Handschriftliche Chronik von 1816-1952


1821

Zu Anfange des Jahres wurde der Rector an der hiesigen Stadtschule, Eschenbach zum Pfarrer nach Balgstädt berufen. An dessen Stelle wurde der bisherige Cantor Ahner als Rector angestellt. An die Stelle des verstorbenen 3. Schulkollegen Schott wurde der bisherige Quartus Hartmann und an dessen Stelle der Schullehrer Lorenz aus Cosdorf angestellt; und als auch der pp. Hartmann noch vor seiner Confirmation mit Tode abgegangen war, rückte sofort der pp. Lorenz an dessen Stelle als Tertius ein. An des nach Dresden abgegangenen Organisten Risse Stelle trat der Organist Zieger aus Scheibenberg.

Am 12 März
starb der Rathsassessor Christoph Gottlob Weidenhammer, 63 Jahre alt. Er war zugleich Stadt Steuer Einnehmer. Sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm Weidenhammer folgte ihm in diesen Posten und wurde am Mai 1821 verpflichtet.

Am 3 Mai
Abends gegen 7 Uhr schlug der Blitz in die mit Stroh gedeckte Scheune des Windmüllers Huske. Sie brannte ganz ab. Bei der überflüssig vorhandenen Hülfe wurde aber weiterer Schaden verhütet.

Mai
Die Strohscheune dem hiesigen Commungute gegenüber, vormals dem Bürger Rohr gehörig, welche vor mehreren Jahren von der Commune gekauft worden war, war so baufällig geworden, daß sie abgetragen, und neu gebaut werden mußte. Es wurde damit der Anfang im Monat Mai gemacht, und von dem noch brauchbaren alten Holze wurde eine kleine Scheune bei dem Forsthause für den Förster gebaut.

Im M Juli
wurde das durch Ahners Aufrücken zum Rector erledigte Cantorat an hiesiger Stadtschule dem bisherigen Cantor in Weida Carl August Christian Golz übertragen. Derselbe vom Thomascantor Schiching empfohlen war ein trefflicher Sänger.

Michael
Da für einige Arme der Hauszins aus der Armenkasse bestritten werden mußte, und für manche gar kein Unterkommen zu finden war, so wurde schon im vorigen Jahre der Anfang gemacht, das Siech- und Armenhaus am Galgthore zu erweitern, und zu übersetzen. Zu Michael 1821 wurde dieser Bau beendiget, und dadurch das Haus zur Aufnahme mehrerer Armen..............geschickt gemacht.

November
Um die Unglücksfälle zu verhüten welche bisher durch Hinabstürzen in den Stadtgraben zum öfteren statt gefunden hatten, wurden vom kleinen Schutze bis zum breiten Thore und von da bis zur Pforte hölzerne Barrieren an dem Graben entlang gezogen.


1822

Im Februar wurde die hölzerne Brücke vor dem Kohlthore neu gebaut, der Bau der Communscheune ( vormals die Rohrsche Scheune), welcher im vorigen Jahre in dem Monate Mai begonnen hatte, wurde in dem Monate August dieses Jahres beendiget.

Am 16 Mai
starb der bisherige Kirchenvorsteher und Gerichtsdirector Johann Friedrich Parreidt, 58 Jahre alt, und wurde das Kirchenvorsteher Amt dem Stadt Secretär Friedrich August Meißner übertragen.

Unter Leitung des Cantors Golz wurde gegen das Ende dieses Jahres ein Gesang Verein unter dem Namen Cantorei gestiftet, dessen Mitglieder sich in active und Ehren Mitglieder theilten. Der Verein wurde von der Königl. Hochlöblichen Regierung zu Merseburg genehmigt, und aus der Hospital-, der Kirchen- und Armenkasse aus jeder mit 5 Thaler jährlich unterstützt. Die Leistungen waren sehr gut, Golz ein tüchtiger Dirigent.


1823

Im Februar ersäufte sich der Capitain d’armes Nagora vom hiesigen Landwehrstamme an der Schaafsbrücke im Lober, aus Furcht vor der Strafe, wegen einiger von der Montirungskammer verkaufter Mäntel. Sein Leichnam wurde gerichtlich aufgehoben, und an die Anatomie nach Halle abgeliefert.

Am 1ten
Fastenjahrmarktstage stürzte ein Stück von dem einen Bogen der Brücke vor dem breiten Thore ein. Die Brücke mußte gesperrt und die Passage einstweilen durch die Pforte gewiesen werden. Der vergangene Winter war sehr hart gewesen, fast alle Nußbäume in und bei der Stadt und viele andere edlen Obstbäume waren erfroren. Der Bau der durch theilweisen Einsturz schadhaft gewordenen Brücke wurde lebhaft betrieben. Man kam mit Genehmigung der vorgesetzten königlichen Regierung zu Merseburg dahin überein, daß die ganze Brücke abgetragen und neu aufgebaut werden sollte. Jedoch sollte die neue Brücke gerade ausgeführt werden, und nur einen Bogen erhalten, dahingegen die alte Brücke krumm ging und zwei Bogen hatte. Die neue Brücke wurde auf einem Pfahlrost gebaut, und das auf der alten Brücke befindlich gewesene Brückhaus, sowie das Thorhaus neben dem breiten Thurme wurde abgetragen. Um den Pfahlrost zu schlagen, mußte der Stadtgraben abgelassen werden, wofür der Stadtmüller täglich 3 Thaler und dessen Knappen 10 Silbergroschen Entschädigung erhielten. In dem Monate Mai war der Brückenbau beendiget.

Am 19 Juni
ersäufte sich die Ehefrau des hiesigen Schuhmachermeisters Ziegler im Stadtgraben. Im Sommer dieses Jahres wurde von den Zimmergesellen Hofmann eine neue Windmühle auf Weißigkens Mark erbauet.


1824

Im Januar wurde die in der hiesigen Adler Apotheke errichte Freimaurer Loge Victor zum goldenen Hammer Meister vom Stuhl General Lieutnant Graf Henckel von Donnersmark auf Tiefensee, eingeweihet.

August
Das Thorhaus am halleschen Thurme hatte früher zum Arrest Local für ungehorsame Bürger gedient. Nachdem der Bürger Gehorsam ins Rathhaus verlegt worden war, kam das Thorhaus in Verfall und war zuletzt nur noch als Holzboden für den Thürmer benutzt worden. Mehrere daran nöthig gewordene Reparaturen veranlaßten dessen völlige Abtragung im Monat August, um den Reparatur Aufwand an einem sehr entbehrlichen Gebäude zu vermeiden.

Im M September
wurde das ehemalige Amtsthorschreiberhaus am Halleschen Thor von dem Fiscus der hiesigen Commune für den Preis von 150 Thalern käuflich überlassen.

Am Martini
Jahrmarkte wurde eine neue Buden Ordnung eingeführt, durch welche sowohl die Aufstellung von weit mehreren Buden als vorher erreicht wurde, als auch die Verkäufer gleicher Gattung zur Erleichterung der Auswahl der Käufer zusammen gestellt wurden.


1825

Im Februar
ging der Capitain und Adjut. Bode mit Hinterlassung eines Defeckts von 1000 Thalern in der Landwehr Bataillons Kasse plötzlich fort, angeblich nach Brasilien.

Am 1 Osterfeiertage
wurde durch unberufene Hände zum Nachmittags Gottesdienste eingeläutet, und die Folge davon war, daß die zweite Kirchen Glocke, auf der Mitternachtsseite des Thurmes, aus ihren Pfannen herausging, an dem Glockenstuhle herunter rutschte, und glücklicher Weise auf dem Boden, den sie bei ihrer Last wohl auch hätte durchschlagen können, liegen blieb. Der Schaden, den dieser Sturz verursacht hatte, war nicht bedeutend, und wurde bald wieder hergestellt.

Im M Juli
wurde der bisherige Revierjäger Pabst aus Dölitz bei Leipzig an die Stelle des nach Tiefensee abgegangenen Försters Becker als Communförster angestellt.

Jubelfeste
Die Schützen Compagnie feierte das Jubelfest ihres Hauptmanns des Seilermeister Rahn und ihres Zielers des Lohgerbermeisters Fiedler am 18ten Juni 1825. – durch ein außergewöhnliches Schießen und Freudenmahl auf dem Schießhause. – Beide waren 50 Jahre Schützen

Ein seltenes Kirchen Jubelfest feierte am 10ten Juli der Pastor Theodor Wilhelm Lorenz aus Ostrau in hiesiger Stadtkirche. Der 80jährige Greis hatte 50 Jahre lang, ununterbrochen im Kriege wie im Frieden, jährlich seine Circular Predigt in Delitzsch gehalten. Er hielt heute an seinem 80ten Geburtstag die 50te Circular Predigt. Sacristei und Kanzel waren mit Guirlanden von Eichenlaub Immergrün und Rosen geschmückt, und die Kirche war voll gerührter Zuhörer.

Am 13 Mai Legate
starb die verwittwete Kaufmann Hartmann. In ihrem Testamente hatte sie zu Gunsten hiesiger Stadt drei Legate ausgesetzt, a) 500 Thaler, wovon die Zinsen zur Unterstützung eines künftig anzustellenden zweiten Mädchenlehrers verwendet werden sollen, b) 250 Thaler zu einer Feuerspritze in der Vorstadt und c) 250 Thaler zu einer Glocke auf den Thurm der Gottesacker Kirche.

Im M August
wurde der gewesene Commun Einnehmer Nagel auf dem Rathhause, wo er in Geschäften anwesend war, vom Schlage getroffen, und starb daselbst kurz darauf am Stickflusse.

Auch wurde in diesem Jahre der Anfang gemacht, dem Gottesacker eine freundlichere Gestalt zu geben.

Am 9 November
erhing sich der Schleifergeselle Paul Etternich aus Böhmen in der Wohnung seines Meisters des Schleifer Richter.

Rathskeller Garküche und Salzschank sind auf 3 Jahre jährlich für 13 Thaler verpachtet worden.

Im December
hatte der Sturm die Fahne auf dem breiten Thurm zerbrochen. Während des ganzen verflossenen Jahres hatte man Vorbereitungen zur Erbauung einer neuen Knabenschule getroffen.


1826

Am 23 Januar
starb plötzlich der Raths Assessor Ehrenberg mit Hinterlassung eines Defeckts von mehreren tausend Thalern in der Hospitalkasse. 6000 erhielt das Hospital zurück, 7000 Thaler verlor dasselbe.

Am 29ten Januar
starb im 70ten Lebensjahre die Wittwe des hiesigen Justizamtsmannes Wendler, Sophie Concordie, geb. Saettler, und legirte in ihrem Testamente 100 Thaler zur Verbesserung der Stelle des Lehrers an der Vorstadtschule, 100 Thaler zur Verbesserung der Stelle des Katechismuspredigers, 300 Thaler für die Wittwe und Kinder desselben, und 500 Thaler für die Armen der Amtsvorstadt Grünstraße. Von letzterem Legate werden die Zinsen am heiligen Weihnachtsabend Nachmittags in der Gottesacker Kirche jedesmal an 12 Arme vertheilt, wobei der Katechismusprediger an dieselben vorher eine Ansprache richtet. (Dr. I.)

Am 23. Februar
stürzte in dem Hause des Schuhmacher Pflock in der Holzgasse Nr. 54, in der von dem Tagelöhner Ulrich bewohnten Stube ein Theil der Decke herunter, und wurde dabei von den darin befindlichen Bewohnern nur das jüngste Kind, 8 Tage alt, durch einige Quetschungen am Kopfe beschädiget
.
8 März
Durch den Tod des Assessors Ehrenberg war eine Vervollständigung des Rathspersonals nöthig geworden und wurde solche durch die Anstellung von 3 Assessoren, Friedrich August Meißner, Dr. Medic. Albert Gerber und Justitiar Adolph Hildebrandt, sämmtlich Delitzscher Eingeborne, bewürkt. Sie wurden am 8 März und zugleich mit ihnen der Steuer Einnehmer Weidenhammer als Commun Einnehmer und der RathsExpedient Johann Gottlob Richter als Raths Registrator verpflichtet. Auch wurde in demselben Monate das zur Knabenschule angekaufte Schumannsche Haus abgetragen, und mit Grundlegung des neuen Schulgebäudes der Anfang gemacht.

April
Nach dem Tode des Armen Voigts Bude wurde dessen Function dem 2ten Polizeidiener Heyme mit übertragen.

Im August
wurde die neue Knabenschule in Gegenwart des Stadtraths und der Communrepräsentanten gerichtet.

Am 2 October
stürzte sich der Steuer Aufseher Rohr vom Haupt Zollamt zu Gordemitz in den Gasthof zum weißen Rosse 2 Treppen hoch zum Fenster herab, und erhielt mehrere bedeutende Verletzungen.

Am 18 Octbr.
erschoß sich der Thorwärter auf hiesigem königlichen Schlosse namens Winter, 73 Jahre alt, im Lehnstuhle sitzend, mit der Flinte. Der Schuß, von Schrot, war durch den Mund bis zu dem Wirbel des Kopfes gedrungen.

Am 25. Octbr.
hat sich der Leineweber Schulze, Hausbesitzer auf dem Steinwege. 50 Jahre alt, in seiner Schlafkammer erhangen. Sein Leichnam wurde noch an demselben Tage an die Anatomie nach Halle abgeliefert.

Der Fleischhauermeister Braune erhielt für seine 7 am Leben befindlichen Söhne ein Königliches Pathengeschenk von 100 Thalern.

Im November
kam die neue Schlauchspritze aus der Fabrik von Zeitheim in Naumburg hier an und kostete 365 Thaler.

December
Zum Bau des neuen Schulhauses waren bis zum December 1826 schon 5400 Thaler als Darlehn für Rechnung der Stadt aufgenommen worden.


1827

Am 5ten Januar
wurde der verarmte Bäckermeister Müller von Delitzsch, in der Gegend von Hohenroda erfroren aufgefunden. Er war als Bote nach Eilenburg geschickt worden, und auf dem Rückwege von dort nach hier begriffen gewesen. Die Kälte stieg an einigen Tagen dieses harten Winters früh um 7 Uhr bis auf –22 Reaum.

Ein aus Wurzen gebürtiger Lehrling des hiesigen Buchdruckers Meyner erhing sich am 6ten Januar, in einem Anfalle von Melancholie auf dem Boden seines Lehrherrn.

Am 4. April
trat ein Frauen- und Jungfrauen Verein in hiesiger Stadt zu dem Zwecke zusammen, arme tugendhafte Mädchen bei der ersten Feyer des Abend­mahls zu bekleiden oder mit Geschenken zu erfreuen. Der Verein zählt bei seinem Entstehen 70 Mitglieder, und sein erstes Wirken zu Ostern 1827 war die Bekleidung von zwei armen Mädchen, und die Niederlegung eines Kapitals von 50 Thalern.

Am 9 April
wurde an die Stelle des am 16ten Januar gestorbenen Essenkehrers Sturm der Essenkehrermeister Leonhardt in Pflicht genommen.

Am 31 Mai
wurde der Copist Schulze als Gemeinde Schulze in der Grünstraße verpflichtet.

Am 2 Juli
wurde die neue Knaben Schule feierlich eingeweihet. Die beiden Lehrer welche in solcher Wohnung erhielten – der Rector Ahner oben, der Cantor Golz unten – waren schon mehrere Tage vorher eingezogen. Desgleichen wurde am 2ten Juli das Schützen Jubiläum des 50 Jahre gedienten Schützen Peter Heinze gefeiert.

August
Der Senator Schmidt, dem, an des verstorbenen Ehrenberg Stelle, das Amt als Hospital Vorsteher mit einem Gehalt von 100 Thaler übertragen worden war, wurde im Monat August als solcher von Hoch­löblicher Regierung zu Merseburg bestätigt.

Im M September
wurde der Chirurg Hoppe an die Stelle des verstorbenen Zimmermann als Stadt und Hospital Wundarzt angestellt.

Zur besseren Beaufsichtigung und Hebung des Communal Schulwesens wurde auf Anordnung der K. Hochlöbl. Regierung zu Merseburg ein Schulvorstand gebildet, und am 19ten October außer einem Magistrats­deputierten und den beiden Diaconen 7 hiesige Bürger zu Mitgliedern desselben gewählt. Auch wurde der Expedient Eduard Weidenhammer als Schulgeld Einnehmer angenommen.

Im November
wurde auf Anordnung der Regierung zu Merseburg ein herabgesetzter Pflaster Gleits Tarif in hiesiger Stadt eingeführt.


1828

17 März
Am 3ten März früh 7 Uhr entleibte sich der Stadt Wundarzt Hoppe durch 2 Schnitte in die Schlag und Blutadern des Halses an der rechten Seite. Eine Stunde nach dieser That gab er seinen Geist auf. An seine Stelle wurde am 17ten März der Wundarzt Große verpflichtet.

Die in hiesiger Ephorie noch üblich gewesenen Circular Predigten wurden auf Anordnung der Regierung zu Merseburg eingestellt, und die letzte CircularPredigt wurde Freitags am 18ten April von dem Pastor M. Caspari zu Zschortau gehalten.

Am 2 Juni
fand in der hiesigen Stadt Knaben Schule die Einführung des neuen Lehr und Stundenplanes statt. Es war solcher von dem Archidiaconus M. Morgenstern gefertigt und von Hochlöblicher Regierung zu Merseburg genehmiget worden. Durch diesen neuen Schulplan wurde die hiesige bisherige sogenannte lateinische Schule in eine reine Bürger Schule um­gewandelt.

Am 18 Juni
Abends 9 Uhr traf der Leichenzug des Höchstseeligen Großherzogs von Weimar Carl August ,welcher in Graditz bei Torgau plötzlich vom Schlage getroffen worden war, von Eilenburg hier ein. Der Sarg wurde von den hiesigen Behörden empfangen, und unter dem Geläute aller Glocken in der großen Vorhalle unserer Stadtkirche, welche dazu schön decoriert war und dafür 100 Thaler erhielt, während der Nacht beigesetzt. Am anderen Morgen 5 Uhr trat der Zug in derselben Ord­nung und derselben Begleitung ebenfalls unter dem Geläute aller Glocken und der Parade des hiesigen Landwehr Bataillons die Reise von hier nach Merseburg an. Der Leichenzug wurde bei dem Durchgange durch das preußische Gebiet von den Generalen von Jagow von Natzmer von Krusemark Excell. von den Ober Ceremonienmeister Kammerherrn von Buch und deren Gefolge, und einer Escadron Husaren begleitet.

Juli
Die durch den Abgang des Organisten Zieger nach Hamburg erledigte Organisten und 4te Lehrer Stelle wurde dem Schullehrer Grellmann aus Dürrenberg übertragen. Am 1ten September wurde derselbe feierlich eingewiesen.


 1829

Zur Unterstützung unserer Armen bei dem sehr strengen Winter wurde im Monat Januar an 3 verschiedenen Tagen zusammen für 58 Thaler 18 Silbergroschen 9 Pfennige Holz gekauft und unter die Armen verteilt. Der Pachter des Commungutes Einwald verteilte aus eigenem Antriebe gegen 30 Scheffel Kartoffeln an die Armen und außerdem wurden noch bedeutende Unterstützungen dieser Art von den Rittergütern Storkwitz und Schenkenberg, so wie von der Gemeinde Beerendorf und mehreren anderen Orten auch baares Geld eingeliefert.

Februar
Auf höhere Anordnung wurde die bisher üblich gewesene Thorsperre während des Sonntags Gottesdienstes eingestellt.

Vom 14 März
ab wurde eine Arbeits Anstalt für die hiesigen Armen errichtet, und zur Begründung derselben die Summe von 100 Thalern aus dem Hospitale entnommen.

Am 15 Juli
schlug der Blitz in den breiten Thurm richtete einige Beschädigungen auf demselben an, und war ohne der Familie des Thürmers Schaden zugefügt zu haben, an dem Klingeldrathe herabgefahren, welcher letztere zum Theil geschmolzen war.

26 August
In der Nacht vom 26ten zum 27ten August halb 12 Uhr erschallte Feuergeschrei. Es brannten in der Nähe des Viehthores 3 mit Stroh gedeckte Scheunen des Seilermeisters Rahn des Kaufmanns Meißner sen. und des verwittweten Bürgermeisters Schulze; in diesen Scheunen befanden sich gegen 800 Schock Getreide. Das Feuer war wahrscheinlich angelegt. Es war alle Anstrengung nöthig, um die neben den brennenden Scheunen stehende Communscheune mit Ziegeldach zu schützen daß sie nicht auch vom Feuer ergriffen wurde, und war dieses hauptsächlich der Entschlossenheit des Maurergesellen Spange zu danken, welcher dafür auch späterhin von der Regierung zu Merseburg eine Prämie von 10 Thalern erhielt.

September
Die von dem dazu bestimmt gewesenen Legate der Wittwe Hartmann angeschaffte Glocke auf dem Gottes Acker Kirchthurme wurde am 9ten September nachmittags 3 Uhr auf den neu ausgebauten Thurm aufgezogen und am 27ten September feierlich eingeweihet. Dieselbe ist von dem Glockengießer Zeitheim in Naumburg gegossen, und wiegt vier Zentner.

Am 3 October
Des Morgens war in dem Hause des Kaufmanns Senf in der Vorstadt, in dessen Schlafkammer ein Fensterrahmen, ein Theil des Bettes und eines Stuhles verbrannt, und dadurch Feuerlärm in der Nachbarschaft entstanden. Es ließ sich nicht ermitteln, ob dieses Feuer durch Unvorsichtigkeit seitens der Bewohner des Hauses, oder von der Hand eines boshaften Menschen verursacht worden war. Das Feuer selbst wurde gleich im Entstehen unterdrückt.

4 October
In der Nacht vom 4ten zum 5ten October wurde die Stadt abermals durch Feuergeschrei erschreckt. Es brannte ein in der Nähe der letzten Brandstellen befindlicher kleiner mit Stroh gedeckter Schuppen. Sehr wahrscheinlich war das Feuer angelegt, und mit dieser Brandstiftung die boshafte Absicht noch größeres Feuer Unglück zu verbreiten verbunden. Denn ganz in der Nähe dieses Schuppens standen noch einige ansehnliche Gebäude mit Strohdächern. Durch schnelle Hülfe und bei der gänzlichen Windstille wurde aber das Feuer ohne daß es sich weiter verbreitete bald gelöscht. Es verdient bemerkt zu werden, daß 1 ½ Stunde vorher ein Feuer in Kietzendorf bei Brehna aufgegangen, und dafür eine Feuerspritze und sonstige Hülfe von Delitzsch abgeschickt worden war. Die Brandstifter die man auch dort vermuthete scheinen daher mit den hiesigen in Verbindung gestanden zu haben. Zur Beruhigung der Bürger wurden nun nächtliche Feuerwachen, die von den Bürgern der Reihe nach verrichtet werden mußten, angeordnet. Vier Mann mußten vor Mitternacht von 7 bis 12 Uhr und eben so viele nach Mitternacht von 12 bis 5 Uhr entweder selbst oder durch Stellvertreter an den Theilen der Stadt wo sich Strohdächer befanden patroullieren.

Am 23 Novbr
Abends 6 ½ Uhr, also gerade eine halbe Stunde vor Antritt der Feuerwache, wurde durch glücklichen Zufall die Entstehung eines neuen Feuers verhütet. Ein Bösewicht hatte ein Bund alte Lumpen um Schwefel Schwamm und andere leicht brennende Sachen gewickelt, und solches wahrscheinlich glimmend an der Ecke der Arndtschen mit Stroh gedeckten Scheune in die Strohbedachung hinein geschoben. Eine Frau aus der Nachbarschaft will bei Arndts zum Spinnen gehen. Sie muß weil die Hausthür verriegelt ist, vor der Thür warten, und während dessen bemerkt sie das glimmende Feuer auf dem Scheundache. Sie macht Lärm, und es wird sofort jedem weiteren Unglücke vorgebeugt. Bei dem heftig wehenden Ostwinde würde der Ausbruch des Feuers großes Unglück über unsere Stadt gebracht haben.

Am 30 Novembr
Mittags 11 ½ Uhr ging der Schaafstall im hiesigen Commungute plötzlich in Feuer auf. Außer den Vorräthen von Heu und Stroh auf dem Boden des Stalles verbrannten gegen 300 Hammel. Es läßt sich nicht anders glauben, als daß das Feuer angelegt worden sey.

December
Der Schuhmachermeister Werdermann hatte in der Trunkenheit verdächtige Reden fallen lassen, und wurde deshalb bald darauf von dem Inquisitoriate zu Eilenburg arretirt und zur Untersuchung gezogen. Auf Grund seiner Aussagen sind ferner gefänglich eingezogen worden der Schankwirth Lehmann, der Horndreher Behm, der Herbergswirth Huber, die Handarbeiter Rühl, Werner und deren Ehefrauen, der Zimmergeselle Holzweißig und der Musicus Bock.

Am 11 December
Nachmittags wurde auf der von dem Postmeister von Bünau veranstalteten Treibejagd in der Nähe des Dorfes Gertitz der Second. Lieutenant von Mauterode vom 20 Inf. Reg. in Torgau von seinem Freunde dem Hauptmann von Griesheim beim Aufsteigen auf den Wagen durch Unvorsichtigkeit erschossen, mit einem Percussions Gewehre, von dem das Zündhütchen nicht abgenommen war. Die ganze Ladung des Gewehres war durch den Kopf gegangen und augenblicklicher Tod erfolgt. Am 14ten Abends fand die Beerdigung des Erschossenen unter Begleitung der hier anwesenden Militärs Geistlichkeit und der Civil Behörden statt. Der Sarg wurde durch die Gefreiten des Landwehrstammes aus der Halle vor der großen Kirchthüre auf den Gottes Acker getragen, und die Schützengilde ging dem Sarge voran.


1830

Im Januar hörten die im October angeordnet gewesenen Feuerwachen wieder auf, weil der Criminaldirector Fromm versichert hatte, die Brandstifter entdeckt zu haben.

Ein Falschmünzer, der Maurergeselle Sänger, welcher bleierne Vier­groschenstücke gemacht hatte, wurde nebst Frau und Schwester arretirt, und an das Inquisitoriat zu Eilenburg abgeliefert; erhielt 4 Jahre Zuchthaus.

Am 18 Januar
wurde das hiesige Commungut an den Pachter Küster von Wölkau auf 6 Jahre für 1800 Thaler jährlich verpachtet.

Am 2 Februar
dem Tage Mariä Reinigung wurde das 100jährige Jubelfest der Marien und Gottes Acker Kirche durch Gottesdienst in derselben gefeiert. Es war die Feier ihrer vor 100 Jahren, nach ihrer völligen Herstellung, an demselben Tage statt gefundenen Einweihung. – Im Mai erhielt die Stadtkirche von Seiner Majestät dem König zwey große gußeiserne Altarleuchter, 25 Thaler werth, zum Geschenk.

Am 18 März
verunglückte in der Trunkenheit durch einen Fall von der Treppe in dem Großeschen Hause am Markt ein fremder Mann, namens Schröter aus Zörbig. Er wurde in polizeilichen Gewahrsam gebracht, und starb daselbst Tags darauf.

Im April
wurde sowohl der Wiederaufbau des abgebranntes Schaafstalles, auf dem Commungute, als eine Hauptreparatur an dem hiesigen Stadtkirchthurme begonnen. Zu dem letzteren Baue wurde zur Aufbringung der Kosten eine Anlage auf die Kirchfahrt gemacht, und solche in der Stadt nach dem Klassensteuerfuße aufgebracht.

Am 25 Juni
wurde das Jubelfest der Übergabe des Augsburgischen Glaubens­bekenntnisses auch am hiesigen Orte feierlich begangen. Am Abend vorher wurde das Fest, durch dreimaliges Läuten mit allen Glocken, eingeläutet. Zwischen dem Läuten wurden vom breiten Thurme Choräle geblasen. Der Altar die Chöre die Kanzel und die Eingänge zur Kirche wurden mit Blumen Gewinden geschmückt. Der Festtag selbst wurde Morgens um 4 Uhr durch Choralblasen mit Posaunen vom breiten Thurme herab begrüßt. Der Gottesdienst wurde von 7 bis 8 Uhr durch dreimaliges Läuten |:gewöhnlich wird nur zweimal geläuten:| eingeläuten, und beim 3ten Läuten um 8 Uhr zogen die auf dem Rathhause versammelten Geistlichen, der Stadtrath, die Commun Repräsentanten, der Schulvorstand und mehrere Behörden und Bürger der Stadt, so wie die gesamte Schuljugend des Ortes und der eingepfarrten Dörfer mit ihren Lehrern zur Kirche. Während dessen wurde vom Balkon des Rathhauses herab ein Choral geblasen. Sämmtliche Schulmädchen die den Zug beschlossen waren weiß gekleidet, und die Zahl der Schulkinder über 800. In der Kirche angelangt, nahmen die Knaben auf ihren Chören die Mädchen auf dem Plane der Kirche auf den für sie bereiteten Bänken Platz. Der Gottesdienst wurde in der vorgeschriebenen Art begangen, und beim Schlusse desselben das heilige Abendmahl nach dem Ritus der Union gefeiert, an welchem der Stadtrath die Commun Repräsentanten und der Schulvorstand Theil nahmen.

Den 26 Juni
Tags darauf wurde der Schuljugend, um ihrem Gedächtnisse das Fest noch besser einzuprägen, auf dem Schießplatze eine angemessene Lustbarkeit veranstaltet. Es wurde Kuchen unter sie verteilt, die Knaben hielten Vogelschießen und die Mädchen andere Spiele. Das schönste Wetter, so wie auch gestern, und stete Musik erheiterten alle Gemüther.

Am 3 Juli
erhängte sich der hiesige Nachtwächter und Bierschröter Krüger in seiner Dienstwohnung am breiten Thore.