Handschriftliche Chronik von 1816-1952

 Teil 1 von 1816 bis 1875

Das Delitzscher Stadt Wappen ist ein schwarzer Löwe auf goldenem Felde. Dieses Löwenfeld liegt auf einem goldenen Schilde mit zwei hellblauen Pfählen, welche beiden Pfähle diesem Schilde das Ansehen geben, als ob es aus fünf Streifen bestände, von denen der 1., 3. und 5. goldfarbig, der 2. und 4. aber hellblau sind. So ist das Stadt Wappen abgebildet auf der Fahne der Schützen Compagnie vom Jahre 1698, und auf dem Balkon des Rathauses. Es bestehet nämlich das Delitzscher Stadtwappen aus dem Markgräflich Landsbergschen und dem Markgräflich Meißenschen Wappen. Das Landsbergsche ist zwei blaue Pfähle im goldenen Felde, und das darauf gelegte Meißensche ist ein schwarzer aufgerichteter Löwe im goldenen Felde.

Del. 20.11.1839
Securius Bürgermeister

 Der breite Thurm ist nach des seligen Actuarius Lehmanns mehrmals ausgesprochener Ansicht das älteste Bauwerk in der Stadt, und seine Erbauung fällt, da keine Urkunden hierüber vorhanden sind, nach schriftlichen Chroniken, mit der Gründung und Erweiterung der Stadtmauer im Jahre 1220 zusammen. Bis zum Jahre 1544 standen auf dem 1667 abgebrochenen Gewölbe unter des Thürmers Wohnung 12 einpfündige Kanonen, nach jeder Weltgegend drei Stück. –

Bemerkung

Der Verlust der Verbündeten in der Leipziger Schlacht beträgt nicht, wie es am Ende des bei­liegenden Berichts heißt, 10.000 an Todten und Verwundeten, sondern 45.000, nämlich 8000 Oestreicher, 21.740 Russen, 14.950 Preußen, 300 Schweden.
S. Manso, Geschichte des Preußischen Staates, Frankfurt a. Main, 1820, III. S. 225

Vorwort

In mehreren gedruckten und geschriebenen Verordnungen der Königlichen Hochlöblichen Regierung in Merseburg, worüber die Acten: Chronik über die Stadt Delitzsch vom Jahre 1822, nähere Auskunft geben, ist den Stadt Behörden die Anlegung von Stadt Chroniken zur wesentlichen Pflicht gemacht worden. Der Actuarius Lehmann, ein hiesiger Eingeborener, hatte, durch viele Materialien dazu in den Stand gesetzt, übernommen, eine vollständige Chronik hiesiger Stadt zu schreiben, hatte nach fol 4 der erwähnten Acten sich erboten, die merkwürdigen Begebenheiten hiesigen Orts fortlaufend aufzuzeichnen. Der Umfang aber, den der Actuarius Lehmann seiner Chronik zu geben beabsichtigt, scheint die Vollendung derselben noch nicht so bald erwarten zu lassen, und über dem glaubt auch der unterzeichnete Magistrat, dadurch seiner Pflicht, selbst für die Anlegung einer Stadt Chronik zu sorgen, nicht überhoben zu seyn. Veranlaßt durch die neuerliche landräthliche Verfügung vom 17. Juli 1832 fol 20 der erwähnten Acten ist daher beschlossen worden, sofort eine Stadt Chronik anzulegen, deren Führung der mit unterzeichnete Bürgermeister übernommen hat. Die Chronik soll mit dem Jahre 1816 angehen, in welchem die monatlichen Zeitungs Berichte ihren Anfang genommen haben, und sollen die in den Zeitungsberichten von 1816 bis mit 1831 enthaltenen, zur Aufbewahrung für die Nachwelt geeigneten Nachrichten, in die Chronik über­getragen werden. In der ersten Session jeden Monats aber soll die Chronik dem Magistrats Collegio vorgelegt, und gemeinschaftlich berathen werden, was für den verflossenen Monat in die Chronik einzutragen ist.

Delitzsch am 30. Juli 1832
Der Magistrat 
Securius. Meißner. Teuscher. Meyner.