Handschriftliche Chronik von 1816-1952


1831

Am 6 Juli
fand unter dem Vorsitze des Landraths von Pfannenberg eine Versammlung des Stadtraths und der Communrepräsentanten auf dem Rathhause statt, zur Berathung über die Einführung der neuen Städte Ordnung vom 17ten März 1831.

23 August
Vorläufige Berathungen wegen Errichtung localer Sicherheits Maasregeln zur Verhütung der asiatischen Cholera wurden am 23ten August ...(?)...... gepflogen.

Juli
In der dritten Woche des Monats Juli stürzte der große messingene Kronleuchter in der Stadtkirche herab, und wurde durch diesen Fall bedeutend beschädigt. Es war das Seil an dem er gehangen, von Würmern benagt, zerrissen und dadurch der Fall verursacht.

25 September
In der Nacht vom 25 zum 26 Septbr entstand Feuerlärm im Orte, und brannte ein an die Scheune des Windmüllers Huske angebauter Schuppen ab. Das Feuer wurde durch schnelle Hülfe sogleich gelöscht.

Am 9 und 10ten
Oktober fand auf dem Rathhause nach einer vorhergegangenen darauf bezughabenden Predigt die Wahl der Stadtverordneten und deren Stell­vertreter unter Leitung des Landraths von Pfannenberg statt. Es wurden 12 Stadtverordnete und 12 Stellvertreter gewählt. Erstere hatten dann unter sich den Apotheker Freiberg und Kaufmann Tiemann, jenen zum Vorsteher, diesen zum Protokollführer gewählt.

Am 7ten und 8ten
November während des Jahrmarkt wurde wegen der gefährlichen Annä­herung der Cholera in den Stadtthoren eine Controlle zur Prüfung der Legitimationen der einpassirenden Fremden angeordnet.

Am 3ten December
wurde von den Stadtverordneten unter Leitung des Landraths von Pfan­nenberg der neue Magistrat gewählt. Ein Bürgermeister ein besoldeter Assessor und zwei unbesoldete Assessoren. Die Namen der am 9ten und 10ten October gewählten Stadtverordneten und Stellvertreter sind, und zwar a die der Stadtverordneten Apoth. Freyberg, Chirurg Rathmann, Kaufmann Tiemann, Gürtler Kretzschmar, Seifensieder Friedrich Held, Gürtler Auerbach, Schmied Haase, Zimmermeister Holzweißig sen., Gürtler Krause, Instrumentmacher Moritz, Seiler Täubner, Stadtmüller Tremmler . b die der Stellvertreter Goldarbeiter Söllner, Schneider Bier, der Müller Bretschneider, der Bäcker Donath, Lohgerber Elzner, Seifensieder Gelpke, Seifensieder Gottlieb Held, Zimmermeister Holzweißig jun. Böttcher Kuhne, Lohgerber Kunze, Lohgerber Sparwald, Bäcker Zweck.

Zu Ostern
dieses Jahres starb der Gerichtsdirector und Justizcommissarius Irmisch, ein sehr braver, rechtschaffener Mann.


1832

Am 1ten Januar
wurde der von den Stadtverordneten gewählte neue Magistrat bestehend aus 2 besoldeten a und b, und zwei unbesoldeten Mitgliedern c und d vor der zahlreich versammelten Bürgerschaft von dem Herrn Landrathe von Pfannenberg feierlich eingeführt. Die Namen der neuen Magistrats Mitglieder sind, a der Bürgermeister Johann Karl Securius, seit 1817 (Kreissecretär hier, aus Querfurt gebürtig), b der Magistrats Assessor Friedrich August Meißner vorher Raths Assessor aus Delitzsch gebürtig, c der Magistrats Assessor Heinrich Gottfried Teuscher Kaufmann und Acronom aus Delitzsch gebürtig, d Peter Louis Meyner, Buchdruckerherr aus Altenburg gebürtig. In Folge der errichteten Städte Ordnung vom 17ten März 1831 nahm das neue Collegium den Amtstitel Magistrat an. Bei seinem Eintreten fand der neue Magistrat eine Communalschuld von mehr als 20000 Thalern und eine Stadt Kriegsschuld von 7980 Thalern vor. Die aus früherer Zeit noch unberichtigten Anforderungen an die Commune betragen über 3000 Thaler, zu deren theilweisen Deckung in dem ersten halben Jahre 1800 Thaler neu aufgenommen werden mußten. In den ersten Tagen des neuen Jahres wurde eine Collecte zum Holz Ankaufe für die Armen gesammelt, welche 34 Thaler, 2 Silbergroschen, 6 dinarium einbrachte.

Am 13 Januar
wurde in der Spröde für 180 Thaler, 17 Silbergroschen Holz vom diesjährigen Holzschlage in öffentlicher Auction verkauft.

Februar
Die Schulen hiesiger Stadt werden schon seit mehreren Jahren mit Deputatholz geheitzt, und nur in der Vorstadtschule fand die Einrichtung statt, daß jedes Kind den Winter hindurch 3 Silbergroschen 9 Pfennige Holzgeld zur Heitzung der Schulstube an den Lehrer entrichten mußte. Dieses auffallende Mißverhältnis wurde dadurch abgestellt, daß vom künftigen Winter ab der Schullehrer in der Vorstadt Haase eine Geldentschädigung von 14 Thalern jährlich erhält, und dafür die Heitzung der Schulstube selbst besorgt. Zu diesen 14 Thalern giebt die Gemeinde Grünstraße einen Beitrag von 4 Thalern und 10 Thaler werden aus der Communkasse gegeben. Die Schulkinder aber bleiben von den Holzgeldbeiträgen ganz frei.

Im M Mai
wurde die Kirschallee um die Stadt auf 10 Jahre jährlich für 38 Thaler 15 Silbergroschen an den Obsthändler Beyer verpachtet. Die im Jahre 1830 neugebauten beiden Schaafställe machten jetzt schon wieder ein theilweises Umdecken nöthig, weil sehr schlechte Ziegeln dazu genommen worden waren. Es wurde jedoch von der Hand nur die Mitternachtseite des östlichen Schaafstalles mit einem Aufwand von ohngefähr 120 Thalern umgedeckt, und 10000 neue Ziegeln aufgelegt.

Am 4 Juni
brachte eine Benefiz Vorstellung der Bello Tennerschen Schauspieler Gesellschaft der hiesigen Armenkasse die Summe 9 Thaler 5 Silbergroschen ein, nach Abzug aller Kosten.

Am 8 Juni
wurde der Fuhrmann Pernitzsch von hier auf der Straße nach Brehna von einem seiner Pferde, welches er sehr mißhandelte, dergestalt geschlagen, daß er wenige Stunden darauf starb.

Die Umdeckung der Mitternacht Seite des hiesigen Stadtkirchendaches war schon vor einigen Jahren als höchst nöthig beschlossen worden, und Sr. Majestät der König von Preußen hatte dazu 1/3 der Baukosten als Gnadengeschenk bewilliget. Die eben so nöthige Reparatur des Kirchthurmes aber, an welchem die Glocken Etage neu und massiv aufgeführt werden mußte, hatte die Dach Reparatur um einige Jahre hinaus geschoben.

Am 13 Juli
wurde nun mit der Umdeckung der Mitternachtseite des Kirchendaches der Anfang gemacht. Gutes Wetter begünstigte und geschickte Arbeiter – der Zimmermeister Holzweißig jun. von hier und der Schieferdecker Schindler aus Bitterfeld – förderten die Arbeit. Jedoch fielen einige Unglücksfälle dabei vor, denn am 3ten Juli fiel der Zimmerlehrling Friedrich August Falz aus Kertitz, von dem oberen Dachsparrwerke nach innen auf den zweiten Boden herab. Die Beschädigungen, welche er davon trug waren aber nicht lebensgefährlich, und er wurde bald wieder hergestellt. Aber, wo die Arbeit ihrer Vollendung ganz nahe, und nur etwa noch eine Stunde für den Schieferdecker daran zu thun war, stürzte Nachmittags ¼ auf 5 Uhr der Schieferdeckermeister Gottlob Wilhelm Schindler aus Bitterfeld 34 Jahr 1 Monat 11 Tage alt von dem östlichen Giebel des Kirchdaches aus einer Höhe von 100 Fuß auf das Pflaster herab und war auf der Stelle todt; die ganze rechte Seite des Kopfes war auf das furchtbarste zerstört, der Hirnschädel und die Gesichtsknochen in mehr als 60 Stücke zerbrochen. Alle Gehirnhäute waren zerrissen, das rechte Auge zerplatzt, der rechte Unterarm viermal, der linke zweimal gebrochen. Er hinterließ eine Wittwe und 4 unerzogene Kinder in ziemlicher Armuth. Tags darauf wurde er mit einer sehr ansehnlichen Leichenbegleitung begraben. (Vid. No. 30 des beyliegenden Nachrichts Blattes) Das Wenige was der verunglückte Schindler an dem Kirchendache noch unvollendet gelassen hatte, und die Beschädigungen die sein Körper, beim Stürzen, durch das Auffallen, dem Dache über dem Altar Gewölbe zugefügt hatte, wurde einige Tage nachher von dem Schieferdeckergesellen Brandt aus Leipzig ins Werk, und wieder hergestellt. Der Aufwand für die ganze Dachreparatur betrug 1262 Thaler 15 Silbergroschen 1 dinarium, wozu wie schon erwähnt 420 Thaler 25 Silbergroschen Sr. Majestät der König als Gnadengeschenk beitrug, und das übrige der Kirchfahrt zur Last fiel. Die pag 28 zu Anfange erwähnte Kirchenthurm Reparatur hatte 2737 Thaler gekostet. Zu beiden Bauen waren von der Kirchfahrt durch eine Anlage nach dem Klassensteuerfuße 3000 Thaler aufgebracht worden. Im Frühjahr und Herbste war in den beiden Scheungassen am Kohlthore zum besseren Abflusse des Wassers viel Erde abgestochen, und dafür in unseren Auctionen der Betrag 57 Thalern 22 Silbergroschen gelöset worden. Aus der Verpachtung der Pflaumen vor dem Viehthore wurden in diesem Herbste für die Communkasse 77 Thaler gewonnen.

Am 14 October
wurden nach Vorschrift der Städte Ordnung der dritte Theil der Stadtverordneten und der Stellvertreter erneuert. Vier Wochen vorher hatten sich als solche ausgeloset, Moritz, Kretzschmar, Holzweißig und Täubner, so wie die Stellvertreter Donath Kunze und Held. Neu gewählt wurden als Stadtverordnete Moritz Kretzschmar Kuhn und Elzner und als Stellvertreter der Kaufmann Krause, Schmied Zeitz, Schneider Balke, Seifensieder Karl Held, Gürtler Kaufmann Bäcker Hühnel. Es mußten darum sechs Stellvertreter gewählt werden, weil davon zweie Kuhn und Elzner zu Stadtverordneten gewählt worden waren.


1833

Januar
Bei der Holz Auction am 4ten Januar wurden 213 Thaler 16 Silbergroschen gelöset.

Februar
Mehrere Hausbesitzer am Damme an der Pforte hatten sich zur Anschaffung einer Laterne zur Erleuchtung der Straße des Abends vereiniget, und diese war die erste in der Stadt. Eine zweite auf gleiche Weise herbeigeschaffte erschien im Monat Februar auf der Hallischen Gasse da wo die Staubbesengasse in selbige einmündet.

März
Das Pflaster Gleite wurde, versuchsweise, im Halleschen Thore auf 2 ¾ Jahre für 51 Thaler jährlich vom 1ten April ab an den Böttcher Kuhne verpachtet. Mit diesem Pachte war die Erhebung des Thorgeldes beim Oeffnen desselben zur Nachtzeit, so wie die Aufsicht über das Thor ingleichen die Benutzung der Thorwärter Wohnung verbunden.

Mai
Am Himmelfarthstage Nachmittags 3 Uhr hagelte es, die Schloßen waren wie Flintenkugeln groß, thaten aber wenig Schaden, weil Windstille war.

Legat
Die am 20ten December 1832 gestorbene Wittwe Johanna Dorothea Krause, 97 Jahre 18 Tage alt, hatte der hiesigen Stadtkirche in ihrem Testamente ein Legat von 100 Thalern zur Anschaffung von Kirchen Ornaten ausgesetzt, welches im Monate April 1833 gezahlt und, da ein Bedürfnis an Ornaten jetzt nicht vorhanden, einstweilen nutzbar angelegt worden ist.

Juni
Das Einsammeln des Stättegeldes auf hiesigen Wochenmärkten wurde auf 2 Jahre und 7 Monate vom 1ten Juni 1833 bis ulto December 1835 an den Strumpfhändler Graul für 200 Thaler jährlich verpachtet. Eben so war auch die Einsammlung des Stättegeldes an den 3 hiesigen Jahrmärkten auf 3 Jahre, 1833 1834 1835, an den Registrator Richter für 60 Thaler jährlich verpachtet worden.

Vom 14-17 Juni
wurde auf hiesigem Schloßplatze versuchsweise ein Wollmarkt gehalten, welchen mehrere Rittergutsbesitzer aus der Umgebung als Verkäufer besuchten. An Käufern aber fehlte es fast ganz. Zur Aufstellung der Wollen waren von der Königl. Regierung zu Merseburg die Kornböden gegen einen Miethzins überlassen worden.

Juni
Die Brücke rechts vor dem Halleschen Thore neben dem Schloßgraben über den Fluthgraben des Lobers, welche von jeher vom Rentamte unterhalten worden ist, war zu Ende vorigen Jahres so baufällig geworden, daß selbige polizeilich gesperrt werden mußte. Die K. Regierung zu Merseburg verweigerte die Herstellung derselben, und nach mehrfachen Vorstellungen und Berichterstattungen wurde die Herstellung von dem K. Ministerio des Inneren zu Berlin anbefohlen. Die neue hölzerne Brücke wurde im Monat Juni 1833 gebaut.

Am Petri Paul Jahrmarkte
wurden die den Markt besuchenden Juden zum Auslegen ihrer Waren von dem Marktplatze in die Rittergasse verwiesen.

Am 20 Juli
wurde in der hiesigen Kohlgasse das 3jährige Kind des Lohgerbers Nagel von der Eilpost überfahren, und starb gleich darauf.

Im Juli
wurde dem Handarbeiter Noack auf sein Ansuchen das Kehren des Marktplatzes gegen einen jährlichen Zinns von 4 Thalern welcher bald nachher auf 2 Thaler herabgesetzt und vom Jahre 1834 ab ganz erlassen wurde, übertragen.

September
An der steinernen Brücke beim Hospitale welche die Stadt zu erhalten hat, wurde eine sehr wesentliche obschon nicht kostspielige Reparatur vorgenommen. Es wurde der schadhafte Brückenbogen untermauert, und der .................... unter der Brücke gepflastert.

Am 10 Septbr.
starb unser Superintendent M. Friedrich Heinrich Starcke, gebg. zu Luppe in Oschatzer Diöces am 27ten Januar 1760 und inwestiert als Superintendent zu Delitzsch am 16ten October 1809. Seine Beerdigung geschah am 13ten Septbr. 1833 Nachmittags 4 Uhr. Die ganze Knabenschule ging seinem Sarge voran, und nächst den Leidtragenden folgten demselben eine große Anzahl Geistlicher, Schullehrer, der Magistrat, Stadtverordnete, Stellvertreter, Schulvorstand und die Mitglieder der Gesellschaft zur Erholung. Die Schützen Compagnie hatte bei dem Begräbnisse eine Ehrenwache im Breiten Thore und auf dem Gottes Acker aufgestellt.

Windmühlen,
die des Windmüllers Helm vor dem Halleschen Thore und die des Stadtmüllers Trommler, im Rosenthale, wurden zu Ende des vorigen, und zu Anfange dieses Jahres gebaut und die erstere im Februar die letztere im April 1833 in Betrieb gesetzt.

Chaussee
Im Frühjahr 1833 wurde der Bau einer neuen Chaussee von Delitzsch nach Leipzig vom Fiscus unternommen und zu dem Behufe gleichzeitig eine neue Brücke vor dem Kohlthore gebauet. Der Bau ging unter der Leitung des Bau Conducteurs Palldram glücklich und rasch von Statten, und wurde im November 1833 beendiget. Von der Commune wurde innerhalb der Delitzscher Feldmark die Bepflanzung der neuen Chaussee übernommen, und wurden 52 Pappeln und ............... 41 Süßkirschbäume gepflanzt mit einem Aufwande von 114 Reichsmark 15 Silbergroschen 4 Pfennigen.

20ten October
Die Wahl der neuen Stadtverordneten und deren Stellvertreter fand am nach dem Vormittags Gottesdienste statt. Es wurden gewählt zu Stadtverordneten Sparwald, Große, Auerbach, Kaufmann, zu Stellvertretern Helling, Krause, Ufer Senior, Kunze. Ausgelooset hatten sich am 6 Septbr., von den im Jahre 1831 gewählten Rathmann Held Auerbach Söllner, und Sparwald Bier Gelbke. Die Einführung der neu gewählten geschah am

24ten October
und die neu gebildete Stadtverordneten Versammlung wählte an dem selben Tage zu ihrem neuen Vorsteher Herrn Kretzschmar und zum Stellvertreter Herrn Moritz, zum Protokollführer Herrn Ziemann und zum Stellvertreter Herrn Auerbach. –

Hospitalgarten
Durch den Hospitalgarten führte seit länger als 100 Jahren ein Weg aus dem Schloßgarten, welcher ursprünglich von der auf dem Schlosse wohnenden Herzogin und nachher von den daselbst wohnenden Beamten benutzt worden war. Am 2ten Octbr 1833 wurde mittels Recresses die Fahrwegs Gerechtigkeit abgelößt; es wurden dafür 20 Thaler gezahlt, und von der K. Regierung zu Merseburg die Zumauerung des in der Schloßgarten Mauer befindlichen Thores übernommen.

Pflaster Gleite
Vom 1ten Januar 1831 ab wurden die beiden Pflaster Gleits Hebestellen am Viehthore und am Kohlthore aufgehoben, weil in Folge der neuerbauten Bitterfeld Delitzscher Chaussee die Erhaltung der Straße durch die genannten beiden Vorstadttheile an den Fiscus mit übergegangen war. Es wird dafür, nämlich für die an den genannten beiden Thoren weggefallenen Pflaster Gleits Erhebung jährlich 200 Thaler Entschädigung vom Fiscus an die Communkasse zu Delitzsch gezahlt.

Am 17ten Decbr.
wurde eine große Linde in der Allee rechts vor dem breiten Thore vom Sturmwind umgeworfen. Sie fiel auf Bachners Haus ohne jedoch vielen Schaden anzurichten.

Am 18 Decbr
gegen Abend war ein noch größerer Sturm als Tags vorher, welcher an den Kirchendächern und den Dächern von mehreren anderen öffentlichen Gebäuden vielen Schaden anrichtete. Auf dem Commungute, der Pachterwohnung gegenüber, wurde ein Thorweg zerbrochen. In dem Communholze wurden zwei alte Fichten eine junge Eiche und einige mäßig starke Kiefern umgeworfen.


1834

Januar
Fahne am breiten Turm wird abgebrochen
In der Neujahrsnacht war wieder ein so heftiger Sturm wie am 18 Dcbr v Js. Er brach die große schöne Fahne vom breiten Thurme ab welche am - 3ten Januar in dem Stadtgraben wieder aufgefunden wurde.

Holz Auction
Die HolzAuction am 10 Januar gab eine Erlöß von 200 Thalern 18 Silbergroschen.

Apel und Brumer ziehen nach Leipzig
In Folge der mit dem neuen Jahre eingetretenen Zollvereinigung mit
Sachsen wendete sich die hiesige Tabaksfabrik Apel und Brumer von hier nach Leipzig. Eine zweite Folge dieser Zollvereinigung war, daß zur Verpachtung der beiden Böden auf dem Rathhause am 15ten Januar sich keine Liebhaber fanden. Vorher hatten Apel und Brumer diese Böden für 25 Thaler gepachtet gehabt.

Neujahrssänger
Die Schüler, welche zum neuen Jahre singen, hatten sich dieses Mal über 65 Thaler ersungen.

Medizin Aufwand für Arme
Für arme Kranke aus hiesiger Stadt wurden auf das vergangene Jahr an Medizin Kosten bezahlt, aus der Armenkasse 48 Thaler 3 Silbergroschen 11 dinarium und 53 Thaler 2 Silbergroschen aus der Hospitalkasse.

Legat
der Wittwe Schmidt von 25 rth. für den Frauen-u.Jungfrauenverein. Die am 24ten Juni 1833 verstorbene Kaufmanns Wittwe Marie Dorothea Schmidt erste Vorsteherin des am 4ten April 1827 gestifteten Frauen und Jungfrauen Vereins, hatte diesem Vereine durch mündliche Anordnung ein Legat von 25 Thalern ausgesetzt, und dadurch die bei ihrem Leben gegebene Zusage erfüllt, daß ihr Beitrag von 1 Thaler jährlich auch nach ihrem Tode fort entrichtet werden solle.

Februar
Reparatur am Halleschen Thurme
Eine im Monat Februar vorgenommene Reparatur am Dache des Halleschen Thurmes kostete 29 Thaler 25 Silbergroschen. In demselben Monate wurden statt der bisherigen Ziegeldächer über der Bibliothek und der Baukammer an der zwei neue Schieferdächer an der Kirche Stadtkirche Schieferdächer aufgelegt, weil die Ziegeldächer gar zu oft vom Sturmwinde beschädiget wurden, und dadurch häufige und kostspielige Reparaturen verursacht wurden. Diese beiden Schieferdächer kosteten 275 Thaler 10 Silbergroschen und ist dieser Aufwand aus der Kirche bezahlt worden. Die Stürme vom 17ten, 18ten und 31ten Decbr v Js hatten zu dieser Umänderung die nächste Veranlassung gegeben.

Collecte für die Gottes Acker Kirche
Die Beschädigungen, welche dieselben Stürme dem Dache der Gottes Acker Kirche zugefügt hatten, sind durch den Ertrag einer in der Stadt und den eingepfarrten Dörfern veranstalteten Collecte, deren Ertrag 63 Thaler 27 Silbergroschen 6 dinarium gewesen ist, wieder repariert worden.

März Schmidts Tabaks Fabrik
An die Stelle der Apel und Brumerschen Tabaksfabrik, welche zu Anfang dieses Jahres nach Leipzig verlegt worden war, wurde im Monate März in demselben Locale eine neue dergleichen von Heinrich Schmidt aus Leipzig errichtet, und wurden auch an denselben die Rathhausböden wieder auf 3 Jahre zu 25 Thaler jährlich vermiethet.

Schloßgraben Verkauf
Im vorigen Jahre war der dem Fiscus gehörige Schloßgraben öffentlich und meistbietend verkauft worden. Das erste Drittheil neben dem Hospitalgarten hatte der Maurermeister Mein, die beiden anderen Drittheile nebst dem Schloßzwinger die Wittwe Schönherr erstanden. Der erstere verwandelte seinen Graben durch Ausfüllung in eine Wiese. Beide bepflanzten sie den äußeren Grabenrand mit Süßkirschbäumen.

Hospital Garten
Im Hospitalgarten war zu Ende des vorigen und zu Anfange dieses Jahres ebenfalls viel gearbeitet, und der ganze Garten mit Obstbäumen bepflanzt worden. Die Anhöhe in diesem Garten an der Schloßgarten Mauer entlang aber ist auf 18 Jahre an den Tuchfabrikanten August Schmidt um 4 Thaler jährlich verpachtet worden, um solchen als Weinberg einzurichten. Nach Ablauf der Pachtzeit wird der angelegte Weinberg mit sämmtlichen Zubehör Eingenthum des Hospitals.

April Pflaster Gleite im breiten Thore verpachtet
Mit der Pflaster Gleits Einnahme im breiten Thore wurde der Versuch gemacht, selbige zu verpachten. Die erste Pachtung umfaßte den Zeitraum vom 1ten April 1834 bis ulto Decbr 1835 und das Pachtgebot war 288 Thaler jährlich, welches jedoch auf Ansuchen des Pachters Strumpfhändler Graul einige Monate nachher auf 250 Thaler herabgesetzt wurde.

Feuerwächter
Die nächtliche Feuerwache in der Stadt, welche bisher von den Bürgern der Reihe nach verrichtet wurde, erlitt gleichzeitig eine Veränderung, indem zwei besonders aus der Communkasse besoldete Lohnwächter angenommen wurden, von denen der eine vor, der andere nach Mitternacht wachet.

Schleußen am Gerberplan und Heiligbrunnen
Die Schleuße am Gerbergraben über welche der Weg nach dem Schießplatze führt, wurde mit einem Aufwand von ohngefähr 25 Thalern ganz neu gebauet. Auch wurde auf der Promenade nach dem Heilig Brunnen, statt einer Brücke welche Behufs des Wasser Abzuges sich dort befand eine Pfosten Schleuße angelegt.

Mai Nachtwächterhaus Am Kohlthore verkauft
Das der Commune gehörige Nachtwächter und Schlagzieherhaus am Kohlthore wurde am 7ten Mai für 253 Thaler an den Kattun-fabrikanten Seidel öffentlich versteigert. Dieser trat es noch vor der Übergabe an den Gürtler Auerbach ab, welcher es einige Monate darauf wieder an den Drechsler Petsche verkauft hat.

Am 30ten Mai erhängte sich im hiesigen Polizei Gefängnis der Windmüller Guritz aus Wellaune, welcher verdächtig war, seine Windmühle angezündet zu haben, und deshalb in Arrest gebracht worden war.

Juni Nuhahn
Am 27 Juni hatte sich der Schumacher Nuhahn, seit vielen Jahren krank, in seiner Wohnung mit dem Barbiermesser die Kehle abgeschnitten.

Forsthausverpachtung
Die Schenk- und Feldwirtschaft auf dem Commun Forsthause an der Spröda wurde auf 6 Jahre von Michael 1834 bis dahin 1840 an den pensionierten Förster des Ritterguts Beerendorf, Kohlmann, für 117 Thaler jährlich verpachtet. Der Communförster Pabst hatte nämlich mit Erlaubniß des Magistrats den Beerendorfer Försterdienst mit übernommen, und bezog in dessen Folge das Beerendorfer Forsthaus.

Die Verpachtung der Pflaumenplantage am Viehthore gab in diesem Jahre einen Ertrag von 71 Thalern 15 Silbergroschen.

Juli Großschopfs Tod
Am 29 Juli starb der seit 1819 mit 100 Thalern jährlich pensionierte Bürgermeister Großschopf in seinem 78ten Lebensjahre.

August Schiedsmanns Wahl
Am 3ten August nach beendigtem Vormittags Gottesdienste wurde auf dem Rathhause die Wahl der drei Candidaten zum Schiedsmanns Amte vorgenommen. Es wurden gewählt der Kaufmann Christian Friedrich Schmidt, der Kaufmann Tiemann und der Apotheker Freyberg. Von der Stadtverordneten Versammlung ist am 8 August der letztere zum Schiedsmann gewählt worden.

Pflasterung des Steinweges
Die völlig neue Pflasterung des Steinweges, welche im Monate Mai begonnen hatte, wurde im August beendiget und kostete gegen 250 Thaler.

Tertius Wohnung
Die für den Tertius Lorenz bestimmte neue Wohnung, die frühere Cantor Wohnung, war im Laufe dieses Schuljahres und Sommers völlig ausgebauet und am 20ten Septbr dem Tertius Lorenz übergeben worden. Der Ausbau kostete ohngefähr 330 Thaler.

Stadtverordneten- Wahl
neugewählten Stadtverordneten wurden am 22 Octbr von dem Magistrate in die Stadtverordneten Versammlung eingeführt. Von den letzteren wurde hier auch der Chirurgus Große zum Vorsteher, Auerbach zu dessen Stellvertreter, der Kaufmann Krause zum Protokollführer, und Elzner zu dessen Stellvertreter gewählt.

Orgel Reparatur
Eine sehr bedeutende Reparatur der Orgel in hiesiger Stadtkirche, welche das Herausnehmen aller Pfeifen, Reinigung derselben, neue Belederung der Bälge und dgl. nöthig machte, und einen Aufwand von 113 Thalern 12 Silbergroschen 6 dinarium verursachte, wurde, weil aus dem Kirchen Vermögen nichts dazu gegeben werden konnte, mit Hülfe einer Collecte in der Stadt und den eingepfarrten Dörfern ausgeführt. Die Collecte betrug 107 Thaler 13 Silbergroschen 9 dinarium und für einen alten Violen waren 6 Thaler gelöset worden. Bei dieser Orgelreparatur wurde auch der hinter der Orgel befindlich gewesene Zugang zur Bälgekammer zugemauert, und für den Calkanten die Thür über der Treppe rechts neben der Orgel durchgebrochen.

Wahl neuer Magistrats Assessoren
Die beiden unbesoldeten Magistrats Assessoren Tauscher und Mayner hatten bei der K.H. Regierung zu Merseburg nachgesucht mit Ablaufe dieses Jahres ihres Amtes entlassen zu werden, in dem sie dann dasselbe jeder 3 Jahre hindurch verwaltet hätten. Die K. H. Regierung hatte diesen Gesuchen statt gegeben, und auf deren Anordnung wurde von den Stadtverordneten zur Wahl von 2 neuen Assessoren geschritten. Es wurden gewählt der Justizcommissär Helling und der Kreisphysicus Dr. Ettmüller. Die Wahl des letzteren wurde aber von der Regierung nicht genehmigt, und es wurde dann der Seifensieder Kringer gewählt. Die Verpflichtung der beiden neuen Assessoren blieb für den 1. Januar 1835 ausgesetzt.

November Ehrenbürgerrecht an Dr. Ettmüller
Dem Kreisphysicus Dr. Ettmüller wurde auf Antrag der Stadtverordneten Versammlung unterm 17ten Novbr. 1834 von dem Magistrate das Ehrenbürgerrecht ertheilt, und der Bürgerbrief ihm von einer Deputation der Stadtverordneten eingehändiget.

December
Am 12ten December ertrank in dem Stadtgraben an der Pfortenbrücke an Weidenhammers Zwinger ein Pferd des Bauers Fiedler aus Klitzschmar, durch die Ungeschicklichkeit des Knechtes. Am Schlusse des Jahres befanden sich in dem Armenhause mit Einschluß der Kinder 28 Personen. Die Zahl der Hospitalbewohner betrug 29.

Garküchen Verpachtung
Mit dem letzten December 1834 hatte die bisherige Verpachtung des Rathskellers und der Garküche ihre Endschaft erreicht. Die neue Verpachtung auf 6 Jahre vom 1. Januar 1835 ab war in Folge Meistgebots an den bisherigen Schießhaus Pachter in Bitterfeld Getzolt für 57 Thaler jährliches Pachtgeld überlassen worden und gegen Bestellung einer dem doppelten Betrage des Pachtgeldes gleichen Caution, welche mit 3 Prozent verzinset wird. Das vorherige Pachtgeld betrug nur 30 Thaler 15 Silbergroschen jährlich.

Ordnung auf dem Gottesacker
Um die Ordnung beim Begraben der Todten auf dem Gottesacker zu befördern, wurden im September 1834 sämmtliche auf dem Gottesacker befindliche Gräber aufgezeichnet, und die Todtengräber mit einem neuen Begräbnißbuche versehen, in welches sie vom ersten Januar 1835 ab alle Beerdigungen genau eintragen und allmonatlich dieses Buch auf dem Rathhause vorzeigen sollen, damit die neuen Gräber in den Grundrissen nachgetragen werden können.


1835

Januar
Verpflichtung neuer Assessoren
Am 1ten Januar nach beendigtem Vormittags Gottesdienste wurde die feierliche Einführung und Verpflichtung der beiden neuen Magistrats Assessoren des Justiz Commissärs Ernst Gustav Helling aus Wittenberg gebürtig und des Seifensieders August Ferdinand Krieger aus Delitzsch gebürtig, und die Entlassung der beiden bisherigen Assessoren Tauscher und Meyner, auf dem Rathhause von dem Bürgermeister Securius vorgenommen, welcher dazu von dem Hl. Landrathe von Pfannenberg beauftragt worden war, und dazu die Subalteren des Magistrats die Innungs Obermeister sowie die gesammte Bürgerschaft theils schriftlich theils durch Bekanntmachung im Nachrichtsblatte eingeladen hatte.

Fahne auf dem Thurm am breiten Thore aufgesetzt abgenommen und wieder aufgesetzt
Die in der Neujahrsnacht 1834 vom Sturmwinde herabgeworfene Fahne des Thurmes am breiten Thore, war am 21. April 1834 mit einer starken eisernen Spindel versehen wieder aufgesetzt, und war statt der früher über derselben befindlich gewesenen Kurschwerter ein preußischer Adler angebracht worden. Im Laufe des Sommers 1834 hatte man oft bemerkt, daß die Fahne sehr schwanke, und es war bei heftigem Sturme ein abermaliges Abbrechen derselben zu fürchten. Um dem vorzubeugen, wurden im October und November 1834 die nöthigen Untersuchungen angestellt, und gefunden, daß die hölzerne Spindel, auf welcher die eiserne eingeschraubt ist, zu schwach sey. Zu Ende November 1834 wurde daher die Fahne wieder abgenommen, eine neue hölzerne Spindel auf den Thurm gebracht, diese noch mit 4 Streben befestiget, und statt des Adlers, von dem man glaubte, daß er die Schwankungen der Fahne befördert haben könne, ein eisernes Kreutz über derselben angebracht. Am 26ten Januar 1835 wurde nun diese neue Fahne wieder aufgesetzt. Der Stadtverordnete Gesell hat das Kreutz an den äußeren Rändern unentgeldlich vergoldet.

Russische Feueresse brennt
Am 16 Januar gerieth in dem Wohnhause des Maurermeisters Rose am Halleschen Thore eine russische Feuer Esse in Brand. Es entstand sofort Feuerlärm, aber glücklicher Weise wurde der Brand bald gedämpft.

Den hiesigen Stadt Nachtwächtern wurde vom 1ten Januar ab die Bewachung des köngl. Schlosses mit übertragen, wofür sie aus der Rentamtskasse bezahlt werden.

Die Neujahrssänger
hatten sich diesesmal 66 Thaler ersungen. In Folge höherer Anordnung wird von diesem Jahre an, von den in der Stadt wohnenden Hausgenossen kein Schutzgeld mehr erhoben.

Am 10ten Februar
wurde auf dem diesjährigen Holzschlage in der Spröde Holz Auction gehalten, und dabei die Summe von 246 Thalern 22 Silbergroschen gelöset.

Am 28ten Februar
wurde ein alter Mann Namens Ziegengeiß in der Schloßgasse auf offener Straße vom Schlage gerührt und blieb todt.

Am 8ten März Päßler Schiedsmann
nach beendigtem Vormittags Gottesdienste war die Bürgerschaft zur Wahl von 3 neuen Schiedsmanns Amts Candidaten auf dem Rathhause versammelt, weil die am 3ten August 1834 gewählten das Amt nicht angenommen hatten. Es wurden gewählt der Post Commissarius Päßler der Gürtlermeister Kretzschmer und der Bürgermeister Securius. Von diesen Candidaten hat die Stadtverordneten Versammlung den zuerst genannten zum Schiedsmann gewählt, welcher die Wahl angenommen und höhere Bestätigung erhalten hat. Für Logis Aufwand bekommt der PC Päßler eine jährliche Entschädigung von 6 Thalern aus der Communkasse ausgezahlt.

Der Maurermeister Meie bauet auf der Wehlteschen Wüstung ein neues Haus, jedoch nur halb so groß als die Baustelle es gestattet.

April
Um zu verhüten, daß die vor 5 Jahren neu angelegte Promenade vor der Pforte an der Stadtmühle nicht als Fahrweg gemißbraucht werde, sind quer über derselben drei Stempel eingesetzt worden.

Am 22ten April Ankunft des Superintendenten
Mittags ist unser neuer Superintendent der Divisions Prediger Rudel aus Breslau mit seiner Familie hier eingetroffen. Die Vocation für denselben wird auf Anordnung der Königl. Regierung zu Merseburg von dem Landrathe und dem Magistrate gemeinschaftlich ausgestellt werden, früher wurde solche von dem vormaligen Justizamte und dem Magistrate ausgefertiget.

Am 10ten Mai
hielt derselbe seine Antritts Predigt. Er wurde von den beiden Diaconen dem Magistrate und den Stadtverordneten früh zur Kirche abgeholt und bis an die Sakristei begleitet. Mittags war ein Festmahl in Schmidts Kaffeegarten veranstaltet, welches eine ziemlich zahlreiche Theilnahme fand. Mit Beziehung auf seinen Amts Antritte hatte der Sup. Rudel dem Magistrate 5 Thaler zur Vertheilung unter die Armen übersendet, welche Vertheilung, an 30 Arme, ebenfalls den 10ten Mai erfolgte.

Juni
Auf die Wiederherstellung der Dächer im Kommungute wurden mehr als 100 Thaler gewendet. Die Reparaturen in der Superintendentur Wohnung haben ohngefähr 150 Thaler gekostet.

Am 4ten Juli
Nachmittags gegen 5 Uhr schlug der Blitz in das Gartenhaus des Assessors Teuscher am halleschen Thore, ohne zu zünden. Die Zerstörungen welche der Blitz darin angerichtet hatte, waren merkwürdig. Von 32 Fensterscheiben in der Stube waren nur 2 ganz geblieben. Der Spiegel war zerschmettert, die Decke durchgeschlagen, der Berapp.................... theilweise von den Wänden losgerissen, Thür und Fenster Verkleidungen zum Theil zersplittert, einige Fensterrahmen aus ihren Fugen gedrängt, einer auf einen nahen Birnbaum geworfen, und am 25ten Juli unter dem Fenster wo der Blitz wieder heraus gegangen war, war eine Säule zerschmettert. Nachdem der Schock, den dieses Einschlagen verursacht hatte, vorüber war, kam die Nachricht, daß vor dem halleschen Thore eine Frau vom Blitz erschlagen worden sey, und tod an der Straße liege. Die Todte war die Ehefrau des Zimmergesellen Holzweißig, eine schwache und oft kranke Person. Der Blitz hatte sie nicht getödtet, denn es wurden keine Spuren davon an ihrem Körper wahrgenommen. Sie war auf dem Felde gewesen, hatte wahrscheinlich wegen des herannahenden Gewitters geeilt um nach Hause zu kommen, hatte sich dabei erhitzt, war vom Regen durchnäßt, und vom Schlage getroffen worden.Ein großes Unglück wurde am 25ten Juli früh durch Gottes Gnade von uns abgewandt. Es war nämlich in dem Hause des Bäckermeisters Hühnel auf dem Steinwege früh nach 3 Uhr Feuer entstanden. Sämtliche Hausgenossen hatten bis dahin fest geschlafen und waren erst durch das Getöse welches das brennende Feuer machte, aufgeweckt worden. Durch die schleunigste Hülfe gelang es das Feuer zu ersticken. Wenn es zum Ausbruche kam, so konnten von den leichten Häusern der Vorstadt mehrere verloren gehen.

Die diesjährige Verpachtung des Obstes auf der Pflaumen Plantage am Viehthore gab einen Ertrag von 112 Thalern.

Am 21. Juli
hielten die hiesigen Feldbesitzer eine Versammlung in welcher sie sich zur Annahme von 4 Feldhütern vereinigten um die Felddiebstähle zu verhüten. Jeder Feldhüter bekommt täglich 7 Silbergroschen 6 Pfennige Lohn.

Der Postsecretär Göttling ließ einen kleinen Wagen bauen mittelst welchem in einem darauf befestigten Fasse alle Morgen frisches Heiligbrunnenwasser zur Stadt gebracht wird. Er hat dieses Fuhrwerk dem armen Tagelöhner Schumachermeister Dietrich überlassen, damit dieser durch das Wasserholen sich etwas verdienen soll.

Am 18ten August
wurde die anderweite Verpachtung des Commungutes und der Lehdenfelder welche beide zu Johanni 1836 pachtlos werden, vorgenommen, und zwar auf doppelte Weise einzeln und zusammen. Die Meistgebote waren für beide zusammen 2265 Thaler, für das Commungut allein 1500 Thaler und für die Lehdenfelder allein 400 Thaler. Bisher hatten jenes 1800 Thaler dieses 590 Thaler Pacht gegeben. Die beiden bisherigen Pachter Küster von dem Commungute, und Schmidt von den Lehdenfeldern hatten das Gebot der 2265 Thaler gleichzeitig gethan, und es wurde von beiden der Küster als neuer Pachter ausgewählt, in einer späteren Verhandlung vom 25ten August.

Der Sommer
war ungewöhnlich warm und trocken. In den Mittagsstunden in der Sonne gewöhnlich 30 bis 33 ° Wärme, im Schatten 23 °, in den Stuben nach Mitternacht 17 bis 18 ° Wärme. Gewitter gab es gar nicht, mit Ausnahme des am 4ten Juli erwähnten. Selbst zu Herbstes Anfang am 23ten September hatten wir noch 30 ° Wärme. Man wollte diese Witterung mit der Erscheinung des Halleyschen Kometen in Verbindung bringen, welcher im Monat October in mattem Glanze erschien. S. d. Beilage.

Die diesmalige Erscheinung des nach Halley, Professor der Astronomie zu Greenwich, benannten Kometen war keineswegs so glänzend, wie nach älteren Berichten seine letzte zu Anfang des Jahres 1759, was darin seinen Grund hat, daß er diesmal lange vor seinem Durchgange durch das Perihelium (Sonnennähe) unserer Erde am nächsten kam; am 12ten October 1835 war er nämlich von dieser nur noch vier Millionen geographische Meilen entfernt, und erst am 16ten November ging er durch das Perihelium. Sein Schweif war ohngefähr vier Millionen Meilen lang, aber schmal und matt. Zu bemerken ist noch, daß dieser Komet diesmal nicht unter den Sternen des großen Bär, wie nach der Angabe in Doppelmayers Sternkarten bey seiner Erscheinung im Jahre 1682, sondern über denselben weggieng. Seine Umlaufzeit beträgt nach Halleys übereinstimmender Berechnung 76 Jahre; er wird also im Jahr 1911 wieder kehren, wo ihn dereinst unsere Nachkommen erblicken werden. – Die Beobachtung der Astronomen, daß der Schweif eines Kometen, wenn derselbe nach seinem Durchgange durch das Perihelium unserer Erde am nächsten kommt, am glänzendsten ist, hat sich auch bey der Erscheinung des Donatischen Komenten im Herbst 1858 bestätigt.
Den 4ten November 1858   Dr. I.

Im October
hat der Kaufmann Mullertt eine neue Ausschnitt- und Modewarenhandlung etabliert.

Der evangelische Bischof
der Provinz Sachsen Dr. Dräsecke aus Magdeburg war in den Tagen vom 16ten bis mit 22ten in unserer Stadt gegenwärtig, und hielt am 18ten Octbr Kirchen Visitation, und am 21ten Octbr die Einführung des Superintendenten Rudel in die Diöces. An beiden Tagen hielt der Bischof sehr gehaltvolle Reden, welche alle Herzen ergriffen. Die Kirche war jedesmal zum Erdrücken voll, jedoch fiel nicht die geringste Störung dabei vor. Namentlich waren auch viele Fremde ins besondere aus Leipzig dabei gegenwärtig. Zu dem gewöhnlichen Sonntags Gottesdienste am 18ten Octbr trat Nachmittags um 4 Uhr noch ein außergewöhnlicher Gottesdienst hinzu, in welchem der Superintendent Rudel mit dem zu Ostern d. Jh. confirmirten Kindern katechisirte. Behufs der Einführung des Superintendenten hatten sich am 21ten früh sämmtliche Geistliche und Schullehrer aus der Diöces auf der Superintendentur versammelt, und zogen, den Superintendenten an ihrer Spitze gegen 8 Uhr früh unter dem Geläute aller Glocken von dort ausdie hallesche Gasse herunter bei dem Rathhause vorbei nach der Wohnung des Bischofs um diesen abzuholen. Am Rathhause schlossen sich der Magistrat die Stadtverordneten und der Schulvorstand auf beiden Seiten dem Zuge an, und vom Balkon des Rathhauses herab ertönte eine Choralmusik. Vor der Wohnung des Bischofs – in den 3 Schwanen – hatten sich gleichzeitig 15 junge Mädchen weiß gekleidet mit Blumenkörben versehen aufgestellt. Als der Bischof aus seiner Wohnung herab gekommen war, und seinen Platz eingenommen hatte, traten diese dem Zuge welcher sich nun langsam nach der Kirche hin bewegte voran, bestreuten den Weg mit Blumen bis vor den Altar, und stellten sich dann zu beiden Seiten des Altars auf. Nach beendigtem Gottesdienste ging der Zug in derselben Ordnung wieder aus der Kirche heraus, über den Markt hinweg, die hallesche Gasse hinaus, bis an die Superintendentur, woselbst unter Vorsitz des Bischofs Synode gehalten wurde. Mittags fand ein Festmahl in Schmidts Kaffeegarten statt, welches der Bischof ebenfalls mit seiner Gegenwart beehrte. Die Gesellschaft zur Erholung hatte Tags vorher dem Bischof zu Ehren in dem Gasthofe zur goldenen Weintraube ein Mittagsmahl veranstaltet, zu welchem der Saal auf orientalische Weise sehr geschmackvoll verziert war.

Schwamm in der Knabenschule
In die beiden parterre gelegenen Klassen der neuen Knabenschule – eingeweihet am 2ten Juli 1827 – war der Schwamm gekommen. Es war daher nöthig die Dielen aus beiden Klassen heraus zu nehmen sowie auch die Thürgerüste, die Ausfülle heraus zu schaffen und neue trockene Fülle hinein zu bringen, die Wände, in so weit sie vom Schwamm ergriffen waren zu reinigen, die Fugen zwischen den Steinen auszuputzen. Die neuen Dielen wurden an der Wand entlang mit Zink beschlagen die Lager die unter Seite der Dielen und die Wände in so weit nöthig mit Steinkohlen Theer bestrichen auch die Lagen selbst mit Bäckerkohlen umgeben. Kurz es wurde alles angewendet um den Wiederentstehen dieses Übels vorzubeugen. Der Bau wurde in dem Monate Juli begonnen und währte bis zu Ende August. Er kostete 240 bis 250 Thaler. Die Oefen in den beiden unteren Klassen wurde mehr in die Mitte derselben gebracht und statt der Communientions(?) Flügelthür zwischen beiden Klassen wurde eine einfache Thür angebracht.

Juli
In dem Monate Juli wurde mit Einrichtung einer zweiten Mädchen Schulklasse und Wohnung für einen zweiten Mädchenlehrer vorgeschritten. Es wurde dazu die vormalige Tertius Wohnung bestimmt, und der ganze untere Raum derselben zur Klasse, der obere theilweise zur Wohnung benutzt. Die Maurer Arbeit wurde für 594 Thaler an den Maurermeister Meie die Zimmer Arbeit an den Zimmermeister Krause für 200 Thaler verdungen.

Land- und Stadt- Gerichtsbau
Der Magistrat hatte sich schon seit 2 Jahren, durch Berichts Erstattungen an die höheren Behörden bemüht, der Stadt ein größeres Gericht zu verschaffen, um dadurch etwas mehr Verkehr in die Stadt zu bringen. Mittelß Cabinets Order dedato Töplitz den 10ten Juli 1835 hatte nun Sr. Majestät der König von Preußen Friedrich Wilhelm III. genehmigt, daß in Delitzsch ein Land- und Stadtgericht eingerichtet werden solle, hatte auch dazu die Verwendung einer Summe von 1149 Thalern 28 Silbergroschen bewilliget. Zu dieser Summe kamen noch 700 Thaler welche die Stadt aus eigenen Mitteln beizutragen sich erboten hatte. Die Einrichtung des Gerichtslocals geschah, in Folge des Anerbietens Seiten der Stadt, auf dem Rathhause und wurde dazu die untere Etage und ein Theil der oberen verwendet. Es wurde dadurch der sehr geräumige Rathhaussaal um 1/3 kleiner, und verlor in der Front 2 Fenster. Der Bau zu dieser Einrichtung geschah unter der Leitung des Bau Inspectors Flachmann und begann mit dem letzten Tage des Monats August 1835. Die trockene und anhaltend warme Herbstwitterung war dem Baue sehr günstig, was um so erwünschter war, da das neue Gericht schon mit dem Jahre 1836 in Wirksamkeit treten sollte. In Folge dieses Baues wurde die bisherige Wachstube im Rathhause zur Kassenstube eingerichtet; eine Thür nach dem daneben befindlichen feuerfesten Gewölbe durch die Mauer gebrochen, um dieses letztere als Depositorium für das neue Gericht zu benutzen; eine neue Wachstube unmittelbar am Haupt Eingange zum Rathhause links, eingebauet. Außer der Kassenstube und dem deposital Gewölbe wurden in der unteren Etage des Rathhauses noch 6 Zimmer, und in der oberen zwei Zimmer für das neue Gericht eingerichtet. Auch wurden die Treppen Verschläge unter beiden Treppen zur Benutzung der verschlossenen Räume für die Commun angelegt.

Volbedings Abgang von Delitzsch nach Herzberg
Der Diaconus und Katechismus Prediger Volbeding welcher am 28ten September 1817 seine Anzugspredigt gehalten hatte, hielt am 25 ten Octbr. 1835 seine Abschieds Predigt, indem er von hier als Superintendent nach Herzberg versetzt wurde, und reisete gleich nach beendigtem Gottesdienste ab. In der Gesellschaft zur Erholung war ihm zu Ehren am 23ten Octbr. ein Abendessen veranstaltet worden.

Kirschallee an der Eilenburger Straße
An der Poststraße nach Eilenburg wurde im Frühlinge 1935 eine Allee von Sauerkirschbäumen auf Kosten der Commune angelegt. Es wurden 360 junge Bäume mit einem Kosten Aufwande von ohngefähr gepflanzt.


1836

Einführung des Land und Stadt- Gerichts
Am 2ten Januar wurde das neue Land- und Stadtgericht in seine Wirksamkeit eingeführt. Das Gericht bestehet aus einem Director, 4 Assessoren, von denen der eine in Zörbig, der andere in Bitterfeld auf Gerichts Commission bleibt, 2 Secretären, 1 Rendanten, 1 Canzellisten und Controlleur 3 Boten und einigen Lohnschreibern. Den Bezirk des Gerichts bilden die vormaligen Gerichts Aemter Delitzsch Landsberg Brehna Zörbig Bitterfeld. Die Einführung und Vereidung des Gerichts Personals – Director Müller, Assessoren Sornau Koch Vöckel und Penseler – wurde von dem Kreis Justizrath Schröner aus Halle vorgenommen. Außer der dazu erbetenen Gegenwart zweier Magistrats Deputirten und der Anwesenheit sämmtlicher Subalteren des Gerichts fanden keine weiteren Feierlichkeiten dabei statt.

Verpachtung des Pflastergeleites Stättegeldes und des Wagegeldes
Mit Anfange dieses Jahres treten folgende von der Commune geschehenen Verpachtungen in Wirksamkeit. Es ist nämlich verpachtet worden die Einnahme des Pflastergeldes in den beiden Thoren für 240 Thaler jährlich, auf 3 Jahre, die Einnahme des Stättegeldes an Wochenmärkten für 170 Thaler jährlich auf 3 Jahre, die Einnahme des Stättegeldes an Jahrmärkten für 70 Thaler jährlich auf 3 Jahre und die Waagegeld Einnahme für 16 Thaler jährlich auf 6 Jahre. Zur Unterstützung der Armen mit Holz war eine Collecte veranstaltet worden, welche 28 Thaler 15 Silbergroschen und 1 Fuder Holz eingetragen hatte.

Meusels, Diac. Einzug
An die Stelle des am 25 Octbr. v. Js. Von hier abgegangenen Volbeding war der bisherige Pastor zu Werbelin und Brodau Julius Meusel zum Diaconus und Katechismus Prediger gewählt worden. Am 27 Januar zog derselbe bei uns ein. Er wurde mit 4 Extrapostpferden eingeholt. Sämmtliche Stadtverordneten waren ihm in drei Kutschen bis an die Grenze des Stadtgebietes entgegen gefahren woselbst ihn der Stadtverordneten Vorsteher mit einer kurzen Anrede im Namen der Bürger und sämmtlicher Einwohner begrüßte und ein Gedicht überreichte. An seiner mit Blumen Guirlanden verzierten Wohnung hatten sich sechs weißgekleidete Mädchen aufgestellt, die ihm Blumen streueten, und eine derselben sprach ein kleines Gedicht. Hierauf sangen die Cantorei und die Chorsänger welche sich in seiner Wohnung versammelt hatten, eine Motette und einen Choral. Sämmtliche zu seinem Umzuge erforderlichen Gespanne waren aus Liebe zu ihm unentgeldlich gestellt worden von den hiesigen Einwohnern.

Stadtverordneten Wahl v.J.1835
Nachzuholen vom vorigen Jahre ist die Stadtverordneten Wahl. Sie hat am 18ten Octbr 1835 nach beendigten Vormittags Gottesdienste stattgefunden. Der Superintendent Rudel und der Bischoff Dr. Dräsecke hatten beide in ihren Kanzel Vorträgen auf die gesetzlich feierliche Wahl Bezug genommen. Es wurden gewählt, zu Stadtverordneten der Zinngießer Preil der Gastwirth Fröhlich der Buchbinder Krause, und der Lohgerber Heinze, zu Stellvertretern der Brauer Gürth der Färber Melzer der Fleischer Pörschmann und der Beutler Karl Teubner. Die neu gewählten Stadtverordneten wurden am 23ten October von dem Magistrate in die Stadtverordneten Versammlung eingeführt, und von der letzteren wurde der Chirurgus Große zum Vorsteher der Drechsler Ufer zum Stellvertreter, der Zinngießer Preil zum Protocollführer und der Buchbinder Krause zum Stellvertreter gewählt.

Am 7 Februar Meusels, Diaconus Antritts Predigt
Vormittags hielt der Diac. u Katechismusprediger Meusel seine Antrittspredigt, nachdem er zuvor von dem Superintendenten Rudel unter Assistenz des Archidiaconus M. Morgenstern und des Pastors Eger aus Döbernitz durch eine am Altare gehaltene Rede in sein Amt eingewiesen worden war.

Monate März
Von den Pferde haltenden Bürgern wurden in dem u flgd. zur Ausbesserung der Promenaden um die Stadt von den Pferde haltenden Bürgern eine bedeutende Anzahl Sandfuhren unentgeldlich geleistet.

Im April
wurden an der Spittelbrücke 29 Stück, und an der Schaafbrücke 68 Stück junge Pappeln gepflanzt. Der Weg nach Gertitz von dem halleschen Thore welcher früher vom Fiscus unterhalten wurde, dessen Erhaltung aber vor 2 Jahren der Stadt widerrechtlich aufgebürdet wurde und welcher seit vielen Jahren bei nassen Wetter gar nicht zu passieren war, wurde in diesem Frühjahre auf Kosten der Stadt in eine gute und feste Straße verwandelt, und auf beiden Seiten mit Sauerkirschbäumen bepflanzt.

Dem Seifensieder Dörfel in der halleschen Gasse und dem Drechsler Ufer an der Ecke der Schulgasse wurden von dem Magistrate Gastnahrungs Concessionen ertheilt. Jener hat die Firma zum goldenen Stern, dieser die zur Stadt Berlin.

Am 9ten Mai
starb der Königl. Bau Inspector Flachmann 57 Jahre alt. Zur interimistischen Verwaltung von seiner Stelle wurde der Bau Conducteur Wallbaum anhergesendet.

An die Dübener wurden 153 Stück neue Kirschbäume angepflanzt. Überhaupt waren in diesem Frühjahre 412 Kirschbäume in den Pflanzungen um die Stadt angepflanzt worden.

Am 22 Juni
hielt Sr. Königl. Hoheit Prinz Karl von Preußen Revüe über die hiesige Landwehr, und gab nach dessen Beendigung in dem Gasthofe zum weißen Rosse ein Sojeuner........................ zu welchem mehrere Beamte, auch der Bürgermeister gezogen wurden.

Am 21 Juli
wurden die diesjährigen Pflaumen auf dem Anger vor dem Viehthoor für 117 Thaler verpachtet. Zu Anfange Juli wurde der Bau der zweiten Mädchenklasse und der Wohnung für den zweiten Mädchenlehrer vollendet, und wurden beide Räume einstweilen dem schon vorhandenen Mädchenlehrer überwiesen, um dessen Wohnung und dessen Klasse ebenfalls in gehörigen Stand setzen und die nöthigen Veränderungen damit vornehmen zu können.

Am 9ten August
hat sich der Soldat Wilhelm Dietze aus Tiefensee vom Füsselier Bataillon des 32ten Infanterie Regiments in einer Kirschhütte in der Nähe des Forsthauses an der Dübener Straße erschossen.

24ten Septbr
früh gegen 4Uhr starb der Stadt Steuer und Kommun Einnehmer Friedrich Wilhelm Weitenhammer an der Wassersucht nach 6 monatlichem Krankenlager. Nach dem Beschlusse des Magistrats wurden die demselben übertragen gewesenen beiden Einnahme Stellen getrennt. Die Kämmerer Stelle wurde dem Bruder des Verstorbenen Eduard Weidenhammer, die Stadt Steuer Einnehmer Stelle aber einen Vetter desselben Friedrich August Weidenhammer übertragen. Beide wurden am 30 Septbr 1836 vereidiget, und dem 1ten October eingewiesen. Der Verstorbene hatte das der Stadt Delitzsch gehörige Jagdrevier für 56 Thaler jährlich in Pacht gehabt, und die durch den Tod eröffnete Pachtung wurde am 24ten Septbr an den Herren Oberfloß Commissär von Zedtwitz aufs neue für 59 Thaler 15 Silbergroschen jährlich auf 6 Jahre u 5 Monate in Pacht gegeben.

Am 18 Septbr
waren es 100 Jahre, daß in unserer Gottes Acker Kirche der erste Katechismus Prediger Hager seine Antritts Predigt hielt. Dieser Umstand gab Veranlassung zu einer Jubelfeyer in der Gottes Acker Kirche, welcher die Geistlichkeit, der Magistrat, die Stadtverordneten und der Schulvorstand beiwohnten. Die bey dieser Jubelfeyer vom Diaconus und Katechismusprediger Meusel gehaltene Predigt ist im Nachrichts Blatt gedruckt erschienen. Aus diesem Jubelfeste nahmen die Stadtverordneten Veranlassung eine Collecte zur Anschaffung einer Orgel für die Gottes Acker Kirche zu sammeln; die Sache kam aber nicht zur Ausführung. Die Stadtverordneten Wahl fand am 16ten Octbr statt. Es wurden gewählt zu Stadtverordneten August Schmidt Tuchfabrikant, der Chirurgus Große, der Uhrmacher Ottmer der Windmüller Bretschneider; zu Stellvertretern der Tabaksfabrikant Bier, der Fleischermeister Behr, der Zimmermeister Haase, der Seilermeister Brade junior.

Den 17 October
wurden die neugewählten Stadtverordneten in die Stadtverordneten Versammlung eingeführt.

Am 17ten October
in der Nacht vor 11 Uhr brannte die an der Kohlthorbrücke gelegene mit Stroh gedeckte Scheune des Kaffeegartenbesitzers Schmidt ab. Es war nicht zu ermitteln, ob das Feuer angelegt oder verwahrloset worden sey.

Im Frühjahre
hat der Maurermeister Göttsching aus Gertitz von dem Kaufmann Senff das Tabaksfabrikgebäude, die alte Münze genannt, gekauft, hat solches abgetragen, und neu aufgebauet, auch mehrere Mietwohnungen darin eingerichtet.

Im Herbste
unternahm der Brauer und Gasthofsbesitzer Gürth den Bau eines neuen Tanzsaales in dem Hofe seines Gasthofes am Markte.

Am 5ten Octbr
wurde die Schlämmung des Stadtgrabens unternommen und zwar der einen Hälfte desselben gegen Mittag. Es wurde zu dem Ende ein dann quer durch den Stadtgraben hindurch am kleinen Schutze nach Hildebrandts Zwinger hinüber gebauet, und eben so auch ein dann an dem großen Schutze gleich neben der Brücke in der Allee dadurch wurde dieser Theil des Stadtgrabens von dem Wasser Zuflusse frei. Beide Dämme kosteten zwischen 60 und 70 Thaler. An dem Halleschen Thore, da wo sich die Schleuße befindet, wurde der Alleedamm durchstochen, um das reichlich zufließende Quellwasser aus dem Stadtgraben abzuleiten. Der Maurermeister Mein und Victualienhändler Hoffmann hatten sich erboten, die Schlämmung dieser Hälfte des Stadtgrabens gegen Überlassung des Schlammes und Bezahlung von 50 Thalern aus der Kämmereikasse zu übernehmen. Die Stadtverordneten aber welche nicht wollten, daß noch Geld zugezahlt würde, hatten beschlossen die Schlämmung für Rechnung der Kommune zu unternehmen. Die Schlämmung dieser einen Hälfte des Stadtgrabens dauerte bis zum 28 Januar 1837 und kostete nach Abzug der Einnahmen welche durch den Verkauf des gewonnenen Schlammes statt gefunden hatten, 516 Thaler 8 Silbergroschen 8 Pfennige. Der gewonnene Schlamm wurde nämlich aller 14 Tage verkauft und einstweilen in der Allee und auf einigen Wiesen welche zu dem Behufe erpachtet worden waren, aufgeschüttet. Man war mit der Stadtverordneten Versammlung unzufrieden, daß sie das Erbieten des Mein und Hofmann, die Schlämmung für 50 Thaler zu bewirken ausgeschlagen, und dadurch der Stadt einen so bedeutenden Mehraufwand zugezogen hatten. Denn vor 40 Jahren, im Jahre 1796 war der ganze Stadtgraben schon einmal geschlämmt, und war dafür an die Unternehmer, eine Anzahl hiesiger Feldbesitzer, über 350 Thaler bezahlt worden. Die nächste Ursache und Veranlaßung zu der Schlämmung des Stadtgrabens war die in den Jahren 1832-38 hier herrschende sehr bedeutende Wechselfieber Epidemie mit ihrer großen Neigung zu öfteren Rückfällen, welche von der Sumpfluft entstand und ¾ der Einwohner befiel, weshalb die Regierung zu Merseburg die Schlämmung mit Erfolg anbefahl.

Voigt Hofrath
Der hiesige königl. Kreissteuereinnehmer Voigt erhielt im August c a von Sr. Majestät dem Könige das Prädicat als Hofrath. In der Nacht vom 12ten bis 13ten Decbr. Wurde bei demselben, durch das Seiten Gebäude ein Einbruch versucht. Die Diebe hatten jedoch nicht in das Wohnhaus eindringen können, und hatten sich mit Zurücklassung einer kleinen Leiter wieder davon gemacht.

Schulbänke
In die in dem Monate Juli vollendete neue Mädchenschulklasse sind neue Tafeln und Bänke angeschafft, und selbige am 17ten Decbr 1936 aufgestellt worden. Sie kosten 50 Thaler bei dem Tischlermeister Schultheis.


1837

Am 14 Januar
früh ist der Gutsbesitzer Kind in Gertitz in einem Graben im Dorfe todt aufgefunden worden. Wahrscheinlich ist dieser Unfall Folge seiner Unmäßigkeit. Er hinterläßt Frau und 6 Kinder.

Am 24 Januar
sind die auf dem diesjährigen Holzschlage Nr, 8 in der Spröda über die Deputathölzer geschlagenen Hölzer für 243 Thaler verkauft worden. Der vorjährige Holzverkauf in gleicher Beziehung hatte am 28 Januar 1836 statt gefunden, und hatte einen Erlöß von 259 Thalern 20 Silbergroschen gewährt.

In dem Monate Februar
traf der Nachfolger des verstorbenen Bauinspektors Flachmann, der bisherige Wegebaumeister Müller aus Görlitz hier ein.

Bibel Gesellschaft
Eine Tochter Bibel Gesellschaft, welche sich hier gebildet, hat am 15ten Februar 1837 ihren ersten Concent gehalten und ein Directorium gewählt bestehend aus dem Grafen von Hohenthal Döbernitz, Landrath von Pfannenberg, Superintendenten Rudel, Assessor Meißner, Diaconus Meusel und Pastor Hänisch in Selben. Am 4 März hat dieses Directorium die entworfenen Statuten vollzogen, solche nach Berlin an die Haupt Bibelgesellschaft eingesendet, und um Übersendung von Bibeln gebeten.

Am 23ten Mai
Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr wurde ein ungewöhnliches Getöse in der Luft wahrgenommen, welches mehrere Minuten lang anhielt. Es war ein ununterbrochenes dumpfes Donnern, theils dem Rasseln eines Wagens theils dem Knarren der Windmühlen theils einem .......................................... ähnlich. Es kam in der Richtung von Südwest, und war dabei keine Wolke zu sehen, der man das Getöse hätte zuschreiben können, auch schien es zum Theil unterirdisch zu seyn. Es ist dieses Getöse von mehreren Personen auf dem Felde und in Gärten bemerkt worden, und man hat die Ursache daran nicht enträthseln können.

26ten Mai
Auf dem Staubbesen Raine, an einer Communwiese bei der Naundorfer Mühle, und an den Wiesen bei Burgmanns Garten, welcher gegen über Communfeld und Pfarrfeld liegt, wurden am 8ten 12ten und Grenzberichtigungen gehalten.

9 Mai
Bei einem Scheibenschießen welches die Schützengesellschaft am 9ten Mai hielt, ging dem Kupferschmied Freiwald das Gewehr zu zeitig los. Die Kugel schlug im Schießgraben auf einen Stein, und flog dann dem Windmüller Huske in das Stubenfenster ohne jedoch jemanden zu beschädigen. Folge davon war daß nach und zum Theil kostspieligen Sicherheits Vorkehrungen gemacht werden mußten, als ohnehin schon statt finden.

Am 17ten Mai
ist die Prinzessin Helene von Markleeberg, verlobte Braut Sr. Königl. Hoheit des Herzogs von Orleans auf ihrer Reise nach Paris hier durch gereiset.

Bemerkenswerthe Bauen, welche in diesem Jahr vorgenommen wurden, sind, der Schneidermeister Gehrmann und der Maurermeister Main bauen jeder ein neues Haus in der Zscherne. Der Senator Schmidt bauet eine neue Scheune und ein neues Wohnhaus vor dem Halleschen Thore, der Gastwirth Gürth, im goldenen Ringe am Markte hat einen neuen Saal gebauet, welcher am 24 Juni eingeweihet wurde.

Am 21 Juli
war in Folge eines Landregens ein sehr großes Wasser entstanden. Die Bäche traten aus ihren Ufern, und sämmtliche am Lober entlang liegende Gärten und Wiesen wurden überschwemmt. Die Obstnutzung auf dem Pflaumen Anger vor dem Viehthore wurde in diesem Jahre für 86 Thaler verpachtet. Auch fanden die erstmaligen Verpachtungen der Kirschen an der Leipziger Chaussee und an der Eilenburger Poststraße statt. Für jene wurden 8 Thaler 5 Silbergroschen gezahlt, diese wurden mit den Kirschen an der Dübener Straße zusammen für 9 Thaler 15 Silbergroschen verpachtet.

In dem Monate August
wurde in dem Hofe des Rathauses ein neuer Holzstall für das Königl. Land und Stadtgericht erbauet lediglich auf Kosten des Fiscus.

Brücke am Pfeffermühlenwege
Auf dem sogenannten Pfeffermühlen Wege ist statt der bisherigen hölzernen Brücke, welche die Stadt Commun zu erhalten hat, und die zu fortwährenden Reparaturen Veranlassung gab eine neue steinerne Brücke im Monat Juli erbauet worden.

Am 3ten Septbr
starb der Stadtverordnete und Lohgerbermeister Kunze ein geachteter und braver Mann. In dem Gehöfte des Orgelbauers Lochmann stürtze der Maurer Lehrling Winter aus Schenkenberg vom Gerüste herunter und brach das Bein.

Am 12ten Septbr
ist in unserer Stadt die nächtliche Thorsperre und das Thor Einlaßgeld in Folge höherer Anordnung aufgehoben worden. Diese Anordnung machte nöthig daß dem Pflastergleits Pachter Graul 15 Thaler jährlich an seinem Pachtquanto erlassen werden mußten, und das der Miethzins für die Pfortenwärter Wohnung von 12 Thalern auf 6 Thaler (für die Wittwe Wißverkowitz) herabgesetzt wurde. Weil nunmehr die Thore ganz unnütz sind, so ist um Erlaubnis nachgesucht worden die Thore und Thorpfeiler ganz wegnehmen zu dürfen.

Stadtverordneten Wahl
am 15ten October sind gewählt worden zu Stadtverordneten der Kaufmann Wilhelm Kühne, der Tabaksfabrikant Bier, der Seilermeister Teubner und der Bäckermeister Donath. Zu Stellvertretern der Victualienhändler Hofmann, der Schleifer Richter, der Strumpfwirker Pabst und der Beutlermeister Christoph Teubner.der neu Gewählten geschah am 16 Octbr Nachmittags und es wurden von der neuen Versammlung der ..... Kühne zum Vorsteher der ..... Heinze zum Stellvertreter der ..... Bier zum Protocollführer und der ..... Bretschneider zum Stellvertreter gewählt.

Am 18 Octbr
feierte die Delitzscher Bibel Gesellschaft Nachmittags 2 Uhr in der Stadtkirche ein Bibelfest, mit Gesang und Predigt, worauf sodann der Präsident der Gesellschaft Graf Hohenthal eine Rede an die Versammlung hielt, und zuletzt von dem Diaconus Meusel 48 Bibeln an die dazu ausgewählten und in der Kirche gegenwärtigen armen Kinder vertheilt wurden.

Mädchenschule
Der Bau der neu eingerichteten Mädchenschule war im vorigen Monate beendiget worden. Es waren zwei Klassen und zwei Lehrer Wohnungen hergestellt. Sämmtliche Schulmädchen, welche bisher von dem Mädchen Lehrer Zieger allein unterrichtet worden waren, wurden verhältnißmäßig in zwei Klassen gesondert. Für jede Klasse wurde ein besonderer Lehrplan entworfen und jede Klasse zerfiel wieder in zwei Abtheilungen. In manchen Unterrichts Gegenständen werden beide Abtheilungen zusammen unterrichtet, in manchen eine jede besonders; dem pp. ??? Zieger wurde die erste Klasse übertragen, und als zweiter Mädchenlehrer wurde der bisherige Kinderlehrer Petermann aus Gertitz mit 120 Thaler fixen Gehalt jährlich angestellt. Die feierliche Einweihung der beiden neuen Klassen und die Einführung des neuen Lehrers wurde von der Schul Inspection mit Zuziehung des Schulvorstandes und der Stadtverordneten am 8ten Novbr 1837 vorgenommen, und mehrere Tage darauf wurden beiden Lehrern ihre neuen Dienstwohnungen übergeben, die Besoldung des neuen Lehrers wird aus der Communkasse bezahlt, in welche die einzelnen Bestandtheile dieser Besoldung fließen. Die Communkasse muß jedoch jährlich über 60 Thaler dabei zubüßen. Nur auf diese Weise war es möglich eine Erhöhung des Schulgeldes, worauf Seiten der Geistlichen angetragen worden war, zu vermeiden.

In der Nacht vom 14ten zum 15ten November wurde von Abends 8 Uhr bis gegen 3 Uhr Morgens ein Nordlicht beobachtet; es war ein in seinen Ausstrahlungen und prachtvollem Farbenspiel sehr schönes Phänomen. Das Thermom. zeigte – 6 Reaum. Westwind. Die wahrscheinlichste Ursache des Nordlichts ist nach Franklin das Ausströmen elektrischer Materie am Pol.

Am 24 November
wurde von der neu constituierten Stadtverordneten Versammlung der Beschluß gefaßt die Anschaffung einer Orgel für die Gottes Acker Kirche, wovon pag 55 Erwähnung geschehen, wieder auf zu geben, weil die dazu theils schon gesammelten theils unterzeichneten Beiträge nicht ausreichend waren. Die schon gesammelten Beiträge wurden unterm 19 Decbr 1837 den Einzahlern wieder zurück gegeben. Die Beiträge aber, welche von auswärts her, namentlich durch den Herrn Steuer Einnehmer Weidenhammer in Leipzig eingesendet worden sind, 47 Thaler 15 Silbergroschen haben die Geber nicht wieder zurück nehmen wollen, und ist davon nach dem Willen der Geber ein Stamm Kapital zu einer künftigen Orgelbeschaffung für die Gottes Acker Kirche angelegt worden, dessen Zinsen dem Kapitale zu wachsen und wieder nutzbar angelegt werden sollen.

Kirchen Vorsteher
Auf höhere Anordnung mußte noch ein zweiter Kirchenvorsteher bei hiesiger Stadtkirche angestellt werden, indem alle dagegen gemachten Vorstellungen vergeblich gewesen waren. Es war dazu von den Magistrate als Kirchen Patron der hiesige Bürger und Gold Arbeiter Christian Gottfried Söllner gewählt und am 23ten Novbr 1837 von der Kirchen Inspection auf dem Rathhause verpflichtet worden.

Steuer Kapitalien
An alten unverwechselten Steuer Kapitalien aus dem 15 und 16 Jahrhunderte hatte die Stadt Delitzsch die Summe von 9402 Thalern 2 Silbergroschen 6 dinarium zu fordern, welche bisher regelmäßig theils mit 5 theils mit 3 PC. verzinset worden waren. Unterm 10 Februar 1839 wurde die Rückzahlung dieser Kapitalien angekündiget, und wurde der Zahlungstermin auf Michael 1836 bestimmt. Wegen des hohen Agio, welches der Magistrat von diesem Gelde verlangte – vom Thaler 11 Silbergroschen 6 2/3 dinarium (??) . Geld – und wegen des dadurch nöthig gewordenen vielfachen Hin und Herschreibens, wurde die Rückzahlung noch hinausgeschoben. Die Kommun wollte Anfangs den Fiscus wegen des verweigerten Agio verklagen, gab jedoch diesen Vorsatz nach eingeholtem Gutachten von dem Justiz Commisär Wachsmuth in Naumburg wieder auf, und nachdem alle Anstöße beseitigt worden waren, erfolgte die Rückzahlung der oben genannten Summen mit 5400 Thalern in neuen SteuerCredit Kassen Scheinen und 25 Thaler baar am 3 April 1837 und in 3977 Thaler 2 Silbergroschen 6 dinarium Corv. ( ? ) Geld baar am 7 Septbr 1837. Von diesem Gelde wurden zu Johanni zu Michael und zu Weihnachten 1837 an Communal Schulden 9183 Thaler 3 Silbergroschen 9 dinarium zurückgezahlt. Übrigens ist der Magistrat der Meinung, daß die Commun wohl ein Recht gehabt hätte, das erwähnte Agio zu verlangen, nur würde es ihr wohl kaum gelungen seyn ihr Recht zu beweißen, weil die Nachrichten über die Veränderungen, die mit jenen Kapitalien vorgegangen, zu unvollständig waren.

Straßenordnung
Auf Veranlassung der Königl Preußischen Hochlöblichen Regierung zu Merseburg war von dem Magistrate eine Straßen Ordnung für die Stadt Delitzsch entworfen, und nach deren vorhergegangener Genehmigung von der gedachten (?) Regierung, unterm 18 Decbr 1837 zum Druck befördert, und an sämtliche Einwohner vertheilt worden.

Meusels Abgang
Der Katechismus Prediger und Diaconus Meusel, welcher erst am 7 Februar 1836 zu uns gekommen war, verließ uns wieder mit Ende des Jahres 1837 und ging als Pastor nach Claußnitz, Ephorie Penig. Er hielt am 31 Decbr 1837 seine Abzugs Predigt. Am 10ten Decbr war ihm zu Ehren von der Gesellschaft zur Erholung im Barthschen Saale ein Abschiedsfest gegeben worden. (Dieser als Mensch undKanzelredner gleich hochgeachtete vortreffliche Mann starb d. 11ten Februar 1857, 53 Jahre alt.)

Stadtwaage
Auf Antrag des bisherigen Pachters der Stadtwaage des Vergolders Gesell wurde die Wagegeld Einnahme vom Anfang des künftigen Jahres an anderweit verpachtet, und zwar an den Bürger und Schneidermeister auch Ephoralboten Craatz für 15 Thaler jährlich auf 6 Jahre. Gesell hatte jährlich 16 Thaler Pachtgeld gegeben und da an der Beendigung seiner Pachtzeit noch 4 Jahre fehlten, so mußte er die Commun wegen dieses Ausfalles mit 4 Thalern entschädigen.


1838

Die Schlämmung der zweiten Hälfte des Stadtgrabens wurde dem Maurermeister Meie für die Summe von 350 Thalern Überlassung des Schlammes und Darleihung der Schlämmungs Geräthschaften übertragen. Er hat am 13 Novbr 1837 damit begonnen , und solche bis zum 13 Februar 1838 beendiget. Der Schlämmungs Aufwand für diese zweite Hälfte des Stadtgrabens beträgt 386 Thaler 4 Silbergroschen 2 dinarium mit Einschluß der Entschädigung des Stadtmüllers Trommler für das Stillestehen seiner Mühle weshalb demselben 4 Scheffel – Metzen Roggen und – Scheffel 8 Metzen Weitzen dresdner Maaß monatlich von seinem Getreide Erbzinse, dem Mühlen Kauf Contracte gemäß, erlassen worden sind, auf 3 ½ Monate.

Am 15 Januar
früh ½ 4 Uhr bei strenger Kälte weckte uns Feuerlärm. Es brannte in den Seiten Gebäuden welche die Gehöfte des Apothekers Freyberg und Kaufmann Mulrott, am Markte von einander trennen. Die Gebäude waren nur niedrig und völlige Windstille und das Feuer wurde bald gelöscht.

Der Winter war sehr kalt, und die Kälte lange anhaltend, vom 6 Januar bis zu Ende Februar. Es wurde mehrmals Holz an die Armen vertheilt. Für die städtischen Armen zusammen für 155 Thaler 15 Silbergroschen, welche theils durch freiwillige Beiträge – in zwei Sammlungen 86 Thaler 16 Silbergroschen 7 dinarium – aufgebracht, theils aus der Hospitalkasse der Dr. Schulzeschen Stiftung, der Kämmerei und Armenkasse entnommen worden sind. Außerdem wurden von dem Hl Grafen von Hohenthal-Döbernitz noch 20 Thaler zum Holz Ankauf für die Armen geschenkt. Für die Armen der Grünstraße ist besonders gesammelt worden. Es waren für die dortigen Armen eingegangen 36 Thaler 15 Silbergroschen.

Auch von Privat Gesellschaften ist zur Unterstützung der Armen in dieser allgemeinen Noth vieles geschehen. Der Schnee lag sehr hoch und mußte zur Stadt hinaus gefahren werden, um die Straßen in der Stadt fahrbar zu machen.

Feuerordnung
Unterm 5ten Februar 1838 ist eine neue Feuer Ordnung für die Stadt Delitzsch entworfen, und solche unterm 31ten März 1838 zum Druck befördert und publicirt worden.

Fischkasten
Dem Pflaster Gleits Pachter Graul ist die Anlegung eines feststehenden Fischkastens in dem Stadtgraben neben der Brücke am Breiten Thore erstattet worden. Es lehnt sich dieser Fischkasten mit der Rückwand an den zum Thorwärter Hause gehörigen Garten an, und giebt der pp Graul wenn künftig sein Pflaster Gleits Pacht aufhört, jährlich 6 Silbergroschen Fischkastenzins an die Communkasse.

Stichflammen Oefen
Der Obersteuer Controlleur Köpke welcher von Stendal hierher versetzt worden ist, um die hiesige Königl. Steuer Einnehmer Stelle zu verwalten (der bisherige Steuer Einnehmer Inkermann ist wegen 1400 Thaler Kassen Defecte seines Amtes entsetzt worden seit Januar den 20ten 1837 und nachher zu 1 ½ Jahr Festungsstrafe in Magdeburg verurtheilt;) hat uns eine neue Art Oefen zu bauen gelehrt, die er Stichflammen Oefen nennt, und die sehr auf Holz Ersparniß und auf schneller Heitzung der Zimmer einwirken. Mehrere Einwohner welche sich solche Ofen haben setzen lassen, sind damit sehr zufrieden. Es sind diese Oefen Köpkens eigene Erfindung und hat er dafür eine Prämie von 200 Thalern in Berlin bekommen.

Akazien
An die Stelle der vor mehreren Wochen umgeschlagenen Pappeln an der Pforte wurden im Frühjahr Akazien angepflanzt. Die Pappeln waren weggenommen worden, weil sie durch ihre Größe bei heftigem Sturme dem Ufer des Stadtgrabens gefährlich zu werden drohten.

Diaconus Walkker
Unser neuer Katechismus Prediger und Diaconus Pastor Walcker aus Buckau bei Herzberg ist am 27 März 1838 hier eingetroffen. Der Bauverwalter Kaufmann hat demselben seine Dienstwohnung, deren Thüren mit Blumen Guirlanden geschmückt waren übergeben und eine Deputation von 4 Stadtverordneten hat ihn Namens der Stadt begrüßt. Am 1 April hat er seine Anzugs Predigt gehalten, und ist invastirt worden. In der Gottes Acker Kirche hielt er die erste Predigt am ersten Osterfeiertage den 15 April 1838.

Am 26 April
starb die gewesene Besitzerin des Gasthofs zum weißen Rosse, Baronin von Minckwitz. Sie hatte in ihrem Testamente ein Legat von 200 Thalern, dessen Zinsen zur Besoldung des zweiten Mädchenlehrers verwendet werden sollen ausgesetzt, 4 Wochen nach ihrem Tode zahlbar. Dieses Legat ist mit zu der schon vorhandenen Stiftung der Kaufmanns Wittwe Hartmann für den Hülfslehrer an der Mädchenschule genommen worden. Es soll daher diese Stiftung künftighin Hartmann und von Minckwitzische Stiftung zur Besoldung des zweiten Mädchenlehrers genannt werden. Die 8 Thaler jährliche Zinsen von dem Legate der 200 Thaler sollen regelmäßig an den zweiten Mädchenlehrer Petermann über die ihm nach fol 62 ausgesetzten 120 Thaler Besoldung ausgezahlt werden.

Zimmermeister Posern
Ein zweiter Zimmermeister Posern aus Kemberg hat sich schon im Monate März d. J. hier niedergelassen, und hat zur Niederlegung und Bearbeitung seiner Bauhölzer einen Theil von dem Hutungs Platze neben dem Gasthofe zur Weintraube angewiesen bekommen.

In der kleinen Scheungasse, welche von dem Steinwege nach den beiden großen Scheungassen vor den breiten Thore führt, ist eine Gosse gepflastert worden, um diese Gasse reinlicher und für Fußgänger und Fuhrwerk bequemer zu machen. Diese Pflasterung hat sich nachher auch auf die erste Scheungasse ausgedehnt, und ist diese in der Mitte von oben bis unten ebenfalls mit einer gepflasterten Gosse zum Abfluß des Regen und Schneewassers versehen worden.

10 – 11 Mai
In der Nacht vom 10 – 11 Mai war ein so starker Frost, daß vieles Getreide Wein und Obstbäume erfroren sind.

Zu Anfange des Monats Mai wurden die 4 Thor und Thürpfeiler am breiten Thore, die beiden Thorpfeiler am halleschen Thore abgetragen und Thore und Thüren weggenommen. Auch die beiden Flügel des Pfortenthores wurden weggenommen, jedoch daselbst die Pfeiler stehen gelassen.
Es war zu dieser Wegnahme der Thore und Abtragung der Thorpfeiler Genehmigung der K. Regierung zu Merseburg eingeholt worden, welche dieserhalb an das Kriegs Ministerium hatte berichten müssen. Die Eingänge zur Stadt wurden dadurch ganz frei.

Am 23 Juni
vormittags gegen 11 Uhr, bei heftigem Westwinde entstand in dem Hause des Schlossermeisters Sander an der Pforte Feuer. Das Feuer war unter dem Dache ausgekommen, und es schienen dieses Haus und die beiden Nachbarhäuser der beiden Schumachermeister Hund und Schreiter verloren zu seyn. Indessen wurden durch die schnelle Hülfe das Feuer bald gelöscht, und nur Sanders Haus dadurch ruiniert, die beiden Nachbarhäuser aber wenig beschädiget.

Am 18 Juni
vormittags 8 Uhr wurde von der Delitzscher Bibel Gesellschaft in der Stadtkirche ein Bibelfest mit Gesang und Predigt gehalten, und wurden gegen 50 Bibeln an arme Kinder vertheilt.

Obst Verpachtung
Die diesjährigen sauren Kirschen an der Eilenburger und Dübener Straße und dem Verbindungswege am Galgthore sind am 26 Juni für 9 Thaler 15 Silbergroschen verpachtet worden. Zu den süßen Kirschen an der Leipziger Straße fand sich kein Abnehmer, weil die Bäume zu wenig Früchte hatten. Die Pflaumen auf der Plantage vor dem Viehthore sind am 24 Juli ca für 100 Thaler verpachtet worden.

Eine Dachreparatur an den beiden Schaafställen des Commungutes kostete 111 Thaler.

Für die 3 Brandbeschädigten Sander Hund und Schreiter ist von den Stadtverordneten eine Collecte in der Stadt gesammelt worden welche 76 Thaler 13 Silbergroschen 9 dinarium eingetragen hat. Davon haben erhalten Sander 50 Thaler Hund 16 Thaler Schreiter 10 Thaler 13 Silbergroschen 9 dinarium.

Die Post Expedition
ist in das Haus des Kaufmanns Krause am Markt verlegt worden vom 1 August ab. Nach v. Buenaus Tode ward v. Espinol aus Berlin Postmstr.

August
In demselben Monate wurde die Lehmannsche Wüstung in der Süßemilchgasse, eine Brauerben Hausstelle, von dem Schumachermeister Stübner wieder bebauet. Mehrere hiesige Einwohner haben Gebäude mit Dornschen Dächern, d. h. ganz flache Dächer, nach Vorschrift des Fabriken Commissionsrath Dorn in Berlin ausgeführt, namentlich der Zimmermeister Krause, Kaufmann Krause, Apotheker Freyberg Maurermeister Meie Seilermeister ...................... u.m.a.

Ernte Wetter
Die diesjährige Getreide Ernte wurde durch lange anhaltende nasse Witterung sehr erschwert, und um mehrere Wochen verspätiget. Vieles Getreide wurde naß eingebracht oder ist auf dem Felde ausgewachsen.

Legat von 200 Thalern
Die am 26ten April 1838 verstorbene Freifrau von Minkwitz hat zur Besoldung des zweiten Mädchenlehrers ein Legat von 200 Thalern ausgesetzt, welches zu Anfange des Monats August d.J. von der Universalerbin Frau Samberg ausgezahlt wurde. Es sind dafür 200 Thaler Preußische Staats Schulden Scheine angekauft worden, wovon die ersten Zinsen auf dem 2ten Januar 1839 an den zweiten Mädchenlehrer Petermann ausgezahlt werden.

Am 25ten Septbr
wurde der 7jährige Sohn des Tagelöhners Naumann, vor dem breiten Thore in der Nähe der Obstbuden von einem Leiterwagen überfahren, der linke Arm des Knaben wurde mehrmals gebrochen, und mußte abgelöset werden.

Auf die Stadt Kriegsschulden wurden im Laufe dieses Jahres 1150 Thaler abgezahlt. Von dem Communplatze an der Malzdarre wurde an die anliegenden Hausbesitzer verkauft, an den Maurermeister Meie 11 ½ Quadrat Ruthen, an den Federviehhändler Ehrlich 4 ¾ Quadrat Ruthen an den Leinwebermeister Beyer 6 ½ Quadrat Ruthen an den Zimmergesellen Haase 6 ½ Quadrat Ruthen und an den Fuhrmann Pannier 2  Ruthen. Jeder dieser Arequirenten zahlt statt des Stadtgeldes jährlich pr Ruthe 2 ½ Silbergroschen Erbzinns an die Kämmererkasse zum ersten Male Michael 1838. Außerdem sind die Arequirenten mit Ausnahme des pp Pannier noch Königl Steuern aufgelegt worden dem pp Meie 1 ............. dem pp Ehrlich ½ .........., dem pp Beyer und pp Haase jedem 5/8 ........ nach dem Stadtfuße.

Am 14ten October
wurde die Wahl der neuen Stadtverordneten und Stellvertreter vorgenommen. Es wurden gewählt zu Stadtverordneten der Seilermeister Gottlob Barth der Victualienhändler Hoffmann, der Schleifer Anton Richter und der Gürtlermeister Kretzschmer, zu Stellvertretern der Gastwirth Gottlob Becker, der Kaufmann Schulze der Kaufmann Haacke und der Leinewebermeister Schönbrodt. Die Einführung der neu Gewählten geschah am 15ten Octbr, und wurden von der neu constituirten Versammlung zum Vorsteher der Kaufmann Kühne und zum Stellvertreter der Müller Bretschneider, zum Protokollführer aber der Gürtler Kretzschmer und der Bäcker Donath zu dessen Stellvertreter erwählt.

Pathengeschenk
Zu Ende October wurde dem hiesigen Bäckermeister Braune der siebente Sohn aus einer Ehe geboren, weshalb ihm das Königliche Pathengeschenk von 50 Thalern bewilliget worden ist.

Tabakfabrik
die seit mehreren Jahren in der Rittergasse bestehende Tabakfabrik des Kaufmanns Heinrich Schmidt in Leipzig ging an den Kaufmann Gottlob Bier über und wurde die Firma der Fabrik auf des letzteren Namen umgeändert, im October 1838.

Pflastergleite Wochenmarkt und Jahrmarkt Stättegeld
Die Pachtungen über diese 3 Gegenstände gingen mit dem Schlusse des Jahres 1838 zu Ende und es wurde daher von neuem verpachtet a. das Pflastergleite in beiden Thoren auf 6 Jahre für 213 Thaler jährlich an dem Victualienhändler Hofmann, b. das Stättegeld bei Wochenmärkten auf 3 Jahre für 161 Thaler jährlich an den Haasen Händler Naumann, c. das Stättegeld an Jahrmärkten auf 3 Jahre für 60 Thaler jährlich an eben denselben.

Holz Auction
In der Holz Auction in dem Augustusbusche am 19ten Decbr 1838 wurden aus den über die Deputate geschlagenen Hölzern 128 Thaler, 14 Silbergroschen gelöset.

Prüfungs Commission für Bauhandwerker
Schon vor zwei Jahren wurde die bisher in Weißenfels bestandene Königliche Prüfungs Commission für Bauhandwerker nach Delitzsch verlegt, und Anfangs dem Landrathe von Pfannenberg seit dem Monat März 1838 aber dem Bürgermeister Securius das Directorium bei derselben übertragen. Die Mitglieder der Commission sind außer dem genannten Director derselben der Königl Bau Inspector Müller der Zimmermeister Krause, der Maurermeister Meie und der Maurermeister Göttsching jun.

Anlegung der neuen Leipziger Straße
Schon im Jahre 1832 als die Chaussee von Delitzsch nach Leipzig gebauet, und zu dem Ende die Kohlthorbrücke neu hergestellt und vergrößert auch jenseit derselben die Chaussee rechts über die Wiesen hinweg geführt wurde, sprach sich Seiten der Bewohner der innern Stadt der Wunsch aus, daß man die neue Straße von Bitterfeld nach Leipzig durch die Stadt Delitzsch hindurch führen möchte. Es geschahen auch zur Erreichung dieses Wunsches verschiedene Schritte bei den höheren Behörden, und wurde eine Collecte veranstaltet, um den dadurch für die Stadt entstehenden Aufwand mit decken zu helfen. Es wurde jedoch mittels Verordnung vom 15ten Septbr 1832 das dies sellbige Gesuch von der Regierung zu Merseburg abgeschlagen. Am 2ten Januar 1838 gaben nun die Stadtverordneten ein Gesuch ein, worin die Unterstützung der Commun zur Anlegung eines neuen Thores auf der Mittags Seite der Stadt, um dadurch einen näheren Weg nach Leipzig zu gewinnen und einen Ausgang aus der Stadt mehr zu bekommen, in Anspruch genommen wurde. Es hatte sich zu dem Ende ein Verein von mehreren Bürgern gebildet welcher sich der Anlegung der neuen Straße und der damit verbundenen beiden Brücke über den Stadtgraben und über den Lober unterziehen wollte und mit welchem Seiten der Commun ein förmlicher Contract abgeschlossen wurde. Es wurden aus der Kämmereikasse 2000 Thaler dazu bewilliget, außerdem wurden noch 1600 Thaler freiwillige Beiträge dazu eingesammelt, und das Erd und Sand Material nebst Fuhrmann wurden von den dabei interessierten Pferde haltenden Bürgern unentgeldlich geleistet. Seiten der Vorstadtbewohner, welche Beeinträchtigung in ihrer Nahrung fürchteten, waren aber dem Unternehmen so vielfache Hindernisse entgegengestellt worden, daß über deren Beseitigung das ganze Jahr 1838 verflossen war. Der Bau konnte erst im Monat März 1839, am 15ten, seinen Anfang nehmen, mußte in Folge besonderer Verfügung vom 25 März 1839 wieder unterbrochen, und durfte erst am 29ten April 1839 wieder fortgestellt werden. Am 13ten Mai 1839 wurde der Rost zu dem ersten Brückenpfeiler jenseits des Lobers eingesetzt, und geschah dieses mit lautem Jubel der dabei Interessierten, mit Musik und fröhlichem Gesang. Der Bau wurde nun vom Anfange sehr lebhaft, späterhin etwas langsamer betrieben und kam erst im November 1841 völlig zu Stande.


1839

Schmidts Scheunstelle am Kohlthore
Mittelst Kaufs vom 10ten Januar 1839 wurde die wüste Schmidtische Scheunstelle am Kohlthore und der Platz vor derselben von der Commun erkauft für die Summe von 450 Thalern, wogegen jedoch von der Verkäuferin, Wittwe Schmidt, die zu erwartenden 200 Thaler Brandkassen Entschädigung der Commun mit überlassen wurde. Die Scheune war nämlich am 17 Octbr 1836 abgebrannt. Die Commun wollte durch diesen Ankauf verhüten, daß nicht wieder eine Scheune auf dem Platze aufgebauet würde. Zu Ende des Jahres 1839 wurde derselbe Platz mit etwas vergrößerter Ausdehnung an den Zimmermeister Posern, zur Erbauung von Wohngebäuden, für die Summe von 305 Thalern wieder verkauft jedoch ohne die 200 Thaler Brandkassen Entschädigung.

Rathhausböden
Die Rathhausböden wurden an den Kaufmann Bier auf 3 Jahre vom 1 Mai 1839 für 16 Thaler jährlich verpachtet zum Tabaktrocknen.

Am 12 Februar
wurde der Handarbeiter Conrad, welcher wegen Diebstahls in Untersuchung gerathen, und darauf längere Zeit vermißt worden war, im Augustusbusche erhängt aufgefunden.

Zur Unterstützung der Armen mit Holz waren in einer Collecte 44 Thaler 15 Silbergroschen 3 Pfennige eingesammelt worden. Von dem Grafen Hasenthal Döbernitz erhielt unsere Armenkasse ein Geschenk von 20 Thalern.

Am 18ten April
beehrte der Herr Regierungs Präsident Graf von Arnim unsere Stadt mit seinem Besuche und nahm Rathhaus Kirchen und Schulen in Augenschein.

Die Lehmannsche
Wüstung in der Süßmilchgasse hat der Schumachermeister Stübner mit einem übersetzten Hause wieder bebauet, welches er am 7ten Mai 1839 bezogen und darauf die versprochenen 10 Thaler aus der Wüstungskasse ausgezahlt erhalten hat.

Stadt Kriegs Schulden
Zur Tilgung der Delitzscher Stadt Kriegs Schulden welche nach der unterm 20 Juli 1822 von der damaligen Stadt Kriegs Schulden Commission gegebenen Übersicht 14637 Thaler 15 Silbergroschen betrugen wurde unterm 12ten April 1839 das letzte Ausschreiben mit 14 Silbergroschen von 100 Thalern Einkommen erlassen. Die Beiträge welche seit jener Zeit zur Tilgung dieser Schuld von den hiesigen Einwohnern gezahlt worden sind, erreichen die Summe von 22000 Thalern.

Gesells Haus
Im Jahre 1839 wurde von dem Vergolder Herrn Gesell das vorher dem Schlossermeister Welker gehörige Wohnhaus an der Ecke der Goldhahn Gasse, jetzt Leipziger Gasse, neu aufgebauet.

Pocken
Ein Landwehrmann, Namens Frömichen aus dem Dorfe Mildenstein im Bitterfelder Kreise, welcher zur Landwehr Übung in dem Monate Juni 1839 mit einberufen worden war, brachte uns die Menschenpocken hierher, welche ohngefähr ¾ Jahr lang hier aushielten, woran einige Personen starben, und wogegen alle gesetzlich vorgeschriebenen Vorsichts Maasregeln zur Anwendung gebracht werden mußten.

Am 12ten Juni
war der Hl. Reg. Rath Denneil aus Merseburg hier, revidirte das Armenhaus, das Hospital und die Hospitalkasse und hielt mit dem Herrn Superintendenten und den Magistrate einen Empfang auf dem Rathhause.

Der Apotheker
Schulze erbauete in dem Garten des vormals von Hartitzscheschen Hauses am Schloßplatze eine chemische Fabrik; der Besitzer machte aber bald nachher Banquerott.

Der Böttchermeister
Georgi und der Zimmermeister Posern führten in der neuen Leipziger Gasse neue Häuser auf. Auch wurde in demselben Jahre das Pflaster Gleits Häuschen in derselben Gasse von dem Comittee zur Anlegung der neuen Straße zu Gunsten der Commun erbauet.

Am 20 Juli
wurde der Schornsteinfeger Krause aus Schkeuditz wegen Ausgabe falscher sächsischer zweitfäleriger Kassen Anweisungen (Billets) hier arretirt; er bekam 4 Jahre Zuchthausstrafe.

Die diesjährigen Kirschen in den der Stadt Commun gehörigen Alleen wurden für 43 Thaler die Pflaumen aber für 80 Thaler verpachtet.

Drohbriefe
In den Monaten August und September wurde die hiesige Stadt durch das Auffinden einiger Branddrohbriefe erschreckt, welche jedoch keinen weiteren Erfolg hatten.

Am 20ten October
fand die Wahl der neuen Stadtverordneten und Stellvertreter statt. Es wurden gewählt zu Stadtverordneten der I.C.Hassert, der Strumpfwirker Pabst der Chirurg Rathmann und der Kaufmann Haacke, zu Stellvertretern der Schneidermeister Bier, der Schneidermeister Crätz, der Seifensieder Held und der Fleischermeister Barth jun.

Die Einführung
der neu Gewählten geschah am 24ten October, und es wurden von der neu constituirten Versammlung der I.C.Hassert zum Vorsteher, der Gürtler Kretzschmer zum Stellvertreter der Kaufmann Kühne jun. zum Protocollführer und der Kaufmann Bier zum Stellvertreter gewählt.

Am 9ten October
beehrte der Herr Oberpräsident der Provinz Sachsen Graf Stollberg die Stadt mit seinem Besuche.

Am 31ten
October wurde in Folge Allerhöchster Anordnung das Reformationsfest als Erinnerungsfest an die vor 300 Jahren geschehene Einführung der Reformation in die Provinz Sachsen als hoher Festtag mit Vor und Nachmittags Gottesdienst gefeiert. Nach Beendigung des Nachmittags Gottesdienstes stellten sich die Schüler der Knabenschule auf dem Markt in einem Kreis in dessen Mitte sich die Geistlichkeit die Schullehrer und das Musikchor befand und es wurde hier das Lied „Nun danket alle Gott“ gesungen, worauf der Hl. Sup. Dr. phil. Rudel mit kräftiger Stimme eine kurze Rede hielt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der letztere sich dabei seinen Tod geholt hat, denn es lag Schnee und war sehr kalt und rauh. Er wurde bald darauf krank und starb am 4ten Januar 1840.

Das Raupen
auf der Pflaumen Plantage vor dem Viehthore wurde für 16 ½ Thaler verdungen.

Extrablatt
Am 17ten Julius 1839 starb zu Giessen im 80ten Lebensjahre der Dr. und ordentliche Professor der Theologie Carl Christian Palmer. Derselbe war 1759 in Delitzsch geboren, studierte in Schulpforta und Leipzig, wurde 1782 am letzteren Orte Vesperprediger, 1784 Licent. Theol. und Frühprediger an der Universitäts Kirche, dann 1787 Prof. Theol. Extraord. und 1794 von Leipzig als Prof. Theol. Ordin. und Frühprediger an der Stadtkirche nach Giessen berufen. Im Jahre 1806 wurde derselbe General Superintendent und Mitglied des Kirchen und Schulraths der Provinz Oberhessen. Er war ein sehr gewissenhafter und streng rechtlicher Mann, freisinniger Theolog, und wegen seiner Schriften, welche jeden extremen theologischen Standpunkt vermeiden, wie auch als Kanzelredner und als Mensch sehr hoch geachtet. Bey der Feier seines fünfzigjährigen Amtjubiläums, welche am 22ten August 1837 sehr glänzend und festlich begangen wurde, ernannte ihn der Großherzog zum Geheimen Kirchenrath. Palmer gehört ebenso, wie die nun noch zu erwähnenden Gelehrten früherer und späterer Zeit zu den literarischen Größen und Zierden unserer Stadt. Diese Männer sind folgende: 1) M. Erasmus Schmidt, zu Ende des sechzehnten und Anfang des siebzehnten Jahrhunderts Prof. Ordin. der Mathematik und der griechischen Sprache an der Universität zu Wittenberg, berühmt durch seine vorzügliche Ausgabe des griechischen Dichter Pindar; 2)M. Johann Kuehn, Rector der Schulpforte während der schlimmsten Zeit des dreißigjährigen Krieges (1630 bis 1644); 3) Dr. Medic. Carl Christian Krause, Prof. Anatom. et Chir. Extraord. in Leipzig, starb daselbst im hohen Alter im Jahre 1793, berühmt durch seine treffliche Ausgabe des römischen Arztes Celhus; 4) Dr. Medic. Christian Gottfried Ehrenberg, Prof. Ordin. der Naturwissenschaften zu Berlin, jetzt 78 Jahre alt, berühmt als großer Naturforscher durch seine Reisen und Werke.
Geschrieben im April 1873      Dr. I.

Am 18 Decbr.
feierte der Dr. Ideler Senior hierselbst sein 50jähriges DoctorJubiläum. Es war zu dem Ende ein Mittagessen in dem Gasthofe zum goldenen Ringe veranstaltet worden, an welchem auch der Hl. Regierungs Medicinal Rath Dr. Niemann aus Merseburg Theil nahm. Von Sr Maj. dem König wurde der Jubilar mit dem rothen Adler Orden 4ter Kl. decorirt. Von der medicinischen Facultät der Universität Leipzig erhielt er das Jubel Doctor Diplom, und von der Gesellschaft für Natur und Heilkunde zu Dresden das Diplom als Ehren Mitglied. Von der Bürgerschaft wurde er mit einem silbernen Pocal beschenkt, von mehreren seiner Freunde mit einem zweiten dergleichen Pocale, und von den Medicinal Personen mit einem werthvollen medicinischen Kupferwerk.


1840

Um bei der strengen Kälte die Armen mit Holz zu unterstützen wurde im Monat Januar eine Collecte veranstaltet. Für das Martinsstift zu Erfurt wurden 7 Thaler 16 Silbergroschen 6 dinarium gesammelt und eingesendet.

Die Holz Auction
in dem Communholze am 14ten Januar gewährte einen Ertrag von 161 Thalern 4 Silbergroschen. Es hatten jedoch auf dem Holzschlage die erforderlichen Deputathölzer nicht gewonnen werden können, und mußten daher für die Knaben und Mädchenschule, so wie für den Förster die Klafter mit 8 Thalern bezahlt werden.

Am 4ten Januar
starb der Hl. Sup. Dr. Phil. Rudel 59 Jahre 4 Tage alt. Der Graf von Hohenthal auf Döbernitz schenkte zur Unterstützung der Armen mit Holz 2 Louisdor an die städtische und 1 Louisdor an die Grünstraßer Armenkasse.

Am 5 Februar
starb der Maurermeister Scharlach im 80ten Lebensjahre nachdem er 6 Tage vorher am 29ten Januar 1840 sein 50jähriges Meisterwerden erlebt hatte.

Am 7 Februar
starb im bald vollendeten 78ten Lebensjahre der pensionierte Bauverwalter Wend. Er bekam 30 Thaler jährliche Pension.

16 geköpfte Pappeln auf einem Rundtheile in der Kirschallee wurden stehend für 27 Silbergroschen verkauft.

Am 18 März
wurde das Forsthaus an der Dübener Straße nach Ablauf des bisherigen Pachtes anderweit auf 6 Jahre meistbietend verpachtet an den H Tutschke aus Lehelitz für 82 Thaler jährlich. Das frühere Pachtgeld des H Kohlmann betrug jährlich 117 Thaler. Mithin jetzt 35 Thaler weniger.

Im Frühlinge
und Sommer dieses Jahres wurde die bisher chaussiert gewesene Straße in der Viehgasse und weiter hinaus bis über Thormanns Wohnung hin auf fiscalische Kosten gepflastert.

In der Todtengasse
wurde von dem Fuhrmann Scharf ein neues Wohnhaus, von dem Kaufmann Meißner junior eine neue Scheune und von dem Seilermeister Teubner ein neues Niederlage Gebäude aufgeführt, und wurden dadurch drei früher mit Stroh gedeckt gewesene Scheunen in dieser Gasse weggebracht.

Am 22 März
feierte der Justitiar Hildebrandt sen. sein 50jähriges Dienstjubiläum. Der Juristen Verein hatte an diesem Tage einen Ball mit Abendessen veranstaltet in dem Gasthofe zum goldenen Ringe an welchem über 160 Personen, namentlich auch viele Auswärtige theil nahmen. Vor dem Essen wurde von dem hiesigen Liebhaber Theater Verein, welcher im vorigen Herbste zusammen getreten ist, ein kleines Schauspiel, ein Gesangsstück und einige Scenen aus Göthes Faust gegeben.

Am 28 April
bildete sich ein neuer öconomischer Verein, von einer großen Anzahl von Mitgliedern aus den Delitzscher und Bitterfelder Kreise. Es fand in den Gasthofe zum goldenen Ringe ein Mittagsessen statt.

Die Verpachtung
der Kirschen in den Alleen gab einen Ertrag von 76 Thalern, die der Pflaumen vor dem Viehthore einen Ertrag von 157 Thalern.

Am 10 August
starb in Colberg die Ehefrau des hiesigen Kaufmanns Kühne junior, wohin sie um das Seebad zu gebrauchen gereiset war. Sie war die einzige Tochter der hier wohnenden alten Wittwe M Kretzschmar.

13 August
starb der hiesige Kaufmann Meißner sen. 85 Jahre 11 Monate 5 Tage als. Er war der älteste Mann hier.

11 August
wurde der auf dem hiesigen Commungut erbaute neue Kuhstall gerichtet. Es war dieser Bau Anfangs dem Zimmermeister Posern für 1270 Thaler übertragen worden. Als aber der pp Posern seiner zerrütteten Finanzen wegen im April 1840 von hier fortging wurde der Bau in bedeutend größerer Ausdehnung dem Zimmermeister Krause für 2470 Thaler übertragen. Während der Bau Ausführung fanden sich aber noch mehrere Gegenstände welche machen zu lassen für nöthig erachtet wurde, und man kann daher den Werth des ganzen Gebäudes auf 2800 Thaler annehmen. Der Eifer mit welchem der Bau der neuen Leipziger Straße Anfangs betrieben wurde, ließ in diesem Jahr sehr auffallend nach. Besonders fehlte es an der gehörigen Aufschüttung und Verbreiterung des Fahrdamms von der Loberbrücke bis dahin wo die neue Straße in die alte einmündet. Es mußte daher die schon begonnene Benutzung dieser Straße wieder untersagt, und mußten wiederholte Verfügungen an den Straßen Bau Verein erlassen werden um die Straße an den beiden Endpuncten auf angemessene Weise zu versperren.   Der Kaufmann Kühne sen. erbauete dicht an der neuen Straße innerhalb seines Zwingers ein freundliches Gartenhaus, welches zur Verschönerung des Eingang in die Stadt sehr beiträgt.

In der Holzgasse
wo von Richters Hausecke ab das Pflaster fehlte, wurde dieses Pflaster auf Kosten der Commun hergestellt.

Ein Proceß,
welchen die Königl Regierung zu Merseburg Namens des Fiscus bei der General Commission zu Stendal angestellt hatte gegen die hiesige Stadtkommun wegen der Seiten des Fiscus behaupteten Eigenthumsrechte an Grund und Boden des Angers vor dem Viehthore, wurde von der Commun gewonnen, und der Fiscus mit seinem behaupteten Eigenthumsrecht auf Grund einer in Lehmanns Chronik befindlichen Schenkungsurkunde vom 1ten April 1384, abgewiesen. S. Lehmanns Chronik.

Dem Arris Inspector
und vormaligen Bürgermeister Schulze war auf Anordnung der K. H. Regierung zu Merseburg wegen einiger neu übernommenen Gerichtsbestellungen die ihm früher bewilliget gewesene Pension seit einigen Jahren nicht mehr gezahlt worden. Es hatte deshalb die Commun verklagt und war in dem ersten Urteil mit seiner Klage abgewiesen und in die Kosten verurtheilt worden. Das Zweite Urteil auf die seiner Seits eingelegte Appellation sprach ihm die frühere Pension von 66 Thalern 23 Silbergroschen 9 dinarium wieder zu, und da die Stadtverordneten sich bei diesem zweiten Urteil beruhigten, so mußte diese Pension vom 1ten Juli 1836 ab mit Verzugszinsen nachgezahlt, und künftig alljährlich, vierteljährlich praemmeranto gezahlt werden. Ist kein Beweis von Liebe zur Vaterstadt.-

Am 18ten October
wurde die Stadtverordneten Wahl vorgenommen. Es wurden gewählt zu Stadtverordneten der Posamentierer Querl, der Stadt Musicus Hofmann, der Strumpffabrikant Arndt jun., der Stadtmüller Trommler, zu Stellvertretern der Tischlermeister Krause, der Drechslermeister Ufer, der Zimmermeister Peisker und der Kaufmann Wilhelm Schulze. Die Einführung der neu Gewählten geschah am 19ten October 1840 und wurde von der neuen Versammlung gewählt zum Vorsteher Kretzschmar, zum Stellvertreter desselben Becker, zum Protocollführer Haacke zu dessen Stellvertreter Pabst.

Am 24ten Novbr
feierte der gewesene Magistrats Assessor Teuscher seine goldene Hochzeit.