Handschriftliche Chronik von 1816-1952

1944

1. Januar
Hotel "Zur grünen Linde"
Am heutigen Neujahrstage sind 25 Jahre verflossen, seit Hotelbesitzer Kurt Mertzsch Inhaber des Hotels "Zur grünen Linde" ist. Er hat die angesehene Gaststätte, die auch außerhalb der Stadt Delitzsch ihre Freunde und Gönner hat, am 1. Januar 1919 von seinem Vater übernommen, der sie in den achtziger Jahren käuflich erworben hatte.

9. Januar
Fritz Lohse
Der bisher am Landratsamt Delitzsch tätig gewesene Kreisoberinspektor Fritz Lohse wurde vom Regierungspräsidenten als kommissarischer Bürgermeister nach Belgern (Kreis Torgau) berufen, welchen Posten er bereits am 1. Dezember 1943 angetreten hat. Oberinspektor Lohse trat 1911 als Zivildienstanwärter in die hiesige Verwaltung ein. 1914-1919 nahm er am ersten Weltkrieg teil. Am 1. April 1921 wurde er zum Kreisausschuß Sekretär und 1922 zum Obersekretär ernannt. Am 1. April 1928 übernahm er die Leitung des Kreissteueramtes. Nach seiner Ernennung zum Kreisinspektor 1934 wurde ihm 1935 die Leitung der Hauptverwaltung übertragen. 1939 erfolgte seine Beförderung zum Kreisoberinspektor. In der SA hatte Oberinspektor Lohse den Rang eines Obertruppenführers und versah außerdem als Adjutant des Standortführers die Geschäfte des hiesigen Sturmbannes.

10. Januar
Die Sirenenzeichen
Im Alarmwesen bei Fliegerangriffen tritt künftig eine Neuregelung insofern ein, als zu den bisherigen Sirenenzeichen das einer Vorentwarnung tritt. Es gibt nunmehr folgende Signale:

Die Sirene warnt durch das Signal "Öffentliche Luftwarnung" (dreimal hoher Dauerton in einer Minute)
Die Sirene alarmiert durch das Signal "Fliegeralarm" (eine Minute lang auf- und abschwellender Heulton)
Die Sirene gibt "Vorentwarnung" Das Signal ist das gleiche wie "Öffentliche Luftwarnung" (dreimal hoher Dauerton in einer Minute)
Die Sirene entwarnt durch das Signal "Entwarnung" (eine Minute hoher Dauerton). Das Signal wird gegeben, wenn alle Feindflugzeuge abgeflogen sind.

Die Beachtung dieser Meldungen ist nicht nur im eigenen auch im öffentlichen Interesse notwendig.

15. Januar
Archive des Kreises
Die Archivberatungsstelle der Provinz Sachsen in Magdeburg besteht jetzt das fünfte Jahr. Die Leitung dieser Beratungsstelle hat Frl. Dr. Lotte Knabe. Dieser Stelle sind auch die in unserm Kreis befindlichen Archive unterstellt, es sind dies:

1. Das im Landratsamt Delitzsch in einem besonderen Raum aufbewahrte Kreisarchiv,
2. das Ortsarchiv der Stadt Delitzsch einschließlich die Lehmannsche Chronik der Stadt Delitzsch,
3. die Dorfarchive des Kreises.

Fast jedes Dorf hat sein eigenes Archiv. Zum Archivpfleger des Kreises Delitzsch ist auf Vorschlag des Landratsamtes von der Archivberatungsstelle der Provinz Sachsen Lehrer a. D. Karl Ziebe in Delitzsch. Er versieht dieses Amt bereits das fünfte Jahr. Die besondere Leitung des Kreisarchivs hat Mittelschullehrer Horn, die des Stadtarchivs Stadtoberinspektor Költzsch. Zur Sicherung der Archive vor Vernichtung durch Fliegerangriffe wurden Vorsichtsmaßregeln getroffen. So wurde der wertvollste Teil des Stadtarchivs im Keller des hiesigen Schlosses untergebracht. Es war geplant, das Kreisarchiv in den Keller des Gutshauses von Schenkenberg oder Döbernitz aufzubewahren. Da diese Kellerräume aber zu feucht waren, wurde von der Verlegung des Kreisarchivs dorthin Abstand genommen. Dagegen wurde auf Vorschlag des Kreisarchivpflegers und im Einverständnis mit dem Landratsamt und Provinzialberatungsstelle in Magdeburg das Kreisarchivs aufgelöst und den betr. Dorfarchiven, aus dem die einzelnen Stücke stammen, wieder zurückgegeben.

16. Januar
Luftschutzräume
Die privaten Luftschutzräume der Stadt Delitzsch sollen jetzt, wie eine Bekanntmachung besagt, äußerlich genau gekennzeichnet werden. Mit der Durchführung der Kennzeichnung wurden die Delitzscher Malermeister beauftragt.
18. Januar
Gasmaske
Alltäglich finden in Delitzsch Übungen unter der Volksgasmaske statt, weil viele sich erst an das Tragen der Maske gewöhnen müssen und sonst nicht in der Lage sind, in der Erregung des Luftangriffs, sich an der Brandbekämpfung wirksam zu beteiligen.
20. Januar
Postleitzahl
Die Reichspost hat zur richtigen Beförderung von Postsendungen die Postleitzahl eingeführt, deren Angabe auf allen Inland-Sendungen nahegelegt wird. Die Postleitzahl soll in der Anschrift in einer kreisförmigen Umrandung, etwa in der Größe eines Fünfzig-Pfennig-Stückes links neben den Bestimmungsort gesetzt werden. Auch sollte der Absender seine Postleitzahl vor seinen Absenderort angeben. Delitzsch hat fortan die Postleitzahl 10, die das Gebiet des Gaues Halle-Merseburg, des Gaues Sachsens und des thüringischen Kreises Altenburg umfaßt.

                  10      Delitzsch
                           Markt 1


31. Januar
11 Jahre NSDAP
Unter überaus großer Beteiligung der Parteien und Volksgenossen der Stadt Delitzsch fand am gestrigen 30. Januar, dem Tage der elften Wiederkehr der Machtergreifung, eine würdige Feierstunde der Delitzsch Ortsgruppen der NSDAP statt. Bis auf den letzten Platz war der mit den Fahnen Großdeutschlands festlich geschmückte Saal des "Schützenhofes" besetzt. Mit dem feierlichen Fahnenmarsch wurde die von Musikvorträgen des Bannmusikzuges umrahmte Gedenkstunde eingeleitet. Die Ansprache zum 30. Januar hielt Kreisamtsleiter Schulrat Ahrens. Der Vortragende stellte zunächst heraus, daß auch dieser 30. Januar eine Schicksalsstunde für uns bedeute. Am Schlusse seiner Ausführungen sagte Redner: "Am Ende unseres Kampfes werden wir die Früchte unseres Glaubens und Sterbens ernten, dafür ist uns Garant unser geliebter Führer Adolf Hitler!" Es sprach dann noch Obergefolgschaftsführer Kohlenbach. Seine Worte waren an die Jugend gerichtet. Er schloß "Die Jugend Adolf Hitlers stehe bereit zum kompromißlosen Kampf, sie stehe bereit, das Erbe unserer alten Garde in die Hände zu nehmen und die Fahne weiterzutragen in ein neues schönes Morgenrot des deutschen Volkes." Ein Umzug durch die Straßen der Stadt bildete den Schluß.

9. Februar
Frau Gärtner 93 Jahr alt
Zu den ältesten Einwohnern weit und breit gehört Frau Marie Gärtner, Delitzsch, Adolf Hitler-Ring 12/13. Am heutigen 9. Februar kann diese greise Mitbürgerin ihr 93. Lebensjahr vollenden. Trotz ihres ungewöhnlich hohen Alters erfreut sie sich noch verhältnismäßig guter Rüstigkeit. Schon über 30 Jahre wohnt Frau Gärtner in Delitzsch.

10. Februar
Ernst Müller Grünstraße 50 Jahre Schneidermeister
Am 5. Februar konnte Schneidermeister Friedrich Ernst Müller hier, Grünstraße 44, auf fünf Jahrzehnte selbstständiger Arbeit im Schneiderhandwerk zurückblicken. Der Jubilar hat in diesen vergangenen wechselhaften Jahrzehnten in unermüdlicher Treue seinen Beruf ausgeübt und denkt auch trotz seiner 76 Jahre keineswegs daran, in dieser alle Kräfte anspannenden Zeit Nadel und Schere freiwillig aus der Hand zu legen. Als im Jahr 1935 die Grünstädter wieder einmal ihr traditionelles, früher alljährlich gefeiertes Volksfest begehen wollten, hatte Schneidermeister Ernst Müller die Leitung des Festes in den Händen und hat das Volksfest, das anläßlich des Delitzscher Heimatfestes mit Einweihung der neuentdeckten Stahlquelle durchgeführt wurde, in vorbildlicher Weise vorbereitet und geleitet.

12. Februar
Vor 100 Jahren
Vor hundert Jahren war die Stadt Delitzsch nur etwa ein Viertel so groß wie heute. Die Einwohnerzahl betrug damals nach der "neuesten Klassensteuerliste welche für das Jahr 1845 aufgenommen worden" war (einschließlich der Gemeinde Grünstraße) 4878.

13. Februar
Das Rathaus in Delitzsch
Die Stadt Delitzsch hatte schon im Jahre 1376 ein Rathaus und zwar befand es sich in dem sogenannten Heringsgäßchen. Dieser alte Bau bietet sich heute im Barockstil dar und ist längst in Privatbesitz übergegangen. In dem Zeitraum zwischen 1407 und 1499 ist dann ein neues Rathaus auf der Südseite des Marktplatzes entstanden, wovon der dazugehörige Turm 1797 aus irgendwelchen Gründen entfernt und auch nicht wieder hinzugefügt wurde. Im Jahre 1849 erhielt der bis dahin einstöckige Bau ein weiteres, zweites Stockwerk aufgesetzt, in dem dann das Kreisgericht unterkam. Der Ratskeller ist schon im Jahre 1871 geschlossen worden.

28. Februar
10 Jahre "Mutter u. Kind"
Vor zehn Jahren am 28. Februar 1934 wurde hier das Hilfswerk "Mutter und Kind" ins Leben gerufen. Damit setzte ein soziales Aufbauwerk ein, das der Gesundheit, der körperlichen und seelischen Spannkraft unserer Mütter und Kinder unmittelbar dient. In zahlreichen Einzelmaßnahmen, wie solchen der Mütter- und Jugenderholungspflege, der Schaffung eines ausgedehnten Netzes von Kindertagesstätten, der Einrichtung von Hilfs- und Beratungsstellen, Gemeindeschwesterstationen, Jugendheimstätten, Säuglingsheimen, Bahnhofsdiensten ist ein wichtiger Beitrag für die Gesundheitsförderung unseres Volkes geleistet worden.

15. März
Heldengedenktag
Am gestrigen Tage, dem Heldengedenktage, fand in Delitzsch eine würdige Heldengedenkfeier statt. Um 8 Uhr wurde auf allen Dienstgebäuden der Wehrmacht die Reichskriegsflagge gehißt. Um 8.30 Uhr zog ein Ehrenposten am Kriegerdenkmal am Halleschin Turm auf, wohin um 9 Uhr ein Ehrenzug der Wehrmacht marschierte, um Kränze niederzulegen. Dann fand im "Schützenhof" um 10 Uhr eine Gedenkfeier mit den Kriegshinterbliebenen des Weltkrieges 1914/18 und des jetzigen Krieges statt. Der Schützenhofsaal war zu diesem Zwecke würdig dekoriert. Die Gedächtnisrede hielt Oberstleutnant Löser.

27. März
Verpflichtung der Zehnjährigen
Unter den drei Feiertagen der Jugend, die die nationalsozialistische Bewegung geschaffen hat, - Aufnahme der Zehnjährigen in Jungvolk und Jungmädelbund, Verpflichtung der Vierzehnjährigen bei Übernahme in die Hitlerjugend und Übernahme der Achtzehnjährigen in die Partei und die Erwachsenenformationen - kommt der Verpflichtung der Jugend eine besondere Bedeutung zu, denn sie erfolgt am entscheidenden Lebensabschnitt der Schulentlassung und des Berufseintritts. Der größte Teil der Vierzehnjährigen tritt nun hinaus ins werktätige Leben, steht also an einem wichtigen Wendepunkt, der die eigentliche Kindheit abschließt. Zu einer würdigen Feierstunde gestaltete sich die Verpflichtung am gestrigen Sonntag in Delitzsch. Alle Jungen und Mädel von Delitzsch, die seit vier Jahren in der Gemeinschaft des deutschen Jungvolkes und des deutschen Jungmädelbundes in nationalsozialistischer Erziehung gestanden haben, wurden gestern in einer würdigen Feierstunde in die Hitlerjugend bezw. in den Bund deutscher Mädel überwiesen. Ansprachen hielten an die Schulentlassenen Schulleiter Rektor Schiedt, als Vertreter des Hoheitsträgers Kreisamtsleiter Mönnig und für die Hitlerjugend Obergefolgschaftsführer Kohlenbach. Den Höhepunkt der Feierstunde bildete dann die gemeinsam gesprochene Verpflichtungsformel.

1. April
50 Jahre Böhme A.G.
Am 1. April 1944 kann die Böhme–Aktiengesellschaft in Delitzsch auf ihr fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. Ihr Gründer, Albert Böhme, steht noch heute als Betriebsführer an der Spitze des Unternehmens, das er aus kleinen Anfängen zu einem der bedeutendsten Werke der deutschen Kakao- und Schokoladenindustrie entwickelte.Alfred Böhme ist Delitzscher Kind und hat seine Heimatliebe dadurch bewiesen, daß er hier den Grundstein zu einer Stätte der Arbeit legte, deren Wachstum zugleich ein Stück städtebaulicher und wirtschaftsgeschichtlicher Entwicklung bedeutet. Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der Kakao- und Schokoladenwerke Böhme-Aktiengesellschaft Delitzsch fand in den Betriebsräumen der Firma eine Jubiläumsfeier statt, wozu die Spitzen der Partei, Behörden und Wirtschaft sowie Freunde des Hauses und der Familie Böhme erschienen waren. Kreisleiter Krüger überbrachte die Glückwünsche des Gauleiters und der Kreisleitung der NSDAP und beglückwünschte besonders Generaldirektor Albert Böhme. Ferner überbrachten Glückwünsche Landrat Meister namens des Kreises, Bürgermeister Dr. Frey und Stadtrat Scharf namens der Stadtverwaltung sowie Vertreter der Gauwirtschaftskammer und der Fach- und Wirtschaftsgruppen. Die Gratulanten würdigten das Werk und Schaffen Albert Böhmes und die Bedeutung der Firma im Rahmen unserer heimischen und der deutschen Wirtschaft.

2. April
Walter Lobenstein
Mit dem 31. März 1944 scheidet der hiesige Lehrer Walter Lobenstein von der Knabenvolksschule wegen Erreichung der Altersgrenze aus dem aktiven Schuldienst aus. Der Jubilar ist Schüler des hiesigen Lehrerseminars von 1892-1898, war einige Jahr außerhalb Delitzsch als Lehrer tätig und ( hat d.A.) dann vom 1.10.1902 bis zum 31. März 1944 an beiden Delitzscher Volksschulen unterrichtet.

10. April
Stadtwacht
Zur Verstärkung der Polizei ist für besondere Zwecke ein ehrenamtlicher Hilfsdienst "die Stadtwacht" geschaffen worden. Es sind dies ältere militärisch ausgebildete Männer. Sie tragen eine weiße Binde mit der Aufschrift "Stadtwacht". Sie sollen die Polizei in ihrer mannigfachen Aufgabe jetzt im Kriege unterstützen, daß sie bei Ausübung dieses Dienstes Waffen tragen ist ebenso selbstverständlich, wie ihnen während dieser Zeit polizeiliche Befugnisse zustehen.

20. April
Führers Geburtstag 1944
Gestern, am Vorabend des Geburtstages des Führers, fand in Delitzsch die Aufnahme der jungen Anwärter für die H.J. statt. In den Nachmittagsstunden traten die H.J.-Einheiten vor dem "Schützenhof" an., in dessen großen Saal dann die Aufnahmefeier vor sich ging. Außer den Vertretern der Partei waren zu der Feierstunde auch – soweit es die Kriegseinsatzpflichten zuließen - die Eltern namentlich die Mütter der aufzunehmenden Jungen und Mädel erschienen.

21. April
wie oben
Am gestrigen Tage wurde der Geburtstag des Führers Adolf Hitler in einer würdigen, dem Ernst der Zeit entsprechenden Form begangen. In allen Straßen und Gassen, von allen Häusern grüßten die Fahnen des dritten Reiches, und war der Tag auch ein Arbeitstag wie jeder andere, so lag doch über allem Weihe und Feierstimmung, die ihren besonderen Ausdruck fand in einer Feierstunde, die die Partei und Volksgenossen in so großer Zahl im "Schützenhof" zusammenführte, daß die Sitzplätze des großen Saales nicht ausreichten, um die Erschienenen alle zu fassen. Nachdem Kreisleiter Krüger die Vereidigung einer großen Zahl von Männern und Frauen vorgenommen hatte, die unter die Mitarbeiter und Amtsträger der Partei und der zugehörigen Organisationen getreten sind, hielt er die Gedenkrede zum Geburtstag des Führers. Er zeichnete ein packendes Lebensbild des Führers von den Anfängen der NSDAP bis zur Machtübernahme. Mit dem Lied der Deutschen und dem Hort-Wessel-Lied schloß die Feier.

2. Mai
Wehrschießen
Unter der Leitung der SA fand am letzten Sonnabend und Sonntag den 29. und 30. April auf den Ständen des Schützenhofes ein "Wehrschießen" statt, zu dessen Teilnahme die SA vor einiger Zeit alle deutschen Männer von Delitzsch aufgerufen hatte. Dem Rufe waren etwa 1000 Teilnehmer gefolgt. Geschlossen rückten die Formationen der Politischen Leiter, der Technischen Nothilfe, der Feuerwehr, der Betriebssportgemeinschaften, der Kriegerbundschaften, NSKOV, Schützengilde, Schießsportvereine, Volksgenossen aus den Betrieben, von Handwerk und Industrie, mit Wehrmacht und den Gliederungen, der Partei, vom 82 jährigen Schützen bis zum 14 jährigen Hitlerjungen an, um ihr Auge, die Sicherheit der Hand am Abzugsbügel zu prüfen. Die Delitzscher haben bewiesen, daß sie noch schießen können.

4. Mai
Erich Seidel
Rektor Erich Seidel, der seit Kriegsbeginn als Hauptmann im Dienste der Wehrmacht stand, hat, nachdem er krankheitshalber aus dem Wehrdienst ausscheiden mußte, am 2. Mai seine Schultätigkeit wieder aufgenommen und hat nun wieder die Leitung der Knabenvolksschule inne.

5. Mai
Herbert Hampe
Aus dem Führerhauptquartier kommt die amtliche Meldung, daß der aus Delitzsch stammende Oberfeldwebel in einem Kampfgeschwader Herbert Hampe für hervorragende Bewährung vor dem Feinde mit dem Ritterkreuz des Eisenern Kreuzes ausgezeichnet wurde. Vorher ist ihm auch für hervorragende Dienste das Deutsche Kreuz in Gold verliehen worden. Herbert Hampe ist der Sohn des kaufmännischen Angestellten und bekannten langjährigen Stadtverordneten Friedrich Hampe.

26. Mai
Volksbank
Unter der Leitung des Aufsichtsratsvorstandes Hermann Mietzsch fand am Dienstag abend im Gasthaus "Stadt Berlin" die Generalversammlung der Volksbank Delitzsch statt. Den Geschäftsbericht des Vorstandes über das vergangene 94. Geschäftsjahr erstattete Walter Hofmeyer. Im Jahre 1943 konnte eine erhebliche Erweiterung des Geschäftsumsatzes festgestellt werden. Die Bilanzsumme erhöhte sich um über eine Million RM. Durch die liquiden Mittel ist die Zahlungsbereitschaft ausreichend gesichert. Sie betrug am Jahresende 3.749.319,14 RM d.J. rund 63 v.H. der Gesamtverpflichtungen. Der Wertpapierbestand stieg auf 2.757.989,46 RM. Die Zunahme der Einlagen betrug insgesamt 1.021.000,- RM. Die Bankguthaben stiegen um 594.898,14 RM auf 2.698.278,- RM. Der Mitgliederbestand betrug am 31. Dezember 1943 740 Mitglieder mit 1023 Anteilen. Nach Abschreibungen von 6913,18 RM auf Bankgebäude und Geschäftseinrichtung verbleibt ein Reingewinn von 28.052,03 RM. Hiervon wird eine Dividende von 5.v.H. – 14.299,20 RM gezahlt. Außerdem wurden 12.253,43 den Mitgliedern und 600,- RM der Sterbekasse zugeführt.

31. Mai
Ertrunken
Beim Baden im Delitzscher Werkstättenteich kam gestern nachmittag ein junger Angestellter der Kreis- und Stadtsparkasse Delitzsch, namens Beierlein, ums Leben. Da sofortige Wiederbelebungsversuche erfolglos waren, wurde B. der kriegsverschrt war ins Krankenhaus gebracht, wo der eingetretene Tod durch Herzschlag festgestellt wurde.

18. Juni
Mästerei Beerendorf
Wohl jedem Delitzscher ist die EHW – Schweinemästerei in Beerendorf in den letzten Jahren zu einem Begriff geworden. Regelmäßig sieht man den Sammelwagen durch die Straßen der Stadt rollen, der die in den Haushaltungen angefallenen Küchenabfälle einsammelt und zur Mästerei des EHW (Ernährungshilfswerk) der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt in Beerendorf bringt. Kurz vor dem Kriege wurde die Schweinemästerei gegründet und hat seitdem einen sehr beachtlichen Beitrag zur Ernährung des deutschen Volkes geleistet, einen Beitrag, der – zumal im Kriege - von ganz besonderer Bedeutung ist. Neuerdings ist der Mästereibetrieb in Beerendorf nun auf Schafe umgestellt worden, die neben der Erzeugung von fetten Hammelfleisch auch noch den Vorteil vermehrter Wolleanfälle bieten. Aus den Ställen der EHW tönt uns nun nicht mehr das lustige Gequieke feister Borstentiere entgegen, sondern blökend schauen uns jetzt 150 wollige Hammel an, wenn man zur Tür hineintritt. Die Umstellung des Mästereibetriebes auf Schafe erfolgte im Zuge der neuerdings im ganzen Reichsgebiete vorgenommenen Umstellung. Die Eilenburger Mästerei wird dagegen auf Schweinemast weiter durchgeführt.

24. Juni
Wackermann
Oberamtmann Friedrich Wilhelm Wackermann, Delitzsch, Hindenburgstraße 5, konnte seinen 90. Geburtstag begehen. Trotz seines hohen Alters erfreut er sich noch seltener Rüstigkeit. Da der Altersjubilar eine in weiten Kreisen bekannte und geachtete Persönlichkeit ist, wird es ihm an Glückwünschen und Aufmerksamkeiten sicher nicht gefehlt haben.

28. Juni
Unglücksfall
Am gestrigen Dienstag kurz vor Mittag ereignete sich in der Poststraße ein schwerer Verkehrsunfall. Der 59 Jahre alte Polsterer Paul Samuel aus Delitzsch, Albert Böhme Straße wohnhaft, passierte auf dem Fahrrad die Poststraße, wo er von einem Kraftwagen erfaßt und überfahren wurde. Im schwerverletzten Zustande wurde der Verunglückte mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht, wo er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben im Laufe des Dienstagsnachmittags gestorben ist.

9. Juli
Luftschlacht
Über dem mitteldeutschen Raum vor allem zwischen Halle und Dessau entwickelte sich am Donnerstag den 7. Juli eine erbitterte Luftschlacht. Die feindlichen Flieger waren bis Dessau vorgedrungen. Auf ihrem Rückflug wurden sie von deutschen Jägern angegriffen, die den feindlichen Abwehrring durchbrachen, konzentrisch gegen die Bomberverbände vorstießen und sie bis in das Gebiet von Delitzsch zerstreuten. Ein geschlossen fliegender nordamerikanischer Verband wurde dabei das Ziel schwerster Angriffe eines unter Führung des Ritterkreuzträgers Major Dahl kämpfenden Jagdverbandes. Nicht einem Bomber dieses feindlichen Verbandes gelang es, zu entkommen. Eine andere Jagdgruppe unter Führung von Hauptmann Wilhelm Moritz vernichtete nicht weniger als 30 viermotorige Bomber. Dieses berichtet die deutsche Wehrmacht unterm 8. Juli.

20. Juli
Attentat auf den Führer
Die deutschen Tageszeitungen bringen unter heutigem Datum folgende Nachricht: Auf den Führer wurde heute ein Sprengstoffanschlag verübt. Von seiner Umgebung wurden hierbei schwer verletzt: Generalleutnant Schmundt, Oberst Brandt, Mitarbeiter Berger. Leichtere Verletzungen trugen davon: Generaloberst Jodl, die Generäle Korten, Buhle, Bodenschatz, Heusinger, Scherft, Oberstleutnant Borgmann, die Admirale Voß, von Puttkammer. Der Führer selbst hat außer leichten Verbrennungen und Prellungen keine Verletzungen erlitten. Er hat unverzüglich darauf seine Arbeit wieder aufgenommen und – wie vorgesehen - den Duce zu einer längeren Aussprache empfangen.

27. Juli
Fenstergitter
Das Eindringen in beschädigte Bauwerke sowie die Rettung in Luftschutzräumen eingeschlossener Volksgenossen wird oft dadurch erschwert, daß sich die an den Kellerfenstern angebrachten Gitter nur schwer oder gar nicht entfernen lassen. Aus diesem Grunde ist allen Besitzern von Gebäuden zur Pflicht gemacht worden, an den Kellerfenstern alle fest an das Mauerwerk eingelassene Gitter zu entfernen und schwer bewegliche Gitter leicht herausnehmbar zu machen. Ausgenommen von dieser Vorschrift sind nur die Gitter vor solchen Kellerräumen für die ein besonderes Schutzbedürfnis besteht. (z.B. Bankräume)

1. August
Schießübung
Von August bis Oktober diesen Jahres werden von der SA wieder die Wehrkampftage und Schießwehrkämpfe durchgeführt. An ihnen beteiligen sich außer der SA die anderen Gliederungen und angeschlossenen Verbände der Partei, die Betriebssportgemeinschaften der NS Gemeinschaft "Kraft durch Freude", der NS Reichsbund für Leibesübungen, Wehrmacht, Waffen SS, Polizei und Reichsarbeitsdienst.

12. August
Verhalten bei Alarm
Eine Frau T., die während eines Alarms auf einer Bank in einer Anlage saß, widersetzte sich der Anordnung eines Polizeibeamten, die Bank zu verlassen und einen Splittergraben aufzusuchen, so daß sie schließlich zwangsweise abgeführt werden mußte. Dabei warf sie dem Polizeibeamten allerlei "Liebenswürdigkeiten" an den Kopf. Frau T. hatte sich durch ihr unverantwortliches Verhalten gegen den Paragraphen 2 und 3 des Luftschutzgesetzes vergangen. Außerdem aber bestrafte das Gericht die bisher unbestrafte Angeklagte auch noch wegen öffentlicher Beleidigung eines im Dienst befindlichen Beamten mit einer Woche Gefängnis.

15. August
Der "totale" Krieg
Reichsminister Dr. Göbbels hat im Auftrage des Führers den "totalen Krieg" erklärt. In einem besonderen Aufruf werden die Frauen im Alter von 45 bis 50 Jahren aufgefordert, sich für die Mitarbeit an den Aufgaben der Reichsverteidigung zu melden. Aus der Bekanntmachung geht genau hervor, welche Frauen zur Meldung verpflichtet sind, und welche Frauen auf Grund besonderer Bestimmungen von der Pflicht zur Meldung befreit sind. Die in Frage kommenden Frauen aus unserem Kreise Delitzsch tun gut daran, unter Beachtung der einzelnen Ausführungen des Aufrufs sich baldigst beim Arbeitsamt oder seiner Neben- und Hilfsstellen zu melden und den dort erhältlichen Meldebogen bis spätestens zum Augustletzten ausgefüllt dorthin zurückzubringen. Unterlassung der Meldung zieht strenge Bestrafung nach sich.

18. August
Kartoffelkäfersuche
Wie der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde im Anzeigenteil der "Delitzscher Kreiszeitung" bekannt gibt, findet am kommenden Sonntag den 20. August von 10 bis 13 Uhr eine Kartoffelkäfersuche in der Delitzscher Gemarkung statt. Es müssen neben den Kartoffelfeldern auch alle Pflanzungen von Tomaten abgesucht werden. Der Schaden, der durch die Kartoffelkäfer entstehen kann, ist infolge der ungeheuer raschen Vermehrung des Schädlings meist unermeßlich und kann zumal heutzutage zu katastrophalen Folgen für die Volksernährung führen. Deshalb befolge jeder die Aufforderung des Bürgermeisters und mache von etwaigen Feststellungen des Käfers unverzüglich der Polizei Meldung. Nichtbefolgung der Anordnung zieht übrigens empfindliche Bestrafung nach sich.

27. August
Die Gefallenen oder Vermißten
Hinterbliebene gefallener Wehrmachtsangehöriger geraten gelegentlich in Schwierigkeiten, daß sie, nachdem der Truppenteil ihnen den Tod mitgeteilt hat, eine standesamtliche Sterbeurkunde nicht erhalten können. Die Standesbeamten können sie nicht ausstellen, weil ihnen die Anzeigen der Wehrmachtsauskunftstelle noch nicht zugegangen sind. Der mitgeteilte Tod liegt zuweilen schon lange zurück, ohne daß der Fall beurkundet wird. Die Entscheidung darüber, ob ein Wehrmachtsangehöriger als "gefallen" oder "vermißt" anzusehen ist, steht einzig und allein der Truppe zu, da nur die Truppe die näheren Umstände des Verlustfalles beurteilen kann. Es ist dabei vor allem auch zu berücksichtigen, daß die Interessen des vermißten Wehrmachtsangehörigen es erfordern, daß in wirklich zweifelhaften Fällen die Vermißtmeldung nicht geändert wird, denn es gilt, die Ansprüche des Vermißten aufrecht zu erhalten, bis feststeht, daß wirklich der Heldentod vorliegt.

4. September
Freiwillige der Hitlerjugend
Vom 2. bis 4. September 1944, zu Beginn des sechsten Kriegs-
jahres traten im gesamten Großdeutschen Reich Hundertausende von Kriegsfreiwilligen aus den Reihen unserer Hitlerjugend zum Großappell an und legten in machtvollen Einzelkundgebungen Zeugnis ab von ihrer Kriegsfreiwilligkeit. In Delitzsch hatte am Sonnabend abend den 2. September die Delitzscher Hitlerjugend mit ihren Führern in weiten offenen Geviert auf dem Delitzscher Marktplatz Aufstellung genommen. Den Kriegsfreiwilligen, die im besonderem Block in der Mitte aufmarschiert waren, hatten die jüngeren Kameraden das Geleit gegeben. Kreispropagandaleiter Hartmann sprach mahnende ernste Worte an die junge Mannschaft. Ähnliche Appelle fanden am Montagabend im RAW Delitzsch, wo sich neben der Betriebsjugend auch die Jugendlichen der Kleinbetriebe und die Lehrwerkstatt von Delitzsch eingefunden hatten.

5. September
90 Jahre Herm. Große
In ausgezeichneter körperlicher und geistiger Frische kann der Nestor der Delitzscher Erzieherschaft, der Lehrer i.R. Hermann Große am heutigen Tage seinen 90. Geburtstag begehen. Als Sproß eines alteingesessenen Bauerngeschlechtes am 5. September 1854 in Reuden, Kreis Kalau geboren, besuchte er nach Beendigung der Schulzeit die Präparandenanstalt zu Döbern im Heimatkreise, um den Lehrerberuf zu ergreifen. Später siedelte er in die Privatanstalt des Rektors Dr. Bartels in Delitzsch über, die sich damals im Hause des Bäckermeisters Sack am Pfortenplatz befand. Chronischer Lehrermangel jener Zeit brachte es mit sich, daß er als Präparand für einige Jahre mit der Verwaltung der Schulstelle in Reibitz beauftragt wurde. In den Jahren 1875 bis 1878 war er Zögling des hiesigen 1873 gegründeten Lehrerseminars unter dem ersten Direktor Trinius, das sich damals noch mit völlig unzulänglichen Räumen in der Knabenschule und in einigen gemieteten Häusern der Nachbarschaft begnügen mußte. Nach Abschluß seiner Ausbildung war er vier Jahre in Döbernitz tätig. Von 1881 bis 1819 (1919 d.A.) wirkte er an der Delitzscher Knabenschule, 25 Jahre durfte er bis heute sich des Ruhestandes erfreuen.

6. September
Entlassung vom Wehrdienst
Nach den neuesten Verfügungen können einzige und letzte Söhne im Weltkrieg gefallener Väter nicht mehr aus der kämpfenden Truppe zurückgezogen werden. Von fünf und mehr im Wehrdienst stehenden Söhnen ist einer nur dann zu entlassen oder zurückzustellen, wenn die Eltern den beantragten Sohn als Arbeitskraft zur Aufrechterhaltung ihrer Existenz benötigen. Die vielfach vertretene Auffassung, daß von einer Familie nicht mehr als vier Söhne in der Wehrmacht zu dienen brauchen, trifft nicht zu. Wird von fünf oder mehr im Wehrdienst stehenden Söhnen ein Sohn lediglich als Bluterbe benötigt, so kann Zurückziehung aus der kämpfenden Truppe, jedoch keine Entlassung erfolgen.

23. September
Kriegsmaßnahme
Eine Maßnahme, die besonders von den Hausfrauen außerordentlich begrüßt wurde ist im Rahmen der Reparaturaktion das Ansohlen bezw. das Anfüßen von Damen- und Herrenstrümpfen. Auch in Delitzsch sind Annahmestellen für solche neuartigen Strumpfreparaturen eingerichtet worden. Viele Delitzscher Hausfrauen haben schon von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, durch Ablieferung solcher Strümpfe, die zu stopfen sich kaum noch lohnen würden, den Strumpfbestand der Familie wieder aufzufrischen.

8. Oktober
Sozialwerk der D.A.F
Zwischen der General Märcker Straße und der Damaschke Straße sind drei Gebäude auf einem weiten Gelände emporgewachsen, ebenerdig und mit flachem Dach in Barackenbauweise. Mit der Einrichtung dieser Baulichkeiten hat das Sozialwerk der DAF für Handwerk, Handel und Gewerbe in unserer Stadt Delitzsch ein Werk vollbracht, das hohe Beachtung und Anerkennung verdient. Es handelt sich nämlich um ein Gemeinschaftslager, das für von außerhalb kommende Junghandwerker bestimmt ist und zur Zeit der Unterbringung von ausländischen Arbeitskräften dient. Das Gemeinschaftslager ist zur Zeit mit rund 75 Mann belegt und zwar Italiener und Franzosen. An sich ist das Lager so angelegt, daß es für 100 Insassen Platz bietet. Den Hauptteil bildet der über 40 Meter lange Wohnbau. Neben einem Waschraum enthält es fünf große Wohnräume, die die soldatische Einrichtung der übereinander gestellten Betten und der Spinnreihen zeigen. Dem Wohnbau gegenüber liegt das Küchenhaus. Im gleichen Bau befindet sich auch das Zimmer des Lagerführers, von dem aus man die weißgetünchten Wirtschaftskeller erreicht, wo die Küchenvorräte lagern. Der dritte, kleinste Bau schließlich beherbergt noch einen Kochraum, den die Lagerinsassen selbst benutzen können. Hier wird oft schon "zu nachtschlafener Zeit" der Morgenkaffee vor dem Gang zur Arbeit aufgebrüht.

11. Oktober
Diamantene Hochzeit
Das Ehepaar Friedrich in Delitzsch, Wiesenstraße 8, kann am morgigen 12. Oktober das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit begehen. Wilhelm Friedrich, der im 85. Lebensjahr steht stammt aus Paupitzsch. Frau Wilhelmine Friedrich geb. Grabe, die 86 Jahre alt ist, ist in Benndorf geboren. Das Ehepaar zog 1884 nach Delitzsch, wo Vater Friedrich damals als Mühlarbeiter bei der Firma Bauer eintrat. Hier wirkte er bis 1930.

13. Oktober
Jubiläum Jakoby
Regierungsobersekretär Gustav Jakoby vom Landratsamt Delitzsch konnte am Donnerstag sein 50jähriges Dienstjubiläum begehen. Trotz Überschreitung der Altersgrenze und damit verbundener Pensionierung ist der Jubilar seinem Dienste treu geblieben und sieht es im Kriege als selbstverständlich an seine Pflichten nach wie vor in vorbildlicher Weise zu erfüllen. In einem wichtigen Teilgebiet der landrätlichen Verwaltung ist er mit weitesten Schichten der Kreisinsassen in Berührung gekommen, und seine Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit werden bei diesem ebenso anerkannt, wie seine Kameradschaftlichkeit bei seinen Mitarbeitern. Obersekretär Jakoby ist alter Soldat. Aus dem ersten Weltkriege brachte er die beiden Eisenern Kreuze heim. Seine besondere Liebe galt der Kriegskameradschaftspflege, in der er an führender Stelle steht.

15. Oktober
125 Jahre Meyerhofer
Die Sattlerei und Polsterei Meyerhofer in Delitzsch besteht am heutigen 15. Oktober 125 Jahre. Der Betrieb befindet sich seit 1819 ununterbrochen in Familienbesitz. Bei jedem Generationswechsel ging die Leitung des Unternehmens vom Vater auf den Sohn über. Johann Meyerhofer eröffnete vor 125 das Geschäft in der Eilenburger Straße 5. Im Jahre 1848 übergab der Senior die Firma seinen Sohn Joseph. Dieser erwarb das Grundstück Bitterfelder Straße 13, auf dem die Meyerhofersche Sattlerei sich noch heute befindet. Damals stand hier, woran sich so mancher Delitzscher noch erinnern wird, das Hirtenhaus, das zum Stadtgut gehörte. Der Enkel des Gründers, Paul, trat im Jahre 1891 das Erbe an; er ließ das alte Bauwerk abreißen und ein neues Haus bauen, das heute noch steht. Sein Sohn, der ebenfalls Paul heißt, ist der jetzige Besitzer, er übernahm das Geschäft vor 14 Jahren. Und schon ist wieder der Nachfolger gesichert: der Urenkel des Gründers, Horst, hat wie es in der Sippe Brauch, wieder das Sattlerhandwerk gelernt und wird dereinst, wenn er nach dem Krieg von der Front zurückkommt das Geschäft übernehmen.

5. November
Der Volkssturm
Am 18. Oktober hatte der Führer Adolf Hitler zur Verteidigung des Vaterlandes den Volkssturm aufgerufen. In dem Aufruf heißt es: "Zur Verstärkung der aktiven Kräfte unserer Wehrmacht und insbesondere zur Führung eines unerbittlichen Kampfes überall dort, wo der Feind den deutschen Boden betreten will, rufe ich alle waffenfähigen deutschen Männer vom 16. bis 60. Lebensjahre zum Kampfeinsatz auf." In einer Bekanntmachung des Landrats von Delitzsch meldeten sich dann am Sonntag den 25. Oktober von morgens 8 Uhr ab die gestellungspflichtigen Männer der Geburtsjahrgänge 1884 bis 1928 zum Deutschen Volkssturm wie bekannt gegeben auf dem Schützenhofplatz, dem Schützenplatz und dem Jahnplatz. Für solche Männer, die wegen Schichtarbeit am Vormittag nicht kommen konnten wurde die Musterungszeit auf Sonntag nachmittag von 15 bis 18 Uhr festgesetzt. Der erste Appell des neu aufgestellten Volkssturms fand am Sonntag den 5. November statt. Es handelte sich hier um die Eingliederung der gestellungspflichtigen Männer in Kompagnien und Bataillone. Die Männer wurden mit ihrem jeweiligen Kompagnieführer bekannt gemacht. Innerhalb der Kompagnien erfolgte die Einteilung in Züge und Gruppen. Dem Ganzen stellte sich dann der Bataillonsführer vor und machte bekannt, daß am nächsten Sonntag den 12. November die Vereidigung stattfindet. Das Kommando "Weggetreten" beschloß dann den ersten Dienst des Delitzscher Volkssturms.

14. November
Sammlung von Tierhaaren
Der Reichnährstand hat einen Aufruf an die landwirtschaftlichen Tierhalter erlassen und sie aufgefordert im Laufe des November und Anfang Dezember sämtlichen Pferden die Schweife und Mähnen sowie den Rindern die Schwänze zu stutzen und die dadurch gewonnenen Haare zur Deckung des dringend notwendigen Bedarfs für Rüstung und Wirtschaft abzuliefern.

Kaninchenfell
Im Zuge der Durchführung der Anordnung zur Einschränkung der Kleintierzucht werden in den nächsten Wochen in allen deutschen Gauen zahlreiche Kaninchen ihr Leben lassen müssen. Es sei daher noch einmal an die Pflicht erinnert, jedes Kaninchenfell, auch wenn es wertlos erscheint, abzuliefern. Man sorge dafür, daß das Fell beim Abziehen nicht beschädigt oder gar eingeschnitten wird. Nach dem Abziehen spanne man das noch frische Fell auf einen Fellspanner, der sich mühelos selbst herstellen läßt.

3. Dezember
Die Delitzscher Windmühlen
Die Stadt Delitzsch besaß in alter Zeit eine Reihe von Mühlen. Ein Verzeichnis der Künstler und Handwerker vom Jahre 1818 zählt acht Müllermeister auf. Wenn man Stadt- und Elberitzmühle davon abzieht, bleiben sechs Windmüller. 60 Jahre später hatte sich jedoch die Bevölkerungszahl verdoppelt, so daß um 1880 etwa 12 Windmühlen gewesen sein mögen. Eine Windmühle stand dort, wo heute der Güterschuppen der Reichsbahn steht. Sie ist bereits 1859 bei der Eröffnung der Berlin – Anhalter Eisenbahn verschwunden. Hinter der Mausefalle, links des Döbernitzers Weges hatte die Windmühle des Müllermeisters Hennig ihren Platz. Sein Sohn war der Bankier Hennig. Sein Elternhaus hinter der Kohltorbrücke gelegen, hat er unter der Bezeichnung "Hennig-Schrödter-Haus" gemeinsam mit seinem Schwager der Kirchengemeinde übereignet. Müllermeister Troitzsch hatte eine Windmühle rechts der Elberitzstraße auf Geißlers Grundstück. Sie wurde 1898 abgebrochen und in Tiefensee aufgestellt. Die Windmühle des Müllermeisters Zander mußte dem Wasserturm weichen beim Bau der Delitzscher Wasserleitung 1902. Am Queringer Wege stand eine Windmühle, die als letzte im Jahr 1923 der Inflation zum Opfer fiel. Rechts vom Wege nach Kertitz, auf dem sogenannten Superintendenten–Hügel war die Mühle des Meisters Dittmar. Etwa im Jahre 1868 erbaute der Müllermeister Wittig auf der Höhe rechts der Schenkenberger Straße eine Windmühle. Nach dem Bau des Schützenhofes 1891 wirkte sich das auf die Windverhältnisse aus; der Besitzer ließ die Mühle abreißen. Wenige hundert Meter vor dem Schützenhofe, etwa an der Kreuzung Sekurius-Langmark-Straße, hatte die Freywald'sche Mühle ihren Standort. Links von der früheren Offenhauer Brauerei an der Bitterfelder Straße stand die Mühle von Müllermeister Thieme. Sie wurde 1903 abgebrochen und in Pressel wieder aufgestellt. Auf der Anhöhe am Ende der verlängerten Albert Böhmestraße lag die Mühle des Müllermeisters Eduard Große. 1894 ließ er seine Mühle abbrechen. Die letzte Mühle in der Runde war auf dem links in der Albert Böhme Straße vorspringenden Hügel zu finden, der die frühere Lindenstraße als Abschluß krönte. Sie gehörte dem Müllermeister Pauli. Am 29. August 1886 brannte sie nieder. Die beiden zuletzt genannten Windmühlen sind ursprünglich "Ratsmühlen" gewesen, wie z.B. die Stadtmühle. Später gingen sie in Privatbesitz über. Bei den Windmühlen befand sich nur ein Windmühlenhäuschen. Als letzte Zeugen davon sind noch vorhanden das von Dittmar auf dem Wege nach Kertitz und das von Wittig hinter dem Schützenhof.


1945

3. Januar
Sonderaktion der Imker
Seit Kriegsbeginn sammelt die Reichsfachgruppe Imker in einer jährlich durchgeführten Sonderaktion den Honig aller Imker und stellt ihn der Reichsregierung zur Verfügung. Welche beträchtlichen Mengen hierbei zusammenkommen zeigt die Tatsache, daß die Bienenzüchter des Kreises Delitzsch allein im Jahre 1944 = 11837 Pfund, also fast 120 Zentner Honig abgeliefert haben. Auf Anweisung der Reichsregierung werden dann Kleinkinder, Lazarette, bestimmte Wehrmachtsformationen und andere Stellen beliefert. Wenn die Imker des Kreises Delitzsch, trotz teilweise sehr schlechter Honigernten, seit Kriegsausbruch bisher 316 Zentner Honig ablieferten, so stellt ihnen dies gutes Zeugnis ihrer gemeinnützigen Gesinnung aus.

7. Januar
Volksopfer
Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei ruft das Deutsche Volk zu einer neuen Sammlung einem "Volksopfer" auf. Es heißt darin: "Vom 7. bis 28. Januar werden für die Wehrmacht und den Volkssturm gesammelt: Uniformen und Uniformteile der Partei, ihrer Gliederungen und Verbände der Wehrmacht, Polizei, Feuerschutzpolizei, Reichsbahn, Reichspost u.s.w. tragfähiges Schuhwerk und Ausrüstungsgegenstände für die kämpfende Truppe, wie Zeltbahnen und Zeltzubehör, Woll- und Felldecken, Brotbeutel, Rucksäcke, Kochgeschirre, Koppel, Schulterriemen, Spaten, Stahlhelme und alles andere was der Soldat braucht. Ferner werden Kleidung, Wäsche und Spinnstoffe jeder Art gesammelt, um hieraus neue Bekleidung und Ausrüstungsstücke herzustellen. Jeder Volksgenosse muß von diesen Dingen alles das abgeben, was er nicht unbedingt benötigt. Gebt alles Entbehrliche der kämpfenden Front. Unsere Soldaten sollen sich auch diesmal wieder auf die Heimat verlassen können. Annahmestellen für die Stadt Delitzsch sind:

Delitzsch Mitte: Geschäftsstelle der NSV Kohlstraße 15,
Delitzsch Nord der Ortsgruppe: Geschäftsstelle Schützenhof,
Delitzsch Ost der Ortsgruppe: Gaswerk, Beerendorfer Str. 1,
Delitzsch West der Ortsgruppe: Geschäftsstelle Hallesche Str. 14.

8. Januar
Verbrechen
Der 50jährige Ernst Paul Jahnke, Angestellter bei der Stadtverwaltung wurde wegen fortgesetzter Entwendung von Lebensmittelkarten und anderer schwerer Verfehlungen zum Tode verurteilt. Seine Frau und andere Helfershelfer erhielten wegen Hehlerei Zuchthausstrafen.

20. Januar
Die Postsäule und Postkutsche
Unsere Stadt Delitzsch besitzt ein Wahrzeichen, das nur wenige Städte aufzuweisen haben: es ist dies die Postsäule auf dem Roßplatz. Sie erinnert an die Zeit, da noch die Postkutsche durch unsere Straßen fuhr. Im Jahre 1690 erfolgte in Kursachsen die Einrichtung von Postkursen. Delitzsch lag im Zuge der Postlinie Leipzig – Dessau und Leipzig – Calbe – Magdeburg. In den ersten Jahrzehnten lag wohl noch kein Bedürfnis vor, daß die Postkutsche hier Aufenthalt nahm. Erst 1711 erfolgte hier die Errichtung einer Poststation. Eine Zeitlang hat sich die Posthalterei im Grundstück Marienstraße Nr.1 befunden. Während die Pferde gewechselt wurden stärkten sich die Reisenden im "Weißen Roß". Die Postkutsche verkehrte nach jeder Richtung zweimal wöchentlich. 1722 ordnete der Kurfürst August II. die Aufstellung von Postsäulen in Kursachsen an. Der besseren Haltbarkeit halber ließ man sie aus Rochlitzer Sandstein anfertigen. Sie zeigt die Jahreszahl 1730. Ein Posthorn deutet ihre Zweckbestimmung an. Auf der einen Seite erscheint das Kursächsische und auf der anderen das polnische Wappen – August der II. war gleichzeitig König von Polen (AR = August Rex). Ferner ist auf jeder Seite eine Reihe von Orten mit Angabe der Entfernung in Stunden verzeichnet. Die gewöhnliche Postkutsche war mit zwei Pferden bespannt. Sie hat Raum für sechs Personen. Nach Angabe der Postsäule dauerte eine Fahrt nach Leipzig fünf Stunden. Man muß dabei bedenken, daß die Straße zur Zeit der Schneeschmelze einem Sumpf und Morast glich, gar oft Achsen- und Radbrüche vorkamen, die Mitfahrer oft stundenlang auf der Straße zur Weiterfahrt warten mußten. Zur Zeit der Leipziger Messe war die Nachfrage nach Plätzen besonders stark, da fuhren Extrawagen auch vierspännig. 1822 wird auf der Strecke Halle – Delitzsch – Torgau – Görlitz eine weitere Fuhrpoststrecke errichtet. Nun bietet sich in Delitzsch Gelegenheit zum Umsteigen. Besser wurden die Verkehrsverhältnisse als vor nunmehr hundert Jahren die Chaussierung der Straßen begann. Zunächst wurde eine Kies–Chaussee von Bitterfeld bis zur Landesgrenze angelegt. Mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke Leipzig – Berlin – Magdeburg 1859 wurde der Postkurs stillgelegt. Das Gleiche geschah nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke Halle – Kottbus. Die letzte Postkutsche fuhr am 1. Juli 1874 durch Delitzsch.

21. Januar
Feindliche Armeen überschreiten die deutsche Grenze
Die feindlichen Armeen im Westen sind bis an den Rhein vorgedrungen. Im Osten ist die russische Armee in Ostpreußen eingefallen. Es hat eine bittere Kälte eingesetzt und erhebliche Schneefälle haben den Verkehr auf den Straßen erschwert. Schon vor Weihnachten sind hier Flüchtlinge aus Ostpreußen eingetroffen. Jetzt erscheinen die Flüchtlinge schon zahlreicher. Der russische Einfall hat den gesamten Osten in Schrecken versetzt.

22. Januar
Reisegenehmigung
Nach Verordnung ist das Reisen mit der Eisenbahn eingeschränkt worden. Jeder, der reisen will, und wenn es nur bis Leipzig oder Halle ist, muß eine Reisegenehmigung haben. Diese Bescheinigung stellt die Reichsbahnstelle Delitzsch vor Antritt der Reise aus.

25. Januar
Die Flüchtlinge
In den letzten Tagen hat der Flüchtlingsstrom aus dem Osten an Stärke bedeutend zugenommen. Unaufhörlich rollen Tag und Nacht vollbesetzte Wagenkolonnen mit Flüchtlingen durch unsere Stadt. Sie kommen fast sämtlich von Eilenburg her und werden geleitet durch die Bismarckstraße, Hindenburgstraße weiter nach Halle durch die Richard Wagner Straße bei der Zuckerfabrik vorbei. Gar oft müssen die Gespanne längere Zeit auf der Straße halten, da die Straße verstopft ist. Schwestern vom Roten Kreuz gehen von Wagen zu Wagen und reichen den Unglücklichen, die ihre geringe gerettete Habe im Wagen geborgen haben, warmen Kaffee dar. Manche Wagen haben auch hier ihr Ziel erreicht und werden in den Schulen und Gasthaussälen vorläufig untergebracht. Die Schulen sind zu diesem Zweck auf unbestimmte Zeit geschlossen worden. Die hier verbliebenen Flüchtlinge werden in der Stadt und den umliegenden Dörfern zunächst provisorisch verteilt. Im Rathaus befand sich eine Verteilungsstelle, die Tag und Nacht ihre Tätigkeit ausübte. Da aber auch Flüchtlinge hier zugezogen sind, die sich selbst eine Wohnung gesucht haben oder bei Verwandten wohnen, wurde behördlicherseits bekannt gegeben, daß alle diese Zugezogenen sich in ihrem eigenen Interesse umgehend zu melden haben und dabei vorhandene Umzugspapiere mitbringen mögen.

6. Februar
Kartoffelverbrauch
Der Kartoffelverbrauch wird eingeschränkt. Laut Verordnung sind ab 6. Februar alle Versorgungsberechtigte, die 150 kg Speisekartoffeln eingekellert haben verpflichtet, von ihren Vorräten 25 kg Speisekartoffeln pro Person wieder abzugeben.

7. Februar
Die Vertriebenen
Der Strom der Vertriebenen aus dem Osten hält auch noch weiter an, wenngleich die Stärke etwas nachgelassen hat. Die Vertriebenen kommen aus Pommern, Brandenburg, vornehmlich aber aus Posen, Schlesien, dem Sudetenland.

10. Februar
Die Russische Armee
Die Russen stehen im Osten auf der Linie Bentschen, Tirschtiegel, Schwerin a/W. Frankfurt ist zur Festung erklärt worden.

27. Februar
50 Jahre im Dienst
Der Reichsbahnangestellte Ernst Vetter aus Delitzsch, beging in diesen Tagen sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Der Jubilar war 25 Jahre in Polen und weitere 25 Jahre in Delitzsch, hier zuletzt als Kassierer bei der Güterbahn tätig.

7. März
Bombenangriff auf Halle
Ein schwerer Bombenangriff fand am 27. Februar seitens der feindlichen westlichen Flugzeuge auf Halle statt. Ganze Häuserreihen von Halle fielen dem Angriff zum Opfer und einige hundert Tote wurden erschlagen oder kamen in den Trümmern um. Gestern wurden 312 zum Opfer Gefallene in großer Trauerfeier auf dem Südfriedhof und dem Gertraudenfriedhof in Halle zur letzten Ruhe gebracht. Von Delitzsch aus ist der Flugzeugangriff gesehen worden. Die feindlichen Armeen im Osten und Westen dringen weiter vor. Im Osten stehen die russischen Armeen vor Danzig und halten die Linie Küstrin – Fürstenberg, in Niederschlesien Lanban bis Ratibor Oberschlesien.

12. März
Heldengedenktag
Der gestrige Heldengedenktag wurde auch in Delitzsch in ernster würdiger Weise begangen. Um 8 Uhr morgens zog ein Doppelposten der Wehrmacht vor dem Kriegerdenkmal auf. Um 8 ½ Uhr sammelten sich die vaterländischen Verbände und Gliederungen auf dem Markt und marschierten zum Kriegerdenkmal. Nach Ansprache folgte Kranzniederlegung am Denkmal. Es wurde halbstock geflaggt.

1. April
R. Kümmelberg 50jähriges Arbeitsjubiläum
Mit dem heutigen 1. April kann Reinhold Kümmelberg, Abteilungsleiter und erster Buchhalter bei der Firma C.A. Walter und damit der "Delitzscher Kreiszeitung" sein 50jähriges Arbeitsjubiläum begehen. Als Reinhold Kümmelberg am 1. April 1895 als blutjunger Lehrling in die "Delitzscher Zeitung" eintrat, steckte dieses Unternehmen von Buchhändler Krause am Markt gegründet, noch in den Kinderschuhen. Mit ihm zusammen ist Kümmelberg dann buchstäblich groß geworden. Er erlebte die Übernahme des Betriebes durch C.A. Walter, die Übersiedlung in die Schul- und später in die Karlstraße mit und blieb, als C.A. Walter 1916 starb; auch der neuen Verlegergeneration treu. Aus dem Lehrling war inzwischen ein Mann geworden, der es durch Fleiß und Tüchtigkeit zu leitender Stellung gebracht hatte. In dieser leitenden Stellung hatte er auch an der Überwindung so mancher Schwierigkeiten in der Nachkriegszeit und an der erfolgreichen Weiterentwicklung des Betriebes verdienstvollen Anteil. Reinhold Kümmelberg kann mit wohl begründetem Stolz auf diese, seine Lebensarbeit zurückblicken.

4. April
Stand der feindlichen Truppen
Die feindlichen Truppen der Nordamerikaner sind im weiteren Vordringen und stehen unmittelbar vor Kassel. Im Osten werden die russischen Truppen durch starken Gegendruck unserer Armeen am Vordringen gehindert.

14. April
Feindlicher Vormarsch
Infolge des weiteren Vordringens der feindlichen Westarmeen – sie stehen bei Wittenberge und Magdeburg an der Elbe und haben die Saale überschritten, um gegen Leipzig vorzustoßen – ist eine stärkere Beunruhigung der Bevölkerung unserer Stadt durch feindliche Flugzeuge eingetreten. Vom frühen Morgen an ertönen fast stündlich die Sirenen und veranlassen die Menschen, den Luftschutzkeller aufzusuchen. Für die Schulen gibt es darum keine ersprießliche Arbeit mehr. Die Schulbehörde hat deshalb angeordnet, daß die Schulen der Stadt, die beiden Volksschulen, die Mittel- und Oberschule bis auf weiteres den Unterricht einzustellen haben.

17. April
Bombenanschlag auf Berliner Bahnhof
Gestern in den ersten Nachmittagsstunden erschien ein feindliches Flugzeug über unserer Stadt und warf Bomben auf unseren Berliner Bahnhof ab. Die Bomben trafen das Gebäude. Der nördliche Teil des Bahnhofes, die Bahnhofsgastwirtschaft und der Warteraum mit den Schaltern wurde in Schutt und Asche gelegt. Dabei fanden 11 Personen ihren Tod, mehrere Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Unter den Toten befand sich auch der Bahnhofswirt und dessen Frau, die sich beide im Wirtschaftsgebäude aufhielten. Von den Verletzten sind einige sehr schwer verletzt.

20. April
Amerikanische Truppen besetzen Delitzsch
Heute am 20. April rückten Amerikanische Truppen in unsere Stadt ein und besetzten Delitzsch. Schon am frühen Morgen des heutigen Tages vernahm man vom Westen her fernen Geschützdonner. Dieser verstärkte sich von Stunde zu Stunde. Die feindlichen Truppen kamen Delitzsch immer näher. Gegen Mittag mischte sich in den Geschützdonner der Feinde auch Gegenfeuer unserer Truppen. Ein kleines Häuflein unserer deutschen Soldaten wollte die schwer bewaffneten Amerikanischen Truppen aufhalten. Der Vormarsch der Spitzentruppen der Amerikaner kam dadurch tatsächlich kurze Zeit zum Stehen. In dieser Zeit warfen die Feinde Panzerbomben in unsere Stadt, wodurch einige Schäden entstanden. Das Hauptziel der Geschosse galt der Mädchenvolksschule, denn hier und in der Knabenvolksschule hatten in den letzten Tagen die deutschen Verteidigungstruppen Quartier bezogen. Die Mädchenvolksschule wurde aber nicht getroffen, sondern dafür einige Häuser in der benachbarten Leipziger- und Wiesenstraße. Auch unser Schloßturm hat einige Treffer erhalten. Viele Bomben fielen in benachbarte Gärten. Verantwortungsbewußte Männer unserer Stadt machten dem unsinnigen Beginnen der Verteidigung ein Ende, indem sie den Feinden, die jetzt im Westen unmittelbar vor der Stadt standen, die Stadt übergaben, und so Delitzsch vor weiterer Zerstörung bewahrten. Das Geschützfeuer hörte sofort auf und die Amerikanischen Truppen zogen nun in den frühen Nachmittagsstunden des 20. April in unsere Stadt ein.

22. April
Die Amerikanischen Truppen
Die in der Stadt eingerückten Amerikanischen Truppen haben zum größten Teil Delitzsch wieder verlassen und sind nach Osten weiter gezogen. Zurück blieben nur Besatzungstruppen. Diese bezogen in Bürgerhäusern Quartiere. Verschiedene hiesige Familien mußten darum ihre Wohnung verlassen und sich bei anderen Familien ein Unterkommen suchen.

25. April
Amerikanische und Russische Truppen
Die nach Osten vorgestoßenen Amerikanischen Truppen haben Torgau an der Elbe erreicht und hier zum ersten Mal mit den Russischen Truppen, die hier in Torgau am gegenüberliegenden Ufer der Elbe angekommen sind, Verbindung aufgenommen.

30. April
Die Russen in Berlin
Die Russischen Truppen kämpfen in Berlin. Die Stadt verteidigt sich hartnäckig, doch müssen die deutschen Truppen schrittweise der Übermacht weichen. Es finden blutige Straßenkämpfe statt, doch die Russen erobern Berlin. Infolge der Verteidigung hat Berlin furchtbar gelitten. Ganze Straßenzüge sind ein Trümmerhaufen.

9. Mai
Waffenstillstand
Der Vormarsch der Amerikanischen Truppen ist an der Elbe zum Stehen gekommen. Zwischen den restlichen deutschen Truppen und den westlichen alliierten Truppen ist am gestrigen 8. Mai ein Waffenstillstand abgeschlossen worden.

30. Mai
Neue Verwaltung der Stadt
Am 28 Mai fanden sich eine Anzahl Herren der Stadt, die der antinazistischen Richtung angehörten und aus verschiedenen Volksschichten der Stadt stammten, im Sitzungssaal des Rathauses zusammen, um zu beraten und die weiteren Geschicke der Stadt selbst in die Hand zu nehmen. Es waren dies: von der ehemaligen Kommunistischen Partei die Herren Gotth. Pohle und Bruno Schmidt, von der ehemaligen Sozialdemokratischen Partei die Herren Richard Hampe und Otto Bieler, von der Bürgerlichen Gruppe, der demokratischen Richtung angehörend, die Herren Willi Dietze und Dr. Wilh. Mischon, von der früheren Zentrumspartei Herr Alfred Nickisch, keiner Partei angehörend Herr Hermann Scharf, als Verbindungsmann zu dem Military Gouvernement Herr Buhle als stellv. Landrat und Herr Geithe, ferner die Herren Bürgermeister Ehrhardt und Fritz Schwahn. Den Vorsitz führte Richard Hampe. Nach längeren Beratungen wurde ein Hauptausschuß und ein engerer Antinazi–Arbeitsausschuß gewählt. Den engeren Ausschuß bilden die Herren Richard Hampe als Vorsitzender, Gotthold Pohle als stellv. Vorsitzender, Dr. Wilhelm Mischon als Schriftführer. Der Hauptausschuß hat die Aufgabe, die einzelnen Sachgebiete zu bearbeiten. Für die einzelnen Sachgebiete wurden folgende Vorsitzende gewählt:

1. Verwaltungsausschuß:              Vorsitzender                       Richard Hampe,
2. Sicherheitsausschuß:                      "                                  Gotth. Pohle,
3. Schulausschuß:                              "                                  Fritz Schwahn
4. Gesundheitsausschuß:                    "                                  Dr. Wilh. Mischon
5. Ernährungsausschuß:                     "                                  Herm. Scharf
6. Rechtsausschuß:                            "                                  Rechtsanwalt Klimm
7. Sport- und Körperpflege:                "                                  Schmidt, Bruno
8. Ausschuß für Gewerkschaft
und Genossenschaftswesen:               "                                  Otto Bieler
9. Verkehrsausschuß:                        "                                  Gebhardt
10.Ausschuß für Kultur und Gesellschaft:    "                           Studienrat Dr. Schümer
Der Wirtschaftsausschuß wurde noch nicht besetzt. Die Sitzung fand daraufhin ihr Ende.

15. Juni
Sitzung des Antifaausschußes
Am gestrigen Nachmittag fand eine zweite Sitzung des Antifa–Ausschusses statt. Die einzelnen Vorsitzenden des Arbeitsauschusses erstatteten hier Bericht über ihre bisherige Tätigkeit und ihre gesammelten Erfahrungen. Im Anschluß an die Berichte fand eine längere Aussprache statt. Zum Schulrat in Delitzsch wurde Lehrer Fritz Schwahn vorgeschlagen, zum Rektor der Knabenschule Lehrer Erich Richter und als Rektor der Berufsschule Ulbricht. Ebenso wurden Richtlinien aufgestellt über Lehrer, die aktiv der NSDAP angehörten und zur Entlassung kommen sollen. Da Bürgermeister Ehrhardt sein Amt als Bürgermeister niedergelegt hat, wird am 17. Juni eine Bürgermeisterwahl stattfinden.

19. Juni
Wahl
Am 17. Juni versammelten sich die Vorsitzenden der Antifa–Arbeitsausschüsse im Rathaus–Sitzungssaale zur Bürgermeisterwahl für den zurückgetretenen Bürgermeister Ehrhardt. Einstimmig fiel die Wahl auf Richard Hampe Dieser nahm die Wahl an. Es wurden dann noch vier Stadträte gewählt und zwar die Herren:

1. Gotth. Pohle
2. Dr. Wilh. Mischon
3. Herm. Scharf
4. Alfred Nickisch

Die Herren nahmen die Wahl an. Das sehr wichtige Amt der Wohnungslenkung in der Stadt, also das Wohnungsamt übernahm Stadtrat Nickisch.

23. Juni
Kommandantur
Die Kommandantur hat die am 17. Juni vollzogene Wahl des Bürgermeisters und der Stadträte gestern bestätigt.

5. Juli
Russische Besetzung in Delitzsch
Am 30. Juni hat die Amerikanische Besatzung die Stadt Delitzsch wieder verlassen und ist nach den Westen abgezogen. Am gestrigen 4. Juli ist eine Russische Besatzungstruppe in Delitzsch eingezogen. Die Russische Kommandantur hat sich in der früheren Kreisleitung der NSDAP in der Eilenburger Straße eingerichtet.

23. Juli
Die Parteien in Delitzsch
Innerhalb der Stadt haben sich vier politische Parteien gebildet, die sich zu einem Block zusammengeschlossen haben. Es sind dies:

1. die Sozialdemokratische Partei      -           SPD
2. die Kommunistische Partei            -           KPD
3. die Christliche Union                     -           CDU
4. die Liberale Partei                          -          LDP

Am gestrigen 22. Juli veranstalteten die vier Blockparteien auf dem Marktplatz hiesiger Stadt eine öffentliche Kundgebung. Es sprach je ein Vertreter der vier Parteien und von der Russischen Besatzung Major Tubner.

15. August
Räumung des Behördenhauses
Das Behördenhaus muß von den Deutschen Behörden geräumt werden, da es die Russische Besatzungsbehörde für ihre Zwecke gebraucht. Die gesamte Russische Militärverwaltung kommt hierein (Kommandantur etc.). Die Deutschen Behörden müssen anderswo untergebracht werden. Finanzamt und Katasteramt finden Unterkunft in der gegenüberliegenden Schokoladenfabrik Böhme, das Amtsgericht kommt ins Schloß, die Kreiskasse wird in der Kreissparkasse am Markt untergebracht.

1. Oktober
Bombenschäden
Beim Angriff der Amerikaner auf unsere Stadt am 20. April sind auch einzelne Beschädigungen in der Stadt vorgekommen. So sind auch einige Gebäude der Franz-Seldte-Siedlung an der Halleschen Chausee durch Bomben und Bombensplitter beschädigt worden. In Gemeinschaftsarbeit bei guter Organisation waren bis Ende September diese Schäden zum weitaus größten Teil beseitigt.