.
1580 Jacob Maye aus Hohenossig wegen Totschlags geköpft.
1595 Verbrennung von Goldschmied Peter Naumann aus Eilenburg wegen Falschmünzerei.
1601 Peter Bürger, ein Schafknecht, wegen Diebstahls im Amt gehenkt.
1601 Elias Naumann, ein Landsknecht aus Könnern, wegen Mordes an einer Frau in Zschernitz, mit dem Schwert geköpft.
1601 Hans Rosenhain, aus Reideburg b. Halle, wegen Diebstahls gehenkt. 1603 Dorothee Kyssin, aus Landsberg, vom Amt mit dem Schwert geköpft. 1604 Michael Bretschneider, Ratsfron, ein Ehemann, wegen Ehebruchs mit dem Schwert geköpft.
1604 Christiane Heuber, aus Regelitz, vom Amt mit dem Schwert geköpft.
1604 Stephan Frauendorf, Ursula Hesse und Walpurgis Berger mit dem Strang.
1604 Agnes Mauer mit dem Rad zu Tode gestoßen.
1605 Lucas Heiners Frau im Rosental, wegen Verzehrs und Verkaufs gestohlenen Viehs, Todesstrafe.
1611 Benedict Schumann vom Amt mit dem Schwert.
1611 Zacharias Stephan, aus Lauchstädt, wegen Diebstahls in Badrina und Pröttitz mit dem Strang, begnadigt aber mit dem Schwert.
1613 Jakob Herrmann, Handarbeiter, Betrüger, Dieb, Ehebrecher, mit dem Strang.
1614 Hans Jude, Bürgerssohn, wegen Diebstahls und Mordbeihilfe, mit dem Rad, auf Vorbitte des Vaters und anderer Bürger aber mit dem Schwert. Die Leiche wurde aber auf das Rad gelegt.
1615 Dorothea, George Dietzens von Hohenroda Tochter, George Guttenberg von Wie­demar und Urban Nitzschmann von Werlitzsch vom Amt mit dem Schwert geköpft.
1630 Elias Naumann, aus Wölkau, vom Amt mit dem Schwert geköpft.
1631 Ein Korporal und ein Gemeiner wegen Gewalttaten auf dem Markt hingerichtet.
1654 Die Gerichtsstätte ward erneuert. Die während des Krieges auf dem Markt errichtete Justiz ward durch den Nachrichter weggeschafft.
1654 Schuhmacher Hans Hoyer aus Dessau durch den Strang. Er war der erste hier wieder Hingerichtete.
1657 Anna Stäter, Gertrud Klepzig und Anna Hennig hier an der Gerichtsstätte verbrannt wegen Hexerei.
1658 Lorenz Stätters Frau, Törners Frau von Kletzen und Barth des Schöppen von Zwo­chau Frau, auch verbrannt.
1662 Martin Crack durch das Amt mit dem Schwert.
1677 Drei Männer durch den Strang.
1685 Marie Elisabeth Steter durch das Amt wegen Kindesmord mit dem Schwert.
1687 Hans Gebhard, ein Zeugdrucker aus Sayda, und vier Kumpane wegen Mordes in Lemsel teils mit dem Rad, teils durch das Schwert hingerichtet.
1690 Sebastian Martin und Franc. Echol, zwei franzözische Soldaten, wegen Mordes in Schmiedeberg, an der Paupitzscher Straße mit dem Rad hingerichtet.
1692 Regine, Tochter des Christoph Staeter in Schwätz b. Landsberg wegen Brandstiftung in Golma mit dem Schwert.
1692 Georg Schal, ein Zimmermann von Wirliss b. Heilbronn, und Nikolaus Zibelt, ein Tischler von Ilmenau, Christoph Rille von Ehrenfriedersdorf und Christian Pessler aus Crottendorf b. Annaberg, alle wegen Desertion mit dem Strang.
1699 Tagelöhner Martin Franz wegen Bigamie mit dem Schwert.


Datenbank des Häuserbuches der Stadt Delitzsch

Anmerkung: Die in der Datenbank verwendete Abkürzung "erw." steht für das Wort "erwähnt" und nicht für "erwirbt"!