Handschriftliche Chronik von 1816-1952

1939

4. Januar
Neue Industrie
An der Eilenburger Landstraße wird die Firma Langer in Dresden ein Zweigwerk ihrer Gußstahlzieherei und Drahtfabrik errichten. Um diese neue Industrie nach Delitzsch zu bekommen, mußte der Firma das erforderliche Gelände zur Verfügung gestellt werden. Es bot sich die Möglichkeit, dieses Gelände auf dem Tauschwege von dem Rittergut Döbernitz in den Besitz der Stadt zu bringen. Die Stadt erhält dort rund 80 Morgen an der Eilenburger Landstraße und gab dafür Gelände an der Leipziger Straße und die Reste der Spröde, die aus anderen Geländeverkäufen noch in ihrem Besitz waren, und die etwa 100 Morgen umfaßten. Den Delitzschern bleibt der Wald der Spröde, wenn er auch jetzt zu Döbernitz gehört, zu Spaziergängen und zur Erholung erhalten und das Recht dazu durch grundbuchliche Eintragung gewahrt, auch der Teil des Waldes, der schon früher mit dem Rittergut Döbernitz verbunden war. Die Schutzhütte am "Stiefelknecht" bleibt im Besitz der Stadt und wird weiter unterhalten.

9. Januar
Feuerwehr
In der Führung der Freiwilligen Feuerwehr ist ein Wechsel eingetreten. Der bisherige Wehrführer Hermann Mietzsch, der freiwillig 35 Jahre Dienst der Freiwilligen Feuerwehr und des Löschwesens der Stadt Delitzsch gestanden hat, schied in Ehren aus und wurde von Bürgermeister Dr. Frey mit herzlichen Dankesworten verabschiedet. Zur Erinnerung an seinen Dienst innerhalb der Feuerwehr überreichte er dem scheidenden Wehrführer eine Führerplakette. Der neue Wehrführer Stadtbaurat Renner, wurde darauf in sein neues Amt eingeführt und der neue Dezernent für das Feuerlöschwesen der Stadt Delitzsch Scharf vorgestellt.

16. Januar
Kreisveterinärrat
Dem Polizeiveterinärrat Dr. Eckhard Kothe aus Schönlanke, Bezirk Grenzmark–Posen–Westpreußen, wurde vom 15. Januar ab durch den Minister des Innern die Verwaltung der Veterinärratstelle in Delitzsch übertragen. Der bisherige Kreisveterinärrat Bauer ist in den Ruhestand gegangen und hat seinen Ruhesitz nach Charlottenburg verlegt.

19. Januar
Gestern sind auf dem Sorauer Bahnhof in Delitzsch 62 Kinder aus dem Sudetenland für Delitzsch angekommen. Sie wurden hier von der NSV in Empfang genommen, mit Fleischbrühe bewirtet, von einem hiesigen Arzt untersucht und dann zum großen Teil von den anwesenden Pflegeeltern für sechs Wochen in Empfang genommen.

3. Februar
Die Spröde
Aus der Geschichte der jetzt verkauften "Spröde" sei Nachstehendes niedergeschrieben: In alter Zeit befanden sich in unmittelbarer Nähe der Stadt Delitzsch ausgedehnte Waldbestände: das Elberitzholz, das Rosenthal, der Hain, der Wald am Rubach (zwischen Luisenschule und Zuckerfabrik), der Querl- oder Friedrichsbusch, das Zschepener und Benndorfer Büschchen. Bei Ausdehnung der menschlichen Siedlungen fielen diese Waldbestände allmählich der Axt zum Opfer. Im Jahre 1415 kaufte der Rat der Stadt von Dietrich von Pak für 200 rheinische Gulden die sogenannte "Große Spröde" (das ist der Waldbestand, dessen Mittelpunkt der Stiefelknecht ist) und 1423, gleichzeitig mit den Dörfern Elberitz und Werben, von Hans von Pak die "kleine Spröde" am Beerendorfer Forsthaus, die Vorheide rechts der Dübener Straße und den Augustusbusch, links der Dübener Straße. Die städtische Waldfläche umfaßte damals etwa 230 Morgen. Die Aufsicht über den Wald führte ein vom Rat angestellter Stadtförster, der am Viehtore seine Dienstwohnung hatte. Im Jahr 1812 wurde ein neues Jägerhaus bei dem Augustusbüschchen erbaut. Unter dem Namen "Delitzscher Forsthaus" ist es seit 125 Jahren bekannt. Der erste Stadtförster, der hier wohnte, hieß Becker. Er übernahm auch die Schankwirtschaft. Die Stadtförster haben oft gewechselt. Der Nachfolger von Becker war Pabst, dann folgten: Köring, Lücke, Wegener, Nebert, Schöne, Kümmerle, Werner und Reichenbach. Letzterer übernahm nach Ablauf des Pachtverhältnisses die "Krone" in Delitzsch. Die Delitzscher Bürger machten gern eine Waldpartie zum Delitzscher Forsthaus oder pilgerten zum Stiefelknecht. Dieser ist eine gewaltige 300-jährige Eiche, deren Riesenstämme sich teilen. Eine Schutzhütte in der Nähe und verschiedene Rasenbänke laden zu beschaulicher Rast. Zur Erhaltung dieses Wahrzeichens sind eiserne Bänder um den Riesen gelegt.

6. März
Neues Wappen des Landratsamtes
Dem hiesigen Landratsamt ist ein eigenes Wappen verliehen worden, das in sinnvoller Weise Vergangenheit und Gegenwart verknüpft und nicht nur äußeres Zeichen, sondern auch ein Ausdruck für Vergangenheit, Wesen und Willen unseres Kreises ist. Dieses Wappen, von Bildhauer Geyer in Halle gestaltet und vom heimischen Bildhauer und Steinmetzmeister Paatz ausgeführt, wurde heute mittag bei einer kurzen Feier vor dem Landratsamt enthüllt. Landrat Meister übergab es, seinen Sinn deutend, der Obhut der Partei. Kreisleiter Krüger übernahm das Wappen als ein Wahrzeichen und Sinnbild des Wollens unserer Zeit und als ein Zeichen der Volksgemeinschaft. Zu der Feier waren alle Gefolgschaftsmitglieder des Landratsamtes angetreten, ebenso waren die Mitglieder des Kreisausschusses zu der Feier gekommen. Das neue Wappen besteht aus drei Teilen. Das obere Feld zeigt einen schreitenden rotbewehrten schwarzen Löwen auf goldenem Grunde (Delitzsch Mark Meißen). Der untere Teil ist wieder geteilt, die linke Seite zeigt einen blauen Pfahl auf goldenem Grunde (Mark Landsberg), die rechte Seite trägt einen und einen halben silbernen Stern im blauen Felde (Eilenburger Wappen).

8. März
Stadtbauamt
Der frühere Leiter des Stadtbauamtes, Kratsch, der 32 Jahre im Dienste der Stadt tätig war, ist mit Ende Februar in den Ruhestand getreten. Kratsch war in den letzten 20 Jahren Leiter des Stadtbauamtes.

9. März
Sudetendeutsche
Die 52 sudetendeutschen Kinder, die sechs Wochen lang bei Pflegeeltern in Delitzsch untergebracht waren, sind vom Sorauer Bahnhof ab in ihre Heimat wieder zurückgekehrt. Sie haben ein Stück Deutschland kennen gelernt und Eindrücke gewonnen, die sie ihr Leben lang nicht vergessen werden. Zu ihrem Abschied spielte die Bannkapelle und es hatten sich nicht nur die Pflegeeltern, auch viele andere Delitzscher eingefunden. Lange noch winkten die kleinen Hände aus dem Abteilfenster den Zurückbleibenden zu.

20. März
Fackelzug
Aus Anlaß der Besetzung deutscher Truppen im Böhmerland und Übernahme des Schutzes von Böhmen und Mähren durch das Reich veranstalteten Partei und Gliederungen einen Fackelzug.

27. März
Prof. Schmiedeberg
Mit Schluß des Schuljahres verläßt die Delitzscher Oberschule eine in unserer Stadt allseitig bekannte und beliebte Persönlichkeit: Studienrat Professor Schmiedeberg. Dreißig Jahre ist er, begünstigt durch umfangreiches und vielseitiges Wissen, besonders auf dem Gebiet der fremden Sprachen, mit hervorragendem Lehrgeschick vielen Schülergenerationen ein gewissenhafter Lehrer und manchen von ihnen ein väterlicher Berater gewesen. Darüber hinaus aber ist er durch große Hilfsbereitschaft und durch seine Liebe zum Buch auch weiten Kreisen bekannt geworden. So hat er nicht nur die Schulbücherei der Oberschule, sondern auch viele Jahre hindurch ehrenamtlich die städtische Volksbücherei liebevoll betreut. Professor Schmiedeberg verläßt Delitzsch und verlegt seinen Ruhesitz nach der Universitätsstadt Marburg.

28. März
Frl. Döhlert
Fast alle aktiven Mitglieder des Frauenturnvereins und der Jugendgruppe hatten sich gestern abend im "Schwan" zusammen gefunden. Es galt Abschied zu nehmen von Fräulein Elisabeth Döhlert, die in den Ruhestand tritt und ihren Wohnsitz in den Harz. Bei diesem herzlichen Abschied ersah man so recht, (wie d.A.) viel Liebe und Verehrung sich Fräulein Döhlert in Delitzsch bei Jung und Alt erworben hat. 33 Jahre hat sie in hingebender Arbeit ihren Frauenturnverein geführt und zu hoher Blüte gebracht. Gedichte und Musikvorträge gestalteten den Abend festlich.

6. April
Mittelschule
Schon seit langem wurde davon gesprochen, daß die hiesige Mittelschule aufgelöst werden sollte. Jetzt endlich ist diese Angelegenheit auch geregelt. Die Mittelschule in Delitzsch bleibt in der alten Form weiter bestehen.

21. April
Hitler
Der diesjährige 50. Geburtstag des Führers Adolf Hitler wurde auch in Delitzsch in einem würdigen Rahmen gefeiert und zwar durch eine Feierstunde der Partei im wundervoll geschmückten Schützenhofsaal, der Überführung der Pimpfe in die Hitlerjugend (HJ) und am Abend durch einen großen Fackelzug, der die ganze Stadt auf die Beine brachte. Nach dem Fackelzug versammelten sich dann die Teilnehmer des Fackelzuges und viele Mitläufer in den verschiedenen Lokalen, Gasthöfen und vor allem draußen im Schützenhof, um den Tag festlich zu beschließen.

25. April
Moorbad
Unter der Initiative des jetzigen Pächters Fuchs hat das Delitzscher Moorbad einen unverkennbaren Aufschwung erhalten. Das Bad, das nachweislich eines der heilkräftigsten Moore aufzuweisen hat, wird mit zunehmender wärmerer Jahreszeit mehr und mehr von Heilung suchenden Volksgenossen aufgesucht. Helle, lichtdurchflutete Bade- und Liegezellen sorgen für das Wohlbehagen der Kurgäste, die hier nicht nur Moorbäder, sondern auch Kohlensäure-, Sauerstoff-, Sol-, Schwefel- und Fichtennadelbäder, Licht- und Dampfbäder, wie auch Bestrahlungen und Massagen nehmen können. Mit dem beginnenden Sommer werden auch die gepflegten Grünanlagen der Stadt, die Ringanlagen mit dem vielhundertjährigen Baum-bestand so recht geschaffen sein, für die notwendige Entspannung zu sorgen.

2. Mai
Neuer Schulrat
Delitzsch hat durch Albert Ahrens am 1. Mai einen neuen Kreisschulrat erhalten, nachdem der frühere Kreisschulrat Wilhelm Siebert als Regierungsrat nach Westfalen versetzt worden ist. Ahrens kommt aus Weißenfels, woselbst er Rektor an einer Volksschule war. Gleichzeitig war er dort Ratsherr und Schulrat für Volks- und höhere Schulen.

3. Juni
Mühlenversicherungsverein
Auf ein hundertjähriges Bestehen kann in diesen Tagen der Mühlen-Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit zu Delitzsch zurückblicken. Der Umstand, daß die sächsische Feuerversicherungssozietät vor 100 Jahren die Windmühlen wegen des erhöhten Risikos von der Versicherungsmöglichkeit ausschloß – sind doch gerade die freistehenden Windmühlen stets in besonderem Maße Sturm- und Blitzgefahr ausgesetzt – führte seiner Zeit zur Gründung des Vereins, der von dem Gedanken der Gegenseitigkeit ausgehend, die Mitglieder zur gegenseitigen Hilfe bei etwaigen Unglücksfällen verpflichtete. In dieser Hinsicht hat der Mühlenversicherungsverein inzwischen schon recht ersprießlich gewirkt. Das 100jährige Bestehen nahm die Vereinsleitung zum Anlaß, die diesjährige Hauptversammlung als besondere Erinnerungsfeier zu begehen. Am gestrigen Freitagvormittag fand die eigentliche Hauptversammlung statt. Am Nachmittag fanden sich die Mühlenbesitzer mit ihren Frauen und sonstigen Familienangehörigen in "Schwan" zu der eigentlichen Erinnerungsfeier ein, in deren Mittelpunkt ein gemeinsames Mittagsmahl, umrahmt von Musikdarbietungen, stand. Im Jahre 1864 übernahm Magistrats Assessor Heinze in Delitzsch den Vorsitz im Verein. Nach seinem 1890 erfolgten Tode wurde der bisherige zweite Vorsitzende Stadtsekretär Fricke, Delitzsch gewählt. Jetzt führt den Vorsitz des Vereins der Mühlenbesitzer Karl Troitzsch in Beerendorf.

19. Juni
Kreisappell
Am Sonnabend den 17. und Sonntag den 18. Juni fand in Delitzsch ein lange vorbereiteter Kreisappell statt, zu dem von Halle Gauleiter Eggeling und der Stellvertretende Gauleiter Tesche erschienen. Der Sonnabend war den Jugendverbänden zu Kampf- und Wettspielen gewidmet. Während am Sonntag Gauleiter Eggeling in Landsberg das neue Hitler-Heim weihte, nahm Stellvertretender Gauleiter Tesche in Delitzsch den Kreisappell ab. Am Sonntag vormittag 9.30 Uhr war die Eröffnung der Ausstellung: Unsere Heimat. Von 11 bis 12 Uhr fanden Platzkonzerte der fünf Musikzüge auf folgenden Plätzen statt: Roßplatz, Markt, im Park, Elberitzplatz und Dübener Straße (Neue Siedlung). Um 14.20 Uhr war der Aufmarsch der Verbände und die Großkundgebung auf dem Marktplatz. Es sprach hier Stellv. Gauleiter Tesche. Im Anschluß hieran fand ein Vorbeimarsch an der Kreisleitung der NSDAP in der Eilenburger Straße vor dem Stellv. Gauleiter statt. Um 17 Uhr begann auf dem Schützenhausplatz das Volks- und Kinderfest. Von 17.30 Uhr ab sprach im Schützenhofsaal der Stellv. Gauleiter Tesche vor dem Führerchor des Kreises. Abends war Tanz in den Sälen des Schützenhauses und Schützenhofes.

26. Juni
Heimatausstellung
Anläßlich des Kreisappells fand im "Lindenhof" zu Delitzsch eine Heimatausstellung unter dem Titel: "Unsere Heimat – Boden, Mensch und Werk" statt, die vom 20. bis 25. Juni geöffnet war. Es fanden in dieser Zeit zwei interessante Vortragsabende statt, die sich mit der Vorgeschichte unserer Heimat befaßten und gut besucht waren. Den ersten Vortrag hielt der Leiter des hiesigen Heimatmuseums Dr. Remoli. Unsere Heimat hat ihr heutiges Gesicht durch die Eiszeit erhalten, die alle Unebenheiten beseitigt hat, so daß große Erhebungen im ganzen Kreise nicht zu finden sind. Zunächst steht man einer solchen Behauptung skeptisch gegenüber. So war es die Aufgabe des Vortragenden, an Hand von Funden zu beweisen, daß in der hiesigen Gegend vor 5000 Jahren tatsächlich Bauern ansässig waren, die ihre Felder bestellten und nicht, wie vielfach behauptet wird, herumwandernde Nomaden gewesen sind. Siedlungen, Gefäße und andere Funde, auch gezähmte Tiere, zeigen, daß unsere Vorfahren keine Nomaden waren. An der Hand von Lichtbildern ging Dr. Remoli dann auf die Funde ein, auf die einzelnen Geräte, Gebräuche und Sitten, Kleidung und Lebensform unserer Vorfahren. Sie gingen nicht im Bärenfell, sondern trugen schlichte Kleider. Den zweiten Vortrag in der Heimatausstellung im "Lindenhof" hielt am Freitag den 23. Juni Professor Schulz, Universitätsprofessor in Halle über "Vor- und Frühgeschichte Mitteldeutschlands". Hatte der Vortrag von Dr. Remoli einen Ausschnitt aus der Vorgeschichte unseres Kreises gezeigt, so bildeten die Ausführungen von Prof. Schulz eine wertvolle Erweiterung, da sie unsere Heimat in den Gesamtablauf der Vorgeschichte stellten.

27. Juni
Besuch aus Schweden
Am Sonnabend trafen 21 Schüler aus Stockholm mit ihren Lehrern in Delitzsch ein. Sie befinden sich auf einer Deutschlandfahrt und hatten bei unserer Stadtverwaltung den Wunsch geäußert, einmal die ihnen nicht unbekannten "Schwedensignale" hören zu können. So erklangen dann am Sonntag in der Frühe vom Breiten Turm die Signale.

28. Juni
Erfindung
Dem Lehrer i.R. Heinrich Lobenstein wurde für seine Erfindung "Sattelgurt Ideal" vom Reichspatentamt das "Deutsche Reichspatent D.N.P. Nr. 678980" erteilt. – "Ideal" ist ein Gurt ohne Riemen, Löcher und Schnallen mit einer beweglichen Befestigungs-Vorrichtung, sowie mit selbstauswechselbaren Sattelstrippen.

10. Juli
"Graf Zeppelin über Delitzsch"
Der größte Höhepunkt dieses zweiten Julisonntages war ja wohl zweifellos der Besuch des Luftschiffes bei uns in Delitzsch. Es war durch den Rundfunk bekannt geworden, daß der "Zepp" bei seinem Besuch in Leipzig, die Reichsmessestadt von Norden her anfliegen würde, damit stiegen begreiflicherweise unsere Hoffnungen, aber in den letzten Jahren ist Delitzsch bei den Zeppelin-Besuchen immer recht schlecht weggekommen. Immerhin, man konnte hoffen, und siehe da, diese Hoffnung ging in Erfüllung; gegen 17.20 Uhr erschien plötzlich aus den Lüften der schlanke stählerne Leib und in dem Glanz der Nachmittagssonne zog er seine Kreise über unsere Stadt. "Da ist der Zeppelin", dieser Ausruf scholl hundertmal auf und begeistert von diesem neuen Wunderwerk deutscher Technik, von diesem wahren Wunderwerk deutschen Konstruktionsgeistes. Schätzungsweise flog L.Z. 130 etwa 150 bis 200 Meter hoch über uns. Rechnen wir einmal nach, wie klein uns ein Flugzeug in dieser Höhe erscheint, und wie mächtig der "Graf Zeppelin" noch wirkte, so kann man sich ungefähr ein Bild machen wie dieser mächtige Koloß von der Nähe aussieht. Doch davon wissen ja alle diejenigen zu erzählen, die aus unserer Stadt nach Leipzig gefahren waren und dort die Landung, den halbstündigen Aufenthalt und den Start miterleben konnten.

11. Juli
Zusammenlegung der Bahnhöfe
In diesen Tagen sind es 50 Jahre, daß die Öffentlichkeit mit einem interessanten Schriftwechsel der hiesigen örtlichen Behörden und dem Eisenbahnminister bekannt gemacht wurde, worin es sich erstmalig um die Zusammenlegung unserer beiden Bahnhöfe handelt. Unter den 14. Februar 1889 wurde in einer Petition an das Abgeordnetenhaus, die mit zahlreichen Unterschriften versehen war und vom Landrat von Rauchhaupt weiter geleitet war, auf die Unzulänglichkeit der Warteräume auf dem hiesigen Berliner Bahnhof und die Verkehrsstörungen beim Übergang über die Leipziger Chaussee hingewiesen und um beschleunigte Abhilfe gebeten. Darauf ist unterm 4. Juli 1889 vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten der Bescheid eingegangen, daß die Eisenbahn-Direktion Erfurt angewiesen worden ist, die Angelegenheit beim Übergang an der Leipziger Chaussee einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und etwaige Mißstände sofort abzuschaffen bezw. Erleichterungen zu schaffen. Was die Unzulänglichkeit der Warteräume auf dem Berliner Bahnhof anlangt, so ist eine Vereinigung der beiden dortigen Personenbahnhöfe in Erwägung gezogen und die Eisenbahndirektion zu Erfurt mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Projekts beauftragt worden. Das Schreiben trägt die Unterschrift des damaligen Ministers der öffentlichen Arbeiten Maybach.

29. Juli
Siedlung
In der Stadt Delitzsch werden den 1938 bereits bezogenen 32 Kleinsiedlerstellen auf der Straße nach Schenkenberg weitere 24 Stellen angereiht; die Ausschachtungen sind im Gange, am Wegebau für den Zugang zur Siedlung wird gearbeitet. Bei unserer Besichtigung der örtlichen Lage wird der Wunsch rege, den unschön wirkenden Wall der Müllablagerung, der als Rodelbahn gedacht war, recht bald durch Grünbepflanzung liebevoll zu verdecken.

14. August
Eisengitter
Heute morgen wurde damit begonnen, an der Mädchenvolksschule und der Luisenschule die Eisengitter zu entfernen. An der Luisenschule ist dieses Gitter überhaupt völlig unnötig; bei der Mädchenvolksschule wird man ein hübsches und abgeschlossenes architektonisches Bild dadurch erreichen, daß man den Steinsockel etwas erhöht und mit einer Abdeckplatte versieht. Wir hoffen, daß recht viele ihre Eisenzäune zur Verfügung stellen werden.

15. August
Rollschuhlauf
Am letzten Freitag sah Delitzsch zum ersten Mal den neuen Volkssport - das Rollschuhlaufen in seinen Mauern. Auf der Albert Böhmestraße rollten die kleinen Läuferinnen dahin und machten ihre Figuren, die da heißen: Bogenachter, Schlangenbogen, Dreier, Doppeldreier, Wende, Gegenwende, Gegendreier und Schlinge. Den gleichen Beifall wie die kleinen Künstler erntete die Leipziger Rollschuhlehrerin, die nach dem Takte des Wiener Walzer ein wirkliches Kunstfahren zeigte

19. August
Höhne
Polizeimeister Höhne in Delitzsch, der Leiter der hiesigen Schutzpolizei ist in die bei der Stadt Delitzsch freie Stelle des Polizeiobermeisters eingerückt.

24. August
Unglücksfall
Am Mittwochabend ertrank im Werkstättenteich der 29jährige Arbeiter Martin Goldstein.

29. August
Kriegsgefahr
Die drohende Kriegsgefahr gegen Polen gibt Veranlassung, mit dem gestrigen Tage die Bezugsscheinpflicht für bestimmte Waren in Kraft zu setzen. Die fraglichen Waren dürfen also nur gegen Bezugsscheine an Verbraucher abgegeben werden. Bezugsscheine für Spinnstoffwaren und Schuhwaren werden von den unteren Verwaltungsbehörden bezw. Gemeindebehörden auf Antrag ausgestellt. Die Einzelhandelsgeschäfte haben sofort eine Bestandsaufnahme über sämtliche bezugsscheinpflichtigen Waren zu machen.

27. September
Hamsterei auf Vorräte
Die Delitzscher Polizei hatte davon Mitteilung erhalten, daß bei der Witwe H. in Delitzsch über Gebühr Vorräte angesammelt werden. Als daraufhin Beamte der Delitzscher Polizei eine Haussuchung durchführten, wurde ein ausgesprochenes Hamsternest aufgedeckt. Es wurden für insgesamt 200 RM Lebensmittel und Gebrauchsartikel des täglichen Bedarfs gefunden, beschlagnahmt und der regulären Verteilung auf Bezugsscheine zugeführt. Frau H. wurde in polizeilichen Gewahrsam genommen und nach Halle ins Gerichtsgefängnis gebracht. Sie sieht einer strengen Bestrafung entgegen.

28. September
Die ersten Verwundeten
Heute morgen kamen in Delitzsch in einem Lazarettzug 67 Verwundete von der Ostfront an. Sie wurden im hiesigen Krankenhaus untergebracht, wo sie ihrer Genesung entgegensehen. Sie alle waren bei den Kämpfen am Weichselbogen und bei Warschau verletzt worden, hatten ihre erste Pflege und Hilfe in den Feldlazaretten gefunden und sind nun seit zwei Tagen von Polen nach hierher unterwegs. Von Ärzten und sachkundigen Pflegepersonal war der Transport selbstverständlich begleitet.

29. September
Schweinemästerei
Die Schweinemästerei der Stadt Delitzsch ist nach Beerendorf verlegt worden. Die Einrichtung ist nun fertiggestellt. Die ersten 20 Schweine warten nun begierig auf die Abfälle, die ihnen von den Haushaltungen unserer Stadt zufallen sollen. Ab Montag, den 1. Oktober wird die Sammlung von Küchenabfällen beginnen. An jedem Montag, Mittwoch und Freitag werden sich die Sammler mit ihren Wagen einfinden und jeder kann bestimmt damit rechnen, daß seine Abfalltonne geleert wird. Die ersten 20 Schweine werden natürlich nicht allein bleiben, die Mästerei wird bald noch mehr grunzende und hungrige Schweinchen zu füttern haben.

30. September
Bahnhofsdienst
Die Frauen der NS Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes haben sich dem Bahnhofsdienst zur Verfügung gestellt. Tag und Nacht stehen die Frauen in vierstündiger Ablösung auf ihrem Posten. Dieser Bahnhofsdienst soll den Durchreisenden und in Delitzsch aussteigenden Volksgenossen in jeder nur denkbaren Weise Hilfe und Beistand bringen. Die von langer Fahrt ermüdeten Abwanderer finden erfrischende Waschgelegenheit und eine kräftige warme Mahlzeit.

2. Oktober
Landwirtschaftliche Schule
Am Sonntag den 30. September verschied der Direktor der Landwirtschaftsschule Landwirtschaftsrat Konrad Schultze im Alter von 52 Jahren nach nur zweijähriger hiesiger Wirksamkeit als Leiter der landwirtschaftlichen Schule.

25. Oktober
Kursus
An der Landwirtschaftsschule in Delitzsch wird wieder ein Kursus für Schülerinnen durchgeführt. Für Jungbauern wird ein Winterkursus nicht abgehalten.

1. November
Reformation in Delitzsch
Die Evangelische Kirchengemeinde Delitzsch hat am gestrigen Reformationsfeste das Gedenken an die vor 400 Jahren erfolgte Einführung der Reformation in unserer Stadt gefeiert. Hier ein kurzer Rückblick: Unser Kreisgebiet war damals seit 1485 in zwei getrennt verwaltete sächsische Ämter geschieden, was für die Reformationsgeschichte unserer Gegend von großer Bedeutung wurde. Während das Amt Eilenburg zum Kurfürstentum Sachsen gehörte, war das Amt Delitzsch mit dem Herzogtum Sachsen verbunden. Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen hatte schon 1521 in seinem Lande die Reformation eingeführt. Der Regent des Herzogtums Sachsen, Georg der Bärtige, war aber ein entschiedener Gegner der Reformation. Viele Delitzscher waren trotzdem heimlich zur Reformation übergetreten und besuchten heimlich den evangelischen Gottesdienst in Brehna, da Brehna zum Kurfürstentum Sachsen gehörte. Viele der sogenannten Abtrünnigen wurden auf der Straße nach Brehna von Häschern abgefangen und zur Bestrafung auf das Schloß geführt. Trotzdem griff die Reformation auch hier immer weiter umsich. Am 17. April 1539 schloß Georg der Bärtige die Augen. Sein Bruder Herzog Heinrich von Sachsen, schon länger ein Anhänger der Reformation, übernahm die Regierung des Herzogtums und führte sofort die Reformation auch im ganzen Herzogtum ein. Sein Freund, der Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, half ihm dabei. Der erste evangelische Geistliche in Delitzsch war Simon Kottwitz, ein Minoritenmönch aus Leipzig. Er wurde im August 1539 von den Kirchenvisitoren und Freunden Luthers aus Wittenberg, Justus Jonas und Magister Georg Spalatin sowie den Amtmännern Dr. Melichor von Creuz, Kaspar von Schönberg und Rudolf von Reckenberg auf hiesigen Amte geprüft und dann hier eingeführt.

3. November
Wappenteppich
Die Stadt Delitzsch ist im Besitz eines wertvollen Wappenteppichs. Jahrzehntelang hing er unter einem grünseidenen Vorhang im hiesigen Stadtverordnetensitzungssaale. Vor einiger Zeit wurde er von seinem Platze entfernt und wird jetzt in einem Aktengewölbe des Rathauses aufbewahrt. Der Teppich wurde 1559 in der bekannten Werkstatt des "Teppichmachers" Egidius Wagner in Leipzig hergestellt. Die Wappendecke misst 230 x 195 cm und ist mit "E.W. 1559" signiert. Am 24. Februar 1548 ist Delitzsch kursächsische Stadt geworden. Auf den freibleibenden Zwickeln sieht man oben links das Hoheitszeichen der Markgrafenschaft Thüringen, rechts das der Markgrafschaft Meißen, unten links steht das Wappen der Herrschaft Landsberg, rechts der gelbe Adler der Pfalz Thüringen.

11. November
Lehrer Hirschfeld
In den gestrigen Morgenstunden ging der Lehrer a.D. Wilhelm Hirschfeld zur ewigen Ruhe ein. Hirschfeld ist Delitzscher Kind und wurde hier 1877 geboren. Nach beendeter Schulzeit besuchte er die hiesigen Lehrerbildungsanstalten. Kurze Zeit verwaltete er eine Lehrerstelle im Kreise Mansfeld und kehrte dann als Lehrer in seine Heimatstadt zurück, um an der hiesigen Mädchenvolksschule 35 Jahre zu wirken. Eine Reihe von Jahren war er auch Vorsitzender des Lehrervereins Delitzsch u. Umg. und Verwalter der Städtischen Volksbücherei. Ein schweres Leiden zwang ihn, seinem Beruf zu entsagen und in den Ruhestand zu gehen.

27. November
Finkenwirth
Mit Wirkung ab 1. Dezember ist der Lehrer Erhard Finkenwirth durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Merseburg zum Konrektor der Delitzscher Knabenschule berufen worden.

7. Dezember
Neue Straßennamen
In der letzten Zeit sind in Delitzsch verschiedene Straßen umbenannt und nach den Namen verdienter Deutscher benannt worden. So erhielt die zwischen der Gustloffstraße und der Frontkämpfersiedlung gelegene Straße den Namen Richthofenstraße.

13. Dezember
Knabenvolksschule
Im Haushaltsplan der Stadt für 1939 war vorgesehen, daß die bisher völlig unzureichenden sanitären Anlagen der Knabenvolksschule eine Verbesserung erfahren sollten. Nun ist mit den Arbeiten begonnen. Um allen Anforderungen gerecht zu werden, hat man einen großzügigen Plan genehmigt. Es entsteht ein Neubau 6 mal 20 Meter mit Abortanlagen für Lehrer und Schüler sowie einem ausreichendem Fahrrad-Unterstellraum. Das Gebäude wird unterkellert, so daß Schutzräume für etwa 120 Kinder entstehen.

15. Dezember
Jubiläum Leubner
Die Firma Stellmacherei und Wagenbau Otto Leubner besteht nunmehr 50 Jahre. In diesen fünf Jahrzehnten hat dieser Handwerksbetrieb sich durch treue Pflichterfüllung, durch gute handwerkliche Arbeit und handwerkliche Solidität das beste Ansehen der Kunden aus dem ganzen Kreisgebiet erworben. Otto Leubner, der jetzt 77 Jahre alt wird, steht noch mit beiden Beinen mitten in seinem Betrieb. Noch legt er seine Hände nicht ruhend in den Schoß, sondern tut treu und brav seine Pflicht, wie er es von frühester Jugend an gewöhnt ist.

18. Dezember
Unglücksfall
Am Sonnabend den 16. d. Mts. verunglückte auf seiner Arbeitsstelle der Delitzscher E. Voigt, Hainstr. 5, tötlich. Er geriet beim Reinigen des Förderbands in das Getriebe, wobei er Verletzungen erlitt, die seinen sofortigen Tod herbeiführten.


1940

12. Januar
Höhne
Der Kreisführer der Gendarmerie des Kreises Delitzsch, Polizeiobermeister Höhne in Delitzsch ist zum Polizeileutnant befördert worden.

13. Januar
Erinnerung an Martin Rinckhardt
Bei der in den letzten Monaten vorgenommenen Umgestaltung auf dem Marienfriedhof ist an der Südwand ein Grabstein freigelegt worden, der über hundert Jahre den Blicken verborgen war und der aus heimatgeschichtlichen Gründen Beachtung verdient. Die städtische Bauverwaltung hat dankenswerter Weise dafür Sorge getragen, daß der Stein an der nördlichen äußeren Chorwand der Gedächtniskirche Aufstellung gefunden hat. Leider ist dabei versäumt worden, die umfangreiche Inschrift auf der Rückseite des Steines zu entziffern. Die Inschrift auf der Vorderseite lautet:

Die Wohl Ehrbare Viel-
Ehr- und Tugendsame
Frau Salome, gebohrene Rinckhardtin
des Weyland Wohl Ehrwürdig Großachtbaren Wohlgelehrten
Herrn M. Ernesti Dehnens
Wohlverdienten Archidiakonat in Eulenburg
Sehligen nachgelassem Frau Witwe Ward gebohren
in Eulenburg den 13. September 1625 starb
in Delitzsch, den 16. Juni 1696 ihres Alters 70 Jahre und 9 Monate
Hatt gezeuget 3 Söhne und 11 Töchter und erlebet 46 Kindes Kinder

Der Grabstein erinnert an eine Tochter des mit der Geschichte unserer Heimat eng verbundenen Eilenburger Pastors und Liederdichters Martin Rinckhardt durch dessen "Nun danket alle Gott"plündernde schwedische Truppenteile während des 30jährigen Krieges zum Abziehen bewegt wurden. Nach dem Eilenburger Kirchenbuch heiratete am 3. Februar 1646 ein Magister Deneus Jungfrau Salomonen, Herr M. Rinckhardt wohlgeliebte eheliche Tochter. 1649, nach Rinckhardts Tode, übernahm Dehne das Amt seines Schwiegervaters, er selbst starb am 16. März 1669. Seine Witwe verzog nach dem Tode ihres Mannes nach Delitzsch und starb hier 1696.

15. Januar
Konzert des Kreuzchores
Der gestrige Sonntag brachte uns Delitzschern einen besonderen Genuß im "Schützenhof" durch das Konzert des Dresdner Kreuzchors unter seinem Dirigenten Professor Mauersberger. Dieser weltberühmte Knabenchor hat selbst in Amerika bereits zwei Konzertreisen mit beispiellosem Erfolg absolviert. Was Professor Mauersberger mit seinem Knabenchor und mit seiner knappen Elite von Männerstimmen bot, war für viele ein vom Himmel gefallenes Geschenk und zeugte von dem erfolgreichen Bestreben, die alte Tradition des Dresdner Kreuzchors, dem bereits Richard Wagner als Chorschüler angehörte und ihm auch weiter treu verbunden blieb, aufrecht zu erhalten. Es war den Zuhörern eine herrliche, musikalische Feierstunde geboten.

22. Januar
Jubiläum der Kriegerkameradschaft
Die Kriegerkameradschaft Delitzsch und Umgegend beging am gestrigen Sonntag im "Schwan" den 50. Gründungstag. Der Kameradschaftsführer Jakoby begrüßte die Erschienenen und gab einen Rückblick der fünf Jahrzehnte. Kamerad Lucas gab dann ein ausführliches Bild der Ereignisse vom Gründungsjahr 1890 bis zum heutigen Tage. Nacheinander hatten die Führung der Kameradschaft die Mitglieder Werner, Gutezeit, Rosch, Stephani, Panier bis 1925 inne. Es folgte Ehrung von langjährigen Mitgliedern und eine Ansprache des Kommandeurs des Meldeamts Delitzsch, Major Borchers. Ein kameradschaftliches Beisammensein beschloß die Jubiläumsfeier.

24. Januar
Alte Gewerbe in Delitzsch
Delitzsch ist schon in alter Zeit eine gewerbstätige Stadt gewesen. Viele frühere Gewerbe sind der Zeit zum Opfer gefallen, neue sind erstanden. Die Gerber gingen einst am Gerberplan an der "Gerberwäsche" ihrer Beschäftigung nach. An der Töpfergasse waren die Töpfer ansässig. Den Böttcher und Stellmacher war die Holzstraße zugewiesen. Dann gab es Nadler, Posamentierer, Knopfmacher, Färber, Nagel-, Zeug-, Gold- und Degenschmiede auch Schwertfeger genannt. Ansehnlich war die Gilde der Tuchmacher, von denen es im Jahre 1397 heißt, daß ihrer 24 ihre Zeuge in den Delitzscher "Bänken" am Scharren (neben dem alten Rathaus im Heringsgäßchen) auslegten. Und dann ist die Delitzscher Strumpfwirkerei und Bierbrauerei nicht zu vergessen. Die Delitzscher Wassermühlen teilten das Schicksal der eben genannten Erwerbszweige. Sie sind dem Zeitalter der Kunstmühlen und Fabriken zum Opfer gefallen. Ihre Zeit war vorüber. Nur die Älteren von Delitzsch sahen noch das große Wasserrad der Elberitzmühle sich drehen, bis es 1919 für immer stillstand. Seit mehr denn einem Menschenalter verstummte das Räderwerk der Stadtmühle. Nur in alten Schriften liest man noch von Hausmühle, Spittelmühle, Schademühle und Pfeffermühle. Oder der Name Mühlstraße erinnert daran, daß einmal in dieser Gegend eine Mühle ihre Räder spielen ließ. Die Hausmühle gehörte zu den kleineren Mühlen; sie stand etwa dort, wo der alte Mühlgraben in den Lober fließt, das wäre nördlich der Oberschule hinter Dr. Schroeders Hausgrundstück. Sie wurde vom Rat der Stadt gekauft und abgebrochen. Die Spittelmühle lag in der Nähe des Hospitals an der Halleschen Straße. Als der Rat im Jahre 1451 bis 1454 eine großzügige Verstärkung der Wehranlagen vornehmen ließ, war die Spittelmühle im Wege und wurde abgebrochen. Die Schadebrücke (Schademühle d.A.) lag wenige Schritte oberhalb der Schafbrücke im Rosenthal und Dietzes Garten, dort wo jetzt das Grundstück des Lehrers i.R. Karl Thomas liegt. Das war ehedem ein Mühlengebäude. Die Pfeffermühle lag an einem kleinen Graben, der zwischen Gertitz und der Zuckerfabrik entlang, an der Luisenschule vorüber, hinter Geidels Garten dem Lober zufloß. Sie gehörte zum Dorfe Rubach, das hier lag. Der Rat kaufte 1428 die Mühle und ließ sie nach dem gewonnenen Prozeß mit der Gemeinde Rubach 1489 niederreißen.

17. Februar
Sitzung des Gemeinderates
Am Donnerstag fand im Sitzungssaal des Rathauses eine öffentliche Sitzung des Gemeinderats statt. Auf der Tagesordnung stand neben Einführung zwei neuer Ratsherren die Beratung des vom Bürgermeister vorgetragenen Nachtragshaushaltsplan 1939. Die durch den Krieg eingetretenen Verhältnisse haben zu einer völligen Veränderung der Gemeindepolitik geführt. Rund 25000 Mark sind allmonatlich von der Stadt als Kriegsbeitrag abzuführen. Für die Sicherstellung der Ernährung mußte das Stadternährungsamt, für die Versorgung der Bevölkerung mit Spinnstoff und Schuhwaren und sonstigen Wirtschaftsgütern das Stadtwirtschaftsamt neu eingerichtet werden. Durch den Krieg bedingt machte sich die Einrichtung eines Hilfskrankenhauses und einer Infektionsabteilung notwendig. Durch die Einberufung von Gefolgschaftsmitgliedern zum Heer machte sich die Einstellung von Ersatzkräften notwendig. Es sind zwei Alarmsirenen für den Luftschutz angeschafft worden. Der ordentliche Haushaltsplan schließe in Einnahme und Ausgabe mit 2.644.100 Mark ab gegenüber den früheren Ansätzen in Einnahmen und Ausgaben von 2.084.100 Mark. Die städtische Schweinemästerei in Beerendorf ist erweitert worden. Rund 100 Schweine werden in Zukunft in den sauberen Stallungen der Schweinemästerei in Beerendorf aus städtischen Abfällen gefüttert werden können. Das bedeutet eine Entlastung unserer Kriegsernährungslage.

2. März
Gasthof "Zum eisernen Kreuz"
Am heutigen Tage kann der Gasthof "Zum eisernen Kreuz" in Delitzsch auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken. Der Gründer dieser bekannten und beliebten Gaststätte J.T. Göttsching zeigte im "Nachrichtenblatt für den Delitzscher und Bitterfelder Kreis" unter dem 22. Februar 1840 an, daß er am 2. März vor dem Breiten Tore, am Platze an der Postsäule, ein "Gasthofs Etablissement" zu eröffnen gedenkt. Daß dieser Gasthof, neben dem "Weißen Roß", das seit 1606 besteht, sicherlich einer der ältesten in der Vorstadt, sich bald eines guten Rufes erfreute, beweist die folgende Tatsache: Am 16. Mai 1846 weilte der König Friedrich Wilhelm IV mit seinem Bruder, dem Prinzen Friedrich Karl zur Besichtigung des 32. Landwehrbataillons hierselbst, welches hier in Garnison lag. Während der König im "Weißen Roß" abgestiegen war, nahm der Prinz im "Eisernen Kreuz" Quartier. Auf Göttsching folgten Merkwitz Vater und Sohn. Am 1. April 1900 übernahm Oskar Ziegler die Bewirtschaftung, der 1935 eine geräumige Veranda errichten ließ, die an heißen Sonntagen zu beschaulicher Rast ladet. Seit dem 1. April 1937 bewirtschaftet der Gastwirt Oskar Dietze dieses Lokal.

23. März
Lindenweg nach Döbernitz
Der vom Sorauer Bahnhof nach Döbernitz führende Lindenweg hat insofern eine Umgestaltung erfahren, als die der Bahnlinie zugewandten Lindenbäume jetzt weitgehend zurückgeschnitten worden sind. Da einzelne Zacken dieser Bäume in den Bereich der Elektrischen Leitungsdrähte hineinreichten, mußten alle schwächeren Zacken herausgeschnitten werden, um den Bäumen durch einseitiges Entfernen kein unregelmäßiges Aussehen zu geben.

26. März
Metallsammlung
In diesen Tagen hat der Sitzungssaal in unserem Rathaus ein anderes Aussehen als in friedlicher Zeit, als an gewöhnlichen Tagen. Der Sitzungssaal ist die Sammelstelle für das Metall, das die Delitzscher als Spende abliefern, um mitzuhelfen die Wehrkraft unserer Soldaten zu stärken. In dem Aufruf zur Metallspende heißt es, daß die großen Mengen, die in allen deutschen Gauen von allen opferbereiten Volksgenossen gespendet werden, die aus jeden kleinen und großen Haushalt, aus dem letzten Winkel aus Ost und Nord, aus West und Süd zusammenkommen, für Deutschlands Soldaten bestimmt sind. Ihnen werden daraus die Waffen geschmiedet werden, die sie in ihrem Kampf für Deutschlands Freiheit und Größe brauchen.

27. März
Stadtgraben
Heute Vormittag wurde wieder einer unserer hübschen großen Schwäne im Stadtgraben tot aufgefunden. Erst zu Ostern waren die Tiere, die zur Sommerszeit stets das Bild unseres Stadtgrabens so hübsch verschönern, wieder ausgesetzt worden, und nun ist einer von ihnen schon verendet. Auch früher haben wir schon über solche Fälle berichten müssen. Leider konnte bisher nie einwandfrei festgestellt werden, welche Todesursache die netten Tiere hatte krepieren lassen.

29. März
Buchhandlung Pabst
Am 29. März 1865 eröffnete der Buchhändler Reinhold Pabst in Delitzsch eine Buchhandlung, nachdem ihm die Genehmigung zur Führung eines Buchhandelsbetriebs erteilt worden war. Aus kleinen Anfängen hat er ein Sortiment aufgebaut, das über die Grenzen seiner Stadt hinaus Bedeutung bekommen hat. Auch verlegerisch hat er sich nicht unwesentlich betätigt. Er rief später auch einen Musikverlag ins Leben, der vorzugsweise Chor- und Kirchenmusik herausbrachte. Nach seinem Tod 1914 übernahm sein Sohn Paul das Sortiment und setzte das Werk im Sinne des Vaters fort. Der Weltkrieg hat dem Geschäft nicht nur wirtschaftliche, sondern auch persönliche Verluste gebracht. Paul Pabst und dessen einziger Sohn Gerhard Pabst standen als Offizier im Felde; Gerhard Pabst fiel im September 1918. Am 1. Juli 1936 übergab er nach seiner 40jährigen Inhaberschaft krankheitshalber sein Sortiment seinem Schwiegersohn, dem Buchhändler H. Rättig, der ihm bereits seit 1931 zur Seite stand.

1. April
Jubiläum Zeidler
Am heutigen 1. April begeht der Glasermeister Hermann Zeidler aus Delitzsch im 77. Lebensjahr sein 50. Geschäfts- und Meisterjubiläum. Der Jubilar, der in dem jetzt von seinem Sohn, Glasermeister Ernst Zeidler, geleiteten Betrieb noch eifrig mitarbeitet, kann an seinem Ehrentag auf eine arbeits- und erlebnisreiche Berufstätigkeit zurückblicken, zumal er seine Jugend fern der Heimatstadt Delitzsch – u.a. mehrere Jahre in der Schweiz – als wandernder Glasergeselle verbrachte.

6. April
Metallsammlung
Die vielen Zentner kriegswichtigen Metalls, die inzwischen aus Delitzscher Haushaltungen zum Sitzungssaal des Rathauses gekommen sind, sie sind ein beredtes Zeichen für die Opferfreudigkeit unserer Bevölkerung. Eigentlich sollte ja mit dem heutigen Tage die Sammlung beendet sein, aber schon schnell mußte man einsehen, daß es in diesen wenigen Tagen nicht gelingen würde, allen ablieferungsmöglichen Bestand herbeizuschaffen, und so hat man sich im ganzen Reich entschlossen, die Spenden bis zum 20. April zu verlängern. Am morgigen Sonntag ist die Annahmestelle auch von 9 bis 12 Uhr geöffnet. An alle interessierten Volksgenossen ergeht nun die Einladung, sich einmal die Spendensammlung anzusehen. Man glaubt in einem kleinen Museum zu sein. Die Besichtigung wirkt aber auch anregend und wirbt für die Spendensammlung.

9. April
Deutsche Truppen in Dänemark u. Norwegen
Deutsche Truppen rücken blitzartig in Dänemark und Norwegen ein als Gegenschlag gegen den britischen Versuch, Skandinavien zum Kriegszuschlag gegen Deutschland zu machen. Es erfolgte die Besetzung wichtiger Punkte. Den beiden Ländern ist der deutsche Schutz zugesichert worden.

21. April
Abschluß der Metallspende
Mit dem gestrigen Tage, dem Geburtstag des Führers, ist die Metallsammlung abgeschlossen worden. In den letzten Wochen und Tagen bis zur letzten Stunde häuften sich Berge von Metall im Sitzungssaal des Rathauses, die aus allen Delitzscher Häusern zusammengetragen waren, um dem Führer auf den Geburtstag (-tisch d.A.) der Nation gelegt zu werden. Über 3600 Delitzscher Volksgenossen haben ihren Beitrag zur Metallspende des deutschen Volkes entrichtet. Eine Zahl, die weit mehr als Worte zu sagen vermag.

25. April
Reichspatent
Das deutsche Reichspatentamt erteilte dem Lehrer Heinrich Lobenstein für seine Erfindung "Rollklappverschluß für Gurte" ein D.R.G.M. Nr. 148990, nachdem er bereits im August 1939 ein D.R.P. Nr. 678980 für "Sattelgurt Ideal" erhalten hatte.

14. Mai
"Goldene Kugel"
Das in der Grünstraße gelegene Gasthaus "Goldene Kugel" ist von seinem bisherigen Besitzer, Gastwirt Robert Lampe an den Gasthauspächter Hönicke in Brodau verkauft worden. Die Übergabe erfolgt am 1. August.

23. Mai
Eisengitter
Es ist schon öfters über die Notwendigkeit der Entfernung der Eisengitter und –zäune vor den Häusern und Vorgärten geschrieben worden. Viele Einwohner haben längst sich zu der Einsicht bekehren lassen, daß ein solches Eisengitter nicht mehr zeitgemäß ist, und haben deshalb durch Beseitigung der häßlichen Einzäunungen das Stadtbild wesentlich verschönern helfen. Wo die Zäune verschwunden sind, hat das neue Aussehen, so schwer man sich auch manchmal von der alten Einrichtung getrennt haben mochte, doch allseitige Befriedigung ausgelöst, und viele Einwohner, die sich immer noch nicht recht entschließen können, werden die gleiche Freude erleben, wenn sie sehen, daß auch ihr "Festungsgürtel" vor ihrem Anwesen gefallen ist. Übrigens ist die Entfernung der Eisenzäune ab 1. Juni allgemein gesetzliche Pflicht, um die sich dann niemand mehr herumdrücken kann. Wer die Entfernung nach dem 1. Juni vornimmt, muß dies auf seine eigenen Kosten tun, während er jetzt noch hierfür nicht aufzukommen braucht.

24. Mai
Beschlagnahme
Um die brachliegenden Eisenmengen der Kriegswirtschaft zuzuführen, ist für die Eisen- und Stahlbewirtschaftung die Anordnung zur "Beschlagnahme von Eisen und Stahl" erlassen, durch die ein Teil der bei den Industrie- und Handwerksbetrieben lagernden Eisenmengen beschlagnahmt wird.

21. Mai
Delitzsch als Provinzstadt
Heute am 21. Mai sind 125 Jahre verflossen, daß die Provinz Sachsen besteht. Somit ist aber auch unsere Stadt Delitzsch bereits ein und einviertel Jahrhundert Preußen zugehörig. Vor 125 Jahren unterzeichnete König Friedrich August von Sachsen den Vertrag, auf Grund dessen und auf Grund der Beschlüsse des Wiener Kongresses er einen großen Teil seiner bisherigen Besitzungen an Preußen abtrat. Mit diesem Tage war die Bevölkerung dieser Landschaften aus ihren Eiden und Pflichten gegen ihn entlassen, während König Friedrich Wilhelm III. von Preußen seinerseits die Besitzergreifung vollzog. Die Provinz wurde nach ihrer Begründung anfangs meist Herzogtum Sachsen genannt, weil der überaus größere Teil derselben ursprünglich kursächsische Gebiete waren.

28. Mai
Einwohner
Die Einwohnerzahl der Stadt Delitzsch betrug am 31. März 1940 18.007; sie ist gegenüber der vorausgegangenen Zählung ungefähr konstant geblieben.

10. Juni
Badezeit
Die überaus warmen Junitage bringen Hochbetrieb in unsere Bäder. Mit der Eröffnung des Freibades an der Elberitzmühle hat man schon in der kurzen Zeit große und kleine Gäste zu verzeichnen. Aber auch am Werkstättenteich herrscht wieder lebhafter Betrieb. Viele benutzen hier das Badegelände, um sich einmal einer rechten Bade- und Sonnenkur zu unterziehen.

12. Juni
Kirchenbau
Heute vor 500 Jahren am 12. Juni 1440 wurde das Kirchendach der Peter-Paulskirche zu Delitzsch gehoben und gerichtet, worüber man zwei Wochen zubringt.

18. Juni
Linde an der Stadtmühle
Von den schönen Linden entlang unserem Stadtgraben ist gestern eine eingegangen. Es handelt sich um einen hohen alten Baum bei der Stadtmühle. Beim Sturz riß das Ungetüm, das mit der Wurzel umbrach und in den Stadtgraben stürzte, das dortige Geländer um.

25. Juni
Waffenstillstand mit Frankreich
Der Krieg im Westen ist beendet. Ganz Delitzsch steht heute im Zeichen dieses großartigen deutschen Waffenerfolges. Fahnen über Fahnen flattern in den Straßen, Glocken rufen vom Turme die frohe Botschaft in die Lande hinaus und die Menschen, die uns begegnen atmen freier und fühlten sich beschwingt von dem gewaltigen Pulsschlag des Geschehens. Heute abend findet auf dem Marktplatz eine große Dankeskundgebung statt. Auf Anordnung wird vom 25. Juni bis einschließlich 1. Juli in allen Kirchen von 12 bis 12.15 Uhr täglich geläutet.

1. Juli
50 Jahre Zuckerfabrik
Ein halbes Jahrhundert ist es in diesem Kriegsjahr 1940 her, seit die Zuckerfabrik Delitzsch ihren Betrieb aufnahm. Das Unternehmen stellte schon in seinen Anfängen einen beachtlichen Faktor im Wirtschaftsleben der Stadt und des Kreises Delitzsch dar und ist in seiner weiteren Entwicklung bis heute in die Reihe der führenden Zuckerfabriken Deutschlands aufgerückt. Im Kreise Delitzsch fehlte es bis zum Ende der achtziger Jahre an einer zentral gelegenen Zuckerfabrik. Diesen Mangel zur Tat umzusetzen, fanden sich nun wagemutige und entschlusskräftige Männer im Jahre 1889 zusammen, und Dank der umfassenden Vorarbeiten und Tatkraft des Majors a.D. von Busse in Zschortau konnte im Sommer des Jahres 1889 in Delitzsch der Geschäftsvertrag abgeschlossen werden. Ein eifriger Förderer des Unternehmens war der als Leiter gewonnene Direktor Dr. phil. Ludwig Kuntze. Mit dem Bau wurde sofort begonnen und schon im Herbst 1890 konnte die erste Kampagne einsetzen. Direktor Dr. Kuntze, der bis 1915 wirkte, hat das Verdienst, die Zuckerfabrik aus ihren Anfängen zu einem fest fundierten erfolgreichen Werk ausgebaut zu haben, während es seinem Nachfolger, Direktor Robert Aumüller, der seit dem 1. Juli 1915 bis heute dem Werk vorsteht (also heute 25 Jahre), vorbehalten blieb, die Fabrik den erweiterten Aufgaben und technischen Neuerungen der Nachweltkriegszeit, sowie den speziellen Ansprüchen der Futtermittelerzeugung anzupassen. Die Leitung der Zuckerfabrik nahm das 50jährige Jubiläum am heutigen Montag zum Anlaß, in einer Generalversammlung die bisherigen Erfolge zu würdigen. In der im Anschluß an die Generalversammlung stattgefundenen Festsitzung nahm auch der Präsident der Industrie- und Handelskammer und sonstige Gäste teil. Nächsten Sonnabend findet für die Gefolgschaftsmitglieder im Schwan eine besondere Betriebsfeier der Zuckerfabrik statt.

13. Juli
Vorgärten
Die Eisengitter sind ja nun zum großen Teil von den Vorgärten unserer Stadt verschwunden. Damit aber Delitzsch den Ruf, eine saubere Stadt zu sein, behält, müssen die Vorgärten auch weiter pfleglich behandelt werden, dürfen auch nicht beseitigt werden. Wie sie zu betreuen sind, bleibt den einzelnen Vorgartenbesitzern überlassen. Oder soll erst die Behörde mit Anordnungen kommen?

26. Juli
Saarländer
Am 13. September 1939, in einer herben Herbstnacht, kamen die 700 Saarländer bei uns in Delitzsch an. Es waren nicht Flüchtlinge, nicht Fliehende in des Wortes alter Bedeutung. Sie waren nicht geflüchtet, sondern man hatte sie nur aus einer Gefahrenzone herausgenommen, man hatte sie schützen wollen, hatte ihr Leben und ihre Gesundheit in sichere deutsche Obhut genommen. 700 Volksgenossen aus dem Saargebiet kamen zu uns. Greise, Frauen und kleine Kinder waren darunter. Zuhause ist alles in Ordnung geblieben, nichts wurde zerstört. Haus und Hof sind von der deutschen Wehrmacht geschützt worden und nicht eine einzige feindliche Granate ist herübergekommen. Gestern nun waren die Saarländer zum Abschiedsabend im Lindenhof noch einmal zusammengekommen. Vier Männer sprachen zu den Rückgeführten und den Quartiergebern. Kernige, echt deutsche Worte konnte man von ihnen hören und allen wird bei diesen Worten das Herz wohl etwas weiter geworden sein. Es waren die Männer, die in erster Linie über das Schicksal der Rückgeführten während ihres Aufenthalts in Delitzsch etwas sagen konnten, denn ihnen lag die Pflege, Betreuung und Führung der 700 ob. Es waren dies Kammer - Emden, der Führer und Sprecher seiner Landsleute, Bürgermeister Frey, Kreisamtsleiter Wilke und Schulrat Ahrens als Vertreter der Kreisleitung. Die Kapelle Wächter bestritt den musikalischen Teil und gemeinsame Lieder und ein Sologesang gaben dem Abend einen würdigen Rahmen.

27. Juli
Großkopf
Der bisherige Kriminaloberassistent Paul Großkopf ist mit Wirkung vom 1. Juli zum Kriminalsekretär befördert worden.

3. August
Einquartierung
Überraschend marschierte gestern in der Nachmittagsstunde eine Kompagnie Soldaten in unsere Stadt ein. Sie sollte hier eine Nacht Einquartierung beziehen. Auf dem Markt wurde Halt gemacht. Bald herrschte hier Hochbetrieb. Männer und besonders Kinder fanden sich hier ein. Sie wollten nicht nur die Soldaten sehen, sie wollten auch einen Soldaten in Quartier haben. Doch nur wenigen konnte ihr Wunsch erfüllt werden. Doch das Ereignis hatte eine große Menschenmenge auf die Beine gebracht, und es herrschte bis spät ein lebhafter Verkehr in den Straßen.

17. August
Fliegerschutz
Britische Flieger sind schon wiederholt nachts über unseren Ort geflogen. Wir vernahmen nicht nur das Rasseln der Motoren, es hat auch schon geknallt. Darum achte ein jeder auf vollkommene Verdunkelung seiner Wohnung. Verschiedentlich sind schon folgende Anordnungen gegeben worden: Prüfen Sie einmal alle Ihre Räume, ob sie auch wirkungsvoll verdunkelt sind. Prüfen Sie sich auch laufend, ob sie sich luftschutzmäßig verhalten! Sie sind zum Beispiel im Hellen ins Bett gegangen und haben deshalb Ihr Schlafzimmer nicht verdunkelt. In der Nacht aber ertönt Fliegeralarm und im Aufwachen denken Sie natürlich nicht daran, daß Sie kein Licht machen dürfen. Und schon ist es geschehen: durch die unverdunkelten Fenster fällt helles Licht auf die Straße. Überhaupt: bei Fliegeralarm darf keinerlei Licht gezeigt werden. Alle Fahrzeuge – auch wenn sie ordnungsmäßig abgedunkelt sind – müssen ohne Licht bleiben. Auch in Ihrer Wohnung soll grundsätzlich alles Licht ausgemacht werden. Es könnte ja sein, daß bei Bombenabwurf Ihre Verdunklungsvorrichtung undicht wird (Fenster können springen), so daß das Licht draußen zu sehen ist. Sie sollen ja bei Fliegeralarm Ihre Wohnung verlassen und in den Luftschutzkeller gehen.

20. August
Schweinemästerei
Unsere Stadtverwaltung unternahm am gestrigen Tage eine Besichtigungsfahrt zur Beerendorfer Schweinemästerei und zu den neuen Volkswohnungen an der Eilenburger Chaussee. Es beteiligten sich an dieser Fahrt unsere Stadträte und auch einige interessierte Gäste. Die Führung hatte Stadtbaurat Renner. Allgemein war man sichtlich befriedigt und erfreut über das, was hier geschaffen worden war. Es stehen augenblicklich dort 79 Schweine zur Mast, die ersten 15 Schweine sind schon an Delitzscher Fleischer abgegeben worden. Futter ist genügend vorhanden. Aus den Abfällen der Delitzscher Einwohner werden sie gefüttert und gemästet. Die einzelnen Haushaltungen heben ihre Abfälle auf, dort werden sie abgeholt und dann draußen verfüttert. Es werden augenblicklich etwa 400 Zentner Küchenabfälle erfaßt und diese Menge reicht aus, um noch weitere 30 Schweine zu mästen, die nun auch noch angeschafft werden sollen, so daß also bald dort draußen 110 Schweine gemästet werden. Stadtbaumeister Renner wollte für den Ausbau der Schweineställe sorgen. Die Fortsetzung der Besichtigungsfahrt führte zu den Volkswohnungen an der Eilenburger Chaussee, wo durch die Stadtverwaltung Delitzsch zehn Volkswohnungen entstanden sind, die in den nächsten Tagen von Gefolgschaftsmitgliedern der Firma Langer bezogen werden können. Der Mietpreis derselben beträgt 22, 28 und 30 Mark. Es werden weitere Volkswohnungen entstehen, sobald die Schwierigkeiten, die jetzt bestehen, behoben sind.

3. September
Reichart
Am heutigen Dienstag den 3. September kann der Kaufmann Reichart, Breite Str. 28, eine bekannte Persönlichkeit unserer Stadt seinen 92. Geburtstag begehen. In geistiger und körperlicher Rüstigkeit hat das greise Geburtstagskind dieses hohe Alter erreicht, und wer ihn heute sieht, der hält es kaum für möglich, daß Kaufmann Reichart schon 92 Jahre alt ist.

18. September
Fliegeralarm
Nach einer Anordnung wird auf Antrag bei Fliegeralarm die Genehmigung erteilt, daß frei praktizierende Ärzte und Hebammen Straßen und Plätze während des Alarms betreten können. Infolgedessen können sie zu Hilfeleistungen unmittelbar während eines Fliegeralarms in Anspruch genommen werden. Das darf aber nur in ganz dringenden Fällen geschehen.

20. September
Schulbeginn bei Fliegeralarm
Kreisschulrat Ahrens hat an alle ihm unterstellten Schulen, also an alle Volks- und Mittelschulen, in einem Rundschreiben die Verfügung erlassen, daß nach einem Fliegeralarm die Schulen zwei Stunden später beginnen und der Unterricht nicht länger als vier Unterrichtsstunden dauern soll.

21. September
Schlußlichter
Nach einer Verordnung müssen alle Fahrräder ab 1. Oktober 1940 bei Dunkelheit rote Schlußlichter führen. Zulässig sind hiernach rote Lampen jeglicher Art, also außer elektrischen Schlußlichtern auch solche rote Laternen, die durch Petroleum, Karbid u.s.w. gespeist werden. Es wird also nicht etwa ein elektrisches Schlußlicht verlangt. Mit Pedalrückstrahlern brauchen nach wie vor nur alle neu in den Verkehr gelangenden Fahrräder versehen zu sein.

23. September
Glesmer
Der Polizeihauptwachtmeister Max Glesmer, der seit 1. September 1925 im Dienst der Schutzpolizei der Gemeinde in Delitzsch steht, ist zum Polizeimeister befördert worden.

26. September
Straßenverkehr
Die Delitzscher Zeitung schreibt: Jede Stadt hat eine sogenannte "Bummelstraße" und daran ist eigentlich auch gar nichts auszusetzen. Wir denken nicht im geringsten daran, der Jugend diese kleine Freude zu nehmen. Wenn aber der "Bummel" zur Verkehrsstörung wird, dann sieht die Sache schon anders aus, dann muß Abhilfe geschaffen werden. Wir denken, daß sehen unsere Jungen und Mädel, die in erster Linie sich hier "promenierender Weise ergehen" auch selbst ein. Es wird nämlich nun schon früh dunkel und da bedeutet das Promenieren zweifellos eine Verkehrsstörung. Jetzt heißt es wieder rechts gehen und ein "auf und ablatschen" muß unterbleiben. Wenn auch die Eltern etwas in diesem Sinne auf ihre Jungen und Mädel einwirken, wird sicherlich die Breite Straße demnächst für den Passantenverkehr besser zu begegnen sein. Bei Einbruch der Dunkelheit muß der Bummel beendet sein.

2. Oktober
Radfahren
Laut Verfügung muß das Radfahren eingeschränkt werden. Fahrradbereifungen für private Fahrräder können nur auf Grund eines Bezugsscheines des zuständigen Wirtschaftsamtes bezogen werden. Das gilt auch dann, wenn das Fahrrad nicht nur für private Fahrten, sondern auch dienstlich benutzt wird. Fahrradbereifung nur für Dienstzwecke sind von der vorge-setzten Behörde zu beantragen. Spazier- und Ausflugsfahrten sind verboten.

3. Oktober
Geländeverkauf
Die Zuckerfabrik erwarb vom Bürgerhospital ein Gelände von rund 60 Morgen hinter der Bahn. Da das Bürgerhospital unter der Verwaltung der Stadt steht, mußte von hier aus die Genehmigung dazu erteilt werden. Die Zuckerfabrik wird dieses neuerworbene Gelände zur Lagerung von größeren Schlammengen benutzen. Ein der Stadt gehörendes Gelände an der General-Märcker Straße wurde an eine Privatfirma verkauft. Es handelt sich hier um rund 880 Quadratmeter.

10. Oktober
Delitzsch in früherer Zeit
Landesbeschreibungen, die von der geschichtlichen Vergangenheit unserer Heimat berichten, gibt es eine ganze Anzahl. K.A. Engelhardt aber, der um 1801 eine Erdbeschreibung der Kursächsischen Lande schrieb, hat mit praktischem Sinn nach den Nahrungszweigen der Bewohner geblickt und aufgezeichnet, was er damals für wichtig und erwähnenswert vom Handwerk, Ackerbau und der Industrie hielt. Vom Amt Delitzsch wird berichtet, daß es zum Teil nicht den besten Boden hat, doch Korn in einigen Gegenden auch Weizen gebaut, und gute Vieh- und Schafzucht aufweisen kann. Delitzsch mit seinen 3000 Einwohnern hatte Tuch- und Wollstrumpfmanufakturen.

22. Oktober
Stadtgraben
Der Stadtgraben bietet uns Delitzschern so manche Annehmlichkeiten. Ist er im Sommer schon eine Augenweide für uns, wenn wir die blitzblanken Schwäne dahergleiten sehen, wenn wir die Enten mit ihren Jungen beobachten können, so ist er uns im Winter durch seine Eisbahn, die so manchen Schlittschuhläufer Vergnügen bereitet hat, recht lieb und wert. Außerdem haben wir auch Eis, vor allem im letzten Jahre "ernten" können und nun die Fische. Gestern war nun der Fischzug im Stadtgraben. Insgesamt wurden 20 Zentner, nahezu 20 Zentner Fische aus dem Stadtgraben herausgeholt, elf Zentner Karpfen, acht Zentner Weißfisch und 58 Pfund Schleie. Es sind aber auch seiner Zeit 4 ½ Zentner Fische ausgesetzt worden.


1941

13. Januar
Ehrenbuch für Kinderreiche
Am gestrigen Sonntagvormittag fand im "Schwan" eine Feierstunde statt, die ein ganz besonderes Gepräge hatte. Zu dieser Feierstunde hatten Kreisleiter Krüger und Ortsgruppenleiter Schulze vom Reichsbund Deutscher Familie eingeladen. Es sollten kinderreiche Elternpaare aus Delitzsch die Ehrenbücher der Deutschen kinderreichen Familie überreicht werden, die der Führer gestiftet hat. Kreisleiter Krüger sagte in seiner Ansprache unter anderem, daß das deutsche Volk ein kinderreiches Volk werden muß. Vier Kinder sollen nicht das Maximum, sondern Minimum sein. Vor uns liegt die Zukunft und diese Zukunft stellt große Aufgaben an uns. Sollten sie deshalb nicht erfüllt werden können, weil wir nicht für den nötigen Nachwuchs gesorgt haben. Wir haben breite Felder zu bearbeiten demnächst, wir brauchen Menschen, tüchtige deutsche Menschen mit deutschem Blut und deutschem Glauben, wir brauchen junge, starke und unbeugsame Mädchen und Jünglinge, und wir brauchen Arbeiter der Stirn und Faust, die das Erbe verwalten dereinst, das ihnen diese Kampfgeneration unter der Führung Adolf Hitlers erkämpft hat. Wir wollen niemals in den Fehler verfallen, fremde Volkskräfte, fremdes Blut in unsern Reihen aufzunehmen, wir wollen unser deutsches Blut erhalten und es rein und unverfälscht weiterfließen lassen in den Adern unserer Kinder und Kindskinder. Aus der Hand des Kreisleiters empfingen nun die Mütter das Ehrenbuch. Ergriffen waren alle von dieser Feierstunde, die durch musikalische Darbietungen und Sprechchöre der Jugend und durch die Mitwirkung des Bannmusikzuges ausgestaltet war.

28. Januar
Arbeitstagung der Kreisamtsleiter
Sonntag vormittag waren die Ortsgruppenleiter, Kreisamtsleiter und Führer der Gliederungen unseres Kreises Delitzsch unter Leitung von Kreisleiter Krüger zur ersten großen Arbeitstagung im Jahre 1941 im Rathaussaal in Delitzsch zusammengekommen. Der Kreisleiter behandelte eine stattliche Reihe aktueller Probleme verschiedenster Art und gab dem Führerkorps entsprechende Anweisungen und Richtlinien. Zu verschiedenen kommunalpolitischen und agrarpolitischen Fragen nahmen Kreisamtsleiter Petzsche und Kreisamtsleiter Barth Stellung. Kreiswirtschaftsberater Otto Kohl klärte Fragen um die Kohlenversorgung. Kreisamtsleiter Wilke erörterte die einzelnen WHW Aktionen unter besonderer Berücksichtigung von Bauernopfer und Firmenspende. Kreisamtsleiter Leichert gab Aufklärung über Fragen des Führernachwuchses und zwar über die Auswahl von Anwärtern für Adolf-Hitler-Schulen und Ordensburgen. Kreispropagandaleiter Hartmann teilte mit, daß im Februar eine Redneraktion im Kreise Delitzsch zur Durchführung kommt. Kreisamtsleiter Ahrens wurde mit der Führung des Kreisschulungsamtes beauftragt.

30. Januar
Alte Delitzscher Bibliothek
Bei Arbeiten in der Preußischen Staatsbibliothek wurde zufällig ein Verzeichnis einer "Öffentlichen Bibliothek Delitzsch" das 2000 Bücher aus den mannigfaltigsten Wissensgebieten anzeigt und mit beachtenswerten Notizen aus dem Leben der verschiedenen Autoren versehen ist. Es wurde inzwischen anhand von Unterlagen festgestellt, daß diese bedeutende und weit über die Mauern unserer Vaterstadt bekannte Bücherei am Reformationstag 1717 von dem damaligen Superintendenten M. Streng in dessen Hause begründet und später in einem Anbau auf der Südseite der Stadtkirche untergebracht wurde. Bei der baulichen Umgestaltung der Kirche im Jahre 1889 ist dieser Anbau beseitigt worden, nachdem einige Jahre vorher die gesamte Bücherei durch die Stadtväter von einem Leipziger Antiquar verkauft worden war. Die Gattin unseres verdienten Chronisten Reime weiß sich noch zu erinnern, daß die Bücher auf Leiterwagen unter energischem Protest eines Teiles der Einwohnerschaft fortgefahren wurden. Erfreulicher Weise ist es gelungen, bisher etwa 100 Bände wieder aufzufinden.

18. Februar
Tag der Deutschen Polizei
Der letzte Sonnabend und Sonntag war der "Tag der deutschen Polizei". Überall an den Straßen, auf den Plätzen standen die Polizisten mit ihren Abzeichen und hielten den Vorübergehenden ihre Sammelbüchsen hin. Der "Tag der deutschen Polizei" erbrachte in Delitzsch die stolze Summe von 9385,97 Mark. Das ist viel, man bedenke, daß Delitzsch nicht einmal 20.000 Einwohner hat.

26. Februar
Winterhilfswerk
Am Dienstag abend mußten viele Delitzscher, die gerne beim Wunschkonzert im "Schützenhof" dabeigewesen wären, umkehren, denn schon recht früh war der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Es werden weit über 1000 gewesen sein, die den Saal füllten, weit über 1000 Sitzplätze hatte man nämlich schon geschaffen und nicht wenige waren es, die sich stehend die Darbietungen des Gaumusikzuges des Reichsarbeitsdienstes anhörten. Doch nicht nur, was die Besucherzahl angeht, auch was den finanziellen Erfolg anbetrifft. Als der Ansager das vorläufige Ergebnis von über 6500 RM bekanntgab, war man gewiß allgemein überrascht über diesen Erfolg und Delitzsch konnte wieder einmal einen schönen, einen gehörigen Batzen Geld für das Winterhilfswerk für das 2. Kriegswinterhilfswerk zur Verfügung stellen.

27. Februar
Delitzscher Bannmusikzug
Die hiesige Wächter'sche Musikschule, die durch Verleihung des Titels "Bannmusikzug" geehrt worden ist, war von der Reichsjugendführung zu einer Gastspielreise nach Norwegen verpflichtet worden. Zunächst ging die Reise nach Berlin, wo der Bannmusikzug mit einem Teil eines Musikzuges von Hannover verschmolzen wurde. Am frühen Morgen des nächsten Tages ging es weiter nach Stralsund – Saßnitz und dann mit dem Fährdampfer bis Trelleborg. Nach einer 20stündigen Bahnfahrt kam man dann in Oslo an. Ein Mittagessen wurde eingenommen und weiter ging die Fahrt nach Drammen, eine Stadt von 14.000 Einwohnern. Recht interessant und vielseitig war dann die Weiterfahrt nach Bergen. Zwei Tage war man Gast. Nach Bergen war wieder Oslo das Ziel. In Anwesenheit des Jugendführers Axmann und des Norwegers Quisling fand hier eine große Kundgebung statt. Fünf Tage blieb man in Oslo. Es war ein Erlebnis für unseren Musikzug. Täglich wurde er eingesetzt. Bei allen hiesigen Veranstaltungen übernahm der M.Z. die musikalische Ausgestaltung. Recht unangenehm ging dann die Rückfahrt vonstatten, vornehmlich die Überfahrt über die von Eisschollen bedeckte Ostsee. Über Berlin kommend kehrten dann die jungen Delitzscher wieder heim.

3. März
Krieg
Deutsche Truppen sind in Bulgarien eingerückt.

6. März
Säuglingskursus
Vom Mütterdienst wird jetzt in Delitzsch ein Säuglingskursus abgehalten werden. Leiterin des Lehrgangs ist Frl. Lorenz von der Mütterschule. Der Lehrgang läuft in der Kantine des Reichsbahnausbesserungswerkes. Er umfaßt 10 Abende zu je 2 ½ Stunden. Keine junge Frau und kein junges Mädel sollte sich die Gelegenheit entgehen lassen, an dem Kursus teilzunehmen. Die Kosten für den Lehrgang betragen 2,55 RM.

17. März
Feierstunde für die Gefallenen
Gestern beging Delitzsch den Heldengedenktag in würdigen Feierstunden. Im Schützenhof, dessen großer Saal würdig ausgestaltet war, fand diese Morgenfeier statt. Die Angehörigen der 26 toten Helden dieses Krieges, die unsere Stadt dem Vaterland geopfert hat, hatten ihre Ehrenplätze eingenommen. Stimmungsvoll setzte die Musik ein. Feierlich erklangen die heldischen Weisen durch die Stille des Raumes. Und feierlich klang dann die Stimme des Kreisleiters auf. Mit erhobener Rechten stehend hörten die Anwesenden die Namen jener 26 Helden, die von uns gegangen sind. Es sind dies:

Feldwebel Walter Clasen                               Obergefreiter Heinz Haseloff
Soldat Georg Krause                                     Soldat Paul Kersten
Unteroffizier Kurt Krell                                  Soldat Erich Schneider
Unteroffizier Walter Sturm                            Soldat Gerhard Peters
Schütze Gerhard Herrmann                           Schütze Artur Walter
Soldat Martin Klingsporn                               Pionier Helmut Bieler
Gefreiter Heinz Bartholomäus                        Unteroffizier Ludwig Becker
Pionier Erich Krippner                                   Unteroffizier Otto Mordt
Soldat Johannes Müller                                 Flieger Rudolf Müller
Gefreiter Richard Sebastian                          Gefreiter Erich Wenzel
Polizeiwachtmeister Joachim Trebs                Unteroffizier Heinz Trepte
Schütze Paul Kühne                                     Mechanikergefreiter Max Ulrich
Panzerjäger Erich Mann                                Funker Kurt Neigenfind

Eine zweite Gedenkfeier fand 10 ½ Uhr auf dem Marktplatz und vor dem Kriegerdenkmal am Halleschen Turm statt.

26. März
Orgel der Stadtkirche
Auch Orgeln haben ihre Geschichte. Die Orgel der Peter-Pauls Kirche ist für eine Stadt wie Delitzsch ein beachtliches Werk. Sie ist 1929 bei der letzten Kirchenerneuerung mit allen modernen und technischen Einrichtungen versehen worden und hat 35 klingende Stimmen. Um das dem Laien verständlich zu machen sei gesagt, daß dazu etwa 3000 Holz- und Zinnpfeifen gehören, die in drei Stockwerken übereinander angeordnet sind. Die längste Pfeife ist etwa 3 Meter, die kleinste 3 Zentimeter lang. Der Gebläseantrieb, zu dem früher vier Arbeitskräfte benötigt wurden, ist heute natürlich elektrisch. Die heutige Orgel hat selbstverständlich verschiedene Vorgängerinnen gehabt. Die erste wird im Jahr 1333, also noch im alten Kirchenbau erwähnt. Zu der Zeit konnten sich nur sehr reiche Gemeinden eine Orgel leisten, deren komplizierter Organismus mit Wasserdampf angetrieben wurde. Der 1404 begonnene Kirchenneubau bekam seine erste Orgel 1414, die schon 1463 durch eine neue ersetzt werden mußte. Durch den berühmten Orgelbauer "Hans Beck in dem Haine" wurden 1520 zwei Orgeln für die Stadtkirche gebaut, die große stand an Stelle der heutigen, die kleinere - ein Geschenk des Herzogs Georg des Bärtigen - auf einer Empore an der Nordseite. Im Jahr 1560 baut der Sohn Anton Beck die beiden Orgeln um. Als 1592 die Herzogin Witwe Christiane das hiesige Schloß als Witwensitz bezieht, schenkt sie 200 Thaler zur Besserung der Orgel, und Meister Severin Holbeck baut sie um, so daß sie damals schon 28 Register mit 1679 Pfeifen hat. Bei der Übergabe fällt der Meister von den Bälgen und stirbt. Im Jahre 1734 ist Johann Sebastian Bach, Musiker aus Leipzig als Pate bei einem Kind des Delitzscher Kantors Nützer im Kirchenbuch eingetragen. Jedenfalls hat er bei der Taufhandlung auch die Orgel gespielt, wie er wahrscheinlich auch schon vorher als Schüler die hiesige Organistenstelle innehatte.

1. April
Schulrat König
Vor kurzem hat Studiendirektor Schulrat Karl König, der letzte Leiter des Delitzscher Seminars, seinen 75. Geburtstag begangen und nun kommt aus Halle die Nachricht, daß der in Delitzsch so beliebte und geschätzte Schulmann plötzlich gestorben ist. Er hat sich große Verdienste um die Lehrerbildung erworben, er hat sich allzeit für den jungen Nachwuchs der Lehrkräfte eingesetzt und ist seinen Schülern stets mehr Freund und aufrichtiger Berater als gebieterischer Vorgesetzter gewesen. Man schätzte seinen aufrichtigen Charakter, und für immer wird sein Name mit dem früheren Delitzscher Lehrerseminar verbunden bleiben.

7. April
Krieg
Die deutschen Truppen sind in Jugoslawien einmarschiert.

19. April
Ehrenberg
Wenn wir mit offenen Augen durch die Hallesche Straße gehen, dann fällt uns in einem Hause eine Ehrentafel auf, die angibt, daß dort am 19. April 1795 Christian Gottfried Ehrenberg geboren ist. Dieser große Sohn unserer Stadt hat durch seine Forschungen Weltruhm erlangt. Als er am 27. Juni 1876 nach einem langen, forschungsreichen und arbeitsreichen Leben in Berlin als Professor der Medizin starb, hinterließ er ungeheuer viele Forschungsergebnisse und zahlreiche wissenschaftliche Werke, die auch heute noch volle Anerkennung verdienen. Wir Delitzscher dürfen auf diesen Sohn unserer Stadt mit recht stolz sein, und wenn wir nun wieder einmal durch die Hallesche Straße spazieren, dann können wir ruhig einmal Obacht auf diese Gedenktafel geben, die zwar den eingesessenen Delitzschern wohl bekannt ist, von vielen anderen Einwohnern aber kaum beachtet wird. Im hiesigen Heimatmuseum ist ein großer Teil eines Zimmers unserm großen Landsmann gewidmet. Ein Nachkomme des großen Forschers Frau Dr. med. Charlotte Putzar-Ehrenberg hat dem Museum zahlreiche Werke und Bilder seiner Reisen gestiftet.

29. April
1. Mai 1941
Behördlicherseits wird bekannt gegeben:
Die am Nationalen Feiertag des deutschen Volkes (1. Mai) übliche allgemeine Beflaggung und Ausschmückung der Gebäude unterbleibt in diesem Jahre. Der 1. Mai ist als nationaler Feiertag des deutschen Volkes auch in diesem Jahr gesetzlicher Feiertag. Offizielle Feierlichkeiten werden am 1. Mai nicht veranstaltet. Dagegen können kameradschaftliche Betriebsfeiern in würdigem und der Zeit entsprechendem Rahmen durchgeführt werden.

6. Mai
Statistik der Stadt Delitzsch
Es soll hier einmal das gegenwärtige Delitzsch im Spiegel der Statistik betrachtet werden und zwar über Fläche, Bevölkerung, Männer- oder Frauen-Überfluß, Haushaltungen, soziale Stellung der Bevölkerung. Die Stadt Delitzsch hat eine Fläche von 14,60 Quadratkilometern aufzuweisen und über diese Fläche verteilt sich eine Bevölkerung von fast 18.000 Einwohnern. Dies bedeutet, daß auf einen Quadratkilometer unserer Stadt rund gerechnet 1235 Einwohner kommen. 5800 Haushaltungen in Delitzsch wurden am 1. Januar 1940 ermittelt und hier wohnen rund 8600 männliche und 9400 weibliche Personen zusammen. Demnach hat unsere Stadt einen Überfluß an Frauen aufzuweisen. Interessant ist in diesem Fall die Tatsache, daß in den meisten deutschen Gemeinden ein Männerüberschuß im Ansteigen begriffen ist. Die soziale Stellung der Delitzscher wird an Hand der Berufszählung nachgewiesen. Es gab: Selbständige 9,3, Arbeiter 67,1, Angestellte 14,00, Beamte 7,4, Mithelfende Familienangehörige 2,2 Prozent. Nach dem Reichsdurchschnitt gehören fast 53 Prozent der deutschen Bevölkerung ihrer sozialen Stellung nach zu den Arbeitern, während 17 Prozent zu den Selbständigen und 13 Prozent zu den Angestellten gehören. Der Beamte vereint nur 7 Prozent auf sich und der Rest von 10 Prozent entfällt auf die mithelfenden Familienangehörigen, bei denen der weibliche Anteil viermal so groß ist als bei den Männern.

10. Mai
Tod des Bildhauers Otto Richter
Plötzlich und unerwartet ist am 8. Mai in Löbnitz, wo er bei Verwandten zu Besuch weilte, der weit über Deutschlands Grenzen bekannte Bildhauer Otto Richter, Berlin, gestorben. Otto Richter war ein Sohn unserer Heimat. Vor 74 Jahren war Richter in Löbnitz geboren worden und hat später in Delitzsch die Elfenbeindrechslerei erlernt. Zahlreiche außerordentlich dekorative Arbeiten hat er an öffentlichen Gebäuden durchgeführt, so in Berlin, Dortmund, Hannover u.a. und eine große Anzahl von Statuen hat er während seines Lebens geschaffen. Besonders seine Mitarbeit am Reichstagsgebäude brachte ihn in nahe Beziehungen zu hervorragenden Baukünstlern. An der Berliner Technischen Hochschule war er eine fruchtbringende Lehrkraft, und in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen wurde Otto Richter vor einigen Jahren vom Führer zum Professor ernannt. In all den Jahren zog es ihn immer wieder in seinen Heimatort zurück. Nun ist er auch dort gestorben.

14. Mai
Die Turmuhr der Marienkirche
Lange Zeit standen die großen Zeiger der Turmuhr an der Krieger-Gedächtniskirche still. Nun schlägt sie wieder. Nun geht sie wieder richtig. Es ließe sich feststellen, wer diese Uhr gebaut hat; wie viele Jahre diese alte Turmuhr schon auf ihrem Rücken hat, aber das spielt bei dieser Betrachtung keine Rolle. Sie geht wieder! Mag sie nun Jahrzehnte alt sein, mag sie ummodert sein und vielleicht gar schon ein wenig "überholt", uns freut es, daß sie wieder in Ordnung ist, und ein ganz klein wenig sind wir auch dafür dankbar, denn nicht jeder und alle haben stets eine Uhr bei der Hand. Die Reparatur war nicht leicht, das zeigt schon die Zeit an, die sie dauerte, aber wir hoffen, die Arbeit hat sich gelohnt und überdauert weitere Jahre.

31. Mai
Haushaltsplan 1941
In diesen Tagen fand im Rathaus eine Ratsherrensitzung statt. Auf der Tagesordnung stand vor allem der Haushaltsplan 1941. Er war den Kriegsverhältnissen angepaßt. Durch die Kriegszeit war ein erheblicher Mehranfall an Arbeit und Planung notwendig geworden. Der Haushaltsplan wird in Einnahme und Ausgabe im ordentlichen Haushaltsplan mit 3.091.800 RM und im außerordentlichen Haushalt mit 543.200 RM abschließen. Das Hausgrundstück Schulstraße 25 ist von der Stadtverwaltung erworben worden. Die unzulänglichen räumlichen Verhältnisse der Mittelschule machen eine Erweiterung und Ver-größerung notwendig. Auch wird auf der Ludwig Jahnstraße ein neuer Kindergarten eingerichtet. Ein Haus dazu ist erworben worden. Die Umbaukosten tragen die Stadt, Böhme A.G. und die Firma Leichtmetallwerk Rackwitz.

4. Juni
Altpapiersammlung
Es beginnt eine große Aktion der Sammlung von Altpapier. Die Schulkinder holen das Altpapier in den Haushalten ab; es kommt zur Sammelstelle auf dem Schulhof im Schuppen, von wo aus es über den Altmaterialhandel der Industrie zugeführt wird.

10. Juni
Überschwemmung des Lobers
Die kürzlich niedergegangenen Regenmengen haben auch hier bei uns, wie in sehr vielen Ortschaften des Kreisgebiets zu erheblichen Überschwemmungen geführt. Es sind natürlich immer wieder dieselben Anlieger, die besonders stark von diesen Überschwemmungen getroffen werden. Viele Gartenbesitzer sahen sich um die Früchte ihrer Arbeit gebracht, denn kaum hatten sie ihren Garten wieder sauber und einigermaßen trocken, so stand das Wasser schon wieder in erheblicher Höhe. Auch Wege und Wiesen blieben nicht unverschont. Der Lober erweist sich doch immer wieder zu bestimmten Jahreszeiten als recht gefährlicher und unangenehmer Nachbar, der einem schon einige Sorgen bereiten kann. Es ist gewiß, daß man in günstigeren Zeiten einmal daran denken wird, ihn besser einzubetten, damit er nicht so leicht aus den Ufern treten kann.

22. Juni
Krieg auch mit Rußland
Am 22. Juni ist die deutsche Armee doch in Rußland einmarschiert und der Krieg mit Rußland hat begonnen. Der Führer gibt dazu Folgendes bekannt: Mit dem 22. Juni 1941 ist der Krieg Europas um seine Freiheit und sein Leben in ein neues Stadium getreten. Nachdem Sowjetrußland schon seit längerer Zeit – Hand in Hand mit England - ein verräterisches Doppelspiel getrieben und den zwischen Deutschland und Rußland im Juni 1939 zustande gekommenen Freundschaftspakt wiederholt gebrochen hatte, sind diese Zwistigkeiten jetzt zu einem Krieg geworden, in dem die ganze Kulturwelt Europas den tödlichen Gefahren des Bolschewismus im entschlossenen Abwehrkampf gegenübertritt. Der Führer selbst stellt fest, daß Moskau damit die Abmachungen unseres Freundschaftspaktes in erbärmlicher Weise verraten hat, so daß die Stunde gekommen ist, in der Deutschland diesem Komplott gegenüber treten muß. Er erklärte, er habe sich deshalb entschlossen, das "Schicksal und die Zukunft unseres Volkes wieder in die Hände unserer Soldaten zu legen". Im Verein mit finnischen Kameraden und zusammen mit rumänischen Soldaten vollziehe sich vom Eismeer bis zu den Gestaden des Schwarzen Meeres ein Aufmarsch gegen Sowjetrußland, der in Ausdehnung und Umfang der größte ist, den die Welt bisher gesehen hat. Der Führer schließt: "Möge uns der Herrgott gerade in diesem Kampfe helfen!"

3. Juli
Grünanlagen
Die Grünanlagen unserer Stadt werden dem Schutze aller empfohlen. Als die Einzäunungen der öffentlichen Parks und Anlagen entfernt wurden, zeigte sich die Allgemeinheit sehr verständnisvoll, und man darf mit wenigen Ausnahmen wohl sagen, daß es keinem Menschen mehr eingefallen ist, sich nun etwa auf den wohlgepflegten Wiesen und Anlagen auszutoben. Es war und ist ein Gebot des Anstandes, daß man die Anlagen nicht betritt. Genau so hat sich die Allgemeinheit zum Schutze der nunmehr zum allergrößten Teil freigelegten Vorgärten gemacht. Man muß bedenken, daß die Entfernung der Gitter ja auch aus kriegswirtschaftlichem Interesse erfolgte, und daß somit die Gartenbesitzer ihr Eigentum der Allgemeinheit anvertrauten – Also Rücksichtnahme üben!

16. Juli
Unsere Badeanstalten
In diesen Tagen des Hochsommers herrscht in unsern beiden Badegelegenheiten, im Elberitzbad wie im Werkstättenteich, Hochbetrieb. Wir haben natürlich keinen Grund, unsere Sommerbäder mit den großen modernen Schwimmsportanlagen zu vergleichen, die wir in einigen Großstädten finden, mit denen auch Halle und Leipzig aufwarten können, aber wir sind trotzdem viel besser daran als viele andere Städte mit gleicher Einwohnerzahl, die gar kein Bad besitzen. Wenn der Krieg zu Ende sein wird, dann wird gewiß unsere Stadtverwaltung auch in dieser Beziehung etwas tun, sie wird dann dem Elberitzbad und vielleicht auch den Anlagen am "Teich" eine größere Sorgfalt widmen können. Aus dem Elberitzbad ist bestimmt etwas zu machen, aber dazu gehören Geld, Arbeitskräfte und Material.

23. Juli
Tierkörperbeseitigungsanstalt
Im Kreise Delitzsch wird jetzt eine neuzeitliche Tierkörperbeseitigungsanstalt in der Gemarkung Oberglaucha in der Nähe von Düben errichtet. Das Einzugsgebiet umfaßt den Kreis Delitzsch, den Kreis Bitterfeld sowie den südlich der Elbe liegenden Teil des Kreises Wittenberg. Die Anstalt liegt an der Provinzialstraße Wellaune – Eilenburg zwischen Niederglaucha und Hohenprießnitz. Die Vorarbeiten haben bereits begonnen. Die Gesamtkosten sollen 235.000 M betragen, die gesamte Bauleitung hat das Kreisbauamt Delitzsch übernommen.

1. August
50 Jahre "Schwan"
Am heutigen 1. August ist das Hotel "Zum Schwan" fünf Jahrzehnte im Besitz der Familie Petzschner, die vorher bereits in Leipzig eine Gastwirtschaft hatte. Fünf Jahrzehnte sind auch gerade für das Gastwirts- und Beherbergungsgewerbe eine lange Zeitspanne, und die Entwicklung des Fremdenverkehrs in dieser Zeit machte sich außerordentlich günstig bemerkbar. Das Hotel "Zum Schwan" ist unter der Leitung der Familie Petzschner mit der Zeit gegangen, und die zahlreichen baulichen und technischen Veränderungen des Hauses sind dafür ein schöner Beweis.

13. August
Am Werkstättenteich
Unsere Marine H.J. tut Dienst am Werkstättenteich. Der Werkstättenteich in Delitzsch wird immer mehr eine gute Übungsstätte. Hier findet die Vorbereitung für den Dienst in der deutschen Kriegsmarine statt. Die Marine S-A hat hier ihr Heim erbaut, das der Marine H-J mit zur Verfügung steht. Dem Heim gegenüber, auf dem anderen Ufer des großen Teiches hat die Marine H.J. einen Signalmast errichtet, so daß hier unter völlig einwandfreier Bedingung geübt werden kann. Bei Sonnenschein oder Regen, bei Wind oder Sturm geht es hinaus zum Dienst. Die Ausbildung der Marine H.J. dauert vier Jahre.

20. August
Einbruch
Ein verwegener Einbruchdiebstahl wurde in der Nacht zum Mittwoch im Hotel "Zur Linde", Eilenburger Straße, verübt. Durch Nachschlüssel gelangten die Diebe in die Wirtschaftsräume des Hotels, erbrachen mit dort vorgefundenem Werkzeug eine eiserne Kasette, die etwa 1000,- M Bargeld enthielt. Eine Schreibtischschublade erbrachen sie ebenfalls und ließen das dort vorgefundene Kleingeld mitgehen. Ein ähnlicher Diebstahl ist in der Nacht auf Montag in der Eisenbahnstraße bei Worg versucht worden. Die Täter sind zwischen 21 und 23 Uhr durch ein offenes Fenster in die Wohnung eingedrungen, haben aber keine Beute machen können.

24. August
Krankenwagen
Die Bereitschaft Delitzsch I vom Roten Kreuz hat einen weiteren neuen Krankenwagen bekommen. So ist es möglich, daß ein Wagen für Kranke mit ansteckenden Krankheiten bereitgestellt wird. Bisher haben sich häufig Unzulänglichkeiten ergeben, wenn einmal Transporte zeitlich zusammenfielen oder ein Wagen sich in Reparatur befand.

9. September
Thierbach
Es wird bestimmt noch einige alte Delitzscher geben, die sich an den im Jahre 1873 in Delitzsch verstorbenen Kantor und Komponisten Albin Thierbach erinnern, der in Delitzsch lange Jahre gelebt hat. Eine Tochter dieses Albin Thierbach, die als Erzieherin im In- und Ausland tätig gewesen ist, und auch ihrer Vaterstadt häufig im Laufe der Jahre Besuche abgestattet hat, konnte jetzt in Halle ihren 95. Geburtstag in körperlicher und geistiger Rüstigkeit begehen.

10. September
Rosengarten
Der Rosengarten ist auch jetzt noch wunderschön. Wer jetzt einmal einen Spaziergang zum Rosengarten macht, der wird entzückt und begeistert sein von dem wunderschönen Anblick, den die noch blühenden Rosen bieten. Herrlich ist das Fluidum, das dem Besucher entgegenströmt, und scheint auch schon der Herbst und Winter langsam den Sieg über den Sommer davonzutragen, so können wir auch jetzt noch sommerliche Schönheit genießen.

20. September
Weißes "U"
Auch bei uns in Delitzsch ist man dazu übergegangen, an den Straßen die Hydranten besonders deutlich zu kennzeichnen. Auf verschiedenen Straßen hat man auf die Bürgersteige ein weißes "U" gemalt, so daß auch nachts, wenn einmal Feuer irgendwo ausgebrochen sein sollte, der Hydrant leicht gefunden werden kann. Auch die Bordkanten an den Straßenkreuzungen erhalten zur besseren Orientierung des Nachts weiße Anstriche.

25. September
Neuer Kindergarten
Der Bau des neuen Kindergartens in Delitzsch geht rüstig weiter. Er wird 43 m lang und 14 m breit und wird sonach in der Lage sein, eine stattliche Anzahl Kinder aufzunehmen. Mehrere Arbeitsräume, Spielräume, Waschräume werden im Erdgeschoß untergebracht. Das Obergeschoß ist für die Kindergärtnerinnen.

2. Oktober
125 Jahre Kreis Delitzsch
Am 4. September des Jahres 1816, also vor 125 Jahren erließ die Regierung zu Merseburg eine Verordnung, die sich mit der Neuordnung und dem Aufbau des Regierungsbezirkes Merseburg und der Kreise befaßte. Der Regierungsbezirk Merseburg wurde in zwei Stadt- und 15 Landkreise eingeteilt. Der Kreis Delitzsch besaß schon damals als Kreisstadt die Stadt Delitzsch. Die Hauptbestandteile des Kreises waren die Ämter Delitzsch und Eilenburg vom ehemaligen Leipziger Kreis. Jedoch wurden einige Teile abgetreten. Sie kamen an den Saalkreis und den Bitterfelder Kreis. Zu dem Kreis Delitzsch kamen aber auch Ortschaften vom Saalkreis, vom Amt Bitterfeld, vom Amt Schkeuditz, vom Amt Pröttitz, vom Stift Wurzen, vom Amt Torgau. Als provisorische Kreisbehörde wurde für den Delitzscher Kreis der Amtshauptmann von Pfannenberg eingesetzt.

8. Oktober
Ratssitzung
Die Ratsherren unserer Stadt tagten wiedereinmal. Die Stauanlage an der Elberitzmühle wurde erörtert. Das Staurecht besaß bisher der Eigentümer der Elberitzmühle. Da aber die Elberitzmühle schon seit 20 Jahren nicht mehr in Betrieb ist, soll das Staurecht auf die Stadt übergehen, da Döbernitz schon mehrfach Klage über zu hohe Stauungen des Wasserspiegels des Lobers führt. Anschließend wurden dann eine Reihe von Verkäufen von Bauland erörtert. Der sogenannte Freiberger Garten an der Gertitzer Straße, dem Hospital gehörig, wurde an die Zuckerfabrik verkauft. Architekt Paul Koch erhielt Bauland an der Ludwig Jahn Straße, die Gasanstalt an der General Märckerstraße, Maurermeister Kurt Zschernitz an der Albert Böhmestraße.

17. Oktober
Willy Straube
Am heutigen Tag, dem 17. Oktober wird Musikdirektor Willy Straube in Delitzsch 80 Jahre alt. Musikdirektor Willy Straube ist einer von Musikern unserer Zeit, bei dem mit Erreichung des Alters die Leistungen dieses Musikers und Komponisten nicht nachgelassen haben. Der tiefe Ernst, der in der Kunst Straubes uns begegnet, lag wohl schon im Wesen Straubes, als er noch am Anfang seiner Laufbahn stand. An diesem Anfang stand auch die Verbindung mit Delitzsch, denn am hiesigen Lehrerseminar erhielt er seine Ausbildung als Erzieher. Es folgten dann Jahre segensreichen Wirkens an den beiden großen Kirchen der Lutherstadt Wittenberg, an der Stadt- und an der Schloßkirche. Über drei Jahrzehnte hat er dort segensreiche Arbeit geleistet, und sein Ruf griff schon bald über die Grenzen dieser Stadt hinaus in alle deutschen Gaue. In seiner Gemahlin fand Straube eine verständige Begleiterin auf seinem Lebensweg; sie selbst fand als Sängerin einen guten Ruf. Nach ihrem Tode verlebt er die Jahre seines Ruhestands bei seiner hiesigen Tochter, Frau Käthe Schimpf – Straube, ruht aber hier nicht, sondern betätigt sich weiter bei kirchlichen aber auch öffentlichen Veranstaltungen. In Arbeit befindet sich noch die Neuerscheinung seiner Klavierspiele.

22. Oktober
Volksbücherei
Den Schülerbüchereien des Kreises ist in den letzten Jahren seitens der Schulbehörde besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden. Daneben sind fast an allen Orten des Kreises Volksbüchereien gegründet worden. Diese legen mit ihren etwa 6000 Bänden ein beredtes Zeugnis für die Lesefreudigkeit und den kulturellen Aufbauwillen in unserer Volksgemeinschaft ab.

25. Oktober
Reformationsfest
Mit Rücksicht auf die besonderen Erfordernisse der Kriegswirtschaft werden das Reformationsfest (31. Oktober) auf den nachfolgenden und der Bußtag (19. November) auf den vorhergehenden Sonntag verlegt. Die entsprechenden kirchlichen Feierlichkeiten finden an diesen Sonntagen statt.

31. Oktober
Kriegsspartag
Gestern war der dritte Kriegsspartag. Er erfuhr wiederum eine Steigerung des ersten und zweiten Spartages. Lassen wir die Zahlen selbst sprechen: Es erfolgten gestern 8983 Einzahlungen durch die 556.860 RM gespart wurden. Damit liegt der einzelne Sparbetrag im Durchschnitt bei 62 RM. 1289 neue Sparkassenbücher wurden eingerichtet, und damit haben 1289 Volksgenossen neu den Weg zur Sparkasse gefunden. Wahrlich ein schöner Erfolg unserer Kreissparkasse!

6. November
Reulicke
Unser Heimatdichter Rektor a.D. Reulicke ist gestorben. Einsam und verlassen hat er seine letzten Lebensjahre zugebracht. Nur seine engsten Freunde besuchten ihn und doch war er bis in sein hohes Alter dichterisch tätig. Durch seine schriftstellerischen Arbeiten hat er sich nicht nur in Delitzsch, sondern in der weiteren Umgegend als Heimatdichter einen guten Namen erworben. Die "Schwedensignale" und die "Chronik der Stadt Delitzsch" sind nur ein kleiner Teil seiner zahlreichen Arbeiten, die vor allem von den bodenständigen Volksgenossen gerne gelesen wurden.

11. November
Ein Delitzscher
Das bekannte und uns allen durch seine flammende Begeisterung bekannte Rheinlied "Strömt herbei ihr Völkerscharen" ist von dem Sohn des früher in Delitzsch tätig gewesenen Steuereinnehmers Jacob Adolf Gottlieb Inkermann gedichtet worden. Der Dichter Otto Julius Inkermann hat sich den Dichternamen O. Sternau zugelegt. Seine dichterische Tätigkeit ist damals in weiten Kreisen bekannt geworden. Er wurde am 23. Januar 1823 in Delitzsch geboren. Zu Delitzsch ist er allerdings in späteren Jahren nicht mehr in Beziehung getreten. Immerhin können wir ihn zu den Unsrigen zählen.

3. Dezember
Bauvertrag
Der Haus- und Grundbesitzerverein für Delitzsch u. Umg. hielt im "Schwan" eine Mit- gliederversammlung ab. Aus den Verhandlungen sei einiges erwähnt. Da die Ausführung größerer Reparaturen an Gebäuden wegen Einberufung vieler Handwerker und Bauarbeiter z.Z. nicht möglich ist, empfahl der Vortragende Lehrer Neumann, den Abschluß von Bausparverträgen bei der Kreissparkasse oder der Volksbank. Beträge, die während des Krieges zur Ausführung von Reparaturen nicht verwendet werden können, lassen sich zur Einzahlung auf Bauvertrag verwenden, werden mit 3 v.H. verzinst und die eingezahlten Beträge können bis zu einer bestimmten Höhe bei Berechnung des Einkommens aus Vermietung gekürzt werden, so daß für die Einzahler eine Steuerermäßigung möglich ist.

5. Dezember
Schweinemästerei
Die Schweinemästerei in Beerendorf besteht weiter mit gutem Erfolg. Die Küchenabfälle der Hausfrauen werden regelmäßig mit Pferdewagen abgeholt. Die Mast geschieht zum großen Teil von diesen Abfällen, die sonst früher in die Müllgrube wanderten. Für das nicht verwendete Futter sind Silos vorhanden, die den überschüssigen Futtervorrat sammeln. Er wird darin konserviert, und dann später verwendet. Die kleine Mühe der Hausfrauen hat sich sehr gelohnt. Sie werden selbst davon befriedigt werden, wenn sie hören, daß das monatliche Futteraufkommen des November dem Ernährungshilfswerk erneut 1087 kg Schweinefleisch und Speck zuführte.

15. Dezember
Bei Fliegeralarm
In Delitzsch waren während eines Fliegeralarms in einer Gastwirtschaft Gäste angetroffen worden. Die Gastwirtin hatte deshalb eine Strafverfügung von 20,- RM erhalten. Da sie Einspruch erhob und gerichtliche Entscheidung verlangte, stand die Sache jetzt vor dem Amtsgericht in Delitzsch an. Es blieb bei der festgesetzten Strafe, denn während des Fliegeralarms haben die Gäste den Luftschutzkeller aufzusuchen.

27. Dezember
Sammlung von Wintersachen
Von unseren Soldaten an der Ostfront erfahren wir, daß sie schon jetzt Temperaturen bis zu 30 Grad Kälte und mehr hätten. Dabei pflegt der russische Winter seine Höhepunkte erst im Januar und Februar zu erreichen. Wie grausam dieser Winter sein kann – davon vermögen sich höchstens die Weltkriegsteilnehmer eine ungefähre Vorstellung zu machen. Unseren Soldaten wollen wir helfen, um jeden Preis und sammeln Wintersachen. Wir denken an die Umarbeitung von Schals in Kopfschützer, an die Herstellung von Ohrenschützern, die ja besonders wichtig sind, aus Stricksachen, Garnreste, alte Pullover u.s.w. Sammelstellen befinden sich in allen Geschäftsstellen der Ortsgruppen. Parallel mit dieser Sammlung wird eine Sammlung von Skier und Skistiefeln durchgeführt. Die Spender von Skistiefel erhalten für jedes Paar abgegebener Skistiefel einen Bezugsschein auf Straßenschuhe eventl. auch eine angemessene Vergütung.